Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Außenwelt Habermas III 376
Außenwelt/outer world/Habermas: These: Für die Zwecke unserer soziologischen Untersuchungen sollten wir die Außenwelt in eine objektive und eine soziale Welt differenzieren und die Innenwelt als Komplementärbegriff zu dieser Außenwelt einführen. >Innenwelt, >Objektive Welt, >Soziale Welt, >Subjektive Welt, >Welt.
Die entsprechenden Geltungsansprüche (Wahrheit, Richtigkeit, Wahrhaftigkeit) können als Leitfaden für die Wahl der theoretischen Gesichtspunkte für die Klassifizierung der Sprechakte dienen.
>Geltungsansprüche, >Wahrheit, >Richtigkeit, >Wahrhaftigkeit

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Beobachtung Habermas III 171
Beobachtung/Ontologie/Habermas: Wenn wir ein Verhalten als teleologische Handlung beschreiben, unterstellen wir, dass der Handelnde bestimmte ontologische Voraussetzungen macht, dass er mit einer objektiven Welt rechnet, in der er etwas erkennen und in die er zielgerichtet eingreifen kann. >Verhalten, >Ziele, >Absicht, >Intentionalität, >Interpretation, >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas.
Der Beobachter macht gleichzeitig ontologische Voraussetzungen im Hinblick auf die subjektive Welt des Aktors. Er unterscheidet zwischen „der“ Welt und der Welt, wie sie vom Standpunkt des Handelnden aus erscheint. Er kann deskriptiv feststellen, was der Aktor für wahr hält im Unterschied zu dem, was nach Meinung des Beobachters wahr ist.
>Außenwelt/Habermas, >Innenwelt, >Fremdpsychisches, >Konflikte, >Rechtfertigung.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Interpretation Habermas III 150
Interpretation/Handlung/Situation/Habermas: Es hat keiner der Beteiligten in einer Handlungssituation ein Interpretationsmonopol. Jeder Kommunikationsteilnehmer ordnet die verschiedenen Elemente der Handlungssituation jeweils einer der drei Welten (einer objektiven, einer sozialen Welt und einer subjektiven Welt als der Gesamtheit der privilegiert zugänglichen Erlebnisse des Sprechers) zu. >Objektive Welt, >Soziale Welt, >Subjektive Welt,
Interpretationen müssen dann nicht in jedem Fall oder auch nur normalerweise zu einer stabilen und eindeutig differenzierten Zuordnung führen.
III 154
Normenregulierte Handlung: Bei ihrer Interpretation fordert der Handelnde den Interpreten heraus, nicht nur die tatsächliche Normenkonformität bzw. die faktische Geltung einer Norm, sondern die Richtigkeit dieser Norm selbst zu prüfen. >Normen, >Richtigkeit.
III 155
Der Interpret kann diese Herausforderung von einem wertskeptischen Standpunkt aus als sinnlos zurückweisen. >Werte, >Sinn.
III 158
Problem: Für das Verständnis kommunikativer Handlungen müssen wir zwischen Bedeutungs- und Geltungsfragen trennen. Die Interpretationsleistungen eines Beobachters unterscheiden sich von die Koordinationsbestrebungen der Teilnehmer. >Beobachtung, >Außen/innen.
Der Beobachter bemüht sich nicht um eine konsensfähige Deutung. Aber vielleicht unterschieden sich hier nur die Funktionen, nicht die Strukturen der Interpretation.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Kulturelle Überlieferung Habermas III 108
Überlieferung/Kultur/Mythos/Mythen/Habermas: In mythischen Weltbildern als Interpretationshintergrund einer Lebenswelt in einer sozialen Gruppe ist den einzelnen Angehörigen die Last der Interpretation ebenso abgenommen wie die Chance, selber ein kritisierbares Einverständnis herbeizuführen. Hier wird das sprachliche Weltbild als Weltordnung reifiziert und kann nicht als kritisierbares Deutungssystem durchschaut werden. >Weltbilder, >Deutung.
