Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Autor/Ismus
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Autor
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Literatur
Literatur
Ähnlichkeit Herder Schönes/Herder: "Schade um die Schönheit, die ich erst aus hundert Vergleichungen schön finden soll."(1)
>Vergleiche, >Vergleichbarkeit, >Schönheit, >Absolutes.

1. Johann Gottfried von Herder's sämmtliche Werke: Zur schönen Literatur und Kunst. 20 vols. in 10. 1.-2. Th. Fragmente zur deutschen literatur; J. G. Cotta, 1829, S. 119.

Herder I
Johann Gottfried Herder
Herder: Philosophical Writings Cambridge 2002
Alltagssprache Tarski Berka I 457
Alltagssprache/Tarski: "Universalismus" der Alltagssprache: Die Alltagssprache integriert prinzipiell jedes Wort (aus jeder Fachsprache). - Sonst wären die dort gebrauchten Ausdrücke sinnlos. >Verstehen, >Bedeutung, >Formalismus.
I 458
Pointe: Dann kann man eine Wahrheitsdefinition aus einer formalen Sprache als fragmentarische Wahrheitsdefinition in die Alltagssprache übernehmen.(1) >Wahrheitsdefinition,

1. A.Tarski, Der Wahrheitsbegriff in den formalisierten Sprachen, Commentarii Societatis philosophicae Polonorum. Vol 1, Lemberg 1935


Horwich I 115
Alltagssprache/Tarski: Wir wissen in der Alltagssprache nicht immer genau, welche Ausdrücke Sätze sind und welche behauptbar sind. - Das heißt dass der Begriff der Widerspruchsfreiheit keine exakte Bedeutung in der Alltagssprache hat.(2) >Widerspruchsfreiheit.

2. A. Tarski, The semantic Conceptions of Truth, Philosophy and Phenomenological Research 4, pp. 341-75

Tarski I
A. Tarski
Logic, Semantics, Metamathematics: Papers from 1923-38 Indianapolis 1983

Berka I
Karel Berka
Lothar Kreiser
Logik Texte Berlin 1983

Horwich I
P. Horwich (Ed.)
Theories of Truth Aldershot 1994
Antiphon der Sophist Taureck I 19
Antiphon/Sophist/Taureck: (~480 - 411). These: Stellte die von Menschen erlassenen Gesetze in Frage. Im Gegensatz zu diesen (Nomoi), die den Menschen einschränken, sind die Gesetze der Natur (Physis) notwendig.
Ob der Sophist Antiphon mit dem gleichnamigen Redner und Politiker identisch ist, ist bis heute umstritten.
>Gerechtigkeit/Antiphon, >Gesetze/Antiphon, >Physis/Antiphon, >Sophisten.

Ergänzende Literatur zu Antiphon:

Gerard Pendrick, Antiphon the Sophist: The Fragments, Cambridge University Press 2002

Ergänzende Literatur zu den Sophisten:

W. K C. Guthrie, The Sophists, Cambridge: Cambridge University Press 1971.
A. Laks and G. W. Most, Early Greek Philosophy 2016.
Richard Winton. "Herodotus, Thucydides, and the sophists" in: C.Rowe & M.Schofield, The Cambridge Companion to Greek and Roman Political Thought, Cambridge 2005.
Hermann Diels & Rosamond Kent Sprague (eds.) The Older Sophists a Complete Translation by Several Hands of the Fragments in Die Fragmente der Vorsokratiker. With a New Ed. Of Antiphon and of Euthydemus. University of South Carolina Press 1972.
John Dillon and Tania Gergel. The Greek Sophists. UK: Penguin Group 2003.

Taureck I
B. H.F. Taureck
Die Sophisten Hamburg 1995
Ästhetik Fichte Gadamer I 63
Ästhetik/Schlegel/Fichte/Gadamer: Kants Begründung der Ästhetik auf den Geschmacksbegriff kann (...) nicht recht befriedigen. Es liegt weit näher, den Geniebegriff, den Kant als transzendentales Prinzip für das Kunstschöne entwickelt, als universales ästhetisches Prinzip zu verwenden. Er erfüllt weit besser als der Begriff des Geschmacks die Forderung, gegen den Wandel der Zeit invariant zu sein. Der kantische Satz „Schöne Kunst
Gadamer I 64
ist Kunst des Genies“ wird (...) zum transzendentalen Grundsatz für die Ästhetik überhaupt. Ästhetik ist am Ende nur als Philosophie der Kunst möglich. Schlegel/Fichte/Gadamer: Es war der deutsche Idealismus, der diese Konsequenz zog. Wie sich
Fichte und Schelling auch sonst an Kants Lehre von der transzendentalen Einbildungskraft anschlossen, so haben sie ebenso für die Ästhetik von diesem Begriff einen neuen Gebrauch gemacht. Im Unterschiede zu Kant wurde damit der Standpunkt der Kunst als der der bewusstlos genialen Produktion allumfassend und umschloss auch die Natur, die als Produkt des
Geistes verstanden wird.(1)
Damit aber haben sich die Grundlagen der Ästhetik verschoben. Wie der Begriff des Geschmacks wird auch der Begriff des Naturschönen entwertet, bzw. anders verstanden. Das moralische Interesse am Schönen der Natur, das Kant so enthusiastisch geschildert hatte, tritt nun hinter der Selbstbegegnung des Menschen in den Werken der Kunst zurück. >Naturschönes/Hegel.
Gadamer I 65
Ästhetik/Fichte/Gadamer: (...) Kants wesentliches Anliegen, eine autonome, vom Maßstab des Begriffs befreite Grundlegung der Ästhetik zu leisten und die Frage nach der Wahrheit im Bereiche der Kunst überhaupt nicht zu stellen, sondern das ästhetische Urteil auf das subjektive Apriori des Lebensgefühls, die Harmonie unseres Vermögens zur „Erkenntnis überhaupt“zu begründen, die das gemeinsame Wesen von Geschmack und Genie ausmacht, [kam] dem Irrationalismus und dem Geniekult des 19. Jahrhunderts entgegen. Genie/Fichte: Kants Lehre von der „Steigerung des Lebensgefühls“ im ästhetischen Wohlgefallen förderte die Entfaltung des Begriffes „Genie“ zu einem umfassenden Lebensbegriff, insbesondere nachdem Fichte den Standpunkt des Genies und der genialen Produktion zu einem universalen transzendentalen Standpunkt erhoben hatte. So kam es, daß der Neukantianismus, indem er alle gegenständliche Geltung aus der transzendentalen Subjektivität abzuleiten suchte, den Begriff
Gadamer I 66
des Erlebnisses als die eigentliche Tatsache des Bewusstseins auszeichnete.(2) >Erlebnis/Gadamer.
1. Bis zu welchem Grade der zwischen Kant und seinen Nachfolgern eingetretene Wandel, den ich durch die Formel "Standpunkt der Kunst"zu kennzeichnen suche, das universale Phänomen des Schönen verdunkelt hat, kann das erste Schlegelfragment (Friedrich Schlegel, Fragmente, Aus dem Lyceums 1797) lehren: »Man nennt viele Künstler, die eigentlich Kunstwerke der Natur sind«. In dieser Wendung klingt Kants Begründung des Geniebegriffs auf die Gunst der Natur nach, wird aber so wenig mehr gewürdigt, dass sie im Gegenteil zum Einwand gegen ein seiner selbst zu wenig bewusstes Künstlertum wird.
2. Es ist das Verdienst der Schrift von Luigi Pareyson, L'estetica del idealismo tedesco, 1952, die Bedeutung Fichtes für die idealistische Ästhetik zur Geltung gebracht zu haben. Entsprechend ließe sich innerhalb des Ganzen der neukantianischen Bewegung die geheime Fortwirkung Fichtes und Hegels erkennen.

Fichte I
Johann Gottlieb Fichte
Zur Politik, Moral und Philosophie der Geschichte
In
Werke Bd. VII, Berlin 1971

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Ästhetik Schlegel Gadamer I 63
Ästhetik/Schlegel/Fichte/Gadamer: Kants Begründung der Ästhetik auf den Geschmacksbegriff kann (...) nicht recht befriedigen. Es liegt weit näher, den Geniebegriff, den Kant als transzendentales Prinzip für das Kunstschöne entwickelt, als universales ästhetisches Prinzip zu verwenden. Er erfüllt weit besser als der Begriff des Geschmacks die Forderung, gegen den Wandel der Zeit invariant zu sein. Der kantische Satz „Schöne Kunst
Gadamer I 64
ist Kunst des Genies“ wird (...) zum transzendentalen Grundsatz für die Ästhetik überhaupt. Ästhetik ist am Ende nur als Philosophie der Kunst möglich. Schlegel/Fichte/Gadamer: Es war der deutsche Idealismus, der diese Konsequenz zog. Wie sich
Fichte und Schelling auch sonst an Kants Lehre von der transzendentalen Einbildungskraft anschlossen, so haben sie ebenso für die Ästhetik von diesem Begriff einen neuen Gebrauch gemacht. Im Unterschiede zu Kant wurde damit der Standpunkt der Kunst als der der bewusstlos genialen Produktion allumfassend und umschloss auch die Natur, die als Produkt des
Geistes verstanden wird.(1)
Damit aber haben sich die Grundlagen der Ästhetik verschoben. Wie der Begriff des Geschmacks wird auch der Begriff des Naturschönen entwertet, bzw. anders verstanden. Das moralische Interesse am Schönen der Natur, das Kant so enthusiastisch geschildert hatte, tritt nun hinter der Selbstbegegnung des Menschen in den Werken der Kunst zurück. >Naturschönes/Hegel.


1. Bis zu welchem Grade der zwischen Kant und seinen Nachfolgern eingetretene Wandel, den ich durch die Formel "Standpunkt der Kunst" zu kennzeichnen suche, das universale Phänomen des Schönen verdunkelt hat, kann das erste Schlegelfragment (Friedrich Schlegel, Fragmente, Aus dem Lyceums 1797) lehren: »Man nennt viele Künstler, die eigentlich Kunstwerke der Natur sind«. In dieser Wendung klingt Kants Begründung des Geniebegriffs auf die Gunst der Natur nach, wird aber so wenig mehr gewürdigt, dass sie im Gegenteil zum Einwand gegen ein seiner selbst zu wenig bewusstes Künstlertum wird.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Auktionen Holt Parisi I 81
Auktionen/Wirtschaftstheorien/Sullivan/Holt: Experimente ohne Kontrollgruppe: (...) ökonomische Experimente werden manchmal einfach entworfen, um zu messen und zu dokumentieren, wie sich Subjekte in einer gegebenen Marktstruktur oder Anreizumgebung verhalten, ohne Bezug auf eine Kontrollgruppe. Beispiele hierfür sind Experimente, die die Effizienz einer Auktionsstruktur testen, wie z.B. ein innovativer Vorschlag, der das Bieten für Kombinationen von Frequenzlizenzen in einer Weise ermöglicht, die Firmen davor schützt, zu viel für Teile eines fragmentierten Netzes zu bezahlen.* >Experimentelle Ökonomik/Wirtschaftstheorien.
Parisi I 83
Auf einer eher makroskopischen Betrachtungsebene können ökonomische Experimente genutzt werden, um über den Tellerrand zu blicken, indem Regeln und Strategien in Betracht gezogen werden, die noch nicht umgesetzt wurden. Dieser Ansatz des Experimentierens hat sich als besonders fruchtbar erwiesen, wenn es darum ging, neue Arten von Auktionen für Fischereirechte, Emissionsrechte oder Kombinationen von Frequenzbändern in Frequenzauktionen zu entwerfen.**
* Siehe Goeree und Holt (2010)(1) für eine Reihe von Experimenten, die von der U.S. Federal Communications Commission verwendet wurden, um eine große Auktion für Frequenzlizenzen für die Bereitstellung von drahtlosen Kommunikationsdiensten in einem geografischen Netzwerk zu entwerfen und umzusetzen. Sogar diese Arbeit hatte jedoch eine Kontrollbehandlung ohne Paketgebotsmöglichkeiten, die Probleme aufzeigte, die entstehen könnten, wenn es Bietern nicht erlaubt wäre, "Alles-oder-Nichts"-Gebote für Kombinationen von Lizenzen abzugeben. >Experimente/Experimentelle Ökonomik.

** Siehe zum Beispiel Holt et al. (2007)(2) für einen Bericht, in dem Laborexperimente verwendet wurden, um die Auktionen der Regional Greenhouse Gas Initiative zu entwerfen, die seit 2008 vierteljährlich durchgeführt werden. In ähnlicher Weise nutzten Cummings, Holt und Laury (2004)(3) Experimente im Labor und auf dem Feld, bevor sie eine spezielle Auktion einführten, bei der Landwirte für Zahlungen bieten sollten, die sie im Austausch für die Reduzierung der Bewässerung in einem Dürrejahr erhalten würden. In jüngerer Zeit enthält eine Sonderausgabe der Agricultural and Resource Economics Review (Bd. 39, Nr. 2, April 2010)(4) Artikel, die Laborexperimente zur Untersuchung der Zuteilung von Fischereirechten, Wasserrechten, Emissionsgenehmigungen und Common-Pool-Ressourcen verwendeten.


1. Goeree, J. K. and C. A. Holt (2010). “Hierarchical Package Bidding: A Paper & Pencil Combinatorial Auction.” Games and Economic Behavior 70: 146 - 169.
2. Holt, C. A., W. Shobe, D. Burtraw, K. Palmer, and J. K. Goeree (2007). Auction Design for Selling CO2 Emission Allowances Under the Regional Greenhouse Gas Initiative (S. 1–130), zu finden unter: .
3. Cummings, R. G., C. A. Holt, and S. K. Laury (2004). “Using Laboratory Experiments for Policymaking: An Example from the Georgia Irrigation Reduction Auction.” Journal of Policy Analysis and Management 23(2): 341–363.
4. https://www.cambridge.org/core/journals/agricultural-and-resource-economics-review/issue/724AAC3551E63C1ADC9A1A129B0DEF66 - (17.12.2020)


Sullivan, Sean P. and Charles A. Holt. „Experimental Economics and the Law“ In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Bedeutungswandel Kanitscheider I 145
Bedeutungswandel/Begriffswandel/Newton/Einstein/Kanitscheider: die semantischen Unterschiede sind schwerwiegend: bei Newton ist die Gravitation aktive Kraft in passivem Raum bei Einstein ist die Gravitation die Aktivität der Raumzeit. Bei Newton sind die kosmischen Kräfte entfernter Materie unbestimmt oder löschen sich aus bzw. sind im Gleichgewicht, in der Relativitätstheorie ist jeder Punkt spezifisch und hat spezifische dynamische Eigenschaften.
Es lässt sich nun ein Teilbereich auszeichnen, wo die Geschwindigkeiten klein und die Gravitationsfelder schwach sind, wo die beiden Theorien vergleichbare Aussagen liefern. So sind die Theorien nicht durch einen unüberwindlichen semantischen Graben getrennt.
>Theoriewechsel, >Fragmente.

Kanitsch I
B. Kanitscheider
Kosmologie Stuttgart 1991

Kanitsch II
B. Kanitscheider
Im Innern der Natur Darmstadt 1996
Belief States KI-Forschung Norvig I 156
Belief states/Programmierung/Künstliche Intelligenz/Norvig/Russell: Die Idee, teilweise beobachtbare Probleme in Belief State-Probleme zu tranformieren, stammt von Astrom (1965)(1) für den viel komplexeren Fall der probabilistischen Unsicherheit (...). Erdmann und Mason (1988)(2) untersuchten das Problem der robotergestützten Manipulation ohne Sensoren mit einer kontinuierlichen Form der Belief State-Suche. Sie zeigten, dass es möglich ist, ein Teil auf einem Tisch von einer beliebigen Ausgangsposition aus durch eine gut durchdachte Abfolge von Kippbewegungen auszurichten. Praktischere Methoden, die auf einer Reihe von präzise ausgerichteten diagonalen Barrieren über ein Förderband basieren, nutzen dieselben algorithmischen Erkenntnisse (Wiegley et al., 1996)(3). Der Belief State-Ansatz wurde im Zusammenhang mit sensorlosen und teilweise beobachtbaren Suchproblemen von Genesereth und Nourbakhsh (1993)(4) neu erfunden. Zusätzliche Arbeiten wurden über sensorlose Probleme in der logikbasierten Planungsgemeinschaft erstellt (Goldman und Boddy, 1996(5); Smith und Weld, 1998(6)). Bonet und Geffner (2000)(7) führten die ersten effektiven Heuristiken
Norvig I 157
für die Belief state-Suche ein; diese wurden von Bryce et al. (2006)(8) verfeinert. Der inkrementelle Ansatz zur Belief State-Suche, bei dem Lösungen schrittweise für Teilmengen von Zuständen innerhalb jedes Belief State konstruiert werden, wurde in der Planungsliteratur von Kurien et al. (2002)(9) untersucht; mehrere neue inkrementelle Algorithmen wurden für nicht-deterministische, teilweise beobachtbare Probleme von Russell und Wolfe (2005) eingeführt(10). Zur Unsicherheit bei zeitlichen Veränderungen siehe >Veränderung/KI-Forschung.
1. Astrom, K. J. (1965). Optimal control of Markov decision processes with incomplete state estimation. J. Math. Anal. Applic., 10, 174–205.
2. Erdmann, M. A. and Mason, M. (1988). An exploration of sensorless manipulation. IEEE Journal of
Robotics and Automation, 4(4), 369–379.
3. Wiegley, J., Goldberg, K., Peshkin, M., and Brokowski, M. (1996). A complete algorithm for designing passive fences to orient parts. In ICRA-96.
4. Genesereth, M. R. and Nourbakhsh, I. (1993). Time-saving tips for problem solving with incomplete information. In AAAI-93, pp. 724–730.
5. Goldman, R. and Boddy, M. (1996). Expressive planning and explicit knowledge. In AIPS-96, pp.
110–117.
6. Smith, D. E. and Weld, D. S. (1998). Conformant Graphplan. In AAAI-98, pp. 889–896. 7. Bonet, B. and Geffner, H. (2000). Planning with incomplete information as heuristic search in belief space. In ICAPS-00, pp. 52–61.
8. Bryce, D., Kambhampati, S., and Smith, D. E. (2006). Planning graph heuristics for belief space search. JAIR, 26, 35–99.
9. Kurien, J., Nayak, P., and Smith, D. E. (2002). Fragment-based conformant planning. In AIPS-02.
10. Russell, S. J. and Wolfe, J. (2005). Efficient belief-state AND-OR search, with applications to Kriegspiel. In IJCAI-05, pp. 278–285.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Belief States Norvig Norvig I 156
Belief states/Programmierung/Künstliche Intelligenz/Norvig/Russell: Die Idee, teilweise beobachtbare Probleme in Belief State-Probleme zu tranformieren, stammt von Astrom (1965)(1) für den viel komplexeren Fall der probabilistischen Unsicherheit (...). Erdmann und Mason (1988)(2) untersuchten das Problem der robotergestützten Manipulation ohne Sensoren mit einer kontinuierlichen Form der Belief State-Suche. Sie zeigten, dass es möglich ist, ein Teil auf einem Tisch von einer beliebigen Ausgangsposition aus durch eine gut durchdachte Abfolge von Kippbewegungen auszurichten. Praktischere Methoden, die auf einer Reihe von präzise ausgerichteten diagonalen Barrieren über ein Förderband basieren, nutzen dieselben algorithmischen Erkenntnisse (Wiegley et al., 1996)(3). Der Belief State-Ansatz wurde im Zusammenhang mit sensorlosen und teilweise beobachtbaren Suchproblemen von Genesereth und Nourbakhsh (1993)(4) neu erfunden. Zusätzliche Arbeiten wurden über sensorlose Probleme in der logikbasierten Planungsgemeinschaft erstellt (Goldman und Boddy, 1996(5); Smith und Weld, 1998(6)). Bonet und Geffner (2000)(7) führten die ersten effektiven Heuristiken
Norvig I 157
für die Belief state-Suche ein; diese wurden von Bryce et al. (2006)(8) verfeinert. Der inkrementelle Ansatz zur Belief State-Suche, bei dem Lösungen schrittweise für Teilmengen von Zuständen innerhalb jedes Belief State konstruiert werden, wurde in der Planungsliteratur von Kurien et al. (2002)(9) untersucht; mehrere neue inkrementelle Algorithmen wurden für nicht-deterministische, teilweise beobachtbare Probleme von Russell und Wolfe (2005) eingeführt(10). Zur Unsicherheit bei zeitlichen Veränderungen siehe >Veränderung/KI-Forschung.

1. Astrom, K. J. (1965). Optimal control of Markov decision processes with incomplete state estimation. J. Math. Anal. Applic., 10, 174–205.
2. Erdmann, M. A. and Mason, M. (1988). An exploration of sensorless manipulation. IEEE Journal of
Robotics and Automation, 4(4), 369–379.
3. Wiegley, J., Goldberg, K., Peshkin, M., and Brokowski, M. (1996). A complete algorithm for designing passive fences to orient parts. In ICRA-96.
4. Genesereth, M. R. and Nourbakhsh, I. (1993). Time-saving tips for problem solving with incomplete information. In AAAI-93, pp. 724–730.
5. Goldman, R. and Boddy, M. (1996). Expressive planning and explicit knowledge. In AIPS-96, pp.
110–117.
6. Smith, D. E. and Weld, D. S. (1998). Conformant Graphplan. In AAAI-98, pp. 889–896. 7. Bonet, B. and Geffner, H. (2000). Planning with incomplete information as heuristic search in belief space. In ICAPS-00, pp. 52–61.
8. Bryce, D., Kambhampati, S., and Smith, D. E. (2006). Planning graph heuristics for belief space search. JAIR, 26, 35–99.
9. Kurien, J., Nayak, P., and Smith, D. E. (2002). Fragment-based conformant planning. In AIPS-02.
10. Russell, S. J. and Wolfe, J. (2005). Efficient belief-state AND-OR search, with applications to Kriegspiel. In IJCAI-05, pp. 278–285.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Belief States Russell Norvig I 156
Belief states/Programmierung/Künstliche Intelligenz/Norvig/Russell: Die Idee, teilweise beobachtbare Probleme in Belief State-Probleme zu tranformieren, stammt von Astrom (1965)(1) für den viel komplexeren Fall der probabilistischen Unsicherheit (...). Erdmann und Mason (1988)(2) untersuchten das Problem der robotergestützten Manipulation ohne Sensoren mit einer kontinuierlichen Form der Belief State-Suche. Sie zeigten, dass es möglich ist, ein Teil auf einem Tisch von einer beliebigen Ausgangsposition aus durch eine gut durchdachte Abfolge von Kippbewegungen auszurichten. Praktischere Methoden, die auf einer Reihe von präzise ausgerichteten diagonalen Barrieren über ein Förderband basieren, nutzen dieselben algorithmischen Erkenntnisse (Wiegley et al., 1996)(3). Der Belief State-Ansatz wurde im Zusammenhang mit sensorlosen und teilweise beobachtbaren Suchproblemen von Genesereth und Nourbakhsh (1993)(4) neu erfunden. Zusätzliche Arbeiten wurden über sensorlose Probleme in der logikbasierten Planungsgemeinschaft erstellt (Goldman und Boddy, 1996(5); Smith und Weld, 1998(6)). Bonet und Geffner (2000)(7) führten die ersten effektiven Heuristiken
Norvig I 157
für die Belief state-Suche ein; diese wurden von Bryce et al. (2006)(8) verfeinert. Der inkrementelle Ansatz zur Belief State-Suche, bei dem Lösungen schrittweise für Teilmengen von Zuständen innerhalb jedes Belief State konstruiert werden, wurde in der Planungsliteratur von Kurien et al. (2002)(9) untersucht; mehrere neue inkrementelle Algorithmen wurden für nicht-deterministische, teilweise beobachtbare Probleme von Russell und Wolfe (2005) eingeführt(10). Zur Unsicherheit bei zeitlichen Veränderungen siehe >Veränderung/KI-Forschung.

1. Astrom, K. J. (1965). Optimal control of Markov decision processes with incomplete state estimation. J. Math. Anal. Applic., 10, 174–205.
2. Erdmann, M. A. and Mason, M. (1988). An exploration of sensorless manipulation. IEEE Journal of
Robotics and Automation, 4(4), 369–379.
3. Wiegley, J., Goldberg, K., Peshkin, M., and Brokowski, M. (1996). A complete algorithm for designing passive fences to orient parts. In ICRA-96.
4. Genesereth, M. R. and Nourbakhsh, I. (1993). Time-saving tips for problem solving with incomplete information. In AAAI-93, pp. 724–730.
5. Goldman, R. and Boddy, M. (1996). Expressive planning and explicit knowledge. In AIPS-96, pp.
110–117.
6. Smith, D. E. and Weld, D. S. (1998). Conformant Graphplan. In AAAI-98, pp. 889–896. 7. Bonet, B. and Geffner, H. (2000). Planning with incomplete information as heuristic search in belief space. In ICAPS-00, pp. 52–61.
8. Bryce, D., Kambhampati, S., and Smith, D. E. (2006). Planning graph heuristics for belief space search. JAIR, 26, 35–99.
9. Kurien, J., Nayak, P., and Smith, D. E. (2002). Fragment-based conformant planning. In AIPS-02.
10. Russell, S. J. and Wolfe, J. (2005). Efficient belief-state AND-OR search, with applications to Kriegspiel. In IJCAI-05, pp. 278–285.

Russell I
B. Russell/A.N. Whitehead
Principia Mathematica Frankfurt 1986

Russell II
B. Russell
Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989

Russell IV
B. Russell
Probleme der Philosophie Frankfurt 1967

Russell VI
B. Russell
Die Philosophie des logischen Atomismus
In
Eigennamen, U. Wolf (Hg) Frankfurt 1993

Russell VII
B. Russell
On the Nature of Truth and Falsehood, in: B. Russell, The Problems of Philosophy, Oxford 1912 - Dt. "Wahrheit und Falschheit"
In
Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Bentham, Jeremy Rothbard Rothbard II 49
Jeremy Bentham/Rothbard: Jeremy Bentham (1748-1832) war zunächst ein überzeugter Smithianer, der jedoch konsequenter dem Laissez-faire anhing. Während seiner relativ kurzen Zeitspanne, in der er sich für die Wirtschaft interessierte, wurde er immer staatsgläubiger. Sein verstärkter Etatismus war nur ein Aspekt seines großen - und höchst unglücklichen - Beitrags zur Wirtschaftswissenschaft: sein konsequenter philosophischer Utilitarismus. Dieser Beitrag, der der staatlichen Willkür Tür und Tor öffnet, bleibt als Benthams Vermächtnis für die heutige neoklassische Wirtschaftswissenschaft bestehen. Benthams erstes und bleibendes Interesse galt dem Utilitarismus (auf den wir weiter unten näher eingehen werden), den er im Alter von 28 Jahren mit seinem ersten veröffentlichten Werk, dem Fragment on Government (1776)(1), einführte.
Rothbard II 54
VsBentham: James Mill und David Ricardo galten als loyale Bentham-Anhänger, und das waren sie auch in der utilitaristischen Philosophie und im Glauben an die politische Demokratie. In der Ökonomie sah die Sache jedoch ganz anders aus, und Mill und Ricardo, die sich auf das Saysche Gesetz und die Turgot-Smith-Analyse verlassen konnten, setzten sich erfolgreich gegen die Veröffentlichung von „The True Alarm“(2) ein. RicardoVsBentham: Ricardo verhöhnte fast die gesamte spätere Benthamsche Wirtschaftslehre und stellte im Falle von Geld und Produktion die richtigen Fragen: Warum sollte die bloße Vermehrung des Geldes eine andere Wirkung haben, als seinen Wert zu senken? Wie sollte es eine Steigerung der Warenproduktion bewirken? Geld kann keine Waren hervorrufen... aber Waren können Geld hervorrufen.' Benthams Hauptthema, „dass Geld die Ursache von Reichtum ist“, wies Ricardo entschieden zurück.

1. Bentham, J. 1776. Fragment on Government. Being an Examination of What Is Delivered, on the Subject of Government in General, in the Introduction to Sir William Blackstone’s Commentaries. London.
2. Bentham, J. 1801. The True Alarm.

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Beobachtungssprache Fraassen I 56
Phänomen/Fraassen: Phänomene werden bewahrt, indem sie als Fragmente einer größeren Einheit erwiesen werden. VsBeobachtungssprache: man kann Phänomene doch nicht anders beschreiben als den Rest der Welt.
>Sprache, >Methode, >Experimente, >Beobachtung.

Fr I
B. van Fraassen
The Scientific Image Oxford 1980
Bitcoin Congressional Research Service (CRS) CRS IV 8
Bitcoin/CRS/Tierno: Bitcoin war die erste Kryptowährung, die sich weit verbreitet hat. Bitcoin läuft auf einer öffentlichen Blockchain, die durch Kryptografie gesichert ist, und verwendet den Proof-of-Work-Konsensmechanismus (…). >Krypto-Transaktionen, >Kryptowährungen, >Krypto-Mining, >Blockchain.
Es weist auch einzigartige Eigenschaften auf. Beispielsweise schaffen das Mining, das Hashing und die Verwendung von Bitcoin-Blockbelohnungen eine Beziehung, die darauf abzielt, die Block-Mining-Zeiten (Genehmigungszeiten) in etwa stabil zu halten.(1) Die Komplexität des Hashing soll Block-Genehmigungsraten von 10 Minuten gewährleisten.(2) Wenn die Anzahl der Miner oder die verwendete Rechenkapazität zunimmt – vielleicht weil die Bitcoin-Blockbelohnung mehr Miner dazu veranlasst, zu konkurrieren oder fortschrittlichere Geräte einzusetzen – und somit Blöcke schneller als (im Durchschnitt) 10 Minuten gemined werden, erhöht sich die Schwierigkeit des Proof of Work. Wenn hingegen das Netzwerk und seine Teilnehmer Blöcke langsamer minen (etwa weil die Anzahl der Miner sinkt), sinkt die Schwierigkeit des Proof of Work, wodurch sichergestellt wird, dass die Anzahl der aktiven Miner das 10-Minuten-Ziel erreichen kann.(3) Der für den Proof of Work erforderliche Aufwand begünstigt Miner mit größerer Rechenleistung, die erhebliche Mengen an Energie benötigen.(4)
>Krypto und Energie.
Weitere bemerkenswerte und miteinander verbundene Merkmale von Bitcoin sind Transaktionsgebühren, eine feste Obergrenze für die Anzahl der Bitcoins und die Halbierung der Blockbelohnung. Die Begrenzung der Blockgenehmigungsraten bedeutet, dass Transaktionen im Vergleich zu herkömmlichen Zahlungssystemen langsam sind.(5) Netzwerkteilnehmer können Transaktionsgebühren zahlen, um Miner dazu anzuregen, ihre Transaktionen schneller zu verarbeiten. Obwohl die Blockbelohnung (die fest in das Design integriert ist) nach wie vor die wichtigste Form der Vergütung ist, wird erwartet, dass die Transaktionsgebühren steigen werden, wenn die Blockbelohnungen sinken.(6)

1. Nakamoto, “Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System,” p. 3; and Andreas M. Antonopoulos, “Mining and Consensus,” in Mastering Bitcoin, https://www.oreilly.com/library/view/mastering-Bitcoin/9781491902639/ch08.html
(O'Reilly).
2. Antonopoulos, “Mining and Consensus.”
3. Alyssa Hertig, “Bitcoin Halving Explained,” CoinDesk, March 9, 2022, https://www.coindesk.com/learn/2020/03/24/
Bitcoin-halving-explained/.
4. Joshua A. Kroll, Ian C. Davey, and Edward W. Felten, “The Economics of Bitcoin Mining, or Bitcoin in the Presence of Adversaries,” Twelfth Workshop on the Economics of Information Security (WEIS 2013), June 11, 2016, p. 5.
5. Frederic Boissay et al., “Blockchain Scalability and the Fragmentation of Crypto,” BIS Bulletin, no. 56 (June 7, 2022), pp. 3, https://www.bis.org/publ/bisbull56.pdf.
6. Miles Carlsten et al., “On the Instability of Bitcoin Without the Block Reward,” Proceedings of the 2016 ACM SIGSAC Conference on Computer and Communications Security, October 24, 2016, p. 1, https://dl.acm.org/doi/10.1145/2976749.2978408. Das Konzept der Gebühren wird auch in Nakamoto, „Bitcoin: A Peer-to-Peer Electronic Cash System“, S. 3, erwähnt.

CRS I
Congressional Research Service (CRS)
Marc Labonte
Fixed Exchange Rates and Floating Exchange Rates: What Have We Learned? Washington: Congressional Research Service of the Library of Congress 2007

CRS II
Congressional Research Service (CRS)
Paul Tierno
Marc Labonte,
Banking and Cryptocurrency: Policy Issues. CRS Congressional research Service Report R48430. Washington, DC. 2025

CRS III
Congressional Research Service (CRS)
Corrie E. Clark
Heather L. Greenley,
Bitcoin, Blockchain, and the Energy Sector. Washington, DC. 2019

CRS IV
Congressional Reserch Service (CRS)
Paul Tierno
Cryptocurrency: Selected Policy Issues Congressional Reserch Service CRS Report R47425 Washington, DC. 2023
Boltzmann-Maschine Minsky I 214
Boltzmann-Maschine/verteilter Speicher/Minsky: Wie könnten (...) Empfänger lernen, welche Eingabemuster zu erkennen sind? Eine Möglichkeit wäre der Einsatz einer Art Beweis-Gewichtungsmaschine (...). Problem: [ein solches System] kann immer nur ein Signal zur gleichen Zeit übertragen. Das Problem ist, dass, wenn mehrere Sendeagenten auf einmal geweckt würden, fast alle (...) Verbindungsdrähte aktiviert würden, was dann alle Empfangsagenten wecken und eine Lawine auslösen würde.
I 215
Lösung: Boltzmann-Maschine: Die so genannte Boltzmann-Maschine ähnelt einem Perceptron, da sie über ein automatisches Verfahren zum Erlernen neuer Verbindungsgewichte verfügt, aber sie hat auch eine gewisse Fähigkeit, Mehrdeutigkeiten durch eine Vielzahl von Ringschlussverfahren aufzulösen. Bei der Entwicklung (...) geschickter Methoden zur Reduzierung der Anzahl der Verbindungsdrähte haben die meisten Forscher vorgeschlagen, die Verbindungen nach dem Zufallsprinzip zu verdrahten, so dass kein Signal auf einem bestimmten Draht für sich allein genommen irgendeine Bedeutung hat, sondern nur ein Fragment jeder von vielen nicht zusammenhängenden Aktivitäten darstellt. >Neuronale Netze, >Künstliche Neuronale Netze.
Mikroneme: Die Verbindungsleitungen selbst werden unsere Mikroneme darstellen!
>Terminologie/Minsky.

Minsky I
Marvin Minsky
The Society of Mind New York 1985

Minsky II
Marvin Minsky
Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003
Chinesische Geschichte Mokyr Mokyr I 4
Chinesische Geschichte/Chinesische Wirtschaft/Mokyr/Tabellini: Obwohl das Wachstum der Clans in China ein allmählicher, von unten nach oben verlaufender Prozess war und sich nur schwer zeitlich genau einordnen lässt, herrscht allgemein Einigkeit darüber, dass sich Clans während und nach der Song-Dynastie, an der Wende zum ersten Jahrtausend n. Chr., als wichtige soziale Organisation unter den einfachen Bürgern verbreiteten und in den folgenden Jahrhunderten weiter expandierten. Anfangs konzentrierten sich die Aktivitäten der Clans auf die Stärkung des Gruppenbewusstseins durch Ahnenverehrung, entwickelten sich dann aber weiter, um ihren Mitgliedern eine Vielzahl von Clubgütern und lokalen öffentlichen Gütern zur Verfügung zu stellen, wie z. B. religiöse Riten zur Verehrung gemeinsamer Vorfahren, gemeinsame Schulen und Bildung, Risikoteilung durch Unterstützung von Witwen und Waisen und, wenn nötig, Schutz vor Banditen oder Piraten. In den Jahrhunderten nach der Song-Dynastie entwickelten sich die Aktivitäten der Clans weiter. Sie förderten den sozialen Status und das Wohlergehen ihrer Mitglieder, organisierten Märkte, arbeiteten mit Staatsbeamten bei der öffentlichen Verwaltung zusammen, schlichteten Handelsstreitigkeiten und fungierten als politische Lobbyisten. Mit den Worten von Ebrey (1986, S. 55-56)(1): „Um große Ländereien organisierte Sippen scheinen die funktionalen Nachfolger von Gemeinschaftsfamilien zu sein. Wie Gemeinschaftsfamilien übten sie erhebliche Kontrolle über Einzelpersonen aus, regelten deren Zugang zu materiellen Gütern und fungierten als soziale und politische Einheit in der größeren Gesellschaft.“ Selbst wenn sie kein gemeinschaftliches Eigentum besaßen, waren Sippen wichtige und flexible Organisationen, die für eine Gemeinschaft das produzierten, was Einzelpersonen nicht für sich selbst bereitstellen konnten.
Clans leisteten jedoch mehr als nur die Bereitstellung lokaler öffentlicher Güter und Zusammenarbeit; sie wurden zu einer Säule der lokalen öffentlichen Verwaltung, spielten eine zentrale Rolle bei der Armenfürsorge und der Steuererhebung und ergänzten staatliche Maßnahmen auf lokaler Ebene (ohne jedoch über eine selbstverwaltete Autonomie über ein territoriales Hoheitsgebiet zu verfügen).
Mokyr I 5
Neuere wissenschaftliche Untersuchungen haben die zentrale Bedeutung des Clans als wichtigste Einheit der sozialen Organisation in China bestätigt.* >Chinesische Wirtschaft, >Clans.
[Im Gegensatz zur Entwicklung in China]:
Europa: Auch in Europa verbreiteten sich nach der Jahrtausendwende Unternehmensgruppen, um denselben grundlegenden sozialen Bedürfnissen gerecht zu werden wie die chinesischen Abstammungsorganisationen: Sie leisteten gegenseitige Hilfe und teilten Risiken, koordinierten den Schutz vor externen Bedrohungen, übten religiöse Funktionen aus, hielten gemeinsame Rituale ab, um die kollektive Identität zu stärken, überwachten das „gute Verhalten” ihrer Mitglieder, sorgten für Bestattungen, setzten Verträge durch, schritten zur Konfliktlösung ein, halfen bei der Bereitstellung von Bildung und Ausbildung und erleichterten die Finanzierung von Produktions- und Handelsunternehmen.
Viele europäische Unternehmensorganisationen entstanden im Mittelalter. Zu den frühesten gehörten Klöster und Konvente, die bereits in merowingischer Zeit verbreitet waren. Die Kirche selbst kann in vielerlei Hinsicht als „Mega-Unternehmen” angesehen werden. Universitäten entstanden später, sollten sich jedoch zu einem ungewöhnlich markanten und tragfähigen Beispiel für Unternehmen entwickeln.
>Unternehmen, >Christliche Kirche, >Europa.
Mokyr I 10
Politische Einigung: (…) China erreichte schon früh eine Vereinigung, während Europa viel länger politisch zersplittert blieb. Europa: Wie von vielen Wissenschaftlern anerkannt, ist ein wesentliches Merkmal der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Europas sein Polyzentrismus und seine politische Fragmentierung. Laut Mokyr (2016)(3) geht diese These auf David Hume und Immanuel Kant zurück und steht seitdem im Mittelpunkt des modernen Denkens von Ökonomen und Politikwissenschaftlern (Jones, 1981(4); Bernholz, Streit und Vaubel, 1998(5); Karayalçin, 2008(6)).
Mokyr I 11
China: Im Gegensatz dazu gelang China schon früh die Vereinigung, was eine starke Konzentration der Staatsgewalt ermöglichte, bevor Gegenkräfte entstehen konnten.
Mokyr I 12
Fragmentierung/geografische Faktoren: Einheit und Fragmentierung sind jedoch endogene Ergebnisse. Welche Faktoren sind für diese gegensätzlichen Entwicklungen in China und Europa verantwortlich? Einige Wissenschaftler verweisen auf die Geografie und insbesondere auf die von Diamond (1997)(7) populär gemachte und von Fernández-Villaverde et al. (2023)(8) quantitativ untersuchte Hypothese des „zerklüfteten Landes”. Das Gelände Europas ist zerklüftet und durch Berge und andere natürliche Barrieren unterbrochen. Auch China hat hohe Gebirgsketten, aber seine weite und fruchtbare Ebene zwischen zwei schiffbaren Flüssen hat wohl die Vereinigung unter einem großen Reich erleichtert. Dank seiner schiffbaren Flüsse ist China auch besser vernetzt als Europa, was sich in einer geringeren genetischen Variation und einer geringeren sprachlichen Heterogenität Chinas widerspiegelt (Scheidel 2019)(9). Ko et al. (2018)(10) und Scheidel (2019)(9) weisen auch darauf hin, dass die externen Bedrohungen Chinas während eines Großteils seiner Geschichte meist aus einer Richtung kamen: von den Nomaden im Norden. Auch diese Besonderheit trug dazu bei, eine Fragmentierung zu vermeiden, da die Truppen nahe der nördlichen Grenze stationiert werden konnten. Europa hingegen war externen Konflikten aus mehreren Richtungen ausgesetzt, was die Bildung starker Militärblöcke in verschiedenen geografischen Gebieten begünstigte.
>Geografische Faktoren.
Mokyr I 42
Städte: Während des größten Teils ihrer Geschichte wurden chinesische Städte von den zentral kontrollierten Verwaltungen der Landkreise, in denen sie lagen, regiert. Wie Weber (1958)(11) feststellte, verzichtete die kaiserliche Verwaltung, um das Risiko einer politischen Fragmentierung zu vermeiden, darauf, chinesischen Städten den Status exklusiver territorialer Einheiten zu verleihen (Stadtbezirke waren die wichtigste Verwaltungseinheit unterhalb der Landkreisebene), und Städte verfügten über keine eigenen Streitkräfte. Zur Zeit der Song-Dynastie wurden die meisten lokalen öffentlichen Güter in städtischen Gebieten, wie Feuerwachen, Waisenhäuser, Hospize, Krankenhäuser und andere öffentliche Dienstleistungen, von der Zentralverwaltung kontrolliert und finanziert, und die Stadtverwaltung lag in den Händen von Staatsbeamten, die für die Verwaltung der Region zuständig waren (Eberhard, 1956)(12). Als die Leistungsfähigkeit des Staates in der Ming- und Qing-Zeit abnahm, übernahmen nichtstaatliche Vereinigungen informell viele dieser öffentlichen Dienstleistungen, und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden viele oder sogar die meisten städtischen Dienstleistungen informell von Zünften und Heimatvereinen erbracht und aus Beiträgen oder aus dem Vermögen dieser Vereinigungen finanziert (Skinner 1977(13), S. 548-51).

* Shiue und Keller (2023)(2) beispielsweise zeigen anhand der Gewalt während der Ming- und Qing-Dynastien als plausibel exogenem Behandlungseffekt, dass Claneffekte beim Erwerb von Humankapital für die Reaktion auf den Schock von zentraler Bedeutung waren. Sie verwenden Daten zu mehreren Generationen von 500 Paaren aus Tongcheng, einem Landkreis in der chinesischen Provinz Anhui, und zeigen, dass gruppenbezogene Effekte, die auf Verwandtschaft basieren, größer sind als gruppenbezogene Effekte, die auf Dörfern basieren.

