| Begriff/ Autor/Ismus |
Autor |
Eintrag |
Literatur |
|---|---|---|---|
| Adaption | Gould | I 198 Adaption/Präadaption/Gould: Def Präadaption: Präadaption ist aus der These hergeleitet, dass in den Anfangsstadien andere Funktionen erfüllt worden sind. Bsp ein halber Kiefer konnte die Kiemen stützen. Ein halber Flügel mag zum Fang von Beutetieren gedient haben, oder zur Kontrolle der Körpertemperatur. Gould: Der Begriff der Präadaption ist unverzichtbar, aber nicht geeignet, in allen Fällen eine Kontinuität zu erweisen. I 199 Bsp bei zwei Gattungen von Biodae (Riesenschlangen) auf Mauritius gibt es einen geteilten Oberkieferknochen, (mit elastischer Verbindung), den es sonst bei keinem Wirbeltier auf der Erde gibt. Hier ist einem diskontinuierlichen Übergang der Vorzug zu geben denn ein Kiefer kann nicht halb gebrochen sein. Beispiele: I 195 Bsp Fische, die Kiefer besitzen, sind mit ihren Vorfahren ohne Kiefer verwandt. Die Makroevolution (die größeren strukturellen Übergänge) ist nichts als eine ausgeweitete Mikroevolution (z.B. die Veränderung von Fliegen in geschlossenen Behältern). I 196 Bsp Wenn schwarze Nachtfalter die Weißen innerhalb eines Jahrhunderts ersetzen, dann können Reptilien durch sanfte Summierung zahlloser Veränderungen im Laufe von einigen Millionen Jahren zu Vögeln werden. II 51 Adaption/Gould: Wir müssen nicht zwischen Beschränkung und Schönheit der Adaption wählen, da nur beides zusammen die notwendige Spannung zur Regulation der Evolution liefert. Selektion/Gould: GouldVs: Gould richtet sich gegen die Annahme einer konsequenten Auslese, bzw. die Annahme, es gebe ein Wirken der Selektion auf jeder Ebene gleichzeitig, bzw. die Theorie, dass jedes Detail das an einem Organismus aufzufinden ist, aus der Selektion resultiert. Verhalten/Adaption: Jedes Einzelverhalten mag eine wunderbare Adaption sein, aber es muss innerhalb einer vorherrschenden Beschränkung geformt sein, Bsp Brutverhalten des Tölpels. II 52 Verhalten/Tier/Gould: Die Quellen organischer Formen und Verhaltensweisen sind mannigfaltig und beinhalten wenigsten drei Primärkategorien: a) Augenblickliche Adaption (des Verhaltens der Jungen), b) Die potentiell nicht-adaptiven Konsequenzen grundlegender struktureller Entwürfe die als Beschränkungen der Adaption wirken und c) Die Adaptionen der Vorfahren, die jetzt von der Nachkommenschaft in anderer Weise verwendet werden. II 153 Adaption/GouldVsAdaptionismus/Gould: Man kann z. B. besondere Merkmale bei manchen abnormalen menschlichen Kindern nicht als Adaption bezeichnen. Wir bewohnen keine perfekte Welt, in der die natürliche Selektion rücksichtslos alle organischen Strukturen überprüft und sie dann im Hinblick auf optimale Nützlichkeit formt. In vielen Fällen spiegelt die Evolution mehr ererbte Muster als augenblickliche Forderungen der Umwelt wider. II 152 Wir neigen (fälschlicherweise) dazu, jede Struktur so zu betrachten, als sei sie für einen bestimmten Zweck geschaffen. IV 27 Adaption/Anpassung/Gould: Wir sollten nicht folgern, dass die von Darwin angenommene Anpassungsfähigkeit an eine lokale Umwelt uneingeschränkte Macht besitzt, theoretisch optimale Entwürfe für alle Situationen zu erzeugen. Die natürliche Selektion kann nur auf vorhandenes Material zurückgreifen. Klassisches Dilemma der Evolutionstheorie. Frage: Wie entstehen die Zwischenschritte? Strukturalisten (wie Geoffroy Saint Hilaire, 1772-1844): These: Zuerst ändert sich die Form und findet dann eine Funktion. Funktionalisten (wie Lamarck): These: Zunächst müssen Organismen eine funktional andere Lebensweise annehmen, bevor sich die Formen entwickeln. DarwinVsStrukturalismus: Die Umwelt gibt ihre Anforderungen an eine Anpassung nicht direkt an den Organismus weiter. Vielmehr indirekt über mehr Überlebende Nachkommen derjenigen, die das Glück hatten, in Richtung einer besseren Anpassung an ihre lokale Umwelt zu variieren. IV 28 Lamarck: Tatsächlich war es Lamarck, der die richtige Antwort gefunden hatte (wie Darwin): Er schlug lediglich einen falschen Mechanismus für die Übertragung der Information zwischen Umwelt und Organismus vor. Seine funktionalistische Lösung enthält eine elegante Vereinfachung, die heute von nahezu allen Evolutionsforschern akzeptiert wird. Es ist weder die Gestalt des Körpers noch die Form seiner Gegner, welche die Gewohnheiten der Tiere entstehen lässt, sondern es sind im Gegenteil die Gewohnheiten und Lebensumstände, die im Laufe der Zeit die Gestalt des Körpers gebildet haben«.(1) Gould: Dies wird heute als richtig angesehen. >Lamarckismus. 1. Lamarck, J.B. (1809/1984). Zoological Philosophy. Chicago: University Press. |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Analyse | Gould | I 95 Analyse/Wissenschaft/Gould: Die Faszination, die Richard Dawkins' Theorie ausübt, geht auf einige schlechte Angewohnheiten der westlichen Wissenschaft zurück: Atomismus, Reduktionismus, Determinismus; also auf die Vorstellung, dass Ganzheiten verstanden werden sollen, indem sie in ihre "grundlegenden" Einheiten zerlegt werden. GouldVsDawkins: Darüber hinaus setzt Dawkins Auffassung voraus, dass Gene einen Einfluss auf den Körper besitzen. Die Selektion kann Gene nicht sehen, wenn sie nicht in Teile der Morphologie, Physiologie oder des Verhaltens übersetzen, die für das Überleben eines Organismus von Belang sind. Ironischerweise trat Dawkins Theorie gerade in dem Moment auf den Plan, als die panselektionistischen Theorien mehr und mehr zurückgewiesen wurden, nach denen alle Teile des Körpers im Schmelztiegel der natürlichen Selektion gebildet werden. Wenn die meisten Gene nicht zu einer Überprüfung gelangen, können sie auch nicht die Einheiten der Selektion sein. >Erklärung, >Selektion. |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Anthropologie | Hegel | Höffe I 329 Anthropologie/Hegel/Höffe: A. Nach einer bis zu Platon und Aristoteles zurückreichenden Tradition der Anthropologie ist der Mensch für Sich allein weder zum Überleben noch zum guten Leben fähig. Sowohl aus biologischen Gründen - wegen der Hilfsbedürftigkeit der Kinder und um der Fortpflanzung willen - als auch um mithilfe der Sprach- und Vernunftbegabung ein gelungenes Leben zu führen, verbinden sich die Menschen zu einer Rechts- und Nutzengemeinschaft. >Gemeinschaft, >Gesellschaft. B. Nach einer alternativen Anthropologie, einer «modernen» Sicht - obwohl sie erneut schon in der Antike, von Sophisten vertreten wird -, geht es dem Menschen um die Selbstbehauptung angesichts der Konkurrenz von seinesgleichen. Ohne die zwei Optionen und ihre wichtigsten Vertreter zu nennen, schließt Hegels Herr-Knecht-Kapitel(1) sich in der Sache vornehmlich der zweiten Option an. Freilich spielt die Herr-Knecht-Beziehung auch in der ersten Option, zumindest in Aristoteles' Variante, eine Rolle. >Herrschaft/Knechtschaft/Hegel. 1. Hegel, Phänomenologie des Geistes, 1807 |
|
| Anti-Liberalismus | Holmes | Krastev I 5 Anti-Liberalismus/Krastev/Holmes: Kein einziger Faktor kann das gleichzeitige Aufkommen autoritärer Anti-Liberalismen in so vielen unterschiedlich situierten Ländern im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts erklären. Krastev 6 Es ist unter anderem eine Geschichte des Liberalismus, der den Pluralismus zugunsten der Hegemonie aufgibt. Das Bestreben der ex-kommunistischen Länder, dem Westen nach 1989 nachzueifern, hat eine Reihe von Namen erhalten - Amerikanisierung, Europäisierung, Demokratisierung, Liberalisierung, Erweiterung, Integration, Harmonisierung, Globalisierung und so weiter - aber es bedeutete immer Modernisierung durch Imitation und Integration durch Assimilation. Krastev I 42 Anti-Liberalismus/Krastev: Im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Theoretikern(1) richtet sich die populistische Wut weniger gegen den Multikulturalismus Krastev I 43 als gegen postnationalen Individualismus und Kosmopolitismus. (...) es impliziert, dass der Populismus nicht dadurch bekämpft werden kann, dass die Identitätspolitik im Namen des liberalen Individualismus aufgegeben wird. Für die illiberalen Demokraten Ost- und Mitteleuropas ist die größte Bedrohung für das Überleben der weißen christlichen Mehrheit in Europa die Unfähigkeit der westlichen Gesellschaften, sich selbst zu verteidigen. Sie können sich nicht verteidigen, weil die Voreingenommenheit des Liberalismus gegenüber dem Kommunitarismus seine Anhänger angeblich blind macht für die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind. (...) Der antiliberale Konsens ist heute, dass die Rechte der bedrohten weißen christlichen Mehrheit in tödlicher Gefahr sind. Um die zerbrechliche Dominanz dieser belagerten Mehrheit zu schützen (...) müssen die Europäer den wässrigen Postnationalismus, der ihnen von kosmopolitischen Liberalen aufgezwungen wird, durch eine muskulöse Identitätspolitik oder einen eigenen Gruppenpartikularismus ersetzen. Dies ist die Logik, mit der Orbán und Kaczyński versucht haben, den inneren fremdenfeindlichen Nationalismus ihrer Landsleute zu entfachen, indem sie eine antiliberale R2P (Right to Protect) geschaffen haben, die sich ausschließlich an weiße christliche Bevölkerungsgruppen richtet, die angeblich vom Aussterben bedroht sind. 1. Mark Lilla, The Once and Future Liberal: After Identity Politics (Harper, 2017). |
LawHolm I Oliver Wendell Holmes Jr. The Common Law Mineola, NY 1991 Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Anti-Liberalismus | Krastev | Krastev I 5 Anti-Liberalismus/Krastev: Kein einziger Faktor kann das gleichzeitige Aufkommen autoritärer Anti-Liberalismen in so vielen unterschiedlich situierten Ländern im zweiten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts erklären. Krastev 6 Es ist unter anderem eine Geschichte des Liberalismus, der den Pluralismus zugunsten der Hegemonie aufgibt. Das Bestreben der ex-kommunistischen Länder, dem Westen nach 1989 nachzueifern, hat eine Reihe von Namen erhalten - Amerikanisierung, Europäisierung, Demokratisierung, Liberalisierung, Erweiterung, Integration, Harmonisierung, Globalisierung und so weiter - aber es bedeutete immer Modernisierung durch Imitation und Integration durch Assimilation. Krastev I 42 Anti-Liberalismus/Krastev: Im Gegensatz zu vielen zeitgenössischen Theoretikern(1) richtet sich die populistische Wut weniger gegen den Multikulturalismus Krastev I 43 als gegen postnationalen Individualismus und Kosmopolitismus. (...) es impliziert, dass der Populismus nicht dadurch bekämpft werden kann, dass die Identitätspolitik im Namen des liberalen Individualismus aufgegeben wird. Für die illiberalen Demokraten Ost- und Mitteleuropas ist die größte Bedrohung für das Überleben der weißen christlichen Mehrheit in Europa die Unfähigkeit der westlichen Gesellschaften, sich selbst zu verteidigen. Sie können sich nicht verteidigen, weil die Voreingenommenheit des Liberalismus gegenüber dem Kommunitarismus seine Anhänger angeblich blind macht für die Bedrohungen, denen sie ausgesetzt sind. (...) Der antiliberale Konsens ist heute, dass die Rechte der bedrohten weißen christlichen Mehrheit in tödlicher Gefahr sind. Um die zerbrechliche Dominanz dieser belagerten Mehrheit zu schützen (...) müssen die Europäer den wässrigen Postnationalismus, der ihnen von kosmopolitischen Liberalen aufgezwungen wird, durch eine muskulöse Identitätspolitik oder einen eigenen Gruppenpartikularismus ersetzen. Dies ist die Logik, mit der Orbán und Kaczyński versucht haben, den inneren fremdenfeindlichen Nationalismus ihrer Landsleute zu entfachen, indem sie eine antiliberale R2P (Right to Protect) geschaffen haben, die sich ausschließlich an weiße christliche Bevölkerungsgruppen richtet, die angeblich vom Aussterben bedroht sind. 1. Mark Lilla, The Once and Future Liberal: After Identity Politics (Harper, 2017). |
Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Antirealismus | Fraassen | I 18 Anti-Realismus/VsAnti-Realismus: was er über die Welt glaubt, hängt davon ab, in welcher Welt er zu sein glaubt. >Mögliche Welten. Fraassen VsVs: (pro Anti-Realismus): das würde voraussetzen, dass die Erkenntnistheorie dieselben Resultate liefern würde, unabhängig von der Spannweite der Belege, die uns zugänglich sind. - das würde Skeptizismus voraussetzen. Lösung/Fraassen: empirische Adäquatheit: eine Theorie soll Phänomene korrekt beschreiben ("bewahren") - dann ist Beobachtbarkeit von unserer Gemeinschaft abhängig. >Adäquatheit. I 31 Anti-Realismus/Wissenschaft/Fraassen: ihm geht es nur um Zuwachs an Wissen über Beobachtbares - Fraassen pro. - Zwischen Rauchen und Krebs wird dann evtl. eine weitere Korrelation angenommen: Reizung der Lungen usw. I 219 FraassenVsAnti-Realismus: kann nicht behaupten, dass erfolgreiche Theorien einfach die sind, die überleben, ohne zu behaupten, dass sie wahr sind. >Theorien, >Erfolg. |
Fr I B. van Fraassen The Scientific Image Oxford 1980 |
| Arten | Kauffman | I 310 Arten/Evolution/Kauffman: Man schätzt, dass zwischen 99 und 99,9 % aller Arten, die jemals existiert haben, wieder ausgestorben sind. >Aussterben, >Evolution, >Überleben. Heute: vermutlich zwischen 10 und 100 Millionen Arten. Wahrscheinlich sind im Lauf der Zeit zwischen 10 und 100 Milliarden Arten entstanden und wieder verschwunden. I 310/311 Fitnesslandschaft/Koevolution/Kauffman: Die Fitnesslandschaft verändert sich, wenn die Umwelt sich verändert. Räuber-Beute-Zyklen. Beide haben jeweils eine Fitnesslandschaft, aber die beiden Landschaften sind gekoppelt! Das ist Koevolution. Koevolution/Kauffman: Koevolution ändert aber nicht nur die Organismen (Räuber/Beute) sondern auch ihre Wechselbeziehung. Damit ändert sich nicht nur die jeweilige Fitnesslandschaft, sondern auch die Elastizität ihrer Beziehungen. >Fitnesslandschaft, >Fitness. Damit unterliegt der Prozess der Koevolution selbst der Evolution. >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen. Selektion/Kauffman: Selektion setzt auf der Ebene des Individuums an. Das Rätsel besteht darin, dass die emergente Ordnung der Gemeinschaften jene Selektion der Individuen widerspiegelt. >Selektion, >Individuen. I 312 Räuber-Beute-Zyklus/Kauffman: Hier gibt es entweder einen langfristigen Übergang in einen stationären Zustand (Parallelen) oder langzeitige verschobene Sinusschwankungen, dann "Grenzzyklus“. I 315 Evolution/Gemeinschaften/Kauffman: Frage: wie bilden sich Lebensgemeinschaften? Wir wissen es nicht. >Leben, >Leben/Kauffman. Wenn man ein Gebiet einzäunt (Ökotop) ändert sich die Zusammensetzung der Arten immer. Nach Beseitigung des Zauns erhält man aber nicht wieder die ursprüngliche Zusammensetzung. "Gemeinschaftsfitnesslandschaft“: nach der Änderung erklimmt die Gemeinschaft einen anderen Gipfel. Auf einem Gipfel kann eine Gemeinschaft keine neuen Arten mehr aufnehmen. Sättigungsgrenze. I 320 Problem: Es ist nicht von vornherein sinnvoll, von einer Gemeinschaftsfitness zu reden! Der Erfolg einer Einwanderung ist nicht unmittelbar davon abhängig, ob damit die Fitness der Gemeinschaft erhöht wird! >Nischen. Nun verhalten sich die Simulationen aber so, als ob eine Gemeinschaftsfitness existierte. Im Modell (nicht in Wirklichkeit) sehen wir hier ein emergentes Phänomen. Extinktionsereignisse/Aussterben/Kauffman: Aussterben von Arten erfolgt nach dem Muster von Lawinen bei Sandhaufen, viele kleine, wenige große Lawinen, unvorhersehbar, Potenzgesetz. Pointe: Die Entscheidung darüber, wie die Wechselbeziehung zwischen den Arten sich gestaltet, wer Räuber ist und wer Beute, basiert auf einer Zufallsverteilung. >Zufall. I 320 Mitochondrien/Kauffman: Mitochondrien sind irgendwann in die Zellen eingedrungen und haben jenen komplizierten Wechselwirkungsmechanismus gestartet, der seit etwa einer Milliarde Jahren stabil ist. Höchst komplexes Problem. >Komplexität. Def Mutualismus: Mitochondrien halten durch die Geschwindigkeit ihrer Teilungen die stabile Population aufrecht, die Zelle genießt die energetischen Früchte dieser Mühen. I 322 Rote-Königin-Effekt"/Kauffman: (Alice): "Du musst so schnell laufen, wie du kannst, um am selben Ort zu bleiben". I 323 Koevolution/Nische/Kauffman: Die Güter und Dienstleistungen in einer Gemeinschaft (ökonomisches Netzwerk) existieren nur deshalb, weil sie als Zwischenerzeugnis oder als Endprodukt nützlich sind. Das sind die Nischen, die von anderen Gütern und Dienstleistungen geschaffen werden. Nische/Kauffman: jede Art lebt in einer Nische, die von anderen Arten geschaffen wird. (>Nützlichkeit für andere). >Nischen. |
Kau II Stuart Kauffman At Home in the Universe: The Search for the Laws of Self-Organization and Complexity New York 1995 Kauffman I St. Kauffman Der Öltropfen im Wasser. Chaos, Komplexität, Selbstorganisation in Natur und Gesellschaft München 1998 |
| Aussterben | Gould | I 291ff Aussterben/Evolution/Leben/Gould: Aussterben ist kein Dominostein in einer Entwicklung, mit großen Konsequenzen, Aussterben ist vielmehr das, was alle Arten gemeinsam haben. Sie können auch beim Aussterben nicht alle ihre Ökosysteme mitnehmen. Daher hängen Arten recht wenig voneinander ab. Bsp New York könnte ohne seine Hunde überleben. II 339 ff Fehler: "Jede Art die ausgestorben ist, ist wegen ihrer Überspezialisierung ausgestorben." Das ist das vielleicht üblichste Missverständnis über die Geschichte des Lebens. Es ist falsches Verständnis des Fortschritts und falsche Gleichsetzung von Verschwinden und Untauglichkeit. Wenn man sich das Leben als fortwährenden und unausgesetzten Kampf vorstellt, muss das Verschwinden wohl das endgültige Zeichen von Unzulänglichkeit sein. >Theorien. II 340 GouldVs: Aber das gegenwärtige Leben kommt der Perfektion nicht einmal nahe. Der angeblich klassische Fall des auf konkurrenzmäßiger Unterlegenheit beruhenden Aussterbens kann nicht aufrechterhalten werden. Bsp Als die Anden sich erhoben, entstand wahrscheinlich ein erheblicher Regenschatten über Südamerika und die Tropischen Wälder verwandelten sich in Trockenzonen. II 346 Trostpflaster für Fortschrittsgläubige: Bei Massenaussterben versucht man mit einer Def "Hintergrundsrate": der normalen Entwicklung (normales Aussterben) zu vergleichen. Entdeckung: Seit mehr als einer halben Milliarde Jahren nimmt die Hintergrundsrate langsam aber stetig ab. Während der frühen kambrischen Zeit, am Anfang der adäquaten Fossilaufzeichnungen, vor etwa 600 Millionen Jahren, stand die Durchschnittsrate bei 4,6 ausgestorbenen Gattungen pro Million Jahre. Seitdem nimmt die Rate stetig ab, auf etwa 2,0. Hätte die kambrische Rate sich fortgesetzt, wären etwa 710 Gattungen mehr ausgestorben! Interessant ist, dass die Gesamtzahl der Gattungen sich seit damals um fast die gleiche Zahl (680) vergrößert hat. II 347 Keine Art ist unsterblich. Unvermeidliches sollte nie deprimierend sein. IV 13 Aussterben/Gould: Aussterben ist mehr als nur eine negative Kraft. IV 178 Massenaussterben/Gould: Massenaussterben muss von vier Gesichtspunkten aus neu interpretiert werden: 1. Es ist nicht Gipfelpunkt eines Kontinuums, sondern ein Bruch. 2. Es ist viel häufiger, schneller, tiefgreifender und ganz anders (in Bezug auf die Anzahl der ausgelöschten Lebewesen) als wir je vermutet haben. IV 179 Ende der Ediacara Fauna gab es ein erstes großen Massenaussterben. Die Fauna wurde ersetzt und nicht etwa vervollkommnet oder gestärkt. IV 182 Es wurde eine Periodizität der Massenaussterben entdeckt: 26 Mio Jahre seit dem letzten großen Sterben im Perm kommt es zu einem Höhepunkt. Übliche Ursachenerklärungen: Gebirgsbildung, Vulkanismus, Temperaturschwankungen... Neu: Ein sinkender Meeresspiegel käme in Betracht und ist tatsächlich vor dem letzten Massenaussterben beobachtet worden. Aber: Den meisten Massenaussterben geht eine langsame Abnahme an Tiergruppen voraus! Mögliche Erklärung: Es gibt nur wenige Fossilen, da weniger Felsen zur Konservierung geeignet sind. IV 185 Evolution/Klassifikation: Einige Äste des evolutionären Baums beherbergen viele Arten, andere, äußerst wenige. Es treten starke Unterschiede auf. Während normaler Zeiten tendieren artenreiche Zweige dazu, ihren Reichtum noch zu erhöhen. Frage: Warum erobern sie nicht die gesamte Biosphäre für sich? Lösung: beim Massenaussterben haben sie schlechtere Chancen. IV 201 Aussterben: Jedes ist unausweichlich für immer. Ein ausgestorbenes Experiment wird sich nie wiederholen. Die Chancen sind mathematisch zu gering. Biologen sprechen vom "Prinzip der Nichtumkehrbarkeit der Evolution". >Evolution, >Erklärung, >Darwinismus. |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Balance of Power | Waltz | Brocker I 634 Balance of Power/WaltzVsTradition/Waltz: Die zentrale Annahme einer Balance-of-Power-Theorie ist, dass Staaten einheitliche Akteure (“unitary actors”) sind, deren Minimalziel das eigene Überleben und deren Maximalziel die universelle Dominanz ist. Dazu haben Staaten zwei Machtmittel: interne Machtsteigerung, (Aufrüstung, Stärkung der Volkswirtschaft) oder externe Machtsteigerung (Allianzenbildung oder Eroberung). Da externe Machtsteigerung ein System von mindestens drei Staaten erfordert, geht die traditionelle Theorie von mindestens drei Akteuren aus. >Macht. WaltzVs: Diese Annahme ist falsch(1). Zwei oder mehr Staaten koexistieren in einem Selbsthilfesystem ohne übergeordnete Zentralgewalt, die einem schwachen Staat zu Hilfe eilen oder einen Staat von dem Einsatz von Machtmittel abhalten kann, die dieser zur Verfolgen seiner Interessen einsetzen könnte. In einem solchen System ist das zu erwartende Resultat ein Gleichgewicht (balance of power). >Gleichgewicht. Dabei ist das primäre Ziel von Staaten nach Waltz, ihre Position im internationalen System beizubehalten(2). Daher werden sie ein Ausbalancieren der Mächte einem Angleichen an stärkere Staaten („bandwagoning“) vorziehen. Waltz These: Dies gilt nicht nur für die Beziehung zwischen Großmächten, sondern für jede Konstellation von zwei Staaten im Wettbewerb. >Wettbewerb. WaltzVsTradition/WaltzVsMorgenthau: ältere Autoren (u. a. Hans J. Morgenthau) hatten einen Willen staatlicher Akteure zur Schaffung von Gleichgewichtssystemen angenommen, Waltz hält dies für überflüssig. (3) Waltz: nicht die Motive der Akteure, sondern die Systemstruktur sorgt dafür, dass Gleichgewicht eintritt.(4) >H.J. Morgenthau. 1. Kenneth N. Waltz, „Theory of International Relations“, in: Fred Greenstein/Nelson W. Polsby (Hg.) International Politics: Handbook of Political Science, Reading, Mas. 1975, S. 36 2. Kenneth N. Waltz, Theory of International Politics, Reading, Mas. 1979, S. 126. 3. Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik, Gütersloh 1963, S. 219-220. 3. Waltz 1979, S. 128. Carlo Masala, „Kenneth N. Waltz, Theory of International Politics” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
PolWaltz I Kenneth N. Waltz Man,the State and War New York 1959 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Begriffliche Rolle | Schiffer | I 108f Begriffliche Rolle/Schiffer: sagt uns, wie wir von Reizen zu Überzeugungen kommen. >Reize, >Überzeugungen. Die begriffliche Rolle einer mentalen Repräsentation ist dann die kontrafaktische Rolle der Formel in der wahrnehmungsmäßigen Glaubensbildung und im Begründen. Sie ist eine kontrafaktische Eigenschaft. >Kontrafaktisches, >Mentale Repräsentation. Formale Eigenschaften von inneren Sätzen sind ohne Referenz auf T-theoretische Eigenschaften bestimmbar. Die begriffliche Rolle einer mentalen Repräsentation bestimmt nicht die Wahrheitsbedingungen. >Wahrheitsbedingungen. Bsp Zwillingserde H2O und XYZ haben dieselbe begriffliche Rolle - also wird die begriffliche Rolle zusätzlich zu den Wahrheitsbedingungen gebraucht. >Zwillingserde. I 109 Def begriffliche Rolle/Field: (Field 1977)(1): die subjektive bedingte Wahrscheinlichkeitsfunktion eines Handelnden. Zwei mentale Repräsentation s1 und s2 haben dieselbe begriffliche Rolle für eine Person, gdw. ihre (der Person) subjektive bedingten Wahrscheinlichkeits-Funktion so ist, dass für jede mentale Repräsentation s, die subjektive Wahrscheinlichkeit von s1 gegeben s dieselbe ist wie die von s2 gegeben s. SchifferVs: das passiert nie - Field dito - Bsp Blinde haben sicher andere begriffliche Rollen von Flundern - dann wird auch keine Korrelation zu den Glaubensobjekten bestehen. 1. Hartry Field (1977).Logic, Meaning, and Conceptual Role. Journal of Philosophy 74 (7):378-409 I 167 Begriffliche Rolle/Schiffer: Die begriffliche Rolle einer inneren Formel ist dann die komplexe kontrafaktische Eigenschaft der Formel, deren Kenntnis einen über die Bedingungen informiert, unter der die Formel vorkommt. Begriffliche Rolle statt Definition: dann nicht durch Paraphrase eliminierbar - dann irreduzierbar - >geregelter Gebrauch. Schiffer: These: man kann einfach die begriffliche Rolle statt platonistischer irreduzierbarer Eigenschaften z.B. des "Hundseins" annehmen: haarige nette bellende Vierbeiner. >Stereotype, >Prototypen. Entsprechend braucht man keine primitive propositionale Einstellungen und keine Glaubenseigenschaften. Proto-Menschen: haben Glauben und Wünsche, aber ohne Begriffe für sie - später gibt Gott einfache Begriffe für sie (steigert den Überlebenswert) - sie werden dann als irreduzierbar erkannt. I 169 Pointe: begriffliche Rolle: erlaubt keine gesetzesartige Verallgemeinerung wie Bsp x tut A weil er P wünscht und glaubt, dass er P erreicht, wenn er A tut - dennoch Verlässlichkeit! >Intentionalität, >Zuschreibung, >Verhalten, >Erklärung, >Verlässlichkeitstheorie. I 186 Begriffliche Rolle/Schiffer: ist ohne Referenz auf die Wahrheitsbedingungen zu bestimmen - Sie legt die Wahrheitsbedingungen auch gar nicht fest. >Wahrheitsbedingungen. Bsp Zwillingserde: Wasser und Zwillingserden-Wasser haben dieselbe begriffliche Rolle. - Gebrauch ist gleichbedeutend mit dem Besitz einer begrifflichen Rolle. Innere Sprache/Mentalesisch: hier ist die begriffliche Rolle von Referenz unabhängig. - >Mentalesisch. Daher wird keine kompositionale Semantik vorausgesetzt - hier geht es nicht um Situationen, Sprechakte oder Äußerungen. >Situation, >Sprechakte, >Äußerungen, >Kompositionalität. |
Schi I St. Schiffer Remnants of Meaning Cambridge 1987 |
| Behauptbarkeit | Wright | I 26 ff Behaupbarkeit/Wright, Crispin: Bsp "Es ist nicht der Fall, dass P ist T" dann und nur dann, wenn es nicht der Fall ist, dass P T ist. Das ist für berechtigte Behauptbarkeit nicht von rechts nach links gültig! Behauptbarkeit ist natürlich schwächer. >Asymmetrie, >Äquivalenz, >Implikation. Berechtigte Behauptbarkeit/Negation: Im Fall von Unkenntnis: P ist nicht berechtigt behauptbar, aber auch nicht seine Negation. >Negation, >Rechtfertigung. Wahrheit/Unkenntnis: Etwas kann sehr wohl wahr sein, auch wenn nichts darüber bekannt ist! >Realismus, >Metaphysischer Realismus. Wahrheit/berechtigte Behauptbarkeit: Bsp Schnee ist weiß : die Entscheidung über Wahrheit und Behauptbarkeit kann hier divergieren! I 51 Deflationismus: These: "wahr" ist nur Mittel der Bekräftigung, daher keine von Behauptbarkeit verschiedene Norm. >Wahrheit, vgl. >Redundanztheorie. Eine Aussage kann gerechtfertigt werden, ohne wahr zu sein, und umgekehrt. >Konventionen, vgl. >Sprachgebrauch, >Sprachgemeinschaft. Field II 120 Behauptbarkeit/Wright/Putnam: Behauptbarkeit ist die einzige substantielle Eigenschaft. - Weil Wahrheit keine Eigenschaft ist. Field: Beide gehen sehr wohl nebeneinander, weil sie divergieren - Wahrheit geht tiefer. Wright I 35 Berechtigte Behauptbarkeit/Assertibilität/Negation: Bsp "Es ist nicht der Fall, dass P ist T" dann und nur dann, wenn es nicht der Fall ist, dass P T ist. - Das ist für berechtigte Behauptbarkeit nicht von rechts nach links gültig. - Bei Unkenntnis ist die Negation auch nicht behauptbar. I 52ff Wahrheit: zeitlos - berechtigte Behauptbarkeit: nicht zeitlos. >Zeitloses. I 68f Def Superassertibilität/Super-Behauptbarkeit/Wright: Eine Aussage ist superassertibel, wenn sie berechtigt ist, oder berechtigt werden kann, und wenn ihre Berechtigung sowohl die beliebig genaue Prüfung ihrer Abstammung als auch beliebig umfangreiche Ergänzungen und Verbesserungen der Information überleben würde. Vgl. >Gerechtfertigte Behauptbarkeit. Ideale Umstände/Putnam zeitlos. Superassertibilität ist keine externe Norm, sondern unsere eigene Praxis. - Sie ist metaphysisch neutral. I 81f Superassertibilität/Wright: These: Komische und moralische Wahrheiten können als Spielarten der Superassertibilität gelten. - (s) Weil alles, was wir in Zukunft erfahren können, aus unserer eigenen Praxis stammt, sind wir vor grundsätzlichen Überraschungen gefeit. I 102f Superassertibilität/Wright: Superassertibilität ist geeignet für Diskurse, deren Maßstäbe von uns gemacht sind: Moral, Komik. >Moral. I 115ff Superassertibilität/Field/Mackie: Die Wahrheits-Prädikate für Mathematik oder Moral können nicht im Sinne der Superassertibilität interpretiert werden. - Daher muss Superassertibles im Diskurs nicht wahr sein. - Daher rührt der Unterschied zwischen Superassertibilität und Wahrheit. >Mathematik, >Wahrheit, >Diskurs. |
WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Behaviorismus | Frith | I 113 Pawlow/Pawlov/Frith: Pawlows Experimente unterscheiden sich stark vom Behaviorismus, auch wenn sie heute oft darunter subsumiert werden. PawlowVsBehaviorismus: Pawlow interessierte sich für die physiologischen Mechanismen, die psychischen Phänomenen zugrunde liegen. I 114 Def unbedingter/unkonditionierter Reflex/Pawlow: Der unbedingte und unkonditionierte Reflex ist die Bildung des Speichelflusses beim Hören der Glocke, bzw. der Prozess, der die Bildung hervorruft. Vgl. >Konditionierung. I 115 Def bedingter Reflex/konditionierter Reflex/Pawlow: Der bedingte und konditionierte Reflex ist, dass der Hund die Glocke als das Signal für Futter nahm und erwartete, gefüttert zu werden. Er wandte auch den Kopf in die Richtung, aus der normalerweise das Futter kam. Def Konditionierung/Frith: „klassische Konditionierung“: ist nur die Assoziation zwischen der Glocke und dem Speichelfluss. Nicht die Erwartung und das Kopfwenden, hier sind komplexere Prozesse am Werk. I 116 Assoziation/Pawlow/Frith: Keine Assoziation stellte sich ein, wenn die Glocke erst fünf bis 10 Sekunden nach der Verabreichung des Futters ertönte. >Assoziation. Reiz: ist nur interessant, wenn er ein Ereignis vorhersagt. Später ist er uninteressant. >Reize. Lernen/Pawlow/Frith: Das Lernen, das Pawlow entdeckte, ist genau die Form von Lernen, die wir zum Überleben brauchen. Es ist nicht hinreichend zu lernen, welche Dinge gut oder schlecht sind, wir müssen auch lernen, wie sie zu bekommen sind. >Lernen. |
Frith I Chris Frith Wie unser Gehirn die Welt erschafft Heidelberg 2013 |
| Bewusstsein | Block | II 458 Bewusstsein/Block: ist ein Mischbegriff aus "Phänomenalem Bewusstsein" (P-Bewusstsein/Terminologie) und "Zugriffsbewusstsein" (Z-Bewusstsein). Def Z Bewusstsein/Terminologie/Block : sich einer Tatsache z-bewusst zu sein, heißt, dass die Information für rationales Schließen zur Verfügung steht. (Funktionaler Begriff). Bewusstsein/Burge: (VsBlock): P-Bewusstsein Voraussetzung für Z-Bewusstsein. Phänomenalität ist nicht gleich Bewusstsein! Phänomenale Zustände können durchaus auch unbewusst sein. II 524 Blindsight/Block: Patienten, die in einem Teil ihres Gesichtsfeldes nicht sehen können, können auf Nachfrage verbale, zutreffende Beschreibungen geben. Das lässt vermuten, dass Bewusstsein eine Funktion haben muss, die beim Überleben, Berichten und der Verhaltenssteuerung wirksam wird. II 530 Zugriffs-Bewusstsein/Block: seine Grundlage nenne ich die informationsverarbeitende Funktion des phänomenalen Bewusstseins in >Schacters Modell. ((s) Teil oder Grundlage als Gegenüber). II 531 Def P Bewusstsein/phänomenales Bewusstsein/Block: Erleben. Es kann nicht nicht-zirkulär beschrieben werden! Aber das ist kein Manko! P-bewusste Eigenschaften sind unterschieden von jedweder kognitiven, intentionalen oder funktionalen Eigenschaft. Obwohl der Funktionalismus in Bezug auf das P Bewusstsein falsch ist, kann der Funktionalismus viele meiner Punkte akzeptieren. II 535 Def Z-Bewusstsein/Zugriffs-Bewusstsein/Block: ein Zustand ist z-bewusst, wenn kraft des Sich-in-dem-Zustand-Befindens eine Repräsentation seines Gehalts 1. inferentiell ungebunden ist, d.h. als Prämisse beim Überlegen bereit steht 2. für die rationale Handlungskontrolle bereitsteht 3. für die rationale Sprachkontrolle bereitsteht (nicht notwendig, auch Schimpansen können p bewusst sein). P-Bewusstsein und Z-Bewusstsein interagieren: Hintergrund kann Vordergrund werden. Bsp zu fühlen, wie sich das Hemd am Hals anfühlt. Fehlschluss/Block: es ist aber ein Fehler, unbemerkt von einem zum anderen Bewusstsein überzugehen. Fehler: Aus dem Bsp Blindsight zu schließen, dass es die Funktion des P-Bewusstsein sei, rationale Handlungskontrolle zu ermöglichen. P-Bewusstsein/Block: nicht funktional! Empfindungen. Z-Bewusstsein/Block: funktional. Typisch: "propositionale Einstellungen". Schmerz/Block: sein repräsentationaler Gehalt ist zu primitiv, um beim Schließen eine Rolle zu spielen. Schmerz ist nicht begrifflich vermittelt, schließlich können Hunde auch Schmerzen haben. Zusammenfassung: P-Bewusstsein kann Bewusstsein von sein und Bewusstsein von muss nicht Z-Bewusstsein sein. II 555 Bewusstsein/Dennett: 1. Kulturelles Konstrukt! 2. Man kann Bewusstsein nicht haben, ohne den Begriff von Bewusstsein zu haben. 3. Bewusstsein ist eine "zerebrale Zelebrität": nur die Gehalte sind bewusst, die beharrlich sind, die die Ressourcen lange genug monopolisieren, um gewisse typische und "symptomatische" Wirkungen zu erzielen. BlockVsDennett: ad 1. Das ist eine Verschmelzung von mehreren Bewusstseinsbegriffen. ad 2. P Bewusstsein kann kein kulturelles Produkt sein. Auch wahrscheinlich nicht das Z-Bewusstsein: sehr viel niedere Lebewesen haben es, und zwar auch ohne einen solchen Begriff. ad 3. Aber das ist doch eine biologische Tatsache und keine kulturelle. II 568 Fehlschluss/BlockVsSearle: Frage: Warum der Bsp durstige Blindsight-Patient nicht nach dem Wasser greift: ihm fehlen sowohl P Bewusstsein als auch Z-Bewusstsein. Das ist richtig. Aber es ist ein Fehler, von einer Funktion der Maschinerie des Z-Bewusstseins zu irgendeiner Funktion des P-Bewusstseins überzugehen . Fehlschluss: Aus der Prämisse, dass "Bewusstsein" fehlt, (ohne sich klar zu sein, welche Art von Bewusstsein) voreilig die Schlussfolgerung zu ziehen, dass P-Bewusstsein eine gewisse Funktion habe. |
Block I N. Block Consciousness, Function, and Representation: Collected Papers, Volume 1 (Bradford Books) Cambridge 2007 Block II Ned Block "On a confusion about a function of consciousness" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 |
| Condorcet-Jury-Theorem | Condorcet | Parisi I 494 Condorcet Jury Theorem/Condorcet/Nitzan/Paroush: Condorcet (1785)(1) macht die folgende dreiteilige Aussage: 1) Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Team von Entscheidungsträgern gemeinsam die richtige Entscheidung trifft, ist höher als die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelnes Mitglied des Teams eine solche Entscheidung trifft. 2) Dieser Vorteil des Teams gegenüber der individuellen Leistung steigt monoton mit der Größe des Teams. Parisi I 495 3) Es ist vollkommen sicher, dass die Entscheidung des Teams richtig ist, wenn die Größe des Teams gegen unendlich tendiert, d. h. die Wahrscheinlichkeit dieses Ereignisses tendiert mit der Größe des Teams gegen eins. Ein "Condorcet-Jury-Theorem" (nachfolgend CJT) ist eine Formulierung hinreichender Bedingungen, die die obigen Aussagen bestätigen. Es gibt viele CJTs, aber Laplace (1815)(2) war der erste, der ein solches Theorem vorschlug. >Condorcet-Jury-Theorem/Laplace. Parisi I 496 VsCondorcet: Im Gegensatz zu den ersten beiden Teilen von Condorcets Aussage ist das Überleben des dritten Teils etwas überraschend. Es wurden viele Versuche unternommen, die Gültigkeit des dritten Teils im Falle heterogener Teams zu beweisen (siehe Boland, 1989(3); Fey, 2003(4); Kanazawa, 1998(5); und Owen, Grofman und Feld, 1989(6)). 1. De Condorcet, N. C. (1785). Essai sur l’application de l’analyse a la probabilite des decisions rendues a la pluralite des voix. Paris: De l’imprimerie royale. 2. Laplace, P. S. de (1815). Theorie analytique des probabilities. Paris: n.p. 3. Boland, P. J. (1989). “Majority systems and the Condorcet jury theorem.” The Statistician 38(3): 181–189. 4. Fey, M. (2003). “A note on the Condorcet jury theorem with supermajority rules.” Social Choice and Welfare 20(1): 27-32. 5. Kanazawa, S. (1998). “A brief note on a further refinement of Condorcet Jury Theorem for heterogenous groups.” Mathematical Social Sciences 35(1): 69-73. 6. Owen, G., B. Grofman, and S. Feld (1989). “Proving a distribution free generalization of the Condorcet jury theorem.” Mathematical Social Sciences 17(1): 1-16. Shmuel Nitzan and Jacob Paroush. “Collective Decision-making and the Jury Theorems”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Condo I N. de Condorcet Tableau historique des progrès de l’ esprit humain Paris 2004 Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Condorcet-Jury-Theorem | Wirtschaftstheorien | Parisi I 494 Condorcet-Jury-Theorem/Ökonomische Theorien/Nitzan/Paroush: Condorcet (1785)(1) macht die folgende dreiteilige Aussage: 1) Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Team von Entscheidungsträgern gemeinsam die richtige Entscheidung trifft, ist höher als die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelnes Mitglied des Teams eine solche Entscheidung trifft. 2) Dieser Vorteil des Teams gegenüber der individuellen Leistung steigt monoton mit der Größe des Teams. Parisi I 495 3) Es ist vollkommen sicher, dass die Entscheidung des Teams richtig ist, wenn die Größe des Teams gegen unendlich tendiert, d. h. die Wahrscheinlichkeit dieses Ereignisses tendiert mit der Größe des Teams gegen eins. Ein "Condorcet-Jury-Theorem" (nachfolgend CJT) ist eine Formulierung hinreichender Bedingungen, die die obigen Aussagen bestätigen. Es gibt viele CJTs, aber Laplace (1815)(2) war der erste, der ein solches Theorem vorschlug. >Condorcet-Jury-Theorem/Laplace. Parisi I 496 VsCondorcet: Im Gegensatz zu den ersten beiden Teilen von Condorcets Aussage ist das Überleben des dritten Teils etwas überraschend. Es wurden viele Versuche unternommen, die Gültigkeit des dritten Teils im Falle heterogener Teams zu beweisen (siehe Boland, 1989(3); Fey, 2003(4); Kanazawa, 1998(5); und Owen, Grofman und Feld, 1989(6)). In der Tat ist die folgende Version der CJT bekannt: "Wenn ein Team von Entscheidungsträgern eine einfache Mehrheitsregel anwendet, wäre die Entscheidung im Grenzfall vollkommen korrekt, da die Größe Parisi I 497 des Teams gegen unendlich tendiert, selbst wenn die individuellen Kompetenzen, die pis, unterschiedlich sind, vorausgesetzt, dass pi ≥ 1∕2+ε ist, wobei der Wert von ε eine positive Konstante ist, egal wie klein er ist." Der Beweis des Theorems beruht auf dem Laplace-Beweis mit P = 1∕2+ε in Verbindung mit der Tatsache, dass Π eine zunehmende Funktion der Kompetenzen der Teammitglieder ist. >Entscheidungstheorie, >Entscheidungsprozesse. 1. De Condorcet, N. C. (1785). Essai sur l’application de l’analyse a la probabilite des decisions rendues a la pluralite des voix. Paris: De l’imprimerie royale. 2. Laplace, P. S. de (1815). Theorie analytique des probabilities. Paris: n.p. 3. Boland, P. J. (1989). “Majority systems and the Condorcet jury theorem.” The Statistician 38(3): 181–189. 4. Fey, M. (2003). “A note on the Condorcet jury theorem with supermajority rules.” Social Choice and Welfare 20(1): 27-32. 5. Kanazawa, S. (1998). “A brief note on a further refinement of Condorcet Jury Theorem for heterogenous groups.” Mathematical Social Sciences 35(1): 69-73. 6. Owen, G., B. Grofman, and S. Feld (1989). “Proving a distribution free generalization of the Condorcet jury theorem.” Mathematical Social Sciences 17(1): 1-16. Shmuel Nitzan and Jacob Paroush. “Collective Decision-making and the Jury Theorems”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Darwinismus | Dawkins | I 40 Darwinismus/Dawkins: In Wirklichkeit ist das "Überleben des Bestangepassten" ein Sonderfall des Gesetzes vom Fortbestand des Stabilen. I 373 Gen/Darwinismus: Der Darwinismus pricht über das Überleben von Individuen als Ganzen. Hier verschwindet das Paradox, dass ein Gen evtl. gegen ein Individuum agieren könnte. Was gut für das Überleben ist, ist gut für alle Gene. |
Da I R. Dawkins Das egoistische Gen, Hamburg 1996 Da II M. St. Dawkins Die Entdeckung des tierischen Bewusstseins Hamburg 1993 |
| Darwinismus | Gould | I 70 Darwin/Gould: Darwins Theorie der Selektion stellt eine schöpferische Übertragung von Adam Smiths grundlegender These von einer rationalen Ökonomie auf die Biologie dar: Das Gleichgewicht und die Ordnung entstehen nicht durch eine höhere, von außen kommende (göttliche) Macht, oder das Vorhandensein von Gesetzen, die unmittelbar auf das Ganze einwirken, sondern durch Kampf zwischen Individuen um ihren eigenen Vorteil. (Moderne Variante: Kampf um eine Übermittlung ihrer Gene an kommende Generationen durch einen besonderen Erfolg bei der Fortpflanzung). II 9 Darwinismus/Adaption/Gould: Darwins Jünger entwarfen später eine Version seiner Theorie, die weit enger gefasst war, als Darwin selbst das je zugelassen hätte: Dieses "adaptionistische Programm" bezog die Evolution auf jedes einzelne Körperteil und ließ außer Acht, dass Organismen integrierte Gebilde sind, deren Entwicklungsmöglichkeiten durch Vererbung begrenzt sind (GouldVs). II 11 Dieser übertrieben strenge Darwinismus betont die überaus zahlreichen, kleinen zufälligen Variationen und schließt damit ein, dass die Makroevolution eine Summierung der unzähligen kleinen Schritte ist. Diese "extrapolationistische" Theorie sprach der Makroevolution jede Selbständigkeit ab. Sie spräche damit auch den anderen Ebenen, sowohl unterhalb (z.B. Gene) als auch oberhalb (Arten) jede direkte kausale Bedeutung ab. II 171 Def Strenger Darwinismus/Gould: These: Alle Eigenschaften sind Adaptionen, und die gesamte Evolution sei ein Kampf ums Überleben auf der untersten Ebene zwischen allen Individuen. >Evolution, >Erklärung. |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Darwinismus | Huxley | Danto III 197 Darwinismus/NietzscheVsDarwinismus/Nietzsche/DantoVsNietzsche/Danto: Allzu oft verfällt Nietzsche in den dümmsten Fehlglauben des Darwinismus, indem er das Überleben mit Vortrefflichkeit gleichsetzt. >F. Nietzsche, >Evolution. Dabei übersieht Nietzsche, was Th. H. Huxley schon feststellte: Evolution/Darwinismus/Huxley, T. H.: Die kleinste Veränderung in der chemischen Zusammensetzung unserer Atmosphäre genügt, damit womöglich nur ein paar Flechten überleben und so zu den Herren der Welt werden. >Fitness, >Überleben, >Selektion, >Anfangsbedingungen, >Leben. |
HuxleyA I Aldous Huxley Science, Liberty and Peace London 1946 HuxleyTh I Thomas Henry Huxley Lectures On Evolution Whitefish, MT 2010 Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Darwinismus | Nietzsche | Pfotenhauer I 5 Darwinismus/Evolution/Nietzsche/NietzscheVsDarwinismus/Pfotenhauer: Darwins Evolutionstheorie die die Selektion nach Maßgabe (…) von Selektionsleistungen an externe Bedingungen zum Prinzip macht, ist Nietzsche zuwider, ja verhasst: „[…]so lautet Diese Moral…die Mittleren sind mehr wert als die Ausnahmen“ ..“Gegen die Formulierung [dieser] Moral empöre ich mich […].“(1) 1. Nachgel. Fragm, Frühjahr 1888., KGW VIII, S. S 95ff). Danto III 197 Darwinismus/NietzscheVsDarwinismus/Nietzsche/DantoVsNietzsche/Danto: Allzu oft verfällt Nietzsche in den dümmsten Fehlglauben des Darwinismus, indem er das Überleben mit Vortrefflichkeit gleichsetzt. Dabei übersieht er, was Th. H. Huxley schon feststellte: Evolution/Darwinismus/Huxley, T. H.: Die kleinste Veränderung in der chemischen Zusammensetzung unserer Atmosphäre genügt, damit womöglich nur ein paar Flechten überleben und so zu den Herren der Welt werden. Danto III 268 Darwinismus/NietzscheVsDarwinismus/Nietzsche//Danto: Nietzsche war VsDarwin überzeugt, dass die Untauglichen überleben und die Tauglichen zugrunde gehen. Danto: Abgesehen von dieser hartnäckigen Überzeugung, die von Huxleys berühmter Widerlegung ebenso leicht anzugreifen ist, wie ihre Kehrseite (Siehe Darwinismus/Huxley, Th. H.) ist schwer ersichtlich, wieso Nietzsche sich selbst als Anti-Darwinisten verstanden wissen wollte. Danto III 269 Überleben/Nietzsche: Ob man sich selbst erhält oder nicht, hat nach Nietzsche nichts mit der blinden Ausübung des Willens zur Macht zu tun, der ja jedes Ding in jedem Augenblick kennzeichnet. Etwas überlebt, insofern es siegreich aus dem Kampf der Willen hervorgeht; es kämpft jedoch nicht, um zu überleben – wenn schon, wäre es genau umgekehrt: „Vor allem will etwas Lebendiges seine Kraft auslassen – Leben selbst ist Wille zur Macht: die Selbsterhaltung ist nur eine der indirekten und häufigsten Folgen davon.(1) >Wille/Nietzsche. 1. F. Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, KGW VI. 2, S. 21. |
Nie I Friedrich Nietzsche Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009 Nie V F. Nietzsche Beyond Good and Evil 2014 Pfot I Helmut Pfotenhauer Die Kunst als Physiologie. Nietzsches ästhetische Theorie und literarische Produktion. Stuttgart 1985 Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Darwinismus | Singer | I 61 Darwinismus/Tiere/P. Singer: Es ist falsch, den Darwinismus zu bemühen, um menschlichen Verzehr von Tieren zu rechtfertigen. Erstens braucht der Mensch kein Fleisch um zu überleben. Zweitens ist nicht alles, was in der Natur angelegt ist, eine Verpflichtung: Bsp Eine Frau kann jedes Jahr ein Kind gebären, das bedeutet aber nicht, dass es falsch ist, diesen Rhythmus nicht einzuhalten. >Moral, >Ethik, >Pflichten, >Rechte, >Tiere, vgl. >Tiersprache, vgl. >Abtreibung, >Handlungen, >Entscheidungen. |
SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Darwinismus | Strauß | Pfotenhauer IV 42 Darwinismus/Strauß, Fr. D.: (D. Fr. Strauss 1904(1)) These: In Anlehnung an Darwin lasse sich zeigen, dass alles Geschehen immer schon eine Höherentwicklung sei, dass auch ohne einen vernunftbegabten Schöpfer die Welt einem kontinuierlich ausgeführten Gesamtplan folge. >Evolution, >Planung, >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen. Denn auch in den blinden Naturereignissen und ärgsten Zufällen setze sich ja am Ende nur das Lebensfähigere und das heißt für Strauß auch das moralisch Bessere durch. >Moral, >Überleben. Pfotenhauer IV 43 NietzscheVsStrauss: Nietzsche erinnert demgegenüber an „die namenlosen Leiden der Menschheit“, die solche „wahrhaft ruchlose Denkungsart“ (F. Nietzsche(2)) dieser „schamlose Philister-Optimismus“ (ebenda S. 187) ungewollt verhöhne. >Leiden/Nietzsche. 1. D. Fr. Strauss, Der alte und neue Glaube, 1872, 2. Auflage Leipzig, 1904, insbesondere S. 60ff. 2. F: Nietzsche, David Strauss der Bekenner und Schriftsteller, 6; Nietzsche KGW III, 1, p. 188. |
Pfot I Helmut Pfotenhauer Die Kunst als Physiologie. Nietzsches ästhetische Theorie und literarische Produktion. Stuttgart 1985 |
| Demokratie | Politik Russlands | Krastev I 91 Demokratie/Politik Russlands/Krastev: In den 1990er Jahren (...) machte die alte kommunistische Nomenklatura noch den Großteil der herrschenden Klasse aus. Ihre vagen Erinnerungen an den Marxismus aus Schulbüchern lieferten eine Anleitung zum Aufbau von Kapitalismus und Demokratie im postkommunistischen Russland. >Demokratie/Sowjetunion. Anstatt das Kabuki-Theater der Scheindemokratie zu fürchten, nahmen die überlebensfreudigen Eliten des Landes es freudig an. Sie mochten es zwar nicht, wenn Menschen auf der Straße protestierten, aber sie befürworteten Wahlmaskeraden als eine clevere Art zu regieren, ohne kostspielige Unterdrückung und mit dem unausgesprochenen Versprechen, dass sie all ihre Macht und Privilegien an ihre Kinder vererben dürften. Die Feigenblattdemokratie half auch den postsowjetischen Eliten bei der heuchlerischen Sozialisierung Krastev I 92 mit vergebenden globalen Eliten und dabei ihre Familien und ihr Geld sicher außerhalb Russlands zu schaffen. Ausländische Besucher, die Russland in den 1990er Jahren besuchten, waren überrascht, auf der Straße Menschen zu begegnen, die Nostalgie für das alte Regime empfanden, insbesondere für die Sicherheit, die es bot, während die alte Elite, nachdem sie eine Welt der Möglichkeiten entdeckt hatte, begeistert sowohl von "Demokratie" als auch von "Kapitalismus" sprach. Frage/Krastev: Würde die Simulation von Demokratie helfen, Russland zu demokratisieren, oder würde sie stattdessen dazu beitragen, den russischen Autoritarismus und die russische Oligarchie zu verewigen? >Imitation/Krastev. |
Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Diversität (Soziologie) | Waldron | Gaus I 90 Diversität/Gesellschaft/Toleranz/Pluralismus/Liberalismus/Waldron: (...) Indem wir liberale Prinzipien und liberale Lösungen für die Probleme des gesellschaftlichen Lebens ausarbeiten und verteidigen (...), scheinen wir inmitten der kulturellen und ethischen Pluralität Partei zu ergreifen. Toleranz/Locke/Waldron: (...) ein Teil der Locke'schen Verteidigung der religiösen Toleranz ist auf religiösen Grundlagen aufgebaut: "Die Toleranz derer, die sich in Religionsfragen von anderen unterscheiden", so Locke, "ist dem Evangelium Jesu Christi so angenehm, dass es ungeheuerlich erscheint, dass die Menschen so blind sind, um die Notwendigkeit und den Vorteil davon nicht in einem so klaren Licht zu sehen" (1983(1): 25). >Toleranz/Locke. Problem/Waldron: Vielleicht kann man nicht erkennen, was wirklich wichtig an der Toleranz ist, außer aus einer Perspektive, die sich auf bestimmte Werte und bestimmte philosophische Vorstellungen beruft. Gaus I 91 Hobbes: Ein anderer könnte sich für einen Ansatz des "kleinsten gemeinsamen Nenners" entscheiden und dabei die rechtfertigenden Prämissen betonen, die alle Mitglieder einer pluralistischen Gesellschaft unabhängig von den Unterschieden in ihrer Ethik oder Weltanschauung vermutlich akzeptieren werden. Die Formulierung "kann als akzeptiert vorausgesetzt werden" kann auf verschiedene Weise beschönigt werden, von der Idee allgemein zugänglicher Gründe und Argumentation bis hin zu einer ziemlich aggressiven Darstellung grundlegender menschlicher Interessen, wie die von Hobbes (1991)(2) entwickelte Überlebensstrategie. >Toleranz/Waldron. Gaus I 94 Individualismus/Rawls/SandelVsRawls/Kommunitarismus/Waldron: (...) Der Individualismus von Rawls' dünner Theorie zog Kritik von kommunitaristischen Philosophen auf sich, die die implizite Annahme zurückwiesen, dass individuelle Lebenspläne von Personen gewählt werden, die nicht durch frühere Verpflichtungen und Loyalitäten belastet sind. Diejenigen, die sich im Wesentlichen als Mitglieder einer bestimmten Familie oder Gemeinschaft oder bestimmter Völker betrachteten, könnten es schwierig finden, eine Theorie der Gerechtigkeit zu akzeptieren, die sich auf der grundlegenden Ebene am Wohlergehen von Personen orientiert, die als von allen derartigen Bindungen befreit angesehen werden (Sandel, 1982)(4). Diversität/Inhomogenität/Gesellschaft/Rawls: "[W]ie ist es möglich", fragte Rawls, "dass es im Laufe der Zeit eine gerechte und stabile Gesellschaft von freien und gleichen Bürgern gibt, die durch vernünftige religiöse, philosophische und moralische Lehren tief gespalten bleiben?" (1993(3): 4). Gauß I 95 Waldron: Der Schlüssel (...) ist, darauf zu bestehen, dass eine akzeptable Gerechtigkeitstheorie, T, so beschaffen sein muss, dass unter den Gründen für die Ablehnung von T oder die Nicht-Übereinstimmung von T, keiner sich gegen die Verpflichtung von T auf eine bestimmte Wertvorstellung oder eine andere umfassende philosophische Konzeption wendet. >Individualismus/Rawls, >Rawls/Waldron. Lösung/Rawls: Stattdessen entwickelt Rawls die Idee, dass T einen überlappenden moralischen Konsens zwischen {C1, C2, ... , Cn } darstellen sollte. Damit meint er, dass T für die Anhänger von C1 aus moralischen Gründen akzeptabel gemacht werden könnte, als auch für die Anhänger von C2 und so weiter. Vielfalt/Toleranz/Locke/Kant/Rawls/Waldron: So kann zum Beispiel die Behauptung, dass religiöse Toleranz als eine Frage der Gerechtigkeit erforderlich ist, von Christen aus Locke'sche-Gründen, die mit der individualisierten Verantwortung eines jeden Menschen gegenüber Gott für seine eigenen religiösen Überzeugungen zu tun haben, von säkularen Locke-Anhängern aus Gründen der Unabänderlichkeit des Glaubens gegenüber Zwang, von Kantianern aus Gründen der hohen ethischen Gaus I 96 Bedeutung, die der Autonomie beigemessen wird, von Anhängern von John Stuart Mill auf der Grundlage der Bedeutung der Individualität und des freien Zusammenspiels von Ideen usw. bestätigt werden. >Toleranz/Locke. Waldron: Ob dies tatsächlich funktioniert, ist eine Frage, die wir in Betracht gezogen haben, als wir Ackermans Ansatz zur Neutralität diskutiert haben. >Neutralität/Waldron, >Überlappender Konsens/Rawls. 1. Locke, John (1983 [1689]) A Letter Concerning Toleration, ed. James H. Tully. Indianapolis: Hackett. 2. Hobbes, Thomas (1991 [1651]) Leviathan, ed. Richard Tuck. Cambridge: Cambridge University Press. 3. Rawls, John (1993) Political Liberalism. New York: Columbia University Press. 4. Sandel, Michael (1982) Liberalism and the Limits of Justice. Cambridge: Cambridge University Press. Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Dumping | Feenstra | Feenstra I 7-2 Dumping/Feenstra: Wir schlagen vor, dass dieses Phänomen als ein natürlicher Versuch unvollkommen wettbewerbsfähiger Unternehmen angesehen werden kann, in den Markt des jeweils anderen einzutreten, wie im Modell des „gegenseitigen Dumpings“ von Brander (1981)(1) und Brander und Krugman (1983)(2). Dies dürfte den Verbrauchern Vorteile in Form niedrigerer Preise bringen. Diese Vorteile werden durch die Anwendung von Antidumpingzöllen ausgeglichen, zumal diese Zölle als endogen zu betrachten sind: ihre Anwendung hängt von den Preisen ab, die von den exportierenden Unternehmen verlangt werden. Vgl. >Zölle/Feenstra. Für die exportierenden Unternehmen besteht ein Anreiz, ihre Preise zu erhöhen, selbst wenn nur die Einführung von Antidumpingzöllen droht, und sie noch weiter zu erhöhen, wenn die Zölle tatsächlich eingeführt werden. Aus diesen Gründen sind die Verluste für Verbraucher und Gesellschaft aufgrund von Antidumpingmaßnahmen besonders hoch. Wir überprüfen empirische Arbeiten von Prusa (1991(3), 1992(4)), Staiger und Wolak (1992)(5) und Blonigen und Haynes (2002)(6), die die Preis- und Mengeneffekte von Antidumpingmaßnahmen schätzen. Feenstra I 7-44 Wenn es ein Argument für den Schutz der jungen Industrie gibt, wonach ein Anstieg des Einfuhrpreises das Überleben eines Unternehmens ermöglicht, dann sollte auch der umgekehrte Fall zutreffen: ein Rückgang der Einfuhrpreise könnte ein Unternehmen zur Schließung veranlassen. >Infant industry/Feenstra. Dies wäre ein Beispiel für „räuberisches Dumping“, bei dem ein ausländischer Exporteur seine Preise in der Erwartung senkt, dass er seine Konkurrenten im Inland aus dem Geschäft drängt. Ein Modell des räuberischen Dumpings wurde von Hartigan (1996)(7) entwickelt und beruht wie das Argument der jungen Industrie auf einer Unvollkommenheit des Kapitalmarktes, die das heimische Unternehmen daran hindert, eine Periode negativer Gewinne zu überstehen. Soweit räuberisches Dumping überhaupt vorkommt, ist es vermutlich selten. Dagegen sind Dumpingvorwürfe ein weit verbreitetes Phänomen, das immer häufiger vorkommt. Darüber hinaus werden Dumpingvorwürfe häufig gegen Handelspartner in derselben Branche erhoben, z. B. beschuldigen die USA europäische Länder und Japan, Stahl in den USA zu dumpen, und diese anderen Länder beschuldigen wiederum die USA, dort Stahl zu dumpen! Das hört sich überhaupt nicht nach „räuberischem Dumping“ an, sondern muss eine andere Begründung haben. In seiner klassischen Auflistung der Gründe für Dumping spricht Jacob Viner von „langfristigem“ oder ‚kontinuierlichem‘ Dumping, um „die volle Produktion der bestehenden Anlagen aufrechtzuerhalten, ohne die Preise zu senken“ (Viner, 1966(8), S. 23, zitiert von Staiger und Wolak, 1992(5), S. 266). Dies kann auf Märkten mit oligopolistischem Wettbewerb und Überkapazitäten vorkommen. Ethier (1982)(9) stellt ein Modell vor, in dem die Unsicherheit der Nachfrage und Überkapazitäten, die zu Dumping führen, im Vordergrund stehen. Feenstra I 7-45 Die nachfolgende Literatur hat sich jedoch auf einen einfacheren Rahmen ohne Unsicherheit konzentriert, in dem Dumping ein natürliches Phänomen bei unvollkommenem Wettbewerb ist, wenn Oligopolisten in die Märkte der anderen eintreten. Dies wird (…) anhand des „reziproken Dumping“-Modells von Brander (1981)(1) und Brander und Krugman (1983)(2) gezeigt. 1. Brander, James A., 1981, “Intra-industry Trade in Identical Commodities,” Journal of International Economics, 11, 1-14. 2. Brander, James A. and Paul R. Krugman, 1983, “A Reciprocal Dumping Model of International Trade,” Journal of International Economics, 15, 313-323. Reprinted as chapter 1 in Gene M. Grossman, 1992, Imperfect Competition and International Trade. Cambridge: MIT Press, 23-30. 3. Prusa, Thomas J., 1991, “The Selection of Anti-Dumping Cases for Withdrawal,” in Robert E. Baldwin, ed. Empirical Studies of Commercial Policy. Chicago: Univ. of Chicago and NBER. 4. Prusa, Thomas J., 1992, “Why Are So Many Antidumping Petitions Withdrawn?” Journal of International Economics, 33, 1-20. 5. Staiger, Robert W. and Frank A. Wolak, 1992, “The Effect of Antidumping Law in the Presence of Foreign Monopoly,” Journal of International Economics, 32, May, 65-287. 6. Blonigen, Bruce A. and Stephen E. Haynes, 2002, “Antidumping Investigations and the Pass-through of Antidumping Duties and Exchange Rates,” American Economic Review, forthcoming. 7. Hartigan, James C., 1996, “Predatory Dumping,” Canadian Journal of Economics, 29(1), February, 228-39. 8. Viner, Jacob, 1966. Dumping: A Problem in International Trade. New York: Augustus M. Kelley, Publishers. 9. Ethier, Wilfred J., 1982, “Dumping,” Journal of Political Economy, 90(3), June, 487-506. |
Feenstra I Robert C. Feenstra Advanced International Trade University of California, Davis and National Bureau of Economic Research 2002 |
| Eigentum | Locke | Mause I 36 Eigentum/Locke: Staatszweck ist für Locke der Eigentumsschutz. Die legitime staatliche Gewalt findet ihre Grenze an den Eigentumsrechten der Bürger, wobei Locke „Eigentum“ (property) im umfassenden Sinne als „Leben“ (life), „Freiheit“ (liberty) und „Besitz“ (estate) versteht. (1) 1.J. Locke, Zwei Abhandlungen über die Regierung, Hrsg. Walter Euchner, Frankfurt 1977 S. 253. Höffe I 249 Eigentum/Locke/Höffe: Weil die Definition der politischen Gewalt(1) das Eigentum als das einzige Grundgut anführt, scheint Locke, wie von manchen Kritikern behauptet, ausschließlich einen Wirtschaftsliberalismus zu vertreten. Unter dem Eigentum versteht er aber, wie damals in England nicht unüblich, weit mehr als einen materiellen, für die Wirtschaft wesentlichen Besitz. Für ihn zählen auch das Leben und die Freiheit und rangmäßig erst danach der Besitz. Außerdem darf die politische Macht einzig zugunsten des Gemeinwohls eingesetzt werden. >Herrschaft/Locke, >Staat/Locke, >Naturzustand/Locke. Höffe I 252 Eigentum ist (...) eine notwendige Voraussetzung für das menschliche Leben; in der Bearbeitung der Natur beschafft sich der Mensch die materiellen Voraussetzungen seines Überlebens.(2) Vorgeschichte/Locke: [Es gibt einen] ursprünglich[en] Gemeinbesitz, den Besitz aller an der Erde und ihren Früchten. I Höffe I 253 Privatbesitz: Das persönliche Eigentum, der Privatbesitz, entsteht durch Absprachen und Verträge, ist also schon an ein Rechts- und Staatswesen gebunden. Naturzustand: Dagegen behauptet Locke(3), schon im Naturzustand erwerbe man Eigentum. Gott habe zwar die Erde und alle niederen Lebewesen allen Menschen gemeinsam gegeben. Im Naturzustand gebe es aber auch ein nichtkollektives Eigentum, als quasi göttliches Lehen das Eigentum an der eigenen Person. Eigentumserwerb: Auf der Grundlage dieses noch vorökonomischen Eigentums kann der Mensch durch seine Tätigkeit Eigentum im üblichen, ökonomischen Verständnis erwerben. Der entscheidende, eigentumsschaffende Faktor liegt also in der Arbeit, die sowohl von Gott geboten als auch durch die Bedürfnisse der Menschen erzwungen sei. >Arbeit/Locke. (...) auch die Fleißigen [dürfen] nicht beliebig viel Eigentum erwerben, denn sie unterliegen einer naturgesetzlichen Grenze, die sich freilich nicht so offensichtlich aus dem Schädigungsverbot (>Gesetze/Locke) rechtfertigen lässt: Man darf sich nur so viel zu Eigentum machen, wie man «zu irgendwelchem Vorteil für sein Leben nutzen kann, bevor es verdirbt“.(4) Höffe I 254 HöffeVsLocke: zwei Rückfragen: 1) Warum braucht es, wenn das pragmatische Argument «nutzlos» schon greift, noch das moralische Kriterium der Unredlichkeit? 2) Und wie verhält es sich mit den weder Fleißigen noch Verständigen: Sollen sie verhungern? >Arbeit/Locke, >Geld/Locke. 1. Locke, Second treatise of Government, 1689/90 2. Ebenda, Kap V. 3. Ebenda, §§ 27ff. 4. Ebenda § 31 |
Loc III J. Locke An Essay Concerning Human Understanding Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Elastizität (Wirtschaft) | Saez | Saez I 12 Elastizität/Kapital/Arbeit/Saez/Zucman: Steuerinzidenz: Die Frage, wer heute die von den Regierungen erhobenen Steuern zahlt, ist (...) das, was Ökonomen ganz verwirrend als "Steuerinzidenz" bezeichnen. Was würde zum Beispiel passieren, wenn der Körperschaftssteuersatz gesenkt würde? Saez I 100 Elastizität: Der unelastischste Produktionsfaktor trägt die Last der Steuern, während der elastischste Faktor ihnen ausweicht. Konkret: Wenn das Kapital sehr elastisch ist, dann brechen Sparen und Investitionen zusammen, wenn Kapital besteuert wird, dann trägt die Arbeit die Last der Kapitalbesteuerung. Aber so wie die Kapitalsteuern auf die Arbeit verlagert werden können, so können auch die Arbeitssteuern auf das Kapital verlagert werden. Dies geschieht, wenn die Arbeit sehr elastisch ist - d.h. wenn die Menschen wesentlich weniger arbeiten, wenn die Besteuerung ihres Einkommens steigt. In einer der ältesten und berühmtesten Analysen der Steuerinzidenz erklärte Adam Smith in "The Wealth of Nations", wie Lohnsteuern auf das Kapital verlagert werden können. Wenn Bauern am Existenzminimum leben (sie verdienen nicht mehr als das, was sie zum Überleben benötigen), würde die Besteuerung ihres Lohns sie verhungern lassen. Frage: Wie elastisch sind Kapital und Arbeit? Verschwindet der Kapitalstock insbesondere dann, wenn Steuern auf das Kapital Saez I 101 steigen? Wenn dies der Fall ist, dann ist die Besteuerung von Kapital in der Tat schädlich, und die Senkung der Unternehmensbesteuerung kann langfristig im Interesse der Arbeitnehmer sein. >Steuerinzidenz/Saez. Tradition: Den meisten Kommentatoren zufolge ist die extreme Elastizität des Kapitals ein Naturgesetz, so sicher wie die Schwerkraft. Aber dieser Glaube bedarf - wie andere krasse Vorhersagen aus der grundlegenden Wirtschaftstheorie (zum Beispiel, dass der Mindestlohn Beschäftigung vernichten würde) - einer Realitätsprüfung. Saez I 105 Kapital/SaezVsTradition/ZucmanVsTradition: Kapital ist nicht sehr elastisch, aber es kann verdeckt werden. Reiche können Reichtum in anderen Ländern verstecken. Multinationale Unternehmen können Gewinne auf die Bermudas verlagern. Unternehmensgewinne: Dieselbe Schlussfolgerung gilt für die Besteuerung von Unternehmensgewinnen, der Form von Kapitaleinkommen, die weithin als die elastischste angesehen wird. Die Art und Weise, wie Unternehmen auf internationale Unterschiede bei den Steuersätzen reagieren, besteht nicht in erster Linie darin, ihre Fabriken in Niedrigsteuergebiete zu verlagern, sondern darin, Papiergewinne in Steueroasen zu verlagern. Saez I 131 Elastizität/Ramsey/Saez/Zucman: In den 1920er Jahren bewies der Wundermathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Frank Ramsey formell, dass, wenn alle Steuerzahler mit dem gleichen Steuersatz konfrontiert sind, der Satz, der die Staatseinnahmen maximiert, umgekehrt proportional zur Elastizität des zu versteuernden Einkommens ist(1). Was bedeutet das? >Besteuerung/Ramsey. Wenn das zu versteuernde Einkommen unelastisch ist, bedeutet dies, dass sich bei steigenden Steuersätzen das ausgewiesene Einkommen nicht wesentlich ändert. Beispiel: In diesem Fall erhebt das US-Finanzministerium mechanisch mehr Einnahmen, indem es die Steuersätze erhöht. Ist das zu versteuernde Einkommen dagegen sehr elastisch, dann verringern hohe Steuersätze die Bemessungsgrundlage so stark, dass sie wenig Einnahmen bringen und unerwünscht sind. Ramsey-Regel: Das ist die Kardinalregel der optimalen Besteuerung, die so genannte Ramsey-Regel: Regierungen sollten nicht zu viel besteuern, was elastisch ist. >Ramsey-Regel/Saez. 1. Ramsey, Frank P. “A Contribution to the Theory of Taxation.” Economic Journal 37, no. 145 (1927): 47–61. |
|
| Elastizität (Wirtschaft) | Zucman | Saez I 12 Elastizität/Kapital/Arbeit/Saez/Zucman: Steuerinzidenz: Die Frage, wer heute die von den Regierungen erhobenen Steuern zahlt, ist (...) das, was Ökonomen ganz verwirrend als "Steuerinzidenz" bezeichnen. Was würde zum Beispiel passieren, wenn der Körperschaftssteuersatz gesenkt würde? Saez I 100 Elastizität: Der unelastischste Produktionsfaktor trägt die Last der Steuern, während der elastischste Faktor ihnen ausweicht. Konkret: Wenn das Kapital sehr elastisch ist, dann brechen Sparen und Investitionen zusammen, wenn Kapital besteuert wird, dann trägt die Arbeit die Last der Kapitalbesteuerung. Aber so wie die Kapitalsteuern auf die Arbeit verlagert werden können, so können auch die Arbeitssteuern auf das Kapital verlagert werden. Dies geschieht, wenn die Arbeit sehr elastisch ist - d.h. wenn die Menschen wesentlich weniger arbeiten, wenn die Besteuerung ihres Einkommens steigt. In einer der ältesten und berühmtesten Analysen der Steuerinzidenz erklärte Adam Smith in "The Wealth of Nations", wie Lohnsteuern auf das Kapital verlagert werden können. Wenn Bauern am Existenzminimum leben (sie verdienen nicht mehr als das, was sie zum Überleben benötigen), würde die Besteuerung ihres Lohns sie verhungern lassen. Frage: Wie elastisch sind Kapital und Arbeit? Verschwindet der Kapitalstock insbesondere dann, wenn Steuern auf das Kapital Saez I 101 steigen? Wenn dies der Fall ist, dann ist die Besteuerung von Kapital in der Tat schädlich, und die Senkung der Unternehmensbesteuerung kann langfristig im Interesse der Arbeitnehmer sein. >Steuerinzidenz/Saez. Tradition: Den meisten Kommentatoren zufolge ist die extreme Elastizität des Kapitals ein Naturgesetz, so sicher wie die Schwerkraft. Aber dieser Glaube bedarf - wie andere krasse Vorhersagen aus der grundlegenden Wirtschaftstheorie (zum Beispiel, dass der Mindestlohn Beschäftigung vernichten würde) - einer Realitätsprüfung. Saez I 105 Kapital/SaezVsTradition/ZucmanVsTradition: Kapital ist nicht sehr elastisch, aber es kann verdeckt werden. Reiche können Reichtum in anderen Ländern verstecken. Multinationale Unternehmen können Gewinne auf die Bermudas verlagern. Unternehmensgewinne: Dieselbe Schlussfolgerung gilt für die Besteuerung von Unternehmensgewinnen, der Form von Kapitaleinkommen, die weithin als die elastischste angesehen wird. Die Art und Weise, wie Unternehmen auf internationale Unterschiede bei den Steuersätzen reagieren, besteht nicht in erster Linie darin, ihre Fabriken in Niedrigsteuergebiete zu verlagern, sondern darin, Papiergewinne in Steueroasen zu verlagern. Saez I 131 Elastizität/Ramsey/Saez/Zucman: In den 1920er Jahren bewies der Wundermathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Frank Ramsey formell, dass, wenn alle Steuerzahler mit dem gleichen Steuersatz konfrontiert sind, der Satz, der die Staatseinnahmen maximiert, umgekehrt proportional zur Elastizität des zu versteuernden Einkommens ist(1). Was bedeutet das? >Besteuerung/Ramsey. Wenn das zu versteuernde Einkommen unelastisch ist, bedeutet dies, dass sich bei steigenden Steuersätzen das ausgewiesene Einkommen nicht wesentlich ändert. Beispiel: In diesem Fall erhebt das US-Finanzministerium mechanisch mehr Einnahmen, indem es die Steuersätze erhöht. Ist das zu versteuernde Einkommen dagegen sehr elastisch, dann verringern hohe Steuersätze die Bemessungsgrundlage so stark, dass sie wenig Einnahmen bringen und unerwünscht sind. Ramsey-Regel: Das ist die Kardinalregel der optimalen Besteuerung, die so genannte Ramsey-Regel: Regierungen sollten nicht zu viel besteuern, was elastisch ist. >Ramsey-Regel/Saez. 1. Ramsey, Frank P. “A Contribution to the Theory of Taxation.” Economic Journal 37, no. 145 (1927): 47–61. |
|
| Erkennen | Mayr | I 110 Erkenntnis/Evolution/Mayr: Für uns ist weder die Erkenntnis der subatomaren Welt noch die der galaktischen Prozesse überlebenswichtig. Wie können wir aber Vorstellungen von so überlebenswichtigen universalen Eigenschaften wie Zeit und Raum haben, wenn wir sie gar nicht direkt wahrnehmen können? Kant: Kant ist in dieser Hinsicht Essentialist: Das Gehirn ist so strukturiert, dass man schon mit Informationen über diese Eigenschaften des Universums geboren wird. >Angeborenes, >Raum/Kant, >Zeit/Kant, >Raum, >Zeit, >Wahrnehmung, >Wissen. |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Erklärungen | Fraassen | I 23 Erklärung/FraassenVsReichenbach: die uneingeschränkte Forderung nach Erklärung führt zur Forderung von verborgenen Variablen. I 25 Erklärung: wenn bloße Regularität eine makroskopische Th armselig macht, dann genauso eine mikroskopische - Zufall: auch er kann eine Erklärung haben. I 39 Erklärung/FraassenVsAugustinus: das Fliehen der Maus vor der Katze muss man nicht durch Wahrnehmung erklären - sondern mit Darwin: die fliehenden Mäuse überleben - keine Rechenschaft durch Gründe - analog: die erfolgreichen Wissenschaften überleben - ohne dass das erklärt werden muss. I 86 Theorie/E: Bsp man könnte zwei Arten von Mechanik haben, eine für Physiologien - eine für Astronomen. - Problem: damit kann man kein komplexes Phänomen erklären - Bsp Mann, der auf dem Mond herumspaziert - wenn beide Theorien keine gemeinsamen Modelle haben, muss man eine neue Theorie über lunare Gravitation ersinnen - empirische Adäquatheit: verlangt aber die Integration dieser "Minitheorien". I 87 E: wenn wir eine Art von Fragen für wichtiger halten ist das kein Grund, die Theorie, die diese erklärt, für wahrscheinlicher wahr zu halten - dennoch spielt die soziale Situation des Forschers eine Rolle bei der Bewertung von Theorien. >Bewertung. I 93 E//Ernest Nagel: Organisation und Klassifikation unseres Wissens - FraassenVsFeyerabend: hat das falsch verstanden: daß das eine Funktion von Interessen sei - FraassenVsFeyerabend: dann kann man aufhören zu forschen, wenn man glaubt, was man sagt - naive Sicht von wissenschaftlicher Sicherheit - dann müssten die Wissenschaftler einen Eid schwören, daß sie nach E suchen - FraassenVsFeyerabend: in Wirklichkeit muss man immer an der Adäquatheit zweifeln. I 97f Erklärung/FraassenVsTradition: eine Erklärung muss nicht wahr sein! - a) "Wir haben eine Erklärung" (hat mit Akzeptieren zu tun) - b) "Die Theorie erklärt" (ohne Akzeptanz) - Bsp Newtons Theorie war falsch, dennoch erklärt sie vieles - ((s) Dann kann eine Theorie nicht eine Konjunktion von Sätzen sein, denn dann darf kein Satz falsch sein.) - Harman: Erklärung führt zu Akzeptanz. >Akzeptierbarkeit. Erklärung/Fraassen: Erklärung von etwas verlangt nicht, dass die Theorie mit der Welt als ganzes übereinstimmt. I 98 Man kann die Wahrheit einer Theorie nicht vor ihrer Erklärungskraft behaupten. - Erklärung: ist keine zusätzliche Eigenschaft zu empirischer Adäquatheit - Bsp "Der Computer berechnete" - niemand würde sagen "Der Hammer schlug den Nagel ein". I 106 Erklärung/VsHempel/Morton Beckner: Bsp Evolution ist nicht deterministisch - Bsp Hals der Giraffe nicht durch Futterknappheit erklärt - nur durch Vereinbarkeit von genetischen und natürlichen Selektionsmechanismen - Putnam: auch Newtons Erklärungen sind keine Deduktionen - sondern Demonstration von Vereinbarkeiten. I 110 Def Erklärung/Friedman: S erklärt P gdw. P eine Konsequenz S ist, relativ zu K und S "reduziert" oder "vereinheitlicht" die Menge seiner eigenen Konsequenzen relativ zu K. I 111 Erklärung: Problem: 1. Unvollständigkeit: Krankheit erklärt eine seltene Folgeerkrankung, die durch sie ausgelöst wurde - aber nicht, warum dieser Patient betroffen ist - Asymmetrie: Bsp Länge des Schattens: immer gleichzeitig mit bestimmtem Sonnenstand. - Verursachung: läuft aber nur in einer Richtung. >Verursachung, >Gleichungen, >Asymmetrie. I 111 Warum-Frage: tritt gar nicht auf, wenn das Spektrum durch die Atomstruktur erklärt wird. I 124 Erklärung: hat mit warum zu tun - hervorstechende Faktoren im kausalen Netzwerk finden - Problem: Netz als Ganzes erklärt nicht typische Fälle - Wissenschaft beschreibt aber das Netzwerk - ((s) Daher ist Wissenschaft nicht gleich Erklärung. Erklärung: muss mindestens sagen, dass es eine Struktur gibt, die im Prinzip beschrieben werden kann - wenn auch nie vollständig. >Netzwerk/Quine. I 146 Erklärung: für die Bewertung einer Antwort auf eine Warum-Frage als Erklärung geht es nicht darum, ob diese wahr ist. - Die Evaluation gebraucht nur den Teil der Hintergrundinformation, der die allgemeine Theorie über diese Phänomene liefert plus Zusatzinformationen, die nicht die zu erklärende Tatsachen beinhalten. - ((s) z.B. Rahmenbedingungen). >Bezugssystem. I 155 Erklärung/Beschreibung/Fraassen: unterscheiden sich nicht in der Information - wohl aber: E: drei-stellige Relation Theorie-Tatsache-Kontext - Beschreibung: zwei-stellig: Theorie-Tatsache - Erklärung: ist angewendete Wissenschaft (nicht reine Wissenschaft). I 205 Erklärung/Thomas v. Aquin/Fraassen: alles was erklärt wird, muss durch etwas anderes erklärt werden. I 206 Die Prämissen müssen mehr als die Konklusion enthalten - zusätzlich: Verallgemeinerung: z.B. dass alle Magnete Eisen anziehen. - ((s) Das ist immer noch phänomenal.) >Verallgemeinerung. I 213 Erklärung/Fraassen: nur beobachtbare Regularitäten verlangen Erklärung. >Regularität, >Beobachtbarkeit. |
Fr I B. van Fraassen The Scientific Image Oxford 1980 |
| Erklärungen | Gould | I 321 Erklärung/Warum-Fragen/Gould: Dem Evolutionsbiologen geht es immer um die Frage "warum?". (>Zwecke). II 61 Erklärung/Tradition/Gould: Ist es nicht äußerst unwahrscheinlich, dass der Haplodiploidismus, Voraussetzung für die Evolution hymenoterer Gesellschaften sich wahrscheinlich zuerst als Adaption an einen fast gänzlich gegensätzlichen Lebensstil entwickelt hat? GouldVsTradition: Aber das ist gar nicht ungewöhnlich, sondern ein Grundprinzip, das die Evolutionsbiologie von einem gewöhnlichen Stereotyp über die Wissenschaft im Allgemeinen unterscheidet. Häufiger Fehler: Dass die augenblickliche Nützlichkeit einer Eigenschaft die Rückfolgerung auf die Gründe ihres Ursprungs zuließe. Ursprung und gegenwärtige Nützlichkeit sind jedoch zwei ganz verschiedene Themen. Komplexe Eigenschaften bersten vor Möglichkeiten: Ihre denkbaren Verwendungen sind nicht auf ihre ursprünglichen Funktionen beschränkt. Bsp Die Gleichgewichtsflossen der Fische wurden zu antreibenden Gliedern. >Zweckentfremdung. II 150 Erklärung/Kausalität/Zweck/Gould: Die Frage "Wozu dient es?" lenkt häufig von der irdischeren aber oft lehrreicheren Frage: "Wie ist es gebaut?" ab. II 152 Wir neigen dazu, jede Struktur so zu betrachten, als sei sie für einen bestimmten Zweck geschaffen. II 166 Erklärung/Kausalität/Kausalerklärung/Wissenschart/Methode/Gould: Ein heiß diskutiertes Thema ist das Vorkommen transponierbarer Elemente der DNA, sogenannter springender Gene. Diese Folgen können sich wiederholen und dann selbständig an andere Stellen des bakteriellen Chromosoms begeben. II 167 Konventionelle Argumente für die Existenz mittelwertig sich wiederholender DNS folgen herkömmlichen darwinistischen Gesichtspunkten. Vorrangige Eigenschaften von Organismen: an die 25% des genetischen Materials können nicht zweitrangig sein – sie müssen bestehen, um den Organismen im Kampf um Überleben einen Vorteil zu sichern. Wir müssten also erklären, welchen Vorteil für den sie tragenden Körper die mittelwertig sich wiederholende DNS bringen. Falsche Antwort: Wenn man einmal annimmt, alle funktionierende Gene könnten nur in einer Kopie bestehen, wäre jegliche Möglichkeit einer Veränderung abgeblockt. Das muss also der Grund sein! Die Verdoppelung liefert überhaupt das Material für die Evolution. II 168 GouldVs: Das ist Kausalität in der falschen Richtung. Sie kann sich nicht rückwärts in der Zeit bewegen, die resultierende Flexibilität kann nicht der Grund dafür sein, dass eine Verdoppelung der Gene überhaupt erst einsetzt. Zukünftige Nützlichkeit kann nur die günstige Auswirkung anderer direkter Gründe eines sofortigen Vorteils sein. Bsp Federn eignen sich vorzüglich zum Fliegen, aber die Vorfahren der Vögel müssen sie aus anderen Gründen entwickelt haben, wahrscheinlich zur Temperaturregelung, da ein paar Federn an den Armen eines Reptils dieses nicht zum Fliegen bringen. II 169 Def Adaptionen/Gould: Adaptionen beschränken sich ausschließlich auf jene Strukturen, die sich wegen ihrer augenblicklichen Brauchbarkeit entwickelt haben. Def Exaptationen/Gould: Strukturen, die sich aus anderen Gründen oder völlig ohne Grund entwickelt haben, aber trotzdem brauchbar sind, nennen wir >Exaptationen. Wenn die sich wiederholende DNS transponierbar ist, wieso benötigen wir dann für sie überhaupt eine adaptive Erklärung? II 170 Sie kann sich einfach aus eigenem Antrieb von Chromosom zu Chromosom verteilen, wobei sie von sich selbst Kopien anfertigt, während "festsitzende" Gene das nicht können. Lösung/Gould: Diese zusätzlichen Kopien dürfen dann nicht weiterbestehen, weil sie nützlich sind, sondern weil der Körper sie überhaupt nicht bemerkt! |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Ethik | Hume | Stegmüller IV 167 Ethik/Hume: These: An den Handlungen selbst ist kein Merkmal zu erkennen, welches es gestatten würde, zu unterscheiden, ob sie zu rechtfertigen sind, oder nicht. ((s) > Ethik/Harman). Stegmüller: Aber es lassen sich sogar präskriptive Stellen bei Hume finden. >Handlungen. IV 243 Ethik/Moral/Hume: These: 1. Angesichts knapper Ressourcen müssen die Menschen kooperieren um überleben zu können. 2. HumeVsHobbes: Allen Menschen ist Sympathie eigen - wäre freilich alles im Überfluss vorhanden, wäre die Respektierung fremden Eigentums überflüssig. >Sympathie, >Sympathie/Hume. IV 245 Die entscheidende Treibkraft ist das Eigeninteresse. IV 247 Ethik/Moral/Hume: Bsp Die beiden Ruderer: 1. Reines Koordinationsproblem und 2. keiner will sich anstrengen. Eine Stabilisierung der Kooperation erfolgt durch: 1. Nur künstliche Tugend wird vorausgesetzt, 2. Es gibt keine sprachliche Kommunikation und 3. Es gibt nur rationalen Egoismus. Bsp Hilfe bei der Ernte: Der/die Erste hilft dem anderen. Dann kommt es zu einer zeitlichen Verzögerung: Der/die zweite hilft dem anderen nicht. > Trittbrettfahrerproblem, > Sanktionen. IV 283 Vernunft/Moral/Ethik/Hume/Stegmüller: Die Vernunft kann niemals das Motiv für oder gegen eine Handlung sein. >Verstand/Hume, >Gründe/Hume. Leidenschaften und Vorlieben sind logisch unabhängig von Schlussfolgerungen. Dennoch gibt es praktisch-vernünftige Präferenzen. Mackie: Auch Leidenschaftslosigkeit erlaubt keine klare Sicht der Dinge. >Ethik/Mackie. --- Stuhlmann-Laeisz I 64 Ethik/Hume: Bei ihrer Begründung müssen immer schon moralische Aussagen vorausgesetzt werden. |
D. Hume I Gilles Delueze David Hume, Frankfurt 1997 (Frankreich 1953, 1988) II Norbert Hoerster, "Hume: Existenz und Eigenschaften Gottes" aus J. Speck(Hg) Grundprobleme der großen Philosophen der Neuzeit I Göttingen, 1997 SL I R. Stuhlmann Laeisz Philosophische Logik Paderborn 2002 Stuhlmann II R. Stuhlmann-Laeisz Freges Logische Untersuchungen Darmstadt 1995 |
| Evolution | Cuvier | Gould II 101 Evolution/CuvierVsEvolution/Cuvier/Gould: er schloss aus seinem Prinzip der Wechselwirkung, dass Evolution ausgeschlossen werden musste.(1) Gould: Heute sieht man Organismen aus Teilen zusammengesetzt, die sich in gewissem Maße selbständig entwickelt habe (ein überlebendes Exemplar mag keine optimale Klaue mitgebracht haben, sondern aufgrund anderer Vorzüge überlebt haben und sich dann fortgezeugt haben). So können sich die Teile aus der Wechselbeziehung weitgehend herausgelöst, historisch entwickelt haben. Vgl. >Teile, >Teil-von-Relation, >Komplex, >Ganzes, >Funktion. 1. Cuvier, G. 1812. Recherches sur les ossemens fossils quadrupèdes, 4. volumes, Paris: Deterville. |
Cuvier I Georges Cuvier Essay on the Theory of the Earth London 2003 Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Evolution | Darwin | Gould II 329 Darwin: 2 Stufen der Evolution 1. zufällige Variationsbreite (Erzeugung von Rohmaterial) 2. Auslese (Selektion) als konventionelle Kraft. Gould II 331 Die offizielle Definition der Evolution/Gould: Def Evolution: "Veränderung der Genfrequenzen in Populationen". (Der Prozess der zufälligen Zu oder Abnahme der Genfrequenz wird Def "Gendrift" genannt.) Die neue Theorie des Neutralismus deutet an, dass viele wenn nicht gar die meisten Gene in individuellen Populationen ihre Häufigkeit primär dem Zufall verdanken. Mayr I 235 Darwin (früh): Anpassungsveränderung. - Vs: Das kann niemals die enorme Vielfalt organischen Lebens erklären, denn es lässt keine Zunahme der Artenzahl zu. Mayr I 236 Darwin/Mayr: Die Entstehung der Arten: 5 Haupttheorien 1. Organismen entwickeln sich im Lauf der Zeit ständig weiter (Evolution als solche). 2. Verschiedene Organismenarten stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab. 3. Arten vervielfachen sich im Lauf der Zeit (Speziation) 4. Evolution erfolgt in Form allmählichen Wandels.(GradualismusVsSaltationismus). 5. Der Evolutionsmechanismus besteht in der Konkurrenz unterzahlreichen einzigartigen Individuen um begrenzte Ressourcen, die zu Unterschieden in Überleben und Fortpflanzung führt (natürliche Selektion). >Selektion. Gould IV 357 Evolution/Darwin: These: Keine innere Dynamik treibt das Leben voran! Wenn die Umwelt sich tatsächlich nicht veränderte, wäre es nicht ausgeschlossen, dass die Evolution knirschend zum Stehen käme! Eigentlich führen die Arten ihr Leben unabhängig voneinander! Ihre wichtigsten Kämpfe führen sie gegen Klimate, geologische und geographische Verhältnisse. (>Arten). |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Evolution | Fodor | IV 145 Evolutionstheorie/Dennett/Fodor/Lepore: Die Evolutionstheorie sieht Dennett als "Element der Interpretation". Fodor/LeporeVsDennett: Aber was man nicht hat, sollte nicht als Mittel im Überlebenskampf gewertet werden. DretskeVsDennett/MillikanVsDennett: Genau deswegen sind die meisten Evolutionstheoretiker Realisten in Bezug auf Inhalt. IV 146 Irrationalität/Glauben/Evolution/Rationalität/Dennett: These: Irrationale Mutationen dürfen wir nicht als Glaubenssystem beschreiben. Ein Glaubenssystem, das etwas falsches glaubt, ist eine begriffliche Unmöglichkeit. FodorVsDennett/LeporeVsDennett: Die Evolutionstheorie kann kaum als Garant für das Wahrheitsprinzip fungieren. IV 149 Evolutionstheorie/Wahrheit/Fodor/Lepore: Wenn man sie einsetzt, um intentionale Zuschreibung zu erklären, dann ist es eher eine empirische als eine begriffliche Frage, ob das Wahrheitsprinzip zutrifft - aber wir stimmen dem Antezedens sowieso nicht zu. |
F/L Jerry Fodor Ernest Lepore Holism. A Shoppers Guide Cambridge USA Oxford UK 1992 Fodor I Jerry Fodor "Special Sciences (or The Disunity of Science as a Working Hypothesis", Synthese 28 (1974), 97-115 In Kognitionswissenschaft, Dieter Münch Frankfurt/M. 1992 Fodor II Jerry Fodor Jerrold J. Katz Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Fodor III Jerry Fodor Jerrold J. Katz The availability of what we say in: Philosophical review, LXXII, 1963, pp.55-71 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 |
| Evolution | Mayr | I 43 Evolution/Mayr: Einheit der Evolution ist die Population (oder Art) und nicht das Gen oder das Individuum. (MayrVsDawkins). >Arten, >Gene, >R. Dawkins, >Gene/Dawkins, >Evolution/Dawkins. Def Integron/Mayr: Ein Integron ist ein durch Integration untergeordneter Einheiten auf höherer Stufe entstehendes System. Integrons entwickeln sich durch natürliche Selektion. Sie sind auf jeder Stufe angepasste Systeme, weil sie zur Fitness (Eignung) eines Individuums beitragen. >Selektion. I 183 Evolution/Mayr: Art ist die entscheidende Entität der Evolution. I 230 Evolution/Fortschritt/Mayr: Kohäsion: Ausdruck dafür, dass das System der Entwicklung sehr eng geworden ist. Evolution geht in großen, mitgliederreichen Arten sehr langsam voran, in kleinen peripher isolierten Gruppen schnell. >Speziation, > Unterbrochenes Gleichgewicht/Gould, >Punktuelles Gleichgewicht/Gould/Eldredge. Eine Gründerpopulation mit wenigen Individuen und daher nur wenig verborgener genetischer Variation kann leichter einen anderen Genotyp annehmen. Makroevolution: Makroevolution wird am stärksten durch den geographischen Faktor (Isolation) bestimmt. I 234 Evolution/Mayr: drei Konzepte: 1.Sprunghafte Evolution: (Transmutationismus): Typensprung. Selbst nach Darwin konnten einige Forscher (u.a. sein Freund Huxley) der Begriff der natürlichen Selektion nicht akzeptieren und entwickelten saltationistische Theorien. 2.Transformationelle Evolution (Transformationismus) allmähliche Veränderung des Eis zum Organismus. Von Darwin verdrängt. I 235 3. Variationsevolution (Darwin) I 235 Darwin (früh): Anpassungsveränderung. Vs: Anpassung kann niemals die enorme Vielfalt organischen Lebens erklären, denn das lässt keine Zunahme der Artenzahl zu. I 236 Darwin/Mayr: Die Entstehung der Arten: 5 Haupttheorien 1. Organismen entwickeln sich im Lauf der Zeit ständig weiter (Evolution als solche). 2. Verschiedene Organismenarten stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab. 3. Arten vervielfachen sich im Lauf der Zeit (Speziation) 4. Evolution erfolgt in Form allmählichen Wandels.(GradualismusVsSaltationismus). >Gradualismus, >Saltationismus. 5. Der Evolutionsmechanismus besteht in der Konkurrenz unter zahlreichen einzigartigen Individuen um begrenzte Ressourcen, die zu Unterschieden in Überleben und Fortpflanzung führt (natürliche Selektion). >Selektion. I 377 Entstehung des Lebens: chemischer Vorgang, an dem auch Autokatalyse und ein richtungsgebender Faktor beteiligt sind. Präbiotische Selektion. Vgl. >St. Kauffman. I 237 Pasteur: wies Unmöglichkeit der Entstehung von Leben in sauerstoffreicher Atmosphäre nach! 1953 ließ Stanley Miller mit elektrischen Entladungen in einem Glaskolben mit einem Gemisch aus Methan, Ammonium, Wasserstoff und Wasserdampf Aminosäuren, Harnstoff und andere organische Moleküle entstehen. I 238 Proteine, Nukleinsäuren: Diese größeren Moleküle müssen die Organismen selbst bilden. Aminosäuren, Pyrimidine, Puridine müssen nicht von den Organsimen selbst gebildet werden. I 239 Molekularbiologie: Die Molekularbiologie entdeckte, dass selbst bei Bakterien, die ja keinen Zellkern besitzen, der genetische Code derselbe ist wie bei Protisten, Pilzen, Tieren und Pflanzen. I 240 Missing link: Archaeopteryx: halb Vogel halb Reptil. Nicht unbedingt direkter Vorfahr. Speziation: a) dichopatrisch: ein vorher zusammenhängendes Gebiet wird durch eine neue Barriere: Gebirgszug, Meeresarm, Unterbrechung der Vegetation geteilt. b) peripatrisch: neue Gründungspopulaiton entsteht jenseits des ursprünglichen Verbreitungsgebiets. c) sympatrische Speziation: Eine neue Art entsteht aufgrund ökologischer Spezialisierung innerhalb des Verbreitungsgebiets. Darwins Theorie vom Gradualismus. >Gradualismus, I 243 VsGradualismus: Der Gradualismus könne nicht die Entstehung völlig neuer Organe erklären. Problem: Wie kann ein rudimentärer Flügel durch natürliche Selektion vergrößert werden bevor er zum Fliegen tauglich ist? I 244 Darwin: zwei mögliche Lösungen: a) Intensivierung der Funktion: Bsp Augen, Bsp Entwicklung der Vordergliedmaßen von Maulwürfen, Walen, Fledermäusen. b) Funktionsveränderung: Bsp Antennen von Daphia (Wasserfloh): zusätzliche Funktion eines Schwimmpaddels, das unter Selektionsdruck größer und modifiziert wird. Bsp Gould: Federn dienten zunächst wahrscheinlich der Temperaturregelung, bevor irgendein Tier fliegen konnte. Funktion/Biologie: Funktionsverschiedenheiten hängen auch mit Verhaltensmustern zusammen Bsp Putzen des Federkleids. Konkurrierende Theorien zum evolutionären Wandel: I 247 Salationismus: Huxley später Bateson, de Vries, (Mendelisten). Zur saltationistischen Entstehung neuer Arten kommt es bei sexueller Fortpflanzung nur über Poyploidie und einige andere Formen chromosomaler Neustrukturierung (sehr selten). Teleologie: Teleologische Theorien gehen davon aus, dass der Natur ein Prinzip innewohnt: Osborns Aristogenese, Chardins Omega-Prinzip. Dies soll zur Perfektion führen. >Teilhard de Chardin. Lamarcksche Theorien: Änderungen gehen auf Gebrauch und Nichtgebrauch zurück, Umweltbedingungen. Diese Theorie war bis in die 30er Jahre akueptiert! I 248 Def "Weiche Vererbung" (erworbener Merkmale). Wurde durch die Genetik widerlegt. Def "Harte Vererbung" (sogenanntes "Zentrales Dogma"): Die in den Proteinen (dem Phänotyp) enthaltene Information kann nicht an die Nukleinsäuren (den Genotyp) weitergegeben werden! (Erkenntnis der Molekularbiologie). I 256 Makroevolution: Nachdem Saltationismus, weiche Vererbung und Autogenese mit der Evolution widerlegt waren, musste man die die Makroevolution immer mehr als Phänomen auf Populationsebene erklären, als Phänomen, das sich unmittelbar auf Ereignisse und Vorgänge während der Mikroevolution zurückführen ließ. (Speziation: schneller in der Isolation). (>Gould, Eldredge, 1971(1): "unterbrochenes Gleichgewicht", "punctuated equilibrium", Punktualismus). I 281 Neu: Wir wissen heute, dass die Zyklen der Pflanzenfresser diejenigen der Raubfeinde hervorrufen und nicht umgekehrt! Koevolution: Bsp Die Yuccamotte zerstört die Samenanlagen der Pflanze durch ihre Larven, bestäubt aber die Blüten. 1. N. Eldredge, S. J. Gould: Punctuated equilibria: an alternative to phyletic gradualism. In: T. Schopf (Ed), Models in Paleobiology, 82-115, San Francisco, (1972). |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Evolution | McGinn | II 57 Mensch/Evolution/Geist/McGinn: es ist eine merkwürdige Fügung, dass wir die einzige Art auf der Erde sind, die fähig ist, Wissenschaft und Philosophie zu treiben. Es hätte ohne weiteres eine andere Art mit einem gewissen Maß an wissenschaftlichem Talent geben können, etwa auf dem Niveau eines zehnjährigen vielleicht. Oder eine Art, die in Biologie uns überlegen ist, in Physik aber unterlegen usw. Die Art von Intelligenz, die wir haben, ist absolut nicht notwendig für Lebewesen, zu überleben. >Psychologische Theorien über Intelligenz. II 79 Bewusstsein/Evolution/McGinn: Bewusstsein ist nicht die Krönung der Evolution. und auch nicht der beeindruckendste Teil von Organismen-Bauplänen! Es ist biologisch gesehen, vergleichsweise einfach. Es ist Teil unserer ältesten Ausstattung. (Nicht Selbstbewusstsein!). Bewusstsein ist so verbreitet wie Blut und Knochen: Auch Kraken brauchen Bewusstsein zur Interpretation dessen, was sie mit den Augen wahrnehmen. Bewusstsein ist kein Produkt von Kultur oder Zivilisation. (Selbstbewusstsein mag es sein). Das Problem mit dem Bewusstsein ergibt sich aus unserer Art zu denken, nicht aus dem Bewusstsein selbst. >Bewusstsein, >Kultur, >Zivilisation. II 99f Geist/Bewusstsein/Evolution/McGinn: die Evolution erklärt das Bewusstsein nicht! auch nicht Empfindung. Grund: Empfindung und Bewusstsein lassen sich mit den Mittel der Darwinschen Prinzipien und der Physik nicht erklären, denn wenn die Selektion erklären will, wie Empfindungen durch sie entstehen sollen, muss es möglich sein, Geist aus Materie zu formen. ((s) Das Bewusstsein oder Empfindung müsste für die Selektion sichtbar sein! (Ähnlich GouldVsDawkins)) >Selektion, >Darwinismus. |
McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Evolution | Pinker | I 21 Evolution/Bsp Rad/Erfindung/Entwicklung/Pinker: Das Rad ist zusammen mit der Straße entstanden. - Diese sind nicht von der Evolution hervorgebracht worden, weil Landschaft nicht durch Evolution entstanden ist. - Beine sind für die natürliche Welt besser geeignet. >Erfindung/Entdeckung. Problem: Software ist komplizierter. >Software. I 37 Evolution/Pinker: Menschen müssen nicht dieselben Ziele wie die Evolution haben. - (z. B. Das Ziel, Gene fortzupflanzen). >Ziele, >Gene. I 61 Evolution/Gene/Gould: Problem: Der eigene Körper überlebt nicht. Dawkins: Wohl aber überlebt die Qualität der ausgewählten Körper. >Dawkins, >Körper. Pinker: Letztlich überleben nur die Gene selbst. Dawkins: Menschen verbreiten nicht Gene, sondern Gene sind egoistisch. - Aber egoistische Gene bringen nicht egoistische Menschen hervor, wie eine Blaupause kein blaues Haus hervorbringt. I 637 Evolution/Tooby/Cosmides: die Selektion begünstigt Merkmale, die im Durchschnitt die Fitness erhöhen. - Der Verlust der Gene durch Tod wird durch die Überlebenden ausgeglichen. >Tooby/Cosmides. |
Pi I St. Pinker Wie das Denken im Kopf entsteht München 1998 |
| Evolution | Popper | Dennett I 522 Evolution/Mensch/Überleben/Erfahrung/Popper: "Unsere Hypothesen sterben an unserer Stelle". -Weitere Einträge zu: >Evolution/Popper. |
Po I Karl Popper Grundprobleme der Erkenntnislogik. Zum Problem der Methodenlehre In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Evolution | Putnam | III 34 Evolution/Putnam: Evolution setzt nicht voraus, dass jede Fähigkeit Ergebnis einer Auslese ist. --- V 61 Evolution/Sprache: Heute ist eine Theorie modern, wonach die Evolution selbst eine Entsprechung hervorgebracht hat zwischen unseren Wörtern und geistigen Repräsentation und dem äußeren Dingen. Es heißt, dass wir ohne eine derartige Korrespondenz nicht überlebt hätten. >Sprachentstehung/Deacon, >Wortbedeutung/Deacon. V 62 Putnam: Wir müssen aber fragen, was haben »Korrespondenz« und »Bezug« mit dem Überleben zu tun? Was hat überhaupt Wahrheit mit dem Überleben zu tun? >Korrespondenz. --- III 42 Teleologie/Evolution/Ernst Mayr: Es gibt den Vorschlag, in der Evolutionstheorie nicht von Teleologie zu sprechen, sondern von Teleologie-Simulation, oder "Teleonomie". Dem Löwen zu entwischen, ist nur insofern die Funktion des betreffenden genetischen Merkmals, als dieses Merkmal nicht ausgelesen worden wäre, wenn die hohe Geschwindigkeit den Gazellen nicht die Möglichkeit gegeben hätte, den Löwen zu entkommen. Vgl. >Teleologie. III 49 Intentionalität/Evolution/Putnam: Die Evolution wird uns nicht mehr Intentionalität herausgeben, als wir hineingepackt haben. >Intentionalität. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 |
| Evolution | Vollmer | I 51 Evolutionäre Erkenntnistheorie/EE/Vollmer: In der Evolution der Wissenschaft gibt es keine "Mutationen", weil es bei wissenschaftlichen Theorien keine "Nachkommen" gibt. - Evolutionäre Erkenntnistheorie ist nur sinnvoll, soweit subjektive Erkenntnisstrukturen vererbt werden. - Die Evolutionäre Erkenntnistheorie hat nicht den Wahrheitsbegriff des Pragmatismus - sie wird durch Erfolg nicht bewiesen. >Erfolg, >Pragmatismus, >Beweise, >Beweisbarkeit. I 75 Erfolg/Vollmer: beweist nur, dass die Hypothese nicht ganz falsch war. >Hypothesen. I 217 VsEvolutionstheorie/VsDarwinismus: Beide seien zirkulär. >Zirkularität. VollmerVsVs: Das ist falsch: "Fitness" kann ohne Rückgriff auf "Überleben" definiert werden. >Überleben, >Fitness. I 260 Fitness wird nicht nach dem Überleben des Individuums bestimmt, sondern durch Fortpflanzungserfolg, mehr Nahrung, mehr Wohnraum, mehr Partner, mehr Nachkommen usw.. I 264 Entropie/Evolution/Leben/Vollmer: entgegen einer verbreiteten Meinung ist Entropie nicht immer ein Maß für Unordnung. >Entropie. Unter speziellen Bedingungen (niedrige Gesamtenergie und Existenz anhaltender Wechselwirkungen oder Einschluss durch äußere Kräfte) schließt die Zunahme der Entropie sogar eine Zunahme von Ordnung und Struktur ein - somit widerspricht der Zweite Hauptsatz nicht der Entstehung von Lebewesen. >Zweiter Hauptsatz der Thermodynamik, >Leben, >Energie, >Ordnung. I 279 Anpassung/Selektion/VsEvolutionäre Erkenntnistheorie: Selektion ist keine Falsifikation. - Das Urauge wird durch das Adlerauge nicht falsifiziert. - Richtiges Abbilden spielt keine Rolle. Eine Übertragen der Selektionstheorie auf kognitive Fähigkeiten kann nur gelingen, wenn es objektive Wahrheit gibt und wenn Erkenntnis nützlicher ist als Irrtum (Simmel, 1895). VollmerVsVs: Das ist kein Argument VsEvolution, egal wer sich wem anpasst - Koadaption. I 298 Evolution/Erfolg/Vollmer: Die Richtigkeit von Erfahrung kann nicht aus evolutionärem Erfolg geschlossen werden. - Sonst ergibt sich der naturalistische Fehlschluss. - Verwechslung von Fakten mit Normen. >Naturalistischer Fehlschluss, >Normen, >Tatsachen. II 190 Evolution/Zeitrichtung/Vollmer: Wegen der kosmischen Expansion sind keine zwei Momente der Evolution identisch. >Zeitpfeil. |
Vollmer I G. Vollmer Was können wir wissen? Bd. I Die Natur der Erkenntnis. Beiträge zur Evolutionären Erkenntnistheorie Stuttgart 1988 Vollmer II G. Vollmer Was können wir wissen? Bd II Die Erkenntnis der Natur. Beiträge zur modernen Naturphilosophie Stuttgart 1988 |
| Evolutionäre Psychologie | Buss | Corr II 171 Evolutionäre Psychologie/EP/Buss/Figueredo: (...) wir können uns eine Masse von Menschen vorstellen, die aus einem brennenden Gebäude durch verschiedene Ausgänge fliehen: Hauptausgänge, Notausgänge, Fenster und Servicetüren. Die Persönlichkeit ist ähnlich. So wie in der Analogie jeder dem brennenden Gebäude entkommen muss, so gibt es den evolutionären Imperativ, sich vor dem Tod fortzupflanzen; und so wie es viele Ausgänge gibt, kann man eine erfolgreiche Fortpflanzung fördern, indem man gesellig und charmant ist wie bei dem sozialen Extravertierten, verbissenen II 172 und ausdauernd wie die überaus gewissenhaften, oder einschmeichelnd und affiliativ wie bei sehr verträglichen Menschen. So haben sich verschiedene Persönlichkeitsstile und -strategien entwickelt, die miteinander um das gleiche Ziel des Überlebens und der Fortpflanzung konkurrieren, jedoch mit unterschiedlichen Mitteln und Wegen der Anpassung. II 173 [Buss] besteht darauf, dass die Evolution die "physiologischen, anatomischen und psychologischen Mechanismen" schmiedet, die Wahl, Neigung, Abneigung und Anziehung beeinflussen. II 175 (...) die neue Wissenschaft der evolutionären Psychologie stellte die emittierten Verhaltensweisen korrekt als das Produkt der Wechselwirkungen zwischen entwickelten psychologischen Mechanismen und spezifischen Reizen aus der Umwelt dar, auf die sie fein abgestimmt waren. II 179 Überleben/Reproduktion: (...) Buss skizzierte acht Erfordernisse des Überlebens und der Reproduktion in jeder adaptiven Landschaft, die von einer großen Dichte von Artgenossen bevölkert ist: (1) erfolgreiche intrasexuelle Konkurrenz, (2) Partnerwahl, (3) erfolgreiche Empfängnis, (4) Bindung an den Partner, (5) Bildung wechselseitiger dyadischer Allianzen, (6) Bildung und Erhaltung von Bündnissen, (7) elterliche Fürsorge und Sozialisierung und (8) Investitionen in außereheliche Verwandtschaft. Es folgt eine Fortsetzung der Behauptung von Buss, dass evolutionäre Psychologie ein fähiger theoretischer Schiedsrichter ist, wenn es darum geht, eine biologisch informierte Art von Ockhams Rasiermesser auf theoretische Ansprüche innerhalb der Persönlichkeitspsychologie anzuwenden. >Persönlichkeit, >Charakterzüge, >Persönlichkeitpsychologie. II 180 Ein häufiges Missverständnis bezüglich der Persönlichkeitsentwicklung, das von Buss (2011)(1) kritisiert wird, ist, dass Selektion als homogenisierende Kraft wirkt, die zu einem einzigen Optimalitätspunkt in der Verteilung des Phänotyps führt. Im Gegensatz dazu sagt die Evolutionstheorie voraus, dass die Lage dieses Punktes je nach der Art des aktiven Selektionsdrucks in Übereinstimmung mit der Beziehung zwischen einer Eigenschaft und ihrer Fitness variiert. II 182 Die von Buss (1991)(2) zusammengefassten alternativen Erklärungen für die Entstehung teilweise vererbbarer Charakterzüge und die Beibehaltung individueller Unterschiede bleiben als Möglichkeiten bestehen, aber die Liste der Alternativen wurde [in einem von Buss und Hawley (2011)(3) herausgegebenen Band] erweitert. So wurde beispielsweise als möglich argumentiert, dass selektive Schwünge innerhalb der letzten mehreren tausend Jahre (...) hinter der großen Variation unter den Menschen stehen. Auch der Genfluss aufgrund beschleunigter Migration von Individuen zwischen menschlichen Populationen ist eine umstrittene Hypothese. Die ausgleichende Selektion, bei der mehrere Phänotypen auf komplementäre Weise adaptiv sind, jeder in einer bestimmten Untergruppe der Artennischen, ist nach wie vor ein Schwerpunkt der Diskussion. >Evolution, >Selektion, >Adaption, >Nischen, >Arten, >Gene, >Vererbbarkeit. 1. Buss, D. (2011). Evolutionary psychology: The new science of the mind (4th ed.). Hove, UK: Psychology Press. 2. Buss, D. M. (1991). Evolutionary personality psychology. Annual Review of Psychology, 42, 459–491. 3. Buss, D. M., & Hawley, P. H. (2011). The evolution of personality and individual differences. New York: Oxford University Press. Figueredo, Aurelio J.; Fernandes, Heitor B. F.; Peñaherrera-Aguirre, Mateo and Hertler, Steven C.: “The Evolution of Personality Revisiting Buss (1991)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 171-190. |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Existenz | Baudrillard | Blask I 38 Zweite Existenz/Baudrillard: wir sind plötzlich wie unsterbliche Überlebende. Die zweite Existenz ist ohne Ende, da das Ende schon am Anfang steht. Paradoxe Unsterblichkeit. >Tod/Baudrillard, >Anfang, >Leben, >Paradox, >Ewige Wiederkehr/Nietzsche. |
Baud I J. Baudrillard Simulacra and Simulation (Body, in Theory: Histories) Ann Arbor 1994 Baud II Jean Baudrillard Der symbolische Tausch und der Tod Berlin 2009 Blask I Falko Blask Jean Baudrillard zur Einführung Hamburg 2013 |
| Externalismus | Nietzsche | Danto I 184 Externalismus/Nietzsche/Danto: Die Weise, wie sich bestimmte Spezies die Welt vorstellen. ((s) Dann gibt es kein Problem des Skeptizismus, weil es nur um Vorstellung geht.) Nietzsche: Welchen Überlebenswert hat Bewusstsein? - > Naturalisierte Erkenntnistheorie: biologische Dimension der Repräsentationsfähigkeit. >Bewusstsein/Nietzsche, >Denken/Welt/Nietzsche. Dagegen: Internalismus/Descartes: These: Wissen ist etwas, das vom Standpunkt innerhalb des Bewusstseins aus gesucht werden muss. Hier geht es nicht um Reize. >Descartes, vgl. >Skeptizismus. |