So wird deutlich, welche formalen Eigenschaften kulturelle Überlieferungen aufweisen müssen, wenn in einer entsprechend interpretierten Lebenswelt rationale Handlungsorientierungen möglich sein sollen:
III 109
a) Die kulturelle Überlieferung muss formale Konzepte für die objektive, die soziale und die subjektive Welt bereitstellen, sie muss differenzierte Geltungsansprüche (propositionale Wahrheit, normative Richtigkeit, subjektive Wahrhaftigkeit) zulassen und zu einer entsprechenden Differenzierung von Grundeinstellungen (objektivierend, normenkonform und expressiv) anregen. >Geltungsansprüche, >Objektive Welt, >Soziale Welt, >Subjektive Welt.
Dann können symbolische Äußerungen auf einem formalen Niveau erzeigt werden, auf dem sie systematisch mit Gründen verknüpft werden und einer objektiven Beurteilung zugänglich sind.
b) Die kulturelle Überlieferung muss ein reflexives Verhältnis zu sich selbst gestatten.
c) Sie muss sich in ihren kognitiven und evaluativen Bestandteilen soweit mit spezialisierten Argumentationen rückkoppeln lassen, dass die entsprechenden Lernprozesse gesellschaftlich institutionalisiert werden können.
d) Sie muss schließlich die Lebenswelt in der Weise interpretieren, dass erfolgsorientiertes Handeln von den Imperativen einer immer wieder kommunikativ zu erneuernden Verständigung freigesetzt und von verständigungsorientiertem Handeln wenigstens partiell entkoppelt werden kann.
>Geschichte, >Geschichtsschreibung, >Geschichtsphilosophie, >Kultur.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Normen Habermas III 35
Normen/Wissen/Habermas: Das Wissen, das in normenregulierten Handlungen oder in expressiven Äußerungen verkörpert ist, verweist (…) nicht auf die Existenz von Sachverhalten, sondern auf die Sollgeltung von Normen und auf das zum Vorschein-Kommen subjektiver Erlebnisse. >Wahrhaftigkeit, >Subjektivität, >Richtigkeit.
III 132
Normen/Habermas: Normen werden nicht durch Existenzsätze wie „Es ist der Fall, dass q geboten ist“ ausgedrückt, sondern in der Form „Es ist geboten, dass q“. Hier geht es um den Anspruch auf normative Richtigkeit, der so geäußert wird, dass er für einen Kreis von Adressaten Gültigkeit beansprucht. >Deontologie, >Deontische Logik.
III 133
Dass eine Norm faktisch besteht, bedeutet: Der Geltungsanspruch, mit dem sie auftritt, wird von den Betroffenen anerkannt. >Geltungsanspruch.
III 134
Normenreguliertes Handeln setzt zwei Welten voraus, die objektive und eine soziale Welt. >Objektive Welt, >Soziale Welt, >Subjektive Welt.
Normenkonformes Handeln setzt voraus, dass der Handelnde die faktischen von den normativen Bestandteilen
III 135
seiner Handlungssituation, d.h. die Bedingungen und Mittel von Werten unterscheiden kann. >Subjektive Welt.

III 405
Normen/Habermas: Innerhalb eines normenregulierten Rahmens ist die Anmeldung eines Geltungsanspruchs (validity claim) nicht Ausdruck eines kontingenten Willens. >Objektivität, >Soziale Praxis, >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas.
Ebenso ist die Zustimmung zu einem Geltungsanspruch keine allein empirisch motivierte Entscheidung. Die Zurückweisung eines solchen Anspruchs kann nur in Form einer Kritik erfolgen und die Verteidigung des Anspruchs kann nur in Form einer Widerlegung der Kritik geschehen.
>Kritik/Habermas.
Wer die Gültigkeit von Normen anzweifelt, wird Gründe anführen müssen, sei es gegen die Legalität der Vorschrift, d.h. die Rechtmäßigkeit der sozialen Geltung – sei es gegen die Legitimität der Vorschrift, d.h. den Anspruch, im moralisch-praktischen Sinn richtig oder gerechtfertigt zu sein.
Hier sind Akzeptabilitätsbedingungen für das Befolgen einer Norm hinreichend; sie müssen nicht durch Sanktionsbedingungen vervollständigt werden.
>Akzeptierbarkeit/Habermas, >Rechtfertigung, >Begründung, >Gründe.

