Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Adaption Evolutionäre Psychologie Corr I 267
Adaption/Evolutionspsychologie/Figueredo: Es gibt im Wesentlichen drei Lösungen für das Problem der Anpassung an Umgebungen, die zeitlich oder räumlich variabel oder heterogen sind (einschließlich des "ökologischen Raums"): (1) Entwicklungsplastizität,
(2) genetische Vielfalt und
(3) räumliche Migration. Nach der Brunswick Theorie der evolutionären Entwicklung (BED) wählen Ökologien, die im Laufe der Entwicklungszeit variabel sind, nach Organismen, die phänotypisch plastisch genug sind, um sich durch Lernen im Laufe der Entwicklungszeit anzupassen (Figueredo, Hammond und McKiernan 2006)(1).
Eine solche Verhaltensentwicklung hängt jedoch entscheidend von der Existenz zuverlässiger und valider Hinweise ab, die signalisieren, welcher alternative Phänotyp unter den jeweiligen lokalen Bedingungen in Zeit, Raum und Ökologie optimal ist.
>Nischen/Figueredo, >Ökologie/Evolutionäre Psychologie.

1. Figueredo, A. J., Hammond, K. R. and McKiernan, E. C. 2006. A Brunswikian evolutionary developmental theory of preparedness and plasticity, Intelligence 34: 211–27


Aurelio José Figueredo, Paul Gladden, Geneva Vásquez, Pedro Sofio, Abril Wolf and Daniel Nelson Jones, “Evolutionary theories of personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Ähnlichkeit Darwin Mayr I 190
Ähnlichkeit: Darwin zählt sie zu den Klassifikationskriterien, weil zwischen Verzweigen und Divergenz kein absolut direkter Zusammenhang besteht. In manchen Stammbäumen divergieren alle Zweige etwa in demselben Maße.
Sprache/Evolution: Euch Sprachen evolvieren, aber nicht adaptiv, sondern stochastisch! Bsp Als die Angelsachsen die Britischen Inseln besiedelten, mussten sie die Sprache nicht dem Klima anpassen. Die Berücksichtigung ökologischer Faktoren und ihrer Auswirkungen auf den Phänotyp zeichnet eine Darwinsche Klassifikation aus. >Klassifikation.
Ähnlichkeit/Mayr: Ähnlichkeit muss als erster Schritt festgestellt werden, dann die Genealogie. >Methode.

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Ähnlichkeit Mayr I 189
Ähnlichkeit/Mayr: Nicht alle Ähnlichkeiten von Organismen beruhen auf Homologie: Drei Arten von Merkmalsänderungen können Homologie vortäuschen: 1. Konvergente Evolution: unabhängiger Erwerb desselben Merkmals bei nicht verwandten Abstammungslinien Bsp Flügel bei Vögeln und Fledermäusen.
2. Parallele Evolution: dasselbe bei verwandten Abstammungslinien aufgrund genetischer Prädisposition für dieses Merkmal, selbst wenn es bei den Vorfahren nicht phänotypisch ausgeprägt war. Bsp unabhängiger Erwerb von Stielaugen bei Fliegen einer ganzen Familiengruppe.
3. "Rückschlag": Verlust desselben entwickelten Merkmals in mehreren Stammlinien.
>Homologie, >Evolution, >Konvergenz.
I 190
Ähnlichkeit: Darwin zählt sie zu den Klassifikationskriterien, weil zwischen Verzweigen und Divergenz kein absolut direkter Zusammenhang besteht. >Klassifikation, >Kriterien.
In manchen Stammbäumen divergieren alle Zweige etwa in demselben Maße.
Ähnlichkeit/Mayr: Ähnlichkeit muss als erster Schritt festgestellt werden, dann die Genealogie.
I 373
Def Ähnlichkeit: Bestimmte Merkmale müssen zusammen mit anderen Merkmalen auftreten, von denen sie logisch unabhängig sind. >Unabhängigkeit, >Methode.
I 190
Taxonomie: Problem: Uneinheitliche Evolution verschiedener Merkmalsgruppen. So können sich ganz verschiedene Klassifikationen ergeben. Bsp Larven im Vergleich zu adulten Individuen: können in ganz verschiedene Ähnlichkeitsklassen fallen. Bsp Der Mensch ist molekular dem Schimpansen ähnlicher als verschiedene Arten der Gattung Drosophila untereinander.
I 192
Kategorien/Mayr: Für die höheren Kategorien gibt es keine verlässliche Definition. Höhere Taxa lassen sich sehr gut beschreiben: Bsp Vögel oder Pinguine. Doch die Kategorie, der sie zugeordnet werden, ist oft subjektiv. >Kategorien, >Kategorisierung, >Taxa.

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Arten Mayr Gould I 216
Art/Darwin/Lamarck: Arten sind keine natürliche Einheiten sondern "rein artifizielle Zusammenstellungen"... begriffliche Definitionen. >Ordnung, >Systeme, >Definitionen, >Definierbarkeit, >Klassifikation.
Gould I 217
Art/Ernst MayrVsDarwin/MayrVsLamarck: Arten sind Produkt der Evolution und nicht des menschlichen Geistes. >Evolution, >Evolution/Mayr.
I 179
Def Art/Mayr: Eine Art ist eine Vorrichtung zum Schutz ausgewogener, harmonischer Genotypen. "Biologisches Artkonzept" sucht biologischen Grund für die Existenz von Arten. Vielleicht gibt es zufällig noch andere Eigenschaften. Biologisches Artkonzept:
1. Problem: Asexuelle Organismen bilden keine Populationen.
2. Problem: Räumliche Ausdehnung mit Unterarten. Sie können in der Isolation mit der Zeit zu selbständigen Arten werden (durch Erwerb von neuen Isolationsmechanismen). (Polytypische Arten).
I 181
Nominalistisches Artkonzept: In der Natur gibt es ausschließlich Individuen, Arten sind künstlich vom Menschen geschaffen. MayrVs: Das wäre Willkür, und die Natur zeigt, dass nicht Willkür herrscht.
I 182
Evolutionäres Artkonzept: zeitliche Dimension, Generationenreihe von Populationen. MayrVs: Das Konzept berücksichtigt nicht, dass es zwei mögliche Wege der Artentstehung gibt:
a) Allmähliche (graduelle) Wandlung einer Stammlinie in eine andere Art, ohne dass die Zahl der Arten verändert würde,
b) Die Vervielfältigung von Arten durch geographische Isolation.
I 183
Art/Mayr: Art wird auf drei ganz verschiedene Objekte oder Phänomene angewendet:
1. Das Artkonzept
2. Die Kategorie Art 3. Die Arttaxa.
Manche Autoren konnten diese nicht unterscheiden, was zu heilloser Verwirrung in der Literatur geführt hat.
Artkonzept: biologische Bedeutung oder Definition des Wortes "Art".
Kategorie Art: bestimmte Rangstufe im Linnéschen System. (Andere Kategorien: Ordnung, Reich., Gattung...)
Def Arttaxa: Besondere Populationen oder Populationsgruppen, die der Artdefinition entsprechen. Sie sind Entitäten ("Individuen") und lassen sich als solche nicht definieren. Individuen können nicht definiert werden, sondern lediglich beschrieben und abgegrenzt.
>Definitionen, >Definierbarkeit.
I 183
Evolution/Mayr: Art ist die entscheidende Entität der Evolution. Art: Eine Art tritt, ganz unabhängig von den ihr zugehörigen Individuen, als eine Einheit mit anderen Arten in der gemeinsamen Umwelt in Wechselwirkung.
I 185
Makrotaxonomie: Die Klassifikation von Arten (in übergeordnete Gruppen) Gruppen: Meist leicht erkennbar: Vögel, Schmetterlinge, Käfer.
Abwärtsklassifikation (Eigentlich Identifizierung). Zweiteilung (aristotelisch), Blütezeit der medizinischen Botanik.
Bsp Warmblüter oder Nicht-Warmblüter - Federn habend oder nicht habend.
I 192
Organismentypen: Die meisten neuen Organismentypen entstehen nicht durch allmähliche Umformung einer Stammlinie, also eines schon vorhandenen Typus. Vielmehr dringt eine Gründerart in eine neue adaptive Zone vor und ist dort dank schneller adaptiver Veränderungen erfolgreich. Bsp Die mehr als 5000 Singvogelarten sind nicht mehr als die Variation eines einzigen Themas.
I 192
Art: Die beiden evolutionären Wege, eine neue Art hervorzubringen: a) allmählicher Wandel des Phänotyps und
b) zunehmende Vielfalt (Speziation)
stehen nur in loser Verbindung.
I 192
Selektionsdruck: Selektionsdruck kann ausbleiben, wenn eine Gründerart in seine sehr günstige adaptive Zone gelangt.
I 283
Arten/Mayr: Sehr konservative Schätzung: 10 Mio Tierarten, davon etwa 1,5 Mio beschrieben. Also etwa 15% bekannt. Legitime Schätzung: 30 Mio Arten. Nur 5% sind bekannt. Andererseits sind 99 % aller Vogelarten entdeckt und beschrieben. Bei vielen Insekten, Spinnentieren, niederen Wirbeltieren vermutlich weniger als 10%. Dasselbe gilt für Pilze, Protisten, Prokaryonten.

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Charakterzüge Deary Corr I 89
Charakterzüge/Deary: Es gibt immer noch Fragen darüber, wie Psychologen wissen, ob Charakterzüge und ein bestimmtes Modell von Charakterzügen der richtige Weg sind, um menschliche Persönlichkeitsunterschiede zu konstruieren. Außerdem ist ihre Natur immer noch weitgehend geheimnisvoll.
Corr I 91
Zeitliche Stabilität/Charakterzüge/Entwicklungspsychologie/Deary: Die Stabilität von Ratings von Charakterzügen wurde in Frage gestellt. Eine Überprüfung von über 152 Längsschnittstudien mit über 3.000 Korrelationskoeffizienten ergab, dass die Charakterzugsstabilität von der Kindheit bis zum Erwachsenenalter zunahm und von etwa 0,3 auf über 0,7 stieg (Roberts und DelVecchio 2000)(1). Dies unterstützte frühere Forschungen mit Charakterzügen aus dem Fünf-Faktoren-Modell (Costa und McCrae 1994(2)) und Eysencks Faktoren (Sanderman und Ranchor 1994)(3), die Stabilitätskoeffizienten von deutlich über 0,6 und über 0,8 für Zeiträume zwischen sechs und dreißig Jahren gefunden hatten. Die Stabilität der individuellen Unterschiede zwischen Kindern kann bei einem geeigneten Messgerät hoch sein. Unter Verwendung des Berkeley-Puppen-Inventar, bei dem identische Puppen gegenteilige Aussagen machen, woraufhin die Kinder wählen, was besser zu ihnen passt, lagen die Stabilitätskoeffizienten zwischen sechs und sieben Jahren oft deutlich über 0,5. Waren sie bereinigt von periodenfreier Unzuverlässigkeit, lagen sie deutlich höher (Measelle, John, Ablow et al. 2005)(4). Charakerzüge sind stabile Aspekte der Verfassung von Menschen (einschließlich Kindern).
Vererblichkeit von Charakterzügen: Es gibt (....) die gut unterstützte Erblichkeit von Charakterzügen, einschließlich derjenigen des Fünf-Faktoren-Modells (Bouchard und Loehlin 2001)(5). In zehn Jahren molekulargenetischer Persönlichkeitsstudien gibt es jedoch immer noch keine festen Zusammenhänge zwischen genetischen Variationen und Charakterzügen (Ebstein 2006)(6).
Tiere/Charakterzüge: Es gibt Hinweise darauf, dass andere Arten, einschließlich Primaten (Weiss, King und Perkins 2006)(7) und andere (Gosling 2001)(8), so etwas wie ein Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit haben.
Siehe >Fünf-Faktoren-Modell, >Charakterzüge.
Einige Meilensteine in der Erforschung von Charakterzügen:
Corr I 99
Ausgangspunkt für Tupes und Christal (1961)(9) waren die von Cattell (1947)(10) entwickelten 35 Merkmalsvariablen, deren Arbeit wiederum aus der Identifizierung von Dictionary-Charakterzügen durch Allport und Odbert (1936)(11) resultierte. Das Ergebnis (Tupes und Christal 1961, S. 232): aus ihren acht heterogenen Studien gingen "fünf ziemlich starke rotierende Faktoren hervor": Dringlichkeit (Extraversion), Verträglichkeit, Zuverlässigkeit (Gewissenhaftigkeit), Emotionale Stabilität (im Gegensatz zum Neurotizismus) und Kultur. Dies war ein Durchbruch bei der Beseitigung der Unsicherheit in Bezug auf die Struktur der Ratings der Charakterzüge.
Etwa zur gleichen Zeit fand Norman (1963)(12) unter Berufung auf die gleiche empirische Geschichte und mit einem ähnlichen Ziel ähnliche Ergebnisse. Der Schwerpunkt lag auf der Klärung der Beobachtungssprache der Persönlichkeit mit dem Argument, dass die Erforschung der Persönlichkeit "erleichtert wird, wenn ein umfangreiches und gut organisiertes Vokabular zur Verfügung steht, mit dem die phänotypischen Eigenschaften von Personen bezeichnet werden können" (Norman 1963, S. 574).
Corr I 100
Eine von Normans (1963) Schlussfolgerungen war, dass Forscher auf den Pool von Charakterzügen zurückgreifen sollten, um nach Charakterzügen jenseits der fünf zu suchen. Zu diesem Zeitpunkt kann man drei Prozesse (es könnten noch mehr sein) im Charakterzugansatz zur Persönlichkeit erkennen. (1) Es gab gute Fortschritte bei der Identifizierung von Charakterzügen für die Messung und prädiktive Validität.
(2) Es gab den Prozess der Verteidigung des Charakterzuges vor dem Zeitgeist in der Psychologie (Freudiansim, Behaviorismus, Situationismus, etc.). (VsPsychoanalyse, VsBehaviorismus, VsSituationismus).
(3) Es gab den Prozess des Nachdenkens und Studierens darüber, was Charakterzüge tatsächlich waren, jenseits von Werten aus einem Inventar oder einer Bewertungsskala.
Meehl (1986)(13) ging auf das dritte Thema ein, indem er auf Cattells (z.B. 1945)(14) Oberflächen-Charakterzüge und die Unterscheidung der Ausgangs-Charakterzüge zurückging. Er gab einen guten Überblick darüber, wie wir in der Alltagssprache Charakterzuschreibungen vornehmen und wie sich diese von schmalen zu breiteren Charakterzügen verallgemeinern. Diese stammen aus beobachteten Verhaltensweisen und sind Oberflächen-Charakterzüge. Enge Charakterzüge, die zu breiteren führen, sind "verbunden mit a) empirischer Kovariation und b) inhaltlicher Ähnlichkeit" (S. 317).
Für die heutige Diskussion siehe >Charakterzüge/Tellegen, >Charakterzüge/McCrae.


