Lexikon der Argumente


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Klimawandel Hooker Singer I 231
Klimawandel/Verantwortung/Individuum/Singer, P.: was kann ich als Individuum tun? Wenn ich selbst mein Verhalten ändere, kann ich den Ausstoß an Klimagasen erstaunlich weit reduzieren. Das macht aber keinen messbaren Unterschied im globalen Maßstab aus. Wenn es aber alle machen würden, wäre der Effekt durchaus messbar. Dann liegt es nahe, dass es falsch ist, wenn ich persönlich mich nicht daran halte.
I 232
Frage: wie wäre es, wenn ich mein Verhalten an dem anderer Individuen orientiere und mich schlecht verhalte, solange nicht zu viele andere sich ebenfalls schlecht verhalten? Konsequentialismus: in dieser Frage unterscheiden sich Konsequentialisten und Nicht- Konsequentialisten.
Regel-Utilitarismus: würde sagen: die beste Regel für das Individuum ist es, keinen Verstoß zu begehen bzw. keine Schädigung der Allgemeinheit in Kauf zunehmen, auch wenn sie sich nicht sofort messbar auswirkt.
Utilitarismus/David Lyons: D. Lyons, Forms and Limits of Utilitarianism, Oxford, 1965.): These: Regel-Utilitarismus fällt in solchen Fällen mit dem Handlungs-Utilitarismus zusammen. Beide begrüßen und verwerfen die gleichen Lösungen.
R. M. Hare: behauptet das gleiche in Bezug auf Kants Appell an die Idee eines universellen Rechts (> Kategorischer Imperativ) und argumentiert, dass dieses Prinzip um Utilitarismus führt. (R. M. Hare, „Could Kant have been a Utilitarian?“ Utilitas 5 (1993), pp. 1-16).
I 233
Brad Hooker: (B. Hooker, Ideal Code, Real World (Oxford, 2000): Hooker argumentiert für eine Version des Regel-Utilitarismus, die verhindert, dass Regeln zu kompliziert werden. Er meint, dass wir falsch handeln, wenn wir gegen eine Regel verstoßen, die Teil einer Menge von Regeln ist, die, wenn sie von einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung internalisiert wurde, die besten Konsequenzen zeitigen würde. Wenn die Regeln nun zu komplex würden, würden Menschen es schwer finden, sie zu internalisieren. Die Kosten für die Erziehung der Menschen würden zu hoch. >Verantwortung/Parfit, Verantwortung/Ethik//Glover, J..

>Emissionsrechte, >Emissionsminderung,
>Emissionsziele, >Emissionen,
>Emissionsrechtehandel, >Klimawandel,
>Klimaschäden, >Energiepolitik,
>Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit,
>Klimaperioden, >Klimaschutz,
>Klimaziele, >Klimafolgenforschung, >CO2-Preis, >CO2-Preis-Koordinierung, >CO2-Preis-Strategien, >CO2-Steuer, >CO2-Steuer-Strategien.

Hooker I
Brad Hooker
Ideal Code, Real World: A Rule-Consequentialist Theory of Morality Oxford 2003

SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015
Klimawandel Singer I 217
Klimawandel/Ethik/P. Singer: was wir heute weit entfernten Fremden in anderen Gemeinschaften antun ist wesentlich ernster als das, was wir ihnen hätten antun können, wenn wir die Gewohnheit gehabt hätten, ihnen eine Gruppe Kämpfer ins Dorf zu schicken.
I 218
Wir können den Klimawandel nur mit weltweiten Maßnahmen bekämpfen. Wie müsste die Ethik aussehen, auf deren Grundlage wir die Maßnahmen koordinieren? Natürliche Ressourcen/Locke/P. Singer: Aus Lockes Sicht können sie ausgebeutet werden, solange genug und in gleicher Qualität für alle da ist.
P. Singer: wir haben nun aber entdeckt, dass die Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre für Klimagase begrenzt ist.
I 220
Gleichverteilung: Wie kann sie aussehen? Prinzipien/Nozick/P. Singer: Nozick macht eine sinnvolle Unterscheidung zwischen „historischen“ und „Zeitscheiben“-Prinzipien.(1):
Def historisches Prinzip/Nozick: Um zu verstehen, ob eine gegebene Verteilung von Gütern gerecht oder ungerecht ist, müssen wir fragen, wie die Verteilung zustande kam. Wir müssen ihre Geschichte kennen. Sind die Parteien aufgrund ursprünglich gerechtfertigten Erwerbs zum Besitz berechtigt?
Def Zweischeiben-Prinzipien/Nozick: betrachten nur die gegenwärtigen Gegebenheiten und fragen nicht nach dem Zustandekommen.
>Verantwortung/Singer.
I 224
Gleiche Lastenteilung/Umweltverschmutzung/Singer, P: Auf einer Konferenz der UN in 2009 plädierte der Präsident von Ruanda, Paul Kagame, für eine gleiche Pro-Kopf-Lastenverteilung bei der Beseitigung von Umweltschäden, da alle Menschen im gleichen Maße von der Atmosphäre Gebrauch machen. Alles andere sei kontraproduktiv. Sri Lanka machte einen ähnlichen Vorschlag. Singer: Das ist die Anwendung eines Zeitscheiben-Prinzips: Rwanda und Sri Lanka – wie auch andere entwickelnde Länder - fahren gut damit, denn sie verbrauchen weniger. Für sie ist es besser, auf das Recht auf Entschädigung gegenüber den Industrieländern zu verzichten.
I 231
Klimawandel/Verantwortung/Individuum/Singer, P.: Was kann ich als Individuum tun? Wenn ich selbst mein Verhalten ändere, kann ich den Ausstoß an Klimagasen erstaunlich weit reduzieren. Das macht aber keinen messbaren Unterschied im globalen Maßstab aus. Wenn es aber alle machen würden, wäre der Effekt durchaus messbar. Dann liegt es nahe, dass es falsch ist, wenn ich persönlich mich nicht daran halte.
I 232
Frage: Wie wäre es, wenn ich mein Verhalten an dem anderer Individuen orientiere und mich schlecht verhalte, solange nicht zu viele andere sich ebenfalls schlecht verhalten? Konsequentialismus: In dieser Frage unterscheiden sich Konsequentialisten und Nicht-Konsequentialisten.
>Konsequentialismus.
Regel-Utilitarismus: würde sagen: die beste Regel für das Individuum ist es, keinen Verstoß zu begehen bzw. keine Schädigung der Allgemeinheit in Kauf zunehmen, auch wenn sie sich nicht sofort messbar auswirkt.
Utilitarismus/David Lyons(2): These: Regel-Utilitarismus fällt in solchen Fällen mit dem Handlungs-Utilitarismus zusammen. Beide begrüßen und verwerfen die gleichen Lösungen.
>Utilitarismus.
R. M. Hare: Hare behauptet das gleiche in Bezug auf Kants Appell an die Idee eines universellen Rechts und argumentiert, dass dieses Prinzip um Utilitarismus führt.(3)
(>Kategorischer Imperativ.
I 233
Brad Hooker(4): Hooker argumentiert für eine Version des Regel-Utilitarismus, die verhindert, dass Regeln zu kompliziert werden. Er meint, dass wir falsch handeln, wenn wir gegen eine Regel verstoßen, die Teil einer Menge von Regeln ist, die, wenn sie von einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung internalisiert wurde, die besten Konsequenzen zeitigen würde. Wenn die Regeln nun zu komplex würden, würden Menschen es schwer finden, sie zu internalisieren. Die Kosten für die Erziehung der Menschen würden zu hoch. Verantwortung/Parfit, Ethik/Glover,
>Emissionsrechte, >Emissionsminderung,
>Emissionsziele, >Emissionen,
>Emissionsrechtehandel, >Klimawandel,
>Klimaschäden, >Energiepolitik,
>Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit,
>Klimaperioden, >Klimaschutz,
>Klimaziele, >Klimafolgenforschung, >CO2-Preis, >CO2-Preis-Koordinierung, >CO2-Preis-Strategien, >CO2-Steuer, >CO2-Steuer-Strategien.