IV 65
Normen/Tradition/VsTradition/Habermas: Erst wenn die Macht der Tradition soweit gebrochen ist, dass die Legitimität bestehender Ordnungen im Lichte hypothetischer Alternativen betrachtet werden kann, fragen sich die Angehörigen einer auf Kooperation. D.h. auf gemeinsame Anstrengungen zur Erreichung kollektiver Ziele angewiesenen Gruppe, ob die fraglichen Normen die Willkür der Angehörigen in der Weise regulieren, dass ein jeder von ihnen sein Interesse gewahrt sehen kann. >Kulturelle Überlieferung, >Konventionen.
IV 143
Normen/Sprache/Mead/Habermas: In dem Maße, wie sich die Sprache als Prinzip der Vergesellschaftung durchsetzt, konvergieren die Bedingungen der Sozialität mit Bedingungen der kommunikativ hergestellten Intersubjektivität. Da die Autorität des Heiligen in die bindende Kraft normativer Geltungsansprüche, die allein diskursiv eingelöst werden können überführt wird, wird der Begriff der Sollgeltung von empirischen Beimengungen gereinigt. Die Gültigkeit einer Norm bedeutet am Ende nur noch, dass diese von allen Betroffenen mit guten Gründen akzeptiert werden könnte. >Geltungsansprüche, >Intersubjektivität, >Gesellschaft, >Gemeinschaft.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Ontologie Habermas III 171
Ontologie/Beobachtung/Interpretation/Soziologie/Methode/Habermas: Wenn wir ein Verhalten als teleologische Handlung beschreiben, unterstellen wir, dass der Handelnde bestimmte ontologische Voraussetzungen macht, dass er mit einer objektiven Welt rechnet, in der er etwas erkennen und in die er zielgerichtet eingreifen kann. >Beobachtung, >Interpretation, >Soziologie, >Methode, >Teleologie, >Zweckrationalität.
Der Beobachter macht gleichzeitig ontologische Voraussetzungen im Hinblick auf die subjektive Welt des Aktors. Er unterscheidet zwischen „der“ Welt und der Welt, wie sie vom Standpunkt des Handelnden aus erscheint. Er kann deskriptiv feststellen, was der Aktor für wahr hält im Unterschied zu dem, was nach Meinung des Beobachters wahr ist.
>Tatsachen, >Sachverhalte, >Situationen, >Realität, >Objektivität, >Objektivität/Habermas.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Regelfolgen Habermas III 143
Regelfolgen/Kommunikatives Handeln/Habermas: Der Begriff des kommunikativen Handelns verdankt den auf Wittgenstein zurückgehenden sprachphilosophischen Untersuchungen viel, das Konzept der Regelbefolgung greift jedoch zu kurz. >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas, >Regelfolgen/Wittgenstein, >Regelfolgen/Kripke.
III 144
Bei einer Konzentration darauf ginge der Aspekt des dreifachen Weltbezugs (zu einer objektiven, einer sozialen Welt und einer subjektiven Welt als der Gesamtheit der privilegiert zugänglichen Erlebnisse des Sprechers) verloren. >Objektive Welt, >Soziale Welt, >Subjektive Welt.

IV 33
Regelfolgen/Wittgenstein/Habermas: Die Pointe von Wittgensteins Argument ist, dass A nicht sicher sein kann, ob er überhaupt einer Regel folgt, wenn nicht eine Situation besteht, in der er sein Verhalten einer grundsätzlich konsensfähigen Kritik durch B aussetzt. Identität und Geltung von Regel hängen für Wittgenstein systematisch zusammen. Einer Regel folgen bedeutet in jedem einzelnen Fall derselben Regel zu folgen.
Habermas: Diese Identität der Regel beruht aber nicht auf beobachtbaren Invarianzen, sondern auf der Intersubjektivität ihrer Geltung.
>Intersubjektivität, >Geltung/Habermas, >Regeln.
Da Regeln kontrafaktisch gelten, besteht die Möglichkeit, (…) Verhalten zu kritisieren bzw. als fehlerhaft zu bewerten. Dabei werden also zwei Rollen für die Interaktionsteilnehmer angenommen:
IV 34
Die Kompetenz der Regelbefolgung und die Kompetenz zur Beurteilung des Verhaltens (was Regelkompetenz seinerseits voraussetzt). >Kontrafaktisches.
Pointe: Diese Rollen bzw. Kompetenzen müssen austauschbar sein: jeder Interaktionsteilnehmer muss sie ausüben können, andererseits wäre die Identität der Regeln nicht gesichert.
