Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Ereignisse Einstein Kanitscheider I 164
Ereignis/Allgemeine Relativitätstheorie/Kanitscheider: jedes Ereignis ist ein Punkt der vierdimensionalen Raumzeit, das unabhängig von allen begrifflichen Konstruktionen wie Vektorbasen und Koordinatensystemen beschrieben werden kann. Raumzeit/Einstein: irgendwo zwischen 10-15 und 10-33 cm bricht das glatte Mannigfaltigkeitsbild der Raumzeit zusammen.
>Raumzeit/Einstein, >Gravitation/Einstein, >Kovarianz/Kanitscheider, >Kovarianz/Einstein.
Kanitscheider I 166/167
Def Lichtkegel/Kanitscheider: zeigt gut den Charakter dieser Gravitationstheorie von Einstein: greifen wir einen Punkt e der Raumzeit heraus, so repräsentiert dieser ein physikalisches Ereignis.
Der Lichtkegel von e ist dann die Geschichte eines sphärischen Lichtblitzes, der einwärts in Richtung auf e konvergiert und dann wieder von e nach außen divergiert.
Der Lichtkegel spiegelt die lokale Kausalstruktur der RT wider. Alle erlaubten Prozesse werden durch Weltlinien wiedergegeben, die innerhalb oder höchstens (im Falle von Photonen und Neutrinos) auf dem Mantel des Kegels liegen.
Alle Ereignisse im Vergangenheitslichtkegel können auf e einwirken und alle im Zukunftslichtkegel können von e beeinflusst werden.
An der lokalen Lichtkegelstruktur kann man die gravitationsfreie Raumzeit der SR (materieloses Universum) von den mit Schwerefeldern erfüllten, allgemein relativistischen Raumzeiten unterscheiden.
In der SR (ohne Materie) sind die Kegel alle gleich angeordnet.
In der AR (mit Materie) sind sie nach der Stärke von einwirkenden Gravitationsfeldern geneigt. (Auswirkung auf die Kausalstruktur und die Zeit durch die Gravitation der Materie).