1. Ebrey, Patricia Buckley. 1986. "The Early Stages in the Development of Descent Group Organization" in Ebrey, Patricia Buckley and James L. Watson, eds., Kinship Organization in Late Imperial China 1000-1940. Taipei, Taiwan: SMC Publishing Inc., pp. 16-61.
2. Shiue, Carol and Wolfgang Keller. 2023. “Human Capital Strategies for Big Shocks: The Case of
the Fall of the Ming.” Unpublished working paper.
3. Mokyr, Joel. 2016. A Culture of Growth. Princeton, NJ: Princeton University Press.
4. Jones, Eric L. 1981. The European Miracle. Cambridge: Cambridge University Press.
5. Bernholz, Peter, Manfred Streit, and Roland Vaubel, eds. 1998. Political Competition, Innovation,
and Growth. Berlin: Springer.
6. Karayalçin, Cem. 2008. “Divided we Stand, United we Fall: the Hume-North- Jones Mechanism for
the Rise of Europe.” International Economic Review, Vol. 49, No. 3, pp. 973–99.
7. Diamond, Jared. 1997. Guns, Germs and Steel: The Fates of Human Societies. New York: Norton.
8. Fernández-Villaverde, Jesús, Mark Koyama, Youhong Lin and Tuan-Hwee Sng. 2020. “Fractured Land and Political Fragmentation.” Working Paper.
9. Scheidel, Walter. 2019. Escape from Rome: The Failure of Empire and the Road to Prosperity.
Princeton: Princeton University Press.
10. Ko, Chiu Yu, Koyama, Mark and Sng, Tuan-Hwee. 2018. “Unified China and Divided Europe,"
International Economic Review, February, Vol.59, No. 1, pp. 285-327.
11. Weber, Max .1958. The City. Glencoe, IL: Free Press
12. Eberhard, Wolfram. 1956. “Data on the Structure of the Chinese City in the Pre-Industrial Period.”
Economic Development and Cultural Change, Vol. 4, pp. 253-68
13. Skinner, George W., and Hugh Baker D. R. 1977. The City in Late Imperial China. Stanford:
Stanford University Press.

Mokyr I
Joel Mokyr
Guido Tabellini
Social Organizations and Political Institutions: Why China and Europe Diverged CESifo Working Paper No. 10405 Munich May 2023
Chinesische Geschichte Tabellini Mokyr I 4
Chinesische Geschichte/Chinesische Wirtschaft/Mokyr/Tabellini: Obwohl das Wachstum der Clans in China ein allmählicher, von unten nach oben verlaufender Prozess war und sich nur schwer zeitlich genau einordnen lässt, herrscht allgemein Einigkeit darüber, dass sich Clans während und nach der Song-Dynastie, an der Wende zum ersten Jahrtausend n. Chr., als wichtige soziale Organisation unter den einfachen Bürgern verbreiteten und in den folgenden Jahrhunderten weiter expandierten. Anfangs konzentrierten sich die Aktivitäten der Clans auf die Stärkung des Gruppenbewusstseins durch Ahnenverehrung, entwickelten sich dann aber weiter, um ihren Mitgliedern eine Vielzahl von Clubgütern und lokalen öffentlichen Gütern zur Verfügung zu stellen, wie z. B. religiöse Riten zur Verehrung gemeinsamer Vorfahren, gemeinsame Schulen und Bildung, Risikoteilung durch Unterstützung von Witwen und Waisen und, wenn nötig, Schutz vor Banditen oder Piraten. In den Jahrhunderten nach der Song-Dynastie entwickelten sich die Aktivitäten der Clans weiter. Sie förderten den sozialen Status und das Wohlergehen ihrer Mitglieder, organisierten Märkte, arbeiteten mit Staatsbeamten bei der öffentlichen Verwaltung zusammen, schlichteten Handelsstreitigkeiten und fungierten als politische Lobbyisten. Mit den Worten von Ebrey (1986, S. 55-56)(1): „Um große Ländereien organisierte Sippen scheinen die funktionalen Nachfolger von Gemeinschaftsfamilien zu sein. Wie Gemeinschaftsfamilien übten sie erhebliche Kontrolle über Einzelpersonen aus, regelten deren Zugang zu materiellen Gütern und fungierten als soziale und politische Einheit in der größeren Gesellschaft.“ Selbst wenn sie kein gemeinschaftliches Eigentum besaßen, waren Sippen wichtige und flexible Organisationen, die für eine Gemeinschaft das produzierten, was Einzelpersonen nicht für sich selbst bereitstellen konnten.
Clans leisteten jedoch mehr als nur die Bereitstellung lokaler öffentlicher Güter und Zusammenarbeit; sie wurden zu einer Säule der lokalen öffentlichen Verwaltung, spielten eine zentrale Rolle bei der Armenfürsorge und der Steuererhebung und ergänzten staatliche Maßnahmen auf lokaler Ebene (ohne jedoch über eine selbstverwaltete Autonomie über ein territoriales Hoheitsgebiet zu verfügen).
Mokyr I 5
Neuere wissenschaftliche Untersuchungen haben die zentrale Bedeutung des Clans als wichtigste Einheit der sozialen Organisation in China bestätigt.* >Chinesische Wirtschaft, >Clans.
[Im Gegensatz zur Entwicklung in China]:
Europa: Auch in Europa verbreiteten sich nach der Jahrtausendwende Unternehmensgruppen, um denselben grundlegenden sozialen Bedürfnissen gerecht zu werden wie die chinesischen Abstammungsorganisationen: Sie leisteten gegenseitige Hilfe und teilten Risiken, koordinierten den Schutz vor externen Bedrohungen, übten religiöse Funktionen aus, hielten gemeinsame Rituale ab, um die kollektive Identität zu stärken, überwachten das „gute Verhalten” ihrer Mitglieder, sorgten für Bestattungen, setzten Verträge durch, schritten zur Konfliktlösung ein, halfen bei der Bereitstellung von Bildung und Ausbildung und erleichterten die Finanzierung von Produktions- und Handelsunternehmen.
Viele europäische Unternehmensorganisationen entstanden im Mittelalter. Zu den frühesten gehörten Klöster und Konvente, die bereits in merowingischer Zeit verbreitet waren. Die Kirche selbst kann in vielerlei Hinsicht als „Mega-Unternehmen” angesehen werden. Universitäten entstanden später, sollten sich jedoch zu einem ungewöhnlich markanten und tragfähigen Beispiel für Unternehmen entwickeln.
>Unternehmen, >Christliche Kirche, >Europa.
Mokyr I 10
Politische Einigung: (…) China erreichte schon früh eine Vereinigung, während Europa viel länger politisch zersplittert blieb. Europa: Wie von vielen Wissenschaftlern anerkannt, ist ein wesentliches Merkmal der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Europas sein Polyzentrismus und seine politische Fragmentierung. Laut Mokyr (2016)(3) geht diese These auf David Hume und Immanuel Kant zurück und steht seitdem im Mittelpunkt des modernen Denkens von Ökonomen und Politikwissenschaftlern (Jones, 1981(4); Bernholz, Streit und Vaubel, 1998(5); Karayalçin, 2008(6)).
Mokyr I 11
China: Im Gegensatz dazu gelang China schon früh die Vereinigung, was eine starke Konzentration der Staatsgewalt ermöglichte, bevor Gegenkräfte entstehen konnten.
Mokyr I 12
Fragmentierung/geografische Faktoren: Einheit und Fragmentierung sind jedoch endogene Ergebnisse. Welche Faktoren sind für diese gegensätzlichen Entwicklungen in China und Europa verantwortlich? Einige Wissenschaftler verweisen auf die Geografie und insbesondere auf die von Diamond (1997)(7) populär gemachte und von Fernández-Villaverde et al. (2023)(8) quantitativ untersuchte Hypothese des „zerklüfteten Landes”. Das Gelände Europas ist zerklüftet und durch Berge und andere natürliche Barrieren unterbrochen. Auch China hat hohe Gebirgsketten, aber seine weite und fruchtbare Ebene zwischen zwei schiffbaren Flüssen hat wohl die Vereinigung unter einem großen Reich erleichtert. Dank seiner schiffbaren Flüsse ist China auch besser vernetzt als Europa, was sich in einer geringeren genetischen Variation und einer geringeren sprachlichen Heterogenität Chinas widerspiegelt (Scheidel 2019)(9). Ko et al. (2018)(10) und Scheidel (2019)(9) weisen auch darauf hin, dass die externen Bedrohungen Chinas während eines Großteils seiner Geschichte meist aus einer Richtung kamen: von den Nomaden im Norden. Auch diese Besonderheit trug dazu bei, eine Fragmentierung zu vermeiden, da die Truppen nahe der nördlichen Grenze stationiert werden konnten. Europa hingegen war externen Konflikten aus mehreren Richtungen ausgesetzt, was die Bildung starker Militärblöcke in verschiedenen geografischen Gebieten begünstigte.
>Geografische Faktoren.
Mokyr I 42
Städte: Während des größten Teils ihrer Geschichte wurden chinesische Städte von den zentral kontrollierten Verwaltungen der Landkreise, in denen sie lagen, regiert. Wie Weber (1958)(11) feststellte, verzichtete die kaiserliche Verwaltung, um das Risiko einer politischen Fragmentierung zu vermeiden, darauf, chinesischen Städten den Status exklusiver territorialer Einheiten zu verleihen (Stadtbezirke waren die wichtigste Verwaltungseinheit unterhalb der Landkreisebene), und Städte verfügten über keine eigenen Streitkräfte. Zur Zeit der Song-Dynastie wurden die meisten lokalen öffentlichen Güter in städtischen Gebieten, wie Feuerwachen, Waisenhäuser, Hospize, Krankenhäuser und andere öffentliche Dienstleistungen, von der Zentralverwaltung kontrolliert und finanziert, und die Stadtverwaltung lag in den Händen von Staatsbeamten, die für die Verwaltung der Region zuständig waren (Eberhard, 1956)(12). Als die Leistungsfähigkeit des Staates in der Ming- und Qing-Zeit abnahm, übernahmen nichtstaatliche Vereinigungen informell viele dieser öffentlichen Dienstleistungen, und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden viele oder sogar die meisten städtischen Dienstleistungen informell von Zünften und Heimatvereinen erbracht und aus Beiträgen oder aus dem Vermögen dieser Vereinigungen finanziert (Skinner 1977(13), S. 548-51).

* Shiue und Keller (2023)(2) beispielsweise zeigen anhand der Gewalt während der Ming- und Qing-Dynastien als plausibel exogenem Behandlungseffekt, dass Claneffekte beim Erwerb von Humankapital für die Reaktion auf den Schock von zentraler Bedeutung waren. Sie verwenden Daten zu mehreren Generationen von 500 Paaren aus Tongcheng, einem Landkreis in der chinesischen Provinz Anhui, und zeigen, dass gruppenbezogene Effekte, die auf Verwandtschaft basieren, größer sind als gruppenbezogene Effekte, die auf Dörfern basieren.

1. Ebrey, Patricia Buckley. 1986. "The Early Stages in the Development of Descent Group Organization" in Ebrey, Patricia Buckley and James L. Watson, eds., Kinship Organization in Late Imperial China 1000-1940. Taipei, Taiwan: SMC Publishing Inc., pp. 16-61.
2. Shiue, Carol and Wolfgang Keller. 2023. “Human Capital Strategies for Big Shocks: The Case of
the Fall of the Ming.” Unpublished working paper.
3. Mokyr, Joel. 2016. A Culture of Growth. Princeton, NJ: Princeton University Press.
4. Jones, Eric L. 1981. The European Miracle. Cambridge: Cambridge University Press.
5. Bernholz, Peter, Manfred Streit, and Roland Vaubel, eds. 1998. Political Competition, Innovation,
and Growth. Berlin: Springer.
6. Karayalçin, Cem. 2008. “Divided we Stand, United we Fall: the Hume-North- Jones Mechanism for
the Rise of Europe.” International Economic Review, Vol. 49, No. 3, pp. 973–99.
7. Diamond, Jared. 1997. Guns, Germs and Steel: The Fates of Human Societies. New York: Norton.
8. Fernández-Villaverde, Jesús, Mark Koyama, Youhong Lin and Tuan-Hwee Sng. 2020. “Fractured Land and Political Fragmentation.” Working Paper.
9. Scheidel, Walter. 2019. Escape from Rome: The Failure of Empire and the Road to Prosperity.
Princeton: Princeton University Press.
10. Ko, Chiu Yu, Koyama, Mark and Sng, Tuan-Hwee. 2018. “Unified China and Divided Europe,"
International Economic Review, February, Vol.59, No. 1, pp. 285-327.
11. Weber, Max .1958. The City. Glencoe, IL: Free Press
12. Eberhard, Wolfram. 1956. “Data on the Structure of the Chinese City in the Pre-Industrial Period.”
Economic Development and Cultural Change, Vol. 4, pp. 253-68
13. Skinner, George W., and Hugh Baker D. R. 1977. The City in Late Imperial China. Stanford:
Stanford University Press.

EconTabell I
Guido Tabellini
Torsten Persson
The size and scope of government: Comparative politics with rational politicians 1999

Mokyr I
Joel Mokyr
Guido Tabellini
Social Organizations and Political Institutions: Why China and Europe Diverged CESifo Working Paper No. 10405 Munich May 2023
Chinesische Wirtschaft Tabellini Mokyr I 43
Chinesische Wirtschaft/Europa/Mokyr/Tabellini: Die Unterschiede in den politischen Institutionen Chinas und Westeuropas waren auf eine Vielzahl sich ergänzender Faktoren zurückzuführen. Historische Umstände führten zu einer frühen Zentralisierung der Staatsgewalt in China, während Europa lange Zeit fragmentiert blieb. Diese anfänglichen Unterschiede zwischen China und Europa wurden jedoch durch die interne Struktur ihrer Gesellschaften noch verstärkt. Soziale Organisationen prägten die staatlichen Institutionen auf vielfältige Weise.
Unterschiede zwischen China und Europa:
Erstens waren europäische Organisationen territorial organisiert, und einige von ihnen hatten die ausschließliche Kontrolle über ihr Territorium. Dies galt für die Landadeligen während des Feudalismus, aber auch für selbstverwaltete Städte und kirchliche Strukturen, als der Feudalismus nachließ. Diese Organisationen schufen starke Gegenkräfte, mit denen die europäischen Herrscher in den frühen Phasen der Staatsbildung verhandeln mussten.
China: Die chinesische Gesellschaft war hingegen um Abstammungslinien herum organisiert, und mehrere Merkmale dieser dynastischen Organisationen machten sie schwächer als ihre europäischen Pendants.
Mokyr I 44
Auch aus diesem Grund waren die Machtverhältnisse zwischen Herrschern und anderen sozialen Gruppen in China im Vergleich zu Europa asymmetrischer. Zweitens schuf die Art und Weise, wie die Zusammenarbeit in Europa aufrechterhalten wurde, einen Bedarf an externer Rechtsdurchsetzung, was wiederum die Entwicklung der Rechtsinstitutionen beeinflusste.
Die europäischen Staatsstrukturen entwickelten sich gemeinsam mit ihren Rechtsinstitutionen weiter, wodurch das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit an Bedeutung gewann.
China: In China hingegen waren Abstammungsorganisationen wirksame Ersatzinstitutionen für den Staat bei der Streitbeilegung, was sich in der Entwicklung des chinesischen Rechtssystems widerspiegelte.
Drittens prägten die innerhalb sozialer Organisationen angewandten Governance-Prinzipien die Entwicklung politischer Gremien.
In Europa wurden Verfahren, die ursprünglich zur Regulierung kollektiver Entscheidungen innerhalb von Unternehmen entstanden waren, zunächst auf kirchliche Organisationen und dann auf die entstehenden staatlichen Institutionen übertragen. Diese Governance-Prinzipien prägten auch Vorstellungen von Fairness und Legitimität, die von den europäischen Herrschern nicht ignoriert werden konnten.
[Einige Einzelheiten]:
Mokyr I 3
Netzwerk-Homophilie/Mokry/Tabellini: Soziale Organisationen können als soziale Netzwerke betrachtet werden, d. h. als Gruppen von Menschen, die regelmäßig miteinander interagieren und in bestimmten Bereichen zusammenarbeiten. Welche sozialen Netzwerke sich eher bilden, hängt von den vorherrschenden Homophilie-Kriterien ab, d. h. davon, mit wem Menschen lieber interagieren (Jackson 2008)(1). Dies wiederum wird durch Wertesysteme und kulturelle Merkmale geprägt. Traditionell haben enge Beziehungen zwischen verwandten Personen die Zusammenarbeit innerhalb der Großfamilie erleichtert. Als die sozialen Interaktionen jedoch komplexer wurden, reichte die Zusammenarbeit innerhalb der Familien nicht mehr aus, und es mussten familienübergreifende Vereinbarungen getroffen werden, um die Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten. Auswirkungen auf die Entwicklung der Chinesischen Wirtschaft: Die sozialen Vereinbarungen, die im zweiten Jahrtausend n. Chr. in China und Europa entstanden, unterschieden sich in dieser Hinsicht stark voneinander. In China wurde die Zusammenarbeit zwischen Familien innerhalb von Clans organisiert – patrilinearen Allianzen zwischen Familien, die ihren Ursprung auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführten. In Europa wurden Vereinigungen von nicht miteinander verwandten Personen zum Mittelpunkt der Zusammenarbeit von Personen außerhalb der Familie.
Diese unterschiedlichen Arrangements spiegelten Unterschiede in den Wertesystemen wider. In China betonte die konfuzianische Tradition, die von den kaiserlichen Behörden während der Song-Dynastie und den nachfolgenden Dynastien gefördert wurde, die Ahnenverehrung und starke Verwandtschaftsbeziehungen. Dies wiederum förderte erweiterte Familienstrukturen und
erleichterte die Zusammenarbeit zwischen Nachkommen desselben männlichen Vorfahren. In Europa spielte die katholische Kirche eine wichtige Rolle bei der Umgestaltung der Familienbande hin zur Kernfamilie und bei der Verbreitung eines universalistischen Wertesystems, das von der engen Gemeinschaft von Freunden und Verwandten losgelöst war.
Mokyr I 4
Zwischen dem 6. und 11. Jahrhundert lehnte die kirchliche Lehre Ehen zwischen Cousins und anderen Verwandten entschieden ab, bestand auf der Zustimmung der Frauen zur Eheschließung, riet von Adoptionen und Wiederverheiratungen ab und verbot alle Formen der Polygamie (Henrich, 2020(2); Schulz, 2022(3)). Wie Goody (1983)(4) feststellte, führten diese kirchlichen Richtlinien zu einer Verringerung der Bedeutung der unilinearen Abstammung und zur Auflösung großer Verwandtschaftsgruppen. Dies begünstigte die Entstehung des sogenannten europäischen Heiratsmusters, nämlich ein spätes Heiratsalter, hohe Zölibatraten, Neolokalität (d. h. frisch verheiratete Paare, die alleine leben), Konsensualität und bilineare Abstammungsbräuche (Hajnal 1982)(5). Wie Roland (2020)(6) hervorhebt, wird die Zahl der Vorfahren schnell so groß, wenn die Abstammung symmetrisch von Vater und Mutter bestimmt wird, dass die gemeinsame Abstammung kein brauchbares Kriterium mehr für die Organisation sozialer Netzwerke ist. Infolge dieser unterschiedlichen Traditionen wurde nach dem ersten Jahrtausend n. Chr. in China der auf der Abstammung basierende Clan zur wichtigsten Form der sozialen Organisation, während in Europa die Zusammenarbeit stattdessen durch eine Vielzahl anderer organisatorischer Vereinbarungen zwischen nicht miteinander verwandten Personen erreicht wurde, die wir in Anlehnung an Greif (2006a(7),b(8)) als Körperschaften bezeichnen.
>Körperschaften.

1. Jackson Matthew. 2008. Social and Economic Networks. Princeton, NJ: Princeton University Press
2. Henrich, Joseph. 2020. The WEIRDest People in the World: How the West Became Psychologically
Peculiar and Particularly Prosperous. New York: Farrar Straus and Giroux.
3. Schultz, Jonathan F. 2022. “Kin Networks and Institutional Development.” The Economic Journal,
Vol. 132, No. 647, pp. 2578-2613.
4. Goody, J. 1983. The Development of the Family and Marriage in Europe. Cambridge: Cambridge
University Press.
5. Hajnal, John. 1982. “Two Kinds of Preindustrial Household Formation System.” Population and
Development Review, Vol. 8, No. 3, pp. 449–494.
6. Roland, Gerard. 2020. “The Deep Historical Roots of Modern Culture: A Comparative
Perspective.” Journal of Comparative Economics, Vol. 48, pp. 483-508.
7. Greif, Avner. 2006a. “Family Structure, Institutions, and Growth: The Origins and Implications of
Western Corporations,” American Economic Review, Vol. 96, No. 2, pp. 308-312.
8. Greif, Avner. 2006b. “The Birth of Impersonal Exchange: The Community Responsibility System and
Impartial Justice.” Journal of Economic Perspectives, Vol. 20, No. 2 (Spring), pp. 221–236.

EconTabell I
Guido Tabellini
Torsten Persson
The size and scope of government: Comparative politics with rational politicians 1999

Mokyr I
Joel Mokyr
Guido Tabellini
Social Organizations and Political Institutions: Why China and Europe Diverged CESifo Working Paper No. 10405 Munich May 2023
Definitionen Logik-Texte Hoyningen-Huene II 56
Definition/Wahrheitswert-Tabelle/Junktor/HH: die Tafeln definieren die Junktoren nur, wenn man sie mathematisch auffasst - nicht, wenn man sie extensional auffasst. >Extensionalität, >Wahrheitstafel, >Verknüpfung, >Logische Konstante.
Hoyningen-Huene II 93
Definition/Hoyningen-Huene: synthetisch: hier wird ein Begriff geschaffen (Abkürzung) - kann nicht w/f sein - analytisch: beschreibende oder lexikalische Definition): hier wird ein vorhandener Begriff analysiert - Bsp Junggeselle unverheiratet - Explikation: zwischen analytischer und synthetischer Definition. - Diese kann fruchtbarer sein. >Erklärung, >Analytisch/synthetisch.

Read III 40
Die Definition der Wahrheit ist verschieden von den Adäquatheitsbedingungen.
Re III 265
Tonk/PriorVsBenap: man darf eine Verknüpfung nicht einführen und dann erst Bedeutung festlegen. - Das kann nicht zur Folge haben, dass ein anderes Paar von Aussagen äquivalent ist. - Pointe: "analytische Gültigkeit" kann das nicht zeigen BelnapVsPrior:(pro analytisch Gültigkeit): darf nicht in Existenz hinein definieren, erst zeigen, wie es funktioniert. - > klassische Negation ist illegitim - > negationsfreies Fragment) - (> Peircesches Gesetz.) Wenn P,dann Q oder, wenn Q nur wenn P, dann R.
Salmon IV 252
Einige Wörter müssen auf nichtsprachliche Weise definiert sein
Salmon IV 254
Def Kontextdefinition: viele logische Wörter werden durch Kontextdefinition erklärt. Bsp "Alle F sind G" ist gleich "Nur F sind G" Das ist eine Definition des Worts "nur".
Texte zur Logik
Me I Albert Menne Folgerichtig Denken Darmstadt 1988
HH II Hoyningen-Huene Formale Logik, Stuttgart 1998
Re III Stephen Read Philosophie der Logik Hamburg 1997
Sal IV Wesley C. Salmon Logik Stuttgart 1983
Sai V R.M.Sainsbury Paradoxien Stuttgart 2001

Re III
St. Read
Philosophie der Logik Hamburg 1997

Sal I
Wesley C. Salmon
Logik Stuttgart 1983

Sal II
W. Salmon
The Foundations Of Scientific Inference 1967

SalN I
N. Salmon
Content, Cognition, and Communication: Philosophical Papers II 2007
Definitionen Minsky I 131
Definitionen/Brücken-Definitionen/Minsky: Problem: Zweckdienliche Definitionen sind meist zu locker. Sie umfassen viele Dinge, die wir nicht berücksichtigen möchten. Strukturelle Definitionen sind in der Regel zu eng gefasst. Sie lehnen viele Dinge ab, die wir einbeziehen wollen. Unsere besten Ideen sind oft jene, die eine Brücke zwischen zwei verschiedenen Welten schlagen! Definitionen lernen: Um zu lernen, wie man ein neues oder unbekanntes Wort verwendet, nimmt man es zunächst als Zeichen dafür, dass es im Kopf eines anderen Menschen eine Struktur gibt, die man verwenden könnte. Aber egal, wie sorgfältig es erklärt wird, Sie müssen diesen Gedanken selbst wieder aufbauen, aus Materialien, die sich bereits in Ihrem eigenen Kopf befinden.
Bedeutung: Was man Bedeutungen nennt, entspricht gewöhnlich nicht bestimmten und bestimmten Strukturen, sondern den Verbindungen zwischen und über Fragmente der großen ineinander greifenden Netzwerke von Verbindungen und Zwängen zwischen unseren Agenturen.
>Regeln/Minsky, >Lernen/Minsky, >Bedeutung/Philosophische Theorien, >Beschreibung/Minsky.

Minsky I
Marvin Minsky
The Society of Mind New York 1985

Minsky II
Marvin Minsky
Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003
Diversität (Soziologie) D’Agostino Gaus I 239
Diversität/Pluralismus/D'Agostino: Es wird nützlich sein, zu Beginn die Tatsache der Diversität von der These des Pluralismus zu unterscheiden, oder, genauer gesagt, von verschiedenen pluralistischen Lehren und Argumenten. Die Tatsache der Diversität ist überall in unseren sozialen Welten offensichtlich. Individuen äußern unterschiedliche Präferenzen, vielleicht sogar unterschiedlich "reflektierte" (d.h. gut informierte, sorgfältig überlegte und entsprechend "unparteiische") Urteile, wenn es um die Art und Weise geht, wie ihr persönliches und kollektives Leben organisiert werden soll.
Prinzipien/Rawls: Von besonderer politischer Relevanz ist, wie John Rawls erkannte, die Tatsache, dass Menschen "sich nicht darüber einig sind, welche Prinzipien die grundlegenden Bedingungen ihres Zusammenlebens definieren sollen" (1973(1): 5).
Begriffe/Bedeutung/Walzer: Unterschiedliche Standards für die Bewertung von Optionen sind auch in verschiedenen sozialen Bereichen aktuell (Walzer, 1983(2)), was unter anderem bedeutet, dass sogar die Einstellungen eines bestimmten Individuums möglicherweise nicht in allen Bereichen stabil sind, in denen es Gelegenheit hat, Rollen auszuüben.
Ethik/Nagel: Von besonderer politischer Relevanz ist die Tatsache, dass, wie Thomas Nagel feststellte, "Konflikte zwischen persönlichen und unpersönlichen [ethischen] Ansprüchen allgegenwärtig sind" und "nicht dadurch gelöst werden können, dass man einen der beiden Gesichtspunkte unter den anderen oder beide unter einen dritten subsumiert" (1979(3): 134).
Probleme: Nehmen wir z.B. an, dass A X gegenüber Y und B Y gegenüber X vorzieht, dass aber A und B eine kollektiv verbindliche Wahl zwischen diesen beiden Optionen treffen müssen. Oder überlegen Sie, was passieren könnte, wenn A, der vielleicht als Vertreter eines Kollektivs handelt, sich in einer Situation befindet, in der nach einem für seine Wahl relevanten Kriterium X gegenüber Y vorzuziehen ist, während nach einem anderen, ebenfalls relevanten Kriterium Y gegenüber X vorzuziehen ist.
Tragisches Dilemma/Nozick/Benn/Nussbaum: In einigen Fällen, z.B. wenn die entscheidungsrelevanten Kriterien aus verschiedenen Bereichen stammen und als "Nebenbedingungen" für das Handeln (Nozick, 1974)(4) und nicht als zu maximierende Werte mit "Kompromissen" konstituiert werden, kann A vor einem "tragischen Dilemma" stehen, wie es von Theoretikern wie Stanley Benn (1988)(5) und Martha Nussbaum (1986)(6) analysiert wird.
Vgl. >Konflikte/Tetlock,
Gaus I 240
Diversität/Pluralismus/D'Agostino: Diversität ist also ein bekanntes Phänomen mit einer gewissen potentiellen Relevanz für die politische Theorie und Praxis. Pluralismus hingegen ist in Thesen und Argumenten über dieses Phänomen verankert. >Pluralismus/D'Agostino.
1. Rawls, John (1973) A Theory of Justice. Oxford: Oxford Umversity Press.
2. Walzer, Michael (1983) Spheres of Justice: A Defense of
Pluralism and Equality. Oxford: Blackwell.
3. Nagel, Thomas (1979) 'The fragmentation of value'. In Alan Ryan, Hrsg., The Idea of Freedom. Oxford: Oxford University Press.
4. Nozick, Robert (1974) Anarchy, State and Utopia. Oxford: Blackwell.
5. Benn, Stanley (1988) A Theory of Freedom. Cambridge: Cambridge University Press.
6. Nussbaum, Martha (1986) The Fragility of Goodness. Cambridge: Cambridge University Press.

D’Agostino, Fred 2004. „Pluralism and Liberalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Erkenntnistheorie McGinn I 11f
Erkenntnistheorie/McGinn These: nicht, weil philosophische Fragen zutiefst problematische, sonderbare Wesenheiten oder Fakten betreffen, stellt sich philosophische Verwirrung ein, sondern weil unserem Erkenntnisvermögen bestimmte Grenzen innewohnen. TN/"Prinzip der kognitiven Spezifität"/McGinn: unerlässliches Hintergrundprinzip: jedes erkennende Wesen irdischer Art (nicht etwa göttlicher Art) legt Bereiche starken und schwachen Erkenntnisvermögens an den Tag, die letzten Endes von der biologischen Ausstattung abhängen.
>Terminologie/McGinn.
I 121f
D.h. es gibt wahrscheinlich nicht so etwas wie "allgemeine Intelligenz". >Psychologische Theorien über Intelligenz.
Demnach ist systematisches Versagen auf einem Gebiet nicht von den Objekten abhängig.
Das meiste, wovon wir uns aufgrund unserer Anlagen ein Bild machen können, hat keine semantischen Eigenschaften.
Das Problem der Erkenntnis erinnert an das Problem der Willensfreiheit, die ebenfalls eine Art Reizunabhängigkeit besitzt. Entscheidungen kommen aus eigenem Antriebe auf die Welt, sie sind nicht bloße Wirkungen.
I 153
Erkenntnis a priori/McGinn: leitet sich nicht aus einem kausalen Input-Output-Verhältnis her, und lässt die Wahrnehmungssysteme außer acht. Und zwar nicht, weil die Reize schwach wären. >a priori/McGinn.
Es ist gleichzeitig die Erkenntnis des Solipsisten, die jedem mit ausreichender innerer Kraft versehenen Geist zu Gebote stehen.
I 178
Willensfreiheit/Erkenntnis/McGinn: verwandte Probleme: Sprünge und Unstetigkeiten, fragmentarische Daten bauen ein reichhaltiges Wissenssystem auf, die Inputwerte bestimmen in keinem Fall eindeutig den Schlusszustand. >Willensfreiheit.
I 222
Erkenntnispluralismus: lässt vermuten, dass es nicht so ist, als enthielte die menschliche Vernunft nun gar nichts, was geeignet wäre, philosophische Probleme zu lösen. Geheimnisse sind jeweils nur für ein bestimmtes Vermögen Geheimnisse. Vielleicht gibt es gewisse Vermögen, die philosophisch begabter sind, als unsere bewusste Vernunft.

McGinn I
Colin McGinn
Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996

McGinn II
C. McGinn
Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001
Experimente Aronson Haslam I 246
Experiment/Stereotypen/Aronson, Joshua/Steele: A.
In einer ersten Studie (Steele und Aronson, 1995(1)) mussten 117 schwarze und weiße Universitätsstudenten (männlich und weiblich) einen mündlichen Test zusammen mit drei Anagrammproblemen absolvieren.
Bevor sie diesen Test durchführten, wurden die Teilnehmer zufällig einem von drei Rahmenbedingungen zugewiesen, welchen sie für diese Aufgabe hören sollten.
>Stereotype threat/Aronson/Steele.
1) Im Rahmen des "diagnostischen Tests" (DT) lernten die Teilnehmer, dass sich die Studie mit "verschiedenen persönlichen Faktoren, welche an der Leistung bei Problemen, die Lese- und sprachlogische Fähigkeiten erfordern, beteiligt sind", auseinandersetzt (S. 799). Es wird ein Feedback gegeben, das "Ihnen helfen könnte, indem es Sie mit einigen Ihrer Stärken und Schwächen vertraut macht" (1995, S. 799) bei der verbalen Problemlösung. Die Testschwierigkeit wurde als Mittel gerechtfertigt, um "einen ernsthaften Test Ihrer verbalen Fähigkeiten und Einschränkungen, mit welchem wir die Faktoren, die an beiden beteiligt sind, besser verstehen können", zu stellen (S. 799). Die Annahme, die diese Bedingung untermauert, ist, dass jede Erinnerung an intellektuelle Tests Erinnerungen an die rassischen Stereotypen über intellektuelle Fähigkeiten unter den schwarzen Teilnehmern hervorrufen würde, die ihre Leistung untergraben würden.
2) Zwei "Nicht-diagnostische Tests" (ND) wurden entwickelt, um diese Prozesse zu neutralisieren, indem
Haslam I 247
der Sinn der Studie als Möglichkeit dargestellt wurde, "psychologischen Faktoren, die bei der Lösung verbaler Probleme eine Rolle spielen", besser zu verstehen (S. 799). a) Es wird ein Feedback gegeben, um die Teilnehmer mit Problemen vertraut zu machen, die bei zukünftigen Tests, an welchen sie eventuell teilnehmen werden, auftreten können" (S. 799).
b) die herausfordernde Natur der Probleme in Hinblick auf einen Forschungsschwerpunkt auf schwierige verbale Probleme im nicht-diagnostischen Zustand gerechtfertigt und darauf begründet wurde, "hochverbalen Menschen... eine mentale Herausforderung" (S. 799) in der nicht-diagnostischen Aufgabe (engl.: non-diagnostic challenge) (NDC) zu geben.
Ergebnisse: Analysen der Leistung ergaben lediglich vorläufige Beweise, welche die Theorie unterstützten. Gezielte Analysen der Leistung der schwarzen Teilnehmer deuteten nach der Kontrolle der SAT-Ergebnisse darauf hin, dass die schwarzen Schüler im diagnostischen Zustand signifikant schlechter abschnitten als in einem der beiden nicht-diagnostischen Zustände. Im Vergleich dazu war die Leistung der weißen Schüler von der Art und Weise, wie die Aufgabe beschrieben wurde, relativ unbeeinflusst. Jedoch war der kritische statistische Test der Interaktion der Rasse durch Testbeschreibung nicht signifikant (S. 19).
B.
Eine zweite Studie versuchte, den Effekt zu replizieren und die Rolle der Angst bei der Erklärung dieser Leistungseinschränkungen zu untersuchen. 20 schwarze und 20 weiße weibliche Teilnehmer wurden den gleichen nicht-diagnostischen und diagnostischen Testbedingungen zugeordnet, die in Studie A verwendet wurden, und verbrachten 25 Minuten damit, den gleichen 30-Item GRE-Test zu lösen, der in der Vorstudie verwendet wurde. Die Teilnehmer berichteten zudem selbst über ihr Angstniveau. In dieser Studie war die vorhergesagte Interaktion signifikant: Wenn sie für verbale SAT (Scholastic Assessment Test) Ergebnisse kontrolliert wurden, lösten schwarze Teilnehmer im diagnostischen Testrahmenzustand weniger Einheiten korrekt, waren weniger genau bei den Fragen, die sie abgeschlossen hatten, lösten weniger Probleme und waren tendenziell langsamer als Teilnehmer unter allen anderen Bedingungen. Es gab jedoch keine Unterschiede zwischen den Bedingungen bezüglich der Angst.
C.
Studie 3 wurde entworfen, um drei Implikationen der Theorie zu testen: dass schwarze Studenten, die einen diagnostischen (vs. nicht-diagnostischen) Test durchführen
(a) eine erhöhte Aktivierung negativer rassischer Stereotypen und Selbstzweifel aufweisen,
(b) sich von schwarzen Stereotypen distanzieren und
c) eine Tendenz zur Selbstbeeinträchtigung aufweisen, indem sie präventive Ausreden für schlechte Leistungen finden.
35 schwarze und 33 weiße Schüler wurden zufällig einem diagnostischen Testrahmen, einem nicht-diagnostischen Testrahmen oder einer Kontrollbedingung zugeordnet, bei der die Teilnehmer die kritische abhängige Maßnahme abgeschlossen haben, ohne zu erwarten, an einen Test irgendeiner Art teilzunehmen. Die Testleistung wurde nicht bewertet.
Die Vermeidung von Stereotypen wurde bewertet, indem die Teilnehmer eine Reihe von Aktivitäten und Persönlichkeitsmerkmalen bewerteten, von denen einige mit schwarzen Stereotypen in Verbindung standen.
Haslam I 248
Ergebnisse: Die Ergebnisse dieser Studie lieferten Beweise dafür, dass die Antizipation der Leistung bei einem diagnostischen Test eine Vielzahl von psychologischen Implikationen für schwarze, nicht aber für weiße Schüler hatte. Kontrolliert nach den verbalen SAT-Ergebnisse (Scholastic Assessment Test) zeigte sich, dass die schwarzen Teilnehmer, die einen Diagnosetest erwarteten, Wortfragmente eher mit rassenbezogenen (...) und selbstzweifelbehafteten (...) Wörtern vervollständigten als die schwarzen Teilnehmer in den anderen Bedingungen (und eher als die weißen Teilnehmer in den diagnostischen Bedingungen). Es war bei diesen Teilnehmern zudem deutlich wahrscheinlicher, dass sie es vermeiden würden, stereotype Aktivitäten und Eigenschaften zu unterstützen.
D.
In einer vierten Studie musste die Hälfte der Teilnehmer ihre Rasse angeben, die andere Hälfte nicht.
Ergebnis: Schwarze Teilnehmer in der Race Prime Condition beantworteten deutlich weniger Items korrekt als die Teilnehmer in allen anderen Bedingungen (wiederum kontrolliert nach der vorherige SAT-Punktzahl). Sie schienen die Fragen in der Race Prime Condition zudem methodischer anzugehen - sie vervollständigten weniger Items, vermeideten Vermutungen, aber arbeiteten trotzdem etwas weniger präzise. Es wurden keine Unterschiede für den berichteten Aufwand und die Leistungseinschätzungen festgestellt, aber eine im Diskussionsabschnitt berichtete Folgestudie ergab, dass das Priming von Rasse die Angst für schwarze Teilnehmer im Vergleich zu weißen Teilnehmern erhöht haben könnte.
Interpretation/Steele/Aronson: Die Prüfung ihrer Fähigkeiten erinnert schwarze Schüler an negative Rassenstereotypen und motiviert sie, sich von ihnen zu distanzieren. Sie könnten von größeren Gefühlen des Selbstzweifels (und vielleicht auch der Angst) geplagt werden und versuchen, sich aufgrund potenziell schlechter Leistungen selbst zu behindern.
>Leistungsfähigkeit.

1. Steele, C.M. and Aronson, J. (1995) ‘Stereotype threat and the intellectual test performance of African-Americans’, Journal of Personality and Social Psychology, 69: 797—811.


Toni Schmader and Chad Forbes, “Stereotypes and Performance. Revisiting Steele and Aronson’s stereotypes threat experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Experimente Steele Haslam I 246
Experiment/Stereotypen/Aronson, Joshua/Steele: A.
In einer ersten Studie (Steele und Aronson, 1995(1)) mussten 117 schwarze und weiße Universitätsstudenten (männlich und weiblich) einen mündlichen Test zusammen mit drei Anagrammproblemen absolvieren.
Bevor sie diesen Test durchführten, wurden die Teilnehmer zufällig einem von drei Rahmenbedingungen zugewiesen, welchen sie für diese Aufgabe hören sollten. >Stereotype threat/Aronson/Steele.
1) Im Rahmen des "diagnostischen Tests" (DT) lernten die Teilnehmer, dass sich die Studie mit "verschiedenen persönlichen Faktoren, welche an der Leistung bei Problemen, die Lese- und sprachlogische Fähigkeiten erfordern, beteiligt sind", auseinandersetzt (S. 799). Es wird ein Feedback gegeben, das "Ihnen helfen könnte, indem es Sie mit einigen Ihrer Stärken und Schwächen vertraut macht" (1995, S. 799) bei der verbalen Problemlösung. Die Testschwierigkeit wurde als Mittel gerechtfertigt, um "einen ernsthaften Test Ihrer verbalen Fähigkeiten und Einschränkungen, mit welchem wir die Faktoren, die an beiden beteiligt sind, besser verstehen können", zu stellen (S. 799). Die Annahme, die diese Bedingung untermauert, ist, dass jede Erinnerung an intellektuelle Tests Erinnerungen an die rassischen Stereotypen über intellektuelle Fähigkeiten unter den schwarzen Teilnehmern hervorrufen würde, die ihre Leistung untergraben würden.
2) Zwei "Nicht-diagnostische Tests" (ND) wurden entwickelt, um diese Prozesse zu neutralisieren, indem
Haslam I 247
der Sinn der Studie als Möglichkeit dargestellt wurde, "psychologischen Faktoren, die bei der Lösung verbaler Probleme eine Rolle spielen", besser zu verstehen (S. 799). a) Es wird ein Feedback gegeben, um die Teilnehmer mit Problemen vertraut zu machen, die bei zukünftigen Tests, an welchen sie eventuell teilnehmen werden, auftreten können" (S. 799).
b) die herausfordernde Natur der Probleme in Hinblick auf einen Forschungsschwerpunkt auf schwierige verbale Probleme im nicht-diagnostischen Zustand gerechtfertigt und darauf begründet wurde, "hochverbalen Menschen... eine mentale Herausforderung" (S. 799) in der nicht-diagnostischen Aufgabe (engl.: non-diagnostic challenge) (NDC) zu geben.
Ergebnisse: Analysen der Leistung ergaben lediglich vorläufige Beweise, welche die Theorie unterstützten. Gezielte Analysen der Leistung der schwarzen Teilnehmer deuteten nach der Kontrolle der SAT-Ergebnisse darauf hin, dass die schwarzen Schüler im diagnostischen Zustand signifikant schlechter abschnitten als in einem der beiden nicht-diagnostischen Zustände. Im Vergleich dazu war die Leistung der weißen Schüler von der Art und Weise, wie die Aufgabe beschrieben wurde, relativ unbeeinflusst. Jedoch war der kritische statistische Test der Interaktion der Rasse durch Testbeschreibung nicht signifikant, p < .19.
B.
Eine zweite Studie versuchte, den Effekt zu replizieren und die Rolle der Angst bei der Erklärung dieser Leistungseinschränkungen zu untersuchen. 20 schwarze und 20 weiße weibliche Teilnehmer wurden den gleichen nicht-diagnostischen und diagnostischen Testbedingungen zugeordnet, die in Studie A verwendet wurden, und verbrachten 25 Minuten damit, den gleichen 30-Item GRE-Test zu lösen, der in der Vorstudie verwendet wurde. Die Teilnehmer berichteten zudem selbst über ihr Angstniveau. In dieser Studie war die vorhergesagte Interaktion signifikant: Wenn sie für verbale SAT (Scholastic Assessment Test) Ergebnisse kontrolliert wurden, lösten schwarze Teilnehmer im diagnostischen Testrahmenzustand weniger Einheiten korrekt, waren weniger genau bei den Fragen, die sie abgeschlossen hatten, lösten weniger Probleme und waren tendenziell langsamer als Teilnehmer unter allen anderen Bedingungen. Es gab jedoch keine Unterschiede zwischen den Bedingungen bezüglich der Angst.
C.
Studie 3 wurde entworfen, um drei Implikationen der Theorie zu testen: dass schwarze Studenten, die einen diagnostischen (vs. nicht-diagnostischen) Test durchführen
(a) eine erhöhte Aktivierung negativer rassischer Stereotypen und Selbstzweifel aufweisen,
(b) sich von schwarzen Stereotypen distanzieren und
c) eine Tendenz zur Selbstbeeinträchtigung aufweisen, indem sie präventive Ausreden für schlechte Leistungen finden.
35 schwarze und 33 weiße Schüler wurden zufällig einem diagnostischen Testrahmen, einem nicht-diagnostischen Testrahmen oder einer Kontrollbedingung zugeordnet, bei der die Teilnehmer die kritische abhängige Maßnahme abgeschlossen haben, ohne zu erwarten, an einen Test irgendeiner Art teilzunehmen. Die Testleistung wurde nicht bewertet.
Die Vermeidung von Stereotypen wurde bewertet, indem die Teilnehmer eine Reihe von Aktivitäten und Persönlichkeitsmerkmalen bewerteten, von denen einige mit schwarzen Stereotypen in Verbindung standen.
Haslam I 248
Ergebnisse: Die Ergebnisse dieser Studie lieferten Beweise dafür, dass die Antizipation der Leistung bei einem diagnostischen Test eine Vielzahl von psychologischen Implikationen für schwarze, nicht aber für weiße Schüler hatte. Kontrolliert nach den verbalen SAT-Ergebnisse (Scholastic Assessment Test) zeigte sich, dass die schwarzen Teilnehmer, die einen Diagnosetest erwarteten, Wortfragmente eher mit rassenbezogenen (...) und selbstzweifelhafteten (...) Wörtern vervollständigten als die schwarzen Teilnehmer in den anderen Bedingungen (und eher als die weißen Teilnehmer in den diagnostischen Bedingungen). Es war bei diesen Teilnehmern zudem deutlich wahrscheinlicher, dass sie es vermeiden würden, stereotype Aktivitäten und Eigenschaften zu unterstützen.
D.
In einer vierten Studie musste die Hälfte der Teilnehmer ihre Rasse angeben, die andere Hälfte nicht.
Ergebnis: Schwarze Teilnehmer in der Race Prime Condition beantworteten deutlich weniger Items korrekt als die Teilnehmer in allen anderen Bedingungen (wiederum kontrolliert nach der vorherige SAT-Punktzahl). Sie schienen die Fragen in der Race Prime Condition zudem methodischer anzugehen - sie vervollständigten weniger Items, vermeideten Vermutungen, aber arbeiteten trotzdem etwas weniger präzise. Es wurden keine Unterschiede für den berichteten Aufwand und die Leistungseinschätzungen festgestellt, aber eine im Diskussionsabschnitt berichtete Folgestudie ergab, dass das Priming von Rasse die Angst für schwarze Teilnehmer im Vergleich zu weißen Teilnehmern erhöht haben könnte.
Interpretation/Steele/Aronson: Die Prüfung ihrer Fähigkeiten erinnert schwarze Schüler an negative Rassenstereotypen und motiviert sie, sich von ihnen zu distanzieren. Sie könnten von größeren Gefühlen des Selbstzweifels (und vielleicht auch der Angst) geplagt werden und versuchen, sich aufgrund potenziell schlechter Leistungen selbst zu behindern.
>Leistungsfähigkeit.


