| Begriff/ Autor/Ismus |
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| A priori | Mill | Höffe I 346 A priori//Mill/Höffe: MillVsKant: Nach Mills Empirismus gibt es im Gegensatz zu Kant und dem Deutschen Idealismus keinerlei vorempirische, sondern lediglich eine empirische, also aposteriorische Erkenntnis. Sogar die Mathematik und die Logik sollen auf Erfahrungen und deren induktiven Verallgemeinerungen beruhen. Wegen der außergewöhnlich vielen Belege für mathematische Aussagen entstehe aber der Anschein der Notwendigkeit. >Notwendigkeit, >Empirismus, >Belege, >Logik. Höffe I 347 Apriorisches Denken stützt auch falsche Doktrinen und schlechte Institutionen. Praxis/Theorie: Mit diesem Argument stellt Mill die gesamte theoretische Philosophie, einschließlich Wissenschafts- und Erkenntnistheorie, in den Dienst der Praxis. Man kann hier von einem erkenntnistheoretischen Liberalismus sprechen. >Praxis, >Liberalismus. Politik: Jedenfalls erhält der kompromisslose Vorrang des empiristischen Standpunktes eine politische Bedeutung, die Ablehnung des Apriorischen einen therapeutischen, genauer: präventiven Zweck. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 |
| A priori | Millikan | I 325 A priori/Intension/Sinn/Wissen/Bedeutung/Wittgenstein/Quine/Millikan: die beiden kann man so verstehen, dass das Wissen, dass ein Ausdruck bzw. eine Proposition Sinn hat, Wissen a priori ist. Das nenne ich den Def „Bedeutungsrationalismus“/Millikan: These: das Wissen, dass eine Proposition Sinn hat, ist nicht empirisch, sondern a priori. Im Unterschied zu Wissen über Urteile, dies ist empirisch. ((s) Weil es ja um die Bedeutung unserer eigenen Ausdrücke und unseres eigenen Gebrauchs geht.). >Terminologie/Millikan. MillikanVsBedeutungsrationalismus. Hauptvertreter: Descartes, Hume, Husserl, Wittgenstein, Quine, Putnam. >Descartes, >Hume, >Husserl, >Wittgenstein, >Quine, >Putnam. I 326 Synonymie/Putnam: These: das Wissen über Synonymie ist ebenfalls a priori. Millikan: d. h. das sollte alles Lehnstuhlreflexion sein. I 327 Kriterium/Millikan: Problem: wenn das alles so sicher sein soll, kann es auch immer nur ein Kriterium für einen Begriff geben, nicht mehrere. Und alle Terme dürfen nur eine Intension haben, niemals mehrere, außer, diese sind „logisch äquivalent“. >Kriterien/Millikan, >Äquivalenz. „Notwendige und hinreichende“ Bedingungen/Millikan: unterscheiden angeblich säuberlich nicht nur zwischen aktualen Dingen, die unter einen Begriff fallen und denen, die nicht darunter fallen sondern auch zwischen allen „logisch möglichen“ Dingen. Bedeutungsrationalismus/Millikan: These: zwischen Sinnvollem und Sinnlosem muss a priori unterschieden werden können. I 328 Irrtum/Millikan: kann es danach nur bei Urteilen geben. >Urteil, >Irrtum/Millikan. Bedeutungsrationalismus/Millikan: Bsp ich kann mich gar nicht sinnvoll fragen, ob meine Idee von Shakespeare vielleicht nicht von Shakespeare ist. Urteil/Millikan: aber Urteile können nicht gemacht werden, ohne Begriffe anzuwenden. Begriff/Millikan: also müssen wenigstens einige Begriffe auf eigenen Füßen stehen. >Begriff/Millikan. Tradition/Millikan: nach ihr wären diese Begriffe die von Eigenschaften. Bedeutungsrationalismus/Millikan: These: alle unsere echten Begriffen sind von Dingen mit einem besonderen ontologischen Status, nämlich Dingen, die existieren und gewusst werden können, und dennoch keine notwendige Beziehung zur aktualen Welt haben. Bsp Platonische Formen oder „reifizierte Bedeutungen“ oder „reifizierte Möglichkeiten“. NominalismusVs: dem entspricht überhaupt nichts. >Nominalismus. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| A-nicht-B-Fehler | Entwicklungspsychologie | Upton I 55 A-nicht-B-Fehler/Entwicklungspsychologie/Piaget/Upton: Piaget legte zwei Tücher nebeneinander vor Säuglingen im Alter von neun bis zwölf Monaten. (...) Ihre Aufmerksamkeit wurde auf ein interessantes Spielzeug gelenkt, das dann unter einem der Tücher versteckt wurde (Standort A). Säuglinge, die älter als neun Monate sind, fanden das Spielzeug typischerweise. Nach mehreren Versuchen wurde das Spielzeug dann unter dem anderen Tuch (Position B) versteckt. Piaget fand heraus, dass Säuglinge unter 12 Monaten trotz des Beobachtens des versteckten Spielzeugs am neuen Standort (B) weiterhin nach dem Spielzeug unter dem ersten Tuch (Standort A) suchen würden. Erklärung/Piaget: Laut Piaget war dies ein Beweis dafür, dass Säuglinge nicht verstehen, dass Objekte unabhängig von ihren eigenen Handlungen existieren können. Das Kind verbindet die Wiederentdeckung des Objekts an Ort A mit seinen eigenen Handlungen beim Anheben des Stoffes. Es wird davon ausgegangen, dass das Kind annimmt, dass "wenn ich das Spielzeug wiederfinden will, ich das tun muss, was ich vorher getan habe". BaillargeonVsPiaget: Diese Erkenntnisse sind eindeutig unvereinbar mit den Erkenntnissen von Forschern wie Baillargeon (2002)(1), die darauf hindeuten, dass sich in den ersten Lebensmonaten das Verständnis entwickelt, dass Objekte auch bei Nicht-Sichtbarkeit weiter existieren. >A-nicht-B-Fehler/Psychologische Theorien. 1. Baillargeon, R. (2002) The acquisition of physical knowledge in infancy: a summary in eight lessons, in Goswami, U (ed.) Handbook of Child Cognitive Development. Oxford: Blackwell. |
Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| A-nicht-B-Fehler | Piaget | Upton I 55 A-nicht-B-Fehler/Entwicklungspsychologie/Piaget/Upton: Piaget legte zwei Tücher nebeneinander vor Säuglingen im Alter von neun bis zwölf Monaten. (...) Ihre Aufmerksamkeit wurde auf ein interessantes Spielzeug gelenkt, das dann unter einem der Tücher versteckt wurde (Standort A). Säuglinge, die älter als neun Monate sind, fanden das Spielzeug typischerweise. Nach mehreren Versuchen wurde das Spielzeug dann unter dem anderen Tuch (Position B) versteckt. Piaget fand heraus, dass Säuglinge unter 12 Monaten trotz des Beobachtens des versteckten Spielzeugs am neuen Standort (B) weiterhin nach dem Spielzeug unter dem ersten Tuch (Standort A) suchen würden. Erklärung/Piaget: Laut Piaget war dies ein Beweis dafür, dass Säuglinge nicht verstehen, dass Objekte unabhängig von ihren eigenen Handlungen existieren können. Das Kind verbindet die Wiederentdeckung des Objekts an Ort A mit seinen eigenen Handlungen beim Anheben des Stoffes. Es wird davon ausgegangen, dass das Kind annimmt, dass "wenn ich das Spielzeug wiederfinden will, ich das tun muss, was ich vorher getan habe". BaillargeonVsPiaget: Diese Erkenntnisse sind eindeutig unvereinbar mit den Erkenntnissen von Forschern wie Baillargeon (2002)(1), die darauf hindeuten, dass sich in den ersten Lebensmonaten das Verständnis entwickelt, dass Objekte auch bei Nicht-Sichtbarkeit weiter existieren. >A-nicht-B-Fehler/Psychologische Theorien, >Psychologische Theorien über Stadien der Entwicklung, >Objektpermanenz, >Kognitive Entwicklung/Piaget. 1. Baillargeon, R. (2002) The acquisition of physical knowledge in infancy: a summary in eight lessons, in Goswami, U (ed.) Handbook of Child Cognitive Development. Oxford: Blackwell. |
Piag I J. Piaget The Psychology Of The Child 2nd Edition 1969 Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| A-nicht-B-Fehler | Psychologische Theorien | Upton I 55 A-nicht-B-Fehler/Psychologische Theorien/Upton: Laut Piaget wird vom Säugling folgendes angenommen: "Wenn ich das Spielzeug wiederfinden will, muss ich das tun, was ich vorher getan habe". BaillargeonVsPiaget: Diese Erkenntnisse sind eindeutig unvereinbar mit den Erkenntnissen von Forschern wie Baillargeon (2002)(1), die darauf hindeuten, dass sich in den ersten Lebensmonaten das Verständnis entwickelt, dass Objekte auch bei Nicht-Sichtbarkeit weiterhin existieren. Andere Autoren: Warum sollten Kinder im Alter von acht bis neun Monaten, die verstehen, dass Objekte immer noch existieren, wenn sie versteckt sind, weiterhin nach einem Objekt an der falschen Stelle suchen, wenn sie gesehen haben, wie dieses Objekt an einem bestimmten Ort versteckt wird? Eine Reihe von Erklärungen für dieses faszinierende Verhalten wurden vorgelegt, darunter die Anfälligkeit des kindlichen Gedächtnisses (Harris, 1989)(2), die Perseveration der Gewohnheit (Diamond, 1985)(3) und Veränderungen in der neurologischen Funktion (Munakata, 1998)(4). >Objektpermanenz, >J. Piaget, >R. Baillargeon. Es konnte jedoch nicht festgestellt werden, dass einer dieser Faktoren den A-not-B-Fehler angemessen erklärt. Nach Smith et al. (1999)(5) liegt dies daran, dass die Suche nach einem einzigen Kausalfaktor falsch ist. Ausgehend von dynamischen Systemen argumentieren sie, dass dieses Verhalten nur durch die Berücksichtigung mehrerer Ursachen erklärt werden kann. Die Fähigkeit, das Spielzeug unter dem richtigen Tuch zu suchen, ist das Ergebnis einer Reihe von Fähigkeiten, die auf einmal zusammenkommen. Diese unterschiedlichen Fähigkeiten, wie z.B. Aufgabenkenntnis, Wahrnehmungs- und Motorikfähigkeiten, entwickeln sich im Laufe der Zeit unterschiedlich schnell. Laut Smith et al. (1999)(5) ist es die Echtzeit-Integration all dieser Fähigkeiten, die es einem Säugling ermöglichen wird, am richtigen Ort zu suchen, nicht die Entwicklung einer einzigen mentalen Struktur wie dem "Verständnis der Objektpermanenz". >Objektpermanenz/Entwicklungspsychologie, >Wissen/Entwicklungspsychologie. 1. Baillargeon, R. (2002) The acquisition of physical knowledge in infancy: a summary in eight lessons, in Goswami, U (ed.) Handbook of Child Cognitive Development. Oxford: Blackwell. 2. Harris, P.L. (1989) Object permanence in infancy, in Slater, A. and Bremner, J.G. (eds) Infant Development: Recent advances. Hove: Lawrence Erlbaum. 3. Diamond, A.D. (1985) Development of the ability to use recall to guide action as indicated by infants’ performance on AB. Child Development, 56: 868–83. 4. Munakata, Y .(1998) Infant perseveration and implications for object permanence theories: a PDP model of the AB task. Developmental Science, 1(2): 161–84. 5. Smith, L.B., Thelen, .E, Titzer, R. and McLin, D. (1999) Knowing in the context of acting: the task dynamics of the A-not-B error. Psychological Review, 106(2): 235–60. Available online at www.indiana.edu/~cogdev/labwork/SmithThelen1999.pdf (accessed 12 March 2011). |
Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| Abbilder | Platon | Gadamer I 417 Abbild/Platon/Gadamer: {Das Zeichen] hat sein Bestehen immer noch in seinem Zusammenhang mit anderem Seienden. Die Differenz zwischen seinem Sein und seiner Bedeutung ist eine absolute. >Zeichen/Platon. Anders liegt die Sache bei dem entgegengesetzten Extrem, das in die Bestimmung des Wortes hineinspielt: dem Abbild. Das Abbild enthält gewiss den gleichen Widerspruch seines Seins und seiner Bedeutung, aber so, dass es diesen Widerspruch in sich selbst aufhebt, gerade kraft der Ähnlichkeit, die in ihm selbst liegt. Es gewinnt seine Verweisungs- oder Darstellungsfunktion nicht von dem zeichennehmenden Subjekt her, sondern aus seinem eigenen Sachgehalt. Es ist nicht bloßes Zeichen. Denn in ihm ist das Abgebildete selber dargestellt, zum Bleiben gebracht und gegenwärtig. Eben deshalb ist es auf seine Ähnlichkeit hin bewertbar, d. h. darauf, wie weit es in ihm selbst das Nichtgegenwärtige gegenwärtig sein lässt. Vgl. >Ähnlichkeit, >Repräsentation, >Darstellung. Gadamer I 418 Die berechtigte Frage, ob das Wort nichts anderes als ein „reines Zeichen“ ist oder doch etwas vom „Bild“ an sich hat, wird durch den grundsätzlich diskreditiert. Sofern dort ad absurdum geführt wird, dass das Wort ein Abbild sei, scheint nur übrig zu bleiben, es sei ein Zeichen. Das tritt - wenn auch nicht mit betonter Unterscheidung - aus der negativen Diskussion des „Kratylos“ als Resultat heraus und wird durch die Hinausweisung der Erkenntnis in die intelligible Sphäre besiegelt, so dass seitdem in der gesamten Reflexion über die Sprache der Begriff des Bildes (eikon) durch den des Zeichens (semeion bzw. sémainon) ersetzt wird. Das ist nicht nur eine terminologische Wandlung, sondern darin drückt sich eine Entscheidung über das Denken dessen, was Sprache ist, aus, die Epoche gemacht hat.(1) >Wort/Platon, >Sprache/Platon. 1. Welche Bedeutung die stoische Grammatik und die Ausbildung elner lateinischen Begriffssprache zwecks Abbildung der griechischen besitzt, betont J. Lohmann, Lexis II |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Abbildtheorie | Rorty | I 323 f VsAbbildtheorie/VsBildtheorie/VsTractatus/Sprache/Rorty: Putnam/Goodman: Eine nicht-intentionale Theorie der Sprache kann den Spracherwerb und Verstehen nicht erklären. >Verstehen, >Spracherwerb. Wittgenstein spät: dito. I 326 Auch nicht-intentionale Beziehungen sind theorieabhängig. >Theorieabhängigkeit. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Abbildtheorie | Wittgenstein | Danto I 70/71 Abbildtheorie/Wittgenstein/Danto: These: Die Welt hat die gleiche Form hat wie die Sprache - ohne dass die Welt selbst ihrer Struktur nach irgendwie linguistisch wäre, also mehr Spiegelung. Hintikka I 67 Abbildtheorie/Bildtheorie/Sachverhalt/Gegenstand/Wittgenstein früh/Hintikka: "Wenn der Satz ein sprachliches Gegenstück zum Sachverhalt ist. I 68 Dann ist jene Verbindung keine Relation, sondern nur das Bestehen einer Relation.- Das ist Wittgensteins Position vor dem Tractatus. - WittgensteinVs: später Vs - Russell: pro. I 127 Bild/Bildtheorie/Abbildtheorie/Tractatus/Wittgenstein/Hintikka: Die Abbildtheorie kommt von Frege. Sie findet sich auch bei Tarski wieder. I 131 Hintikka These: Die "Bildtheorie" ist in Wirklichkeit eine Vorwegnahme der ersten Bedingung Tarskis Wahrheitstheorie. I 132 WittgensteinVsTarski: Eine Wahrheitstheorie ist unausdrückbar. I 132f aRb/Ausdrücken/Darstellung/Abbildtheorie/Bildtheorie/Komplex/Wittgenstein/Hintikka: nicht ein Zeichen (Bsp "R") stellt etwas dar - sondern die mit ihm verknüpfte sprachliche Beziehung - hier das flankieren - die sprachliche Relation steht nicht für eine Klasse von Paaren von Individuen (Freges Werteverlauf) - sondern für eine wirkliche Beziehung. WittgensteinVsFrege - TarskiVsWittgenstein/ CarnapVsWittgenstein/(s): extensionale Semantik - Gegenstand /WittgensteinVsFrege: Elemente möglicher Tatsachen - dann ist die Relation, die dem "R" entspricht immer eine besondere. I 134/35 Bildtheorie/Abbildtheorie/Tractatus/Wittgenstein/Hintikka: keine Abbildungsrelation, sondern Isomorphismus - (Strukturgleichheit, Isomorphie) - keine Theorie der Sprache, sondern der Wahrheit (der Wahrheitsbedingungen). I 135 Eine solche Theorie lässt sich als Theorie aber gar nicht ausdrücken. I 141 Bildtheorie/Abbildtheorie/Tractatus/Wittgenstein/Hintikka: Nur einfache Sätze sind Bilder - nicht die komplexen Sätze - diese wären nur Rezepte zur Konstruktion von Bildern. - Wenn man sie zuließe, hätte man kein Argument für die Sonderstellung einiger Sätze: nämlich wahr zu sein. I 161 Bildtheorie/Abbildtheorie/Widerspiegelung/Tractatus/Hintikka: Bild ungleich Widerspiegelung - Abbildung: verlangt, dass einige der zulässigen Verbindungen einige der möglichen Konfigurationen der Gegenstände wiedergeben - daraus folgt aber nicht, dass die Widerspiegelung vollständig sein muss - d.h. nicht jede zulässige Verbindung muss von einem möglichen Sachverhalt sprechen - Name: kein Bild des Gegenstands - kann ihn aber widerspiegeln - Satz: Bild - Logik: Spiegelbild der Realität. I 183 Wittgenstein/früh/mittel/spät/Werk/Hintikka: Bildtheorie: 1929 aufgegeben- Hintikka: er hat nie eine vollkommene Abbildtheorie vertreten. - später als 1929: Vs die These, dass Sprache nach strengen Regeln funktioniere - Hintikka: Das hat er vielleicht nie vertreten - 1934/35: neu: Sprachspiele. WittgensteinVsTractatus: VsWiderspiegelung. >Widerspiegelung. I 184 Sprache/mittlerer Wittgenstein: 1929: Physikalische Sprache statt phänomenologischer Sprache. - ((s) Es ist aber immer die gewöhnliche Sprache. (>Phänomenologie/Quine). III 144 Sprache/Denken/Welt/Wirklichkeit/Bildtheorie/Abbildtheorie/Tractatus/Wittgenstein/Flor: Das eigentliche Verhältnis zwischen Sprache (Denken) und Wirklichkeit kann nicht selbst Teil der Wirklichkeit sein - denn das Bild B, das das Verhältnis zwischen A und S wiedergeben sollte, müsste dann identisch sein mit A - daher kann der Satz seinen Sinn bloß zeigen, nicht aussprechen. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Abbildung | Wittgenstein | Danto I 64 Das Bild zeigt die Bedingungen, die erfüllt sein müssen, falls die Welt so aussehen soll. Wittgenstein II 355 Zuordnung/Wittgenstein: 1. Identität: diese kann nicht anders sein. (Russellscher Sinn) - 2. Bsp Tassen und Untertassen: hier könnte auch eine andere Zuordnung bestehen, das ist eine Sache der Grammatik. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Ableitbarkeit | Bolzano | Berka I 18/19 Ableitbarkeit/Bolzano: besteht, wenn gewisse Vorstellungen i,j, die die Prämissen A,B, C.. wahr machen, auch die Konklusionen M,N,O... wahr machen. Und zwar der Inbegriff (die Gesamtheit) der Vorstellungen, soll die gesamten Konklusionen und die gesamten Prämissen wahr machen. ((s) >Wahrmacher). Umfassen/Enthaltensein/Bolzano: Prämissen: sind hier die umfassten, Konklusionen: die umfassenden Sätze. I 20 Ableitbarkeit/Bolzano: Problem: Sätze, die man durch einen willkürlichen Austausch der Vorstellungen aus gegebenen wahren erhält, müssen nicht immer wahr sein. (s) Austausch von Vorstellungen: Einsetzen für Variablen. Bolzano: so kann auch unter falschen Sätzen die Beziehung der Ableitbarkeit bestehen. Bsp Folgebeziehung/Bolzano/(s): (inhaltlich): wenn es an einem Ort wärmer ist, wird an dem Ort höhere Temperatur angezeigt. In Wirklichkeit wird höhere Temperatur angezeigt, weil es wärmer ist. Das Thermometer erzeugt die Temperatur nicht. D.h. die Folgebeziehung besteht nur in der einen Richtung: Wärme >Temperatur. - Anders bei der Ableitbarkeit: Bsp Ableitbarkeit/Bolzano/(s): wenn der Satz "...höhere Temperatur" wahr ist, ist auch der Satz "es ist wärmer" wahr und umgekehrt! Umkehrbares Verhältnis zweier wahrer Sätze. Inhalt nicht entscheidend. I 21 Folgebeziehung/Bolzano: liegt nicht schon dann vor, wenn die entsprechenden Sätze alle wahr sind. (1) 1. B. Bolzano, Wissenschaftslehre, Sulzbach 1837 (gekürzter Nachdruck aus Bd. II S. 113-115, S. 191 – 193; § 155; §162) |
Berka I Karel Berka Lothar Kreiser Logik Texte Berlin 1983 |
| Ableitung | Lyons | I 198 Derivation/Tradition/Linguistik/Lyons: Wortableitung. Verfahren, wie Wörter aus bereits bestehenden (oder aus „Wurzeln“) gewonnen werden Bsp triumphal (Adjektiv) aus Triumph (Nomen) usw. I 199 Der Grund, warum den klassischen Grammatiken im 19. Jahrh. ein Abschnitt über Derivation aufgepfropft wurde, liegt am Einfluss der neu zugänglich gewordenen Abhandlungen über Sanskrit, worauf man sich neuerdings für historische Sprachentwicklung (diachronisch) interessierte. Man erkannte, dass Flexion und Derivation vieles gemeinsam haben. Klassische Grammatik: unterschied sehr genau zwischen Flexion und Derivation: Bsp singing: ist nur eine syntaktisch bedingte Form des Wortes sing. Dagegen: Bsp singer: ist ein eigenes Wort mit einer eigenen Reihe von Formen und einem eigenen Paradigma. ((s) Weil es selbst veränderlich ist, z.B. Plural und Deklination gebildet werden kann). >Wörter, >Grammatik, >Syntax, >Sprache. |
Ly II John Lyons Semantics Cambridge, MA 1977 Lyons I John Lyons Einführung in die moderne Linguistik München 1995 |
| Absicht | Dennett | II 40 Absicht/Handlung/Leben/Evolution/Dennett: Wirkungsweisen innerhalb solcher primitiver Systeme (Makromoleküle) ähneln absichtsvollen Handlungen. Die Systeme werden von Informationen gelenkt und streben nach Zielen. Auch Thermometer sind ähnliche "Pseudoagenten"! Sie sind "Intentionale Systeme". Wir sollten, um sie zu verstehen, ihnen gegenüber den "intentionalen Standpunkt" einnehmen. II 57 Absicht/Intention/Meinen/Handlung/Dennett: das Ziel, genau auszudrücken wie der Akteur seine Aufgabe begreift ist irrig, eine witzlose Übung, als ob man Gedichte unter dem Mikroskop liest. >Intentionaler Standpunkt/Dennett. |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Absicht | Frith | I 189 Absicht/Frith: These: Bewegungen verraten Absicht. Bsp Kleinkinder waren überrascht von einem Film, in dem etwas über eine nicht existierende Barriere sprang. I 190 12 Monate alte Kinder wissen um die Ziele einfacher Handlungen. >Entwicklungsphasen, >Ziele, >Handlungen, >Verstehen. |
Frith I Chris Frith Wie unser Gehirn die Welt erschafft Heidelberg 2013 |
| Absolutheit | Putnam | III 122 Absolute Realität/PutnamVsDescartes: Die Vertreter der absoluten Realität haben die falsche Tendenz, sekundäre Qualitäten mit der Empfindung sekundärer Qualitäten gleichzusetzen - auch Williams scheint sich ein Bild der Welt ohne Farben zu machen. >Realität, >Qualität, >Empfindung, >Wahrnehmung, >Sinneseindruck. Bernard Williams: Idealfall: "Theorie der Erkenntnis und des Irrtums". >Erkenntnis, >Welt/Denken. >Bernard Williams. III 132 Absolute Realität/B. Williams: Die absolute Realität erklärt uns, aber nicht fremden Wissenschaftlern, wie wir sie verstehen. Vgl. >Realität/Maturana. PutnamVs: Also ist sie doch bloß lokal. Absolute Realität/Putnam: Absolute Realität würde auch Konvergenz erfordern. QuineVsKonvergenz: Unerforschlichkeit der Referenz. >Konvergenz, >Unerforschlichkeit. III 134 Absolute Realität/Williams: Absolute Realität kommt ohne normative Begriffe aus. PutnamVs: Gerade deshalb gibt es das Problem der Unbestimmtheit der Übersetzung. Putnam/These: Viele wahre Beschreibungen der Welt sind in verschiedenen Vokabularen möglich. >Vokabular. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 |
| Absolutismus | Kekes | Gaus I 133 Absolutismus/Kekes/Gaus: Absolutisten glauben, dass die Vielfalt der Werte offensichtlich und nicht real ist. Sie räumen ein, dass es viele Werte gibt, sind aber der Meinung, dass es einen universellen und objektiven Standard gibt, an den man bei der Bewertung ihrer jeweiligen Bedeutung appellieren kann. Dieser Standard kann ein höchster Wert sein, das summum bonum; andere Werte können auf der Grundlage ihres Beitrags zu seiner Verwirklichung eingestuft werden. Der höchste Wert kann Glück, Pflicht, Gottes Wille, ein Leben in Tugend und so weiter sein. Absolutismus hat oft eine rationalistische Grundlage. Denn der am häufigsten angebotene Grund für die Universalität und Objektivität des von Absolutisten als den höchsten angesehenen Standards ist, dass er die moralische Ordnung der Wirklichkeit widerspiegelt. VsAbsolutismus: Es ist den Absolutisten sehr peinlich, dass auch die Kandidaten für universelle und objektive Maßstäbe unterschiedlich sind und damit vor den gleichen Problemen stehen wie die Werte, deren Vielfalt durch sie geschmälert werden soll. AbsolutismusVsVs: Absolutisten erkennen dies an und erklären es mit menschlichen Unzulänglichkeiten, die Menschen daran hindern, den einen und wahren Maßstab zu erkennen. >Werte/Relativismus, >Werte/Konservatismus. Kekes, John 2004. „Conservtive Theories“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Abstand | Gadamer | I 302 Zeitenabstand/Abstand/Hermeneutik/Gadamer: (...) der Zeitenabstand ist (...) nicht etwas, was überwunden werden muss. Das war vielmehr die naive Voraussetzung des Historismus, dass man sich in den Geist der Zeit versetzen, dass man in deren Begriffen und Vorstellungen denken solle und nicht in seinen eigenen und auf diese Weise zur historischen Objektivität vordringen könne. GadamerVsHistorismus: In Wahrheit kommt es darauf an, den Abstand der Zeit als eine positive und produktive Möglichkeit des Verstehens zu erkennen. Heidegger/Gadamer: (...) erst von der ontologischen Wendung aus, die Heidegger dem Verstehen als einem „Existenzial“ verlieh, und der temporalen Interpretation, die er der Seinsweise des >Daseins widmete, konnte der Zeitenabstand in seiner hermeneutischen Produktivität gedacht werden. I 303 Der zeitliche Abstand hat offenbar noch einen anderen Sinn als den der Abtötung des eigenen Interesses am Gegenstand. Er lässt den wahren Sinn, der in einer Sache liegt, erst voll herauskommen. Die Ausschöpfung des wahren Sinnes aber, der in einem Text oder in einer künstlerischen Schöpfung gelegen ist, kommt nicht irgendwo zum Abschluss, sondern ist in Wahrheit ein unendlicher Prozess. I 304 Vorurteil/Hermeneutik: Oft vermag der Zeitenabstand die eigentlich kritische Frage der Hermeneutik lösbar zu machen, nämlich die wahren Vorurteile, unter denen wir verstehen, von den falschen, unter denen wir missverstehen, zu scheiden. >Vorurteil/Gadamer. Das hermeneutisch geschulte Bewusstsein wird daher historisches Bewusstsein einschließen. >Verstehen/Gadamer, >Hermeneutik, >Hermeneutik/Gadamer. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Abstimmungen | Buchanan | Boudreaux I 67 Abstimmungen/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: 1) Ein Unterschied zwischen der Wahl durch Abstimmen und der Wahl auf dem Markt besteht darin, dass auf dem Markt jedes Individuum tatsächlich das bekommt, was es wählt. Bei einer Wahl hingegen bekommen die Gewinner in der Regel das, wofür sie gestimmt haben, während die Verlierer das nehmen müssen, was diejenigen, die in der Wahlkabine gewinnen, bevorzugen. 2) Ein weiterer wichtiger Unterschied besteht darin, dass Menschen, die sich für den Markt entscheiden, sofort das bekommen, was sie gewählt haben, während bei einer Abstimmung selbst diejenigen, die für die Gewinner-Seite gestimmt haben, nur das Versprechen erhalten, dass sie letztendlich das bekommen, wofür sie gestimmt haben. Politik: Die Wähler entscheiden sich für das, was sie in der Zukunft zu bekommen hoffen, und nicht für das, was sie in der Gegenwart bekommen werden. Daher kann es in der Politik vorkommen, dass selbst diejenigen, die auf der Gewinnerseite stehen, nie das bekommen, wofür sie gestimmt haben. Man denke nur an die jüngsten Kandidaten für politische Ämter, die mit dem Versprechen eines ausgeglichenen Staatshaushaltes angetreten sind. >Politische Wahlen, >Wahlsysteme, >Demokratie, >Parlamentarisches System. Wirtschaft/Wirtschaftspolitik: Die Wähler können für einen ausgeglichenen Haushalt stimmen, aber selbst wenn der Kandidat, der diese Option unterstützt, gewinnt, gibt es keine Garantie, dass die Wähler tatsächlich einen ausgeglichenen Haushalt sehen. >Politik, >Wirtschaft, >Märkte. 3) Ein weiterer Unterschied besteht darin, dass der Einzelne mit seiner Stimmabgabe seine Präferenzen für soziale Ergebnisse zum Ausdruck bringt, die für alle gelten sollen. Im Gegensatz dazu trifft der Einzelne bei Markttransaktionen Entscheidungen nur für sich selbst. Und die sozialen Präferenzen eines Einzelnen können sich von seinen persönlichen Präferenzen unterscheiden. Beispiel: Buchanan führt ein etwas veraltetes Beispiel an, indem er darauf hinweist, dass eine Person für ein Alkoholverbot stimmen könnte, aber gleichzeitig alkoholische Getränke für den persönlichen Konsum kauft. Ein solches Verhalten sei nicht notwendigerweise inkonsistent, weil die Präferenzen der Menschen für Regeln, die für alle gelten, legitimerweise von ihren persönlichen Konsumpräferenzen abweichen könnten, so Buchanan. >Präferenzen, >Rational Choice, >Public Choice. Boudreaux I 68 Weitere Unterschiede zwischen Politik und Märkten ergeben sich daraus, dass die Wahrscheinlichkeit, dass ein einzelner Wähler eine entscheidende Stimme abgibt, verschwindend gering ist, es sei denn, die Zahl der Wähler ist gering. Erstens ist der Anreiz für den Einzelnen, zur Wahl zu gehen, geringer als bei Marktentscheidungen. (...) Unabhängig von der Qualität der Wahl, die der Wähler trifft, wird er oder sie von der öffentlichen Politik bedient, die sich aus dem Ergebnis der Wahl ergibt. Markt/Wahlen: Auf dem Markt können die Menschen eine Vielzahl von Gütern frei wählen und Anpassungen vornehmen, indem sie etwas mehr von einigen Gütern im Austausch für etwas weniger von anderen nehmen. Bei einer Wahl jedoch wählen die Menschen zwischen Alternativen, die sich mehr oder weniger gegenseitig ausschließen. Für das Programm eines Kandidaten zu stimmen bedeutet, für alles zu stimmen, was darin enthalten ist, und nicht für alles, was im Programm eines konkurrierenden Kandidaten enthalten ist. Boudreaux I 69 Politische Wahlen/Buchanan: Ein unglückliches Ergebnis dessen, was wir als „Bündelungseffekt“ bezeichnen könnten, ist, dass kein Kandidat wirklich weiß, warum er oder sie die Wahl gewonnen hat - oder warum andere Kandidaten die Wahl verloren haben. Der Unterschied besteht darin, ob man ein Bündel von Gütern hat, das man selbst auswählt, wie auf dem Markt, oder ein Bündel von Gütern, das von jemand anderem ausgewählt wurde. Selbst wenn man sich diese Tatsache vor Augen hält, sieht die Wahl besser aus, als sie in Wirklichkeit ist. Die Wähler können die Waren im oberen Teil des Warenkorbs sehen, aber es könnte Waren weiter unten im Korb geben, die die Wähler nicht sehen und nicht wollen. Individualismus/Politik/Buchanan: Buchanan nennt viele Gründe, warum die Menschen mit Institutionen besser dran sind, die ihnen die Möglichkeit geben, ihre eigenen individuellen Entscheidungen zu treffen, anstatt Ergebnisse zu akzeptieren, die kollektiv gewählt wurden. Er sieht aber auch, dass in manchen Fällen kollektive Entscheidungen notwendig sind, um das individuelle Wohlergehen durch den schützenden und produktiven Staat zu fördern. Wenn also politische Entscheidungen notwendig sind, fordert er, dass die Institutionen so gestaltet werden, dass sie den wünschenswerten Merkmalen von Marktinstitutionen so nahe wie möglich kommen. |