1. Roberts, B. W. and DelVecchio, W. F. 2000. The rank-order consistency of personality from childhood to old age: a quantitative review of longitudinal studies, Psychological Bulletin 126: 3–25
2. Costa, P. T., and McCrae, R. R. 1994. Set like plaster? Evidence for the stability of adult personality, in T. Heatherton and J. Weinberger (eds.), Can personality change?, pp. 21–40. Washington, DC: American Psychological Association
3. Sanderman, R. and Ranchor, A. V. 1994. Stability of personality traits and psychological distress over six years, Perceptual and Motor Skills 78: 89–90
4. Measelle, J. R., John, O. P., Ablow, J. C., Cowan, P. A. and Cowan, C. P. 2005. Can children provide coherent, stable, and valid self-reports on the Big Five dimensions? A longitudinal study from ages 5 to 7, Journal of Personality and Social Psychology 89: 90–106
5. Bouchard, T. J. and Loehlin, J. C. 2001. Genes, evolution, and personality, Behaviour Genetics 31: 243–73
6. Ebstein, R. P. 2006. The molecular genetic architecture of human personality: beyond self-report questionnaires, Molecular Psychiatry 11: 427–45
7. Weiss, A., King, J. E. and Perkins, L. 2006. Personality and subjective well-being in orangutans, Journal of Personality and Social Psychology 90: 501–11
8. Gosling, S. D. 2001. From mice to men: what can we learn about personality from animal research?, Psychological Bulletin 127: 45–86
9. Tupes, E. C. and Christal, R. E. 1961. ASD Technical Report (reprinted in 1991 as Recurrent personality factors based on trait ratings), Journal of Personality 60: 225–51
10. Cattell, R. B. 1947. Confirmation and clarification of primary personality factors, Psychometrika 12: 197–220
11. Allport, G. W. and Odbert, H. S. 1936. Trait-names: a psycho-lexical study, Psychological Monographs 47: No. 211
12. Norman, W. T. 1963. Toward an adequate taxonomy of personality attributes, Journal of Abnormal and Social Psychology 66: 574–83
13. Meehl, P. E. 1986. Trait language and behaviourese, in T. Thompson and M. Zeiler (eds.), Analysis and integration of behavioural units, pp. 315–34. Hillsdale, NJ: Lawrence Erlbaum Associates
14. Cattell, R. B. 1945. The principal trait clusters for describing personality, Psychological Bulletin 42: 129–61


Ian J. Deary, “The trait approach to personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Charakterzüge Verhaltensgenetik Corr I 287
Charakterzüge/Verhaltensgenetik/Munafò: Die Untersuchung des Zusammenhangs zwischen DNA-Varianten und psychologischen Phänotypen hat das Potenzial zu bestimmen, welche Gene vererbbare psychologische Merkmale wie Persönlichkeit beeinflussen (Ebstein, Benjamin und Belmaker 2000(1); Eysenck 1977)(2). Diese Forschung hat eine lange Geschichte, beginnend mit der Beobachtung, dass Verhaltensphänotypen (einschließlich Persönlichkeit) dazu neigen, mit zunehmender genetischer Ähnlichkeit eine größere Ähnlichkeit zwischen Paaren von Individuen zu zeigen. Probleme: Molekulargenetische Studien waren bisher eher durch die Inkonsistenz ihrer Ergebnisse gekennzeichnet als durch die Bereitstellung neuartiger biologischer Informationen. Angesichts der großen Anzahl von Kandidatengenen, die zur Beeinflussung psychologischer Merkmale hypothetisiert werden können sowie des Ausmaßes der DNA-Sequenzvariation und der zahlreichen, oft widersprüchlichen Methoden zur Messung phänotypischer Variationen in der Psychologie und Verhaltensforschung ist die Aufgabe, konkurrierende statistische Hypothesen zu bewerten, wahrscheinlich beschwerlich. (VsMolekulare Genetik, VsBehaviorale Genetik).
Charakterzüge/Psychologie: Die meisten Charakterzugpsychologen argumentieren, dass eine kleine Anzahl von Faktoren verwendet werden kann, um individuelle Unterschiede in der Persönlichkeit zu berücksichtigen. So besteht beispielsweise starke Übereinstimmung darüber, dass die Dimensionen Extraversion-Introversion und Neurotizismus-Stabilität grundlegende Bestandteile jeder Persönlichkeitstaxonomie sind.
>Charakterzüge/Psychologische Theorien.
Kausalität: Kausale Persönlichkeitstheoretiker haben versucht, weiter zu gehen und bekannte neurobiologische Mechanismen mit Persönlichkeitsdimensionen zu verbinden, gemessen mit einer Reihe von Instrumenten.
>Kausalität/Entwicklungspsychologie.
Verhalten: In Anlehnung an die Typologie von Revelle (Revelle 1995)(3) wurden drei grundlegende Verhaltensdimensionen vorgeschlagen, die der differentiellen Aktivität in Neurotransmittersystemen entsprechen sollen (Ebstein, Benjamin Benjamin und Belmaker 2000(1); Munafò, Clark, Moore et al. 2003(4)): Dopamin für Annäherungsverhalten, Serotonin und Noradrenalin für Vermeidungsverhalten und Serotonin, Noradrenalin und GABA für aggressives oder Kampf-Rückzug-Verhalten. Es besteht ein breiter Konsens über die Konstruktvalidität der ersten beiden dieser Dimensionen, aber es bleibt eine ebenso große Debatte über die dritte.

1. Ebstein, R. P., Benjamin, J., Belmaker, R. H. 2000. Personality and polymorphisms of genes involved in aminergic neurotransmission, European Journal of Pharmacology 410: 205–14
2. Eysenck, H. J. 1977. National differences in personality as related to ABO blood group polymorphism, Psychology Reports 41: 1257–8
3. Revelle, W. 1995. Personality processes, Annual Review of Psychology 46: 295–328
4. Munafò, M. R., Clark, T. G., Moore, L. R., Payne, E., Walton, R. and Flint, J. 2003. Genetic polymorphisms and personality in healthy adults: a systematic review and meta-analysis, Molecular Psychiatry 8: 471–84

Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.)2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press


Corr I 329
Charakterzüge/Verhaltensgenetik: Verhaltensgenetische Analysen haben gezeigt, dass die beiden Meta-Merkmale genetisch bedingt sind (Jang et al. 2006)(1), und es häufen sich die Hinweise, dass Stabilität (>Persönlichkeitsmerkmale/Neurobiologie) mit Serotonin zusammenhängt, während Plastizität mit Dopamin zusammenhängen könnte (DeYoung 2006(2); DeYoung, Peterson und Higgins 2002;(3), Yamagata, Suzuki, Ando et al. 2006)(4). Serotonin und Dopamin wirken als diffuse Neuromodulatoren, die sich auf ein breites Spektrum von Gehirnsystemen auswirken, und ihr weitreichender Einfluss steht im Einklang mit einer Rolle auf der breitesten Ebene der Persönlichkeitsstruktur.
1. Jang, K. L., Livesley, W. J., Ando, J., Yamagata, S., Suzuki, A., Angleitner, A., Ostendorf, F., Riemann, R. and Spinath, F. 2006. Behavioural genetics of the higher-order factors of the Big Five, Personality and Individual Differences 41: 261–72
2. DeYoung, C. G. 2006. Higher-order factors of the Big Five in a multi-informant sample, Journal of Personality and Social Psychology 91: 1138–51
3. DeYoung, C. G., Peterson, J. B. and Higgins, D. M. 2002. Higher-order factors of the Big Five predict conformity: are there neuroses of health? Personality and Individual Differences 33: 533–52
4. Yamagata, S., Suzuki, A., Ando, J., Ono, Y., Kijima, N., Yoshimura, K., Ostendorf, F., Angleitner, A., Riemann, R., Spinath, F. M., Livesley, W. J. and Jang, K. L. 2006. Is the genetic structure of human personality universal? A cross-cultural twin study from North America, Europe, and Asia, Journal of Personality and Social Psychology 90: 987–98


Colin G. DeYoung and Jeremy R. Gray, „ Personality neuroscience: explaining individual differences in affect, behaviour and cognition“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Endophänotyp
Endophänotyp Molekulargenetik Corr I 298
Endophänotyp/Molekulargenetik/Munafò: Der Begriff des Endophänotyps wurde vor mehr als dreißig Jahren von Gottesman and Shields (1973)(1) in die Psychiatrie eingeführt. Seine Popularität ist jedoch jüngerer Natur. Es finden sich acht PubMed-Einträge vor dem Jahr 2000. Demgegenüber stehen 150 im aktuellen Jahrhundert. Gottesman and Shields (1973)(1) übernahmen den Begriff von einer Arbeit aus dem Jahr 1966, in der die geografische Verteilung der Heuschrecken dem "Endophänotyp" der Insekten zugeschrieben wurde (John und Lewis 1966)(2), einem Neologismus, der auf einen Phänotyp anspielt, der mikroskopisch und intern war und daher für die beiläufige Beobachtung unklar war. Def Endophänotyp/Gottesman: Gottesmans Definition eines Endophänotyps ist, dass er vererbbar sein sollte, mit einer psychiatrischen Krankheit ko-segmentiert, aber auch vorhanden sein sollte, selbst wenn die Krankheit nicht (d.h. staatlich unabhängig) zum Vorschein kommt. Außerdem sollte er in nicht betroffenen Familienmitgliedern mit einer höheren Rate als in der Bevölkerung gefunden werden (Gottesman und Gould 2003)(3).
Das Kriterium der Zustandsunabhängigkeit wurde modifiziert, um die Bedeutung epigenetischer und entwicklungsbedingter Faktoren zu berücksichtigen, so dass der Endophänotyp erst in einem bestimmten Alter und/oder nach einer Herausforderung manifestiert werden kann (in der gleichen Weise, wie eine Glukose-Herausforderung für einen Glukosetoleranztest verwendet wird) (Hasler, Drevets, Gould et al. 2006)(4).
Andere haben Kriterien hinzugefügt, die verlangen, dass Endophänotypen Teil des kausalen Prozesses sind, durch den die Krankheit entsteht (Lavori, Krause-Steinrauf, Brophy et al. 2002)(5), oder zumindest an einem biologisch plausiblen Mechanismus der Pathogenese beteiligt sind (Castellanos und Tannock 2002(6); Tsuang, Faraone und Lyons 1993)(7). Almasy und Blangero (2001)(8) verlangen außerdem, dass ein Endophänotyp "kontinuierlich quantifizierbar sein sollte, eine Störung probabilistisch vorhersagen sollte und näher an der Stelle des primären Erregers (ob genetisch oder ökologisch) liegen sollte als an diagnostischen Kategorien". Es wurde auch vorgeschlagen, dass "Endophänotypen, die auf neurowissenschaftlichen Grundlagen beruhen oder in den Neurowissenschaften verankert sind" (Doyle, Faraone, Seidman et al. 2005)(9), Priorität eingeräumt werden sollte.