Frage: Wie werden Regeln zunächst überhaupt etabliert?
Regeln/Habermas.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Situationen Habermas III 150
Situation/Handlungssituation/Habermas: Eine Situationsdefinition stellt eine Ordnung her. Mit ihr ordnen die Kommunikationsteilnehmer die verschiedenen Elemente der Handlungssituation jeweils einer der drei Welten (einer objektiven, einer sozialen Welt und einer subjektiven Welt als der Gesamtheit der privilegiert zugänglichen Erlebnisse des Sprechers) zu. >Objektive Welt, >Soziale Welt, >Subjektive Welt, >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas.
Sie inkorporieren damit die aktuelle Handlungssituation ihrer vorinterpretierten Lebenswelt. Das Abweichen der Situationsdefinition durch das Gegenüber stellt ein Problem anderer Art dar. Es hat nämlich keiner der Beteiligten ein Interpretationsmonopol.
>Interpretation.

IV 188
Situation/Lebenswelt/Verstehen/Habermas: Die Handlungssituation bildet für die Beteiligten jeweils das Zentrum ihrer Lebenswelt; sie hat einen beweglichen Horizont, weil sie auf die Komplexität der Lebenswelt verweist: In gewisser Weise ist die Lebenswelt, der die Kommunikationsteilnehmer angehören, stets präsent; aber doch nur so, dass die den Hintergrund für eine aktuelle Szene bildet. Sobald ein solcher Verweisungszusammenhang in eine Situation einbezogen (…) wird, verliert er seine Trivialität und fraglose Solidität. Neue Informationen können zur Sprache gebracht werden. >Lebenswelt/Habermas, >Sprache/Habermas.
IV 189
Relevanz: Bevor er explizit zur Sprache gebracht wird, ist in lebensweltlicher Sachverhalt nur als Selbstverständlichkeit gegeben. Aus der Perspektive der Situation erscheint die Lebenswelt als ein Reservoir von Selbstverständlichkeiten oder unerschütterten Überzeugungen. >Hintergrund.
Mobilisiert werden diese Selbstverständlichkeiten, wenn sie für eine Situation relevant werden.
((s) Für die heutige Diskussion siehe auch Frame-Theorien, Frame Theories).
IV 203
Situation/Habermas: Zur Situation gehört alles, was sich als Beschränkung für (…) Handlungsinitiativen bemerkbar macht. Während der Aktor die Lebenswelt als Ressource verständigungsorientierten Handelns im Rücken behält, begegnen ihm die Restriktionen, die die Umstände der Durchführung seiner Pläne auferlegen, als Bestandteile der Situation.
IV 204
Diese Beschränkungen können im Rahmen der drei formalen Weltbegriffe nach Tatsachen, Normen und Erlebnissen sortiert werden. Theoretischer Status: der aus der Teilnehmerperspektive entwickelte kommunikationstheoretische...
Habermas IV 206
...Begriff der Lebenswelt ist nicht unmittelbar für theoretische Zwecke brauchbar, er eignet sich nicht zur Abgrenzung eines sozialwissenschaftlichen Objektbereichs, also derjenigen Region innerhalb der objektiven Welt, die die Gesamtheit der hermeneutisch zugänglich, im weitesten Sinn historischen oder soziokulturellen Tatsachen bildet. Dafür empfiehlt sich das Alltagskonzept der Lebenswelt, mit dessen Hilfe kommunikativ Handelnde sich und ihre Äußerungen in sozialen Räumen und historischen Zeiten lokalisieren und datieren.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Strukturelle Gewalt Habermas IV 278
Strukturelle Gewalt/structural violence/Habermas: Reproduktionszwänge, die eine Lebenswelt instrumentalisieren, ohne den Schein der Autarkie der Lebenswelt zu beeinträchtigen, müssen sich gleichsam in den Poren des kommunikativen Handelns verstecken. Daraus entsteht eine strukturelle Gewalt, die sich, ohne als solche manifest zu werden, der Form der Intersubjektivität möglicher Verständigung bemächtigt. >Gewalt.