Nie I Friedrich Nietzsche Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009 Nie V F. Nietzsche Beyond Good and Evil 2014 Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Form | Gould | I 44 Form/Natur/Physik/Gould: D'Arcy Wentworth Thompson (1942) vertrat prophetisch die Auffassung, dass Organismen durch physikalische Kräfte direkt geformt werden(1). I 260 Form/Leben/Lebewesen/Evolution/Physik/Gould: Stabilität entsteht dadurch, dass ein Lebewesen groß genug ist, in einen Bereich vorzudringen, in dem die Schwerkraft jene Kräfte übertrifft, die sich an der Oberfläche abspielen. Da das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen mit dem Wachstum abnimmt, ist eine zunehmende Größe der sicherste Weg in diesen Bereich. Die physikalische Umwelt der Erde enthält zahlreiche Lebensräume, die nur den Lebewesen zur Verfügung stehen, die größer sind als Einzeller. Die Vielzelligkeit ist wahrscheinlich an mehreren Stellen unabhängig voneinander entstanden. Sie weist die beiden Hauptzüge der analogen Ähnlichkeit auf: 1. Sie ist relativ einfach zu erreichen und sowohl hochgradig anpassungsfähig als auch 2. der einzig mögliche Weg zu den Vorteilen, den sie mit sich bringt. Sieht man von der Ausnahme der Straußeneier ab, können einzelne Zellen nicht sehr groß werden. I 261 Die Vielzelligkeit ist wahrscheinlich sogar innerhalb der einzelnen Reiche mehrmals entstanden. Die meisten Biologen meinen, dass sie bei Pflanzen und Pilzen durch Amalgamierung eintrat. Diese Organismen sind die Nachkommen von Protistenkolonien. (Protisten: Einzeller, siehe Terminologie/Gould). Bsp Manche Volvox Kolonien mit einer festgelegten Anzahl von Zellen sind regelmäßig angeordnet. Die Zellen können in ihrer Größe differieren und die Fortpflanzungsfunktion kann auf diejenigen von ihnen beschränkt sein, die sich an einem Pol befinden. I 264 Größere Tiere haben ein so niedriges Verhältnis von äußerer Oberfläche zu Volumen, dass sie zur Vergrößerung der ihnen zur Verfügung stehenden Oberfläche innere Organe ausbilden müssen. I 288 Verhältnis von Oberfläche zu Volumen: Das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen ist bei kleinen Lebewesen sehr hoch. Wärme wird durch das Volumen des Körpers erzeugt, und an seiner Oberfläche abgestrahlt. Daher haben warmblütige Tiere einen besonders hohen Energiebedarf. Bsp Feldmäuse müssen die ganze Zeit über fressen. Das Verhältnis war bei den großen Dinosauriern so gering, dass sie ohne Isolierschicht auskommen konnten. I 311 Form/Leben/Physik/Größe/Gould: Gould: Die Figur des Morgan in E. L. Doctorows "Ragtime" hatte unrecht, wenn er dachte, dass große Säugetiere geometrische Kopien ihrer kleineren Verwandten seien. Elefanten haben verhältnismäßig größere Gehirne und dickere Beine als Mäuse. Recht hat er insofern, als größere Tiere kleineren Verwandten in derselben Gruppe oft ähnlich sind. Galilei gab schon ein klassisches Beispiel: Bsp Die Stärke eines Beins ist eine Funktion des Querschnitts. Das Gewicht, das die Beine tragen müssen, variiert mit dessen Volumen. Damit die Körperfunktionen gleich bleiben, müssen die Tiere, wenn sie größer werden, ihre Form ändern: "Skalierungstheorie". Bsp Von der Krabbenspinne bis zur Tarantel reicht die Skala von Verwandten bis zum tausendfachen Körpergewicht des kleinsten Exemplars. Auch hier verläuft die Skala regelmäßig: Die Dauer des Herzschlages steigt im Vergleich zum Körpergewicht nur 4/10 mal so schnell. I 312 Kleine Tiere bewegen sich viel schneller durchs Leben als große, ihr Herz schlägt rascher, sie atmen häufiger, ihr Puls ist schneller ihr "Lebensfeuer ist schneller "verbrannt": Die Stoffwechselrate nimmt bei Säugetieren nur um drei Viertel so schnell zu, wie das Körpergewicht. Kleine leben tendenziell kürzer als Große. I 313 Der homo sapiens lebt allerdings weit länger als ein vergleichbares Säugetier gleicher Größe: Siehe Neotenie/Gould. Es soll keineswegs die Bedeutung der astronomischen Zeit geleugnet werden, Tiere müssen sie messen, um zu überleben. I 315 Atemdauer und Herzschlag nehmen etwa 0,28 Mal so schnell zu wie das Körpergewicht; das Körpergewicht kann man kürzen, wonach für Säugetiere jeder Körpergröße übrigbleibt, dass sie bei etwa 4 Herzschlägen einmal atmen. Für alle Säugetiere unabhängig von der Größe gilt auch, dass sie während ihres Lebens etwa 200 Mio mal atmen, das Herz also etwa 800 Mio mal schlägt. I 318 ff Es gibt magnetotaktische Bakterien, die sich nach den Feldern ausrichten und sich entsprechend bewegen. Sie widerstehen damit dem Mechanismus der Brownschen Bewegung. Man fand heraus, dass die Magnete im Körper der Bakterien in Form von ungefähr 20 kleinen Partikeln verteilt sind. Frage: Warum gibt es diese Verteilung des Magnetismus auf Partikel, und warum sind diese Partikel etwa 500 Angström groß (1 Angström = 1 Zehnmillionstel Millimeter). Sie schließen sich im Körper der länglichen Bakterien zu einer Kette zusammen. I 320 Wären diese Partikel nun etwas kleiner (etwa ein Fünftel kleiner), dann wären sie "superparamagnetisch", d.h. bei Zimmertemperatur könnte eine magnetische Neuorientierung der Partikel bewirkt werden. Wären sie hingegen z.B. doppelt so groß, bildete sich innerhalb der Partikel ein eigener magnetischer Bereich, der in verschiedene Richtungen wiese. Was kann ein so kleines Lebewesen mit einem Magnetfeld anfangen? Der Bewegungsspielraum während der wenigen Minuten ihrer Existenz beträgt wahrscheinlich nur einige Zentimeter. Da fällt es doch nicht so sehr ins Gewicht, in welche Richtung es geht. Es kann nun für eine Bakterie entscheidend sein, sich nach unten zu bewegen. Nun ist die Schwerkraft eigentlich ohne Magnetfeld mindestens genauso gut zu spüren. Das gilt aber nur für große Lebewesen. I 322 Insekten und Vögel leben in einer Welt, die von Kräften beherrscht ist, die auf die Oberfläche einwirken. Einige können auf dem Wasser laufen oder von der Decke herunter hängen, weil die Oberflächen Spannung so stark und die Gravitation relativ schwach ist. Die Gravitation macht den Insekten kaum zu schaffen, den Bakterien überhaupt nicht. IV 17 Formen/Biologie/Gould: Darwin: These: Form folgt der Funktion. IV 19 Es ist die Frage, wie eine Form sich kontinuierlich entwickelt. IV 27 Adaption/Anpassung: Wir sollten nicht folgern, dass die von Darwin angenommene Anpassungsfähigkeit an eine lokale Umwelt uneingeschränkte Macht besitzt, theoretisch optimale Entwürfe für alle Situationen zu erzeugen. Die natürliche Selektion kann nur auf vorhandenes Material zurückgreifen. Dies ist ein klassisches Dilemma der Evolutionstheorie. IV 151 Formen/Evolution/Gould: das vielleicht schwierigste Problem der Evolution: Wie können neue komplexe Formen (nicht einfach nur einzelne adaptiv vorteilhafte Eigenschaften) entstehen, wenn jede einzelne Form Tausender von Einzelveränderungen bedarf und wenn Zwischenstufen keine lebensfähigen Exemplare hervorbringen? Lösung: Neue Formen brauchen gar nicht Stück für Stück zu entstehen, sondern koordiniert durch die Betätigung eines "Hauptschalters" wird ein Entwicklungsprogramm gestartet. IV 337 Form/Organismen/Evolution/Gould: Oberflächen wachsen mit dem Quadrat der Länge, Volumina mit der dritten Potenz der Länge, also viel schneller. Deshalb besitzen kleine Tiere, verglichen mit ihrem Volumen, große Oberfläche(und müssen mehr fressen). 1. D' Arcy Wentworth Thompson, On Groth and Form, 1917, Cambridge University Press, https://openlibrary.org/books/OL6604798M/On_growth_and_form. (access date 12.01. 2018) |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Framing-Effekt | Norvig | Norvig I 621 Framing-Effekt/Entscheidungen/KI-Forschung/Norvig/Russell: Der genaue Wortlaut eines Entscheidungsproblems kann einen großen Einfluss auf die Entscheidungen des Agenten haben; dies wird als Framing-Effekt bezeichnet. Experimente zeigen, dass Menschen ein medizinisches Verfahren, das mit "90% Überlebensrate" beschrieben wird, etwa doppelt so stark mögen wie eines, das mit "10% Todesrate" beschrieben wird, obwohl diese beiden Aussagen genau dasselbe bedeuten. Diese Diskrepanz in der Beurteilung wurde in mehreren Experimenten gefunden und ist ungefähr gleich, egal ob es sich bei den Probanden um Patienten in einer Klinik, um statistisch anspruchsvolle Wirtschaftsstudenten oder um erfahrene Ärzte handelt. >Ellsberg-Paradoxon/Norvig, >Allais-Paradoxon/Norvig, >Rationalität/KI-Forschung, >Präferenzen/Norvig, >Ambiguität/Kahneman/Tversky, >Ankereffekt/Norvig, >Nutzen/KI-Forschung. |
Norvig I Peter Norvig Stuart J. Russell Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010 |
| Framing-Effekt | Russell | Norvig I 621 Framing-Effekt/Entscheidungen/KI-Forschung/Norvig/Russell: Der genaue Wortlaut eines Entscheidungsproblems kann einen großen Einfluss auf die Entscheidungen des Agenten haben; dies wird als Framing-Effekt bezeichnet. Experimente zeigen, dass Menschen ein medizinisches Verfahren, das mit "90% Überlebensrate" beschrieben wird, etwa doppelt so stark mögen wie eines, das mit "10% Todesrate" beschrieben wird, obwohl diese beiden Aussagen genau dasselbe bedeuten. Diese Diskrepanz in der Beurteilung wurde in mehreren Experimenten gefunden und ist ungefähr gleich, egal ob es sich bei den Probanden um Patienten in einer Klinik, um statistisch anspruchsvolle Wirtschaftsstudenten oder um erfahrene Ärzte handelt. >Ellsberg-Paradoxon/Norvig, >Allais-Paradoxon/Norvig, >Rationalität/KI-Forschung, >Präferenzen/Norvig, >Ambiguität/Kahneman/Tversky, >Ankereffekt/Norvig, >Nutzen/KI-Forschung. |
Russell I B. Russell/A.N. Whitehead Principia Mathematica Frankfurt 1986 Russell II B. Russell Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989 Russell IV B. Russell Probleme der Philosophie Frankfurt 1967 Russell VI B. Russell Die Philosophie des logischen Atomismus In Eigennamen, U. Wolf (Hg) Frankfurt 1993 Russell VII B. Russell On the Nature of Truth and Falsehood, in: B. Russell, The Problems of Philosophy, Oxford 1912 - Dt. "Wahrheit und Falschheit" In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 Norvig I Peter Norvig Stuart J. Russell Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010 |
| Freundschaften | Entwicklungspsychologie | Upton I 105 Freundschaft/Entwicklungspsychologie/Upton: Die mittlere Kindheit bringt deutliche Veränderungen im Verständnis von Freundschaft. Frühe Kindheit: Freundschaften sind hier von vorübergehender Natur und hängen oft mit der Verfügbarkeit des anderen zusammen. Ein Freund ist definiert als jemand, mit dem man spielt oder mit dem man eine andere Aktivität teilt. In der mittleren Kindheit sind die Beziehungen der Kinder immer noch eher zu anderen, die ihnen selbst ähnlich sind; dies liegt zum Teil daran, dass Kinder einander eher aufgrund von Ähnlichkeiten hinsichtlich Alter, sozioökonomischem Status, der ethnischen Zugehörigkeit usw. näher kommen. Es gibt jedoch auch Hinweise darauf, dass Kinder ihren Freunden im Laufe der Interaktion immer ähnlicher werden (Hartup, 1996)(1). >Entwicklungsphasen. Mittlere Kindheit: Die Kinder beginnen, die Besonderheiten der Freundschaft zu erkennen, die über die bloße Nähe hinausgehen. Während dieser Entwicklungsphase beginnen die Kinder zu erkennen, dass Freundschaften Gemeinschaft, Hilfe, Schutz und Unterstützung bieten (Azmitia et aL, 1998)(2), reziprok sind (Selman, 1980)(3), Vertrauen und Loyalität erfordern (Bigelow, 1977)(4) und über die Zeit hinweg andauern (Parker and Seal. 1996)(5). >Soziale Beziehungen, >Beziehungen. Das heißt nicht, dass Freundschaften, die in der mittleren Kindheit geschlossen wurden, über lange Zeiträume bestehen bleiben. Schulkinder haben oft so genannte "Schönwetterfreunde", weil Freundschaften in diesem Alter oft nicht in der Lage sind, Phasen von Konflikten oder Meinungsverschiedenheiten zu überleben (Rubin et al... 1998)(6). Upton I 106 Geschlechterunterschiede: Es scheint auch geschlechtsspezifische Unterschiede in der Zeit zu geben, die benötigt wird, um zerbrochene Freundschaften zu reparieren. Azmitia et al. (1998)(2) beobachteten, dass Jungen einen Freundschaftskonflikt typischerweise innerhalb eines Tag lösen und die Freundschaft erneuern würden, während Mädchen etwa zwei Wochen brauchen würden. Dies kann daran liegen, dass Triaden in den Freundschaften von Mädchen im Schulalter häufiger vorkommen als in denen von Jungen, so dass sich ein Mitglied der Gruppe ausgeschlossen fühlt. Am Ende der mittleren Kindheit werden Freundschaften eng und zeichnen sich durch ein dauerhaftes Vertrauensverhältnis zueinander aus. Die Fähigkeit, gemeinsam Rollen zu übernehmen und zu verhandeln, entwickelt sich während dieses Zeitraums und führt zu mehr Loyalität, Vertrauen und sozialer Unterstützung. So fanden Azmitia et al. (1998)(2) heraus, dass die Erwartungen der Mädchen, dass Freunde Geheimnisse bewahren würden, von 25 Prozent bei den Acht- bis Neunjährigen auf 72 Prozent bei den 11- bis 12-Jährigen stiegen. Diese Erwartung entwickelte sich erst etwas später bei den Jungen. So wird die Fähigkeit, enge, intime Freundschaften zu schließen, immer wichtiger, wenn sich Kinder in Richtung früher Jugend bewegen (Buhrmester, 1990)(7). 1. Hartup. WW (1996) The company they keep: friendships and their developmental signifi cance. Child Development, 67: 1-13. 2. Azmitia, M, Kamprath, N and Linnet, J (1998) Intimacy and conflict: on the dynamics of boys’ and gir1s friendships during middle childhood and adolescence, in Meyer, L, Grenot-Scheyer, M, Harry, B, Park, H and Schwartz, I (eds) Understanding the Social Lives of Children and Youth. Baltimore, MD: PH Brookes. 3. Selman, RL (1980) The Growth of Interpersonal Understanding. New York: Academic Press. 4. Bigelow, BJ (1977) Children’s friendship expectations: a cognitive-developmental study. Child Development, 48: 246-53. 5. Parker, JG and Seal, J (1996) Forming, losing, renewing and replacing friendships: applying temporal parameters to the assessment of children’s friendship experiences. Child Development, 67(5): 2248-68. 6. Rubin, KH, Bukowski, W and Parker, JG (1998) Peer interactions, relationships, and groups, in Eisenberg, N (ed.) Handbook of Child Psychology, Vol. 3: Social, emotional, and personality development (6th edn). New York: Wiley. 7. Buhrmester, D (1990) Intimacy of friendship, interpersonal competence, and adjustment During preadolescence and adolescence. Child Development, 61: 1101-11. Upton I 120 Freundschaft/Adoleszenz/Entwicklungspsychologie/Upton: Freundschaften werden (...) während der [Adoleszenz] allmählich stabiler (Epstein, 1986)(1), obwohl sie durch Übergänge wie Klassen- oder Schulwechsel gestört werden können (Wargo Aikins et al., 2005)(2). >Partner-Beziehungen/Entwicklungspsychologie. Upton I 121 Hochwertige Freundschaften, die von Intimität, Offenheit und Wärme geprägt sind, werden jedoch trotz solcher Übergänge eher beibehalten (Wargo Aikins et al., 2005)(2). Tatsächlich wird während der gesamten Adoleszenz verstärkt auf Intimität und Selbstdarstellung gesetzt (Zarbatany et al., 2000)(3), obwohl es einige Hinweise darauf gibt, dass von Mädchen mehr Intimität berichtet wird als von Jungen (Buhrmester, 1996)(4). Diese zunehmende Intimität und Selbstdarstellung wird als grundlegend wichtig für das sich entwickelnde Selbstbewusstsein des Jugendlichen sowie für das Verständnis von Beziehungen angesehen (Parker und Gottman, 1989)(5). >Selbst/Entwicklungspsychologie, >Jugendkultur/Entwicklungspsychologie. 1. Epstein, JL (1986) Friendship selection: developmental and environmental influences, in Meuller, E and Cooper, C (eds) Process and Outcome in Peer Relationship. New York: Academic Press. 2. Wargo Aitkins, J, Bierman, K and Parker, JG (2005) Navigating the transition to junior high school: the influence of pre-transition friendship and self-system characteristics. Social Development, 14:42-60. 3. Zarbatany, L, McDougall, P and Hymel, S (2000) Gender-differentiated experience in the peer culture: links to intimacy in preadolescence. Social Development, 9(1): 6 2-79. 4. Buhrmester, D (1996) Need fulfillment, interpersonal competence, and the developmental contexts of early adolescent friendship, in Bukowski, W, Newcomb, A and Hartup, W (eds) The Company They Keep. New York: Cambridge University Press. 5. Parker, J and Gottman, 1(1989) Social and emotional development in a relational context, in Bernat, T and Ladd, G (eds) Peer Relationships in Child Development. New York: Wiley and Sons. |
Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| Frieden | Marsilius von Padua | Höffe I 178 Frieden/Marsilius/Höffe: Der Friede, dessen Segnungen [Marsilius] verteidigt, ist ähnlich wie bei Dante ein zwar gewaltfreies, aber kein konfliktreiches Zusammenleben. Der Gedanke einer an das Recht gebundenen, von ihm gehegten, ansonsten aber freien Konkurrenz ist auch Marsilius fremd. Ein Wesenselement des Politischen, der Kampf von Interessen und der um Macht, verliert dabei an Bedeutung. Ziel: Marsilius' (und Dantes) Friede besteht in einem Ruhezustand; Marsilius spricht gleich zu Beginn von: Friede oder (Wind-)Stille bzw. Ruhe (pax sive tranquillitas). Frieden/ HegelVsKant/Höffe: In der Behauptung, ein dauernder oder gar ein ewiger Friede würde die sittliche Gesundheit der Völker bedrohen, wird Hegel in seiner Ablehnung von Kants Friedensprojekt dieses Motiv aufnehmen. Höffe: In Hegels autorenreichen Vorlesungen zur Geschichte der Philosophie kommt Marsilius jedoch nicht vor.) Ruhe/Marsilius: Nur in einem als Ruhe konzi- Höffe I 179 piertem Frieden kann nach Marsilius ein Gemeinwesen seinen Bürgern ein Überleben und ein gutes Leben, nämlich eine umfassende Bedürfnisbefriedigung und ein tugendhaftes Leben, ermöglichen(1). >Gemeinschaft/Marsilius. MarsiliusVsPapsttum: Laut Marsilius ist der Statthalter Gottes auf Erden, der römische Bischof, kein Friedensfürst, sondern die Hauptursache für Unfrieden. >Papsttum/Marsilius. 1. Marsilius, Defensor pacis, I, 4, § 1 |
|
| Funktionale Erklärung | Bigelow | I 323 Def Funktionale Erklärung/Funktion/Bigelow/Pargetter: mit einer funktionalen Erklärung beschreiben wir schon existierende Muster durch Referenz auf zukünftige Ereignisse oder Zustände. Es kann dabei sein, dass diese niemals eintreten. >Induktion. Warum: Wir erklären, Bsp warum wir Zähne haben, indem wir auf ihre Funktion hinweisen. Problem: Die Funktion von kausal nicht aktiven Mustern oder Elementen zu erklären. I 324 Problem: Weil die zukünftigen Zustände sich vielleicht gar nicht einstellen, beschreiben wir keine tatsächlichen Eigenschaften. Eigenschaften/Bigelow/Pargetter: Eigenschaften eines Systems rühren aus seiner Kausalgeschichte her, nicht aus seiner Funktion! Daher hängen sie auch nicht von der Funktion des Systems ab! >Eigenschaften, >Funktion. Rückwärtsverursachung/Bigelow/Pargetter: ist damit einfach ausgeschlossen. >Rückwärtskausalität. Funktion/Erklärung/Bigelow/Pargetter: daher ist die Funktion eines Systems erklärungsmäßig redundant. Die Funktion kann natürlich erwähnt werden, aber Beschreibung ist mehr als Erwähnung von möglichen Wirkungen. Funktionale Erklärung/Wissenschaft/Bigelow/Pargetter: Es gibt drei Ansätze, die wir im großen und ganzen für richtig halten. Sie alle haben gemeinsam, dass Funktionen keine signifikante Erklärungskraft haben. I 325 Bsp Evolution/Bigelow/Pargetter: Die Theorien der funktionalen Erklärung erlauben es nicht, Evolution zu erklären, indem man sagt, ein Muster habe sich herausgebildet, weil es eine bestimmte Funktion erfüllt. >Evolution, >Darwinismus. Funktionale Erklärung/Bigelow/Pargetter: These: unsere Theorie wird eine realistische sein. I 332 Funktionale Erklärung/Funktion/Bigelow/Pargetter: These: Wir wollen eine Theorie, die vorwärtsgerichtet ist. Funktionen können und sollten erklärt werden durch Referenz auf zukünftige Ereignisse und Zustände. Analog: zur Erklärung von Dispositionen. >Dispositionen. Analogie: Unsere Erklärung hat ein Analogon: die Erklärung des evolutionstheoretischen Begriff des Überlebens (Fitness). (Lit. Pargetter 1987)(1). VsDarwinismus/VsDarwin/Bigelow/Pargetter: Häufiger Einwand: das „Überleben des Tüchtigen“ sei eine leere Tautologie. >Überleben. BigelowVsVs: der Einwand geht davon aus, dass Fitness nur retrospektiv festgestellt werden könnte. Außerdem nimmt er an, dass die Tatsache, dass einige Individuen überleben genau das ist, was die Tüchtigkeit konstituiert (zirkulär). BigelowVsÄtiologische Theorie: Die Ätiologische Theorie beruht auf dem gleichen Missverständnis. Sie behauptet dann, dass auch die Eigenschaft, eine Funktion zu haben, eine retrospektive Eigenschaft ist, die durch die Geschichte des Überlebens konstituiert wird. So ist der Begriff der Funktion seines Erklärungspotentials beraubt. I 333 Zirkularität/Bigelow/Pargetter: Dieser Einwand wird oft fälschlich VsDarwinismus erhoben. >Darwinismus. Fitness/Lösung/Bigelow/Pargetter: ist aber nicht retrospektiv definiert, sondern sie ist analog zu einer Disposition. Subjunktion/subjunktiv/konditional/Fitness/Bigelow/Pargetter: Fitness ist eine subjunktive Eigenschaft: sie bestimmt was passieren würde, wenn die und die Umstände eintreten. >Subjunktion. Diese subjunktive Eigenschaft superveniert auf dem morphologischen Charakter des Individuums oder der Spezies. Dabei gibt es keine Zirkularität. >Supervenienz, >Zirkularität. Biologische Funktion/Bigelow/Pargetter. für sie gilt das gleiche wie für Fitness. Sie sind zwei Seiten einer Medaille. Fitness/Bigelow/Pargetter: heißt vorwärtsschauen. >Fitness. 1. Pargetter, R. (1987). Fitness. Pacific Philosophical Quarterly 68. pp.44-56. |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Gefangenendilemma | Hofstadter | II 781 Gefangenen Dilemma: 1950 von Melvin Dresher und Merrill Flood von der Rand Corporation). Bsp Klassische Form: zwei Gefangene werden getrennt verhört. Problem: Logik verhindert die Kooperation. Die Annahme über das Verhalten des Anderen bringt einen dazu, etwas Schlechteres zu tun, als für beide gut wäre, aber es fehlt ja die Sicherheit. Beispiel-Varianten, die die Vorstellung erleichtern: Ein einmaliges Geschäft mit jemand, den man nie wiedersieht, Deponieren von Geldsäcken im Wald, jeder wird versuchen zu betrügen, nachdem ihm klar ist, dass der Andere (Unbekannte) es genauso versuchen wird. Die psychologische Vorstellung von der persönlichen Bekanntschaft der beiden Gefangenen verunklart das Problem. Bsp' Das Geschäft mit dem deponierten Geld kann wiederholt werden, "Wiederholungs- Gefangenendilemma: Es gibt hier keine allgemein beste Strategie. Gefangenendilemma: Implikationen: Frage: Kann es in einer Welt von Egoisten zur Kooperation kommen? Wie kann sie überhaupt entstehen? Können Kooperationsstrategien besser überleben? Kann Kooperation aus Nicht-Kooperation hervorgehen? II 784 Robert Axelrod: 1979: veranstaltete ein fernschriftliches Turnier, bei dem verschiedene Strategien des Wiederholungs-Gefangenen-Dilemmas gegeneinander antreten sollten. >R. Axelrod. Gewinner: Das Programm "AUGE UM AUGE" von Anatol Rapoport: "Kooperiere in der ersten Runde, dann mach alles, was der andere Spieler beim vorangegangenen Spielzug gemacht hat." Dieses Programm siegte immer wieder, sogar bei Wiederholungen des Wettbewerbs. Allerdings ist das Optimum nur eine Pattsituation. Gewinnen kann keiner! Das Programm nötigt den anderen zu einem Verhalten, bei dem beide gut abschneiden. II 789 Strategie: Echoeffekte sollten minimiert werden. Eine intelligente Analyse muss mindestens drei Schritte weit gehen. In der Reaktion auf Ausstiegsaktionen der Gegenseite kann man die vorhergehende eigene Strategie wiederholen oder gar ausweiten. Wiederholungs-Gefangenendilemma: Wenn man den anderen überhaupt nicht beeinflussen kann, sollte man in der ersten Runde aussteigen! Das hat strenggenommen zur Folge, dass bei einer Autowerkstatt, die man auf einer weiten Reise aufsucht, die Arbeit nicht ausgeführt werden sollte. II 797 Kooperation: In einer Welt von Egoisten kann beiderseitige Kooperation durchaus ohne zentrale Kontrolle entstehen, sofern nur eine Gruppe von Individuen da ist, die auf Gegenseitigkeit setzen. II 801 Bsp Jemand versteigert eine Dollarnote für 3.40$. Das war das Ergebnis einer Spielregel, (die die Teilnehmer zu spät verstanden), nach der der Meistbietende die Dollarnote erhielt, zugleich aber der zweite die zuletzt von ihm gebotene Summe zu zahlen hatte. |
Hofstadter I Douglas Hofstadter Gödel, Escher, Bach - ein Endloses Geflochtenes Band Stuttgart 2017 Hofstadter II Douglas Hofstadter Metamagicum München 1994 |
| Gene | Dawkins | Gould I 88ff Richard Dawkins These: Gene sind die relevanten Einheiten der Selektion. >Selektion. Gould II 171 Dawkins These: Dawkins argumentiert, die Körper seine nur vorübergehende Aufenthaltsorte für die Gene, die eigentlichen Träger der Evolution. Dawkins schreibt als strenger Darwinist. >Darwinismus. Gould II 172 Dawkins: Frage: Wenn die DNA nun selbstbezogen ist, warum schafft sie dann nicht Millionen Kopien von sich selbst? Die schließlich alles Übrige verdrängen? Wodurch wird sie daran gehindert? Dawkins I 50 Gen/Dawkins: Gene leben viel länger als ihre Träger. Ein Gen lässt sich als einen Einheit auffassen, die eine Vielzahl aufeinanderfolgender individueller Körper überlebt. I 62 Def Gen/Dawkins: Ein Gen im Sinne des Titels diese Buches ist komplizierter als ein Cistron. Es gibt keine allgemein anerkannte Definition für Gen. Ich möchte die Definition von G.C. Williams benutzen: Def Gen/Williams: Ein Gen ist jedes beliebige Stück Chromosomenmaterial, das potentiell so viele Generationen überdauert, dass es als eine Einheit der Selektion dienen kann. I 63 Vererbung/Kopiergenauigkeit/Dawkins: "Langlebigkeit in Gestalt von Kopien". I 64 Je kürzer eine genetische Einheit, desto länger wird sie wahrscheinlich leben. I 71 Dawkins These: Kleine genetische Einheiten können in identischer Form überleben, Individuen, Gruppen und Arten nicht. >Arten. Gen/Dawkins: Ein Gen altert nicht! Für es ist die Wahrscheinlichkeit zu sterben, im Alter von einer Million Jahren nicht größer als mit hundert Jahren. I 73 "Die Karten selbst überdauern das Mischen." Selektion/Dawkins: Würden sich Gene ständig mischen, wäre die Selektion überhaupt unmöglich. I 74 Gen/Container/DawkinsVsGould: Erfolgreiche Gene sind gute Konstrukteure von Überlebensmaschinen. Bsp Lebewesen mit langen Beinen können besser vor Räubern fliehen. Welches sind die Eigenschaften, die ein Gen sofort als gut oder schlecht kennzeichnen? I 75 Gen/Dawkins: So unabhängig und frei sie auf ihrer Reise durch Generationen sein mögen, bei der Steuerung der Embryonalentwicklung handeln sie sehr wenig frei. Es gibt kein Gen, das für ein einzelnes Körperteil verantwortlich wäre. I 86 Gen/Dawkins: Es gibt ein "Gen für Kopierfehler , (Mutatoren). Es verfolgt den selbstsüchtigen Zweck, Fehler bei anderen Genen hervorzurufen. Ebenso manipuliert ein "Gen für "Fortpflanzung" alle anderen für seine selbstsüchtigen Zwecke. I 91 Körper/Zelle/Mensch/Dawkins: Ich ziehe es vor, mir den Körper als eine Kolonie von Genen vorzustellen, und die Zelle als eine zweckmäßige Arbeitseinheit für die chemische Industrie der Gene I 112 Altruismus/Gen/(Dawkins: Ein "Gen für Altruismus" steuert die Entwicklung des Nervensystems so, dass es sich mit größerer Wahrscheinlichkeit selbstlos verhält. >Altruismus. Bsp einige Bienen zerren ihre eigenen Larven aus dem Stock, wenn diese infiziert sind. I 115 Das Überleben der Gene kann auch durch scheinbar altruistisches Verhalten gefördert werden! I 154 Gen/Dawkins: These: Das Gen ist möglicherweise in der Lage, den Kopien seiner selbst in anderen Körpern zu helfen. I 155 Bsp Absicht: Albinogen beim Menschen. Wir müssen allerdings unsere Sprache etwas zurücknehmen: sie "wollen" nicht eigentlich überleben oder anderen Albinogenen helfen. Doch wenn es rein zufällig seine Körper dazu bewegen würde, sich anderen Albinos gegenüber uneigennützig zu verhalten, hätte dies die Folge, dass es im Genpool zahlreicher würde. Dazu muss nun das Gen zwei Funktionen haben: 1. Helle Hautfarbe zu produzieren ((s) Erkennbarkeit) 2. Die Tendenz zum Altruismus gegenüber anderen Hellhäutigen. Ein derartiges Gen mit zwei Effekten könnte sehr erfolgreich sein. |
Da I R. Dawkins Das egoistische Gen, Hamburg 1996 Da II M. St. Dawkins Die Entdeckung des tierischen Bewusstseins Hamburg 1993 Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Genetische Variation | Jensen | Slater I 121 Genetische Variation/Intelligenz/Jensen: (Jensen 1969)(1) Jensen berichtete, dass er die Frage [der Unterschiede im Ergebnis des Rassentests] in Diskussionen mit Genetikern behandelte. Sie waren, so behauptete er, übereinstimmend der Meinung, dass Rassen technisch definiert werden können als Populationen mit unterschiedlichen Verteilungen von Genfrequenzen, und dass sich genetische Unterschiede zwischen den Rassen in praktisch allen bisher durchgeführten anatomischen, physiologischen und biochemischen Vergleichen manifestieren, die damals hauptsächlich aus Blutbestandteilen bestanden. Die Genetiker, mit denen Jensen sprach, waren sich offensichtlich auch einig, dass jedes Verhalten, das messbar und vererbbar war, rassische Unterschiede in den Frequenzen der beteiligten Gene auf die gleiche Weise zeigen würde wie jedes andere menschliche Merkmal. Slater I 122 Sie betonten, dass ein Überleben oder ein adaptiver Vorteil im Zusammenhang mit den Unterschieden nicht notwendig sei. Jensen (1969)(1) berichtete als nächstes über das Ausmaß der damals typischen Differenz zwischen Afro- und europäischen Amerikanern bei Messungen der Intelligenz und der akademischen Leistung bei etwa einer Standardabweichung, was bedeutete, dass nur 15% der afroamerikanischen Bevölkerung den Durchschnitt der europäisch-amerikanischen Bevölkerung übertrafen. Er berichtete auch, dass die Varianz der Intelligenztestergebnisse in der afroamerikanischen Bevölkerung etwa 60% derjenigen in der europäisch-amerikanischen Bevölkerung betrug, was die beiden Verteilungen in ihren Definitionsparametern sehr unterschiedlich machte. Er stellte fest, dass die Möglichkeit, dass dieser Verteilungsunterschied zumindest teilweise genetisch bedingt ist, zwar stark angeprangert wurde, aber empirisch nicht widersprochen oder diskreditiert wurde. Das bedeutete für ihn, dass die Beweise für diese Idee überprüft und ihre Auswirkungen auf die Bildung berücksichtigt werden sollten. >Erblichkeit/Jensen, >Intelligenz/Jensen. Johnson: Die Beweise, die [Jensen] vorgelegt hat, sind bis heute gültig. 1. Jensen, A. R. (1969). How much can we boost IQ and scholastic achievement? Harvard Educational Review, 3, 1–123. Wendy Johnson: „How Much Can We Boost IQ? Updated Look at Jensen’s (1969) Question and Answer“, in: Alan M. Slater & Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Slater I Alan M. Slater Paul C. Quinn Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012 |
| Gerechtigkeit | Smith | Otteson I 20 Gerechtigkeit/Adam Smith/Otteson: In seiner Theorie der moralischen Gefühle von 1759(1) unterteilt Adam Smith moralische Tugenden in zwei große Kategorien: „Gerechtigkeit“ und ‚Wohltätigkeit‘. Smith beschreibt die „Gerechtigkeit“ als eine „negative“ Tugend, was bedeutet, dass wir, um sie zu erfüllen, lediglich davon absehen müssen, andere zu verletzen. Im Gegensatz dazu ist „Wohltätigkeit“ eine „positive“ Tugend, d. h., um sie zu erfüllen, müssen wir positive Maßnahmen ergreifen, um die Situation anderer zu verbessern. Wohltätigkeit beinhaltet für Smith Dinge wie Nächstenliebe, Großzügigkeit und Freundschaft, Dinge, die bei den Nutznießern unserer Handlungen Dankbarkeit hervorrufen. Gerechtigkeit hingegen verlangt, dass wir anderen nicht schaden oder sie verletzen; wenn wir gegen die Gerechtigkeit verstoßen, wecken wir bei denen, die wir verletzen, Ressentiments. Smith argumentiert, dass es nur drei Regeln der Gerechtigkeit gibt: (1) die Regel, „das Leben und die Leben und die Person unseres Nächsten“; (2) das Gebot, „das Eigentum und den Besitz [unseres Nächsten] zu schützen“; und (3) die Regel, „das zu schützen, was man die persönlichen Rechte [unseres Nächsten] nennt, oder das, was ihm was ihm aufgrund der Versprechen anderer zusteht“ (TMS(1): 84). Smith argumentiert, dass wir, wenn wir andere nicht töten, versklaven oder belästigen, wenn wir das Eigentum anderer nicht bestehlen, unbefugt betreten oder beschädigen und wenn wir freiwillige Verträge oder Versprechen, die wir gemacht haben, nicht brechen, dann haben wir anderen gegenüber gerecht gehandelt. Der Gerechte ist also derjenige, der, was auch immer er sonst tut, anderen keinen Schaden zufügt (...). Wie Smith es treffend formuliert: „Wir können oft alle Regeln der Gerechtigkeit erfüllen, indem wir stillsitzen und nichts tun“ (TMS(1): 82). >Wohltätigkeit/Adam Smith, >Moral/Adam Smith, >Gemeinschaft/Adam Smith. Otteson I 21 Regeln: Smith nennt die Regeln der Gerechtigkeit „heilig“, was ein seltsam starkes Wort für eine Darstellung sein mag die behauptet, dass moralische Tugenden auf der Grundlage von Erfahrungen und Interaktionen zwischen Individuen entstehen. Warum nennt er die Gerechtigkeit „heilig“? Die Antwort ist, dass Smith glaubt, dass sich die Regeln der Gerechtigkeit als notwendig für das Bestehen jeder Gesellschaft erweisen. Er nennt sie „das Fundament, das das Gebäude“, also die Gesellschaft, stützt, während er die Wohltätigkeit als „das Ornament, das die Gesellschaft verschönert“ bezeichnet (TMS(1): 86). Eine Gesellschaft, in der es Menschen gibt, die die Regeln der Gerechtigkeit perfekt erfüllen - die also anderen weder an ihrer Person noch an ihrem Eigentum noch an ihren Versprechungen Schaden zufügen -, die aber keine wohltätigen Handlungen aneinander vornehmen, ist vielleicht nicht die einladendste Gesellschaft, in der man leben kann. Aber sie kann überleben. >Gerechtigkeit/SingerVsSmith. Regierung/Lösung/Adam SmithVsSinger: (...) die Regierung mag die Aufgabe haben, Gerechtigkeit durchzusetzen, aber (...) das Handeln mit und die Durchsetzung von angemessener Wohltätigkeit muss Individuen und privaten Parteien überlassen werden. >Wohltätigkeit/Adam Smith, >Gerechtigkeit/Adam Smith. 1. Smith, Adam (1982) [1759]. The Theory of Moral Sentiments. D. D. Raphael and A. L. Macfie, eds. Liberty Fund. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Gesellschaftsvertrag | Hobbes | Höffe I 214 Gesellschaftsvertrag/Leviathan/Hobbes/Höffe: [Der Titelkupfer des Leviathan] ist ein Bild dafür, dass der Staat bzw. der Souverän Stellvertreter aller Bürger ist: Die Bürger autorisieren den Souverän, der fortan in ihrem Namen handelt. Andererseits gehen die Bürger im allmächtigen Staat vollkommen auf. Weder haben sie eine außerstaatliche Existenz, noch können sie gegen den Souverän irgendwelche Rechte beanspruchen, außer dem Recht auf Schutz: Der Souverän hat ihr Überleben zu sichern. Das Gemeinwesen wird im König, dessen Körper repräsentiert: Der König ist das Volk. HöffeVsHobbes: Die Titelfigur wäre modern, wenn man in ihr auch die Umkehrung sehen könnte, dass das Volk der König ist, indem sich die Bürger des Königs, sprich der Herrschaft, bemächtigen. Dagegen spricht, dass lediglich der Körper unterhalb des Kopfes, nicht auch der Kopf selbst aus kleinen Menschen zusammengesetzt ist. >Herrschaft/Hobbes. Höffe I 227 Weil der Vertrag ein Rechtsgeschäft ist, dem jeder Beteiligte frei zustimmen muss, er nach der Zustimmung aber gebunden ist, nimmt das Argumentationsmuster die Gestalt eines Vertrages ein, genauer die Gestalt jenes politische Gesellschaft schaffenden Vertrages, der «Gesellschaftsvertrag» heißt und die zugehörige Theorie «(Gesellschafts-)Vertragstheorie», neuerdings auch Kontraktualismus. Vorläufer: Erfunden hat Hobbes den Vertragsgedanken nicht. Einen Vorläufer bildet der Bund, den der Gott Israels mit seinem Volk schließt. In der Neuzeit findet sich der Vertragsgedanke schon bei Johannes Althusius (1557-1638). Aber erst Hobbes arbeitet mithilfe des Gedankenexperiments «Naturzustand» und des legitimatorischen Individualismus das Motiv zu einer veritablen Theorie aus. >Vertragstheorie, >Autorität, >Kontraktualismus. |
Hobbes I Thomas Hobbes Leviathan: With selected variants from the Latin edition of 1668 Cambridge 1994 |
| Gewinnmaximierung | Alchian | Henderson I 90 Wirtschaftlicher Erfolg/Alchian/Henderson/Globerman: „Realisierte positive Gewinne, nicht maximale Gewinne, sind das Kennzeichen von Erfolg und Lebensfähigkeit. Es spielt keine Rolle, durch welchen Prozess der Argumentation oder Motivation ein solcher Erfolg erzielt wurde. Die Tatsache, dass er erzielt wurde, ist ausreichend. Dies ist das Kriterium, nach dem das Wirtschaftssystem die Überlebenden auswählt: Diejenigen, die positive Gewinne realisieren, sind die Überlebenden; diejenigen, die Verluste erleiden, verschwinden."(1) Beispiel: Sie und viele andere Menschen in einer Stadt - sagen wir Chicago - wollen Chicago mit dem Auto verlassen. Sie haben viele Routen zur Auswahl. Es stellt sich jedoch heraus, dass von allen Routen, die Sie und andere wählen könnten, nur eine Route über Tankstellen verfügt. Was wird passieren? Diejenigen, die diese eine Strecke nicht benutzen, werden nicht sehr weit kommen. Die einzigen Fahrer, die weit kommen werden, sind diejenigen, die die Route mit den Tankstellen wählen. Informationen: Alchian: In einem zu Recht berühmten Artikel mit dem Titel „Uncertainty, Evolution, and Economic Theory“(1) (Unsicherheit, Evolution und Wirtschaftstheorie) im Journal of Political Economy von 1950 verwendet Armen Alchian das Beispiel des Fahrens von Chicago, um zu erklären, warum Wirtschaftswissenschaftler das Verhalten von Menschen, die Unternehmen leiten, vorhersagen können, selbst wenn diese Menschen nicht über perfekte Informationen verfügen. Natürlich verfügen Unternehmen nicht über perfekte Informationen, und deshalb ist Alchians Argumentation wichtig. Maximaler Gewinn/wirtschaftliche Theorien: (...) [Es] gab in den 1940er Jahren eine hitzige Debatte in den wirtschaftswissenschaftlichen Fachzeitschriften darüber, ob es vernünftig sei, davon auszugehen, dass Unternehmen ihre Gewinne maximieren. a) Die Befürworter dieser Annahme argumentierten, dass die Unternehmen so handeln, als ob sie ihre Gewinne maximieren würden. b) Einige Kritiker dieser Annahme argumentierten, dass die Tatsache der Ungewissheit bedeute, dass sie ihre Gewinne nicht maximieren könnten. c) Alchian (...) argumentierte nicht, dass Unternehmen so handeln, als ob sie ihre Gewinne maximieren würden. Henderson I 91 Stellen Sie sich nun vor, dass kein Unternehmen anfänglich so reagiert wie im Lehrbuch beschrieben, sondern dass einige Unternehmen, aus welchen Gründen auch immer, mit einem niedrigeren Verhältnis von Arbeit zu Kapital arbeiten als andere Unternehmen. Nehmen wir an, dass alle Unternehmen mit den gleichen Kosten beginnen. Als Folge des Anstiegs der Lohnsätze werden nun die Unternehmen mit einem niedrigeren Verhältnis von Arbeit zu Kapital niedrigere Kosten haben als die anderen Unternehmen. Dies wiederum bedeutet, dass erstere eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit im Wettbewerbsprozess haben werden. Das Endergebnis ist, dass die überlebenden Unternehmen mit einem geringeren Verhältnis von Arbeit zu Kapital arbeiten werden, so wie es der Fall gewesen wäre, wenn die Manager absichtlich Kapital durch Arbeit ersetzt hätten, wie es in den Lehrbüchern für effizientes Managementverhalten beschrieben wird. Innovation/Alchian: Bis zu einem gewissen Grad lassen sich die Entscheidungsträger von „erfolgreichen“ Verhaltensweisen leiten, die sie um sich herum sehen, und übernehmen diese, soweit sie können. Neue Verhaltensweisen, die effizientere oder vorteilhaftere Ergebnisse als bestehende Verhaltensweisen hervorbringen, werden ebenfalls imitiert, ein Prozess, den Alchian als „adaptives Verhalten gegenüber Innovationen“ bezeichnet. Erfolg/Alchian: Aber selbst wenn die Unternehmensleiter ihre Entscheidungen nach dem Zufallsprinzip treffen würden, würde der Wettbewerbsprozess die Unternehmen ausmerzen, die im Nachhinein schlechte Entscheidungen treffen, und die Unternehmen, die im Nachhinein gute Entscheidungen treffen, würden mit größerer Wahrscheinlichkeit überleben. Lösung/Alchian: Ein Wirtschaftswissenschaftler muss nicht davon ausgehen, dass Unternehmen ihre Gewinne maximieren. Ökonomen sind in der Lage, das Verhalten von Unternehmen, die überleben, ohne die starke Annahme der Gewinnmaximierung vorherzusagen. >Behavioral Economics, >Verhaltensökonomik als Autor. 1. Armen Alchian (1950), "Uncertainty, Evolution, and Economic Theory. Journal of Political Economy 58 (June): 211-21. |
Alchian I Armen A. Alchian William R. Allen Exchange and Production: Competition, Coordination and Control Belmont, CA: Wadsworth 1977 Henderson I David R. Henderson Steven Globerman The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019 |
| Gewinnmaximierung | Buchanan | Boudreaux I 37 Gewinnmaximierung/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: Beobachtbarkeit: (...) es ist unmöglich zu sagen, ob (...) die Entscheidungen den Gewinn maximiert haben, weil es unmöglich ist, den Wert der unterlassenen Alternativen zu ermitteln. >Opportunitätskosten, >Kosten/Buchanan, >Entscheidungsprozesse/Buchanan. Beispiel: Nehmen wir das hypothetische Beispiel eines Unternehmers, der eine Bäckerei eröffnen möchte und sich zwischen zwei Standorten entscheiden muss, die er als Schaufenster mieten möchte. Der Bäcker könnte einen Standort in der Elm Street anmieten, der gut sichtbar ist und 2.000 Dollar pro Monat kostet, oder einen weniger stark frequentierten Standort in der Oak Street, der weniger Laufkundschaft anzieht, aber nur 1.000 Dollar pro Monat kostet. Welcher Standort ist der gewinnmaximierende? Angenommen, der Bäcker ist der Meinung, dass der Standort in der Elm Street die höhere Miete nicht wert ist, und mietet stattdessen den Standort in der Oak Street für 1.000 $ pro Monat. Das Geschäft ist erfolgreich und der Bäcker erwirtschaftet einen Gewinn. Aber hat der Bäcker den Standort gewählt, der den Gewinn maximiert? Es ist möglich, dass das zusätzliche Geschäft, das der Bäcker an dem anderen Standort gemacht hätte, die höhere Miete mehr als wettgemacht hätte. Dies lässt sich jedoch nicht feststellen, da der Bäcker den anderen Standort nicht gewählt hat. Man kann nur darüber spekulieren, ob dieser andere Standort rentabler gewesen wäre. Boudreaux I 38 Subjektivität/Kosten: Die subjektive Natur der Kosten hat zur Folge, dass man nie wissen kann, ob die Unternehmen tatsächlich ihre Gewinne maximieren, weil man nicht wissen kann, wie profitabel die Unternehmen gewesen wären, wenn ihre Manager andere Entscheidungen getroffen hätten. Objektivität: Man kann zwar feststellen, ob ein Unternehmen rentabel ist oder nicht, d. h. ob es genügend Einnahmen erzielt, um zu überleben, aber man kann nicht sagen, ob die Gewinne eines Unternehmens maximal sind. Die Kosten einer Entscheidung sind der Wert der am höchsten eingestuften Alternative, auf die verzichtet wird. Doch gerade weil auf diese Alternative verzichtet wird, gibt es keine Möglichkeit zu erfahren, wie viel Nutzen oder Gewinn sie gebracht hätte, wenn sie gewählt worden wäre. Der Einzelne erkennt den Nutzen, den er aus den von ihm gewählten Optionen zieht. Über den Nutzen, den sie erhalten hätten, wenn sie sich anders entschieden hätten, können sie jedoch nur Vermutungen anstellen. Unternehmen können feststellen, ob sie rentabel sind, aber sie können nicht wissen, ob sie mehr (oder weniger) rentabel gewesen wären, wenn ihre Manager andere Entscheidungen getroffen hätten. |
EconBuchan I James M. Buchanan Politics as Public Choice Carmel, IN 2000 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Gott | Smith | Otteson I 25 Gott/Adam Smith/Otteson: (...) Smith war offenbar Christ und schien daher sowohl zu glauben, dass Gott uns geschaffen hat als auch, dass er beabsichtigt, dass wir glücklich sind.* Smiths Argument ist vielmehr, dass Gott uns mit den notwendigen psychologischen Werkzeugen - insbesondere dem Wunsch nach gegenseitiger Sympathie der Gefühle - sowie mit den notwendigen Umständen - insbesondere der Ressourcenknappheit, die Kooperation erfordert, um zu überleben und zu gedeihen - geschaffen hat, die uns dazu bringen würden oder zumindest könnten, gegenseitig vorteilhafte Gemeinschaften von Tugend und Wohlstand zu entwickeln. All dies würde kooperativ und gemeinsam geschehen, ohne dass ein göttliches Eingreifen erforderlich wäre. Smith glaubte aber auch, dass empirische Beobachtungen zeigen, dass Menschen unvollkommen sind und oft Fehler machen. Freier Wille/Adam Smith: Ihr freier Wille versetzt sie in die Lage, Entscheidungen zu treffen, von denen einige ihnen selbst und anderen zugutekommen, während andere sich als schädlich für sie selbst oder andere erweisen werden. Der Prozess, den er sich vorstellt, ähnelt also dem, den Darwin im folgenden Jahrhundert als den Prozess der Entstehung von Arten und Ökosystemen in der natürlichen Ordnung formulieren würde.** >Spontane Ordnung, >Adam Smith Problem, >Regeln/Adam Smith. * Moderne Gelehrte sind sich uneins darüber, inwieweit Smiths zahlreiche Verweise auf Gott, den Urheber der Natur und so weiter auf seine tatsächlichen religiösen Überzeugungen hinweisen. Für eine Diskussion, siehe Ross (2010)(1) und, für eine Vielzahl von Perspektiven, Oslington (2011)(2). ** Für eine aktuelle Diskussion über die Verbindung zwischen Smith und Darwin siehe Ridley (2015)(3), insbesondere Kapitel 2. 1. Ross, Ian Simpson (2010). The Life of Adam Smith. 2nd edition. Oxford University Press. 2. Oslington, Paul. (2011). The Future Hope in adam Smith’s System. Studies in christi9an Ethics. Vol. 24, 3. https://doi.org/10.1177/0953946811405 3. Ridley, Matt. (2015). The Evolution of Everything: How Ideas Emerge. Harper Perennial. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Hegel | Honneth | Brocker I 791 Hegel/Honneth: Hegels Jenaer Programm(1) muss als Bruch mit dem sozialphilosophischen Mainstream seiner Zeit verstanden werden; dieser war in seinem Verständnis sozialer Beziehungen vom Paradigma des „Kampfes um Selbsterhaltung“ dominiert gewesen. (HegelVsMachiavelli, HegelVsHobbes). Honneth: Dagegen rückt bei Hegel eine komplexere Logik der Praxis in den Vordergrund, nämlich diejenige, die sich aus dem „Kampf der Subjekte um die wechselseitige Anerkennung ihrer Identität“ (2) heraus entfaltet. Dabei geht es den Subjekten nicht mehr ausschließlich um knappe Ressourcen für das eigene Überleben, sondern um die eigene Identität bzw. um die Gewinnung einer positiven Selbstbeziehung. >Identität/Honneth. Brocker I 792 HonnethVsHegel: dieser hat mit seiner bewusstseinsphilosophischen Wende (die bereits in den Jenaer Schriften anhebt) letztlich die entscheidenden Anregungen seiner anerkennungstheoretischen Konzeption unbenutzt gelassen. Siehe Anerkennung/Honneth. 1. Vgl. G.W.F. Hegel, Jenaer Schriften 1808-1807 Frankfurt, 1986. 2. Axel Honneth, Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte, mit einem neuen Nachwort, Frankfurt/M. 2014 (zuerst 1992) S.11 Hans-Jörg Sigwart, „Axel Honneth, Kampf um Anerkennung“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Honn I A. Honneth Das Ich im Wir: Studien zur Anerkennungstheorie Frankfurt/M. 2010 Honn II Axel Honneth Kampf um Anerkennung. Zur moralischen Grammatik sozialer Konflikte Frankfurt 2014 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Herrschaft/Knechtschaft | Hegel | Höffe I 329 Herrschaft/Knechtschaft/Phänomenologie/Hegel/Höffe: Vorüberlegungen: In der Konkurrenz mit seinesgleichen kommt es dem Menschen nicht erst auf Selbstbehauptung, sondern schon auf die Konstitution eines Selbst an. Hegel erweitert die oft bloß sozial-, rechts- oder staatstheoretisch geführte Debatte um drei weitere Themen: um die a) Auseinandersetzung des Menschen mit sich selbst, um die b) Auseinandersetzung mit der Natur und um den zu den drei Dimensionen gehörenden c) Begriff der Arbeit. HegelVsHobbes: Hegel überwindet die Reduktion der menschlichen Antriebskräfte auf drei konfliktverursachende Leidenschaften und den daraus resultierenden Krieg aller gegen alle. >Th. Hobbes. Hegel bestreitet weder die Konkurrenz noch deren gegebenenfalls tödlichen Gewaltcharakter und auch nicht, dass es glücklicherweise Höffe I 330 Gegenkräfte gibt, drei Friedensleidenschaften und die ihnen dienende Vernunft. Im Austragen der gewaltbereiten Konkurrenz (...) entdeckt er aber eine weit grundlegendere Aufgabe und schließliche Leistung: Die Menschen wind zunächst keine fertigen Subjekte, sondern müssen sich das dafür erforderliche Selbstbewusstsein erst in einem dynamischen Prozess erarbeiten. Im vielschichtigen Verlauf (...) eines veritablen «Kampfs um Anerkennung», greifen drei Dimensionen ineinander: - die persönliche Auseinandersetzung des Menschen mit sich, - die soziale mit seinesgleichen und die - wirtschaftliche mit der Natur. Selbstbewusstsein: Das Selbstbewusstsein tritt dabei zunächst als schlichtes Streben nach Selbsterhaltung auf, stößt jedoch auf das konkurrierende Streben eines anderen (...) und führt, da die eine Selbsterhaltung der anderen widerstreitet, zu einem «Kampf auf Leben und Tod». Kampf: Wer nun im Rahmen dieses Kampfes sich ans Überleben klammert, folglich den Tod scheut, unterwirft sich demjenigen, der sein Leben wagt. Er wird zum Knecht, der andere zum Herrn. Verstand/Herr: Dabei vertritt der Herr laut Hegel die Bewusstseinsebene des Verstandes, Sinnlichkeit/Knecht: der Knecht, weil er das physische Überleben für das Wichtigste hält, die Ebene der Sinnlichkeit. Dialektik: Da der Knecht aber, durch den Herrn zur Arbeit gezwungen, sich in eben dieser Arbeit mit der Natur auseinandersetzt, statt sie direkt zu genießen, wird er in der eigenen Begierde gehemmt. Der Herr hingegen, der den anderen arbeiten lässt, befindet sich in der Rolle des bloß genießenden, konsumierenden Individuums. Der Knecht befreit sich, eben weil er seine Begierde hemmen muss, vom bloß naturgemäß Vorhandenen. Damit kehrt sich die anfängliche Rangordnung um: Der Knecht erweist Sich als dem Herrn überlegen, wodurch er zum eigentlichen Herrn aufsteigt, während der vorher Überlegene, der Herr, als Knecht dasteht. Selbstbewusstsein: Der Kern dieses Kampfes um Anerkennung besteht in einer «Selbsterkenntnis im Anderen». a) personal: Man erkennt sich erst und nur in einer zweiten Person. b) apersonal: Die Selbsterkenntnis kommt durch eine soziale Anerkennung allein noch nicht zustande. Sie bedarf auch der durch Arbeit, also ein ökonomisches Handeln vermittelten Auseinandersetzung mit der vor- und außerpersonalen Welt.(1) >Dialektik/Hegel, >Geschichte/Hegel, >Weltgeschichte/Hegel, >Fortschritt/Hegel, >Selbstbewusstsein. 1. G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, 1807 |
|