1. Steele, C.M. and Aronson, J. (1995) ‘Stereotype threat and the intellectual test performance of African-Americans’, Journal of Personality and Social Psychology, 69: 797—811.


Toni Schmader and Chad Forbes, “Stereotypes and Performance. Revisiting Steele and Aronson’s stereotypes threat experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Experimentelle Ökonomik Wirtschaftstheorien Parisi I 78
Experimentelle Ökonomik/Wirtschaftstheorien/Sullivan/Holt: [Es gibt] eine immer häufigere Interaktion zwischen zwei Literaturrichtungen: experimentelle Ökonomik und Recht und Wirtschaft (engl. law and economics). In vielerlei Hinsicht entwickelten sich diese Literaturen als Geschwister während der berauschenden Periode der Wirtschaftsforschung in den 1960er und frühen 1970er Jahren. Etwa zur gleichen Zeit, als Ronald Coase (1960)(1), Guido Calabresi (1961)(2) und Gary Becker (1968)(3) die bahnbrechenden Arbeiten der modernen Law-and-Economics-Bewegung verfassten, wurde die experimentelle Wirtschaftsliteratur durch Vernon Smiths (1962)(12) experimentelle Herausforderung der etablierten Vorstellung, dass Theorien des effizienten, perfekten Wettbewerbs nur in idealisierten Situationen mit einer großen Anzahl gut informierter Händler relevant seien, beschleunigt. Vernon Smith: Smiths Ansatz zur Untersuchung des Marktgleichgewichts bestand darin, einen Markt für ein künstliches Gut zu schaffen. Anpassungen des experimentellen Ansatzes an andere Gegebenheiten folgten schnell und flossen schließlich in die ebenfalls expandierende Literatur zu "Law and Economics" ein. >Experimentelle Ökonomik/Vernon Smith, >Law and Economics/Sullivan/Holt.
Parisi I 79
Methodik: (... ) die Planung und Durchführung von kontrollierten Experimenten ist so grundlegend für die wissenschaftliche Untersuchung wie nichts anderes.
Parisi I 80
Eine weitere intuitive Verwendung von Experimenten ist Teil einer ergebnisoffenen Suche nach praktischen Lösungen für ein neuartiges Problem. Dies ist häufig bei Experimenten der Fall, die für technische Anwendungen entwickelt wurden. Wirtschaftswissenschaftler verwenden Experimente in ähnlicher Weise wie Physiker oder Ingenieure. Voraussetzungen/Hypothesen: Ökonomische Theorien basieren typischerweise auf starken Annahmen über Rationalität und Voraussicht und werden auf der Basis von Eleganz, Schärfe der Vorhersage und Übereinstimmung mit der grundlegenden Intuition bewertet.
Idealisierung/Kontext: Merkmale des Kontexts, zwischenmenschliche Unstimmigkeiten und institutionelle Details werden häufig weggelassen, um eine größere Nachvollziehbarkeit und Allgemeinheit zu erreichen.
Experimente: Die resultierenden Theorien schreien nach experimentellen Tests, bei denen Unterschiede in individuellen Persönlichkeitsmerkmalen und Neigungen, Einschränkungen in der Aufmerksamkeit und Voraussicht und andere Details, die zu kompliziert sind, um sie formal zu messen oder zu modellieren, durch zufällige Zuordnung und andere experimentelle Kontrollen berücksichtigt werden können.
Beispiel: Betrachten Sie die Frage, ob eine Obergrenze für Schadensersatz die Häufigkeit von Schadensersatzklagen reduziert.*
Randomisierung: Mittels Randomisierung oder sorgfältiger Auswahlalgorithmen könnten die Mitglieder der Gesellschaft in zwei identische (oder zumindest nahezu identische) Gruppen aufgeteilt werden: Eine Gruppe würde unter den Haftungsregeln des Status quo bleiben, während die andere einer Schadensbegrenzung unterworfen würde. Ohne dass sich sonst etwas ändert, würde der Forscher
Parisi I 81
Daten für ein paar Monate sammeln und dann die Raten von Schadensersatzklagen in den beiden Gruppen vergleichen, um zu sehen, welchen kausalen Effekt die Obergrenze für Schadensersatz auf das Ergebnis von Interesse hatte. Vergleich/Kontrolle: Der Forscher nutzt die Kontrolle über die experimentelle Umgebung, um eine Behandlung nur auf eine von zwei ansonsten identischen Gruppen von Probanden anzuwenden. Die Versuchspersonen interagieren dann gemäß ihren normalen Eigeninteressen, aber die Personen in der Behandlungsgruppe handeln nach etwas anderen Regeln als die in der Kontrollgruppe. Der Experimentator misst das beobachtete Verhalten sowohl in der Behandlungs- als auch in der Kontrollgruppe, und jeder Unterschied im Verhalten spiegelt den kausalen Behandlungseffekt von Interesse wider.**
Experimente ohne Kontrollgruppe: (...) ökonomische Experimente werden manchmal einfach dazu entworfen, um zu messen und zu dokumentieren, wie sich Probanden in einer bestimmten Marktstruktur oder einem bestimmten Anreizumfeld verhalten, ohne Bezug auf eine Kontrollgruppe. Beispiele hierfür sind Experimente, die die Effizienz einer Auktionsstruktur testen, wie z. B. ein innovativer Vorschlag, der es erlaubt, Gebote für Kombinationen von Frequenzlizenzen in einer Weise abzugeben, die Firmen davor schützt, zu viel für Teile eines fragmentierten Netzes zu bezahlen.***
Variationen: (...) ökonomische Experimente können auch so strukturiert werden, dass sie eine Reihe von Behandlungseffekten berücksichtigen. Ein Beispiel ist eine experimentelle Untersuchung der Gleichgewichtspreisbildung in einem Oligopol für homogene Güter, wenn die Anzahl der Produzenten von fünf auf vier, drei oder zwei sinkt (z. B. Huck, Normann und Oechssler, 2004(10); Dufwenberg und Gneezy, 2000(11)). In jedem Fall ist der konzeptionelle Rahmen des ökonomischen Experiments derselbe wie der von Experimenten in jedem anderen Wissenschaftsbereich. >Induced Value Theory/Wirtschaftstheorien.
Experimente/Methoden: Siehe >Experimente/Experimentelle Ökonomik, >Außergerichtliche Einigung/Experimentelle Ökonomik.

* Für ökonomische Experimente zur Auswirkung von Schadensersatzobergrenzen auf die Vergleichsrate siehe Babcock und Pogarsky (1999)(4) und Pogarsky und Babcock (2001)(5).

** Für breite Übersichten über verschiedene experimentelle Designs in den Wirtschaftswissenschaften, siehe Davis und Holt (1993)(6), Kagel und Roth (1995)(7) und Holt (2007)(8). Für einen praktischen Ansatz zur Versuchsplanung für Wirtschaftswissenschaftler siehe Friedman und Sunder (1994)(8).

*** Siehe Goeree und Holt (2010)(9) für eine Reihe von Experimenten, die von der U.S. Federal Communications Commission verwendet wurden, um eine große Auktion für Frequenzlizenzen für die Bereitstellung von drahtlosen Kommunikationsdiensten in einem geografischen Netzwerk zu entwerfen und durchzuführen. Selbst diese Arbeit hatte jedoch eine Kontrollbehandlung ohne Paketgebotsmöglichkeiten, die Probleme aufzeigte, die entstehen könnten, wenn Bieter keine "Alles-oder-Nichts"-Gebote für Kombinationen von Lizenzen abgeben dürfen.

1. Coase, R. H. (1960). “The Problem of Social Cost.” Journal of Law and Economics 3: 1–44.
2. Calabresi, G. (1961). “Some Thoughts on Risk Distributions and the Law of Torts.” Yale Law Journal 70(4): 499–553.
3. Becker, G. S. (1968). “Crime and Punishment: An Economic Approach.” Journal of Political Economy 76(2): 169–217.
4. Babcock, L. and G. Pogarsky (1999). “Damage Caps and Settlement: a Behavioral Approach.” Journal of Legal Studies 28(2): 341–370.
5. Pogarsky, G. and L. Babcock (2001). “Damage Caps, Motivated Anchoring, and Bargaining Impasse.” Journal of Legal Studies 30(1): 143–159.
6. Davis, D. D. and C. A. Holt (1993). Experimental Economics. Princeton, NJ: Princeton University Press.
7. Kagel, J. H. and A. E. Roth, eds. (1995). Handbook of Experimental Economics. Princeton, NJ: Princeton University Press.
7. Holt, C. A. (2007). Markets, Games, & Strategic Behavior. Boston, MA: Pearson Education, Inc.
8. Friedman, D. and S. Sunder (1994). Experimental Methods: A Primer for Economists. New York: Cambridge University Press.
9. Goeree, J. K. and C. A. Holt (2010). “Hierarchical Package Bidding: A Paper & Pencil Combinatorial Auction.” Games and Economic Behavior 70: 146–169.
10. Huck, S., H.-T. Normann, and J. Oechssler (2004). “Two Are Few and Four Are Many: Number Effects in Experimental Oligopolies.” Journal of Economic Behavior & Organization 53(4): 435–446.
11.Dufwenberg, M. and U. Gneezy (2000). “Price Competition and Market Concentration: An Experimental Study.” International Journal of Industrial Organization 18: 7–22.
12.Smith, V. L. (1962). “An Experimental Study of Competitive Market Behavior.” Journal of Political Economy 70(2): 111–137.



Sullivan, Sean P. and Charles A. Holt. „Experimental Economics and the Law“ In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Fachkräfte Feenstra Feenstra I 4-27
Fachkräfte/Feenstra: (...) die Entscheidung von Unternehmen, Vorleistungen aus dem Ausland zu beziehen, wird sich mit Sicherheit auf ihre Beschäftigung im Inland auswirken, und es ist zu erwarten, dass sie qualifizierte gegenüber ungelernten Arbeitskräften unterschiedlich betrifft. >Lohngefälle, >Relative Löhne.
Da die Unternehmen in den Industrieländern höhere relative Löhne für ungelernte Arbeitskräfte zahlen müssen als im Ausland, werden vor allem solche Tätigkeiten ausgelagert, die einen hohen Anteil an ungelernten Arbeitskräften erfordern, z. B. die Montage von Bauteilen und andere sich wiederholende Aufgaben.
>Outsourcing.
Die Verlagerung dieser Tätigkeiten ins Ausland verringert die relative Nachfrage nach ungelernten Arbeitskräften im Industrieland, ähnlich wie der Ersatz dieser Arbeitskräfte durch automatisierte Produktion. Das bedeutet, dass Outsourcing eine qualitativ ähnliche Auswirkung auf die Verringerung der relativen Nachfrage nach ungelernten Arbeitskräften innerhalb einer Branche hat wie ein auf Qualifikationen ausgerichteter technologischer Wandel, wie z. B. der verstärkte Einsatz von Computern. Es ist also eine empirische Frage, was davon am wichtigsten ist.
Feenstra I 4-33
Automatisierung/Computer: Misst man den Anteil von Computerdienstleistungen und sonstigem Hightech-Kapital am Kapitalstock unter Verwendung von Ex-post-Mietpreisen, so stellt man fest, dass sie für 13 % der Verlagerung hin zu nicht-produktiver Arbeit verantwortlich sind. Misst man diese Anteile anhand von Ex-ante-Mietpreisen, so zeigt sich, dass Computer und sonstiges Hightech-Kapital nur 8 % dieser Verlagerung erklären.
Feenstra I 4-34
In beiden Fällen ist der Beitrag von Computern und sonstigem Hightech-Kapital geringer als der Beitrag des Outsourcing. Werden dagegen Computer anhand ihres Anteils an den Investitionen gemessen (und wird auch der Anteil des Hochtechnologiekapitals einbezogen), so zeigt sich, dass diese Variablen für 31 % der Verlagerung in Richtung Nichtproduktionsarbeit verantwortlich sind, was den Beitrag der Auslagerung übersteigt. Ob Outsourcing mehr oder weniger wichtig ist als Computer, hängt also davon ab, ob letztere als Anteil am Kapitalstock oder als Anteil an den Investitionen gemessen werden. >Kapital, >Kapitalstock, >Kapitalstruktur.
Unabhängig von der Spezifikation kann man jedoch zu dem Schluss kommen, dass sowohl das Outsourcing als auch die Ausgaben für Computer und anderes Hochtechnologiekapital wichtige Erklärungen für die Verlagerung hin zu produktionsfremder Arbeit in den USA sind, wobei die genauen Größenordnungen davon abhängen, wie sie gemessen werden.
Feenstra I 4-48
Modelle: Das von uns untersuchte Modell der Vorleistungsinputs weist einige Ähnlichkeiten mit dem herkömmlichen Heckscher-Ohlin-Rahmen auf, aber anstatt sich auf Branchen mit unterschiedlicher Qualifikationsintensität zu konzentrieren, nehmen wir stattdessen an, dass es innerhalb jeder Branche Tätigkeiten gibt, die sich in ihrer Faktorintensität unterscheiden. Diese Tätigkeiten werden als Vorleistungen modelliert, die zwischen den Ländern gehandelt und zu einem Endprodukt kombiniert werden. Mit dieser Abwandlung des herkömmlichen Heckscher-Ohlin-Rahmens haben wir festgestellt, dass wir leicht Verschiebungen in der relativen Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften innerhalb einer Branche erzeugen können.
>Heckscher-Ohlin-Modell.
Preise: Wir haben weiter argumentiert, dass der Preisrückgang bei importierten Zwischenprodukten Auswirkungen hat, die den Auswirkungen des qualifizierten technologischen Wandels entsprechen.
Die relative Bedeutung des Handels gegenüber dem technologischen Wandel muss auf empirischer Grundlage beurteilt werden.
Während sich Modelle der Produktionsaufteilung im internationalen Handel allmählich durchzusetzen beginnen, wird dieses Konzept bereits in der Wirtschaftssoziologie (Gereffi und Korzeniewicz, 1994(1); Kenney und Florida, 1994(2)), der Geographie (Dicken et al, 2001(3); Yeung, 2001(4)) und anderen Sozialwissenschaften verwendet, wo die Produktionsaufteilung unter der allgemeineren Bezeichnung „Warenketten“ geführt wird.
Warenketten: Eine Warenkette besteht aus der Abfolge von Aktivitäten, die an der Herstellung eines Produkts beteiligt sind, von der anfänglichen Entwicklung bis hin zu Produktion, Marketing und Verkauf, insbesondere wenn diese Aktivitäten internationale Grenzen überschreiten. In diesen Disziplinen werden Warenketten als integraler Bestandteil des Entwicklungsprozesses von Ländern betrachtet, die sich noch in der Industrialisierung befinden.
Feenstra I 4-49
Anhand dieser theoretischen Erkenntnisse haben wir die Regression der Arbeitsnachfrage beschrieben, die sich aus einem Modell ergibt, bei dem das Kapital kurzfristig fixiert ist, während qualifizierte und ungelernte Arbeitskräfte optimal ausgewählt werden. In die Nachfrageregressionen werden zusätzliche Terme aufgenommen, die den Handel mit Vorleistungen (Outsourcing) sowie die Computernutzung widerspiegeln.
Wir stellen fest, dass beide Erklärungen einen Teil der Verlagerung hin zu qualifizierten Arbeitskräften in den USA während der 1980er Jahre erklären können, wobei der genaue Beitrag jeder dieser Erklärungen davon abhängt, wie die Computernutzung gemessen wird (d. h. als Anteil am Kapitalstock oder als Anteil an den Neuinvestitionen).
Faktorpreise: Wir haben auch den Zusammenhang zwischen den Veränderungen der Produktpreise und der Faktorpreise erneut untersucht. Entgegen dem Vorschlag von Lawrence und Slaughter (1993)(5) haben wir argumentiert, dass die Bewegungen bei den Produktpreisen (in Verbindung mit dem Produktivitätswachstum) voll und ganz mit dem Anstieg der relativen Löhne für qualifizierte Arbeitskräfte in den USA vereinbar sind.
Produktivität: Die Herausforderung für die Forscher besteht darin, herauszufinden, welche strukturellen Faktoren die zugrundeliegenden Preis- und Produktivitätsveränderungen erklären: Sind diese Veränderungen auf technologische Weiterentwicklungen zurückzuführen oder auf den Handel mit Zwischenprodukten? Wir haben ein auf Feenstra und Hanson (1999)(6) zurückgehendes „zweistufiges“ Schätzverfahren erörtert, mit dem sich dies feststellen lässt.
Wie bei den Regressionen zur Arbeitsnachfrage stellen wir fest, dass sowohl die Auslagerung als auch der Einsatz von Computern einen Teil des Anstiegs der relativen Löhne von Facharbeitern erklären können, wobei der genaue Beitrag beider Faktoren sehr stark davon abhängt, wie der Einsatz von Computern gemessen wird.
Zum Abschluss dieses Kapitels haben wir eine Diskussion über nicht gehandelte Güter geführt. Harrigan und Balaban (1999)(7), Harrigan (2000)(8) und Kumar (2000)(9) haben argumentiert, dass die Variablen, die am stärksten mit der Entwicklung der Löhne in den 80er und 90er Jahren korreliert sind, weder Handelspreise noch Outsourcing oder Hochtechnologiekapital sind, sondern vielmehr ein starker Anstieg der Preise für qualifikationsintensive nicht gehandelte Güter in den USA sowie ein Rückgang der Preise für unqualifizierte nicht handelbare Güter.
>Nicht-handelbare Güter.
Feenstra I 4-50
Dieses Ergebnis stellt eine Herausforderung für diejenigen dar, die glauben, dass entweder der Handel oder die Technologie für die Veränderung der Löhne verantwortlich ist, und wird zweifellos ein wichtiges Gebiet für weitere Forschungen sein (siehe zum Beispiel Blum, 2001(10)). >Technologie, >Produktion, >Produktivität.

1. Gereffi, Gary and Miguel Korzeniewicz, eds., 1994, Commodity Chains and Global Capitalism. Westport, Connecticut: Praeger.
2. Kenney, Martin and Richard Florida, 1994, “Japanese Maquiladoras: Production Organization and Global Commodity Chains,” World Development, 22(1), 27-44.
3. Dicken, Peter, Philip F. Kelley, Kris Olds and Henry Wai-Chung Yeung, 2001, “Chains and Networks, Territories and Scales: Towards a Relational Framework for
Analyzing the Global Economy,” Global Networks, 1(2), 99-123.
4. Yeung, Henry Wai-chung, 2001, “Organizing Regional Production Networks in Southeast Asia: Implications for Production Fragmentation, Trade and Rules of Origin,” Journal of Economic Geography, 1(3), 299-321.
5. Lawrence, Robert Z. and Matthew Slaughter, 1993, “International Trade and American Wages in the 1980s: Giant Sucking Sound or Small Hiccup?” Brookings Papers on Economic Activity: Microeconomics, 161-226. Reprinted in Edward E. Leamer, ed. 2001, International Economics, New York: Worth Publishers, 177-202.
6. Feenstra, Robert C. and Gordon H. Hanson, 1999, “The Impact of Outsourcing and High-Technology Capital on Wages: Estimates for the U.S., 1979-1990,” Quarterly Journal of Economics, August, 114(3), 907-940.
7. Harrigan, James and Rita A. Balaban, 1999, “U.S. Wage Effects in General Equilibrium: The Effects of Prices, Technology, and Factor Supplies, 1963-1991,” NBER Working Paper No. 6981.
8. Harrigan, James, 2000, “International Trade and American Wages in General Equilibrium, 1967-1995,” in Robert C. Feenstra, ed., The Impact of International Trade on Wages, Chicago: University of Chicago Press, 171-193.
9. Kumar, Praveen, 2000, “Wage Inequality in the US: What do Aggregate Prices and Factor Supplies Tell?,” The World Bank, manuscript.
10. Blum, Bernardo, 2001, “Decomposing the U.S. Income Inequality into Trade, Technological and Factor Supply Components: Theory and Data,” UCLA, manuscript.

Feenstra I
Robert C. Feenstra
Advanced International Trade University of California, Davis and National Bureau of Economic Research 2002
Filterblasen Pariser I 16
Filterblasen/filter bubbles/Pariser: Google Instant errät seit Herbst 2011, wonach man sucht und vervollständigt Anfragen automatisch. Eric Schmidt glaubt, dass die Nutzer möchten, dass Google ihnen sagt, was sie als Nächstes tun sollen. (1)
I 17
Filterblasen/Pariser: nenne ich das, was Prognosemaschinen für jeden von uns erschaffen, ein ganz eigenen Informationsuniversum. So verändern sie auf fundamentale Weise, wie wir an Ideen und Informationen gelangen (… ) die Filterblasen bringen neue Dynamiken ins Spiel (…) Wir sitzen allein in einer Blase, da geteilte Informationen
I 18
die Voraussetzung für geteilte Erfahrungen sind, wirkt die Filter Bubble als Zentrifugalkraft und treibt uns auseinander.
I 21
Wir werden bald alle personalisierte Suchfilter benutzen, ob wir es wissen oder nicht.
I 22
In der Blase gibt es weniger Raum für zufällige Begegnungen durch die wir Einsichten gewinnen und lernen können.
I 62
Nachrichten/Fake News/Falschmeldungen/Problem: was ist, wenn die Nachrichtenlandschaft so stark fragmentiert wird, dass Richtigstellungen von falschen Nachrichten oder Lügen den einzelnen nicht mehr erreichen?
I 66
Verantwortung/Pariser: Filterblasen kennen – im Gegensatz zu Zeitungen – keine öffentliche Verantwortung, obwohl sie Rollen in der Nachrichtenbranche übernehmen. Medien/Zwischeninstanzen/Pareles/Pariser: nach einer These des New York Times-Kritikers Jon Pareles entfernt das Internet eine Zwischeninstanz zwischen den Bürgern und den Nachrichten, eine Rolle, die zuvor die Medien innegehabt hatten. (2)
I 68
PariserVsPareles: diese „Disintermediation“ ist wohl eher ein Mythos als eine Tatsache. In Wirklichkeit werden die neuen Gatekeeper nur unsichtbar.
I 82
Korruption/Shirky/Pariser: Clay Shirky fragt: Wie kann man Politikern noch damit drohen, Alarm zu schlagen, wenn es zu korrupt wird? (3) – Pariser: früher kam so etwas auf die Titelseite, aber das kann man heute vergessen, weil es eine solche Titelseite nicht mehr gibt, wenn Nachrichten persönlich zugeschnitten werden.
I 115
Problem/Pariser: aus einem personalisierten Filter kann man nicht herauszoomen. (Siehe auch Wissen/Pariser).
I 125
Filter/Identität/Personalisierte Suche/Pariser: die personalisierte Suche verkennt die Tatsache, dass wir zu verschiedenen Zeiten oder in verschiedenen Situationen verschiedene Identitäten haben. Es gibt z.B. ein Arbeits-Ich, ein Freizeit-Ich, ein Wusch-Ich und ein Jetzt-Ich.
I 126
Die Filterblase hat es aber nur mit dem Jetzt-Ich zu tun, das gerade klickt.
I 129
Andere Analysemethoden bringen aber Unterschiede hervor, sogenannte „Stimmungsanalyse“ kann erschließen, welche Laune man an den Tag legt. Das wird aus der Wortwahl in Posts, SMS und Emails festgestellt.
1. James Farrar, »Google to End Serendipity (by Creating It)«, ZDNet, 17. 08. 2010, aufgerufen am 19.12. 2010, www.zdnet.com/blog/sustainability/google-to-end-serendipity-by-creating-it/1304
2. John Pareles, »A World of Megabeats and Megabytes«, New York Times, 30.12. 2009, aufgerufen am 11.12. 2010, www.nytimes.com/2010/01/03/arts/music/03tech.html
3. Jay Rosen im Interview mit Clay Shirky, Video, Chapter 5 »Why Study Media?«, NYU Primary Sources, New York 2011, aufgerufen am 09. 02. 2011, http://nyuprimarysources.org/video-library/jay-rosen-and-clay-shirky/

Pariser I
Eli Pariser
The Filter Bubble: How the New Personalized Web Is Changing What We Read and How We Think London 2012
Freiheit Hayek Boudreaux II 39
Freiheit/Hayek/Boudreaux: „Die Vorstellung von der Freiheit unter dem Gesetz ... beruht auf der Behauptung, dass wir, wenn wir Gesetze befolgen, im Sinne von allgemeinen abstrakten Regeln, die unabhängig von ihrer Anwendung auf uns aufgestellt wurden, nicht dem Willen eines anderen unterworfen und daher frei sind.“(1) Wissen/Hayek/Boudreaux: (...) ohne Freiheit ist der Einzelne darauf beschränkt, sich nur so zu verhalten auf eine Weise zu verhalten, die von den staatlichen Behörden erlaubt ist.
Unfreie Menschen haben daher weniger Möglichkeiten und Fähigkeiten als freie Menschen, nach solchem detaillierten und lokalen Wissen zu suchen und danach zu handeln.
Innovationen: Ein wichtiger Grund für die Aufteilung der Aufgaben der Entdeckung und des Handelns nach kleinen Wissensfragmenten auf Millionen von Menschen ist, dass keine zentrale Autorität wissen kann, wie sie diese Menschen herumkommandieren kann und was sie entdecken werden.
>Innovation, >Freier Markt, >Märkte, >Wissen, >Information, >Freiheit/Hayek.
Boudreaux II 52
Freiheit/Wohlstand/Hayek/Boudreaux: (...) die heute überall verfolgte Politik, die das Privileg der [wirtschaftlichen] Sicherheit ((s) = Wohlstand) mal an diese, mal an jene Gruppe verteilt, schafft (…) rasch Bedingungen, unter denen das Streben nach Sicherheit stärker zu werden droht als die Liebe zur Freiheit. Der Grund dafür ist, dass mit jeder Gewährung vollständiger Sicherheit an eine Gruppe die Unsicherheit der anderen notwendigerweise zunimmt."(2) Wohlstand/Freiheit: Unabdingbare Voraussetzung für die Schaffung, Aufrechterhaltung und das Wachstum eines weit verbreiteten Wohlstands ist ein Wirtschaftssystem, das knappe Ressourcen so effizient wie möglich einsetzt, um Güter und Dienstleistungen zu schaffen, die möglichst viele Verbraucherbedürfnisse befriedigen. In dem Maße, in dem das Wirtschaftssystem die Verschwendung von produktiven Ressourcen fördert oder gar zulässt, erreicht es nicht den größtmöglichen Wohlstand.
Freier Markt/Kapitalismus/Hayek: Das System, das am besten gewährleistet, dass die Ressourcen so effizient wie möglich genutzt werden, ist der Kapitalismus der freien Marktwirtschaft - ein Wirtschaftssystem, das auf übertragbaren privaten Eigentumsrechten, Vertragsfreiheit, Rechtsstaatlichkeit und Verbrauchersouveränität beruht. Das letzte Merkmal des freien Marktkapitalismus ist das Recht jedes Verbrauchers, sein Geld so auszugeben, wie er es für richtig hält. Sie kann so viel oder so wenig von ihrem Einkommen ausgeben, wie sie will (um das zu sparen, was sie nicht ausgibt), und sie kann ihr Ausgabeverhalten ändern, wann immer und wie immer sie will.
Kurz gesagt bedeutet Konsumentensouveränität, dass die Wirtschaft auf die Befriedigung der Konsumenten und nicht der Produzenten ausgerichtet ist.
>Konsumentensouveränität.
Boudreaux: Es ist wichtig, diesen Aspekt der Marktwirtschaft zu betonen, weil uns oft etwas anderes erzählt wird, nämlich dass die Marktwirtschaft hauptsächlich den Produzenten zugute kommt.
>Märkte, >Märkte/Hayek, >Freier Markt.
Produktion: Die Freiheit der Produzenten, auf die Nachfrage der Verbraucher zu reagieren und diese sogar zu antizipieren, ist für den Erfolg der Marktwirtschaft so wichtig, dass die Befürwortung der wirtschaftlichen Freiheit oft vor allem als eine Befürwortung der Freiheit der Unternehmen angesehen wird. Dies ist ein Irrtum. Im Grunde genommen ist das Plädoyer für wirtschaftliche Freiheit ein Plädoyer für die Freiheit der Verbraucher.
Boudreaux II 53
Innovation/Erfindungen/Fortschritt/Technologie: Da die größtmögliche Freiheit der Verbraucher die Freiheit von Unternehmern und Unternehmen voraussetzt, sich im Wettbewerb um die Gunst der Verbraucher zu behaupten, erfordert die Verteidigung freier Märkte häufig die Verteidigung von Gewinnen sowie der Freiheit der Unternehmen, mit verschiedenen Möglichkeiten der Gewinnerzielung zu experimentieren. Neueinsteiger, die durch Zulassungsbeschränkungen daran gehindert werden, in einen Beruf einzusteigen, können ihre Dienste nicht den Verbrauchern anbieten, die diese Dienste attraktiv finden könnten. Unternehmerische Freiheit: Die Verteidigung der Gewinne und der unternehmerischen Freiheit ist jedoch in erster Linie eine Verteidigung der wichtigsten Mittel, die der Markt einsetzt, um sicherzustellen, dass die Verbraucher so gut wie möglich bedient werden.
>Innovation, >Erfindungen, >Fortschritt, >Technologie, >Technischer Fortschritt.

1. Friedrich Hayek (1960). The Constitution of Liberty. In Ronald Hamowy (ed.), The Constitution of Liberty, XVII (Liberty Fund Library, 2011): 221.
2. Friedrich Hayek (1944). The Road to Serfdom. In Bruce Caldwell (ed.), The Road to Serfdom, Il (Liberty Fund Library, 2007): 153.

Hayek I
Friedrich A. Hayek
The Road to Serfdom: Text and Documents--The Definitive Edition (The Collected Works of F. A. Hayek, Volume 2) Chicago 2007

Boudreaux I
Donald J. Boudreaux
Randall G. Holcombe
The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021

Boudreaux II
Donald J. Boudreaux
The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014
Gavagai Gavagai: Phantasiewort aus einem Gedankenexperiment von W.V.O. Quine, bei dem es darum geht, dass ein Ausdruck (oder ein Fragment) einer völlig fremden Sprache nicht eindeutig übersetzbar ist in eine bekannte Sprache, weil nicht bestimmbar ist, worauf sich der Ausdruck der fremden Sprache bezieht. Selbst das Zeigen auf einen Gegenstand schafft keine Eindeutigkeit, da z.B. nur ein Teil oder eine Eigenschaft des Gegenstands gemeint sein kann. Siehe auch Übersetzung, Übersetzungsunbestimmtheit, Übersetzungshandbuch, Analytische Hypothese, Unbestimmtheit, Referenz, Bedeutung, Ostension, Hinweisende Definition.
Gedächtnis Minsky Minsky I 35
Gedächtnis/Erinnerung/Speicher/Software-Agenten/Minsky: Menschen denken oft an Erinnerung in Begriffen von Gedächtnis, wenn sie Aufzeichnungen über die Vergangenheit führen, um sich an Dinge zu erinnern, die in früheren Zeiten geschehen sind. Aber Software-Agenten brauchen auch andere Arten von Gedächtnis. So benötigen sie zum Beispiel eine Art temporären Speicher, um den Überblick darüber zu behalten, was als Nächstes zu tun ist, wenn eine Arbeit begonnen wird, bevor die vorherige Arbeit erledigt ist. Wenn jeder der "Seh"-Agenten [ein Software-Agent für Sehaufgaben] jeweils nur eine Sache auf einmal tun könnte, würden ihm bald die Ressourcen ausgehen und er wäre nicht in der Lage, komplizierte Probleme zu lösen. Wenn wir jedoch über genügend Speicherplatz verfügen, können wir unsere Agenten in zirkulären Schleifen anordnen und so immer wieder dieselben Agenten einsetzen, um Teile mehrerer verschiedener Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. >Hierarchien/Minsky, >Konflikte/Minsky, >Lernen/Minsky.
Minsky I 62
Gedächtnis/Minsky: Unsere Erinnerungen sind nur indirekt mit der physischen Zeit verbunden. Wir haben kein absolutes Gefühl dafür, wann ein denkwürdiges Ereignis tatsächlich stattgefunden hat. Bestenfalls können wir nur einige zeitliche Beziehungen zwischen ihm und bestimmten anderen Ereignissen kennen. Vielleicht können Sie sich daran erinnern, dass X und Y an verschiedenen Tagen stattfanden, aber Sie können nicht feststellen, welcher dieser Tage früher kam. Und viele Erinnerungen scheinen überhaupt nicht mit Zeitintervallen verbunden zu sein - so wie das Wissen, dass vier nach drei kommt, oder dass ich ich selbst bin. >Jetzt/Minsky, >Erfahrung/Minsky.
Minsky I 82
Gedächtnis/Terminologie/Minsky: Wann immer man eine gute Idee hat, ein Problem löst oder eine unvergessliche Erfahrung macht, wird eine K-Linie aktiviert, um dies darzustellen. Def K-Linie/Minsky: Eine K-Linie ist eine drahtähnliche Struktur, die sich an diejenigen mentalen Instanzen anhängt, die aktiv sind, wenn Sie ein Problem lösen oder eine gute Idee haben. Wenn Sie diese K-Linie später aktivieren, werden die daran befestigten Instanzen erregt und versetzen Sie in einen Geisteszustand, der dem ähnelt, in dem Sie sich befanden, als Sie das Problem lösten oder eine gute Idee hatten. (...) wir merken uns, woran wir denken, indem wir eine Liste der an dieser Aktivität beteiligten Instanzen erstellen. (...)
Beispiel/Kenneth Haase: Sie möchten ein Fahrrad reparieren. Bevor Sie beginnen, schmieren Sie Ihre Hände mit roter Farbe ein. Dann wird jedes Werkzeug, das Sie benutzen müssen, rote Markierungen aufweisen. Wenn Sie fertig sind, denken Sie daran, dass rot "gut zum Reparieren von Fahrrädern" bedeutet. Wenn Sie das nächste Mal ein Fahrrad reparieren, können Sie Zeit sparen, indem Sie alle rot markierten Werkzeuge im Voraus herausnehmen.
Wenn Sie für verschiedene Aufträge unterschiedliche Farben verwenden, werden einige Werkzeuge am Ende mit mehreren Farben markiert.
Problem: Angenommen, Sie hätten versucht, einen bestimmten Schraubenschlüssel zu verwenden und dieser hätte nicht gepasst. Es wäre nicht vorteilhaft, dieses Werkzeug rot zu markieren. Damit unsere K-Linien effizient funktionieren, brauchen wir cleverere Richtlinien.
I 83
P-Instanzen: wurden zuvor bei der Lösung eines Problems verwendet. Q-Instanzen: sind Instanzen Ihrer jüngsten Gedanken.
Problem: (...) wir wollen nicht, dass unsere Erinnerungen alte Geisteszustände so stark wieder aufwecken, dass sie unsere gegenwärtigen Gedanken überwältigen - denn dann könnten wir den Überblick über das verlieren, was wir jetzt denken, und die ganze Arbeit, die wir geleistet haben, auslöschen. Wir wollen nur einige Hinweise, Vorschläge und Ideen.
>Ebenen/Minsky.
I 154
Gedächtnis/Minsky: Es ist schwer, Erinnerungen von Erinnerungen an Erinnerungen zu unterscheiden. Es gibt in der Tat kaum Anzeichen dafür, dass unsere Erinnerungen als Erwachsene wirklich weit in die Kindheit zurückreichen; was wie frühe Erinnerungen aussieht, ist vielleicht nichts weiter als Rekonstruktionen unserer älteren Gedanken. Was verstehen wir dann unter Erinnerung? Unser Gehirn nutzt viele verschiedene Möglichkeiten, um die Spuren unserer Vergangenheit zu speichern. Kein einziges Wort kann so viel beschreiben, es sei denn, es wird nur in einem allgemeinen, informellen Sinn verwendet.
Künstliche Intelligenz/Gedächtnis/Minsky: Erinnerungen sind Prozesse, die dazu führen, dass einige unserer [Software-]Agenten zu verschiedenen Zeiten in der Vergangenheit auf die gleiche Art und Weise handeln.
I 155
Wir denken gerne an Erinnerungen, als ob sie uns Dinge wiedergeben könnten, die wir in der Vergangenheit gewusst haben. Aber Erinnerungen können die Dinge nicht wirklich zurückbringen; sie geben nur einige Fragmente unserer früheren Geisteszustände wieder, wenn verschiedene Anblicke, Geräusche, Berührungen, Gerüche und Geschmäcker uns beeinflusst haben. Def Immanenz-Illusion: Immer dann, wenn Sie eine Frage ohne merkliche Verzögerung beantworten können, scheint es, als wäre diese Antwort bereits in Ihrem Geist aktiv.
>Gegenwart/Minsky.
I 156
Spielarten der Erinnerung: Ein Gehirn hat kein einzelnes, gemeinsames Gedächtnissystem. Stattdessen verfügt jeder Teil des Gehirns über mehrere Arten von Gedächtnis-Instanzen, die für bestimmte Zwecke auf etwas unterschiedliche Weise arbeiten.
I 157
Repräsentation/Minsky: Neuordnungen des Gedächtnisses: Was bräuchten wir z.B., um uns vorzustellen, wie wir Dinge in einem Raum bewegen könnten? Zuerst bräuchten wir eine Möglichkeit, darzustellen, wie Objekte im Raum angeordnet sind. (...) wir könnten das folgende einfache vierstufige Skript verwenden:
1. Speichern Sie den Zustand von A in M-1. 2. Speichern Sie den Zustand von B in M-2. 3. Verwenden Sie M-2, um den Zustand von A zu bestimmen. 4. Verwenden Sie M-1, um den Zustand von B zu bestimmen.
Ein Speichersteuerungs-Skript wie dieses kann nur funktionieren, wenn wir Speichereinheiten haben, die klein genug sind, um Teile aus der größeren Szene herausgreifen zu können. M-1 und M-2 würden die Aufgabe nicht erfüllen, wenn sie nur Beschreibungen ganzer Räume speichern könnten. Mit anderen Worten, wir müssen in der Lage sein, unser Kurzzeitgedächtnis nur mit geeigneten Aspekten unserer aktuellen Probleme zu verbinden. Das Erlernen solcher Fähigkeiten ist nicht einfach, und vielleicht ist es eine Fähigkeit, die manche Menschen nie wirklich beherrschen.
Unser paarweise austauschbares Skript braucht mehr Maschinerie. Da jede Speichereinheit warten muss, bis der vorherige Schritt abgeschlossen ist, muss der Zeitpunkt jedes Skriptschritts möglicherweise von verschiedenen Zustandssensoren abhängen.
>Repräsentation/Minsky.
I 158
Organisation des Gedächtnisses/Minsky: Wir gehen davon aus, dass jede substanzielle Instanz über mehrere Mikromemory-Einheiten verfügt, von denen jede eine Art temporäre K-Linie (>Terminologie/Minsky) darstellt, die den Zustand vieler der Agenten in dieser Instanz schnell speichern oder wiederherstellen kann. Es gibt gute Beweise dafür, dass im menschlichen Gehirn die Prozesse, die Informationen ins Langzeitgedächtnis übertragen, sehr langsam sind und Zeitintervalle von Minuten bis Stunden benötigen. Dementsprechend sind die meisten temporären Erinnerungen dauerhaft verloren.
>Künstliches Bewusstsein/Minsky.

Minsky I
Marvin Minsky
The Society of Mind New York 1985

Minsky II
Marvin Minsky
Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003
Geist Adorno Grenz I 51
Kultur/Adorno/Grenz: Kultur kann nur das je Herrschende reproduzieren, formal wie inhaltlich. >Kultur, >Kunst/Adorno, >Massenkultur/Adorno.
I 52
Geist/Adorno: Der Geist wird damit zur affirmativen Verdoppelung dessen, was ohnehin schon ist.
Grenz I 67
Geist/Adorno/Grenz: Der Geist, der als ‚objektiver Geist des Materials‘ erscheint, war ehemals subjektiv. >Objektivität, >Subjekt/Objekt-Problem, >Subjektivität.
Grenz I 168
Geist/Adorno/Grenz: Dass der Geist von den realen Lebensverhältnissen sich trennte und ihnen gegenüber sich verselbständigte, ist nicht nur seine Unwahrheit, sondern auch seine Wahrheit. …die unwiderrufliche Verselbständigung des Geistes gegenüber der Gesellschaft, die Verheißung von Freiheit, ist selber so gut ein Gesellschaftliches, wie die Einheit von beidem es ist.(1) Grenz: also: Die historische Bewegung der Gegenwart ist aufgefasst als Rückbildung.
>Geschichte/Adorno, >Zeit, >Gegenwart, >Vergangenheit, >Zukunft.
Kultur/Adorno/Grenz: Wird Kultur als das Entbarbarisierende verstanden, so bedeutet der Übergang in die Phase nach dem Zeitpunkt, in welchem die Kultur hätte angeeignet werden können
I 169
und müssen, Barbarisierung, anthropologisch gesprochen Regression.(2) . Anthropogenese: wird von Adorno als rückläufig bestimmt. Bsp Regression des Hörens.


1. Th.W. Adorno. Gesammelte Schriften Bd. 8 p.121
2. Th.W. Adorno. Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Amsterdam 1947. p. 42f

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974

A X
Friedemann Grenz
Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme Frankfurt/M. 1984
Gesetze Antiphon der Sophist Taureck I 59
Gesetz/Antiphon/Sophist/Taureck: (1915 entdecktes Fragment): Gerechtigkeit: Gesetze: willkürlich, feindlich zur Natur.
Natur: notwendig.
>Nomos, >Natur.
I 61
Denen, die sich die Gesetze aneignen, kommt das Recht nicht genügend zu Hilfe. Zunächst lässt es ja das Leiden des Leidenden und die Tat des Täters ruhig geschehen. Vor Gericht hat der Leidende dem Täter zunächst gar nichts voraus. Er muss genauso überzeugend wirken wie dieser. Er wünscht erst die Fähigkeit zu erlangen, den Prozess zu gewinnen. Dieselben Mittel verbleiben dem Täter. Alle Überlegungen Antiphons werden vom Nutzen geleitet.
>Nutzen, vgl. >Utilitarismus.
I 63
Bestreitet den Nutzen der Befolgung von Staatsgesetzen. Aber kein Aufruf zum "Ausstieg" aus dem Staat. Gegen Anarchie. Für eine Gleichheit der Menschen. "Atmen wir doch alle durch Mund und Nase". Erziehung und Zucht erstrebenswert.
I 65
Übersetzung: "wenn" kann mit "weil" übersetzt werden, es folgt eine Sinnveränderung.

