| Begriff/ Autor/Ismus |
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| Holismus | Schurz | I 190 Überprüfungsholismus/Holismus/Schurz: deduktionslogischer Hintergrund: wenn die Prämissenmenge (H1...Hn) die Prognose P logisch impliziert, dann impliziert (per modus tollens) die Negation der Prognose, ~P die Negation der Konjunktion aller Prämissen, also ~(H1,...Hn). Letztere ist logisch äquivalent mit der Disjunktion aller negierten Prämissen, also ~H1 v ...v ~Hn d.h. mindestens eine der Prämissen Hi ist falsch. ((s) „i“ statt „n“, weil n bloß die letzte Hypothese wäre). Theorienetz/Schurz: besteht aus unterschiedlichen Theorieverbänden. Zwischen den Theorieelementen eines Theoriennetzes bestehen mindestens 3 Arten von Relationen: 1. Durch die Relation der Spezialisierung: entstehen hierarchische Theorienverbände 2. Die Relation der Vortheoretizität: kann sowohl innerhalb als auch zwischen Theorieverbänden bestehen. Diese beiden Relationen verbinden nur theoretisch homogene Theorieelemente miteinander. Ausdrucksgleiche Begriffe werden miteinander identifiziert. So verbundene Elemente können nie konkurrieren. Anders: 3. Zwischen verschiedenen Theorieverbänden gibt es intertheoretische Querverbindungen: a) einfachster Fall: wiederum Identitätsverbindungen. I 191 Bsp elektrostatische Kraft innerhalb eines mechanischen Modells. b) Brückenprinzipien: Bsp zwischen phänomenologischer Thermodynamik und statistischer Mechanik, der zufolge Temperatur proportional zur mittleren kinetischen Energie der Moleküle ist. c) approximative Theorienreduktion. Bsp Newtonsche Mechanik, Relativitätstheorie. >Theorien, >Relativitätstheorie, >Brückengesetze, >Naturgesetze, >Gesetze. |
Schu I G. Schurz Einführung in die Wissenschaftstheorie Darmstadt 2006 |
| Hypothesen | Poundstone | I 48 Hypothesen/Poundstone: Die meisten Hypothesen sind Verallgemeinerungen. >Verallgemeinerung, >Induktion, >Allgemeinheit, >Verallgemeinerbarkeit. Nicods Kriterium (Rabenparadox): Relevanz - schwarze und nichtschwarze Nichtraben sind irrelevant. >Relevanz, >Statistik. I 60 Poundstone: Sogar die Beobachtung schwarzer Raben ist praktisch irrelevant. >Beobachtung, >Beobachtbarkeit. I 88 Schlechte Hypothesen verderben gutes Belegmaterial. >Belege. I 55 Hilfshypothesen/Kohärenztheorie/Poundstone: Zusatzhypothesen meist Annahmen über das Funktionieren der Instrumente. >Zusatzhypothesen, >Messungen. Problem: Oft ist die Anwendbarkeit des modus tollens nicht garantiert. >modus tollens. Bsp Uranus wurde richtig aufgrund von Bahnstörungen vorhergesagt, Neptun falsch aufgrund der gleichen Hypothesen und Methoden. |
Poundstone I William Poundstone Im Labyrinth des Denkens Hamburg 1995 |
| Minimalismus | Wright | I 52 Def Minimalismus/Wright: Bestandteile: (i) das Äquivalenzschema "es ist wahr, dass P dann und nur dann, wenn P, (ii) "P" sagt, dass P, (iii) ein Satz kann als wahr gekennzeichnet werden, wenn seine Proposition wahr ist, (iv) die Gültigkeit des modus tollens, (v) dass es unschädlich ist, "P" entspricht den Tatsachen" als etwa "Die Dinge sind, wie "P" sagt, dass sie sind" anzunehmen. Der Minimalismus erkennt Wahrheit als echte Eigenschaft an. (VsDeflationismus) >Deflationismus, >Wahrheit, >Gültigkeit, >modus tollens, >Propositionen, >Sätze, >Äquivalenz, I 102f Minimalismus/Wright: Der Minimalismus ist neutral zwischen Anti-Realismus: (Superassertibilität) und Realismus: evidenztranszendente Wahrheit. >Superassertibilität, >Behauptbarkeit, >Realismus, >Anti-Realismus. I 