Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
[englisch]

Screenshot Tabelle Begriffes

 

Finden Sie Gegenargumente, in dem Sie NameVs…. oder….VsName eingeben.

Erweiterte Suche:
Suchbegriff 1: Autor oder Begriff Suchbegriff 2:Autor oder Begriff

zusammen mit




Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 11 Einträgen:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Autor
Eintrag
Eintrag
Literatur
Literatur
Elite Fanon Brocker I 387
Elite/Kolonisation/Postkolonialismus/Fanon: Fanon geht er vor allem mit den nationalen Bourgeoisien ((s) in den kolonialisierten Ländern) ins Gericht, den einheimischen hauptstädtischen »Universitäts- und Geschäftseliten«(1). Fanon wirft dieser Schicht vor, nicht am Aufbau eines neuen, gerechteren Gesellschaftssystems interessiert zu sein, sondern lediglich an Vermittlungstätigkeiten und daran, sich an die Stelle der ehemaligen europäischen Bevölkerung zu setzen(2). Sie habe »die Psychologie von kleinen Geschäftemachern, nicht von Industriekapitänen«(3), und folge in ihrem Luxuskonsum »der westlichen Bourgeoisie in ihrem negativen und dekadenten Stadium«(4).
1. Frantz Fanon, Les damnés de la terre, Paris 1961. Dt.: Frantz Fanon, Die Verdammten dieser Erde, Frankfurt/M. 1981, S. 128
2. Ebenda S. 130
3. Ebenda S. 128
4. Ebenda S. 131.
Ina Kerner „Frantz Fanon, Die Verdammten dieser Erde“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

PolFanon I
Frantz Fanon
Die Verdammten dieser Erde Reinbek 1969

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Gesellschaft Spencer Habermas III 218
Gesellschaft/Fortschritt/Spencer/Habermas: Im 19. Jahrhundert (...) deuten die in H. Spencer kulminierenden Entwicklungstheorien die Fortschritte der Zivilisation darwinistisch als Entwicklung organischer Systeme.(1)
Habermas III 219
So konnte Spencer eine Theorie der Sozialen Evolution aufstellen, die mit dem unklaren Idealismus der Geschichtsphilosophie aufräumte, und die Fortschritte der Zivilisation als Fortsetzung der natürlichen Evolution betrachtete und damit ohne alle Zweideutigkeiten unter Naturgesetze subsumierte. >Geschichtsphilosophie, >Evolution, >Naturgesetze, >Geschichte, >Geschichtsschreibung.
Trends wie die wissenschaftlichen Entwicklung; das kapitalistische Wachstum, die Etablierung von Verfassungsstaaten die Entstehung moderner Verwaltungen usw. konnten so unmittelbar als empirisch Phänomene behandelt und als Folgen der strukturellen Differenzierung von Gesellschaftssystemen begriffen werden. Sie brauchten nicht mehr nur als empirische Indikatoren für eine intern, auf Lernprozesse und Wissensakkumulation zurückgeführte Geschichte des Geistes, nicht mehr als Anzeichen für eine Rationalisierung im Sinne der Geschichtsphilosophie gedeutet zu werden.

1. L. Sklair, The Sociology of Progress, London 1970, p. 56ff.

Spencer I
Herbert Spencer
The Man versus the State Indianapolis 2009

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Hierarchien Parsons Habermas IV 371
Hierarchien/Systeme/Systemtheorie/Parsons/Habermas: Parsons nimmt für Systeme einen Kontrollmechanismus an, der seinerseits Energie benötigt, allerdings wenig im Vergleich zum Verbrauch des Gesamtsystems. Parsons setzt kulturelle Werte mit steuernden Kontrollwerten gleich und behandelt die organischen Grundlagen des Handlungssystems als Quelle von Energie. Dann stellt er zwischen Verhaltenssystem, Persönlichkeit, Gesellschaftssystem und Kultur in der Weise eine Hierarchie her, dass das niedrigere dem jeweils
Habermas IV 372
höheren System an aufgewendeter Energie, das höhere dem niedrigeren an Information und Steuerungsleistung überlegen ist. Damit erhält das kulturelle System die Stellung eines Souveräns der Steuerung. Habermas: Damit stellt Parsons nicht nur die Weichen für einen kulturellen Determinismus, sondern differenziert zwischen zwei Kategorien von Umwelten:
a) am unteren Pol die natürliche oder empirische Umwelt,
b) am entgegengesetzten Pol eine Umwelt nichtempirischer, übernatürlicher Art. (1)
>Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen.