EconBuchan I James M. Buchanan Politics as Public Choice Carmel, IN 2000 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Abstraktheit | Wright | I 226f Abstrakt/"reine abstrakte Objekte/Dummett: (Frege: "logische Objekte"): Dummett: nichts weiter als Reflexionen bestimmter sprachlicher Ausdrücke, analog den Eigennamen von Objekten, deren Sinn jedoch nicht so dargestellt werden kann, als bestehe er in unserer Fähigkeit, Objekte als ihre Träger zu identifizieren. >Identifikation. Wright: Das könnte als Nominalismus gelesen werden. (also dass es keine abstrakten Objekte gibt). >Nominalismus. Das ist aber nicht Dummetts Ansicht. Dummett leugnet gerade nicht, dass es singuläre Termini gibt, die vorgeblich auf abstrakte Objekte verweisen, aber in der Tat Referenz besitzen. Sie spielen sogar eine semantische Rolle! >Singuläre Termini, >Referenz, >Begriffliche Rolle, >Inferentielle Rolle. Bsp "größte Primzahl": ist ein leerer singulärer Term, aber die bloße Bedeutung stellt sicher, dass er eine semantische Rolle spielt! >Bedeutung, >Semantik, >Nichtexistenz. Dummett scheint hier zu meinen, dass es gar keine Frage ist, ob der Platonismus oder der Nominalismus den besseren Ansatz liefert, nachdem die Frage entschieden ist, ob abstrakte Objekte existieren. >Zahlen, >Platonismus. I 227f Abstrakt/Moral/Ethik/Wright: Das passt gut zu unserer Einstellung zum Diskurs der Moral: die Sache des moralischen Realismus erschöpft sich nicht wirklich in der Frage, ob der moralische Diskurs wahrheitsfähig ist, oder nicht. >Wahrheitsfähigkeit, >Moral, >Diskurs. Wenn die "Wahrheitsfähigkeit" bejaht wird, gibt es immer noch eine Reihe realismusrelevanter Fragen. >Realismus. ((s) Wahrheitsfähigkeit: hier geht es um die Frage, ob Aussagen über Moral oder das Komische überhaupt ein Wahrheitswert (wahr/falsch) zugeschrieben werden kann.) I 223 ff Es ist auch nicht strittig, dass wir abstrakte singulärer Termini in einer verständigen Weise gebrauchen. Wright: Es gibt keinen sprachlich unvermittelten kognitiven Kontakt mit abstrakten Objekten. Frege (als Platonist) behauptet ganz zu recht, dass Zweifel an der Realität der Referenz auf abstrakte Objekte keinen vernünftigen Sinn enthalten. (Wright: das ist Minimalismus bezüglich Referenz). >Minimalismus. I 242 Abstrakte singuläre Termini/Wright: Es ist ausgeschlossen, dass sie das Denken beeinflussen von jemand, der nicht weiß was sie sind. >Gedankenobjekte. |
WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Abstraktion | Descartes | Holz II 134 Abstraktion/Descartes/Holz: in ihr sah Descartes seine fundamentale Entdeckung: die Vielfalt der Erscheinung aus einem systemstiftenden Prinzip heraus zu verstehen. - Diese Struktur des Denkens sei mit der formalen Verfassung der cogitatio identisch - sie kann in der Selbstreflexion entdeckt werden. >Denken, >Cogito, >Erscheinung, >Selbstbewusstsein. |
Holz I Hans Heinz Holz Leibniz Frankfurt 1992 Holz II Hans Heinz Holz Descartes Frankfurt/M. 1994 |
| Abstraktion | Ryle | I 422 Abstraktionen/Ryle: Bsp Höhenlinien sind kein geheimnisvolles Inneres, sie sind lernbar, verstehbar und anwendbar. Jemand anderes kann dieselbe Idee haben! >Lernen, >Verstehen, >Konvention, >Interpretation. |
Ryle I G. Ryle Der Begriff des Geistes Stuttgart 1969 |
| Abstraktion | Wessel | I 359 Menge/Wessel:Mengen entstehen aus aus Abstraktion. Dagegen Anhäufung: durch Zusammenfassung. >Abstraktion, >Mengen, >Klassen, >Mengenlehre, >Klassifikation, >Ordnung, >Ähnlichkeit, >Gleichheit, >Identität. |
Wessel I H. Wessel Logik Berlin 1999 |
| Abtreibung | Rawls | Gaus I 97 Abtreibung/Rawls/Waldron: Eine Theorie der Gerechtigkeit (...) ist nicht nur ein Satz esoterischer Formeln; sie soll etwas Öffentliches sein, etwas, das von den Bürgern als gemeinsamer Bezugspunkt für ihre Debatten über die Verteilung von Rechten und Pflichten geteilt wird. >Gerechtigkeit, >Gemeinschaft, >Gesellschaft, >Staat (Gemeinwesen), >Verfassung, >Verantwortung. Interessanterweise haben einige der Diskussionen im Politischen Liberalismus am Beispiel der Abtreibung gezeigt, wie schwierig es ist, diese Strenge in der Praxis anzuwenden. In einer Fußnote zur Originalausgabe schloss Rawls aus der Tatsache, dass Anti-Abtreibungsgesetze in der Regel auf umstrittenen religiösen Gründen beruhen und dass in dieser Hinsicht Freiheit erforderlich sei (1993(1): 243n). >Liberalismus. WaldronVsRawls: Aber er musste schnell einräumen, dass dies ein Fehler war (1996(2): lv), und zwar aus drei Gründen. 1) (...) wir sind nicht berechtigt, in einem Bereich wie dem der Standardposition Freiheit anzunehmen, ebenso wenig wie wir berechtigt sind, aus der Tatsache, dass der politische Liberalismus nicht in der Lage ist, religiöse Argumente so zu interpretieren, dass Föten keine Seele haben. 2) (...) Auch wenn es gute neutrale Argumente für ein Recht auf Wahl des Schwangerschaftsabbruchs im ersten Trimester geben mag, dürfen wir nicht davon ausgehen, dass es keine gegensätzlichen Argumente oder keine Möglichkeit gibt, sich gegen Abtreibungsrechte auszusprechen, die nicht mit den Verengungen des politischen Liberalismus kollidieren. Viele Abtreibungsgegnerinnen und -gegner werden darauf bestehen, dass ihre Argumente für den Schutz menschlicher Föten durch Argumente (die jede Theorie der Gerechtigkeit anerkennen muss) für den Schutz allen menschlichen Lebens, insbesondere in seinen verletzlichsten Formen, ergänzt werden. 3) (...) Die Tatsache, dass man sich nicht auf eine religiöse Doktrin berufen kann, um Einschränkungen der Abtreibung zu rechtfertigen, bedeutet nicht, dass solche Doktrinen völlig über das Maß hinausgehen. 1. Rawls, John (1993) Political Liberalism. New York: Columbia University Press. 2. Rawls, John (1996) Political Liberalism, new edn. New York: Columbia University Press. Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Abtreibung | Thomson | Singer I 132 Abtreibung/J. J. Thomson/P. Singer: Gedankenexperiment: Stellen Sie sich vor, Sie sollen für 9 Monate an den Blutkreislauf eines schwererkrankten, berühmten Geigers angeschlossen werden, um diesem das Leben zu retten. Danach wird Ihre Hilfe nicht mehr benötigt. Die Musikliebhaber der ganzen Welt beobachten Thomson: wenn Sie im Krankenhaus aufwachen (von Musikliebhabern entführt, um dem Geiger zu helfen) und sich in dieser Situation wiederfinden, sind Sie nicht moralisch verpflichtet, den Geiger ihren Körper benutzen zu lassen. Es mag eine Großzügigkeit Ihrerseits sein – aber es ist nicht moralisch falsch, es abzulehnen.(1) Singer: Thomsons Schlussfolgerung hängt nicht davon ab, dass der Geiger unverschuldet in seine Lage geraten ist. Thomson sagt auch ausdrücklich, dass der Geiger ein Recht auf Leben hat, aber dieses Recht beinhaltet nicht das Recht, einen anderen Körper zu benutzen, selbst wenn man ohne diese Hilfe sterben würde. Singer: die Parallele zur Vergewaltigung ist offensichtlich. Singer I 133 Um des Arguments willen nehmen wir an, dass der Embryo als vollentwickelter Mensch angesehen wird. Frage: kann Thomsons Argument auf Fälle von Schwangerschaft ausgedehnt werden, die nicht auf Vergewaltigung beruhen? Das hängt davon ab, ob die dahinter stehende Theorie fundiert ist. Bsp Könnte ich meinen Lieblings-Filmstar zwingen, mir das Leben zu retten? Thomson/Singer: sie sagt nun nicht, dass, obwohl ich ein Recht auf Leben habe, das ich immer gezwungen wäre, den besten Weg zu nehmen oder das zu tun, was die angenehmsten Konsequenzen hätte. Lösung/Thomson: sie akzeptiert stattdessen ein System von Regeln und Verpflichtungen, das erlaubt, unsere Handlungen unabhängig von ihren Konsequenzen zu rechtfertigen. >Konsequentialismus, >Deontologie. P. SingerVsThomson/UtilitarismusVsThomson, J.J./Singer, P: im Fall des Geigers würde der Utilitarismus Thomsons Theorie ablehnen. Singer I 308 Damit würde der Utilitarismus auch Thomsons Standpunkt über die Abtreibung ablehnen. >Utilitarismus, >Präferenzutilitarismus. 1. J. J. Thomson, „A Defense of Abortion“ in: Philosophy and Public Affairs 1 (1971). |
ThomsonJF I James F. Thomson "A Note on Truth", Analysis 9, (1949), pp. 67-72 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 ThomsonJJ I Judith J. Thomson Goodness and Advice Princeton 2003 SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Abwertung | Congressional Research Service (CRS) | CRS I 13 Abwertung/Marc Labonte/CRS: Wenn Investoren eine Situation erkennen, in der eine Abwertung wahrscheinlich wird, auch wenn sie sonst nicht die Absicht hatten, ein Land zu verlassen, haben sie jeden Anreiz, ihr Geld abzuziehen, bevor es zu einer Abwertung kommt, weil eine Abwertung die lokale Investition in ausländischer Währung weniger wert macht. Da die Reserven der Zentralbank immer kleiner sein werden als die liquiden Kapitalströme, wenn das Kapital mobil ist, wird eine Abwertung unvermeidlich, wenn die Anleger das Vertrauen in die Bereitschaft der Regierung verlieren, die Schieflage des Wechselkurses zu korrigieren. In gewisser Weise nimmt das Phänomen dann den Aspekt einer sich selbst erfüllenden Prophezeiung an. Der Grund, warum die Abwertung einer Währung in einer Krise in der Regel so dramatisch ist, liegt darin, dass die Anleger zu diesem Zeitpunkt nicht mehr aufgrund wirtschaftlicher Fundamentaldaten aussteigen, sondern einfach nur, um nicht derjenige zu sein, der „steht, wenn die Musik aufhört“. Beachten Sie, dass in der Lehrbucherklärung eine Währungsabwertung das Wachstum durch eine verbesserte Handelsbilanz ankurbeln soll. In einer Währungskrise ist dies zunächst nicht der Fall, auch wenn es irgendwann geschieht, weil die Ressourcen nicht schnell genug in höhere Exporte umgeschichtet werden können, um den Schlag, den der plötzliche Kapitalabzug für die Wirtschaft bedeutet, auszugleichen. In der Asienkrise berichteten Geschäftsleute von Exportaufträgen, die sie nach der Abwertung nicht mehr erfüllen konnten, weil ihnen die Kreditlinie entzogen worden war. Der Schock des Kapitalabflusses wird durch die Tendenz des Bankensystems, in einem System fester Wechselkurse aus dem Gleichgewicht zu geraten, noch verschärft. Wenn Ausländer, die Kredite an das Bankensystem vergeben, an der Tragfähigkeit eines Wechselkurssystems zu zweifeln beginnen, neigen sie dazu, das Wechselkursrisiko auf zweierlei Weise von sich selbst auf das Bankensystem zu verlagern. Erstens denominieren ausländische Investoren ihre Kredite in ihrer eigenen Währung, so dass der finanzielle Verlust, der durch eine Abwertung entsteht, vom Bankensystem getragen wird. CRS I 14 Vor der Abwertung konnten die Aktiva einer Bank ihre Verbindlichkeiten übersteigen. Bei einer Abwertung vervielfacht sich der Wert der Fremdwährungsverbindlichkeiten plötzlich mit einem Federstrich, ohne dass sich die Wirtschaft physisch verändert, und die Banken werden zahlungsunfähig.(1) Zweitens werden ausländische Kredite an das Bankensystem kurzfristig vergeben, damit die Investitionen vor der Abwertung repatriiert werden können. Dies ist problematisch, weil die meisten Investitionen einer Bank längerfristig sind. Die Banken geraten dann in einen Kreislauf, in dem die kurzfristigen Schulden weitergeführt werden, bis es zu einer Krise kommt, in der die Kreditlinien gekürzt werden. Beide Faktoren führen dazu, dass eine Währungskrise eine Bankenkrise auslöst, die ein viel größeres Hindernis für die wirtschaftliche Erholung darstellt als die Abwertung selbst. Diese beiden Merkmale sind bei der Kreditvergabe an Entwicklungsländer selbst in guten Zeiten in der Regel vorhanden; die Tendenzen verstärken sich, wenn der Aufschwung nicht nachhaltig zu sein scheint. Eine Ausnahme könnte Brasilien sein, das sich nach Ansicht einiger Ökonomen deshalb so schnell von seiner Abwertung erholte, weil sein Bankensystem nur wenige kurzfristige, auf Fremdwährung lautende Vermögenswerte hatte.(2) Es ist nicht unbedingt unlogisch, dass das Bankensystem kurzfristige oder auf Fremdwährung lautende Finanzierungen akzeptiert, wenn sich die Kreditbedingungen verschärfen. Würde es nicht alle ihm zur Verfügung stehenden Finanzierungsformen annehmen, könnte es im schlimmsten Fall zahlungsunfähig werden und im besten Fall einen erheblichen Geschäftsrückgang erleiden. Wenn die Banken davon ausgehen, dass der Abschwung nur vorübergehend ist und ohne Währungsabwertung abläuft, werden sie in der Lage sein, die Kredite zurückzuzahlen, sobald sich die Bedingungen verbessern. Wenn die Abwertung zum Scheitern der Banken führt, erwarten sie möglicherweise, dass der Staat für sie bürgt, was vielleicht ihre Bereitschaft erklärt, diese Währungsrisiken zu akzeptieren. >Währungskrisen, >Kapitalverkehrskontrollen, >Feste Wechselkurse, >Flexible Wechselkurse, >Internationaler Handel, >Währung, >Paul Krugman. 1. Das Insolvenzproblem tritt auf, weil die Bank ihre Aktiva in der Praxis nicht auf die ausländische Währung lautet. Dies ist vermutlich darauf zurückzuführen, dass es sich bei ihren Aktiva um inländische Kredite handelt. 2. Paul Krugman, "Crises: The Price of Globalization?", Vortrag auf dem Symposium der Federal Reserve Bank of Kansas City, August 2000. Congressional Research Service of the Library of congress (CRS) Marc Labonte Fixed Exchange Rates and Floating Exchange Rates: What Have We Learned? RL31204 (2007) https://www.congress.gov/crs-product/RL31204 |
CRS I Congressional Research Service (CRS) Marc Labonte Fixed Exchange Rates and Floating Exchange Rates: What Have We Learned? Washington: Congressional Research Service of the Library of Congress 2007 CRS II Congressional Research Service (CRS) Paul Tierno Marc Labonte, Banking and Cryptocurrency: Policy Issues. CRS Congressional research Service Report R48430. Washington, DC. 2025 CRS III Congressional Research Service (CRS) Corrie E. Clark Heather L. Greenley, Bitcoin, Blockchain, and the Energy Sector. Washington, DC. 2019 CRS IV Congressional Reserch Service (CRS) Paul Tierno Cryptocurrency: Selected Policy Issues Congressional Reserch Service CRS Report R47425 Washington, DC. 2023 |
| Abwertung (Währung) | Benguria | Benguria I 1 Währungsaufwertung/-abwertung/Zölle/Benguria/Saffie: Wir stellen fest*, dass ein um einen Prozentpunkt höherer Zoll mit einem statistisch signifikanten Rückgang der Aktienkurse um 0,23 % verbunden ist. Darüber hinaus gibt es keine Anzeichen für eine Aufwertung des Dollars; im Gegenteil, höhere Zölle sind mit einer Abwertung des Dollars verbunden, die von Ländern mit einem Floating-System verursacht wird. Wir zeigen, dass dies mit einem Modell übereinstimmt, das eine Reallokation des Handels zulässt und in dem Exporte in die USA in Dollar fakturiert werden, während Exporte in den Rest der Welt teilweise in der Währung des Herstellers fakturiert werden. Benguria I 2 Über mehrere Spezifikationen mit verschiedenen Kontrollen hinweg stellen wir eine bilaterale Abwertung des Dollars fest. Diese wird von Ländern mit einem frei schwankenden Wechselkursregime verursacht und ist nur in einigen unserer Regressionen statistisch signifikant. Dies steht im Gegensatz zu den Erwartungen der bestehenden Theorie, die besagt, dass US-Zölle die Nachfrage nach ausländischen Währungen verringern und zu einer Aufwertung des Dollars führen würden. Wenn die US-Importe in US-Dollar fakturiert werden, würden wir keine oder nur eine geringe Reaktion des Wechselkurses erwarten. Wir stellen fest, dass diese Ergebnisse robust sind, wenn wir in unsere Regressionen eine Komponente aufnehmen, die die Produktausschlüsse in der Zollankündigung erfasst. >Währung, >Aktienkurse, >Elastizität. Benguria I 13 Zölle/Währungsabwertung/Benguria/Saffie: Im Standardmodell für Handel und Wechselkurse würde ein US-Zoll die Nachfrage nach ausländischen Währungen verringern und zu einer Aufwertung des Dollars führen. Wir entwickeln ein einfaches Modell*, das vom Standardmodell abweicht, indem wir die Annahmen über die Fakturierung von Währungen und über die Reallokation des Handels in Reaktion auf Zölle ändern. In beiden Fällen orientieren sich unsere Annahmen an wohlbekannten empirischen Fakten. Diese einfache Variante liefert das gegenteilige Ergebnis: Ein US-Zoll führt zu einer Dollar-Abwertung. Die Annahme über die Fakturierungsmuster ist die folgende. Exporte in die USA werden in US-Dollar fakturiert. Exporte in die übrige Welt werden zum Teil in Dollar und zum Teil in der Währung des Exportlandes fakturiert (Erzeugerwährung, wie es in der Literatur heißt). Diese Annahme steht im Einklang mit den Erkenntnissen aus der Literatur über Rechnungswährungen im Handel [Boz et al., 2022(1), Gopinath und Rigobon, 2008(2)]. Benguria I 14 Die Annahme über die Exportreallokation ist, dass die US-Zölle zu einem Rückgang der Exporte in die USA, aber zu einem Anstieg der Exporte in den Rest der Welt führen. Diese Reallokation kann durch die Annahme steigender Grenzkosten mikrofundiert werden. Dieser Mechanismus wird in Benguria und Saffie [2024](3) und Almunia et al. [2021](4) beschrieben. Darüber hinaus zeigen Benguria und Saffie [2024](3), dass es als Reaktion auf Handelskriegszölle in erheblichem Umfang zu Handelsreallokationen kommt. Kombiniert man beide Annahmen, so führt ein von den USA gegen ein bestimmtes Land verhängter Zoll zu einem Rückgang der Exporte in die USA und einem Anstieg der Exporte in den Rest der Welt. Da nur die Exporte in den Rest der Welt in der Erzeugerwährung fakturiert werden, führt dies zu einer höheren relativen Nachfrage nach der Erzeugerwährung. Dies impliziert eine Aufwertung der Erzeugerwährung (d. h. eine Abwertung des US-Dollars). Wir geben nun einen mathematischen Überblick. Im Anhang, Abschnitt A.4, liefern wir die Mikrofundamente für dieses Modell, indem wir von steigenden Grenzkosten ausgehen. Zu diesem Zweck erweitern wir das Modell in Benguria und Saffie [2024](3), indem wir Annahmen über Rechnungswährungen einbeziehen. Benguria I 15 Aktienkurse: Dieses Modell sagt auch einen Rückgang der Aktienkurse als Reaktion auf einen US-Zoll voraus. *Felipe Benguria Felipe Saffie . (2025) Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. 1. E. Boz, C. Casas, G. Georgiadis, G. Gopinath, H. Le Mezo, A. Mehl, and T. Nguyen. Patterns of invoicing currency in global trade: New evidence. Journal of International Economics, 136:103604, 2022. 2. G. Gopinath and R. Rigobon. Sticky borders. The Quarterly Journal of Economics, 123(2):531–575, 2008. 3. F. Benguria and F. Saffie. Escaping the trade war: Finance and relational supply chains in the adjustment to trade policy shocks. Journal of International Economics, 152:103987, 2024. 4. M. Almunia, P. Antras, D. Lopez-Rodriguez, and E. Morales. Venting out: Exports during a domestic slump. American Economic Review, 111(11):3611–62, 2021. |
Benguria I Felipe Benguria Felipe Saffie Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. Cambridge, MA 2025 |
| Adaption | Gould | I 198 Adaption/Präadaption/Gould: Def Präadaption: Präadaption ist aus der These hergeleitet, dass in den Anfangsstadien andere Funktionen erfüllt worden sind. Bsp ein halber Kiefer konnte die Kiemen stützen. Ein halber Flügel mag zum Fang von Beutetieren gedient haben, oder zur Kontrolle der Körpertemperatur. Gould: Der Begriff der Präadaption ist unverzichtbar, aber nicht geeignet, in allen Fällen eine Kontinuität zu erweisen. I 199 Bsp bei zwei Gattungen von Biodae (Riesenschlangen) auf Mauritius gibt es einen geteilten Oberkieferknochen, (mit elastischer Verbindung), den es sonst bei keinem Wirbeltier auf der Erde gibt. Hier ist einem diskontinuierlichen Übergang der Vorzug zu geben denn ein Kiefer kann nicht halb gebrochen sein. Beispiele: I 195 Bsp Fische, die Kiefer besitzen, sind mit ihren Vorfahren ohne Kiefer verwandt. Die Makroevolution (die größeren strukturellen Übergänge) ist nichts als eine ausgeweitete Mikroevolution (z.B. die Veränderung von Fliegen in geschlossenen Behältern). I 196 Bsp Wenn schwarze Nachtfalter die Weißen innerhalb eines Jahrhunderts ersetzen, dann können Reptilien durch sanfte Summierung zahlloser Veränderungen im Laufe von einigen Millionen Jahren zu Vögeln werden. II 51 Adaption/Gould: Wir müssen nicht zwischen Beschränkung und Schönheit der Adaption wählen, da nur beides zusammen die notwendige Spannung zur Regulation der Evolution liefert. Selektion/Gould: GouldVs: Gould richtet sich gegen die Annahme einer konsequenten Auslese, bzw. die Annahme, es gebe ein Wirken der Selektion auf jeder Ebene gleichzeitig, bzw. die Theorie, dass jedes Detail das an einem Organismus aufzufinden ist, aus der Selektion resultiert. Verhalten/Adaption: Jedes Einzelverhalten mag eine wunderbare Adaption sein, aber es muss innerhalb einer vorherrschenden Beschränkung geformt sein, Bsp Brutverhalten des Tölpels. II 52 Verhalten/Tier/Gould: Die Quellen organischer Formen und Verhaltensweisen sind mannigfaltig und beinhalten wenigsten drei Primärkategorien: a) Augenblickliche Adaption (des Verhaltens der Jungen), b) Die potentiell nicht-adaptiven Konsequenzen grundlegender struktureller Entwürfe die als Beschränkungen der Adaption wirken und c) Die Adaptionen der Vorfahren, die jetzt von der Nachkommenschaft in anderer Weise verwendet werden. II 153 Adaption/GouldVsAdaptionismus/Gould: Man kann z. B. besondere Merkmale bei manchen abnormalen menschlichen Kindern nicht als Adaption bezeichnen. Wir bewohnen keine perfekte Welt, in der die natürliche Selektion rücksichtslos alle organischen Strukturen überprüft und sie dann im Hinblick auf optimale Nützlichkeit formt. In vielen Fällen spiegelt die Evolution mehr ererbte Muster als augenblickliche Forderungen der Umwelt wider. II 152 Wir neigen (fälschlicherweise) dazu, jede Struktur so zu betrachten, als sei sie für einen bestimmten Zweck geschaffen. IV 27 Adaption/Anpassung/Gould: Wir sollten nicht folgern, dass die von Darwin angenommene Anpassungsfähigkeit an eine lokale Umwelt uneingeschränkte Macht besitzt, theoretisch optimale Entwürfe für alle Situationen zu erzeugen. Die natürliche Selektion kann nur auf vorhandenes Material zurückgreifen. Klassisches Dilemma der Evolutionstheorie. Frage: Wie entstehen die Zwischenschritte? Strukturalisten (wie Geoffroy Saint Hilaire, 1772-1844): These: Zuerst ändert sich die Form und findet dann eine Funktion. Funktionalisten (wie Lamarck): These: Zunächst müssen Organismen eine funktional andere Lebensweise annehmen, bevor sich die Formen entwickeln. DarwinVsStrukturalismus: Die Umwelt gibt ihre Anforderungen an eine Anpassung nicht direkt an den Organismus weiter. Vielmehr indirekt über mehr Überlebende Nachkommen derjenigen, die das Glück hatten, in Richtung einer besseren Anpassung an ihre lokale Umwelt zu variieren. IV 28 Lamarck: Tatsächlich war es Lamarck, der die richtige Antwort gefunden hatte (wie Darwin): Er schlug lediglich einen falschen Mechanismus für die Übertragung der Information zwischen Umwelt und Organismus vor. Seine funktionalistische Lösung enthält eine elegante Vereinfachung, die heute von nahezu allen Evolutionsforschern akzeptiert wird. Es ist weder die Gestalt des Körpers noch die Form seiner Gegner, welche die Gewohnheiten der Tiere entstehen lässt, sondern es sind im Gegenteil die Gewohnheiten und Lebensumstände, die im Laufe der Zeit die Gestalt des Körpers gebildet haben«.(1) Gould: Dies wird heute als richtig angesehen. >Lamarckismus. 1. Lamarck, J.B. (1809/1984). Zoological Philosophy. Chicago: University Press. |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Adaption | Ökologische Theorien | Norgaard I 331 Adaption/Klimawandel/Klimagerechtigkeit/Ökologische Theorien: Die Logik der Adaption als Frage der Gerechtigkeit ist auf einer Ebene ganz einfach: Wenn eine Person oder Gemeinschaft durch den anthropogenen Klimawandel gefährdet wurde und dieses Risiko durch eine Art proaktiver Investitionen, die von denen unterstützt werden, die das Risiko verursacht haben, verringert oder beseitigt werden kann, besteht eine moralische Verpflichtung, diese Investitionen zu tätigen. (...) die mit der "Adaption" verbundenen Verpflichtungen könnten durch ein Prinzip der "Hilfsfähigkeit" gerechtfertigt werden, auch wenn keine kausale Verantwortung für die Verhängung von Risiken besteht (Jamieson 1998(1); Caney 2009(2)). VsAdaption: (...) Da die am stärksten vom anthropogenen Klimawandel bedrohten Bevölkerungsgruppen im Großen und Ganzen die am stärksten von "normalen" Klimaschwankungen und extremen Wetterereignissen bedrohten Bevölkerungsgruppen sind, ist es konzeptionell sehr schwierig, wenn nicht gar unmöglich, Investitionen zu trennen, die nur das "zusätzliche" Risiko durch anthropogenen Wandel betreffen. (...) Wenn es möglich ist, diejenigen, die am anfälligsten für den anthropogenen Klimawandel sind, zu trennen, bedeutet dies, ihnen Schutz durch proaktive Anpassung zu bieten und nicht diejenigen zu unterstützen, die am anfälligsten für klimabedingte Schäden sind. Es sollten stattdessen diejenigen, geschützt werden, deren Anfälligkeit durch die anthropogene Erwärmung erhöht wird. Adaption/Entwicklung: es ist allgemein anerkannt, dass "Adaption" der "Entwicklung" sehr ähnlich sieht. Tatsächlich ist es eine der Ironien, dass die Logik einer effektiven Anpassung die Integration von Anpassungsfinanzierung und -aktivitäten in bestehende Entwicklungsplanungen, -politiken und -projekte beinhaltet (sogenanntes "Mainstreaming- z.B. Huq et al. 2004(3); Yamin 2005(4)), während der Wunsch der Entwicklungsländer Norgaard I 332 das Transfervolumen und ihre Kontrolle darüber zu erhöhen, dazu geführt hat, dass gefordert wurde, dass die Anpassungshilfe von der bestehenden Entwicklungshilfe getrennt und nachweislich "zusätzlich" und unter der Kontrolle neuer, von der UNFCCC gelenkter Institutionen erfolgen muss. >Klimagerechtigkeit, >Umweltethik. 1. Jamieson, D. 1998. Global responsibilities: Ethics, public health and global environmental change. Indiana Journal of Global Legal Studies 5: 99–120. 2. Caney, S. 2009. Human rights, responsibilities and climate change. In C. R. Beitz and R. E. Goodin (eds.), Global Basic Rights. Oxford: Oxford University Press. 3. Huq, S. et al. 2004. Mainstreaming adaptation to climate change in Least Developed Countries (LDCs). Climate Policy 4(1): 25–43. 4. Yamin, F. 2005. The European Union and future climate policy: Is mainstreaming adaptation a distraction or part of the solution? Climate Policy 5: 349–61. Baer, Paul: “International Justice”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press. |
Norgaard I Richard Norgaard John S. Dryzek The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011 |