225 Minimale Wahrheitsfähigkeit/mWf/Wright mehr als mwf: wenn in der Besten Erklärung unserer wahren Überzeugungen die Tatsachen erwähnt werden müssen, auf die sich die Überzeugungen beziehen. >Wahrheitsfähigkeit, >Beste Erklärung/Wright. I 267ff Globaler Minimalismus/Wright: ...daraus könnte man statt totaler Skepsis einen globalen Minimalismus folgern: alle Bedeutungen und die Wahrheit sind nur höchstens minimal wahrheitsfähig. I 271 Boghossian: Globaler Minimalismus, Non-Faktualismus: bezüglich Bedeutung, nicht Wahrheit: Es gibt keine Eigenschaft, dass ein Wort etwas bedeutet, folglich auch keine Tatsache - zieht globalen Non-Faktualismus nach sich, im Gegensatz zu allen anderen Non-Faktualismen. >Non-Faktualismus. I 285 Boghossian: "globaler Minimalismus": mit der Wahrheit kippt auch jegliche Bedeutung. >Bedeutung, >Tatsachen. |
WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Piaget | Schurz | I 192 Piaget/Entwicklungstheorie/Entwicklung/Wissenschaftstheorie/Schurz: Piaget These: Die Entwicklung der kindlichen Intelligenz ist stufenförmig. Sie beruht auf der stufenförmigen Ausbildung von allgemeinen logisch strukturellen Fähigkeiten. Sind diese erst einmal ausgebildet, können sie in kurzer Zeit überall angewendet werden. Vorher werden die entsprechenden kognitiven Aufgaben einfach nicht begriffen. Piaget These: Sensomotorische Stufe: mit 2 Jahren erreicht Konkret operationelle Stufe:mit ca. 6-7 Jahren erreicht. . Formal operationelle Stufe: mit 13 14 Jahren. Konkret operationelle Stufe/Piaget: (6-7) Bsp 1. Fähigkeit zum Perspektivenwechsel, Unterscheidung der eigenen von der fremder Personen. Damit Übergang vom egozentrischen zum soziozentrischen Denken. 2. Fähigkeit zu erkennen, dass bestimmte Operationen, die das Aussehen von Gegenständen verändern, rückgängig gemacht werden können. (Reversibilität). Damit gleichzeitig: Invariantenerkennung. Zwei Bereiche: a) Invarianz der Anzahl von Gegenständen b) Invarianz der Menge einer Substanz. Überprüfung/Piaget: durch Test, die Zuordnungsgesetze liefern: Bsp Perspektivenwechsel: Gebirgslandschaft, um die die Kinder herumgehen konnten. Invarianz der Zahl: Bsp Münzen Invarianz der Substanzmenge: Bsp Tonkugel, die zu einer Wurst verformt wurde. I 193 Bsp Kern: Intelligenzentwicklung beruht primär auf Stufen Entwicklung logisch struktureller Fähigkeiten. Bsp Peripherie: mit 6-7 Jahren erreichen fast alle Kinder die konkret operationelle Stufe. Bsp Empirische Prognose: fast alle Kinder scheitern daran mit 6, alle können es mit 7 Jahren. I 194 Test/Adäquatheit/Selektivität/Schurz: Ein Test muss adäquat für das untersuchte Merkmal sein. d.h. er muss selektiv sein. D.h. sie müssen die Merkmale (Fähigkeiten) messen und nicht gleichzeitig noch andere. Gleichzeitig müssen die Indikatoren auswechselbar sein. Bsp Es muss für den Perspektivenwechsel egal sein, ob er an einer Gebirgslandschaft oder an einer anderen Form untersucht wird. Indikator/(s): Objekt innerhalb eines Versuchs. VsPiaget/Schurz: Man zeigte, dass seine Hypothesen gegen die Forderung der Auswechselbarkeit der Indikatoren verstieß: Bsp Kinder, denen eine einfachere Form als eine Gebirgslandschaft vorgesetzt wurde (eine Schachtel mit vier verschiedenfarbigen Seiten) konnte die Aufgabe bereits mit 4 Jahren lösen (statt mit 6-7). Schurz: Das bedeutete aber noch nicht, dass man den Kern der Theorie preisgab. (gemäß der Lakatos Devise). ((s) d.h. die Stufen verliefen anders, die Annahme der Wichtigkeit des Logisch strukturellen wurde beibehalten. I 195 VsPiaget: Man schloss, dass sein Test nicht wirklich selektiv war. Lösung: die Gebirgslandschaft involvierte versteckte Variablen (verborgene Schwierigkeiten). (BrainerdVsPiaget, Brainerd 1978(1)). 