1.T. Parsons, “Social Systems”, in: Parsons, Social Systems, 1977, S. 181.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Ideologie Marx Rothbard II 378
Ideologie/Marx/Rothbard: Selbst Marx muss dumpf erkennen, dass in der realen Welt nicht 'materielle Produktivkräfte', nicht einmal 'Klassen', sondern nur individuelles Bewusstsein und individuelle Wahl handeln. Selbst in der Marx'schen Analyse muss sich jede Klasse, oder die Individuen in ihr, ihrer „wahren“ Klasseninteressen bewusst werden, um sie zu verfolgen oder zu verwirklichen. Für Marx werden das Denken jedes Einzelnen, seine Werte und Theorien nicht durch sein persönliches Eigeninteresse bestimmt, sondern durch das Interesse der Klasse, der er angeblich angehört. Dies ist der erste fatale Fehler in der Argumentation: Warum in aller Welt sollte der Einzelne seine Klasse jemals höher einschätzen als sich selbst?
Zweitens, so Marx, bestimmt dieses Klasseninteresse sein Denken und seine Ansichten und muss dies auch tun, weil jeder Mensch nur im Interesse seiner Klasse zu „Ideologie“ oder falschem Bewusstsein fähig ist. Er ist weder zu einer uneigennützigen, objektiven Wahrheitssuche fähig, noch zu einer Verfolgung seines eigenen Interesses oder des Interesses der gesamten Menschheit.
MisesVsMarx/Rothbard: Aber, wie von Mises hervorgehoben hat, gibt Marx' Lehre vor, reine, nicht-ideologische Wissenschaft zu sein, und ist doch ausdrücklich geschrieben worden, um das Klasseninteresse des Proletariats zu fördern.
Aber während die gesamte „bürgerliche“ Ökonomie und alle anderen Disziplinen des Denkens von Marx interpretiert wurden per definitionem als falsch, als „ideologische“ Rationalisierungen des bürgerlichen Klasseninteresses interpretiert wurden, waren die Marxisten waren nicht konsequent genug, um ihren eigenen Lehren lediglich ideologischen Charakter zuzuschreiben. Die Marx'schen Lehren seien keine Ideologien, so implizierten sie. Sie sind ein Vorgeschmack
Rothbard II 379
des Wissens der zukünftigen klassenlosen Gesellschaft, die, befreit von den Fesseln der Klassenkonflikte, in der Lage sein wird, reines, von ideologischen Makeln unbeflecktes Wissen zu konzipieren.(1) >Klassenkampf/Marx, >Historischer Materialismus/Marx.
David GordonVsMarx/Rothbard: Wenn alles Denken über soziale und ökonomische Fragen von der Klassenlage bestimmt wird, was ist dann mit dem marxistischen System selbst? Wenn Marx, wie er stolz verkündete, das Ziel hatte, eine Wissenschaft für die Arbeiterklasse zu schaffen, warum sollte dann irgendeine seiner Ansichten als wahr akzeptiert werden? Mises stellt zu Recht fest, dass die Marxsche Sichtweise sich selbst widerlegt: Wenn alles soziale Denken ideologisch ist, dann ist dieser Satz selbst ideologisch und die Gründe für seinen Glauben sind untergraben worden. In seinen Theorien des Mehrwerts kann Marx seinen Spott über die „Apologetik“ der verschiedenen bürgerlichen Ökonomen nicht unterdrücken. Er war sich nicht bewusst, dass er mit seinen ständigen Sticheleien gegen die Klassenvorurteile seiner Ökonomenkollegen nur das Grab für sein eigenes gigantisches Propagandawerk für das Proletariat schaufelte.(2)
>Mehrwert.
MisesVsMarx/Rothbard: Von Mises weist auch darauf hin, dass es absurd ist zu glauben, dass die Interessen irgendeiner Klasse, einschließlich der Kapitalisten, jemals besser durch eine falsche als durch eine richtige Doktrin bedient werden könnten.(3)
Kapitalistische Ideologie/MisesVsMarx/Rothbard: Wenn die Marxsche Antwort, wie sie es getan hat, besagt, dass eine falsche Theorie notwendig ist, um die Existenz der kapitalistischen Herrschaft zu rechtfertigen, dann ist, wie von Mises hervorhebt, von der Marxschen Sichtweise selbst die Theorie nicht notwendig. Da jede Klasse rücksichtslos ihre eigenen Interessen verfolgt, brauchen die Kapitalisten ihre Herrschaft und ihre angebliche Ausbeutung vor sich selbst nicht zu rechtfertigen. Es besteht auch keine Notwendigkeit, diese falschen Lehren zu benutzen, um das Proletariat unterwürfig zu halten, da für die Marxisten die Herrschaft oder der Umsturz eines gegebenen Gesellschaftssystems von den materiellen Produktivkräften abhängt und es keinen Weg gibt, durch den das Bewusstsein diese Entwicklung verzögern oder beschleunigen kann. Oder, wenn es solche Wege gibt, und die Marxisten räumen diese Tatsache oft implizit ein, dann gibt es einen schwerwiegenden und selbstzerstörerischen Fehler im Herzen der Marxschen Theorie selbst.
Rothbard II 380
Höhere Klassen/Intellektuelle/Mannheim/Rothbard: auf diese Weise selbstwidersprüchlich und selbstwiderlegend. Jahrhundert haben Marxisten wie der deutsche Soziologe Karl Mannheim versucht, diese Fluchtluke zur Hochtheorie zu erheben: dass die „Intellektuellen“ irgendwie „frei schweben“ können, über den Gesetzen schweben, die alle anderen Klassen bestimmen. >Klassen/Marx, >Klassenkampf/Marx.