1. R. Nozick, Anarchy, State and Utopia, New York, 1974
2. D. Lyons, Forms and Limits of Utilitarianism, Oxford, 1965.
3. R. M. Hare,"Could Kant have been a Utilitarian?" Utilitas 5 (1993), pp. 1-16.
4. B. Hooker, Ideal Code, Real World. Oxford, 2000.

SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015
Rechte Konsequentialismus Gaus I 107
Rechte/Konsequentialismus/Gaus: L. W. Sumner (1987)(1) stellt ein besonders einflussreiches Beispiel für den Rechtskonsequentialismus vor. Sumner erkennt den paradoxen Charakter eines durch und durch folgerichtigen Arguments für Rechte: Insofern der Konsequentialist versucht, die Erreichung eines bestimmten Ziels zu maximieren, und Rechte ein Hindernis für die Art und Weise der Zielerreichung darstellen, sieht es so aus, als müsse der Konsequentialist argumentieren, dass der beste Weg zur Erreichung des Ziels darin besteht, unsere Bemühungen zur Zielerreichung einzuschränken. Der Schlüssel zur Lösung dieses Paradoxons liegt laut Sumner darin, den Konsequentialismusansatz als eine Theorie der moralischen Rechtfertigung von der bevorzugten Theorie der moralischen Entscheidungsfindung (1987(1): 179) oder, wie wir sagen könnten, den Konsequentialismusansatz als eine Theorie der Bewertung von einer Theorie der Deliberation zu unterscheiden. Dieses Argument für Rechtskonsequentialismus (oder allgemeiner Regelkonsequentialismus) besagt, dass es keinen leichten Übergang von der Behauptung, dass die richtige Handlung diejenige ist, die die guten Folgen maximiert, zu der Behauptung gibt, dass das beste Entscheidungsverfahren darin besteht, die Handlung durchzuführen, von der man glaubt, dass sie die besten Folgen hat. Sidgwick: Diese Art von Argument wurde von Sidgwick (1962(2): 489) vorgebracht, der akzeptierte, dass Utilitarismus selbstvergessen sein kann, in dem Sinne, dass er uns anweisen könnte, seine Verwendung als Theorie für die Entscheidungsfindung nicht zu fördern. Es sei vielleicht besser, so argumentierte er, wenn sich viele Menschen von der Moral des gesunden Menschenverstandes leiten ließen.
>Rechte/Utilitarismus.
VsSidgwick/VsSumner: Zwei Probleme stehen einer solchen Sichtweise gegenüber.
1) Erstens wird oft nicht erkannt, dass der Regel-Utilitarismus denjenigen, die das Regelsystem entwerfen, mehr und nicht weniger rechnerische Belastungen aufbürdet.
2) Zweitens: Indem wir den Utilitarismus als Beurteilungsmaßstab von seiner Rolle als Überlegungsmaßstab trennen, laden wir die Art von moralischem Elitismus ein, die Sidgwick angezogen hat: Vielleicht sollte sich hoi polloi auf nicht-utilitaristische Argumentation beschränken, aber die Klasse der exzellenten Rechner kann den Nutzen vielleicht besser fördern, indem sie den Utilitarismus als Methode der Überlegung einsetzt (1962(2): 489ff).
In Anlehnung an Sidgwick hat Robert E. Goodin (1995(3): Kap. 4) kürzlich den Utilitarismus des "Government House" verteidigt, der den Utilitarismus als eine "öffentliche Philosophie" darstellt, die von politischen Entscheidungsträgern angewandt werden sollte, und nicht als Leitfaden für das individuelle Verhalten.

1. Sumner, L. W. (1987) The Moral Foundations of Rights. Oxford: Oxford University Press.
2. Sidgwick, Henry (1962) The Methods of Ethics, 7th edn. Chicago: University of Chicago Press.
3. Goodin, Robert E. (1995) Utilitarianism as a Public Philosophy. Cambridge: Cambridge University Press.

Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Rechte Sumner Gaus I 107
Rechte/Konsequentialismus/Sumner/Gaus: L. W. Sumner (1987)(1) präsentiert einen besonders einflussreichen Fall des Konsequentialismus für Rechte. Sumner erkennt den paradoxen Charakter eines durch und durch konsequentialistischen Arguments für Rechte: Insofern der Konsequentialist versucht, die Erreichung eines bestimmten Ziels zu maximieren, und Rechte ein Hindernis für die Art und Weise der Zielerreichung darstellen, sieht es so aus, als müsse der Konsequentialist argumentieren, dass der beste Weg zur Erreichung des Ziels darin besteht, unsere Bemühungen zur Zielerreichung einzuschränken. Der Schlüssel zur Lösung dieses Paradoxons liegt laut Sumner darin, den Konsequentialismusansatz als eine Theorie der moralischen Rechtfertigung von der bevorzugten Theorie der moralischen Entscheidungsfindung (1987(1): 179) oder, wie wir sagen könnten, den Konsequentialismusansatz als eine Theorie der Bewertung von einer Theorie der Deliberation zu unterscheiden. Dieses Argument für Rechtskonsequentialismus (oder allgemeiner Regelkonsequentialismus) argumentiert, dass es keinen leichten Übergang von der Behauptung, dass die richtige Handlung diejenige ist, die die guten Folgen maximiert, zu der Behauptung gibt, dass das beste Entscheidungsverfahren darin besteht, die Handlung durchzuführen, von der man glaubt, dass sie die besten Folgen hat. Sidgwick: Diese Art von Argument wurde von Sidgwick (1962(2): 489) vorgebracht, der akzeptierte, dass Utilitarismus selbstvergessen sein kann, in dem Sinne, dass er uns anweisen könnte, seine Verwendung als Theorie für die Entscheidungsfindung nicht zu fördern. Es sei vielleicht besser, so argumentierte er, wenn sich viele Menschen von der Moral des gesunden Menschenverstandes leiten ließen. >Rechte/Utilitarismus.
VsSidgwick/VsSumner: Zwei Probleme stehen einer solchen Sichtweise gegenüber.
1) Erstens wird oft nicht erkannt, dass der Regel-Utilitarismus denjenigen, die das Regelsystem entwerfen, mehr und nicht weniger rechnerische Belastungen aufbürdet.
2) Zweitens: Indem wir den Utilitarismus als Beurteilungsmaßstab von seiner Rolle als Überlegungsmaßstab trennen, laden wir die Art von moralischem Elitismus ein, die Sidgwick angezogen hat: Vielleicht sollte sich hoi polloi auf nicht-utilitaristische Argumentation beschränken, aber die Klasse der exzellenten Rechner kann den Nutzen vielleicht besser fördern, indem sie den Utilitarismus als Methode der Überlegung einsetzt (1962(2): 489ff).
>Utilitaristischer Liberalismus/Goodin.

1. Sumner, L. W. (1987) The Moral Foundations of Rights. Oxford: Oxford University Press.
2. Sidgwick, Henry (1962) The Methods of Ethics, 7th edn. Chicago: University of Chicago Press.

Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Utilitarismus Utilitarismus: Eine Lehre der Ethik, die den angenommenen größten Nutzen für die größte Anzahl Betroffener als das moralisch Anzustrebende annimmt. Siehe auch Hedonismus, Gut/Das Gute, Präferenz-Utilitarismus, Regel-Utilitarismus, Ethik, Moral, Deontologie, Konsequentialismus, Nutzen.
Utilitarismus Hooker Singer I 233
Utilitarismus/ Klimawandel/Brad Hooker(1)/Singer, P.: (B. Hooker 2000)(1): Hooker argumentiert für eine Version des Regel-Utilitarismus, die verhindert, dass Regeln zu kompliziert werden. >Utilitarismus, >Regel-Utilitarismus.
Er meint, dass wir falsch handeln, wenn wir gegen eine Regel verstoßen, die ein Teil einer Menge von Regeln ist, die, wenn sie von einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung internalisiert wurde, die besten Konsequenzen zeitigen würde. Wenn die Regeln nun zu komplex würden, würden Menschen es schwer finden, sie zu internalisieren. Die Kosten für die Erziehung der Menschen würden zu hoch.
>Bildung, >Bildungspolitik.
P. Singer: Ein Beispiel für eine solche komplexe Regel wäre: „Gehe nur über den Rasen, wenn keiner zusieht.“ Letztendlich würden zu viele über den Rasen gehen.
>Regeln, >Gemeinschaft, >Gesellschaft, >Recht.
Christopher KutzVs(2): Complicity Principle/Prinzip der Komplizenschaft: Wenn ich wissentlich an dem Falschen teilhabe, was andere tun, bin ich dafür verantwortlich, was diese anderen tun.
>Verantwortung/Parfit, Verantwortung/Ethik//Glover, J.