| Affekt | Carver | Corr I 428 Affekt/Kontrollprozesse/Feedback/Carver/Scheier: Affekt bezieht sich auf die eigenen Wünsche und ob sie erfüllt werden (Clore 1994(1); Frijda 1988(2); Ortony, Clore und Collins 1988(3)). Aber was ist der innere Mechanismus, durch den Gefühle entstehen? Die Antworten reichen von neurobiologisch (z.B. Davidson 1992(4)) bis kognitiv (Ortony, Clore und Collins 1988(3)). Wir (Carver und Scheier 1990(4), 1998(5)) (...) verwendeten Feedbackkontrolle (....), aber jetzt schlagen wir vor, dass Gefühle als Folge eines anderen Feedbackprozesses entstehen, der gleichzeitig mit dem verhaltensleitenden Prozess und parallel dazu arbeitet. >Kontrollprozesse/Carver/Scheier, >Feedback/Carver/Scheier. Corr I 429 Er arbeitet automatisch und ohne Überwachung. Die einfachste Charakterisierung dessen, was dieser zweite Prozess tut, ist, dass er überprüft, wie gut der erste Prozess funktioniert. Der Input für diese zweite Schleife ist also die Geschwindigkeit des Fortschritts im Aktionssystem über die Zeit. Wie in anderen Feedbackschleifen ("feedback loops") prüft der Vergleich die Abweichung vom Standard. Bei einer Diskrepanz ändert sich die Ausgabefunktion. Wir glauben, dass das Fehlersignal in dieser Schleife als Affekt, eine positive oder negative Valenz manifest ist. Eine Fortschrittsrate unterhalb des Kriteriums führt zu negativen Auswirkungen. >Kriterien/Carver/Scheier. Corr I 430 Wie Higgins (z.B. 1987(6), 1996(7)) und seine Partner argumentieren wir für zwei Dimensionen des Affekts, eine betrifft den Ansatz, die andere die Vermeidung (Carver 2001(8); Carver und Scheier 1998(5)). Der Ansatz liefert positive Auswirkungen wie Freude, Eifer und Aufregung, und negative Auswirkungen wie Frustration, Wut und Traurigkeit (Carver 2004)(9). Vermeidung führt zu positiven Auswirkungen wie Erleichterung, Gelassenheit und Zufriedenheit und zu negativen Auswirkungen wie Furcht, Schuld und Angst. Diese Beschreibung impliziert eine natürliche Verbindung zwischen Affekt und Aktion, d.h. wenn die Eingabe der Affektschleife eine Geschwindigkeit des Aktionsfortschritts ist, muss die Ausgabefunktion der Affektschleife eine Änderung der Geschwindigkeit dieser Aktion sein. Somit hat die Affektschleife einen direkten Einfluss auf das, was in der Aktionsschleife passiert. 1. Clore, G. C. 1994. Why emotions are felt, in P. Ekman and R. J. Davidson (eds.),The nature of emotion: fundamental questions, pp. 103–111. New York: Oxford University Press 2 Frijda, N. H. 1994. Emotions are functional, most of the time, in P. Ekman and R. J. Davidson (eds.), The nature of emotion: fundamental questions, pp. 112–26. New York: Oxford University Press 3. Ortony, A., Clore, G. L. and Collins, A. 1988. The cognitive structure of emotions. New York: Cambridge University Press 4. Carver, C. S. and Scheier, M. F. 1990. Origins and functions of positive and negative affect: a control-process view, Psychological Review97: 19–35 5. Carver, C. S. and Scheier, M. F. 1998. On the self-regulation of behaviour. New York: Cambridge University Press 6. Higgins, E. T. 1987. Self-discrepancy: a theory relating self and affect, Psychological Review94: 319–401 7. Higgins, E. T. 1996. Ideals, oughts, and regulatory focus: affect and motivation from distinct pains and pleasures, in P. M. Gollwitzer and J. A. Bargh (eds.), The psychology of action: linking cognition and motivation to behaviour, pp. 91–114. New York: Guilford Press 8. Carver, C. S. 2001. Affect and the functional bases of behaviour: on the dimensional structure of affective experience, Personality and Social Psychology Review 5:345–56 9. Carver, C. S. 2004. Negative affects deriving from the behavioural approach system, Emotion 4: 3–22 Charles S. Carver and Michael F. Scheier, “Self-regulation and controlling personality functioning” in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Affekt | Scheier | Corr I 428 Affekt/Kontrollprozesse/Feedback/Carver/Scheier: Affekt bezieht sich auf die eigenen Wünsche und ob sie erfüllt werden (Clore 1994(1); Frijda 1988(2); Ortony, Clore und Collins 1988(3)). Aber was ist der innere Mechanismus, durch den Gefühle entstehen? Die Antworten reichen von neurobiologisch (z.B. Davidson 1992(4)) bis kognitiv (Ortony, Clore und Collins 1988(3)). Wir (Carver und Scheier 1990(4), 1998(5)) (...) verwendeten Feedbackkontrolle (....), aber jetzt schlagen wir vor, dass Gefühle als Folge eines anderen Feedbackprozesses entstehen, der gleichzeitig mit dem verhaltensleitenden Prozess und parallel dazu arbeitet. >Kontrollprozesse/Carver/Scheier, >Feedback/Carver/Scheier. Corr I 429 Er arbeitet automatisch und ohne Überwachung. Die einfachste Charakterisierung dessen, was dieser zweite Prozess tut, ist, dass er überprüft, wie gut der erste Prozess funktioniert. Der Input für diese zweite Schleife ist also die Geschwindigkeit des Fortschritts im Aktionssystem über die Zeit. Wie in anderen Feedbackschleifen ("feedback loops") prüft der Vergleich die Abweichung vom Standard. Bei einer Diskrepanz ändert sich die Ausgabefunktion. Wir glauben, dass das Fehlersignal in dieser Schleife als Affekt, eine positive oder negative Valenz manifest ist. Eine Fortschrittsrate unterhalb des Kriteriums führt zu negativen Auswirkungen. >Kriterien/Carver/Scheier. Corr I 430 Wie Higgins (z.B. 1987(6), 1996(7)) und seine Partner argumentieren wir für zwei Dimensionen des Affekts, eine betrifft den Ansatz, die andere die Vermeidung (Carver 2001(8); Carver und Scheier 1998(5)). Der Ansatz liefert positive Auswirkungen wie Freude, Eifer und Aufregung, und negative Auswirkungen wie Frustration, Wut und Traurigkeit (Carver 2004)(9). Vermeidung führt zu positiven Auswirkungen wie Erleichterung, Gelassenheit und Zufriedenheit und zu negativen Auswirkungen wie Furcht, Schuld und Angst. Diese Beschreibung impliziert eine natürliche Verbindung zwischen Affekt und Aktion, d.h. wenn die Eingabe der Affektschleife eine Geschwindigkeit des Aktionsfortschritts ist, muss die Ausgabefunktion der Affektschleife eine Änderung der Geschwindigkeit dieser Aktion sein. Somit hat die Affektschleife einen direkten Einfluss auf das, was in der Aktionsschleife passiert. 1. Clore, G. C. 1994. Why emotions are felt, in P. Ekman and R. J. Davidson (eds.),The nature of emotion: fundamental questions, pp. 103–111. New York: Oxford University Press 2 Frijda, N. H. 1994. Emotions are functional, most of the time, in P. Ekman and R. J. Davidson (eds.), The nature of emotion: fundamental questions, pp. 112–26. New York: Oxford University Press 3. Ortony, A., Clore, G. L. and Collins, A. 1988. The cognitive structure of emotions. New York: Cambridge University Press 4. Carver, C. S. and Scheier, M. F. 1990. Origins and functions of positive and negative affect: a control-process view, Psychological Review97: 19–35 5. Carver, C. S. and Scheier, M. F. 1998. On the self-regulation of behaviour. New York: Cambridge University Press 6. Higgins, E. T. 1987. Self-discrepancy: a theory relating self and affect, Psychological Review94: 319–401 7. Higgins, E. T. 1996. Ideals, oughts, and regulatory focus: affect and motivation from distinct pains and pleasures, in P. M. Gollwitzer and J. A. Bargh (eds.), The psychology of action: linking cognition and motivation to behaviour, pp. 91–114. New York: Guilford Press 8. Carver, C. S. 2001. Affect and the functional bases of behaviour: on the dimensional structure of affective experience, Personality and Social Psychology Review 5:345–56 9. Carver, C. S. 2004. Negative affects deriving from the behavioural approach system, Emotion 4: 3–22 Charles S. Carver and Michael F. Scheier, “Self-regulation and controlling personality functioning” in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Aggregiertes Kapital | Samuelson | Harcourt I 121 Kapitaltheorie/Aggregiertes Kapital/Samuelson/Harcourt: „Wiederholt habe ich in Schriften und Vorlesungen darauf bestanden, dass die Kapitaltheorie rigoros entwickelt werden kann, ohne ein Clark-ähnliches Konzept von ‚Gesamtkapital‘ zu verwenden, und sich stattdessen auf eine vollständige Analyse einer großen Vielfalt von heterogenen physischen Kapitalgütern und Prozessen im Zeitverlauf stützt. Eine solche Analyse stützt sich stark auf die Instrumente der modernen linearen und allgemeineren Programmplanung und könnte daher als neo-neoklassisch bezeichnet werden. Sie vertritt die Ansicht, dass Studien über sich verändernde Technologien, die Verfügbarkeit menschlicher und natürlicher Ressourcen, Geschmacksmuster und alle anderen mikroökonomischen Aspekte sehr wichtig sind, wenn wir die Trends in der Einkommensverteilung zwischen verschiedenen Arten von Arbeitskräften und verschiedenen Arten von Eigentümern verstehen wollen, und zwar sowohl in der Gesamtheit als auch in der detaillierten Zusammensetzung.“ (Samuelson [1962(1)], S. 193.) >Neoklassiker, >Technischer Fortschritt, >Produktionsfunktion, >Aggregate production function. Solow/Samuelson: „. . . Solow war im Interesse empirischer Messungen und Annäherungen gelegentlich bereit, sein rigoroses Beharren auf einem komplexen heterogenen Kapitalprogrammierungsmodell aufzugeben; stattdessen hat er durch heroische Abstraktion die bahnbrechende Arbeit von Paul H. Douglas zur Schätzung einer einzigen Produktionsfunktion für die Gesellschaft weitergeführt und einen enormen Einfluss auf die Analysten der statistischen Trends in den wichtigen Makroaggregaten unserer Wirtschaft gehabt.“ (Samuelson [1962](1), S. 193.) >Ökonometrie, >Cobb-Douglas-Produktionsfunktion. 1. Samuelson, P.A. [1962] 'Parable and Realism in Capital Theory: The Surrogate Production Function', Review of Economic Studies, xxix, S. 193-206. |
EconSamu I Paul A. Samuelson The foundations of economic analysis Cambridge 1947 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Aggregiertes Kapital | Wirtschaftstheorien | Harcourt I 155 Aggregiertes Kapital/Wirtschaftstheorien/Harcourt: (...) sobald die Heterogenität von Kapitalgütern eingeführt wird, gelten die auf [Formbarkeit] basierenden „Gleichnisse“ nicht mehr unbedingt. ((s) Formbarkeit: damit wird ausgedrückt, dass technischer Fortschritt in Form eines Baukastensystems eingeführt werden kann.) Hier noch einmal die "Gleichnisse": Harcourt I 122 (1) ein Zusammenhang zwischen niedrigeren Gewinnraten und höheren Werten des Kapitals je Beschäftigten; (2) ein Zusammenhang zwischen niedrigeren Gewinnraten und höheren Kapital-Output-Relationen; (3) ein Zusammenhang zwischen niedrigeren Profitraten und (durch Investitionen in stärker „mechanisierte“ oder „umständlichere“ Produktionsmethoden) einem höheren dauerhaften Pro-Kopf-Verbrauch (bis zu einem Maximum); (4) dass unter Wettbewerbsbedingungen die Einkommensverteilung zwischen Gewinnempfängern und Lohnempfängern durch die Kenntnis der Grenzprodukte und des Faktorangebots erklärt werden kann. Harcourt I 156 Insbesondere kann nicht mehr behauptet werden, dass r gleich dem Grenzprodukt des „Kapitals“ ist (auch nicht in einer Gleichgewichtssituation), noch kann die Einkommensverteilung allein aus der Kenntnis der Elastizität des FpF-Umschlags abgeleitet werden. >Elastizität. Darüber hinaus ist es heute im Allgemeinen nicht mehr möglich, von der FpF-Hülle auszugehen und daraus eine *als-ob-Produktionsfunktion, die sich gut verhält, abzuleiten. Dies hat einige Autoren dazu veranlasst, das Konzept und die Eigenschaften einer aggregierten Produktionsfunktion („als ob“ oder „real“) sowie Konzepte der Grenzproduktivität zur Erklärung der Einkommensverteilung heranzuziehen (...). Harcourt I 157 Die Gegenreaktion auf dieses Argument war die Behauptung, dass das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein einer aggregierten Produktionsfunktion (im Sinne einer eindeutigen Beziehung zwischen Wertkapital pro Kopf und Output pro Kopf) und die Grenzproduktivitätsbeziehungen in der Verteilungstheorie nicht ein und dasselbe sind, wie Champernowne [1953-4](1) vor langer Zeit gezeigt hat. Bliss [1968b](2) z.B. (…) argumentiert, dass, wenn wir von einem Gleichgewicht ausgehen (eine sehr wichtige Voraussetzung) und von einem preistreibenden, kostenminimierenden, gewinnmaximierenden Verhalten unter vollkommenen Wettbewerbsbedingungen in linearen Modellen, die Faktoren logischerweise ihre Grenzprodukte erhalten müssen, und zwar in geeigneter Weise definiert, auch wenn die Existenz einer aggregierten Produktionsfunktion nicht nachgewiesen werden kann. Die Kernpunkte des Arguments sind zwei: 1) erstens, dass wir strenge Gleichgewichtsannahmen aufstellen; 2) zweitens, dass die Unternehmer Gewinnmaximierer und Preisnehmer sind. Ein zusätzlicher Punkt ist, dass in linearen Modellen die Grenzprodukte an Punkten (Ecken) nur als innerhalb eines Bereichs liegend definiert werden können, der durch die partiellen Ableitungen gegeben ist, die auf beiden Seiten von ihnen liegen. Faktoren/Erlöse/Kosten: Innerhalb dieses Bereichs der Unbestimmtheit liegt es auf der Hand, dass, wenn ein Faktor nicht den Wert seines Grenzprodukts erhält, eine Änderung der Produktion, die sich aus der Verwendung von mehr oder weniger von diesem Faktor ergibt, mehr zu den Erlösen (oder weniger von den Erlösen) als zu den Kosten (von den Kosten) beiträgt und somit gegen die Annahmen verstößt, dass die Gewinne maximiert werden und dass sich die Wirtschaft im Gleichgewicht befindet. (Dass die Wirtschaft in der Tat nicht zu einer Gleichgewichtslage gelangen kann, selbst wenn eine solche nachweislich existiert, dass diese Beziehungen nicht für Positionen außerhalb des Gleichgewichts gelten und dass sich die reale Welt in der Regel im letzteren Zustand befindet, wird niemand bestreiten). Solow: Solow vertritt denselben Standpunkt wie Bliss (…), Solow [1962a(3), 1963b(4)] und Solow, Tobin, von Weizsacker und Yaari [1966](5), in denen typische Grenzproduktivitätsergebnisse ohne Bezug auf das Gesamtkapital - oder dessen Grenzprodukt - erzielt werden. Seine letzte Aussage findet sich in seiner Antwort [1970(6)] auf Pasinetti [1969](7). Nachdem er erklärt hat, dass er „keine besondere Version der Grenzproduktivitätstheorie“ vertritt - „eigenartig, weil sie (aus Prinzip, nicht aus Bequemlichkeit) darauf zu bestehen scheint, den gesamten Kapitalstock in einer Zahl zusammenzufassen, und weil sie unter Grenzproduktivität die Ableitung der Nettoproduktion vom Wert dieses Kapitalstocks versteht“ (Solow [1970](6), S. 424) - schließt er seinen Artikel wie folgt ab: Harcourt I 158 „. . niemand versucht, [Pasinetti] eine Theorie überzustülpen, nach der die Profitrate höher oder niedriger ist, je nachdem, ob die vorhandene 'Kapitalmenge' niedriger oder höher ist, und als solche eine allgemeine technische Eigenschaft der vorhandenen 'Kapitalmenge' darstellt. Das ist genau das, worauf die neoklassische Kapitaltheorie in ihrer ganzen Allgemeinheit verzichten kann.“ (S. 427-8.) Garegnani/Pasinetti: Garegnani [1966(8), 1970a(9), 1970b](10) und vor allem Pasinetti [1969(7), 1970(12)] haben sich in dieser Frage stark zurückgenommen (eine Umstellung wird nicht unterstellt). Garegnani weist darauf hin, dass bei der Formulierung der Theorie der Grenzproduktivität nicht alle neoklassischen Ökonomen (frühe, späte oder Neo-Neo) eine aggregierte Produktionsfunktion anstrebten oder verwendeten, die so interpretiert werden könnte, „als ob sie sich wie eine brave Ein-Waren-Funktion verhielte. Ihre Zerstörung sowohl auf volkswirtschaftlicher als auch auf branchenbezogener Ebene (wie er in seinem Aufsatz [1970a](10) nachweist) ist also keine schlüssige Widerlegung der Theorie der Grenzproduktivität von Wert und Verteilung. Die Produktionsbedingungen einer Ware in Form einer Produktionsfunktion mit dem Faktor „Kapital“ auszudrücken, ist nur ein Merkmal einiger Versionen der traditionellen Theorie ...“ (Garegnani [1970a](10), S. 422). Er erwähnt Marshall und J. B. Clark, „die der Meinung waren, dass das Prinzip der Substitution, das aus einer Neuformulierung der malthusianischen Theorie der Pacht in Form von homogenem Land und ‚intensiven‘ Margen abgeleitet wurde, ohne Änderung auf Arbeit und ‚Kapital‘ angewandt werden kann“. Dieser Übergang scheiterte jedoch an der Tatsache, dass das „Kapital“ nicht in einer physischen Einheit gemessen werden kann, sondern als Wert gemessen werden muss, der sich zudem bei jeder Änderung von r und w ändert, d.h. nicht unabhängig von der Verteilung ist. Außerdem ändert er sich in einer Weise, die es nicht erlaubt zu sagen, dass die Grenzprodukte von „Kapital“ und Arbeit gleich ihren jeweiligen Lohnsätzen sind. Noch ist nicht alles sicher, denn, so Garegnani, „die traditionelle Theorie - reduziert auf ihren Kern als Erklärung der Verteilung im Sinne von Angebot und Nachfrage - beruht in der Tat auf einer einzigen Prämisse“, die Pasinetti [1969](12), S. 519, als „ein unauffälliges Postulat“ bezeichnet: „Diese Prämisse besagt, dass jeder Systemwechsel, der durch einen Rückgang von r verursacht wird, das Verhältnis von 'Kapital' zu Arbeit bei der Produktion der Ware erhöhen muss: 'Kapital' ist der Wert des physischen Kapitals in Bezug auf eine Einheit von Konsumgütern, ein Wert, von dem man annimmt, dass er den Konsum misst, der aufgegeben oder aufgeschoben wurde, um dieses physische Kapital ins Leben zu rufen.“ (Pasinetti [1969](12), S. 519) >Kapitalnachfrage/Garegnani. 1. Champernowne, D. G. [1953-4] 'The Production Function and the Theory of Capital: A Comment', Review of Economic Studies, xxi, S. 112-35 2. Bliss, C. J. [1968b] 'Rates of Return in a Linear Model', Cambridge: unpublished paper. 3. Solow, R. M. [1962a] 'Substitution and Fixed Proportions in the Theory of Capital', Review of Economic Studies, xxrx, S. 207-18. 4. Solow, R. M. [1963b] 'Heterogeneous Capital and Smooth Production Functions: An Experimental Study', Econometrica, xxxi, S. 623-45. 5. Solow, R. M., Tobin, J., von Weizsacker, C. C. and Yaari, M. [1966] 'Neoclassical Growth with Fixed Factor Proportions', Review of Economic Studies, xxxm, S. 79-115. 6. Solow, R. M [1970] 'On the Rate of Return: Reply to Pasinetti Economic Journal, LXXX, S.423-8. 7. Pasinetti, L. L. [1969] 'Switches of Technique and the "Rate of Return" in Capital Theory', Economic Journal, LXXIX, S. 508-31. 8. Garegnani, P. [1966] 'Switching of Techniques', Quarterly Journal of Economics, LXXX, S. 554-67. 9. Garegnani, P. [1970a] 'Heterogeneous Capital, the Production Function and the Theory of Distribution', Review of Economic Studies, XXXVII (3), S. 407-36. 10. Garegnani, P. [1970b] 'A Reply', Review of Economic Studies, XXXVII (3), S. 439. 11. Pasinetti, L. L. [1970] 'Again on Capital Theory and Solow's "Rate of Return" ', Economic Journal, LXXX, S. 428-31. |
Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Aggression | Lerntheorien | Slater I 184 Aggression/Lerntheorien: Seit Banduras Bobo-Doll-Studien (Bandura et al. 1961)(1); (>Aggression/Bandura) konzentriert sich viel Forschung (...) auf das Verständnis, unter welchen Umständen Aggression gelernt wird und für wen. Zum Beispiel, nachdem Kinder mit aggressiven Gleichaltrigen interagiert haben, imitieren nicht alle die Aggression ihrer Altersgenossen und werden selbst aggressiv. Stattdessen imitieren Kinder, die nach ihren Temperament für Aggression prädisponiert sind oder bereits mit Aggressionen begonnen haben, eher aggressive Peers als Kinder, die nicht bereits für aggressives Verhalten prädisponiert sind (Boxer, Guerra, Huesmann, & Morales, 2005(2); Lavallee, Bierman, Nix, & Conduct Problems Prevention Research Group, 2005(3)). Darüber hinaus ist die frühe Adoleszenz eine Entwicklungsphase, in der Kinder anfälliger dafür sind, von aggressiven Gleichaltrigen beeinflusst zu werden, als sie es entweder früher in der Kindheit oder später in der Adoleszenz sind (Dishion, Dodge, & Lansford, 2006)(4). Zudem können Schutzfaktoren wie unterstützende Beziehungen zu Eltern Kinder vor Risiken schützen, die durch die Interaktion mit aggressiven Gleichaltrigen entstehen (Dishion & Dodge, 2006)(5). >Pubertät, >Partner-Beziehungen. 1. Bandura, A., Ross, D., & Ross, S. A. (1961). Transmission of aggression through imitation of aggressive models. Journal of Abnormal and Social Psychology, 63, 575—582. 2. Boxer, P., Guerra, N. G., Huesmann, L. R., & Morales, J. (2005). Proximal peer-level effects of a small-group selected prevention on aggression in elementary school children: An investigation of the peer contagion hypothesis. Journal of Abnormal Child Psychology, 33, 325—338. 3. Lavallee, K. L., Bierman, K. L., Nix, R. L., & Conduct Problems Prevention Research Group (2005). The impact of first-grade “friendship group” experiences on child social outcomes in the Fast Track program. Journal of Abnormal Child Psychology, 33, 307—324. 4. Dishion, T J., Dodge, K. A., & Lansford, J. E. (2006). Findings and recommendations: A blueprint to minimize deviant peer influence in youth interventions and programs. In K. A. Dodge, T J. Dishion, & J. E. Lansford (Eds), Deviant peer influences in programs for youth (pp. 366—394). New York Guilford. 5. Dishion, T J., & Dodge, K. A. (2006). Deviant peer contagion in interventions and programs: An ecological framework for understanding influence mechanisms. In K. A. Dodge, T J. Dishion, & J. E. Lansford (Eds), Deviant peer influences in programs for youth (pp. 14—43). New York: Guilford. Jenifer E. Lansford, “Aggression. Beyond Bandura’s Bobo Doll Studies“, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Slater I Alan M. Slater Paul C. Quinn Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012 |
| Aggression | Sozialpsychologie | Slater I 182 Aggression/Sozialpsychologie: Die Theorie der sozialen Informationsverarbeitung beschreibt eine Reihe von vier Schritten mit kognitiven Mechanismen, die erklären können, ob sich ein Individuum in Echtzeit aggressiv verhält oder nicht. 1) Verschlüsselung von Informationen aus dem sozialen Umfeld; Personen, die Probleme haben, relevante Informationen aufzunehmen, um Situationen vollständig verstehen zu können, verhalten sich eher aggressiv (Dodge, Bates, & Pettit, 1990)(1). 2) Zuschreibungen dafür, warum sich andere Menschen so verhalten haben, wie sie es getan haben, oder warum ein Ereignis stattgefunden hat; Personen, die feindliche Zuschreibungen im Gegensatz zu gutartigen Zuschreibungen machen, verhalten sich eher aggressiv (Dodge, Price, Bachorowski, & Newman, 1990)(2). 3) Generierung möglicher Reaktionen auf eine gegebene Situation; Personen, die insgesamt weniger mögliche Reaktionen erzeugen und aggressivere Reaktionen erzeugen, sind wahrscheinlicher für ein aggressives Verhalten (Asarnow & Callan, 1985)(3). 4) Bewertung verschiedener möglicher Reaktionen; Personen, die glauben, dass Aggression zu gewünschten instrumentellen und zwischenmenschlichen Ergebnissen führt und dass Aggression ein guter Weg ist, sich in einer gegebenen Situation zu verhalten, werden sich eher aggressiv verhalten (Smithmyer, Hubbard, & Simons, 2000)(4). >Informationsverarbeitung. 1. Dodge, K. A., Bates, J. E., & Pettit, G. S. (1990). Mechanisms in the cycle of violence. Science, 250, 1678—1683. 2. Dodge, K. A., Price, J. M., Bachorowski, J., & Newman, J. P. (1990). Hostile attributional biases in severely aggressive adolescents. Journal of Abnormal Psychology, 99, 385—392. 3. Asarnow, J. R., & Callan, J. W. (1985). Boys with peer adjustment problems: Social cognitive processes. Journal of Consulting and Clinical Psychology, 53, 80—87. 4. Smithmyer, C. M., Hubbard, J. A., & Simons, R. F. (2000). Proactive and reactive aggression in delinquent adolescents: Relations to aggression outcome expectancies. Journal of Clinical Child Psychology, 29, 86—93. Jenifer E. Lansford, “Aggression. Beyond Bandura’s Bobo Doll Studies“, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Slater I Alan M. Slater Paul C. Quinn Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012 |
| Ähnlichkeit | Descartes | Foucault I 85ff Ähnlichkeit/Descartes/DescartesVsÄhnlichkeit/Foucault: Laut Foucault vertritt Descartes einen anderen Typ der Kritik: Für Descartes ist Ähnlichkeit eine konfuse Mischung, die man in Begriffen von Identität und Unterschied, Maß, Ordnung analysieren muss. >Unterscheidungen, >Identität, >Realität. Descartes lehnt Vergleiche nicht ab. Transitivität (a = c) ist nur durch Vergleiche möglich. >Vergleiche. Überhaupt jede Erkenntnis erfolgt durch Vergleiche. Nur zwei Formen des Vergleichs: Maß und Ordnung. Foucault: Man kann Einheiten und Multiplizitäten messen, d.h. kontinuierliche und diskontinuierliche Einheiten. Ordnung/Descartes/(s) ohne Bezug auf Äußeres): von innen nach außen. Maß/Descartes/Foucault/(s): von außen nach innen (Teilung). Ordnung/Foucault: die Ordnung wird ohne Bezug zu einer äußeren Einheit hergestellt. >Ordnung, >Einheit. Ordnung/Descartes: "Ich erkenne nämlich die Ordnung zwischen A und B indem ich nichts anderes betrachte, als den beiderseitigen Endpunkt." Man kann die Ordnung der Dinge "nicht in ihren Wesenheiten im einzelnen" erkennen, sondern indem man die einfachste Wesenheit, und nach dieser die nächste, entdeckt.(1) Der Vergleich dagegen verlangt mit Hilfe des Maßes zunächst eine Teilung, dann die Anwendung einer gemeinsamen Einheit. >Messen. Ordnung: Vergleich und Maß bilden hier dieselbe Sache: Fortschreiten ohne Unterbrechung. So entstehen Serien, deren erster Punkt eine Wesenheit ist, von der man unabhängig von jeder anderen eine Anschauung haben kann und wo die andere Punkt mit wachsenden Unterschieden erstellt werden. Die Unterscheidung Identität und Unterschied löst Ähnlichkeit auf. Der absolute Charakter, den man dem zuerkennt, was einfach ist, betrifft nicht das Sein der Dinge, sondern nur die Art auf die sie erkannt werden können. Neu: Der Vergleich hat nur noch die Rolle, die Anordnung der Welt zu enthüllen. Tradition: Das Spiel der Ähnlichkeit war einst unbegrenzt. Es war stets möglich, neue Ähnlichkeiten zu entdecken. Neu: Jetzt wird eine endliche Aufzählung möglich werden. 1. Descartes, PHilosophische Werke I. Regeln zur Leitung des Geistes, Leipzig 1906 [Philosophische Bibliothek 26a] S. 81 |
Foucault I M. Foucault Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften Frankfurt/M. 1994 Foucault II Michel Foucault Archäologie des Wissens Frankfurt/M. 1981 |
| Ähnlichkeit | Thiel | Thiel I 200 Def Ähnlich/Ähnlichkeit/Mathematik/Thiel: Eine durch die Beziehung K geordnete Menge A heißt einer durch K' geordneten Menge B ähnlich, wenn A auf B so abgebildet werden kann, dass für die Bilder b1, b2, je zweier Elemente a1,a2, aus A die in der Beziehung a1Ka2 stehen die Beziehung b1K'b2 gilt. Diese Ähnlichkeit erweist sich als eine >Äquivalenzbeziehung, so dass wir nach Aussagen über geordnete Mengen Ausschau halten, die nicht nur von ihnen, sondern auch von zu ihnen ähnlichen gelten. Ein Abstraktionsschritt führt zu dem durch den Paarterm "(M,p)" dargestellten "Ordnungstypus" (Mp). >Abstraktion, >Mengen, >Mengenlehre. I 200/201 Daraus folgt nicht, dass die Ordnungstypen auch typische Eigenschaften der Zahlen, z.B. der Grundzahlen aufweisen müssten. Manche freilich schon. Ordnungstypen: verhalten sich oft aber wenig "zahlenhaft". Bsp Summe und Produkt zweier Ordnungstypen können nur dann ähnlich wie bei den Grundzahlen erklärt werden, wenn man auf die Eigenschaften der Kommutativität und der Distributivität verzichtet. <Distribution. Bsp Die inverse Folge ((s) der Grundzahlen) ist der Folge der Grundzahlen insofern nicht ähnlich, als diese ein letztes Element hat, jene nicht. Deswegen bezeichnen wir Ordnungstypen auch nicht als Ordnungszahlen. >Wohlordnung. |
T I Chr. Thiel Philosophie und Mathematik Darmstadt 1995 |