1. Gottesman, I. I. and Shields, J. 1973. Genetic theorizing and schizophrenia, British Journal of Psychiatry 122: 15–30
2. John, B. and Lewis, K. R. 1966. Chromosome variability and geographic distribution in insects, Science 152: 711–21
3. Gottesman, I. I. and Gould, T. D. 2003. The endophenotype concept in psychiatry: etymology and strategic intentions, American Journal of Psychiatry 160: 636–45
4. Hasler, G., Drevets, W. C., Gould, T. D., Gottesman, I. I. and Manji, H. K. 2006. Toward constructing an endophenotype strategy for bipolar disorders, Biological Psychiatry 60: 93–105
5. Lavori, P. W., Krause-Steinrauf, H., Brophy, M., Buxbaum, J., Cockroft, J., Cox, D. R., et al. 2002. Principles, organization, and operation of a DNA bank for clinical trials: a Department of Veterans Affairs cooperative study, Controlled Clinical Trials 23: 222–39
6. Castellanos, F. X. and Tannock, R. 2002. Neuroscience of attention-deficit/hyperactivity disorder: the search for endophenotypes, Nature Neuroscience 3: 617–28
7. Tsuang, M. T., Faraone, S. V. and Lyons, M. J. 1993. Identification of the phenotype in psychiatric genetics, European Archichives of Psychiatry and Clinical Neuroscience 243: 131–42
8. Almasy, L. and Blangero, J. 2001. Endophenotypes as quantitative risk factors for psychiatric disease: rationale and study design, American Journal of Medical Genetics 105: 42–44
9. Doyle, A. E., Faraone, S. V., Seidman, L. J., Willcutt, E. G., Nigg, J. T., Waldman, I. D. et al. 2005: Are endophenotypes based on measures of executive functions useful for molecular genetic studies of ADHD?, Journal of Child Psychology and Psychiatry 46: 774-803


Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Erblichkeit Verhaltensgenetik Corr I 289
Erblichkeit/Verhaltensgenetik/Munafò: Die Berechnung des Vererbungskoeffizienten beruht auf mehreren Annahmen, wie z.B., dass Gene Phänotypen additiv (und nicht multiplikativ oder interaktiv) beeinflussen und dass der Genotyp nicht mit der Umwelt korreliert ist und nicht mit ihr interagiert. Tatsächlich ist es wahrscheinlich, dass diese Annahmen nicht immer zutreffen und dass Gen-×-Gen-Interaktionen (auch bekannt als epistatische genetische Einflüsse), Gen-×-Umwelt-Interaktionen und Gen-Umwelt-Korrelationen tatsächlich auftreten. >Charakterzüge/Zwillingsstudien.

Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.)2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Evolution Mayr I 43
Evolution/Mayr: Einheit der Evolution ist die Population (oder Art) und nicht das Gen oder das Individuum. (MayrVsDawkins). >Arten, >Gene, >R. Dawkins, >Gene/Dawkins, >Evolution/Dawkins.
Def Integron/Mayr: Ein Integron ist ein durch Integration untergeordneter Einheiten auf höherer Stufe entstehendes System. Integrons entwickeln sich durch natürliche Selektion. Sie sind auf jeder Stufe angepasste Systeme, weil sie zur Fitness (Eignung) eines Individuums beitragen.
>Selektion.
I 183
Evolution/Mayr: Art ist die entscheidende Entität der Evolution.
I 230
Evolution/Fortschritt/Mayr: Kohäsion: Ausdruck dafür, dass das System der Entwicklung sehr eng geworden ist.
Evolution geht in großen, mitgliederreichen Arten sehr langsam voran, in kleinen peripher isolierten Gruppen schnell.
>Speziation, > Unterbrochenes Gleichgewicht/Gould, >Punktuelles Gleichgewicht/Gould/Eldredge.
Eine Gründerpopulation mit wenigen Individuen und daher nur wenig verborgener genetischer Variation kann leichter einen anderen Genotyp annehmen.
Makroevolution: Makroevolution wird am stärksten durch den geographischen Faktor (Isolation) bestimmt.
I 234
Evolution/Mayr: drei Konzepte: 1.Sprunghafte Evolution: (Transmutationismus): Typensprung. Selbst nach Darwin konnten einige Forscher (u.a. sein Freund Huxley) der Begriff der natürlichen Selektion nicht akzeptieren und entwickelten saltationistische Theorien.
2.Transformationelle Evolution (Transformationismus) allmähliche Veränderung des Eis zum Organismus. Von Darwin verdrängt.
I 235
3. Variationsevolution (Darwin)
I 235
Darwin (früh): Anpassungsveränderung. Vs: Anpassung kann niemals die enorme Vielfalt organischen Lebens erklären, denn das lässt keine Zunahme der Artenzahl zu.
I 236
Darwin/Mayr: Die Entstehung der Arten: 5 Haupttheorien 1. Organismen entwickeln sich im Lauf der Zeit ständig weiter (Evolution als solche).
2. Verschiedene Organismenarten stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab.
3. Arten vervielfachen sich im Lauf der Zeit (Speziation)
4. Evolution erfolgt in Form allmählichen Wandels.(GradualismusVsSaltationismus).
>Gradualismus, >Saltationismus.
5. Der Evolutionsmechanismus besteht in der Konkurrenz unter zahlreichen einzigartigen Individuen um begrenzte Ressourcen, die zu Unterschieden in Überleben und Fortpflanzung führt (natürliche Selektion).
>Selektion.
I 377
Entstehung des Lebens: chemischer Vorgang, an dem auch Autokatalyse und ein richtungsgebender Faktor beteiligt sind. Präbiotische Selektion. Vgl. >St. Kauffman.
I 237
Pasteur: wies Unmöglichkeit der Entstehung von Leben in sauerstoffreicher Atmosphäre nach! 1953 ließ Stanley Miller mit elektrischen Entladungen in einem Glaskolben mit einem Gemisch aus Methan, Ammonium, Wasserstoff und Wasserdampf Aminosäuren, Harnstoff und andere organische Moleküle entstehen.
I 238
Proteine, Nukleinsäuren: Diese größeren Moleküle müssen die Organismen selbst bilden. Aminosäuren, Pyrimidine, Puridine müssen nicht von den Organsimen selbst gebildet werden.
I 239
Molekularbiologie: Die Molekularbiologie entdeckte, dass selbst bei Bakterien, die ja keinen Zellkern besitzen, der genetische Code derselbe ist wie bei Protisten, Pilzen, Tieren und Pflanzen.
I 240
Missing link: Archaeopteryx: halb Vogel halb Reptil. Nicht unbedingt direkter Vorfahr. Speziation:
a) dichopatrisch: ein vorher zusammenhängendes Gebiet wird durch eine neue Barriere: Gebirgszug, Meeresarm, Unterbrechung der Vegetation geteilt.
b) peripatrisch: neue Gründungspopulaiton entsteht jenseits des ursprünglichen Verbreitungsgebiets.
c) sympatrische Speziation: Eine neue Art entsteht aufgrund ökologischer Spezialisierung innerhalb des Verbreitungsgebiets.
Darwins Theorie vom Gradualismus.
>Gradualismus,
I 243
VsGradualismus: Der Gradualismus könne nicht die Entstehung völlig neuer Organe erklären. Problem: Wie kann ein rudimentärer Flügel durch natürliche Selektion vergrößert werden bevor er zum Fliegen tauglich ist?
I 244
Darwin: zwei mögliche Lösungen: a) Intensivierung der Funktion: Bsp Augen, Bsp Entwicklung der Vordergliedmaßen von Maulwürfen, Walen, Fledermäusen.
b) Funktionsveränderung: Bsp Antennen von Daphia (Wasserfloh): zusätzliche Funktion eines Schwimmpaddels, das unter Selektionsdruck größer und modifiziert wird.
Bsp Gould: Federn dienten zunächst wahrscheinlich der Temperaturregelung, bevor irgendein Tier fliegen konnte.
Funktion/Biologie: Funktionsverschiedenheiten hängen auch mit Verhaltensmustern zusammen Bsp Putzen des Federkleids.
Konkurrierende Theorien zum evolutionären Wandel:
I 247
Salationismus: Huxley später Bateson, de Vries, (Mendelisten). Zur saltationistischen Entstehung neuer Arten kommt es bei sexueller Fortpflanzung nur über Poyploidie und einige andere Formen chromosomaler Neustrukturierung (sehr selten). Teleologie: Teleologische Theorien gehen davon aus, dass der Natur ein Prinzip innewohnt: Osborns Aristogenese, Chardins Omega-Prinzip. Dies soll zur Perfektion führen.
>Teilhard de Chardin.
Lamarcksche Theorien: Änderungen gehen auf Gebrauch und Nichtgebrauch zurück, Umweltbedingungen. Diese Theorie war bis in die 30er Jahre akueptiert!
I 248
Def "Weiche Vererbung" (erworbener Merkmale). Wurde durch die Genetik widerlegt. Def "Harte Vererbung" (sogenanntes "Zentrales Dogma"): Die in den Proteinen (dem Phänotyp) enthaltene Information kann nicht an die Nukleinsäuren (den Genotyp) weitergegeben werden! (Erkenntnis der Molekularbiologie).
I 256
Makroevolution: Nachdem Saltationismus, weiche Vererbung und Autogenese mit der Evolution widerlegt waren, musste man die die Makroevolution immer mehr als Phänomen auf Populationsebene erklären, als Phänomen, das sich unmittelbar auf Ereignisse und Vorgänge während der Mikroevolution zurückführen ließ. (Speziation: schneller in der Isolation). (>Gould, Eldredge, 1971(1): "unterbrochenes Gleichgewicht", "punctuated equilibrium", Punktualismus).
I 281
Neu: Wir wissen heute, dass die Zyklen der Pflanzenfresser diejenigen der Raubfeinde hervorrufen und nicht umgekehrt! Koevolution: Bsp Die Yuccamotte zerstört die Samenanlagen der Pflanze durch ihre Larven, bestäubt aber die Blüten.


1. N. Eldredge, S. J. Gould: Punctuated equilibria: an alternative to phyletic gradualism. In: T. Schopf (Ed), Models in Paleobiology, 82-115, San Francisco, (1972).

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Evolutionäre Psychologie Buss Corr II 171
Evolutionäre Psychologie/EP/Buss/Figueredo: (...) wir können uns eine Masse von Menschen vorstellen, die aus einem brennenden Gebäude durch verschiedene Ausgänge fliehen: Hauptausgänge, Notausgänge, Fenster und Servicetüren. Die Persönlichkeit ist ähnlich. So wie in der Analogie jeder dem brennenden Gebäude entkommen muss, so gibt es den evolutionären Imperativ, sich vor dem Tod fortzupflanzen; und so wie es viele Ausgänge gibt, kann man eine erfolgreiche Fortpflanzung fördern, indem man gesellig und charmant ist wie bei dem sozialen Extravertierten, verbissenen
II 172
und ausdauernd wie die überaus gewissenhaften, oder einschmeichelnd und affiliativ wie bei sehr verträglichen Menschen. So haben sich verschiedene Persönlichkeitsstile und -strategien entwickelt, die miteinander um das gleiche Ziel des Überlebens und der Fortpflanzung konkurrieren, jedoch mit unterschiedlichen Mitteln und Wegen der Anpassung.
II 173
[Buss] besteht darauf, dass die Evolution die "physiologischen, anatomischen und psychologischen Mechanismen" schmiedet, die Wahl, Neigung, Abneigung und Anziehung beeinflussen.
II 175
(...) die neue Wissenschaft der evolutionären Psychologie stellte die emittierten Verhaltensweisen korrekt als das Produkt der Wechselwirkungen zwischen entwickelten psychologischen Mechanismen und spezifischen Reizen aus der Umwelt dar, auf die sie fein abgestimmt waren.
II 179
Überleben/Reproduktion: (...) Buss skizzierte acht Erfordernisse des Überlebens und der Reproduktion in jeder adaptiven Landschaft, die von einer großen Dichte von Artgenossen bevölkert ist: (1) erfolgreiche intrasexuelle Konkurrenz, (2) Partnerwahl, (3) erfolgreiche Empfängnis, (4) Bindung an den Partner, (5) Bildung wechselseitiger dyadischer Allianzen, (6) Bildung und Erhaltung von Bündnissen, (7) elterliche Fürsorge und Sozialisierung und (8) Investitionen in außereheliche Verwandtschaft. Es folgt eine Fortsetzung der Behauptung von Buss, dass evolutionäre Psychologie ein fähiger theoretischer Schiedsrichter ist, wenn es darum geht, eine biologisch informierte Art von Ockhams Rasiermesser auf theoretische Ansprüche innerhalb der Persönlichkeitspsychologie anzuwenden. >Persönlichkeit, >Charakterzüge, >Persönlichkeitpsychologie.
II 180
Ein häufiges Missverständnis bezüglich der Persönlichkeitsentwicklung, das von Buss (2011)(1) kritisiert wird, ist, dass Selektion als homogenisierende Kraft wirkt, die zu einem einzigen Optimalitätspunkt in der Verteilung des Phänotyps führt. Im Gegensatz dazu sagt die Evolutionstheorie voraus, dass die Lage dieses Punktes je nach der Art des aktiven Selektionsdrucks in Übereinstimmung mit der Beziehung zwischen einer Eigenschaft und ihrer Fitness variiert.
II 182
Die von Buss (1991)(2) zusammengefassten alternativen Erklärungen für die Entstehung teilweise vererbbarer Charakterzüge und die Beibehaltung individueller Unterschiede bleiben als Möglichkeiten bestehen, aber die Liste der Alternativen wurde [in einem von Buss und Hawley (2011)(3) herausgegebenen Band] erweitert. So wurde beispielsweise als möglich argumentiert, dass selektive Schwünge innerhalb der letzten mehreren tausend Jahre (...) hinter der großen Variation unter den Menschen stehen. Auch der Genfluss aufgrund beschleunigter Migration von Individuen zwischen menschlichen Populationen ist eine umstrittene Hypothese. Die ausgleichende Selektion, bei der mehrere Phänotypen auf komplementäre Weise adaptiv sind, jeder in einer bestimmten Untergruppe der Artennischen, ist nach wie vor ein Schwerpunkt der Diskussion. >Evolution, >Selektion, >Adaption, >Nischen, >Arten, >Gene, >Vererbbarkeit.