1. B. Hooker (2000). Ideal Code, Real World. Oxford.
2. Chr. Kutz, (2000). Complicity: Ethics and Law for a Collective Age, Cambridge.

Hooker I
Brad Hooker
Ideal Code, Real World: A Rule-Consequentialist Theory of Morality Oxford 2003

SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015
Utilitarismus Politische Theorien Gaus I 414
Utilitarismus/Politische Philosophie/Weinstein: Zeitgenössische englische Utilitaristen haben sich mit zunehmender Subtilität und Raffinesse für einen liberalen Utilitarismus eingesetzt. Herrschaftlicher Utilitarismus: Regel-Utilitaristen betonen die Kompatibilität des Utilitarismus mit anerkannten moralischen Regeln und Intuitionen (Hare, 1981(1); Harsanyi, 1985(2); Hooker, 2000(3)), während ...
Liberaler Utilitarismus: ... liberale Utilitaristen Utilitarismus mit starken liberalen Rechten verbinden (Gray, 1983(4); Riley, 1988(5)).
All diese Darstellungen stellen jedoch unterschiedliche Versionen dessen dar, was heute allgemein als indirekter Utilitarismus bekannt ist.
Indirekter Utilitarismus: Für indirekte Utilitaristen, so James Griffin, dient das Prinzip der Nützlichkeit als "Kriterium" zur Beurteilung von Handlungsklassen. Im Gegensatz dazu fungieren etablierte moralische Regeln und/oder grundlegende liberale Rechte als Quellen direkter Verpflichtungen (oder "Entscheidungsverfahren"), um individuelle Handlungen zu lenken (Griffin, 1994(6): 179). Handlungen sind moralisch falsch, wenn sie gegen diese Entscheidungsverfahren verstoßen. Indirekte Utilitaristen sind der Meinung, dass die Einhaltung solcher Entscheidungsverfahren den allgemeinen Nutzen insgesamt am besten maximiert, wenn auch nicht unbedingt in kurzfristigen Einzelfällen. Mit anderen Worten, manchmal ist richtiges Handeln gleichbedeutend mit falschem Handeln. Aber warum sollte ich richtig handeln, wenn richtiges Handeln in einer bestimmten Situation zufällig nicht das Beste für den Utilitaristen ist? Warum sollte ich ein geistloser, regelverliebter Trottel sein?*
Grundrechte/Gleichberechtigung/Liberaler Utilitarismus: (...) für den liberalen Utilitarismus fungieren die Grundrechte als kritische Entscheidungsverfahren und machen ihn juristischer als den herrschenden Utilitarismus. Rechte lenken unser Handeln indirekt entlang unantastbarer Kanäle akzeptablen Verhaltens, die angeblich einen allgemeinen Gesamtnutzen erzeugen. Aber der liberale Utilitarismus ist nicht einfach eine juristischere Version des indirekten Utilitarismus.
VsLiberaler Utilitarismus: Der zeitgenössische liberale Utilitarismus wird oft in der gleichen Weise kritisiert, wie Mill's zeitgenössische Gegner ihn wegen seines Versuchs, die Unversöhnlichen zu versöhnen, angriffen. So hat beispielsweise John Gray (1989(7): 218-24) seine frühere Begeisterung für den liberalen Utilitarismus widerrufen und stimmt mit den Kritikern des liberalen Utilitarismus darin überein, dass er vergeblich versucht, mehrere ultimative normative Kriterien miteinander zu verbinden, nämlich Nützlichkeit und unanfechtbare moralische Rechte.