| Ähnlichkeitsmetrik | Bigelow | I 129 Kontrafaktische Konditionale/Bewertung/Bewertungsfunktion/Bewertungsregeln/Bigelow/Pargetter: V9. Wenn a = (β wäre>wäre γ) dann ist V(a) die Menge aller möglichen Welten w ε W so dass es eine möglichen Welt u gibt, in der β wahr ist und γ wahr ist und jede mögliche Welt v in der β wahr ist und γ falsch ist, ist weniger zugänglich von w aus als u. >Ähnlichkeit/Bigelow. Ähnlichkeit/Mögliche Welten/Ähnlichkeitsmetrik/Kontrafaktisches Konditional/Bigelow/Pargetter: die Regel V9 besagt, dass ein kontrafaktisches Konditional (β wäre>wäre γ) wahr ist in einer möglichen Welt, wenn die nächsten β-Welten alles γ-Welten sind. >Kontrafaktisches Konditional. Bsp Violet sagt: Wenn ich eine Amsel wäre, würde ich singen“ das ist wahr in der aktualen Welt, weil die nächsten Welten in denen Violet eine Amsel ist, Mögliche Welten sind, in denen sie singt. Ähnlichkeitsmetrik/Bigelow/Pargetter: Die möglichen Welten, in denen Violet eine Amsel auf dem Baum oder auf dem Briefkasten ist, mögen gleich weit von der aktualen Welt entfernt sein. >Mögliche Welten. Verbindung/ Mögliche Welten: Die Frage, ob solche „Verbindungen“ existieren können, wird im Zusammenhang mit dem konditional ausgeschlossenen Dritten diskutiert (s.o.). Komplexität/Bigelow/Pargetter: Die Kompliziertheit von V9 liegt an der angestrebten Allgemeinheit. >Allgemeinheit, >Verallgemeinerung. I 130 Ähnlichkeit/Ähnlichkeitsmetrik/Kontrafaktisches Konditional/Nähe/mögliche Welten/Bigelow/Pargetter: Wir wollen, dass eine Welt, in der Vorderglied und Hinterglied des kontrafaktischen Konditionals beide wahr sind, näher ist als eine, in der nur das Vorderglied wahr ist, und das Hinterglied falsch. I 209 Mögliche Welt/Variante/Bigelow/Pargetter: Wir könnten auch Individuen dadurch spezifizieren, dass wir ihre Position im Verlauf ihrer Existenz beschreiben. Durch eine (unendliche) Folge von Quadrupeln. Es gibt viele Varianten, darunter auch ökonomischere. Wir können alle Positionen eines Teilchens in einer Funktion zusammenfassen. Das geht auch für andere Eigenschaften, die wir einem Teilchen zuschreiben. So können wir ein Teilchen nicht nur mit Zahlen kombinieren, sondern auch mit ganzen Funktionen. Funktion: Diese Funktionen könnten die Veränderungen des Teilchens beschreiben. Buch/Bigelow/Pargetter: Ein Buch für eine so beschriebene Welt könnte ein Hilbert-Raum sein. Aber ein Buch ist noch keine Welt! Ein Buch für die aktuale Welt bestünde aus zwei Komponenten: 1. einer Welt-Eigenschaft, bzw. einem maximal spezifische strukturellen Universale 2. etwas, das dieses Universale instanziiert, das ist die Welt selbst. Das gilt für die aktuale Welt! Andere mögliche Welten korrespondieren einem Universale, aber dieses ist nicht instanziiert, so dass es hier keine Welt gibt. >Universalien, >Instanziierung. Repräsentation/Bigelow/Pargetter: nun könnten die Zahlen, die diese Welteigenschaften repräsentieren, als allzu abstrakt erscheinen. I 210 Sie sind es aber nicht! Denn sie repräsentieren die Proportionen, in denen die Eigenschaften der Teile zueinander stehen, die wir als Einheiten gewählt haben. Querweltein-Relationen/Querwelt-Relationen/Welteigenschaften/ Eigenschaftstheorie/Bigelow/Pargetter: nun scheint es so zu sein, als brächte unsere Theorie eine überraschende Wendung: sie scheint ein Maß für den Abstand von möglichen Welten zueinander zu liefern, das wir bisher unmöglich erhalten konnten. Und dieses Maß wäre dann nicht willkürlich! >Querweltein-Identität. Zugänglichkeit: könnten wir sie damit in den Griff bekommen? >Zugänglichkeit. Wenn die möglichen Welten dieselben Individuen enthalten, ist es sogar leicht, eine Ähnlichkeitsmetrik für sie zu konstruieren. Sind die Individuen verschieden, ist es schwieriger. |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Ähnlichkeitsmetrik | Hintikka | II 192 Ähnlichkeit/Semantik möglicher Welten/Ähnlichkeitsmetrik/Hintikka: Eine Ähnlichkeit kann auf zweifache Weise festgestellt werden: 1. Fragen, was die maximale Distanz zwischen möglichen Welten ist 2. Fragen, was die minimale Distanz ist. Ad 1.: Die Faktizitätsbedingung führt dazu, dass die Distanz gleich null sein muss (minimale Distanz), d.h. dass eine gegebene Welt innerhalb ihrer eigenen Alternativen ist. II 193 Intentionalität/Hintikka: Ihr Fehlschlagen ist ein interessantes Kriterium für Intentionalität. >Intentionalität/Hintikka. Bsp Wissen: Wissen ist aus diesem Grund weniger intentional als Glauben. Faktizität/Hintikka: Der Ausdruck Faktizität ist insofern irreführend, als dass wir eine Menge von möglichen Welten betrachten können, wobei wir die aktuale Welt ausschließen! Bsp Deontologie: Deontologie/Semantik möglicher Welten/Hintikka: Hier könnte es sein, dass wir die aktuale Welt aus der Menge der möglichen Welten ausschließen. ((s) Dass wir nur Wünschenswertes betrachten, das von der Realität abweicht). >Deontologie. Hintikka: Die Idee ist, dass was immer in einer gegebenen Welt obligatorisch ist, wahr ist in jeder ihrer deontischen Alternativen. Denn diese Alternativen wären deontisch perfekte Welten. Deontologie/Hintikka: Deontologie ist nach dieser Erklärung nicht intentional! Phänomenologie/Hintikka: Das Fehlschlagen der Faktizitätsbedingung ist eng verwandt mit Ideen der Phänomenologie. Ihr geht es nämlich entscheidend um die mögliche Nichtexistenz eines Gegenstands, auf den ein geistiger Akt gerichtet ist. Akt/Brentano/Hintikka: These: Das Objekt kann in ihm „inexistent“ sein. Husserl/Hintikka: These: Objekte von Akten sind urteilsmäßig oder andernfalls propositional. Nichtexistenz/Intentionalität/Brentano/Husserl/Hintikka: Nichtexistenz führt zu einem Fehlschlagen der Faktizität. Daher ist das Fehlschlagen der Faktizität ein wichtiges Kriterium für das Verstehen der Phänomenologie. Ähnlichkeitsmetrik/Ähnlichkeit/Mögliche Welten/Hintikka: Bsp Wissen Wissen/Glauben/Semantik möglicher Welten/Hintikka: Die maximale Distanz zwischen Welten, die von Wissen zugelassen wird, ist größer als die maximale Distanz im Fall von Glauben. Weil Wissen Glauben impliziert (entails) sind die Glaubenswelten innerhalb der Menge der Wissenswelten. Nach dem unrevidierten Kriterium wäre dann Glauben intentionaler als Wissen. Vs: Das Gegenteil ist aber der Fall. Logisch möglich/Hintikka: Einige logisch mögliche Welten sind wilder und weiter entfernt von der aktualen Welt als Welten, die man glaubt. Dennoch sind logische Modalitäten weniger intentional als propositionale Einstellungen. Problem: Das Maß der maximalen Distanz liefert falsche Ergebnisse, wenn wir es mit verschiedenen intensionalen Begriffen zu tun haben. II 196 Intentionalität/Hintikka: Dass das Fehlschlagen von (c) (Bewahrung der Identität, VsSpaltung) ein Kriterium für sie ist, sieht man an ihrem Verhalten bei wechselnden Begriffen: Notwendigkeit (logische, physikalische und analytische) erfüllen Bedingung c). Bedingung c: „Was ist, ist notwendig was es ist und kein ander Ding“) Umgekehrt sind gewisse andere Begriffe offensichtlich intentionaler als Notwendigkeit und diese verletzen c). >Logische Notwendigkeit. II 197 Bsp „Nicht alles was ist, ist so, dass gewusst wird, was es ist, noch, dass es kein ander Ding ist“. |
Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Ähnlichkeitsmetrik | Nozick | II 174 Ähnlichkeitsmetrik/Ähnlichkeit/Mögliche Welten/Nozick: Das Maß für die nächste Welt muss sein: was wäre, wenn das Antezedens wahr ist - Bsp alphabetische Ordnung im Regal: ist eine erklärende, nicht bloß eine repräsentierende Ordnung. - Warum sind die Sachen da? >Ordnung, >Mögliche Welten, >Querweltein-Identität, >Erklärung. Variante: inhaltlich geordnet, aber zufällig die gleiche Reihenfolge - dann ist die alphabetische Ordnung keine Erklärung. ((s) Dann ist die Nachbarschaft keine nächste Welt, sondern eine irrelevante.) II 241 Abgeschlossenheit/Nächste Welt/Ähnlichste Welt/Nächste Mögliche Welt/Ähnlichkeitsmetrik/Nozick: Wenn die Bedingung (3) (nichts Falsches glauben) abgeschlossen sein sollte, dann dürfte, wenn p impliziert q, die nicht-q-Situation nicht weiter entfernt sein von der aktualen Welt (der wirklichen Welt) als die nächste nicht-p-Welt. >Abgeschlossenheit, >Allwissenheit/Nozick, >Wirkliche Welt, >Aktualität. NozickVsAbgeschlossenheit unter gewusster Implikation: Wir müssen nicht alle Konsequenzen unseres Wissens wissen oder glauben. Vgl. >Logische Allwissenheit. II 242 Abgeschlossenheit/Wissen/Skeptizismus/Nozick: Wenn unser Wissen abgeschlossen wäre unter gewusster Implikation, dann dürfte, wenn p impliziert q, die nicht-q-Situation nicht weiter entfernt sein von der wirklichen Welt als die nächste nicht-p-Welt. Problem: Wenn das eine "nicht-Tank"-Welt ist, dann würde die Aussage, dass die Welt des Skeptikers nicht besteht, verlangen, dass die Tank-Welt nicht weiter von der aktualen Welt entfernt ist, als irgend eine andere nicht-p-Welt. >Gehirne im Tank, >Skeptizismus. Problem: Dann würden wir p glauben, selbst wenn es falsch ist und dann wissen wir nicht, dass p. >Glauben, >Wissen. Alle Konditionale, die sagen, dass wir nichts Falsches glauben, wären falsch. >Konditional. Abgeschlossen: wäre der Begriff des Wissens nur, wenn die Welt des Skeptikers bestehen könnte, wenn p nicht wahr wäre. - Wenn also unser Begriff des Wissens so stark wäre, hätte der Skeptizismus recht. >Stärker/schwächer, >Stärke von Theorien, >Begriffe. Nozick: Aber das müssen wir nicht annehmen. |
No I R. Nozick Philosophical Explanations Oxford 1981 No II R., Nozick The Nature of Rationality 1994 |
| Aktiva (Assets) | Neoklassiker | Mause I 225 Aktiva/Neoklassiker/Monetarismus: Vermögensaktiva, sind Geld, Anleihen, Aktien sowie bestehendes und neu zu schaffendes Realkapital bis hin zum Humanvermögen. Im Sinne der mikroökonomischen Theorie befindet sich das Portfolio in einem Gleichgewicht, wenn der Grenzertrag jeder Anlageform identisch ist. Kommt es in dieser Situation zu einer expansiven Geldpolitik, sinkt der Ertragssatz der Geldhaltung. Die Haushalte werden ihr Vermögen in andere Aktivaformen transferieren. >Mikroökonomie, >Neoklassiker, >Gleichgewicht, Geldpolitik, >Monetarismus. Die neoklassischen bzw. monetaristischen Ansätze unterstellen eine hohe Zinsreagibilität aller Anlageformen und somit auch der Investitionsnachfrage. Alle wirtschaftspolitischen Eingriffe werden demzufolge auch danach beurteilt, inwieweit sie das gesamtwirtschaftliche Zinsniveau beeinflussen. Eine expansive Geldpolitik bewirkt zunächst Zinssenkungen (Liquiditätseffekt) und damit erhebliche Effekte auf die Gütermärkte in Form von Mengen- und Preisanpassungen. >Zinsen. |
Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Akzelerator-Theorie | Keynes | Rothbard III 868 Akzelerator-Theorie/Keynes/Rothbard: Das „Beschleunigungsprinzip“ wurde von einigen Keynesianern als Erklärung für Investitionen übernommen und dann mit dem „Multiplikator“ kombiniert, um verschiedene mathematische „Modelle“ des Konjunkturzyklus zu erhalten. >Investitionsmultiplikator/Keynes, >Investitionen/Keynes. Vor Keynes: Das Beschleunigungsprinzip ist jedoch älter als der Keynesianismus und kann für sich allein betrachtet werden. Es wird fast immer verwendet, um das Verhalten der Investitionen im Konjunkturzyklus zu erklären. Rothbard: Das Wesen des Akzelerationsprinzips lässt sich in der folgenden Illustration zusammenfassen: Nehmen wir ein bestimmtes Unternehmen oder einen Industriezweig, vorzugsweise einen erstrangigen Produzenten von Konsumgütern. Nehmen wir an, dass das Unternehmen während eines bestimmten Zeitraums 100 Einheiten eines Gutes produziert und dass für diese Produktion 10 Maschinen eines bestimmten Typs benötigt werden. Wenn der Zeitraum ein Jahr ist, verlangen und kaufen die Verbraucher 100 Einheiten der Produktion pro Jahr. Das Unternehmen verfügt über einen Bestand von 10 Maschinen. Nehmen wir an, dass die durchschnittliche Lebensdauer einer Maschine 10 Jahre beträgt. Gleichgewicht: Im Gleichgewicht kauft das Unternehmen jedes Jahr eine Maschine als Ersatz (unter der Annahme, dass es jedes Jahr eine neue Maschine gekauft hat, um den Bestand auf 10 zu erhöhen).(1) Rothbard III 869 Nachfrage: Nehmen wir nun an, dass die Nachfrage der Verbraucher nach der Produktion des Unternehmens um 20 Prozent steigt. Die Verbraucher wollen nun 120 Einheiten der Produktion kaufen. Unter der Annahme eines festen Verhältnisses zwischen Kapitalinvestitionen und Produktion ist es für das Unternehmen nun notwendig, 12 Maschinen zu besitzen (unter Beibehaltung des Verhältnisses eine Maschine: 10 Einheiten Jahresproduktion). Um über die 12 Maschinen zu verfügen, muss das Unternehmen in diesem Jahr zwei zusätzliche Maschinen kaufen. Addiert man diese Nachfrage zu der üblichen Nachfrage nach einer Maschine, so ergibt sich ein Anstieg der Nachfrage nach dieser Maschine um 200 %. Eine 20-prozentige Steigerung der Nachfrage nach dem Produkt hat eine 200-prozentige Steigerung der Nachfrage nach dem Investitionsgut zur Folge. Investitionsgüter/Nachfrage: Ein Anstieg der Konsumnachfrage im Allgemeinen, so die Befürworter des Akzelerationsprinzips, bewirkt also einen enorm verstärkten Anstieg der Nachfrage nach Investitionsgütern. Oder besser gesagt, sie führt zu einem verstärkten Anstieg der Nachfrage nach „festen“ Investitionsgütern mit langer Lebensdauer. Stagnation: Nehmen wir nun an, dass im nächsten Jahr die Verbrauchernachfrage nach der Produktion bei 120 Einheiten bleibt. Die Konsumnachfrage hat sich vom zweiten Jahr (als sie von 100 auf 120 stieg) bis zum dritten Jahr nicht verändert. Und doch, so die Akzelerationisten, geschehen schlimme Dinge bei der Nachfrage nach Anlagekapital. Denn jetzt besteht für die Unternehmen keine Notwendigkeit mehr, über den Ersatzbedarf hinaus neue Maschinen zu kaufen. Der Ersatzbedarf beträgt nur noch eine Maschine pro Jahr. Während sich also die Nachfrage nach Konsumgütern nicht verändert, sinkt die Nachfrage nach Anlagekapital um 200 Prozent. Kausalität/Keynesianismus: Das Erstere ist die Ursache für das Letztere. Konjunkturzyklen/Krisen: Für die Verfechter des Akzelerationsprinzips liefert diese Darstellung den Schlüssel zu einigen der wichtigsten Merkmale des Konjunkturzyklus: die stärkeren Schwankungen der Investitionsgüterindustrien im Vergleich zu den Konsumgütern und die Masse an Fehlern, die die Krise in den Investitionsgüterindustrien offenbart. Rothbard III 870 1. VsAccelerator-Theorie/Rothbard: Das Akzelerationsprinzip ist voller Fehler. Ein wichtiger Irrtum, der dem Prinzip zugrunde liegt, wurde von [W.H.] Hutt aufgedeckt.(2) Wir haben gesehen, dass die Konsumnachfrage um 20 Prozent steigt; aber warum müssen in einem Jahr zwei zusätzliche Maschinen gekauft werden? Was hat das Jahr damit zu tun? Wenn wir die Angelegenheit genau analysieren, stellen wir fest, dass das Jahr eine rein willkürliche und irrelevante Einheit ist, sogar im Rahmen des Beispiels selbst. Wir könnten genauso gut eine Woche als Zeiteinheit nehmen. Dann müssten wir sagen, dass die Konsumnachfrage (die ja kontinuierlich weiterläuft) in der ersten Woche um 20 Prozent steigt (...). Rothbard III 871 2.Vs: Zweitens macht das Akzelerationsprinzip einen völlig ungerechtfertigten Sprung von der einzelnen Firma oder Branche auf die gesamte Wirtschaft. Ein 20-prozentiger Anstieg der Konsumnachfrage an einer Stelle muss einen 20-prozentigen Rückgang des Konsums an anderer Stelle bedeuten. Konsumnachfrage: Denn wie kann die Konsumnachfrage im Allgemeinen steigen? Die Konsumnachfrage im Allgemeinen kann nur durch eine Verlagerung des Sparens steigen. Wenn aber das Sparen abnimmt, dann stehen weniger Mittel für Investitionen zur Verfügung. Wenn weniger Mittel für Investitionen zur Verfügung stehen, wie können dann die Investitionen noch stärker steigen als der Konsum? In der Tat stehen weniger Mittel für Investitionen zur Verfügung, wenn der Konsum steigt. Konsum und Investitionen konkurrieren um die Verwendung der Mittel. Erklärung/Physik/Wirtschaft: Das Beschleunigungsprinzip gleitet einfach von einer Demonstration in physikalischer Hinsicht zu einer Schlussfolgerung in monetärer Hinsicht.(3) RothbardVs: Darüber hinaus geht das Akzelerationsprinzip von einem konstanten Verhältnis zwischen „festem“ Kapital und Produktion aus und ignoriert die Substituierbarkeit, die Möglichkeit einer Bandbreite der Produktion, die mehr oder weniger intensive Arbeit der Faktoren. Es geht auch davon aus, dass die neuen Maschinen praktisch augenblicklich produziert werden, und ignoriert somit die erforderliche Produktionszeit. 1. In der Regel wird übersehen, dass dieses für das Akzelerationsprinzip notwendige Ersetzungsmuster nur für solche Unternehmen oder Branchen gelten konnte, die schnell und kontinuierlich gewachsen waren. 2. Siehe seine brillante Kritik am Akzelerationsprinzip in W.H. Hutt, Co-ordination and the Price System (unveröffentlicht, aber erhältlich bei der Foundation for Economic Education, Irvington-on-Hudson, N.Y., 1955), S. 73-117. 3. Die Vernachlässigung von Preisen und Preisbeziehungen ist der Kern vieler ökonomischer Irrtümer. |
EconKeyn I John Maynard Keynes The Economic Consequences of the Peace New York 1920 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Akzeptierbarkeit | Lyons | I 140f Def Akzeptierbarkeit/Grammatik/Lyons: Eine Äußerung ist akzeptierbar, wenn sie von einem muttersprachlichen Sprecher in einem bestimmten Zusammenhang gebraucht wurde oder gebraucht werden könnte und von anderen muttersprachlichen Sprechern als zu der betreffenden Sprache gehörig empfunden wird oder würde. Linguistik: Die Aufgabe der Linguistik ist es unter anderem, darzulegen, welche Sätze akzeptierbar sind und zwar im Rahmen einer allgemeinen Theorie der Sprachstruktur. I 146 Akzeptierbarkeit/Ebene: auf einer niedrigeren Stufe: hier ist die Phonologie für die Akzeptierbarkeit von Äußerungen zuständig. >Phoneme. Grammatik: löst die Phonologie auf einer höheren Stufe ab. >Grammatik. I 151 Grammatisch/bedeutungshaft/(sinnvoll)/Lyons: diesen Unterscheid können wir jetzt provisorisch neu fassen: Akzeptierbar: Bsp 1. The dog bites the man. 2. The chimpanzee eats the banana. 3. The wind opens the door. 4. The Linguist recognizes the fact. 5. The meaning determines the structure. 6. The woman undresses the child. 7. The Wind frightens the child. 8. The child drinks the milk. 9. The dog sees the meat. Tradition: würde alle als Subjekt-Prädikat-Struktur beschreiben und sagen, dass das Subjekt jeweils ein Syntagma ist (Einheit aus mehreren Wörtern) das aus Artikel und Nomen besteht. Def Syntagma/Linguistik: Einheit aus mehreren Wörtern: Bsp Prädikat: = Verb + Objekt. I 152 Wortklassen: N = {dog, man, chimpanzee, fact...} V = {bites, eats, opens, recognizes… T: Artikel Grammatische Regel: ∑1: T + N + V + T + N Schreibweise: ∑: steht für “Satz”. Subskript: zeigt, dass die Regel nur für eine Klasse von Sätzen gilt. grammatische Regel: setzt also nicht nur ein Lexikon voraus, das all Wörter der Sprache als N, V, oder T grammatisch klassifiziert, sondern auch eine oder mehrere Regeln für die lexikalische Substitution. Wir setzen hier zunächst voraus, dass solche regeln bestehen. I 153 Subklassifizierung/Grammatik/Lyons: jetzt können wir feinere Regeln ermöglichen, indem wir die Klassen feiner unterteilen ((s) um „Die Banane beißt das Kind“ auszuschließen): Na = {dog, man, chimpanzee, linguist, child, wind... Nb = {banana, door, milk, meat…} Nc = [{ fact, meaning, structure… Vd = {eats, bites, frightens, undresses, sees,… Ve = { recognizes, determines, sees, eats… Vf = {determines…} 1. Wie wir zu den Entscheidungen der Klassifikation gekommen sind, ist belanglos. I 154 Stattdessen geht es darum, welche Klassifikation es dem Grammatiker erlaubt, eine Anzahl von Regeln aufzustellen, die die größte Anzahl von akzeptierbaren und die kleinste Anzahl von nichtakzeptierbaren Sätzen erfasst. 2. Die neuen Subklassen können so betrachtet werden, als bestünden gar keine Beziehungen mehr zwischen ihnen. 3. Einige Wörter sind mehreren Klassen zugeordnet. Bsp determines, sees. neu: wir ersetzen dann die ursprüngliche Regel durch mehrere neue Regeln (die ganz verschiedene Satztypen festlegen): a) ∑1: T + Na + Vd + T + Nas (Bsp The dog bites the man) b) ∑2: T + Na + Vd + T + Nb (Bsp The chimpanzee eats the banana) c) ∑3: T + Na + Ve + T + Nc (Bsp The linguist recognizes the fact) d) ∑4: T + Nc + Vf + T + Nc (Bsp The meaning determines the structure) I 155 Pointe: mit den neuen Regeln wird die Unterscheidung zwischen grammatischen und ungrammatischen englischen Sätzen neu definiert. „The banana bites the meaning“ ist jetzt nicht mehr möglich, nach der einfachen Regel T + N + V + T + N wäre er nichtausgeschlossen gewesen. Es gibt aber immer noch unzulässige Äußerungen, die nicht ausgeschlossen werden. Formale Grammatik/Lyons: hier geht es nur um Akzeptierbarkeit nach Regeln. Lexikon/Grammatik/Lyons: die Unterscheidung zwischen lexikalischen und grammatischen Elementen kann hier noch vernachlässigt werden. Grammatizität/Lyons: die Grenze wird der Linguist bei seiner Beschreibung an einer willkürlichen Stelle ziehen. Zwei Hauptfaktoren: 1. Gesetz der „abnehmenden Rentabilität“: I 156 Es sollte vermieden werden, dass man zu viele Regeln braucht, die am Ende nur sehr wenige Wörter erfassen. 2. Wegen der unbegrenzten Zahl der Sätze ist es gar nicht möglich für jeden Satz zu entscheiden, ob er akzeptierbar ist oder nicht. Das führt zur „Unbestimmtheit der Grammatik“. Problem: (s.u. I 389): Die Gestaltung von Sätzen eines bestimmten Typs innerhalb eines bestimmten theoretischen Rahmens kann die Gestaltung von Sätzen eines anderen Typs innerhalb desselben theoretischen Rahmens sehr schwierig machen. Das ist heute (1968) noch ungelöst. Akzeptierbarkeit/Grammatik/Lyons: kann immer nur in Bezug auf ein Regelsystem festgestellt werden. Verschiedene Grammatiken beurteilen die Grammatizität bestimmter Sätze verschieden. >Grammatik, >Generative Grammatik, >Universalgrammatik, >Kategorialgrammatik, >Transformationsgrammatik, >N. Chomsky. |
Ly II John Lyons Semantics Cambridge, MA 1977 Lyons I John Lyons Einführung in die moderne Linguistik München 1995 |
| Algorithmen | Deacon | I 445-447 Algorithmen/Deacon: Ein Algorithmus, der Tokens manipuliert, erfüllt nicht die notwendige symbolische Referenz, es sind bloße typographische Zeichen, die verarbeitet werden. Daher funktioniert auch das Beispiel des Chinese Room nicht: Es fehlt die Verbindung zur realen Welt. >Chinese Room. Einfache Zeichen und Icons brauchen den Bezug auf Objekte, für die sie stehen, Symbole brauchen zusätzlich das ganze Symbolsystem, innerhalb dessen sie organisiert sind. Symbolische Referenz ist für sich genommen keine intrinsische Eigenschaft. >Symbole/Deacon, >Zeichen/Deacon, >Icons, >Symbolische Referenz. |
Dea I T. W. Deacon The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998 Dea II Terrence W. Deacon Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013 |
| Algorithmen | Mayer-Schönberger | I 35 Algorithmen/Big Data/Mayer-Schönberger: Je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto mehr werden Algorithmen übertrumpft. Das sieht man daran, wie Computer lernen, mit der Alltagssprache umzugehen und sie zu übersetzen. >Daten, >Big Data, >Alltagssprache, >Maschinenlernen, >Deep Learning, >Künstliche Intelligenz. I 36 Bei größeren Datenmengen funktionierte ein älterer, einfacherer Algorithmus sogar besser.(1) 1. Michele Banko and Eric Brill, “Scaling to Very Very Large Corpora for Natural Language Disambiguation,” Microsoft Research, 2001, p. 3 (http://acl.ldc.upenn.edu/P/P01/P01-1005.pdf). |
MSchoen I Viktor Mayer-Schönberger Big Data: A Revolution That Will Transform How We Live, Work, and Think New York 2013 |
| Allegorie | Gadamer | I 78 Allegorie/Gadamer: Allegorie entsteht aus dem theologischen Bedürfnis, in religiöser Überlieferung - so ursprünglich im Homer - das Anstößige zu eliminieren und gültige Wahrheiten dahinter zu erkennen. Eine entsprechende Funktion gewinnt sie im rhetorischen Gebrauch überall dort, wo die Umschreibung und indirekte Aussage schicklicher erscheint. Allegorie gehört ursprünglich der Sphäre des Redens, des Logos an, ist also eine rhetorische bzw. hermeneutische Figur. Statt des eigentlich Gemeinten wird ein Anderes, Handgreiflicheres gesagt, aber so, daß dieses dennoch jenes andere verstehen lässt. Symbol dagegen ist nicht auf die Sphäre des Logos eingeschränkt. Denn Symbol hat nicht durch seine Bedeutung den Bezug auf eine andere Bedeutung, sondern sein eigenes sinnfälliges Sein hat ‚Bedeutung‘. I 80 Das Symbol ist der Zusammenfall des Sinnlichen und Unsinnlichen, die Allegorie der bedeutungsvolle Bezug des Sinnlichen auf das Unsinnliche. >Symbol/Kant, >Symbol/Goethe, >Allegorie/Schelling. I 84 Allegorie/Gadamer: [Im Verlauf der Diskussion des Symbols zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zu einer] Abwertung der Allegorie. >Symbol/Solger, >Symbol/Kant, >Symbol/Schiller, >Symbol/Schelling, >Symbol/Gadamer. Von Anbeginn an mag dabei die Abwehr des französischen Klassizismus durch die deutsche Ästhetik seit Lessing und Herder eine Rolle gespielt haben(1). Immerhin behält Solger den Ausdruck des Allegorischen noch in einem sehr hohen Sinne der gesamten christlichen Kunst vor und I 85 Friedrich Schlegel geht noch weiter. Er sagt: Alle Schönheit ist Allegorie (Gespräch über Poesie). Auch Hegels Gebrauch des Begriffs symbolisch (wie der Creuzers) steht diesem Begriff des Allegorischen noch ganz nahe. Aber dieser Sprachgebrauch der Philosophen, dem die romantischen Ideen über das Verhältnis des Unaussprechlichen zur Sprache und die Entdeckung der allegorischen Poesie des zugrunde liegen, ist von dem Bildungshumanismus des 19. Jahrhunderts nicht mehr festgehalten worden. Man berief sich auf die Weimarer Klassik, und in der Tat, die Abwertung der Allegorie war das beherrschende Anliegen der deutschen Klassik, das sich ganz notwendig aus der Befreiung der Kunst von den Fesseln des Rationalismus und aus der Auszeichnung des Geniebegriffes ergab. Die Allegorie ist gewiss nicht allein Sache des Genies. Sie beruht auf festen Traditionen und hat stets eine bestimmte, angebbare Bedeutung, die sich gar nicht dem verstandesmäßigen Erfassen durch den Begriff widersetzt. Im Gegenteil, Begriff und Sache der Allegorie ist mit Dogmatik fest verknüpft (...).(...) in dem Augenblick, wo sich das Wesen der Kunst von aller dogmatischen Bindung löste und durch die unbewusste Produktion des Genies definiert werden konnte, musste die Allegorie ästhetisch fragwürdig werden. So sehen wir von Goethes kunsttheoretischen Bemühungen einen starken Einfluss dahin ausgehen, das Symbolische zum positiven, das Allegorische zum negativ-künstlerischen Begriff zu stempeln. 1. Hier erscheint für Klopstock (X, 254ff.) selbst Winckelmann noch in falscher Abhängigkeit: »Die beiden Hauptfehler der meisten allegorischen Gemälde sind, daß sie oft gar nicht oder doch sehr mühsam verstanden werden, und daß sie, ihrer Natur nach, uninteressant sind...“ . |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Alles was er sagte ist wahr | Field | II 147 Quantifikation/Anführungszeichen/Field: Normale Quantifikation erlaubt nicht die Verallgemeinerung von Namen, die sowohl innerhalb als auch außerhalb von Anführungszeichen stehen - das brauchen wir aber für Bsp "Jeder Name der in der Diskussion über die Stellenbesetzung zur Sprache kam, referierte auf einen Mann". >Quantifikation, >Selbstreferenz, >Beschreibungsebenen, >Paradoxa, >Referenz, >Anführungszeichen, >Bereiche. |
Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Alles was er sagte ist wahr | Ramsey | III 71 Partikularisierung/Ramsey: statt "was er sagte ist wahr": Bsp "Die Dinge die als in einer bestimmten Relation stehend angesehen wurden, stehen tatsächlich in dieser Relation". ((s) Das ist immer noch allgemein.) Pointe: Dann verschwindet das "wahr".((s) >Quine: Wahrheit dient der Verallgemeinerung) Problem/Ramsey: Das geht so nicht in der Alltagssprache. >Alltagssprache. Lösung/Ramsey: Wir brauchen einen Prosatz ((s) An der Stelle an der sonst ein Pronomen steht). >Prosatztheorie. Prosatz/Alltagssprache: "Ja", "Nein". |
Ramsey I F. P. Ramsey The Foundations of Mathematics and Other Logical Essays 2013 Ramsey II Frank P. Ramsey A contribution to the theory of taxation 1927 Ramsey III Frank P. Ramsey "The Nature of Truth", Episteme 16 (1991) pp. 6-16 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Alles was er sagte ist wahr | Strawson | Horwich I 214 Alles was er sagte ist wahr/Strawson/Cohen: Bsp "Was der Polizist sagte, ist wahr" - hier wird "wahr" nicht gebraucht, um eine Aussage zu machen. - Damit verschwinden die Paradoxien. Lösung: Bloße Präsupposition, dass eine Aussage gemacht wurde - wenn wir damit überhaupt keine Aussagen machen würden, würden Paradoxien überhaupt verschwinden. CohenVsStrawson: Ein Richter könnte das als Beleg für den Charakter des Polizisten nehmen - aber es ist keine!(1) 1. Peter F. Strawson, "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950, in: Paul Horwich (ed.) Theories of Truth, Aldershot 1994 Horwich I 216 "Alles was er sagte ist wahr"/Cohen: Bsp "Für alle p: wenn der Polizist behauptet, dass p, dann p" - hier können wieder Paradoxien entstehen - analog zur Wahrheitsparadoxie. >Paradoxien. Semantische Paradoxie/logische Form/Cohen: kann auftreten, wenn in (p): (x).φ(p . x) >. ~p. dieser Ausdruck als ganzes als Wert von p auftreten kann.(2) 2. Laurence Jonathan Cohen, "Mr. Strawson’s Analysis of Truth", Analysis 10 (1950) pp. 136-140, in: Paul Horwich (ed.) Theories of Truth, Aldershot 1994 |
Strawson I Peter F. Strawson Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972 Strawson II Peter F. Strawson "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit", In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Strawson III Peter F. Strawson "On Understanding the Structure of One’s Language" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Strawson IV Peter F. Strawson Analyse und Metaphysik München 1994 Strawson V P.F. Strawson Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981 Strawson VI Peter F Strawson Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Strawson VII Peter F Strawson "On Referring", in: Mind 59 (1950) In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Horwich I P. Horwich (Ed.) Theories of Truth Aldershot 1994 |