| Idealer Beobachter | Smith | Rawls I 184 Idealer Beobachter/Gesellschaft/Ordnung/Gerechtigkeit/Adam Smith/Rawls: Etwas, z. B. ein soziales System, ist gerecht, wenn ein idealer unparteiischer Beobachter von außen dies von einem allgemeinen Standpunkt aus beurteilen würde, wenn er/sie alle relevanten Informationen über die Umstände hätte. (Siehe Roderick Firth, „Ethical Absolutism and the Ideal Observer“, Philosophy and Phenomenological Research, Bd. 12, 1952; F. C. Sharp, Good and Ill Wll, Chicago, 1950, S. 156-162; A. Smith, The Theory of Moral Sentiments, in L. A. Selby-Bigge, British Moralists, Bd. I Oxford, 1897, S. 257-277. >Beobachtung, >Methode, >Idealisierung, >Wissen, >Unparteilichkeit, >Umstände, >Ökonomie, >Gesellschaft, >Systeme. Für eine allgemeinere Diskussion: C. D. Broad, „Some Reflections on Moral-Sense Theories in Ethics“. Proceedings oft he Aristotelian Society, Bd. 45 (1944-45). W. K. Kneale, „Objektivität in der Moral“, Philosophie, Bd. 25 (1950)). Otteson I 18 Idealer Beobachter/Adam Smith/Otteson: (...) die Verhaltensmuster, die wir entdecken und die durch das Erreichen von gegenseitiger Sympathie der Gefühle positiv verstärkt werden, werden zu einer Reihe von realen moralischen Standards. Sie werden von Menschen geschaffen, aber sie sind nicht willkürlich oder subjektiv: Sie müssen auch die Zustimmung anderer finden und unterliegen somit einer externen, sozialen Korrektur. Und da wir ähnliche psychologische und materielle Bedürfnisse haben, die nur in der Gesellschaft mit anderen befriedigt werden können, gibt es zwangsläufig einige Gemeinsamkeiten zwischen den Kulturen, auch wenn einige Details variieren. >Kulturelle Werte, >Kulturelle Tradition, >Objektivität, >Kultur, >Relativismus. Der Standard des unparteiischen Beobachters würde dann eine gewisse Variabilität bei Angelegenheiten zulassen, die für das menschliche Überleben weniger zentral sind, und bei anderen, zentraleren Angelegenheiten starrer sein. >Moral/Adam Smith, >Gemeinschaft/Adam Smith. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Ideen | Wirtschaftstheorien | Boudreaux II 93 Ideen/Wirtschaftstheorien/Boudreaux: „Der Meinungsstand, der eine Entscheidung in politischen Fragen bestimmt, ist immer das Ergebnis einer langsamen Entwicklung, die sich über lange Zeiträume erstreckt und auf vielen verschiedenen Ebenen abläuft. Neue Ideen beginnen bei einigen wenigen und verbreiten sich allmählich, bis sie zum Besitz einer Mehrheit werden, die wenig über ihren Ursprung weiß."(1) Ideas/Marx: Karl Marx bestand darauf, dass die Ideen, die Sie, ich und andere Menschen haben, durch unsere Stellung und Funktion in der Wirtschaft geformt und angetrieben werden. Die Ideen selbst spielen keine unabhängige Rolle bei der Gestaltung der Konturen oder bei der Lenkung des Schicksals einer Wirtschaft und Gesellschaft. >Karl Marx. Ideen/Stigler: Jahrhunderts, George Stigler (1911-1991), glaubte ebenfalls, dass Ideen keine Konsequenzen haben. Nach Stiglers Auffassung strebt jedes Individuum stets danach, seinen eigenen materiellen Wohlstand zu maximieren. Regierungsbeamte dienen daher nur denjenigen Einzelpersonen und Gruppen, die das Wohlergehen der Regierungsbeamten am besten fördern. Stigler zufolge sind Gesetzgebung und öffentliche Politik niemals das Ergebnis von Ideen oder Idealen. Stattdessen sind Gesetzgebung und öffentliche Politik nur das Ergebnis des Zusammenspiels enger materieller Interessen - insbesondere der Interessen von Gruppen, denen es gelingt, sich in effektiven politischen Lobbys zu organisieren. >George Stigler. Marx war natürlich ein Mann der politischen Linken. Stigler war ein Mann der politischen Rechten. Menschliches Handeln: Doch sowohl Marx als auch Stigler zufolge werden Ideen bestimmt; Ideen bestimmen nicht. Marx und Stigler waren beide von der Idee beseelt, dass nichts so immaterielles, so subjektives, so unbeobachtbares und so nicht quantifizierbares wie bloße Ideen eine bedeutende Rolle bei der Steuerung einer Gesellschaft spielen könnte. Marx und Stigler sind nicht allein. Es gibt viele Wissenschaftler - vor allem in den Wirtschaftswissenschaften -, die jede Annahme zurückweisen, dass Ideen unabhängig die öffentliche Politik beeinflussen. Nach Ansicht dieser Gelehrten sind die einzigen Kräfte, die die Leistung von Volkswirtschaften und die Einzelheiten der öffentlichen Politik bestimmen, Berechnungen des materiellen persönlichen Gewinns und Verlusts. Boudreaux II 96 Ideen/Keynes: John Maynard Keynes stellte 1936(2) scharfsinnig fest, dass „die Ideen von Ökonomen und politischen Philosophen sowohl dann, wenn sie richtig sind, als auch dann, wenn sie falsch sind, mächtiger sind, als man gemeinhin annimmt. In der Tat wird die Welt von kaum etwas anderem beherrscht. Praktiker, die glauben, von intellektuellen Einflüssen völlig frei zu sein, sind in der Regel Sklaven irgendeines überlebenden Ökonomen.“ >J. M. Keynes. 1. Friedrich Hayek (1960). The Constitution of Liberty. In Ronald Hamowy (ed.), The Constitution of Liberty, XVII (Liberty Fund Library, 2011): 177. 2. Keynes, J. M. [1936] The General Theory of Employment, Interest and Money (London: Macmillan). |
Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Identität | Parfit | Lewis IV 57 Identität/Kontinuität/Überleben/Person/Parfit: Wenn es um das Überleben geht, können nicht beide Antworten (Kontinuität und Identität) richtig sein, daher müssen wir wählen. a) Identität: ist eine Relation mit einem bestimmten formalen Charakter: sie ist eins zu eins und kann nicht graduell sein. b) Kontinuität: (und Verbundenheit) (z.B. in Bezug auf Mentales) kann eins zu vielen oder vieles zu eins sowie graduell sein. >Kontinuität. Parfit: Deswegen ist es die Kontinuität und Verbundenheit, die bei der personalen (temporalen) Identität (Überleben) relevant ist. >Temporale Identität, >Personale Identität, >Person. c) was beim Überleben wichtig ist, ist also nicht Identität! Höchstens eine Relation die soweit mit Identität zusammenfällt, dass Problemfälle nicht auftreten. >Relationen, >Identität/Lewis, >Gegenstückrelation/Lewis, >Individuation/Lewis. LewisVsParfit: Jemand anderes könnte das Argument genauso gut in der anderen Richtung vertreten, und Identität als relevant hinstellen. Und natürlich ist die Identität das, worauf es letztlich ankommt! Daher muss man die Divergenz zwischen a) und b) beseitigt werden! Ich stimme mit Parfit überein, dass Kontinuität und Verbundenheit ausschlaggebend ist, aber sie ist eben nicht als Alternative zur Identität zu sehen. Grenzfall/Parfit: Problem: Grenzfälle müssen irgendwie willkürlich entschieden werden. Identität/Kontinuität/Überleben/Person/LewisVsParfit: Die Opposition zwischen Identität und Kontinuität ist falsch. Intuitiv geht es auf jeden Fall um Identität. Und zwar um buchstäbliche! IV 58 Def R-Relation/Identität/Kontinuität/Person/Lewis: eine bestimmte Relation und Verbundenheit unter Person Zuständen. Def I-Relation/Lewis: Frage: welche der dauerhaften Personen sind identisch mit den früheren? IV 59 I-Relation/R-Relation/Lewis: These: Die beiden sind identisch, weil sie koextensiv sind! >Koextension. IV. 61 Identität/Fusion/Spaltung/Person/Zustand/Lewis: ist eins zu eins, in dem Sinn, dass ein Ding niemals identisch mit mehreren Dingen ist. Das aber gilt nicht für die I Relation und die R Relation. Viele Ihrer anderen Zustände sind Zustände der selben Person und auf diese und auch aufeinander bezogen. Aber das meint Parfit nicht, wenn er sagt, dass R Relationen eins viele sind. Parfit: meint, dass es mehrere Zustände geben kann auf die ein Zustand bezogen ist, die aber untereinander nicht bezogen sind. (Fusion und Spaltung der Person). D.h. die R Relation wäre dann nicht transitiv. Spaltung: die vorwärtsbezogene R-Relation ist eins viele, rückwärts: viele eins, simpliciter: transitiv. IV 65 Methusalem Bsp/Person/Identität/Lewis: (Originalstelle): Verbundenheit/mentale Zustände/Parfit: These: Die Verbindung mentaler Zustände schwindet mit der Zeit. IV 67 Person/Fusion/Parfit: Bsp wenn Sie mit jemand sehr verschiedenem fusionieren ist die Frage, wer überlebt. Aber da gibt es keine bestimmte, verborgene Antwort. Vielmehr ist das, worauf es ankommt, die R-Relation nur zu einem sehr geringen Grad vorhanden. IV 73 ParfitVsLewis: man sollte unsere gemeinsamen Ansichten nicht mit dem common sense kreuzen. D.h. es geht um einen anderen Sinn von Überleben. IV 74 Lewis: Ich hatte geschrieben, worauf es ankommt, ist die Identität beim Überleben. Dann ist für den kurz lebenden C1 das Stadium S zu t0 tatsächlich Ir zu Zuständen in der fernen Zukunft wie z.B. S2, nämlich über den lang lebenden C2! ParfitVsLewis: "Aber ist das nicht die falsche Person?" Lewis: tatsächlich, wenn C1 wirklich den Wunsch hat, dass er selbst (C1) überlebt, dann ist dieser Wunsch nicht erfüllt. LewisVsParfit: aber ich glaube, er kann diesen Wunsch gar nicht haben! es gibt eine Grenze für alltagspsychologische Wünsche unter Bedingungen geteilter Zustände. Der geteilte Zustand S denkt für beide. Jeder Gedanke, den er hat, muss geteilt werden. Er kann nicht eine Sache im Namen von C1 und eine Sache im Namen von C2 denken. Wenn andererseits C1 und C2 alltagsverständlich etwas teilen sollen, dann muss es ein "pluraler" Wunsch sein, "Lass uns überleben". IV 75 Person/Überleben/Identität/LewisVsParfit: Bsp bis jetzt hatten wir angenommen, dass beide vor der Spaltung wissen, dass es zur Spaltung kommen wird. Jetzt Variante: beide wissen nicht von der kommenden Spaltung. Frage: können wie dann nicht doch perfekt den Wunsch teilen: "Lass mich überleben!"?. Problem: dass C1 und C2 den Wunsch teilen beruht auf der falschen Präsupposition, dass sie eine Person sind. D.h. das "mich" ist eine falsche Kennzeichnung. Es kann sich nicht auf C1 in C1' Gedanken und nicht auf C2 in dessen Gedanken beziehen. Denn diese Gedanken sind ein und derselbe. Vs: aber ihr Wunsch zu überleben ist erfüllt! Zumindest der von C2 und der von C1 ist ja nicht unterschieden. Dann kann ihr Wunsch nicht nur in dem unerfüllbaren singulären Wunsch bestehen. Sie müssen beide auch den schwachen pluralen Wunsch haben, auch wenn sie die Spaltung nicht vorher wissen. |
Parf I D. Parfit Reasons and Persons Oxford 1986 Parf II Derekt Parfit On what matters Oxford 2011 Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Imitation | Holmes | Krastev I 8 Imitation/Krastev/Holmes: (...) Wir sollten die Imitation von Mitteln von der Imitation von Zielen trennen. Die Entlehnung technischer Mittel beeinträchtigt die Identität nicht, zumindest nicht kurzfristig, während die Imitation moralischer Ziele tiefer geht und einen viel radikaleren Transformationsprozess in Gang setzen kann, der einer "Bekehrungserfahrung" nahe kommt. Beim Wiederaufbau ihrer Gesellschaften nach 1989 waren die Mitteleuropäer bestrebt, die Lebensstile und moralischen Einstellungen zu replizieren, die sie im Westen beobachteten. Die Chinesen hingegen haben einen Weg eingeschlagen, der dem von >Veblen nicht unähnlich ist, indem sie westliche Technologien übernehmen, um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben und das Ansehen der Kommunistischen Partei zu stärken, mit dem ausdrücklichen Ziel, dem Sirenengesang des Westens zu widerstehen. Die Imitation moralischer Ideale lässt einen im Gegensatz zur Entlehnung von Technologien dem ähneln, den man bewundern. Es lässt einen aber gleichzeitig weniger wie sich selbst aussehen in einer Zeit, in der Einzigartigkeit und das Festhalten an einer Gruppe im Mittelpunkt des Kampfes um Würde und Anerkennung stehen. Krastev I 10 Ein wichtiger Grund, warum kosmetisch imitierendes Verhalten im politischen Leben so verbreitet ist, liegt darin, dass es den Schwachen hilft, stärker zu erscheinen, als sie sind - dies ist eine nützliche Form der Imitation, um in feindseliger Umgebung zu überleben. Es lässt die Nachahmer auch für diejenigen lesbar erscheinen, die ihnen sonst helfen, sie verletzen oder an den Rand drängen könnten. In der Welt nach dem Kalten Krieg ermöglichen "Englisch lernen, Kopien der föderalistischen Papiere auslegen, Armani-Anzüge tragen, Wahlen abhalten" - und, um an Jowitts Lieblingsbeispiel zu erinnern, "Golf spielen"(1) - den nicht-westlichen Eliten nicht nur, ihre mächtigen westlichen Gesprächspartner zu beruhigen, sondern auch wirtschaftliche, politische und militärische Ansprüche an sie zu stellen. Krastev I 11 Russland: In Moskau war die Situation natürlich anders. Dort wurde der Kommunismus nie als Fremdherrschaft erlebt, und so konnte die Imitation des Westens nicht plausibel als Wiederherstellung der authentischen nationalen Identität des Landes dargestellt werden. Krastev I 25 Da die mitteleuropäischen Eliten in der Imitation des Westens einen weit zurückgelegten Weg zur "Normalität" sahen (>Revolution/Michnik, >Revolution/Krastev, >Kommunismus/Havel), war ihre Akzeptanz des Imperativs zur Imitation des Kalten Krieges nach dem Kalten Krieg völlig spontan, freiwillig und aufrichtig. >Normalität/Krastev. Krastev I 73 Imitation/Postkommunistische Länder/Krastev: Da Nachahmernationen gesetzlich autorisierte Plagiatoren sind, müssen sie regelmäßig den Segen und die Zustimmung derjenigen einholen, die das Urheberrecht an den politischen und wirtschaftlichen Rezepten besitzen, die ausgeliehen und aus zweiter Hand verwendet werden. Sie müssen auch unwidersprochen das Recht der Menschen im Westen akzeptieren, ihren Erfolg oder Misserfolg bei der Erfüllung westlicher Standards zu bewerten. Die überraschende Passivität Brüssels angesichts der ungeheuerlichen Verletzungen der richterlichen und presserechtlichen Unabhängigkeit sowohl in Polen als auch in Ungarn bedeutet, dass dies kein praktisches, sondern ein symbolisches Problem ist. 1. Ken Jowitt, ‘Communism, Democracy, and Golf’, Hoover Digest (30 January 2001). |
LawHolm I Oliver Wendell Holmes Jr. The Common Law Mineola, NY 1991 Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Imitation | Krastev | Krastev I 8 Imitation/Krastev: (...) Wir sollten die Imitation von Mitteln von der Imitation von Zielen trennen. Die Entlehnung technischer Mittel beeinträchtigt die Identität nicht, zumindest nicht kurzfristig, während die Imitation moralischer Ziele tiefer geht und einen viel radikaleren Transformationsprozess in Gang setzen kann, der einer "Bekehrungserfahrung" nahe kommt. Beim Wiederaufbau ihrer Gesellschaften nach 1989 waren die Mitteleuropäer bestrebt, die Lebensstile und moralischen Einstellungen zu replizieren, die sie im Westen beobachteten. Die Chinesen hingegen haben einen Weg eingeschlagen, der dem von >Veblen nicht unähnlich ist, indem sie westliche Technologien übernehmen, um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben und das Ansehen der Kommunistischen Partei zu stärken, mit dem ausdrücklichen Ziel, dem Sirenengesang des Westens zu widerstehen. Die Imitation moralischer Ideale lässt einen im Gegensatz zur Entlehnung von Technologien dem ähneln, den man bewundern. Es lässt einen aber gleichzeitig weniger wie sich selbst aussehen in einer Zeit, in der Einzigartigkeit und das Festhalten an einer Gruppe im Mittelpunkt des Kampfes um Würde und Anerkennung stehen. Krastev I 10 Ein wichtiger Grund, warum kosmetisch imitierendes Verhalten im politischen Leben so verbreitet ist, liegt darin, dass es den Schwachen hilft, stärker zu erscheinen, als sie sind - dies ist eine nützliche Form der Imitation, um in feindseliger Umgebung zu überleben. Es lässt die Nachahmer auch für diejenigen lesbar erscheinen, die ihnen sonst helfen, sie verletzen oder an den Rand drängen könnten. In der Welt nach dem Kalten Krieg ermöglichen "Englisch lernen, Kopien der föderalistischen Papiere auslegen, Armani-Anzüge tragen, Wahlen abhalten" - und, um an Jowitts Lieblingsbeispiel zu erinnern, "Golf spielen"(1) - den nicht-westlichen Eliten nicht nur, ihre mächtigen westlichen Gesprächspartner zu beruhigen, sondern auch wirtschaftliche, politische und militärische Ansprüche an sie zu stellen. Krastev I 11 Russland: In Moskau war die Situation natürlich anders. Dort wurde der Kommunismus nie als Fremdherrschaft erlebt, und so konnte die Imitation des Westens nicht plausibel als Wiederherstellung der authentischen nationalen Identität des Landes dargestellt werden. Krastev I 25 Da die mitteleuropäischen Eliten in der Imitation des Westens einen weit zurückgelegten Weg zur "Normalität" sahen (>Revolution/Michnik, >Revolution/Krastev, >Kommunismus/Havel), war ihre Akzeptanz des Imperativs zur Imitation des Kalten Krieges nach dem Kalten Krieg völlig spontan, freiwillig und aufrichtig. >Normalität/Krastev. Krastev I 73 Imitation/Postkommunistische Länder/Krastev: Da Nachahmernationen gesetzlich autorisierte Plagiatoren sind, müssen sie regelmäßig den Segen und die Zustimmung derjenigen einholen, die das Urheberrecht an den politischen und wirtschaftlichen Rezepten besitzen, die ausgeliehen und aus zweiter Hand verwendet werden. Sie müssen auch unwidersprochen das Recht der Menschen im Westen akzeptieren, ihren Erfolg oder Misserfolg bei der Erfüllung westlicher Standards zu bewerten. Die überraschende Passivität Brüssels angesichts der ungeheuerlichen Verletzungen der richterlichen und presserechtlichen Unabhängigkeit sowohl in Polen als auch in Ungarn bedeutet, dass dies kein praktisches, sondern ein symbolisches Problem ist. 1. Ken Jowitt, ‘Communism, Democracy, and Golf’, Hoover Digest (30 January 2001). |
Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Individualismus | Rawls | Gaus I 94 Individualismus/Rawls/SandelVsRawls/Kommunitarismus/Waldron: (...) Der Individualismus von Rawls' dünner Theorie zog Kritik von kommunitaristischen Philosophen auf sich, die die implizite Annahme zurückwiesen, dass individuelle Lebenspläne von Personen gewählt werden, die nicht durch frühere Verpflichtungen und Loyalitäten belastet sind. >Kommunitarismus. Diejenigen, die sich im Wesentlichen als Mitglieder einer bestimmten Familie oder Gemeinschaft oder bestimmter Personen betrachteten, könnten es schwierig finden, eine Gerechtigkeitstheorie zu akzeptieren, die sich auf der grundlegenden Ebene am Wohlergehen von Personen orientiert, die als von allen derartigen Bindungen befreit angesehen werden (Sandel, 1982)(1). >Gerechtigkeit/Rawls. Diversität/Inhomogenität/Gesellschaft/Rawls: "[W]ie ist es möglich", fragte Rawls, "dass es im Laufe der Zeit eine gerechte und stabile Gesellschaft freier und gleicher Bürger gibt, die durch vernünftige religiöse, philosophische und moralische Lehren tief gespalten bleibt?" (1993(2): 4). In der Einführung zum Politischen Liberalismus argumentierte er, dass dies nicht mehr erreicht werden könne, indem man jeden von den ethischen und philosophischen Prämissen überzeugt, auf denen eine umfassende liberale Theorie der Gerechtigkeit beruhen könnte. Stattdessen müsse die Rawls'sche Gerechtigkeit nun als etwas dargestellt werden, das aus verschiedenen ethischen Perspektiven Unterstützung finden könne. >Ungleichheiten. Frage: Wie viele der wesentlichen Prinzipien und Doktrinen einer Theorie der Gerechtigkeit würden diesen neuen Ansatz überleben? Rawls beschrieb (...) Vielfalt als eine soziale Tatsache - ein fester Bestandteil der modernen Gesellschaft. Das menschliche Leben ist mit einer Vielzahl von Werten verbunden, und es ist natürlich, dass sich die Menschen nicht darüber einig sind, wie diese Werte auszugleichen oder Prioritäten zu setzen sind. Gaus I 95 Allerdings wird nicht jeder Dissens als vernünftig angesehen. Problem: Waldron: Leider ist der Begriff "vernünftig", wie Rawls ihn verwendet, mehrdeutig (...). >Vernunft/Rawls, >Konflikte. 1. Sandel, Michael (1982) Liberalism and the Limits of Justice. Cambridge: Cambridge University Press. 3. Rawls, John (1993) Political Liberalism. New York: Columbia University Press. Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Individuation | Lewis | IV 58 Relation/Individuation/Lewis: Relationen werden gewöhnlich durch Koextension individuiert. I-Relation/R-Relation/Lewis: These: Die beiden Relationen sind identisch, weil sie koextensiv sind. Erklärung: Def R-Relation/Identität/Kontinuität/Person/Lewis: Eine R-Relation ist eine bestimmte Relation und Verbundenheit unter Person-Zuständen. Frage: Welche Zustände werden den Zustand überleben, in dem Sie sich diese Frage stellen? Bsp Wenn sie aus einem Duplikator herausspaziert kommen, wer werden Sie sein, der, der aus der rechten oder aus der linken Tür herauskommt, oder beide? IV 58/59 Der Alltagsverstand sagt allerdings etwas anderes: Er fragt sich, ob die dauerhafte Person, die aus den gegenwärtigen Zuständen zusammen mit vielen anderen Zuständen besteht, nach dem Kampf fortbestehen werden. Wird man mit jemand identisch sein, der nach dem Kampf lebt? So gesehen scheinen Kontinuität und Identität nicht miteinander zu versöhnen. Lösung: Wir dürfen nicht den formalen Charakter der Identität selbst mit dem formalen Charakter der Relation R vergleichen. Natürlich ist die Relation nicht dasselbe wie die Identität. Wir müssen statt dessen die I-Relation mit der R-Relation vergleichen. Def I-Relation/Lewis: Frage: Welche der dauerhaften Personen sind identisch mit den früheren? Aber genauso gibt es natürlich auch I-Relationen zwischen den einzelnen Zuständen! (s.u. I-Relationen bestehen auch zwischen mehreren Dingen (anders als Identität). These: Jeder Zustand (einer Person) ist I-relativ und R-relativ zu genau denselben Zuständen. Und zwar auch für alle möglichen Problemfälle. >Identität, >Identifikation, >Identitätsbedingungen. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Individuen | Nietzsche | Danto III 173 Individuum/Gruppe/Nietzsche/Danto: gegenüber Nietzsches Auffassung vom Individuum im Frühwerk der Geburt der Tragödie(1), wo er eine Vorstellung davon hatte, wie das Individuum durch die Musik in einer Art von Kommunion in der Gruppe aufgehen könnte, Danto III 174 findet man im Spätwerk davon kaum noch etwas. Nietzsche war inzwischen zu der Überzeugung gelangt, dass es im Leben ausreichend Solidarität, nicht aber genug Individualität gab. Individuum/Tradition/Danto: Hobbes und Locke (ursprünglich Platon im Glaukon) waren versucht, die Menschen für uranfängliche Individuen zu halten, aus denen sich dann Gesellschaften derart gebildet haben sollten, wie sich chemische Verbindungen vermeintlich aus Elementen oder Atomen und Molekülen gebildet haben sollten. >Sprache und Denken/Antike, >Sprache/Hobbes, >Gesellschaftsvertrag/Hobbes, >Sprache/Locke, >Gesellschaftsvertrag/Locke. Soziale Beziehungen wären dann bloß äußerlich, oder wie Hobbes sagt, „künstlich“. NietzscheVsLocke/NietzscheVsHobbes/NietzscheVsPlaton/Nietzsche/Danto: Nietzsche verwarf solch eine Theorie; seiner Ansicht nach besitzen das Bewusstsein und die Sprache einen sozialen Ursprung und eine soziale Funktion, Danto III 175 sodass die Einzelnen nur von denjenigen Vorstellungen ein Bewusstsein entwickeln, die jeder mit jedem gemein hat. So wie der Einzelne kaum ohne Gemeinschaft überleben könnten, kann er nur schwer eine Empfindung seiner selbst als unabhängige Einheit erlangen. >Bewusstsein/Nietzsche. 1. F. Nietzsche. Die Geburt der Tragödie, 4, KGW III. |
Nie I Friedrich Nietzsche Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009 Nie V F. Nietzsche Beyond Good and Evil 2014 Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Infant Industry | Feenstra | Feenstra I 7-43 Infant industry/Schutz/Feenstra: Unsere Diskussion über (...) Zölle (...) deutet auf einen Fall hin, in dem der Schutz der heimischen Industrie den Konkurs verhindern konnte. >Zölle, >Dumping. Ohne zu behaupten, dass dies definitiv der Fall war, wollen wir dies als ein mögliches Beispiel für den Schutz von jungen Industrien verwenden. Theoretisch wird von einem Schutz für junge Industrien gesprochen, wenn ein Zoll in einer Periode zu einem ausreichenden Anstieg der Produktion und damit zu einer Senkung der künftigen Kosten führt, so dass das Unternehmen überlebt, während es andernfalls nicht überleben würde. Dies ist eine sehr alte Idee, die auf Hamilton (1791)(1), List (1856)(2) und Mill (1909)(3) zurückgeht.* >J. St. Mill, >F. List. Eine wesentliche Annahme des Arguments der jungen Industrie ist, dass das Unternehmen in jeder Periode positive Gewinne erwirtschaften muss, um einen Konkurs zu vermeiden. Das heißt, es muss einen Grund dafür geben, dass der Kapitalmarkt es der Branche nicht erlaubt, aktuelle Verluste durch Kreditaufnahme gegen zukünftige Gewinne zu decken. Ein Modell für den Schutz junger Unternehmen wurde von Dasgupta und Stiglitz (1988)(4) entwickelt, und eine neuere Darstellung findet sich in Melitz (2002)(5). Ein historisches Beispiel für die amerikanische Stahlindustrie findet sich bei Head (1994)(6). Grenzkosten: Eine junge Industrie ist ein Beispiel für sinkende Grenzkosten, d. h. wenn die künftigen Grenzkosten eine abnehmende Funktion der aktuellen Produktion sind. Wenn die Grenzkosten jedoch rückläufig sind, kann es zusätzlichen Spielraum für „strategische“ Handelspolitiken geben. Feenstra I 7-44 Krugman (1984)(7) verwendet ein Modell sinkender Grenzkosten, um zu argumentieren, dass Importförderung wie Exportförderung wirken könnte: dass der Schutz einer Importindustrie heute sie morgen in eine Exportindustrie verwandeln könnte. Diese faszinierende Idee wird von Baldwin und Krugman (1988a)(8) für die Produktion von Speicherchips mit wahlfreiem Zugriff untersucht, (...). Vgl. >Dumping/Feenstra. 1. Hamilton, Alexander, 1791. Report on Manufactures. Reprinted in U.S. Senate Documents, vol. XXII, no. 172. Washington: Congress, 1913. 2. List, F., 1856. National System of Political Economy. Translated by G.A. Matile. Philadelphia: Lippincott. 3. Mill, John Stuart, 1909. The Principles of Political Economy. London: Longmans, Green. 4. Dasgupta, P. and Joseph Stiglitz, 1988, “Learning-by-doing, Market Structure andIndustrial and Trade Policies,” Oxford Economic Papers, 40, 246-268. 5. Melitz, Marc, 2002, “The Impact of Trade on Intra-Industry Reallocations and Aggregate Industry Productivity,” NBER working paper no. 8881. 6. Head, Keith C., 1994, “Infant Industry Protection in the Steel Rail Industry,” Journal of International Economics, 37(3/4), November, 141-166. 7. Krugman, Paul R., 1984, “Import Protection as Export Promotion: International Competition in the Presence of Oligopoly and Economics of Scale,” in Henryk Kierzkowski, ed. Monopolistic Competition and International Trade. Oxford: Oxford University Press. Reprinted as chapter 4 in Gene M. Grossman, 1992, Imperfect Competition and International Trade. Cambridge: MIT Press. 75-86. 8. Baldwin, Richard E. and Paul R. Krugman, 1988a, “Market Access and International Competition: A Simulation Study of 16K Random Access Memories,” in Robert C. Feenstra, ed. Empirical Methods for International Trade. Cambridge: MIT Press. Reprinted as chapter 10 in Gene M. Grossman, 1992, Imperfect Competition and International Trade. Cambridge: MIT Press, 177-200. |
Feenstra I Robert C. Feenstra Advanced International Trade University of California, Davis and National Bureau of Economic Research 2002 |
| Institutionen | Politik Russlands | Krastev I 91 Institutionen/Politik Russlands/Krastev: Russland hatte in den 1990er Jahren Potemkinsche Nachbildungen westlicher Institutionen, wie z.B. ein Verfassungsgericht, gebaut, weil der Vorwand, liberal-demokratische Bestrebungen zu teilen, eine Möglichkeit war, den damals herrschenden Mächten sympathisch zu erscheinen und seine Führungskräfte bei ihnen einzuschmeicheln. Tatsächlich war dies wahrscheinlich die einzige verfügbare Haltung, um in einer vom Westen dominierten Welt zu überleben. Als Putin die Macht konsolidierte, ging Russland dazu über, den Westen in einem viel kämpferischeren Stil zu imitieren. Die neue vergeltende Form der Imitation durch den Kreml sollte das überbewertete Modell des Westens diskreditieren und die westlichen Gesellschaften an der Überlegenheit ihrer eigenen Normen und Institutionen zweifeln lassen. Das Versprechen einer liberalen Hegemonie bestand darin, dass die Welt, die um die Nachahmung des Westens herum organisiert war, eine liberale Welt sein würde, die für amerikanische Interessen offen war. Putin machte sich daran, diese Erzählung radikal umzuschreiben, indem er die Imitation des Westens in ein Werkzeug verwandelte, mit dem die internationale Ordnung, um deren Schaffung Amerika nach dem Zweiten Weltkrieg so mühsam gekämpft hatte, aufgelöst werden konnte. |
Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Intelligenz | McGinn | II 52 Intelligenz/McGinn: die neuere Lehrmeinung betont drei Merkmale: Anlage, Formbarkeit, Anpassung. Wir lernen nicht, Arme, Beine und Nieren zu besitzen. Intelligenz ist stets bei oder für etwas. Die Fähigkeit, die einem Organismus gesteckten Ziele zu erreichen. >Psychologische Theorien über Intelligenz. II 57 Mensch/Evolution/Geist/McGinn: es ist eine merkwürdige Fügung, dass wir die einzige Art auf der Erde sind, die fähig ist, Wissenschaft und Philosophie zu treiben. Es hätte ohne weiteres eine andere Art mit einem gewissen Maß an wissenschaftlichem Talent geben können, etwa auf dem Niveau eines Zehnjährigen vielleicht. Oder eine Art, die in Biologie uns überlegen ist, in Physik aber unterlegen usw. Die Art von Intelligenz, die wir haben, ist absolut nicht notwendig für Lebewesen, um zu überleben. >Geist, >Gehirn, >Bewusstsein. |
McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Intensionalität | Quine | I 379 Chisholm: Intensionales Vokabular ("Bedeutung","denotieren","synonym") nicht einfach durch andere Begriffe zu eliminieren. IX 178 Intensionale Relationen/Russell: können voneinander verschieden sein, obwohl sie dieselben Dinge zueinander in Beziehung setzen - etwa Attribute von geordneten Paaren, Tripeln usw. VII (h) 150 Ontologie/Modalität/Intensionalität/Extensionalität/Quine: ein Objekt x muß um zu überleben, diese Bedingung erfüllen: wenn S ein Satz mit eines referierenden Vorkommnis eines Namens von x ist und S' durch die Ersetzung dieses Namens durch irgendeinen anderen Namen von x aus S hervorgeht, dann müssen S und S' nicht nur im Wahrheitswert übereinstimmen, VII (h) 151 sondern auch wenn "notwendig" und "möglich" als Präfixe vorkommen. Ebenso muss die Ersetzung Analytizität erhalten. Pointe: so ist die Venus als physikalischer Gegenstand durch die gleichzeitige Verwendung von Abendstern und Morgenstern ausgeschlossen. Statt dessen haben wir nun drei Objekte! Den Venus Begriff, den Abendstern Begriff, den Morgenstern Begriff. (s) Begriffe als Objekte, keine materiellen Gegenstände mehr. Quine: ebenso Zahl Begriffe (Zahlennamen) statt Zahlen, Klassen Namen statt Klassen (semantischer Aufstieg). Bsp "9 Begriff" und "Zahl der Planeten Begriff". Pointe: ein Zahlbegriff ist nicht größer oder kleiner als andere Zahlbegriffe. Siehe >Extensionalität/Quine. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Intentionalität | Dennett | Rorty VI 27 "Intentionale Haltung"/intentionaler Standpunkt/Dennett: Der intentionale Standpunkt wird durch das Erfassen eines Davidsonschen Musters ermöglicht.Das Muster dieser Rationalität ist das gleiche wie das der Wahrheit. Weder Sprache ohne Rationalität, noch eines von beiden ohne Wahrheit. >Rationalität, >Sprache und Denken, >Wahrheit/Davidson. Dennett I 282 SearleVsDennett: Dennetts Intentionalität sei nur eine "Als-ob-Intentionalität". Intentionalität/DennettVsSearle: Aber irgendwo muss man anfangen (wenn man Metaphysik vermeiden will). Der erste Schritt in die richtige Richtung ist kaum als Schritt in Richtung Bedeutung zu erkennen. Def Intentionaler Standpunkt/Dennett: Der Versuch, zu ermitteln, was die Gestalter (oder Mutter Natur) im Sinn hatten. I 317 Er erlaubt oft große Sprünge in den Schlussfolgerungen, ohne dass die Unkenntnis der zugrunde liegenden Physik dabei stört. Bsp der Mechanismus von Antikythera. Dass er ein Planetarium war erschließt sich daraus, dass er ein gutes Planetarium war! Bsp Marsmenschen fragen sich: warum gibt es im Computer soviel überflüssige Kapazität: Grund: Chips wurden so billig. Das ist zwar eine historische Erklärung, die aber auch vom intentionalen Standpunkt ausgeht. I 318 Bsp Flog der Archäopteryx? Man ist nicht sicher, fand aber, dass seine Kralle sich hervorragend zum Sitzen auf Ästen eigneten! Also: wie kam er da rauf...? II 43 Def Gestaltungsstandpunkt/Dennett: Bsp Ein Wecker ist (im Gegensatz zum Stein) ein gestaltetes Objekt und ist auch für eine raffinierte Art von Vorhersagen zugänglich. (Nach dem Gestaltungsstandpunkt). Wenn ich die und die Knöpfe drücke, wird ein paar Stunden später etwas passieren. Dafür brauche ich die physikalischen Gesetze nicht zu kennen. Intentionaler Standpunkt/Dennett: Bsp Schachcomputer: Nichts in den Gesetzen der Physik zwingt den Schachcomputer den nächsten Zug zu machen, aber auch nichts in seiner Gestaltung. >Schach. Brandom I 109 Intention/Intentionalität/Dennett: Einstellungs-Einstellung: (stance-stance): Diese behauptet, man könne nicht unterscheiden, ob etwas tatsächlich ein intentionales System ist und ob es angemessener Weise als ein solches behandelt wird. Dennett I 592ff Intentionalität/echte/abgeleitete/Dennett: Bsp Einfrieren: Ein Roboter muss selbständig handeln können - muss an Belohnung glauben, entwickelt aber Eigeninteressen. - Frage: Ist diese Intentionalität immer noch abgeleitet? - wenn ja, dann auch unsere eigene auch bloß abgeleitet - aber das ist Haarspalterei - Pointe: wir selbst sind nur solche Überlebensmaschinen für unsere Gene I 596 Intentionalität/SearleVsDennett: Keine Maschine, auch kein Getränkeautomat hat Intentionalität. Einfrieren/DennettVsSearle: irgendwann ist die Intentionalität nicht mehr abgeleitet, sondern echt! >Als-ob-Intentionalität/Searle. |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Intersubjektivität | Smith | Otteson I 17 Intersubjektivität/Adam Smith/Otteson: Gedankenbeispiel/Adam Smith: Smith bittet uns, uns eine Person vorzustellen, die völlig außerhalb der menschlichen Gesellschaft aufgewachsen wäre, ohne Kontakt zu anderen Menschen - ein einsamer Inselbewohner vielleicht (TMS(1): 110 - 11 ). Würde eine solche Person, wenn sie allein überleben könnte, irgendwelche Gefühle haben, die wir als „moralisch“ bezeichnen könnten? Intersubjektivität/Objektivität: Smiths Antwort lautet nein: Er könnte Vorlieben oder Abneigungen entwickeln (dies schmeckt gut, jenes nicht; dies tut weh, jenes nicht; und so weiter), aber eine solche Person, so Smith, würde keine Vorstellungen von Angemessenheit oder Unangemessenheit entwickeln - kein „Ich hätte das nicht tun dürfen“ oder „Ich habe ungerecht gehandelt“. Der Grund dafür ist nach Smiths Ansicht, dass er keine Erfahrungen mit dem „Spiegel“ seines eigenen Verhaltens gemacht hat, den die Gesellschaft mit anderen bietet. Er hat also nie die Rückmeldung, sowohl negativ als auch positiv, aus dem Urteil anderer erhalten, (...). >Sympathie/Adam Smith, >Urteil/Adam Smith, >Idealer Beobachter/Adam Smith, >Entwicklungsstadien/Adam Smith, >Verallgemeinerung/Adam Smith, >Verstehen/Adam Smith, >Geschmack, >Taktgefühl, >Gesellschaft, >Verhalten, >Objektivität, >Unparteilichkeit. Intersubjektivität: Wenn wir von anderen beurteilt werden und die angenehme oder unangenehme (je nachdem) Erfahrung machen, dass wir Sympathie oder Antipathie für andere empfinden, beginnen wir, unser eigenes Verhalten bewusst so auszurichten, dass wir mehr von Ersterem und weniger von Letzterem haben. Erst dann beginnen wir, die Tugend zu entwickeln und zu üben, die Smith als „nicht nur selbst eine große Tugend, sondern von der alle anderen Tugenden ihren Hauptglanz abzuleiten scheinen“ (TMS(1): 241 ) - nämlich „Selbstbeherrschung“, d. h. unser Verhalten so zu kontrollieren, dass es mit den Erwartungen und Urteilen anderer übereinstimmt. Erst dann beginnt der lange Prozess, in dem wir zu vollwertigen moralischen Akteure zu werden. Die Gesellschaft anderer ist also nicht nur deshalb notwendig, weil wir dadurch reich werden können (…) sondern in erster Linie, weil wir dadurch moralisch werden können. 1. Smith, Adam (1982) [1759]. The Theory of Moral Sentiments. D. D. Raphael and A. L. Macfie, eds. Liberty Fund. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Irrtümer | Proust | I 226 Irrtum/Evolution/Proust: Die Möglichkeit des Irrtums stellt einen äußerst wichtigen Schritt innerhalb der Evolution dar. >Evolution, >Verhalten, >Überleben. Repräsentation/Tier/Proust: Beim Seehasen können wir nicht sagen, dass er sich irrt, weil seine neuronale Ausrüstung ihm nicht erlaubt, eine Unterscheidung zwischen seinen internen Zuständen und der Repräsentation zu treffen. >Repräsentation, >Innere Zustände. Joelle Proust Das intentionale Tier in D. Perler/M. Wild (Hg) Der Geist der Tiere Frankfurt/M. 2005 |
Proust I Joelle Proust "L’animal intentionnel", in: Terrain 34, Les animaux, pensent-ils?, Paris: Ministère de la Culture/Editions de la maison des Sciences de l’Homme 2000, pp. 23-36 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Kausalität | Mayer-Schönberger | I 56 Kausalität/Big Data/Mayer-Schönberger: Bei der Analyse sehr großer Datenmengen spielt die Kausalität zwischen Faktoren gar keine Rolle mehr. Es geht einzig um Korrelation. Z.B: stellte die FICO (Fair Issac Corporation) 2011 fest, dass Leute, die länger an derselben Adresse lebten, lange verheiratet waren und ein Auto besaßen, ihre Medikamente regelmäßiger nahmen. Hier wird keine kausale Beziehung zwischen dem Besitz eines Autos und dem Nehmen von Medikamenten angenommen und es besteht auch keine. >Korrelation, >Statistik. I 64 Denken/Daniel Kahneman/Mayer-Schönberger: Nach Kahneman, der zwei Arten des Denkens unterscheidet – schnelles und langsames Denken – tendiert das schnelle Denken dazu, Kausalbeziehungen anzunehmen, wo keine sind. Es ist darauf angelegt, vorhandenes Wissen und Überzeugungen zu bestätigen. Dieses Denken wird uns in früheren Zeiten geholfen haben, in einer gefährlichen Umgebung zu überleben, wo wir uns oft schnell entscheiden mussten.(1) I 66 Durch Korrelationen erfassen wir einen Eindruck von den wichtigen Variablen, die wir dann in Experimenten einsetzen können, um Kausalität zu untersuchen. I 67 Kausalität: Die Suche nach ihr wird stattfinden, nachdem die Big Data-Analyse ihre Arbeit getan hat. >Big Data/Mayer-Schönberger. 1. Daniel Kahneman, Thinking, Fast and Slow (Farrar, Straus and Giroux, 2011), pp. 74–75. |
MSchoen I Viktor Mayer-Schönberger Big Data: A Revolution That Will Transform How We Live, Work, and Think New York 2013 |
| Kollektive | Olson | Brocker I 475 Kollektive/Olson: Olsons Ausgangsfrage ist, warum es manchen Gruppen gelingt, Kollektivgüter bereitzustellen, während andere daran scheitern. Def Gruppe/Olson: eine Menge von Akteuren, die ein gemeinsames Interesse teilen. (2) Die Mitglieder können daneben eigene partikulare Interessen haben. Das Interesse einer Gruppe richtet sich auf die Herstellung eines Kollektivgutes. (1) Siehe Kollektives Handeln/Olson. Brocker I 476 1. These: Das gemeinsame Interesse an einem Gut führt nicht zwangsläufig zu gemeinsamem Handeln zur Produktion dieses Gutes Brocker I 479 2. These: Kleinen und/oder privilegierten Gruppen gelingt es einfacher als großen und/oder latenten Gruppen, Kollektivgüter bereitzustellen. Problem: es kann zur Ausbeutung von interessierteren Mitgliedern durch weniger interessierte Mitglieder kommen. Brocker I 480 Gruppen/Olson: kleine Gruppen haben den Vorteil, dass die individuellen Beiträge stärker wahrgenommen werden. Trittbrettfahren kann geahndet werden. Brocker I 485 These: In großen Gruppen braucht es selektive Anreize, damit die Produktion kollektiver Güter möglich wird. Kollektivgüter entstehen als nichtintendiertes Nebenprodukt rationalen Handelns. Bsp Lobbyarbeit kann als ein Nebenprodukt von Organisationen verstanden werden, die in der Lage sind, eine latent Gruppe durch ‘selektive Anreize’ zu mobilisieren. (2) Umgekehrt könnte eine Organisation potentiellen Mitgliedern keinen Anreiz zur Mitgliedschaft anbieten, wenn sie keinem weiteren Zweck dient als dem, das Kollektivgut bereitzustellen: »Nur eine Organisation, die auch private oder nichtkollektive Güter verkauft, oder einzelne Mitglieder mit vorteilhaften gesellschaftlichen oder freizeitgestaltenden Einrichtungen versorgt, würde über derartige positive Anreize verfügen« (3). Lösung/Olson: Wenn Organisationen über selektive Anreize verfügen, entwickeln sie eine Robustheit und Stabilität, die sie in die Lage versetzt zu überleben. 1. Mancur Olson, The Logic of Collective Action: Public Goods and the Theory of Groups, Cambridge, Mass. 1965. Dt.: Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns: Kollektivgüter und die Theorie der Gruppen, Tübingen 1998 (zuerst 1968)., S. 7 2. Ebenda S. 130f. 3. Ebenda S. 131 Johannes Marx, „Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
EconOlson I Mancur Olson The logic of collective action: Public goods and the theory of groups Cambridge 1965 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Kolonialismus | Césaire | Brocker I 313 Kolonialismus/Césaire: These: Die Kolonisation arbeite daran, den Kolonisator zu entzivilisieren, ihn im wahren Sinne des Wortes zu verrohen, ihn zu degradieren, verschüttete Instinkte, die Lüsternheit, die Gewalttätigkeit, den Rassenhass, den moralischen Relativismus in ihm wachzurufen. (…) Diese Verwilderung griff in Europa um sich und führte zum Holocaust, der kein Zivilisationsbruch war, sondern eine innere Folge der Kolonialisierung. (1) Brocker I 314 Der Kolonialismus ist für Césaire dezidiert ein europäisches Projekt. 1. Es gibt einen „Rückstoß“ kolonialer Erfahrungen auf Europa selbst. 2. Europa erscheint als hoffnungsloser Fall: eine Sackgasse, an deren Ende Hitler steht. »Ob man es will oder nicht: am Ende der Sackgasse Europa, ich meine das Europa der Adenauer, Schuman, Bidault und einiger anderer, wartet Hitler. Am Ende des Kapitalismus, der sich selbst zu überleben trachtet, wartet Hitler. Am Ende des formalen Humanismus und des philosophischen Verzichts wartet Hitler« (2). Vgl. >Postkolonialismus. 1. Aimé Césaire, Discours sur le colonialisme, Paris 1950. Dt.: Aimé Césaire, Über den Kolonialismus, Berlin 1968, S. 10f. 2.Ebenda S. 13. Andreas Eckert, „Aimé Césaire, Über den Kolonialismus (1950)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018. |
PolCésaire I Aimé Césaire Discours sur le colonialisme Paris 1950 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Konjunktur | Schumpeter | Rothbard III 854 Konjunktur/Schumpeter/Rothbard: Die Konjunkturtheorie von Joseph Schumpeter ist eine der wenigen, die versucht, eine Erklärung des Konjunkturzyklus mit einer Analyse des gesamten Wirtschaftssystems zu verbinden. Die Theorie wurde im Wesentlichen in seiner Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung vorgestellt, die 1912 veröffentlicht wurde. Diese Analyse bildete die Grundlage für die „erste Annäherung“ seiner ausführlicheren Lehre, die in dem 1939 veröffentlichten zweibändigen Werk Business cycles vorgestellt wurde.(1) Rothbard: Der letztgenannte Band war jedoch ein deutlicher Rückschritt gegenüber dem ersten, denn er versuchte, den Konjunkturzyklus zu erklären, indem er drei sich überlagernde Zyklen postulierte (von denen jeder gemäß seiner „ersten Annäherung“ erklärbar war). Periodizität: Jeder dieser Zyklen soll in etwa periodisch ablaufen. Schumpeter behauptet, es handele sich um - der dreijährige „Kitchin“-Zyklus; - der neunjährige „Juglar“-Zyklus; und - der sehr lange (50 Jahre) „Kondratieff“. Diese Zyklen werden als unabhängige Einheiten betrachtet, die sich auf verschiedene Weise kombinieren, um das gesamte zyklische Muster zu ergeben.(2) RothbardVsSchumpeter: Ein solcher „multizyklischer“ Ansatz muss als mystische Übernahme des Trugschlusses des Begriffsrealismus abgetan werden. Vgl. >Begriffsrealismus. Rothbard III 855 Wirtschaftszyklen: Rothbard: Es gibt keine Realität oder Bedeutung für die angeblich unabhängigen „Zyklen“. Der Markt ist eine interdependente Einheit, und je weiter er entwickelt ist, desto größer sind die Wechselbeziehungen zwischen den Marktelementen. Es ist daher unmöglich, dass mehrere oder zahlreiche unabhängige Zyklen als in sich geschlossene Einheiten nebeneinander bestehen. Es ist gerade das Merkmal eines Konjunkturzyklus, dass er alle Marktaktivitäten durchdringt. Zyklen/Wirtschaftstheorien: Viele Theoretiker sind von der Existenz periodischer Zyklen ausgegangen, wobei die Länge jedes aufeinanderfolgenden Zyklus einheitlich ist, sogar bis auf die genaue Anzahl der Monate. T RothbardVsWirtschaftszyklen: Das Streben nach Periodizität ist eine Schimäre, die sich nach den Gesetzen der Physik sehnt; im menschlichen Handeln gibt es keine quantitativen Konstanten. Praxeologische Gesetze können nur qualitativer Natur sein. Daher gibt es auch keine Periodizität in der Länge der Konjunkturzyklen. Es ist daher am besten, Schumpeters multizyklisches Schema ganz zu verwerfen und seine interessantere „Annäherung“ mit einem Zyklus zu betrachten (wie in seinem früheren Buch dargestellt), die er aus seiner allgemeinen wirtschaftlichen Analyse abzuleiten versucht. Kreislaufgleichgewicht: Schumpeter beginnt seine Studie mit der Wirtschaft in einem Zustand des Kreislaufgleichgewichts, d. h. mit dem Bild einer gleichmäßig rotierenden Wirtschaft. Rothbard: Das ist richtig, denn nur durch die hypothetische Untersuchung der Störungen eines imaginären Gleichgewichtszustandes können wir die kausalen Faktoren des Konjunkturzyklus gedanklich isolieren. Schumpeter beschreibt zunächst die ERE (Evenly Rotating Economy), in der alle Erwartungen erfüllt sind, alle Individuen und Wirtschaftselemente im Gleichgewicht sind, Gewinne und Verluste gleich Null sind - alles auf der Grundlage gegebener Werte und Ressourcen. >Gleichmäßig rotierende Wirtschaft/Rothbard. Veränderungen: Was, so fragt Schumpeter, kann dann Veränderungen in diesem System bewirken? Die Nachfrage: Erstens gibt es mögliche Änderungen des Geschmacks und der Nachfrage der Verbraucher. Dies wird von Schumpeter leichtfertig abgetan, da es mögliche Veränderungen in der Bevölkerung und damit im Arbeitskräfteangebot gibt; diese sind jedoch allmählich, und die Unternehmer können sich leicht an sie anpassen. Sparen/Investieren: (...) es kann zu neuem Sparen und Investieren kommen. In weiser Voraussicht sieht Schumpeter, dass Veränderungen der Spar- und Investitionsquoten keinen Konjunkturzyklus bedeuten; neues Sparen führt zu kontinuierlichem Wachstum. Plötzliche Änderungen der Sparquote, wenn sie vom Markt nicht vorhergesehen werden, können natürlich zu Verwerfungen führen, wie jede plötzliche, nicht vorhergesehene Änderung. Aber diese Effekte haben nichts Zyklisches oder Mysteriöses an sich (...). Rothbard III 856 Innovation: Schumpeter wendet sich einem vierten Element zu, das für ihn der Motor allen Wachstums und aller Konjunkturzyklen ist: der Innovation in den Produktionstechniken. >Technologie, >Erfindungen, >Fortschritt. Innovationen/RothbardVsSchumpeter:(...) Innovationen können nicht als die treibende Kraft der Wirtschaft angesehen werden, da Innovationen ihre Wirkung nur durch Sparen und Investitionen entfalten können und da es immer eine große Anzahl von Investitionen gibt, die die Techniken im Rahmen des vorhandenen Wissens verbessern könnten, die aber mangels ausreichender Ersparnisse nicht getätigt werden. Allein diese Überlegung reicht aus, um die Schumpetersche Konjunkturtheorie zu entkräften. >Innovationen/Rothbard. Cluster von Innovationen: Schließlich setzt Schumpeters Erklärung der Innovationen als Auslöser des Konjunkturzyklus notwendigerweise voraus, dass es eine wiederkehrende Häufung von Innovationen gibt, die in jeder Boom-Periode stattfindet. Warum sollte es eine solche Häufung von Innovationen geben? Warum sind Innovationen nicht mehr oder weniger kontinuierlich, wie wir es erwarten würden? Schumpeter kann diese Frage nicht zufriedenstellend beantworten. Die Tatsache, dass einige wenige Mutige mit der Innovation beginnen und ihnen Nachahmer folgen, führt nicht zu einer Anhäufung von Innovationen, denn dieser Prozess könnte auch kontinuierlich verlaufen, wenn neue Innovatoren auf den Plan treten. Schumpeter bietet zwei Erklärungen für die Abschwächung der Innovationstätigkeit gegen Ende des Booms (eine Abschwächung, die für seine Theorie wesentlich ist). Einerseits führt die Einführung neuer Produkte, die aus den neuen Investitionen resultieren, zu Schwierigkeiten für die alten Produzenten und zu einer Periode der Unsicherheit und des Bedürfnisses nach „Ruhe“. >Innovationen/Schumpeter. 1. Joseph A. Schumpeter, The Theory of Economic Development (Cambridge: Harvard University Press, 193 6), und idem, Business Cycles (New York: McGraw-Hill, 1939). Nachgedruckt von Porcupine Press, 1982. 2. Warren und Pearson sowie Dewey und Dakin betrachten den Konjunkturzyklus als eine Überlagerung unabhängiger, periodischer Zyklen aus jedem Bereich der Produktionstätigkeit. Siehe George F. Warren und Frank A. Pearson, Prices (New York: John Wiley and Sons, 193 3); E.R. Dewey und E.F. Dakin, cycles: The Science of Prediction (New York: Holt, 1949). Sobel I 23 Konjunktur/Schumpeter/Sobel/Clemens: „Der Kapitalismus ist im Wesentlichen ein Prozess des (endogenen) wirtschaftlichen Wandels ... Die Atmosphäre der industriellen Revolutionen - des „Fortschritts“ ist die einzige, in der der Kapitalismus überleben kann ... In diesem Sinne ist der stabilisierte Kapitalismus ein Widerspruch in sich.“ „Joseph A. Schumpeter (1939), Business Cycles(1): 405). „Die wiederkehrenden Perioden der Prosperität der zyklischen Bewegung sind die Form des Fortschritts in der kapitalistischen Gesellschaft.“ Joseph A. Schumpeter (1927), The Explanation of the Business Cycle(2): 30. Sobel/Clemens: Wie viele von Schumpeters Zeitgenossen zeigte er großes Interesse daran, das Wesen und die Ursachen von Konjunkturzyklen zu verstehen, d. h. die Ebbe und Flut der Wirtschaft von Expansion und Wohlstand bis hin zu Rezession und zuweilen auch Wirtschaftskrise und Depression. Schumpeters Arbeit an der Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung (TED)(3) und sein späteres zweibändiges Meisterwerk Business Cycles (BC1)(1) konzentrierten sich auf die umfassende Frage, wie und warum sich Volkswirtschaften entwickeln. Einer der vielen Beiträge von Schumpeters Arbeit auf dem Gebiet der Konjunkturzyklen war die Einführung der Innovation als kausale Erklärung. Ein subtiler Aspekt seiner Argumentation, der jedoch anerkannt werden muss, ist, dass der Konjunkturzyklus oder die Fluktuation zwischen Expansion und Kontraktion natürlich ist oder, wie Schumpeter es ausdrückte, „wie der Herzschlag“ (BC1(1): v). Sobel/Clemens: Dieser evolutionäre Ansatz zum Verständnis von Konjunkturzyklen und ihrer Rolle für den allgemeinen Aufschwung von Volkswirtschaften stellte Schumpeter in Gegensatz zu vielen seiner Zeitgenossen, die glaubten, dass Konjunkturschwankungen von der Regierung gesteuert werden könnten und sollten. Schumpeters Ansichten brachten ihn auch in Konflikt mit der breit angelegten Österreichischen Schule der Wirtschaftswissenschaften, in der ein Großteil seiner Ausbildung stattfand. >Österreichische Schule. Um Schumpeters Begriff des Konjunkturzyklus zu verstehen, müssen wir uns zunächst seine Definition von Innovation in The Explanation of the Business Cycle (EBC)(2) in Erinnerung rufen: „... in erster Linie Veränderungen in den Produktions- und Transportmethoden oder in der industriellen Organisation oder in der Produktion eines neuen Artikels oder in der Erschließung neuer Märkte oder neuer Materialquellen.“ (EBC(2): 30) Sobel/Clemens: Schumpeters Erklärung für Konjunkturzyklen, die wiederum auf seiner Analyse der Wirtschaftsgeschichte und -erfahrung beruht, beginnt mit einer bedeutenden Innovation von Unternehmern. Die anfängliche Innovation und das Potenzial für Monopolgewinne spornen zu Investitionen in Fabriken, Maschinen, Ausrüstung und vielleicht zusätzliche Forschung an. Für Schumpeter ist es jedoch entscheidend, dass sich diese Investitionen und wirtschaftlichen Aktivitäten in dem einzigen Wirtschaftszweig konzentrieren, in dem die Innovation stattfindet. (EBC(2): 30). Mit anderen Worten: In der ersten Phase der Expansion findet die Prosperität oder die wirtschaftliche Entwicklung nicht in der Breite der Wirtschaft statt, sondern in einem bestimmten Sektor. >Innovation/Schumpeter, >Wettbewerb/Schumpeter, >Investitionen/Schumpeter. Da immer mehr Ressourcen in den expandierenden Sektor umverteilt werden, beginnen die Preise für Ressourcen, einschließlich Rohstoffen, Kapital und Arbeit, zu steigen. Schumpeter beschrieb dies wie folgt: „Das schwarmartige Auftreten neuer Kombinationen erklärt leicht und notwendigerweise die grundlegenden Merkmale von Boomzeiten. Es erklärt, warum steigende Kapitalinvestitionen das allererste Symptom des kommenden Booms sind, warum Industrien, die Produktionsmittel herstellen, die ersten sind, die eine übernormale Stimulierung zeigen ... Sie erklärt das Auftreten einer neuen Kaufkraft in der Masse und damit den charakteristischen Preisanstieg während der Hochkonjunktur, der natürlich nicht allein durch einen erhöhten Bedarf oder erhöhte Kosten erklärt werden kann.“ (TED(3): 230) Wenn der Sektor mit der ursprünglichen Innovation expandiert und Ressourcen anzieht, beginnen auch die Preise außerhalb des Sektors zu steigen. Sobel I 24 Konkret beginnen Unternehmen und Unternehmer, in die zusätzlichen Sektoren zu investieren, die aufgrund der steigenden Nachfrage aus dem Sektor, in dem der Innovationsdurchbruch ursprünglich stattfand, expandieren. Dazu können beispielsweise die Anbieter von Rohstoffen und die Lieferanten von Zwischenprodukten und Dienstleistungen gehören. Da immer mehr Unternehmen, sowohl innerhalb des ursprünglich von der Innovation betroffenen Sektors als auch in anderen von der Expansion betroffenen Wirtschaftssektoren, sich um Ressourcen, einschließlich der Arbeitskräfte, und um Investitionen konkurrieren, beginnen die Preise im Allgemeinen zu steigen. In dieser Phase sinkt die Arbeitslosigkeit, während die Löhne steigen, was den allgemeinen Wohlstand in der Wirtschaft während der Expansion erklärt. >Schöpferische Zerstörung/Schumpeter. Sobel/Clemens: Zusammenfassend lässt sich sagen, dass die expansive Phase des Konjunkturzyklus bei Schumpeter mit einer anfänglichen Innovation beginnt, die Ressourcen, insbesondere Unternehmer, in den Sektor zieht, in dem die Innovation stattfindet. In dem Maße, wie Ressourcen in diesen Sektor gezogen werden und neue Unternehmen entstehen, beginnt auch die Wirtschaftstätigkeit in verwandten Sektoren zu expandieren. Letztendlich treibt der Wohlstand in diesen direkt und indirekt betroffenen Sektoren die wirtschaftliche Expansion voran, wodurch die Arbeitslosigkeit sinkt, die Löhne steigen und die Investitionen zunehmen. Wie Schumpeter es beschrieben hat: „die Freisetzung von Sekundärwellen - die Ausbreitung des Wohlstands über das gesamte Wirtschaftssystem“. (TED(3): 230) Rezession: Wie die Expansionsphase erklärt Schumpeter auch die Kontraktions- oder Rezessionsphase auf der Grundlage der ursprünglichen Innovation. Wirtschaftliche Kontraktionen und Rezessionen wurden von Schumpeter als Reaktion und Anpassung der Wirtschaft auf die Innovation gesehen. Wie der bekannte Wirtschaftswissenschaftler Alvin Hansen bei der Bewertung von Schumpeters Beitrag zu unserem Verständnis von Konjunkturzyklen formulierte, „ist die Depression ein Prozess der Anpassung an die durch den Boom eingeleiteten veränderten Bedingungen“ (Hansen, 1951(4): 129). Schrumpfung: Die Anpassung, die Schumpeters Konzept der wirtschaftlichen Kontraktion zugrunde liegt, bezieht sich auf den Wettbewerb zwischen neuen und bestehenden Unternehmen sowohl innerhalb des ursprünglich von der Innovation betroffenen Sektors als auch in den anderen von ihr betroffenen Wirtschaftssektoren. Die Unternehmen sind gezwungen, sich anzupassen, um mit neuen Produkten, neuen Verfahren, neuen Märkten und anderen Innovationen zu konkurrieren. Zu diesen Anpassungen gehören Firmen, die ihre Geschäftstätigkeit aufgeben oder von effizienteren Unternehmen übernommen werden, Entlassungen und massive Anpassungen an neue Produkt- und Dienstleistungsmärkte. Sobel I 25 Schöpferische Zerstörung: Es ist die „schöpferische Zerstörung“ der unternehmerischen Innovation, die Schumpeter als das grundlegende Merkmal des unternehmerischen Kapitalismus ansah. Insbesondere „[d]ie Auswirkung des massenhaften Auftretens neuer Unternehmen auf die alten Firmen und auf die bestehende wirtschaftliche Situation in Anbetracht der Tatsache ..., dass das Neue in der Regel nicht aus dem Alten herauswächst, sondern neben ihm erscheint und es konkurrierend verdrängt, alle Bedingungen so zu verändern, dass ein besonderer Anpassungsprozess notwendig wird.“ (TED(3): 216) Sobel/Clemens: Konkret beobachtete Schumpeter eine Reihe von Faktoren, die zusammenwirken, um den Übergang von einer Expansionsphase zu einer Kontraktionsphase zu erklären.* Erstens scheitern, wie bereits erwähnt, viele Unternehmen, da ihre Produkte und Dienstleistungen durch die neuen Produkte und Dienstleistungen der Innovation ersetzt werden. Zweitens führen die Erfolge der Boomphase zu einem Anstieg der Rohstoff- und möglicherweise auch der Arbeitspreise, was die Rentabilitätserwartungen und damit die Investitionen dämpft. Drittens sinken durch das Entstehen neuer Unternehmen und mehr Wettbewerb in dem ursprünglich von der Innovation betroffenen Sektor die Preise für die neuen Produkte und Dienstleistungen, die durch die Innovation bereitgestellt werden, was wiederum zusätzliche Investitionen dämpft. Viertens stellte Schumpeter fest, dass die Unternehmer die Möglichkeiten des Sektors „überschreiten“ und somit möglicherweise zu viel investieren könnten. Dieser letzte Punkt ist wichtig, da er oft übersehen wird, aber Schumpeter hat tatsächlich zugelassen, dass Unternehmer Fehler machen. * Eine ausführliche Erörterung von Schumpeters Konzept des Grundes für eine Rezession findet sich in Dal-Pont Legrand und Hagemann (2007)(5). 1. Schumpeter, Joseph A. (1939). Business Cycles: A Theoretical, Historical, and Statistical Analysis of the Capitalist Process, Volume 1 [BC1]. McGraw-Hill Book Company. 2. Schumpeter, Joseph A. (1927). The Explanation of the Business Cycle [EBC]. Economica 21: 286-311. Reprinted in Joseph A. Schumpeter (1951/1989), Essays on Entrepreneurs, Innovations, Business Cycles, and the Evolution of Capitalism, Richard V. Clemence, ed. (Transaction): 21-46. 3. Schumpeter, Joseph A. (1934). The Theory of Economic Development [TED]. Harvard University Press. 4. Hansen, Alvin H. (1951). Schumpeter’s Contribution to Business Cycle Theory. Review of Economics and Statistics 33, 2: 129–132. 5. Dal-Pont Legrand, Muriel, and Harald Hagemann (2007). Business Cycles in Juglar and Schumpeter. History of Economic Thought 49, 1: 1–18. |