Taureck I
B. H.F. Taureck
Die Sophisten Hamburg 1995
Gödel Quine XIII 82
Gödel/Gödels Theorem/Quine: Beweis/Selbstevidenz/Quine: es ist zu viel verlangt, dass ein Beweis selbstevident sein müsste. Bsp Euklids Parallelenaxiom ist nicht selbstevident. Bsp Mengenlehre ist auch nicht selbstevident, weil sie von Paradoxa geschüttelt ist.
Selbstevidenz/Quine: finden wir in einer kleinen Anzahl von Axiomen der Zahlentheorie. Es sind die Axiome von Dedekind, die die Axiome von Peano genannt werden.
Elementare Zahlentheorie/Quine: es war immer die Frage, ob es nicht noch gültige Gesetze gäbe, die aus den Axiomen nicht abgeleitet werden könnten. Es gab sie! Das war eine Frage der Adäquatheit.
Gesetze/DF/Quine: die Frage weiterer, noch unentdeckter Gesetze schien ein Problem aller Zweige der Mathematik zu sein. Durch Ergänzungen der Axiome könnte man das vielleicht beheben? Aber Gödel bewies 1931, dass das nicht so sein kann!
Gödel/Quine: bewies, dass es kein vollständiges deduktives System für ein noch so kleines Fragment der Mathematik geben kann, wie es z.B. die Elementare Zahlentheorie ist.
XIII 82
Gödel/Quine: bewies, dass es kein vollständiges deduktives System für ein noch so kleines Fragment der Mathematik geben kann, wie es z.B. die elZT ist Def Elementare Zahlentheorie /Quine: umfasst Ziffern, Notation für plus, mal, Potenz und Gleichheit
XIII 83
Satzoperatoren: für „nicht“, „und“ und „oder“ und die Quantoren „Jede Zahl x ist so, dass…“und „es gibt eine Zahl x so dass…“. Die Zahlen sind die positiven ganzen Zahlen und die Null. Damit kann man Bsp Fermats letztes Theorem ausdrücken. Gödel/Quine: These: Kein Axiomensystem oder anderer deduktiver Apparat kann alle Wahrheiten abdecken, die selbst in dieser moderatesten Notation ausdrückbar sind. Jedes gültige Beweisverfahren wird einige wahre Sätze außer acht lassen, ja sogar unendlich viele davon.
Selbstevidenz/Mathematik/Gödel/Quine: daher müssen wir die Forderung der Selbstevidenz fallen lassen.
falsche Lösung/Quine: könnte man nicht einfach alle entdeckten Wahrheiten als Axiome nehmen?
Vs: das ist nicht deswegen unmöglich, weil es keine Axiomensysteme mit unendlich vielen Axiomen geben könnte, solche gibt es. Es ist vielmehr so, dass ein Beweis in endlicher Zeit geprüft werden können muss.
Gödel/Gödels Theorem/Quine: ist verwandt mit den reflexiven Paradoxa. Es geht darum, dass die Notation der elZT über sich selbst sprechen können muss. ((s) >Selbstreferenz).
Gödelnummerierung/Gödelzahl/Quine: …+…
XIII 84
Erwähnung/Gebrauch/Gödel/Quine: Gödels Beweis verlangt auch diese Unterscheidung. Bsp die Ziffer „6“ benennt die Zahl 6 und hat die Gödelzahl 47. Wir können sagen, die Gödelzahl 47 benennt die Zahl 6. (>Stellvertreter). Syntax/Arithmetik/Gödel/Quine: nachdem alle Ausdrücke ihre Benennung durch Gödelzahlen haben, können die syntaktischen Operationen über Ausdrücke, durch arithmetische Operationen über Zahlen gespiegelt werden.
Zitat/Gödel/Quine: Problem: die entsprechende Notation ist nicht Teil der symbolischen Logik und Arithmetik. Anführungszeichen (AZ) können dann auch nicht einfach durch Gödelzahlen benannt werden.
Zitat/Quine: eines Ausdrucks: benennt diesen Ausdruck.
Gödelzahlen/Gödelnummer/Quine: 47 benennt 6, weiterhin benennt 5361 die Zahl 47, wenn zufällig 53 und 61 die Gödelzahlen der Ziffern „4“ und „7“ sind. ((s) Anführungszeichen sic).
Zitat/Gödel/Quine: die Zitatrelation ist als repräsentiert durch die arithmetische Relation, die 5361 zu 47 und 47 zu 6 hat. Die allgemeine Relation kann in der Notation der elZT ausgedrückt werden, wenn auch nicht leicht. Die arithmetische Rekonstruktion syntaktischer Begriffe wie dieses war ein substantieller Teil von Gödels Arbeit.
Lügner/Lügnerparadoxie/Gödel/Quine: ist dienlich in einem der beiden Teile, in den Gödels Beweis aufgeteilt werden kann. Die Bombe explodiert, wenn die beiden Teile zusammengesetzt werden. Der Lügner kann vollständig
XIII 85
durch Gödelnumerierung ausgedrückt werden mit Ausnahme eines einzigen Ausdrucks: „Wahrheit“. Wenn das ginge, hätten wir das Paradox gelöst, aber die elZT in Misskredit gebracht. Wahrheit/Gödelzahl/Gödelnummer/Quine: Wahrheit ist nicht definierbar mittels Gödelzahlen, innerhalb der elZT.
Gödels Theorem/Quine: formal: keine Formel in der Notation der elZT ist wahr von allen und nur den Gödelnummern von Wahrheiten der elZT. (Das ist der eine Teil.
anderer Teil/Quine: behandelt jedes echte Beweisverfahren, hier geht es darum, dass jeder Beweis prüfbar sein muss.
formal: eine gegebene Formel in der Notation der elZT ist wahr von allen und nur den Gödelzahlen beweisbarer Formeln.
Church/Quine: ich übergehe hier seine These (Church-These), (siehe Rekursion; s.u.).
Gödel/Quine: die beiden Teile zusammen besagen, daß die beweisbaren Formeln nicht mit den Wahrheiten der elZT zusammenfallen. Entweder sie enthalten einige Falschheiten, oder sie decken einige Wahrheiten nicht ab. Gott verbietet das.
Gödel/Quine: sein eigener Beweis war direkter. Er zeigte, dass ein gegebener Satz, ausgedrückt in Gödelzahlen, nicht bewiesen werden kann. Entweder ist er falsch oder beweisbar, oder wahr und nicht beweisbar. Vermutlich das Letztere.
Falsche Lösung/Quine: man könnte diese verirrte Wahrheit als Axiom hinzufügen, aber dann bleiben wieder andere unbeweisbare.
Gödel/Pointe/Quine: ironischerweise war es zwar unplausibel, dass es eine Beweisprozedur für alle Wahrheiten der elZT geben könnte. Dieses würde Fermats Satz klären, und vieles andere mehr.
XIII 86
Andererseits schlug Gödels Ergebnis wie eine Bombe ein. Pointe: diese beiden Mängel stellten sich nun aber als äquivalent heraus! Denn:
Kleene/Quine: zeigte, dass wenn es ein vollständiges Beweisverfahren gibt, könnte jede Aussage als wahr oder falsch getestet werden wie folgt: ein Computer müsste so programmiert werden, jede Aussage herunter zu spulen, in alphabetischer Reihenfolge, die kürzesten zuerst, dann immer längere. Am Ende, wegen der Vollständigkeit des Verfahrens, wird er jeden einzelnen Satz bewiesen oder widerlegt haben.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Gorgias Taureck I 15
Gorgias/Sophist/Taureck: (~ 485 Leontinoi, Sizilien - 376,Thessalien): kein Konflikt mit der Staatsmacht. Von dem Arzt und Philosophen Empedokles (~495 - 435) beeinflusst.
Gorgias wurde 427 von seiner Vaterstadt mit einer Gesandtschaft nach Athen beauftragt. Er gewann die Volksversammlung für eine Unterstützung gegen Syrakus.
Gorgias hatte großen Einfluss auf die Politiker Perikles, Alkibiades und Kritias, aber auch auf Thukydides.
Zu seinen Schülern gehörte Isokrates, dessen Versuch einer auf allgemeinen Konsens gegründeten Ethik zeitweise bekannter war als die Philosophie Platons.
>Veränderung/Gorgias, >Existenz/Gorgias, >Logos/Gorgias, >Wahrnehmung/Gorgias, >Verstehen/Gorgias.
>Isokrates, >Sophisten.

Ergänzende Literatur zu Gorgias:

Scott Consigny (2001). Gorgias, Sophist and Artist. Columbia SC: University of South Carolina Press.

Ergänzende Literatur zu den Sophisten:

W. K C. Guthrie, The Sophists, Cambridge: Cambridge University Press 1971.
A. Laks and G. W. Most, Early Greek Philosophy 2016.
Richard Winton. "Herodotus, Thucydides, and the sophists" in: C.Rowe & M.Schofield, The Cambridge Companion to Greek and Roman Political Thought, Cambridge 2005.
Hermann Diels & Rosamond Kent Sprague (eds.) The Older Sophists a Complete Translation by Several Hands of the Fragments in Die Fragmente der Vorsokratiker. With a New Ed. Of Antiphon and of Euthydemus. University of South Carolina Press 1972.
John Dillon and Tania Gergel. The Greek Sophists. UK: Penguin Group 2003.

Taureck I
B. H.F. Taureck
Die Sophisten Hamburg 1995
Gültigkeit Evans II 201f
Strukturell gültig/Davidson: Schlüsse, die nur Wahrheitstheorie plus Übersetzungsregeln ohne Wahrheitsbedingungen involvieren?
II 204
Inferenzenmuster sind bei Objektsprache (OS) und Metasprache (MS) gleich. Strukturell gültig:
A: wenn Wahrheit direkt definiert wird: für jeden Satz S und S", S-und-S" ist wahr dann und nur dann, wenn S wahr ist und S" wahr ist.
II 205
B: wenn Wahrheit nicht direkt definiert ist: wenn F(S) ein Satz in dem Fragment ist, auf das S abgebildet wird, durch die Übersetzungsregeln, dann beinhalten S1,...Sn-1 formal Sn, dann und nur dann, wenn F(S1),.. .F(Sn-1 formal F(Sn) beinhalten.

EMD II
G. Evans/J. McDowell
Truth and Meaning Oxford 1977

Evans I
Gareth Evans
"The Causal Theory of Names", in: Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol. 47 (1973) 187-208
In
Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993

Evans II
Gareth Evans
"Semantic Structure and Logical Form"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

Evans III
G. Evans
The Varieties of Reference (Clarendon Paperbacks) Oxford 1989
Handelssanktionen Itskhoki Itskhoki I 11
Handelssanktionen/Itskhoki/Ribakova: Es liegt nahe anzunehmen, dass ein Land, das sich in vollständiger wirtschaftlicher Autarkie befindet, völlig unempfindlich gegenüber internationalen Wirtschaftssanktionen ist. Die unmittelbarste Abkehr von der Autarkie ist ein ausgeglichener internationaler Handel mit einem geschlossenen Kapitalkonto. In der jüngeren Geschichte haben selbst die schurkischsten Regime nicht annähernd eine vollständige wirtschaftliche Autarkie erreicht, und im Grunde genommen nimmt jedes Land der Welt in irgendeiner Form am internationalen Handel teil, selbst wenn es von den internationalen Finanzmärkten abgeschirmt ist. Dies reicht aus, damit internationale Wirtschaftssanktionen nach der üblichen Handelstheorie eine klare und messbare Wirkung haben. Wir gehen bei unserer Analyse von den folgenden Grundprinzipien des internationalen Handels aus (siehe z. B. die Diskussion in Helpman 2011)(1): 1. Handel führt zu allgemeinen Wohlfahrtsgewinnen für beide Handelspartner. Diese Aussage erweist sich in einer Vielzahl von Modellierungsrahmen als robust, und die Abweichungen hiervon sind im Allgemeinen pathologischer Natur.
Itskhoki I 12
2. Trotz der aggregierten Gewinne führt der Handel im Allgemeinen zu einem Verteilungskonflikt. Das heißt, es gibt in jedem Land Gewinner und Verlierer des Handels, aber der Überschuss der Gewinner reicht in der Regel aus, um die Verlierer auszugleichen, sofern Einkommenstransfers möglich sind. 3. Die Anpassung an Handelsschocks, seien sie positiv (wie Handelsliberalisierungen) oder negativ (wie Handelskriege und Sanktionen), ist mit einer kostspieligen Übergangsphase verbunden, in der ein Teil der Handelsgewinne zunichte gemacht oder die Verluste verstärkt werden. Handelssanktionen wirken über die Mechanismen #1 und #3, und „intelligente“ Handelssanktionen sollen auch den Mechanismus #2 in Gang setzen (siehe Fajgelbaum et al. 2020)(2).
>Sanktionen, >Sanktionen-Kontroverse, >Sanktionsfolgen, >Sanktionsgeschichte, >Sanktionspolitik, >Sanktionswirksamkeit, >Sanktionsumgehung, >Sanktionentheorie, >Zahlungssysteme, >Handelskriege, >Handelssanktionen, >Finanzsanktionen.
Wohlfahrtskosten von Sanktionen bei ausgewogenem Handel:
Arkolakis et al. (2012(3); im Folgenden ACR) schlagen eine einfache Methode zur Quantifizierung der Wohlfahrtsgewinne aus dem Handel vor:

(1) Gewinn aus dem Handel für Land i = 1 - λii 1/ε

wobei λii der Anteil der Ausgaben für inländische Waren ist,
1-λii der Anteil der Ausgaben für Importe ist und ε die Handelselastizität ist.
>Elastizität.
Formel (1) gilt für eine Reihe von weit verbreiteten Modellen des internationalen Handels, die zu einer Gravitationsstruktur der internationalen Handelsströme führen, für die es umfangreiche empirische Belege gibt.* Intuitiv betont Formel (1) zwei Hauptkräfte - wie viel das Land handelt, 1-λii, und wie einfach es ist, die importierten Waren durch im Inland produzierte Waren zu ersetzen, ε.
Die Auswirkungen eines Handelsschocks lassen sich daran messen, wie stark er den Anteil der Ausgaben für Importe beeinflusst:

(2) Veränderung der Wohlfahrt von Land i = - 1 ε d log λii

Man beachte, dass die Annahme einer Handelsbilanz dazu führt, dass der Importanteil eine ausreichende statistische Größe für die Wohlfahrt ist, ohne die Auswirkungen auf die Exporte zu berücksichtigen. Beachten Sie auch, dass Formel (2) gleichzeitig die Auswirkungen auf die Wohlfahrt, den realen Verbrauch und das reale BIP des Landes beschreibt, was das Hauptziel von Sanktionen sein kann oder auch nicht.
Itskhoki I 13
Bei einem ausgeglichenen Handel entsprechen die Veränderungen des realen Verbrauchs auch den Veränderungen der realen Kaufkraft des Einkommens. Wenn also die Geldpolitik die lokalen Nominallöhne stabilisiert, entspricht sie auch dem Kehrwert der Verbraucherpreisinflation.** Die Formeln (1) und (2) können auf Volkswirtschaften mit mehreren Sektoren und auf Volkswirtschaften mit komplexen Input-Output-Verknüpfungen ausgedehnt werden (siehe Costinot und Rodríguez-Clare 2014(4) und Baqaee und Farhi 2024(5)), wobei die Fähigkeit zur Substitution verschiedener ausländischer Waren und Vorleistungen durch inländische hervorgehoben wird.
Je einfacher die Substitution durch inländische Produktion ist, desto geringer sind die Gewinne aus dem Handel bzw. desto geringer sind die Verluste durch Handelssanktionen.
>Sanktionsumgehung.
Umgekehrt kann das Vorhandensein bestimmter Engpassgüter oder -industrien, die kaum substituierbar sind und zentral für die Produktion anderer Güter verwendet werden, zu extremen Fragmentierungsverlusten führen (Ossa 2015)(6).
Messungen: Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass die Veränderung des aggregierten (oder sektoralen) Handelsanteils weitgehend eine ausreichende statistische Größe ist, um die Auswirkungen einer bestimmten Handelspolitik auf die aggregierte Wohlfahrt (sektorale Produktion) zu bewerten. Dies erleichtert die unmittelbare Bewertung der Auswirkungen politischer Maßnahmen anhand von Handelsdaten (sofern Schätzungen der Handelselastizitäten vorliegen), die im Allgemeinen leichter zu beschaffen sind als Makrodaten.**
Umgehung von Sanktionen: Darüber hinaus verändern Substitutionen zwischen Außenhandelspartnern, die die Handelsanteile unverändert lassen (unter der Annahme ε > 1), weder die Wohlfahrt noch die Allokationen. Daher ist der aggregierte Handelsanteil und nicht der bilaterale Handelsanteil mit bestimmten Handelspartnern im Allgemeinen (aber nicht immer) am aussagekräftigsten. Die Möglichkeit, Waren und Vorleistungen aus der sanktionierenden Koalition in verbündete Länder und Länder der Dritten Welt zu verlagern, schränkt die Wirksamkeit von Sanktionen erheblich ein.
Itskhoki I 14
Größe der Länder: Das Ausgangsresultat (1) hat eine klare Implikation über die Rolle der Größe der Länder, die Sanktionen verhängen und empfangen. Historisch gesehen ist die Annahme vertretbar, dass ein Land, gegen das Sanktionen verhängt werden, klein ist, so dass dem Absender keine Kosten entstehen. Im Allgemeinen verdeutlicht Formel (1) jedoch, dass die Kosten in beide Richtungen gehen und sich umgekehrt proportional zur Größe des Landes verhalten. >Lerner-Symmetrie-Theorem.

* Die Schwerkraftgleichung im internationalen Handel sagt voraus, dass größere Länder durch größere Handelsströme verbunden sind und die Handelsströme mit der Entfernung zwischen den Ländern abnehmen. Formal zeigen die ACR, dass ε der Elastizität der Handelskosten (die üblicherweise mit der geografischen Entfernung und anderen Handelshemmnissen verknüpft sind) in der Gravitationsgleichung entspricht, nachdem andere wirtschaftliche Determinanten des Handels (wie die Größe der Länder und ihr Handelsnetz) kontrolliert wurden. Siehe Head und Mayer (2014(7)) sowie Costinot und Rodriguez-Clare (2014)(4).
** Bemerkenswert ist, dass Russland viele Quellen interner makroökonomischer und handelspolitischer Daten sofort klassifiziert hat. Dennoch war es möglich, den internationalen Handel mit Russland anhand der Daten seiner Handelspartner zu bewerten.

1. Helpman, Elhanan. 2011. Understanding Global Trade. Harvard University Press. https://doi.org/10.2307/j.ctt24hhh9.
2. Fajgelbaum, Pablo D, Pinelopi K Goldberg, Patrick J Kennedy, and Amit K Khandelwal. 2020.
“The Return to Protectionism.” The Quarterly Journal of Economics 135 (1): 1–55. https://doi.org/10.1093/qje/qjz036.
3. Arkolakis, Costas, Arnaud Costinot, and Andrés Rodríguez-Clare. 2012. “New Trade Models, Same Old Gains?” American Economic Review 102 (1): 94–130.
https://doi.org/10.1257/aer.102.1.94.
4. Costinot, Arnaud, and Andrés Rodríguez-Clare. 2014. “Chapter 4 - Trade Theory with Numbers: Quantifying the Consequences of Globalization.” In Handbook of International Economics, edited by Gita Gopinath, Elhanan Helpman, and Kenneth Rogoff, 4:197–261.
5. Baqaee, David Rezza, and Emmanuel Farhi. 2024. “Networks, Barriers, and Trade.” Econometrica 92 (2): 505–41. https://doi.org/10.3982/ECTA17513.
6. Ossa, Ralph. 2015. “Why Trade Matters after All.” Journal of International Economics 97 (2): 266–77. https://doi.org/10.1016/j.jinteco.2015.07.002.
7. Head, Keith, and Thierry Mayer. 2014. “Chapter 3 - Gravity Equations: Workhorse,Toolkit, and Cookbook.” In Handbook of International Economics, edited by Gita Gopinath, Elhanan Helpman, and Kenneth Rogoff, 4:131–95. Handbook of International Economics. Elsevier. https://doi.org/10.1016/B978-0-444-54314-1.00003-3.

Itskhoki I
Oleg Itskhoki
Elina Ribakova
The Economics of Sanctions: From Theory Into Practice. Brookings Papers on Economic Activity, Fall 2024. The Brookings Institution 2024
Handelssanktionen Ribakova Itskhoki I 11
Handelssanktionen/Itskhoki/Ribakova: Es liegt nahe anzunehmen, dass ein Land, das sich in vollständiger wirtschaftlicher Autarkie befindet, völlig unempfindlich gegenüber internationalen Wirtschaftssanktionen ist. Die unmittelbarste Abkehr von der Autarkie ist ein ausgeglichener internationaler Handel mit einem geschlossenen Kapitalkonto. In der jüngeren Geschichte haben selbst die schurkischsten Regime nicht annähernd eine vollständige wirtschaftliche Autarkie erreicht, und im Grunde genommen nimmt jedes Land der Welt in irgendeiner Form am internationalen Handel teil, selbst wenn es von den internationalen Finanzmärkten abgeschirmt ist. Dies reicht aus, damit internationale Wirtschaftssanktionen nach der üblichen Handelstheorie eine klare und messbare Wirkung haben. Wir gehen bei unserer Analyse von den folgenden Grundprinzipien des internationalen Handels aus (siehe z. B. die Diskussion in Helpman 2011)(1): 1. Handel führt zu allgemeinen Wohlfahrtsgewinnen für beide Handelspartner. Diese Aussage erweist sich in einer Vielzahl von Modellierungsrahmen als robust, und die Abweichungen hiervon sind im Allgemeinen pathologischer Natur.
Itskhoki I 12
2. Trotz der aggregierten Gewinne führt der Handel im Allgemeinen zu einem Verteilungskonflikt. Das heißt, es gibt in jedem Land Gewinner und Verlierer des Handels, aber der Überschuss der Gewinner reicht in der Regel aus, um die Verlierer auszugleichen, sofern Einkommenstransfers möglich sind. 3. Die Anpassung an Handelsschocks, seien sie positiv (wie Handelsliberalisierungen) oder negativ (wie Handelskriege und Sanktionen), ist mit einer kostspieligen Übergangsphase verbunden, in der ein Teil der Handelsgewinne zunichte gemacht oder die Verluste verstärkt werden. Handelssanktionen wirken über die Mechanismen #1 und #3, und „intelligente“ Handelssanktionen sollen auch den Mechanismus #2 in Gang setzen (siehe Fajgelbaum et al. 2020)(2).
>Sanktionen, >Sanktionen-Kontroverse, >Sanktionsfolgen, >Sanktionsgeschichte, >Sanktionspolitik, >Sanktionswirksamkeit, >Sanktionsumgehung, >Sanktionentheorie, >Zahlungssysteme, >Handelskriege, >Handelssanktionen, >Finanzsanktionen.
Wohlfahrtskosten von Sanktionen bei ausgewogenem Handel:
Arkolakis et al. (2012(3); im Folgenden ACR) schlagen eine einfache Methode zur Quantifizierung der Wohlfahrtsgewinne aus dem Handel vor:

(1) Gewinn aus dem Handel für Land i = 1 - λii 1/ε

wobei λii der Anteil der Ausgaben für inländische Waren ist,
1-λii der Anteil der Ausgaben für Importe ist und ε die Handelselastizität ist.
>Elastizität.
Formel (1) gilt für eine Reihe von weit verbreiteten Modellen des internationalen Handels, die zu einer Gravitationsstruktur der internationalen Handelsströme führen, für die es umfangreiche empirische Belege gibt.* Intuitiv betont Formel (1) zwei Hauptkräfte - wie viel das Land handelt, 1-λii, und wie einfach es ist, die importierten Waren durch im Inland produzierte Waren zu ersetzen, ε.
Die Auswirkungen eines Handelsschocks lassen sich daran messen, wie stark er den Anteil der Ausgaben für Importe beeinflusst:

(2) Veränderung der Wohlfahrt von Land i = - 1 ε d log λii

Man beachte, dass die Annahme einer Handelsbilanz dazu führt, dass der Importanteil eine ausreichende statistische Größe für die Wohlfahrt ist, ohne die Auswirkungen auf die Exporte zu berücksichtigen. Beachten Sie auch, dass Formel (2) gleichzeitig die Auswirkungen auf die Wohlfahrt, den realen Verbrauch und das reale BIP des Landes beschreibt, was das Hauptziel von Sanktionen sein kann oder auch nicht.
Itskhoki I 13
Bei einem ausgeglichenen Handel entsprechen die Veränderungen des realen Verbrauchs auch den Veränderungen der realen Kaufkraft des Einkommens. Wenn also die Geldpolitik die lokalen Nominallöhne stabilisiert, entspricht sie auch dem Kehrwert der Verbraucherpreisinflation.** Die Formeln (1) und (2) können auf Volkswirtschaften mit mehreren Sektoren und auf Volkswirtschaften mit komplexen Input-Output-Verknüpfungen ausgedehnt werden (siehe Costinot und Rodríguez-Clare 2014(4) und Baqaee und Farhi 2024(5)), wobei die Fähigkeit zur Substitution verschiedener ausländischer Waren und Vorleistungen durch inländische hervorgehoben wird.
Je einfacher die Substitution durch inländische Produktion ist, desto geringer sind die Gewinne aus dem Handel bzw. desto geringer sind die Verluste durch Handelssanktionen.
>Sanktionsumgehung.
Umgekehrt kann das Vorhandensein bestimmter Engpassgüter oder -industrien, die kaum substituierbar sind und zentral für die Produktion anderer Güter verwendet werden, zu extremen Fragmentierungsverlusten führen (Ossa 2015)(6).
Messungen: Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass die Veränderung des aggregierten (oder sektoralen) Handelsanteils weitgehend eine ausreichende statistische Größe ist, um die Auswirkungen einer bestimmten Handelspolitik auf die aggregierte Wohlfahrt (sektorale Produktion) zu bewerten. Dies erleichtert die unmittelbare Bewertung der Auswirkungen politischer Maßnahmen anhand von Handelsdaten (sofern Schätzungen der Handelselastizitäten vorliegen), die im Allgemeinen leichter zu beschaffen sind als Makrodaten.**
Umgehung von Sanktionen: Darüber hinaus verändern Substitutionen zwischen Außenhandelspartnern, die die Handelsanteile unverändert lassen (unter der Annahme ε > 1), weder die Wohlfahrt noch die Allokationen. Daher ist der aggregierte Handelsanteil und nicht der bilaterale Handelsanteil mit bestimmten Handelspartnern im Allgemeinen (aber nicht immer) am aussagekräftigsten. Die Möglichkeit, Waren und Vorleistungen aus der sanktionierenden Koalition in verbündete Länder und Länder der Dritten Welt zu verlagern, schränkt die Wirksamkeit von Sanktionen erheblich ein.
Itskhoki I 14
Größe der Länder Das Ausgangsresultat (1) hat eine klare Implikation über die Rolle der Größe der Länder, die Sanktionen verhängen und empfangen. Historisch gesehen ist die Annahme vertretbar, dass ein Land, gegen das Sanktionen verhängt werden, klein ist, so dass dem Absender keine Kosten entstehen. Im Allgemeinen verdeutlicht Formel (1) jedoch, dass die Kosten in beide Richtungen gehen und sich umgekehrt proportional zur Größe des Landes verhalten. >Lerner-Symmetrie-Theorem.

*Die Schwerkraftgleichung im internationalen Handel sagt voraus, dass größere Länder durch größere Handelsströme verbunden sind und die Handelsströme mit der Entfernung zwischen den Ländern abnehmen. Formal zeigen die ACR, dass ε der Elastizität der Handelskosten (die üblicherweise mit der geografischen Entfernung und anderen Handelshemmnissen verknüpft sind) in der Gravitationsgleichung entspricht, nachdem andere wirtschaftliche Determinanten des Handels (wie die Größe der Länder und ihr Handelsnetz) kontrolliert wurden. Siehe Head und Mayer (2014(7)) sowie Costinot und Rodriguez-Clare (2014)(4).
** Bemerkenswert ist, dass Russland viele Quellen interner makroökonomischer und handelspolitischer Daten sofort klassifiziert hat. Dennoch war es möglich, den internationalen Handel mit Russland anhand der Daten seiner Handelspartner zu bewerten.

1. Helpman, Elhanan. 2011. Understanding Global Trade. Harvard University Press. https://doi.org/10.2307/j.ctt24hhh9.
2. Fajgelbaum, Pablo D, Pinelopi K Goldberg, Patrick J Kennedy, and Amit K Khandelwal. 2020.
“The Return to Protectionism.” The Quarterly Journal of Economics 135 (1): 1–55. https://doi.org/10.1093/qje/qjz036.
3. Arkolakis, Costas, Arnaud Costinot, and Andrés Rodríguez-Clare. 2012. “New Trade Models, Same Old Gains?” American Economic Review 102 (1): 94–130.
https://doi.org/10.1257/aer.102.1.94.
4. Costinot, Arnaud, and Andrés Rodríguez-Clare. 2014. “Chapter 4 - Trade Theory with Numbers: Quantifying the Consequences of Globalization.” In Handbook of International Economics, edited by Gita Gopinath, Elhanan Helpman, and Kenneth Rogoff, 4:197–261.
5. Baqaee, David Rezza, and Emmanuel Farhi. 2024. “Networks, Barriers, and Trade.” Econometrica 92 (2): 505–41. https://doi.org/10.3982/ECTA17513.
6. Ossa, Ralph. 2015. “Why Trade Matters after All.” Journal of International Economics 97 (2): 266–77. https://doi.org/10.1016/j.jinteco.2015.07.002.
7. Head, Keith, and Thierry Mayer. 2014. “Chapter 3 - Gravity Equations: Workhorse,Toolkit, and Cookbook.” In Handbook of International Economics, edited by Gita Gopinath, Elhanan Helpman, and Kenneth Rogoff, 4:131–95. Handbook of International Economics. Elsevier. https://doi.org/10.1016/B978-0-444-54314-1.00003-3.

Itskhoki I
Oleg Itskhoki
Elina Ribakova
The Economics of Sanctions: From Theory Into Practice. Brookings Papers on Economic Activity, Fall 2024. The Brookings Institution 2024
Herrschaft Gramsci Brocker I 712
Herrschaft/GramsciVsMarx/Gramsci: Gramsci plädiert für ein vielschichtiges Verhältnis von Herrschaft und Unterordnung. Gramsci These: Eine subalterne Gruppe wird nicht allein durch die ökonomischen Verhältnisse marginalisiert, sondern ist von heterogenen Ausschließungen betroffen. Gramsci nennt die unterdrückten Klassen abwechselnd „classi subalterne“, „classi subordinate“ und „classi strumentali“. Diese Differenzierung könne nur im Zusammenhang mit den dominanten Gesellschaftsgruppen verstanden werden. Die dominanten Gesellschaftsgruppen realisieren ihre historische Einheit im Staat, d.h. in der Kombination von politischer und ziviler Gesellschaft.
Im Kontrast dazu bilden die subalternen Klassen eine fragmentierte Gruppierung, die durch mangelnde Autonomie und strukturelle und ökonomische Ausgrenzung gekennzeichnet ist.
Lösung/Gramsci: Das politische Ziel ist es, die Fragmentierung der subalternen Gruppen durch Organisation und durch eine Allianz zwischen Arbeitern und ländlichen Massen zu überwinden.(1)
>Ch. Spivak.

1.Vgl. Antonio Gramsci, Gefängnishefte, Kritische Gesamtausgabe, Bd. 9. Hefte 22 bis 29, hg.v. Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann, Hamburg 1999 (ital. zuerst 1934).

Nikita Dhawan, Gayatri Chakravorty Spivak “Can the subaltern speak?” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolGram I
Antonio Gramsci
Gefängnishefte
In
Kritische Gesamtausgabe Bd. 9, Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann Hamburg 1999

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Herrschaft Thomas v. Aquin Höffe I 148
Herrschaft/Gemeinwesen/Thomas/Höffe: Die Obrigkeit darf (...) nicht willkürlich agieren. Nicht befugt, beliebige Gesetze zu erlassen, hat sie das hochgenerelle Naturgesetz auf die geschichtliche Situation hin zu konkretisieren, wo nötig auch fortzuentwickeln. Gesetz: Es soll dem Wohl des Gemeinwesens dienen und mittels Verboten etwa von Mord und Diebstahl vom Volk Schaden abwenden.
Ausnahmen: Wegen des Situationsbezuges können die näheren Bestimmungen unter-
schiedlich ausfallen, auch wieder geändert werden.
>Billigkeit.
Höffe I 151
Über die Herrschaft von Fürsten/Thomas: (De regno): Trotz des fragmentarischen Charakters wird Thomas‘ Intention deutlich (...): Aristoteles Politische Philosophie soll (...) als eigenständiges Denken lebendig, zusätzlich unter den Bedingungen der damaligen Verhältnisse konkretisiert werden. Das Vorwort weist auf Gott als den «König aller Könige und Herrn aller Herrscher» hin. Es bestimmt als Gegenstand «den Ursprung königlicher Herrschaft (regni origo) und alles, was mit dem Beruf eines Königs verbunden ist». Realistische Auffassung: Thomas bleibt (...) seiner intellektuellen Grundhaltung treu, dass der Mensch mittels seiner autonomen und erfahrungsangereicherten Vernunft die für ihn wesentlichen Dinge auch ohne Offenbarung zu erkennen vermag.
Höffe I 152
De regno: Der Text lässt sich vereinfacht in vier Teile gliedern: (1) die Rechtfertigung von Herrschaft, in die ein Plädoyer für die Monarchie und gegen die
Tyrannis eingeht (Buch I, Kap. 1—6: ratio regiminis), (...)
(2) ein indirekter Fürstenspiegel, nämlich eine Überlegung zu den Motiven eines gerechten
Herrschers (1 7—11: ratio regentis). (...)
(3) die entsprechen- den Regierungsaufgaben an (1 12—15: ratio gubernationis),(...)
(4) das unvollendete Buch II [erörtert] die wichtigste Herrschaftsaufgabe, die Gründung eines
Gemeinwesens, einer Stadt Oder eines Reiches (...) (II 1—4).
Monarchie: hält Thomas nicht für selbstverständlich legitim.
Mensch/Bürger/Anthropologie: Aristoteles' Bestimmung des Menschen als seiner Natur nach
politisches Lebewesen wird zum Begriff des animal sociale et politicum, des sozialen und politischen Lebewesens, weiterentwickelt. (...) [Thomas‘] Ansicht nach muss der Mensch, sowohl ein Mängel-, als auch ein Vernunftwesen, mit seiner Hände Arbeit selbst für sein Leben sorgen.
Höffe I 155
Gemeinwohl: Bei der Verpflichtung des Herrschers auf das Gemeinwohl erweist [Thomas] sich wieder als erfahrungsoffener Realist. Denn er bindet diese Verpflichtung nicht an ein altruistisches Verantwortungsgefühl.
ThomasVsCicero: Gegen Cicero besteht der angemessene Lohn nicht in Ehre oder Ruhm, die von den Guten nämlich gering geachtet wer-
Höffe I 156
den, überdies so gefährliche Übel wie verderbliche kriegerische Verwicklungen und Heuchelei zur Folge haben. Korruption: Noch weniger darf es, was an Platon erinnert, auf Geld ankommen(2). Es zählt vielmehr allein der von Gott zu erwartende Lohn, der höchste Grad an himmlischer Seligkeit(3).
Überdies erfahre schon im Diesseits der gerechte König einen angemessenen Lohn. Diese Annahme erinnert nicht an Aristoteles' Politik, sondern an eine Behauptung Platons in der Politeia, dass einem gerechten Herrscher weit mehr als einem Tyrannen die Güter der Erde wie Reichtum, Macht, Ehre und ein guter Ruf zuteilwerden.
Heilserwartung: Sowohl die Erwartung des diesseitigen Wohls als auch die des jenseitigen Heils motivieren den König zur guten Herrschaft, statt ein Tyrann zu werden(4).

1. Thomas De regno ad regem Cypri
2. Ebenda I, 7
3. Ebenda I, 9
4. Ebenda I, 10f

Aquin I
Thomas von Aquin
Über die Herrschaft des Fürsten Stuttgart 1971
Hippias von Elis Taureck I 17
Hippias von Elis/Sophist/Taureck: (nach 470) im 20. Jahrhundert als Philosoph entdeckt, bis dahin nur als Mathematiker bekannt. Hippias gehörte zur zweiten Generation der Sophisten.
Politische Missionen nach Athen und Syrakus.
These: Hippias setzte sich für Demokratie ein.
Ideal: Bildung in den Künsten.
Vgl. >Antike Philosophie, >Sophisten.

Ergänzende Literatur zu den Sophisten:

W. K C. Guthrie, The Sophists, Cambridge: Cambridge University Press 1971.
A. Laks and G. W. Most, Early Greek Philosophy 2016.
Richard Winton. "Herodotus, Thucydides, and the sophists" in: C.Rowe & M.Schofield, The Cambridge Companion to Greek and Roman Political Thought, Cambridge 2005.
Hermann Diels & Rosamond Kent Sprague (eds.) The Older Sophists a Complete Translation by Several Hands of the Fragments in Die Fragmente der Vorsokratiker. With a New Ed. Of Antiphon and of Euthydemus. University of South Carolina Press 1972.
John Dillon and Tania Gergel. The Greek Sophists. UK: Penguin Group 2003.

Taureck I
B. H.F. Taureck
Die Sophisten Hamburg 1995
Ideologie Freeden Gaus I 6
Ideologie/Freeden: [für Marx und Engels(1)] (...) war die abstrakte Philosophie nichts anderes als Ideologie, weil beide die umgekehrte mentale Reflexion einer verzerrten und entfremdeten Realität waren. Heute: ist es anders. Ideologien werden sinnvollerweise nicht als defekte Philosophien begriffen, sondern als allgegenwärtige und gemusterte Formen des Denkens über Politik. Sie sind Cluster von Ideen, Überzeugungen, Meinungen, Werten und Einstellungen, die in der Regel von identifizierbaren Gruppen vertreten werden und die Handlungsanweisungen, ja sogar Pläne für die öffentliche Politikgestaltung in dem Bemühen liefern, die sozialen und politischen Arrangements eines Staates oder einer anderen politischen Gemeinschaft aufrechtzuerhalten, zu rechtfertigen, zu verändern oder zu kritisieren. Dies sagt uns etwas über ihre Funktionen und über die notwendigen Dienste, die sie für eine solche Gemeinschaft leisten.
Zunächst einmal ist es unvorstellbar, sich eine Gesellschaft vorzustellen, die sich nicht auf solche Denkmuster einlässt, die keine unterscheidbaren und wiederkehrenden Denkweisen hat, z.B. darüber, wer in dieser Gesellschaft belohnt werden sollte und wofür oder über die Grenzen der Ausübung politischer Macht, über den Wert nationaler Symbole oder über ihre Erwartungen an die Regierung.
Freeden: Ideologien, lassen Sie es mich betonen, sind im gesamten Bereich des Denkens über politische Ziele und Prinzipien evident, und praktisch alle Mitglieder einer Gesellschaft haben politische Ansichten und Werte, die sie fördern und verteidigen.
Analytische Philosophie: Im Gegensatz dazu verortet sich die analytische politische Philosophie an einem bestimmten Ende jedes dieser Spektren.
Sprache: Ideologien (...) wetteifern (...) absichtlich oder unabsichtlich um die Kontrolle der politischen Sprache, mit deren Hilfe sie versuchen, die politische Macht auszuüben, die zur Verwirklichung ihrer Funktionen notwendig ist. Letztlich zielen sie darauf ab, die im Wesentlichen umstrittenen Bedeutungen der wichtigsten politischen Begriffe genau zu definieren. Während also ein politischer Philosoph wie Rawls behauptet, dass viele schwierige Entscheidungen keine klare Antwort zu haben scheinen (1993: 57)(2), legt die Morphologie
Gaus I 7
von Begriffen nahe, dass sie im Gegenteil viele klare Antworten haben könnten. Soziale Gruppen/ideologische Familien: (...) geben ihren Anhängern eine soziale und politische Identität und fungieren als einer der Hauptfaktoren bei der Verwirklichung politischer Ziele.
1) (...) Es gibt keine notwendige Konfiguration von Ideologien in diesen Formen; sie können durchaus das Produkt kontingenter historischer Kräfte sein, die im Laufe der Zeit auftauchen und verschwinden. Andererseits können einige der Ideologiefamilien grundlegende menschliche Auffassungen von der Gesellschaftsordnung und ihrer Beziehung zu menschlichen Trieben und Hoffnungen widerspiegeln.
2) (...) jede dieser Ideologien ist Schauplatz loser und fließender Positionen. Es gibt nichts Offensichtliches, das als Sozialismus bezeichnet werden könnte, aber es gibt sicherlich Sozialismen: Marxistische, evolutionäre oder Zunft-Sozialismen sind Beispiele dafür.
3) (...) Ideologien schließen sich nicht gegenseitig aus.
4) (...) eine Fragmentierung der Ideologien hat die großen Familien begleitet und sich in den letzten Jahrzehnten verstärkt. Neben den vollständigen Ideologien mit ihren totalen, wenn nicht gar totalitären Lösungen für soziale Fragen gibt es dünne Ideologien, die sich mit Bereichen ideologischer Auseinandersetzungen befassen, ansonsten aber auf andere Ideologien zurückgreifen, um die Lücken zu füllen, mit denen sie sich nicht in erster Linie befassen. Nationalismus ist ein solcher Fall, der keine substantielle Theorie der Verteilungsgerechtigkeit enthält (...).
Gaus I 8
Politische Theorie: Die sorgfältige und kritische Untersuchung von Ideologien ist der einzige Analysebereich, in dem politische Ideen als direkter Zweig des Politikstudiums und nicht als Philosophie oder Geschichte angemessen berücksichtigt werden können. Nur dann können Fragen wie die folgenden behandelt werden: Was sind die sozialen und politischen Funktionen politischer Ideen; (...). Methode: All diese Fragen können nur dann gestellt werden, wenn wir auch Unmoral, Inkonsequenz und schlechte Argumente als geeigneten Gegenstand für die Analyse im Bereich der politischen Praxis betrachten. >Macht/Freeden.
Gaus I 10
Sprache: Die vergleichende Untersuchung von Ideologien muss sich mit [den] Problemen der Übersetzung befassen, wenn Unterschiede oft durch scheinbare Ähnlichkeiten der Sprache verschleiert werden, während Ähnlichkeiten durch unterschiedliche Ausdrucksformen verschleiert werden.
Gaus I 11
(...) Ideologien richten sich nicht nur an Gruppen, sie sind immer Gruppenprodukte. Wie in Karl Mannheims berühmtem (1936)(3) Bericht sind Ideologien Weltanschauungen von Menschen, die ein gemeinsames Weltverständnis teilen, vielleicht aufgrund gemeinsamer sozioökonomischer Wurzeln oder weil sie sich eine bestimmte Reihe kultureller Werte angeeignet haben.
1. Marx, K. and F. Engels 1974. The German Ideology, ed. C. J. Arthur. London: Lawrence and Wishart. S.47
2. Rawls, J. 1993. Political Liberalism. New York: Columbia University Press. S. 57
3. Mannheim, K. 1936. Ideology and Utopia. London: Routledge and Kegan Paul.


