Lexikon der Argumente


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Legitimität Morris Gaus I 202
Legitimität/Morris: Nehmen wir an, dass einige Staaten - diejenigen, die unseren Interessen dienen, die sich gerecht verhalten usw. - so beschaffen sind, dass sie gerechtfertigt und damit legitimiert sind. Besitzen sie dann alle normativen Befugnisse, die sie beanspruchen? Wir müssen die Legitimität untersuchen. Wann sind Staaten legitimiert? Was ist die Grundlage ihrer Legitimität? Und was genau bringt Legitimität mit sich? Legitimität" leitet sich von lex ab und hat die gleiche Wurzel wie "Gesetzgebung". Ein Sinn von "Legitimität" besteht darin, in Übereinstimmung mit dem Gesetz oder rechtmäßig (Legalität) zu sein. Jeder rechtmäßige oder "legale" Staat ist in diesem Sinne legitim. Eng damit verbunden wäre der allgemeinere Begriff der Übereinstimmung mit den festgelegten Regeln oder Verfahren, die für die betreffende Angelegenheit relevant sind (z.B. ein rechtmäßiger Zug im Schach, der rechtmäßige Thronfolger). Diese Sinne des "legitimen", weitgehend prozedural und ähnlich dem primären Sinn des "legalen" (d.h. in Übereinstimmung mit dem Gesetz zu sein), sind für unsere normative Untersuchung nicht sehr nützlich.
Probleme: In der Politik und insbesondere in internationalen Angelegenheiten wird ein Staat oft für legitim gehalten, wenn er von anderen anerkannt oder akzeptiert wird. Es besteht erhebliche Unklarheit darüber, was dies bedeutet. Manchmal scheint die Andeutung lediglich zu sein, dass ein legitimer Staat ein echter Staat ist. Legitimität in diesem Sinne ist uninteressant. Manchmal legt der Gedanke der Akzeptanz oder Anerkennung nahe, dass es als legitimer Staat erforderlich ist, von anderen Staaten so anerkannt zu werden, als ob Legitimität eine Art Mitgliedschaft in einer Organisation oder einem Club wäre. Auch wenn die Mitglieder dieses Clubs nicht alle korrupt sind, erscheint auch dieser Gedanke uninteressant. Die Frage ist, welche Bedingungen für die Mitgliedschaft gestellt werden sollten.
Sozialwissenschaften/Weber: In den Sozialwissenschaften würden von Weber abgeleitete Darstellungen uns die Legitimität des Staates in Bezug auf die Einstellungen der Subjekte verstehen lassen.
MorrisVsWeber: Die "rohesten" würden sagen, dass ein Staat insofern legitim ist, als er von seinen Untertanen so betrachtet wird, was nicht sehr erhellend ist, bis wir verstehen, was es für jemanden bedeutet, einen Staat so zu betrachten.
Staat: Was ist es dann für einen Staat, wenn er in einem substantielleren Sinne legitim ist? Wenn ein Staat legitim ist, dann hat er einen bestimmten Status. Zumindest ist seine Existenz zulässig. Er kann auch ein (Anspruchs-)Recht auf Existenz haben. >Staat/Morris.
Lösung: Ein legitimer Staat ist, sagen wir, minimal einer, der eine Freiheit, vermutlich ein (Anspruchs-)Recht, zu existieren hat. Er würde vermutlich auch die Freiheit oder das Recht besitzen, Gesetze zu erlassen und diese zu beschließen und durchzusetzen, soweit dies zur Aufrechterhaltung der Ordnung und für andere Zwecke erforderlich ist. Legitimität in diesem minimalen Sinne wäre das Recht zu existieren und zu herrschen. >Gehorsam/Morris.
Legitimität, stark und schwach: An diesem Punkt ist es sinnvoll, zwischen schwächeren und stärkeren Legitimitätskonzepten zu unterscheiden. Ein legitimer Staat besitzt ein (Anspruchs-)Recht zu existieren und zu herrschen.
Das Existenzrecht bringt für andere die Verpflichtung mit sich, seine Existenz nicht in bestimmter Weise zu bedrohen (z.B. ihn nicht anzugreifen oder zu erobern).
a) ein Staat ist
Gaus I 203
minimal legitim, würde ich sagen, wenn sein Recht zu herrschen bedeutet, dass andere verpflichtet sind, es nicht zu untergraben, aber nicht unbedingt verpflichtet sind, ihm zu gehorchen. 2) Demgegenüber ist ein Staat voll legitim, wenn sein Recht zu herrschen eine Verpflichtung der Untertanen oder zumindest der Bürger zur Gehorsamspflicht (jedes gültige Gesetz) mit sich bringt. Diese Verpflichtung kann als eine allgemeine Pflicht zum Gehorsam gegenüber dem Gesetz angesehen werden, die die Einhaltung aller Gesetze verlangt, die auf einen Staat anwendbar sind, außer unter Umständen, die durch das Gesetz vorgegeben sind (z.B. gerechtfertigter oder entschuldigter Ungehorsam).*
Minimale Legitimität: Was begründet eine minimale Legitimität? Angenommen, ein Staat ist gerecht.** Das heißt, angenommen, er respektiert die Zwänge der Gerechtigkeit und handelt nicht ungerecht. Nehmen wir außerdem an, dass er denjenigen Gerechtigkeit widerfährt, die seiner Herrschaft unterworfen sind, dass er Gesetze erlässt und durchsetzt, Streitigkeiten entscheidet und Mechanismen für kollektive Entscheidungen bereitstellt (z.B. Verträge, Gesellschaftsrecht), lokale Regierungen, Parlamente). Einige der Gesetze sowie eine Reihe von Sozialprogrammen zielen auf Verteilungsgerechtigkeit ab (...). Die Regierung reagiert im Allgemeinen auf die gerechten Interessen oder Wünsche der Regierten. Ein Staat wie dieser wäre gerecht. Nehmen wir außerdem an, dass er in seinen Aktivitäten relativ effizient ist. (Morris, 1998(5): Kap. 4 und 6). >Gerechtigkeit/Morris, >Rechtfertigung/Morris, >Verteilungsgerechtigkeit/Politische Theorien.