EconSchum I Joseph A. Schumpeter Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 Sobel I Russell S. Sobel Jason Clemens The Essential Joseph Schumpeter Vancouver 2020 |
| Konsens | Waldron | Gaus I 91 Konsens/Absprache/Liberalismus/Waldron: Man kann die Idee eines sich "überschneidenden Konsenses" hervorheben - eine Vielzahl von Rechtfertigungspfaden von unterschiedlichen philosophischen Prämissen zu einem Plateau liberaler Prinzipien. (Dies ist die Ansicht von Rawls (...).) Ein anderer kann sich für einen Ansatz des "kleinsten gemeinsamen Nenners" entscheiden, bei dem rechtfertigende Prämissen betont werden, die von allen Mitgliedern einer pluralistischen Gesellschaft unabhängig von den Unterschieden in ihrer Ethik oder Weltanschauung angenommen werden können. Und die Formulierung "kann als akzeptiert vorausgesetzt werden" kann auf verschiedene Weise beschönigt werden, von der Idee allgemein zugänglicher Gründe und Argumentation bis hin zu einer ziemlich aggressiven Darstellung grundlegender menschlicher Interessen, wie die von Hobbes (1991)(1) entwickelte Überlebensstrategie. >Überlappender Konsens/Rawls, >Überlappender Konsens/Waldron. 1. Hobbes, Thomas (1991 [1651]) Leviathan, ed. Richard Tuck. Cambridge: Cambridge University Press. Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Körperschaften | Tabellini | Mokyr I 25 Körperschaften/Unternehmen/Mokyr/Tabellini: Die Entwicklung von Unternehmen von informellen freiwilligen Vereinigungen zu Unternehmensorganisationen mit spezifischen rechtlichen Merkmalen war aus mehreren Gründen wichtig. Erstens wurde durch diese Entwicklung klar, dass das Unternehmen eine eigenständige juristische Person war, die sich von ihren Mitgliedern unterschied. Damit erhielten Unternehmen einen dauerhaften Status, im Gegensatz zum vorübergehenden Status einzelner Mitglieder. Zünfte, Universitäten und andere Vereinigungen waren auf Generationen angelegt. Dies lässt sich aus den Mitgliedschaftsregeln ableiten, in denen festgelegt war, wie die Nachfolge innerhalb der Organisation zu regeln war, und die manchmal sogar Erbschaftsklauseln vorsahen. Dies lässt sich auch aus den hohen Überlebensraten von Unternehmen über mehrere Jahrhunderte hinweg bis weit ins 18. Jahrhundert hinein ableiten (De Moor 2008(1), S. 196). Zweitens wurden Unternehmen dank der Rechtsrevolution zu Inhabern spezifischer Rechte und Pflichten. Dies ermöglichte es ihnen, langfristige Verträge abzuschließen, zu klagen und verklagt zu werden, Schulden aufzunehmen, die ausschließlich von der Körperschaft und nicht von ihren Verwaltern oder Mitgliedern zu tragen waren, und eine Vielzahl von vertraglichen Vereinbarungen zu treffen, die es Unternehmensorganisationen ermöglichten, neue und wichtige wirtschaftliche Aufgaben zu erfüllen. Körperschaften waren nicht für die Verbindlichkeiten ihrer Mitglieder verantwortlich und umgekehrt. >Rechtsstaatlichkeit/Mokyr/Tabellini. 1.De Moor, Tine. 2008. “The Silent Revolution: A New Perspective on The Emergence of Commons, Guilds, and Other Forms of Corporate Collective Action in Western Europe". International Review of Social History, Vol. 53, No. S16, pp. 179-212. |
EconTabell I Guido Tabellini Torsten Persson The size and scope of government: Comparative politics with rational politicians 1999 Mokyr I Joel Mokyr Guido Tabellini Social Organizations and Political Institutions: Why China and Europe Diverged CESifo Working Paper No. 10405 Munich May 2023 |
| Lamarckismus | Lamarck | Gould I 78 ff Lamarckismus/Lamarck/Gould: Es gibt sozialwissenschaftliche Thesen aus der jüngsten Zeit, die versuchen sich in den darwinistischen Bezugsrahmen zu pressen. Wenn etwa von einer "erblichen" Belastung durch Armut, Alkohol, oder Kriminalität gesprochen wird, dann meint man gewöhnlich, dass die Sünden der Väter durch direkte Vererbung weit über die dritte Generation hinaus sich auswirken. Das entspricht eher Lamarck als Darwin. I 81 DarwinVsLamarck/Gould: Darwins Theorie der Selektion ist komplexer als der Lamarckismus, da sie statt einer Kraft zwei voneinander unabhängige Prozesse voraussetzt. >Darwinismus, >Selektion, >Evolution. Wenn die Temperaturen fallen und ein dichteres Fell zu Überleben nützlich wäre, beginnt die genetische Variation in Richtung auf eine dichtere Behaarung nicht erst mit erhöhter Frequenz. Die Selektion, also der zweite Schritt, setzt bei einer ungerichteten Variation an und verändert eine Population, indem sie den begünstigten Varianten einen größeren Fortpflanzungserfolg verschafft. Der wesentliche Unterschied zwischen dem Darwinismus und dem Lamarckismus liegt also darin, dass der Lamarckismus im Grunde eine Theorie der gerichteten Variation ist. I 83 Lamarckismus/Koestler/Gould: Der Lamarckismus lebt zumindest in weit verbreiteten Phantasien weiter. Vor allem von Koestler wird er nachdrücklich verteidigt: "The Case of the Midwife Toad" hier unternimmt er eine Ehrenrettung des österreichischen Anhängers von Lamarck, Paul Kammerer.(1) I 84 Gould: Ich glaube, der Lamarckismus bleibt aus zwei Gründen attraktiv: Bei oberflächlicher Betrachtung scheinen sie oft bestätigt: Bsp Verschiedene Meisenarten lernten ihre Schnäbel in englische Milchflaschen zu stecken und den Rahm am oberen Deckelrand zu trinken. Damit haben sie einen neuen Selektionsdruck geschaffen, indem sie ihre Umwelt verändert haben. Anders geformte Schnäbel werden jetzt durch die natürliche Selektion begünstigt, aber die neue Umwelt veranlasst die Meisen nicht, eine genetische Variation in Richtung auf günstigere Schnabelform hervorzubringen. Eben dies und nur dies wäre lamarckistisch. I 86 Lamarckismus/GouldVsLamarck: Der Lamarckismus ist unwahr gerade auf dem Gebiet, das er stets als seine spezielle Domäne okkupiert hielt, als biologische Theorie der Vererbung. Dennoch vermag er (wenn auch nur per Analogie) für die "Vererbung" in einer ganz anderen Art von "Evolution" gelten - in der der menschlichen Kultur. >Kultur, >Vererbung. 1. A. Koestler (1972). Der Krötenküsser. Wien, München: Molden. |
Lamarck I J.-B. Lamarck Zoological Philosophy New York 1963 Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Leben | Gould | I 227 ff Anfang/Leben/Gould: Bsp Ende 1977 wurden in Südafrika fossile Prokaryoten entdeckt, die etwa 3,4 Milliarden Jahre alt waren. Das ist ein wesentlich früherer Beginn des Lebens, als man bisher angenommen hatte. Def Prokaryoten: Prokaryoten sind u.a. Bakterien oder Blaualgen und bilden das Reich der Def Moneren: Moneren haben keine Organellen, keine Zellkerne, keine Mitochondrien. Kurze Zeit später wurde verkündet, dass diese Methanbakterien überhaupt nicht eng mit anderen Moneren verwandt sind. Gemeinsame Vorfahren mussten also noch viel älter sein! Die ältesten datierbaren Felsen, in Westgrönland, sind 3,8 Milliarden Jahre alt. Es ist also nur sehr wenig Zeit von der Entstehung überhaupt annehmbarer Lebensbedingungen bis zur Entstehung von Leben selbst. Vielleicht ist die Entstehung von Leben (primitivem Leben) so unvermeidlich wie das von Feldspat oder Quarz. Wenn Methanogene gesondert aufgeführt werden, sind sie ein 6. Reich. Biologen unterscheiden heute eher zwischen Eukaryoten und Prokaryoten statt zwischen Pflanzen und Tieren. Die Prokaryoten müssen wegen einer gemeinsamen RNA-Sequenz irgendwann einen gemeinsamen Vorläufer gehabt haben. I 234 Die Annahme einer gleichmäßigen Evolutionsgeschwindigkeit ist vermutlich nicht zu halten. Die frühen Methanogene können sich viel schneller entwickelt haben. I 260 Form/Leben/Lebewesen/Evolution/Physik/Gould: Stabilität entsteht dadurch, dass ein Lebewesen groß genug ist, in einen Bereich vorzudringen, in dem die Schwerkraft jene Kräfte übertrifft, die sich an der Oberfläche abspielen. Da das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen mit dem Wachstum abnimmt, ist eine zunehmende Größe der sicherste Weg in diesen Bereich. Die physikalische Umwelt der Erde enthält zahlreiche Lebensräume, die nur den Lebewesen zur Verfügung stehen, die größer sind als Einzeller. Die Vielzelligkeit ist wahrscheinlich an mehreren Stellen unabhängig voneinander entstanden. Sie weist die beiden Hauptzüge der analogen Ähnlichkeit auf: 1. Sie ist relativ einfach zu erreichen und sowohl hochgradig anpassungsfähig als auch 2. der einzig mögliche Weg zu den Vorteilen, den sie mit sich bringt. Sieht man von der Ausnahme der Straußeneier ab, können einzelne Zellen nicht sehr groß werden. I 261 Die Vielzelligkeit ist wahrscheinlich sogar innerhalb der einzelnen Reiche mehrmals entstanden. Die meisten Biologen meinen, dass sie bei Pflanzen und Pilzen durch Amalgamierung eintrat. Diese Organismen sind die Nachkommen von Protistenkolonien. (Protisten: Einzeller, siehe Terminologie/Gould). Bsp Manche Volvox Kolonien mit einer festgelegten Anzahl von Zellen sind regelmäßig angeordnet. Die Zellen können in ihrer Größe differieren und die Fortpflanzungsfunktion kann auf diejenigen von ihnen beschränkt sein, die sich an einem Pol befinden. I 264 Größere Tiere haben ein so niedriges Verhältnis von äußerer Oberfläche zu Volumen, dass sie zur Vergrößerung der ihnen zur Verfügung stehenden Oberfläche innere Organe ausbilden müssen. I 288 Verhältnis von Oberfläche zu Volumen: Das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen ist bei kleinen Lebewesen sehr hoch. Wärme wird durch das Volumen des Körpers erzeugt, und an seiner Oberfläche abgestrahlt. Daher haben warmblütige Tiere einen besonders hohen Energiebedarf. Bsp Feldmäuse müssen die ganze Zeit über fressen. Das Verhältnis war bei den großen Dinosauriern so gering, dass sie ohne Isolierschicht auskommen konnten. I 311 Form/Leben/Physik/Größe/Gould: Gould: Die Figur des Morgan in E. L. Doctorows "Ragtime" hatte unrecht, wenn er dachte, dass große Säugetiere geometrische Kopien ihrer kleineren Verwandten seien. Elefanten haben verhältnismäßig größere Gehirne und dickere Beine als Mäuse. Recht hat er insofern, als größere Tiere kleineren Verwandten in derselben Gruppe oft ähnlich sind. Galilei gab schon ein klassisches Beispiel: Bsp Die Stärke eines Beins ist eine Funktion des Querschnitts. Das Gewicht, das die Beine tragen müssen, variiert mit dessen Volumen. Damit die Körperfunktionen gleich bleiben, müssen die Tiere, wenn sie größer werden, ihre Form ändern. Dies ist die "Skalierungstheorie". Bsp Von der Krabbenspinne bis zur Tarantel reicht die Skala von Verwandten bis zum tausendfachen Körpergewicht des kleinsten Exemplars. Auch hier verläuft die Skala regelmäßig: Die Dauer des Herzschlages steigt im Vergleich zum Körpergewicht nur 4/10 mal so schnell. I 312 Kleine Tiere bewegen sich viel schneller durchs Leben als große, ihr Herz schlägt rascher, sie atmen häufiger, ihr Puls ist schneller ihr "Lebensfeuer ist schneller verbrannt": Die Stoffwechselrate nimmt bei Säugetieren nur um drei Viertel so schnell zu, wie das Körpergewicht. Kleine leben tendenziell kürzer als Große. I 313 Der homo sapiens lebt allerdings weit länger als ein vergleichbares Säugetier gleicher Größe: Siehe Neotenie/Gould. Es soll keineswegs die Bedeutung der astronomischen Zeit geleugnet werden, Tiere müssen sie messen, um zu überleben. I 315 Atemdauer und Herzschlag nehmen etwa 0,28 Mal so schnell zu wie das Körpergewicht; das Körpergewicht kann man kürzen, wonach für Säugetiere jeder Körpergröße übrigbleibt, dass sie bei etwa 4 Herzschlägen einmal atmen. Für alle Säugetiere unabhängig von der Größe gilt auch, dass sie während ihres Lebens etwa 200 Mio mal atmen, das Herz also etwa 800 Mio mal schlägt. I 318 ff Es gibt magnetotaktische Bakterien, die sich nach den Feldern ausrichten und sich entsprechend bewegen. Sie widerstehen damit dem Mechanismus der Brownschen Bewegung. Man fand heraus, dass die Magnete im Körper der Bakterien in Form von ungefähr 20 kleinen Partikeln verteilt sind. Frage: Warum gibt es diese Verteilung des Magnetismus auf Partikel, und warum sind diese Partikel etwa 500 Angström groß (1 Angström = 1 Zehnmillionstel Millimeter). Sie schließen sich im Körper der länglichen Bakterien zu einer Kette zusammen. I 320 Wären diese Partikel nun etwas kleiner (etwa ein Fünftel kleiner) dann wären sie "superparamagnetisch", d.h. bei Zimmertemperatur könnte eine magnetische Neuorientierung der Partikel bewirkt werden. Wären sie hingegen z.B. doppelt so groß, bildete sich innerhalb der Partikel ein eigener magnetischer Bereich, der in verschiedene Richtungen wiese. Was kann ein so kleines Lebewesen mit einem Magnetfeld anfangen? Der Bewegungsspielraum während der wenigen Minuten ihrer Existenz beträgt wahrscheinlich nur einige Zentimeter. Da fällt es doch nicht so sehr ins Gewicht, in welche Richtung es geht. Es kann nun für eine Bakterie entscheidend sein, sich nach unten zu bewegen. Nun ist die Schwerkraft eigentlich ohne Magnetfeld mindestens genauso gut zu spüren. Das gilt aber nur für große Lebewesen. I 322 Insekten und Vögel leben in einer Welt, die von Kräften beherrscht ist, die auf die Oberfläche einwirken. Einige können auf dem Wasser laufen oder von der Decke herunter hängen, weil die Oberflächen Spannung so stark und die Gravitation relativ schwach ist. Die Gravitation macht den Insekten kaum zu schaffen, den Bakterien überhaupt nicht. II 325 Leben/Sinn/Gould: These: Die Geschichte des Lebens weist ein paar schwache empirische Tendenzen auf, aber im Wesentlichen bewegt sie sich nirgendwohin. IV 196 Leben/Vielzeller: Leben gibt es erst seit 600 Mio Jahren. Diese Zeit wird in drei große Teile eingeteilt: Paläozoikum (Erdaltertum), Mesozoikum (Erdmittelalter) und Känozoikum (Erdneuzeit). Alle problematischen Fälle spielen sich im Paläoziokum ab. Überraschend: Es gibt ein übergeordnetes Muster: Obwohl die Anzahl der Problematica (Lebewesen, die keine Zukunft in der Evolution hatten und daher, wegen ihrer Seltenheit und Isolation schwer zuzuordnen sind) zur Neuzeit hin abnimmt, ist es erstaunlich, wie fast vollständig sie zum Ende des Paläozoikums verschwinden. In der Frühgeschichte der Vielzeller muss es also zu einem Aufblühen der Problematica gekommen sein. IV 303 Leben/Gould: Leben als Ergebnis struktureller und funktionaler Komplexität kann nicht in seine chemischen Bestandteile zerlegt werden und nicht in seiner Ganzheit durch Gesetze erklärt werden. Funktion: Bsp Die Zellmembran steuert sehr viele Prozesse in der Zelle. Wie kann man dann die Funktionen der Zelle interpretieren, indem man sie in die molekularen Bestandteile zerlegt? III 207 Leben/Entwicklung/Komplexität: Gould: Es gibt sieben Argumente. 1. Leben muss an der linken Wand beginnen (minimale Komplexität). 2. Es muss eine zeitliche Stabilität der ursprünglichen Bakteriellen Form geben. Zu den Def Prokaryonten (Organellen ohne Zellkern, ohne Chromosomen, ohne Mitochondrien und Choroplasten) gehören atemberaubend vielfältige Gruppen, die man zusammenfassend als "Bakterien" bezeichnet und die "blaugrünen Algen", die eigentlich ebenfalls Bakterien sind (Cyanobakterien genannt), bedienen sich der Photosynthese. Mehr als die Hälfte der Geschichte des Lebens ist die Geschichte der Prokaryonten. 3. Damit sich das Leben ausbreiten konnte, musste sich eine immer stärker rechtsschiefe Verteilung ausbilden. 4. Eine Gesamtverteilung durch einen Extremwert in einem Schwanz zu charakterisieren ist kurzsichtig. Über 80 % aller Arten sind Gliederfüßer, und in der Regel gelten alle Angehörigen dieses Stammes als primitiv. Außerdem bilden die Formen, die im Lauf der Zeit den rechten Schwanz besetzten, keine ununterbrochene Evolutionsfolge. Es ist eine buntscheckige Reihe, die nicht zusammenhängt. Zeitliche Folge: Bakterium, Eukaryontenzelle, Meeresalge, Qualle, Trilobit, Nautilid, Panzerfisch, Dinosaurier, Säbelzahntiger, Homo sapiens. 5. Kausalität liegt an der ((s) linken) Wand (geringste Komplexität) und in der Ausweitung der Variationsbreite. Der rechte Schwanz ist nicht Ursache, sondern Wirkung. III 212 6. Der einzige Weg, den Fortschritt wieder einzuschmuggeln ist logisch möglich, aber empirisch höchstwahrscheinlich falsch. Das erste Lebewesen steht an der linken Wand, aber das erste Säugetier, die erste Blütenpflanze oder die erste Muschel geht von der Mitte aus und die Nachkommen können sich in beide Richtungen bewegen. Aber man kann mit guten Gründen eine Bevorzugung der Richtung nach links unterstellen, denn Parasitismus ist eine sehr verbreitete Evolutionsstrategie, und Parasiten sind anatomisch in der Regel einfacher gebaut als ihre selbständigen Vorfahren (VsFortschritt!). So könnte das ganze System untergeordnete Gegenlinien enthalten. Empirisch zeigen die Funde keine Vorliebe nach rechts! 7. Selbst eine engstirnige Beschränkung auf den rechten Schwanz (>Komplexität) bringt nicht die ersehnte Schlussfolgerung, nämlich eine vorhersagbare, sinnvolle Evolution zur Vorherrschaft eines bewussten Wesens. Es muss den rechten Schwanz statistisch geben, aber was für Lebewesen dort stehen, lässt sich überhaupt nicht voraussagen. Es ist keineswegs durch die Mechanismen der Evolution bestimmt! Würde die Evolution sich wiederholen, wäre die Entwicklung zu menschenähnlichen Wesen so gut wie ausgeschlossen, wegen der extremen Unwahrscheinlichkeit. >Evolution, >Erklärung, >Darwinismus |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Lebenserwartung | Friedman | Corr II 192 Lebenserwartung/Persönlichkeit/Charakterzüge/Studie/Friedman/Kern: 1990 erhielt Friedman eine finanzielle Unterstützung vom US National Institute of Aging, um eine Archivstudie, die Terman Life Cycle Study, zur Untersuchung von Lebenserwartung und Sterblichkeit zu nutzen. II 193 Ergänzend zu den archivierten Daten sammelten Friedman und seine Kollegen Sterbeurkunden, die einen objektiven Indikator für die Lebenserwartung der Teilnehmer (oder einen Hinweis darauf, dass sie noch am Leben waren) und die Todesursache lieferten. Dann identifizierten sie anhand der archivierten Daten Variablen, die theoretisch für die Persönlichkeitstheorie relevant waren. Zu Beginn bewerteten Eltern und Lehrer die Kinder anhand von 25 verschiedenen Charakterzug-Dimensionen (z.B. "Willenskraft und Ausdauer") und verglichen ihr Kind mit anderen gleichaltrigen Kindern (...). Die Forscherinnen und Forscher überprüften, inwieweit jede Charakterzug-Bewertung theoretisch mit den Big Five-Charakterzügen übereinstimmte (...) und analysierten die Items statistisch. >Charakterzüge, >Alterung. Dann verwendeten sie zwei analytische Ansätze zur Schätzung des Sterberisikos: die Überlebensanalyse, die die Wahrscheinlichkeit, in einem bestimmten Alter zu sterben, schätzt, und die logistische Regression, die ein dichotomes Ergebnis vorhersagt (...). Ergebnisse: Bei der Kontrolle auf Alter und Geschlecht gab es zwei signifikante Prädiktoren der Persönlichkeit bei Kindern: Gewissenhaftigkeit und Fröhlichkeit. Über sieben Jahrzehnte hinweg hatte eine Person, die im höchsten Quartil für Gewissenhaftigkeit bewertet wurde, ein signifikant niedrigeres Risiko, in jedem Alter zu sterben, als eine Person, die im niedrigsten Quartil bewertet wurde. Im Gegensatz dazu sagte Fröhlichkeit ein höheres Sterberisiko voraus. Interessanterweise ging eine hohe Gewissenhaftigkeit zwar geschlechtsübergreifend mit einer hohen Lebenserwartung einher, aber die Auswirkungen waren bei Männern stärker. Darüber hinaus zeigte eine emotionale Stabilität einige Anzeichen einer lebensverlängernden Wirkung für Männer (...). >Geschlechtsunterschiede. II 196 Gewissenhafte Personen verhalten sich eher gesund (z. B. gesunde Ernährung, mäßige Bewegung, Nichtrauchen, kein oder mäßiger Alkoholkonsum, proaktive Gesundheitsfürsorge) als Personen mit geringer Gewissenhaftigkeit (Bogg & Roberts, 2004(1); Lodi-Smith et al., 2010)(2). Im Gegensatz dazu erhöht Neurotizismus das Risiko zum Raucher zu werden und anderer schlechter Gewohnheiten (Mroczek, Spiro, & Turiano, 2009(3); Shipley, Weiss, Der, Taylor, & Deary, 2007(4)). [Man muss jedoch immer noch in Betracht ziehen, dass] Verknüpfungen von Persönlichkeit und Verhalten widersprüchlich sein können. Andere Faktoren: (...) Studien haben gezeigt, wie wichtig positive soziale Beziehungen für die Gesundheit sind (Tay, Tan, Diener, & Gonzalez, 2012; Taylor, 2011)(5), und die Persönlichkeit scheint zu beeinflussen, wie man sozial mit anderen interagiert. (...) Feindseligkeit und Aggression stehen in Zusammenhang mit einem höheren Risiko für Herzkrankheiten (Booth-Kewley & Friedman, 1987)(6), und Neurotizismus erhöht das Risiko für Einsamkeit, was wiederum das Risiko für psychische und physische Gesundheitsprobleme erhöht (Cacioppo, Hawkley, & Berntson, 2003)(7). (...) Die Persönlichkeit beeinflusst [auch] Situationen, die eine Person auswählt oder zu denen sie sich hingezogen fühlt (Friedman, 2000)(8), [sowie] Erfahrungen und Wahrnehmungen von Stress. II 197 Im Zusammenhang damit kann die Persönlichkeit verschiedene physiologische Mechanismen beeinflussen, darunter Blutdruck, Herz- und Gehirnfunktion, Neurotransmitter wie Serotonin und Cortisol sowie Immunreaktionen. II 200 VsFriedman: Die in der Studie verwendete Terman-Stichprobe ist ziemlich einzigartig, jedoch ist bei der Verallgemeinerung der Ergebnisse auf andere Populationen Vorsicht geboten. Die Teilnehmer waren hochintelligent - sie umfassten die obersten 2,5% der Bevölkerung. Die meisten waren kaukasisch und stammten aus der Mittel- und Oberschicht. II 201 Die Messungen selbst sind alles andere als ideal. Die Items und Konstrukte spiegeln eher die Interessen der damaligen Forscher wider als die Konstrukte, die wir vielleicht untersuchen wollen. (...) Während diese Studie ergab, dass Fröhlichkeit ein erhöhtes Sterblichkeitsrisiko vorhersagt, stellen andere Studien fest, dass Fröhlichkeit, Optimismus, Humor, positive Affektivität und verwandte Eigenschaften bessere Gesundheitsergebnisse, einschließlich Langlebigkeit, vorhersagen (Howell, Kern, & Lyubomirsky, 2007(9); Pressman & Cohen, 2005)(10). II 202 [Die Studie von Friedman et al. (1993)(11)] verfolgt einen merkmalsbasierten Ansatz; Merkmalen gelingt es jedoch nicht, die dynamische und kontextualisierte Natur individueller Verhaltensweisen, Gedanken, Gefühle und Motivationen zu erfassen (McAdams & Olson, 2010(12); Mischel, 2004)(13). 1. Bogg T., & Roberts, B. W. (2004). Conscientiousness and health-related behaviors: A meta-analysis of the leading behavioral contributors to mortality. Psychological Bulletin, 130, 887-919. 2. Lodi-Smith, J., Jackson, J., Bogg, T., Walton, K., Wood, D., Harms, P., & Roberts, B. W. (2010). Mechanisms of health: Education and health-related behaviours partially mediate the relationship between conscientiousness and self-reported physical health. Psychology and Health, 25, 305–319. 3. Mroczek, D. K., Spiro, A., & Turiano, N. A. (2009). Do health behaviors explain the effect of neuroticism on mortality? Longitudinal findings from the VA Normative Aging Study. Journal of Research in Personality, 43, 653–659. 4. Shipley, B. A., Weiss, A., Der, G., Taylor, M. D., & Deary, I. J. (2007). Neuroticism, extraversion, and mortality in the UK Health and Lifestyle Survey: A 21-year prospective cohort study. Psychosomatic Medicine, 69, 923–931. 5. Tay, L., Tan, K., Diener, E., & Gonzalez, E. (2012). Social relations, health behaviors, and health outcomes: A survey and synthesis. Applied Psychology: Health and Well-being, 5, 28–78. 6. Booth-Kewley, S., & Friedman, H. S. (1987). Psychological predictors of heart disease: A quantitative review. Psychological Bulletin, 101, 343–362. 7. Cacioppo, J. T., Hawkley, L. C., & Berntson, G. G. (2003). The anatomy of loneliness. Current Directions in Psychological Science, 12, 71–74. 8. Friedman, H. S. (2000). Long-term relations of personality, health: Dynamisms, mechanisms, and tropisms. Journal of Personality, 68, 1089–1107. 9. Howell, R., Kern, M. L., & Lyubomirsky, S. (2007). Health benefits: Meta-analytically determining the impact of well-being on objective health outcomes. Health Psychology Review, 1, 83–136. 10. Pressman, S. D., & Cohen, S. (2005). Does positive affect influence health? Psychological Bulletin, 131, 925–971. 11. Friedman, H. S., Tucker, J., Tomlinson-Keasey, C., Schwartz, J. Wingard, D., & Criqui, M. H. (1993). Does childhood personality predict longevity? Journal of Personality and Social Psychology, 65, 176–185. 12. McAdams, D. P., & Olson, B. D. (2010). Personality development: Continuity and change over the life course. Annual Review of Psychology, 61, 517–542. 13. Mischel, W. (2004). Toward an integrative science of the person. Annual Review of Psychology, 55, 1–22. Kern, Margaret L.: “Personality, Health and Death Revisiting Friedman et al. (1993)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 191-208. |
Econ Fried I Milton Friedman The role of monetary policy 1968 Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Macht | Nietzsche | Ries II 65 Wille zur Macht/Nietzsche: Wille zur Macht bezeichnet die Art, in der alles Wirkliche »ist«, als dynamisch geeinte Vielheit. Allerdings: NietzscheVsSchopenhauer: Damit wird kein identischer Urgrund ontologisch hypostasiert. Wille zur Macht/Selbstüberwindung/Nietzsche: aus dem »ich will« des »Löwen« zum »heiligen Ja-Sagen« des »ich bin« des »Kindes«. >Begründung/Schopenhauer, Pfotenhauer IV 9 Macht/Nietzsche: der Wille zur Macht besiege den Willen zur Erhaltung. >Wille/Nietzsche. Danto III 258 Macht/Wille zur Macht/Nietzsche/Danto: Der Ausdruck ‚Wille zur Macht‘ erscheint in Nietzsches Werk unvermittelt, ohne dass groß erklärt würde, was er damit meint oder welche Wichtigkeit diesem Ausdruck für sein Denken zukommt. Zusammen mit der Lehre von der ewigen Wiederkunft, Danto III 259 vom Übermenschen und Amor fati sollte der Wille zur Macht eine Bejahung darstellen. Er ist nicht etwa eine Eigenschaft der Starken, sondern eignet allen Menschen, Starken und Schwachen. Er ist ein Gattungsmerkmal aller Lebewesen und kein Trieb neben anderen, Die Triebe ihrerseits sind nur Modi des Willens zur Macht. >Wiederkehr/Nietzsche, >Übermensch/Nietzsche. Liebe/Nietzsche/Danto: Eine von Nietzsches einzigartigen Einsichten lautet, dass der Sex nicht in erster Linie um des Vergnügens oder der Fortpflanzung, sondern um der Macht willen praktiziert wird: zu lieben heißt sich in einen Machtkampf zu verstricken; der Sex ist ein Mittel zur Beherrschung und Unterjochung. Der Wille zur Macht scheint sich als Fundamentaltrieb zu den einzelnen Trieben wie die Substanz zum Akzidens zu verhalten. >Psychologie/Nietzsche. Substanz/Wille zur Macht/Nietzsche/Danto: Die ganze Welt ist Wille zur Macht; es gibt nichts Grundlegenderes, weil es nichts anderes als ihn und seine Abwandlungen gibt. Dann ist der Wille ein metaphysischer, oder besser: ein ontologischer Begriff, denn ‚Wille zur Macht‘ ist Nietzsches Antwort auf die Frage: ‚Was gibt es?‘. >Ontologie. Danto III 269 Überleben/Nietzsche: Ob man sich selbst erhält oder nicht, hat nach Nietzsche nichts mit der blinden Ausübung des Willens zur Macht zu tun, der ja jedes Ding in jedem Augenblick kennzeichnet. Etwas überlebt, insofern es siegreich aus dem Kampf der Willen hervorgeht; es kämpft jedoch nicht, um zu überleben – wenn schon, wäre es genau umgekehrt: „Vor allem will etwas Lebendiges seine Kraft auslassen – Leben selbst ist Wille zur Macht: die Selbsterhaltung ist nur eine der indirekten und häufigsten Folgen davon.(1) >Leben/Nietzsche. 1. F. Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, KGW VI. 2, S. 21. |
Nie I Friedrich Nietzsche Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009 Nie V F. Nietzsche Beyond Good and Evil 2014 Ries II Wiebrecht Ries Nietzsche zur Einführung Hamburg 1990 Pfot I Helmut Pfotenhauer Die Kunst als Physiologie. Nietzsches ästhetische Theorie und literarische Produktion. Stuttgart 1985 Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Mentalesisch | Schiffer | I 73 Sprache des Geistes/Mentalesisch/Schiffer: Bedeutung in Mentalesisch bestimmt Bedeutung in öffentlicher Sprache, nicht umgekehrt - (über den Inhalt von Gedanken). Fodor: Intentionale Eigenschaften mentaler Zustände als ererbt aus den semantischen Eigenschaften der mentalen Repräsentationen sehen, die in ihrem Tokening impliziert sind . Neuronaler Zustand: existiert auch, wenn er falsch ist. Ein neuronaler Zustand ist in Gegenstand, da mit Wahrheitswerten versehen.. Schiffer: noch kein System, noch nicht sprachähnlich. Harman: These: innere Repräsentationen haben satzähnliche Struktur. >Mentale Repräsentation. Lewis: Sprache des Gehirns von synaptischen Verbindungen und neuronalem Feuern. "Starke These der Gededankesprache"/Strong thesis of the language of thaught/SLT.. Andere Theorie: semantische Eigenschaften werden aus intentionalen Eigenschaften ererbt. - (VsSLT) - SLTVs: kurz/(s): mentale Repräsentation bestimmt Intentionalität - diese erklärbar ohne öffentlichen Inhalte. SchifferVs: Das ist gar nicht erfüllbar. I 76 Mentalesisch/Relationstheorie/Schiffer: welche Relation von Sätzen in Mentalesisch zu Sätzen in Englisch? >Relationstheorie. Problem: mentalesischer Satz "s" darf nicht durch Bedeutung in Englisch spezifiziert werden (zirkulär) - außerdem Vs Kernthese der SLT (semantische Eigenschaften der öffentlichen Sprache sind ererbt von intentionalen Eigenschaften der mentalen Zustände). >Mentale Zustände. I 282 Mentalesisch/Schiffer: Bedeutung hier nicht Frage von Konvention und Intention - anders als öffentliche Sprache. >Konvention, >Intention, >Alltagssprache. Lösung/manche Autoren: begriffliche Rolle in Mentalesisch. Öffentliche Sprache: Hier haben Sätze eine begriffliche Rolle nur, wenn sie auch gedacht, nicht nur gesprochen werden. Problem: Wir brauchen eine nicht-semantische Relation zwischen mentalen Repräsentationen und öffentlichen Sätzen. - Zum Glück muss der innere Code dabei nicht erwähnt werden. - Bsp "Zustand mit demselben Inhalt". Problem: Der Sprecher könnte Satz nur unter Zusatzannahmen glauben. - Diese nur mit Referenz auf Inhalt. - Das geht nicht in der Starken These der language of thaught. Fazit: Ein neuronaler Satz kann nicht ohne Referenz auf den Inhalt als Glaubensobjekt angenommen werden. >Glaubensobjekte, >Inhalt. I 78 Mentalesisch/Schiffer: Relationstheorie verlangt komplexe Eigenschaft, F die alles hat, was bedeutet z.B. "Flundern schnarchen". Problem: Die Theorie darf nichts über die intentionalen Eigenschaften mentaler Zustand oder Bedeutung in öffentlichen Sprachen voraussetzen. I 79 Mentalesisch/Relationstheorie/Glauben/Fodor/Schiffer: für die Zuschreibung von Wahrheitswerten von Situationen auf Sätze. - Dazu werden Eigenschaften am Ende der Kausalkette gebraucht. >Relationstheorie. Problem: Quantifikation über Eigenschaften als semantische Werte geht letztlich über Propositionen. >Proposition, >Quantifikation. Lösung: SLT kann Propositionen zusammen mit begrifflichen Rollen zur Individuation von Inhalten gebrauchen. Wahrheitsbedingungen durch M-Funktion auf mögliche Situationen. - Zusätzlich physikalistische Bedingung C. Problem: Der Ansatz braucht eine Theorie der Repräsentationen - (darin sind mentale Repräsentationen nur Spezialfall). Wahrheitsbedingungen: Formel: a ist die Wahrheitsbedingung für s in x’ innerem Code gdw. unter optimalen Bedingungen x s glaubt, wenn und nur wenn a besteht. Damit können wir ein Muster von neuronalem Feuern mit der Anzeige einer Fliege für einen Frosch zu identifizieren. Problem: Das geht nur unter optimalen Bedingungen! SchifferVsFodor: Dann ist jeder allwissend und unfehlbar. I 87 Mentalesisch/Prinzip der Nachsicht/Schiffer: das Prinzip der Nachsicht gibt es nicht für Mentalesisch - dieses müsste in Begriffen von Propositionen erklärt werden. I 83-90 Relationstheorie/Mentalesisch/Schiffer: Problem: konkurrierende Zuschreibungsfunktionen für Wahrheitsbedingungen ("M-Funktionen"). Falsche Lösung: "größerer Überlebenswert" schließt falsche Zuschreibungsfunktionen nicht aus - Bsp Gewicht/Masse. I 189 Starke These der language of thaught/SLT/Mentalesisch/Schiffer: These: 1. Das Gehirn ist ein Computer, wir sind informations-verarbeitende Systeme mit einem inneren neuronalen Code. Schiffer: dem kann ich zustimmen. 2. Es gibt eine computationale Relation R für jeden Glauben, den man haben kann, sodass man diesen Glauben hat gdw. man R zu dieser Formel hat. Schiffer: Das geht, aber nur mit substitutionaler Quantifikation. - Bsp "Nodnol si yggof": Mentalesisch für London ist neblig - dann bedeutet der Satz das, aber nicht kompositional. Pointe: Dann ist der Glaubens-Inhalt nicht reduzierbar. (SchifferVsReduktionismus.) ((s) Mentaler Inhalt ist irreduzibel (Schiffer pro Brentano)). Bsp Wissen-wie kann nicht in anderen Begriffen analysiert werden - es gibt keine Tatsache die macht, dass etwas dieser Glaube ist. - ...+ + >Wissen wie, >Nonfaktualismus. |
Schi I St. Schiffer Remnants of Meaning Cambridge 1987 |
| Methode | Boyd | Fraassen I 77 Realismus/Wissenschaft/Methodologie/Methode/Boyd: Nur der Realismus kann die wissenschaftliche Aktivität des Versuchsaufbaus (Methode, Experiment) erklären. Das wird für die Legitimierung von intertheoretischen Überlegungen gebraucht. Und zwar zur Erklärung der Rolle, die akzeptierte Theorien im Versuchsaufbau spielen. >Theorien, >Realismus. >Erklärung. I 78 BoydVsFraassen/BoydVsAnti-Realismus: 1. Prinzip: (laut Boyd anti-realistisch) Wenn zwei Theorien genau dieselben deduktiven Beobachtungs-Konsequenzen haben, dann ist jeder experimentelle Beleg für oder gegen die eine Theorie gleichzeitig einer für oder gegen die andere. >Belege, >Beweise, >Beobachtungskonsequenzen. BoydVs: Das ist schlichtweg falsch so wie es dasteht, und es lässt sich auch nicht verbessern. Empirische Äquivalenz/FraassenVsBoyd: Ich habe eine ganz andere Definition von empirischer Äquivalenz als er. >Empirische Äquivalenz. 2. Prinzip: (laut Boyd von allen Philosophen akzeptiert): Angenommen, ein wissenschaftliches Prinzip trägt zur Verlässlichkeit einer Methode im folgenden minimalen Sinn bei: seine Anwendung trägt zur likelihood bei, dass die Beobachtungs-Konsequenzen akzeptierter Theorien wahr sein werden. Dann ist es die Aufgabe der Erkenntnistheorie (Epistemologie), die Verlässlichkeit dieses Prinzips zu erklären. >Verlässlichkeit, >Likelihood, >Erkenntnistheorie, >Prinzipien. Fraassen: Ich glaube auch, dass wir dem zustimmen sollten. Es ist selbst ein Prinzip über Prinzipien. Boyd/Fraassen: Boyd hat ein spezielles Beispiel im Sinn: (P) Eine Theorie muss unter Bedingungen getestet werden, die repräsentativ sind für die Bedingungen, in denen sie im Licht von Begleitinformation sie höchstwahrscheinlich fehlschlagen wird, wenn sie überhaupt fehlschlagen kann. Fraassen: Das ist harmlos so wie es dasteht. I 79 Problem: „Begleitinformation“: ich nehme an, dass er „Wissen“ hier „leicht“ auffasst, d.h. als Wissen über zugrundliegende kausale Mechanismen, die von vorher akzeptierten Theorien zugrunde gelegt werden. >Wissen, >Vorwissen, >Kausalrelationen, >Kausalität. Boyd: Bsp Angenommen, M: chemischer Mechanismus A: Antibiotikum C: Bakterienart L: Theorie, die zusammen mit Begleitinformation annimmt, dass die Population der Bakterien sich als Funktion ihrer Anfangspopulation, der Dosierung von A und der Zeit entwickelt. Experiment: Frage: Was muss man bei der Konstruktion des Experiments berücksichtigen: 1. Bsp eine Substanz, ähnlich wie A ist bekannt, diese aber löst nicht die Zellwände auf, sondern interagiert mit ein entstandenen Zellwänden nach der Mitose. Dann müssen wir die Implikation der zu testenden Theorie L prüfen, die nicht in dieser alternativen Weise funktioniert. Dann sollte die Probe in einer so kurzen Zeit betrachtet werden, dass die typische Zelle sich noch nicht geteilt hat, die aber lang genug ist, dass ein großer Teil der Population durch A vernichtet ist (wenn es solche ein Intervall gibt). 2. Bsp Man weiß, dass die fraglichen Bakterien zu einer Mutation neigen, die die Zellwände mutieren lässt. Das führt zu der Möglichkeit, dass Theorie L fehlschlägt, wenn die Zeit lang genug ist und die Dosierung von A gering genug, um selektives Überleben resistenter Zellen zu ermöglichen. Daher ist hier dann ein anderes Experiment erforderlich. Auf diese Weise führen akzeptierte Theorien zu einer Modifikation von Experimenten. Wissen/Fraassen: Wissen müssen wir hier verstehen als "von einer früher akzeptierten Theorie impliziert". |
Boyd I Richard Boyd The Philosophy of Science Cambridge 1991 Boyd W I Walter Boyd Letter to the Right Honourable William Pitt on the Influence of the Stoppage of Issues in Specie at the Bank of England on the Prices of Provisions and other Commodities London 1801 Fr I B. van Fraassen The Scientific Image Oxford 1980 |
| Moral | Smith | Otteson I 16 Moral/Adam Smith/Otteson: Moral ist bei Smith (...) eine irdische, geerdete Angelegenheit. Obwohl Smith in TMS(1) häufig auf Gott und den „Autor der Natur“ Bezug nimmt, entwickelt sich der eigentliche Prozess, den Smith beschreibt, als Ergebnis unserer gelebten Erfahrungen, indem wir versuchen, gegenseitige Sympathie der Gefühle zu erreichen und Antipathie der Gefühle zu vermeiden, mit den anderen Menschen, denen wir tatsächlich begegnen. >Sympathie/Adam Smith, >Gott. Sympathie: Der grundlegende Baustein von Smiths moralischer Anthropologie ist der Wunsch nach gegenseitiger Sympathie der Gefühle, die, weil Smith glaubt, dass alle Menschen sie haben, wie eine zentripetale soziale Kraft wirkt und uns in die Gemeinschaft mit anderen zieht. Auch wenn es andere Bedürfnisse und Wünsche gibt, die nur durch die Interaktion mit anderen Menschen befriedigt werden können - wie zum Beispiel Waren und Dienstleistungen, die auf wirtschaftlichen Märkten produziert und ausgetauscht werden -, so ist doch der Wunsch nach gegenseitiger Sympathie und das Vergnügen, das er bereitet, wenn er erfüllt wird, für Smith der Kitt, der die menschliche Gesellschaft zusammenhält. >Gesellschaft, >Wirtschaft, >Tausch, >Wünsche. Otteson I 17 Gedankenbeispiel/Adam Smith: Smith fordert uns auf, uns eine Person vorzustellen, die völlig außerhalb der menschlichen Gesellschaft aufgewachsen ist, ohne Kontakt zu anderen Menschen - ein einsamer Inselbewohner vielleicht (TMS(1): 110 - 11 ). Würde eine solche Person, wenn sie allein überleben könnte, irgendwelche Gefühle haben, die wir als „moralisch“ bezeichnen könnten? Intersubjektivität/Objektivität: Smiths Antwort lautet nein: Er könnte Vorlieben oder Abneigungen entwickeln (dies schmeckt gut, jenes nicht; dies tut weh, jenes nicht; und so weiter), aber eine solche Person, so Smith, würde keine Vorstellungen von Angemessenheit oder Unangemessenheit entwickeln - kein „Ich hätte das nicht tun dürfen“ oder „Ich habe ungerecht gehandelt“. Der Grund dafür ist nach Smiths Ansicht, dass er keine Erfahrungen mit dem „Spiegel“ seines eigenen Verhaltens gemacht hat, den die Gesellschaft mit anderen bietet. Er hat also nie die Rückmeldung, sowohl negativ als auch positiv, aus dem Urteil anderer erhalten, (...). (...) so wie die unverdiente Missbilligung unangenehm ist, so ist es auch die unverdiente Zustimmung: ein „unwissendes und unbegründetes Lob kann keine solide Freude bereiten“ (TMS(1): 115). Warum? Weil wir wissen, dass ein richtig informierter unparteiischer Zuschauer uns nicht loben würde. Wenn wir uns vorstellen, wie ein solcher unparteiischer Zuschauer über uns urteilen würde, und wir erkennen, dass er uns nicht so sehr loben würde, wie es die tatsächlichen Zuschauer tun würden, erkennen wir, dass es uns nicht gelingt, gegenseitige Sympathie mit dem unparteiischen Zuschauer zu erreichen. >Idealer Beobachter/Smith. Der Wunsch nach gegenseitiger Sympathie der Gefühle, der nach Smiths Ansicht einen Großteil unserer moralischen Persönlichkeiten ausmacht, funktioniert also auch hier: Er verleiht uns „nicht nur den Wunsch, gutgeheißen zu werden, sondern auch den Wunsch, das zu sein, was gutgeheißen werden sollte, oder das zu sein, was [wir selbst] in anderen Menschen gutheißen“ (TMS(1): 117). >Anerkennung. Warum ist das wichtig? Smith versucht, zwei Behauptungen über die menschliche Moral in Einklang zu bringen, die die ansonsten schlecht zueinander zu passen scheinen. 1) Erstens haben ihn seine Beobachtungen zu der Überzeugung geführt, dass sich die moralischen Gefühle eines Menschen im Laufe der Zeit als eine Wechselwirkung zwischen seinen eigenen Motivationen - einschließlich insbesondere seines Wunsches nach gegenseitiger Sympathie der Gefühle - und den Erfahrungen, die er mit anderen gemacht hat, mit denen er in Kontakt gekommen ist, entwickeln. Demnach sind die reifen moralischen Gefühle eines Menschen von seinen Erfahrungen und seinem Umfeld abhängig. 2) Zweitens hat Smith jedoch auch festgestellt, dass es in einigen spezifischen Fragen erhebliche Überschneidungen zwischen den Kulturen gibt, was den Kern der menschlichen Tugend ausmacht. Darüber hinaus scheinen einige unserer moralischen Empfindungen kultur- und zeitübergreifend variabel zu sein, während wir an einigen von ihnen mit nahezu unerschütterlicher Sicherheit festhalten. Der erste Punkt deutet auf eine Art moralischen Relativismus hin, der zweite auf eine moralische Objektivität. Wie kann beides wahr sein? >Relativismus, >Objektivität, >Objektivismus, >Intersubjektivität. Otteson I 18 Lösung/Smith: die Gemeinschaft mit anderen. >Gemeinschaft/Adam Smith. 1. Smith, Adam (1982) [1759]. The Theory of Moral Sentiments. D. D. Raphael and A. L. Macfie, eds. Liberty Fund. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Motivation | Bowlby | Corr I 228 Motivation/Bowlby/Shaver/Mikulincer: BowlbyVsFreud: Bei der Erläuterung der Motivationsgrundlagen der Persönlichkeitsentwicklung lehnte Bowlby (1982/1969)(1) Freudsche und objektbezogene Versionen der psychoanalytischen Theorie ab, die die menschliche Motivation in Bezug auf "Triebe" konzeptualisieren und den Geist als von "psychischer Energie" angetrieben betrachten. Stattdessen schuf er ein der Ethologie und der kybernetischen Kontrolltheorie entlehntes Motivationsmodell der "Verhaltenssysteme", nach dem das menschliche Verhalten von artenübergreifenden, angeborenen neuronalen Programmen (>Verhaltenssystemen) organisiert und gesteuert wird. Diese Bindungs-, Pflege-, Erkundungs- und Sexualsysteme erleichtern die Befriedigung grundlegender menschlicher Bedürfnisse und erhöhen dadurch die Wahrscheinlichkeit des Überlebens, der Anpassung und der Fortpflanzung. Motivation: Bowlby (1982/1969)(1) betrachtete die Systeme als "zielorientiert" und "zielkorrigiert" (d.h. korrigiert durch Änderung von Teilzielen basierend auf Rückmeldungen über die Zielerreichung). Jedes System wurde als ein Servomechanismus konzipiert, der durch bestimmte Reize oder Situationen eingeschaltet oder "aktiviert" werden konnte und durch andere Reize und Situationen "deaktiviert" oder "beendet" werden konnte (im Wesentlichen durch das Erreichen dessen, was Bowlby "Set-Ziele" nannte, die im Falle des Bindungssystems die Flucht vor und Vermeidung von Bedrohungen und Gefahren beinhalten). Corr I 229 BowlbyVsFreud: Dieser neue Begriff der Motivation machte den Freudschen Begriff des allgemeinen Antriebs (z.B. Libido) unnötig. Zielorientiertes und zielkorrigierendes Verhalten wird nicht durch eine Anhäufung von psychischer Energie oder den Wunsch, die Antriebsintensität zu reduzieren, aktiviert. Es wird aktiviert durch Bedingungen innerhalb einer Person oder der Umgebung der Person, die ein Verhalten aktivieren, das darauf abzielt, einen bestimmten Zielzustand zu erreichen oder Bedrohungen und Gefahren zu vermeiden. >Emotionale Bindung, >Bindungstheorie, >Über die Bindungstheorie. 1. Bowlby, J. 1982. Attachment and loss, vol. I, Attachment, 2nd edn. New York: Basic Books (original edn 1969) Phillip R. Shaver and Mario Mikulincer, “Attachment theory: I. Motivational, individual-differences and structural aspects”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Natur | Adorno | Grenz I 25 Natur/Adorno/Grenz: Die Natur nimmt anthropomorphen Charakter an, in dem das Überleben nicht mehr unmittelbar gefährdet ist. Der Überdruck der Natur kehrt in den Produktionsverhältnissen wieder. Die Herrschaft der Natur über den Menschen wird abgelöst von der des Menschen über den Menschen. Diese ist notwendig, wenn die Emanzipation von der Natur bestehen bleiben. >Geschichte/Adorno, >Fortschritt/Adorno. Grenz I 48 Natur/Adorno/Grenz: Wahr wäre das reine Natürliche, gäbe es dieses. Dass es aber nicht existiert, erzwingt die Aufhebung des Naturbegriffs und damit die seiner normativen Kraft. >Wahrheit/Adorno, >Wahrheitsgehalt/Adorno. Grenz I 58 Natur/Geschichte/Adorno/Grenz: Adorno spricht oft von Versöhnung, niemals aber von Versöhnung von Natur und Geschichte. I 59 Primat der Natur/Adorno/Grenz: Geschichte ist ein Moment der Natur, ebenso wie das die Natur Brechende, die Naturbeherrschung, als der Natur inhärent begriffen wird. Subjektivität/Adorno/Grenz: Erst diese Bestimmung erlaubt den Übergang von der Interpretation der Genesis der Zweckrationalität und ihrer Durchsetzung mit Regression als abendländische Spätphase der Anthropogenese zur Interpretation desselben Vorgangs als Urgeschichte der Subjektivität und als Naturgeschichte zugleich. >Subjektivität, >Subjektivität/Adorno, >Zweckrationalität. Schleier/Adorno/Grenz: dadurch, dass die Anthropogenese als naturgeschichtliches Ereignis interpretiert wird, gelangt der subjektive Aspekt des Geistes gerade in seiner negativ beschriebenen I 60 Gestalt: als ideologischer Schleier, als Rationalisierung, welche die Identifikation mit dem angreifenden Bestehenden ermöglicht und das eigene Leid vergessen macht, zu objektiver Bedeutung. I Grenz 72 Zweite Natur/Adorno/Grenz: Auf diesen Begriff führt Adorno die Vorstellung von Naturwüchsigkeit des menschlichen Inneren zurück.(1) >Zweite Natur. Zweite Natur ist der gesellschaftliche Charakter der Substanz des Individuums(2), eine Wucherung der Gesellschaft (Negative Dialektik p. 73). I 73 „Unterm Blick des Essays wird die zweite Natur ihrer selbst inne“.(3) 1. Th. W. Adorno. Negative Dialektik, 1. Th. W. Adorno. Negative Dialektik. In: Gesammelte Schriften, Band 6: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1970. p. 348, vgl. p.46, 73f 2. Th. W. Adorno. Minima Moralia. Reflexionen aus dem beschädigten Leben. In: Gesammelte Schriften, Bd. 4, 1. Auflage, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1980, p. 10, 3. Th. W. Adorno. Noten zur Literatur I, In: Gesammelte Schriften, Bd. 11, 1. Auflage, Frankfurt am Main: Suhrkamp 1980, p. 43. |