Kanitsch I
B. Kanitscheider
Kosmologie Stuttgart 1991

Kanitsch II
B. Kanitscheider
Im Innern der Natur Darmstadt 1996
Prinzipien Genz II 29
Unumstößlichkeit/Prinzip/Genz: Die Evolution erklärt, warum uns einige Prinzipien unumstößlich erscheinen, ohne es zu sein.
II 118
Verständnis/Prinzip/Prinzipien/Genz: Ein tieferes Verständnis ist erreicht, wenn man zeigen kann, dass eine Theorie aus Prinzipien abgeleitet werden kann. >Verstehen, >Theorien, >Ableitung, >Ableitbarkeit.
Relativitätstheorie/Einstein/Genz: Einstein hat dies für die drei Relativitätstheorien geleistet.
>Relativitätstheorie.
II 181
Prinzipien/Naturgesetze/Genz: Naturgesetze können auf Prinzipien zurückgeführt werden. >Naturgesetze.
II 182
Prinzip/Prinzipien/Erklärung/Genz: letztes Ziel: Erklärung durch Prinzipien. Gott ist kein Mathematiker – aber ein Prinzipienreiter.
Prinzip/Genz: Bsp Es könnte sein, dass eine erfolgreiche physikalische Theorie einen Messwert definiert, der durch die Theorie zwar eindeutig festgelegt wird, aus dessen Definition aber zugleich folgt, dass er nicht berechnet werden kann.
>Messen, >Definitionen.
II 228
Prinzip/Naturgesetze/Wissenschaft/Physik/Mathematik/Relativitätstheorie/Genz: Die Relativitätstheorien können im Nachhinein durch Prinzipien begründet werden. Einstein selbst fand sie. Wichtigstes Prinzip der Allgemeinen Relativitätstheorie: Def Äquivalenzprinzip/Genz: Ununterscheidbarkeit von Schwerkraft und Beschleunigung.
>Äquivalenzprinzip/Kanitscheider.
II 229
1. Prinzip zur Ableitung der Speziellen Relativitätstheorie: Licht ist – anders als der Schall - keine Schwingung eines Mediums, daraus folgt das Prinzip der Unabhängigkeit der Lichtgeschwindigkeit von der Bewegung der Quelle (dieses beruht auf der Physik der Elektrizität und des Magnetismus). 2. Prinzip zur Ableitung der Speziellen Relativität: Die Naturgesetze sollen für alle Beobachter gelten, die sich mit konstanter und gleicher Geschwindigkeit in der gleichen Richtung bewegen (kann auf Galilei zurückgeführt werden).
>Spezielle Relativitätstheorie.
II 231
Prinzipien/Universum/Natur/Euan Squires/Genz: These: Im Universum gelten Prinzipien, die ohne Mathematik eingesehen und formuliert werden können. Mathematische Naturgesetze: Mathematische Naturgesetze sind dann nichts anderes als Formalisierungen dieser Prinzipien mit genaueren Mitteln.
Erklärung: Es sind aber die Prinzipien selbst, die Erklärung und Verständnis ermöglichen.
>Erklärungen.
Beschreibung/Maß/Messen/Relativitätstheorie/Squires/Genz: Die Allgemeine Relativitätstheorie erklärt es für unabdingbar, dass wir das Universum unabhängig von der Wahl der Variablen für Raum und Zeit beschreiben können. Hier wird Mathematik sogar ausgeschlossen!
Prinzipien/Elementarteilchentheorie/Teilchentheorie/Standardmodell/Genz: Das Standardmodell folgt aus dem Prinzip, dass Beobachter an verschiedenen Orten zu verschiedenen Zeiten ihre Konventionen unabhängig voneinander fei wählen können, ohne dass dadurch die Gesetze abgeändert würden - es sollen überall dieselben Naturgesetze gelten.
Rahmen: Der Rahmen in dem diese Forderung formuliert wird, ist die relativistische Quantenfeldtheorie. Diese ist allerdings ihrerseits mathematisch.
>Bezugssysteme.
II 232
Prinzipien/Genz: These: Die Naturgesetze folgen aus einfachen, nicht-mathematischen Prinzipien. Bsp Die Dirac-Gleichung ist mathematisch gefunden worden, aber sie ist eine Realisation von Gesetzen, deren Form durch nicht-mathematische Prinzipien wie das der Symmetrie festgelegt wird. Mathematik/Genz: Mathematik ist hier wie ein Diener, der Gleichungen aussondert, die den Prinzipien nicht genügen.
Prinzip/Genz: Was Prinzipien zulassen, scheint auch realisiert zu sein, egal ob es mathematisch einfach ist oder nicht.
Bsp Hadronen: Dass sie der Gruppe SU(3) genügen, schien zunächst aus einem mathematischen Prinzip zu folgen. Heute weiß man, dass es daran liegt, dass Hadronen aus Quarks aufgebaut sind.
II 233
Prinzip/Genz: Zum Zweck der Anwendung kann es sein, dass ein Prinzip mathematisch formuliert werden muss. Zum Verständnis brauchen wir aber die nicht-mathematischen Prinzipien. Fortschritt/Genz: Man kann sogar sagen, dass sie in der Physik durch die Ablösung mathematischer durch nicht-mathematische Prinzipien einhergehen.
Bsp Platon versuchte, den Aufbau des Kosmos durch fünf regelmäßige Körper zu erklären. Kepler nahm das auf, später ersetzte man sie durch die Annahme zufälliger Anfangsbedingungen.
Bsp Spektrum des Wasserstoffatoms: wurde durch eine Formel genau berechnet. Später verstand man das durch Bohrs Atommodell.
II 234
Prinzip/Newton/Kraft/Genz: Bsp Die von einem Körper auf einen anderen ausgeübte Kraft ist proportional zum Kehrwert des Quadrats des Abstands der Körper. Das ist mathematisch. Newton selbst konnte diese Annahme nicht auf Prinzipien gründen. Das konnte erst Einstein.
>Quantenmechanik/Genz.