1. Ludwig von Mises, Theory and History (1957, Auburn, Ala.: Mises Institute, 1985), p. 126.
2. David Gordon, 'Mises Contra Marx', The Free Market, 5 (July 198 7), pp. 2-3.
3. Zur Widerlegung eines anderen, mit der Marx'schen Ideologiedoktrin verwandten Punktes, dass jede ökonomische Klasse eine andere logische Struktur des Geistes hat ['Polylogismus'], siehe Ludwig von Mises, Human Action (New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949), pp. 72-91.



Habermas IV 303
Ideologie/Marx/HabermasVsMarx/Habermas: kritische Instrumente wie z.B. der Ideologiebegriff werden stumpf, weil ein metatheoretischer Rahmen von hinreichender Komplexität innerhalb eines der auseinandergefallenen Paradigmen (der Handlungs- und der Systemtheorie) nicht entwickelt werden kann. Lösung/Parsons/Habermas: bei Talcott Parsons laufen diese beiden Linien der Theoriegeschichte (Ansatz über Handlung bzw. über System) wieder zusammen.
>Talcott Parsons, >System-Theorie, >Handlungs-Theorie.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Instrumentelle Vernunft Habermas IV 490
Instrumentelle Vernunft/Habermas: Der Begriff suggeriert, dass sich die Rationalität erkennender und handelnder Subjekte zu einer Zweckrationalität höherer Ordnung systemisch ausweitet. >Rationalität, >Zweckrationalität.
So erscheint die Rationalität selbstgeregelter Systeme, die sich mit ihren Imperativen über das Bewusstsein der ihnen integrierten Mitglieder hinwegsetzt, in Gestalt einer totalisierten Zweckrationalität.
HabermasVs Adorno/HabermasVsHorkheimer: Damit verwechseln die beiden Autoren System- und Handlungsrationalität. Daher können sie nicht ausreichend unterscheiden zwischen der Rationalisierung der Handlungsorientierung
IV 491
im Rahmen einer (…) Lebenswelt auf der einen Seite und der Erweiterung der Steuerungskapazitäten von (…) Gesellschaftssystemen auf der anderen Seite. >Systemrationalität, >Handlungsrationalität, >Lebenswelt.
Autonomie/Spontaneität: Deshalb können sie die Spontaneität, die von der verdinglichenden Gewalt der Systemrationalisierung noch nicht erfasst ist, nur in irrationalen Kräften lokalisieren – in der charismatischen von Führern oder der mimetischen von Kunst und Liebe.
>Spontaneität, >Kunst, >Mimesis.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Klassen Marx Rothbard II 381
Klassen/Gesellschaft/Marx/Rothbard: Es gibt einen gravierenden inneren Widerspruch im Herzen des Marxschen Systems, in Marx' entscheidendem Begriff der Klasse. In der Marxschen Dialektik stehen sich zwei mächtige gesellschaftliche Klassen in einem inhärenten Konflikt gegenüber, die Herrschenden und die Beherrschten. In den ersten beiden großen Konflikten der Geschichte, dem „orientalischen Despotismus“ und dem „Feudalismus“, werden die sozialen Klassen von Marx (...) als vom Staat privilegierte oder belastete Klassen definiert. So leiten im „orientalischen Despotismus“ oder der „asiatischen Produktionsweise“ der Kaiser und seine technokratische Bürokratie den Staat und bilden dessen „herrschende Klasse“. Problem/RothbardVsMarx: Aber dann, als Marx zum Kapitalismus kommt, ändern sich plötzlich die Klassenkategorien, ohne dass dies anerkannt wird. Jetzt ist die herrschende Klasse