A I Th. W. Adorno Max Horkheimer Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978 A II Theodor W. Adorno Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000 A III Theodor W. Adorno Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973 A IV Theodor W. Adorno Minima Moralia Frankfurt/M. 2003 A V Theodor W. Adorno Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995 A VI Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071 A VII Theodor W. Adorno Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002 A VIII Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003 A IX Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003 A XI Theodor W. Adorno Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990 A XII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973 A XIII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974 A X Friedemann Grenz Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme Frankfurt/M. 1984 |
| Natur | Dawkins | I 356 Spiel/Natur/Dawkins: Die Natur hat beim Spiel (dem Strategiespiel ums Überleben) häufig die Rolle der "Bank". So kann ein Individuum vom Erfolg des anderen profitieren. Es ist kein Nullsummenspiel. I 364 Natur/Gefangenendilemma/Dawkins: Bsp Bakterielle Parasiten und Wirt spielen unaufhörlich das >Gefangenendilemma. Ohne dass man davon sprechen müsste, dass sie bewusste Entscheidungen treffen. Bsp Bei Verletzungen können harmlose Bakterien "gemein" werden. Das ist Opportunismus. Der Verletzte bietet einen kürzeren "Schatten der Zukunft"! |
Da I R. Dawkins Das egoistische Gen, Hamburg 1996 Da II M. St. Dawkins Die Entdeckung des tierischen Bewusstseins Hamburg 1993 |
| Naturalismus | Danto | I 178 Descartes: res cogitans: reflektiert > Der Philosoph ist privilegiert - prima philosophiaVsNaturalismus. >Prima Philosophia, >res cogitans, >R. Descartes. I 182f Def Naturalisierte Erkenntnistheorie:(Quine): Wissen hat auch eine biologische Dimension: Überlebenswert von Repräsentationsfähigkeit. >Naturalisierte Erkenntnistheorie, >Erkenntnistheorie, >Repräsentation, >Evolution, >Selektion, vgl. >Darwinismus. |
Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Naturrecht | Smith | Otteson I 47 Naturrecht/Adam Smith/Otteson: (...) Adam Smith vertrat keine Theorie des Naturrechts oder der natürlichen Rechte und stützte sich auch nicht darauf. Naturrechts oder natürlicher Rechte. Natürlich hatte er seinen John Locke (1632-1704) gelesen, und die überlieferten Notizen der Studenten zu den Vorlesungen über Rechtswissenschaft, die er an der Universität Glasgow hielt, (...) zeigen, dass Smith Lockes Theorie des Naturrechts und der natürlichen Rechte ausführlich diskutiert hat. Aber wenn es um Smiths eigene Diskussion und Rechtfertigung der angemessenen Rolle der Regierung im menschlichen Leben ging, spielten Naturrecht und Naturrechte keine Rolle. Eigentum: Auch Smith gab uns keine eindeutige Theorie des Eigentums, geschweige denn des Privateigentums. Regierung/Adam SmithVsLocke: Im Gegensatz zu Locke - und den amerikanischen Gründervätern, von denen viele Smith gelesen haben - argumentiert Smith also nicht, dass es die Aufgabe der Regierung ist, unsere natürlichen Rechte auf „Leben, Freiheit und Besitz“ (Locke) oder unsere „unveräußerlichen Rechte“ auf „Leben, Freiheit und das Streben nach Glück“ (Jefferson in der Unabhängigkeitserklärung) zu schützen. Seine Argumentation ist weitgehend empirisch. Er untersuchte die Geschichte der Menschheit und viele der Experimente, die verschiedene Menschen zu verschiedenen Zeiten mit unterschiedlichen Systemen der politischen Ökonomie durchgeführt haben. Er stellte fest, dass die meisten dieser Experimente nicht zum allgemeinen Glück der Menschen beitrugen und keinen allgemeinen Wohlstand schufen. Aber gelegentlich kamen einige Leute auf Ideen und Institutionen, die einen Nutzen brachten, und in jüngster Zeit (zu seiner Zeit) schienen einige wenige Orte erheblich mehr Wohlstand und Reichtum zu erzeugen als andere Orte. Dies ermöglichte es Smith, als empirischer politischer Ökonom fruchtbare Vergleiche anzustellen und aus den historischen Aufzeichnungen einige politische Maßnahmen herauszufiltern, die, wenn sie in größerem Umfang angewandt würden, die Schaffung von noch mehr Wohlstand ermöglichen könnten. Gerechtigkeit: Die erste Schlussfolgerung, zu der er gelangt, ist, dass ein bestimmtes Konzept von „Gerechtigkeit“ - einschließlich (...) des „heiligen“ Schutzes der Person, des Eigentums und der Versprechen jedes Einzelnen - für jede menschliche Gesellschaft überlebensnotwendig ist. Eine Gesellschaft, die diese Dinge nicht respektiert, ihren Schutz nicht durchsetzt und Verstöße dagegen nicht bestraft, ist eine Gesellschaft, die früher oder später auf den Zusammenbruch zusteuert. >John Locke, >Gerechtigkeit/Adam Smith, >Eigentumsrechte, >Regierungspolitik/Adam Smith. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Nekropolitik | Mbembe | Braidotti I 122 Nekropolitik/Mbembe/Braidotti: Die zeitgenössische Politik hat mehr als ihren Anteil an Grausamkeit zu verantworten. Neue Forschungen haben sich auf die Brutalität der heutigen Kriege und die neuen Formen der Gewalt konzentriert, die sich nicht nur gegen die Regierung der Lebenden richten, sondern auch gegen die vielfältigen Praktiken des Sterbens. Bio-Macht und Nekro-Politik sind zwei Seiten derselben Medaille, wie Achille Mbembe (2003)(1) brillant argumentiert. Die Explosion des diskursiven Interesses an der Politik des Lebens selbst betrifft also auch die geopolitische Dimension des Todes und des Tötens. Mbembe erweitert Foucaults Einsicht in Richtung einer fundierteren Analyse des biopolitischen Managements des Überlebens. Indem er sie treffend in „Nekro-Politik“ umbenennt, definiert er diese Macht im Wesentlichen als Verwaltung des Todes: „die verallgemeinerte Instrumentalisierung der menschlichen Existenz und die materielle Zerstörung der menschlichen Körper und der Bevölkerung“ (Mbembe, 2003(1): 19). Braidotti: Und nicht nur menschlich, sondern auch planetarisch, möchte ich hinzufügen. >A. Mbembe, >Biopolitik, >Tod, >Sterben. Braidotti I 123 Die zeitgenössische Nekropolitik hat die Politik des Todes auf eine globale regionale Ebene gebracht. Die neuen Formen der industriellen Kriegsführung beruhen auf der kommerziellen Privatisierung der Armee und der globalen Reichweite von Konflikten, die den Einsatz und die Gründe für den bewaffneten Dienst de-territorialisieren. Reduziert auf „infrastrukturelle Kriegsführung“ (Mbembe, 2003)(1) und auf eine groß angelegte logistische Operation (Virilio, 2002)(2), zielt der Krieg auf die Zerstörung aller Dienstleistungen ab, die das Funktionieren der Zivilgesellschaft ermöglichen: Straßen, Stromleitungen, Flughäfen, Krankenhäuser und andere notwendige Einrichtungen. Die altmodische Armee ist inzwischen zu „städtischen Milizen, Privatarmeen, Armeen regionaler Herrscher, privaten Sicherheitsfirmen und staatlichen Armeen mutiert, die alle das Recht beanspruchen, Gewalt auszuüben oder zu töten“ (Mbembe, 2003(1): 32). Infolgedessen wird auch die „Bevölkerung“ als politische Kategorie in „Rebellen, Kindersoldaten, Opfer oder Flüchtlinge oder Zivilisten, die durch Verstümmelung entmündigt oder nach dem Vorbild antiker Opfer massakriert werden, während die ‚Überlebenden‘ nach einem entsetzlichen Exodus auf Lager und Ausnahmezonen beschränkt sind“ (Mbembe, 2003(1): 34). >Nekropolitik/Braidotti. 1. Mbembe, Achille. 2003. Necropolitics. Public Culture, 15 (1), 11–40. 2. Virilio, Paul. 2002. Desert Screen: War at the Speed of Light. London: Continuum. |
Braidotti I Rosie Braidotti The Posthuman Cambridge, UK: Polity Press 2013 |
| Neoliberalismus | Crouch | Mause I 73f Neoliberalismus/Crouch: Crouch gebaucht den Begriff „Neoliberalismus“ nicht im Sinne der Wirtschaftstheorie. Der Prozess der Postdemokratisierung (Siehe Postdemokratie/Crouch) wird auf den Einfluss des Neoliberalismus zurückgeführt. Crouch These: der Neoliberalismus räumt wirtschaftlichen Interessen Vorrang vor Sozialstaatlichkeit und einem egalitär orientierten Gemeinwohlverständnis ein und sieht im freien Markt das beste Mittel, um die Befriedigung individueller und gesellschaftlicher Bedürfnisse zu erreichen. CrouchVsNeoliberalismus: „Übergriffigkeit“: Marktwirtschaftliche Logik werde heute nicht länger nur in der Sphäre der Ökonomie genutzt, sondern auch in der politischen und sozialen Sphäre. (1) 1. C. Crouch, Das befremdliche Überleben des Neoliberalismus. Frankfurt a. M. 2011, S. 153f. |
PolCrouch I Colin Crouch Henry Farrell Breaking the path of institutional development? Alternatives to the new determinism 2004 PolCrouch II Colin Crouch Post-democracy London 2004 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Nomos | Antike Philosophie | Gaus I 304 Nomos/Antike Philosophie/Keyt/Miller: Nomos steht im Kontrast zur physis wie das Künstliche, das von Menschen gemachte zum Realen steht, und wie die allgemeine Meinung zur Wahrheit (Aristoteles, Sophistici Elenchi 12.173a7-18). >Physis/Antike. Konvention: Zwei gängige Beispiele für das Konventionelle sind Geld (Aristoteles, Pol. I.9.1257bl0-17) und die Namen der Dinge - zum Beispiel der eigene Name (Platon, Crat. 384d). Die Idee, dass nomos und physis gegensätzlich sind, scheint im fünften Jahrhundert v. Chr. entstanden zu sein. Sobald sie sich durchsetzte, legte sie die Bedingungen für die Diskussion ethischer und politischer Ideen fest. Eine beliebte Methode, die Gültigkeit von etwas zu untergraben, war das Argument, dass es nur als nomos und nicht als physis existiert (Platon, Gesetze X.889e-890a). Gaus I 306 Literatur: Wenn sich Antigone in Sophokles' Stück auf das ewige ungeschriebene Gesetz beruft, das sie dazu auffordert, ihren Bruder zu begraben, obwohl das Gesetz von Kreon verlangt, dass ihr Bruder nicht begraben wird, so wird ihr Appell an das ewige Gesetz (Sophokles, Antigone 456-8) von Aristoteles als ein Appell an die Natur aufgefasst, obwohl ihre Rede die physis nicht erwähnt (Rhet. I.13.1373b1-18, 1.15.1375a25-b4). (Zu dieser Unterscheidung gibt es eine umfangreiche Literatur. Eines der Hauptwerke über die Nomos-Physis-Unterscheidung ist Heinimann 1945(1). Zur Entwicklung des antiken Rechtsdenkens seit frühester Zeit siehe Miller, 2004(2)). 1. Heinimann, Felix (1945) Nomos und Physis: Herkunft und Bedeutung einer Antithese im Griechischen Denken Des 5 Jahrhunderts. Basel: Reinhardt. 2. Miller, Fred D., (Hrsg.) (2004) A History ofthe Philosophy of Law _fmm the Ancient Cheeks to the Scholastics. Dordrecht: Kluwer. Keyt, David and Miller, Fred D. jr. 2004. „Ancient Greek Political Thought“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications Taureck I 32 Nomos/Antike/Anonymus Iamblichi/Taureck: Frage: kann ein Mann mit einer Seelenstärke aus Diamant" gegen das Gesetz leben? Ein solcher "Übermensch" könnte nicht überleben, es sei denn, er stellte seine Kräfte der Förderung von Recht und Gesetz zur Verfügung. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 Taureck I B. H.F. Taureck Die Sophisten Hamburg 1995 |
| Notwendigkeit | Mayr | I 250 Zufall/Mayr: Zufall dominiert bei der Variation. >Zufall. Notwendigkeit/Mayr: Notwendigkeit dominiert bei der Selektion. >Selektion. Selektion: Es gibt keine "selektive Kraft"! I 252 Selektion: Bates' Entdeckung der Mimikry (1862)(1) bei essbaren und giftigen Schmetterlingen war ein erster Beweis für die natürliche Selektion. >Mimikry. Nutzen/Biologie: Welchen Nutzen hat die Emergenz eines Merkmals für das Überleben? Überleben: Überleben ist ein adaptionistisches Programm. >Adaption, >Leben/Mayr. 1. H.W. Bates (1862). Contributions to an Insect Fauna of the Amazon Valley. In: Trans Linn. Soc. London 23. S. 495-566. |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Oikos | Luhmann | Mause I 30 Oikos/Luhmann: In der polis geht es um die Realisierung des ‚guten Lebens‘, im oikos um die wirtschaftliche Sicherung des Überlebens.(1) Der oikos ist die Sphäre der materiellen Produktion, der poiesis (der Herstellung von Gütern). Im Hellenismus wird die politische Organisationsform des Reiches als das ‚Haus‘ (oikos) des Herrschers gedeutet. >Polis/Luhmann. 1. Niklas Luhmann (1997). Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt 1997, S.932– 933. |
AU I N. Luhmann Einführung in die Systemtheorie Heidelberg 1992 Lu I N. Luhmann Die Kunst der Gesellschaft Frankfurt 1997 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Ökologie | Sessions | Singer I 252 Ökologie/Biosphäre/George Sessions/Bill Devall/Singer, P.: W. Devall and G. Sessions, Deep Ecology, Living As If Nature Mattered, Salt Lake City (1985): These: die Idee der biozentrischen Gleichheit (biocentric equality) ist, dass alle Dinge in der Biosphäre das gleiche Recht auf Leben haben und das Recht auf ihre individuellen Entfaltungsmöglichkeiten. Alle Organismen und Entitäten in der Ökosphäre haben, als Teile eines zusammenhängenden Ganzen, gleichen intrinsischen Wert. P. SingerVsSessions, George/P. SingerVsDevall, Bill/Singer, P.: dagegen gibt es starke intuitive Einwände, z. B: 1. dass das Wohlergehen von erwachsenen Menschen höherrangig ist als das Wohlergehen von Hefe und dass die Rechte von Gorillas höherrangig sind als die Rechte von Gras. 2. Wenn Menschen, Gorillas, Hefe und Gräser alle Teile eines zusammenhängenden Ganzen sind, kann man immer noch fragen, warum dies allen Elementen einen gleichen intrinsischen Wert verleiht. a) Selbst wenn es einen intrinsischen Wert im Reich der Mikroorganismen und im Pflanzenreich gibt, zeigt dies nicht, dass auch individuelle Mikroorganismen und individuelle Pflanzen einen intrinsischen Wert haben, denn ihr Überleben als Individuen sind für das Überleben des Ökosystems als Ganzem irrelevant. b) Die Tatsache, dass alle Organismen Teile eines zusammenhängenden Ganzen sind zeigt nicht, dass sie alle einen intrinsischen Wert haben, geschweige denn den gleichen intrinsischen Wert. Es könnte immer noch sein, dass das Ganze nur einen Wert hat, weil es die Existenz bewusster Wesen fördert. |
Sessions I George Sessions Deep Ecology - Living as If Nature Mattered Santa Barbara 1987 SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Ökologie | Singer | I 251 Ökologie/Aldo Leopold/Singer, P.: (A. Leopold,(1970)(1): These: Wir brauchen eine „neue Ethik“ , die sich mit der Beziehung des Menschen zu Land und Tieren auseinandersetzt. Leopold These: Etwas ist in Ordnung, wenn es beabsichtigt, die Integrität, Stabilität und Schönheit der biotischen Gemeinschaft zu erhalten und falsch, wenn es dies nicht tut. >Utilitarismus. I 253 Ökologie/Tiefenökologie/Singer, P.: (siehe auch Ökologie/Naess, Ökologie/Sessions). Probleme: Es ist die Frage, ob eine Art oder ein Ökosystem als ein Individuum mit Interessen betrachtet werden kann. Vgl. >Ökosystemischer Ansatz. Tiefenökologie/deep ecology: Wird ein Problem mit der Definition von Ehrfurcht vor dem Leben haben. Man kann nicht nur bezweifeln, dass Bäume, Arten und Ökosysteme moralische Interessen haben: Außerdem, wenn sie als ein „Selbst“ zu betrachten sind, ist es immer noch schwierig zu zeigen, dass das Überleben dieses Selbst (der Baum oder das System) einen moralischen Wert hat, unabhängig vom Nutzen, den es für bewusstes Leben hat. Existenz/Systeme/Wert/Ethik/Singer, P.: Weiteres Problem: „Wie ist es für ein System, nicht realisiert zu sein?“ Solche Fragen sind für wissende Lebewesen zu beantworten, nicht aber für Bäume, Arten oder Ökosysteme. I 254 P. SingerVs Lovelock, James: In dieser Hinsicht sind Arten, Bäume und Ökosysteme mehr wie Felsen als wie wissende Lebewesen. Wir sollten uns auf Argumente beschränken, in denen es um solche wissenden Wesen geht. >Tiefenökologie. 1. A. Leopold, A Sand County Almanac, with Essay on Conservation from Round River, New York (1970), pp. 238 and 262. |
SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Ökologischer Imperativ | Jonas | Brocker I 609 Ökologischer Imperativ/Jonas: in Anlehnung an Kants Kategorischen Imperativ entwickelt Jonas einen „ontologischen Imperativ“, der im Sein selbst gründe. JonasVsKant: dessen Kategorischer Imperativ ist anders verortet. >Kategorischer Imperativ, >Immanuel Kant. Def Ökologischer Imperativ/Jonas: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf der Erde“. „Gefährde nicht die Bedingungen für den indefiniten Fortbestand der Menschheit.“ (1) Andernorts wird dieser Jonas‘sche Imperativ auch „Ökologischer Imperativ“ genannt. Andere Formulierung von Jonas: „Handle so, dass die Folgen deines Tuns mit einem künftigen menschenwürdigen Dasein vereinbar sind, d.h. mit dem Anspruch der Menschheit, auf unbeschränkte Zeit zu überleben.“ (2) Brocker: Die Formulierungen zeigen, dass es Jonas nicht allein um das physische Überleben geht, sondern auch um die Qualität dieses Lebens (echtes menschliches Leben“). ((s)VsJonas: die Formulierungen sind jedoch, wenn man sie nicht sowieso zirkulär nennen will, schwächer als die Kants, denn es wird nicht auf ein Prinzip Bezug genommen.) Lösung/Jonas: Jonas stellt Forderungen auf, die das individuelle wie das kollektive Leben fortan bestimmen müssten: „Heuristik der Furcht“/Jonas: Ausgehend von einer »Heuristik der Furcht« (3) müsse jeder vor einer Handlung so viel Wissen als möglich über die denkbaren Konsequenzen und »Fernwirkungen« seines Tuns sammeln (4). Es müsse der schlechten Prognose stets Vorrang vor der guten eingeräumt werden. Zur ethischen Begründung siehe Teleologie/Jonas, Ethik/Jonas, Menschheit/Jonas, Existenz/Jonas, Sein/Jonas. 1.Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 36 2. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, 75-86. 3. Jonas 1979, S. 8, 64 4. Ebenda S. 9, 28. Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 Siehe auch >Emissionsrechte, >Emissionsminderung, >Emissionsziele, >Emissionen, >Emissionsrechtehandel, >Klimawandel, >Klimaschäden, >Energiepolitik, >Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit, >Klimaperioden, >Klimaschutz, >Klimaziele, >Klimafolgenforschung, >CO2-Preis, >CO2-Preis-Koordinierung, >CO2-Preis-Strategien, >CO2-Steuer, >CO2-Steuer-Strategien. |
Jonas I Hans Jonas Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Organisation | Olson | Brocker I 485 Organisation/Olson: Wenn Organisationen über selektive Anreize verfügen, entwickeln sie eine Robustheit und Stabilität, die sie in die Lage versetzt zu überleben. Eine Organisation könnte potentiellen Mitgliedern keinen Anreiz zur Mitgliedschaft anbieten, wenn sie keinem weiteren Zweck dient als dem, ein Kollektivgut bereitzustellen (Siehe Soziale Güter/Olson): »Nur eine Organisation, die auch private oder nichtkollektive Güter verkauft, oder einzelne Mitglieder mit vorteilhaften gesellschaftlichen oder freizeitgestaltenden Einrichtungen versorgt, würde über derartige positive Anreize verfügen« (1). Privilegierten und mittelgroßen Gruppen kann es allerdings auch ohne selektive Anreize gelingen, eine Interessenvertretung bereitzustellen. In kleineren Gruppen wirken sich soziale Güter wie Lob und Tadel stärker aus. Brocker I 486 Problem: große Gruppen sind stets in Gefahr durch kleinere Gruppen ausgebeutet zu werden: Bsp landwirtschaftliche Wanderarbeiter, Angestellte, Steuerzahler, Konsumenten: diese Gruppen haben meist keine Organisation, „die sie der Macht der organisierten oder monopolistischen Produzenten entgegenstellen könnten.“ (2) 1. Mancur Olson, The Logic of Collective Action: Public Goods and the Theory of Groups, Cambridge, Mass. 1965. Dt.: Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns: Kollektivgüter und die Theorie der Gruppen, Tübingen 1998 (zuerst 1968)., S. 131 2. Ebenda S. 163 Johannes Marx, „Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
EconOlson I Mancur Olson The logic of collective action: Public goods and the theory of groups Cambridge 1965 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Polis | Luhmann | Mause I 30 Polis/Luhmann: In der polis geht es um die Realisierung des ‚guten Lebens‘, im oikos um die wirtschaftliche Sicherung des Überlebens.(1) >Oikos/Luhmann. 1. Niklas Luhmann Die Gesellschaft der Gesellschaft. Frankfurt 1997, S. 932– 933. |
AU I N. Luhmann Einführung in die Systemtheorie Heidelberg 1992 Lu I N. Luhmann Die Kunst der Gesellschaft Frankfurt 1997 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Propensitäten | Bigelow | I 333 Funktionale Erklärung/vorwärtsblickende Theorie/Funktion/Bigelow/Pargetter: 1. ätiologische Theorie/Bigelow/Pargetter: I 334 Bsp Angenommen, ein Muster hat normalerweise eine bestimmte Wirkung und ist durch natürliche Selektion entstanden. Dann sagt die ätiologische Theorie, dass dies jetzt eine Funktion dieses Musters ist. >Funktion, >Ursache, >Wirkung, >Kausalität, >Kausalerklärung, >Funktionale Erklärung, >Funktionale Analyse, >Selektion. Dazu muss es in der Vergangenheit eine relevante Wirkung in einer hinreichenden Anzahl von Fällen gegeben haben. >Relevanz. Pointe: Die entsprechenden Situationen sind keine, die zufällig ausgesucht wurden, sondern solche, in denen der Effekt angemessen war. In diesen Situationen trägt er zum Überleben bei. Propensität/Überleben/Bigelow/Pargetter: Obwohl die Wahrscheinlichkeits--Gesetze zulassen, dass es eine lange Reihe von Zufällen gibt, ist das sehr unwahrscheinlich. Normalerweise wird es eine Propensität hin zum Überleben des Individuums geben. Funktion/Bigelow/Pargetter: Wenn es nur eine Reihe von Zufällen gibt, sprechen wir sicher nicht von Funktion. >Zufall. I 335 Ätiologische Theorie/Bigelow/Pargetter: Die ätiologische Theorie interpretieren wir so, dass sie die Funktion für die ganze Zeit zuschreibt, auch schon, bevor sie zum Überleben beitrug! Damals trug sie zu einer Propensität bei. Umwelt: auch dies muss auf die Umwelt relativiert werden. Wenn diese plötzlich wechselt, kann es Mehrdeutigkeiten der Angepasstheit geben. >Adaption, >Umwelt, >Nischen. I 336 Funktion/Bigelow/Pargetter: Funktionen können beschrieben werden als Komponenten eines Organismus in absteigender Hierarchie von Komplexität. Bsp Körperteile, aber auch Zellen haben Funktionen. >Komplexität, >Teile. Propensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: nach ihr sind die Funktionen daher relationale Eigenschaften. >Eigenschaften. Und sie sind dispositional. >Dispositionen. Das ist auch dann wahr, wenn das Individuum nicht überlebt oder niemals in seiner normalen Umwelt ist. >Individuen, >Natürliche Arten. I 337 Erklärung/Bigelow/Pargetter: Die so (als Propensitäten) interpretierten Funktionen erklären das Überleben durch kausale Information, als Warum-Erklärung. >Erklärung, >Kausalerklärung, >Funktionale Erklärung, >Warum-Fragen. Propensitäts-Theorie/Artefakte/Bigelow/Pargetter: Kann die Theorie auch auf Artefakte angewendet werden, ebenso gut wie auf biologische Muster? Sie kann Teil einer übergreifenden Theorie sein, aber bei Artefakte gibt es wieder das Problem des Rückwärts-Blickens (s.o.). >Artefakte. Lösung/Bigelow/Pargetter: These wir schlagen als vorwärtsblickende Theorie für biologische Muster wie für Artefakte eine Theorie der Propensität für Selektion vor. >Selektion. I 338 Damit haben alle Funktionen, seien sie biologische oder die von Artefakten, etwas gemeinsam. I 338 Funktion/Fitness/Kausalerklärung/Propensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: Es kann sein, dass ein Organismus nicht überlebt, obwohl er eine Funktion zum Überleben ausgebildet hat. Aber wenn er überlebt, dann wegen dieser Funktion. VsPropensitätstheorie/Bigelow/Pargetter: Bsp Angenommen, eine Struktur dient überhaupt keinen Zwecken, angenommen, die Umwelt ändert sich, und plötzlich dienen seine Funktionen dem Überleben. Dann müsste unsere Propensitätstheorie sagen, dass die Struktur neuerdings eine Funktion hat. Bsp Angenommen, man könnte sagen, dass Herztöne die Funktion haben, Ärzte zu alarmieren. Aber erst in diesem Jahrhundert; das scheint falsch. Ätiologische Theorie: sagt, dass Herztöne keine solche Funktion haben, weil sie nicht dafür entwickelt wurden. Bigelow/Pargetter: Dennoch, der Grund, warum wir den Herztönen eine Funktion absprechen möchten ist nicht, dass sie keine Evolutionsgeschichte der gewünschten Art haben, I 339 sondern weil die Herztöne eine unvermeidliche Verbindung mit der Funktion des Blutpumpens haben. Die Herztöne produzieren keine Propensität zum Überleben. >Funktionale Analyse. Dem entsprechen Beispiele für Funktionen, die es früher gab, die heute aber ihre Funktion verloren haben: VsPropensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: Diese nimmt an, dass das Muster keine Funktion hat. Ätiologische Theorie: nimmt an, dass es eine Funktion hat, egal wofür sie gebraucht wurde, und wofür sie entwickelt wurde. Propensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: gibt im Allgemeinen bessere Erklärungen. Wir können sagen, dass es früher diese Funktion gab, diese aber unglücklicherweise schädlich für das Individuum wurde. I 340 Erklärung/Bigelow/Pargetter: Eine Propensität kann eine erklärende kausale Rolle spielen, während die Tatsache, dass etwas einen historischen Ursprung hat, keine spielt. Das zeigt uns, dass die Propensitätstheorie so starke Vorteile hat, dass es gerechtfertigt scheint, Gegenbeispiele wegzudiskutieren. Paul GriffithsVsPropensitäts-Theorie/Bigelow/Pargetter: Eben weil Fitness vorwärtsblickend ist, sollten Funktionen rückwärtsblickend sein. Und den Begriff „Funktion“ können wir überhaupt zugunsten von „Fitness“ aufgeben. BigelowVsVs: Funktion und Fitness können unabhängige Rollen spielen. Fitness: Eigenschaft eines Organismus Funktion: Funktionen spezifizieren die Eigenschaften, die zusammen zur Fitness beitragen. Und hier können wir auch fragen, warum sie das tun. Information/Bigelow/Pargetter: Eine Zuschreibung von Fitness bricht auseinander in die Zuschreibung vieler Funktionen. So sind Funktionen in einer Hinsicht informativer, in anderer Hinsicht weniger informativ als Fitness. a) Funktionen sagen uns nichts über den Grad von Fitness, aber b) jede Funktion sagt uns nicht nur, welche Merkmale beitragen, sondern auch warum. I 341 Artefakt/Fitness/Bigelow/Pargetter: Bei Artefakten geht es nicht um Fitness, also kann Funktion nicht durch sie überflüssig gemacht werden. Daher kann Fitness bei ihr auch nicht redundant sein. Aber statt dessen kann hier in analoger Weise Nützlichkeit redundant sein. Propensitätstheorie/Lösung/Bigelow/Pargetter: Die Propensitätstheorie liefert einen einheitlichen Begriff von Funktion der auch auf Artefakte zutrifft. |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Rationalität | Dretske | I 213 Def Minimale Rationalität/Dretske: Minimale Rationalität verlangt, dass Gedanken, an dem Prozess beteiligt sind, daher ist sie anspruchsvoller als: Biologische Rationalität: Bsp blinzeln. Def Minimale Rationalität/Dretske: verlangt, dass etwas aus Gründen getan wird, aber nicht, dass es aus guten Gründen getan wird. I 215 Mit diesem Begriff wird das Normative in Schach gehalten. Es ist ausgeklammert und damit untersuchbar. Rationalität/Dretske: Bsp Bei einer plötzlichen Bewegung von etwas in Richtung auf meine Augen blinzle ich. Ich kann gar nicht anders. Ich glaube, dass eine Möglichkeit, diesen Gegenstand in mein Auge zu bekommen, darin besteht, zu blinzeln (plötzlich die Augen zu schließen). Pointe: aber obwohl ich dies glaube und obwohl ich mein Auge schließe, schließe ich meine Augen nicht, weil ich dies denke! Meine Gründe, sie zu schließen, sind nicht der Grund, warum ich sie schließe! Obwohl ich genau das tue, von dem ich denke, dass es mir das Gewünschte bringt, ist mein Verhalten keine zweckgerichtete Handlung. Es stellt nicht die "minimale Rationalität" dar. Sie verlangt auch kein Begründen. Obwohl das Verhalten durch einen Gedanken erklärt werden muss, muss es nicht durch diesen Gedanken rationalisiert werden. I 214 Nicht einmal unter idealen Bedingungen muss das entsprechende Verhalten zur Überlebensfähigkeit beitragen. Es kann sie sogar herabsetzen. Bsp "Ich suche unter der Laterne, weil es hier heller ist, obwohl ich das Schlüsselbund woanders verloren habe". Das lässt sich durch das erklären, was man denkt. I 215 Bsp Terrorist: Selbstmordattentäter: Ihm ist das Paradies im Jenseits mit 40 Jungfrauen versprochen worden. Außerdem sei sein Tun der Sache dienlich. Ist sein Verhalten rational? Es steigert nicht die Überlebensfähigkeit, aber es ist minimal rational, weil sich das Verhalten aus dem erklärt, was der Terrorist glaubt und will. Mit diesem Begriff wird das Normative in Schach gehalten. Es ist ausgeklammert und damit untersuchbar. I 216 Rationalität/Dretske: Wenn nichts von dem, was Sie tun, durch das, was sie denken, erklärbar ist, dann sind Sie kein rationales Wesen, sondern ein Hochstapler. Bsp Man könnte auch sagen, dass eine Sprinkleranlage gescheit ist, weil sie das Feuer löscht, das sie sonst zerstören würde (Überlebenswert). Pointe: Wenn ich das täte, wäre ich rational, aber die Sprinkleranlage ist deswegen nicht rational! Denn es ist nicht der Grund, weswegen sie es tut! Sie hat keine minimale Rationalität. Bsp Wenn ich schwitze und mich damit abkühle, habe ich auch keine minimale Rationalität. Das Verhalten ist nicht von Gedanken kontrolliert. Es mag klug sein, das zu tun, aber ich bin nicht klug, weil ich es tue. Es ist nicht genug, dass mein Verhalten von einer inneren Repräsentation verursacht wird. Unterschied: a) von einem Ereignis, das B bedeutet (repräsentiert) verursacht zu werden b) durch die Tatsache, erklärt zu werden, dass es B bedeutet (repräsentiert). ((s) >de dicto). I 217 Bsp Thermostat: Wenn wir das täten, was er tut, die Temperatur im Raum konstant halten, gälten wir als rational. Der Thermostat ist es nicht. Der Bimetallstreifen hat eine Doppelfunktion: 1. Er repräsentiert die Raumtemperatur, 2. Er ist ein Schalter. I 218 Sein Verhalten erklärt sich nicht durch Gedanken, die er über Temperatur hat. Bsp Mikrophon: können wir nicht als folgsam betrachten, bloß, weil es tut, was wir ihm sagen. z.B. "Vibriere schnell!". Nicht, was ich sage, ist für das Verhalten des Mikrophons relevant. Unterschied: a) Verursachung durch ein Ereignis, b) Erklärung durch die Tatsache, dass es die Bedeutung B hat. (s.o.). I Fred Dretske Minimale Rationalität in D.Perler/M. Wild (Hg.)Der Geist der Tiere Frankfurt/M. 2005 |
Dretske I Fred Dretske "Minimal Rationality", in: S. L. Hurley and M. Nudds (Eds.) Rational Animals?, Oxford 2005 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Dretske II F. Dretske Naturalizing the Mind Cambridge 1997 |
| Relevanz | Scriven | Fraassen I 104 Relevanz/Erklärung/ScrivenVsHempel/BrombergerVsHempel: Relevanz liefert weder hinreichende noch notwendige Bedingungen dafür, dass etwas eine Erklärung ist. Nicht hinreichend: Gute Glaubensgründe sind keine Erklärung: Bsp Rotverschiebung kann kein Grund für die Expansion sein. >Rotverschiebung. Nicht notwendig: nicht jede Erklärung liefert gute Glaubensgründe: Bsp Seltene Krankheit als Folge einer häufigen: also rät man zur Behandlung. - Dennoch wäre es nicht rational zu erwarten, dass die Krankheit auftritt. - Bsp Eine sehr kleine Menge Uran strahlt wahrscheinlich nicht. - Aber wenn sie strahlt ist die richtige Erklärung, dass es Uran ist. Bsp Ein Mann der Antibabypillen nimmt, wird auch nicht schwanger. I 109 Relevanz ist nicht hinreichend: Bsp 90% der Pflanzen werden getötet: dann ist es keine Erklärung für das Überleben einiger, dass sie eingesprüht wurden. >Hinreichendes, >Erklärungen, >Kausalerklärung, >Statistik, >Wahrscheinlichkeit, >Wahrscheinlichkeitstheorie. |
Fr I B. van Fraassen The Scientific Image Oxford 1980 |
| Selektion | Dawkins | I 38 Selektion/Dawkins: These: Die Selektion tritt auf der allerniedrigsten Stufe auf. (Nicht die Art, nicht das Individuum, sondern Gene sind die Erbeinheit). >Gene, >Gene/Dawkins. I 42 Selektion/Dawkins: Früheste Form der Selektion: Einfach ein Aussuchen stabilerer Moleküle und ein Verwerfen instabiler. Es hätte wenig Sinn, die richtige Zahl von Atomen und die richtige Zugabe von Energie durchzuschütteln, um zu erwarten, dass ein Mensch herauskommt. Das Alter des Universums würde dafür nicht genügen. I 73 "Die Karten selbst überdauern das Mischen." Selektion/Dawkins: Würden sich Gene ständig mischen, wäre die Selektion überhaupt unmöglich. I 158 Def Verwandschaftsgrad/Dawkins: Generationenabstand: Schritte auf dem Stammbaum. Zum Onkel: 3 Schritte: der gemeinsame Vorfahr ist z.B. A's Vater und B's Großvater. Verwandtschaftsgrad: pro Generationsabstand ½ multipliziert mit sich selbst. Bei g Schritten (1/2) g. Aber das ist nur ein Teil des Verwandtschaftsgrades. Bei mehreren gemeinsamen Verwandten müssen diese auch ermittelt werden. I 158 Selektion/Verwandtschaft/Altruismus/Dawkins: Nun können wir die Chancen für die Vermehrung von Genen für Altruismus regelrecht ausrechnen: Bsp Ein Gen für das selbstmörderische Retten von fünf Vettern würde nicht zahlreicher werden, aber wohl eins für das selbstmörderische Retten von fünf Brüdern oder zehn Vettern. >Altruismus. I 162 Familienaltruismus/Dawkins: Elterliche Fürsorge ist lediglich ein Sonderfall von Familienaltruismus. Die Tatsache, dass Geschwister keine Gene austauschen, ist nicht relevant, weil sie identische Kopien derselben Gene von denselben Eltern erhalten haben. Familienselektion/Verwandtschaftsselektion/DawkinsVsWilson,E.O.: überträgt den Begriff der Gruppenselektion auf Familie. Nun besteht aber der Kern von Hamiltons Argumentation gerade darin, dass die Trennung zwischen Familie und Nichtfamilie nicht eindeutig ist, sondern eine Frage der mathematischen Wahrscheinlichkeit. Hamiltons These(1) besagt nicht, dass Tiere sich allen Familienangehörigen gegenüber uneigennützig verhalten, und allen Außenstehenden gegenüber eigennützig. I 164 DawkinsVsWilson: bei ihm zählen Nachkommen nicht als Verwandte! (VIII 461: hat Wilson inzwischen zurückgenommen). I 163 Def Gruppenselektion/Dawkins: unterschiedliche Überlebensrate in Gruppen von Individuen. I 164 Verwandtschaftsselektion/Dawkins: Natürlich kann man von den Tieren nicht erwarten, dass sie zählen, wie viele Verwandte sie gerade retten! I 462 Verwandtschaftsselektion/Dawkins: häufiger Fehler bei Studenten anzunehmen, dass Tiere dafür rechnen müssten, wie viele Verwandte sie gerade retten. I 165 Verwandtschaftsselektion/Dawkins: zur Ermittlung des Verwandtschaftsgrades kann man versicherungsmathematische Gewichtungen zugrunde legen. Wieviel Anteil meines Vermögens würde ich in das Leben eines anderen Individuums investieren. I 166 Ein Tier kann sich so benehmen, als hätte es diese Berechnung angestellt. Bsp wie ein Mensch einen Ball fängt, als hätte er eine Reihe von Differentialgleichungen gelöst. I 372 Gen/Selektion/Dawkins: bei vernünftiger Betrachtung wirkt sich Selektion nicht direkt auf die Gene ein! Die DNA ist in Proteine eingesponnen, in Membranen eingewickelt, von der Welt abgeschirmt und für die natürliche Auslese unsichtbar. (Wie GouldVsDawkins.) Die Selektion hätte auch kaum ein Kriterium für DNA Moleküle. Alle Gene sehen gleich aus, wie alle Tonbänder gleich aussehen! Gene zeigen sich in ihren Auswirkungen! ((s) Wirkung schafft Identität.) 1. Hamilton, W.D. 1964. The Genetical Evolution of Social Behavior. In: Journal of Theoretical Biology 7. pp- 1-16; 17-52. |
Da I R. Dawkins Das egoistische Gen, Hamburg 1996 Da II M. St. Dawkins Die Entdeckung des tierischen Bewusstseins Hamburg 1993 |
| Selektion | Mayr | I 65 Natürliche Selektion/Mayr: Selektion ist kein zufälliger Vorgang! (Obwohl der Zufall in der Evolution eine Rolle spielt.) >Mutation. I 248 Selektion/Mayr: Heute ist Selektion durchgängig akzeptiert. Zwei Schritte: Variation und eigentliche Selektion. 1. Variation: In jeder Generation entsteht durch Rekombination, Genfluss, Zufallsfaktoren und Mutationen eine große genetische Vielfalt. Das genetische Material ist "hart" und nicht "weich", wie Darwin annahm. >Zufall, >Notwendigkeit. Sexuelle Fortpflanzung: Die elterlichen Chromosomen werden gebrochen und neu zusammengesetzt. Dadurch gibt es die Einzigartigkeit der Nachkommen durch Rekombination. Die Zusammensetzung der Gene erfolgt nach keinerlei Gesetzmäßigkeit! >Gene, >Gendrift. I 249 2.Auslese: Unterschiede in Überleben und Fortpflanzung der neugebildeten Individuen. >Individuen/Mayr, >Leben/Mayr. Selbst bei Arten, die Millionen von Nachkommen in jeder Generation erzeugen, werden im Durchschnitt nur zwei davon benötigt, um das Populationsgleichgewicht zu erhalten. >Arten, >Evolution. I 250 Zufall/Mayr: Der Zufall dominiert bei der Variation Notwendigkeit/Mayr: Notwendigkeit dominiert bei der Selektion. Selektion: Es gibt keine "selektive Kraft"! I 252 Selektion: Bates' Entdeckung der Mimikry (1862)(1) bei essbaren und giftigen Schmetterlingen: erster Beweis für die natürliche Selektion. >Mimikry. Nutzen/Biologie: welchen Nutzen hat die Emergenz eines Merkmals für das Überleben: adaptionistisches Programm. >Nutzen, >Leben/Mayr. I 252 Merkmale/Überleben: günstige Merkmale: Toleranz gegen widriges Klima, bessere Nahrungsverwertung, Resistenz gegen Krankheitserreger, Fluchtfähigkeit. (Durch sexuelle Fortpflanzung). Auswahl durch Weibchen (Pfauenschwanz) vielleicht wichtiger als Fähigkeit der Männchen, Nebenbuhler zu besiegen. >Merkmale/Mayr. I 253 Geschwisterrivalität und elterliche Fürsorge: wirken sich eher auf den Fortpflanzungserfolg als auf das Überleben aus. Diese Selektion ist anscheinend wichtiger als der Begriff der sexuellen Selektion vermuten lässt. I 260 Aussterben: 99,9 % aller evolutionären Linien, die einmal auf der Erde existierten, sind ausgestorben. Selektion/Darwin: "Die natürliche Selektion ist überall in der Welt stündlich dabei, die geringsten Veränderungen aufzuspüren".(2) I 261 Selektion/MayrVsDarwin: Die zur Perfektion eines Merkmals benötigte genetische Variation tritt vielleicht gar nicht auf. Bsp Innenskelett/Außenskelett: Inneskelett: Wirbeltiere haben ihre Größe bis zum Dinosaurier gesteigert, Außenskelett: Die Riesenkrabbe ist das größte Wesen geblieben. Der Unterschied ist durch die verschiedenen Wege bestimmt, die die Vorfahren eingeschlagen hatten, nicht durch das Vorhandensein der Merkmale. I 262 Selektion/Mayr: weitere Einschränkung: Wechselwirkung in der Entwicklung. Die Teile des Organismus sind nicht voneinander unabhängig. Keiner reagiert auf die Selektion, ohne mit den anderen Merkmalen zu interagieren. Geoffroys, 1818(3): "Gesetz des Gleichgewichts": Organismen sind Kompromisse zwischen konkurrierenden Ansprüchen. Selektion/Mayr. 3. Einschränkung: Fähigkeit zur nichtgenetischen Modifikation: je plastischer der Phänotyp (durch Flexibilität in der Entwicklung) ist, desto geringer wirkt die Kraft des Selektionsdrucks. Pflanzen (und vor allem Mikroorganismen) haben eine viel größere Fähigkeit zu phänotypischer Modifikation (vielfältigere Reaktionsnorm) als Tiere. Die Fähigkeit zur nichtgenetischen Anpassung wird ausschließlich genetisch gesteuert. Zufall: Der Zufall wirkt auf jeder Stufe. I 264 Neu: Ganze Populationen oder sogar Arten könnten Zielobjekt der Selektion sein. I 265 Weiche/harte Gruppenselektion: Weiche Gruppenselektion: Erfolg durch mittleren Selektionswert der Individuen.so ist jede individuelle Selektion auch eine weiche Gruppenselektion. Harte Gruppenselektion: Eine Gruppe als Ganzes verfügt über bestimmte adaptive Gruppenmerkmale, die nicht einfach die Summe der Beiträge sind .Der Vorteil der Gruppe ist größer als der der Summe der einzelnen Mitglieder. >Adaption. Arbeitsteilung, Zusammenarbeit (Wächter, Nahrungssuche). Hier ist der Begriff der "Gruppenselektion" gerechtfertigt. I 266 Entstehung der Arten: Diese Kontroverse veränderte den Status der sogenannten Artselektion völlig: das Auftauchen einer neuen Art scheint sehr oft am Aussterben einer anderen mitzuwirken. "Artenaustausch", verläuft nach strengen Darwinistischen Prinzipien. I 279 Def r-Selektion: stark schwankende oft Katastrophen ausgesetzte Populationsgröße, schwache intraspezifische Konkurrenz, sehr fruchtbar. K-Selektion: konstante Populationsgröße, starke Konkurrenz, stabile Lebenserwartung. I 280 Mit wachsender Populationsdichte wächst auch der Einfluss widriger Faktoren: Konkurrenz, Nahrungsknappheit, Mangel an Fluchtmöglichkeit, Raubfeinde, das Wachstum verlangsamt sich. I 317 Könnte der Mensch zum Übermenschen werden? Hier stehen die Chancen schlecht! Zu wenig Selektionsdruck. Vor allem gab es früher Gruppenselektion. Selektion/Mensch: Heute dagegen in der Massengesellschaft gibt es keinerlei Anzeichen für Selektion auf überlegene Genotypen, die es dem Menschen gestatten würden, sich über seine gegenwärtigen Fähigkeiten zu erheben. Viele Autoren behaupten sogar einen gegenwärtigen Verfall des menschlichen Genpools. Francis Galton legte als erster nahe, dass man mit angemessener Selektion die Menschheit verbessern könnte und sollte. Er prägte den Begriff "Eugenik". 1. H.W. Bates (1862). Contributions to an Insect Fauna of the Amazon Valley. In: Trans Linn. Soc. London 23. S. 495-566. 2. Ch. Darwin (1859). On the Origin of Species. London: John Murray. 3. E. Geoffroy St. Hilaire (1818). Philosophie anatomique. Paris. |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Simulation | Baudrillard | Blask I 10 Simulation/Baudrillard: kein Spiegel oder Modell der Realität. Sie generiert sich ohne Referenz im Realen. Wertbestimmungen oder Gesetzmäßigkeiten verschwinden aber nicht einfach, sondern überleben als Simulakra. Bsp Das System der politischen Ökonomie zum Beispiel existiert nur noch als Zeichen, als »Als ob«, und täuscht seine eigene Realität vor. >Kommentare zur Politischen Ökonomie, >Politische Ökonomie als Autor, >Simulakra/Baudrillard. Blask I 11 Simulation: nicht reiner Schein, sondern Zeichen. Blask I 23 Simulation/Baudrillard: hat keinen Referenten mehr. >Referenz. Sie interagiert nur noch mit anderen Simulationen. >Semiokratie, Herrschaft der Zeichen. Blask I 32/33 Simulation/Baudrillard: heute geht die Bedrohung von der Simulation aus. Sie erzeugt fortwährend künstliche, soziale, ökonomische und politische Einsätze. Bsp Watergate: »Erpressung zum Realen«: soll der Bevölkerung den Eindruck vermitteln, die politische Moral sei weiterhin real existent. Blask I 36 Simulation/Baudrillard: Basiseinheit: binärer Code. Blask I 46 Simulation/Baudrillard: kennt kein Außen mehr. >Innen/außen, >Innenwelt, >Außenwelt. |
Baud I J. Baudrillard Simulacra and Simulation (Body, in Theory: Histories) Ann Arbor 1994 Baud II Jean Baudrillard Der symbolische Tausch und der Tod Berlin 2009 Blask I Falko Blask Jean Baudrillard zur Einführung Hamburg 2013 |
| Sinn | Weber | Habermas III 22 Sinn/Rationalität/Max Weber/Habermas: Webers Hierarchie der Handlungsbegriffe ist auf den Typus zweckrationalen Handelns hin angelegt, sodass alle übrigen Handlungen als spezifische Abweichungen von diesem Typus eingestuft werden können. >Zweckrationalität. Die Methode des Sinnverstehens analysiert Weber so, dass die komplexeren Fälle auf den Grenzfall des Verstehens zweckrationalen Handelns bezogen werden können: Das Verständnis des subjektiv erfolgsorientierten Handelns erfordert zugleich dessen objektive Bewertung (nach Maßstäben der Richtigkeitsrationalität). >Erfolg, >Richtigkeit, >Rationalität. Habermas III 229 Sinn/Weber/Habermas: Die empirische und vollends die mathematisch orientierte Weltbetrachtung entwickelt prinzipiell die Ablehnung jeder Betrachtungsweise, welche überhaupt nach einem ‚Sinn‘ des innerweltlichen Geschehens fragt. Wo immer rationales empirisches Erkennen die Entzauberung der Welt und deren Verwandlung in einen kausalen Mechanismus konsequent vollzogen hat, tritt die Spannung gegen die Ansprüche des ethischen Postulats: dass die Welt ein gottgeordneter, also irgendwie ethisch sinnvoll orientierter Kosmos sei, endgültig hervor.(1) >Ethik, >Begründung, >Letztbegründung. Habermas III 315 Sinn/Rationalität/Weber/Habermas: Dass die Welt als Kosmos den Anforderungen der rationalen religiösen Ethik genüge, oder irgendeinen ‚Sinn‘ aufweise, damit hatte das religiöse Erkennen gar nichts mehr zu schaffen. Der Kosmos der Naturkausalität und der postulierte Kosmos der ethischen Augleichskausalität standen in unvereinbarem Gegensatz zueinander. Der Intellekt schuf eine von allen persönlichen ethischen Qualitäten der Menschen unabhängige, also unbrüderliche Aristokratie des rationalen Kulturbesitzes. (2) >Protestantische Ethik/Weber, Rationalisierung/Weber. HabermasVsWeber: diese Erklärung gesellschaftlicher Rationalisierung ist unbefriedigend: Weber bleibt den Nachweis dafür schuldig, dass ein prinzipiengeleitetes moralisches Bewusstsein nur in religiösen Kontexten überleben kann. Habermas III 335/336 Sinn/Weber/Habermas: Weber, These vom Sinnverlust: Angesichts der rationalen Eigengesetzlichkeiten der modernen Lebensordnungen ist sowohl die ethische als auch die theoretische Vereinheitlichung der Welt – sei es im Namen der Religion, sei es im Namen der Wissenschaft – nicht mehr möglich. >Einheit, >Vereinheitlichung. Weber sieht (in Anlehnung an das Spätwerk von J. St. Mill) einen neuen Polytheismus, eine versachlichte Gestalt eines Antagonismus zwischen unpersönlichen Wert- und Lebensordnungen. (3) Habermas: Darin spiegelt sich die generationstypische Erfahrung des Nihilismus. >Nihilismus. Habermas III 337 Habermas: Weber begründet die These vom Sinnverlust so: Die Vernunft selbst spaltet sich in eine Pluralität von Wertsphären auf und vernichtet ihre eigenen Universalität. Der Einzelne soll nun diese Einheit, die objektiv nicht mehr hergestellt werden kann, in der Privatheit der eigenen Biografie herzustellen versuchen. >Wertsphären. Habermas III 377 Sinn/Weber/Habermas: Weber führt „Sinn“ als (undefinierten) Grundbegriff ein, um Handeln definieren zu können. Dabei hat Weber keine Bedeutungstheorie, sondern eine intentionalistische Bewusstseinstheorie im Rücken. D.h. er bezieht Sinn nicht auf sprachliche Verständigung sondern auf Meinungen und Absichten eines Handlungssubjekts. Habermas III 378 Es geht also zum Zwecktätigkeit, nicht um Verständigung. Verständigung kann dann erst sekundär mithilfe eines Intentionsbegriffs konstruiert werden.(4) 1. M. Weber, Gesammelte Ausätze zur Religionssoziologie, Bd. I. 1963, S. 569. 2. M. Weber, M. Weber, Die protestantische Ethik, hrsg. v. J. Winckelmann, Bd 2, Hamburg 1972, S. 569. 3.M. Weber, Gesammelte Aufsätze zur Wissenschaftslehre, hrsg. v. J. Winckelmann, Tübingen 1968, S. 603f. 4.M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, hrsg. v. J. Winckelmann, Tübingen 1964, S. 3. |
Weber I M. Weber Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Sozialdarwinismus | Politische Theorien | Brocker I 17 Sozialdarwinismus/Politische Theorien: Varianten: a) „liberale“: hier geht es um einen „Kampf ums Dasein“ und ein „Überleben der Tauglichsten“. b) „Rechte Variante“: hierzu gehören Eugenik-Vorstellungen, Fortpflanzung der „Gesunden“ und „Hochwertigen“, Verhinderung der Fortpflanzung von „Minderwertigen“ und „Schwachen“. Brocker I 18 Mit Darwins Evolutionstheorie haben diese Auffassungen bis auf einige Begriffe, die inhaltlich ganz anders gemeint waren, kaum etwas zu tun. (Siehe Pfahl-Traughber 2009)(1) >Darwinismus/Kropotkin, >Evolution, >Darwinismus, >Selektion, >Überleben. 1. Pfahl-Traughber, Armin, »Darwinismus und Sozialdarwinismus. Eine kritische Erörterung zu Gemeinsamkeiten und Unterschieden«, in: Aufklärung und Kritik, Sonderheft Nr. 15, 2009, 132-144. |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Sprache des Geistes | Schiffer | I 73 Sprache des Geistes/Mentalesisch/Schiffer: Bedeutung in Mentalesisch bestimmt Bedeutung in öffentlicher Sprache, nicht umgekehrt - (über den Inhalt von Gedanken). Fodor: Intentionale Eigenschaften mentaler Zustände als ererbt aus den semantischen Eigenschaften der mentalen Repräsentationen sehen, die in ihrem Tokening impliziert sind . Neuronaler Zustand: existiert auch, wenn er falsch ist. Ein neuronaler Zustand ist in Gegenstand, da mit Wahrheitswerten versehen.. Schiffer: noch kein System, noch nicht sprachähnlich. Harman: These: innere Repräsentationen haben satzähnliche Struktur. >Mentale Repräsentation. Lewis: Sprache des Gehirns von synaptischen Verbindungen und neuronalem Feuern. "Starke These der Gededankesprache"/Strong thesis of the language of thaught/SLT.. Andere Theorie: semantische Eigenschaften werden aus intentionalen Eigenschaften ererbt. - (VsSLT) - SLTVs: kurz/(s): mentale Repräsentation bestimmt Intentionalität - diese erklärbar ohne öffentlichen Inhalte. SchifferVs: Das ist gar nicht erfüllbar. I 76 Mentalesisch/Relationstheorie/Schiffer: welche Relation von Sätzen in Mentalesisch zu Sätzen in Englisch? >Relationstheorie. Problem: mentalesischer Satz "s" darf nicht durch Bedeutung in Englisch spezifiziert werden (zirkulär) - außerdem Vs Kernthese der SLT (semantische Eigenschaften der öffentlichen Sprache sind ererbt von intentionalen Eigenschaften der mentalen Zustände). >Mentale Zustände. I 282 Mentalesisch/Schiffer: Bedeutung hier nicht Frage von Konvention und Intention - anders als öffentliche Sprache. >Konvention, >Intention, >Alltagssprache. Lösung/manche Autoren: begriffliche Rolle in Mentalesisch. Öffentliche Sprache: Hier haben Sätze eine begriffliche Rolle nur, wenn sie auch gedacht, nicht nur gesprochen werden. Problem: Wir brauchen eine nicht-semantische Relation zwischen mentalen Repräsentationen und öffentlichen Sätzen. - Zum Glück muss der innere Code dabei nicht erwähnt werden. - Bsp "Zustand mit demselben Inhalt". Problem: Der Sprecher könnte Satz nur unter Zusatzannahmen glauben. - Diese nur mit Referenz auf Inhalt. - Das geht nicht in der Starken These der language of thaught. Fazit: Ein neuronaler Satz kann nicht ohne Referenz auf den Inhalt als Glaubensobjekt angenommen werden. >Glaubensobjekte, >Inhalt. I 78 Mentalesisch/Schiffer: Relationstheorie verlangt komplexe Eigenschaft, F die alles hat, was bedeutet z.B. "Flundern schnarchen". Problem: Die Theorie darf nichts über die intentionalen Eigenschaften mentaler Zustand oder Bedeutung in öffentlichen Sprachen voraussetzen. I 79 Mentalesisch/Relationstheorie/Glauben/Fodor/Schiffer: für die Zuschreibung von Wahrheitswerten von Situationen auf Sätze. - Dazu werden Eigenschaften am Ende der Kausalkette gebraucht. >Relationstheorie. Problem: Quantifikation über Eigenschaften als semantische Werte geht letztlich über Propositionen. >Proposition, >Quantifikation. Lösung: SLT kann Propositionen zusammen mit begrifflichen Rollen zur Individuation von Inhalten gebrauchen. Wahrheitsbedingungen durch M-Funktion auf mögliche Situationen. - Zusätzlich physikalistische Bedingung C. Problem: Der Ansatz braucht eine Theorie der Repräsentationen - (darin sind mentale Repräsentationen nur Spezialfall). Wahrheitsbedingungen: Formel: a ist die Wahrheitsbedingung für s in x’ innerem Code gdw. unter optimalen Bedingungen x s glaubt, wenn und nur wenn a besteht. Damit können wir ein Muster von neuronalem Feuern mit der Anzeige einer Fliege für einen Frosch zu identifizieren. Problem: Das geht nur unter optimalen Bedingungen! SchifferVsFodor: Dann ist jeder allwissend und unfehlbar. I 87 Mentalesisch/Prinzip der Nachsicht/Schiffer: das Prinzip der Nachsicht gibt es nicht für Mentalesisch - dieses müsste in Begriffen von Propositionen erklärt werden. I 83-90 Relationstheorie/Mentalesisch/Schiffer: Problem: konkurrierende Zuschreibungsfunktionen für Wahrheitsbedingungen ("M-Funktionen"). Falsche Lösung: "größerer Überlebenswert" schließt falsche Zuschreibungsfunktionen nicht aus - Bsp Gewicht/Masse. I 189 Starke These der language of thaught/SLT/Mentalesisch/Schiffer: These: 1. Das Gehirn ist ein Computer, wir sind informations-verarbeitende Systeme mit einem inneren neuronalen Code. Schiffer: dem kann ich zustimmen. 2. Es gibt eine computationale Relation R für jeden Glauben, den man haben kann, sodass man diesen Glauben hat gdw. man R zu dieser Formel hat. Schiffer: Das geht, aber nur mit substitutionaler Quantifikation. - Bsp "Nodnol si yggof": Mentalesisch für London ist neblig - dann bedeutet der Satz das, aber nicht kompositional. Pointe: Dann ist der Glaubens-Inhalt nicht reduzierbar. (SchifferVsReduktionismus.) ((s) Mentaler Inhalt ist irreduzibel (Schiffer pro Brentano)). Bsp Wissen-wie kann nicht in anderen Begriffen analysiert werden - es gibt keine Tatsache die macht, dass etwas dieser Glaube ist. - ...+ + >Wissen wie, >Nonfaktualismus. |