Strukturelle Gewalt wird über eine systematische Einschränkung von Kommunikation ausgeübt; sie wird in den formalen Bedingungen des kommunikativen Handelns so verankert, dass für die Kommunikationsteilnehmer der Zusammenhang von objektiver, sozialer und subjektiver Welt in typischer Weise präjudiziert ist. Für dieses relative Apriori der Verständigung möchte ich in Analogie zum Erkenntnisapriori der Gegenstandsform (Lukács) den Begriff der Verständigungsform einführen.
>Objektive Welt, >Soziale Welt, >Subjektive Welt, >Verständigung/Habermas.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Verdinglichung Lukács Habermas III 474
Verdinglichung/Lukács/Habermas: Lukács These: „In der Struktur des Warenverhältnisses (kann) das Urbild aller Gegenständlichkeitsformen und aller ihnen entsprechenden Formen der Subjektivität in der bürgerlichen Gesellschaft aufgefunden werden.“(1) Habermas: Den neukantischen Ausdruck „Gegenständlichkeitsform“ verwendet Lukács in einem durch Dilthey geprägten Sinn als geschichtlich entstandene „Daseins- oder Denkform“, die die „Totalität der Entwicklungsstufe der Gesamtgesellschaft“ auszeichnet.
>Neukantianismus, >W. Dilthey, >Über Dilthey.
Er begreift die Entwicklung der Gesellschaft als „die Geschichte der ununterbrochenen Umwälzung der Gegenständlichkeitsformen, die das Dasein der Menschen gestalten“.
LukácsVsHistorismus/Habermas: Lukács teilt allerdings nicht die historistische Auffassung, wonach sich in einer Gegenständlichkeitsform die Partikularität einer jeweils einzigartigen Kultur ausdrückt. Die Gegenständlichkeitsformen vermitteln „die Auseinandersetzung des Menschen
Habermas III 475
mit seiner Umwelt, die die Gegenständlichkeit seines inneren wie äußeren Lebens bestimmen“.(2) >Historismus.
Def Verdinglichung/Lukács/Habermas: Verdinglichung ist die eigentümliche Assimilierung von gesellschaftlichen Beziehungen und Erlebnissen an Dinge, d.h. an Objekte, die wir Wahrnehmung und manipulieren können. Die drei Welten (subjektive, objektive und soziale ((s) geteilte) Welt) sind im gesellschaftlichen Apriori der Lebenswelt so schief koordiniert, dass in unser Verständnis interpersonaler Beziehungen und subjektiver Erlebnisse Kategorienfehler eingebaut sind: wir fassen sie unter der Form von Dingen, also als Entitäten auf, die zur objektiven Welt gehören, obgleich sie in Wahrheit Bestandteile unserer gemeinsame sozialen oder der je eigenen subjektiven Welt sind.
>Objektive Welt, >Subjektive Welt, >Soziale Welt, >Lebenswelt.
Habermas: Weil nun das Verstehen und Auffassen für den kommunikativen Umgang selbst konstitutiv sind, affiziert ein derart systematisch angelegtes Missverstehen die Praxis, nicht nur die Denk- sondern auch die „Daseinsform“ der Subjekte. Es ist die Lebenswelt selbst, die „verdinglicht“ wird.
Habermas: die Ursache für diese Deformation sieht Lukács in einer
Habermas III 476
Produktionsweise, die auf Lohnarbeit beruht und das „Zur-Ware-Werden einer Funktion des Menschen“(3) erfordert.
Habermas III 489
AdornoVsLukács/HorkheimerVsLukács/Habermas: Horkheimer und Adorno verlegen die Anfänge der Verdinglichung in der Dialektik der Aufklärung hinter den kapitalistischen Anfang der Moderne zurück in die Anfänge der Menschwerdung. >Dialektik der Aufklärung, >M. Horkheimer, >Th.W. Adorno.
Der Grund dafür ist, dass Lukács Theorie von den nicht vorausgesehenen Integrationsleistungen der fortgeschrittenen kapitalistischen Gesellschaften dementiert wurde.
>Gesellschaft, >Kapitalismus.

1. G. Lukács, „Die Verdinglichung und das Bewusstsein des Proletariats“ in: G. Lukács, Werke, Bd. 2. Neuwied 1968, S. 257-397.
2.G.Lukács, Geschichte und Klassenbewusstsein, Werke, Bd. 2, 1968, S. 336
3. Ebenda S. 267.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981