Freeden, M. 2004. „Ideology, Political Theory and Political Philosophy“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Internetkultur Benkler Benkler I 233
Internetkritik/Internetkultur/Internetkritiker/Internet/Benkler: 1. Ein grundlegendes Problem, das entsteht, wenn jeder sich Gehör verschaffen kann, ist, dass es zu viele Aussagen oder zu viele Informationen geben wird. Zu
I 234
viele Beobachtungen und zu viele Standpunkte machen es äußerst schwierig, sie zu durchsuchen, was zu einem unkontrollierbaren "Lärm" führt. Diese allgemeine Sorge, eine Variante des Babel-Einwandes, liegt drei konkreteren Argumenten zugrunde: dass Geld ohnehin dominieren wird, dass es zu einer Fragmentierung des Diskurses kommen wird und dass die Fragmentierung des Diskurses zu seiner Polarisierung führen wird.
I 235
2. Eine Kritik der zweiten Generation an den demokratisierenden Auswirkungen des Internets ist, dass es sich in der Tat als nicht so egalitär oder verteilt erweist, wie es die Konzeption der 90er Jahre nahegelegt hatte. Erstens, gibt es eine Konzentration in den Kanälen und den grundlegenden Werkzeugen der Kommunikation. Zweitens, und unnachgiebiger für die Politik, selbst in einem offenen Netzwerk, konzentriert sich ein hohes Maß an Aufmerksamkeit auf einige wenige Top-Webseiten - eine winzige Anzahl von Webseiten wird von der überwiegenden Mehrheit der Leser gelesen, während viele Webseiten nie von jemandem besucht werden. In diesem Zusammenhang repliziert das Internet das Modell der Massenmedien, indem es vielleicht einige Kanäle hinzufügt, aber nicht wirklich etwas strukturelles verändert.
I 236
3. [Ein weiteres Anliegen] im Kontext des Internets, (...) am deutlichsten von Neil Netanel artikuliert, ist, dass in den modernen komplexen Gesellschaften, in denen wir leben, kommerzielle Massenmedien entscheidend für die Erhaltung der Watchdog-Funktion der Medien sind. Große, anspruchsvolle, kapitalkräftige Regierungs- und Unternehmensmarktakteure verfügen über enorme Ressourcen, um nach Belieben zu handeln und um Überprüfung und demokratische Kontrolle zu vermeiden. 4. Eine Reihe von Behauptungen und deren Kritik haben mit den Auswirkungen des Internets auf autoritäre Länder zu tun. Die Kritik richtet sich gegen einen grundlegenden Glauben, der angeblich, und vielleicht sogar tatsächlich, von einigen Cyber-Liberalisten vertreten wird, dass bei ausreichendem Zugang zu Internet-Tools die Freiheit überall Einzug finden wird. Das entscheidende Argument hier ist, dass China mehr als jedes andere Land zeigt, dass es möglich ist, einer Bevölkerung den Zugang zum Internet zu ermöglichen - es ist jetzt die Heimat der zweitgrößten nationalen Bevölkerung von Internetnutzern - und diese zu kontrollieren.
5. Während das Internet den Kreis der Teilnehmer im öffentlichen Raum vergrößern kann, ist der Zugang zu seinen Tools zugunsten derjenigen ausgelegt, die in der Gesellschaft bereits gut situiert sind - in Bezug auf Reichtum, Rasse und Fähigkeiten.
>Internet/Benkler, >Internet/Zittrain etc.
I 241
Ad. 1. Anstatt dem Problem der Informationsüberflutung zu erliegen, lösen die Benutzer es, indem sie sich auf wenigen Webseiten "versammeln". Diese Schlussfolgerung basiert auf einer neuen, aber wachsenden Literatur über die Wahrscheinlichkeit, dass eine Webseite von anderen verlinkt wird. Die Verteilung dieser Wahrscheinlichkeit erweist sich als stark verzerrt. Das heißt, es gibt eine winzige Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Webseite von einer großen Anzahl von Personen verlinkt wird, und eine sehr große Wahrscheinlichkeit, dass für eine bestimmte Seite nur eine andere Seite oder sogar keine Webseite einen Link zu ihr aufweist.
I 242
Ad. 2. Während das Internet, das Web und die Blogosphäre in der Tat eine viel größere Ordnung aufweisen als das "Free Wheeling" (nicht limitiert durch Regeln), würde das Bild "Jeder als Verfasser" (engl. everyone a pamphleteer) suggerieren,dass diese Struktur kein Massenmedienmodell repliziert. Wir sehen eine neu gestaltete Informationsumgebung, in der tatsächlich nur wenige Seiten von vielen gelesen werden, aber Cluster von mäßig gelesenen Webseiten bieten Plattformen für eine weitaus größere Anzahl von Sprechern als im massenmedialen Umfeld. Filterung, Akkreditierung, Synthese und Hervorhebung werden durch ein System des Peer Review durch informationsaffine Gruppen, thematisch oder interessenbezogen, geschaffen. Diese Gruppen filtern die Beobachtungen und Meinungen eines enormen Spektrums von Menschen und übermitteln diejenigen, die das lokale Peer-Review überstanden haben, an breitere Gruppen und letztlich an das Gemeinwesen, ohne auf marktbasierte Kontrollpunkte für den Informationsfluss zurückzugreifen. Das intensive Interesse und Engagement kleiner Gruppen, die gemeinsame Anliegen teilen, und nicht das Interesse des kleinsten gemeinsamen Nenners an großen Gruppen, die weitgehend voneinander entfremdet sind, ist es, was die Aufmerksamkeit auf Aussagen lenkt und sie sichtbarer macht. Dadurch wird die entstehende vernetzte Öffentlichkeit besser auf die stark geäußerten Bedenken eines viel breiteren Bevölkerungskreises reagieren, als die Massenmedien sehen konnten. So entsteht ein Kommunikationsprozess, der resistenter gegen Korruption durch Geld ist.
I 264
Ad. 3. So wie das Internet eine Plattform für die Entstehung eines riesigen und effektiven Almanachs bieten kann, so wie freie Software exzellente Software produzieren kann und Peer-Produktion eine gute Enzyklopädie produzieren kann, so kann auch Peer-Produktion die öffentliche Watchdog-Funktion übernehmen.
I 265
(...) netzwerkbasierte Peer Production vermeidet auch die inhärenten Konflikte zwischen investigativer Berichterstattung und dem Endergebnis - ihre Kosten, ihr Risiko der Rechtsstreitigkeiten, ihr Risiko, Werbung von entfremdeten Unternehmenssubjekten zurückzuziehen, und ihr Risiko, Leser zu entfremden. Aufbauend auf der großen Variation und Vielfalt von Wissen, Zeit, Verfügbarkeit, Einsicht und Erfahrung sowie den riesigen Kommunikations- und Informationsressourcen, die fast jedem in fortgeschrittenen Wirtschaften zur Verfügung stehen, stellen wir fest, dass auch die Watchdog-Funktion in der vernetzten Informationswirtschaft im Vergleich zu anderen "peer-produziert" wird.
I 270
Ad. 4. (...) in autoritären Ländern erschwert und verteuert die Einführung der Internetkommunikation die Kontrolle der Öffentlichkeit durch die Regierungen. Wenn diese Regierungen bereit sind, auf die Vorteile der Internetanbindung zu verzichten, können sie dieses Problem vermeiden. Wenn sie es nicht sind, haben sie weniger Kontrolle über die Öffentlichkeit. Es gibt natürlich auch andere Mittel der direkteren Repression.
Benkler I 359
Soziale Bindungen/Internetkultur/Studium/Benkler/Turkle/Kraut: Anstatt eine Lösung für die Probleme zu finden, die die Industriegesellschaft für Familie und Gesellschaft schafft, wurde das Internet als zunehmende Entfremdung angesehen, indem sich seine Nutzer darin verloren. Sie verbrachten keine Zeit mehr mit der Familie. Es tauchte sie in Ablenkungen von der realen Welt mit ihren realen Beziehungen. In einer Sozialversion des Babel-Einwandes (>Babel-Einwand/Benkler) wurde es als Verengung der gemeinsamen kulturellen Erfahrungen angesehen, so dass die Menschen mangels einer gemeinsamen Sitcom oder Nachrichtensendung zunehmend voneinander entfremdet wurden. Ein Strang dieser Kritik stellte den Wert von Online-Beziehungen selbst als plausibler Ersatz für eine reale menschliche Verbindung in Frage. Sherry Turkle, die bedeutendste frühe Forscherin virtueller Identität, charakterisierte dieses Anliegen wie folgt: "Ist es wirklich sinnvoll, vorzuschlagen, dass der Weg zur Revitalisierung der Gemeinschaft darin besteht, allein in unseren Zimmern zu sitzen, an unseren vernetzten Computern zu tippen und unser Leben mit virtuellen Freunden zu füllen?"(1)
Benkler I 360
Ein weiterer Kritikpunkt konzentrierte sich weniger auf die Oberflächlichkeit, um nicht zu sagen die Leere der Online-Beziehungen, als vielmehr auf die schiere Zeit. Nach diesem Argument ging die im Netz verbrachte Zeit und Mühe auf Kosten der Zeit mit Familie und Freunden. Prominent und oft in dieser Hinsicht zitiert wurden zwei Frühstudien. Das erste mit dem Titel "Internet Paradox" wurde von Robert Kraut(2) geleitet. Es war die erste Längsschnittstudie mit einer erheblichen Anzahl von Nutzern - 169 Nutzer im ersten oder zweiten Jahr ihrer Internetnutzung. Kraut und seine Mitarbeiter fanden einen leichten, aber statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Zunahme der Internetnutzung und (a) der Abnahme der familiären Kommunikation, (b) der Abnahme der Größe des sozialen Kreises in Nah und Fern und (c) der Zunahme von Depression und Einsamkeit. Die Forscher gingen davon aus, dass die Nutzung des Internets starke durch schwache Bindungen ersetzt.
Zwei Jahre später folgte eine zweite, sensationellere Veröffentlichung einer Studie. Im Jahr 2000 betonte das Stanford Institute for the Quantitative Study of Society in einem "vorläufigen Bericht" über Internet und Gesellschaft - mehr eine Pressemitteilung als ein Bericht - die Feststellung, dass "je mehr Stunden die Menschen im Internet verbringen, desto weniger Zeit verbringen sie mit echten Menschen"(3). Die tatsächlichen Ergebnisse waren etwas weniger stark als die weit verbreitete Pressemitteilung. Wie bei allen Internetnutzern gaben nur etwas mehr als acht Prozent an, weniger Zeit mit der Familie zu verbringen; sechs Prozent gaben an, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, und 86 Prozent verbrachten etwa die gleiche Zeitspanne.
I 361
Vs: Das stärkste Ergebnis, das die "Isolation"-These in dieser Studie unterstützt, war, dass 27 Prozent der Befragten, die ständige Internetnutzer waren, angaben, weniger Zeit am Telefon mit Freunden und Familie zu verbringen. Die Studie fragte nicht, ob sie E-Mail anstelle des Telefons benutzten, um mit diesen Familienmitgliedern und diesen Freunden in Kontakt zu bleiben, und ob sie dachten, sie hätten dadurch mehr oder weniger eine Verbindung zu diesen Freunden und der Familie.
I 362
Wenn Internetverbindungen nicht tatsächlich den direkten, unmittelbaren menschlichen Kontakt verdrängen, gibt es keine Grundlage zu der Annahme, dass die Nutzung des Internets zu einem Rückgang der gehaltvollen Verbindungen führen wird, die wir psychologisch benötigen, oder der nützlichen Verbindungen, die wir sozial herstellen und die auf dem direkten menschlichen Kontakt mit Freunden, Familie und Nachbarn basieren.
I 363
Die Beziehungen zu der lokalen geografischen Gemeinschaft und zu den engen Freunden und der Familie scheinen durch die Internetnutzung nicht wesentlich beeinträchtigt zu werden. Soweit diese Beziehungen betroffen sind, ist der Effekt positiv. So setzten Kraut und seine Mitarbeiter ihr Studium fort und vertieften dieses für weitere drei Jahre. Sie fanden heraus, dass sich die negativen Auswirkungen, die sie im ersten oder zweiten Jahr gemeldet hatten, über den gesamten Beobachtungszeitraum verteilt hatten(4). Ihre grundlegende Hypothese, dass das Internet wahrscheinlich schwache Bindungen verstärkt hat, steht jedoch im Einklang mit anderen Forschungs- und Theoriearbeiten.
I 364
Menschen, unabhängig davon, ob sie mit dem Internet verbunden sind oder nicht, kommunizieren weiterhin bevorzugt mit Menschen, die sich geografisch in der Nähe befinden, als mit Menschen, die weit entfernt sind(5). Dennoch kommunizieren Menschen, die mit dem Internet verbunden sind, mehr mit Menschen, die geografisch entfernt sind, ohne die Anzahl der lokalen Verbindungen zu verringern.
1. Sherry Turkle, “Virtuality and Its Discontents, Searching for Community in Cyberspace,” The American Prospect 7, no. 24 (1996); Sherry Turkle, Life on the Screen: Identity in the Age of the Internet (New York: Simon & Schuster, 1995).
2. Robert Kraut et al., “Internet Paradox, A Social Technology that Reduces Social Involvement and Psychological Well Being,” American Psychologist 53 (1998): 1017–1031.
3. Norman H. Nie and Lutz Ebring, “Internet and Society, A Preliminary Report,” Stanford Institute for the Quantitative Study of Society, February 17, 2000, 15 (Press Release), http://www.pkp.ubc.ca/bctf/Stanford_Report.pdf. [Website not available as of 08/08/19]
4. Robert Kraut et al., “Internet Paradox Revisited,” Journal of Social Issues 58, no. 1 (2002): 49.
5. Barry Wellman, “Computer Networks as Social Networks,” Science 293, issue 5537 (September 2001): 2031.

Benkler I
Yochai Benkler
The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007
Interpretation Barthes Röttger-Denker I 53
Interpretation/Welt/Barthes: im Anschluss an Maurice Blanchot(1): »Die Unendlichkeit der Interpretation" ("die Entfaltung einer Bestimmung ins Unendliche«). Doch wer soll interpretieren? Der Mensch? Nietzsche: Man darf nicht fragen "wer interpretiert denn?", sondern das Interpretieren selbst, als eine Form des Willens zur Macht, hat Dasein (aber nicht als ein "Sein", sondern als ein Prozess, ein Werden) als ein Affekt."(1)
>Interpretation/Nietzsche, >Text, >Literatur, Schrift, >Hermeneutik.

Röttger-Denker I 136f
Interpretation/Barthes: Wirkung einer Überbelichtung: das Wort wird wie ein Palimpsest gesehen. >Wörter, >Wortbedeutung, >Welt/Denken.

1. Blanchot, M.1986. Nietzsche und die fragmentarische Schrift. In: W. Hamacher, Nietzsche aus Frankreich, Frankfurt/M. S. 65

Barthes I
R. Barthes
Mythologies: The Complete Edition, in a New Translation New York 2013
Kallikles Taureck I 20
Kallikles/Sophist/Taureck: Figur aus Platons Gorgias. Man weiß nicht, ob er eine reale Person ist. These: Gerechtigkeit sei das Recht einzelner, sich auf Kosten der anderen durchzusetzen.
>Nomos/Kallikles, >Sophisten.

Ergänzende Literatur zu Kallikles:

George B. Kerferd, Hellmut Flashar: Kallikles aus Acharnai, in: Hellmut Flashar (ed.): Grundriss der Geschichte der Philosophie. Die Philosophie der Antike, Band 2/1, Schwabe, Basel 1998.

Ergänzende Literatur zu den Sophisten:

W. K C. Guthrie, The Sophists, Cambridge: Cambridge University Press 1971.
A. Laks and G. W. Most, Early Greek Philosophy 2016.
Richard Winton. "Herodotus, Thucydides, and the sophists" in: C.Rowe & M.Schofield, The Cambridge Companion to Greek and Roman Political Thought, Cambridge 2005.
Hermann Diels & Rosamond Kent Sprague (eds.) The Older Sophists a Complete Translation by Several Hands of the Fragments in Die Fragmente der Vorsokratiker. With a New Ed. Of Antiphon and of Euthydemus. University of South Carolina Press 1972.
John Dillon and Tania Gergel. The Greek Sophists. UK: Penguin Group 2003.

Taureck I
B. H.F. Taureck
Die Sophisten Hamburg 1995
Klassen Gramsci Brocker I 711
Klassen/Gramsci: in den Quaderni del Carcere (1929-1935) führt Gramsci den Begriff „Subalterne“ ein. Der Begriff wurde ursprünglich im militärischen Bereich für untergeordnete Offiziere verwendet. Gramsci überträgt ihn auf diejenigen, die keiner hegemonialen Klasse angehören. GramsciVsMarxismus: damit weicht Gramsci von de orthodox-marxistischen Herangehensweise ab, die ihr politisches Augenmerk vor allem auf die
Brocker I 712
städtische Arbeiterklasse richtet. DhawanVsMarx: Die ländliche Bevölkerung wird bei Marx bekanntlich vernachlässigt, weil sie ihm als unorganisiert und präpolitisch gilt und keinen systematischen Gegenpol zur Bourgeoisie bilden könne.
>Herrschaft/Gramsci.
Gramsci nennt die unterdrückten Klassen abwechselnd „classi subalterne“, „classi subordinate“ und „classi strumentali“. Diese Differenzierung könne nur im Zusammenhang mit den dominanten Gesellschaftsgruppen verstanden werden. Die dominanten Gesellschaftsgruppen realisieren ihre historische Einheit im Staat, d.h. in der Kombination von politischer und ziviler Gesellschaft.
Im Kontrast dazu bilden die subalternen Klassen eine fragmentierte Gruppierung, die durch mangelnde Autonomie und strukturelle und ökonomische Ausgrenzung gekennzeichnet ist.(1)
Subalternität/Dhawan: der Begriff wurde innerhalb der postkolonialen Theorie u. a. von Guha übernommen, der damit einen Raum definiert, der von alle Mobilitätsformen abgeschnitten ist.(2)(3) Subalternität ist damit keine Identitätsbezeichnung, sondern eine Position, die Differenz markiert.

1. Vgl. Antonio Gramsci, Gefängnishefte, Kritische Gesamtausgabe, Bd. 9. Hefte 22 bis 29, hg.v. Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann, Hamburg 1999 (ital. zuerst 1934).
2. Vgl. Spivak. Selected Works of Gayatri Spivak, hg. V. Donna Landry/Gerald Maclean, New York/London 1996, S. 288.
3. Vgl. Ranajit Guha, Elementary Aspects of Peasant Insurgery in Colonial India, Delhi 1983.

Nikita Dhawan, Gayatri Chakravorty Spivak “Can the subaltern speak?” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolGram I
Antonio Gramsci
Gefängnishefte
In
Kritische Gesamtausgabe Bd. 9, Wolfgang Fritz Haug/Klaus Bochmann Hamburg 1999

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Klassisches Schlegel Gadamer I 295
Klassisches/Klassik/Schlegel/Gadamer: Eben das sagt das Wort „klassisch“ dass die Fortdauer der unmittelbaren Sagkraft eines Werkes grundsätzlich unbegrenzt ist.(1) Schlegel: »Eine klassische Schrift muss nie ganz verstanden werden können. Aber die, welche gebildet sind und sich bilden, müssen Immer mehr daraus lernen wollen. «
Gadamer: So sehr der Begriff des Klassischen Abstand und Unerreichbarkeit aussagt und der Bewusstseinsgestalt der Bildung zugehört, so behält doch auch die „klassische Bildung“ noch immer etwas von der fortdauernden Geltung des Klassischen. Selbst die Bewusstseinsgestalt der Bildung bezeugt noch eine letzte Gemeinsamkeit und Zugehörigkeit zu der Welt, aus der ein klassisches Werk spricht. >Klassik/Gadamer.


1. Friedrich Schlegel (Fragmente, Minor 20).

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Kollektive Intelligenz Lanier I 79
Kollektive Intelligenz/Schwarmintelligenz/Lanier: James Surowiecki(1): Bsp Wenn es darum geht, das Gewicht eines Ochsen zu schätzen, ist der Durchschnitt der Schätzungen vieler Leute zuverlässiger als die Schätzung irgendeines einzelnen. Nach einer verbreiteten Vorstellung funktioniert das, a) weil die Fehler der einzelnen Schätzer sich gegenseitig aufheben
b) weil vielen Schätzungen zumindest ein gewisses Maß an korrekter Logik und zutreffenden inhaltlichen Annahmen zugrunde liegt, sodass auf die richtige Antwort konvergieren. Nach der letztgenannten Formulierung bildet die individuelle Intelligenz weiterhin den Kern des Kollektivphänomens.
>J. Surowiecki.
I 80
Lanier: Der Grund, weshalb das Kollektiv wertvoll sein kann, ist der, dass die Gipfelpunkte de Intelligenz und der Dummheit beim Kollektiv nicht dieselben sind wie beim Individuum. Kollektiv: Das Kollektiv kann nützlich sein, bei der Feststellung eines Preises. Das entspricht eben dem Markt. Andererseits ist das Kollektiv unterlegen, wenn es darum geht, ein Produkt zu konstruieren.
I 81
Schwarmintelligenz/LanierVsSurowiecki: Schwarmintelligenz kann einen Ausgleich verschiedener Inkompetenzen bewirken, wenn eine Signalbearbeitung in die Schleife eingebaut wurde.
I 82
So kann eine Verlangsamung in einem Prozess von Rückmeldungen Chaos verhindern. Eine solche Verlangsamung kann mit Filtern in der Musikbearbeitung verglichen werden. Häufige Korrekturen an einzelnen Wikipedia-Einträgen wurden durch eine Einstellung vermindert, die einem Tiefpass-Filter entspricht. Inzwischen wurde die Häufigkeit begrenzt, mit der eine einzelne Person Textfragmente eines anderen Beiträgers entfernen kann. >Wikipedia, >Soziale Netzwerke, >Soziale Medien.
I 83
Schwarmintelligenz/Lanier: Wir sollten die „Weisheit der Vielen“ als Werkzeug verstehen, d.h. wir sollten sie auf einen konkreten Zweck beziehen.
I 84
Surowiecki: Surowiecki schlägt vier Prinzipien vor, unter anderem sollte man die Fähigkeit der Mitglieder beschränken, Kenntnis von der Entscheidung der übrigen Mitglieder zu erlangen, um die Unabhängigkeit der Entscheidungen zu gewährleisten. Lanier: Zusätzlich sollte man verhindern, dass solche Kollektive die betreffenden Fragen selbst formulieren. Bei den Antworten sollte es sich stets um ein einfaches Ja oder Nein oder um eine Multiple-Choice-Liste handeln.
Nassim Nicholas Taleb: Taleb hat kürzlich angeregt, Anwendungen wie die auf der Weisheit der Vielen basierenden in vier Quadranten einzuteilen. Der gefährliche „Vierte Quadrant“ umfasst nach seiner Einteilung Fragen mit komplexen Antworten, bei denen die Verteilung der Antworten zudem noch unbekannt ist. Dieser Quadrant sollte seiner Meinung nach für die Schwarmintelligenz tabu sein.
Vgl. >Intelligenz, >Entscheidungen, >Entscheidungstheorie.

1. J. Surowiecki, The Wisdom of Crowds, NY 2005.

Lanier I
Jaron Lanier
Gadget: Warum die Zukunft uns noch braucht Frankfurt/M. 2012
Kritias Taureck I 19
Kritias/Sophist/Taureck: (~455 - 403). Onkel Platons und Schüler von Sokrates und Gorgias. These: Die Furcht vor den Göttern ist von den Menschen selbst erfunden worden, um den anderen daran zu hindern, im Verborgenen etwas Böses zu tun.
Er wich von den anderen Sophisten ab.
I 20
Biografie: Kritias war Anführer der "30 Tyrannen" (8 Monate Schreckensherrschaft). Er war Sohn einer Adelsfamilie, war verantwortlich dafür, dass etwa 1500 demokratisch gesinnte Bürger Athens zum Tod durch den Giftbecher verurteilt wurden. Kritias tritt in verschiedenen Dialogen Platons auf.
>Platon, >Sokrates, >Gorgias, >Sophisten.

Ergänzende Litertur zu Kritias:

Kathleen Freeman (1948). Ancilla to the Pre-Socratic Philosophers: A complete translation of the Fragments in Diels, Fragmente der Vorsokratiker. Cambridge, Mass.: Harvard University Press.
Thomas G. Rosenmeyer (1949). "The Family of Critias". In: American Journal of Philology. The Johns Hopkins University Press. 70 (4): 404–410. doi:10.2307/291107. JSTOR 291107.

Ergänzende Literatur zu den Sophisten:

W. K C. Guthrie, The Sophists, Cambridge: Cambridge University Press 1971.
A. Laks and G. W. Most, Early Greek Philosophy 2016.
Richard Winton. "Herodotus, Thucydides, and the sophists" in: C.Rowe & M.Schofield, The Cambridge Companion to Greek and Roman Political Thought, Cambridge 2005.
Hermann Diels & Rosamond Kent Sprague (eds.) The Older Sophists a Complete Translation by Several Hands of the Fragments in Die Fragmente der Vorsokratiker. With a New Ed. Of Antiphon and of Euthydemus. University of South Carolina Press 1972.
John Dillon and Tania Gergel. The Greek Sophists. UK: Penguin Group 2003.

Taureck I
B. H.F. Taureck
Die Sophisten Hamburg 1995
Kritik Schlegel Gadamer I 367
Kritik/Schlegel/Gadamer: Das 25. Lyceumsfragment Friedrich Schlegels lautet: »Die beiden Hauptgrundsätze der sogenannten historischen Kritik sind das Postulat der Gemeinheit und das Axiom der Gewöhnlichkeit.
Postulat der Gemeinheit: Alles recht Große, Gute und Schöne ist unwahrscheinlich, denn es ist außerordentlich und zum mindesten verdächtig.
Axiom der Gewöhnlichkeit: Wie es bei uns steht und um uns ist, so muss es überall gewesen sein, denn das ist ja alles so natürlich.«
Gadamer: Im Gegensatz dazu erhebt sich das wirkungsgeschichtliche Bewusstsein über solche Naivität des Angleichens und Vergleichens, indem es sich die Überlieferung zur Erfahrung werden lässt und sich für den Wahrheitsanspruch, der in ihr begegnet, offen hält. Das hermeneutische Bewusstsein hat seine Vollendung nicht in seiner methodischen Selbstgewissheit, sondern in der (...) Erfahrungsbereitschaft (...). >Historisches Bewusstsein/Gadamer, >Erfahrung/Gadamer.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Kritische Theorie Arendt Brocker I 363
Kritische Theorie/ArendtVsAdorno/ArendtVsMarcuse/ ArendtVsHorkheimer/Arendt: Arendt nimmt eine kritische Perspektive auf die moderne Massengesellschaft ein. Jedoch lehnt sie die Grundannahme der Kritischen Theorie ab, dass die moderne Gesellschaft zu einer Entindividualisierung in großem Stile geführt habe (vgl. Horkheimer/Adorno 1944 (1); Marcuse 1967 (2)). Das Gegenteil ist aus ihrer Sicht der Fall: Erst die demokratische Massengesellschaft bringt den Individualismus konstitutiv hervor. >Individuen, >Individualismus, >Demokratie, >Gesellschaft.

1. Horkheimer, Max/Adorno, Theodor W., Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Amsterdam 1944.
2. Marcuse, Herbert, Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, Neuwied/Berlin 1967.

Antonia Grunenberg, „Hannah Arendt, Vita Activa oder Vom tätigen Leben“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Arendt I
H. Arendt
Crises of the Republic: Lying in Politics. Civil Disobedience. On Violence. Thoughts on Politics and Revolution Boston 1972

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Leben Yorck von Wartenburg Gadamer I 255
Leben/Paul Graf Yorck/Gadamer: Husserl hat von dem Zusammenhang des [Lebens] Begriffes mit der metaphysischen Tradition, insbesondere mit dem spekulativen Idealismus, schlechterdings keine Vorstellung. An diesem Punkte wird der 1956 veröffentlichte, leider sehr fragmentarische Nachlass des Grafen Yorck(1) von überraschender aktueller Bedeutung. Die Analyse der Lebendigkeit, die für Graf Yorck der Ausgangspunkt ist, so spekulativ sie klingt, bezieht dennoch die naturwissenschaftliche Denkweise des Jahrhunderts - ausdrücklich den Lebensbegriff Darwins - mit ein. Leben ist Selbstbehauptung. Das ist die Basis. Die Struktur der Lebendigkeit besteht darin, Urteilung zu sein, d. h. in der Teilung und Gliederung seiner selbst sich doch als Einheit zu behaupten. Urteilung wird aber auch als das Wesen des Selbstbewusstseins erwiesen, denn wenn es auch sich stets in Selbst und Anderes dirimiert, besteht es doch - als ein Lebendiges - in dem Spiel und Widerspiel dieser seiner konstitutiven Faktoren. Von
Gadamer I 256
ihm gilt wie von allem Leben, dass es Erprobung, d. h. Experiment ist. »Spontaneität und Dependenz sind die Grundcharaktere des Bewusstseins, konstitutiv im Bereich der somatischen sowie der psychischen Artikulation, wie denn weder ein Sehen und körperliches Empfinden noch ein Vorstellen, Wollen oder Fühlen ohne Gegenständlichkeit vorhanden wäre«.(2) Auch das Bewusstsein ist als ein Lebensverhalten zu verstehen.
>Bewusstsein/Paul Graf Yorck.

1. Paul Graf Yorck von Wartenburg, Bewußtseinsstellung und Geschichte, Tübingen 1956., S. 99.
2. Ebenda S. 39

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Leistungsfähigkeit Aronson Haslam I 246
Experiment/Stereotypen/Aronson, Joshua/Steele: A.
In einer ersten Studie (Steele und Aronson, 1995(1)) mussten 117 schwarze und weiße Universitätsstudenten (männlich und weiblich) einen mündlichen Test zusammen mit drei Anagrammproblemen absolvieren.
Bevor sie diesen Test durchführten, wurden die Teilnehmer zufällig einem von drei Rahmenbedingungen zugewiesen, welchen sie für diese Aufgabe hören sollten.
>Stereotype threat/Aronson/Steele.
1) Im Rahmen des "diagnostischen Tests" (DT) lernten die Teilnehmer, dass sich die Studie mit "verschiedenen persönlichen Faktoren, welche an der Leistung bei Problemen, die Lese- und sprachlogische Fähigkeiten erfordern, beteiligt sind", auseinandersetzt (S. 799). Es wird ein Feedback gegeben, das "Ihnen helfen könnte, indem es Sie mit einigen Ihrer Stärken und Schwächen vertraut macht" (1995, S. 799) bei der verbalen Problemlösung. Die Testschwierigkeit wurde als Mittel gerechtfertigt, um "einen ernsthaften Test Ihrer verbalen Fähigkeiten und Einschränkungen, mit welchem wir die Faktoren, die an beiden beteiligt sind, besser verstehen können", zu stellen (S. 799). Die Annahme, die diese Bedingung untermauert, ist, dass jede Erinnerung an intellektuelle Tests Erinnerungen an die rassischen Stereotypen über intellektuelle Fähigkeiten unter den schwarzen Teilnehmern hervorrufen würde, die ihre Leistung untergraben würden.
2) Zwei "Nicht-diagnostische Tests" (ND) wurden entwickelt, um diese Prozesse zu neutralisieren, indem
Haslam I 247
der Sinn der Studie als Möglichkeit dargestellt wurde, "psychologischen Faktoren, die bei der Lösung verbaler Probleme eine Rolle spielen", besser zu verstehen (S. 799). a) Es wird ein Feedback gegeben, um die Teilnehmer mit Problemen vertraut zu machen, die bei zukünftigen Tests, an welchen sie eventuell teilnehmen werden, auftreten können" (S. 799).
b) die herausfordernde Natur der Probleme in Hinblick auf einen Forschungsschwerpunkt auf schwierige verbale Probleme im nicht-diagnostischen Zustand gerechtfertigt und darauf begründet wurde, "hochverbalen Menschen... eine mentale Herausforderung" (S. 799) in der nicht-diagnostischen Aufgabe (engl.: non-diagnostic challenge) (NDC) zu geben.
Ergebnisse: Analysen der Leistung ergaben lediglich vorläufige Beweise, welche die Theorie unterstützten. Gezielte Analysen der Leistung der schwarzen Teilnehmer deuteten nach der Kontrolle der SAT-Ergebnisse darauf hin, dass die schwarzen Schüler im diagnostischen Zustand signifikant schlechter abschnitten als in einem der beiden nicht-diagnostischen Zustände. Im Vergleich dazu war die Leistung der weißen Schüler von der Art und Weise, wie die Aufgabe beschrieben wurde, relativ unbeeinflusst. Jedoch war der kritische statistische Test der Interaktion der Rasse durch Testbeschreibung nicht signifikant (S. 19).
B.
Eine zweite Studie versuchte, den Effekt zu replizieren und die Rolle der Angst bei der Erklärung dieser Leistungseinschränkungen zu untersuchen. 20 schwarze und 20 weiße weibliche Teilnehmer wurden den gleichen nicht-diagnostischen und diagnostischen Testbedingungen zugeordnet, die in Studie A verwendet wurden, und verbrachten 25 Minuten damit, den gleichen 30-Item GRE-Test zu lösen, der in der Vorstudie verwendet wurde. Die Teilnehmer berichteten zudem selbst über ihr Angstniveau. In dieser Studie war die vorhergesagte Interaktion signifikant: Wenn sie für verbale SAT (Scholastic Assessment Test) Ergebnisse kontrolliert wurden, lösten schwarze Teilnehmer im diagnostischen Testrahmenzustand weniger Einheiten korrekt, waren weniger genau bei den Fragen, die sie abgeschlossen hatten, lösten weniger Probleme und waren tendenziell langsamer als Teilnehmer unter allen anderen Bedingungen. Es gab jedoch keine Unterschiede zwischen den Bedingungen bezüglich der Angst.
C.
Studie 3 wurde entworfen, um drei Implikationen der Theorie zu testen: dass schwarze Studenten, die einen diagnostischen (vs. nicht-diagnostischen) Test durchführen
(a) eine erhöhte Aktivierung negativer rassischer Stereotypen und Selbstzweifel aufweisen,
(b) sich von schwarzen Stereotypen distanzieren und
c) eine Tendenz zur Selbstbeeinträchtigung aufweisen, indem sie präventive Ausreden für schlechte Leistungen finden.
35 schwarze und 33 weiße Schüler wurden zufällig einem diagnostischen Testrahmen, einem nicht-diagnostischen Testrahmen oder einer Kontrollbedingung zugeordnet, bei der die Teilnehmer die kritische abhängige Maßnahme abgeschlossen haben, ohne zu erwarten, an einen Test irgendeiner Art teilzunehmen. Die Testleistung wurde nicht bewertet.
Die Vermeidung von Stereotypen wurde bewertet, indem die Teilnehmer eine Reihe von Aktivitäten und Persönlichkeitsmerkmalen bewerteten, von denen einige mit schwarzen Stereotypen in Verbindung standen.
Haslam I 248
Ergebnisse: Die Ergebnisse dieser Studie lieferten Beweise dafür, dass die Antizipation der Leistung bei einem diagnostischen Test eine Vielzahl von psychologischen Implikationen für schwarze, nicht aber für weiße Schüler hatte. Kontrolliert nach den verbalen SAT-Ergebnisse (Scholastic Assessment Test) zeigte sich, dass die schwarzen Teilnehmer, die einen Diagnosetest erwarteten, Wortfragmente eher mit rassenbezogenen (...) und selbstzweifelhaften (...) Wörtern vervollständigten als die schwarzen Teilnehmer in den anderen Bedingungen (und eher als die weißen Teilnehmer in den diagnostischen Bedingungen). Es war bei diesen Teilnehmern zudem deutlich wahrscheinlicher, dass sie es vermeiden würden, stereotype Aktivitäten und Eigenschaften zu unterstützen.
D.
In einer vierten Studie musste die Hälfte der Teilnehmer ihre Rasse angeben, die andere Hälfte nicht.
Ergebnis: Schwarze Teilnehmer in der Race Prime Condition beantworteten deutlich weniger Items korrekt als die Teilnehmer in allen anderen Bedingungen (wiederum kontrolliert nach der vorherige SAT-Punktzahl). Sie schienen die Fragen in der Race Prime Condition zudem methodischer anzugehen - sie vervollständigten weniger Items, vermeideten Vermutungen, aber arbeiteten trotzdem etwas weniger präzise. Es wurden keine Unterschiede für den berichteten Aufwand und die Leistungseinschätzungen festgestellt, aber eine im Diskussionsabschnitt berichtete Folgestudie ergab, dass das Priming von Rasse die Angst für schwarze Teilnehmer im Vergleich zu weißen Teilnehmern erhöht haben könnte.
Interpretation/Steele/Aronson: Die Prüfung ihrer Fähigkeiten erinnert schwarze Schüler an negative Rassenstereotypen und motiviert sie, sich von ihnen zu distanzieren. Sie könnten von größeren Gefühlen des Selbstzweifels (und vielleicht auch der Angst) geplagt werden und versuchen, sich aufgrund potenziell schlechter Leistungen selbst zu behindern.
>Leistungsfähigkeit.


1. Steele, C.M. and Aronson, J. (1995) ‘Stereotype threat and the intellectual test performance of African-Americans’, Journal of Personality and Social Psychology, 69: 797—811.


Toni Schmader and Chad Forbes, “Stereotypes and Performance. Revisiting Steele and Aronson’s stereotypes threat experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Leistungsfähigkeit Steele Haslam I 246
Experiment/Stereotypen/Aronson, Joshua/Steele: A.
In einer ersten Studie (Steele und Aronson, 1995(1)) mussten 117 schwarze und weiße Universitätsstudenten (männlich und weiblich) einen mündlichen Test zusammen mit drei Anagrammproblemen absolvieren.
Bevor sie diesen Test durchführten, wurden die Teilnehmer zufällig einem von drei Rahmenbedingungen zugewiesen, welchen sie für diese Aufgabe hören sollten. >Stereotype threat/Aronson/Steele.
1) Im Rahmen des "diagnostischen Tests" (DT) lernten die Teilnehmer, dass sich die Studie mit "verschiedenen persönlichen Faktoren, welche an der Leistung bei Problemen, die Lese- und sprachlogische Fähigkeiten erfordern, beteiligt sind", auseinandersetzt (S. 799). Es wird ein Feedback gegeben, das "Ihnen helfen könnte, indem es Sie mit einigen Ihrer Stärken und Schwächen vertraut macht" (1995, S. 799) bei der verbalen Problemlösung. Die Testschwierigkeit wurde als Mittel gerechtfertigt, um "einen ernsthaften Test Ihrer verbalen Fähigkeiten und Einschränkungen, mit welchem wir die Faktoren, die an beiden beteiligt sind, besser verstehen können", zu stellen (S. 799). Die Annahme, die diese Bedingung untermauert, ist, dass jede Erinnerung an intellektuelle Tests Erinnerungen an die rassischen Stereotypen über intellektuelle Fähigkeiten unter den schwarzen Teilnehmern hervorrufen würde, die ihre Leistung untergraben würden.
2) Zwei "Nicht-diagnostische Tests" (ND) wurden entwickelt, um diese Prozesse zu neutralisieren, indem
Haslam I 247
der Sinn der Studie als Möglichkeit dargestellt wurde, "psychologischen Faktoren, die bei der Lösung verbaler Probleme eine Rolle spielen", besser zu verstehen (S. 799). a) Es wird ein Feedback gegeben, um die Teilnehmer mit Problemen vertraut zu machen, die bei zukünftigen Tests, an welchen sie eventuell teilnehmen werden, auftreten können" (S. 799).
b) die herausfordernde Natur der Probleme in Hinblick auf einen Forschungsschwerpunkt auf schwierige verbale Probleme im nicht-diagnostischen Zustand gerechtfertigt und darauf begründet wurde, "hochverbalen Menschen... eine mentale Herausforderung" (S. 799) in der nicht-diagnostischen Aufgabe (engl.: non-diagnostic challenge) (NDC) zu geben.
Ergebnisse: Analysen der Leistung ergaben lediglich vorläufige Beweise, welche die Theorie unterstützten. Gezielte Analysen der Leistung der schwarzen Teilnehmer deuteten nach der Kontrolle der SAT-Ergebnisse darauf hin, dass die schwarzen Schüler im diagnostischen Zustand signifikant schlechter abschnitten als in einem der beiden nicht-diagnostischen Zustände. Im Vergleich dazu war die Leistung der weißen Schüler von der Art und Weise, wie die Aufgabe beschrieben wurde, relativ unbeeinflusst. Jedoch war der kritische statistische Test der Interaktion der Rasse durch Testbeschreibung nicht signifikant, p < .19.
B.
Eine zweite Studie versuchte, den Effekt zu replizieren und die Rolle der Angst bei der Erklärung dieser Leistungseinschränkungen zu untersuchen. 20 schwarze und 20 weiße weibliche Teilnehmer wurden den gleichen nicht-diagnostischen und diagnostischen Testbedingungen zugeordnet, die in Studie A verwendet wurden, und verbrachten 25 Minuten damit, den gleichen 30-Item GRE-Test zu lösen, der in der Vorstudie verwendet wurde. Die Teilnehmer berichteten zudem selbst über ihr Angstniveau. In dieser Studie war die vorhergesagte Interaktion signifikant: Wenn sie für verbale SAT (Scholastic Assessment Test) Ergebnisse kontrolliert wurden, lösten schwarze Teilnehmer im diagnostischen Testrahmenzustand weniger Einheiten korrekt, waren weniger genau bei den Fragen, die sie abgeschlossen hatten, lösten weniger Probleme und waren tendenziell langsamer als Teilnehmer unter allen anderen Bedingungen. Es gab jedoch keine Unterschiede zwischen den Bedingungen bezüglich der Angst.
C.
Studie 3 wurde entworfen, um drei Implikationen der Theorie zu testen: dass schwarze Studenten, die einen diagnostischen (vs. nicht-diagnostischen) Test durchführen
(a) eine erhöhte Aktivierung negativer rassischer Stereotypen und Selbstzweifel aufweisen,
(b) sich von schwarzen Stereotypen distanzieren und
c) eine Tendenz zur Selbstbeeinträchtigung aufweisen, indem sie präventive Ausreden für schlechte Leistungen finden.
35 schwarze und 33 weiße Schüler wurden zufällig einem diagnostischen Testrahmen, einem nicht-diagnostischen Testrahmen oder einer Kontrollbedingung zugeordnet, bei der die Teilnehmer die kritische abhängige Maßnahme abgeschlossen haben, ohne zu erwarten, an einen Test irgendeiner Art teilzunehmen. Die Testleistung wurde nicht bewertet.
Die Vermeidung von Stereotypen wurde bewertet, indem die Teilnehmer eine Reihe von Aktivitäten und Persönlichkeitsmerkmalen bewerteten, von denen einige mit schwarzen Stereotypen in Verbindung standen.
Haslam I 248
Ergebnisse: Die Ergebnisse dieser Studie lieferten Beweise dafür, dass die Antizipation der Leistung bei einem diagnostischen Test eine Vielzahl von psychologischen Implikationen für schwarze, nicht aber für weiße Schüler hatte. Kontrolliert nach den verbalen SAT-Ergebnisse (Scholastic Assessment Test) zeigte sich, dass die schwarzen Teilnehmer, die einen Diagnosetest erwarteten, Wortfragmente eher mit rassenbezogenen (...) und selbstzweifelhafteten (...) Wörtern vervollständigten als die schwarzen Teilnehmer in den anderen Bedingungen (und eher als die weißen Teilnehmer in den diagnostischen Bedingungen). Es war bei diesen Teilnehmern zudem deutlich wahrscheinlicher, dass sie es vermeiden würden, stereotype Aktivitäten und Eigenschaften zu unterstützen.
D.
In einer vierten Studie musste die Hälfte der Teilnehmer ihre Rasse angeben, die andere Hälfte nicht.
Ergebnis: Schwarze Teilnehmer in der Race Prime Condition beantworteten deutlich weniger Items korrekt als die Teilnehmer in allen anderen Bedingungen (wiederum kontrolliert nach der vorherige SAT-Punktzahl). Sie schienen die Fragen in der Race Prime Condition zudem methodischer anzugehen - sie vervollständigten weniger Items, vermeideten Vermutungen, aber arbeiteten trotzdem etwas weniger präzise. Es wurden keine Unterschiede für den berichteten Aufwand und die Leistungseinschätzungen festgestellt, aber eine im Diskussionsabschnitt berichtete Folgestudie ergab, dass das Priming von Rasse die Angst für schwarze Teilnehmer im Vergleich zu weißen Teilnehmern erhöht haben könnte.
Interpretation/Steele/Aronson: Die Prüfung ihrer Fähigkeiten erinnert schwarze Schüler an negative Rassenstereotypen und motiviert sie, sich von ihnen zu distanzieren. Sie könnten von größeren Gefühlen des Selbstzweifels (und vielleicht auch der Angst) geplagt werden und versuchen, sich aufgrund potenziell schlechter Leistungen selbst zu behindern.
>Leistungsfähigkeit.