Gray: Bei Gray übertrumpft entweder die Maximierung des Nutzens logischerweise die Rechte, oder Rechte (sofern sie ein authentisches moralisches Gewicht besitzen) übertrumpfen die Maximierung des Nutzens. Der liberale Utilitarismus scheitert logisch, weil er in entgegengesetzte normative Richtungen zieht und uns anweist, den Nutzen zu maximieren, wenn er Rechte verletzt, und Rechte zu respektieren, wenn er den Nutzen nicht maximiert. Manchmal müssen wir zwischen unserem Liberalismus und unserem Utilitarismus wählen.
Egalitärer Utilitarismus: Egalitäre Liberale haben im Gegensatz zu Utilitaristen die Gleichheit über den Nutzen als ihr vorrangiges normatives Anliegen. Dennoch sind Utilitaristen der Gleichheit und Verteilungsgerechtigkeit gegenüber nicht gleichgültig. Wie wir gerade gesehen haben, nehmen die indirekten Utilitaristen diese Werte ernst, wenn auch nicht so ernst, dass sie die Nutzenmaximierung als obersten normativen Standard übertrumpfen. Utilitaristen schätzen Gleichheit auch in dem Sinne, dass Unparteilichkeit konstitutiv für das Prinzip der Nützlichkeit ist. Das "Glück eines jeden Menschen genau so sehr wie das eines anderen" (Mill, 1969(8): 257).**
J. St. Mill, >Egalitarismus.
Für egalitäre Liberale spielt die Gleichheit jedoch eine gewichtigere Rolle, weil viele von ihnen internalistische Argumente für die Gleichheit bevorzugen.*** Und weil ihnen die Gleichheit von vornherein wichtig ist, neigen sie auch dazu, sich mehr mit Fragen der Gleichheit des "Was" als des "Warum" zu beschäftigen.
Vgl. >Individuum/Bradley, >Freiheit/Bosanquet, >Selbstverwirklichung/Hobhouse.
Gaus I 415
Neuer Liberalismus: (...) die neuen Liberalen befürworteten eine robustere Schwelle der Gleichberechtigung der Chancen. Obwohl sie mit >Bosanquet darin übereinstimmten, dass der Besitz von Eigentum ein mächtiges Mittel der 'Selbstdarstellung' und daher entscheidend für eine erfolgreiche Externalisierung und Verwirklichung unserer selbst sei, legten sie auch fest, dass Privateigentum nur insoweit legitim sei, als es
Gaus I 416
die Chancengleichheit nicht untergräbt. >Chancengleichheit.
Hobson: In Hobsons Worten: "Ein Mensch, der nicht ausreichend versorgt ist, ist nicht wirklich frei für Zwecke der Selbstentfaltung", mit gleichberechtigtem und einfachem Zugang zu Land, einem Heim, Kapital und Krediten. Hobson kommt zu dem Schluss, dass, obwohl der Liberalismus kein Staatssozialismus ist, er dennoch in erheblichem Maße "mehr öffentliches Eigentum und Kontrolle über die Industrie" impliziert (1974(9): xii). Neue Liberale haben also den englischen Liberalismus verändert, indem sie die soziale Wohlfahrt und die Rolle des Staates bei ihrer Förderung in den Mittelpunkt rückten. Sie machten aus dem Wohlfahrtsliberalismus eine ausgeklügelte theoretische Alternative.****
>Liberalismus, >Idealismus.