1. Buss, D. (2011). Evolutionary psychology: The new science of the mind (4th ed.). Hove, UK: Psychology Press.
2. Buss, D. M. (1991). Evolutionary personality psychology. Annual Review of Psychology, 42, 459–491.
3. Buss, D. M., & Hawley, P. H. (2011). The evolution of personality and individual differences. New York: Oxford University Press.


Figueredo, Aurelio J.; Fernandes, Heitor B. F.; Peñaherrera-Aguirre, Mateo and Hertler, Steven C.: “The Evolution of Personality Revisiting Buss (1991)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 171-190.

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Extraversion Molekulargenetik Corr I 294
Extraversion/Motivation/Molekulargenetik/Munafò: Das dopaminerge System ist an begehrlichen und motivationalen Verhaltensweisen beteiligt (Comings und Blum 2000)(1). Pharmakologische Challenge-Studien deuten auf einen Zusammenhang zwischen dopaminerger Hyperaktivität und Belohnungssuche sowie auf Motivationsfaktoren hin, die sowohl mit Extraversion als auch mit Suche nach Neuem verbunden sind (Netter 2006)(2), was darauf hindeutet, dass diese Merkmale eine gemeinsame neurobiologische Grundlage teilen können. Das Dopamin-D4-Rezeptor-(DRD4)-Gen ist hochpolymorph, obwohl sich die Forschung zur Bewertung von Verhaltens- und psychiatrischen Phänotypen weitgehend auf eine variable Anzahl von "Tandemrepeats" (VNTR)-Polymorphismen im Exon III konzentriert hat, insbesondere auf das Vorhandensein oder Fehlen des "Sevenrepeats" (lang) Allels. Siehe (Asghari, Schoots, Van Kats et al. 1994)(3), (Asghari, Sanyal, Buchwaldt et al. 1995)(4),(Ekelund, Suhonen, Jarvelin et al. 2001(5); Strobel et al. 2002)(6), (Okuyama, Ishiguro, Toru und Arinami 1999(7); Ronai, Barta, Guttman et al. 2001)(8).
>Charakterzüge.

1. Comings, D. E. and Blum, K. 2000. Reward deficiency syndrome: genetic aspects of behavioural disorders, Progress in Brain Research 126: 325–41
2. Netter, P. 2006. Dopamine challenge tests as an indicator of psychological traits, Human Psychopharmacology 21: 91–9
3 .Asghari, V., Schoots, O., Van Kats, S., Ohara, K., Jovanovic, V., Guan, H. C. et al. 1994. Dopamine D4 receptor repeat: analysis of different native and mutant forms of the human and rat genes, Molecular Pharmacology 46: 364–73
4. Asghari, V., Sanyal, S., Buchwaldt, S., Paterson, A., Jovanovic, V. and Van Tol, H. H. 1995. Modulation of intracellular cyclic AMP levels by different human dopamine D4 receptor variants, Journal of Neurochemistry 65: 1157–65
5. Ekelund, J., Suhonen, J., Jarvelin, M. R., Peltonen, L., Lichtermann, D. 2001. No association of the -521 C/T polymorphism in the promoter of DRD4 with novelty seeking, Molecular Psychiatry 6: 618–19
6. Strobel, A., Lesch, K. P., Hohenberger, K., Jatzke, S., Gutzeit, H. O., Anacker, K., Brocke, B. 2002. No association between dopamine D4 receptor gene exon III and -521C/T polymorphism and novelty seeking, Molecular Psychiatry 7: 537–8
7. Okuyama, Y., Ishiguro, H., Toru, M. and Arinami, T. 1999. A genetic polymorphism in the promoter region of DRD4 associated with expression and schizophrenia, Biochemical and Biophysical Research Communications 258: 292–5
8. Ronai, Z., Barta, C., Guttman, A., Lakatos, K., Gervai, J., Staub, M. and Sasvari-Szekely, M. 2001. Genotyping the -521C/T functional polymorphism in the promoter region of dopamine D4 receptor (DRD4) gene, Electrophoresis 22: 1102–5


Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.)2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Individuen Mayr I 205
Entstehen von Individuen/Biologie/Mayr: Def Parthenogenese: Asexualität: Bei manchen Organismen entwickeln sich Individuen von selbst aus den Eiern, eine Befruchtung ist nicht nötig. Bsp Blattläuse, Planktonkrustentiere: hier wechseln sich sexuelle und asexuelle Generationen ab.
I 206
Sexualität: steigert Vielfalt und damit Abwehr gegen Krankheiten.
I 207
Pangenesistheorie: (alt) Theorie, nach der jede Körperzelle Erbmaterial beisteuert. Diese Theorie herrschte von Aristoteles bis zum 19. Jahrhundert. PräformationVsEpigenesis: Schon bei Aristoteles, dann bis zum 19. Jahrhundert. (s.u.)
I 208
VsAristoteles: Aristoteles glaubte fälschlich, nur weibliche Organismen könnten Eier besitzen. >Aristoteles.
i 209
Ei: Das eigentliche Säugetierei wurde erst 1828 von Karl Ernst von Baer(1) entdeckt. Man erkannte, dass der Eierstock das Gegenstück zum Hoden darstellt.
DNA: Die DNA wurde entdeckt von Johann Friedrich Miescher (19. Jahrhundert).
I 211
Def Präformation: Eier bringen Individuen derselben Art hervor. Daher schloss man, dass Ei oder Spermium bereits eine Miniaturausgabe des zukünftigen Organismus sei. Logische Folge: In diesem Organismus müssten wiederum alle zukünftigen Nachkommen in Miniaturausgabe enthalten sein. (Verschachtelung). Zahlreiche zeitgenössische Abbildungen zeigten solche kleinen Miniaturmenschen (Homunculi) im Spermatozoon.
I 212
Def Epigenesis: Man glaubte, die Entwicklung entstehe aus einer gänzlich ungeformten Masse:"vis essentialis". Jede Art habe ihre eigene eigentümliche "wesentliche Kraft". Das stand den von den Physikalisten beschriebenen einheitlichen Kräften wie z.B. der Schwerkraft völlig entgegen.
Def Epigenese: Entwicklung während der Lebensgeschichte des Individuums, im Gegensatz zur Ontogenese und Phylogenese (Stammesgeschichte).
>Epigenese.
Dennoch setze sich die Epigenesis in der Kontroverse durch. Lösung erst im 20. Jahrhundert: Unterschied zwischen
Def Genotyp (genetische Konstitution des Individuums) und
Def Phänotyp (Gesamtheit der wahrnehmbaren Merkmale).
Zelle: Wie kommt es, dass sich die Nervenzelle so vollkommen anders entwickelt, als eine Zelle des Verdauungstraktes?
I 214
Zellteilung : Wilhelm Roux (1883)(2) schließt auf komplexe Innendifferenzierung der Zelle: Lösung: Partikel müssten auf einem Faden aufgereiht sein, und dieser geteilt! Das wurde später bestätigt. Zelle: Die Zelle durchläuft einen Differenzierungsprozess, stets ist nur eine kleiner Teil der Gene im Kern aktiv.
Zellentwicklung: Bei Taxa mit Regulationsentwicklung (z.B. Wirbeltieren) gibt es keine festgelegten frühen Zelllinien, sondern ausgedehnte Zellwanderung. Induktion (Einfluss schon bestehender Gewebe auf die Entwicklung anderer Gewebe) bestimmt größtenteils die Spezifizierung der Zellen.
Zellwanderung: Pigment- und Nervenzellen machen ausgedehnte Wanderungen durch den Organismus durch. Oft folgen sie eindeutigen chemischen Reizen.

1. E. v. Baer (1828). Entwickelungsgeschichte der Thiere: Beobachtung und Reflexion. Königsberg: Bornträger.
2. W. Roux (1883). Über die Bedeutung der Kerntheilungsfiguren. Leipzig: Engelmann.

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Information Kauffman I 111
Ordnung/Leben/Mensch/Kauffman: Der Mensch ist das Produkt von zwei Quellen der Ordnung, nicht von einer. >Ordnung/Kauffman, >Leben/Kauffman, >Menschen.
I 112
Information/Ordnung/Leben/Entstehung/Kauffman: Die meisten Autoren gehen davon aus, dass DNS und RNS stabile Speicher von genetischer Information sind. Wenn das Leben jedoch mit kollektiver Autokatalyse begann und erst später lernte, die DNS und den genetischen Code in sich aufzunehmen, müssen wir erklären, wie diese Verbände erblicher Variation und natürlicher Selektion unterworfen sein konnten, obwohl sie noch kein Genom enthielten! >Gene, >Selektion.
Einerseits kann die Evolution nicht ohne die Matritzenkopier-Mechanismen ablaufen, andererseits bastelt erst sie die Mechanismen zusammen.
>Evolution.
Könnte ein autokatalytischer Verband auch ohne sie evolvieren?
Lösung: Räumliche Kompartiments (durch Membranen abgeteilter Räume), die sich aufspalten, sind zur Variation und Evolution fähig!
Lösung: Vermutung: Hin und wieder laufen zufällige, unkatalysierte Reaktionen ab und erzeugen neuartige Moleküle. Der Metabolismus (Verwandlung, Stoffwechsel) würde um eine Reaktionsschleife erweitert.
Evolution ohne Genom, keine DNS-ähnliche Struktur als Träger von Information.
>Leben/Kauffman.
I 114
Katalyse/Autokatalyse/Kauffman: Bei autokatalytischen Verbänden gibt es keinen Unterschied zwischen Genotyp und Phänotyp. >Genotyp, >Phänotyp.
Leben/Entstehung/Kauffman: So bildet sich zwangsläufig ein komplexes Ökosystem. Moleküle, die in einer Urzelle erzeugt wurden, können in andere Urzellen befördert werden und dort Reaktionen beeinflussen.
Das auf Stoffwechsel basierende Leben entsteht nicht als Ganzheit oder komplexe Struktur, sondern das gesamte Spektrum von Mutualismus und Konkurrenz, ist von Anfang an vorhanden. Nicht nur Evolution, sondern auch Koevolution.
>Koevolution.
I 115
Ordnung/Leben/Entstehung/Kauffmann: Die autokatalytischen Verbände müssen das Verhalten von mehreren tausend Molekülen koordinieren. Das potentielle Chaos übersteigt jegliches Vorstellungsvermögen. Es muss also noch eine weitere Quelle molekularer Ordnung entdeckt werden, der fundamentalen inneren Homöostase (Gleichgewicht). Dafür genügen verblüffend einfache Randbedingungen. >Anfang.
I 148
Information/Gene/Kauffman: Frage: welcher Mechanismus steuert die Umsetzung und Unterdrückung bestimmter genetischer Information? Und woher wissen die verschiedenen Zelltypen, welche Gene sie wann umsetzen sollen? J. Monod/Francois Jacob: Mitte der 60er: Entdeckung eines Operators, der erst zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Reaktion freisetzt.
>J. Monod.
I 149
Auch Repressor: Ein kleines Molekül kann ein Gen "einschalten".
I 150
Im einfachsten Fall können zwei Gene sich gegenseitig unterdrücken. Zwei mögliche Muster. >Gene.
Gen 1 ist aktiv und unterdrückt Gen 2 oder umgekehrt.
Beide Zelltypen hätten dann zwar denselben "Genotyp", dasselbe Genom, könnten aber verschiedene Gensätze realisieren.
Neuer Erkenntnishorizont: Unerwartete und weitreichende Freiheit auf molekularer Ebene.
Durch Anlagerung des Repressors an den Operator an verschiedenen Stellen ergibt sich unterschiedliche Empfänglichkeit für den Operator auf der DNS. Regulation.
I 151
Dieser Steuerungsmechanismus durch Anlagerung an zwei verschiedenen Stellen bedeutet völlige Freiheit für die Moleküle, genetische Schaltkreise beliebiger Logik und Komplexität zu erzeugen. Solche Systeme müssen wir erst lernen zu verstehen.

Kau II
Stuart Kauffman
At Home in the Universe: The Search for the Laws of Self-Organization and Complexity New York 1995

Kauffman I
St. Kauffman
Der Öltropfen im Wasser. Chaos, Komplexität, Selbstorganisation in Natur und Gesellschaft München 1998
Merkmale Dawkins I 156
Merkmal/Phänotyp/Gen/Dawkins: Ein beliebiges Merkmal wie z.B. ein grüner Bart ist lediglich eine Methode, mit deren Hilfe ein Gen Kopien seiner selbst in anderen Individuen "erkennen" kann.
Merkmal/Altruismus/Dawkins: Gemäß der These, dass Gene versuchen, Kopien ihrer selbst in den Körpern anderer zu helfen, werden Merkmale ausgeprägt.
Vielleicht ist dann ein Gen für Altruismus an altruistischem Verhalten zu erkennen?
Tatsächlich werden Verwandtschaftsverhältnisse am Verhalten erkannt. Bsp Selbstlosigkeit der Eltern gegenüber dem Nachwuchs.