1. Steele, C.M. and Aronson, J. (1995) ‘Stereotype threat and the intellectual test performance of African-Americans’, Journal of Personality and Social Psychology, 69: 797—811.


Toni Schmader and Chad Forbes, “Stereotypes and Performance. Revisiting Steele and Aronson’s stereotypes threat experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Logik 2. Stufe Bigelow Logik 2 Stufe/Bigelow/Pargetter: hat viele faszinierende aber auch verblüffende Eigenschaften: wir erwähnen nur eine: Bsp wir können das Identitätsprädikat damit definieren, ohne dass wir einen weiteren Grundbegriff mit Axiomen einführen, einfach durch eine Abkürzung, dazu brauchen wir das Leibnizsche Gesetz:

(x)(y) ((x = y) ⇔ (ψ)(ψx ⇔ ψy)).

Zwei Dinge sind identisch, gdw. alles was das eine ist, auch auf das andere zutrifft.
>Leibniz-Prinzip, >Ununterscheidbarkeit.
Logik 2. Stufe: Das Problem ist semantischer, nicht syntaktischer Natur.
Frage: Welche Sprache sollen wir für unsere semantische Theorie wählen?
I 161
Standard-Lösung: rahmt eine semantische Theorie für Logik 2. Stufe innerhalb einer Logik 1. Stufe. D.h. die Metasprache beinhaltet Quantoren 1. Stufe und ein Prädikat des Enthaltenseins in einer Menge (mit Axiomen der Zermelo-Fraenkel-Mengenlehre). Pointe: Dann wird die Logik 2. Stufe äquivalent mit einem Fragment der Mengenlehre. Bsp um einen Satz wie

(Eψ) (ψa)

Alltagssprachliche Übersetzung: „Es gibt etwas, das a ist“ – „Es ist irgendwie, wie a ist“ ("There is somehow that a is“).
Das behauptet tatsächlich, dass

(Ey)(a ε y)

Alltagssprachliche Übersetzung: “Es gibt eine Menge, zu der a gehört”.
Das ist auch Logik 2. Stufe.
Die Semantik dafür geht wie folgt: Für jedes Prädikat schreiben wir eine Menge zu. So ist ein einfacher Satz
Fa
Wahr, wenn der Referent von a ein Element der Menge ist, die F entspricht.
Wenn F durch eine Variable  ersetzt wird, wird diese Variable über alle Mengen gehen, das ein Prädikat wie F referieren könnte. Daher wird
(Eψ)(ψ a)
wahr gdw. es eine Menge gibt, zu der a gehört.
Leibniz' Gesetz/Identität/Bigelow/Pargetter: Leibniz' Gesetz kann man dann umformulieren:
Zwei Dinge sind identisch gdw. sie zu genau denselben Mengen gehören.
Vgl. >Extensionalität.
Bigelow/Pargetter: Problem: Das sollte nicht als Definition von Identität genommen werden, denn bei der Definition von Mengen wurde schon der Begriff der Identität gebraucht (zirkulär).
>Zirkularität, >Identität.
Lösung: Man könnte die Bedenken der Zirkularität ausräumen, indem man darauf hinweist, dass Identität in einer Sprache definiert wurde, während Mengenlehre in einer Metasprache gebraucht wird.
>Metasprache, >Objektsprache.
I 162
Zirkel/Bigelow/Pargetter: Dennoch ist die Zirkularität nicht harmlos. Logik 2. Stufe/Bigelow/Pargetter: Logik 2. Stufe sollte man nicht bloß als notationale Variante der Mengenlehre behandeln. Bsp Die Behauptung, dass x eine Menge ist:
Menge (x)
Dann können wir Logik 2. Stufe gebrauchen, um zu behaupten, dass alle Mengen etwas Gemeinsames haben, das es irgendetwas gibt, was alle Mengen sind:
(Eψ)(x)(Menge (x) ψx)
Das ist auch insofern wahr, als „eine Menge sein“ tatsächlich „etwas“ ist, das sie alle sind.
Problem: Das kann man gar nicht mengentheoretisch interpretieren, denn sonst erhalten wir ein Paradox:
Es gibt eine Menge, die alle Mengen enthält.
Cantor: zeigte, dass das falsch ist. Es gibt keine Menge aller Mengen, keine Allmenge.
Vgl. >Russells Paradoxie.
Logik 2. Stufe/Bigelow/Pargetter: Das ist der Grund, warum sie nicht mit Mengenlehre verbunden werden darf.
Lösung/Bigelow/Pargetter: Unsere Semantik für eine Logik 2. Stufe muss eine Semantik in einer Sprache 2. Stufe sein, nicht eine Semantik in einer Sprache 1. Stufe.
>Semantik.
Universalien/Bigelow/Pargetter: uns geht es aber hier nur um die Verbindung von Universalien mit ihren Instanzen.
>Universalien.
Universale/Bigelow/Pargetter: Ein Universale kann mit einem Name denotiert (referiert) werden und über Universalien kann mit Quantoren 1. Stufe quantifiziert werden.
>Quantifikation, >Quantoren.
Offener Satz/Prädikat/Bigelow/Pargetter: nicht jeder offene Satz korrespondiert einem Universale.
>Offene Sätze, >Aussagenfunktion.
Bsp Man kann nicht von
Es gibt irgendetwas, wie diese Dinge sind (that these things are)
(Eψ)(ψx1 u ψx2 u …
ohne Zusatzprämissen schließen auf
I 163
Es gibt etwas, das diese Dinge gemeinsam haben (Ez)(x1 instantiiert z u x2 instantiiert z u ….)
Universalien/Bigelow/Pargetter: Das identifiziert Universalien als „Rekurrenz“. ((s) als an verschiedenen Dingen „Wiederkehrendes“).
Existenz 2. Stufe/Bigelow/Pargetter: Die Existenz 2. Stufe von „etwas“ das Dinge „sind“ (that things are“/(s) wie Dinge sind) sichert nicht die Existenz 1. Stufe von etwas, das irgendwie zu all diesen Dingen steht.
Semantik/Bigelow/Pargetter: Das zeigt, dass die primären Argumente für Universalien nicht semantisch sind. ((s) Weil sie keine gegenständlichen Wahrmacher sind).
>Wahrmacher.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Massenkultur Arendt Brocker I 363
Massenkultur/ArendtVsAdorno/ArendtVsMarcuse/Arendt: Arendt nimmt eine kritische Perspektive auf die moderne Massengesellschaft ein. Jedoch lehnt sie die Grundannahme der Kritischen Theorie ab, dass die moderne Gesellschaft zu einer Entindividualisierung in großem Stile geführt habe (vgl. Horkheimer/Adorno 1944 (1); Marcuse 1967(2)). Das Gegenteil ist aus ihrer Sicht der Fall: Erst die demokratische Massengesellschaft bringt den Individualismus konstitutiv hervor. Frage: 1. Welche materiellen und geistigen Voraussetzungen liegen dem Phänomen zugrunde, dass die moderne Massengesellschaft eine Gemeinschaft isolierter job-holder ist, deren Träger den Bezug zu der ihnen gemeinsamen Welt – der menschlichen Bedingtheit – verloren haben? 2. Was ist oder wo liegt der Maßstab für gesellschaftliches Zusammenleben? Siehe Gesellschaft/Arendt.


1. Horkheimer, Max/Adorno, Theodor W., Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente, Amsterdam 1944.
2. Marcuse, Herbert, Der eindimensionale Mensch. Studien zur Ideologie der fortgeschrittenen Industriegesellschaft, Neuwied/Berlin 1967.


Antonia Grunenberg, „Hannah Arendt, Vita Activa oder Vom tätigen Leben“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Arendt I
H. Arendt
Crises of the Republic: Lying in Politics. Civil Disobedience. On Violence. Thoughts on Politics and Revolution Boston 1972

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Medien Pariser I 59
Medien/Pariser: 1. Die Kosten für Produktion und Verbreitung werden immer näher gegen Null rücken.
2. Als Folge davon werden wir mit Auswahlmöglichkeiten überflutet.
3. Das mach Informationsverwalter ums so wichtiger
4. Menschliche Redakteure sind teuer, Code ist billig.
>Code, >Kosten, >Grenzkosten.
I 62
Nachrichten/Fake News/Falschmeldungen/Problem: was ist, wenn die Nachrichtenlandschaft so stark fragmentiert wird, dass Richtigstellungen von falschen Nachrichten oder Lügen den einzelnen nicht mehr erreichen? >Fake News, >Falschinformation, >Soziale Medien, >Soziale Netzwerke, >Internet, >Internetkultur.
I 82
Gemeinschaft/Medien/Pariser: Talentshows versammeln die Menschen vor dem Bildschirm, aber sie sprechen sie nicht als Bürger an. Das taten die Vertreter der alten Medien. >Zeitungen, >Öffentlichkeit.

Pariser I
Eli Pariser
The Filter Bubble: How the New Personalized Web Is Changing What We Read and How We Think London 2012
Namen Adorno Grenz I 84
Namen/Adorno/Grenz: Die Aufklärung als nominalistische macht Halt vor dem Namen, dem umfanglosen, punktuellen Begriff, dem Eigennamen.(1) >Namen, >Aufklärung.
I 85
In der jüdischen Religion bleibt das Band zwischen Namen und Sein anerkannt durch das Verbot, den Gottesnamen auszusprechen.(2) Der Bezug zum Nichtidentischen bleibt bestehen, wo der Name durch seine Ausgrenzung aus der Sprache dem Verfall des Wortes entzogen bleibt.
>Sprache, >Wörter, >Wortbedeutung, >Wort Gottes, >Judentum.

1. Th. W. Adorno. Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Amsterdam 1947 p. 29
2. Ebenda.

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974

A X
Friedemann Grenz
Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme Frankfurt/M. 1984
Naturschönes Hegel Gadamer I 64
Naturschönes/Hegel/Gadamer: Im Unterschiede zu Kant wurde [im deutschen Idealismus] der Standpunkt der Kunst als der der bewusstlos genialen Produktion allumfassend und umschloss auch die Natur, die als Produkt des Geistes verstanden wird.(1) >Ästhetik/Fichte.
Damit aber haben sich die Grundlagen der Ästhetik verschoben. Wie der Begriff des Geschmacks wird auch der Begriff des Naturschönen entwertet, bzw. anders verstanden. Das moralische Interesse am Schönen der Natur, das Kant so enthusiastisch geschildert hatte, tritt nun hinter der Selbstbegegnung des Menschen in den Werken der Kunst zurück.
>Ästhetik/Hegel.
Hegel/Gadamer: In Hegels großartiger Ästhetik kommt das Naturschöne nur noch als Reflex des Geistes« vor. Es ist im Grunde kein selbständiges Moment mehr im systematischen Ganzen
der Ästhetik(2).
Offenbar ist es die Unbestimmtheit, mit der sich die schöne Natur dem deutenden und verstehenden Geist darstellt, die es rechtfertigt, mit Hegel zu sagen, sie sei »ihrer Substanz nach im Geiste erhalten«(3). Unleugbar ist das Urteil über die Schönheit einer Landschaft in Abhängigkeit von dem Kunstgeschmack einer Zeit. Man denke etwa an die Schilderung der Hässlichkeit der Alpenlandschaft, die wir noch im 18. Jahrhundert antreffen — offenkundig ein Reflex des Geistes der künstlichen Symmetrie, der das Jahrhundert des
Gadamer I 65
Absolutismus beherrscht. Ästhetik/Hegel: So steht Hegels Ästhetik ganz und gar auf dem Standpunkt der Kunst. In der Kunst begegnet sich der Mensch selbst, Geist dem Geiste.
>Kunst/Hegel.


1. Bis zu welchem Grade der zwischen Kant und seinen Nachfolgern eingetretene Wandel, den ich durch die Formel "Standpunkt der Kunst" zu kennzeichnen suche, das universale Phänomen des Schönen verdunkelt hat, kann das erste Schlegelfragment (Friedrich Schlegel, Fragmente, Aus dem Lyceums 1797) lehren: »Man nennt viele Künstler, die eigentlich Kunstwerke der Natur sind«. In dieser Wendung klingt Kants Begründung des Geniebegriffs auf die Gunst der Natur nach, wird aber so wenig mehr gewürdigt, daß sie im Gegenteil zum Einwand gegen ein seiner selbst zu wenig bewusstes Künstlertum wird.
2.. Vgl. Hegel, Sämtl. Werke, ed. Lasson, Bd. Xa, 1. Halbband (Die Idee und das Ideal), S. Xllff. IVgl. 2.
3. Hegel, Vorlesungen über die Ästhetik, ed. Lasson.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Negation Adorno Grenz I 50
Negation/AdornoVsHegel/Grenz: Adorno trennt, gegen Hegel, die subjektive von der objektiven Positivität der negierten Negation.(1) >Subjektivität/Adorno, >G.W.F. Hegel.
I 50
Dialektik/doppelte Negation/PopperVsDialektik/Adorno/Grenz: Adorno gibt der Popperschen Dialektikkritik recht: Die Gleichsetzung der Negation der Negation mit der Positivität ist die Quintessenz des Identifizierens und damit der Verdinglichung.
I 50
Negation/Adorno/Grenz: Das Bewusstsein des Fehlens von etwas oder der Falschheit, dies Moment der bestimmten Negation als seinerseits Subjektives, darf nicht der objektiven Logik und gar der Metaphysik gutgeschrieben werden.(2) >Objektivität/Adorno.
Grenz I 51
Die bestimmte Negation ändert die Verhältnisse nicht. Sie ist nur deren Bewusstsein.
Grenz I 80
Bestimmte Negation/MarxVsHegel/Grenz: Bsp Die bürgerliche Revolution gegen die Feudalgesellschaft: Pointe: Hier ist bestimmte Negation als Methode verlorengegangen. Der Feudalismus wird im Doppelsinn aufgehoben: Liquidiert wird die Herrschaft Weniger über die Vielen, erhalten bleibt der Gesellschaftscharakter der Gesellschaft.
I Grenz 83
Bestimmte Negation/AdornoVsHegel/AdornoVsMarx/Grenz: Adorno löst die Antinomie der Zweisinnigkeit des Aufhebens und Einbeziehung des praktischen Elements der Geschichte in die bestimmte Negation auf. >Geschichte/Adorno.
I Grenz 91
Bestimmte Negation/Adorno/Grenz: Neukonzeption als immanente Kritik: a) Als Aufhebung innerweltlich konzipiert – so entgeht sie der Immanenzkritik an Hegel.
I 92
b) Kehrt den Begriff der Zweckrationalität als irrational hervor(3). So ergibt sich die Notwendigkeit, den Etwas-Charakter des bestimmten Nichts geschichtsphilosophisch(4) zu tilgen. c) Diese Notwendigkeit wird unterstützt von der Durchstoßung des Natur-Geschichte-Antagonismus.
Demnach bestünde die bestimmte Negation darin, das dem Faktischen seine Potentialität entgegengehalten wird, „der es nicht genügen kann“.(5)
Grenz I 106
Bestimmte Negation/Kunst/Adorno/Grenz: Das Offenbaren des Bildgehalts eines Kulturphänomens ist nur möglich als bestimmte Negation seines gesellschaftlichen Gehaltes, oder, was dasselbe ist, als Gewinnung der Wahrheit seiner Unwahrheit. >Kunst/Adorno, >Kunstwerke/Adorno, >Wahrheit/Adorno, >Wahrheitsgehalt/Adorno.
Grenz I 113
Doppelte Negation/Adorno/Grenz: Adorno versteht die Negation der Negation als negativ: inhaltsvoll, aber ohne Etwas-Charakter.(6)
Grenz I 116
Negation/Adorno/Grenz: bestimmte Negation und Etwas-Charakter des bestimmten Nichts treten auseinander durch die Verwandlung der bestimmten Negation in die physiognomische Analyse und des bestimmten Nichts in eine auf Seiendes und sei nur noch polemisch bezogene Kategorie der Erfahrung. Das ist die Leistung der negativen Dialektik Adornos, mit der sie den historischen und den dialektischen Materialismus zu sich selbst bringt. >Materialismus/Adorno.
Grenz I 180
Negation/Adorno/Grenz: Resultate physiognomischer Negationen sind Kunstwerke oder hermetische Texte. Sie misslingen also als Negationen, insofern sie die Negativität ihrer Neganda zwar praktisch, dafür aber begriffslos und also unbestimmt, diffus negieren. Theorie: Demgegenüber ist die Theorie vollzogene Bestimmung von Seiendem als negativ bloß theoretisch, aber bestimmt.


1. Th. W. Adorno. Negative Dialektik, In: Gesammelte Schriften, Band 6: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1970.p. 159, FN
2. Ebenda.
3. Negative Dialektik, p. 8
4. Th. W. Adorno. Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Amsterdam 1947. p 126.
5. Th. W. Adorno. Ästhetische Theorie, In: Gesammelte Schriften 7, Rolf Tiedemann (Hg.), Frankfurt/M: Suhrkamp. 1970. p. 205.
6. Negative Dialektik, p. 159f

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974

A X
Friedemann Grenz
Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme Frankfurt/M. 1984
Outsourcing Feenstra Feenstra I 4-2
Outsourcing/Feenstra: [Es gibt] gehandelte Vorleistungen, die dadurch entstehen, dass Unternehmen ihren Produktionsprozess auf mehrere Länder aufteilen. Die Idee, dass der Handel mit Vorleistungen andere Auswirkungen auf die Produktion und die Faktorpreise haben kann als der Handel mit Endprodukten, setzt sich unter Handelsökonomen immer mehr durch (...).**

*Alternativ bezeichnet als Outsourcing (Katz und Murphy, 1992(1), Feenstra und Hanson, 1996(2)), De-Lokalisierung (Leamer, 1996)(3), Fragmentierung (Jones und Keirzkowski, 1997, Arndt und Kierzkowski, 2000(4), Marjit und Acharyya, in Vorbereitung), Intra-Produkt-Spezialisierung (Arndt, 1997 und 1998a(5), b(6)), Intra-Zwischenhandel (Antweiler und Trefler, 2002(7)), vertikale Spezialisierung (Hummels, Ishii und Yi, 2001(8)) und Aufteilung der Wertschöpfungskette (Krugman, 1995(9)) bezieht sich dieses Phänomen auf die geografische Trennung der an der Produktion einer Ware (oder Dienstleistung) beteiligten Aktivitäten über zwei oder mehr Länder hinweg.
**Der Begriff „Produktionsteilung“ wurde von dem Unternehmensberater Peter Drucker geprägt („The Rise of Production Sharing“, The Wall Street Journal, 15. März 1977).

1. Katz, Lawrence F. and Kevin M. Murphy, 1992, “Changes in Relative Wages, 1963-1987: Supply and Demand Factors,” Quarterly Journal of Economics, 107, February, 35-78.
2. Feenstra, Robert C. and Gordon H. Hanson, 1996, “Foreign Investment, Outsourcing and Relative Wages,” in R.C. Feenstra, G.M. Grossman and D.A. Irwin, eds., The Political Economy of Trade Policy: Papers in Honor of Jagdish Bhagwati, MIT Press, 1996, 89-127.
3. Leamer, Edward E., 1996, “The Effects of Trade in Services, Technology Transfer and Delocalisation on Local and Global Income Inequality,” Asia-Pacific Economic
Review, 2, 44-60.
4. Arndt, Sven and Henryk Kierzkowski, eds., 2001, Fragmentation: New Production and Trade Patterns in the World Economy, Oxford University Press, Oxford.
5. Arndt, Sven, 1998a, “Globalization and the Gains from Trade,” in K. Jaeger and K.-J. Koch, eds. Trade, Growth and Economic Policy in Open Economies. SpringerVerlag: New York.
6. Arndt, Sven, 1998b, “Super-Specialization and the Gains from Trade,” Contemporary Policy Issues, Western Economic Association, forthcoming.
7. Antweiler, Werner and Daniel Trefler, 2002, “Increasing Returns and All That: A View from Trade,” American Economic Review, 92(1), March, 93-119.
8. Hummels, David, Jun Ishii, and Kei-Mu Yi, 2001, “The Nature and Growth of Vertical Specialization in World Trade,” Journal of International Economics, 54, 75-96.
9. Krugman, Paul, 1995, “Growing World Trade: Causes and Consequences,” Brooking Paper on Economic Activity, 1, 327-362.

Feenstra I
Robert C. Feenstra
Advanced International Trade University of California, Davis and National Bureau of Economic Research 2002
Phänomene Fraassen I 2
Phänomen/Fraassen: entscheidet
nicht über die Wahrheit von Hypothesen über Atome. - Def Phänomen: beobachtbare Prozesse und Strukturen.
I 44
Phänomen/Newton: sollte bewahrt werden. - Realität/Newton: wird postuliert.
I 56
Phänomen/Fraassen: werden bewahrt, indem sie als Fragmente einer größeren Einheit erwiesen werden. VsBeobachtungssprache: man kann Phänomene doch nicht anders beschreiben als den Rest der Welt. >Beobachtungssprache, >Beobachtung, >Strukturen, >Hypothesen, >Theorien.

Fr I
B. van Fraassen
The Scientific Image Oxford 1980
Postkolonialismus Mbembe Brocker I 912
Postkolonialismus/Mbembe/Herb: Achille Mbembes Untersuchung Zur politischen Vorstellungskraft im Afrika der Gegenwart(1) ist, allem Anschein zum Trotz, kein postkoloniales Buch über Afrika. So wenig die Untersuchung Buch sein will, so wenig ist sie sich ihres Gegenstandes Afrika sicher. Unter dem Titel Postkolonie liefert der Autor vielmehr Fragmente zu einer Studie, die ihren Zugang zum Gegenstand Afrika erst finden will, und dies in kritischer Distanz zu den postkolonialen Strömungen der Gegenwart. Die Rezeption (...) [des] Werkes meint es freilich anders. Von Anfang an wird der Autor dem Postkolonialismus zugerechnet. Dabei versteht der 1957 in Kamerun geborene Autor sich selbst eher als Dissident, der sich zwischen den Grenzen von okzidentaler Rationalität und postkolonialer Kritik frei bewegt und dabei die starren Fronten zwischen wissenschaftlichen Traditionen und Disziplinen überwinden will.
Brocker I 914
Die Kapitel über die »Befehlsgewalt« (»Du commandement«) und über die »indirekte private Regierung« (»Du gouvernement privé indirect«) analysieren den Zeitraum der postkolonialen Regime. Hier formuliert Mbembe seine These von den manifesten und verborgenen Kontinuitäten zwischen kolonialer Hierarchie und postkolonialer Herrschaftsordnung. Dabei wird sich zeigen, dass Gewalt, Willkür und Tod als Matrix afrikanischer Regime fungieren, und dies vor und nach der Erlangung politischer Unabhängigkeit von den Kolonialmächten. (...) in Staaten wie Kamerun, Senegal und Togo (...) offenbart sich die eigenwillige »Ästhetik der Vulgarität« (»Esthétique de la vulgarité«), die in der Disziplin und Dressur postkolonialer Gesellschaften nach wie vor am Werke ist. Sie werden organisiert im Zeichen des Fetischs, ritualer Repräsentation und der Herrschaft des Simulacrums.
Brocker I 917
Postkolonie erscheint (...) als »Epoche«, »Eigenheit« oder »Zeitgeist«. »Als Epoche umfasst die Postkolonie in Wahrheit vielfältige Zeiträume, die aus überlappenden, ineinander verschachtelten und sich umschließenden Diskontinuitäten, Umstürzen, Trägheiten, Schwankungen bestehen« (Mbembe 2016(1), 66). >Tyrannei/Mbembe. Die koloniale Transformation von Ökonomie in Politisches und Soziales findet unter veränderten Bedingungen auch in postkolonialen Regimen statt. Sie bildet geradezu den »Kitt der postkolonialen afrikanischen Autoritarismen« (107).
Brocker I 923
Postkolonie/Mbembe: Mbembes Analysen legen den Schluss nahe, dass sich die Verhältnisse in der Postkolonie unwesentlich von denen der Kolonie unterscheiden. Jedenfalls markiert die Zeit danach keinen Neuanfang. Es scheint, als werde dasselbe Theater aufgeführt, nur mit anderen Schauspielern und anderen Zuschauern. Die Postkolonie erscheint als »Epoche des rohen Lebens« (282), als Ort der Ununterscheidbarkeit von Leben und Tod. HigddlestonVsMbembe: Widerspruch und Kritik musste sich Mbembe nach Veröffentlichung der Postkolonie von verschiedenen Seiten gefallen lassen. Sein Begriff der Postkolonie, so vielfältig, lautstark und farbenfroh er auch bestimmt sein mochte, erschien vielen dennoch als allzu »abstrakt«, seine Einzelanalysen als »somewhat hyperbolic and extraordinarily generalized« (Hiddleston 2009(2), 175). Die einzelnen kolonialen Regime würden oft über einen Kamm geschert und blieben in ihrer historischen Besonderheit unentdeckt.

1. Achille Mbembe, De la postcolonie. Essai sur l’imagination politique dans l’Afrique contemporaine, Paris 2000. Dt.: Achille Mbembe, Postkolonie. Zur politischen Vorstellungskraft im Afrika der Gegenwart, Wien/Berlin 2016
2. Hiddleston, Jane, Understanding Postcolonialism, Stocksfield 2009.

Karlfriedrich Herb, „Achille Mbembe, Postkolonie (2000)“. in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Postmoderne Ball Gaus I 25
Postmoderne/Ball: Der interpretative Standpunkt oder die Perspektive der Postmoderne ergibt sich aus "der postmodernen Bedingung" der Fragmentierung und dem Scheitern systematischer Philosophien oder "großer Metanarrativen" wie Hegelianismus und Marxismus, die aus der europäischen Aufklärung hervorgegangen sind (Lyotard, 1984)(1). Die Postmoderne ist keine einzige, einheitliche Perspektive; und noch weniger ist sie eine systematische Philosophie, die von allen geteilt wird, die sich selbst als Postmodernisten bezeichnen. Zu dieser diffusen Gruppe gehören u.a. Michail Bachhtin, Paul de Man, Roland Barthes, Jean-François Lyotard und Jacques Derrida (Literaturkritiker und Semiotiker), Michel Foucault (Sozialhistoriker und Genealoge), Jacques Lacan (Psychoanalytiker), Gaston Bachelard (Wissenschaftshistoriker), Jean Baudrillard (Kulturtheoretiker und -kritiker), Richard Rorty (Philosoph) und William E. Connolly (politischer Theoretiker). Alle reagieren auf unterschiedliche Weise auf den postmodernen Zustand der Fragmentierung, Diskontinuität, Desillusionierung und Kontingenz. Geschichte: Die Welt ist nicht so zusammenhängend, kontinuierlich und verständlich, wie frühere (und vor allem aufklärerische) Denker glaubten. Selbst unsere grundlegendsten Überzeugungen sind historisch bedingt (Rorty, 1989)(2). Im Sinne von Hegel und Marx hat Geschichte keinen größeren Punkt oder "Sinn", der über eine übergreifende Geschichtsphilosophie oder eine "große Erzählung" (Lyotard, 1984)(1) erkennbar wäre.
Fortschritt: Auch in den menschlichen Angelegenheiten gibt es keine Fortschritte. Was als Fortschritt bezeichnet wird, ist in den meisten Fällen ein Fortschritt in der Macht einer dominanten Gruppe, eine andere zu unterdrücken. Fortschritte in der Technologie - etwa in der Kommunikationstechnologie - erhöhen die Möglichkeiten zur Überwachung und Unterdrückung (Foucault). Die Massenmedien fördern eindimensionale Ansichten über Wahrheit, Schönheit, Normalität und Moral, die die moderne Konsumgesellschaft und diejenigen, die von ihr profitieren, verewigen und legitimieren (Baudrillard).
>Interpretation/Postmoderne, >Dekonstruktion/Derrida, >Wahrheit/Postmoderne.

1. Lyotard, J.F. 1984. The Postmodern Condition: A Report on Knowledge, trans. Geoff Bennington and Brian Massumi. Minneapolis: University of Minnesota Press.
2. Rorty, R. 1989. Contingency, Irony, and Solidarity. Cambridge: Cambridge University Press.

Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Prodikos von Keos Taureck I 17
Prodikos von Keos/Sophist/Taureck: (470 oder 460 - 399). Schüler von Protagoras. Wirkte auf Isokrates, Sokrates und Eurypides. Aristophanes: (Die Wolken): von allen großen Weisen kann man eigentlich nur Prodikos zuhören, er hat Weisheit und er hat recht.
Von Prodikos stammt der Mythos von "Herakles am Scheideweg". Er arbeitet als Sprach- und Naturphilosoph.
Vgl. >Antike Philosophie, >Sophisten.

Ergänzende Literatur zu den Sophisten:

W. K C. Guthrie, The Sophists, Cambridge: Cambridge University Press 1971.
A. Laks and G. W. Most, Early Greek Philosophy 2016.
Richard Winton. "Herodotus, Thucydides, and the sophists" in: C.Rowe & M.Schofield, The Cambridge Companion to Greek and Roman Political Thought, Cambridge 2005.
Hermann Diels & Rosamond Kent Sprague (eds.) The Older Sophists a Complete Translation by Several Hands of the Fragments in Die Fragmente der Vorsokratiker. With a New Ed. Of Antiphon and of Euthydemus. University of South Carolina Press 1972.
John Dillon and Tania Gergel. The Greek Sophists. UK: Penguin Group 2003.

Taureck I
B. H.F. Taureck
Die Sophisten Hamburg 1995
Production Sharing Feenstra Feenstra I 4-2
Production Sharing/Feenstra: [Es gibt] gehandelte Vorleistungen, die dadurch entstehen, dass Unternehmen ihren Produktionsprozess auf mehrere Länder aufteilen. Die Idee, dass der Handel mit Vorleistungen andere Auswirkungen auf die Produktion und die Faktorpreise haben kann als der Handel mit Endprodukten, setzt sich unter Handelsökonomen immer mehr durch (...).**

*Alternativ bezeichnet als Outsourcing (Katz und Murphy, 1992(1), Feenstra und Hanson, 1996(2)), De-Lokalisierung (Leamer, 1996)(3), Fragmentierung (Jones und Keirzkowski, 1997, Arndt und Kierzkowski, 2000(4), Marjit und Acharyya, in Vorbereitung), Intra-Produkt-Spezialisierung (Arndt, 1997 und 1998a(5), b(6)), Intra-Zwischenhandel (Antweiler und Trefler, 2002(7)), vertikale Spezialisierung (Hummels, Ishii und Yi, 2001(8)) und Aufteilung der Wertschöpfungskette (Krugman, 1995(9)) bezieht sich dieses Phänomen auf die geografische Trennung der an der Produktion einer Ware (oder Dienstleistung) beteiligten Aktivitäten über zwei oder mehr Länder hinweg.
**Der Begriff „Produktionsteilung“ wurde von dem Unternehmensberater Peter Drucker geprägt („The Rise of Production Sharing“, The Wall Street Journal, 15. März 1977).

1. Katz, Lawrence F. and Kevin M. Murphy, 1992, “Changes in Relative Wages, 1963-1987: Supply and Demand Factors,” Quarterly Journal of Economics, 107, February, 35-78.
2. Feenstra, Robert C. and Gordon H. Hanson, 1996, “Foreign Investment, Outsourcing and Relative Wages,” in R.C. Feenstra, G.M. Grossman and D.A. Irwin, eds., The Political Economy of Trade Policy: Papers in Honor of Jagdish Bhagwati, MIT Press, 1996, 89-127.
3. Leamer, Edward E., 1996, “The Effects of Trade in Services, Technology Transfer and Delocalisation on Local and Global Income Inequality,” Asia-Pacific Economic Review, 2, 44-60.
4. Arndt, Sven and Henryk Kierzkowski, eds., 2001, Fragmentation: New Production and Trade Patterns in the World Economy, Oxford University Press, Oxford.
5. Arndt, Sven, 1998a, “Globalization and the Gains from Trade,” in K. Jaeger and K.-J. Koch, eds. Trade, Growth and Economic Policy in Open Economies. SpringerVerlag: New York.
6. Arndt, Sven, 1998b, “Super-Specialization and the Gains from Trade,” Contemporary Policy Issues, Western Economic Association, forthcoming.
7. Antweiler, Werner and Daniel Trefler, 2002, “Increasing Returns and All That: A View from Trade,” American Economic Review, 92(1), March, 93-119.
8. Hummels, David, Jun Ishii, and Kei-Mu Yi, 2001, “The Nature and Growth of Vertical Specialization in World Trade,” Journal of International Economics, 54, 75-96.
9. Krugman, Paul, 1995, “Growing World Trade: Causes and Consequences,” Brooking Paper on Economic Activity, 1, 327-362.

Feenstra I
Robert C. Feenstra
Advanced International Trade University of California, Davis and National Bureau of Economic Research 2002
Programmierung Lanier I 71
Programmierung/computer programming/Lanier: In der Frühzeit der Computerwissenschaft gab es einen Spruch: Wer Müll eingibt, bekommt Müll heraus. Es ist nicht damit zu rechnen, dass sich aus einer Vielzahl von Fragmenten eine größere Weisheit ergeben müsste. (>Schwarmintelligenz, LanierVsShirky, Clay.)
I 100
Der in Kern der Software-Produktion angelegte binäre Charakter kehrt auf höheren Ebenen wieder. Man kann einem Programm sehr viel leichter befehlen, es solle laufen oder nicht laufen, als ihm zu sagen, es solle einigermaßen laufen. Ebenso ist es leichter, in digitalen Netzwerken eine starre Repräsentation zwischenmenschlicher Beziehungen zu installieren. So kursiert dann eine reduzierte Fassung des Lebens unablässig zwischen den Freunden. >Software, >Computer, >Computersprachen, >Computerwissenschaft, >Mensch-Maschine-Kommunikation, >Formalisierung, vgl. >Künstliche Intelligenz.

Lanier I
Jaron Lanier
Gadget: Warum die Zukunft uns noch braucht Frankfurt/M. 2012
Pronomina Minsky I 217
Pronomen/Anaphora/Künstliche Intelligenz/Minsky: Pronomen stehen nicht für Gegenstände oder Wörter, sondern für Vorstellungen, Ideen oder Aktivitäten, von denen der Sprecher annimmt, dass sie sich im Kopf des Zuhörers abspielen. Unsere Sprache verwendet oft pronomenähnliche Wörter, um sich auf mentale Aktivitäten zu beziehen - aber wir tun dies nicht nur in der Sprache: es geschieht in allen anderen übergeordneten Funktionen unseres Geistes. Wann immer wir sprechen oder denken, benutzen wir pronomenähnliche Vorrichtungen, um die bereits erregten mentalen Aktivitäten auszunutzen, um die bereits im Verstand aktiven Gedanken miteinander zu verbinden. Dazu brauchen wir jedoch Maschinen, die wir als vorübergehende Mittel benutzen können, um diese aktiven Fragmente von Geisteszuständen zu ergreifen und zu bewegen. Pronomes/Terminologie/Minsky: Wir brauchen Maschinen, die wir als zeitweilige Mittel benutzen können, um die aktiven Fragmente psychischer Zustände zu greifen und zu bewegen. Um die Analogie zu den Pronomen unserer Sprachen zu betonen, werde ich solche Mittel Pronomes nennen.
Vgl. >Anaphora/Philosophische Theorien.

Minsky I
Marvin Minsky
The Society of Mind New York 1985

Minsky II
Marvin Minsky
Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003
Prosatz-Theorie Grover, D.L. Horwich I 315
Prosatz-Theorie/Camp,Grover,Belnap/CGB/Grover: (Modifikation von Ramseys Ansatz) These: Wenn wir die Alltagssprache leicht anreichern durch propositionale Quantifikation (Quantifikation über Sätze), dann können wir ohne Wahrheitsprädikat ("wahr") alles ausdrücken, was wir mit ihm ausdrücken können. >W-Prädikat, Wahrheitsprädikat.
I 324
Prosatz-Theorie/CGB: Variablen müssen bei dem Prosatz nicht mit Prädikaten verbunden sein. Alltagssprache: Die Alltagssprache hat schon Prosätze, Bsp "es ist wahr", "das ist wahr". Relativpronomen: Relativpronomen funktionieren nur mit Individuenvariablen - nicht mit propositionalen Variablen (diese haben Satzposition). Lösung: Eine Lösung hier bietet die cross-reference (Querverweis), dann muss eine Variable beim Prosatz nicht mit einem Verb verbunden sein.
I 325
Wahr/Ramsey: Wahr muss keine Eigenschaft zuschreiben. CGB: Wahr kann ein Fragment des Prosatzes sein.
I 334
Prosatztheorie/CGB: These: Wir wollen im Geist von Ramsey sagen, dass alle Rede über Wahrheit so verstanden werden kann, dass sie eben nur den prosententialen Gebrauch von "das ist wahr" involviert.
I 349
Prosatz/CGB: Der Prosatz darf nicht aufgesplittet werden (um "das" als Anapher zu nehmen - sonst ist auch "ist wahr" einzeln und dann nicht mehr referierend sondern charakterisierend (Eigenschafts-zuschreibend, CGBVs)).
I 351
Wahr/CGB: Wahr wird charakterisierend, wenn "sie" als unabhängiges Pronomen (traditionell, nicht-anaphorisch) aufgefasst wird.
I 354
Prosatz: Der Prosatz referiert nie auf eine Proposition (als Glaubensobjekt).
ad I 352
((s)Prosatz/CGB/(s): Der Prosatz hat normalerweise keine behauptende Kraft.) >Behauptende Kraft.
Grover, D. L.

Gro I D. Grover A Prosentential Theory of Thruth Princeton New Jersey 1992

Camp/Grover/Belnap
D. L. Grover, J. L. Camp, N. D. Belnap
Philosophical Studies 27 (1) 73 – 125 (1975)

Es wird auf externe Quellen verweisen.

Horwich I
P. Horwich (Ed.)
Theories of Truth Aldershot 1994
Protagoras Taureck I 13
Protagoras/Sophist/Taureck: (~485-415) zählt zu den ersten und wichtigsten Vertretern. Er hatte vierzig Jahre lang den Beruf des bezahlten Denkers inne.
I 14
Wurde 444 von dem demokratischen Athen beauftragt, für die Stand Thuroi im südlichen Italien eine Verfassung zu formulieren. Soll am Ende wie Sokrates, aber auch Phidias und Anaxagoras Opfer der Athenischen Demokratie gewesen sein. Grund ist vermutlich seine Bemerkung, er wisse nichts über die Existenz und Beschaffenheit der Götter zu sagen.
Angeblich verwies man ihn aus Athen und verbrannte seine Bücher auf dem Markt. Angeblich bei Abreise im Seesturm ertrunken. Verbannung wird neuerdings bezweifelt.
Schrieb Bücher über Naturwissenschaft, Götter, Ehrgeiz, Wahrheit. Keins ist erhalten.
Zitat: "Der Mensch ist das Maß aller Dinge".
I 15
Unsere Hauptquelle: Platon: "Protagoras", "Theaitetos".
I 111
Protagoras/Taureck: es existiert kein Beleg, dass Protagoras die Menschen als gleich angesehen hat. Schon in der Antike wurde er unterschiedlich interpretiert, entweder phänomenalistisch oder realistisch.
>Demokratie/Protagoras, >Ethik/Protagoras, >Logos/Protagoras,
>Mythos/Protagoras, >Erkenntnis/Protagoras, >Relativismus/Protagoras,
>Gesellschaftsvertrag/Protagoras, >Sophisten.

Ergänzende Literatur zu den Sophisten:

W. K C. Guthrie, The Sophists, Cambridge: Cambridge University Press 1971.
A. Laks and G. W. Most, Early Greek Philosophy 2016.
Richard Winton. "Herodotus, Thucydides, and the sophists" in: C.Rowe & M.Schofield, The Cambridge Companion to Greek and Roman Political Thought, Cambridge 2005.
Hermann Diels & Rosamond Kent Sprague (eds.) The Older Sophists a Complete Translation by Several Hands of the Fragments in Die Fragmente der Vorsokratiker. With a New Ed. Of Antiphon and of Euthydemus. University of South Carolina Press 1972.
John Dillon and Tania Gergel. The Greek Sophists. UK: Penguin Group 2003.

Taureck I
B. H.F. Taureck
Die Sophisten Hamburg 1995
Rationalität Adorno Grenz I 21
Rationalität/Odysseus/Adorno: Odysseus überlebt nur dank seiner List. Das ist die erste Manifestation des rational berechnenden Geistes.(1) >List der Vernunft.
Grenz I 22
Odysseus ist das „Urbild eben des bürgerlichen Individuums, dessen Begriff in jener einheitlichen Selbstbehauptung entspringt, deren vorweltliches Muster der Umgetriebene abgibt.“(2) Die Brücke zum bürgerlichen Individuum bildet der Begriff der rationalen Arbeit.
Grenz I 23
Rationalität/Adorno/Grenz: Das rationale Verhalten des Überlegenen ist durchsetzt von Regression auf den voremanzipativen Zustand. >Aufklärung, vgl. >Emanzipation, >Fortschritt/Adorno, >Geschichte/Adorno.

1. Th. W. Adorno und M. Horkheimer. Dialektik der Aufklärung. Philosophische Fragmente. Amsterdam 1947.
2. Ebenda p. 50

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974

A X
Friedemann Grenz
Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme Frankfurt/M. 1984
Reduktionismus Quine Quine VII (b) 40
Reduktionismus/QuineVsCarnap: seine Raumzeit-Quadrupel setzen eine bewegungsarme Welt voraus - die Quadrupel vergrößern noch die Menge der allgemeinen Eigenschaften. - Raffiniertere Form des Reduktionismus: jedes Vorkommnis vergrößert entweder die Wahrscheinlichkeit (likelihood) einer Aussage oder schmälert sie.
Schiffer I 2
QuineVsReduktionismus: das Semantische kann wegen der Unbestimmtheit der Übersetzung nicht auf fundamentalere Tatsachen reduziert werden - daher sah er die ganze Semantik skeptisch.
Quine IV 412
Def Reduktionismus (radikale Form): ihm zufolge ist jeder einzelnen sinnvolle Ausdruck übersetzbar in einen Ausdruck über unmittelbare Erfahrung. QuineVsReduktionismus: radikale Form: fälschliche Übersetzbarkeit einzelner Beobachtungen in einzelne Ausdrücke. HolismusVs.
>Holismus.
Schwächere Form: weiterhin die Vorstellung: jeder (synthetischen) Aussage sei eindeutig ein bestimmter Bereich von Sinnesreizungen zugeordnet. (Fälschlich).
Vs:Reaktionen auf Sinnesreize sind bei Menschen nicht starr. (>“Superspartaner“/Putnam).
Two Dogmas: 1. Reduktionismus
2. Unterscheidung analytisch /synthetisch.
>Analytisch/synthetisch.

VII (b) 39
Radikaler Reduktionismus/Quine: 1. Bsp Carnaps Übersetzung in Sinnesdatensprache plus logische Notation plus höhere Mengenlehre. Empirismus/Quine: ist oft verschwenderisch in seiner Ontologie.
Carnap: war der erste Empirist, der konsequent reduzierte.
VII (b) 40
Seine Arbeit ist aber immer noch nur ein Fragment des ganzen Programms. Seine Raum Zeit Punkt Quadrupel setzen eine bewegungsarme Welt voraus ("laziest world"). Prinzip der geringsten Bewegung, soll der Leitfaden für eine Konstruktion einer Welt aus der Erfahrung sein.
QuineVsCarnap: Carnap schien nicht zu bemerken, dass es seiner Behandlung physikalischer Objekte an Reduktion mangelte! Die Quadrupel maximieren und minimieren gewisse allgemeine Eigenschaften (over all features) und mit zunehmender Erfahrung werden die Wahrheitswerte im selben Sinn revidiert.
Aber das hilft nicht zu erkennen, wie eine Aussage der Form "Eigenschaft q ist an x,y,z,t" jemals in Carnaps ursprüngliche Sinnesdaten Sprache und Logik übersetzt werden könnte.
Problem: das "ist an" bleibt eine undefinierte Verbindung. Der Kanon zeigt uns, wie sie zu gebrauchen ist, aber nicht, wie wir sie eliminieren! Carnap hat das später anerkannt und nicht mehr verwendet.
Reduktionismus/Dogma/Quine: 2. Raffiniertere Form: Jeder Äußerung ist ein einheitlicher Bereich von möglichen Sinneseindrücken assoziiert, so dass jedes Vorkommnis entweder die Wahrscheinlichkeit (likelihood) der Wahrheit der Aussage vergrößert
VII (b) 41
oder schmälert. Das ist natürlich in der Verifikationstheorie enthalten.
Quine These: (kommt von Carnaps "Aufbau" her): unsere Aussagen stehen vor dem Tribunal der Erfahrung nicht einzeln, sondern als ganzes Korpus.
>Quine-Duhem-These.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987

Schi I
St. Schiffer
Remnants of Meaning Cambridge 1987
Schemabuchstaben Field II 115
Fragment/stärker/schwächer/Field/(s): Das schwache Fragment der substitutionalen Quantifikation (sQ) hat keine substitutionalen Quantoren. Schemabuchstaben werden als Variablen für Sätze behandelt. Dann sind die Schemata selbst Teil der Sprache und nicht nur ihre Instanzen. >Substitutionale Quantifikation, >Stärker/schwächer.