2. VsPiaget: Bsp Zahltest: Problem: die Kinder hatten die sprachliche Formulierung „mehr Münzen“ nicht verstanden. Neu. Bsp Die Kinder sollten Bilder mit gleicher Anzahl von Münzen auswählen (ohne Sprache, non-verbal): dieser Zahltest wurde dann schon von 4-5 Jährigen beherrscht! Kern/Peripherie/Schurz: Das alles richtete sich nur gegen die Peripherie! Kern/VsPiaget: Bsp Aussagenlogik. Gemäß Piaget müssten Kinder mit 13-14 Jahren aussagenlogisch korrekte Schlüsse beherrschen. Problem: modus ponens wird tatsächlich schon mit 3 Jahren beherrscht, modus tollens oft nicht einmal von Erwachsenen, also oft nie! VsPiaget: Problem: Das lässt sich nicht mit Änderung eines Gesetzes für Indikatoren oder Spezialgesetze beheben. Es greift direkt den Kern der Theorie an. Kern/VsPiaget: Bsp Erhaltung des Objekts: I 196 Kognitives Prinzip: (hier): Objekte die verdeckt werden, hören deshalb nicht auf zu existieren. Piaget: Das wird bereits nach Vollendung der sensomotorischen Stufe mit 2 Jahren beherrscht. Variante: Bsp Auflösung von Zucker in Wasser: wird noch nicht einmal mit 6 Jahren beherrscht: eine schwache Mehrheit antwortet falsch: der Zucker sei nicht mehr da. Fazit: VsPiaget: Der Kern muss aufgegeben werden. Intelligenz/Entwicklung/alternative TheorieVsPiaget: Die Entwicklung der Intelligenz geht nicht über die Ausbildung allgemein abstrakter Strukturen, sondern beruht auf der Entwicklung inhaltsspezifischer und inhaltsgebundener Fähigkeiten. (Ausubel, 1978(2), Novak 1980(3), Schurz 1985(4)). >J. Piaget, >VsPiaget. 1. Brainerd, C. (1978). Piaget's Theory of Intelligence. Englewood Cliffs: Prentice-Hall. 2. Ausubel D. et al. (1978). Educational Psychology: A Cognitive View. New York: Holt. 3. Novak, J. (1980) "Eine Alternative zu Piagets Psychologie". In: Jung W. (Hg., 1980) Piaget und die Physikdidaktik. Physica Didactica 7, 17-24. 4. Schurz, G. (1985). "Denken, Sprache und Erziehung: Die aktuelle Piaget-Kontroverse", Zeitschrift für Semiotik, 7, Heft 4 1985, 335-366. |
Schu I G. Schurz Einführung in die Wissenschaftstheorie Darmstadt 2006 |
| Theorien | Lakatos | Feyerabend I 238 Lakatos/Feyerabend: Auch der scharfsinnige Versuch von Lakatos, eine Methodologie aufzustellen, die die historische Wirklichkeit der Wissenschaften ernst nimmt, sie aber doch aufgrund von in ihr selbst entdeckten Regelmäßigkeiten einer Kontrolle unterwirft, ist von dieser Folgerung nicht ausgenommen. 1. Es gibt die Regelmäßigkeiten nicht, auf die sich Lakatos beruft er idealisierte die Wissenschaften genauso wie seine Vorgänger. 2. Wären die Regelmäßigkeiten, wenn es gäbe, Regelmäßigkeiten der Wissenschaften und also unbrauchbar zur »objektiven« Beurteilung. 3. Lakatos’ Regelmäßigkeiten sind nur ein Aufputz, hinter dem sich im Grunde ein anarchisches Verfahren verbirgt >Objektivität/Lakatos, >Regularitäten. I 239 Falsifikation/LakatosVsPopper/Feyerabend: Einige der berühmtesten Falsifikationen waren alles andere als solche. Und darüber hinaus völlig irrational. I 240 Lakatos/Feyerabend: These: Man sollte Theorien eine "Atempause" gewähren: bei der Bewertung zählt die Entwicklung von Theorien über einen langen Zeitraum und nicht die momentane Gestalt. Außerdem stehen methodologische Maßstäbe nicht über jeder Kritik. Hacking