Gz I
H. Genz
Gedankenexperimente Weinheim 1999

Gz II
Henning Genz
Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität München 2002
Raumzeit Einstein Kanitscheider I 164
Ereignis/Allgemeine Relativitätstheorie/Kanitscheider: jedes Ereignis ist ein Punkt der vierdimensionalen Raumzeit, das unabhängig von allen begrifflichen Konstruktionen wie Vektorbasen und Koordinatensystemen beschrieben werden kann. Raumzeit/Einstein: irgendwo zwischen 10-15 und 10-33 cm bricht das glatte Mannigfaltigkeitsbild der Raumzeit zusammen.
>Gravitation/Einstein, >Kovarianz/Einstein.
Raumzeit/Kanitscheider: Eine Raumzeit hat auch noch allgemeinere Qualitäten als die Metrik, nämlich affine, projektive, topologische.
Kanitscheider I 166/167
Def Lichtkegel/Kanitscheider: zeigt gut den Charakter dieser Gravitationstheorie von Einstein: greifen wir einen Punkt e der Raumzeit heraus, so repräsentiert dieser ein physikalisches Ereignis.
Der Lichtkegel von e ist dann die Geschichte eines sphärischen Lichtblitzes, der einwärts in Richtung auf e konvergiert und dann wieder von e nach außen divergiert.
Der Lichtkegel spiegelt die lokale Kausalstruktur der RT wider. Alle erlaubten Prozesse werden durch Weltlinien wiedergegeben, die innerhalb oder höchstens (im Falle von Photonen und Neutrinos) auf dem Mantel des Kegels liegen.
Alle Ereignisse im Vergangenheitslichtkegel können auf e einwirken und alle im Zukunftslichtkegel können von e beeinflusst werden.
An der lokalen Lichtkegelstruktur kann man die gravitationsfreie Raumzeit der SR (materieloses Universum) von den mit Schwerefeldern erfüllten, allgemein relativistischen Raumzeiten unterscheiden.
In der SR (ohne Materie) sind die Kegel alle gleich angeordnet.
In der AR (mit Materie) sind sie nach der Stärke von einwirkenden Gravitationsfeldern geneigt. (Auswirkung auf die Kausalstruktur und die Zeit durch die Gravitation der Materie).
Kanitscheider I 170
Raumzeit/Einstein: im Lauf der Zeit verlor das Machsche Prinzip sein Gewicht und die Raumzeit wurde vorrangig von der Materie! Sie übernahm die Eigenschaften von materialen Objekten. >Machsches Prinzip, >Relativitätstheorie, >Raumzeit/Kanitscheider.

Kanitsch I
B. Kanitscheider
Kosmologie Stuttgart 1991

Kanitsch II
B. Kanitscheider
Im Innern der Natur Darmstadt 1996
Raumzeit Russell II 50f
Raum/Zeit/Raum-Zeit-Kontinuum/RT/Russell: neu Zeit- und Ortsbestimmung sind nicht länger unabhängig voneinander - wenn man die Art der Ortsbestimmung ändert, ändert man womöglich auch das Zeitintervall zwischen zwei Ereignissen - bzw. wenn man die Art der Zeitbestimmung ändert, ändert man vielleicht den räumlichen Abstand - es gibt keine universelle Zeit mehr - nur wenn zwei Körper in Ruhe sind, stimmen die Eigenzeiten überein. >Relativitätstheorie.
Def eindeutig früher: ist ein Ereignis, wenn es auf ein anderes einwirken kann - (Wirkung). - ((s) Grafik/(s): zwei Kreise um zwei Punkte - Schnittpunkte: gleichzeitig - für jemand in der Schnittmenge: beide Ereignisse wurden beobachtet - je nachdem ob näher an A oder B wird dieses Ereignis früher beobachtet.)
II 68
Def raum-zeitlicher Abstand/Spezielle Relativitätstheorie/Russell: Man nimmt das Quadrat der Entfernung zwischen zwei Ereignissen und das Quadrat der Entfernung, die das Licht in der Zeit zwischen den zwei Ereignissen zurücklegt. - Dann subtrahiert man die kleinere dieser Zahlen von der größeren und definiert das Resultat als Quadrat des Abstands zwischen den beiden Ereignissen. - Dieser Abstand ist für alle Beobachter gleich und repräsentiert eine echte physikalische Beziehung zwischen den zwei Ereignissen, was bei zeitlicher und räumlicher Entfernung nicht der Fall ist. Allgemeine Relativitätstheorie: hier muss der Begriff des Abstands noch weiter verallgemeinert werden.
II 115
Raum-Zeit/Zeit/Impuls/Masse/Relativitätstheorie/Russell: Wenn wir Zeit durch Raum-Zeit ersetzen, stellen wir fest, dass die gemessene Masse (im Gegensatz zur Ruhemasse) eine Größe von derselben Art ist, wie der Impuls in einer gegebenen Richtung: man könnte sie Impuls der Zeitrichtung nennen. - Die gemessene Masse erhält man nämlich, indem man die invariante Masse mit der Zeit multipliziert, die beim Durchlauf des Abstands verstreicht. Impuls: erhält man durch Multiplikation der invarianten Masse mit der Entfernung.