Schi I St. Schiffer Remnants of Meaning Cambridge 1987 |
| Staat | Morris | Gaus I 197 Staat/Morris: Morris-These: (...) Politische Theoretiker nehmen Staaten zu sehr als selbstverständlich hin. Die Welt war nicht immer als ein System von Staaten organisiert, und es ist hilfreich, sich daran zu erinnern, wie die Welt vor der Entwicklung von Staaten aussah. (...) es ist ein Fehler, die griechische polis und die römische civitas mit unserem modernen Staat zu identifizieren, als ob sich nichts geändert hätte. Mittelalterliches Europa: Die 'politische' Organisation im mittelalterlichen Europa war, kurz gesagt, komplex, und die 'politische' Macht stark fragmentiert und dezentralisiert. Die Loyalitäten waren vielfältig und weitgehend persönlich, und es war keine klare Hierarchie der politischen Autorität erkennbar. Die Regierungsgewalt war nicht territorial; sie war weitgehend Herrschaft über Personen, qua Individuen oder qua Christen. Moderner Staat: In der modernen Welt ist die Regierungsführung territorial. Moderne Politiken haben in den meisten Fällen bestimmte und klar abgegrenzte Territorien. Die Territorialisierung der Regierungsführung ist mit dem persönlichen Charakter der politischen Beziehungen nicht vereinbar. Und sie ist nicht damit vereinbar, dass Macht als persönlicher Besitz der Herrschenden verstanden wird. (...) das Gemeinwesen, d.h. der Staat, wird als eine Ordnung verstanden, die sich von der ... 'Regierung' seiner Handelnden und Institutionen (...) unterscheidet. Die moderne Verwendung des Begriffs 'Staat' zur Bezeichnung einer öffentlichen Ordnung, die sich sowohl von den Beherrschten als auch von den Herrschenden unterscheidet, mit hochgradig zentralisierten Institutionen, die die Macht über die Bewohner eines bestimmten Territoriums ausüben, scheint frühestens aus dem 16. Jahrhundert zu stammen (siehe Skinner, 1978(1): Bd. 2, 352ff; 1989(2): 90-131; Dyson, 1980(3): 25ff; Vincent, 1987(4): 16-19). >Staat/Skinner. Gaus I 198 Regierung/Herrschaft: In der modernen Welt wird die Herrschaft direkt; jedes einzelne Subjekt wird vom Souverän oder vom Staat ohne Vermittlung regiert (siehe insbesondere Tilly, 1990)(5). Die Entwicklung der direkten Herrschaft in diesem Sinne ist eine späte Entwicklung, die mit der von Michael Mann und anderen betonten "Durchdringung" der Gesellschaft durch den Staat zusammenhängt: "Der moderne Staat fügte Routine hinzu - formalisierte, rationalisierte Institutionen mit größerer Reichweite über Bürger und Territorien hinweg. Sie durchdringt ihre Territorien sowohl mit Recht als auch mit Verwaltung, wie es frühere Staaten nicht taten" (1986(6): Bd. 11, 56-7). >Souveränität/Morris, >Autorität/Morris. Gaus I 199 (...) Man kann sich den Staat in Form einer Reihe von miteinander verbundenen Merkmalen vorstellen (Morris, 1998(7): Kap. 2): 1) Kontinuität in Zeit und Raum: (a) Der moderne Staat ist eine Form der politischen Organisation, deren Institutionen über die Zeit fortbestehen; insbesondere überleben sie Führungs- oder Regierungswechsel. (b) Es handelt sich um die Form der politischen Organisation eines bestimmten und gesonderten Territoriums. 2) Transzendenz: Der moderne Staat ist eine besondere Form der politischen Organisation, die eine eine einheitliche öffentliche Ordnung darstellt, die sich sowohl von den Herrschenden als auch von den Regierenden unterscheidet und ihnen übergeordnet und handlungsfähig ist. 3) Politische Organisation: Die Institutionen, durch die der Staat handelt - insbesondere die Regierung, die Justiz, die Bürokratie, die Polizei - unterscheiden sich von anderen politischen Organisationen und Vereinigungen; sie sind formal miteinander koordiniert und relativ zentralisiert. Die Autoritätsbeziehungen sind hierarchisch. 4) Autorität: Der Staat ist souverän, d.h. die letzte Quelle der politischen Autorität auf seinem Territorium, und er beansprucht ein Monopol auf die Anwendung legitimer Gewalt innerhalb seines Territoriums. Gaus I 200 5) Loyalität: Der Staat erwartet und erhält die Loyalität seiner Mitglieder und der ständigen Bewohner seines Territoriums. >Autorität/Morris, >Rechtmäßigkeit/Morris, >Zwang/Morris, >Recht/Morris, >Autorität/Hart, >Sanktionen/Morris. Gaus I 203 Staat/Morris: Was muss ein Staat tun, um gerecht zu sein? Ein gerechter Staat ist vermutlich zuallererst einer, der die Zwänge der Gerechtigkeit respektiert. Gerechtigkeit setzt dem Verhalten (und den Absichten) von Personen und vermutlich auch von Institutionen Zwänge auf. Wir können annehmen, dass viele dieser Zwänge die Form von (moralischen) Rechten und Pflichten annehmen. Staaten müssen also die (moralischen) Rechte des Einzelnen respektieren und die dem Einzelnen geschuldeten Pflichten erfüllen. Gaus I 204 Staaten beanspruchen in der Regel Souveränität und ausschließliche Rechte zur Anwendung von Gewalt. Individuen sollen Gewaltanwendung nicht ohne Genehmigung des Staates ausüben. Es wird oft argumentiert, dass Staaten die besondere Aufgabe haben, sicherzustellen, dass wir nicht individuell Gewalt anwenden müssen (z.B. um uns selbst zu schützen). Wenn dies zutrifft, dann können Staaten folglich die Gewährleistung von Gerechtigkeit als eine ihrer Hauptaufgaben haben. Wir können dann von den Staaten verlangen, dass sie sie respektieren und für Gerechtigkeit sorgen. Angenommen, wir sagen, dass ein Staat insofern gerechtfertigt ist, als er gerecht (und effizient) ist. Problem: Nun kann es sein, dass kein Staat dadurch gerechtfertigt ist oder sein könnte. Individuen haben Rechte, die so stark und weitreichend sind, dass sie die Frage aufwerfen, was, wenn überhaupt, der Staat und seine Beamten tun dürfen. Wie viel Raum lassen die individuellen Rechte den Staaten?' (Nozick, 1974(8): ix). Es mag sein, dass die Zwänge der Gerechtigkeit so beschaffen sind, dass sie den gesamten moralischen Raum ausfüllen oder zumindest keinen Raum für die Ausübung der Funktionen des Staates oder gar für seine Existenz lassen. 1. Skinner, Quentin (1978) The Foundations of Modern Political Thought, 2 Bd. Cambridge: Cambridge University Press. 2. Skinner, Quentin (1989) 'The state'. In T. Ball, J. Farr and R. Hanson, (Hrsg.), Political Innovation and Conceptual Change. Cambridge: Cambridge University Press, 90_131. 3. Dyson, Kenneth H. F. (1980) The State Tradition in Western Eumpe. New York: Oxford University Press. 4. Vincent, Andrew (1987) Theories of the State. Oxford: Blackwell. 5. Tilly, Charles (1990) Coercion, Capital, and European states, AD 990-1990. Oxford: Blackwell. 6. Mann, Michael (1986) The Sources of Social Power, 2 Bd. Cambridge: Cambridge University Press. 7. Morris, Christopher W. (1998) An Essay on the Modern State. Cambridge: Cambridge University Press. 8. Nozick, Robert (1974) Anarchy, State, and Utopia. New York: Basic. Morris, Christopher W. 2004. „The Modern State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Staatliche Strukturen | Konstitutionelle Ökonomie | Parisi I 208 Staatliche Strukturen/Konstitutionelle Ökonomie/Voigt: Viele Wissenschaftler argumentieren, dass der Grad der Gewaltenteilung in präsidentiellen Systemen größer ist als in parlamentarischen Systemen, da der Chef der Exekutive (der Präsident) nicht auf das Vertrauen der Legislative (des Parlaments) angewiesen ist, um zu überleben. So weisen Persson, Roland und Tabellini (1997(1), 2000(2)) darauf hin, dass es für die Legislative in parlamentarischen Systemen leichter ist, mit der Exekutive zusammenzuarbeiten, weshalb sie in diesen Systemen mehr Korruption und höhere Steuern erwarten als in präsidentiellen Systemen. >Staatliche Strukturen/Persson/Tabellini. Parisi I 209 Korruption: Gerring und Thacker (2004)(3) stellen fest, dass parlamentarische Systeme deutlich weniger unter Korruption leiden als präsidiale Systeme. Sie argumentieren (2004(3), S. 314), dass "effektive Rechenschaftspflicht aus einer stark strukturierten Beziehung zwischen Wählern und politischen Parteien und aus den relativ klaren Autoritätslinien entsteht, die von einem zentralisierten politischen Apparat eingerichtet werden." Lederman, Loayza und Soares (2005)(4) kommen ebenfalls zu dem Ergebnis, dass parlamentarische Systeme weniger unter Korruption leiden als präsidiale Systeme, und ziehen ebenfalls den Begriff der Rechenschaftspflicht heran, um dies zu erklären. Ihr Argument ist, dass parlamentarische Systeme "eine stärkere und unmittelbarere Überwachung der Exekutive durch die Legislative ermöglichen... "Sie kommen zu dem Schluss, dass, nachdem politische Institutionen berücksichtigt wurden, Variablen, die normalerweise als wichtige Determinanten von Korruption angesehen werden... praktisch ihre gesamte Relevanz verlieren." In seiner Untersuchung repliziert Treisman (2007)(5) diese Ergebnisse, findet aber, dass der Präsidentialismus unbedeutend wird, sobald man für Katholizismus kontrolliert oder wenn ein Dummy für Südamerika einbezogen wird. Parisi I 210 Geographie/Geschichte: In einer aktuellen Studie finden Cheibub, Elkins und Ginsburg (2013)(6) ein hohes Maß an Heterogenität bei den Merkmalen, die üblicherweise den Regierungsformen zugeschrieben werden, und kommen zu dem Schluss (2013, S. 3): "Tatsächlich ist das Wissen, ob eine Verfassung parlamentarisch, präsidial oder semipräsidentiell ist, weniger hilfreich bei der Vorhersage der exekutiv-legislativen Struktur einer Verfassung ... als die Kenntnis der geographischen Region, in der die Verfassung entstanden ist oder wann sie geschrieben wurde." Vgl. >Judikative/Konstitutionelle Ökonomie, >Föderalismus/Konstitutionelle Ökonomie, >Direkte Demokratie/Konstitutionelle Ökonomie. 1. Persson, T., G. Roland, and G. Tabellini (1997). "Separation of Powers and Political Accountability." Quarterly Journal of Economics 1 12: 310-327. 2. Persson, T., G. Roland, and G. Tabellini (2000). "Comparative Politics and Public Finance." Journal of Political Economy 108(6): 1121-1161. 3. Gerring, J. and S. Thacker (2004). "Political Institutions and Corruption: the Role of Unitarism and Parliamentarism." British Journal of Political Science 34:295—330. 4. Lederman, D., N. Loayza, and R. Soares (2005). "Accountability and Corruption." Economics and Politics 17(1): 1-35. 5. Treisman, D. (2007). "What have We Learned About the Causes of Corruption from Ten Years of Cross-National Empirical Research?" Annual Review of Political Science 10: 211-244. 6. Cheibub, J., Z. Elkins, and T. Ginsburg (2013). "Beyond Presidentialism and Parliamentarism." British Journal of Political Science 44(3):515-544. Voigt, Stefan. “Constitutional Economics and the Law”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Staatliche Strukturen | Persson | Parisi I 208 Staatliche Strukturen/Persson/Tabellini/Voigt: Viele Wissenschaftler argumentieren, dass der Grad der Gewaltenteilung in präsidentiellen Systemen größer ist als in parlamentarischen Systemen, da der Chef der Exekutive (der Präsident) nicht auf das Vertrauen der Legislative (des Parlaments) angewiesen ist, um zu überleben. So weisen Persson, Roland und Tabellini (1997(1), 2000(2)) darauf hin, dass es für die Legislative in parlamentarischen Systemen leichter ist, mit der Exekutive zusammenzuarbeiten, weshalb sie in diesen Systemen mehr Korruption und höhere Steuern erwarten als in präsidentiellen Systemen. Sie argumentieren weiter, dass die Mehrheit (sowohl der Wähler als auch der Gesetzgeber) in parlamentarischen Systemen Ausgabenprogramme verabschieden kann, deren Nutzen eindeutig auf sie selbst abzielt, was impliziert, dass sie in der Lage ist, sich selbst zum Nachteil der Minderheit besser zu stellen. Dies ist der Grund, warum Persson, Roland, und Tabellini (2000)(2) argumentieren, dass sowohl die Steuern als auch die Staatsausgaben in parlamentarischen Systemen höher sind als in präsidentiellen Systemen. Um ihre Hypothesen zu testen, mussten Persson und Tabellini (2003)(3) präsidiale im Gegensatz zu parlamentarischen Systemen kodieren. Wenn es kein Misstrauensvotum gab, kodierten sie das Land als präsidial. Sie kamen zu den folgenden Ergebnissen. (1) Die Staatsausgaben sind in Präsidialsystemen etwa 6% des BIP niedriger als in parlamentarischen Systemen. (2) Der Umfang des Wohlfahrtsstaates ist in präsidialen Systemen um etwa 2-3% geringer. (3) Der Einfluss der Regierungsform auf das Haushaltsdefizit ist eher marginal; die binäre Variable erklärt nur einen kleinen Teil der Variation der Haushaltsdefizite. (4) Präsidentielle Systeme scheinen ein niedrigeres Korruptionsniveau zu haben. (5) Es gibt keine signifikanten Unterschiede im Niveau der Regierungseffizienz zwischen den beiden Regierungsformen. (6) Präsidentielle Systeme scheinen ein Hindernis für eine erhöhte Produktivität zu sein, aber dieses Ergebnis ist nur auf dem 10%-Niveau signifikant. VsTabellini/VsPersson: In einer Studie, die die Schätzungen von PT (= Persson/Tabellini) repliziert und erweitert, gießen Blume et al. (2009a)(4) etwas Wasser in den Wein von PT. Es stellt sich heraus, dass die Ergebnisse von PT nicht robust sind, nicht einmal gegenüber kleinen Modifikationen. Erhöht man die Anzahl der Beobachtungen von achtzig auf zweiundneunzig, so wird der Dummy des Präsidenten bei der Erklärung der Variation der Ausgaben des Zentralstaates insignifikant. Dies ist auch der Fall, sobald eine leicht veränderte Abgrenzung von Präsidentialismus verwendet wird. >Wahlordnung/Tabellini/Persson, vgl. >Justizwesen/Konstitutionelle Ökonomie, >Föderalismus/Konstitutionelle Ökonomie. 1. Persson, T., G. Roland, and G. Tabellini (1997). "Separation of Powers and Political Accountability." Quarterly Journal of Economics 1 12: 310-327. 2. Persson, T., G. Roland, and G. Tabellini (2000). "Comparative Politics and Public Finance." Journal of Political Economy 108(6): 1121-1161. 3. Persson, T. and G. Tabellini (2003). The Economic Effects of Constitutions. Cambridge, MA: The MIT Press. Voigt, Stefan. “Constitutional Economics and the Law”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University |
EconPerss I Torsten Persson Guido Tabellini The size and scope of government: Comparative politics with rational politicians 1999 Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Staatliche Strukturen | Tabellini | Parisi I 208 Staatliche Strukturen/Persson/Tabellini/Voigt: Viele Wissenschaftler argumentieren, dass der Grad der Gewaltenteilung in präsidentiellen Systemen größer ist als in parlamentarischen Systemen, da der Chef der Exekutive (der Präsident) nicht auf das Vertrauen der Legislative (des Parlaments) angewiesen ist, um zu überleben. So weisen Persson, Roland und Tabellini (1997(1), 2000(2)) darauf hin, dass es für die Legislative in parlamentarischen Systemen leichter ist, mit der Exekutive zusammenzuarbeiten, weshalb sie in diesen Systemen mehr Korruption und höhere Steuern erwarten als in präsidentiellen Systemen. Sie argumentieren weiter, dass die Mehrheit (sowohl der Wähler als auch der Gesetzgeber) in parlamentarischen Systemen Ausgabenprogramme verabschieden kann, deren Nutzen eindeutig auf sie selbst abzielt, was impliziert, dass sie in der Lage ist, sich selbst zum Nachteil der Minderheit besser zu stellen. Dies ist der Grund, warum Persson, Roland, und Tabellini (2000)(2) argumentieren, dass sowohl die Steuern als auch die Staatsausgaben in parlamentarischen Systemen höher sind als in präsidentiellen Systemen. Um ihre Hypothesen zu testen, mussten Persson und Tabellini (2003)(3) präsidiale im Gegensatz zu parlamentarischen Systemen kodieren. Wenn es kein Misstrauensvotum gab, kodierten sie das Land als präsidial. Sie kamen zu den folgenden Ergebnissen. (1) Die Staatsausgaben sind in Präsidialsystemen etwa 6% des BIP niedriger als in parlamentarischen Systemen. (2) Der Umfang des Wohlfahrtsstaates ist in präsidialen Systemen um etwa 2-3% geringer. (3) Der Einfluss der Regierungsform auf das Haushaltsdefizit ist eher marginal; die binäre Variable erklärt nur einen kleinen Teil der Variation der Haushaltsdefizite. (4) Präsidentielle Systeme scheinen ein niedrigeres Korruptionsniveau zu haben. (5) Es gibt keine signifikanten Unterschiede im Niveau der Regierungseffizienz zwischen den beiden Regierungsformen. (6) Präsidentielle Systeme scheinen ein Hindernis für eine erhöhte Produktivität zu sein, aber dieses Ergebnis ist nur auf dem 10%-Niveau signifikant. VsTabellini/VsPersson: In einer Studie, die die Schätzungen von PT (= Persson/Tabellini) repliziert und erweitert, gießen Blume et al. (2009a)(4) etwas Wasser in den Wein von PT. Es stellt sich heraus, dass die Ergebnisse von PT nicht robust sind, nicht einmal gegenüber kleinen Modifikationen. Erhöht man die Anzahl der Beobachtungen von achtzig auf zweiundneunzig, so wird der Dummy des Präsidenten bei der Erklärung der Variation der Ausgaben des Zentralstaates insignifikant. Dies ist auch der Fall, sobald eine leicht veränderte Abgrenzung von Präsidentialismus verwendet wird. >Wahlordnung/Tabellini/Persson, vgl. >Justizwesen/Konstitutionelle Ökonomie, >Föderalismus/Konstitutionelle Ökonomie. 1. Persson, T., G. Roland, and G. Tabellini (1997). "Separation of Powers and Political Accountability." Quarterly Journal of Economics 1 12: 310-327. 2. Persson, T., G. Roland, and G. Tabellini (2000). "Comparative Politics and Public Finance." Journal of Political Economy 108(6): 1121-1161. 3. Persson, T. and G. Tabellini (2003). The Economic Effects of Constitutions. Cambridge, MA: The MIT Press. Voigt, Stefan. “Constitutional Economics and the Law”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University |
EconTabell I Guido Tabellini Torsten Persson The size and scope of government: Comparative politics with rational politicians 1999 Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Sterben | Braidotti | Braidotti I 111 Sterben/Braidotti: (...) Die posthumane vitalistische Politik verschiebt die Grenzen zwischen Leben und Tod und beschäftigt sich folglich nicht nur mit der Regierung der Lebenden, sondern auch mit Praktiken des Sterbens. >Posthumanismus/Braidotti, >Tod/Braidotti. Die meisten von ihnen sind mit unmenschlichen sozialen und politischen Phänomenen wie Armut, Hunger und Obdachlosigkeit verbunden, die Zillah Eisenstein treffend als „globale Obszönitäten“ (1998)(1) bezeichnet hat. Vandana Shiva (1997)(2) weist darauf hin, dass die Biomacht bereits zu einer Form der „Biopiraterie“ geworden ist, die sehr fundierte und konkrete politische Analysen erfordert. So sind die Körper der empirischen Subjekte, die Differenz bedeuten (Frau/Eingeborene/Erde oder natürliche Andere), zu den Wegwerfkörpern der globalen Wirtschaft geworden. Kapitalismus: Der zeitgenössische Kapitalismus ist in der Tat „biopolitisch“, da er darauf abzielt, alles Lebendige zu kontrollieren, wie Foucault argumentiert, aber da das Leben nicht nur das Vorrecht des Menschen ist, eröffnet er eine zoopolitische* oder post-anthropozentrische Dimension. >Leben, >Anthropozentrismus, >Post-Anthropozentrismus, >Mensch/Braidotti. Braidotti I 130 (...) wir müssen rigoroser über die Arten des Sterbens nachdenken, im posthumanen Kontext der Nekropolitik einerseits und der neuen forensischen sozialen Sensibilität andererseits. Wie würde ein vitalistisches und materialistisches Verständnis des Todes funktionieren? Der Tod ist kein menschliches Vorrecht, vor allem nicht im Zeitalter der „verschwindenden“ Natur. Nachdem wir die Antipoden der rationalistischen Vorstellung von der menschlichen Verantwortung für die Natur erreicht haben, lautet die ökologische Frage, wie das Aussterben der Arten verhindert werden kann. Dies ist eine biopolitische Frage: Welche Arten dürfen überleben und welche müssen sterben? >Biopolitik, >Tod. Und was sind die Kriterien, die es uns ermöglichen würden, das zu entscheiden? Die posthumane Theorie betont, dass wir für die Entwicklung angemessener Kriterien eine alternative Vision der Subjektivität brauchen, um diese Anstrengung zu unterstützen und zu operationalisieren. >Posthumanismus/Braidotti, >Subjektivität/Braidotti. Wir sollten damit beginnen, die verschiedenen sozial verteilten und organisierten Arten des Sterbens aufzulisten: Gewalt, Krankheiten, Armut, Unfälle, Kriege und Katastrophen. Das Fortbestehen von politischer Gewalt und Vorstellungen von „gerechten Kriegen“ ist Teil dieses Gesprächs, ebenso wie die Analyse der Art und Weise, wie kritische Philosophen mit dem Tod umgegangen sind (Critchley, 2008)(3). >Krieg, >Gewalt. *Der vitalistische Ansatz für lebende Materie verschiebt die Grenze zwischen dem Teil des Lebens - sowohl des organischen als auch des diskursiven -, der traditionell dem anthropos, also dem bios, vorbehalten war, und dem weiteren Bereich des tierischen und nicht-menschlichen Lebens, der auch als zoe bezeichnet wird. 1. Eisenstein, Zillah. 1998. Global Obscenities. Patriarchy, Capitalism and the Lure of Cyberfantasy. New York: New York University Press. 2. Shiva, Vandana. 1997. Biopiracy. The Plunder of Nature and Knowledge. Boston, MA: South End Press. 3. Critchley, Simon. 2008. The Book of Dead Philosophers. London: Granta. |
Braidotti I Rosie Braidotti The Posthuman Cambridge, UK: Polity Press 2013 |
| Steuerinzidenz | Saez | Saez I 12 Steuerinzidenz/Saez/Zucman: Die Frage, wer heute die von den Regierungen erhobenen Steuern zahlt, ist (...) das, was Ökonomen ganz verwirrend als "Steuerinzidenz" bezeichnen. Was würde zum Beispiel passieren, wenn der Körperschaftssteuersatz gesenkt würde? Im Prinzip könnte sich vieles ändern: Die Unternehmen könnten das Einkommen der Aktionäre durch höhere Dividendenzahlungen oder Aktienrückkäufe steigern; sie könnten die Löhne ihrer Mitarbeiter erhöhen; sie könnten den Preis der von ihnen verkauften Produkte senken; sie könnten Saez I 13 Investitionen in Fabriken oder in Forschung und Entwicklung ausweiten. Saez I 99 Die Inzidenz ist ein Schlüsselelement jeder steuerpolitischen Analyse (...). Die unzähligen Arten aufzuspüren, in denen Änderungen in der Besteuerung das wirtschaftliche Verhalten, die Höhe der Wirtschaftsleistung, Saez I 100 und die Verteilung des Einkommens in der Bevölkerung beeinflussen, ist das, worum es bei der Steuerinzidenz geht. In einer der ältesten und berühmtesten Analysen der Steuerinzidenz erklärte Adam Smith in "The Wealth of Nations", wie Lohnsteuern auf das Kapital verlagert werden können. Wenn Landwirte am Existenzminimum leben (sie verdienen nicht mehr als das, was sie zum Überleben benötigen), würde die Besteuerung ihres Lohns sie verhungern lassen. In diesem Fall würde eine Lohnsteuer weg von den armen Bauern hin zu wohlhabenderen Landbesitzern verlagert, da diese Eigentümer gezwungen wären, die Löhne zu erhöhen, um ihre Arbeitskräfte am Leben zu erhalten. Die Steuerinzidenz läuft auf einfache empirische Fragen hinaus: Wie elastisch sind Kapital und Arbeit? >Elastizität/Saez/Zucman. Saez I 103 (...) [der] Beweis(1) beweist nicht, dass die Kapitalbesteuerung keine wirtschaftlichen Kosten verursacht. Sie zeigt, dass die Kapitalsteuern langfristig von den Kapitaleignern und nicht von der Arbeit getragen werden, da sich die Spar- und Investitionsquoten nicht viel ändern. Da der Kapitalstock bei hohen Kapitalsteuern nicht niedriger ist (und damit auch die Löhne nicht niedriger), sinkt die Inzidenz der Kapitalsteuern quadratisch auf das Kapital. Da die Reichen den größten Teil ihres Einkommens aus Kapital beziehen, während die Arbeiterklasse und die Mittelschicht den größten Teil ihres Einkommens aus Arbeit beziehen, schaden Kapitalsteuern in erster Linie den Reichen - nicht der Arbeiterklasse. >Steuerehrlichkeit, >Steuerflucht, >Steueroasen, >Steuerschlupflöcher, >Steuersystem, >Steuervermeidung, >Steuerwettbewerb, >Besteuerung. 1. Thomas Piketty and Gabriel Zucman. “Capital Is Back: Wealth-Income Ratios in Rich Countries 1700–2010.” Quarterly Journal of Economics 129, no. 3 (2014): 1255–1310. |
|
| Steuerinzidenz | Zucman | Saez I 12 Steuerinzidenz/Saez/Zucman: Die Frage, wer heute die von den Regierungen erhobenen Steuern zahlt, ist (...) das, was Ökonomen ganz verwirrend als "Steuerinzidenz" bezeichnen. Was würde zum Beispiel passieren, wenn der Körperschaftssteuersatz gesenkt würde? Im Prinzip könnte sich vieles ändern: Die Unternehmen könnten das Einkommen der Aktionäre durch höhere Dividendenzahlungen oder Aktienrückkäufe steigern; sie könnten die Löhne ihrer Mitarbeiter erhöhen; sie könnten den Preis der von ihnen verkauften Produkte senken; sie könnten Saez I 13 Investitionen in Fabriken oder in Forschung und Entwicklung ausweiten. Saez I 99 Die Inzidenz ist ein Schlüsselelement jeder steuerpolitischen Analyse (...). Die unzähligen Arten aufzuspüren, in denen Änderungen in der Besteuerung das wirtschaftliche Verhalten, die Höhe der Wirtschaftsleistung, Saez I 100 und die Verteilung des Einkommens in der Bevölkerung beeinflussen, ist das, worum es bei der Steuerinzidenz geht. In einer der ältesten und berühmtesten Analysen der Steuerinzidenz erklärte Adam Smith in "The Wealth of Nations", wie Lohnsteuern auf das Kapital verlagert werden können. Wenn Landwirte am Existenzminimum leben (sie verdienen nicht mehr als das, was sie zum Überleben benötigen), würde die Besteuerung ihres Lohns sie verhungern lassen. In diesem Fall würde eine Lohnsteuer weg von den armen Bauern hin zu wohlhabenderen Landbesitzern verlagert, da diese Eigentümer gezwungen wären, die Löhne zu erhöhen, um ihre Arbeitskräfte am Leben zu erhalten. Die Steuerinzidenz läuft auf einfache empirische Fragen hinaus: Wie elastisch sind Kapital und Arbeit? >Elastizität/Saez/Zucman. Saez I 103 (...) [der] Beweis(1) beweist nicht, dass die Kapitalbesteuerung keine wirtschaftlichen Kosten verursacht. Sie zeigt, dass die Kapitalsteuern langfristig von den Kapitaleignern und nicht von der Arbeit getragen werden, da sich die Spar- und Investitionsquoten nicht viel ändern. Da der Kapitalstock bei hohen Kapitalsteuern nicht niedriger ist (und damit auch die Löhne nicht niedriger), sinkt die Inzidenz der Kapitalsteuern quadratisch auf das Kapital. Da die Reichen den größten Teil ihres Einkommens aus Kapital beziehen, während die Arbeiterklasse und die Mittelschicht den größten Teil ihres Einkommens aus Arbeit beziehen, schaden Kapitalsteuern in erster Linie den Reichen - nicht der Arbeiterklasse. >Steuerehrlichkeit, >Steuerflucht, >Steueroasen, >Steuerschlupflöcher, >Steuersystem, >Steuervermeidung, >Steuerwettbewerb, >Besteuerung. 1. Thomas Piketty and Gabriel Zucman. “Capital Is Back: Wealth-Income Ratios in Rich Countries 1700–2010.” Quarterly Journal of Economics 129, no. 3 (2014): 1255–1310. |
|
| Stress | Psychologische Theorien | Corr I 206 Psychologischer Stress/Psychologische Theorien/Elovainio/Kivimäki: Die Forschungsergebnisse über die Zusammenhänge zwischen sozialen, psychologischen und physiologischen Reaktionen sind ohne den Begriff Stress schwer zu verstehen. Einer der grundlegenden Schritte zur Erforschung der Black Box zwischen Persönlichkeit und Gesundheit wurde mit der Einführung des Begriffs von Stress als biologischem Phänomen unternommen (Selye 1956)(1). Der Begriff Stress stammt ursprünglich aus dem Ingenieurswesen, wo er Druck in physikalischen Strukturen bedeutete, der sich aus äußeren Lasten und Kräften ergab. In der Psychologie und Physiologie blieb die Idee des Stresses als äußere Belastung oder Anforderung an ein biologisches, physiologisches oder psychologisches System. Vgl. Selye 1973(2). >Stress/Selye. Im Allgemeinen bezieht sich der Begriff Stress auf das Erleben von Ereignissen, die als Gefährdung des körperlichen oder geistigen Wohlbefindens wahrgenommen werden. Stressreaktionen zeigen typischerweise eine Spezifität von Reiz und Reaktion. Außerdem ist es offensichtlich, dass es keine objektive Möglichkeit gibt, das psychische Stressniveau vorherzusagen, ohne die individuelle Leistungsfähigkeit zu berücksichtigen (Lazarus 1993)(3). >Stress/Lazarus. Corr I 207 Paradoxon des Stresses: Das Paradoxon von Stress liegt in der Gleichzeitigkeit seiner adaptiven Natur und seiner möglichen Rolle in der Krankheitsätiologie. Die effektiven, orchestrierten körperlichen Reaktionen auf Alltagsstressfaktoren oder tägliche Probleme sind entscheidend für unsere Anpassung und unser Überleben, und ein moderater Stress stärkt unsere Ressourcen, um mit ähnlichen Situationen in der Zukunft fertig zu werden. McEwen (1998(4); McEwen und Stellar 1993(5)) hat die vorherrschenden Bedingungen beschrieben, unter denen die adaptive Funktion beeinträchtigt werden kann und die möglichen gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Stress auftreten. >Allostase/McEwen. Corr I 208 Die Bewältigung stellt einen wichtigen Aspekt von Stress dar. Die Bewältigung zielt auf die Minimierung, Ablenkung oder Bewältigung von Not und wird manchmal als allgemeine Reaktion auf Bedrohung oder Nachfrage definiert und gilt als von Einzelpersonen ausgewählt, weil sie gut zu dem Stressfaktor oder der Situation passt (Lazarus und Folkman 1984)(6). Die Anwendung bestimmter Bewältigungsformen wird auch durch die Ressourcen, die man in die Situation einbringt, und durch Persönlichkeitsvariablen beeinflusst, die die eigenen Entscheidungen oder Handlungspräferenzen beeinflussen (z.B. Scheier, Carver and Bridges 1994)(7). 1. Selye, H. 1956. What is stress?, Metabolism 5: 525 2. Selye, H. 1973. The evaluation of the stress concept, American Scientist 61: 692–9 3. Lazarus, R. S. 1993. From psychological stress to the emotions: a history of changing outlooks, Annual Review of Psychology 44: 1–21 4. McEwen, B. S. 1998. Protective and damaging effects of stress mediators, mediators, New England Journal of Medicine 338: 171–9 5. McEwen, B. S. and Stellar, E. 1993. Stress and the individual: mechanisms leading to disease, Archives of Internal Medicine 153: 2093–101 6. Lazarus, R. S. and Folkman, S. 1984. Stress, appraisal and coping. New York: Springer 7. Scheier, M. F., Carver, C. S. and Bridges, M. W. 1994. Distinguishing optimism from neuroticism (and trait anxiety, self-mastery, and self-esteem): a reevaluation of the Life Orientation Test, Journal of Personal Social Psychology 67: 1063–78 Marko Elovainio and Mika Kivimäki, “Models of personality and health”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Symbolische Kommunikation | Deacon | I 334 Symbolische Kommunikation/Deacon: es gab niemals eine Protosprache mit einfacheren Strukturen als z.B. die Unterscheidung von Subjekt und Prädikat, die überhaupt mit Symbolen statt mit reinen Indizes umgeht. >Index/Deacon, Symbol/Deacon. Diese Formen waren von Anfang an vorhanden, als symbolische Kommunikation entstand. Tiefenstruktur: Für die Tiefenstruktur gibt es keine Merkmale, die über Sprachgrenzen hinaus wirksam wären wie Satzstellung, Satzmelodie oder spezifische Wörter. Daher ist es stichhaltig, dass Chomsky sich von darwinistischen Erklärungen verabschiedet. >Tiefenstruktur, >N. Chomsky, >VsChomsky. I 335 Sprache/Gehirn/Deacon: Die speziellen neuronalen Verarbeitungen, die notwendig sind, um die Aufmerksamkeitsschwelle zu überwinden, hängen von Prozessen ab, die im präfrontalen Cortex stattfinden. Hier haben wir eine Gemeinsamkeit zwischen individuellen Gehirnen und einen Angriffspunkt für eine Baldwinsche Evolution. >Baldwins Evolution. I 353 Symbolische Kommunikation/Evolution: Symbolische Kommunikation hat sich über zwei Millionen Jahre entwickelt. Dass das Sprechen der wesentliche Strang für die tägliche Kommunikation und die Weitergabe unserer Sprache an die Kinder ist, wie es heute der Fall ist, war nicht immer so. >Kommunikation, >Sprachentwicklung. I 354 Nichtverbale Kommunikation mag über lange Zeit in Konkurrenz zu verbaler Kommunikation gestanden haben. Vgl. >Gesten, >Tiere, >Tiersprache. I 362 Symbolische Kommunikation/Gesten/Artikulation/Sprache/Deacon: Wegen der noch nicht ausgebildeten vokalen Fähigkeiten von Frühmenschen dürfte frühe symbolische Kommunikation nicht einfach nur eine simplere Sprache gewesen sein, sondern sollte sich in vielerlei Hinsicht von Sprache unterscheiden. Einige Autoren vermuteten, dass frühe Sprache wie Wortketten ohne bestimmte Syntax oder Grammatik beschaffen gewesen seien. DaeconVs: Paradoxerweise dürfte die Beschränkung des Stimmapparats eine größere Komplexität früher Sprachen zur Folge gehabt haben. >Syntax. I 363 Ein kleineres Repertoire an Klangunterschieden führt zunächst zu längeren Ketten. Solche Sprachen sind dann in stärkerem Maße fehleranfällig. Das Kurzzeitgedächtnis wird außerdem stärker ausgelastet. Zur Vermeidung von Irrtümern dürfte ein erhöhtes Maß an Redundanz zweckmäßig gewesen sein. >Redundanz. I 368 Sprachentstehung: Es ist ein verbreiteter Fehler, aus primitivem Werkzeuggebrauch früher Völker auf eine primitive Sprache zu schließen. Ebenso ist es problematisch, aus dem Fehlen von Belegen überhaupt etwas zu erschließen. I 370 Während Steinwerkzeuge in verschiedenen Regionen der Erde sich ähnelten (ihr Gebrauch war universell) wird sich die frühe symbolische Kommunikation entfernter Völker nicht im selben Maße geglichen haben. I 372 Neandertaler hatten aus neurologischer Sicht ein vollentwickeltes modernes Gehirn. I 373 Der Hauptgrund für den Niedergang früher Völker waren eingeschleppte Krankheiten, nicht kulturelle Unterlegenheit. Mit den schnellen Veränderungen im Paläolithikum korrespondiert keine biologische Veränderung. >Aussterben. I 378 Warum hat symbolische Kommunikation sich entwickelt? Sie war nützlich für Koordination bei der Jagd, zur Weitergabe von Wissen über Werkzeuggebrauch und vieles mehr. Aber keins davon kann als Erklärung dienen, da es immer schon eine gewisse symbolische Kommunikation voraussetzt. Die ersten Anfänge waren wahrscheinlich nur ein kleiner Teil der sozialen Kommunikation und nicht besser ausgebildet als die Kommunikation moderner Affen. Problem: Das Lernen von Symbolen erfordert viel indirekteres Assoziieren als das, was normalerweise bei Assoziationen in anderen Organismen als dem Menschen zum Einsatz kommt. Diese indirekteren Assoziationen sind zunächst gar nicht von Nutzen und damit ineffizient und schädlich für das Überleben. >Assoziation. I 378-381 Aus evolutionärer Sicht ist die wichtigste Information die, die das Weibchen über die Fähigkeiten des Männchens erhalten kann und die das Männchen dem Weibchen zu liefern in der Lage ist. Dabei muss Fehlinformation ausgeschieden werden können und Information von anderen Verhaltensweisen unterschieden werden können. I 382 Die Kommunikation zwischen Männchen muss komplexer sein, wenn es darum geht, die Stärken eines Rivalen einzuschätzen, ohne einen direkten Kampf zu riskieren. I 384 Menschliche Kommunikation/Deacon: These: Die Entwicklung komplexerer (symbolischer) Kommunikationsmittel ist wahrscheinlich dort angelegt, wo es gilt, den unvermeidlichen Konflikt zwischen sexueller Reproduktion und sozialer Kooperation zu regeln. I 385 Ein besonderes Merkmal menschlicher gegenüber tierischen Gemeinschaften ist die langfristige sexuelle Bindung. Hochzeiten etablieren eine größere Anzahl von Rechten und Verpflichtungen innerhalb einer Gemeinschaft. Heiratsregeln legen fest, wer wen heiraten kann oder eben nicht. Die meisten Gemeinschaften kennen ein Inzestverbot. Vgl. >C. Lévi-Strauss. I 388 Charakteristisch für menschliche Gemeinschaften ist eine relativ stabile Paarung von Eltern mit gleichzeitiger Sorge für die Aufzucht der Nachkommen innerhalb eines größeren sozialen Verbands. Der Grund, warum dies in der Evolution selten ist, ist der, dass solche Strukturen dazu tendieren, sich selbst zu unterminieren. I 392 Zusammenleben in Gruppen und gleichzeitige männliche Brutpflege kann nur aufrechterhalten werden, wenn der Zugang zur Reproduktion begrenzt und eindeutig ist, was nur in Gemeinschaften von Fleischfressern der Fall ist. Ersatz für Pflege wird nur von Verwandten geleistet. Eine Besonderheit ist, dass wir Menschen besonders schlecht ausgerüstet sind, soziales Verhalten durch Gerüche zu steuern. I 396 Weibchen müssen eine Garantie haben, dass ihr Nachwuchs durch Männchen mit Fleisch versorgt wird. Die Männchen müssen sicher sein können, dass sie nur ihren eigenen Nachwuchs versorgen. I 397 Das Problem der Aufstellung einer Sozialstruktur, die dies ermöglicht, kann durch Symbolgebrauch gelöst werden. I 401 Im Zusammenhang mit Heiratsregeln geht es um Reziprozität und Altruismus. Dazu müssen vergangene und mögliche zukünftige Handlungen repräsentiert werden können. Indexikalische Kommunikation reicht dafür nicht aus. Allerdings genügen schon ziemlich einfache Symbole. >Altruismus. Abstrakte Referenz: Referenz auf Abwesendes wurde durch Ritualisierung geübt und erreicht. I 403 Abstraktheit: Ein besonders schwierig zu symbolisierendes Problem ist Frieden bzw. seine Herstellung. Das hängt zusammen mit den hohen Kosten möglicher Täuschung. >Täuschung, >Frieden. I 405 Negation: Um Krieg und Frieden zu unterscheiden wird Negation bzw. symbolische Darstellung von Negation gebraucht. Zusätzlich braucht man Verallgemeinerung, um Frieden als Abwesenheit aller Konflikte verstehen zu können. >Negation, >Verallgemeinerung. |
Dea I T. W. Deacon The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998 Dea II Terrence W. Deacon Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013 |
| Terminologien | Baudrillard | Blask I 11 Verführung: dieser Begriff gewinnt später bei Baudrillard Bedeutung. Im Gegensatz zur Simulation ist Verführung reiner Schein und nicht Zeichenwelt. Blask I 11 Fatalität/Baudrillard: zu den fatalen Strategien gehören Verführung, die Wiederkehr und die Ekstase. Alles spielt sich sowieso ab. Blask I 26 Simulakra = künstliche Zeichenwelten. Blask I 34 Implosion/Baudrillard: das Verschwinden der Pole von Ursache und Wirkung, von Subjekt und Objekt. Individuum und Klasse haben keine Bedeutung mehr. Massen nur noch als statistisches Phänomen. Implosion des Sinnes. Beginn der Simulation. Blask I 46 Der symbolische Tausch löst den Gegensatz zwischen realen und imaginären auf. Beliebige Austauschbarkeit der Zeichen. Blask I 47 Krise: keine Bedrohung, sondern Versuch, das Vertrauen zu erneuern. Selbst erzeugt vom System. Blask I 47 Symbolischer Tausch: (im Anschluss an Marcel Mauss): Gabe ohne Gegengabe. Jenseits des Äquivalenzprinzip. Kein Wertgesetz. Man erhält unvermeidlich etwas zurück, aber kein Wertesystem diktiert die Angemessenheit. Baudrillard: man soll das System herausfordern, durch eine Gabe, auf die es nicht antworten kann, es sei denn durch seinen eigenen Tod und Zusammenbruch. Blask I 55 Alfred Jarry: "Pataphysik". In Anlehnung daran charakterisiert und real sein eigenes Werk. Blask I 57 Verführung: Träger der Reversibilität. »Die Verführung ist der reine Schein und keine Zeichenwelt.« Sie verzichtet auf das Prinzip der Repräsentation und etabliert bereits »das Andere« im Gegensatz zum Identischen. Gegen jede Art von Kausalität und Determination. Das Gesetz weicht der Spielregel, die Simulation der Illusion, die Kommunikation der Ironie. Die Verführung ist falscher als das Falsche, denn sie gebraucht Zeichen, die bereits Scheinformen sind, um den Zeichen ihren Sinn zu entziehen. Blask I 58 Verführung: Ausgangspunkt das Gegenteil: Wahrheit, resultiert aus einem krampfhaften Drang nach Enthüllung . Pornographie, Beispiel für die Eskalation der Wahrheit: wahrer als das Wahre. Kein Geheimnis. Selbst die Liebe steht nach bekenntnishafter Wahrheit und letztlich Obszönität. Blask I 58 Verführung: Ausgangspunkt das Gegenteil: Wahrheit, resultiert aus einem krampfhaften Drang nach Enthüllung . Pornographie, Beispiel für die Eskalation der Wahrheit: wahrer als das Wahre. Kein Geheimnis. Selbst die Liebe steht nach bekenntnishafter Wahrheit und letztlich Obszönität. Blask I 59 Verführung: keine Wahrheit, kein Ort, kein Sinn. Der Verführer weiß selbst nicht um das Rätsel der Verführung. Frau: nur Schein, sie verfügt über eine Strategie des Scheins. Verführung: die Stärke des Verführers liegt darin, nicht zu begehren. Reversibilität als Gegenkraft zum Kausalitätsprinzip. Blask I 60 Verführung: erzeugt kein Gesetz, sondern beruht auf Spielregeln, auf die man sich freiwillig einlassen kann. Liebe: individuelle, einseitig und egoistisch. Verführung: zweiseitig und antagonistisch, nach Regeln, die keinen Wahrheitsanspruch haben. Sexualität und Liebe sind eher Auflösungsformen der Verführung. Verführung schätzt Distanz und ist unendlicher Rettung einer Austausch. Das weibliche es nicht das Gegenteil des männlichen sondern sein Verführer. Verführung ersetzt Dialektik. Blask I 62 Das Böse: nicht Gegenteil, sondern Verführer des Guten. Blask I 67 Fatalität/Baudrillard: Ekstase - Ironie (überwindet Moral und Ästhetik) - Überlegenheit des Objekts Prinzip des Bösen - zugleich Subversion. Blask I 68 Ekstase/Baudrillard: wohnt allen Dingen der Gegenwart inne. Leidenschaft für Verdoppelung und Steigerungen. Verabschiedet die Dialektik, löst deren Gegensätzlichkeiten aus. »Entweder oder« existiert nicht mehr. Bsp Krebszellen: Wachstumsbeschleunigung, Unordnung und Ziellosigkeit. Blask I 69/70 Ekstase: gleichzeitig Verlangsamung, Trägheit. Ende vor dem Ende und Überleben im Stillstand. Worum, Auflösung und Katastrophe. Der Rückkehrpunkt ist längst überschritten, die Katastrophe ist folgenlos und damit als reinste Form des Ereignisses unausweichlich. Kleine Brüche ersetzen den Untergang. Blask I 70 Indifferenz/Baudrillard: nach Baudrillard haben Träume, Utopien und Ideen ausgespielt, sie wurden in der Wirklichkeit bereits eingelöst. Alles hat bereits stattgefunden. Die Avantgarde ist ebenso inhaltsleer geworden wie die Revolution. Das ist das Transpolitische. Blask I 78 Der Andere: der letzte Ausweg aus der »Hölle des Gleichen«. (VsSartre). Blask I 93 Askese/Baudrillard: Die Überflussgesellschaft neigt vielmehr zur Askese, weil sie retten will, was sie erreicht hat. Blask I 95/96 Mythische Pole: Mythos der Banalität und Mythos der Wüste. »Alles, was man mit wahnsinniger Geschwindigkeit durchquert, ist eine Wüste.« Blask I 102 Prinzip des Bösen: das ganze Universum widerspricht den Prinzipien der Dialektik. An ihrer Stelle regiert ein Prinzip des Bösen: »die Tücke des Objekts«. Böse: Gut und Böse sind wieder zu trennen, noch als Wirkungen oder Intention zu unterscheiden. Geistige Subversion durch Verwirrung, Perversion der Dinge, grundsätzlicher Hang zur Ketzerei. Das Prinzip des Bösen ist die vollendete Gegenkraft zur Logik, Kausalität und Signifikation. »Sagen: »Gott ist das Böse« ist eine zärtliche Wahrheit, Freundschaft für den Tod, Gleiten ins Leere, in die Abwesenheit.«. Blask I 104 Szene: die Grundlage jeder Illusion, Herausforderung des Realen, der Gegenspieler des Obszönen. Blask I 105 Obszönität: »Die totale Obszönität des Geldspiels.« Blask I 108 Zeremonie der Welt: alles ist immer schon vorherbestimmt. Notwendigkeit einer Wiederkehr. Blask I 110 Virtuelle Katastrophen: Schadenfreude der Maschinen. Wahn der Prophylaxe. das letzte Virus: das Virus der Traurigkeit. Blask I 31 Def Hyperrealität/Baudrillard: zunächst existiert das Modell, bzw. endlos in sich selbst kreisende Modelle und dann erst die Ereignisse! Es gibt keinen Manipulator! |
Baud I J. Baudrillard Simulacra and Simulation (Body, in Theory: Histories) Ann Arbor 1994 Baud II Jean Baudrillard Der symbolische Tausch und der Tod Berlin 2009 Blask I Falko Blask Jean Baudrillard zur Einführung Hamburg 2013 |
| Terminologien | Dawkins | I 27 Def altruistisch/Dawkins: Ein Organismus erhält sich altruistisch wenn er das Wohlergehen eines anderen auf seine Kosten steigert. I 28 Def Wohlergehen/Dawkins: Wohlergehen ist definiert als Überlebenschancen, selbst wenn der Effekt auf die tatsächlichen Aussichten so klein ist, dass man ihn scheinbar vernachlässigen kann. Egoismus/Altruismus/Dawkins: Egoismus und Altruismus orientieren sich am tatsächlichen Verhalten, nicht an Intentionen. Es gibt keine Psychologie der Motive! I 32 Altruismus/Dawkins: Altruismus wird oft fälschlich zugeschrieben: wenn sich Lebewesen angeblich zum "Wohl der Art" oder "Wohl der Gruppe" verhalten. I 126 Def ESS/Dawkins: eine evoutionär stabile Strategie ist eine, die - wenn die Mehrzahl der ‚Angehörigen einer Population sie sich zu eigen macht - von keiner alternativen Strategie übertroffen werden kann. ((s) Nicht inhaltlich definiert.) I 447 Knappere Def ESS: Eine Strategie, die gegen Kopien ihrer selbst gut abschneidet. Sie wird nämlich oft auf Kopien ihrer selbst treffen, da ja eine erfolgreiche Strategie in einer Population vorherrschend ist. I 227 Fitness/Dawkins: Man sollte den Ausdruck nicht benutzen, weil er fälschlich vom Individuum ausgeht! Stattdessen ist das egoistische Gen die einzige Einheit, um die es geht! Gene in Kindern werden aufgrund der Fähigkeit selektiert, Eltern zu überlisten, Gene im Körper von Eltern umgekehrt. I 377 Def Erweiterter Phänotyp/Dawkins: phänotypische Auswirkungen eines Gens sind alle Auswirkungen eines Gens auf den Körper, in dem es sitzt. Aber es hat auch Auswirkungen auf "die Welt"! Bsp Biberdämme, Vogelnester, Gehäuse der Köcherfliegen ( bewegliche Zementhäuser). Der Unterschied zum Auge als "Wunder der Natur" müssen wir diese Leistungen nicht Prozessen zuschreiben, die im Innern der Mütter vor sich gehen. Sie sind Leistungen des gestaltenden Individuums. (Üblicherweise "Instinkt" genannt). I 386 Def haplodiploid: unbefruchtete Eier entwickeln sich zu Männchen. D.h. Bsp männliche Borkenkäfer haben keinen Vater (wie es bei Bienen und Ameisen der Fall ist). Aber bei den Borkenkäfern muss irgendetwas in die Eier eindringen, diese Aufgabe übernehmen Bakterien. (Parasiten). |
Da I R. Dawkins Das egoistische Gen, Hamburg 1996 Da II M. St. Dawkins Die Entdeckung des tierischen Bewusstseins Hamburg 1993 |
| Terminologien | Jonas | Brocker I 609 Terminologie/Jonas: in Anlehnung an Kants Kategorischen Imperativ entwickelt Jonas einen „ontologischen Imperativ“, der im Sein selbst gründe. JonasVsKant: dessen Kategorischer Imperativ ist anders verortet. Def ontologischer Imperativ/Jonas: „Handle so, dass die Wirkungen deiner Handlung verträglich sind mit der Permanenz echten menschlichen Lebens auf der Erde“. „Gefährde nicht die Bedingungen für den indefiniten Fortbestand der Menschheit.“ (1) Andernorts wird dieser Jonas‘sche Imperativ auch „Ökologischer Imperativ“ genannt. Andere Formulierung von Jonas: „Handle so, dass die Folgen deines Tuns mit einem künftigen menschenwürdigen Dasein vereinbar sind, d.h. mit dem Anspruch der Menschheit, auf unbeschränkte Zeit zu überleben.“ (2) 1.Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 36 2. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, 75-86. Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Jonas I Hans Jonas Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Tiere | Singer | I 49 Tiere/P. Singer: Die Grundlage für eine Ausdehnung des Prinzips der Gleichheit über unsere eigene Spezies hinaus beruht auf dem Prinzip der gleichen Berücksichtigung von Interessen. Die Stärke dieses Prinzips liegt darin, dass die Eigenschaften, Fähigkeiten oder Benachteiligungen anderer nicht dazu führen dürfen, dass ihre Interessen weniger berücksichtigt werden. >Gleichheit, >Ungleichheit, >Interesse. I 54 Tiere/Leben/P. Singer: Wenn es darum geht, ob Menschen Tiere essen sollten, kann ein Inuit, der ohne tierisches Fleisch nicht überleben würde, anders argumentieren als Menschen in mittleren Breiten, die nicht unbedingt Fleisch essen müssen, um zu überleben. Interesse: Das Prinzip der gleichen Berücksichtigung von Interessen erlaubt nicht, dass höherrangige Interessen für die Wahrung niederer Interessen (z.B. Kosten der Tieraufzucht) verletzt werden. I 94 Tier/Person/P. Singer: Kann ein Tier eine Person sein? Wir können „Person“ hier verstehen als ein Wesen, das rational und selbstbewusst ist und sich als von anderen Wesen getrennt erlebt, mit einer Vergangenheit und einer Zukunft. >Person. I 99f Zukunft/Bewusstsein/Tier/P. Singer: sowohl wilde als auch Versuchstiere haben bewiesen, dass sie sehr wohl einen Sinn für zukünftige Situationen haben, in denen sie und ihre Artgenossen die Wahl zwischen verschiedenen Handlungsoptionen haben. (vgl. J, Goodall(1), F. de Waal 1983)(2). I 101 Wir können davon ausgehen, das einige Tiere in diesem obigen Sinn Personen sind. Dann können wir hier die Frage stellen, ob es Ordnung ist. nichtmenschliche Personen zu töten. Tod/Töten/Tier/P. Singer: Es gibt keine objektive Einschätzung die zeigen kann, dass es schlechter ist, Angehörige der eigenen Art zu töten, als Mitglieder anderer Arten. Dann scheint es schlechter zu sein, einen Schimpansen zu töten, als ein stark eingeschränktes menschliches Wesen, das niemals in der Lage sein wird, eine Person (im obigen Sinn) zu sein. Das gilt aber nur ceteris paribus, d.h. wenn nicht andere Faktoren wie die Einstellungen der Eltern berücksichtigt werden. >ceteris paribus. I 103 Person/Tier/Gary Varner/P. Singer: G. Varner(3): Nach Varner ist eine Person ein Wesen, das eine biographischen Sinn von sich selbst hat, d.h. typischerweise eine Geschichte über sich selbst erzählen kann. Tiere sind nach Varner nahe am Menschen, haben aber keinen biographischen Sinn. Tier/Tod/Person/Roger Cruton(4): These: Der Tod eines Menschen ist eher eine Tragödie als der Tod eines Tiers, I 104 da es wahrscheinlich ist, dass der Mensch noch Pläne hatte, die er verwirklichen Wollte, im Gegensatz zu einem Tier, das solche Pläne nicht hat. >Ethik/Nozick, >Planung, >Leben, >Menschen. 1. J, Goodall, The Chimpanzees of Gombe, p. 31, 2. F. de Waal, Chimpanzee Politics, NY. 1983. 3. G. Varner, Personhood and Animals in the Two-Level Utilitarianism of R. M. Hare. 4. R. Scruton The Concscientious Carnivore in Food for Thought (Ed. St. Sapontzis (Amherst, NY, 2004) p. 81-91. |
SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Tugenden | al-Farabi | Höffe I 129 Tugenden/al-Farabi/Höffe: (...) [al-Farabi] folgt (...) weitgehend Aristoteles’ Psychologie: Er unterscheidet ethische und dianoetische Tugenden(1) und übernimmt für die ethischen Tugenden die Mesotes-Lehre: die Tugend als Mitte zwischen einem Zuviel und einem Zuwenig, die er an Aristotelischen Beispielen wie Besonnenheit, Freigebigkeit und Tapferkeit erläutert(2). >Aristoteles. Gerechtigkeit: [al-Farabi] (...) übernimmt (...) Aristoteles’ Unterscheidung einer allgemeinen Gerechtigkeit, die sich auf Rechtschaffenheit beläuft, und einer speziellen Gerechtigkeit, der Gerechtigkeit im engeren Verständnis(3). Wechselseitige Hilfe: (...) erinnert ebenfalls an Aristoteles, der dort allerdings, in Politik I 2, nicht von einem Wunschstaat handelt: In al-Fārābīs Minimalstaat dient die wechselseitige Hilfe dem Überleben der Bürger, im Idealstaat dem endgültigen Glück(4), wofür der wahre König mit seiner Regierungskunst sorgt(5). 1. al-Farabi, Aphirismen des Staatsmannes, I 8 2. Ebenda I 16 3. Ebenda I 60 4. Ebenda I 25 5. Ebenda I 27 |
|