Da I
R. Dawkins
Das egoistische Gen, Hamburg 1996

Da II
M. St. Dawkins
Die Entdeckung des tierischen Bewusstseins Hamburg 1993
Molekulargenetik Munafò Corr I 295
Molekulargenetik/Munafò: Eine vernünftige Zwischenbilanz nach über zehn Jahren Persönlichkeitsgenetik-Forschung ist, dass die Haupteffekte einzelner genetischer Varianten wahrscheinlich von geringer Größenordnung sind und nicht mehr als 1 Prozent der phänotypischen Varianz (oder möglicherweise viel weniger) ausmachen. Darüber hinaus ist die Veröffentlichung nicht signifikanter Ergebnisse wichtig, um eine Verzerrung des Korpus öffentlich zugänglicher Daten zu vermeiden (Munafò, Clark und Flint 2004)(1). (VsMolekulargenetik in Bezug auf Charakterzüge). >Wissenschaft, >Methode, >Messen, >Experimente, >Erblichkeit.
Corr I 296
Es ist auch wahrscheinlich, dass ein Teil der Varianz in der menschlichen Persönlichkeit, die letztendlich auf genetische (oder teilweise genetische) Ursachen zurückgeführt werden kann, auf Wechselwirkungen zwischen Genen × Genen und Genen × Umwelt zurückzuführen ist. >Umwelt, >Nature versus nurture, >Persönlichkeit, >Charakterzüge.

1. Munafò, M. R., Clark, T. G. and Flint, J. 2005. Does measurement instrument moderate the association between the serotonin transporter gene and anxiety-related personality traits? A meta-analysis, Molecular Psychiatry 10: 415–19


Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.)2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Ökologie Evolutionäre Psychologie Corr I 268
Ökologie/Evolutionäre Psychologie/Figueredo: Wie die Brunswick-Theorie der Evolutionären Entwicklung (BED, siehe unten) erläutert, sind ökologische Hinweise jedoch in der Regel weder absolut zuverlässig und gültig noch unzuverlässig und ungültig; sie sind stattdessen durch einen ökologischen Validitätskoeffizienten gekennzeichnet, der zwischen Null und Eins liegt. Unter diesen Bedingungen würde eine Hybrid-Theorie vorhersagen, dass Organismen eine Kombination aus Entwicklungsplastizität und genetischer Vielfalt aufweisen würden, um gemeinsam den verfügbaren ökologischen Nischenraum zu füllen. Interessanterweise entspricht die partielle Vererblichkeit und partielle Umwelt der Persönlichkeitsvariation beim Menschen genau den Vorhersagen dieses synthetischen Modells. Brunswick Theorie der Evolutionären Entwicklung (BED): Nach der Brunswick-Theorie der Evolutionären Entwicklung (BED) wählen Ökologien, die im Laufe der Entwicklungszeit variabel sind, nach Organismen, die phänotypisch plastisch genug sind, um sich durch Lernen im Laufe der Entwicklungszeit anzupassen (Figueredo, Hammond und McKiernan 2006)(1).
>Nischen/Figueredo, >Adaption/Evolutionäre Psychologie.

1. Figueredo, A. J., Hammond, K. R. and McKiernan, E. C. 2006. A Brunswikian evolutionary developmental theory of preparedness and plasticity, Intelligence 34: 211–27

Aurelio José Figueredo, Paul Gladden, Geneva Vásquez, Pedro Sofio, Abril Wolf and Daniel Nelson Jones, “Evolutionary theories of personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
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The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

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Persönlichkeitssystem Neurowissenschaften Corr I 391
Persönlichkeitssystem/Neurowissenschaften/Saucier: Die zeitgenössische Neurowissenschaft hat vielversprechende Theorien entwickelt, die unterschiedliche Hirnsysteme oder -schaltungen positionieren und dann individuelle Unterschiede in der Funktionsweise dieser Systeme/Schaltungen über psychobiologische Endophänotypen mit offenen Persönlichkeitsmerkmalen verbinden. Ein Paradebeispiel ist der Satz von Theorien (z.B, Carver and White 1994(1); Torrubia, Avila, Molto und Caseras 2001(2)), ursprünglich von Gray (1983)(3) stammend, der unterschiedliche Gehirnsysteme für Annäherung (oder Belohnungssensitivität oder Verhaltensaktivierung) und Vermeidung (oder Rückzug, oder Bedrohungs- oder Strafempfindlichkeit oder Verhaltenshemmung) festlegen und manchmal ein drittes "Zwangs-" oder Selbstregulierungssystem hinzufügen (Carver 2005(4); vgl. Rothbart and Bates 1998(5)). >Charakterzüge, >Persönlichkeit, >Selbstregulation.

1. Carver, C. S. and White, T. 1994. Behavioural inhibition, behavioural activation, and affective responses to impending reward and punishment: the BIS/BAS scales, Journal of Personality and Social Psychology 67: 319–33
2. Torrubia, R., Avila, C., Molto, J. and Caseras, X. 2001. The Sensitivity to Punishment and Sensitivity to Reward Questionnaire (SPSRQ) as a measure of Gray’s anxiety and impulsivity dimensions, Personality and Individual Differences 31: 837–62
3. Gray, J. A. 1983. Where should we search for biologically based dimensions of personality?, Zeitschrift für Differentielle und Diagnostische Psychologie 42: 163–74
4. Carver, C. S. 2005. Impulse and constraint: perspectives from personality psychology, convergence with theory in other areas, and potential for integration, Personality and Social Psychology Review 9: 312–33
5. Rothbart, M. K. and Bates, J. E. 1998. Temperament, in W. Damon (Series ed.) and N. Eisenberg (Vol. ed.), Handbook of child psychology, vol. III, Social, emotional and personality development, 5th edn, pp. 105–76. New York: Wiley

Gerard Saucier, „Semantic and linguistic aspects of personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

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Psychologie Evolutionäre Psychologie Corr I 265
Psychologie/Evolutionäre Psychologie: Obwohl die Evolutionären Psychologen der Meinung sind, dass die Evolution für alle psychologischen Mechanismen relevant ist, gibt es nur sehr wenige Forschungen zur Persönlichkeit aus evolutionärer Sicht. Evolutionspsychologen waren im Allgemeinen nur an dem interessiert, was Tooby und Cosmides (1992)(1) die psychische Einheit der Menschheit genannt haben. Daher haben sie sich in erster Linie mit der menschlichen Natur und nicht mit individuellen Unterschieden beschäftigt. Folglich hat sich ein Großteil der evolutionären Persönlichkeitspsychologieforschung auf universell geteilte psychologische Mechanismen konzentriert, die zu phänotypischer Plastizität aufgrund unterschiedlicher Umwelteinflüsse führen, ohne Rücksicht auf genetische Variabilität oder vererbbare Eigenschaften. >Persönlichkeit/Evolutionäre Theorien. Die umfangreiche verhaltensgenetikbezogene Literatur über Charakterzüge weist jedoch auf starke genetische Komponenten für Unterschiede in allen Charakterzügen der >Big Five hin (Loehlin, McCrae, Costa und John 1998)(2). Die genetische Variabilität solcher Charakterzüge wird von einigen Evolutionspsychologen als selektiv neutral oder als genetischer "Lärm" abgetan oder erklärt (Tooby and Cosmides 1990)(3). >Charakterzüge/Evolutionäre Psychologie.

1. Tooby, J. and Cosmides, L. 1992. The psychological foundations of culture, in J. Barkow, L. Cosmides and J. Tooby (eds.), The adapted mind: evolutionary psychology and the generation of culture, pp. 19–136. New York: Oxford University Press
2. Loehlin, J., McCrae, R., Costa, P. and John, O. 1998. Heritabilities of common and measure-specific components of the Big Five personality factors, Journal of Research in Personality 32: 431–53
3. Tooby, J. and Cosmides, L. 1990. On the universality of human nature and the uniqueness of the individual: the role of genetics and adaptation, Journal of Personality 58: 17–67

Aurelio José Figueredo, Paul Gladden, Geneva Vásquez, Pedro Sofio, Abril Wolf and Daniel Nelson Jones, “Evolutionary theories of personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

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Corr II
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Renaissance Parsons Habermas IV 424
Reformation/Parsons/Habermas: „Vorläufer-Revolutionen“ sind für Parsons Reformation und Renaissance, die den Übergang zur Moderne dadurch ermöglichen, dass sie die in der Überlieferung des Christentums und der römisch-griechischen Antike enthaltenen, bis dahin nur von kulturellen Eliten, in den Mönchsorden und auf den Universitäten bearbeiteten kognitiven Potentiale entbinden und
Habermas IV 425
auf institutioneller Ebene wirksam werden lassen. >Revolutionen/Parsons.
Parsons knüpft an Webers Theorie der gesellschaftlichen Rationalisierung an: wie die Reformation die Schranken zwischen Klerus, Ordnen und Laienstand aufhebt und die Antriebe der religiösen Gesinnungsethik für die Gestaltung profaner Handlungsbereiche freisetzt, so macht auch der Humanismus der Renaissance das römisch-griechische Erbe der von der Kirche sich emanzipierenden Wissenschaft, Jurisprudenz und Kunst zugänglich; vor allem bahnt sie den Weg für ein modernes Rechtssystem.
>Rationalisierung/Weber, >Zweckrationalität, >Handlungsrationalität, Gesinnungsethik, >Ethik, >Renaissance.
Parsons betrachtet die kulturellen Überlieferungen als den Kode, der einer Implementierung bedarf, um phänotypisch, auf der Ebene der gesellschaftlichen Institutionen in Erscheinung zu treten. Reformation und Renaissance gelten als diese Prozesse der gesellschaftlichen Implementierung.
>Kulturelle Überlieferung/Parsons.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Selektion Darwin Gould I 53
Selektion/Darwin: Darwin schlug zwei Arten sexueller Selektion vor: a) Konkurrenz unter männlichen Artgenossen um Zugang zu Weibchen, und
b) eine Auswahl, die von den Weibchen selbst vorgenommen wird.
Gould I 54
WallaceVsSexuelle Selektion: Sie legt insgesamt zu viel Wert auf das "Wollen" von Tieren. Sie legte auf Merkmale Wert, die für eine gut funktionierende Maschine eher hinderlich sind. GouldVsWallace: Wallace, der eine übertriebene Vorstellung von der Wirksamkeit der Selektion hatte, machte aber abrupt vor dem Gehirn halt. Er argumentierte, unsere Sittlichkeit und unser Intellekt können nicht Produkt der natürlichen Selektion sein. Da sie aber der einzige Weg zur Ausbildung von Formen ist, muss ein göttliches Wesen eingegriffen haben.
Man nennt heute absurderweise "Neo-Darwinismus" eine Geisteshaltung, die dem rigiden Selektionismus von Wallace viel näher steht als Darwin.
Vgl. >Evolution.

Gould IV 266
Natürliche Selektion/Darwin: Darwin räumte ein, dass zwei Autoren vor ihm die natürliche Selektion entdeckt hatten: Patrick Matthew, schottischer Naturforscher und Obstzüchter,1831.
Williams Charles Wells, berühmter Arzt, Mitglied der Akademie der Wissenschaften.
IV 269
William Charles Wells: klärte einen Irrtum bezüglich einer Krankheit mit großen schwarzen Flecken auf der Haut Weißer. Sie sind Schwarzen keineswegs genealogisch noch sonst besonders ähnlich.
IV 270
Schwarze Haut: hat in heißen Klimaten eine Vorteil. Dies ist die traditionelle darwinistische Argumentation! Tatsächlich geht es um die Verknüpfung mit anderen Merkmalen, z.B. Besserer Schutz gegen Tropenkrankheiten zufällig gepaart mit dunklerer Haut.
IV 271
Wells: Wells erkannte, dass Tiere nicht als Amalgam voneinander unabhängiger Teile aufgefasst werden können. Das war damals neu.
IV 272
Selektion/Tradition, alte Sicht: Kampf der Individuen innerhalb einer Population. Selektion, neu: Wells: bevorzugte Varianten können sich nicht in stabilen Populationen mit einer großen Anzahl von Individuen behaupten!
Vererbung/Mendel: (Mendels Ergebnisse konnte Wells noch nicht kennen):
Mendel: bevorzugte Merkmale entstehen häufig durch Mutation, und diese Eigenschaften können durch Kreuzung mit normalen Individuen nicht verdünnt werden.
Die Mutation mag (wenn sie rezessiv ist) in der nächsten Generation nicht phänotypisch ausgeprägt sein, aber sie verschwindet auch nicht.
Selektion, neu: Heute schenkt man der Gruppenselektion wieder erhöhte Aufmerksamkeit.
IV 273
Variation: Jeder wusste zu Wells Zeit, dass Organismen variieren. Erfahrungen aus der Hundezucht lassen sich aber nicht auf die Entwicklung vom Fisch zum Menschen übertragen.