Russell I
B. Russell/A.N. Whitehead
Principia Mathematica Frankfurt 1986

Russell II
B. Russell
Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989

Russell IV
B. Russell
Probleme der Philosophie Frankfurt 1967

Russell VI
B. Russell
Die Philosophie des logischen Atomismus
In
Eigennamen, U. Wolf (Hg) Frankfurt 1993

Russell VII
B. Russell
On the Nature of Truth and Falsehood, in: B. Russell, The Problems of Philosophy, Oxford 1912 - Dt. "Wahrheit und Falschheit"
In
Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996
Relativitätstheorie Feyerabend I 80
Relativitätstheorie/Feyerabend: Bsp Merkur-Perihel: Die berühmte Abweichung wird durch die Relativitätstheorie erklärt. Die Erklärung zeigt, dass die Voraussetzung für die Ableitung nicht die allgemeine Relativitätstheorie ist, sondern neben relativistischen Annahmen stets auch die klassische Physik enthält! Außerdem bezieht sich die relativistische Berechnung („Schwarzschild Lösung“) nicht auf das Planetensystem in der wirklichen Welt, sondern auf den völlig fiktiven Fall eines zentral asymmetrischen Universums, das außer einer Singularität in der Mitte nichts enthält. Warum macht man so merkwürdige Annahmen? Übliche Antwort: Man hat es mit Näherungen zu tun. Die klassische Physik kommt hier nicht deshalb vor, weil die Relativitätstheorie unvollständig wäre. Beide Schemata ergeben sich aus der allgemeinen Relativitätstheorie. Man muss nur die allzu kleinen Größen vernachlässigen. Also wird die Relativitätstheorie durchgehend angewandt, und zwar in richtiger Weise.
I 81
FeyerabendVs: Das ist eine brauchbare Darstellung des Näherungsverfahrens, doch sie gibt die wirkliche Situation in der allgemeinen Relativitätstheorie nicht wieder! Die klassische Theorie wird nicht deshalb benutzt, weil sie als richtig erwiesen worden wäre, sondern in der Hoffnung, dass sie brauchbar sein wird! Die Näherungen ergeben sich nicht aus relativistische Berechnungen, sondern werden eingeführt, um die Relativitätstheorie auf den Fall anwenden zu können! Näherungsverfahren/qualitative Schwierigkeiten/Feyerabend: Bsp Reduktion des Wellenpakets (I 82), heliozentrische Theorie zur Zeit Galileis, ad hoc Näherungen in viele quantitative Ergebnisse der Theorien sind nicht richtig und überraschend stark qualitativ unzulänglich. Bsp von Neumann ersetzte die halbintuitiven Begriffe von Dirac und Bohr durch unglaublich komplizierte Begriffe. Die Beziehung zur Erfahrung wird undeutlicher denn je.