Rothbard II 382
nicht einfach als die Klasse definiert, die den Staatsapparat führt. Plötzlich ist der ursprüngliche Akt der Herrschaft oder „Ausbeutung“ der freiwillige Lohnvertrag auf dem Markt, der eigentliche Akt, bei dem ein Kapitalist einen Arbeiter einstellt und der Arbeiter zustimmt, eingestellt zu werden. Für Marx begründet dies an sich schon ein gemeinsames „Klasseninteresse“ der Kapitalisten, die eine „gemeinsame Klasse“ von Arbeitern ausbeuten. Marx war zwar auch der Meinung, dass diese „Kapitalistenklasse“ den Staat leitet, aber nur als „Exekutivkomitee der herrschenden Klasse“, d.h. einer herrschenden Klasse, die zuvor auf dem freien Markt, aufgrund des Lohnsystems, existierte. Das, was Marx als Analytiker der orientalischen Despotie oder des Feudalismus als Ausbeutung der herrschenden Klasse bezeichnen würde, existiert also auch im Kapitalismus, aber nur als Zusatz zur bereits bestehenden kapitalistischen Ausbeutung der Arbeiter durch das Lohnsystem. Die Ausbeutung durch die herrschende Klasse im Kapitalismus ist einzigartig, da sie eine doppelte Ausbeutung ausübt: erstens auf dem Markt als Teil des Lohnvertrags und zweitens die angebliche Ausbeutung durch den Staat als Exekutivkomitee der herrschenden Klasse. RothbardVsMarx: Es sollte offensichtlich sein, dass Marx' Analyse der Klasse an diesem Punkt ein Mischmasch ist, in völliger Unordnung; zwei widersprüchliche Definitionen von Klasse sind ineinander verkeilt, unverbunden und uneingestanden. Warum sollte ausgerechnet der Kapitalismus eine „doppelte“ Ausbeutung erheben können, die keine andere herrschende Klasse im Marx'schen Geschichtsschema je genießen kann?
Probleme: Wie können „Kapitalisten“, selbst in derselben Branche, geschweige denn im gesamten Gesellschaftssystem, irgendetwas Entscheidendes gemeinsam haben?
Genauso wenig kann es eine „Arbeiterklasse“ mit gemeinsamen Klasseninteressen auf dem freien Markt geben. Arbeiter konkurrieren miteinander, genauso wie Kapitalisten oder Unternehmer miteinander konkurrieren. Noch einmal: Wenn Gruppen von Arbeitnehmern
Rothbard II 383
den Staat nutzen können, um andere Gruppen auszuschließen, können sie eine herrschende Klasse gegenüber den ausgeschlossenen Gruppen werden. Wenn also staatliche Einwanderungsbeschränkungen neue Arbeitskräfte fernhalten, können die einheimischen Arbeiter (zumindest kurzfristig) auf Kosten der Einkommen der Einwanderer profitieren; oder wenn weiße Arbeiter schwarze Arbeiter durch staatlichen Zwang von qualifizierten Arbeitsplätzen fernhalten können (wie es in Südafrika geschah), wird die erstere zu einer privilegierten oder herrschenden Klasse auf Kosten der letzteren.