| Allgemeine Termini | Brandom | I 147 BrandomVsTradition: Singulärer Term: greift nicht unbedingt einen Gegenstand heraus - allgemeiner Term: ist nicht als Prädikation zu verstehen! - es ist ein Unterschied, ob man sich auf einen Gegenstand bezieht, oder ob man eine Tatsache feststellt. - Bsp Eine geschlängelte blaue Linie zwischen einem roten Punkt und einem rotem Viereck (Landkarte). >Landkarten-Beispiel. Gehalt: wir müssen von ihm reden können, ohne von vornherein repräsentationales Vokabular einzusetzen. >Gehalt, >Singuläre Termini, >Tatsachen, >Referenz. |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Allgemeinheit | Wittgenstein | II 62 Allgemeines/Allgemeinheit/allgemein/Wittgenstein: kann nicht isoliert werden. - Man kann es nur verstehen, indem man sieht, wie es verwendet wird. - Wenn man das allgemeine Glied interpretiert, tut man dasselbe, wie wenn man einen Einzelfall interpretiert. Hintikka I 152 Allgemeinheit/allgemein/allgemeines/allgemeiner Satz/WittgensteinVsRussell: seine Schreibweise setzt voraus, dass es für jeden allgemeinen Satz Namen gibt, die man zur Antwort auf die Frage "welche" (statt "welche Art?") nennen könnte. - Das geht bei Bsp "welche Menschen leben auf der Insel" - aber nicht "welcher Kreis ist im Quadrat?" |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Allmacht | Allmacht: unbegrenzte Fähigkeit zum Herbeiführen von Sachverhalten, Situationen oder Ereignissen. Probleme entstehen im Zusammenhang mit Widerspruchsfreiheit, die höher rangieren muss als Allmacht. |
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| Allokation | Rothbard | Rothbard III 218 Allokation/Rothbard: (...) Der Mensch teilt seine Zeit zwischen Freizeit und produktiver Arbeit, zwischen Arbeit für Geld und Arbeit für nicht austauschbare Dinge usw. nach dem Prinzip der Maximierung seines psychischen Einkommens auf. Bei der Entscheidung zwischen Arbeit und Freizeit wägt er die Grenzvorteile der Arbeit mit den Grenzvorteilen der Freizeit ab. >Unveräußerlichkeit, >Arbeit, >Handeln/Rothbard, >Grenznutzen. In ähnlicher Weise muss der Mensch als potenzieller Investor nicht nur die Vor- und Nachteile jeder potenziellen Investition abwägen, sondern auch, ob er überhaupt investieren soll oder nicht. Jeder Mensch muss seine Geldmittel auf drei und nur auf drei Arten verteilen: in Konsumausgaben, in Investitionsausgaben und zusätzlich zu seinem Kassenbestand. Soll er überhaupt investieren, oder soll er jetzt Konsumgüter kaufen oder seinen Kassenbestand aufstocken? Der Grenznutzen der Investition ist die voraussichtliche Geldrendite, gewichtet mit den damit verbundenen nicht austauschbaren Nutzen oder Unnutzen. Der Vorteil einer Geldrendite besteht darin, dass er in der Zukunft mehr Geld hat, das er für Konsumgüter ausgeben kann. >Zeitpräferenz, >Lagerhaltung/Rothbard. Rothbard III 219 Jeder Mensch wird seine Geldressourcen nach denselben Prinzipien aufteilen, nach denen der hypothetische Akteur seinen Bestand an [Gütern] aufteilt (...); jede Einheit wird für den nützlichsten Zweck verwendet, der noch nicht erreicht ist. Nach diesen Prinzipien - der Maximierung seines psychischen Einkommens - wird jeder Mensch seinen Geldbestand aufteilen. In Übereinstimmung mit seiner Werteskala wird jeder Mensch die jeweiligen Grenznutzen beurteilen, die von jeder Geldeinheit bei jeder Verwendung erzielt werden, und seine Aufteilung der Geldausgaben, wie sie in seiner Zahlungsbilanz zum Ausdruck kommt, wird durch solche Beurteilungen bestimmt werden. Rothbard III 220 Grenznutzen: Nach welchen Prinzipien verteilt ein Mensch seine Ausgaben auf die zahlreichen Arten von Konsumgütern, die ihm zur Verfügung stehen? Die erste Geldeinheit, die er für Konsumgüter ausgibt, wird er für das am höchsten geschätzte Gut ausgeben, die nächste für das nächsthöher geschätzte, usw. Rothbard III 221 Welche Prinzipien werden darüber entscheiden, ob ein potenzieller Investor seine Arbeitskraft für seine eigenen Investitionen in die Produktion einsetzt (d. h. „selbständig“ ist) oder nur sein Geld investiert und seine Arbeitskraft anderswo als Arbeitnehmer verkauft? (...) das Prinzip wiederum wird der beste psychische Vorteil aus der Handlung sein. Rothbard III 222 Arbeit/Arbeit: (...) das übliche Konzept des produktiven Arbeiters, das sich auf den Mann beschränkt, der auf dem Feld oder am Fließband arbeitet, ist völlig unzutreffend. Arbeiter sind alle, die ihre Arbeitskraft in den Produktionsprozess einbringen. Diese Arbeit wird für ein Geldeinkommen aufgewendet (das durch andere psychische Faktoren gewichtet sein kann). Wenn die Arbeitsleistung an einen investierenden Arbeitgeber verkauft wird, der Eigentümer des von den kooperierenden Faktoren produzierten Endprodukts ist, kann sie in jeder beliebigen Aufgabe erbracht werden (...). |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Allostase | McEwen | Corr I 208 Allostase/McEwen/Elovainio/Kivimäki: Zukunft. McEwen (1998(1); McEwen und Stellar 1993(2)) hat die vorherrschenden Bedingungen beschrieben, unter denen die adaptive Funktion beeinträchtigt werden kann und unter denen die möglichen gesundheitsschädlichen Auswirkungen von Stress auftreten. Vgl. >Stress/Selye, >Stress/Lazarus. Def Allostase/McEwen: McEwen definiert Allostase als den adaptiven Prozess zur aktiven Aufrechterhaltung der Stabilität durch Veränderung. Allostatische Belastung kann als kumulativer Verschleiß bezeichnet werden, und sie bezieht sich auf die Kosten für den Körper, die durch wiederholte Aktivierung oder unzureichendes Management von Mediatoren der Allostase (z.B. Nebennierenhormone, Immunzytokine und Neurotransmitter) entstehen. Laut McEwen gibt es vier grundlegende Quellen der allostatischen Belastung: (1) häufiger Stress; (2) mangelnde Anpassung an wiederholte ähnliche Stressfaktoren; (3) Unfähigkeit, allostatische Reaktionen abzuschalten, wenn der Stress beendet ist; und (4) unzureichende Reaktionen eines allostatischen Systems, die zu einem Ausgleich in anderen Systemen führen (McEwen 1998)(1). 1. McEwen, B. S. 1998. Protective and damaging effects of stress mediators, mediators, New England Journal of Medicine 338: 171–9 2. McEwen, B. S. and Stellar, E. 1993. Stress and the individual: mechanisms leading to disease, Archives of Internal Medicine 153: 2093–101 Marko Elovainio and Mika Kivimäki, “Models of personality and health”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Alltagssprache | Cavell | I (a) 39 Skeptizismus/Alltagssprache/Cavell: Man nimmt normalerweise an, dass die Berufung auf die Alltagssprache den Skeptizismus widerlegt. Vs: Das kann selbst widerlegt werden. Wir müssen der Alltagssprache, wenn sie als Quelle unabhängiger Daten aufgefasst wird, unabhängig von bestimmten philosophischen Positionen oder Theorien begegnen. I (a) 40 Sonst unterstellt man dem Skeptiker parteiischerweise, dass ihm der offensichtliche Konflikt zwischen Worten und Welt unklar wäre, noch dass er in der Lage wäre, diesen Konflikt zu thematisieren. Skeptizismus/Cavell: Eine ernsthafte Widerlegung muss zeigen, dass derjenige, der des Englischen genauso mächtig ist wie wir und alles weiß, was wir wissen, keine wirkliche Verwendung für die Wörter der Alltagssprache hat. >Skeptizismus. Wie kann man das zeigen? Ein entscheidender Schritt wäre, dem Skeptiker (auch dem, den man in sich selbst hat) zeigen zu können, dass man weiß, was seine Worte seiner Meinung nach besagen. (Nicht unbedingt, was sie seiner Meinung nach bedeuten, so als ob sie eine spezielle oder technische Bedeutung hätten). Wir müssen also seine Position von innen heraus verstehen. I (a) 41 Skeptizismus/Alltagssprache/Cavell: Die Berufung auf die gewöhnliche Sprache widerlegt den Skeptiker nicht: 1. wird es ihn nicht überraschen, 2. tut man ihm offensichtlich Unrecht. Im Hinblick auf den Gebrauch der Sprache sind wir uns sowieso einig. >Sprachgebrauch, >Bedeutung, >Referenz. II 170 Alltagssprache/Cavell: hier gibt es drei mögliche Typen, Feststellungen über sie zu machen: Typ I Feststellungen: "Wir sagen ...... aber wir sagen nicht...." Typ II Feststellungen: Die Ergänzung von Typ I Feststellungen durch Erläuterungen. Typ III Feststellungen: Verallgemeinerungen. Ryle: These: Wenn wir das Wort "freiwillig" benutzen, ist es bei einer Handlung, die wir normalerweise nicht tun würden. >Freiwillig/Ryle. II 172 Cavell These: Native Speakers (Muttersprachler) benötigen im Allgemeinen keine Feststellungen darüber, was man in ihrer Sprache sagen kann. Sie selbst sind die Quelle solcher Feststellungen. MatesVs Intuition und Erinnerung in Bezug auf richtiges Sprechen. CavellVsMates: Intuition ist auch gar nicht notwendig. Ich brauche keine Erinnerung an die Stunde, in der ich etwas lernte, und kein perfektes Gedächtnis für mein Sprechen. Man erinnert sich nicht an die Sprache, man spricht sie. >Gedächtnis. II 173 CavellVsRyle: Ryle verlangt eine explizite Erläuterung (Typ II Feststellung): Dazu ist er im Allgemeinen auch berechtigt, aber gerade in Bezug auf sein Bsp "freiwillig" geht die Verallgemeinerung daneben: II 174 (Bsp Austin: Es gibt kein "freiwilliges Geschenk"). >"Freiwillig"/Austin. |
Cavell I St. Cavell Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen Frankfurt 2002 Cavell I (a) Stanley Cavell "Knowing and Acknowledging" in: St. Cavell, Must We Mean What We Say?, Cambridge 1976, pp. 238-266 In Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002 Cavell I (b) Stanley Cavell "Excursus on Wittgenstein’s Vision of Language", in: St. Cavell, The Claim of Reason, Wittgenstein, Skepticism, Morality, and Tragedy, New York 1979, pp. 168-190 In Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002 Cavell I (c) Stanley Cavell "The Argument of the Ordinary, Scenes of Instruction in Wittgenstein and in Kripke", in: St. Cavell, Conditions Handsome and Unhandsome: The Constitution of Emersonian Perfectionism, Chicago 1990, pp. 64-100 In Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Davide Sparti/Espen Hammer (eds.) Frankfurt/M. 2002 Cavell II Stanley Cavell "Must we mean what we say?" in: Inquiry 1 (1958) In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 |
| Alltagssprache | Minsky | Münch III 130 "Nähe"/Simulation/Minsky: Begriffe wie „Nähe“ sind für unser Alltagsleben zu wichtig um sie aufzugeben, weil sie nicht axiomatisiert werden können. >Axiomatisierung, >Lokalisation, >Formalisierung, >Künstliche Sprache, >Formale Sprache, >Verstehen, >Simulation. Marvin Minsky, “A framework for representing knowledge” in: John Haugeland (Ed) Mind, design, Montgomery 1981, pp. 95-128 - Deutsch: Marvin Minsky Eine Rahmenstruktur für die Wissensrepräsentation 1981 in Dieter Münch (Hrsg.) Kognitionswissenschaft Frankfurt 1992 |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Alltagssprache | Strawson | III 189ff Alltagssprache/Strawson Problem: Die Relationen zwischen handlungszuschreibenden Sätzen sind nicht im Prädikatenkalkül zu verstehen wie die Relationen, in denen die Sätze des Davidsonschen Schemas stehen. >Handlungen/Davidson, >Prädikatenkalkül. III 194 Lösung/Strawson: adverbialer Zugang: direkt - Alltagssätze (AS) können wir in einer Hinsicht nicht verstehen, ohne sie als äquivalent zu Davidsonschen Sätze (DS) zu erkennen. >Adverbiale Analyse. III 196 Einziger Unterschied: In den Davidsonschen Sätzen sind die Konstellationen bloß klarer, sie sind aber auch in den Alltagssätzen vorhanden. Damit können wir dann ein Regelsystem auch für die Alltagssprache einführen (ohne Beherrschung voraussetzen zu müssen). III 197 Adverbialer Zugang zeigt, dass Alltagssätze eine andere, aber äquivalente Struktur haben. Lösung: Theorie des Benennens mit angehängter Prädikation zeigt, wie die Strukturen sich kreuzen. >Prädikation. III 198 Handlungen und Ereignisse leiden generell an der Identitätsabhängigkeit von Substanzen. >Substanz, >Handlung, >Ereignis. |
Strawson I Peter F. Strawson Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972 Strawson II Peter F. Strawson "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit", In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Strawson III Peter F. Strawson "On Understanding the Structure of One’s Language" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Strawson IV Peter F. Strawson Analyse und Metaphysik München 1994 Strawson V P.F. Strawson Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981 Strawson VI Peter F Strawson Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Strawson VII Peter F Strawson "On Referring", in: Mind 59 (1950) In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 |
| Alltagssprache | Tarski | Berka I 457 Alltagssprache/Tarski: "Universalismus" der Alltagssprache: Die Alltagssprache integriert prinzipiell jedes Wort (aus jeder Fachsprache). - Sonst wären die dort gebrauchten Ausdrücke sinnlos. >Verstehen, >Bedeutung, >Formalismus. I 458 Pointe: Dann kann man eine Wahrheitsdefinition aus einer formalen Sprache als fragmentarische Wahrheitsdefinition in die Alltagssprache übernehmen.(1) >Wahrheitsdefinition, 1. A.Tarski, Der Wahrheitsbegriff in den formalisierten Sprachen, Commentarii Societatis philosophicae Polonorum. Vol 1, Lemberg 1935 Horwich I 115 Alltagssprache/Tarski: Wir wissen in der Alltagssprache nicht immer genau, welche Ausdrücke Sätze sind und welche behauptbar sind. - Das heißt dass der Begriff der Widerspruchsfreiheit keine exakte Bedeutung in der Alltagssprache hat.(2) >Widerspruchsfreiheit. 2. A. Tarski, The semantic Conceptions of Truth, Philosophy and Phenomenological Research 4, pp. 341-75 |
Tarski I A. Tarski Logic, Semantics, Metamathematics: Papers from 1923-38 Indianapolis 1983 Berka I Karel Berka Lothar Kreiser Logik Texte Berlin 1983 Horwich I P. Horwich (Ed.) Theories of Truth Aldershot 1994 |
| Allwissenheit | Allwissenheit: die Fähigkeit, alle Aussagen zu kennen. Ein Problem ist, dass schon das Verstehen einer logisch wahren Aussage die Forderung mit sich bringt, dass alle Konsequenzen daraus gewusst werden. Bsp Die Kenntnis der Rechenregeln würde logisch verlangen, dass alle Resultate gewusst werden. |
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| Allwissenheit | Chisholm | II 95ff Allwissen/Determinismus/Gombocz: Allwissenheit und Handlungsfreiheit stehen möglicherweise im Widerspruch: der frei Handelnde muss die Prognose des Allwissenden enttäuschen können. - Formales Paradox: das Wissen des Allwissenden muss zumindest die logische Wahrheit enthalten, dass die Handlungen des Freien frei sind ((s) oder dass es keine Freiheit gibt.) -- Allwissen schließt nicht aus, dass auch andere allwissend sind, das führt zu Kompensationsverlusten bei den anderen, wenn dadurch freie Handlungen beschränkt werden. II 102 VsTheismus/Allwissen/Gombocz: der Theismus ist durch Willensfreiheit gefährdet - Variante: Gott beschränkt sein Wissen absichtlich. >Wille, >Wissen, >Wissensparadoxien. Wolfgang L. Gombocz. Maxima. In: M.David/L. Stubenberg (Hg) Philosophische Aufsätze zu Ehren von R.M. Chisholm Graz 1986 |
Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |
| Als ob | Dennett | I 555 Als-Ob-Intentionalität/Searle: Bsp Computer - DennettVs: Daraus kann echte Intentionalität entstehen - Künstliche Intelligenz/KI: wir Menschen sind aus Automaten (Markomolekülen) zusammengesetzt. - Darwinismus/Dennett: wir stammen von Automaten (Makromolekülen) ab. Vgl. >Emergenz. |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Altruismus | Gould | II 56 Altruismus/Verhalten/Evolution/Gould: Def Haplodiploid: Die Männchen entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern und haben keinen Vater. Befruchtete Eier dagegen erzeugen diploide Weibchen. Damit kann die Anzahl der Weibchen gesteuert werden. II 57 Dieses faszinierende System kann dazu beitragen, den Ursprung der sozialen Systeme bei Ameisen zu erklären. Oder auch, Bsp dass eine männliche Milbe vor ihrer eigenen Geburt stirbt, nachdem sie im Mutterleib ihre Schwestern befruchtet hat. Mindestens 10% aller bekannten Tierarten sind haplodiploid. Das führt zu Problemen aus darwinistischer Sicht: Wieso sollten in einer Welt, in der jedes Individuum für den persönlichen Fortpflanzungserfolg arbeitet, eine große Anzahl von Weibchen ihrer eigene Fortpflanzung aufgeben, um ihrer Mutter (der Königin) dabei zu helfen, mehr Schwestern heranzuziehen? Die geniale Erklärung beruht auf der asymmetrischen Beziehung zwischen den Geschlechtern bei haplodiploiden Tieren. Sowohl bei diploiden als auch bei haplodiploiden gibt die Mutter jeweils die Hälfte ihres Erbmaterials an ihre Nachkommen (andere Hälfte der Vater). Daher ist sie mit ihren Söhnen und Töchtern gleichermaßen verwandt. Ein diplo Weibchen teilt ebenfalls mit ihren Brüdern und Schwestern jeweils die Hälfte ihrer Gene. Ein haplo Weibchen hingegen teilt dreiviertel der Gene mit den Schwestern aber nur ein Viertel mit den Brüdern. Veranlasst nun der darwinsche Imperativ Organismen dazu, die Anzahl ihrer eigenen Gene in zukünftigen Generationen zu maximieren, dann tun die Weibchen bei Haplodiploiden besser daran, ihrer Mutter bei der Aufzucht der Schwestern zu helfen, anstatt eine eigene Nachkommenschaft zu zeugen. Tatsächlich haben sich solche Entwicklungen mehrmals unabhängig voneinander ergeben. II 59 Kausalität: Die Biologen waren durch diese Beobachtungen so fasziniert, dass sich in viele Beschreibungen eine subtile Umkehrung der Kausalität eingeschlichen hat. Allein das Bestehen des Haplodiploidismus wird elegant mit der Entscheidung "für" ein besseres Sozialsystem Bsp der Ameisen in Verbindung gebracht. >Kausalität, >Kausalerklärung. II 61 GouldVs: Haplodiploide Vorfahren waren sicherlich noch nicht gänzlich sozial, das hat sich erst als "phylogenetischer Zusatzgedanke" in einigen unabhängigen Stämmen entwickelt. Umwelt solcher Stämme: Die Umwelt dieser Stämme ist jedes einzelne Weibchen! Selbst ein unausgewachsenes wird zu einer möglichen Begründerin neuer Kolonien, da es ganz allein in der Lage ist, eine Generation von Männchen zu erzeugen, mit denen es sich paaren kann, um eine neue Generation von Weibchen ins Leben zu rufen. >Evolution, >Erklärung, >Darwinismus. |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Altruismus | Rawls | I 189 Altruismus/Rawls: der vollausgeprägte (perfect) Altruismus hat eine Besonderheit: der Altruist kann sein Begehren nur dann erfüllen, wenn jemand anderes unabhängige Begehren hat. Bsp Angenommen, alle entscheiden sich, dasselbe zu tun. Dann geschieht nichts. Da ein System der Gerechtigkeit dann niemals entstehen könnte ist es notwendig anzunehmen, dass mindestens zwei Personen individuelle Interessen haben, die in Konflikt geraten können. Darauf geht die Theorie der Gerechtigkeit als Fairness ein, indem sie ein gegenseitiges Desinteresse in diesem Punkt verlangt. >Fairness. I 190 Rawls: Unparteilichkeit, wie sie von moralischen Urteilen verlangt wird, ist aber auf anderem Weg zu erreichen. Moral/Rawls, >Unparteilichkeit. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Analog/Digital | Goodman | III 163ff Viele Diagramme der Topologie z.B. brauchen nur die richtige Anzahl von Punkten oder Verbindungsstellen zu haben, die nach dem richtigen Schema durch Linien verbunden sind. Hier fungieren die Punkte und Linien als Caraktere in einer notationalen Sprache. Diese Diagramme, wie bei elektrischen Schaltungen auch, sind rein digital. Es kommt nicht auf eine vage Vorstellung des Analogen als etwas Ähnlichem an, sondern allein auf technische Erfordernisse. III 165 Modelle dieser Art sind in Wirklichkeit Diagramme. Oder: Diagramme sind flache und statische Modelle. Ein Molekülmodell aus Stäbchen und Tischtennisbällen ist digital. Ein Arbeitsmodell einer Windmühle kann analog sein. IV 168 Digital kann ein Schema genannt werden, in dem je zwei Charaktere effektiv differenziert sind. Analog: Schemata, in denen es zwischen je zwei Charakteren in dem Schema ein Pfad aus Paaren nicht-differenzierter Charaktere gibt, sind analog (vor irreführenden Vorstellungen in Zusammenhang mit dem Ausdruck wird gewarnt). IV 169 "Digital" und "analog" treffen nicht auf isolierte Symbole sondern nur auf Schemata zu. Da Schemata keine Bilder und Bilder keine Schemata sind, kann uns die Frage, wie das Pikturale und das Analoge zusammenhängen, einigen Ärger bereiten. Bsp Ein Bild von einem Einhorn oder Lincoln ist eine Karte mit einem ›Muster aus weißen und schwarzen Quadraten. IV 170 Wir nehmen jetzt ein Pack A an, einen Stapel Karten, von denen einige Bilder, einige Inskriptionen von Buchstaben, Wörtern, Zahlen usw. sind, und einige Karten sollen keiner bekannten Kategorie angehören. Da die Karten effektiv differenziert sind, ist das Schema digital. Bsp' Nun ergänzen wir A, indem wir viel mehr Karten derselben Größe vorsehen, eine für jedes Muster, sodass nicht nur alle aus Punkten zusammengesetzten Muster, sondern auch alle Schattierungen irgendwelcher Art eingeschlossen sind. In diesem erweiterten Pack A' ist jede Karte von vielen anderen undifferenziert. Das Schema ist analog und sogar durchgängig dicht. Doch obwohl A' analog ist, schließt es A und viele andere digitale Schemata mit ein! Solche digitalen Subschemata kann man sich als durch Eliminierung aus A' hervorgegangen denken. Ein digitales Schema braucht allerdings nicht aus Charakteren zu bestehen, die aus Punkten zusammengesetzt sind, sondern kann sich aus mehreren nuancierten Bildern zusammensetzen. IV 171 Nicht aus Punkten zusammengesetzte Bilder gehören zu ebenso vielen digitalen Schemata wie aus Punkten zusammengesetzte Bilder. Ein analoges Schema enthält im Allgemeinen viele digitale Schemata und ein digitales Schema ist in viele analoge Schemata eingeschlossen. Aber offensichtlich schließt kein digitales Schema ein Analoges ein. IV 174 Ein Symbol funktioniert als Bild nur, wenn es als ein Charakter in dem vollständigen pikturalen Schema angesehen wird.) Ein vollständiges Schema ist piktural nur dann, wenn es analog ist. Verbal, wenn es digital ist. Mit anderen Worten: Nicht jedes analoge, vollständige Schema ist piktural und nicht jedes digitale vollständige Schema ist verbal. |
G IV N. Goodman Catherine Z. Elgin Revisionen Frankfurt 1989 Goodman I N. Goodman Weisen der Welterzeugung Frankfurt 1984 Goodman II N. Goodman Tatsache Fiktion Voraussage Frankfurt 1988 Goodman III N. Goodman Sprachen der Kunst Frankfurt 1997 |
| Analogien | Genz | II 209 Maschine/Addition/Rechenmaschine/Genz: Das Funktionieren einer Maschine, die nur positive ganze Zahlen addiert, kann nicht durch die Rechenregeln beschrieben werden, sondern beruht letztlich auf dem Verhalten von Teilchen im Innern, die sich quantenmechanisch verhalten. Ihr Verhalten kann nicht durch die Rechenregeln erfasst werden. >Quantenmechanik, vgl. >Regeln, >Regelfolgen, >Tatsachen. Quantenmechanik/Rechnen/Genz: Die Quantenelektrodynamik steht für die Rechenmöglichkeiten, die das Universum haben muss, um einfaches Rechnen zu ermöglichen. Analogie/Genz: Es könnte sein, dass höchst komplizierte Naturgesetze eine Oberfläche haben, die den Tasten der einfachen Rechenmaschine entsprechen. Dann wäre es unmöglich, ihre dahinterstehende Mathematik auch nur zu formulieren. >Naturgesetze. Analogie/Genz: Genauso ist die Mathematik der wirklichen Naturgesetze nicht bereits aus logischen Gründen mit der uns zugänglichen Mathematik identisch. Naturgesetze/Genz: Daher könnte es sein, dass die Naturgesetze mehr bewirken, als uns zugänglich ist. Logik/Genz: Logik ist unter anderem auch eine Konsequenz der Naturgesetze. Sie ist durch die Physik begrenzt. >Logik, >Logische Möglichkeit, >Metaphysische Möglichkeit. |
Gz I H. Genz Gedankenexperimente Weinheim 1999 Gz II Henning Genz Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität München 2002 |
| Analogien | Gould | II 241 Analogien/Wissenschaft/Gould: GouldVsSoziobiologie: Der Zoozentrismus ist der primäre Trugschluss der Soziobiologie: wenn die Tiere mit primären Mechanismen und Strukturen als Produkte der natürlichen Auslese entstehen, dann muss das menschliche Verhalten eine ähnliche Grundlage haben! Die Soziobiologie handelt von der Idee, dass ein Verhaltenspunkt bei den Menschen auch "natürlich" sein muss, wenn es bei Tieren so ähnlich aussieht. Das sind irreführende Ähnlichkeiten. Bsp Sie verbinden menschliche Namen mit den Handlungen anderer Wesen und sprechen von Versklavung bei den Ameisen, Vergewaltigung bei den Wildenten und Ehebruch bei den Gebirgsblaudrosseln. Da diese "Charakterzüge" bei den "niederen" Tieren bestehen, können sie für den Menschen als "natürlich" genetisch, adaptiv abgeleitet werden. (>Soziobiologie). GouldVsSoziobiologie: Aber sie haben außerhalb eines menschlichen Bedeutungszusammenhangs niemals bestanden. Niemand kann behaupten, dass zwei Verhaltensweisen wirklich homolog sind, d.h. auf gleichen Genen beruhen! (> Verhalten). Wenn die Ähnlichkeit bedeutsam ist, kann sie nur analog sein, d.h. sie spiegelt verschiedene phylogenetische (phylogenetisch: die Stammesgeschichte betreffend) Ursprünge wieder, dient aber derselben biologischen Funktion. Hier gibt es verschiedene Ursprünge, die dieselbe Funktion haben. GouldVsZoozentrismus: Zoozentrische Systeme misslingen vor allem, weil sie nie das sind, was sie zu sein vorgeben. Das "objektive" Tierverhalten ist von Anfang an ein Auferlegen menschlicher Vorlieben. >Erklärungen, >Ähnlichkeit. |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Analogien | Lévi-Strauss | I 49 Analogie/Bricolage/Lévi-Strauss: Es steckt zweifellos etwas Paradoxes in der Vorstellung einer Logik, deren Begriffe in Abfällen und Bruchstücken, Spuren psychologischer und historischer Vorgänge stehen, die als solche jeder Notwendigkeit ermangeln. >Bricolage/Lévi-Strauss, >Ordnung/Lévi-Strauss. Was die Form betrifft, steckt in ihnen eine Analogie. Diese besteht darin, dass ihre Form selbst von einem bestimmten Quantum Inhalt, das für alle ungefähr gleich ist, durchdrungen ist. Die signifikanten Bilder des Mythos sind, wie die Materialien des Bastlers, Elemente, die sich nach zwei Kriterien definieren lassen: sie haben gedient, als Wörter einer geformten rede, die von der mythischen Reflexion „demontiert“ wird; und sie können noch dienen, zum gleichen Gebrauch oder zu einem anderen Gebrauch, sofern man sie ihrer ersten Funktion entkleidet. >Mythos/Lévi-Strauss. I 138 Ordnung/Natur/Kultur/Lévi-Strauss: wenn die Natur und die Kultur als zwei Systeme von Unterschiedenen aufgefasst werden, zwischen denen eine formale Analogie besteht, so rückt der jedem Gebiet eigenen systematische Charakter in den Vordergrund. Die sozialen Gruppen sind voneinander verschieden; als Teil des gleichen Ganzen jedoch bleiben sie solidarisch und das Gesetz der Exogamie bietet das Mittel, diesen ausgewogenen Gegensatz von Verschiedenartigkeit und Einheitlichkeit zu versöhnen. |
LevSt I Claude Lévi-Strauss Das Wilde Denken Frankfurt/M. 1973 LevSt II C. Levi-Strauss The Savage Mind (The Nature of Human Society Series) Chicago 1966 |
| Analogien | Meixner | I 25f Ontologische Analogie/Meixner: Die verschiedenen Gehalte, die die Tranzendentalien in den verschiedenen Kategorien annehmen, stehen in einem systematischen Zusammenhang: der ontologischen Analogie. Bsp Individuen sind in einer anderen Weise möglich, als es Sachverhalte sind. Ebenso sind Individuen anders "aktual" als Sachverhalte. D.h. die verschiedenen Tranzendentalien haben in den verschiedenen Kategorien nicht denselben begrifflichen Gehalt. >Transzendentales, >Kategorien, >Ontologie, >Gehalt, >Begrifflicher Gehalt, >Empirischer Gehalt, >Individuen, >Sachverhalte. |
Mei I U. Meixner Einführung in die Ontologie Darmstadt 2004 |
| Analogien | Sellars | I 102 Analogie/Sellars: entscheidendes Merkmal: dass beide Bereiche in einem Beziehungsgefüge stehen, das auf Gleichheit und Unterschied beruht, und dass diese Gefüge strukturidentisch sind. >Isomorphismus. >Vergleiche, >Vergleichbarkeit, >Strukturen, >Gleichheit. |
Sellars I Wilfrid Sellars Der Empirismus und die Philosophie des Geistes Paderborn 1999 Sellars II Wilfred Sellars Science, Perception, and Reality, London 1963 In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 |