Feyerabend I
Paul Feyerabend
Wider den Methodenzwang Frankfurt 1997

Feyerabend II
P. Feyerabend
Erkenntnis für freie Menschen Frankfurt 1979
Substantivalismus Field I 13
Def Substantivalismus/Field: Der Substantivalismus behauptet, dass buchstäbliche Rede über Raum für bare Münze genommen werden kann, auch ohne physikalische Objekte. Dann ist es auch sinnvoll zu sagen, daß der Raum leer ist. >Raum, >Leerer Raum. >Relationismus.
I 14
FieldVsSubstantivalismus: Field ist gezwungen, einem Relativisten in dessen eigenen Begriffen zu antworten.
I 47
Substantivalismus/Field: Substantivalismus ist die These, dass es leere Raumzeit-Regionen gibt. Raumzeit-Regionen sind bekannt als kausal aktiv: Beispiele sind Feldtheorien wie der klassische Elektromagnetismus oder die Allgemeine Relativitätstheorie oder die Quantenfeldtheorie. Resnik: Man sollte nicht fragen: "Welche Eigenschaften der RZ-Punkte...?", sondern "Was ist die Struktur der Raumzeit?" FieldVsResnik: Das ist falsch. Die Theorie des elektromagnetischen Felds ist auch die der Eigenschaften der Teile der Raumzeit, die nicht von Objekten besetzt sind.
I 171
Def Substantivalismus/Field: These: Leerer Raum existiert. Def Relationismus: Relationismus ist kein leerer Raum. Teil-Relation: gibt es in beiden.
>Teil-von-Relation.
I 181
Substantivalismus/Field: Substantivalismus begünstigt die Feldtheorie. >Feldtheorie.
I 184
Substantivalismus/Newton pro: Bsp Eimerexperiment: zeigt, dass wir den Begriff der absoluten Beschleunigung brauchen und den der Gleichheit des Orts über die Zeit (Raum, der durch die Zeit hindurch existiert).
III 34f
Field pro Substantivalismus: Es gibt leere Raumzeit. Raumzeit-Punkte sind Entitäten aus eigenem Recht. Field: Das ist vereinbar mit dem Nominalismus.
VsRelationismus: Dieser kann Hilberts Axiome nicht akzeptieren.
VsRelationismus: Der Relationismus kann keine physikalischen Felder annehmen. Platonismus: nimmt bei Feldern Raumzeit-Punkte mit Eigenschaften an.
VsRelationismus: Dieser kann das nicht.

Field I
H. Field
Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989

Field II
H. Field
Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001

Field III
H. Field
Science without numbers Princeton New Jersey 1980

Field IV
Hartry Field
"Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994
Theorien Deutsch I 14
Theorie: Die allermeisten Theorien werden verworfen, weil sie schlechte Erklärungen geben, nicht, weil sie sich nicht experimentell bestätigen lassen. >Erklärungen, >Experimente, >Überprüfung, >Verifikation, >Verifizierbarkeit.
I 17
Verstehen/Theorie: Wir müssen nicht notwendigerweise alles verstehen, was eine Theorie erklären kann. Bsp Quasare: früher dachte man, ihre Erklärung würde eine neue Physik erfordern. Jetzt jedoch glauben wir, dass sie sich durch die allgemeine Relativitätstheorie erklären lassen. >Verstehen, >Relativitätstheorie, >Allgemeine Relativitätstheorie.
I 26
Anfangszustand: Es ist ein Missverständnis, dass Theorien des Anfangszustands die elementarsten wären. Keine Theorie kann den Anfang durch etwas Früheres erklären. >Anfang.
I 74 f
Theorie soll Begründungen liefern, statt Fakten anzuhäufen oder vorherzusagen. Betätigungen an sich haben keine Bedeutung.
>Bestätigung.
I 74 f
Es ist aber nicht so, dass Theorien durch eine Widerlegung unhaltbar werden, sie sind eigentlich schon unhaltbar, weil sie schlechte Erklärungen sind.
I 83
Sprachen sind Theorien! Sie verkörpern in ihrem Vokabular und in ihrer Grammatik Annahmen über die Welt. >Theoriensprache, >Beobachtungssprache, >Theoriegeladenheit.
Vs ad hoc-Theorie: Eine ad hoc-Theorie ist eine Theorie mit einem Zusatz; die Theorie wird aus der Vorherrschenden abgeleitet und nur durch einen die ungeklärten Zusatz ergänzt.
Dieser Zusatz ist eigentlich eine neue Theorie. Dafür gibt es keine Gründe.
...weil Ihre Theorie im Gegensatz zu meiner Ihre Vorhersagen nicht erklärt.