Rothbard: (...) jede Gruppe, die es schafft, den Staat zu kontrollieren oder von ihm Privilegien zu erlangen, kann ihren Platz unter den Ausbeutern einnehmen: das können bestimmte Gruppen von Arbeitern sein, oder Geschäftsleute, oder Mitglieder der Kommunistischen Partei, oder was auch immer. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass nur „Kapitalisten“ solche Privilegien erwerben können.
>Klassenkampf/Marx.
Rothbard II 384
Definition von Klassen/Klassendefinition/Marx/Rothbard: (...) in Marx' theoretischem Hauptwerk, dem Kapital, gibt es keinen Versuch einer Definition von Klasse. Zu Marx' Lebzeiten (1867) wurde nur ein unvollständiger Band I veröffentlicht, zu dem Zeitpunkt hatte er die Arbeit an dem Buch im Wesentlichen abgeschlossen. Nach Marx' Tod im Jahr 1883 überarbeitete Engels das verbleibende Manuskript, redigierte es und veröffentlichte es in zwei weiteren Bänden (1885, 1894).(1) Erst im berühmten allerletzten Kapitel des dritten Bandes unternimmt Marx schließlich den Versuch, das zu definieren, worüber er und Engels vier Jahrzehnte lang gesprochen und geschrieben hatten. Es ist ein unvollendetes Kapitel von verblüffender Kürze - fünf kurze Absätze. In diesem Kapitel, „Klassen“, beginnt Marx mit der klassischen Ricard'schen Trias: dass die Quellen des Einkommens in der Marktwirtschaft Löhne, Gewinne und Mieten sind und dass die Empfänger dieses Einkommens die „drei großen Klassen der modernen Gesellschaft“ bilden - Arbeiter, Kapitalisten und Grundbesitzer.
Rothbard II 385
Marx: (...) [es gibt] eine unendliche Zersplitterung des Interesses und des Ranges, in die die gesellschaftliche Arbeitsteilung sowohl die Arbeiter als auch die Kapitalisten und Grundbesitzer spaltet - letztere z.B. in Besitzer von Weinbergen, Ackerbauern, Waldbesitzer, Bergwerksbesitzer und Fischereibesitzer.(1) Rothbard: Eben. Marx hat es sehr gut gesagt; sein geliebter Zwei-Klassen-Monolith (...) liegt völlig in Trümmern.
>Klassen/Mises.
Rothbard II 392
Ricardo/Marx: Als Karl Marx sich in die Ökonomie des Kapitalismus stürzte (...), fand er eine wunderbare Waffe griffbereit: die Ricardianische Ökonomie. Im Gegensatz zu J.B. Say und der französischen Tradition konzentrierte sich Ricardo nicht auf den Markttausch und seine unvermeidliche Konzentration auf einzelne Akteure und Wechsler, die vom Tausch profitieren, sondern auf die „Produktion“, gefolgt von der „Verteilung“ des Einkommens als einem eigenen und separaten Prozess. Ricardos Hauptaugenmerk lag auf der Frage, wie dieses gesellschaftliche Einkommen aus der Produktion „verteilt“ wird. Während Say oder Turgot die einzelnen Produktionsfaktoren und die Art und Weise betrachteten, wie ihr Einkommen aus der Produktion und dem Austausch entsteht, konzentrierte sich Ricardo nur auf ganze, vermeintlich homogene „Klassen“ von Produzenten: Arbeiter, die Löhne verdienen, Kapitalisten, die „Gewinne“ erzielen und Vermieter, die Mieteinnahmen erzielen. Für Gegenargumente gegen Marx siehe >Klassen/Mises.