| Analogien | Sokal | I 28 Analogien/Sokal/Bricmont: Wir kritisieren den Gebrauch wissenschaftlicher Begriffe durch Autoren, die diese Begriffe selbst nicht in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung verstanden haben. Das Erkennen einer schlüssigen Analogie zwischen zwei existierenden Theorien kann der weiteren Entwicklung beider Theorien oft sehr dienlich sein. Bei den von uns untersuchten Autoren handelt es sich jedoch unserer Ansicht nach um Analogien zwischen allgemein anerkannten Theorien (aus den Naturwissenschaften) und Theorien, die zu vage sind, um empirisch nachweisbar zu sein (etwa die Lacansche Psychoanalyse) andererseits. >J. Lacan, >Psychoanalyse. I 150 Analogien/Lacan/Latour/BricmontVsLacan/BricmontVsLatour/SokalVsLacan/SokalVsLatour: Latour – genau wie Lacan (siehe dazu A. Sokal und J. Bricmont 1999(1), S. 38) bestehen auf der wörtlichen Gültigkeit eines Vergleichs, der bestenfalls als vage Metapher zu versehen wäre. Bsp Der enunciator (didaktischer Kunstgriff von Einstein zur Erklärung der Relativitätstheorie) wird als eine reale Person angenommen, gegen deren Privilegien es zu kämpfen gelte. Anschließend heißt es bei Latour: …Kämpfe gegen Privilegien in der Ökonomie oder in der Physik sind im wörtlichen Sinne dasselbe, nicht im metaphorischen. (B. Latour 1988(2), S. 23.) >B. Latour. I 154 Angenommen, Latours soziologische Begriffe seien ebenso exakt zu definieren wie die der Relativitätstheorie und jemand, der mit beiden Theorien vertraut ist, könnte eine formale Analogie zwischen den beiden herstellen. Diese Analogie könnte vielleicht dazu beitragen, einem Soziologen, der mit Latours Soziologie vertraut ist, die Relativitätstheorie zu erklären oder einem Physiker Latours Soziologie, aber welchen Sinn sollte es haben, anhand der Analogie zur Relativitätstheorie anderen Soziologen die Soziologie Latours zu erklären? >Erklärungen, >Relativitätstheorie, >Vergleiche, >Vergleichbarkeit. 1. A. Sokal und J. Bricmont. (1999) Eleganter Unsinn. München. 2. B. Latour, „A relativistic account of Einstein’s relativity“, Social Studies of Science, 18, 1988. |
Sokal I Alan Sokal Jean Bricmont Eleganter Unsinn. Wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften missbrauchen München 1999 Sokal II Alan Sokal Fashionable Nonsense: Postmodern Intellectuals’ Abuse of Science New York 1999 |
| Analyse | Deacon | I 359 Analyse/Sprache/Evolution/Akustische Analyse/Sprachverstehen/Liberman/Deqacon: Al Libermans Untersuchungen am Haskins Lab haben gezeigt, dass erstaunlicherweise nicht die Analyse von akustischen Parametern der gesprochenen Sprache in der Evolution der Sprache entscheidend gewesen ist, sondern vielmehr die Vorhersage von Bewegungen des Stimmapparats von Teilnehmern der Kommunikation(1)(2). Vgl. >Phonetik, >Phonologie, >P.D. Eimas, >Verstehen, >Sprache, >Kommunikation. 1. A. Liberman, F. Cooper, D. Shankweiler und M. Studdert-Kennedy (1967): Perception oft he speech code. Psychological Review 74, 431-461. 2. A. Liberman und I. Mattingly (1989): A specialization for speech perception. Science 243, 489-494. |
Dea I T. W. Deacon The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998 Dea II Terrence W. Deacon Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013 |
| Analyse | Moore | Avramides I 20 Analyse/Moore: zwei Arten der Analyse: 1. Verwirrung über einen Begriff beseitigen . (Quine (1960)(1) Word and Object §53). 2. Unsere Gedanken klarer machen. Broad: pro 1. - Moore pro 2. WisdomVsMoore: Neue Ebene des Begriffs: Asymmetrie: Bsp Analyse von Nationen deckt etwas über Individuen auf. MooreVsWisdom: Wir müssen auf gleicher Ebene bleiben! (Symmetrie). ad 1/Avramides: Verstehen eines Begriffs durch andere Begriffe ad 2: Ort eines Begriffs im Netzwerk. Das sind zwei Interpretationen desselben Bikonditionals. >Symmetrie, >Asymmetrie, >Interpretation, >Ebenen, >Beschreibungsebenen, >Bikonditional. 1. Quine, W. V. (1960). Word and Object. MIT Press. |
Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 |
| Analytizität/Synthetizität | Chisholm | II 64 Analytisch/Chisholm: früh: ...eine Proposition ist analytisch, zu der es eine konjunktive Eigenschaft gibt der Art, dass sie und die S-Eigenschaft einander inkludieren (Inklusion) und die P-Eigenschaft eine ihrer Teileigenschaften ist. - spät: andere Eigenschaftsbeziehungen: Implikation und Involvieren - (Involvieren: wer das eine erfasst, erfasst auch das andere). II 66f Analytisch/Sprache/Bedeutungspostulate/ChisholmVsCarnap: Problem: unterschiedliche intensionale Struktur: Bsp Quadrate haben die konjunktive Eigenschaft, rechteckig und gleichseitig zu sein, oder die konjunktive Eigenschaft, rechteckig zu sein und senkrecht aufeinander stehende Diagonalen zu haben - gleiche Extension, verschiedene Bedeutung, damit auch verschiedene Eigenschaften. II 67 Carnap: die Eigenschafts-Ausdrücke sind L-äquivalent durch die Sprachregeln (Bedeutungspostulate) - ChisholmVsCarnap: ihm geht es nicht um die intensionale Struktur, sondern um die Struktur von Eigenschaften selbst. >Intensionalität, >Bedeutungspostulate, >Extensionen. Sauer, W. Über das Analytische und das synthetische Apriori bei Chisholm. In: M.David/L. Stubenberg (Hg) Philosophische Aufsätze zu Ehren von R.M. Chisholm Graz 1986 |
Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |
| Analytizität/Synthetizität | Lewis | II 238f Analytizität, unscharfe Analytizität: eine bessere Erklärung: Dass unsere Sprachkonventionen eben nicht, wie bisher hier vorausgesetzt, exakt eine Konvention der Wahrheit und des Vertrauens in eine einzige Sprache ist. >Konvention/Lewis. II 239f Sie ist es vielmehr für eine aus einem ganzen Bündel ähnlicher Sprachen beliebig ausgewählte Sprache. Aus einem Bündel ähnlicher Sprachen, die mehr oder weniger dieselben Sätze enthalten, die in den Welten, die unserer wirklichen Welt nahe stehen, mehr oder weniger dieselben Wahrheitswerte haben. Die Unbestimmtheiten, die hier entstehen, können wir beseitigen, wie wir wollen. Analytizität ist dann in jeder einzelnen Sprache unseres Bündels scharf. II 239 Unscharfe Analytizität/Lewis: These: Unsere Sprache ist aus einem Bündel ähnlicher Sprachen, die mehr oder weniger dieselben Sätze enthalten willkürlich ausgewählt. Diese haben in ähnliche Welt mehr oder weniger dieselben Wahrheitswert. Dann haben wir einen Raum von Sprachen. Analytizität, ist dann in jeder einzelnen Sprache scharf. Wenn verschiedene Sprachen bezüglich der Analytizität nicht übereinstimmen, ist der Satz eben nicht analytisch. --- Schwarz I 220 Analytisch/Analytizität/Lewis/Schwarz: Weder Theorien noch einzelne ihrer Sätze sind analytisch, wohl aber ihr >Carnap-Konditional. Analytizität: Man könnte des weiteren versuchen unscharfe Analytizität dadurch zu erklären, dass man daran erinnert, dass wir nicht wissen, ob gewisse Welten tatsächlich möglich sind. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 Schw I W. Schwarz David Lewis Bielefeld 2005 |
| Analytizität/Synthetizität | Searle | V 18 Analytizität/Quine: Bsp Ich weiß nicht, ob die Aussage "Alles Grüne ist ausgedehnt" analytisch ist. Searle: Das ist raffiniert: Man kann bestreiten, dass >Sinnesdaten ausgedehnt sind. SearleVsQuine: umgekehrt: Um zu zeigen, dass Kriterien für Analytizität fehlen, müssen wir Analytizität schon verstehen. >Analytizität/Quine. V 19 Analytizität/SearleVsQuine: Wir verstehen Analytizität, sonst könnten wir nicht so gute Beispiele finden. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Aneignungsstrategien | Benkler | Benkler I 49 Aneignungsstrategien/Benkler: Die Vielfalt der Aneignungsstrategien [im Bereich der Digitalen Medien] fügt (...) eine weitere Dimension hinzu. Betrachten Sie das Folgende als sehr einfach und hypothetisch. Stellen Sie sich eine Branche vor, die "Infowidgets" produziert. Es gibt zehn Unternehmen in diesem Bereich. Zwei von ihnen sind Infowidget-Herausgeber nach dem Romantic Maximizer-Modell. (>Terminologie/Benkler). I 50 Darüber hinaus wird die erhöhte Aneignung auf dem Exklusivrechtemarkt einige Unternehmen, die am Rande der nicht urheberrechtlich geschützten Geschäftsmodelle stehen, voraussichtlich dazu veranlassen, urheberrechtlich geschützte Geschäftsmodelle zu übernehmen. Dies wiederum wird die Menge der nur aus proprietären Quellen verfügbaren Informationen erhöhen. Der Rückkopplungseffekt wird den Anstieg der Kosten des Informationsinputs weiter beschleunigen, indem er die Gewinne aus der Umstellung auf eine urheberrechtlich geschützte Strategie und der Konsolidierung größerer Lagerbestände durch neue Produktion erhöht. >Exklusivrecht/Benkler. |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 |
| Anerkennung | Mbembe | Brocker I 916 Anerkennung/Mbembe/Herb: Um die soziale und politische Vorstellungskraft im heutigen Afrika angemessen zu verstehen, bedarf es einer inhaltlichen und methodologischen Neuausrichtung. Sie verlangt die »Anerkennung Brocker I 917 der Kontingenz des Sozialen und des Historischen«, die »Affirmation der Vielfalt der Welten und der Lebensformen« sowie die »Anerkennung der Existenz von Wissensformen, die sich vom sogenannten wissenschaftlichen Wissen unterscheiden« (Mbembe 2016(1), 59). >Sprache/Mbembe. 1. Achille Mbembe, De la postcolonie. Essai sur l’imagination politique dans l’Afrique contemporaine, Paris 2000. Dt.: Achille Mbembe, Postkolonie. Zur politischen Vorstellungskraft im Afrika der Gegenwart, Wien/Berlin 2016 Karlfriedrich Herb, „Achille Mbembe, Postkolonie (2000)“. in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Anfang | Demokrit | Adorno XIII 201 Anfang/Welt/Demokrit/Adorno: Es sollen, weil alles, was schwer ist, fällt, die großen auf die kleinen Atome aufprallen und es sollen dadurch und durch gewisse Seitenbewegungen ständig Wirbel entstehen. Kosmogonie/Weltentstehung/Demokrit/Adorno: der Begriff der Weltschöpfung wird hier, und das ist ein ungeheurer Fortschritt des aufklärerischen Moments im Denken, in den Bereich der natürlichen Erklärungen im Gegensatz zu einem jeglichen transzendenten Schöpfungsakt einbegriffen. Das ist etwas wie der Anfang einer szientifischen, einer wissenschaftlichen Kosmogonie in dem Versuch zur vollkommenen Ablösung von den Mythologien. |
A I Th. W. Adorno Max Horkheimer Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978 A II Theodor W. Adorno Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000 A III Theodor W. Adorno Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973 A IV Theodor W. Adorno Minima Moralia Frankfurt/M. 2003 A V Theodor W. Adorno Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995 A VI Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071 A VII Theodor W. Adorno Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002 A VIII Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003 A IX Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003 A XI Theodor W. Adorno Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990 A XII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973 A XIII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974 |
| Anführungszeichen | Field | II 147 Quantifikation/Anführungszeichen/Field: Normale Quantifikation erlaubt nicht die Verallgemeinerung von Namen, die sowohl innerhalb als auch außerhalb von Anführungszeichen stehen - das brauchen wir aber für Bsp "Jeder Name, der in der Diskussion über die Stellenbesetzung zur Sprache kam, referierte auf einen Mann." - ((s) > Alles was er sagte ist wahr). |
Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Angst | Matthews | Corr I 412 Angst/Gedächtnis/Kognitionspsychologie/Matthews: Russo et al.(2006)(1) sagten voraus, dass Angst die Gedächtnisverzerrung bei einem freien Erinnerungstest beeinflussen würde, nach dem zufälligen Lernen mit einer "flachen" Kodierung; d.h. einer Aufmerksamkeitsaufgabe (die Stroop-Aufgabe), bei der die Probanden die Bedeutung von Wörtern ignorieren sollten. Die Vorhersage wurde bestätigt. Ängstliche Probanden erinnerten sich an mehr bedrohungsbezogene Worte als die Personen, die wenig Angst hatten. Es gab keinen Effekt der Angst auf die Erinnerung an neutrale Worte. Wie Russo et al. (2006)(1) vorschlagen, kann eine erhöhte Aufmerksamkeit für bedrohliches Material in einigen Fällen zu einer späteren Gedächtnisverzerrung führen. >Gedächtnis, >Arbeitsgedächtnis. Corr I 420 Angst/Kognitiv-adaptive Theorie/Matthews: Die kognitiv-adaptive Theorie der Charakterzüge (Matthews 1999(2), 2000(3), 2008a(4); Matthews und Zeidner 2004(5)) schlägt vor, dass Merkmale funktionelle und nicht strukturelle Kohärenz aufweisen. Angst/Neurotizismus/Matthews: repräsentiert die (teilweise unbewusste) Wahl der Strategie des Einzelnen im Umgang mit sozialen Bedrohungen. Der ängstliche Mensch passt sich der Bedrohung an, indem er Bedrohungen antizipiert und vermeidet, während der emotional stabile Mensch eine Vorliebe für eine direktere, aufgabenorientierte Bewältigung hat. Die verschiedenen Verarbeitungsattribute der Angst unterstützen die allgemeine Anpassung. Die Empfindlichkeit neuronaler Systeme zur Bedrohungserkennung, Verzerrungen bei der symbolischen Berechnung von Bedrohungen und die Annahme, dass man anfällig für Gefahren ist, tragen alle zur adaptiven Haltung bei, Bedrohungen zu erkennen und zu verhindern, bevor sie unmittelbar bevorstehen. >Selbstregulation/Matthews, >Neurotizismus. 1. Russo, R., Whittuck, D., Roberson, D., Dutton, K., Georgiou, G. and Fox, E. 2006. Mood-congruent free recall bias in anxious individuals is not a consequence of response bias, Memory 14: 393–9 2. Matthews, G. 1999. Personality and skill: a cognitive-adaptive framework, in P. L. Ackerman, P. C. Kyllonen and R. D. Roberts (eds.), The future of learning and individual differences research: processes, traits, and content, pp. 251–70. Washington, DC: APA 3. Matthews, G. 2000. A cognitive science critique of biological theories of personality traits, History and Philosophy of Psychology 2: 1–17 4. Matthews, G. 2008a. Personality and information processing: a cognitive-adaptive theory, in G. J. Boyle, G. Matthews and D. H. Saklofske (eds.), Handbook of personality theory and testing, vol. I, Personality theories and models, pp. 56–79. Thousand Oaks, CA: Sage 5. Matthews, G. and Zeidner, M. 2004. Traits, states and the trilogy of mind: an adaptive perspective on intellectual functioning, in D. Dai and R. J. Sternberg (eds.), Motivation, emotion, and cognition: integrative perspectives on intellectual functioning and development, pp. 143–74. Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum Gerald Matthews, „ Personality and performance: cognitive processes and models“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Anleihen | Rothbard | Rothbard III 445 Anleihen/Rothbard: Langfristige Schuldverschreibungen können ebenfalls auf einem Markt gekauft und verkauft werden. Die meisten dieser langfristigen Schulden werden Anleihen genannt, und sie werden auf einem florierenden und flexiblen Anleihemarkt gehandelt. Der zu Beginn festgesetzte Zinssatz ist dabei unerheblich. So wird ein langfristiges Darlehen über 100 Unzen zu einem festen Zinssatz von 5 %, also fünf Unzen pro Jahr, aufgenommen. Steigt der allgemeine Zinssatz, werden die Menschen dazu neigen, ihre Anleihen zu verkaufen, die ihnen nur 5 Prozent Rendite gebracht haben, und ihr Geld anderweitig zu investieren - entweder in ganze Unternehmen, Aktien von Unternehmen oder kurzfristige Kredite. Diese erhöhte Bereitschaft, Anleihen zu verkaufen - ein erhöhtes Angebot - drückt den Preis der Anleihe, bis der Zinsertrag für den Käufer dem allgemeinen Zinssatz in anderen Bereichen entspricht. Wenn also der allgemeine Zinssatz von 5 Prozent auf 10 Prozent steigt, sinkt der Preis der Anleihe von 100 auf 50, so dass die feste jährliche Rendite von 5 einen Zinsertrag von 10 Prozent ergibt. Das wichtige Element bei der Anlage in Anleihen ist nicht der ursprüngliche Zinssatz (die feste Rendite auf den so genannten „Nennwert“ der Anleihe), sondern die Zinsrendite auf den Marktpreis der Anleihe. Eine allgemeine Senkung des Zinssatzes lässt die Anleihekurse über den Nennwert steigen und die Rendite unter 5 Prozent sinken. Wenn der Tag der Rückzahlung der Anleihe näher rückt, wird sich der Marktpreis der Anleihe natürlich rasch dem Nennwert annähern, bis sie schließlich zum Nennwert verkauft wird, da der Rückzahlungsbetrag dem ursprünglichen Nennwert bzw. dem Kapital der Anleihe entspricht. Rothbard III 446 Es ist klar, dass in der ERE (Evenly Rotating Economy) die Zinssätze für alle Zeiträume gleich sein werden. >Evenly Rotating Economy. Die Tendenz zu einer solchen Gleichheit zu einem bestimmten Zeitpunkt ist jedoch im Fall von erwarteten zukünftigen Änderungen des Zinssatzes umstritten. Obwohl diesem Thema erstaunlich wenig Aufmerksamkeit gewidmet wurde, geht die vorherrschende Theorie davon aus, dass auf dem Kreditmarkt keine Tendenz zur Angleichung besteht, wenn in naher Zukunft eine Änderung der Zinssätze erwartet wird.(1) Nehmen wir an, der Zinssatz liegt jetzt bei 5 % und wird voraussichtlich so bleiben. Dann wird der Zinssatz für Kredite aller Laufzeiten gleich sein, nämlich 5 %. Nehmen wir jedoch an, dass der Zinssatz in naher Zukunft stetig steigen wird, z. B. jedes Jahr um 1 %, bis er in vier Jahren 9 % beträgt. Da in diesem Fall zu erwarten ist, dass der kurzfristige Zinssatz (z. B. der Zinssatz für Kredite mit einer Laufzeit von einem Jahr oder weniger) in den nächsten vier Jahren steigen wird, ist der gegenwärtige langfristige Zinssatz für diesen Zeitraum - z. B. der gegenwärtige Zinssatz für Kredite mit einer Laufzeit von fünf Jahren - ein Durchschnitt der erwarteten künftigen kurzfristigen Zinssätze während dieses Zeitraums. Der derzeitige Zinssatz für fünfjährige Darlehen beträgt also 5 Prozent plus 6 Prozent plus 7 Prozent plus 8 Prozent plus 9 Prozent geteilt durch 5, was 7 Prozent ergibt. Der langfristige Zinssatz ist der Durchschnitt der kurzfristigen Zinssätze während des betreffenden Zeitraums. Folglich werden die langfristigen Zinssätze proportional höher sein als die kurzfristigen Zinssätze, wenn letztere voraussichtlich steigen werden, und niedriger, wenn letztere voraussichtlich niedriger sein werden. RothbardVs: Dies ist jedoch eine völlig fragwürdige Theorie. Nehmen wir an, es wird ein Anstieg der Zinssätze erwartet; warum sollte sich dies einfach auf einen Anstieg der kurzfristigen Zinssätze beschränken? Warum sollte die Erwartung nicht auch für die langfristigen Zinsen gelten, so dass diese ebenfalls steigen?(2) Rothbard III 447 Problem: Die Theorie beruht auf der völlig unhaltbaren Annahme, die sie zu beweisen versucht, nämlich, dass es keine Tendenz gibt, dass die kurzfristigen und langfristigen Zinssätze gleich sind. Die Annahme, dass eine Änderung des Zinssatzes nur auf kurze Sicht stattfindet, ist völlig unbewiesen und steht im Widerspruch zu unserem Nachweis, dass sich die kurz- und langfristigen Zinssätze tendenziell gemeinsam bewegen. Sich ändernde Zinssätze: Was geschieht, wenn in naher Zukunft eine Änderung des Zinssatzes zu erwarten ist? In diesem Fall findet ein ähnlicher Prozess statt wie bei der Spekulation mit Rohstoffen. Die Spekulanten werden den Zinssatz in der Erwartung eines bevorstehenden Anstiegs nach oben oder in der Erwartung eines Rückgangs nach unten bieten. Je früher ein Anstieg oder ein Rückgang erwartet wird, desto größer ist die Auswirkung auf die Spekulanten und desto größer ist die Auswirkung auf die aktuelle Bewegung des Zinssatzes. Im Falle einer Ware würden die Vorräte in Erwartung eines Anstiegs der Nachfrage und des Preises zurückgehalten und dann freigegeben, wodurch ein schnellerer Übergang zu dem schließlich durch die zugrunde liegenden Angebots- und Nachfragekräfte festgelegten Preis bewirkt würde. In ähnlicher Weise wird in diesem Fall Geld von Investitionen zurückgehalten und in Barguthaben gehalten, bis der Zinssatz sein erwartetes höheres Niveau erreicht, oder es wird aus Barguthaben entnommen und zu Investitionen hinzugefügt, wenn der Zinssatz voraussichtlich niedriger ist. 1. Vgl. Friedrich A. Lutz, „The Structure of Interest Rates“ in Readings in the Theory of Income Distribution, S. 499-532. 2. Seit der Abfassung dieses Textes hat Professor Luckett eine zum Teil ähnliche Kritik an Lutz veröffentlicht. Siehe Dudley G. Luckett, „Professor Lutz and the Structure of Interest Rates“, Quarterly Journal of Economics, Februar 1959, S. 131-44. Siehe auch J.M. Culbertson, „The Term Structure of Interest Rates“, ebd., November 1957, S. 485-517. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Anreize | Dari-Mattiacci | Parisi I 439 Anreize/Zuckerbrot/Peitsche/Dari-Mattiacci/De Geest: Anreize können entweder durch Zuckerbrot – Belohnungsversprechen, etwa mit Preisen oder Prämien – oder durch Peitsche – Strafandrohung, etwa mit Bußgeldern oder Schadensersatz – erzeugt werden.* Zuckerbrot und Peitsche sind auf den ersten Blick gleichwertig, denn jede Verhaltensänderung, die dadurch hervorgerufen wird, dass man den Tätern eine Belohnung von 100 US-Dollar verspricht, kann auch durch die Androhung einer Strafe von 100 US-Dollar erreicht werden. Asymmetrie: Obwohl Karotten und Peitsche scheinbar die gleichen Wirkungen haben, werden sie nicht zufällig ausgewählt; In allen Rechtssystemen lassen sich einige allgemeine Muster beobachten. Anreize für vorsichtiges Fahren werden in der Regel dadurch geschaffen, dass fahrlässige Fahrer nach dem Deliktsrecht haftbar gemacht werden, und nicht durch die Belohnung vorsichtiger Fahrer. Prisi I 440 Dennoch kann es Fälle geben, in denen Zuckerbrot und Peitsche gleicher Größenordnung unterschiedliche Anreizwirkungen haben. Der offensichtlichste Fall ist, wenn Geld für den Agenten einen abnehmenden Grenznutzen hat und eine monetäre Karotte verwendet wird, um eine nichtmonetäre Anstrengung auszulösen. Da wiederholte Zuckerbrote das Vermögen des Agenten weiter steigern, können sie sogar einen Sättigungseffekt haben: Es kann ein Wohlstandsniveau geben, bei dem ein Zuckerbrot einen Agenten nicht mehr dazu anregen kann, erhebliche Anstrengungen zu unternehmen. Notation: e = die Aufwandskosten eines einzelnen Agenten (e* ist der Grad der Durchsetzung); c = die Belohnung (Zuckerbrot); s = die Strafe (Peitsche); Parisi I 441 n = die Anzahl der Agenten in der Bevölkerung; F(e) = die Verteilung der Aufwandskosten. Behmen wir an, dass die Überwachung mit einer Wahrscheinlichkeit von eins erfolgt und dass der Herrscher perfekt und kostenlos überprüfen kann, ob ein Agent Anstrengungen unternommen hat. Beachten Sie, dass der Herrscher den Arbeitsaufwand des Einzelnen nicht überprüfen und keine individualisierten Zuckerbrot und Peitsche verwenden kann. Wenn der Herrscher das Zuckerbrot verwendet, erhält eine Person c–e bei Einhaltung und 0 bei Verstoß; Somit wird ein Individuum die Anforderungen erfüllen, wenn seine Aufwandskosten e ≤ c sind. Ähnlich verhält es sich, wenn der Herrscher die Peitsche verwendet: Eine Person zahlt e für die Einhaltung und s für die Übertretung. Somit wird er sich daran halten, wenn e ≤ s. Zuckerbrot und Peitsche sind hinsichtlich der Anreize gleichwertig (…). (1) c = s = e* Probabilistische Überwachung: Der Herrscher könnte das Verhalten von Personen mit einer Wahrscheinlichkeit von weniger als eins überwachen pc = die Überwachungswahrscheinlichkeit mit Anreichen; ps = die Überwachungswahrscheinlichkeit mit Bestrafungen. Auch hier sind Zuckerbrot und Peitsche hinsichtlich der Anreize gleichwertig (…) (2) pcc = pcs = e* (3) c = s = e* / p Parisi I 442 Durchsetzungsfehler: (…) Der Herrscher kann zwei Arten von Fehlern machen. Auch wenn ein Individuum Anstrengungen unternahm, könnte der Herrscher fälschlicherweise glauben, dass das Individuum keine Anstrengungen unternahm (ein Typ-I-Fehler).Auch wenn ein Individuum keine Anstrengung unternommen hat, könnte der Herrscher fälschlicherweise glauben, dass das Individuum sich angestrengt hat (ein Fehler vom Typ II):9 εI = Wahrscheinlichkeit eines Fehlers vom Typ I; εII = Wahrscheinlichkeit eines Typ-II-Fehlers. Dann erhalten wir unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten: (4) pcc = pcs = e*/ 1-epsilonI – epsilonII Für gleiche Wahrscheinlichkeit: (5) c = s = e*/ p(1-epsilonI – epsilonII) Parisi I 450 Bevölkerungseffekt: Wenn F(e) eine Wahrscheinlichkeitsverteilung der Aufwandskosten in der Bevölkerung ist, dann ist nF(e*) die erwartete Anzahl von Konformitätsbeteiligten. Wenn stattdessen F(e) die tatsächliche Verteilung der Aufwandskosten in der Bevölkerung beschreibt – das heißt, wenn F(e) das Verhältnis der Anzahl der Individuen mit Aufwandskosten gleich oder kleiner als e und der Gesamtzahl der Individuen ist – dann nF(e*) ist die tatsächliche Anzahl der Komplizen. Im zweiten Szenario weiß die Herrscherin mehr als im ersten, allerdings kennt sie in beiden Szenarios nicht die Aufwandskosten eines Individuums. Parisi I 451 Wenn der Herrscher die tatsächliche Verteilung kennt, kann er mit Sicherheit vorhersagen, wie viele Personen belohnt werden. Die gleiche Argumentation gilt nicht für Stöcke. Der Grund dafür ist, dass der Herrscher mit Stöcken in der Lage sein muss, alle Personen zu bestrafen, nicht nur die Übertreter, sonst wäre die Androhung einer Bestrafung unglaubwürdig. Sanktionen: Um diesen Punkt (...) zu verstehen, stellen Sie sich einen Herrscher vor, der einer Person eine Regel e* mit Aufwandskosten e ≤ e* aufzwingt. Der Einzelne stimmt zu. Wenn die Einschränkung nur von Übertretern bestimmt würde, wäre ein Herrscher ohne Budget in der Lage, diese Aufgabe zu erfüllen. Dies kann jedoch nicht der Fall sein, da ein Herrscher ohne Budget nicht glaubwürdig mit der Anwendung von (kostspieligen) Sanktionen drohen kann. >Transaktionskosten/Dari-Mattiacci/De Geest. Bevölkerungseffekt/Wissen: Wenn der Herrscher die Bevölkerung kennt, müssen Belohnungen zur Verfügung stehen, um nur diejenigen zu belohnen, die sich tatsächlich daran halten, während Peitschen zur Verfügung stehen müssen, um alle potenziellen Übertreter zu bestrafen (nicht nur die tatsächlichen Übertreter). * Ein Zuckerbrot kann als eine Zahlung des Auftraggebers an den Makler definiert werden, die auf die Einhaltung des Maklers durch den Makler folgt. Ein Stick ist dann eine Zahlung des Agenten an den Auftraggeber bei Verstoß des Agenten. Während ein Zuckerbrot durch die Verwendung von Eintrittsgeldern manchmal in eine mathematisch identische Peitsche umgeschrieben werden kann, ist dies nicht der Fall, wenn die Durchsetzung probabilistisch ist. Siehe De Geest and Dari-Mattiacci (2013)(1). 1. De Geest, Gerrit and Giuseppe Dari-Mattiacci (2013). “The Rise of Carrots and the Decline of Sticks.” University of Chicago Law Review 80: 341–392. Giuseppe Dari-Mattiacci and Gerrit de Geest. “Carrots vs. Sticks”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Anreize | De Geest | Parisi I 439 Anreize/Zuckerbrot/Peitsche/Dari-Mattiacci/De Geest: Anreize können entweder durch Zuckerbrot – Belohnungsversprechen, etwa mit Preisen oder Prämien – oder durch Peitsche – Strafandrohung, etwa mit Bußgeldern oder Schadensersatz – erzeugt werden.