Deutsch I
D. Deutsch
Die Physik der Welterkenntnis München 2000
Vergleiche Field III 121
Nominalisierung/Raumzeit/RZ/Field: Wir gebrauchen zwei Topologien auf derselben Menge (der Menge der Raumzeit-Punkte) statt Topologien auf zwei verschiedenen Mengen, die durch eine Funktion verbunden werden. Daher müssen wir nicht über Funktionen quantifizieren. a) Temperatur-basierte Region (wärmer, kälter oder gleich) (Region als Punktmenge),
b) die Menge der Raumzeit-Punkte - so haben wir Temperatur-Kontinuität erhalten. Hier ist es rein affine Geometrie, d.h. nur Zwischenrelation, ohne Gleichzeitigkeitsrelation oder räumlicher Kongruenzrelation. Das geht dann für alle physikalischen Theorien, die keine Newtonsche Raumzeit, sondern eine Raumzeit mit flachem vierdimensionalem Raum R4 haben. Das gilt auch für die Spezielle Relativitätstheorie (SR). (Spezielle Relativitätstheorie: wenige Änderungen wegen Gradienten und Laplace-Gleichungen, die nicht-affine Newtonsche Raumzeit involvieren)
III 64
Field: These: Für die Allgemeine Relativitätstheorie können wir allgemeinere affine Strukturen erhalten. >Relativitätstheorie.
Produkt/Field/(s): Produkte von Differenzen sind Strecken zwischen Punkten, d.h. Abstände. Paare von Intervallen können nur multipliziert werden, wenn sie von gleicher Art sind (skalar oder raumzeitlich).
Lösung: Bei "gemischter Multiplikation" können wir immer noch sagen, dass ein Ergebnis größer ist als das Ergebnis einer anderen Multiplikation mit den gleichen Komponenten. Das geht, wenn die Raumzeit-Intervalle selbst vergleichbar sind, d.h. dass sie im affinen Raum auf derselben Geraden oder auf Parallelen liegen.
III 68
Produkt/Vergleich/Field: Bisher haben wir nur von Produkten von absoluten Beträgen gesprochen - Neu: jetzt wollen wir auch Produkte mit Vorzeichen. Platonistisch: ist einfach mit neuen Repräsentationsfunktionen. Angenommen, wir haben nur Punkte auf einer einzigen Linie L. >Platonismus.
Alt: φ ist eine Koordinaten-Funktion (Repräsentationsfunktion (Darstellungsfunktion), die Punkte von R4-Punkten auf Linie L zuschreibt. (R4: vierdimensionaler Raum).
Neu: φL. schreibt Punkten von L reelle Zahlen zu. Das ist "vergleichbar" mit dem alten φ in demselben Sinn, dass für jeden Punkt x und y auf L, I φL (x) - φL (y) I = dφ(x, y) abgebildet werden -((s) Raum-Abstand). Der Vergleich ist invariant unter Wahl der Orientierung.
III 68 f
Produkt/Gleichheit/zwischen/Field: Gleichheit und "zwischen" können wir jetzt für Produkte mit Vorzeichen definieren. >Definierbarkeit, >Raumzeit, >Raumzeit-Punkte.