Field I
H. Field
Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989

Field II
H. Field
Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001

Field III
H. Field
Science without numbers Princeton New Jersey 1980

Field IV
Hartry Field
"Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994
Schönheit Herder Schönes/Herder: "Schade um die Schönheit, die ich erst aus hundert Vergleichungen schön finden soll."(1)
>Vergleiche, >Vergleichbarkeit, >Schönheit, >Absolutes.

1. Johann Gottfried von Herder's sämmtliche Werke: Zur schönen Literatur und Kunst. 20 vols. in 10. 1.-2. Th. Fragmente zur deutschen literatur; J. G. Cotta, 1829, S. 119.

Herder I
Johann Gottfried Herder
Herder: Philosophical Writings Cambridge 2002
Selbstidentifikation Castaneda Frank I 190
Selbstidentifikation/Ich/Selbst/Hume/Kant: Man kann sich nicht als das Objekt wahrnehmen, das die Erfahrung vollzieht. - Statt dessen identifiziert man ein Objekt in der Erfahrung mit einem Ding, das nicht Teil der Erfahrung ist und dieses Ding ist es, auf das die betreffende Person sich mittels "ich" bezieht - Castaneda pro. >Ich/Castaneda, >Selbstwissen, >Selbst, >Person, >Ich.
I 190
Ich/Selbst/Identifikation/Carl Ginet/Castaneda: Ginets These ist eine geniale Analyse, sie scheint die direkt bezugnehmende Rolle von "er*" zu bewahren: Bsp Für jeden Satz der Form "X glaubt, dass er* H ist" gibt es eine Übersetzung ohne "er*": Vorschlag: "X hält die Proposition für wahr, die X ausdrücken würde, wenn X sagen würde, "ich bin H".
CastanedaVsGinet:
1. Die bloße Äußerung von "Ich bin H" garantiert nicht, dass überhaupt eine Proposition ausgedrückt wird - 2. Zirkulär: Man muss dann auch "was er normalerweise bedeutet" analysieren.
I 202
Selbstidentifikation/Castaneda: man muss und kann sich nicht unter jeder Kennzeichnung selbst identifizieren. - Sonst wüsste der schwerste Mann Europas, dass er es ist, ohne jemals auf die Waage zu steigen. - Deshalb darf "er*" nicht als unabhängiges Symbol verwendet werden.
I 220
Selbstidentifikation/Castaneda: Damit X sich auf Y als Z bezieht, muss X nicht nur Y mit Z identifizieren, sondern auch Z als Z darstellen (Repräsentation). Kumulation von Bezugnahmen - "Schachteln in Schachteln".
Schachtel: Fragment der Welt, wie die Person sie versteht.
>Mögliche Welten, >Querweltein-Identität, >Zentrierte Welten.
de dicto/Castaneda: Abbildungen von Darstellungen: Schachteln in Schachteln.
de re/Castaneda: einfach die Bezugnahmen des Sprechers - auch auf Nichtexistentes.
>de re, >de dicto, >Referenz.

Hector-Neri Castaneda(1966b): "He": A Study on the Logic of Self-consciousness,
in : Ratio 8 (Oxford 1966), 130-157

Cast I
H.-N. Castaneda
Phenomeno-Logic of the I: Essays on Self-Consciousness Bloomington 1999

Fra I
M. Frank (Hrsg.)
Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994
Semantik Dennett I 222
Semantik/Dennett: Die ersten Verbindungen sind freilich so primitiv, dass man sie kaum als "semantisch" bezeichnen kann. Sobald aber ein semantisches Zuordnungssystem geschaffen ist (indem ein Proteinfragment sich mit einer Nucleotidkette vereinigt, der es vorher geholfen hat) dann beschleunigt sich das Ganze. Jetzt kann ein Abschnitt eines Codes etwas codieren. neue Dimension der Bewertung. Proteine werden nach ihren Katalysatoreigenschaften bewertet.
I 490f
Semantik/Syntax/Dennett: Im Fall der Gene gibt es tatsächlich eine Zuordnung zwischen syntaktischer und semantischer Identität: eine genetische Sprache, in der die Bedeutung in groben Zügen über alle Arten hinweg erhalten bleibt. Dennoch müssen wir die beiden Dimensionen unterscheiden: In der >Bibliothek von Babel erkennen wir eine Gruppe syntaktischer Varianten, die alle zur Moby-Dick-Gruppe gehören, aber aufgrund der Semantik, nicht aufgrund syntaktischer Ähnlichkeit.
Gene erkennen wir vor allem aufgrund ähnlicher phänotypischer Effekte wieder, z.B. Augen oder Hämoglobin-Erzeugung.
I 221
Semantik/Syntax/Leben/Eigen/Dennett: die strukturelle Stabilität steht in keinem Zusammenhang zur semantischen Information. Diese kommt erst im Übersetzungsprodukt zum Ausdruck. Natur bevorzugt gewisse Buchstaben - G und C werden bevorzugt, weil sie als Replikatoren am stabilsten sind und nicht, weil sie in den genetischen "Wörtern" am häufigsten vorkommen - die Bevorzugung, die am Anfang syntaktisch ist, verbindet sich mit einem semantischen Ungleichgewicht: die Logik des Codeschemas resultiert aus rein physikalischen bzw. chemischen Gegebenheiten! Vgl. >Syntax, >Grammatik, >Gene, >Code.
I 222
Der Anfang ist so primitiv dass er kaum semantisch genannt werden kann - sobald ein semantisches Zuordnungssystem geschaffen ist, beschleunigt sich das Ganze.

Dennett I
D. Dennett
Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997

Dennett II
D. Dennett
Spielarten des Geistes Gütersloh 1999

Dennett III
Daniel Dennett
"COG: Steps towards consciousness in robots"
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Dennett IV
Daniel Dennett
"Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Somatische Erkrankungen Psychologische Theorien Corr I 205
Somatische Erkrankungen/Psychologische Theorien/Elovainio/Kivimäki: (...) in den 1700er und 1800er Jahren wurden psychologische Erklärungen, einschließlich der Persönlichkeit, hauptsächlich verwendet, wenn kein offensichtlicher physiologischer Mechanismus für eine somatische Krankheit gefunden wurde (für eine Rezension siehe Ravaja 1996)(1)). Heute deutet eine große Anzahl von Beweisen darauf hin, dass psychologische Faktoren eine Rolle bei vielen somatischen Gesundheitsproblemen spielen können, die entzündliche und kardiovaskuläre Krankheitsprozesse betreffen (Hemingway und Marmot 1999(2); Miller, Markides, Chiriboga und Ray 1996(3); Schneiderman 1987(4); Smith 1992(5)). Es wurde erwartet, dass die psychologischen Faktoren mit der somatischen Gesundheit ohne komplizierte Mechanismen zusammenhängen. Weiterhin wurde vorgeschlagen, dass die psychosomatischen Erkrankungen durch spezifische psychologische Probleme oder Konflikte verursacht werden, wie sie beispielsweise durch psychodynamische Theorien definiert sind (Lipowski 1984)(6). Spätere Untersuchungen deuten darauf hin, dass es sich hierbei eindeutig um eine zu vereinfachte Sichtweise handelt. [Das] Wachstum der wissenschaftlichen Aktivität hat jedoch zu einem immer fragmentierteren Bild des Feldes geführt. Probleme:
Erstens, obwohl es einen wachsenden Konsens über die Struktur von Charakterzügen auf der höheren Ebene gibt, wie sie von den Big Five im Erwachsenenalter oder durch Temperamentstheorien (Buss, Plomin und Willerman 1973(7); Cloninger, Svrakic und Przybeck 1993(8)) in der Kindheit definiert werden, konzentriert sich ein Großteil der aktuellen Forschung zur Persönlichkeit und Gesundheit auf einzelne Merkmale niederer Ordnung (z.B. Feindseligkeit), ohne diese Charakterzüge in Bezug auf andere Charakterzüge zu untersuchen.
Das zweite Problem in diesem Bereich betrifft das Fehlen eines begrifflichen Modells des offensichtlich komplexen Interaktionsprozesses zwischen Persönlichkeit und Gesundheit.
Corr I 206
Drittens haben Persönlichkeitsforscher mit einer Vielzahl von Messungen und Skalen individuelle Unterschiede zwischen Menschen auf vielfältige Weise beschrieben. Dies hat dazu beigetragen, dass sich kohärente wissenschaftliche Erkenntnisse im Vergleich zur Menge der wissenschaftlichen Aktivitäten auf diesem Gebiet nur sehr langsam summieren. Schließlich spiegelt das fragmentierte Bild der wissenschaftlichen Aktivitäten in der psychosomatischen Forschung auch seine Herkunft als eine Mischung aus zwei verschiedenen wissenschaftlichen Traditionen wider: Medizin und Verhaltenswissenschaften.
Vgl. >Stress/Psychologische Theorien.
Corr I 209
Ein wichtiger Satz von Theorien basiert auf der Idee, dass die Persönlichkeit als Teil der emotionalen Reaktion oder des Verhaltensmusters direkte biologische und physiologische Veränderungen oder Reaktionen mit potenziellen pathophysiologischen Konsequenzen induziert. >Persönlichkeit, >Charakterzüge.
A. Direkte Wirkungsmodelle: (Krantz und Manuck 1984(9); Schneiderman 1987)(10), (Besedovsky, del Rey, Klusman et al. 1991(11); Besedovsky, Herberman, Temoshok und Sendo 1996(12); Maier und Watkins 1998)(13); (z.B.........), Baum und Nesselhof 1988(14); Baum und Posluszny 1999(15); Cohen, Tyrrell und Smith 1991(16); Kiecolt-Glaser und Glaser 1999(17); Kiecolt-Glaser, Marucha, Malarkey et al. 1995)(18).
Gemäß der Reaktivitätshypothese gibt es signifikante Unterschiede in der physiologischen Reaktivität, die mit Persönlichkeitsfaktoren zusammenhängen (Miller, Smith, Turner et al. 1996)(19).
Hypothese der strukturellen Schwäche: Viele der persönlichkeitsbezogenen Merkmale, wie Schüchternheit und Feindseligkeit, teilen den gleichen genetischen oder biologischen Hintergrund mit einigen physiologischen Problemen, die mit somatischen Gesundheitsproblemen zusammenhängen oder diese sogar verursachen. (Cloninger, Svrakic und Przybeck 1993)(20) Temperamentstheorie oder die Theorie von Buss, Plomin und Willerman (1973)(21).
Corr I 211
B. Direkte Effektmodelle: z.B. (Miller, Smith, Turner et al. 1996)(19). Gesundheit und Krankheit werden durch Verhaltensweisen beeinflusst, die Risiken vermitteln oder vor ihnen schützen. Weniger untersucht und kontroverser als die vorstehend beschriebenen ist die Selektionshypothese, die vorschlägt, dass psychologische Faktoren, wie z.B. die Persönlichkeit, mit der Auswahl von Personen für gesundheitsgefährdende Umgebungen oder Situationen in Verbindung gebracht werden können (Kivimäki, Virtanen, Elovainio und Vahtera 2006)(22).

1. Ravaja, N. 1996. Psychological antecedents of metabolic syndrome precursors in the young. Helsinki: Yliopistopaino
2. Hemingway, H. and Marmot, M. 1999. Evidence based cardiology: psychosocial factors in the aetiology and prognosis of coronary heart disease. Systematic review of prospective cohort studies, British Medical Journal 318: 1460–7
3. Miller, T. Q., Markides, K. S., Chiriboga, D. A. and Ray, L. A. 1995. A test of the psychosocial vulnerability and health behaviour models of hostility: results from an 11-year follow-up study of Mexican Americans, Psychosometric Medicine 57: 572–81
4. Schneiderman, M. A. 1987. Mortality experience of employees with occupational exposure to DBCP, Archives of Environmental Health 42: 245–7
5. Smith, T. W. (1992). Hostility and health: current status of a psychosomatic hypothesis, Health Psychology 11: 139–50
6. Lipowski, Z. J. 1984. What does the word ‘psychosomatic’ really mean? A historical and semantic inquiry, Psychosomatic Medicine 46: 153–71
7. Buss, A. H., Plomin, R. and Willerman, L. 1973. The inheritance of temperaments, Journal of Personality 41: 513–24
8. Cloninger, C. R., Svrakic, D. M. and Przybeck, T. R. 1993. A psychobiological model of temperament and character, Archives of General Psychiatry 50: 975–90
9. Krantz, D. S. and Manuck, S. B. 1984. Acute psychophysiologic reactivity and risk of cardiovascular disease: a review and methodologic critique, Psychological Bulletin 96: 435–64
10. Schneiderman, M. A. 1987. Mortality experience of employees with occupational exposure to DBCP, Archives of Environmental Health 42: 245–7
11. Besedovsky, H. O., del Rey, A., Klusman, I., Furukawa, H., Monge Arditi, G. and Kabiersch, A. 1991. Cytokines as modulators of the hypothalamus-pituitary-adrenal axis, Journal of Steroid Biochemistry and Molecular Biology 40: 613–18
12. Besedovsky, H. O., Herberman, R. B., Temoshok, L. R. and Sendo, F. 1996. Psychoneuroimmunology and cancer: fifteenth Sapporo Cancer Seminar, Cancer Research 56: 4278–81
13. Maier, S. F. and Watkins, L. R. 1998. Cytokines for psychologists: implications of bidirectional immune-to-brain communication for understanding behaviour, mood, and cognition, Psychological Review 105: 83–107
14. Baum, A. and Nesselhof, S. E. 1988. Psychological research and the prevention, etiology, and treatment of AIDS, American Psychologist 43: 900–6
15. Baum, A. and Posluszny, D. M. 1999. Health psychology: mapping biobehavioural contributions to health and illness, Annual Review of Psychology 50: 137–63
16. Cohen, S., Tyrrell, D. A. and Smith, A. P. 1991. Psychological stress and susceptibility to the common cold, New England Journal of Medicine 325: 606–12
17. Kiecolt-Glaser, J. K. and Glaser, R. 1999. Chronic stress and mortality among older adults, Jama 282: 2259–60
18. Kiecolt-Glaser, J. K., Marucha, P. T., Malarkey, W. B., Mercado, A. M. and Glaser, R. 1995. Slowing of wound healing by psychological stress, Lancet 346: 1194–6
19. Miller, T. Q., Smith, T. W., Turner, C. W., Guijarro, M. L. and Hallet, A. J. 1996. A meta-analytic review of research on hostility and physical health, Psychological Bulletin 119: 322–48
20. Cloninger, C. R., Svrakic, D. M. and Przybeck, T. R. 1993. A psychobiological model of temperament and character, Archives of General Psychiatry 50: 975–90
21. Buss, A. H., Plomin, R. and Willerman, L. 1973. The inheritance of temperaments, Journal of Personality 41: 513–24
22. Kivimäki, M., Virtanen, M., Elovainio, M. and Vahtera, J. 2006. Personality, work, career and health, in L. Pulkkinen, J. Kaprio and R. J. Rose (eds.), Socioemotional Development and Health from Adolescence to Adulthood, pp. 328–42. New York: Cambridge University Press


Marko Elovainio and Mika Kivimäki, “Models of personality and health”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Sophisten Taureck I 8
Sophisten/Taureck: zeitgenössische Bedeutung: "Kenntnisreiche, erfahrene Männer".
Wendung zum Menschen, zu anthropologischen Fragen. Beziehung des Menschen zum Staat.
Davor standen Sein, Kosmos, Natur im Vordergrund.
I 9
Mit den Sophisten wird Geld- und Machtstreben in Verbindung gebracht. "Huren des Wissens": so lässt der Schriftsteller den Sokrates sprechen. Sophisten traten als Lehrer für öffentliche Rede auf. Zeit der Herrschaft der "30 Tyrannen": 404 - 403, Peloponnesischer Krieg: 431 - 404.
Beschlüsse der Volksversammlung waren Mehrheitsbeschlüsse.
>Kunst/Sophisten, >Kopula/Sophisten, >Erkenntnistheorie/Sophisten,
>Metaphysik/Sophisten, >Moral/Sophisten, >Nomos/Sophisten, >Religiöser Glaube/Sophisten.


Ergänzende Literatur zu den Sophisten:

W. K C. Guthrie, The Sophists, Cambridge: Cambridge University Press 1971.
A. Laks and G. W. Most, Early Greek Philosophy 2016.
Richard Winton. "Herodotus, Thucydides, and the sophists" in: C.Rowe & M.Schofield, The Cambridge Companion to Greek and Roman Political Thought, Cambridge 2005.
Hermann Diels & Rosamond Kent Sprague (eds.) The Older Sophists a Complete Translation by Several Hands of the Fragments in Die Fragmente der Vorsokratiker. With a New Ed. Of Antiphon and of Euthydemus. University of South Carolina Press 1972.
John Dillon and Tania Gergel. The Greek Sophists. UK: Penguin Group 2003.

Taureck I
B. H.F. Taureck
Die Sophisten Hamburg 1995
Sozialpolitik Politische Theorien Mause I 582
Sozialpolitik/Institutionen/Politische Theorien: politische Institutionen haben eine restriktiven Einfluss auf das Handeln der Sozialpolitik. Im Unterschied zu zentralistisch strukturierten Staaten haben föderalistisch aufgebaute Staatsgebilde mit unabhängigen Notenbanken; zweiten Kammern und weiteren Institutionen eine eher bremsenden Einfluss auf die Expansion der Sozialpolitik. Schmidt (1993)(1)), Immergut (1992)(2), Tsebelis (2002)(3). >Vetospieler/Tsebelis, >Institutionen.
Durch die Streuung politischer Entscheidungskompetenz ergeben sich in fragmentierten Regierungssystemen (…) Blockademöglichkeiten oder zumindest Vetochancen für die Gegner sozialpolitischer Regierungsvorhaben. Dadurch steigt die Wahrscheinlichkeit für die Beibehaltung des Status quo.

1. Schmidt, Manfred G. Theorien in der vergleichenden Staatstätigkeitsforschung. In Policy-analyse (PVS-Sonderheft 24), Hrsg. Adrienne Héritier, 371– 394. Opladen 1993.
2. Immergut, Ellen M. Health politics: Interests and institutions in Western Europe. Cambridge 1992.
3. Tsebelis, George, Veto players: How political institutions work. Princeton 2002.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Sprache Foucault I 66
Sprache/16. Jahrh./Foucault: die wirkliche Sprache keine einförmige und glatte Gesamtheit, vielmehr eine opake, mysteriöse, in sich selbst geschlossene Sache, fragmentiert, von Punkt zu Punkt rätselhafte Masse. Ein Zeichennetz, in dem jedes Zeichen in Beziehung zu allen anderen die Rolle des Inhalts oder des Zeichens des Geheimnisses oder des Hinweises spielen kann und tatsächlich spielt.
Die Dinge selbst verbergen ihr Rätsel wie eine Sprache und manifestieren es gleichzeitig.
Die Sprache gehört zur großen Distribution von Ähnlichkeiten und Signaturen. Infolgedessen muss sie selbst als eine Sache der Natur untersucht werden.
Die Sprache ist nicht, was sie ist, weil sie einen Sinn hat. Ihr repräsentativer Inhalt spielt hier überhaupt keine Rolle. Die ursprüngliche Form ist von Gott gegeben.
I 74ff
Sprache: im 17. und 18. Jahrh. wurden die eigenen Existenz der Sprache ihre alte Festigkeit einer in die Welt eingeschriebenen Sache in dem Funktionieren der Repräsentation aufgelöst. Jede Sprache galt als Diskurs. Zeichen wurden disponiert, benennen und dann in einer gleichzeitig dekorativen und demonstrativen Verdoppelung diesen Namen zu umfangen, ihn einzuschließen und ihn zu verbergen, ihn seinerseits durch andere Namen zu bezeichnen, aufgeschobenen Präsenz, zweites Zeichen, Figur, rhetorischer Apparat.
I 114 ff
Sprache/Foucault: Klassisches Zeitalter/17.Jahrh): Sprache unumschränkt und zurückhaltend: unumschränkt, weil die Wörter die Kraft erhalten haben, das Denken zu repräsentieren, wie sich das Denken selbst repräsentiert. Klassisch: nichts ist gegeben, was nicht auch in der Rep. gegeben wäre.
Klassische Sprache ist keine äußere Wirkung des Denkens, sie ist selbst das Denken. (17. Jahrh.)
Dadurch wird die Sprache beinahe unsichtbar.
Ihre ganze Existenz besteht in der repräsentativen Rolle.
Keinen Ort mehr außerhalb der Repräsentation und keinen Wert mehr ohne sie.
Dadurch entdeckt sie eine bestimmte Beziehung zu sich selbst, die bis dahin weder möglich noch überhaupt begreifbar gewesen wäre.
16. Jahrh.: gegenüber sich selbst befand die Sprache in der Position des ständigen Kommentars.
17. Jahrh.: man fragt nicht mehr danach, wie man die große rätselhafte Wortfolge freilegen kann, man fragt danach, die der Diskurs funktioniert, welche Elemente er heraushebt, wie er analysiert und komponiert. Statt Kommentar jetzt: Kritik. (> Wörter/Foucault).
I 127
Weil sie zur Analyse der Ordnung geworden ist, knüpft die Sprache mit der Zeit bis dahin nichtvorhandene Beziehungen. Die Sprachen entwickeln sich durch Bevölkerungsverschiebungen, Kriege, Siege, Moden, Warenaustausch. Sie entwickeln sich aber nicht kraft einer Historizität, die sie selbst besäßen. Kein inneres Entwicklungsprinzip.

II 115ff
Sprache/Diskurs/Foucault: ist niemals in sich selbst und in ihrer Totalität gegeben. Wenn es keine Aussagen gäbe, existierte die Sprache nicht. Aber keine Aussage ist unerlässlich, damit die Sprache existiert. Sie existiert nur als Konstruktionssystem für mögliche Aussagen. Andererseits existiert sie nur als Beschreibung, wie man aus einer Menge wirklicher Aussagen erhält. Sprache und Aussage stehen nicht auf der gleichen Existenzstufe. Man kann nicht sagen, dass es Aussagen gibt, so wie man sagt, dass es Sprache gibt.
>Diskurs/Foucault,
>Archäologie/Foucault.

Foucault I
M. Foucault
Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften Frankfurt/M. 1994

Foucault II
Michel Foucault
Archäologie des Wissens Frankfurt/M. 1981
Sprache Levinas I 139
Sprache/Levinas: »das erste Sagen geht über seine eigenen Kräfte und seine eigene Vernunft hinaus. Das ursprüngliche Sagen ist Delirium«. Levinas/Judaica: »nur das Fragmentarische an ihr macht die Sprache sprechbar. Die wahre Sprache kann nicht gesprochen werden, sowenig wie das absolut Konkrete vollzogen werden kann«.(1)
>Das Absolute.

1. Gabriele Röttger-Denker Barthes zur Einführung Hamburg 1989
Sprache Minsky I 196
Sprache/Denken/Künstliche Intelligenz//Minsky: Sprache baut Dinge in unseren Köpfen auf. Doch Worte selbst können nicht die Substanz unserer Gedanken sein. Sie haben für sich genommen keine Bedeutung; sie sind nur besondere Arten von Zeichen oder Lauten. Wenn wir verstehen wollen, wie Sprache funktioniert, müssen wir die übliche Sichtweise, dass Wörter bezeichnen oder repräsentieren aufgeben; stattdessen besteht ihre Funktion in der Kontrolle: Jedes Wort bringt verschiedene [Software-]Agenten dazu, das zu ändern, was verschiedene andere Agenten tun. Wenn wir verstehen wollen, wie Sprache funktioniert, dürfen wir nie vergessen, dass unser Denken in Wörtern nur einen Bruchteil der Aktivität des Geistes offenbart. >Intentionen/Minsky.
I 197
Zum Beispiel lernen alle Englischsprachigen, dass es richtig ist, "großer brauner Hund" zu sagen, während "brauner großer Hund" irgendwie falsch ist. Wie lernen wir, welche Phrasen zulässig sind? Kein Sprachwissenschaftler weiß überhaupt, ob das Gehirn dies ein- oder zweimal lernen muss - erstens, um zu wissen, was man sagt, und zweitens, um zu wissen, was man hört. Benutzen wir für beides die gleichen Maschinen? Unser Bewusstsein kann es einfach nicht sagen, da das Bewusstsein nicht verrät, wie Sprache funktioniert. Denken/Sprache: Manchmal scheinen wir in Worten zu denken - und manchmal nicht. Woran denken wir, wenn wir keine Worte benutzen? Und wie kommunizieren die Agenten, die mit Wörtern arbeiten, mit denen, die sie nicht benutzen?
[Wir erstellen eine Theorie mit drei Ebenen]: Der obere Bereich enthält Agenten, die sich speziell mit Wörtern befassen. Der untere Bereich umfasst alle Agenten, die von Wörtern betroffen sind. Und in der Mitte liegen die Agenten, die damit zu tun haben, wie Worte unsere Erinnerungen, Erwartungen und andere Arten von mentalen Prozessen beeinflussen. Es gibt auch eine Besonderheit: Die Sprachinstanzen scheinen eine ungewöhnliche Fähigkeit zu haben, ihre eigenen Erinnerungen zu kontrollieren.
I 198
Tradition: Viele Menschen haben versucht, Sprache so zu erklären, als ob sie vom Rest der Psychologie getrennt wäre. Tatsächlich wurde das Studium der Sprache selbst oft in kleinere Fächer unterteilt, die mit traditionellen Namen wie >Syntax, >Grammatik und >Semantik bezeichnet wurden. Da es jedoch keine größere, kohärente Denktheorie gab, an die man diese Fragmente anhängen konnte, neigten sie dazu, den Kontakt untereinander und mit der Realität zu verlieren. Wenn wir einmal davon ausgehen, dass Sprache und Denken verschiedene Dinge sind, sind wir beim Versuch, das zusammenzufügen, was von vornherein nie getrennt war, verloren. Künstliche Intelligenz/Sprache: Wir werden zwei Arten von [Software-]Agenten einführen, die zur Wirkung von Wörtern beitragen. Die erste Art, Polyneme genannt, hat mit unserem Langzeitgedächtnis zu tun.
Ein Polynem ist eine Art K-Linie; es sendet das gleiche, einfache Signal an viele verschiedene Instanzen: Jede dieser Instanzen muss für sich selbst lernen, was zu tun ist, wenn sie dieses Signal empfängt. Wenn Sie das Wort Apfel hören, wird ein bestimmtes Polynem erregt, und das Signal dieses Polynems versetzt Ihre Farb-Instanz in einen Zustand, der eine Rötung darstellt. Dasselbe Signal wird Ihre Formwirkung in einen Zustand versetzen, der Rundheit repräsentiert, und so weiter.
(K-Linie: siehe >Terminologie/Minsky.)
Isonome: Jedes Isonom steuert ein Kurzzeitgedächtnis in jeder der vielen Instanzen. Nehmen wir zum Beispiel an, wir hätten gerade über einen bestimmten Apfel gesprochen, und dann sagte ich: Bitte legen Sie ihn in diesen Eimer. In diesem Fall würden Sie annehmen, dass sich das Wort, auf das es sich bezieht, auf den Apfel bezieht.

Minsky I
Marvin Minsky
The Society of Mind New York 1985

Minsky II
Marvin Minsky
Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003
Sprachspiele Wittgenstein Hintikka I 29
Sprachspiel/Gebrauch/Erklärung/Analyse/Wittgenstein/Hintikka: Nicht der übliche Sprachgebrauch ist nach Wittgenstein unanalysierbar und unerklärbar - sondern die Sprachspiele sind es.
I 247
Sprachspiel/Wittgenstein/Hintikka: Das einzige, was Wittgensteins späte Periode von der mittleren unterscheidet. - Das ist die Lösung für das Problem, zufälliges Handeln in Übereinstimmung mit der Regel von echtem Regelfolgen zu unterscheiden. >Regelfolgen.
I 250
Sprachspiel/Wittgenstein/Hintikka: Braunes Buch: nicht Fragmente der Sprache - sondern in sich geschlossene System der Verständigung. - Einfache primitive Sprachen. - Lösung für das Problem der Namensgebung: Rolle in unserer Sprache. - Es gibt so viele Beziehungen zwischen Namen und Gegenstand, wie es Namen und Gegenstände gibt. >Namen, >Gegenstände, >Sprache.
I 273
Sprache/Welt/Sprachspiel/Wittgenstein/Hintikka: StegmüllerVsWittgenstein: Wittgenstein zeigt nach Stegmüller angeblich nicht, wie die Sprache unmittelbar mit der Wirklichkeit verknüpft ist. - Stegmüller: These: Es käme nicht auf die "vertikalen" Verbindungen an, sondern nur um die horizontale zwischen Zügen im Sprachspiel. - Hintikka: quasi bloße Rolle ohne Tatsachen. HintikkaVs: Das hieße, dass nicht einmal deskriptive Bedeutung auf Wahrheitsbedingungen beruht. - Allein Rechtfertigung durch die Rolle von Wörtern in unserem Leben.
Hintikka: Wittgenstein hebt im Gegenteil die vertikalen Beziehungen hervor - wobei die Logik vor jeder Entsprechung mit Tatsachen liegt - so wie die Messmethode vor dem Messen. - Das Messen ist aber sehr wohl ein Vergleich mit Tatsachen. >Messen.
I 281
HintikkaVsStegmüller: sonst wäre Sprechen schon das ganze Sprachspiel.
I 282
Sprachspiel/Wittgenstein/Hintikka: Unterscheidung zwischen Sprachspielen - a) das einem Wort die Bedeutung gibt - b) das Spiel, in dem wir das Wort äußern. - Bsp Wir lernen was Lüge ist, nicht so wie andere Wörter.
I 329
Def Physiognomisches Sprachspiel/Wittgenstein/Hintikka: Bsp Schmerzverhalten: begrifflich - nicht tatsachengebunden.
I 331
Das Sprachspiel bezieht auch die Reaktionen anderer ein. - Das ist ein logischer Zusammenhang, der konstitutiv für das Sprachspiel ist.
I 335
Primäre Sprachspiele/Wittgenstein/Hintikka: Bsp Physiognomische Sprachspiele. - Hier sind Zweifel an der Gewissheit sinnlos. - In primären Sprachspielen kommen erkenntnistheoretische Begriffe wie Wissen/Glauben/Wahrheit/ Irrtum usw. nicht vor.
I 348
Primäre Sprachspiele/Wittgenstein/Hintikka: Züge in ihnen sind nicht korrigierbar- sonst könnten sie nicht als Basis der Relation Sprache/Welt dienen. - In primären Sprachspielen gibt es keine Kriterien. - Sie können aber als ganzes Kriterien für seelische Vorgänge liefern. - Terminologie: "primäre Sprachspiele": bei Wittgenstein "Anfang des Sprachspiels".
II 237
Entdecken/Gesetz/Naturgesetz/NG/Wittgenstein: Angenommen, jemand hat das Gesetz der Energieumwandlung entdeckt - es könnte eine neue Mathematik sein - er hat ein neues Spiel entwickelt. - Keine neue Mechanik.
II 283f
Übereinstimmung/Wittgenstein: Was eine Übereinstimmung ist, ist abhängig von Sprachspielen. - tertium comparationis. - Eine Vorstellung in Zusammenhang mit Wahrheit geht uns ab. - falsch: zu denken, die Dinge wäre eine Erweiterung von etwas anderem. - Als ob ein Satz wahrer wäre, wenn er mit der Wirklichkeit übereinstimmt - Das ist keine Erweiterung. - ((s) > wahr machen).
VI 138
Sprachspiel statt Kalkül: die Regeln sind nicht streng - Begriffe nicht definiert - keine Theorie des Sprachspiels - VsTheorien: besser: einen Weg suchen.
Metzinger II 721
Sprachspiel/Regeln/Wittgenstein/Birnbacher: Problem: Starrheit/Flexibilität bzw. Wandelbarkeit und Historizität der Sprachspielregeln. Kriterien können zu Symptomen und Symptome können zu Kriterien werden. (Wittgenstein Philosophische Untersuchungen § 354). Wittgenstein selbst neigt dazu, Kriterien eine Unangefochtenheit zu unterstellen, die eine Anwendung auf exotische Möglichkeiten ausschließt. (Residualer Verifikationismus).
Birnbacher: Ziemlich konservative Festschreibung: nicht jede neuartige Anwendung ist eine Bedeutungsverschiebung.

W II
L. Wittgenstein
Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989

W III
L. Wittgenstein
Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984

W IV
L. Wittgenstein
Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960

Hintikka I
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996

Hintikka II
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989

Metz I
Th. Metzinger (Hrsg.)
Bewusstsein Paderborn 1996
Staat Morris Gaus I 197
Staat/Morris: Morris-These: (...) Politische Theoretiker nehmen Staaten zu sehr als selbstverständlich hin. Die Welt war nicht immer als ein System von Staaten organisiert, und es ist hilfreich, sich daran zu erinnern, wie die Welt vor der Entwicklung von Staaten aussah. (...) es ist ein Fehler, die griechische polis und die römische civitas mit unserem modernen Staat zu identifizieren, als ob sich nichts geändert hätte. Mittelalterliches Europa: Die 'politische' Organisation im mittelalterlichen Europa war, kurz gesagt, komplex, und die 'politische' Macht stark fragmentiert und dezentralisiert. Die Loyalitäten waren vielfältig und weitgehend persönlich, und es war keine klare Hierarchie der politischen Autorität erkennbar. Die Regierungsgewalt war nicht territorial; sie war weitgehend Herrschaft über Personen, qua Individuen oder qua Christen.
Moderner Staat: In der modernen Welt ist die Regierungsführung territorial. Moderne Politiken haben in den meisten Fällen bestimmte und klar abgegrenzte Territorien. Die Territorialisierung der Regierungsführung ist mit dem persönlichen Charakter der politischen Beziehungen nicht vereinbar. Und sie ist nicht damit vereinbar, dass Macht als persönlicher Besitz der Herrschenden verstanden wird. (...) das Gemeinwesen, d.h. der Staat, wird als eine Ordnung verstanden, die sich von der ... 'Regierung' seiner Handelnden und Institutionen (...) unterscheidet. Die moderne Verwendung des Begriffs 'Staat' zur Bezeichnung einer öffentlichen Ordnung, die sich sowohl von den Beherrschten als auch von den Herrschenden unterscheidet, mit hochgradig zentralisierten Institutionen, die die Macht über die Bewohner eines bestimmten Territoriums ausüben, scheint frühestens aus dem 16. Jahrhundert zu stammen (siehe Skinner, 1978(1): Bd. 2, 352ff; 1989(2): 90-131; Dyson, 1980(3): 25ff; Vincent, 1987(4): 16-19). >Staat/Skinner.
Gaus I 198
Regierung/Herrschaft: In der modernen Welt wird die Herrschaft direkt; jedes einzelne Subjekt wird vom Souverän oder vom Staat ohne Vermittlung regiert (siehe insbesondere Tilly, 1990)(5). Die Entwicklung der direkten Herrschaft in diesem Sinne ist eine späte Entwicklung, die mit der von Michael Mann und anderen betonten "Durchdringung" der Gesellschaft durch den Staat zusammenhängt: "Der moderne Staat fügte Routine hinzu - formalisierte, rationalisierte Institutionen mit größerer Reichweite über Bürger und Territorien hinweg. Sie durchdringt ihre Territorien sowohl mit Recht als auch mit Verwaltung, wie es frühere Staaten nicht taten" (1986(6): Bd. 11, 56-7). >Souveränität/Morris, >Autorität/Morris.
Gaus I 199
(...) Man kann sich den Staat in Form einer Reihe von miteinander verbundenen Merkmalen vorstellen (Morris, 1998(7): Kap. 2): 1) Kontinuität in Zeit und Raum: (a) Der moderne Staat ist eine Form der politischen Organisation, deren Institutionen über die Zeit fortbestehen; insbesondere überleben sie Führungs- oder Regierungswechsel.
(b) Es handelt sich um die Form der politischen Organisation eines bestimmten und gesonderten Territoriums.
2) Transzendenz: Der moderne Staat ist eine besondere Form der politischen Organisation, die eine eine einheitliche öffentliche Ordnung darstellt, die sich sowohl von den Herrschenden als auch von den Regierenden unterscheidet und ihnen übergeordnet und handlungsfähig ist.
3) Politische Organisation: Die Institutionen, durch die der Staat handelt - insbesondere die Regierung, die Justiz, die Bürokratie, die Polizei - unterscheiden sich von anderen politischen Organisationen und Vereinigungen; sie sind formal miteinander koordiniert und relativ zentralisiert. Die Autoritätsbeziehungen sind hierarchisch.
4) Autorität: Der Staat ist souverän, d.h. die letzte Quelle der politischen Autorität auf seinem Territorium, und er beansprucht ein Monopol auf die Anwendung legitimer Gewalt innerhalb seines Territoriums.
Gaus I 200
5) Loyalität: Der Staat erwartet und erhält die Loyalität seiner Mitglieder und der ständigen Bewohner seines Territoriums. >Autorität/Morris, >Rechtmäßigkeit/Morris, >Zwang/Morris, >Recht/Morris, >Autorität/Hart, >Sanktionen/Morris.
Gaus I 203
Staat/Morris: Was muss ein Staat tun, um gerecht zu sein? Ein gerechter Staat ist vermutlich zuallererst einer, der die Zwänge der Gerechtigkeit respektiert. Gerechtigkeit setzt dem Verhalten (und den Absichten) von Personen und vermutlich auch von Institutionen Zwänge auf. Wir können annehmen, dass viele dieser Zwänge die Form von (moralischen) Rechten und Pflichten annehmen. Staaten müssen also die (moralischen) Rechte des Einzelnen respektieren und die dem Einzelnen geschuldeten Pflichten erfüllen.
Gaus I 204
Staaten beanspruchen in der Regel Souveränität und ausschließliche Rechte zur Anwendung von Gewalt. Individuen sollen Gewaltanwendung nicht ohne Genehmigung des Staates ausüben. Es wird oft argumentiert, dass Staaten die besondere Aufgabe haben, sicherzustellen, dass wir nicht individuell Gewalt anwenden müssen (z.B. um uns selbst zu schützen). Wenn dies zutrifft, dann können Staaten folglich die Gewährleistung von Gerechtigkeit als eine ihrer Hauptaufgaben haben. Wir können dann von den Staaten verlangen, dass sie sie respektieren und für Gerechtigkeit sorgen. Angenommen, wir sagen, dass ein Staat insofern gerechtfertigt ist, als er gerecht (und effizient) ist. Problem: Nun kann es sein, dass kein Staat dadurch gerechtfertigt ist oder sein könnte. Individuen haben Rechte, die so stark und weitreichend sind, dass sie die Frage aufwerfen, was, wenn überhaupt, der Staat und seine Beamten tun dürfen. Wie viel Raum lassen die individuellen Rechte den Staaten?' (Nozick, 1974(8): ix). Es mag sein, dass die Zwänge der Gerechtigkeit so beschaffen sind, dass sie den gesamten moralischen Raum ausfüllen oder zumindest keinen Raum für die Ausübung der Funktionen des Staates oder gar für seine Existenz lassen.

1. Skinner, Quentin (1978) The Foundations of Modern Political Thought, 2 Bd. Cambridge: Cambridge University Press.
2. Skinner, Quentin (1989) 'The state'. In T. Ball, J. Farr and R. Hanson, (Hrsg.), Political Innovation and Conceptual Change. Cambridge: Cambridge University Press, 90_131.
3. Dyson, Kenneth H. F. (1980) The State Tradition in Western Eumpe. New York: Oxford University Press.
4. Vincent, Andrew (1987) Theories of the State. Oxford: Blackwell.
5. Tilly, Charles (1990) Coercion, Capital, and European states, AD 990-1990. Oxford: Blackwell.
6. Mann, Michael (1986) The Sources of Social Power, 2 Bd. Cambridge: Cambridge University Press.
7. Morris, Christopher W. (1998) An Essay on the Modern State. Cambridge: Cambridge University Press.
8. Nozick, Robert (1974) Anarchy, State, and Utopia. New York: Basic.

Morris, Christopher W. 2004. „The Modern State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Stärke von Theorien Field I 36
Stärker/schwächer/Field/(s): Systeme höherer Stufe sind stärker.
I 121
Bsp "Es gibt einen Beweis von ~A > ~MA" - stärker: "Es gibt ein Modell von A > MA".
I 132
Theorie/Nominalismus/stark/schwach/(s): Die starke Theorie hat mehr Folgen. Wenn mathematische Entitäten (mE) verzichtbar sein sollen, darf eine platonistische Theorie keine (physikalischen) Folgen haben, die eine nominalistische (nur physikalische Entitäten) nicht hat. >Nominalismus, >Platonismus.
I 172
Abschwächen/"zu reich"/"zu stark"/Field: Bsp eine Theorie (oder Schema) behauptet die Existenz von mehr Entitäten (z.B. Regionen) als man je braucht. Dann können ungesicherte empirische Konsequenzen auftreten (Das ist unüberprüfbar). Lösung: Die Theorie wird abgeschwächt.

II 115
Fragment/stärker/schwächer/Field/(s): Das schwache Fragment der substitutionalen Quantifikation (sQ): hat keine substitutionalen Quantoren: Wir behandeln Schemabuchstaben als Variablen für Sätze. Dann sind die Schemata selbst Teil der Sprache, nicht nur ihre Instanzen. >Substitutionale Quantifikation.
II 123
Schwach/Field/(s): schwächer: Schemabuchstaben sind schwächer als die substitutionale Allquantifikation - Modaloperator: verlangt stärkere Ausdrucksformen.
Ad II ~290
Vagheit/Logik/(s): Abstufungen: stark: Gewisse Instanzen des Satzes vom ausgeschlossenen Dritten sind falsch. Schwächer: Einige sind nicht behauptbar.
"Falsch"/"stark: "hat eine wahre Negation". - ...
Field: Durch das Ausdrücken von Behauptungen und Leugnungen von Bestimmtheit, Bsp D~A, ~D~A, ~D~DA, D~D~A usw. (A ist atomar), haben wir das Problem der Erklärung der Bestimmtheit erheblich reduziert.
II 295
S4: hier gibt es folgende Möglichkeiten: Positiver Grenzfall:~DA u D~D~A u ~D~DA. >Systeme S4/S5.
Negativer Grenzfall: ~D~A u D~DA u ~D~D~A
"definitiv unbestimmt": D~DA u D~D~A
"hoffnungslos unbestimmt": ~D~DA u ~D~D~A - d.h. nicht einmal definitiver Grenzfall potentielle Unbestimmtheit 1. Ordnung/Field: Für einen Agenten heißt das, wenn er A als potentiell unbestimmt behandelt, dann muss er Glaubensgrade in es und seine Negation haben, die sich zu weniger als 1 addieren.
II 361
Def schwacher a priori-Satz/Field: Der schwache a priori-Satz kann vernünftigerweise geglaubt werden ohne empirische Belege. >Logik 2. Stufe.
III 39
Stärker/schwächer: Schwächere Theorien haben eher Nicht-Standard-Modelle (unintendierte Modelle). Die 2. Stufe ist stärker als 1. Stufe. >Unintendierte Modelle.