Gould I
Stephen Jay Gould
Der Daumen des Panda Frankfurt 2009

Gould II
Stephen Jay Gould
Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991

Gould III
Stephen Jay Gould
Illusion Fortschritt Frankfurt 2004

Gould IV
Stephen Jay Gould
Das Lächeln des Flamingos Basel 1989
Selektion Mayr I 65
Natürliche Selektion/Mayr: Selektion ist kein zufälliger Vorgang! (Obwohl der Zufall in der Evolution eine Rolle spielt.) >Mutation.
I 248
Selektion/Mayr: Heute ist Selektion durchgängig akzeptiert. Zwei Schritte: Variation und eigentliche Selektion. 1. Variation: In jeder Generation entsteht durch Rekombination, Genfluss, Zufallsfaktoren und Mutationen eine große genetische Vielfalt. Das genetische Material ist "hart" und nicht "weich", wie Darwin annahm.
>Zufall, >Notwendigkeit.
Sexuelle Fortpflanzung: Die elterlichen Chromosomen werden gebrochen und neu zusammengesetzt. Dadurch gibt es die Einzigartigkeit der Nachkommen durch Rekombination. Die Zusammensetzung der Gene erfolgt nach keinerlei Gesetzmäßigkeit!
>Gene, >Gendrift.
I 249
2.Auslese: Unterschiede in Überleben und Fortpflanzung der neugebildeten Individuen. >Individuen/Mayr, >Leben/Mayr.
Selbst bei Arten, die Millionen von Nachkommen in jeder Generation erzeugen, werden im Durchschnitt nur zwei davon benötigt, um das Populationsgleichgewicht zu erhalten.
>Arten, >Evolution.
I 250
Zufall/Mayr: Der Zufall dominiert bei der Variation Notwendigkeit/Mayr: Notwendigkeit dominiert bei der Selektion.
Selektion: Es gibt keine "selektive Kraft"!
I 252
Selektion: Bates' Entdeckung der Mimikry (1862)(1) bei essbaren und giftigen Schmetterlingen: erster Beweis für die natürliche Selektion. >Mimikry.
Nutzen/Biologie: welchen Nutzen hat die Emergenz eines Merkmals für das Überleben: adaptionistisches Programm.
>Nutzen, >Leben/Mayr.
I 252
Merkmale/Überleben: günstige Merkmale: Toleranz gegen widriges Klima, bessere Nahrungsverwertung, Resistenz gegen Krankheitserreger, Fluchtfähigkeit. (Durch sexuelle Fortpflanzung). Auswahl durch Weibchen (Pfauenschwanz) vielleicht wichtiger als Fähigkeit der Männchen, Nebenbuhler zu besiegen. >Merkmale/Mayr.
I 253
Geschwisterrivalität und elterliche Fürsorge: wirken sich eher auf den Fortpflanzungserfolg als auf das Überleben aus. Diese Selektion ist anscheinend wichtiger als der Begriff der sexuellen Selektion vermuten lässt.
I 260
Aussterben: 99,9 % aller evolutionären Linien, die einmal auf der Erde existierten, sind ausgestorben. Selektion/Darwin: "Die natürliche Selektion ist überall in der Welt stündlich dabei, die geringsten Veränderungen aufzuspüren".(2)
I 261
Selektion/MayrVsDarwin: Die zur Perfektion eines Merkmals benötigte genetische Variation tritt vielleicht gar nicht auf. Bsp Innenskelett/Außenskelett:
Inneskelett: Wirbeltiere haben ihre Größe bis zum Dinosaurier gesteigert,
Außenskelett: Die Riesenkrabbe ist das größte Wesen geblieben.
Der Unterschied ist durch die verschiedenen Wege bestimmt, die die Vorfahren eingeschlagen hatten, nicht durch das Vorhandensein der Merkmale.
I 262
Selektion/Mayr: weitere Einschränkung: Wechselwirkung in der Entwicklung. Die Teile des Organismus sind nicht voneinander unabhängig. Keiner reagiert auf die Selektion, ohne mit den anderen Merkmalen zu interagieren. Geoffroys, 1818(3): "Gesetz des Gleichgewichts": Organismen sind Kompromisse zwischen konkurrierenden Ansprüchen.
Selektion/Mayr. 3. Einschränkung: Fähigkeit zur nichtgenetischen Modifikation: je plastischer der Phänotyp (durch Flexibilität in der Entwicklung) ist, desto geringer wirkt die Kraft des Selektionsdrucks. Pflanzen (und vor allem Mikroorganismen) haben eine viel größere Fähigkeit zu phänotypischer Modifikation (vielfältigere Reaktionsnorm) als Tiere.
Die Fähigkeit zur nichtgenetischen Anpassung wird ausschließlich genetisch gesteuert.
Zufall: Der Zufall wirkt auf jeder Stufe.
I 264
Neu: Ganze Populationen oder sogar Arten könnten Zielobjekt der Selektion sein.
I 265
Weiche/harte Gruppenselektion: Weiche Gruppenselektion: Erfolg durch mittleren Selektionswert der Individuen.so ist jede individuelle Selektion auch eine weiche Gruppenselektion.
Harte Gruppenselektion: Eine Gruppe als Ganzes verfügt über bestimmte adaptive Gruppenmerkmale, die nicht einfach die Summe der Beiträge sind .Der Vorteil der Gruppe ist größer als der der Summe der einzelnen Mitglieder.
>Adaption.
Arbeitsteilung, Zusammenarbeit (Wächter, Nahrungssuche). Hier ist der Begriff der "Gruppenselektion" gerechtfertigt.
I 266
Entstehung der Arten: Diese Kontroverse veränderte den Status der sogenannten Artselektion völlig: das Auftauchen einer neuen Art scheint sehr oft am Aussterben einer anderen mitzuwirken. "Artenaustausch", verläuft nach strengen Darwinistischen Prinzipien.
I 279
Def r-Selektion: stark schwankende oft Katastrophen ausgesetzte Populationsgröße, schwache intraspezifische Konkurrenz, sehr fruchtbar. K-Selektion: konstante Populationsgröße, starke Konkurrenz, stabile Lebenserwartung.
I 280
Mit wachsender Populationsdichte wächst auch der Einfluss widriger Faktoren: Konkurrenz, Nahrungsknappheit, Mangel an Fluchtmöglichkeit, Raubfeinde, das Wachstum verlangsamt sich.
I 317
Könnte der Mensch zum Übermenschen werden? Hier stehen die Chancen schlecht! Zu wenig Selektionsdruck. Vor allem gab es früher Gruppenselektion. Selektion/Mensch: Heute dagegen in der Massengesellschaft gibt es keinerlei Anzeichen für Selektion auf überlegene Genotypen, die es dem Menschen gestatten würden, sich über seine gegenwärtigen Fähigkeiten zu erheben.
Viele Autoren behaupten sogar einen gegenwärtigen Verfall des menschlichen Genpools.
Francis Galton legte als erster nahe, dass man mit angemessener Selektion die Menschheit verbessern könnte und sollte. Er prägte den Begriff "Eugenik".

1. H.W. Bates (1862). Contributions to an Insect Fauna of the Amazon Valley. In: Trans Linn. Soc. London 23. S. 495-566.
2. Ch. Darwin (1859). On the Origin of Species. London: John Murray.
3. E. Geoffroy St. Hilaire (1818). Philosophie anatomique. Paris.

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Semantik Dennett I 222
Semantik/Dennett: Die ersten Verbindungen sind freilich so primitiv, dass man sie kaum als "semantisch" bezeichnen kann. Sobald aber ein semantisches Zuordnungssystem geschaffen ist (indem ein Proteinfragment sich mit einer Nucleotidkette vereinigt, der es vorher geholfen hat) dann beschleunigt sich das Ganze. Jetzt kann ein Abschnitt eines Codes etwas codieren. neue Dimension der Bewertung. Proteine werden nach ihren Katalysatoreigenschaften bewertet.
I 490f
Semantik/Syntax/Dennett: Im Fall der Gene gibt es tatsächlich eine Zuordnung zwischen syntaktischer und semantischer Identität: eine genetische Sprache, in der die Bedeutung in groben Zügen über alle Arten hinweg erhalten bleibt. Dennoch müssen wir die beiden Dimensionen unterscheiden: In der >Bibliothek von Babel erkennen wir eine Gruppe syntaktischer Varianten, die alle zur Moby-Dick-Gruppe gehören, aber aufgrund der Semantik, nicht aufgrund syntaktischer Ähnlichkeit.
Gene erkennen wir vor allem aufgrund ähnlicher phänotypischer Effekte wieder, z.B. Augen oder Hämoglobin-Erzeugung.
I 221
Semantik/Syntax/Leben/Eigen/Dennett: die strukturelle Stabilität steht in keinem Zusammenhang zur semantischen Information. Diese kommt erst im Übersetzungsprodukt zum Ausdruck. Natur bevorzugt gewisse Buchstaben - G und C werden bevorzugt, weil sie als Replikatoren am stabilsten sind und nicht, weil sie in den genetischen "Wörtern" am häufigsten vorkommen - die Bevorzugung, die am Anfang syntaktisch ist, verbindet sich mit einem semantischen Ungleichgewicht: die Logik des Codeschemas resultiert aus rein physikalischen bzw. chemischen Gegebenheiten! Vgl. >Syntax, >Grammatik, >Gene, >Code.
I 222
Der Anfang ist so primitiv dass er kaum semantisch genannt werden kann - sobald ein semantisches Zuordnungssystem geschaffen ist, beschleunigt sich das Ganze.

Dennett I
D. Dennett
Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997

Dennett II
D. Dennett
Spielarten des Geistes Gütersloh 1999

Dennett III
Daniel Dennett
"COG: Steps towards consciousness in robots"
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Dennett IV
Daniel Dennett
"Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Soziobiologie Mayr I 266
Soziobiologie/Edward O. Wilson: "Sociobiology" (E. O. Wilson, 1975)(1). Wilson entfachte eine hitzige Kontroverse über die Bedeutung der Evolution für das Sozialverhalten. Bsp Soziale Insekten. Wilson gebraucht den Ausdruck "biologische Grundlage" etwas doppeldeutig:
a) biologische Grundlage für Verhalten (Wilson):genetische Disposition leistet eine Beitrag zum Phänotyp des Verhaltens.
b) Für seine politisch motivierten Gegner hieß das "genetisch festgelegt". Wir sollten wohl zu bloßen Maschinen degradiert werden. Aber jeder, auch Wilson, weiß, dass das nicht so ist.
>E.O. Wilson.
(Das ist die alte Kontroverse um den Anteil, den Anlage bzw. Umwelt an der Entwicklung haben. (nature/nurture)).
>Nature versus nurture.
Soziobiologie/Wilson(1)/Ruse(2): Nach den Definitionen von Wilson und Ruse sollte man annehmen, dass das Gebiet alle sozialen Handlungen und Wechselwirkungen bei Tieren umfasst. Das würde auch soziale Wanderungen einschließen. Bsp Afrikanische Huftiere, soziale Zugvögel, Wanderung zur Laichablage usw.
Damit setzen sich Wilson und Ruse aber nicht auseinander.
I 267
Soziobiologie/Wilson/Ruse: Gegenstand: Aggression, Sexualität, Fortpflanzungsstrategien der Weibchen, Altruismus, Verwandtenselektion, elterliche Manipulation, reziproker Altruismus. Sie alle vergrößern oder verringern den Fortpflanzungserfolg.
Grund für den umstrittenen Status der Soziobiologie: dass dem Menschen nur wenig mehr Platz eingeräumt wird als den Tieren. Wilson und Ruse bezeichnen sich selbst nicht als Soziobiologen.
>Mensch, >Tiere, >Leben, >Evolution.


1. E.O. Wilson (1975). Sociobiology. The new Synthesis. Belknap Press of Harvard University Press.
2. M. Ruse (1987). Is sociobiology a new paradigm? Philosophy of Science 54 (1):98-104.

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Sprache Mayr I 190
Sprache/Evolution/Mayr: Auch Sprachen evolvieren, aber nicht adaptiv, sondern stochastisch! Bsp Als die Angelsachsen die Britischen Inseln besiedelten, mussten sie die Sprache nicht dem Klima anpassen. Die Berücksichtigung ökologischer Faktoren und ihrer Auswirkungen auf den Phänotyp zeichnet eine Darwinsche Klassifikation aus. >Sprachentstehung, >Sprachgebrauch, >Bedeutungswandel.
I 309
Sprache/Tier/Mayr: Unter Tieren gibt es keine Sprache. Kommunikationssysteme bestehen hier im Austausch von Signalen. Syntax und Grammatik gibt es nicht. >Tiersprache, >Tiere.
I 310
Sprache/Gehirn: Könnte das Fehlen von Sprache ein Grund dafür sein, dass die Neandertaler ihr Gehirn nicht besser ausnutzten? >Gehirn/Deacon, >T. Deacon, >Sprache/Deacon.
Sprache: Die Sprache entwickelte sich von etwa 300.000 - 200.000 Jahren in kleinen Gruppen von Jägern und Sammlern aufgrund eines Selektionsvorteils. Das war eine günstige Lage für eine Größenzunahme des Gehirns.
>Selektion, >Gehirn.

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Terminologien Dawkins I 27
Def altruistisch/Dawkins: Ein Organismus erhält sich altruistisch wenn er das Wohlergehen eines anderen auf seine Kosten steigert.
I 28
Def Wohlergehen/Dawkins: Wohlergehen ist definiert als Überlebenschancen, selbst wenn der Effekt auf die tatsächlichen Aussichten so klein ist, dass man ihn scheinbar vernachlässigen kann. Egoismus/Altruismus/Dawkins: Egoismus und Altruismus orientieren sich am tatsächlichen Verhalten, nicht an Intentionen. Es gibt keine Psychologie der Motive!
I 32
Altruismus/Dawkins: Altruismus wird oft fälschlich zugeschrieben: wenn sich Lebewesen angeblich zum "Wohl der Art" oder "Wohl der Gruppe" verhalten.
I 126
Def ESS/Dawkins: eine evoutionär stabile Strategie ist eine, die - wenn die Mehrzahl der ‚Angehörigen einer Population sie sich zu eigen macht - von keiner alternativen Strategie übertroffen werden kann. ((s) Nicht inhaltlich definiert.)
I 447
Knappere Def ESS: Eine Strategie, die gegen Kopien ihrer selbst gut abschneidet. Sie wird nämlich oft auf Kopien ihrer selbst treffen, da ja eine erfolgreiche Strategie in einer Population vorherrschend ist.
I 227
Fitness/Dawkins: Man sollte den Ausdruck nicht benutzen, weil er fälschlich vom Individuum ausgeht! Stattdessen ist das egoistische Gen die einzige Einheit, um die es geht! Gene in Kindern werden aufgrund der Fähigkeit selektiert, Eltern zu überlisten, Gene im Körper von Eltern umgekehrt.
I 377
Def Erweiterter Phänotyp/Dawkins: phänotypische Auswirkungen eines Gens sind alle Auswirkungen eines Gens auf den Körper, in dem es sitzt. Aber es hat auch Auswirkungen auf "die Welt"!
Bsp Biberdämme, Vogelnester, Gehäuse der Köcherfliegen ( bewegliche Zementhäuser).
Der Unterschied zum Auge als "Wunder der Natur" müssen wir diese Leistungen nicht Prozessen zuschreiben, die im Innern der Mütter vor sich gehen. Sie sind Leistungen des gestaltenden Individuums. (Üblicherweise "Instinkt" genannt).
I 386
Def haplodiploid: unbefruchtete Eier entwickeln sich zu Männchen. D.h. Bsp männliche Borkenkäfer haben keinen Vater (wie es bei Bienen und Ameisen der Fall ist). Aber bei den Borkenkäfern muss irgendetwas in die Eier eindringen, diese Aufgabe übernehmen Bakterien. (Parasiten).