* "Die Legitimität eines Staates ist sein ausschließliches Recht, den Untertanen neue Pflichten aufzuerlegen, indem er rechtsverbindliche Richtlinien initiiert, diese Richtlinien befolgen zu lassen und Nicht-Verpflichtete zu zwingen" (Simmons, 1999(1): 137). Unter "Rechtfertigung des Staates" versteht man normalerweise den Nachweis, dass es eine übermäßige Verpflichtung gibt, dem Gesetz zu gehorchen..." (Simmons, 1999(1): 137). [D]as Ziel der Rechtfertigung des Staates ist es, zu zeigen, dass im Prinzip jeder innerhalb seiner Territorien moralisch verpflichtet ist, seine Gesetze und Erlasse zu befolgen" (Wolff, 1996(2): 42).


** Was sind Königreiche ohne Gerechtigkeit anderes als große Räuberbanden" (Augustinus, 1984(3): 30). 'Gerechtigkeit ist die erste Tugend der sozialen Institutionen, wie die Wahrheit der Denksysteme' Rawls, 1971(4): 3).


1. Simmons, A. John (1999) 'Justification and legitimacy'. In his Justification and Legitimacy: Essays on Rights and Obligations. Cambridge: Cambridge University Press, 122-57.
2. Wolff, Jonathan (1996) An Introduction to Political Philosophy. Oxford: Oxford University Press.
3. Augustine (1994 [1425]) Political Writings, eds E. Fortin and D. Kries, trans. M. Tracz and D. Kries. Indianapolis: Hackett.
4. Rawls, John (1971) A Theory of Justice. Cambridge, MA: Harvard University Press.
5. Morris, Christopher W. (1998) An Essay on the Modern State. Cambridge: Cambridge University Press.

Morris, Christopher W. 2004. „The Modern State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Staat Weber Gaus I 195
State/Weber/Morris: [eine "Definition" des Staates ist] meist eine abgekürzte Version von Max Webers bekannter Charakterisierung des Staates als "eine menschliche Gemeinschaft, die (erfolgreich) das Monopol der legitimen Anwendung physischer Gewalt innerhalb eines bestimmten Territoriums beansprucht" (1919(1): 78). Weber sagt, dass "das Recht zur Anwendung physischer Gewalt anderen Institutionen oder Einzelpersonen nur in dem Maße zugeschrieben wird, wie der Staat es zulässt. Der Staat gilt als die einzige Quelle des "Rechts", der Gewalt anwenden darf." MorrisVsWeber: Diese oft zitierte Definition ist jedoch aus einer Reihe von Gründen problematisch.
Das erste, was man an ihr jetzt bemerken muss, ist ihre Einfachheit.
Gaus I 196
Könnte eine organisierte kriminelle Organisation oder eine von Nozicks Schutzbehörden ein Staat sein? Weber: An anderer Stelle bot [Weber] eine viel vollständigere Charakterisierung an: "Da der Staatsbegriff erst in der Neuzeit seine volle Entfaltung erreicht hat, ist es am besten, ihn in Begriffen zu definieren, die dem modernen Staatstyp entsprechen, gleichzeitig aber auch in Begriffen, die von den Werten der Gegenwart abstrahieren, da diese besonders dem Wandel unterworfen sind. Die wichtigsten formalen Merkmale des modernen Staates sind die folgenden: Er verfügt über eine durch die Gesetzgebung veränderbare Verwaltungs- und Rechtsordnung, an der sich die organisierte unternehmerische Tätigkeit des Verwaltungspersonals orientiert, die ebenfalls durch die Gesetzgebung geregelt ist. Dieses Ordnungssystem beansprucht verbindliche Autorität nicht nur gegenüber den Mitgliedern des Staates, den Bürgern, ... sondern in sehr hohem Maße auch gegenüber allen Handlungen, die in seinem Zuständigkeitsbereich stattfinden. Es handelt sich also um einen Zwangsverband mit territorialer Basis. Darüber hinaus wird die Anwendung von Gewalt heute nur insoweit als legitim angesehen, als sie entweder vom Staat erlaubt oder vorgeschrieben ist". (1947(2): 156)
Morris: Eine Reihe von zusätzlichen Merkmalen oder Eigenschaften werden von Weber in dieser Passage hervorgehoben: die Existenz einer Verwaltungs- und Rechtsordnung, die durch die Gesetzgebung geändert werden kann, die von einem umfangreichen Verwaltungspersonal aufrechterhalten wird, das seinerseits durch die Gesetzgebung geregelt ist (...). >Staat/Morris.