Field I
H. Field
Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989

Field II
H. Field
Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001

Field III
H. Field
Science without numbers Princeton New Jersey 1980

Field IV
Hartry Field
"Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994
Systeme Adorno Grenz I 26
System/Adorno/Grenz: Das System ist hier die etablierte bürgerliche Ordnung, die die „Vernunft vollends funktionalisiert“ hat. Die verselbständigte Rationalität ist zur „zwecklosen Zweckmässigkeit“ geworden, die eben deshalb sich in alle Zwecke spannen lässt.(1) >Vernunft, >Totalität/Adorno, >Ganzes/Adorno, >Rationalität/Adorno.

1. Th. W. Adorno. Dialektik der Aufklärung, Philosophische Fragmente. Amsterdam 1947. p. 96.

XIII 44
Geschichte/System/Adorno: Die übliche Scheidung des Historischen und des Systematischen ist in der Philosophie untriftig. Die historischen Überschneidungen und Unstimmigkeiten, die zwischen den Begriffen sich ergeben, können nicht einfach so auf die Geschichte abgeschoben werden, als wäre sie selber etwas Begriffsloses. >Geschichte/Adorno, >Geschichtsschreibung.

A I
Th. W. Adorno
Max Horkheimer
Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978

A II
Theodor W. Adorno
Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000

A III
Theodor W. Adorno
Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973

A IV
Theodor W. Adorno
Minima Moralia Frankfurt/M. 2003

A V
Theodor W. Adorno
Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995

A VI
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071

A VII
Theodor W. Adorno
Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002

A VIII
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003

A IX
Theodor W. Adorno
Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003

A XI
Theodor W. Adorno
Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990

A XII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973

A XIII
Theodor W. Adorno
Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974

A X
Friedemann Grenz
Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme Frankfurt/M. 1984
Tarski Field I 33f
Tarski/Field: Nach Tarski sind folgende zwei Sätze zusammen ein Widerspruch, weil er Mengen für seine Definition von Implikation braucht: a) "Schnee ist weiß" impliziert nicht logisch "Gras ist grün" und
b) Es gibt keine mathematischen Entitäten (mE) wie Mengen.
((s) Daher muss Field sich von Tarski unabhängig machen.) Lösung/Field: Implikation wird als Grundbegriff angenommen.
>Mathematische Entitäten, >Ontologie/Field. >Tarski-Schema.

II 124
Tarski/Wahrheit: Wahrheit ist anders als disquotationale Wahrheit: nur für ein Fragment. Unbeschränkte Quantoren und semantische Begriffe müssen ausgeschlossen werden. >Quantoren.
Problem: Damit können wir keine unendlichen Konjunktionen und Disjunktionen aufstellen. (Tarski-Wahrheit ist nicht für Verallgemeinerung geeignet).
>Verallgemeinerung.
DeflationsimusVsTarski/QuineVsTarski? Sonst müssen wir eine explizite Definition aufgeben.
Deflationismus: Der Deflationismus gebraucht eine verallgemeinerte Version des Wahrheitsschemas.
>Deflationismus.
TarskiVsDeflationismus: pro Kompositionalität. (Auch Davidson).
>Referenz, >Denotation.
Tarski: braucht Rekursion zur Charakterisierung von Bsp "oder".
II 125
Kompositionsprinzip/Field: Bsp Ein Satz, der aus einem ein-stelligen Prädikat und einem referierenden Namen besteht ist wahr, gdw. das Prädikat von dem wahr ist, was der Name denotiert. Das geht über logische Regeln hinaus, weil es Referenz und Denotation einführt. Tarski: braucht das für einen befriedigenden Wahrheitsbegriff. Deflationismus: Für den Deflationismus ist das nicht wichtig.
>Kompositionalität.
II 141
Wahrheitstheorie/W-Theorie/Tarski: These: Wir bekommen keine adäquate W-Theorie, wenn wir nur alle Instanzen des Schemas als Axiome nehmen. Das gibt uns nicht die Verallgemeinerungen die wir brauchen, z.B. dass der modus ponens die Wahrheit erhält.
II 142
Deflationismus/Tarski/Field: Eigentlich ist Tarskis Ansatz auch deflationistisch.
Soames I 477
FieldVsTarski/Soames: blendet Sprachverhalten aus. Field: führt primitive Referenz usw. ein. >Sprachunabhängigkeit. SoamesVsField: sein Physikalist muss jeden einzelnen der semantischen Begriffe reduzieren. Bsp er kann Negation nicht als Symbol durch Wahrheit charakterisieren, weil das zirkulär wäre. Bsp Er kann Negation nicht als Grundbegriff nehmen, denn dann gäbe es keine Tatsachen über Sprecher (keine semantischen Tatsachen über Gebrauch) die die semantischen Eigenschaften erklären.
FieldVsTarski: Man müsste die semantischen durch physikalistische Terme ersetzen können.
>Semantik.

Field I
H. Field
Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989

Field II
H. Field
Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001

Field III
H. Field
Science without numbers Princeton New Jersey 1980

Field IV
Hartry Field
"Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994

Soames I
Scott Soames
"What is a Theory of Truth?", The Journal of Philosophy 81 (1984), pp. 411-29
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994

Soames II
S. Soames
Understanding Truth Oxford 1999
Teile Simons I 26f
Echter Teil/eT/Mereologie: Es muss mindestens noch einen zweiten echten Teil geben. BrentanoVs: Bsp Ein Mensch ist ein echter Teil des Ereignisses "sitzender Mensch", aber hier gibt es keinen zweiten echten Teil.
Anders: Thatcher qua Premierminister: ist nicht teil von Thatcher.
>Qua-Objekte.
Lösung: Supplementprinzipien: Es muss mindestens zwei echte Teile geben (wenn überhaupt). Es muss getrennte Teile geben können, nicht nur überlappende.
>Überlappen.
I 135
Prädikat/Teil/Ganzes/Mereologie/Simons: Bestimmte Prädikate sind wahr von ihren Objekten, weil anderen Prädikate war von ihren Teilen sind. Bsp Sokrates war stupsnasig, weil seine Nase stumpf war. Bsp Ein Tafelberg ist flach, weil sein oberer Teil flach ist. Die Prädikation des Ganzen wird von der Prädikation der Teile (lokale Prädikation) ererbt. Für continuants ist das sogar die einzige Art der Prädikation. >Prädikation, >Prädikate.
Variation/continuants/Mereologie/McTaggart/Simons: Bsp der Feuerhaken der vorne heiß und hinten kalt ist: Das ist eine Variation am Objekt, aber keine Veränderung, kein Wechsel (change) der Eigenschaften. Es ist ein komplexer Zustand.
Andererseits: Bsp Wenn der ganze Feuerhaken heiß wird, müssen wir sagen, dass der Zeitpunkt nicht derselbe ist.
>Veränderung, >Zeitliche Identität, >Eigenschaften.
I 210
Teil/Ganzes/Simons: These: Wir weisen die Antisymmetrie zwischen Teil und Ganzem zurück. Dann können verschiedene Objekte dieselben Teile haben und diese sind notwendigerweise am selben Ort zur selben Zeit (Superposition). >Superposition.
I 229
Teil/Simons: Der Witz dieses Ausdrucks ist, dass wir ohne ihn keinen Begriff der räumlichen Begrenzung oder vielleicht des Raums überhaupt haben.
I 235
Teil/plurale Designation/Vielheit/Simons: (1): b ist Teil von a. Hier ist b ein Massenterm (Bsp Teig) oder ein individueller Term (Bsp ein Apfel).
(2): b ist ein Teil von a. Hier muss b ein Individualterm (Bsp ein Apfel) sein.
(3): b sind Teile von a. Hier muss b ein Pluralterm (Bsp Wölfe) sein. Anderes Bsp: Die Blaubeeren sind Teil des Kuchens, sie sind nicht "ein Teil" des Kuchens. "Sind Teil von" ist der Plural von "ist Teil von". "Sind Teile von" ist der Plural von "ist ein Teil von".
(4): b sind Teile von a. Hier muss jedes b ein Teil von a sein. Bsp Kurbelwelle und Getriebe sind Teile des Autos. Bsp "die vordere Hälfte" ist Teil des Autos, aber nicht ein Teil des Autos. Was immer ein Teil von etwas ist, ist auch Teil von ihm aber nicht umgekehrt. "Ein Teil von" hat einen Extrasinn gegenüber "Teil von". Die Komponente ("ein Teil von") besteht vor Einbau und überlebt Ersetzung.
I 334
Teil/Fragment/Relation/Funktion/Mereologie/Simons: Ein willkürlicher begrifflicher Schnitt, Bsp "Nordhälfte des Hauses" ist typischerweise nicht geschlossen unter der Relation, unter der das Ganze geschlossen ist. >Mereologie.
I 337
Teil/reine Mereologie/Simons: Eine bloße Relation von Ko-Teilen könnte nicht unterscheiden, welche Objekte einheitlicher (integrierter) sind. >Teil-Relation.

Simons I
P. Simons
Parts. A Study in Ontology Oxford New York 1987
Terminologien Barthes Röttger-Denker I 64
Spirale/Barthes: Philippe Roger hat die Spirale als Struktur bildende Größe und elementares Zeichen bei Barthes ausgemacht. Barthes beruft sich auf den Maler Réquichot). Die Hand, die niemals das Papier verlässt.
Röttger-Denker I 133
Barthes: Schlüsselwörter :écriture, corps, fragment.
Röttger-Denker I 134
Der Glaube an das Werk ist für Barthes eine »Falle der Selbstgefälligkeit«. Nullpunkt der Literatur: Stil: »opération supra litteraire«, identifiziert mit dem Körper des Schriftstellers. Gegensatz: »langue«.
»Über mich selbst«: »Stil«: Rückkehr an den Anfang des Schreibens überhaupt. Wir fangen erst zu schreiben an, wenn der Sprung getan ist, aber um ihn zu tun, müssen wir zunächst schreiben. Unendlich, von unendlichen her.

Barthes I
R. Barthes
Mythologies: The Complete Edition, in a New Translation New York 2013
Terminologien Minsky Minsky I 73
Terminologie/Minsky: Puzzle-Prinzip (engl. puzzle principle): Wir können einen Computer so programmieren, dass er jedes Problem durch Trial and Error löst, ohne im Voraus zu wissen, wie es zu lösen ist, vorausgesetzt, wir haben nur eine Möglichkeit zu erkennen, wann das Problem gelöst ist. >Trial and Error/Minsky.
I 74
Prinzip des Fortschritts: Jeder Prozess der erschöpfenden Suche kann stark reduziert werden, wenn wir über eine Möglichkeit verfügen, festzustellen, wann Fortschritte erzielt worden sind. Dann können wir einen Weg zu einer Lösung verfolgen (...). >Problemlösen/Minsky.
I 78
Differenzmaschine: muss eine Beschreibung einer gewünschten Situation enthalten. Sie muss Unter-[Software-] Agenten haben, die durch verschiedene Unterschiede zwischen der gewünschten und der tatsächlichen Situation hervorgerufen werden. Jeder Unter-Agent muss sich so verhalten, dass der Unterschied, der ihn erregt hat, tendenziell verringert wird. >Ziele/Minsky.
I 82
K-Linie/Minsky: Wann immer ein Mensch eine gute Idee hat, ein Problem löst oder eine unvergessliche Erfahrung macht, wird eine K-Linie aktiviert, um dies darzustellen. Eine K-Linie ist eine drahtähnliche Struktur, die sich an diejenige mentale Instanz anhängt, die aktiv ist, wenn ein Problem gelöst oder eine gute Idee hervorgebracht wird. Wenn diese K-Linie später aktiviert wird, werden die daran befestigten Instanzen erregt und versetzen die Person in einen Geisteszustand, der demjenigen ähnelt, in dem sie sich befand, als sie das Problem löste oder eine gute Idee hatte. >Erinnerung/Minsky, >Gedächtnis/Minsky.
I 83
P-Instanzen: wurden zuvor bei der Lösung eines Problems verwendet. Q-Instanzen: sind Instanzen der jüngsten Gedanken.
I 92
S-Instanzen: sind die ursprünglichen Instanzen, wobei ihre Gesellschaft die S-Gesellschaft genannt wird. Bei jeder S-Gesellschaft können wir uns vorstellen, Erinnerungen für sie aufzubauen, indem wir eine entsprechende K-Gesellschaft für sie konstruieren. Wenn wir anfangen, eine K-Gesellschaft aufzubauen, müssen wir jede K-Linie direkt mit S-Instanzen verbinden, denn es gibt keine anderen K-Linien, mit denen wir sie verbinden können. >Society of Minds/Minsky.
I 121
Uniframe/Minsky: ist eine Beschreibung, die so konstruiert ist, dass sie für mehrere verschiedene Dinge gleichzeitig gilt. ((s) Z.B. können Bausteine auf unterschiedliche Weise angeordnet werden und Werkzeuge für verschiedene Funktionen schaffen).
I 124
Akkumulation/Minsky: Uniframing funktioniert nicht immer. Wir versuchen oft, eine alltägliche Idee zu präzisieren - finden aber einfach nicht viel Einheit. Dann können wir nur Sammlungen von Beispielen anhäufen.
I 127
Das Ausnahmeprinzip: Es zahlt sich selten aus, an einer Regel zu rütteln, die fast immer funktioniert. Es ist besser, sie einfach durch eine Anhäufung von spezifischen Ausnahmen zu ergänzen.
I 145
Das Investitionsprinzip: Unsere ältesten Ideen haben unfaire Vorteile gegenüber denen, die später kommen. Je früher wir eine Fertigkeit erlernen, desto mehr Methoden können wir uns für ihre Anwendung aneignen. Jede neue Idee muss dann mit der größeren Masse an Fähigkeiten konkurrieren, die die alten Ideen angesammelt haben. (Vgl. Matthew-Effekt).
I 155
Def Immanence Illusion: Immer dann, wenn Sie eine Frage ohne merkliche Verzögerung beantworten können, scheint es, als wäre diese Antwort bereits in Ihrem Kopf aktiv.
I 161
Def Rekursions-Prinzip: Wenn sich ein Problem in kleinere Teile aufspaltet, dann wird, wenn man nicht die volle Macht des Verstandes auf jeden Untergebenen anwenden kann, der Intellekt zersplittert und für jede neue Aufgabe weniger Verstand übrig lassen.
I 166
Def Cross-exclusion/Minsky: Wenn mehrere dringende Bedürfnisse auf einmal auftreten, muss es eine Möglichkeit geben, eines davon auszuwählen. (...) Kreuzexklusion, (...) tritt in vielen Teilen des Gehirns auf. In einem solchen System ist jedes Mitglied einer Gruppe von Agenten so verdrahtet, dass es hemmende Signale an alle anderen Agenten dieser Gruppe sendet.
I 167
Konservierung: Erzwingt, dass alle Aktivitäten von einer Substanz oder einer anderen Art von Menge abhängen, von der nur eine bestimmte Menge zur Verfügung steht. Negative Rückmeldung: Liefert ein Zusammenfassungsgerät, das die Gesamtaktivität in der Instanz schätzt und dann an diese Instanz ein hemmendes Signal sendet, dessen Stärke im Verhältnis zu dieser Gesamtmenge steht. Dadurch werden beginnende Lawinen eher gedämpft.
Zensoren und Unterdrücker: Die Schutz- und Rückkopplungssysteme neigen dazu, unterschiedslos zu sein.
I 198
Polyneme: haben mit unserem Langzeitgedächtnis zu tun. Ein Polynem ist eine Art K-Linie; es sendet das gleiche, einfache Signal an viele verschiedene Agenturen: Jede dieser Agenturen muss für sich selbst lernen, was sie zu tun hat, wenn sie dieses Signal empfängt. Wenn Sie das Wort Apfel hören, wird ein bestimmtes Polynem erregt, und das Signal dieses Polynems versetzt Ihre Farbagentur in einen Zustand, der eine Rötung darstellt. Dasselbe Signal wird Ihr Formwerkzeug in einen Zustand versetzen, der Rundheit repräsentiert, und so weiter. Isonome: Jedes Isonom steuert ein Kurzzeitgedächtnis in jeder der vielen Agenturen. Nehmen wir zum Beispiel an, wir hätten gerade über einen bestimmten Apfel gesprochen, und dann sagte ich: Bitte legen Sie ihn in diesen Eimer. In diesem Fall würden Sie annehmen, dass sich das Wort, auf das es sich bezieht, auf den Apfel bezieht.
Def Pronome/Terminologie/Minsky: Wir brauchen Maschinen, die wir als vorübergehende Instrumente benutzen können, um diese aktiven Fragmente psychischer Zustände zu greifen und zu bewegen. Um die Analogie mit den Pronomen unserer Sprachen zu betonen, werde ich solche Griffe Pronome nennen.

Minsky I
Marvin Minsky
The Society of Mind New York 1985

Minsky II
Marvin Minsky
Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003
Terminologien Simons I 14
Produkt/Mereologie/Simons: Der Durchschnitt ist gleich der größten unteren Schranke. Summe: Die Summe ist "das Individuum, das etwas überlappt, wenn es wenigstens eins von x oder y überlappt. Dies ist nicht immer die kleinste obere Schranke (koS).
Gittertheorie: Die Gittertheorie meint das "kleinste Individuum, das beide enthält".
Def Differenz: Die Differenz ist das größte Individuum, das in x enthalten ist, das keinen Teil mit y gemein hat. Es existiert nur, wenn x nicht Teil von y ist.
Def Fusion/allgemeine Summe: Die Fusion ist die Summe aller Objekte, die ein bestimmtes Prädikat Fx erfüllen, denotiert durch den Variablen-bindenden Operator s: s x[Fx]. Es kann mehrere Fusionen geben. Die Summe ist die größte Fusion.
I 226
Fusion: Die Fusion beinhaltet ein Ersetzen des früheren. Bsp Ein früheres F wird durch zwei Fs ersetzt. Def Nukleus/allgemeines Produkt: Der Nukleus ist das Produkt der Objekte, die ein Prädikat erfüllen px[Fx].
Universum U: Das Universum ist die Summe aller Objekte. Das entspricht dem Einheitselement der Booleschen Algebra.
Atom: Ein Atom ist ein Individuum, das keine Teile hat.
Individuum allgemein: Ein Individuum im Allgemeinen kann einen Teil haben! Ein Universum mit 3 Atomen kann 7 Individuen haben. Wenn es c Atome gibt, gibt es 2 hoch c 1 Kombinationen. Daraus folgt, dass es keine geraden Anzahlen geben kann. Kombinationen von Individuen sind selbst wieder Individuen.
I 32
Def Obere Schranke/Mereologie/Simons: Die Individuen, die ein Prädikat fx erfüllen sind oben gebunden, wenn es ein Individuum gibt, von dem sie alle ein Teil sind. Summe: Die Summe ist "das Individuum, das etwas überlappt, wenn es wenigstens eins von x oder y überlappt". ((s) Hasse-Diagramm: Der obere Punkt ist Teil des unteren.)
Universum: Im Universum gibt es eine obere Schranke für alles. Die Existenz einer oberen Schranke impliziert nicht die Existenz von Summen oder die kleinste obere Schranke, Bsp die Menge der Teilmengen der natürlichen Zahlen die entweder nicht-leer oder endlich oder unendlich sind und ein endliches Komplement haben. Jede Kollektion ist nach oben beschränkt durch die gesamte Menge der natürlichen Zahlen ohne eine kleinste obere Schranke, Bsp die Kollektion aller endlichen Mengen von geraden Zahlen. Bsp offene Intervalle auf dem reellen Zahlenstrang: Hier haben je zwei offene Intervalle wenigstens eine obere Schranke, nämlich das Intervall dessen Endpunkte...
I 33
...ihre äußeren Extrempunkte sind. Aber getrennte Intervalle mit einer Lücke zwischen sich haben keine Summe. Wenn eine Summe existiert, dann auch eine kleinste obere Schranke aber nicht umgekehrt. Teile eines umfassenderen Ganzen sein heißt, eine obere Schranke zu haben.
I 60
Def Protothetik/Lesniewski/Simons: ("erste Prinzipien"): Protoethik ist Lesniewskis Gegenstück zum Aussagenkalkül, den sie als Fragment enthält. Zusätzlich enthält sie Variablen für jeden Aussagentyp sowie Quantoren - äquivalent mit Systemen von Propositionstypen (Aussagentypen) von Church oder Henkin.
I 112
Def obere Schranke/Mereologie/Simons: Die Individuen, die ein Prädikat fx erfüllen sind oben gebunden, wenn es ein Individuum gibt, von dem sie alle ein Teil sind. Summe: Die Summe ist "das Individuum, das etwas überlappt, wenn es wenigstens eins von x oder y überlappt".
I 211
Koinzidenz/Simons: Die Gleichheit der Elemente ist nicht hinreichend für die Gleichheit der Teile. ((s) Bsp mitgliedergleiche Gremien können verschiedene Vorsitzende haben.) Koinzidenz: Koinzidenz ist zeitweise Ununterscheidbarkeit. Die Klasse {Tib+Tail]} hat nur drei Teile. Tibbles kann viel mehr haben!
I 225
Permanente Koinzidenz von F1 und F2 ist nicht in der wirklichen Welt unterscheidbar. Sie ist höchstens durch modale Eigenschaften unterscheidbar.
I 228
Koinzidenz-Prinzip/Simons: Koinzidenz (alle Teile gemeinsam haben) ist notwendig für Superposition (zwei Dinge zur selben Zeit am selben Ort).
I 228
Komposition/Zusammensetzung/Mereologie/Simons: Bsp Das Schiff, aber nicht das Holz ist aus Planken zusammengesetzt. Ein Mensch hat Teile, die nicht von der Kollektion der Atome geteilt werden.
I 334
Topologie/Mereologie/Simons: Topologische Begriffe, die über die Mereologie hinausgehen, sind "Angrenzen" und "Verbindbarkeit". Diese werden zur Definition von "Ganzes" gebraucht.

Simons I
P. Simons
Parts. A Study in Ontology Oxford New York 1987
Thrasymachos Taureck I 18
Thrasymachos/Sophist/Taureck: (~460 - 399): Hauptquelle: Platon, der Staat. Thrasymachos besaß nicht die Athenische Staatsbürgerschaft und durfte daher nicht in den Volksversammlungen sprechen.
Themen: Staatsverfassung, Möglichkeit und Nutzen der Gerechtigkeit.
>Gerechtigkeit/Thrasymachus,
vgl. >Antike Philosophie, >Sophisten.

Ergänzende Literatur zu den Sophisten:

W. K C. Guthrie, The Sophists, Cambridge: Cambridge University Press 1971.
A. Laks and G. W. Most, Early Greek Philosophy 2016.
Richard Winton. "Herodotus, Thucydides, and the sophists" in: C.Rowe & M.Schofield, The Cambridge Companion to Greek and Roman Political Thought, Cambridge 2005.
Hermann Diels & Rosamond Kent Sprague (eds.) The Older Sophists a Complete Translation by Several Hands of the Fragments in Die Fragmente der Vorsokratiker. With a New Ed. Of Antiphon and of Euthydemus. University of South Carolina Press 1972.
John Dillon and Tania Gergel. The Greek Sophists. UK: Penguin Group 2003.

Taureck I
B. H.F. Taureck
Die Sophisten Hamburg 1995
Überproduktion Rothbard Rothbard III III 725
Überproduktion/VsÜberproduktion/Rothbard: Die vielleicht wichtigste Schlussfolgerung der Theorie des monopolistischen oder unvollkommenen Wettbewerbs ist, dass die reale Welt des monopolistischen Wettbewerbs (in der die Nachfragekurve für jedes Unternehmen notwendigerweise fällt) der idealen Welt des reinen Wettbewerbs (in der kein Unternehmen seinen Preis beeinflussen kann) unterlegen ist. Diese Schlussfolgerung wurde einfach und effektiv durch den Vergleich zweier Gleichgewichtszustände ausgedrückt: unter den Bedingungen des reinen und des monopolistischen Wettbewerbs. >Monopolistischer Wettbewerb/Rothbard, >Reiner Wettbewerb/Rothbard,
>Wettbewerb/Rothbard, >Gleichgewicht.
Rothbard III 727
Die einzige Annahme, die wir beim Zeichnen der Durchschnittskostenkurve brauchen, ist, dass es für jede Anlage in jedem Produktionszweig einen optimalen Punkt der Produktion gibt, d. h. ein bestimmtes Produktionsniveau, bei dem die durchschnittlichen Stückkosten ein Minimum erreichen. Alle Produktionsniveaus, die niedriger oder höher als das Optimum sind, haben höhere Durchschnittskosten. Reiner Wettbewerb: Bei reinem Wettbewerb, bei dem die Nachfragekurve für jedes Unternehmen vollkommen elastisch ist, (...) wird sich jedes Unternehmen schließlich so anpassen, dass seine (...) Kurve (...) im Gleichgewicht ist; (...)
Monopolistischer Wettbewerb: (...) Monopolistischer Wettbewerb führt zu höheren Preisen und weniger Produktion - d. h. zu einem niedrigeren Lebensstandard - als reiner Wettbewerb. Außerdem findet die Produktion nicht am Punkt der minimalen Durchschnittskosten statt - eindeutig ein soziales „Optimum“, und jede Fabrik wird auf einem niedrigeren als dem optimalen Niveau produzieren, d.h. sie wird „Überkapazitäten“ haben. Dies war der „Wohlfahrtsfall“ der Theoretiker des monopolistischen Wettbewerbs.
III 728
Vs: (...) Chamberlin und andere haben gezeigt, dass diese Analyse nicht zutrifft, wenn wir den Wunsch der Verbraucher nach Vielfalt als ein zu befriedigendes Gut ansehen.(1) Viele andere wirksame und fundierte Angriffe wurden aus verschiedenen Richtungen vorgebracht. Ein grundlegendes Argument ist, dass die Situationen des reinen und des monopolistischen Wettbewerbs nicht miteinander verglichen werden können, weil die AC-Kurven in der Tat nicht dieselben wären. Chamberlin(2,3) hat seinen Revisionismus auch in diesem Bereich fortgesetzt und erklärt, dass die Vergleiche völlig unzulässig sind, dass die Anwendung des Konzepts des reinen Wettbewerbs auf bestehende Unternehmen zum Beispiel bedeuten würde, dass eine sehr große Anzahl ähnlicher Unternehmen angenommen wird, die das gleiche Produkt herstellen. Würde man dies z.B. bei General Motors tun, würde dies bedeuten, dass GM entweder konzeptionell in zahlreiche Fragmente aufgeteilt oder aber vervielfacht werden müsste. Im Falle einer Aufteilung wären die Stückkosten zweifellos höher, und das „wettbewerbsfähige Unternehmen“ hätte mit höheren Kosten zu kämpfen und müsste mit höheren Preisen auskommen. Dies würde eindeutig den Verbrauchern und dem Lebensstandard schaden; Chamberlin folgt also Schumpeters Kritik, dass das „monopolistische“ Unternehmen durchaus niedrigere Kosten haben kann und wahrscheinlich auch haben wird als sein „rein wettbewerbsfähiges“ Gegenstück. Wenn wir uns andererseits die Vermehrung einer sehr großen Anzahl von General-Motors-Konzernen in der bestehenden Größe vorstellen, können wir dies unmöglich mit der heutigen Welt in Verbindung bringen, und der ganze Vergleich wird absurd.(4)
1. Und die mit der sinkenden Nachfragekurve verbundene Produktdifferenzierung kann durchaus die Vertriebs- und Kontrollkosten senken (sowie das Wissen der Verbraucher verbessern), so dass der vermeintliche Anstieg der Produktionskosten mehr als ausgeglichen wird. Kurz gesagt, die obige AC-Kurve ist in Wirklichkeit eine Produktionskosten- und keine Gesamtkostenkurve, wobei die Vertriebskosten vernachlässigt werden. Vgl. Goldman, „Produktdifferenzierung und Werbung“. Darüber hinaus wäre eine echte Gesamtkostenkurve dann nicht unabhängig von der Nachfragekurve des Unternehmens, wodurch die übliche „Kostenkurven“-Analyse zunichte gemacht würde. Siehe Dewey, Monopoly in Economics and Law, S. 87.
2. H. Chamberlin, Theory of Monopolistic Competition, und Mrs. Joan Robinson, Economics of Imperfect Competition. Für eine klare Diskussion und einen Vergleich der beiden Werke siehe Robert Triffin, Monopolistic Competition and General Equilibrium Theory (Cambridge: Harvard University Press, 1940).
3. Kürzlich hat Professor Chamberlin diesen Punkt eingeräumt und in einer Reihe bemerkenswerter Artikel seine Anhänger verblüfft, indem er das Konzept des reinen Wettbewerbs als Wohlfahrtsideal ablehnte. Chamberlin erklärt nun: „Das Wohlfahrtsideal selbst... wird korrekt als monopolistischer Wettbewerb beschrieben .... [Dies] scheint sehr direkt aus der Erkenntnis zu folgen, dass die Menschen individuell sind, unterschiedliche Geschmäcker und Wünsche haben und zudem räumlich weit verstreut sind.“ Chamberlin, Towards a More General Theory of Value, S. 93-94; auch ebd., S. 70-83; E.H. Chamberlin und J.M. Clark, „Discussion“, American Economic Review, Papers and Proceedings, Mai 1950, S. 102-04; Hunter, „Product Differentiation and Welfare Economics“, S. 53 3-52; Hayek, „The Meaning of Competition“ in Individualism and the Economic Order, S. 99; und Marshall I. Goldman,
„Produktdifferenzierung und Werbung: Some Lessons from Soviet Experience“, Journal of Political Economy, August 1960, S. 346-57.
4. Siehe Chamberlin, „Measuring the Degree of Monopoly and Competition“ und „Monopolistic Competition Revisited“ in Towards a More General Theory of Value, S. 45-83.

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Universalgeschichte Dilthey Gadamer I 203
Universalgeschichte/Dilthey/Gadamer: Das Ideal der Universalgeschichte [muss (...)] für die historische Weltansicht eine besondere Problematik gewinnen, sofern das Buch der Geschichte für jede Gegenwart ein im Dunkel abbrechendes Fragment ist. >Geschichtsschreibung.
Es fehlt dem universalen Zusammenhang der Geschichte die Abgeschlossenheit, die für die Philologen ein Text besitzt und die für den Historiker etwa eine Lebensgeschichte, aber auch die Geschichte einer vergangenen, vom Schauplatz der Weltgeschichte abgetretenen Nation, ja selbst die Geschichte einer Epoche, die abgeschlossen ist und hinter uns liegt, zu einem fertigen Sinnganzen, einem in sich verstehbaren Text zu machen scheint.
(...) auch Dilthey [hat] von solchen relativen Einheiten aus gedacht (...), und damit ganz auf der Grundlage der romantischen Hermeneutik weiter [ge]baut. Was es da wie dort zu verstehen gibt, ist ein Ganzes von Sinn, das sich da wie dort in der gleichen Abgehobenheit von dem Verstehenden selbst findet. Immer ist es eine fremde Individualität, die nach ihr eigenen Begriffen, Wertmaßstäben usw. beurteilt werden muss und die dennoch verstanden werden kann, weil Ich und Du des gleichen Lebens sind.
GadamerVsDilthey: So weit vermag die hermeneutische Grundlage zu tragen. Aber weder kann diese Abgehobenheit des Gegenstandes von seinem Interpreten, noch auch die inhaltliche Abgeschlossenheit eines Sinnganzen die eigentlichste Aufgabe des Historikers, die Universalgeschichte, mittragen. Denn die Geschichte ist nicht nur nicht am Ende - wir stehen als die Verstehenden selbst in ihr, als ein bedingtes und endliches Glied einer fortrollenden Kette.
>W. Dilthey.

Dilth I
W. Dilthey
Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Ununterscheidbarkeit Geach I 240
Ununterscheidbarkeit/Theorie/Teiltheorie/Identität/Unterscheidbarkeit/Geach: zwei Objekte, die in einem Fragment einer Theorie ununterscheidbar sind, können in der Gesamttheorie unterscheidbar sein. >Unterscheidungen, >Erweiterung einer Theorie/Geach.

Gea I
P.T. Geach
Logic Matters Oxford 1972
Unvollständige Symbole Grover, D.L. Horwich I 319
Unvollständiges Symbol/Russell/Camp, Grover, Belnap/CGB: Bsp Kennzeichnungen, die bei der Übersetzung nicht eindeutig sind. > Bsp "Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahl". Unvollständiges Symbol: Ein unvollständiges Symbol ist dann das Fragment der Ausgangssprache. Prosatz-Theorie: Es gibt nichts, das "ist wahr" übersetzt, aber es ist möglich, den Sinn der vollständigen Ausdrücke zu erfassen, die "ist wahr" enthalten.
>Prosatz-Theorie.
Grover, D. L.

Gro I D. Grover A Prosentential Theory of Thruth Princeton New Jersey 1992

Camp/Grover/Belnap
D. L. Grover, J. L. Camp, N. D. Belnap
Philosophical Studies 27 (1) 73 – 125 (1975)

Es wird auf externe Quellen verweisen.

Horwich I
P. Horwich (Ed.)
Theories of Truth Aldershot 1994
Verknüpfungen Logik-Texte Read III 268ff
Tonk/Prior: Verknüpfung nicht erst einführen und dann Bedeutung zuweisen. - Das kann nicht zur Folge haben, dass ein anderes Paar von Aussagen äquivalent ist. Pointe: analytische Gültigkeit kann das nicht zeigen.
>Definition, >Definierbarkeit, >"tonk", >Belnap-Prior-Debatte.
Read III 269
Die Bedeutung, selbst die der logischer Verknüpfungen, muss unabhängig sein von und vor der Bestimmung der Gültigkeit der Folgerungsstrukturen. BelnapVsPrior: (pro analytische Gültigkeit): man darf nicht in Existenz hinein definieren, wir müssen erst zeigen, wie es funktioniert.
Read III 271
Klassische Negation: ist hier illegitim. >Negation. Negationsfreies Fragment: >Peircesches Gesetz: Wenn P, dann Q, nur wenn P, nur wenn P.
Read III 273
ReadVsBelnap: Die wahre Meinungsverschiedenheit liegt jenseits von Konstruktivismus und Realismus. - Belnaps Bedingung (konservative Erweiterung) kann nicht zeigen, dass die klassische Negation illegitim ist.
Texte zur Logik
Me I Albert Menne Folgerichtig Denken Darmstadt 1988
HH II Hoyningen-Huene Formale Logik, Stuttgart 1998
Re III Stephen Read Philosophie der Logik Hamburg 1997
Sal IV Wesley C. Salmon Logik Stuttgart 1983
Sai V R.M.Sainsbury Paradoxien Stuttgart 2001

Re III
St. Read
Philosophie der Logik Hamburg 1997
Verstehen Ranke Gadamer I 215
Verstehen/Ranke/Historismus/Gadamer: Ranke, These: Das letzte Resultat der historischen Wissenschaft ist »Mitgefühl, Mitwisserschaft des Alls«(1). Auf diesem pantheistischen Hintergrund versteht sich Rankes berühmte Wendung, wonach er sich selbst auslöschen möchte.
DiltheyVsRanke: Natürlich ist solche Selbstauslöschung in Wahrheit, wie Dilthey(2) dagegen eingewandt hat, die Ausweitung des Selbst zu einem inneren Universum
RankeVsDilthey: Für Ranke ist Selbstauslöschung noch eine Form wirklicher Teilhabe. Man darf den Begriff der Teilhabe nicht psychologisch-subjektiv verstehen, sondern muss ihn von dem Begriff des Lebens her denken, der zugrunde liegt. Weil alle geschichtlichen Erscheinungen Manifestationen des All-Lebens sind, ist die Teilhabe an ihnen Teilhabe am Leben.
Gadamer: Von da gewinnt der Ausdruck des Verstehens seinen fast religiösen Klang. Das Verstehen ist unmittelbare Teilhabe am Leben, ohne die gedankliche Vermittlung durch den Begriff. Darauf gerade kommt es dem Historiker an, nicht Wirklichkeit auf Begriffe zu beziehen, sondern überall an den Punkt zu gelangen, wo »Leben denkt und Gedanke lebt«. Die Erscheinungen des geschichtlichen Lebens werden im Verstehen als die Manifestationen des All-Lebens, der Gottheit, erfasst. Solche verstehende Durchdringung derselben bedeutet in der Tat mehr als eine menschliche Erkenntnisleistung eines inneren Universums, wie Dilthey das Ideal des Historikers gegen Ranke umformulierte. Es ist eine metaphysische Aussage, die Ranke in die größte Nähe zu Fichte und Hegel rückt, wenn er sagt: »Die klare, volle, gelebte Einsicht, das ist das Mark des Seyns durchsichtig geworden und sich selbst durchschauend«(3). In einer solchen Wendung ist ganz unüberhörbar, wie nahe Ranke im Grunde dem deutschen Idealismus bleibt. Die volle Selbstdurchsichtigkeit des Seins, die Hegel im absoluten Wissen der Philosophie dachte, legitimiert auch noch Rankes Selbstbewusstsein als Historiker, so sehr er auch den Anspruch der spekulativen Philosophie zurückweist.
Gadamer I 216
Gadamer: Die reine Hingegebenheit an die Anschauung der Dinge, die epische Haltung dessen, der die Mär der Weltgeschichte sucht(4) darf in der Tat dichterisch heißen, sofern für den Historiker Gott nicht in der Gestalt des Begriffs, sondern in der Gestalt der „äußeren Vorstellung“ in allem gegenwärtig ist. Man kann Rankes Selbstverständnis in der Tat nicht besser als durch diese Begriffe Hegels umschreiben. Der Historiker, wie ihn Ranke versteht, gehört der Gestalt des absoluten Geistes zu, die Hegel als die der Kunstreligion beschrieben hat. DroysenVsRanke/Gadamer: Für einen schärfer denkenden Historiker musste die Problematik solcher Selbstauffassung sichtbar werden. Die philosophische Bedeutung von Droysens Historik liegt eben darin, dass er den Begriff des Verstehens aus der Unbestimmtheit ästhetisch-pantheistischer Kommunion, die er bei Ranke hat, zu lösen sucht und seine begrifflichen Voraussetzungen formuliert. Die erste dieser Voraussetzungen ist der Begriff des Ausdrucks(5). Verstehen ist Verstehen von Ausdruck.
>Geschichte, >Geschichte/Ranke, >Geschichtsschreibung, >Weltgeschichte,
>Universalgeschichte.

1. Ranke (ed. Rothacker). S. 52.
2. Dilthey, Ges. Schriften V, 281.
3. Lutherfragment 13.
4. Ebenda S. 1
5. Vgl. auch unten S. 341 f. , 471 f. und Bd. 2 der Ges. Werke, Exkurs VI, S. 384ff.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Vorstellung Williams Frank I 549
Vorstellung/Vorstellungskraft/Bernard Williams: (Williams 1973b)(1): Bsp die Vorstellung, man sei in Westindien: (im Unterschied zu der Vorstellung, jemand sei in Westindien: schließt wahrscheinlich ein, dass man sich einige Informationszustände ungefähr dieser Art hervorruft: die dem Urteil der 1. Person zugrunde liegen könnten: visuelle Eindrücke von Palmen und Steelbands, auditive Eindrücke des Geräuschs der sich brechenden Wellen, vermischt mit der Musik der Band, der heiße Sand unter dem Körper.
Frank I 550
Williams: diese Weise, sich vorzustellen, "ich bin in Westindien", bedeutet nicht notwendig die Vorstellung "man sei in Westindien" ("jemand"). Evans pro: dass bestimmte Vorstellungsfragmente bestimmte Informationszustände beinhalten, die, wenn sie wirklich einträten, zu dem Urteil, dass p berechtigten, folgt nicht, dass die Vorstellung beschrieben werden kann, als die Vorstellung, dass p.
>Lokalisierung, >Bewusstsein, >Selbstwissen, >Wissen.

1. Bernard Williams (1973). Problems of the Self. Tijdschrift Voor Filosofie 37 (3):551-551

Gareth Evans(1982): Self-Identification, in: G.Evans The Varieties of Reference, ed. by John McDowell,
Oxford/New York 1982, 204-266

EconWilliams I
Walter E. Williams
Race & Economics: How Much Can Be Blamed on Discrimination? (Hoover Institution Press Publication) Stanford, CA: Hoover Institution Press 2011

WilliamsB I
Bernard Williams
Ethics and the Limits of Philosophy London 2011

WilliamsM I
Michael Williams
Problems of Knowledge: A Critical Introduction to Epistemology Oxford 2001

WilliamsM II
Michael Williams
"Do We (Epistemologists) Need A Theory of Truth?", Philosophical Topics, 14 (1986) pp. 223-42
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994

Fra I
M. Frank (Hrsg.)
Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994
Wikis Sunstein I 3
Wikis/Sunstein: Im Amerikanischen Verteidigungsministerium werden Wikis für kritische Rechtsfragen geführt. Einige von ihnen betreffen auch Fragen der nationalen Sicherheit. Manche dieser Akten werden täglich erneuert.
I 6
Bei dem Problem, erhebliche Textmengen durchzuarbeiten, wurden Fragmente auf Gruppen verteilt, die jeweils Wikis anlegten, die später zusammengeführt wurden. So geschah es 2005 mit Unterlagen über Gefangene in Guantanamo durch Freiwillige des liberalen Blogs Daily Kos; es entstand das Wiki Kosopedia. Wikis helfen auch beim Berücksichtigen von sich schnell ändernden Daten, z.B. innerhalb von Firmen. Während Bücher noch nicht geschrieben sind, ändern sich schon Prozesse und Kosten. Bei Wikis kann das Material von jedem Mitarbeiter bearbeitet werden.
I 7
So wird individuelles Wissen ständig berücksichtigt.
I 10
Wikis werden nicht von Einzelnen verfasst. Wir alle schreiben an ihnen mit. So kann sich ein Daily Us ((s) statt eines „Daily Me“) ergeben.
I 148
Ward Cunnigham, der Entwickler des ersten Wiki Servers 1994, schrieb, dass Wiki inhärent demokratisch sei, jeder User hat dieselben Möglichkeiten wie jeder andere.(1) Siehe auch (2). VsWiki/VsCunningham/Sunstein: Macht gerade diese Tatsache die Wikis nicht anfällig für Vandalismus?
Ward CunninghamVsVs: Die Erfahrung zeigt, dass das nicht der Fall ist, selbst ohne Vorsichtsmaßnahmen.(3)
Dokumentation/Wikis/Sunstein: Eine gegenwärtig wichtige Anwendung von Wikis sind technische Dokumentationen laufender Projekte und Dokumentation in vielen Open Software-Projekten.
Die Motivation liegt hier nicht in ökonomischen Anreizen, wie in Vorhersagemärkten, sondern im Interesse der Beteiligten, eine Sache am Laufen zu halten.

1. See Bol Leuf and Ward Cunningham, The Wiki Way: Quick Collaboration on the Web (Boston: Addison-Wesley, 2001), 15.
2. Für einen Überblick: WikiWikiWeb site, the place to go is http:/c2.com/cgi/wiki; it includes many thousands of pages with discussions of software design.
3. Bol Leuf/Cunningham ibid. p. 17.

Sunstein I
Cass R. Sunstein
Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge Oxford 2008

Sunstein II
Cass R. Sunstein
#Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media Princeton 2017
Wirtschaft Politik Russlands Krastev I 134
Wirtschaft/Politik Russlands/Krastev: Das postkommunistische Russland veranschaulicht, wie es einer Handvoll politisch nicht rechenschaftspflichtiger und sich selbst bereichernder Herrscher trotz interner Rivalitäten gelungen ist, an der Spitze der fragmentierten Gesellschaft des Landes zu bleiben, ohne auf ein historisch bedeutsames Maß an Massengewalt zurückzugreifen. Der Ökonom Gabriel Zucman berechnete, dass im Jahr 2015 52 Prozent des russischen Reichtums außerhalb des Landes lag(1). Krastev: Dieses politische Modell, weder demokratisch noch autoritär, weder ausbeuterisch für eine Arbeiterklasse-Mehrheit im marxistischen Sinne noch repressiv für alle individuellen Freiheiten im liberalen Sinne, ist ein Bild der Zukunft, das uns nachts wach halten sollte. Das ist der Alptraum, den der Kreml für uns bereit hält(2).
Macht/Krastev: Was einige westliche Liberale beunruhigt, ist nicht die Angst, dass Russland die Welt regieren wird, sondern dass ein Großteil der Welt so regiert wird, wie Russland heute regiert.

1. Gabriel Zucman, The Hidden Wealth of Nations: The Scourge of Tax Havens (University of Chicago Press, 2016).
2. Franklin Foer, 'How Kleptocracy Came to America', The Atlantic (March 2019).

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019