Da I
R. Dawkins
Das egoistische Gen, Hamburg 1996

Da II
M. St. Dawkins
Die Entdeckung des tierischen Bewusstseins Hamburg 1993
Terminologien Dennett Fodor IV 139
Def Interpretationstheorie/Dennett: These: es gibt Glauben, Wünsche usw. nicht wirklich (ontologisch), sondern nur als epistemisch nützliche Begriffe.
Dennett I 520
"Turm des Erzeugens und Testens"/Dennett: für eine zusammenfassende Erkenntnis ist der Preis der Idealisierung zu zahlen. In höheren Stockwerken werden wir effizienter im Finden neuer Züge. Im Erdgschoss befinden sich die
Def Darwinschen Geschöpfe, (fest verdrahtet) die beim Test rausfliegen.
Im ersten Stock:
Baldwin Effekt: "Plastizität des Phänotyps": bei der Geburt nicht mehr ganz und gar wie die Vorfahren. Zweiter Stock:
Def Skinnersche Geschöpfe: probieren blind, Verstärkung, beim nächsten Mal wählt das Geschöpf selbst das richtige.
Dritter Stock:
Def Poppersche Geschöpfe haben eine innere, selektioniert Umwelt, handeln schon beim ersten Mal vorausschauend, nicht zufällig.


Dennett I
D. Dennett
Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997

Dennett II
D. Dennett
Spielarten des Geistes Gütersloh 1999

Dennett III
Daniel Dennett
"COG: Steps towards consciousness in robots"
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Dennett IV
Daniel Dennett
"Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005

F/L
Jerry Fodor
Ernest Lepore
Holism. A Shoppers Guide Cambridge USA Oxford UK 1992

Fodor I
Jerry Fodor
"Special Sciences (or The Disunity of Science as a Working Hypothesis", Synthese 28 (1974), 97-115
In
Kognitionswissenschaft, Dieter Münch Frankfurt/M. 1992

Fodor II
Jerry Fodor
Jerrold J. Katz
Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

Fodor III
Jerry Fodor
Jerrold J. Katz
The availability of what we say in: Philosophical review, LXXII, 1963, pp.55-71
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995
Terminologien Mayr I 45
Def Genotyp: Nukleinsäuren, (Gesamtheit der Gene) Def Phänotyp: Proteine, Lipide, Makromoleküle, (Gesamtheit der Merkmale, Umweltbedingt).

I 373
Def Ähnlichkeit: Bestimmte Merkmale müssen zusammen mit anderen Merkmalen auftreten, von denen sie logisch unabhängig sind.
I 179
Def Art/Mayr: Eine Art ist eine Vorrichtung zum Schutz ausgewogener, harmonischer Genotypen. "Biologisches Artkonzept" sucht biologischen Grund für die Existenz von Arten. Vielleicht gibt es zufällig noch andere Eigenschaften.
I 183
Def Arttaxa: Besondere Populationen oder Populationsgruppen, die der Artdefinition entsprechen. Sie sind Entitäten ("Individuen") und lassen sich als solche nicht definieren.
I 43
Def Integron/Mayr: Ein Integron ist ein durch Integration untergeordneter Einheiten auf höherer Stufe entstehendes System. Integrons entwickeln sich durch natürliche Selektion. Sie sind auf jeder Stufe angepasste Systeme, weil sie zur Fitness (Eignung) eines Individuums beitragen.
I 248
Def "Weiche Vererbung" (erworbener Merkmale). Wurde durch die Genetik widerlegt. Def "Harte Vererbung" (sogenanntes "Zentrales Dogma"): Die in den Proteinen (dem Phänotyp) enthaltene Information kann nicht an die Nukleinsäuren (den Genotyp) weitergegeben werden! (Erkenntnis der Molekularbiologie).

I 205
Def Parthenogenese: Asexualität: Bei manchen Organismen entwickeln sich Individuen von selbst aus den Eiern, eine Befruchtung ist nicht nötig. Bsp Blattläuse, Planktonkrustentiere: hier wechseln sich sexuelle und asexuelle Generationen ab.
I 211
Def Präformation: Eier bringen Individuen derselben Art hervor. Daher schloss man, dass Ei oder Spermium bereits eine Miniaturausgabe des zukünftigen Organismus sei.
I 212
Def Epigenesis: Man glaubte, die Entwicklung entstehe aus einer gänzlich ungeformten Masse:"vis essentialis". Jede Art habe ihre eigene eigentümliche "wesentliche Kraft". Def Epigenese: Entwicklung während der Lebensgeschichte des Individuums, im Gegensatz zur Ontogenese und Phylogenese (Stammesgeschichte).

I 219
Def Induktion/Biologie/Mayr: Einfluss schon bestehender Gewebe auf die Entwicklung anderer Gewebe. Durch Proteine. Das hat bei fast allen Organismen große Bedeutung.
I 175
Def Klasse/Biologie/Mayr: Gruppierung von Entitäten, die einander ähnlich und miteinander verwandt sind.
I 177
Def "Varietät": Abweichungen, die etwas geringfügiger sind als die einer neuen Art. ("Typologisches" oder "essentielles Artkonzept", "Gemeinsame Essenz", "Wesen").
I 178
Def Zwillingsart: Zwillingsarten wurden erst spät entdeckt: sie sind räumlich getrennt, aber gleich entwickelt.
I 183
Def Arttaxa: Arttaxa sind besondere Populationen oder Populationsgruppen, die der Artdefinition entsprechen. Sie sind Entitäten ("Individuen") und lassen sich als solche nicht definieren. Individuen können nicht definiert werden, sondern lediglich beschrieben und abgegrenzt.
I 189
Def "Taxon": Ein Taxon ist eine separate Gruppe von Nachkommen. Jedes Taxon besteht aus den Nachkommen des nächsten gemeinsamen Vorfahren; "monophyletisch".
I 349
Def Leben/Mayr: Aktivitäten selbstgebildeter Systeme, die von einem genetischen Programm gesteuert werden. >Selbstorganisation.

Def Leben/Rensch(1): Lebewesen sind hierarchisch geordnete, offene Systeme, von vorwiegend organischen Verbindungen, die normalerweise als umgrenzte, zellig strukturierte Individuen von zeitlich begrenzter Konstanz in Erscheinung treten.
Def Leben/Sattler 1986(2): offenes System, das sich selbst repliziert und reguliert, Individualität zeigt, und sich von Energie aus der Umwelt ernährt.

I 186
Def Merkmal/Biologie/Mayr: Ein Merkmal ist ein unterscheidendes Kennzeichen oder Attribut.
I 332
Def Moralisches Wesen/Darwin: Ein moralisches Wesen ist ein Wesen das fähig ist, seine früheren Handlungen und deren Motive zu überlegen und einige gutzuheißen bzw. andere zu verwerfen.
I 41
Def Reduktionismus/Mayr: Der Reduktionismus betrachtet das Problem des Erklärens grundsätzlich als gelöst, sobald die Reduktion auf die kleinsten Bestandteile abgeschlossen ist.
I 279
Def r-Selektion: stark schwankende oft Katastrophen ausgesetzte Populationsgröße, schwache intraspezifische Konkurrenz, sehr fruchtbar. K-Selektion: konstante Populationsgröße, starke Konkurrenz, stabile Lebenserwartung.

I 49
Def Wissen/Mayr: Fakten und ihre Interpretation.
I 81
Def Theorie: Eine Theorie ist die Definition eines Systems. Theorien haben weder dauerhaften, noch allgemeinen Charakter. Sie sind mit vielfältigen Lösungen und evolutionärem Charakter vereinbar.
I 324
Def Altruismus: (Trivers 1985)(3): Handlung, die einem andere Organismus nützt, auf Kosten des Handelnden, wobei Kosten und Nutzen im Hinblick auf Fortpflanzungserfolg definiert sind. Altruismus/Comte: Sorge um das Wohlergehen anderer.
Altruismus/Mayr: beschränkt sich nicht auf Fälle von Gefahr oder Schaden für den Altruisten.


1. B. Rensch (1968). Biophilosophie. Stuttgart: G. Fischer. S. 54.
2. R. Sattler (1986). Biophilosophy. Berlin: Springer. S. 228.
3. R. L. Trivers (1985). Social evolution. Menlo Park: Benjamin/Cummings.

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Tierversuche Molekulargenetik Corr I 292
Tierversuche/Molekulargenetik/Munafò: Das grundlegende experimentelle Design ist die Analyse der Assoziation zwischen genotypischer und phänotypischer Variation in einer Kreuzung zwischen zwei Inzuchtstämmen von Nagetieren (normalerweise, aber nicht unbedingt, mit kontrastierenden Temperamentphänotypen). Molekulargenetische Kennzeichnungen werden dann verwendet, um zu bestimmen, welche chromosomalen Segmente mit dem Merkmal getrennt sind (d.h. welche chromosomalen Regionen von Tieren geteilt werden, die für das Merkmal von Interesse phänotypisch ähnlich sind). In den letzten zehn Jahren wurden auf einer Reihe von Chromosomen QTL (Quantitative Trait Loci), die vermeintlich mit dem Temperament zusammenhängen, identifiziert, obwohl deren molekularer Charakter unklar bleibt.
VsMolekulargenetik:
(1) Genetische Abbildung identifiziert eine potenzielle funktionelle Variante und nicht ein Gen. Funktionell wichtige Varianten, die die Genexpression beeinflussen, können etwas entfernt von einem Gen oder sogar an der Stelle eines nicht verwandten Gens liegen.

(2) Das Versuchsdesign bietet nur eine begrenzte Anzahl von Rekombinanten in einer einzigen Generation (typischerweise zwischen eins und zwei), so dass die Auflösung zur Abbildung eines bestimmten Locus begrenzt ist und Regionen identifiziert werden können, die noch Hunderte oder vielleicht Tausende von Genen enthalten können.

(3) Eine potenzielle Schwierigkeit bei Tierversuchen besteht darin, ob die in Tierversuchen identifizierten Gene einen Orthologen beim Menschen haben (d.h. funktionell mit einem menschlichen Gen verwandt sind, mit großer Sequenzähnlichkeit), obwohl die Erhaltung eines Großteils des Genoms bei Nagetieren und Menschen ein Grund für die extensive Verwendung von Nagetieren als Tiermodell für menschliche Eigenschaften ist.

Lösung: Man kann in genetisch heterogenen Beständen von Nagetieren abbilden, welche aus mehreren (meist acht) Inzuchtstämmen erzeugt werden, die nacheinander für maximale Vielfalt miteinander verbunden und über mehrere Generationen durch ein Programm der pseudozufälligen Paarung erhalten wurden. Da diese Tiere mehrere Generationen von den ursprünglichen Vorfahren entfernt sind, bietet dies das Potenzial, eine QTL auf eine begrenzte Anzahl von Genen abzubilden, obwohl dies eine deutliche Erhöhung der Kennzeichendichte erfordert und die Analyse in diesem Fall wesentlich komplexer ist.


Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.)2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Tierversuche Verhaltensgenetik Corr I 292
Tierversuche/Verhaltensgenetik/Munafò: [Tierversuche] bieten mehrere Vorteile in der Genforschung, darunter kurze Trächtigkeit, frühe Pubertät und große Würfe, sowie ein höheres Maß an experimenteller Kontrolle durch gezielte Paarung und Umweltkontrolle. Alle diese Vorteile sind wertvoll, wenn es darum geht, die genetische Architektur dieser Charakterzüge abzubilden (Willis-Owen und Flint 2007)(1). Das grundlegende experimentelle Design ist die Analyse der Assoziation zwischen genotypischer und phänotypischer Variation in einer Kreuzung zwischen zwei Inzuchtstämmen von Nagetieren (normalerweise, aber nicht unbedingt, mit kontrastierenden Temperamentphänotypen).
Molekulargenetische Kennzeichnungen werden dann verwendet, um zu bestimmen, welche chromosomalen Segmente mit dem Charakterzug getrennt werden (d.h. welche chromosomalen Regionen von Tieren geteilt werden, die für das Merkmal von Interesse phänotypisch ähnlich sind). In den letzten zehn Jahren wurden auf einer Reihe von Chromosomen QTL (Quantitative Trait Loci), die vermeintlich mit dem Temperament zusammenhängen, identifiziert, obwohl deren molekularer Charakter unklar bleibt.
>Tiermodelle.