| Überlappender Konsens | Rawls | Gaus I 93 Überlappender Konsens/Vielfalt/Individualismus/Rawls/Waldron: Was eine Auffassung von Gerechtigkeit rechtfertigt, ist nicht, dass sie einer Ordnung entspricht, die uns vorausgegangen ist und die uns gegeben wurde, sondern dass sie mit unserem tieferen Verständnis von uns selbst und unseren Bestrebungen übereinstimmt und mit unserer Erkenntnis, dass sie angesichts unserer Geschichte und der Traditionen, die in unser öffentliches Leben eingebettet sind, für uns die vernünftigste Doktrin ist. (Rawls 1980(1): 518-19). >Gerechtigkeit/Rawls, >Prinzipien/Rawls. Gaus I 94 Ethische und religiöse Heterogenität sollte nicht länger als ein Merkmal betrachtet werden, das Gesellschaften, die durch Gerechtigkeit regiert werden, haben oder nicht haben können oder in einer Zeitperiode haben können und in einer anderen aber nicht. Sie ist vielmehr als ein dauerhaftes Merkmal der Gesellschaften zu betrachten, von dem man nicht erwarten konnte, dass es bald vergeht. >Gesellschaft/Walzer. RawlsVsRawls: Anfang der 1990er Jahre war Rawls zu der Überzeugung gelangt, dass sein Ansatz in "A Theory of Justice"(2) aus diesem Grund generell disqualifiziert wurde. >Individualismus/Rawls. Diversität/Inhomogenität/Gesellschaft/Rawls: "[W]ie ist es möglich", fragte Rawls, "dass es im Laufe der Zeit eine gerechte und stabile Gesellschaft freier und gleicher Bürger gibt, die durch vernünftige religiöse, philosophische und moralische Doktrinen zutiefst gespalten bleiben?" (1993(3): 4). In der Einführung zum Politischen Liberalismus argumentierte er, dass dies nicht mehr erreicht werden könne, indem man jeden von den ethischen und philosophischen Prämissen überzeugt, auf denen eine umfassende liberale Theorie der Gerechtigkeit beruhen könnte. Stattdessen müsse die Rawls'sche Gerechtigkeit nun als etwas dargestellt werden, das aus verschiedenen ethischen Perspektiven Unterstützung finden könne. Frage: Wie viele der wesentlichen Prinzipien und Doktrinen einer Theorie der Gerechtigkeit würden diesen neuen Ansatz überleben? Rawls beschrieb (...) die Vielfalt als eine soziale Tatsache - ein fester Bestandteil der modernen Gesellschaft. Das menschliche Leben ist mit einer Vielzahl von Werten verbunden, und es ist natürlich, dass sich die Menschen nicht darüber einig sind, wie diese Werte auszugleichen oder Prioritäten zu setzen sind. Gaus I 95 Waldron: Der Schlüssel (...) ist, darauf zu bestehen, dass eine akzeptable Gerechtigkeitstheorie, T, so beschaffen sein muss, dass unter den Gründen für die Ablehnung von T oder die Nicht-Übereinstimmung von T, keiner sich gegen die Verpflichtung von T auf eine bestimmte Wertvorstellung oder eine andere umfassende philosophische Konzeption wendet. >Individualismus/Rawls, >Rawls/Waldron. Probleme: (...) es gibt weitere Fragen, wie [ein] Schwellenwerttest zu verstehen ist. Eine Möglichkeit ist, dass T einen akzeptablen modus vivendi für die Anhänger der verschiedenen umfassenden Konzeptionen darstellt {C1, C2, ..., Cn }. Wie ein Vertrag, der den Konflikt zwischen ehemals verfeindeten Mächten beendet, kann T als das Beste dargestellt werden, was C1 im Sinne einer Gerechtigkeitstheorie erhoffen kann, da es mit C2 , ..., Cn koexistieren muss, und das Beste, was C2 erhoffen kann, da es mit C1 , C3 ,..., Cn und so weiter koexistieren muss. Rawls hält dies jedoch als Grundlage für ein Gerechtigkeitsverständnis für unbefriedigend. Es macht T verwundbar gegenüber demographischen Veränderungen oder anderen Veränderungen des Kräfteverhältnisses zwischen rivalisierenden Gesamtkonzepten - eine Verwundbarkeit, die ganz im Gegensatz zu der unerschütterlichen moralischen Kraft steht, die wir gewöhnlich mit Gerechtigkeit assoziieren (1993(3): 148). Lösung/Rawls: Stattdessen entwickelt Rawls die Idee, dass T einen überlappenden moralischen Konsens zwischen {C1 , C2 , ... , Cn } darstellen sollte. Damit meint er, dass T für die Anhänger von C1 aus moralischen Gründen akzeptabel und für die Anhänger von C2 aus moralischen Gründen akzeptabel gemacht werden könnte, und so weiter. Vielfalt/Toleranz/Locke/Kant/Rawls/Waldron: So kann zum Beispiel die Behauptung, dass religiöse Toleranz als eine Frage der Gerechtigkeit erforderlich ist, von Christen aus Locke'schen-Gründen, die mit der individualisierten Verantwortung eines jeden Menschen gegenüber Gott für seine eigenen religiösen Überzeugungen zu tun haben, von säkularen Locke-Anhängern aus Gründen der Unabänderlichkeit des Glaubens gegenüber Zwang, von Kantianern aus Gründen der hohen ethischen Gaus I 96 Bedeutung, die der Autonomie beigemessen wird, von Anhängern von John Stuart Mill auf der Grundlage der Bedeutung der Individualität und des freien Zusammenspiels von Ideen usw. bestätigt werden. >Toleranz/Locke. Waldron: Ob dies tatsächlich funktioniert, ist eine Frage, die wir in Betracht zogen, als wir Ackermans Ansatz zur Neutralität diskutiert haben. >Neutralität/Waldron. Überlappender Konsens/WaldronVsRawls: Die Idee des überlappenden Konsenses geht davon aus, dass es viele Wege zum gleichen Ziel geben kann. Geografisch ist die Metapher plausibel genug, aber wenn das Ziel eine Reihe moralischer Prinzipien ist und "Routen" als Gründe für die Akzeptanz dieser Prinzipien gelesen werden, dann ist die Sache weniger klar. Anders als gesetzliche Regeln sind moralische Aussagen nicht nur Formeln. Ein Grundsatz lässt sich vielleicht am besten als normativer Satz zusammen mit den Gründen verstehen, die zu seiner Unterstützung ordnungsgemäß angeführt werden. In beiden Fällen unterscheidet sich das Prinzip der Duldung auf christlichem Weg von dem Prinzip der Duldung basierend auf Mill. Und dies ist ein Unterschied, der von Bedeutung sein kann, denn eine Theorie der Gerechtigkeit soll nicht nur eine Reihe von Slogans für eine Gesellschaft liefern, sondern sie soll auch die Mitglieder dieser Gesellschaft durch die Streitigkeiten führen, die sich darüber entzünden können, wie diese Slogans zu verstehen und anzuwenden sind. >Gerechtigkeit/Liberalismus, >Liberalismus/Waldron. WaldronVsRawls: Soziale Gerechtigkeit wirft schließlich Bedenken auf, die mit der Strategie der Vagheit oder Ausflucht, die mit einem sich überlappenden Konsens einhergeht, kaum zu bewältigen sind - indem man eine Reihe von Anodyne-Formeln aufstellt, die für alle Menschen alles bedeuten können. Vgl. >Abtreibung/Rawls. 1. Rawls, John (1980) ‘Kantian constructivism in moral theory’. Journal of Philosophy, 77 (9): 515–72. 2. Rawls, John (1971) A Theory of Justice. Cambridge, MA: Harvard University Press. 3. Rawls, John (1993) Political Liberalism. New York: Columbia University Press. Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Utilitarismus | Barry | Gaus I 418 Utilitarismus/Barry/Weinstein: Bei Barry (...) haben wir es eindeutig mit einem unverfälschten Liberalismus zu tun, der dennoch tief vom englischen Utilitarismus geprägt ist. Wie Kelly kürzlich feststellte, "gibt es einen sehr realen Sinn, in dem der Großteil von Barrys Arbeit eine Auseinandersetzung mit dem Utilitarismus beinhaltet" (1998(1):44). Vertragstheorie: Abgesehen von diesen Schulden hat sich Barry als einer der führenden Verfechter der angloamerikanischen Vertragstheorie erwiesen.* Wie Thomas Nagel, Rawls und Thomas Scanlon vertritt Barry die Auffassung, dass die Existenz unvereinbarer Begriffe des Guten notwendigerweise das Recht über das Gute stellt. Gerechtigkeit als Unparteilichkeit entscheidet "zwischen den widersprüchlichen Forderungen, die sich aus der Verfolgung dieser Vorstellungen vom Guten ergeben", indem sie den Bürgern ein "Veto gegen Vorschläge [von Gerechtigkeitsprinzipien] einräumt, von denen man vernünftigerweise nicht erwarten kann, dass sie akzeptiert werden" (Barry, 1998(2): 229, 223).** Das Sieb der Missbilligung macht überlebende Prinzipien unparteiisch: Niemand wird durch das, was überlebt, bei der Verfolgung seiner jeweiligen Vorstellungen vom Guten unvernünftig privilegiert. >Vertragstheorie. Unparteilichkeit/Problem: Utilitaristische Gerechtigkeit ist ausgeschlossen, weil vernünftige Bürger angeblich ihr Veto einlegen würden. Nur wenige wären bereit, die selbstaufopfernden Lasten der Neutralität der Handelnden zu tragen. Gerechtigkeit als Unparteilichkeit ist daher selbstbegrenzend und schließt utilitaristische Unparteilichkeit als zu extrem aus. Im Namen der Unparteilichkeit schränkt sie die Unparteilichkeit ein. Unparteiisch gegenüber konkurrierenden Vorstellungen des Guten zu sein, bedeutet nicht, ihnen gegenüber so gleichgültig zu sein, dass man immer bereit ist, seine eigenen Interessen für das allgemeine Interesse zu opfern.*** Privatsphäre/öffentliche Güter: Gerechtigkeit als Unparteilichkeit bewahrt also die liberale Unterscheidung zwischen öffentlichen und privaten Gütern, von der Feministinnen behauptet haben, sie verstärke das Patriarchat. Dennoch räumt Barry ein, dass häusliche Gewalt und Vergewaltigung in der Ehe öffentliche Anliegen sind. >Feminismus/Barry. * Dunn argumentiert scharfsinnig, dass die Vertragstheorie in letzter Zeit "ein beträchtliches Maß an Aufmerksamkeit zurückgewonnen hat, besonders in Nordamerika". Aber im Gegensatz zu den Versionen des siebzehnten Jahrhunderts, die sich auf politische Verpflichtungen konzentrierten, konzentrieren sich die zeitgenössischen Versionen auf Verteilungsgerechtigkeit (1996(3): 60). ** Für Scanlon müssen Gerechtigkeitsprinzipien den Test der vernünftigen Ablehnbarkeit bestehen. Und wie Barry befürwortet die vernünftige Ablehnbarkeit Prinzipien, die die am schlechtesten Gestellten begünstigen. *** Siehe insbesondere Barry (1991(4): Kap. 2). Für Barrys vollständige Behandlung von Gerechtigkeit als Unparteilichkeit siehe Barry (1995)(5). 1. Kelly, P. (1998) 'Taking utilitarianism seriously'. In P. Kelly, Hrsg., Impartiality, Neutrality and Justice. Edinburgh University Press, 44-59. 2. Barry, Brian (1998) 'Something in the disputation not unpleasant'. In P. Kelly, Hrsg., Impartiality, Neutrality and Justice. Edinburgh: Edinburgh University Press, 186-257. 3.Dunn 1996 4. Barry, Brian (1991) Liberty and Justice. Oxford: Oxford University Press. 5. Barry, Brian (1995) Justice as Impartiality. Oxford: Oxford University Press. Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
EconBarry I Brian Barry Sociologists,economists, and democracy Chicago 1970 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Verhalten | Dawkins | I 92 Verhalten/Gene/Dawkins: ("Verhalten" in diesem Text ist körperliches Verhalten). Ein wirklicher Schutz der Gene ist nur möglich, wenn der Zeitpunkt der Muskelkontraktion irgendwie mit der Außenwelt koordiniert ist. Gene haben aus Tieren aktive draufgängerische Vehikel gemacht. Als Zwischeninstanz mussten die Gene zunächst das Gehirn erfinden. I 96 Verhalten/Absicht/Maschine/Dawkins: Es ist nicht schwer, von Maschinen zu reden, die sich so verhalten, als ob sie eine Absicht hätten. Wir können die Frage offen lassen. >Absicht, >Roboter, >Künstliche Intelligenz, >Künstliches Bewusstsein. Im Grunde sind die Prinzipien unbewussten zielstrebigen Verhaltens Grundkenntnisse des Ingenieurwesens. Bsp Dampfmaschine. Negative Rückkopplung. I 98 Es ist ein Trugschluss, dass Maschinen, die ursprünglich von Menschen gebaut wurden, von diesen immer weiter kontrolliert werden müssten. Ähnlicher Trugschluss, Bsp dass Computer nicht wirklich Schach spielten, weil sie "nur das tun, was der Operator ihnen sagt". Sie müssen es aber können, denn es gibt mehr mögliche Schachpartien als Atome in unserer Galaxis. >Schach. I 111 Verhalten/Gehirn/Gen/Dawkins: Das Gehirn verleiht der Überlebensmaschine sogar die Macht, gegen das Diktat der Gene zu rebellieren und sich z.B. zu weigern, viele Kinder zu bekommen. >Gehirn, >Gehirn/Gehirnzustände. I 116 Verhalten/Kommunikation/Dawkins: Man kann sagen, dass eine Überlebensmaschine mit einer anderen verständigt, wenn sie deren Verhalten oder den Zustand ihres Nervensystems beeinflusst. ((s) MaturanaVs: Das zentrale Nervensystem (ZNS) kann z.B. durch nichts von außerhalb beeinflusst werden. >U. Maturana. Verhalten/Dawkins: Bsp Maulwurfsgrillen singen in einem Erdloch, was ihre Stimme sehr verstärkt. I 152 Population/Verhalten/Dawkins: Es mag so aussehen, als ob sich eine Population wie eine sich selbst regelnde Einheit verhielte. Aber das ist eine Täuschung: sie wird durch eine Selektion erweckt, die auf der Ebene des einzelnen Gens erfolgt. >Selektion. I 153 Egoistisches Gen/Dawkins: Das Gen verteilt seine Loyalität auf verschiedene Körper. |
Da I R. Dawkins Das egoistische Gen, Hamburg 1996 Da II M. St. Dawkins Die Entdeckung des tierischen Bewusstseins Hamburg 1993 |
| Verhalten | Millikan | Ruth G. Millikan Verschiedene Arten von zweckgerichtetem Verhalten in Dominik Perler, Markus Wild (Hg) Der Geist der Tiere Frankfurt 2005 II 202 Verhalten/Millikan: warum kann man Verhalten nicht untersuchen, ohne auf biologischen Zweck Bezug zu nehmen? II 203 Es kann eine unendliche Zahl möglicher Beschreibungen (Vgl. >"Ist die Sprache unendlich?") geben, die man für ein Verhalten geben kann. Die Maus läuft in Richtung auf ihr Loch, aber auch nach Norden, in Richtung London, oder in Richtung auf den angelehnten Besen. Hier ist es klar, dass nur die erstere Beschreibung relevant ist. >Beschreibung. II 204 Dass Mäuse vor Katzen wegrennen, ist das entscheidende. Weil es ein wiederkehrendes Phänomen ist, dass sie auf einen Besen zu rennen ist das nicht. II 205 Nicht irgendein Output eines Tieres ist relevantes Verhalten. Bsp "Kniezucken" hat keinen Überlebenswert. Bsp Niesen aber wahrscheinlich wohl. II 207 Bsp wenn mein Blinzeln Sie zum Lächeln bringt, und zwar als biologischen Zweck, so werde ich diesen Zweck nicht erkennen, ich werde nicht blinzeln, weil ich an diesen Zweck denke. >Beschreibungsebene. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Vorhersage | Sunstein | I 39 Vorhersage/Experten/Laien/Individuen/Gruppen/Sunstein: Statistisch ausgewählte Gruppen von Experten hatten 12,5 % weniger Fehleinschätzungen abgegeben als einzelne Experten in Bezug auf so unterschiedliche Themen wie Geflügelpreise, Bruttosozialprodukt, Überlebenschancen von Patienten, Wohnungsbauentwicklung.(1) >Kollektive Intelligenz. Für Unternehmen ergibt sich daraus, dass sie besser auf den Rat vieler Experten hören als externe Berater zu engagieren. (2) Wahlprognosen/Politische Prognosen/Sunstein: Hier ist es Standardpraxis geworden, eine Menge von Wahlergebnissen zu untersuchen und den Median zu nehmen. In den USA wurde 2004 das System Polly dazu eingesetzt.(3) I 40 Problem/Sunstein: Werden mehrere Befragungen zusammen genommen und untersucht, so haben diese meist nicht dieselben Fragen gestellt. Man versucht dann, ein diesen verschiedenen Fragen zugrunde liegendes Einstellungsmuster herauszufinden.(4) I 132 Vorhersagemärkte/Prognosemärkte/prediction markets/Sunstein: Beispiele, in denen Informationsmärkte effizient sind: Bsp Tendenzen von Luftverschmutzung erkennen, Bsp Defizite in öffentlichen Haushalten zu beobachten.(5) Bsp Ausbrüche von Krankheiten zu verfolgen und ihre Ausbreitung vorherzusagen, Bsp die Zahlungsfähigkeit von Institutionen zu beobachten.(6) >Informationsmärkte. I 137 Manipulation: Anhänger des Kandidaten Pat Buchanan kauften 2000 große Mengen von Anteilen am IEM (Iowa Electronic Market, einem Vorhersagemarkt für Wahlen) um die Prognosen zu manipulieren. Besser Informierte Anleger nutzten dies jedoch anschließend zu ihrem Vorteil aus. I 138 Tendenzen: Man sieht oft, das Unterstützer eines Kandidaten an den Sieg eben dieses Kandidaten glauben. So glaubten 1980 87 % von Jimmy Carters Unterstützern an dessen Sieg und gleichzeitig 80 % von Ronald Reagans Unterstützern an einen Sieg ihres Kandidaten.(7) Das ist nicht verwunderlich, schränkt jedoch die Vorhersagekraft ein. Menschen verarbeiten neue Informationen auf eine Weise, dass sie in ihre bisherige Weltsicht integrierbar sind. Aus diesem Grund verlieren auch viele Anleger Geld am Aktienmarkt. >Aktienmarkt. I 139 Marginal Trader Hypothesis: Diese These nutzt das aus und orientiert sich am Verhalten einer kleiner Gruppe von Händlern, die als eine identifiziert wurde, die weniger anfällig für Tendenzen ist. I 144 Es gab eine berühmte Wette zwischen Julian Simon und Paul Ehrlich über die Knappheit natürlicher Ressourcen.(8) Simon hatte prognostiziert, dass sie unerschöpflich seien. 1980 wetten Ehrlich und Simon auf Preise für Rohstoffe, die Ehrlich aussuchte. Simon gewann, weil die Preise bis 1990 sanken. Sunstein: Wenn es damals schon Informationsmärkte gegeben hätte, hätten sie stark zu Simon tendiert. 1. See Armstrong, “Combining Forecasts,” 419–20. For many factual questions, of course, a little research would be sufficient to identify the correct answers. But for some factual issues, even significant research is inconclusive, and it is best to consult experts. pp. 428, 430-31 2. ibid. p. 428. 3. See Alfred Cuzán et al., “Combining Methods to Forecast the 2004 Presidential Presidential Election: The Pollyvote” (unpublished manuscript, Jan. 6, 2005), 12, available at http://www.politi calforecasting.com. 4. I am grateful to Robert MacCoun for this point. 5. See Abramowicz, “Prediction Markets, Administrative Decisionmaking, and Predictive Cost-Benefit Analysis,” pp. 990–92. 6. ibid. pp. 987-90 7. Donald Granberg and Edward Brent, “When Prophesy Bends: The Preference-Expectation Link in U.S. Presidential Elections, 1952–1980,” Journal of Personality and Social Psychology 45 (1983): 479. 65. See Wolfers and Zitzewitz, “Prediction. 8. For an overview, see “FAQ: People, Julian Simon’s Bet with Paul Ehrlich,” Overpopulation.com, at http://www.overpopulation.com/faq/People/julian_simon.html (last visited Jan. 28, 2005). |
Sunstein I Cass R. Sunstein Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge Oxford 2008 Sunstein II Cass R. Sunstein #Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media Princeton 2017 |
| Werte | Singer | I 87 Werte/Tod/Töten/Utilitarismus/P. Singer: Angenommen, wir könnten Schmerz und Vergnügen als objektive Werte festlegen, dann haben wir ein anderes Problem: es gibt zwei Möglichkeiten, z.B. das Vergnügen in der Welt zu vermindern: a) Das Vergnügen aus dem Leben eines Wesens zu eliminieren b) Das Leben dieses Wesens zu beenden. Damit können wir nicht automatisch von der höheren Bewertung eines angenehmen Lebens gegenüber einem weniger angenehmen Leben übergehen zu einer Höherwertung eines angenehmen Leben gegenüber der Alternative, das da kein Leben ist. Begründung: Wenn wir tot sind, vermissen wir das Angenehme nicht. >Tod, >Leben, >Moral, >Ethik, >Normen, >Schmerz, >Leiden. I 88 Utilitarismus: Wenn es um die Vermehrung des Angenehmen in der Welt geht, warum sollten wir nicht immer mehr Kinder bekommen und immer mehr Tiere züchten, die ein angenehmes Leben haben? Das nenne ich die „Gesamtsicht“ („total“ view). >Utilitarismus. Vs: Dagegen könnte man einwenden, dass das Leben der jetzt existierenden Wesen dafür eingeschränkt würde. Und die noch nicht geborenen Wesen existieren eben nicht und können daher nicht leiden oder etwas entbehren. >Generationengerechtigkeit. VsVs: Dagegen könnte man von den zukünftigen Wesen eine „Vorexistenz“ („prior existence“) annehmen. Damit ist gemeint, dass unsere jetzigen Entscheidungen sich auf Wesen beziehen, die jetzt noch nicht existieren. >Zukunft, >Entscheidungen. I 89 Problem: In diesem Fall muss man mit einer Asymmetrie umgehen, wenn es z.B. darum geht zu entscheiden, ob ein Kind, das voraussichtlich extrem leiden und bald sterben wird, zur Welt gebracht werden sollte. >Abtreibung. Problem: Beide Sichtweisen, die „Gesamtsicht“ wie die „Vorexistenz“-Sicht führen zu kontraintuitiven Konsequenzen. I 245 Werte/Bewusstsein/Wissen/Tiere/Singer, P.: Gibt es Werte jenseits des Bereichs, der für wissende Lebewesen erreichbar ist? >Absolutheit, >Perspektive, >Metaphysischer Realismus. I 246 Intrinsischer Wert: ist ein Wert, der in sich selbst erstrebenswert ist im Gegensatz zu einem Wert, den etwas als Mittel zu etwas anderem erhält. Bsp Glück ist ein intrinsischer Wert, Geld ist es nicht. >Intrinsisches, >Extrinsisches. Umweltzerstörung/Singer, P.: Wenn nun ein Tal durch einen Dammbau zerstört wird, muss man nicht nur das Schicksal der wissenden Lebewesen, sondern auch die Schicksale der anderen Arten beachten, von denen die meisten sterben werden. >Tiere. I 247 Utilitarismus: Wird in diesem Fall einbeziehen, dass die Tiere, die dort gelebt hätten, dies für weitere hunderte von Jahren getan hätten. Ethik/Singer, P.: Wie weit kann die Ethik ausgedehnt werden über den Bereich der wissenden Lebewesen hinaus? Die ethische Position, die ich in diesem Buch(1) entwickelt habe, beschränkt sich auf wissende Lebewesen. I 248 Die Ausdehnung der Ethik über diesen Bereich hinaus ist schwierig. Problem: Der Begriff des Interesses fehlt, wenn es darum geht, eine Abwägung zu machen. >Interesse. Weiteres Problem: Ohne den Begriff des Wissens ist die Grenze zwischen belebter und unbelebter Natur schwieriger zu verteidigen. >Wissen, >Natur. I 249 Lösung/Albert Schweitzer/Singer, P.: Leben/Recht/Bewusstsein/Schweitzer: Die unmittelbarste Tatsache des Bewusstseins ist: Ich bin Leben, das leben will und ich existiere inmitten des Lebens das leben will … und das erstreckt sich auf alles Leben in meiner Umwelt, auch wenn es sich nicht selbst ausdrücken kann. (A. Schweitzer 1929)(2) I 250 P. SingerVsSchweitzer: Seine Sprache ist irreführend, wenn er von ausnahmslos allen Lebensformen spricht und ihnen Sehnsucht, Verlangen, Begeisterung, Vergnügen und Terror zuspricht. Pflanzen können nichts davon empfinden. Holmes RolstonVsSinger, P.: Wenn die natürliche Selektion einem Organismus die Züge verliehen hat, die dieser braucht, um sein Überleben anzustreben, dann ist dieser Organismus in der Lage, etwas auf Basis dieser Züge zu bewerten.(3) P. SingerVsRolston: Rolston erklärt dann aber nicht, warum natürliche Selektion die Bewertung von Organismen ermöglicht, nicht aber menschliches Design und Kreation. Sollten wir etwa sagen, dass Solarzellen, die sich automatisch nach der Sonne richten, der Sonne Wert verleihen? >Selektion, >Evolution. Leben ohne Bewusstsein/Singer, P.: Es gibt keinen Grund, den physikalischen Prozessen, die belebte Dinge beherrschen, größeren Respekt zu zollen als den physikalischen Prozessen, die unbelebte Dinge beherrschen. Wenn das so ist, ist es zumindest nicht offensichtlich, warum wir mehr Respekt vor einem Baum als vor einem Stalaktiten haben sollten. >Naturgesetze, >Natur, >Leben. 1. P. Singer, Practical Ethics, Cambridge, 2011. 2. A. Schweitzer, Civilization and Ethics Part II, The Philosophy of Civilization, London, 1929, pp. 246-7. 3. H. Rolston, Respect for Life: Counting what Singer Finds of no Account“, in: Dale Jamieson (ed.), Singer and Critics, (Oxford, 1999) pp. 247-268. |
SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Wertparadoxon | Klassische Ökonomie | Rothbard IV 4 Wertparadoxon/Klassische Ökonomie/VsKlassische Ökonomie/Rothbard: [Ein] entscheidender Fehler war, dass die klassische Ökonomie versucht hatte, die Wirtschaft in Begriffen von „Klassen“ zu analysieren, anstatt die Handlungen von Individuen. Infolgedessen konnten die klassischen Ökonomen keine korrekte Erklärung für die zugrunde liegenden Kräfte finden, die die Werte und relativen Preise von Waren und Dienstleistungen bestimmen; sie konnten auch nicht die Handlungen der Verbraucher analysieren, die die Aktivitäten der Produzenten in der Wirtschaft entscheidend bestimmen. Bei der Betrachtung von „Klassen“ von Gütern konnten die klassischen Ökonomen beispielsweise nie das „Wertparadoxon“ lösen: die Tatsache, dass Brot, obwohl es äußerst nützlich und der „Stab des Lebens“ ist, auf dem Markt einen niedrigen Wert hat, während Diamanten, ein Luxusgut und somit ein bloßer Firlefanz im Hinblick auf das menschliche Überleben, auf dem Markt einen sehr hohen Wert haben. Wenn Brot eindeutig nützlicher ist als Diamanten, warum wird Brot dann auf dem Markt so viel billiger bewertet? In ihrer Verzweiflung, dieses Paradoxon zu erklären, kamen die klassischen Ökonomen leider zu dem Schluss, dass die Werte grundsätzlich gespalten sind: Brot hat zwar einen höheren „Gebrauchswert“ als Diamanten, aber aus irgendeinem Grund einen niedrigeren „Tauschwert“. Aus dieser Spaltung heraus prangerten spätere Generationen von Schriftstellern die Marktwirtschaft als tragische Fehlleitung von Ressourcen in die „Produktion für den Profit“ im Gegensatz zur weitaus nützlicheren „Produktion für den Nutzen“ an. >Österreichische Schule, >Preis, >Wert, >Werttheorie, >Waren. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Wirtschaftlicher Erfolg | Alchian | Henderson I 90 Wirtschaftlicher Erfolg/Alchian/Henderson/Globerman: „Realisierte positive Gewinne, nicht maximale Gewinne, sind das Kennzeichen von Erfolg und Lebensfähigkeit. Es spielt keine Rolle, durch welchen Prozess der Argumentation oder Motivation ein solcher Erfolg erzielt wurde. Die Tatsache, dass er erzielt wurde, ist ausreichend. Dies ist das Kriterium, nach dem das Wirtschaftssystem die Überlebenden auswählt: Diejenigen, die positive Gewinne realisieren, sind die Überlebenden; diejenigen, die Verluste erleiden, verschwinden."(1) Beispiel: Sie und viele andere Menschen in einer Stadt - sagen wir Chicago - wollen Chicago mit dem Auto verlassen. Sie haben viele Routen zur Auswahl. Es stellt sich jedoch heraus, dass von allen Routen, die Sie und andere wählen könnten, nur eine Route über Tankstellen verfügt. Was wird passieren? Diejenigen, die diese eine Strecke nicht benutzen, werden nicht sehr weit kommen. Die einzigen Fahrer, die weit kommen werden, sind diejenigen, die die Route mit den Tankstellen wählen. Informationen: Alchian: In einem zu Recht berühmten Artikel mit dem Titel „Uncertainty, Evolution, and Economic Theory“(1) (Unsicherheit, Evolution und Wirtschaftstheorie) im Journal of Political Economy von 1950 verwendet Armen Alchian das Beispiel des Fahrens von Chicago, um zu erklären, warum Wirtschaftswissenschaftler das Verhalten von Menschen, die Unternehmen leiten, vorhersagen können, selbst wenn diese Menschen nicht über perfekte Informationen verfügen. Natürlich verfügen Unternehmen nicht über perfekte Informationen, und deshalb ist Alchians Argumentation wichtig. Maximaler Gewinn/wirtschaftliche Theorien: (...) [Es] gab in den 1940er Jahren eine hitzige Debatte in den wirtschaftswissenschaftlichen Fachzeitschriften darüber, ob es vernünftig sei, davon auszugehen, dass Unternehmen ihre Gewinne maximieren. a) Die Befürworter dieser Annahme argumentierten, dass die Unternehmen so handeln, als ob sie ihre Gewinne maximieren würden. b) Einige Kritiker dieser Annahme argumentierten, dass die Tatsache der Ungewissheit bedeute, dass sie ihre Gewinne nicht maximieren könnten. c) Alchian (...) argumentierte nicht, dass Unternehmen so handeln, als ob sie ihre Gewinne maximieren würden. Henderson I 91 Stellen Sie sich nun vor, dass kein Unternehmen anfänglich so reagiert wie im Lehrbuch beschrieben, sondern dass einige Unternehmen, aus welchen Gründen auch immer, mit einem niedrigeren Verhältnis von Arbeit zu Kapital arbeiten als andere Unternehmen. Nehmen wir an, dass alle Unternehmen mit den gleichen Kosten beginnen. Als Folge des Anstiegs der Lohnsätze werden nun die Unternehmen mit einem niedrigeren Verhältnis von Arbeit zu Kapital niedrigere Kosten haben als die anderen Unternehmen. Dies wiederum bedeutet, dass erstere eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit im Wettbewerbsprozess haben werden. Das Endergebnis ist, dass die überlebenden Unternehmen mit einem geringeren Verhältnis von Arbeit zu Kapital arbeiten werden, so wie es der Fall gewesen wäre, wenn die Manager absichtlich Kapital durch Arbeit ersetzt hätten, wie es in den Lehrbüchern für effizientes Managementverhalten beschrieben wird. Innovation/Alchian: Bis zu einem gewissen Grad lassen sich die Entscheidungsträger von „erfolgreichen“ Verhaltensweisen leiten, die sie um sich herum sehen, und übernehmen diese, soweit sie können. Neue Verhaltensweisen, die effizientere oder vorteilhaftere Ergebnisse als bestehende Verhaltensweisen hervorbringen, werden ebenfalls imitiert, ein Prozess, den Alchian als „adaptives Verhalten gegenüber Innovationen“ bezeichnet. Erfolg/Alchian: Aber selbst wenn die Unternehmensleiter ihre Entscheidungen nach dem Zufallsprinzip treffen würden, würde der Wettbewerbsprozess die Unternehmen ausmerzen, die im Nachhinein schlechte Entscheidungen treffen, und die Unternehmen, die im Nachhinein gute Entscheidungen treffen, würden mit größerer Wahrscheinlichkeit überleben. Lösung/Alchian: Ein Wirtschaftswissenschaftler muss nicht davon ausgehen, dass Unternehmen ihre Gewinne maximieren. Ökonomen sind in der Lage, das Verhalten von Unternehmen, die überleben, ohne die starke Annahme der Gewinnmaximierung vorherzusagen. >Behavioral Economics, >Verhaltensökonomik als Autor. 1. Armen Alchian (1950), "Uncertainty, Evolution, and Economic Theory. Journal of Political Economy 58 (June): 211-21. |
Alchian I Armen A. Alchian William R. Allen Exchange and Production: Competition, Coordination and Control Belmont, CA: Wadsworth 1977 Henderson I David R. Henderson Steven Globerman The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019 |
| Wohltätigkeit | Smith | Otteson I 20 Wohltätigkeit/Adam Smith/Otteson: Wohltätigkeit umfasst für Smith Dinge wie Nächstenliebe, Großzügigkeit und Freundschaft, Dinge, die bei den Nutznießern unserer Handlungen Dankbarkeit hervorrufen. Um unsere Wohltätigkeitsverpflichtungen zu erfüllen - und wir haben tatsächlich Wohltätigkeitspflichten, so Smith - müssen wir positive Maßnahmen ergreifen, um die Situation anderer zu verbessern. Eltern haben zum Beispiel Wohltätigkeitspflichten gegenüber ihren Kindern, Freunde haben Pflichten untereinander und so weiter. >Pflichten, >Verpflichtung. Kosten: Um jedoch als Wohltätigkeit zu gelten und nicht als bloßes Wohlwollen (letzteres bedeutet „einem anderen Gutes zu wünschen“, ersteres hingegen „einem anderen zu nützen“), muss eine Handlung nicht nur tatsächlich die Situation eines anderen verbessern, sondern auch mit gewissen Kosten für uns verbunden sein - sie muss uns etwas an Geld, Zeit oder anderen Ressourcen kosten. Smith macht jedoch einige Einschränkungen bezüglich der Wohltätigkeit. (1) Erstens sagt er, dass „Wohltätigkeit immer frei ist, sie kann nicht mit Gewalt erzwungen werden“ (TMS(1): 78). Warum? Erstens: „Der bloße Mangel an Wohltätigkeit richtet kein wirkliches positives Übel an“ (TMS(1): 78). Wenn ich Ihnen nichts Gutes tue, auch wenn Sie es gehofft oder erwartet haben, mache ich Sie nicht schlechter: Ich lasse Sie einfach so, wie Sie waren. Smith argumentiert, dass Gewalt nur angewandt werden darf, um tatsächlichen Schaden zu verhindern oder zu beheben. Wenn ich mich Ihnen gegenüber jedoch ungerecht verhalte, verschlimmere ich Ihre Situation tatsächlich. (2) Und zweitens ist echte Wohltätigkeit in der Tat erstaunlich schwierig. Es ist oft sehr schwer zu wissen, was eine echte Hilfe für eine andere Person darstellt. Otteson I 21 (...) Wohltätigkeit „kann nicht mit Gewalt erzwungen werden“: Wir bekommen keine moralische Anerkennung dafür, dass wir einem anderen helfen, wenn wir dazu gezwungen werden. Damit etwas als moralische Handlung gilt, muss es frei gewählt sein. „Was Freundschaft, was Großzügigkeit, was Nächstenliebe uns veranlassen würde, mit allgemeiner Billigung zu tun, ist noch freier und kann noch weniger mit Gewalt erpresst werden als die Pflichten der Dankbarkeit“ (TMS(1): 79). Damit eine Handlung als moralisch - und damit als tugendhaft oder lasterhaft - gilt, muss man die Möglichkeit gehabt haben, sich anders zu entscheiden, was auch immer der Fall ist. >Moral/Adam Smith, >Gemeinschaft/Adam Smith. Regeln: Smith nennt die Regeln der Gerechtigkeit „heilig“, was ein seltsam starkes Wort für eine Darstellung sein mag die behauptet, dass moralische Tugenden auf der Grundlage von Erfahrungen und Interaktionen zwischen Individuen entstehen. Warum sollte er die Gerechtigkeit „heilig“ nennen? Gerechtigkeit: Die Antwort ist, dass Smith glaubt, dass sich die Regeln der Gerechtigkeit als notwendig für das Bestehen jeder Gesellschaft erweisen. Vgl. >Gerechtigkeit/Adam Smith. Er nennt sie „das Fundament, das das Gebäude stützt“, das die Gesellschaft ist, während er die Wohltätigkeit „das Ornament, das die Gesellschaft verschönert“ nennt (TMS(1): 86). Eine Gesellschaft, in der es Menschen gibt, die die Regeln der Gerechtigkeit perfekt erfüllen - die also niemals andere an ihrer Person, ihrem Eigentum oder ihren Versprechungen verletzen -, die aber keine wohltätigen Handlungen aneinander vornehmen, ist vielleicht nicht die einladendste Gesellschaft, in der man leben kann. Aber sie kann überleben. 1. Smith, Adam (1982) [1759]. The Theory of Moral Sentiments. D. D. Raphael and A. L. Macfie, eds. Liberty Fund. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Zeitungen | Benkler | Benkler I 40 Zeitungen/Benkler: Normalerweise betrachten wir Zeitungen als abhängig von Urheberrechten. Tatsächlich wäre das aber ein Fehler. Keine Tageszeitung würde überleben, wenn sie für ihr Geschäft darauf angewiesen wäre, zu warten, bis ein Wettbewerber eine Ausgabe herausgebracht hat, dann die Geschichten kopiert und in einer konkurrierenden Ausgabe wiedergegeben hat. Tageszeitungen erzielen ihre Einnahmen aus einer Kombination von günstigen Kioskverkäufen oder Abonnements zusammen mit Werbeeinnahmen. Keines von beiden ist urheberrechtlich geschützt, wenn man bedenkt, dass die Verbraucher nicht einen halben Tag warten werden, bis die Zeitung des Konkurrenten erscheint, um einen Nickel oder ein Viertel des Zeitungspreises zu sparen. Würden alle Urheberrechte an Zeitungen abgeschafft, wären die Einnahmen der Zeitungen wenig beeinträchtigt. >Copyright/Benkler, >Digitale Netzwerke/Benkler. |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 |
| Ziele | Bostrom | I 126 Ziele/Superintelligenz/KI-Forschung/Bostrom: Ist es möglich etwas darüber zu sagen, was eine Superintelligenz mit einem entscheidenden I 127 strategischen Vorteil wünschen würde? I 129 Intelligenz und Motivation sind in gewisser Weise orthogonal: Wir können sie uns als zwei Achsen vorstellen, die sich über ein Diagramm erstrecken, in dem jeder Punkt einen logisch möglichen künstlichen Agenten darstellt. Diesem Bild könnten einige Qualifikationen hinzugefügt werden. Zum Beispiel könnte es für ein sehr unintelligentes System unmöglich sein, sehr komplexe Motivationen zu haben. ((s) Orthogonalität bedeutet Unabhängigkeit dieser Größen voneinander, weil die Achsen senkrecht aufeinander stehen.) I 130 Def-Orthogonalitäts-These/Bostrom: Intelligenz und Endziele sind orthogonal: Mehr oder weniger jedes Intelligenzniveau könnte prinzipiell mit mehr oder weniger jedem Endziel kombiniert werden. Gemäss der Orthogonalitäts-These können künstliche Agenten völlig nicht-anthropomorphe Ziele haben. -Vorhersagbarkeit durch Design: I 131 (...) noch bevor ein Agent geschaffen wurde, können wir vielleicht etwas über sein Verhalten vorhersagen, wenn wir etwas darüber wissen, wer ihn bauen wird und welche Ziele er haben will. -Vorhersagbarkeit durch Vererbung. Wenn eine digitale Intelligenz direkt aus einer menschlichen Vorlage erstellt wird (wie es bei einer High-Fidelity-Emulation des gesamten Gehirns der Fall wäre), dann könnte die digitale Intelligenz die Motivationen der menschlichen Vorlage erben. -Vorhersagbarkeit durch konvergente instrumentelle Gründe: (...) Wir können vielleicht etwas über seine unmittelbareren Ziele ableiten, wenn wir die instrumentellen Gründe berücksichtigen, die sich für jedes einer Vielzahl möglicher Endziele in einer Vielzahl von Situationen ergeben würden. I 132 Def Instrumentale Konvergenzthese / Bostrom: Es lassen sich mehrere instrumentelle Werte identifizieren, die in dem Sinne konvergieren, dass ihre Erreichung die Chancen des Agenten, sein Ziel zu erreichen, für ein breites Spektrum von Endzielen und eine Vielzahl von Situationen erhöhen würde, was impliziert, dass diese instrumentellen Werte wahrscheinlich von einem breiten Spektrum situierter intelligenter Agenten verfolgt werden. >Ziele/Omohundro. Wo es konvergierende instrumentelle Werte gibt, können wir möglicherweise einige Aspekte des Verhaltens einer Superintelligenz vorhersagen: -Selbstschutz: Die meisten Menschen scheinen ihrem eigenen Überleben einen endgültigen Wert beizumessen. Dies ist kein notwendiges Merkmal künstlicher Agenten: Einige können so konzipiert sein, dass sie ihrem eigenen Überleben keinerlei endgültigen Wert beimessen. Ziel-Inhalt-Integrität: Wenn ein Agent seine gegenwärtigen Ziele auch in Zukunft beibehält, dann werden seine gegenwärtigen Ziele mit größerer Wahrscheinlichkeit von seinem zukünftigen Selbst erreicht werden. Dies gibt dem Agenten einen gegenwärtigen instrumentellen Grund, I 133 Änderungen seiner Endziele zu verhindern. Für Software-Agenten, die leicht Körper wechseln oder exakte Duplikate von sich selbst erstellen können, muss die Erhaltung des Selbst als eine bestimmte Implementierung oder ein bestimmtes physisches Objekt kein wichtiger instrumenteller Wert sein. Fortgeschrittene Software-Agenten könnten auch in der Lage sein, Erinnerungen auszutauschen, Fähigkeiten herunterzuladen und ihre kognitive Architektur und ihre Persönlichkeit radikal zu verändern. I 141 Orthogonalitäts-These/Bostrom: (s.o.) die Orthogonalitäts-These legt nahe, dass man nicht leichtfertig davon ausgehen kann, dass eine Superintelligenz notwendigerweise einen der Endwerte teilt, die stereotyp mit Weisheit und intellektueller Entwicklung des Menschen assoziiert werden (...). I 270 Ziele/Ethik/Moral/Moral/Superintelligenz/Bostrom: Denken Sie zum Beispiel an das folgende " Vernunft-basierte" Ziel: Tun Sie das, was wir am ehesten von der KI hätten verlangen können. ((s)VsBostrom: Hier wird vorausgesetzt, dass die KI keinen Grund hat, unsere Absichten zu verfälschen. I 272 Bostrom: Komponenten für Verhaltensentscheidungen: -Ziel Inhalt: Welches Ziel sollte die KI verfolgen? Wie sollte eine Beschreibung dieses Ziels interpretiert werden? -Entscheidungstheorie: Sollte die KI kausale Entscheidungstheorie, beweiskräftige Entscheidungstheorie, aktualisierungslose Entscheidungstheorie oder etwas anderes verwenden? -Erkenntnistheorie: Wie sollte die vorrangige Wahrscheinlichkeitsfunktion der KI aussehen (...) Welche Theorie der Anthropologie sollte sie verwenden?? -Bewertung/Rangordnung: Sollten die Pläne der KI vor ihrer Umsetzung einer menschlichen Überprüfung unterzogen werden? Wenn ja, wie sieht das Verfahren für diesen Überprüfungsprozess aus? >Ethik/Superintelligenz/Bostrom, >Ethik/Superintelligenz/Yudkowsky, >Normen/Bostrom. |
Bostrom I Nick Bostrom Superintelligence. Paths, Dangers, Strategies Oxford: Oxford University Press 2017 |
| Ziele | KI-Forschung | Bostrom I 126 Ziele/Superintelligenz/KI-Forschung/Bostrom: Ist es möglich etwas darüber zu sagen, was eine Superintelligenz mit einem entscheidenden I 127 strategischen Vorteil wünschen würde? I 129 Intelligenz und Motivation sind in gewisser Weise orthogonal: Wir können sie uns als zwei Achsen vorstellen, die sich über ein Diagramm erstrecken, in dem jeder Punkt einen logisch möglichen künstlichen Agenten darstellt. Diesem Bild könnten einige Qualifikationen hinzugefügt werden. Zum Beispiel könnte es für ein sehr unintelligentes System unmöglich sein, sehr komplexe Motivationen zu haben. ((s) Orthogonalität bedeutet Unabhängigkeit dieser Größen voneinander, weil die Achsen senkrecht aufeinander stehen.) I 130 Def-Orthogonalitäts-These/Bostrom: Intelligenz und Endziele sind orthogonal: Mehr oder weniger jedes Intelligenzniveau könnte prinzipiell mit mehr oder weniger jedem Endziel kombiniert werden. Gemäss der Orthogonalitäts-These können künstliche Agenten völlig nicht-anthropomorphe Ziele haben. -Vorhersagbarkeit durch Design: I 131 (...) noch bevor ein Agent geschaffen wurde, können wir vielleicht etwas über sein Verhalten vorhersagen, wenn wir etwas darüber wissen, wer ihn bauen wird und welche Ziele er haben will. -Vorhersagbarkeit durch Vererbung. Wenn eine digitale Intelligenz direkt aus einer menschlichen Vorlage erstellt wird (wie es bei einer High-Fidelity-Emulation des gesamten Gehirns der Fall wäre), dann könnte die digitale Intelligenz die Motivationen der menschlichen Vorlage erben. -Vorhersagbarkeit durch konvergente instrumentelle Gründe: (...) Wir können vielleicht etwas über seine unmittelbareren Ziele ableiten, wenn wir die instrumentellen Gründe berücksichtigen, die sich für jedes einer Vielzahl möglicher Endziele in einer Vielzahl von Situationen ergeben würden. I 132 Def Instrumentale Konvergenzthese / Bostrom: Es lassen sich mehrere instrumentelle Werte identifizieren, die in dem Sinne konvergieren, dass ihre Erreichung die Chancen des Agenten, sein Ziel zu erreichen, für ein breites Spektrum von Endzielen und eine Vielzahl von Situationen erhöhen würde, was impliziert, dass diese instrumentellen Werte wahrscheinlich von einem breiten Spektrum situierter intelligenter Agenten verfolgt werden. >Ziele/Omohundro. Wo es konvergierende instrumentelle Werte gibt, können wir möglicherweise einige Aspekte des Verhaltens einer Superintelligenz vorhersagen: -Selbstschutz: Die meisten Menschen scheinen ihrem eigenen Überleben einen endgültigen Wert beizumessen. Dies ist kein notwendiges Merkmal künstlicher Agenten: Einige können so konzipiert sein, dass sie ihrem eigenen Überleben keinerlei endgültigen Wert beimessen. Ziel-Inhalt-Integrität: Wenn ein Agent seine gegenwärtigen Ziele auch in Zukunft beibehält, dann werden seine gegenwärtigen Ziele mit größerer Wahrscheinlichkeit von seinem zukünftigen Selbst erreicht werden. Dies gibt dem Agenten einen gegenwärtigen instrumentellen Grund, I 133 Änderungen seiner Endziele zu verhindern. Für Software-Agenten, die leicht Körper wechseln oder exakte Duplikate von sich selbst erstellen können, muss die Erhaltung des Selbst als eine bestimmte Implementierung oder ein bestimmtes physisches Objekt kein wichtiger instrumenteller Wert sein. Fortgeschrittene Software-Agenten könnten auch in der Lage sein, Erinnerungen auszutauschen, Fähigkeiten herunterzuladen und ihre kognitive Architektur und ihre Persönlichkeit radikal zu verändern. I 141 Orthogonalitäts-These/Bostrom: (s.o.) die Orthogonalitäts-These legt nahe, dass man nicht leichtfertig davon ausgehen kann, dass eine Superintelligenz notwendigerweise einen der Endwerte teilt, die stereotyp mit Weisheit und intellektueller Entwicklung des Menschen assoziiert werden (...). I 270 Ziele/Ethik/Moral/Moral/Superintelligenz/Bostrom: Denken Sie zum Beispiel an das folgende " Vernunft-basierte" Ziel: Tun Sie das, was wir am ehesten von der KI hätten verlangen können. ((s)VsBostrom: Hier wird vorausgesetzt, dass die KI keinen Grund hat, unsere Absichten zu verfälschen. I 272 Bostrom: Komponenten für Verhaltensentscheidungen: -Ziel Inhalt: Welches Ziel sollte die KI verfolgen? Wie sollte eine Beschreibung dieses Ziels interpretiert werden? -Entscheidungstheorie: Sollte die KI kausale Entscheidungstheorie, beweiskräftige Entscheidungstheorie, aktualisierungslose Entscheidungstheorie oder etwas anderes verwenden? -Erkenntnistheorie: Wie sollte die vorrangige Wahrscheinlichkeitsfunktion der KI aussehen (...) Welche Theorie der Anthropologie sollte sie verwenden?? -Bewertung/Rangordnung: Sollten die Pläne der KI vor ihrer Umsetzung einer menschlichen Überprüfung unterzogen werden? Wenn ja, wie sieht das Verfahren für diesen Überprüfungsprozess aus? >Ethik/Superintelligenz/Bostrom, >Ethik/Superintelligenz/Yudkowsky, >Normen/Bostrom. |
Bostrom I Nick Bostrom Superintelligence. Paths, Dangers, Strategies Oxford: Oxford University Press 2017 |
| Zufall | Mayr | I 105 Zufall/Mayr: Wir bezeichnen eine bestimmte Mutation als zufällig, wenn sie in keinem Zusammenhang mit gegenwärtigen Bedürfnissen des Organismus steht und auch sonst nicht vorhersagbar ist. >Mutation, vgl. >Notwendigkeit. I 250 Zufall/Mayr: Zufall dominiert bei der Variation, Notwendigkeit/Mayr: dominiert bei der Selektion. >Selektion. Selektion: Es gibt keine "selektive Kraft"! I 252 Selektion: Bates' Entdeckung der Mimikry (1862)(1) bei essbaren und giftigen Schmetterlingen war ein erster Beweis für die natürliche Selektion. Nutzen/Biologie: Welchen Nutzen hat die Emergenz eines Merkmals für das Überleben? Adaptionistisches Programm. >Adaption, >Nutzen, >Emergenz. 1. H.W. Bates (1862). Contributions to an Insect Fauna of the Amazon Valley. In: Trans Linn. Soc. London 23. S. 495-566. |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Zwecke | Millikan | Ruth G. Millikan Verschiedene Arten von zweckgerichtetem Verhalten in Dominik Perler, Markus Wild (Hg) Der Geist der Tiere Frankfurt 2005 II 201 Tier/Zweck/Millikan: der Anthropomorphismus stattet Tiere mit Plänen oder menschenartigen Zwecken aus, d.h. mit Kognitionen. Dazu braucht man erst einmal eine Theorie, was Zwecke, Kognitionen und menschliche Kognitionen sind. Ich unterscheide zwischen 1. biologischer, 2. "intentionaler" Zweckausrichtung: diese hat damit zu tun, Zwecke zu erkennen und Pläne zu haben. These: es kann keine Untersuchung des Verhaltens geben, die nicht zumindest implizit auf einer Spekulation darüber beruht, worin die biologische Zweckausrichtung liegt. Intentionale Zweckausrichtung ist problematischer. Sie ist eine Form biologischer Zweckausrichtung. >Intentionalität, >Tier. II 202 Zweck/biologischer/Millikan: Bsp Herzschlag, Bsp Herausschleudern der Zunge des Froschs. Biologische Funktion ist historischer Überlebenswert. >Funktionale Erklärung. Verhalten/Millikan: warum kann man Verhalten nicht untersuchen, ohne auf biologischen Zweck Bezug zu nehmen? II 203 Es kann eine unendliche Zahl möglicher Beschreibungen (Vgl. >"Ist die Sprache unendlich?") geben, die man für ein Verhalten geben kann. Die Maus läuft in Richtung auf ihr Loch, aber auch nach Norden, in Richtung London, oder in Richtung auf den angelehnten Besen. Hier ist es klar, dass nur die erstere Beschreibung relevant ist. II 204 Dass Mäuse vor Katzen wegrennen, ist das entscheidende. Weil es ein wiederkehrendes Phänomen ist, dass sie auf einen Besen zu rennen ist das nicht. II 205 Nicht irgendein Output eines Tieres ist relevantes Verhalten. Bsp "Kniezucken" hat keinen Überlebenswert. Bsp Niesen aber wahrscheinlich wohl. II 207 Bsp wenn mein Blinzeln Sie zum Lächeln bringt, und zwar als biologischen Zweck, so werden ich diesen Zweck nicht erkennen, ich werde nicht blinzeln, weil ich an diesen Zweck denke. >Zwecke, >Ziele. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Begriff/ Autor/Ismus |
Autor |
Eintrag |
Literatur |
|---|---|---|---|
| Theorie | Fraassen, B. van | I 4 Theorie/Fraassen: der Glaube an eine Theorie involviert nur, daß sie Def "die Phänomene bewahrt". D.h. das Beobachtbare korrekt beschreibt. Akzeptieren/Fraassen: muß aber noch mehr enthalten als Glauben, denn wir haben niemals die Option, eine allumfassende Theorie zu akzeptieren, die in allen Details vollständig ist. I 10 Theorie/Wahrheit/Fraassen: eine gute Theorie muß nicht wahr sein. I 40 These: analog dazu glaube ich, daß die erfolgreichen Theorien gerade die sind, die überleben. I 64 Theorie/Fraassen: These: Theorien beschreiben in der Tat viel mehr als was beobachtbar ist, aber es geht um empirische Adäquatheit und nicht um Wahrheit und darum, wie die Theorie über die beobachtbaren Phänomene hinausgeht. I 88 These: die epistemischen Verdienste einer Theorie sind nicht sui generis, sie sind einfach die empirische Adäquatheit bzw. empirische Stärke. I 93 Methodologie/Fraassen: die Suche nach Erklärungen wird daher geschätzt, weil sie meist darin besteht, nach einfacheren Theorie zu suchen, I 94 Theorien, die einheitlicher und wahrscheinlicher empirisch adäquat sind. |
|
| Ethik | Hume, D. | Stegmüller IV 243 Ethik/Moral/Hume: These 1. angesichts knapper Ressourcen müssen die Menschen kooperieren um überleben zu können. 2. HumeVsHobbes: allen Menschen ist Sympathie eigen. Wäre freilich alles im Überfluß vorhanden, wäre die Respektierung fremden Eigentums überflüssig: IV 244 Die Menschen würden freiwillig die Bedürfnisse im allseitigen Interesse gemäß ihrer Dringlichkeit befriedigen. IV 244 Ethik/Moral/Hume: These 3. menschliche Einsichtsfähigkeit und Willensstärke sind begrenzt, daher sind Sanktionen notwendig. 4. vorteilhafter Zug: die Intelligenz befähigt den Menschen, langfristige Interessen zu berechnen. IV 245 Die entscheidende Triebkraft ist das Eigeninteresse. Es ist sinnlos zu fragen, ob der Mensch "von Natur aus gut" oder "von Natur aus schlecht" sei. es geht um die Unterscheidung von Klugheit und Narrheit. 5. Der Mensch ist verwundbar. 6. Die Menschen sind annähernd gleich. |
|
| Überleben | Lewis, D. | IV 55 These (wie viele andere Autoren): es kommt auf mentale Kontinuität und Verbundenheit an. Mein geistiges Leben sollte weiterfließen. > Parfit |
|
| Überleben | Parfit, D. | Lewis IV 56 Parfit These: Identität ist beim Überleben nicht wichtig! Verbundenheit ist ausschlaggebend. - Lewis: wir müssen a) und b) einander annähern. (Siehe Lewis). |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| VsFraassen | Quine, W.V.O. | V 62 Bas van Fraassen These eine erfolgreiche Theorie brauche nicht wahr zu sein, sondern lediglich »beobachtungsadäquat«. (Richtige Vorhersagen). V 61 PutnamVsFraassen: ich glaube, daß jene anderen Philosophen recht haben, die die These vertreten, wir würden nicht überleben, wenn hinreichend viele unserer Überzeugungen nicht wahr wären! Grund: das Trialï·"andï·"errorï·"Verfahren erklärt nicht, warum unsere Theorien »beobachtungsadäquat« sind. |
|
| naturalisierte Erkth | Quine, W.V.O. | Danto I 183 Def naturalisierte Erkenntnistheorie/Quine/Danto: These Wissen hat auch eine biologische Dimension. Überlebenswert von Repräsentationsfähigkeit. Natürlich findet das meiste ohne unsere Reflexion statt. Daher fragte Nietzsche, welchen Überlebenswert unser Bewußtsein überhaupt hat. |
Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Überleben | Simons, P. | I 198 "Kontinuiitäts-Theorie"/Terminologie/Simons: die These daß die "alte" Existenz nach der Unterbrechung wieder aufgenommen wird. SimonsVs: sie bezahlt einen Preis dafür: nämlich ein Aufbauschen von Objekten, die in ihre Teile zerlegt sind, oder Vervielfältigung von Objekten, die gar nicht stattfindet. I 206 Person/Körper/Operation/Simons: These es gibt keinen Grund zu leugnen, daß die Person während der Operation nicht existiert. |
|
| Evolut. Erkenntnth. | Vollmer, G. | I 37 Evolutionäre Erkenntnistheorie/EE/Vollmer: These: unser Erkenntnisapparat ist ein Ergebnis der biologischen Evolution. Die Übereinstimmung mit realen Strukturen ("Fertigwelt"?) ermöglicht das Überleben. Die Anpassung eines Organismus ist allerdings niemals ideal, sie muß es auch nicht sein. I 271 VsEE: sagt überhaupt nichts neues. Schon Spencer wurde widerlegt. Bei Haeckel findet sich schon die Bezeichnung "biologische Erkenntnistheorie". Die These vom Verstand als Organfunktion erinnert an die Kant-Interpretation bei Helmholtz und F.A. Lange: "Das Apriori als physisch-psychische "Organisation". |
|
| Super-Assertibilität | Wright, Cr. | I 68~ Superassertibilität: eine Aussage ist superassertibel, wenn sie berechtigt ist, oder berechtigt werden kann, und wenn ihre Berechtigung sowohl die beliebig genaue Prüfung ihrer Abstammung als auch beliebig umfangreiche Ergänzungen und Verbesserungen der Information überleben würde. - ideale Umstände/Putnam zeitlos - SuperA keine externe Norm, sondern unsere eigene Praxis - metaphysisch neutral I 81 Superassertibilität/Wright: These: Komische und moralische Wahrheiten können als Spielarten der Superassertibilität gelten -(s) Weil alles, was wir in Zukunft erfahren können, aus unserer eigenen Praxis stammt, sind wir vor grundsätzlichen Überraschungen gefeit I 83 Erkennbarkeit/Wissen/Superassertibilität: wird die Verknüpfung dieser Forderungen zugelassen (wie z.B. im moralischen Diskurs), so ist Superassertibilität ein plausibles Modell des Wahrheitsprädikats. (These). I 94 Berechtigung/Wright These die Berechtigung etwas zu behaupten setzt die Berechtigung voraus, etwas als superassertibel anzusehen. |
|
| Begriff/ Autor/Ismus |
Autor |
Eintrag |
Literatur |
|---|---|---|---|
| Fälschung | Bolz, N. | Anne-Kathrin Reulecke (Hg) Fälschungen Frankfurt 2006 S 42 Fälschung/Bolz: neue digitale Medien: These die Moderne ist eine Kultur der Fälschung. Durch Historisierung verliert die Fälschung an Brisanz und wird zur Überlebensstrategie. |
|