* Für Kritiker des zeitgenössischen indirekten Utilitarismus sind regierungsverehrende Trottel irrational, weil der Regel-Utilitarismus nicht nur paradox, sondern unlogisch ist. Richtig zu handeln, kann niemals bedeuten, dass man manchmal etwas falsch macht, als ob Handeln und Tun verschiedene Dinge bedeuten. Regel-Utilitaristen haben darauf reagiert, indem sie zwischen idealistischem Regel-Utilitarismus, tatsächlichem staatlichem Regel-Utilitarismus und bedingtem Regel-Utilitarismus unterschieden haben. Der idealistische Regel-Utilitarismus besagt, dass Handlungen dann richtig sind, wenn sie mit Regeln übereinstimmen, deren allgemeine Akzeptanz den Nutzen fördern würde. Der tatsächliche staatliche Utilitarismus fügt die Bedingung hinzu, dass diese Regeln tatsächlich allgemein akzeptiert werden müssen. Der Utilitarismus der bedingten Herrschaft ist noch schwächer, da er weiter festlegt, dass Handlungen dann richtig sind, wenn sie mit Regeln übereinstimmen, die stets den Nutzen maximieren.

** Mill fährt fort: "Der gleiche Anspruch eines jeden auf Glück beinhaltet einen gleichen Anspruch auf alle Mittel zum Glück" (1969(8): 257). In einer aufschlussreichen Fußnote über Spencer fügt Mill hinzu, dass "vollkommene Unparteilichkeit zwischen Personen" voraussetzt, dass "gleiche Mengen an Glück gleich wünschenswert sind, unabhängig davon, ob sie von derselben oder von verschiedenen Personen empfunden werden". Diese egalitären Implikationen der Unparteilichkeit sind nicht identisch und führen zu sehr unterschiedlichen Umverteilungsstrategien.

*** Für Gerald Gaus (2000(10): 136-45) sind utilitaristische Argumente für Gleichheit äußerlich, weil sie die Gleichbehandlung um der Förderung eines äußeren Wertes willen befürworten, nämlich des Glücks willen. Argumente von grundlegender menschlicher Gleichheit rechtfertigen Gleichbehandlung auf der Grundlage irgendeines (internen) Attributs, wonach Menschen angeblich in Wirklichkeit gleich sind.

**** Idealisten wie Jones und Collingwood befürworteten in ähnlicher Weise eine energische Ausweitung der Chancengleichheit durch die Regierung.

1. Hare, R. M. (1981) Moral Thinking. Oxford: Oxford mversity Press.
2. Harsanyi, John (1985) 'Rule utilitarianism, equality and justice'. Social Philosophy and Policy, 2: 115-27.
3. Hooker, Brad (2000) Ideal code, Real World. Oxford: Oxford University Press.
4. Gray, John (1983) Mill on Liberty: A Defence. London: Routledge.
5. Riley, Jonathan (1988) Liberal Utilitarianism. Cambridge: Cambridge University Press.
6. Griffin, James (1994) 'The distinction between a criterion and a decision procedure', Utilitas, 6: 177-82.
7. Gray, John (1983) Mill on Liberty: A Defence. London: Routledge.
8. Mill, J. S. (1969) Utilitarianism. In J. M. Robson, Hrsg., The Collected Works of J. S. Mill, vol. 10. Toronto: University of Toronto Press.
9. Hobson, J. A. (1974 119091) The Crisis of Liberalism. Brighton: Barnes and Noble.
10. Gaus, Gerald (2000) Political Concepts and Political Theories. Boulder, CO: Westview.

Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Verantwortung Hooker Singer I 233
Brad Hooker: (B. Hooker 2000)(1): Hooker argumentiert für eine Version des Regel-Utilitarismus, die verhindert, dass Regeln zu kompliziert werden. Er meint, dass wir falsch handeln, wenn wir gegen eine Regel verstoßen, die Teil einer Menge von Regeln ist, die, wenn sie von einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung internalisiert wurde, die besten Konsequenzen zeitigen würde. >Utilitarismus, >Regel-Utilitarismus.
Wenn die Regeln nun zu komplex würden, würden Menschen es schwer finden, sie zu internalisieren. Die Kosten für die Erziehung der Menschen würden zu hoch.
>Bildung, >Bildungspolitik.
>Verantwortung/Parfit, Verantwortung/Ethik//Glover, J..

1. B. Hooker (2000). Ideal Code, Real World. Oxford.

Hooker I
Brad Hooker
Ideal Code, Real World: A Rule-Consequentialist Theory of Morality Oxford 2003

SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015
Verantwortung Singer I 220
Historische Verantwortung/Klimawandel/P. Singer: Ist das Prinzip „Der Verursacher zahlt“ im Fall des Klimawandels anwendbar? Im Fall der Umweltverschmutzung sicher: eine Chemiefirma, die Giftstoffe emittiert, ist zur Verantwortung zu ziehen. Im Fall der des Kohlendioxids in der Atmosphäre kann man feststellen, dass es nach einem Jahrhundert noch vorhanden ist. Hier ist der Verursacher aber nicht leicht individuell festzustellen. >Klimawandel, >Klimakosten, >Gerechtigkeit.
I 221
Man kann aber Staaten Prozentwerte an der Verschmutzung zuweisen. >Emissionsrechte, >Emissionsrechtehandel.
Problem: Wenn es um Jahrhunderte geht, sind die Staaten nicht als konstante Individuen anzusehen, da sich die politische Landkarte geändert hat.
>Generationengerechtigkeit.
Argument: Man hört manchmal das Argument, die Industrialisierung habe der ganzen Welt zu wachsendem Wohlstand verholfen, warum sollte man die Umweltschäden dann nicht auch gemeinsam tragen?
>Fortschritt, >Geschichte, >Technologie.
Vs: Der gleichzeitig aufkommende internationale Handel habe aber den industrialisierten Nationen stärker genutzt.
>Handel, >Märkte, >Weltwirtschaft.
I 222
Argument: Man hört manchmal das Argument, dass die verursachenden Nationen sich nicht der schädlichen Wirkungen bewusst gewesen seien. >Nationen.
Singer: Das ist wahr, vor den 1970er Jahren wurde die globale Erwärmung nicht ernsthaft untersucht.
I 223
Singer: Man muss die auch Größe der Bevölkerung berücksichtigen. Selbst wenn wir das Prinzip „Du hast es zerstört, Du musst es reparieren“ sich nur zu dem Zeitpunkt anwenden lässt, wo der größte Verursacher Kenntnis davon erhielt, bleibt es dabei, dass die Vereinigten Staaten und Europa das meiste zur Schadensbehebung beitragen müssten.
I 231
Klimawandel/Verantwortung/Individuum/Singer, P.: Was kann ich als Individuum tun? Wenn ich selbst mein Verhalten ändere, kann ich den Ausstoß an Klimagasen erstaunlich weit reduzieren. Das macht aber keinen messbaren Unterschied im globalen Maßstab aus. Wenn es aber alle machen würden, wäre der Effekt durchaus messbar. Dann liegt es nahe, dass es falsch ist, wenn ich persönlich mich nicht daran halte.
I 232
Frage: Wie wäre es, wenn ich mein Verhalten an dem anderer Individuen orientiere und mich schlecht verhalte, solange nicht zu viele andere sich ebenfalls schlecht verhalten? Konsequentialismus: In dieser Frage unterscheiden sich Konsequentialisten und Nicht-Konsequentialisten.
>Konsequentialismus.
Regel-Utilitarismus: würde sagen: die beste Regel für das Individuum ist es, keinen Verstoß zu begehen bzw. keine Schädigung der Allgemeinheit in Kauf zunehmen, auch wenn sie sich nicht sofort messbar auswirkt.
>Utilitarismus.
Utilitarismus/David Lyons: (D. Lyons, 1965)(1): These: Der Regel-Utilitarismus fällt in solchen Fällen mit dem Handlungs-Utilitarismus zusammen. Beide begrüßen und verwerfen die gleichen Lösungen.
R. M. Hare: behauptet das gleiche in Bezug auf Kants Appell an die Idee eines universellen Rechts und argumentiert, dass dieses Prinzip um Utilitarismus führt.(2)
>Kategorischer Imperativ.
I 233
Brad Hooker(3): Hooker argumentiert für eine Version des Regel-Utilitarismus, die verhindert, dass Regeln zu kompliziert werden. Er meint, dass wir falsch handeln, wenn wir gegen eine Regel verstoßen, die Teil einer Menge von Regeln ist, die, wenn sie von einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung internalisiert wurde, die besten Konsequenzen zeitigen würde. Wenn die Regeln nun zu komplex würden, würden Menschen es schwer finden, sie zu internalisieren. Die Kosten für die Erziehung der Menschen würden zu hoch. >Verantwortung/Parfit, Verantwortung/Glover)

1. D. Lyons, Forms and Limits of Utilitarianism, Oxford, 1965.
2. R. M. Hare, „Could Kant have been a Utilitarian?“ Utilitas 5 (1993), pp. 1-16.
3. B. Hooker, Ideal Code, Real World (Oxford, 2000).

SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015