1. Während der 1870er Jahre ließ Marx Engels glauben, dass er hart und kontinuierlich an den Bänden II und III des Kapitals arbeitete. Nach Marx' Tod stellte Engels mit Erstaunen fest, dass Marx seit 1867 praktisch nicht mehr an dem Manuskript gearbeitet hatte, kurzum, dass Marx seinen Freund und Gönner schamlos belogen hatte. Siehe W.O. Henderson, The Life of Friedrich Engels (London: Frank Cass, 1976), 1 1, p. 563.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Rothbard II
Murray N. Rothbard
Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995

Rothbard III
Murray N. Rothbard
Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009

Rothbard IV
Murray N. Rothbard
The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988

Rothbard V
Murray N. Rothbard
Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977
Märkte Habermas IV 226
Märkte/Habermas: Der Markt sorgt für eine normfreie Regelung von Kooperationszusammenhängen. Er gehört zu den systemischen Mechanismen, die nicht-intendierte Handlungszusammenhänge über die funktionale Vernetzung von Handlungsfolgen stabilisieren, während der Mechanismus der Verständigung die Handlungsorientierungen der Beteiligten aufeinander abstimmt. >Kommunikationsmedien/Habermas, >Geld/Habermas, >Steuerungsmedien.
Habermas These: Das ist der Grund dafür, eine Unterscheidung von Sozial- und Systemintegration vorzuschlagen. Die eine setzt an den Handlungsorientierungen an, durch die die andere hindurchgreift. Im einen Fall wird das Handlungssystem durch einen normativ gesicherten oder kommunikativ erzielten Konsens, im anderen Fall durch die nicht-normative Steuerung von subjektiv unkoordinierten Einzelentscheidungen integriert.
>Handlungssystem/Habermas, >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas.
IV 247
Im Rahmen staatlich organisierter Gesellschaften entstehen Gütermärkte, die über symbolisch generalisierte Tauschbeziehungen, d.h. über das Geldmedium gesteuert werden. Aber einen für das Gesellschaftssystem im Ganzen strukturbildenden Effekt erzeugt dieses Medium erst mit der Ausgliederung der Ökonomie aus der staatlichen Ordnung. Dann entsteht ein über das Geldmedium ausdifferenziertes Teilsystem, das seinerseits den Staat zur Reorganisation zwingt. >Gesellschaft.
In den aufeinander bezogenen Subsystemen von Marktwirtschaft und moderner Verwaltung findet der Mechanismus des Steuerungsmediums, dem Parsons den Namen des symbolisch generalisierten Kommunikationsmediums gegeben hat, die ihm angemessene Sozialstruktur.
>T. Parsons, >Kommunikationsmedien/T. Parsons.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Moderne Habermas III 297
Moderne/Habermas: Die Moderne kennt weder in der Ethik noch in der Wissenschaft Reservate, die von der kritischen Kraft hypothetischen Denkens ausgenommen wären. Vorher bedarf es aber zunächst einer Generalisierung des Lernniveaus, das mit der Begrifflichkeit der religiös-metaphysischen Weltbilder erreicht worden ist. >Weltbilder/Habermas, >Weltbilder/Weber, >Methode, >Diskurse, >Begründung, >Letztbegründung.
Ausgehend von Webers Analyse stößt man an der Schwelle der Moderne auf zwei Probleme:
1. Die religiöse Askese muss erst die außerreligiösen Lebensbereiche durchdringen, um auch die profanen Handlungen den Maximen der Gesinnungsethik zu unterwerfen.
>Religion, >Gesellschaft, >Moral.
Diesen Vorgang identifiziert Weber mit der Entstehung der protestantischen Berufsethik.
>Ethik/Weber.
2. Bei der Entstehung der modernen Wissenschaft muss die Entkoppelung der Theorie von Erfahrungsbereichen der Praxis überwunden werden. Das geschah in Gestalt der experimentellen Naturwissenschaften.(1)
>Praxis.
III 299
Protestantische Ethik/Weber/Habermas: In der traditionellen Gesellschaft kann das kognitive Potential, das mit den durchrationalisierten Weltbildern entsteht, innerhalb deren sich der Entzauberungsprozess vollzieht, noch nicht wirksam werden. Es wird erst in modernen Gesellschaften entbunden. Dieser Vorgang bedeutet die Modernisierung der Gesellschaft.(2) >Protestantiache Ethik.
IV 433
Moderne/HabermasVsParsons/Habermas: ParsonsVsWeber: Parsons beschreibt dieselben Erscheinungen, die Weber als Anzeichen für soziale Pathologien deuten kann, als weiteren Beleg für die Ausbildung einer der Komplexität moderner Gesellschaften angemessenen Form der Solidarität. >T. Parsons.
Parsons/Habermas: Durch Parsons' Aufteilung der Grundbegriffe schafft er eine Gleichschaltung der Rationalisierung der Lebenswelt mit Komplexitätssteigerungen des Gesellschaftssystems. Damit verhindert er genau die Unterscheidungen, die wir vornehmen müssen, wenn wir die in der Moderne auftretenden Pathologien erfassen wollen.
>Bürokratie/Parsons.


1.W. Krohn, Die neue Wissenschaft der Renaissance, in: G. Böhme, W. v.d. Daele, W. Krohn, Experimentelle Philosophie, Frankfurt, 1977, S. 13ff.
2.Vgl. H.V. Gumbrecht, R. Reichardt, Th.Schleich (Hrg), Sozialgeschichte der Französischen Aufklärung, 2 Bde, München, 1981