Field I
H. Field
Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989

Field II
H. Field
Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001

Field III
H. Field
Science without numbers Princeton New Jersey 1980

Field IV
Hartry Field
"Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994
Zeitreisen Kanitscheider I 293
"Kausalitätsverletzung"/Kanitscheider: Ausdruck dafür, dass ein Gedankenexperiment eine Zeitumkehr, eine Reise schneller als Licht, oder eine Umkehr von Wirkung und Ursache verlangt. Wird im Zusammenhang mit Zeitreisen auch als "Großvaterparadox" bezeichnet. Zeit/Gödel/Kanitscheider: Gödel fand eine Lösung der Feldgleichung, die Zeitreisen ermöglicht. Gödel bezweifelt einen objektiven Zeitablauf und deutet die Zeitlichkeit der Welt als ein anthropomorphes, subjektives, für die physikalisch Realität unwichtiges Element.
Zeit/Kanitscheider: Die Relativität der Gleichzeitigkeit hat bei vielen Autoren Überlegungen angeregt, mittels eines anderen Bezugssystems die zeitliche Koinzidenz zweier Ereignisse zu zerstören, wodurch die Zeit ihren Status, den objektiven Fluss der Dinge wiederzugeben, eingebüßt hat. Aber das gilt nur, wenn man "relativ" mit "subjektiv" gleichsetzt.
Bei einer neutralen, abstrakten Formulierung der Theorie wird das aber überhaupt nicht verlangt. Es ist auch gar nicht sinnvoll, die begriffliche und die konkrete Ebene auf diese Weise zu verbinden.
Ein Koordinatensystem kann ein Bezugssystem, ein physisches Objekt abbilden, muss es aber nicht tun.
I 296
Zeitreisen/Spezielle Relativitätstheorie/SR/Kanitscheider: Die Spezielle Relativitätstheorie birgt keine Möglichkeit für Zeitreisen, zwar beinhaltet sie den Lichtkegel, d.h. ein Reisender hätte innerhalb dieses Kegels nicht nur eine einzelne Faser, sondern einen Spielraum, womit er seine Zeitdrift beschleunigen kann, aber damit kann er bloß die Rate der verflossenen Zeit beeinflussen. Er kann z.B. das Quantum der verflossenen Zeit klein halten, indem er seine Bewegung nahe an den Nullkegel legt. Die Zeitfolge kann er nicht verändern. >Ereignisse/Einstein.
Zeitreisen/Kanitscheider: VsZeitmaschine/VsWells: H.G.Wells macht den Fehler, dass er den Reisenden auf dem gleichen irdischen Raumpunkt die Weltlinie der Erde auf und absteigen lässt. Genau dies führt zur begrifflichen Unmöglichkeit von Vorwärts und Rückwärtsbewegung in der Zeit.
Zeitreisen/Allgemeine Relativitätstheorie/Kanitscheider: das ändert sich, wenn Materie ins Spiel kommt.
I 298
Kausalitätsverletzung/Kanitscheider: Angenommen, ein Koordinatensystem mit Rotationssymmetrie um den Ursprung, dann schließt der lokale Lichtkegel bei r = 0 wie gewohnt die t Koordinate in ihrer Zukunftsrichtung nach oben ein. Entfernt man sich jedoch ein Stück vom Ursprung, so beginnen sich die lokalen Lichtkegel in Richtung auf die Drehebene zu neigen. Wenn der Lichtkegel mit seinem Mantel die Drehebene berührt, wird die frühere Winkelkoordinate lichtartig und in noch größerer Entfernung zeitartig.
Dieser Rollentausch der Koordinaten, so dass die Öffnung des Lichtkegels zuerst in raumartiger, jetzt aber in zeitartiger Koordinate liegt, ist das Kennzeichen der Kausalitätsverletzung.
Bsp Ist p der zeitliche Vorgänger von q auf einer offenen Kurve mit unendlicher affiner Länge, so gibt es ebenfalls eine zeitartige Kurve, auf der q der Vorgänger von p ist.
Die Folgen sind absurd: Bsp Ein Körper mit einer kreisförmigen zeitartigen Weltlinie trifft mit einer bestimmten Galaxis nur einmal zusammen, wenn das Ereignis von der Galaxis aus beobachtet wird, für den Bewohner des Körpers jedoch kehrt die Begegnung periodisch wieder.
Bsp Bei einer spiralförmigen Weltlinie hält jeder den anderen für bei jeder Begegnung für jünger, obwohl beide übereinstimmen, dass Zeit verflossen ist.

Zeitreisen/Kanitscheider: natürlich bleibt das Großvaterparadox, dennoch ist die Gödel-Welt nicht auszuschließen.
Unser aktuales Universum gestattet wegen fehlender Rotation ziemlich sicher keine Zeitreisen.
Man wäre auf eine nackte Singularität oder Manipulation lokaler Materie angewiesen.

Kanitsch I
B. Kanitscheider
Kosmologie Stuttgart 1991

Kanitsch II
B. Kanitscheider
Im Innern der Natur Darmstadt 1996

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 2 Thesen von Autoren des zentralen Fachgebiets.
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Allg. Relativitätsth. Field, Hartry III 64
Field These: Für die Allgemeine Relativitätstheorie können wir allgemeinere affine Strukturen erhalten.
Beobachtung Fraassen, B. van I 63
Beobachtbarkeit/Allgemeine Relativitätstheorie/Glymour/Fraassen: Grenzen der Beobachtbarkeit (2 Studien von Clark Glymour): 1. These: Messung enthüllt nur die Werte lokaler Größen, sie kann nicht die globale Struktur der Raum-Zeit zeigen.
2. These: jede beobachtbare Struktur liegt in der Vergangenheit, daher dito. (FN 20, 21).
I 64
Theorie/Fraassen: Theorien beschreiben in der Tat viel mehr als was beobachtbar ist, aber es geht um empirische Adäquatheit und nicht um Wahrheit und darum, wie die Theorie über die beobachtbaren Phänomene hinausgeht.
I 197
Beobachtbarkeit/Existenz/Fraassen: es gibt keine logische Verbindung zwischen Beobachtbarkeit und Existenz.