1. Weber, Max (1946 [1919]) 'Politics as a vocation'. In From Max Weber: Essays in Sociologv, eds and trans. H. Gerth and C. Wright Mills. New York: Oxford University Press.
2. Weber, Max (1947) The Theory of Social and Economic O,'ganization (Part I of Wirtschaft und Gesellschaft), trans. A. M. Henderson and T. Parsons. New York: Oxford University Press.

Morris, Christopher W. 2004. „The Modern State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Weber I
M. Weber
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Zwang Politische Theorien Gaus I 200
Zwang/Politische Philosophie/Morris: Staatsmacht ist eng mit Gewalt verbunden, wie wir an der Popularität der Weber'schen Definition sehen. >Staat/Weber. Viele Theoretiker denken, dass Staaten notwendigerweise oder im Wesentlichen Zwang sind. "Staaten sind 'geerdet' in Kraft in dem Sinne, dass sie per Definition Zwangscharakter haben: Sie koordinieren Verhalten durch die Anwendung oder Androhung von Gewalt" (Levine, 1987(1): 176); "Staatsmacht ist letztlich Zwangsmacht" (Gaus, 2001(2): 12); "politische Macht ist immer Zwangsmacht, die durch die Anwendung von Sanktionen durch die Regierung unterstützt wird, denn nur die Regierung ist befugt, zur Aufrechterhaltung ihrer Gesetze Gewalt anzuwenden" (Rawls, 1996(3): 136). Die Ansicht, dass Regierungen Gewalt anwenden müssen oder dass ihre Macht notwendigerweise Zwangsgewalt ist, ist im zeitgenössischen politischen Denken weit verbreitet.
Staat/Zwang/MorrisVsWeber: Die Unvollständigkeit der Weber'schen Definitionen des Staates ist nur ein Teil meiner Einwände gegen sie. (>MorrisVsWeber; >Staat/Morris) Die zweite Sorge betrifft das Verständnis von Zwang oder Gewalt als Teil des Staatsbegriffs. >Zwang/Morris.
MorrisVsRawls: Warum sollte man bei Rawls denken, dass "politische Macht immer Zwangsgewalt ist, die durch den Einsatz von Sanktionen durch die Regierung unterstützt wird"? Vielleicht wegen der Verbindung von Recht und Sanktion. Aber diese Verbindung ist nicht notwendig. Einige Gesetze werden nicht durch Sanktionen durchgesetzt (z.B. Gesetze, die die Pflichten von Beamten regeln, Gesetze, die Befugnisse festlegen, Verfassungsgesetze). Versuche, das Gesetz im Sinne der Zwangsbefehle eines Souveräns zu verstehen, sind unplausibel (siehe Austin, 1885(4), für die klassische Formulierung dieser Position; und Hart, 1994(5), für die klassische Widerlegung). >Befehl/Hart.


1. Levine, Andrew (1987) The End of the State. London: Verso.
2. Geuss, Raymond (2001) History and Illusion in Politics. Cambridge: Cambridge University Press.
3. Rawls, John (1996) Political Liberalism. New York: Columbia University Press.
4. Austin, John (1995 t 18851) The Province of Jurisprudence Determined. Cambridge: Cambridge University Press.
5. Hart, H. L. A. (1994) The Concept of Law, 2. Ed. Oxford: Oxford University Press.

Morris, Christopher W. 2004. „The Modern State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004