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Soziologie Pareto Brocker I 97
Soziologie/Pareto: Die seit Auguste Comte im romanischen Sprachraum zu Beginn des 20. Jahrhunderts tonangebende französische Soziologie
Brocker I 98
(Gabriel Tarde, Émile Durkheim, Ernest Renan) war für Pareto zu literarisch und essayistisch, vor allem aber zu moralisierend, um seinen an den Naturwissenschaften geschulten Erwartungen gerecht werden zu können. (ParetoVsDurkheim, ParetoVsRenan, ParetoVsTarde). >E. Durkheim.
Sein Forschungsprogramm beinhaltete das Studium der menschlichen Handlungen und der mit ihnen korrespondierenden Gefühlslagen, um die gesellschaftlichen Formen zu erkennen. (1)
Brocker I 99
Aus seinen wirtschaftswissenschaftlichen Arbeiten, die von den Kategorien der theoretischen Mechanik und des Physikalismus beeinflusst waren, übernahm Pareto die Begriffe “System” und “Gleichgewicht” und übertrug sie auf die Soziologie als “soziales System” und Soziales Gleichgewicht“. Paretos zentrales soziologisches Erkenntnisobjekt ist die Gesellschaft. Der Systembegriff betont dabei die Interdependenzen zwischen den Elementen, während das Gleichgewichtskonzept auf die Bewegungen und Kräfte des jeweiligen Gesellschaftssystems verweist (vgl. Bach 2004, 63 ff.)(2)
Brocker I 100
Pareto verglich die Handlungen der gesellschaftlichen Akteure mit den Molekülen in der Mechanik der festen und flüssigen Körper. Gleichzeitig ging er aber davon aus, dass die gesellschaftlich relevanten Handlungen überwiegend nicht rational seien. Siehe Handlungen/Pareto. Die Grenzen seines Forschungsfelds zog Pareto dort, wo die Beurteilung der Handlungszwecke von Wertprämissen abhängig ist, über die nach der logisch-experimentellen Methode keine wissenschaftlich soliden Aussagen möglich sind.

1. Vilfredo Pareto, Trattato di sociologia generale, Florenz 1916. Vilfredo Pareto, Trattato di sociologia generale. Edizione critica a cura di Giovanni Busino, 4 Bände, Turin 1988. Dt.: Vilfredo Paretos System der allgemeinen Soziologie, herausgegeben und übersetzt von Gottfried Eisermann, Stuttgart 1962, § 145.
2. Maurizio Bach, Jenseits des rationalen Handelns. Zur Soziologie Vilfredo Paretos, Wiesbaden 2004.

Maurizio Bach, Vilfredo Pareto, Allgemeine Soziologie (1916) in: Manfred Brocker (Hg). Geschichte des Politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018.

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Strukturen Habermas IV 258
Strukturen/Strukturwandel/Habermas: These: Je komplexer die Gesellschaftssysteme, umso provinzieller werden die Lebenswelten. Das soll jedoch nicht kausal aufgefasst werden. Im Gegenteil: Komplexitätssteigerungen sind ihrerseits von der strukturellen Differenzierung der Lebenswelt abhängig. Dieser Strukturwandel gehorcht wiederum...
IV 259
...dem Eigensinn einer kommunikativen Rationalisierung. >Komplexität/Habermas, >Rationalisierung/Habermas.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Umwelt Parsons Habermas IV 342
Umwelt/System/Parsons/HabermasVsParsons/Habermas: Problem: Parsons verwendet den Begriff zweideutig: a) für den Status einer den Handlungssystemen übergeordneten und zugleich
b) den Handlungssystemen internen Umwelt, die gleichwohl empirischen Eigenschaften einer Systemumwelt beraubt ist.
>Handlungssystem.
Habermas IV 371
Parsons stellt zwischen Verhaltenssystem, Persönlichkeit, Gesellschaftssystem und Kultur in der Weise eine Hierarchie her, dass das niedrigere dem jeweils
Habermas IV 372
höheren System an aufgewendeter Energie, das höhere dem niedrigeren an Information und Steuerungsleistung überlegen ist. Damit erhält das kulturelle System die Stellung eines Souveräns der Steuerung. >Verhaltenssystem, >Persönlichkeit, >Gesellschaftssystem, >Kultur.
Habermas: Damit stellt Parsons nicht nur die Weichen für einen kulturellen Determinismus, sondern differenziert zwischen zwei Kategorien von Umwelten:
a) am unteren Pol die natürliche oder empirische Umwelt,
b) am entgegengesetzten Pol eine Umwelt nichtempirischer, übernatürlicher Art.(1)

1. T. Parsons, “Social Systems”, in: Parsons, Social Systems, 1977, S. 181.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981