I 206 Theorien/Wissen/HackingVsLakatos: Statt Vermehrung des Wissens müsste es heißen: Vermehrung der Theorien! Feyerabend/VsLakatos: Seine "Methodologie" bringt keinen Nutzen, wenn man über gegenwärtige Forschung Rat braucht. Schurz I 196 Theorierevision/Lakatos/Schurz: (Lakatos 1974, 129ff) Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme: zwei Annahmen: 1. “Immunisierung“: Es ist immer möglich, den Kern einer Theorie im Fall eines Konflikts mit der Erfahrung zu retten, indem man an der Peripherie Anpassungen vornimmt. I 197 2. Schutzgürtel“: Jede (physikalische ) Theorie braucht Hilfshypothesen (exklusive ceteris paribus Hypothesen) um empirische Prognosen aufzustellen. Diese lagern sich wie ein Schutzgürtel in der äußeren Peripherie um Mitte und Kern. Konflikte mit der Erfahrung können dann beseitigt werden, indem eine Hilfshypothese ersetzt oder fallengelassen wird. Def Anomalie/Lakatos: Ein Beobachtungsdatum, das der gesamten Theorie (Kern + Peripherie) widerspricht. Lösung: Def ad hoc Hypothese: nimmt kompliziertere Systembedingungen an, in denen unbekannte Störfaktoren postuliert werden. >Hypothesen, >Hilfshypothesen. Vs: Problem: Das erklärt das abweichende Datum nicht. D.h. es bleibt auch nach der Einführung der ad hoc Hypothese eine Anomalie! ad hoc/Lakatos: solche Anpassungen sind überhaupt nur legitim, wenn sie wissenschaftlich progressiv sind. Sie müssen neuen empirischen Gehalt besitzen. I 198 Falsifikation/LakatosVsPopper: eine Theorieversion ist erst dann falsifiziert, wenn es eine progressive neue Version (mit neuem empirischen Gehalt) gibt. D.h. es gibt keine „Sofortrationalität“ (augenblickliche Entscheidung) welche Theorie besser ist. Das zeigt sich erst in der historischen Entwicklung. Def Forschungsprogramm/Lakatos: harter Theoriekern zusammen mit einer negativen und einer positiven Heuristik. Def negative Heuristik/Lakatos: Anpassungen werden nicht im Kern sondern nur an der Peripherie vorgenommen, Allerdings können im Zuge einer degenerativen Entwicklung sich die modus tollens Treffer auf gegen den Kern richten. Def positive Heuristik/Lakatos: Programm, nach dem immer komplexere theoretische Modelle bzw. Systembedingungen für den Kern mit widerspenstigen Daten fertig werden können. I 199 Theorieversion/Schurz: Kern plus Peripherie. I 200 Def Falsifikation/Schurz: eine Theorieversion ist falsifiziert, gdw. einige aus ihr deduktiv folgende Phänomene durch aktuale Beobachtungssätze falsifiziert wurden. (s) Schurz spricht immer von Sätzen statt von Beobachtungen. I 202 Wahrheitsnähe/SchurzVs/Misserfolg/Erfolg/Theorie: der Begriff des Misserfolgs hat den Vorteil, dass darunter nicht die erfahrungskonfligierenden Konsequenzen der Theorie verstanden werden, sondern die Phänomene. Der Wahrheitsbegriff geht nur von den Konsequenzen aus. I 206 Def Klebeparadox/tacking paradox/Lakatos/Schurz: die Möglichkeit, durch die bloße konjunktive Hinzufügung irgendeiner empirisch ungeprüften Behauptung den empirischen Gehalt einer Theorieversion zu erhöhen. Lösung/Lakatos: die Verbindung einer einen neuen empirischen Gehalt erzeugenden Hilfshypothese mit der bisherigen Theorie muss inniger sein, als die einer bloßen Konjunktion. I 207 Lösung: die Theorie T muss homogen sein in Bezug auf den empirischen Gehalt: Def Homogenität/Theorie/Schurz: eine Faktorisierung ((s) Aufteilung) von T in Bezug auf E(T) ist nicht möglich. Logische Form: Unterteilung von T und E(T) in zwei disjunkte Teilmengen T1UT2 = T und E1UE2 = E(T) sodass T1 alle Phänomene in E1 impliziert und T2 alle Phänomene in E2 impliziert. Wenn das möglich ist, ist die Theorie heterogen. Jede durch irrelevante Verstärkung gewonnene Theorie ist in diesem Sinn faktorisierbar. Eine Verbindung der Theorie T mit dieser Verstärkung H ist empirisch nicht kreativ. |