1. Willis-Owen, S. A. and Flint, J. 2007. Identifying the genetic determinants of emotionality in humans; insights from rodents, Neuroscience and Biobehavioral Reviews 31: 115–24


Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.)2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Umwelt Entwicklungspsychologie Slater I 19
Umwelt/Entwicklungspsychologie: Neue Aufmerksamkeit wurde auf die erhebliche Variabilität bei der Reaktion der Kinder auf ihre Umgebung gelenkt. >Eltern-Kind-Beziehung/Psychologische Theorien, >Situation/Harlow, >Experiment/Harlow, >Situation/Ainsworth.
Viele Kinder, die unter widrigen Bedingungen aufgewachsen sind, von Institutionen bis hin zu vernachlässigenden oder missbräuchlichen Elternteilen, haben eine bemerkenswerte Erholung bei späteren emotionalen und kognitiven Funktionen gezeigt.
Merkmale von Kindern, die zur "Resilienz" beitragen, wurden in einer Vielzahl von Studien an Mensch und Tier untersucht (Sameroff, 2010)(1). Diese "Kindereffekte" wurden auf der genetischen, physiologischen und verhaltensbezogenen Ebene der Analyse konzipiert und gemessen (Obradovic & Boyce, 2009)(2).
Molekulare Analysen konzentrierten sich in erster Linie auf die Identifizierung genetischer Polymorphismen, die die Anfälligkeit des Kindes für ungünstige Umweltbedingungen erhöhen oder verringern. Physiologische Messungen haben sich auf autonome oder neuroendokrine Messungen der Reaktionsfähigkeit auf Stressereignisse konzentriert, während Verhaltensmessungen sich auf individuelle Unterschiede im Temperament konzentriert haben, die in Form von schüchternen/gehemmten oder impulsiven/aggressiven Dimensionen konzipiert wurden (Suomi, 2006)(3).
Vgl. >Umwelt/Molekulargenetik.
Die Fähigkeit, Schwankungen sowohl in der Pflegeumgebung als auch in der Empfindlichkeit von Kindern gegenüber Umweltbelastungen zu messen, hat neue Forschungen über die Mechanismen gefördert, durch die frühe Erfahrungen die spätere Anpassung beeinflussen (Meaney, 2010)(4). Diese dynamische Transaktion zwischen dem Kind und der betreuenden Umgebung zeigt sich in Studien über Gen-Umwelt-Interaktionen im Zusammenhang mit psychiatrischen Störungen (Caspi & Moffitt, 2006)(5). Die Arbeit bei Nagetieren hat gezeigt, wie frühzeitige Erfahrungen die Genexpression beeinflussen und stabile epigenetische Modifikationen hervorbringen können, die einzelne Phänotypen über die gesamte Lebensdauer verändern (Roth & Sweatt, 2011(6).

1. Sameroff, A. (2010). A unified theory of development: A dialectic integration of nature and nurture. Child Development, 81, 6–22
2. Obradovic, J., & Boyce, W. T. (2009). Individual differences in behavioral, physiological, and genetic sensitivities to contexts: implications for development and adaptation. Developmental Neuroscience, 31, 300–308.
3. Suomi, S. J. (2006). Risk, resilience, and gene x environment interactions in rhesus monkeys. Annals of the New York Academy of Sciences, 1094, 52–62
4. Meaney, M. (2010). Epigenetics and the biological definition of gene × environment interactions. Child Development, 81, 41–79.
5. Caspi, A., & Moffitt, T. (2006). Gene-environment interactions in psychiatry: joining forces with neuroscience. Nature Reviews Neuroscience, 7, 583–590
6. Roth, T. L., & Sweatt, J. D. (2011). Annual Research Review: Epigenetic mechanisms and environmental shaping of the brain during sensitive periods of development. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 52, 398–408

Roger Kobak, “Attachment and Early Social deprivation. Revisiting Harlow’s Monkey Studies”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


Upton I 50
Umwelt/Entwicklungspsychologie/Upton: Aktuelle Erkenntnisse (...) befürworten eine größere Rolle der Umwelt bei der Entwicklung von Fähigkeiten (wie Aufsetzen, Krabbeln und Gehen). Moderne Theorien der motorischen Kompetenzentwicklung betonen die Interaktion zwischen Anlage und Umwelt (nature and nurture). >Nature and Nurture.
Ein wichtiger Ansatz ist hier die Theorie der dynamischen Systeme (Thelen, 1995)(1). >Dynamische Systeme/Psychologische Theorien.

1. Thelen, E. (1995) Motor development: a new synthesis. American Psychologist, 50: 79–95.

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Umwelt Molekulargenetik Corr I 296
Umwelt/Molekulargenetik/Munafò: Die wichtigsten Auswirkungen des Genotyps auf die Persönlichkeitsphänotypen scheinen bescheiden zu sein (Munafò, Clark, Moore et al. 2003)(1), wie vorstehend erläutert. >Charakterzüge/Molekulargenetik, >Extraversion/Molekulargenetik.
Ein wahrscheinlicher Grund, der dies teilweise erklären kann, ist, dass Gene mit Umwelteinflüssen interagieren, um das Risiko eines bestimmten Ergebnisses, einschließlich der Persönlichkeit, zu bestimmen. Eine Gen-×-Umwelt-Interaktion tritt auf, wenn die Wirkung der Exposition gegenüber einem Umweltrisikofaktor vom Genotyp einer Person abhängig ist oder umgekehrt (Caspi, Sugden, Moffitt et al. 2003)(2).
Mehrere Studien zu emotionalen Störungen wurden auf mögliche Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt getestet, die ihrerseits über Charakterzüge funktionieren können, da die bekannten Zusammenhänge zwischen Persönlichkeit und Risiko für psychiatrische Erkrankungen (z.B. Neurotizismus und schwere Depressionen) bekannt sind.
>Neurotizismus, >Depression.
Die meisten Studien über Gen-×-Umwelt-Interaktionen haben sich bisher auf das Serotonin-Transporter-Gen und stressige Lebensereignisse konzentriert, mit kontrastierenden Ergebnissen. In der ursprünglichen Studie (Caspi, Sugden, Moffitt et al. 2003)(2) mäßigte die 5-HTTLPR-Variante die Wirkung von stressigen Lebensereignissen am Beginn einer Depression bei Jugendlichen.
Corr I 297
Probleme: Eine besondere Schwierigkeit bei solchen Studien liegt in der genauen Spezifikation der Umweltauswirkungen. Während der Genotyp mit hoher Genauigkeit ermittelt werden kann (vorbehaltlich geeigneter Qualitätskontrollmaßnahmen), werden Umweltauswirkungen typischerweise durch Selbst- oder Elternbericht ermittelt. Darüber hinaus können die zugrunde liegenden Konstrukte, die so gemessen werden (z.B. "stressige Lebensereignisse"), etwas vage sein und tatsächlich eine Konstellation von zugrunde liegenden Konstrukten darstellen. >Situationen/Mischel, >Situationen/Psychologische Theorien, >Stress.
Für eine aktuelle kritische Überprüfung der Wechselwirkungen zwischen Genen und Umwelt siehe Munafò, Durrant, Lewis und Flint (2009)(3).

1. Munafò, M. R., Clark, T. G., Moore, L. R., Payne, E., Walton, R. and Flint, J. 2003. Genetic polymorphisms and personality in healthy adults: a systematic review and meta-analysis, Molecular Psychiatry 8: 471–84
2. Caspi, A., Sugden, K., Moffitt, T. E., Taylor, A., Craig, I. W., Harrington, H., et al. 2003. Influence of life stress on depression: moderation by a polymorphism in the 5-HTT gene, Science 301: 386–9
3. Munafò, M. R., Durrant, C., Lewis, G. and Flint, J. 2009. Gene × environment interactions at the serotonin transporter locus, Biological Psychiatry 65: 211–19


Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.)2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Ursachen Mayr I 101
Ursache/Biologie: Es kann schwierig oder sogar unmöglich sein, genau die Ursache in einer Wechselwirkung komplexer Systeme ausfindig zu machen. >Kausalität, >Wirkung.
I 102
Strenge Kausalität lässt sich gewöhnlich ausmachen, wenn man rückblickend bei jedem Schritt der Aktionskette die gewählte Option betrachtet. Rückblickend lassen sich selbst zufällig gewählte Komponenten als kausal ansehen. >Kausalerklärung.
I 102
Ursachen/Mayr: Jedes Phänomen ist Ergebnis zweier Ursachen, einer mittelbaren (evolutionären, "warum"; genetisches Programm) und einer unmittelbaren (funktionalen; "wie").
I 103
Ursache: In der unbelebten Welt gibt es nur eine Art von Ursachen, die der Naturgesetze (oft in Kombination mit zufälligen Vorgängen). >Naturgesetze, >Zufall, >Notwendigkeit, >Anfangsbedingungen.
I 162
Ursache: Bsp "mittelbare Ursache": Wahl einer gemäßigten Jahreszeit für die Aufzucht der Jungen. Mittelbare Ursache: Fülle der Nahrung
Unmittelbare Ursache: Länge der Tage.
I 163
Ursache/Paul Weiss/Mayr: Alle biologischen Systeme haben zwei Seiten: sie sind sowohl kausale Mechanismen als auch Produkte der Evolution.(1)
I 165
Ursache/Biologie: unmittelbare Ursachen wirken sich auf den Phänotyp aus: Morphologie und Verhalten, mechanisch, hier und heute, Entschlüsselung eines genetischen Codes. Die Entdeckung dieser Mechanismen geschieht durch Experimente. Mittelbare Ursachen: wirken auf den Genotyp. Sie sind probabilistisch, über lange Zeitperioden wirksam und entstanden. Entstehung und Veränderung von genetischen Programmen. Entdeckung durch Schlussfolgerungen aus historischen Darstellungen.
>Terminologie/Mayr.

1. P. Weiss (1947). The Place of Physiology in the Biological Sciences. In: Federation Proceedings 6, p. 523-525.

Mayr I
Ernst Mayr
Das ist Biologie Heidelberg 1998
Zwillingsstudien Verhaltensgenetik Corr I 288
Zwillingsstudien/Verhaltensgenetik/Charakterzüge/Munafò: Die Logik der Zwillingsstudien besteht darin, dass, wenn ein Verhaltensmerkmal bei Paaren von MZ-Zwillingen (monozygotische Zwillinge) ähnlicher ist als bei Paaren von DZ-Zwillingen (dizygotischen Zwillingen), dann muss dieser Charakterzug vermutlich unter einem gewissen genetischen Einfluss stehen.
Corr I 289
Der Anteil der Variation des Phänotyps, der auf Variation des Genotyps zurückzuführen ist, wird als Erblichkeit eines Merkmals (h2) ausgedrückt - ein Vererbungskoeffizient von 0,50 bedeutet, dass 50 Prozent der Variation dieses Merkmals auf genotypische Variation zurückzuführen sind. Wenn wir über den relativen Einfluss von Genotyp und Umgebung auf den Phänotyp sprechen, sprechen wir über den relativen Einfluss der Variabilität in Bezug auf den Genotyp und bei Variabilität in Bezug auf den Phänotyp. Genaue Schätzungen von h2 können mit Hilfe der Strukturgleichungsmodellierung erzielt werden, die davon ausgeht, dass es drei verschiedene Einflüsse auf die phänotypische Variation gibt, die additive genetische Effekte (A), häufige oder gemeinsame Umwelteffekte (C) und einzigartige oder nicht gemeinsame Umwelteffekte (E) umfassen. Solche Modelle werden oft als ACE-Modelle bezeichnet.
>Erblichkeit/Verhaltensgenetik.
Zwillingsstudien berichten immer wieder von einem höheren Grad an Ähnlichkeit bei Persönlichkeitsmessungen zwischen MZ-Zwillingen als zwischen DZ-Zwillingen, was auf eine wesentliche Vererblichkeit dieser Merkmale hindeutet. So zeigten beispielsweise Daten von Zwillingen aus Kanada und Deutschland (Jang, Livesley und Vernon 2002)(1), die das NEO-PI-R vervollständigten, Korrelationskoeffizienten von etwa 0,45 für MZ-Zwillinge und 0,20 für DZ-Zwillinge.

1. Jang, K. L., Livesley, W. J. and Vernon, P. A. 1996. Heritability of the big five personality dimensions and their facets, Journal of Personality 64: 577–91


Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.)2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden Thesen von Autoren des zentralen Fachgebiets.
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Genotyp Schiffer, St. I 40
Wissenschaft/Philosophie/Schiffer: These Wissenschaftler können gar nicht entdecken, daß ein Hund sein = von einem bestimmten Genotyp (Gesamtheit der Gene) sein. Wissenschaft: könnte nur vielleicht alle phänotypischen (erscheinungsmäßigen) und verhaltensmäßigen Merkmale der Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft feststellen, mit denen wir Hunde identifizieren, aber um eine Eigenschafts-Identität mit dem Genotyp daraus abzuleiten, brauchen wir eine philosophische Theorie, die
a) eine Vervollständigung enthält von
ein Hund sein = von dem und dem Genotyp sein, wenn...
und
b) in Verbindung mit der wissenschaftlichen Entdeckung beinhaltet, daß
I 41
ein Hund sein = von dem und dem Genotyp sein. ((s) ohne Zusatzbedingung).