Laka I I. Lakatos The Methodology of Scientific Research Programmes: Volume 1: Philosophical Papers (Philosophical Papers (Cambridge)) Cambridge 1980 Feyerabend I Paul Feyerabend Wider den Methodenzwang Frankfurt 1997 Feyerabend II P. Feyerabend Erkenntnis für freie Menschen Frankfurt 1979 Hacking I I. Hacking Einführung in die Philosophie der Naturwissenschaften Stuttgart 1996 Schu I G. Schurz Einführung in die Wissenschaftstheorie Darmstadt 2006 |
| Überprüfung | Lakatos | Schurz I 196 Theorierevision/Lakatos/Schurz: (Lakatos 1974(1), 129ff) Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme: zwei Annahmen: 1. “Immunisierung“: es ist immer möglich, den Kern einer Theorie im Fall eines Konflikts mit der Erfahrung zu retten, indem man an der Peripherie Anpassungen vornimmt. I 197 2. Schutzgürtel“: jede (physikalische ) Theorie braucht Hilfshypothesen (exklusive ceteris paribus Hypothesen) um empirische Prognosen aufzustellen. Diese lagern sich wie ein Schutzgürtel in der äußeren Peripherie um Mitte und Kern. Konflikte mit der Erfahrung können dann beseitigt werden, indem eine Hilfshypothese ersetzt oder fallengelassen wird. Def Anomalie/Lakatos: ein Beobachtungsdatum, das der gesamten Theorie (Kern + Peripherie) widerspricht. Lösung: Def ad-hoc-Hypothese: nimmt kompliziertere Systembedingungen an, in denen unbekannte Störfaktoren postuliert werden. Vs: Problem: das erklärt das abweichende Datum nicht. D.h. es bleibt auch nach der Einführung der ad hoc Hypothese eine Anomalie! ad hoc/Lakatos: solche Anpassungen sind überhaupt nur legitim, wenn sie wissenschaftlich progressiv sind. Sie müssen neuen empirischen Gehalt besitzen. Schurz I 198 Falsifikation/LakatosVsPopper: Eine Theorieversion ist erst dann falsifiziert, wenn es eine progressive neue Version (mit neuem empirischen Gehalt) gibt. D.h. es gibt keine „Sofortrationalität“ (augenblickliche Entscheidung) welche Theorie besser ist. Das zeigt sich erst in der historischen Entwicklung. Def Forschungsprogramm/Lakatos: harter Theoriekern zusammen mit einer negativen und einer positiven Heuristik. Def negative Heuristik/Lakatos: Anpassungen werden nicht im Kern sondern nur an der Peripherie vorgenommen, Allerdings können im Zuge einer degenerativen Entwicklung sich die modus tollens Treffer auf gegen den Kern richten. Def positive Heuristik/Lakatos: Programm, nach dem immer komplexere theoretische Modelle bzw. Systembedingungen für den Kern mit widerspenstigen Daten fertig werden können. I 199 Theorieversion/Schurz: Kern plus Peripherie. I 200 Def Falsifikation/Schurz: Eine Theorieversion ist falsifiziert, gdw. einige aus ihr deduktiv folgende Phänomene durch aktuale Beobachtungssätze falsifiziert wurden. (s) Schurz spricht immer von Sätzen statt von Beobachtungen. 1. Lakatos, I. (1974). "Falsifikation und die Methodologie wissenschaftlicher Forschungsprogramme". In: Lakatos, I. und Musgrave, A., Kritik und Erkenntnisfortschritt. Braunschweig: Vieweg. |
Laka I I. Lakatos The Methodology of Scientific Research Programmes: Volume 1: Philosophical Papers (Philosophical Papers (Cambridge)) Cambridge 1980 Schu I G. Schurz Einführung in die Wissenschaftstheorie Darmstadt 2006 |