* Zuckerbrot und Peitsche sind auf den ersten Blick gleichwertig, denn jede Verhaltensänderung, die dadurch hervorgerufen wird, dass man den Tätern eine Belohnung von 100 US-Dollar verspricht, kann auch durch die Androhung einer Strafe von 100 US-Dollar erreicht werden. Asymmetrie: Obwohl Karotten und Peitsche scheinbar die gleichen Wirkungen haben, werden sie nicht zufällig ausgewählt; In allen Rechtssystemen lassen sich einige allgemeine Muster beobachten. Anreize für vorsichtiges Fahren werden in der Regel dadurch geschaffen, dass fahrlässige Fahrer nach dem Deliktsrecht haftbar gemacht werden, und nicht durch die Belohnung vorsichtiger Fahrer. Prisi I 440 Dennoch kann es Fälle geben, in denen Zuckerbrot und Peitsche gleicher Größenordnung unterschiedliche Anreizwirkungen haben. Der offensichtlichste Fall ist, wenn Geld für den Agenten einen abnehmenden Grenznutzen hat und eine monetäre Karotte verwendet wird, um eine nichtmonetäre Anstrengung auszulösen. Da wiederholte Zuckerbrote das Vermögen des Agenten weiter steigern, können sie sogar einen Sättigungseffekt haben: Es kann ein Wohlstandsniveau geben, bei dem ein Zuckerbrot einen Agenten nicht mehr dazu anregen kann, erhebliche Anstrengungen zu unternehmen. Notation: e = die Aufwandskosten eines einzelnen Agenten (e* ist der Grad der Durchsetzung); c = die Belohnung (Zuckerbrot); s = die Strafe (Peitsche); Parisi I 441 n = die Anzahl der Agenten in der Bevölkerung; F(e) = die Verteilung der Aufwandskosten. Behmen wir an, dass die Überwachung mit einer Wahrscheinlichkeit von eins erfolgt und dass der Herrscher perfekt und kostenlos überprüfen kann, ob ein Agent Anstrengungen unternommen hat. Beachten Sie, dass der Herrscher den Arbeitsaufwand des Einzelnen nicht überprüfen und keine individualisierten Zuckerbrot und Peitsche verwenden kann. Wenn der Herrscher das Zuckerbrot verwendet, erhält eine Person c–e bei Einhaltung und 0 bei Verstoß; Somit wird ein Individuum die Anforderungen erfüllen, wenn seine Aufwandskosten e ≤ c sind. Ähnlich verhält es sich, wenn der Herrscher die Peitsche verwendet: Eine Person zahlt e für die Einhaltung und s für die Übertretung. Somit wird er sich daran halten, wenn e ≤ s. Zuckerbrot und Peitsche sind hinsichtlich der Anreize gleichwertig (…). (1) c = s = e* Probabilistische Überwachung: Der Herrscher könnte das Verhalten von Personen mit einer Wahrscheinlichkeit von weniger als eins überwachen pc = die Überwachungswahrscheinlichkeit mit Anreichen; ps = die Überwachungswahrscheinlichkeit mit Bestrafungen. Auch hier sind Zuckerbrot und Peitsche hinsichtlich der Anreize gleichwertig (…) (2) pcc = pcs = e* (3) c = s = e* / p Parisi I 442 Durchsetzungsfehler: (…) Der Herrscher kann zwei Arten von Fehlern machen. Auch wenn ein Individuum Anstrengungen unternahm, könnte der Herrscher fälschlicherweise glauben, dass das Individuum keine Anstrengungen unternahm (ein Typ-I-Fehler).Auch wenn ein Individuum keine Anstrengung unternommen hat, könnte der Herrscher fälschlicherweise glauben, dass das Individuum sich angestrengt hat (ein Fehler vom Typ II):9 εI = Wahrscheinlichkeit eines Fehlers vom Typ I; εII = Wahrscheinlichkeit eines Typ-II-Fehlers. Dann erhalten wir unterschiedliche Wahrscheinlichkeiten: (4) pcc = pcs = e*/ 1-epsilonI – epsilonII Für gleiche Wahrscheinlichkeit: (5) c = s = e*/ p(1-epsilonI – epsilonII) Parisi I 450 Bevölkerungseffekt: Wenn F(e) eine Wahrscheinlichkeitsverteilung der Aufwandskosten in der Bevölkerung ist, dann ist nF(e*) die erwartete Anzahl von Konformitätsbeteiligten. Wenn stattdessen F(e) die tatsächliche Verteilung der Aufwandskosten in der Bevölkerung beschreibt – das heißt, wenn F(e) das Verhältnis der Anzahl der Individuen mit Aufwandskosten gleich oder kleiner als e und der Gesamtzahl der Individuen ist – dann nF(e*) ist die tatsächliche Anzahl der Komplizen. Im zweiten Szenario weiß die Herrscherin mehr als im ersten, allerdings kennt sie in beiden Szenarios nicht die Aufwandskosten eines Individuums. Parisi I 451 Wenn der Herrscher die tatsächliche Verteilung kennt, kann er mit Sicherheit vorhersagen, wie viele Personen belohnt werden. Die gleiche Argumentation gilt nicht für Stöcke. Der Grund dafür ist, dass der Herrscher mit Stöcken in der Lage sein muss, alle Personen zu bestrafen, nicht nur die Übertreter, sonst wäre die Androhung einer Bestrafung unglaubwürdig. Sanktionen: Um diesen Punkt (...) zu verstehen, stellen Sie sich einen Herrscher vor, der einer Person eine Regel e* mit Aufwandskosten e ≤ e* aufzwingt. Der Einzelne stimmt zu. Wenn die Einschränkung nur von Übertretern bestimmt würde, wäre ein Herrscher ohne Budget in der Lage, diese Aufgabe zu erfüllen. Dies kann jedoch nicht der Fall sein, da ein Herrscher ohne Budget nicht glaubwürdig mit der Anwendung von (kostspieligen) Sanktionen drohen kann. >Transaktionskosten/Dari-Mattiacci/De Geest. Bevölkerungseffekt/Wissen: Wenn der Herrscher die Bevölkerung kennt, müssen Belohnungen zur Verfügung stehen, um nur diejenigen zu belohnen, die sich tatsächlich daran halten, während Peitschen zur Verfügung stehen müssen, um alle potenziellen Übertreter zu bestrafen (nicht nur die tatsächlichen Übertreter). * Ein Zuckerbrot kann als eine Zahlung des Auftraggebers an den Makler definiert werden, die auf die Einhaltung des Maklers durch den Makler folgt. Ein Stick ist dann eine Zahlung des Agenten an den Auftraggeber bei Verstoß des Agenten. Während ein Zuckerbrot durch die Verwendung von Eintrittsgeldern manchmal in eine mathematisch identische Peitsche umgeschrieben werden kann, ist dies nicht der Fall, wenn die Durchsetzung probabilistisch ist. Siehe De Geest and Dari-Mattiacci (2013)(1). 1. De Geest, Gerrit and Giuseppe Dari-Mattiacci (2013). “The Rise of Carrots and the Decline of Sticks.” University of Chicago Law Review 80: 341–392. Giuseppe Dari-Mattiacci and Gerrit de Geest. “Carrots vs. Sticks”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Anteilseigner | Demsetz | Henderson I 25 Anteilseigner/Anreize/Demsetz/Henderson/Globerman: Die Anteilseigner sind die Inhaber der Eigentumsrechte, da sie die finanziellen Folgen der von den Managern getroffenen Entscheidungen tragen. Daher haben die Anteilseigner einen Anreiz, Manager einzustellen, die über das Fachwissen verfügen um das Unternehmen effizient zu führen. Henderson I 26 Problem: Den Anteilseignern entstehen jedoch relativ hohe Kosten für die Überwachung der Handlungen der Manager, die das Unternehmen leiten, insbesondere dann, wenn das für die Führung des Unternehmens erforderliche Wissen spezialisiert ist. Lösung: Eine Möglichkeit, die Notwendigkeit einer genauen Überwachung der Manager zu verringern, besteht darin, dass die Aktionäre einen Teil ihrer Eigentumsrechte an die Manager übertragen. Anreize/Demsetz: Demsetz (1983)(1) stellte fest, dass eine Möglichkeit, die Anreize für Manager mit den Interessen der Aktionäre in Einklang zu bringen, darin besteht, den Managern Aktienoptionen zu gewähren oder sie teilweise mit Aktien des Unternehmens zu bezahlen. Auf diese Weise werden die Manager stärker auf die Interessen der Aktionäre ausgerichtet. Langfristig/kurzfristig/VsDemsetz: Kritiker haben argumentiert, dass die Belohnung von Managern mit Ansprüchen auf Teileigentum an den von ihnen geleiteten Unternehmen durch Aktienoptionen Anreize für Manager schafft, Entscheidungen zu treffen, die die kurzfristigen Gewinne dieser Unternehmen auf Kosten der langfristigen Gewinne steigern, da letztere möglicherweise erst dann realisiert werden, wenn das derzeitige Management nicht mehr beschäftigt ist. Kurzfristig: Bei diesem Argument wird davon ausgegangen, dass die Aktienmärkte kurzfristige Gewinne überbewerten und langfristig erwartete Gewinne unterbewerten, eine Annahme, für die es kaum eine Rechtfertigung gibt. Diese Ansicht über die Ineffizienz der Aktienmärkte hat viele Politiker und Möchtegern-Befürworter einer „verbesserten“ Unternehmensführung dazu veranlasst, die Verwendung von Aktienoptionen als Mittel zur Entlohnung von Managern einzuschränken oder sogar abzuschaffen. DemsetzVsVs: (...) Demsetz entgegnete, dass Eigentümer einen Anreiz haben, einen effizienten Kompromiss zwischen einer aktiveren Überwachung von Managern, die für die Leitung der Unternehmen, die sie besitzen, eingestellt wurden, und einer engeren Bindung der Managementvergütung an die von den Aktionären bevorzugten Leistungsergebnisse zu schließen. Regulierung: Eine gesetzliche Begrenzung von Aktienoptionen oder anderen Formen der an die Unternehmensrentabilität gebundenen Managervergütung würde die Eigentümer dazu zwingen, mehr indirektes Management zu betreiben, was die Spezialisierung der Rollen zwischen Eigentümern und Managern einschränken würde. Das Ergebnis wären wahrscheinlich weniger effiziente und profitable Unternehmen und größere Schwierigkeiten bei der Beschaffung von Finanzkapital zur Finanzierung von Neugründungen und zur Unterstützung kleiner und mittlerer Unternehmen. >Langfristig/kurzfristig. 1. Demsetz, Harold (1983). The Structure of Ownership and the Theory of the Firm. Journal of Law & Economics 26, 2: 375-390. |
EconDems I Harold Demsetz Toward a theory of property rights 1967 Henderson I David R. Henderson Steven Globerman The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019 |
| Anthropisches Prinzip | Gould | IV 314 Anthropisches Prinzip/Gould: (Der Physiker Freeman Dyson übernahm diesen Begriff von einem Gegner): Dyson: "Ich fühle mich in diesem Universum nicht wie ein Fremder; ich finde mehr und mehr Hinweise darauf, dass das Universum irgendwie gewusst haben muss, dass wir kommen".(1) Einzige Beweise: sind einige Naturgesetze, die das Leben verhindert hätten, wenn die Anfangsbedingungen ein wenig anders gewesen wären. Bsp Dyson: "Nehmen wir an, die Abstände der Galaxien wären 10 mal geringer (als durchschnittlich 32 Billionen km).Dann wäre es sehr wahrscheinlich, dass in den 3,5 Milliarden Jahren mindestens ein Himmelkörper so nahe gekommen wäre, dass er die Erde aus der Umlaufbahn um die Sonne gelenkt hätte und alles Leben zerstört hätte."(2) Dyson: "Die besondere Harmonie zwischen der Struktur des Universums und den Bedürfnissen des Lebens und der Intelligenz ist eine Manifestation der Bedeutung des Geistes im Schema der Dinge".(3) IV 315 GouldVsAnthropisches Prinzip: Das Anthropische Prinzip ist ein schon mottenzerfressenes Argument. Ein zentraler Irrtum ergibt sich aus dem Wesen der Geschichte: Jedes komplexe historische Ereignis stellt eine Summierung von Unwahrscheinlichkeiten dar und wird selbst damit absolut unwahrscheinlich. Doch irgendetwas muss immer geschehen, selbst wenn ein bestimmtes "Etwas" uns durch seine Unwahrscheinlichkeit verblüfft. Wir könnten uns jedes Ereignis ansehen und sagen "Ist das nicht erstaunlich?" Bsp Nehmen wir an, das Universum bestünde aus wenig mehr als Diprotonen. Wäre das schlimm? Müssten wir folgern, dass irgendein Gott so aussah wie gekoppelte Wasserstoffkerne, bzw. sie liebte, oder dass überhaupt kein Gott oder Geist existierte? Wenn es aber einen Gott gibt, warum muss er einen Kosmos bevorzugen, das ausgerechnet ein Leben wie bei uns entstehen lässt? Warum sollten nicht Diprotonen Zeugen einer präexistenten Intelligenz sein, selbst wenn man keinen Chronisten fände? Muss alle Intelligenz einen unkontrollierbaren Drang besitzen, sich in einem Universum ihrer Wahl zu verkörpern? 1. F. Dyson,. (1979). Disturbing the universe. New York: Harper and Row. 2. F. Dyson, ibid. 3. F. Dyson, ibid. |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Anthropisches Prinzip | Kanitscheider | I 272 Anthropisches Prinzip/Brandon Carter/Kanitscheider: Die Protagonisten nehmen an, dass unser Universum nicht als einziges existiert, sondern das gesamte Ensemble von Universen parallel dazu, das den anderen Anfangsbedingungen entspricht. Intelligentes Leben erfordert einen langen Zeitraum für die Evolution. Hawking/Kanitscheider: "Die Antwort, warum das Universum isotrop ist, ist, weil wir hier sind". Kanitscheider: Das darf man nicht stärker ausdeuten als es gemeint ist. I 274 Def schwaches Anthropisches Prinzip/Kanitscheider: weil es in dieser Welt Beobachter gibt, muss das Universum durch Gesetze regiert sein und Anfangsbedingungen besitzen, welche die Existenz dieser Beobachter zulassen. (Unterscheidung Carter, 1974)(1) Die Art der Gegenstände, die wir als Menschen betrachten können, ist durch die Bedingungen beschränkt, die unsere Anwesenheit als intelligente Lebewesen ermöglichen. Bsp Es wird nie eine Situation auftreten, in der ein Beobachter in einer Welt eine für alle tödliche, nichtabschirmbare Strahlung konstatiert. Eine solche Welt gehört nicht zur Klasse der erkennbaren Universen. Damit wird dem Zusammenhang von Mensch und Kosmos nur der Rang einer logischen Vereinbarkeit zugewiesen, aber noch nicht behauptet, dass jede gedanklich vorgenommene kontrafaktische Variation der Gesetze das Entstehen intelligenten Lebens vereiteln würde. Die nomologische Kopplung ist hier nicht mit einer inneren materiellen Teleologie verbunden. Das Universum muss keinen Zielrichtungsmechanismus enthalten. Das schwache AP lässt durchaus nicht erkennbare Welten zu! Für Hawking/Collins wird die Unwahrscheinlichkeit neutralisiert durch das Bestehen der Paralleluniversen! I 275 Def starkes Anthropisches Prinzip/Kanitscheider: Eine Welt muss in ihren Gesetzen und Anfangsbedingungen (in ihren nomologischen und kontingenten Strukturen) so beschaffen sein, dass sie zu irgendeinem Zeitpunkt ihrer Lebensdauer einen Beobachter hervorbringt. Dieser Beobachter zu späterer Zeit liefert also die notwendige und hinreichende Bedingung, dass die Weltentstehung überhaupt eintreten konnte. (Zeitumkehr). (Wheeler pro!). Anthropisches Prinzip/Kanitscheider: Das ist letztlich eine Ausweichstrategie, weil stärkere Erklärungen fehlen. I 284 Anthropisches Prinzip/Kanitscheider: enthält eine echte faktische Aussage über eine nichttriviale nomologische Kopplung zwischen dem Menschen und seiner großräumigen Einbettung. Sie wäre rein logisch nicht erschließbar gewesen. Es hätte - rein logisch - sein können, dass eine beliebige Variation der kosmologischen Parameter nichts an der Existenz des Menschen geändert hätte. 1. Brandon Carter (1974). Large Number Coincidence amd the Anthropic Principle in Cosmology. In: M.S. Longair (Ed): Cosmological Theories in Confrontation with Cosmological Data. In: International Astronomical Union Symposium Nr. 63. Dordrecht. pp.291-298. |
Kanitsch I B. Kanitscheider Kosmologie Stuttgart 1991 Kanitsch II B. Kanitscheider Im Innern der Natur Darmstadt 1996 |
| Anti-Humanismus | Braidotti | Braidotti I 23 Anti-Humanismus/Braidotti: Der Anti-Humanismus wurde zum Schlachtruf dieser Generation radikaler Denker, die später als „post-strukturalistische Generation“ weltberühmt werden sollten. In Wirklichkeit waren sie Postkommunisten avant la lettre. Sie traten aus dem dialektischen Oppositionsdenken heraus und entwickelten einen dritten Weg, um mit den sich verändernden Auffassungen von menschlicher Subjektivität umzugehen. >Dialektik, >Subjektivität/Braidotti. Zu der Zeit, als Michel Foucault seine bahnbrechende Kritik des Humanismus in Die Ordnung der Dinge (1970)(1) veröffentlichte, kursierte in den radikalen Diskursen der Zeit die Frage, was, wenn überhaupt, die Idee des „Menschlichen“ sei, und hatte die antihumanistische Agenda für eine Reihe von politischen Gruppen festgelegt. >Michel Foucault, >Archäologie/Foucault. Der von Foucault angekündigte „Tod des Menschen“ formalisiert eine erkenntnistheoretische und moralische Krise, die über binäre Oppositionen hinausgeht und die verschiedenen Pole des politischen Spektrums überschneidet. Das Ziel ist der implizite Humanismus des Marxismus, genauer gesagt die humanistische Arroganz, die darin besteht, den Menschen weiterhin in den Mittelpunkt der Weltgeschichte zu stellen. >Marxismus. Selbst der Marxismus hat unter dem Deckmantel einer Meistertheorie des historischen Materialismus das Subjekt des europäischen Denkens weiterhin als einheitlich und hegemonial definiert und ihm (das Geschlecht ist kein Zufall) einen königlichen Platz als Motor der menschlichen Geschichte zugewiesen. Der Antihumanismus besteht darin, den menschlichen Akteur aus dieser universalistischen Haltung herauszulösen und ihn sozusagen für seine konkreten Handlungen zur Verantwortung zu ziehen. Sobald das ehemals dominante Subjekt von seinem Größenwahn befreit ist und nicht mehr vermeintlich für den historischen Fortschritt verantwortlich ist, entstehen andere und schärfere Machtverhältnisse. Die radikalen Denker der Generation nach 1968 lehnten den Humanismus sowohl in seiner klassischen als auch in seiner sozialistischen Version ab. Braidotti I 26 Mein Anti-Humanismus führt mich dazu, das einheitliche Subjekt des Humanismus, einschließlich seiner sozialistischen Variablen, abzulehnen und es durch ein komplexeres und relationales Subjekt zu ersetzen, das durch Verkörperung, Sexualität, Affektivität, Empathie und Begehren als zentrale Qualitäten gekennzeichnet ist. Ebenso zentral für diesen Ansatz ist die Einsicht, die ich von Foucault gelernt habe, dass Macht sowohl eine restriktive (potestas) als auch eine produktive (potentia) Kraft ist. Das bedeutet, dass Machtformationen nicht nur auf der materiellen Ebene funktionieren, sondern auch in theoretischen und kulturellen Repräsentationssystemen, politischen und normativen Erzählungen und sozialen Identifikationsmodi zum Ausdruck kommen. Diese sind weder kohärent noch rational, und ihre Behelfsmäßigkeit ist für ihre hegemoniale Kraft von entscheidender Bedeutung. >Natur, >Identifikation, >Identitätspolitik. 1. Foucault, Michel. 1970. The Order of Things: An Archaeology of Human Sciences. New York: Pantheon Books. |
Braidotti I Rosie Braidotti The Posthuman Cambridge, UK: Polity Press 2013 |
| Antidumping-Maßnahmen | Winters | Krugman I 217 Antidumpingpolitik/Winters: Es ist praktisch unmöglich zu beurteilen, ob die Unternehmen die Überwachung als Vorläufer von Antidumpingmaßnahmen betrachten, aber mehrere Faktoren deuten darauf hin, dass dies keine sehr plausible Sichtweise ist: die Häufigkeit, mit der Antidumpingmaßnahmen ohne vorherige Überwachung eingeführt werden, was darauf hindeutet, dass die Europäische Gemeinschaft nicht gezwungen ist, die Maßnahmen nacheinander einzuführen, die unterschiedlichen Rechtsgrundlagen der beiden Ansätze und die Tatsache, dass Antidumpingmaßnahmen eine detailliertere Informationserfassung erfordern als die Überwachung. (...) in nur einem der unten aufgeführten Fälle folgten Antidumpingmaßnahmen auf die Einführung von Überwachungsmaßnahmen, in drei Fällen gingen Antidumpingmaßnahmen der Überwachung voraus (um mehrere Jahre), und in einer Reihe von Fällen wurden Antidumpingmaßnahmen gegen eng verwandte, aber nicht identische Waren ergriffen, die von der Überwachung betroffen waren. All dies scheint auf eine weitgehende Unabhängigkeit zwischen den beiden Formen der Handelspolitik hinzudeuten. >Einfuhrkontrollen, >Handelspolitik, >Strategische Handelspolitik, >Internationaler Handel, >Zölle, >Optimalzölle, >Verkaufsverbote. Wenn die Überwachung als Vorbote unvermeidlicher mengenmäßiger Beschränkungen angesehen wird, wird kein Unternehmen einen Anreiz haben, seine Ausfuhren zu verringern, und die meisten werden sie sofort ausweiten wollen. Die Ausweitung kann lediglich eine intertemporale Verschiebung der Verkäufe widerspiegeln - ein Versuch, die Waren ins Land zu bringen, bevor die Tür geschlossen wird oder bevor Zölle erhoben werden. Sie kann aber auch eine strategische Dimension haben. Mengenmäßige Beschränkungen (QR)/freiwillige Ausfuhrbeschränkungen (VER): Die Renten, die durch mengenmäßige Beschränkungen (QR) - insbesondere freiwillige Ausfuhrbeschränkungen (VER) - entstehen, sind proportional zu den Verkäufen, und die Verkaufsquoten für einzelne Unternehmen sind in den meisten Fällen mit den Verkäufen der Vergangenheit verbunden. >Freiwillige Ausfuhrbeschränkungen (VER). So wird ein Unternehmen, das eine QR (Mengenbeschränkung) erwartet, davon ausgehen, dass es umso besser abschneidet, je höher seine Ausfuhren im Basisjahr sind. Darüber hinaus ist dies wahrscheinlich unabhängig davon, ob die Quotenzuteilung durch das importierende oder das exportierende Land erfolgt. Angesichts der Tatsache, dass der Großteil des neuen Protektionismus die Form von diskriminierenden QRs angenommen hat, scheint dieses Kräftemessen um die Position sehr wahrscheinlich zu sein. Yoffie (1983)(3) berichtet beispielsweise über ein solches Verhalten der taiwanesischen und koreanischen Exporteure von Schuhen in die Vereinigten Staaten im Jahr 1976: Der Schutz schien unvermeidlich zu sein, aber ein Hauptziel der Politik bestand darin, ihn lange genug hinauszuschieben, um ein Basisniveau aufzubauen, von dem aus verhandelt werden konnte. Yoffie erzählt die Geschichte mehr aus der Sicht der Handelsverbände und Regierungen als aus der Sicht einzelner Unternehmen, aber das Prinzip ist dasselbe. Unter diesen Umständen wird die Überwachung wahrscheinlich von boomenden Importmengen und einem stabilen oder sinkenden Import-Einheitswert aus den untersuchten Quellen begrüßt werden.* >Gefangenendilemma/Winters. * Nachdem ich diese Arbeit fast abgeschlossen habe, habe ich Hoekman und Leidy (1989)(4) und Anderson (1989)(5) gesehen, die einige der Ideen dieses Absatzes formalisieren. Die letztgenannte Arbeit, die mein Diskussionspartner zu bescheiden ist, um sie hier zu erwähnen, zeigt, dass, wenn die Wahrscheinlichkeit eines VER exogen ist, jeder Wirtschaftszweig versuchen wird, seine Exporte zu steigern, solange er die Möglichkeit dazu hat. Wenn die Wahrscheinlichkeit hingegen endogen ist und die Industrie nur unvollkommen wettbewerbsfähig ist, kann Selbstbeschränkung optimal sein. 1. Yoffie, D. 1983. Power and protectionism. New York: Columbia University Press. 2. Hoekman, B. M., and M. P. Leidy. 1989. Dealing with “market disruption”: Designing a system of emergency protection. Geneva: General Agreement on Tariffs and Trade. Mimeograph. 3. Anderson, J. E. 1989. Domino dumping, I: Competitive exporters. Worlung Paper no. 186, Department of Economics, Boston College. 4. Hoekman, B. M., and M. P. Leidy. 1989. Dealing with “market disruption”: Designing a system of emergency protection. Geneva: General Agreement on Tariffs and Trade. Mimeograph. 5. Anderson, J. E. 1989. Domino dumping, I: Competitive exporters. Worlung Paper no. 186, Department of Economics, Boston College. L. Alan Winters. „Import Surveillance as a Strategic Trade Policy.“ In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press. |
EconKrug I Paul Krugman Volkswirtschaftslehre Stuttgart 2017 EconKrug II Paul Krugman Robin Wells Microeconomics New York 2014 Krugman III Paul Krugman Alasdair Smith Empirical Studies of Strategic Trade Policy Chicago: The University of Chicago Press 1994 |
| Antirealismus | Logik-Texte | Read III 273 Antirealismus/Dummett/Read: Begreifen muss gezeigt werden. - Verstehen muss sich manifestieren. - Wahrheit ist nicht beweis-transzendent. VsTradition: Verstehen von kontrafaktischen Situationen kann nicht manifestiert, nicht mitgeteilt, folglich nicht erworben werden Read III 273 "Manifestationsherausforderung": welches Recht haben wir, Sprechern ein Verständnis von Ausdrücken zuzusprechen, das über das hinausgeht, was sie in ihrem sprachlichen Verhalten zeigen können? Das ist das dritte Argument des KonstruktivismusVsRealismus. >Zeigen, vgl. >Realismus. Frage: was als Manifestation zählen darf. >Konstruktivismus. Read III 274 Aus einer endlichen Menge von Postulaten kann man rekursiv eine potenziell unendliche Ausgabe erzeugen. Problem: wie kann das lernende Kind die Sprache verstehen, wenn es nicht auf diese tatsächliche Menge festgelegt ist, sondern nur auf Manifestationen? Chomskys Antwort: Es gibt vorprogrammierte Strukturen. Lücke zwischen Beweismaterial und Theorie: braucht freilich nicht auf diese Weise geschlossen zu werden. Anti-Realismus/Read: schließt sie dadurch, dass er bestreitet, dass die Theorie derartig über die Daten hinausgeht! Bedeutung kann nichts anderes sein, als Sprecher in ihrem Gebrauch manifestieren. Damit wird bestritten, 1. dass Bedeutung ein privates Element haben kann. |
Texte zur Logik Me I Albert Menne Folgerichtig Denken Darmstadt 1988 HH II Hoyningen-Huene Formale Logik, Stuttgart 1998 Re III Stephen Read Philosophie der Logik Hamburg 1997 Sal IV Wesley C. Salmon Logik Stuttgart 1983 Sai V R.M.Sainsbury Paradoxien Stuttgart 2001 Re III St. Read Philosophie der Logik Hamburg 1997 |
| Antirealismus | Putnam | VI 393 Antirealismus/AR/AntirealismusVsPhänomenalismus/DummettVsHusserl: Es gibt keine Basis von "harten Tatsachen" (DummettVsSinnesdaten). >Sinnesdaten, >Tatsache. Verstehen/Dummett: Einen Satz verstehen heißt zu wissen, was seine Verifikation wäre. >Verifikation. Pointe: Der Satz wird verifiziert, indem er ausgesprochen wird ((s) in den und den Umständen). Dennoch ist dies nicht unkorrigierbar; der Satz muss auch nicht bivalent sein. >Bivalenz, >Unkorrigierbarkeit. Weiche Tatsache/Putnam: Eine weiche Tatsache ist die Selbstbestätigung von Beobachtungssätzen. Pointe: Dabei wird der realistische Begriff von Wahrheit und Referenz gar nicht gebraucht. >Beobachtungssatz, >Referenz. Daher gibt es auch nicht das Problem der "richtigen" (intendierten) Referenz-Relation. Wenn wir Referenz à la Tarski einführen, wird aber "'Kuh' referiert auf Kühe" eine Tautologie. Vorteil: Dann brauchen wir für das Verstehen keinen metaphysischen Realismus. >Metaphysischer Realismus. Verifikationismus: Der Verifikationismus muss dann auch in der Metasprache angewendet werden. D.h. wir können keine harten Tatsachen (auch keine Sinnesdaten) verwenden. Sonst greift Wittgensteins Privatsprachen-Argument. >Metasprache, >Privatsprache. --- I (d) 124 Antirealismus/Dummett/Putnam: (wie Intuitionismus): Der Antirealismus verlangt, dass ein Verifikationsverfahren beherrscht wird. Problem: Wir können niemals sagen, worin die Kenntnis der Wahrheitsbedingungen (WB) besteht. >Satz von Löwenheim. Dies ist kein Problem für den Antirealismus, da er am Verfahren orientiert ist, das immer neu gefunden werden muss. Er muss nur von Modellen der Verifikation abschwören. Mit einer reichen Metasprache kann er Tarski-Definitionen einführen, die vom Modell unabhängig sind. Damit kann er dann wieder über Modelle reden. I (d) 125 Er kann sogar Referenz à la Tarski definieren. >Wahrheitsdefinition/Tarski. --- I (e) 150 Antirealismus/Wahrheit/Dummett: Über Tarskis interner (tautologischer) Äquivalenz brauchen wir einen "externen" Begriff der Wahrheit (oder Richtigkeit): gerechtfertigte Behauptbarkeit. Wir brauchen ihn nicht einfach durch Sachverhalte, sondern durch wahrgenommene und begriffene Sachverhalte. Es geht um Rechtfertigungsbedingungen, nicht um geist-externe Wahrheitsbedingungen. >Behauptbarkeit. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 |
| Antirealismus | Wright | I 15 Antirealismus/Dummett: Verstehen muss sich im Verhalten äußern: im Gebrauch von Sätzen. - Das führt zur Unterscheidung zwischen (vielleicht unerkannter) Wahrheit und Annehmbarkeit von Sätzen und zwischen dem was es jeweils bewirkt. Evidenztranszendenz/(s): Auch wenn Belege gegeben sind, kann die Wahrheit abweichen.) >Akzeptierbarkeit, >Behauptbarkeit, >Wahrheit. I 84 Semantischer Anti-Realismus/Dummett: Wenn die Bedeutung einer Aussage durch die Wahrheitsbedingungen festgelegt sein soll, dann kann Wahrheit nicht unsere Fähigkeiten übersteigen, sie zu erkennen. ((s) Anti-RealismusVsBehauptbarkeit/(s): (s) ist zirkulär wenn indexikalisch.) >Indexikalität. I 102f Anti-Realismus: These: Wahrheit ist global als Superassertibilität zu verstehen. >Superassertibilität. Def Superassertibilität/(s): Zukünftige Behauptbarkeit unter geeigneten Bedingungen. >Behauptbarkeit/Wright. |
WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Appraisal-Theorie | Reisenzein | Corr I 61 Appraisal-Theorie/Reisenzein/Weber: Eine Stärke der Appraisal-Theorie der Emotionen ist, dass sie leicht erklären kann, wie interindividuelle Unterschiede in den emotionalen Reaktionen auf dasselbe Ereignis auf psychologischer Ebene entstehen (Roseman und Smith 2001)(1). (....) diese Unterschiede in der Beurteilung wiederum sind auf interindividuelle Unterschiede in den kognitiven und motivationalen Strukturen (z.B. Gedächtnisschemata) zurückzuführen, die den Bewertungsprozessen zugrunde liegen. Zumindest einige dieser Strukturen sind ausreichend stabil, um als Bestandteile der Persönlichkeit angesehen zu werden. >Persönlichkeit, >Emotion, >Situationen. Dies sind insbesondere relativ stabile und allgemeine Wünsche und relativ stabile und allgemeine Überzeugungen über die Welt und das Selbst (Lazarus 1991(2); Pekrun 1988(3); Smith und Kirby 2001(4)). >Selbst, >Wünsche, >Überzeugungen. Aus informationsverarbeitender Sicht betreffen diese Persönlichkeitsdeterminanten der Beurteilung den Inhalt der kognitiven und motivationalen Strukturen, die der Beurteilung konkreter Ereignisse zugrunde liegen (Reisenzein 2001)(5). >Motivation, >Informationsverarbeitung. Die Informationsverarbeitungsperspektive deutet darauf hin, dass die Persönlichkeitsdeterminanten der Beurteilung zusätzlich interindividuelle Unterschiede in der chronischen Zugänglichkeit von bewertungsrelevanten kognitiven und motivationalen Strukturen (z.B. Gedächtnisschemata; zur Unterstützung siehe z.B. Higgins, Bond, Klein und Strauman 1986)(6) umfassen können. Außerdem finden sich Unterschiede in den Verfahren, die üblicherweise zur Verarbeitung bewertungsrelevanter Informationen verwendet werden (z.B. Cacioppo, Petty und Feinstein 1996)(7). Obwohl die Klärung der Persönlichkeitsdeterminanten von Beurteilungen und damit derjenigen von Emotionen bereits von Lazarus, Averill und Opton (1970)(8) zur Hauptaufgabe der Emotionspsychologie erklärt wurde, wurde diesem Thema bisher nur begrenzt systematische Forschung gewidmet. Fast alle diese Forschungen befassten sich mit den Auswirkungen stabiler, allgemeiner Wünsche und Überzeugungen auf emotionale Zustände. Corr I 62 Die Appraisal-Theorie postuliert, dass Emotionen entstehen, wenn ein Ereignis als motivkongruent oder motivinkongruent beurteilt wird, und dass die Intensität der resultierenden Emotionen von der Stärke des Motivs oder der subjektiven Bedeutung des Ziels (d.h. dem Inhalt des Begehrens) abhängt. VsAppraisal-Theorie: Motiv- und Zieltheoretiker gehen üblicherweise davon aus, dass die Ziele, die eine Person in einer bestimmten Situation hat, von grundlegenderen Zielen abgeleitet sind, für die die spezifischen Ziele als Mittel zum Zweck angesehen werden (z.B. Brunstein, Schultheiss und Grässmann 1998(9); Reiss 2000)(10). An der Spitze der Motivhierarchie stehen vermutlich eine Reihe von grundlegenden Wünschen, die die ultimativen Quellen menschlicher Motivation darstellen (z.B. Reiss 2000)(10). >Ziele. 1. Roseman, I. J. and Smith, C. A. 2001. Appraisal theory: overview, assumptions, varieties, controversies, in K. R. Scherer, A. Schorr, and T. Johnstone (eds.), Appraisal processes in emotion: theory, methods, research, pp. 3–19. Oxford University Press 2. Lazarus, R. S. 1991. Emotion and adaptation. New York: Oxford University Press 3. Pekrun, R. 1988. Emotion, Motivation und Persönlichkeit [Emotion, motivation and personality]. Munich: Psychologie Verlags Union 4. Smith, C. A. and Kirby, L. D. 2001. Toward delivering on the promise of appraisal theory, in K. R. Scherer A. Schorr, and T. Johnstone (eds.), Appraisal processes in emotion: theory, methods, research, pp. 121–38. New York: Oxford University Press 5. Reisenzein, R. 2001. Appraisal processes conceptualized from a schema-theoretic perspective: contributions to a process analysis of emotions, in K. R. Scherer, A. Schorr and T. Johnstone (eds.), Appraisal processes in emotion: theory, methods, research, pp. 187–201. Oxford University Press 6. Higgins, E. T. Bond, R. N., Klein, R. and Strauman, T. 1986. Self-discrepancies and emotional vulnerability: how magnitude, accessibility, and type of discrepancy influence affect, Journal of Personality and Social Psychology 51: 5–15 7. Cacioppo, J. T., Petty, R. E. and Feinstein, J. 1996. Dispositional differences in cognitive motivation: the life and times of individuals varying in need for cognition, Psychological Bulletin 119: 197–253 8. Lazarus, R. S., Averill, J. R. and Opton, E. M. Jr. 1970. Toward a cognitive theory of emotion, in M. B. Arnold (ed.), Feelings and emotions, pp. 207–32. New York: Academic Press 9. Brunstein, J. C., Schultheiss, O. C. and Grässmann, R. 1998. Personal goals and emotional well-being: the moderating role of motive dispositions, Journal of Personality and Social Psychology 75: 494–508 10. Reiss, S. 2000. Who am I: the 16 basic desires that motivate our actions and define our personality. New York: Tarcher Putnam Rainer Reisenzein & Hannelore Weber, “Personality and emotion”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press. |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Äquivalenz | Field | I 159 Äquivalenz/Platonismus/Nominalismus/Field: Frage: In welchem Sinn sind platonistische (Bsp "Richtung 1 = Richtung 2") und nominalistische Aussagen (c1 ist parallel zu c2) äquivalent? >Platonismus, >Nominalismus. Problem: Wenn es keine Richtungen gibt, kann das zweite keine Folge des ersten sein. Sie sind nur innerhalb einer Richtungstheorie äquivalent. >Definitionen/Frege, >Folgebeziehung. Lösung/Field: Man kann die Äquivalenzen als wichtig auffassen, auch wenn die Theorien falsch sind. Problem: Für die Wichtigkeit sollte man Wahrheit annehmen können. >Bedeutung. Lösung: Eine konservative Erweiterung (gilt nicht für die Ontologie) - das ist harmlos für Konsequenzen, die keine Richtungen erwähnen. >Konservativität/Field. I 228 Def kognitiv äquivalent/Field: Kognitiv äquivalent meint äquivalent durch Logik plus die Bedeutung von "wahr". >Wahrheit. Disquotational wahr/Deflationismus: Disquotational wahr heißt, dass die Sätze im Tarski-Schema kognitiv äquivalent sein sollen. ((s) plus "Bedeutung von wahr" hier: dasselbe Verständnis von wahr.) >Disquotationalismus/Field, >Deflationismus. II 16 Extensionale Äquivalenz/Field: Problem: Wenn wir extensionale Äquivalenz annehmen und von der Größe abstrahieren, gibt es unendlich viele Entitäten, auf die eine einfache Theorie wie die der chemischen Valenzen zutrifft: Bsp Die Zahl 3 trifft nicht nur auf Moleküle sondern auch auf größere Aggregate zu usw. >Referenzklassen. II 106 Kognitiv äquivalent/Deflationismus/Äußerung/Wahrheit/(s): Eine Äußerung u und die Behauptung, dass u wahr ist (wie der Sprecher sie versteht) sind kognitiv äquivalent. >Redundanztheorie/. Pointe: Die Behauptung, dass eine Äußerung wahr ist, hat eine existentielle Verpflichtung (ontologische Verpflichtung). Es muss etwas geben, was wahr ist. Während die Äußerung u selbst keine ontologische Verpflichtung mit sich bringt. >Ontologische Verpflichtung. Daher sind die beiden eben doch nicht vollständig kognitiv äquivalent. Relativ kognitiv äquivalent: hier: u und die Behauptung der Wahrheit von u sind kognitiv äquivalent relativ zur Existenz von u. II 106 Bsp "Thatcher ist so, dass sie selbst-identisch ist und Schnee ist weiß" ist kognitiv äquivalent zu "Schnee ist weiß" relativ zur Existenz von Thatcher - die Verifikationsbedingungen sind die gleichen. Pointe: Wir brauchen keine Wahrheitsbedingungen. >Verifikationsbedingungen, >Wahrheitsbedingungen. II 252 Materiale Äquivalenz/Field: Materiale Äquivalenz bedeutet, dass A > B äquivalent ist zu ~A v B. Problem: Die meisten glauben nicht den Schluss Bsp von "Clinton wird nicht im Amt sterben" auf "Wenn Clinton im Amt stirbt, wird Danny de Vito Präsident". - Daher scheint die Äquivalenz nicht zu bestehen. Lösung/Lewis: Die Wahrheitsbedingungen für indikativische Konditionale muss man radikal Index-abhängig machen, um die Oberflächenlogik (OL) zu erhalten. >Konditional. Lewis: These: Die Oberflächenlogik sollten wir nicht respektieren. Lewis: These: Bsp Clinton/Vito: ist trotz Absurdität wahrheitserhaltend. Lösung: Wahrscheinlichkeitsfunktion: P (Vito I Clinton). >Wahrscheinlichkeitsfunktion. II 253 Beim indikativischen Konditional wird immer die Prämisse vorausgesetzt. Adams: Intuitiv sind Schlüsse mit Konditionalen korrekt. >Konditional/Adams. Problem: Dann werden sie weniger über die Welt aussagen. >Empirie. |
Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Arbeit | Giddens | Gaus I 219 Arbeit/Wohlfahrtsstaat/Giddens/Moon: [die] Verpflichtung zur Arbeit ist keine oder nicht nur eine Forderung an das Individuum, der es sich vernünftigerweise widersetzen möchte, denn letztlich wurzelt sie in einem Ideal der sozialen Eingliederung und aktiven Bürgerschaft, durch das die eigenen Interessen und Bedürfnisse des Individuums verwirklicht werden können. Anthony Giddens spricht dieses Thema in seiner Forderung nach "der positiven Wohlfahrtsgesellschaft" an, in der "sich der Vertrag zwischen Individuum und Regierung verschiebt, da Autonomie und die Entwicklung des Selbst - das Medium der wachsenden individuellen Verantwortung - in den Mittelpunkt rücken" (1998(1): 128). >Wohlfahrtsstaat/Wohlfahrtsökonomik, >Arbeit/Wohlfahrtsökonomik, >Wohlfahrtsstaat/Politische Theorien. Giddens: Wenn der traditionelle "Wohlfahrtsstaat" durch den "Sozialinvestitionsstaat" ersetzt wird, würde die Aufgabe der Regierung darin bestehen, in "Humankapital" zu investieren und nicht in "die direkte Bereitstellung von wirtschaftlicher Erhaltung" (1998(1): 117). Obwohl er einräumt, dass Vollbeschäftigung möglicherweise nicht verwirklicht werden kann, fordert er eine Umverteilung der Arbeit, um möglichst viele Menschen einzubeziehen, und verschiedene Formen der Bezahlung für die Teilnahme an der "Sozialwirtschaft", der Sphäre der Zivilgesellschaft, die traditionell durch freiwillige Arbeit aufrechterhalten wird. >Arbeit/Wohlfahrtsökonomik. 1. Giddens, Anthony (1998) The Third way: The Renewal of Social Democracy. Cambridge: Polity. Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Arbeitslosigkeit | Friedman | Landsburg I 34 Arbeitslosigkeit/Erwartung/Friedman/Landsburg: Im Jahr 1958 stellte der Wirtschaftswissenschaftler William Phillips(1) einen auffälligen Zusammenhang fest: Zeiten mit hoher Inflation sind Zeiten mit niedriger Arbeitslosigkeit und umgekehrt. In den folgenden zehn Jahren blieb diese Korrelation bestehen. >Phillips-Kurve. Inflation: Die meisten Ökonomen zogen daraus die Lehre, dass die politischen Entscheidungsträger mit einem Kompromiss konfrontiert sind: Man kann weniger Arbeitslosigkeit haben, wenn man bereit ist, ein wenig mehr Inflation zu tolerieren (und sogar zu erzeugen). FriedmanVsPhillips: Milton Friedman, fast eine einsame Stimme in der Wildnis, war anderer Meinung. (...) Friedman war es vorbehalten, die Welt daran zu erinnern, dass Korrelation nicht dasselbe ist wie Kausalität. >Kausalität, >Korrelation. Beispiel: a) Nehmen wir an, Sie sind Schreiner und derzeit arbeitslos, weil Ihr bestes Jobangebot 500 Dollar pro Woche beträgt, und Sie denken, dass Sie lieber weiter nach etwas Besserem suchen sollten. Natürlich, wenn sich alle Preise und Löhne verdoppeln würden, würde man Ihnen $ 1.000 pro Woche anbieten, aber Sie würden es trotzdem nicht annehmen, weil der reale Wert Ihres Stellenangebots unverändert ist. b) Variante: Die Preise verdoppeln sich über Nacht, während Sie schlafen. Am nächsten Morgen werden Sie von einem Anruf eines Arbeitgebers geweckt, der Ihnen 1.000 Dollar pro Woche anbietet. Sie sind begeistert, denn Sie wissen noch nicht, dass alle Preise gestiegen sind. Sie nehmen die Stelle an. Nach ein paar Tagen gehen Sie in den Supermarkt, stellen fest, dass die 1.000 Dollar von dieser Woche nicht mehr reichen als die 500 Dollar von letzter Woche, und reichen Ihre Kündigung ein. >Inflation. (...) es ist nicht allzu schwer, sich eine realistische Version vorzustellen, in der die Preise steigen, die Arbeitnehmer sich der Veränderungen nicht voll bewusst sind und die Lohnangebote besser aussehen, als sie tatsächlich sind, was einige Leute dazu verleitet, Jobs anzunehmen, die sie eigentlich nicht wollen, zumindest bis sie herausfinden, dass sie getäuscht wurden. Arbeitgeber: Auf der Seite des Arbeitgebers gilt das Gleiche: Sie sind ein Fahrradhersteller, der Fahrräder für 200 Dollar pro Stück verkauft. Wenn sich alle Preise und Löhne verdoppeln, machen Sie weiter wie bisher und verkaufen die Räder für 400 Dollar pro Stück. Es sei denn, die Verdoppelung findet statt, während Sie schlafen, und Sie werden am nächsten Morgen von der Nachricht geweckt, dass sich der Fahrradpreis verdoppelt hat, was Sie zu der Annahme veranlasst, dass die Nachfrage nach Fahrrädern wie Pilze aus dem Boden geschossen sein muss, was Sie wiederum dazu veranlasst, Ihr Werk zu erweitern und mehr Metallarbeiter einzustellen, zumindest für eine Weile. Irgendwann werden Sie natürlich feststellen, dass Ihre Werkserweiterung unklug war und Sie die zusätzlichen Arbeiter vielleicht nicht mehr lange brauchen werden. (...) die Moral ist folgende: Erwartungshaltung: Erwartete Änderungen der Inflation haben keine Auswirkungen auf die Beschäftigung. Unerwartete Veränderung: Ein unerwarteter Anstieg der Inflation kann zu einem vorübergehenden Anstieg der Beschäftigung führen - aber nicht zu einem dauerhaften. Landsburg I 35 Korrelationen: Wenn es eine Reihe von unerwarteten Inflationsanstiegen gibt, könnten Ökonomen (...) feststellen, dass diese Anstiege mit der Beschäftigung korreliert sind, aber sie könnten übersehen, dass die Korrelation nur so lange besteht, wie die Inflation weiterhin unerwartet ist. Inflation: Ein politischer Entscheidungsträger, der die Inflation dennoch zum Abbau der Arbeitslosigkeit nutzen will, muss eine Inflation erzeugen, die höher ist als erwartet. Dies ist nur schwer auf Dauer zu erreichen. Erwartete Preise: Wenn die Preise im Januar, Februar und März um jeweils 10 % steigen, werden die Menschen erwarten, dass sie auch im April um 10 % steigen. Wenn ich also die Arbeitslosigkeit niedrig halten will, muss ich vielleicht eine Inflationsrate von 12 Prozent im April und dann 14 Prozent im Mai erreichen, was dazu führt, dass die Menschen im Juni eine Rate von 16 Prozent erwarten. Jetzt muss ich im Juni unerwartet eine Inflationsrate von 18 Prozent erreichen(…). Täuschung: Auch die vorübergehende Verringerung der Arbeitslosigkeit durch unerwartete Inflation ist nicht gut. Ich tue Ihnen keinen Gefallen, wenn ich die Arbeitslosigkeit reduziere, indem ich Sie dazu bringe, einen Job anzunehmen, den Sie ohne die Täuschung nicht gewollt hätten. >Phillips-Kurve. FriedmanVsPhillips/FriedmanvsPhillips-Kurve: Auf der Grundlage einer Geschichte wie dieser machte Friedman seine berühmte Vorhersage, dass jeder Versuch, die Phillips-Korrelation auszunutzen, indem man die Inflation über einen längeren Zeitraum hoch hält, mit Sicherheit scheitern würde - im Gegensatz zu dem, was so ziemlich jeder andere zu dieser Zeit glaubte.* Als sich die 1970er Jahre entwickelten und sowohl die Inflation als auch die Arbeitslosigkeit stiegen, erwies sich Friedmans Vorhersage als spektakulär zutreffend (...). Landsburg I 40 Natürliche Arbeitslosenquote/Friedman: Friedman stellte die Hypothese auf, dass es eine natürliche Arbeitslosenquote gibt, die sich aus der Tatsache ergibt, dass wir in einer sich verändernden und unsicheren Welt leben, in der es immer einige Menschen geben wird, die es vorziehen, vorübergehend arbeitslos zu sein, um einen besseren Arbeitsplatz zu suchen, wieder zur Schule zu gehen oder familiäre Notfälle zu bewältigen. Jeder Versuch, die Arbeitslosigkeit mit Hilfe der Inflation unter diese natürliche Rate zu drücken, ist zum Scheitern verurteilt, zumindest auf lange Sicht, und tut wahrscheinlich niemandem einen Gefallen, auch nicht während des kurzen Zeitraums, in dem er erfolgreich zu sein scheint.** Diese Hypothese der natürlichen (Arbeitslosen-) Quote ist heute eine der zentralen Lehren der Makroökonomie. *Eine bemerkenswerte Ausnahme war Edmund Phelps, ein weiterer angehender Nobelpreisträger, der der zur gleichen Zeit ein sehr ähnliches Narrativ wie Friedman aufstellte.(2) ** Die natürliche Rate kann sich ändern, und das wird sie auch, wenn jemand einen besseren Weg findet, Arbeitskräfte und Arbeitsplätze zusammenzubringen oder wenn Ausbildungsprogramme effektiver werden. Friedman will damit sagen, dass man die natürliche Arbeitslosenquote nicht durch Veränderung der Geldmenge ändern kann. >Geldmenge/Friedman. 1. Phillips, William. 1958. The Relation Between Unemployment and the Rate of Change of Money Wage Rates in the United Kingdom, 1861-1957. Economica, Nov. 1958. 2. Phelps, Edmund. (1967). Phillips Curves, Expectations of Infl ation and Optimal Unemployment over Time. Economica 1967. |
Econ Fried I Milton Friedman The role of monetary policy 1968 Landsburg I Steven E. Landsburg The Essential Milton Friedman Vancouver: Fraser Institute 2019 |
| Arbeitslosigkeit | Keynesianismus | Rothbard III 583 Löhne/Arbeitslosigkeit/Keynesianismus/Rothbard: RothbardVsKeynesianismus: (...) die gesamte moderne und keynesianische Betonung der Beschäftigung muss neu bewertet werden. Denn das große fehlende Glied in ihrer Diskussion über die Arbeitslosigkeit ist genau die Lohnquote. Von Arbeitslosigkeit oder Beschäftigung zu sprechen, ohne sich auf die Lohnquote zu beziehen, ist genauso sinnlos, wie von „Angebot“ oder „Nachfrage“ zu sprechen, ohne sich auf einen Preis zu beziehen. Und es ist genau analog. Die Nachfrage nach einer Ware macht nur in Bezug auf einen bestimmten Preis Sinn. Auf einem Markt für Waren ist es offensichtlich, dass jeder Bestand, der als Angebot angeboten wird, zu einem Preis, der durch die Nachfrage der Verbraucher bestimmt wird, „geräumt“, d.h. verkauft wird. Keine Ware muss unverkauft bleiben, wenn der Verkäufer sie verkaufen will; er braucht nur den Preis ausreichend zu senken, im Extremfall sogar unter Null, wenn keine Nachfrage nach der Ware besteht und er sie loswerden will. Die Situation ist hier genau die gleiche. Hier haben wir es mit Arbeitsleistungen zu tun. Jedes Angebot an Arbeitsleistungen, das auf den Markt gebracht wird, kann verkauft werden, aber nur, wenn die Löhne so hoch angesetzt werden, dass der Markt frei wird. >Freier Markt/Rothbard. Das Problem ist also nicht die Beschäftigung, sondern die Beschäftigung zu einem Lohn, der über dem Existenzminimum liegt. >Arbeitslosigkeit/Rothbard. Rothbard III 778 Arbeitslosigkeit/freier Markt/Keynesianismus/Rothbard: KeynesianismusVsFreier Markt: Daher sind die aufwendigen Versuche der Keynesianer zu zeigen, dass die Ausgaben auf dem freien Markt begrenzt werden - dass der Konsum durch die „Funktion“ und die Investitionen durch die Stagnation der Möglichkeiten und die „Liquiditätspräferenz“ begrenzt werden - sinnlos. Denn selbst wenn sie richtig wären (was sie nicht sind), wäre das Ergebnis sinnlos. Es ist nichts falsch am Horten oder Enthorten oder an „niedrigen“ oder „hohen“ Niveaus (was immer das auch bedeuten mag) des sozialen Geldeinkommens. >Hortung/Rothbard, >Konsumfunktion. Beschäftigung/Arbeitslosigkeit: Der Versuch der Keynesianer, ihrer Doktrin einen Sinn zu geben, beruht auf einem Punkt und nur auf einem Punkt - dem zweiten Hauptpfeiler ihres Systems. Es handelt sich um die These, dass das Geld-Sozialeinkommen und das Beschäftigungsniveau korreliert sind und dass letzteres eine Funktion des ersteren ist. Dabei wird davon ausgegangen, dass es ein bestimmtes „Vollbeschäftigungs“-Niveau des Sozialeinkommens gibt, unterhalb dessen es entsprechend mehr Arbeitslosigkeit gibt. Rothbard III 780 Der Kern der keynesianischen Kritik an der freien Marktwirtschaft (...) beruht auf der unfreiwilligen Arbeitslosigkeit, die angeblich durch ein zu niedriges Niveau von Sozialausgaben und Einkommen verursacht wird. Problem: Aber wie kann das sein, da wir zuvor erklärt haben, dass es in einer freien Marktwirtschaft keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit geben kann? >Freier Markt/Rothbard, >Arbeitslosigkeit/Rothbard.. Lösung: Das keynesianische „Unterbeschäftigungsgleichgewicht“ tritt nur ein, wenn die Geldlohnsätze starr nach unten gerichtet sind, d.h. wenn die Angebotskurve der Arbeit unterhalb der „Vollbeschäftigung“ unendlich elastisch ist.(1) >Elastizität. Nehmen wir also an, es kommt zu einer „Hortung“ (einer erhöhten Nachfrage nach Geld), und das Sozialeinkommen sinkt. Die Folge ist ein Absinken der Geldnachfragekurven für den Faktor Arbeit sowie aller anderen Geldnachfragekurven. >Hortung/Rothbard. Wir würden erwarten, dass die allgemeine Angebotskurve der Arbeitsfaktoren vertikal verläuft. Da sich nur die Geldlohnsätze ändern, während die Reallohnsätze (in Bezug auf die Kaufkraft) gleich bleiben, wird es keine Verschiebung der Arbeits-/Freizeitpräferenzen geben, und der Gesamtbestand an auf dem Markt angebotenen Arbeitskräften wird konstant bleiben. Auf jeden Fall wird es keine unfreiwillige Arbeitslosigkeit geben. >Kaufkraft/Rothbard. Wie kann dann der keynesianische Fall eintreten? Wie kann das Arbeitsangebot bei dem alten Geldlohnsatz horizontal bleiben? Auf nur zwei Arten: (1) wenn die Menschen freiwillig den Gewerkschaften zustimmen, die darauf bestehen, dass niemand zu einem niedrigeren als dem alten Geldlohnsatz beschäftigt wird. Da die Verkaufspreise fallen, ist die Beibehaltung des alten Geldlohnsatzes gleichbedeutend mit der Forderung nach einem höheren Reallohnsatz. Wir haben oben gesehen, dass die Erhöhung der Reallohnsätze durch die Gewerkschaften zu Arbeitslosigkeit führt. >Gewerkschaften/Rothbard. Diese Arbeitslosigkeit ist jedoch freiwillig, da die Arbeitnehmer der Einführung eines höheren Mindestreallohns zustimmen, unter dem sie die Gewerkschaft nicht unterbieten und eine Beschäftigung annehmen werden. Oder (2) die Gewerkschaften oder die Regierung setzen den Mindestlohnsatz zwangsweise durch. Dies ist jedoch ein Beispiel für einen eingeschränkten Markt, nicht für den freien Markt, auf den wir unsere Analyse hier beschränken. >Freier Markt/Rothbard, >Mindestlohn/Rothbard, >Geldillusion/Keynes. 1. Siehe dazu den aufschlussreichen Artikel von Franco Modigliani, „Liquidity Preference and the Theory of Interest and Money“ in Hazlitt, Critics of Keynesian Economics, S. 156-69. Siehe auch die Artikel von Erik Lindahl, „On Keynes' Economic System - Part I“, The Economic Record, Mai 1954, S. 19-32; November 1954, S. 159-71; und Wassily W. Leontief, „Postulates: Keynes' General Theory and the Classicists“ in S. Harris, Hrsg., The New Economics (New York: Knopf, 1952), S. 232-42. Für eine empirische Kritik an der angenommenen keynesianischen Entsprechung zwischen Gesamtproduktion und Beschäftigung siehe George W. Wilson, „The Relationship between Output and Employment“, Review of Economics and Statistics, Februar 1960, S. 37-43. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Arbeitslosigkeit | Wirtschaftstheorien | Landsburg I 34 Arbeitslosigkeit/Wirtschaftstheorien/Landsburg: Im Jahr 1958 stellte der Wirtschaftswissenschaftler William Phillips(1) einen auffälligen Zusammenhang fest: Zeiten mit hoher Inflation sind Zeiten mit niedriger Arbeitslosigkeit und umgekehrt. In den folgenden zehn Jahren blieb diese Korrelation bestehen. >Phillips-Kurve. Inflation: Die meisten Ökonomen zogen daraus die Lehre, dass die politischen Entscheidungsträger mit einem Kompromiss konfrontiert sind: Man kann weniger Arbeitslosigkeit haben, wenn man bereit ist, ein wenig mehr Inflation zu tolerieren (und sogar zu erzeugen). FriedmanVsPhillips: Milton Friedman, fast eine einsame Stimme in der Wildnis, war anderer Meinung. (...) Friedman war es vorbehalten, die Welt daran zu erinnern, dass Korrelation nicht dasselbe ist wie Kausalität. >Kausalität, >Korrelation. Beispiel: a) Nehmen wir an, Sie sind Schreiner und derzeit arbeitslos, weil Ihr bestes Jobangebot 500 Dollar pro Woche beträgt, und Sie denken, dass Sie lieber weiter nach etwas Besserem suchen sollten. Natürlich, wenn sich alle Preise und Löhne verdoppeln würden, würde man Ihnen $ 1.000 pro Woche anbieten, aber Sie würden es trotzdem nicht annehmen, weil der reale Wert Ihres Stellenangebots unverändert ist. b) Variante: Die Preise verdoppeln sich über Nacht, während Sie schlafen. Am nächsten Morgen werden Sie von einem Anruf eines Arbeitgebers geweckt, der Ihnen 1.000 Dollar pro Woche anbietet. Sie sind begeistert, denn Sie wissen noch nicht, dass alle Preise gestiegen sind. Sie nehmen die Stelle an. Nach ein paar Tagen gehen Sie in den Supermarkt, stellen fest, dass die 1.000 Dollar von dieser Woche nicht mehr reichen als die 500 Dollar von letzter Woche, und reichen Ihre Kündigung ein. >Inflation. (...) es ist nicht allzu schwer, sich eine realistische Version vorzustellen, in der die Preise steigen, die Arbeitnehmer sich der Veränderungen nicht voll bewusst sind und die Lohnangebote besser aussehen, als sie tatsächlich sind, was einige Leute dazu verleitet, Jobs anzunehmen, die sie eigentlich nicht wollen, zumindest bis sie herausfinden, dass sie getäuscht wurden. Landsburg I 40 Erwartung/Arbeitslosigkeit/Wirtschaftstheorien/Landsburg: Eine wichtige Lektion, die sich Ökonomen und Politiker zu Herzen genommen haben, ist, dass es keinen Sinn macht, beispielsweise zu fragen: „Was wird mit der Beschäftigung passieren, wenn wir die Geldmenge dieses Jahr um 5 Prozent erhöhen?“ Die Antwort könnte alles Mögliche sein, je nachdem, was die Menschen erwarten. >Arbeitslosigkeit/Friedman. Wenn die Preise um 5 Prozent steigen, während die Menschen mit 10 Prozent rechnen, sind sie oft überrascht, wie niedrig ihre Lohnangebote sind, und viele von ihnen lehnen daraufhin eine Stelle ab. Wenn die Preise um 5 Prozent steigen wenn die Menschen mit 2 Prozent rechnen, kann es zu einem Beschäftigungsboom kommen. Die richtige Schlussfolgerung ist vielmehr, dass eine kohärente Geldpolitik eine langfristige Politik sein muss - eine Politik, die berücksichtigt, wie sich die Veränderungen eines jeden Jahres auf die Erwartungen der folgenden Jahre auswirken. Darüber hinaus ist es höchst wünschenswert, dass die Behörden die Erwartungen steuern, indem sie sich klar zu politischen Regeln bekennen und einen Ruf für Transparenz entwickeln. Natürliche Arbeitslosenquote/Friedman: Friedman stellte die Hypothese auf, dass es eine natürliche Arbeitslosenquote gibt, die sich aus der Tatsache ergibt, dass wir in einer sich wandelnden und unsicheren Welt leben, in der es immer einige Menschen geben wird, die es vorziehen, vorübergehend arbeitslos zu sein, um einen besseren Arbeitsplatz zu suchen, wieder zur Schule zu gehen oder familiäre Notfälle zu bewältigen. Jeder Versuch, die Arbeitslosigkeit durch Inflation unter diese natürliche Rate zu drücken, ist zum Scheitern verurteilt, zumindest auf lange Sicht, und tut wahrscheinlich niemandem einen Gefallen, auch nicht während des kurzen Zeitraums, in dem er erfolgreich zu sein scheint.* Diese Hypothese der natürlichen Quote ist heute eine der zentralen Lehren der Makroökonomie. Regierungspolitik/Steuern: Die Auswirkungen der Hypothese des natürlichen Zinssatzes gehen weit über die Geldtheorie hinaus. 1976 verabschiedete der US-Kongress das Humphrey-Hawkins-Gesetz zur Vollbeschäftigung, das die Regierung ermächtigte, so viele Arbeitsplätze zu schaffen, wie nötig waren, um die Arbeitslosenquote unter 3 % zu halten. Probleme: Das Problem dabei ist, dass die Regierung, um Leute einzustellen, diese auch bezahlen muss. Um sie bezahlen zu können, muss Sie entweder die Steuern erhöhen oder die Kreditaufnahme steigern. So oder so gibt es weniger Einkommen in privaten Händen. Auf die eine oder andere Weise muss die private Beschäftigung sinken. >Arbeitslosigkeit/Regierungspolitik. * Die natürliche (Arbeitslosen-) Quote kann sich ändern, und das wird sie auch, wenn jemand einen besseren Weg findet, Arbeitnehmer und Arbeitsplätze zusammenzubringen oder wenn Ausbildungsprogramme effektiver werden. Friedman will damit sagen, dass man die natürliche Arbeitslosenquote nicht durch Veränderung der Geldmenge ändern kann. >Geldmenge/Friedman. 1. Phillips, William. 1958. The Relation Between Unemployment and the Rate of Change of Money Wage Rates in the United Kingdom, 1861-1957. Economica, Nov. 1958. |
Landsburg I Steven E. Landsburg The Essential Milton Friedman Vancouver: Fraser Institute 2019 |
| Arbeitsmarkt | Alchian | Henderson I 61 Arbeitsmarkt/Alchian/Henderson/Globerman: Alchian (1969)(1) entwickelte (...) eine Diskussion über die Arbeitslosigkeit. Die Existenz arbeitsloser Arbeitskräfte, so argumentierte er, ist nicht unbedingt ein Versagen der Privatwirtschaft. Information: Alchian hob die Bedeutung der Kosten für die Beschaffung und Verbreitung von Informationen hervor. >Unvollständige Information. Arbeitsmarkt: Auf den Arbeitsmärkten ist es für Arbeitssuchende kostspielig, sich über ihre besten Chancen zu informieren. Rechtzeitige Informationen über die Bezahlung, die Arbeitsbedingungen und die Dauer der verfügbaren Arbeitsplätze sind nicht billig, so Alchian. Sie müssen gesucht werden, und die Suche kostet Zeit und Mühe. Ein Arbeitnehmer steht oft vor der Wahl zwischen einer Vollzeitbeschäftigung, während er in seiner Freizeit nach einem Job sucht, und einer Kündigung, um Vollzeit zu suchen. In vielen Fällen ist der Versuch, Informationen über den Arbeitsmarkt zu sammeln, langwieriger, wenn man vollzeitbeschäftigt bleibt. Dies gilt insbesondere, wenn der Lohn gekürzt wird, etwa weil der Arbeitgeber wirtschaftliche Probleme hat. Ein geringerer Lohn bedeutet, dass die Opportunitätskosten einer Vollzeitarbeitssuche geringer sind. Unvollkommene Information: Ganz allgemein argumentierte Alchian, dass scheinbar ungenutze Vermögenswerte wie leerstehende Wohnungen oder unverkaufte Autos auf Gebrauchtwagenplätzen nicht auf ein Versagen der Märkte hindeuten. >Marktversagen, >Märkte, >Information. Kosten: Ungenutzte Vermögenswerte können Teil des Inventars eines Verkäufers sein, was wiederum die Informationskosten für potenzielle Käufer reduziert. Eine Alternative zur Vorratshaltung besteht darin, die Preise minütlich zu ändern, um sicherzustellen, dass z. B. Vermieter zu keinem Zeitpunkt Wohnungen haben, die nicht vermietet sind. Henderson I 62 Wären potenzielle Mieter dadurch besser dran? Nicht unbedingt. Mietinteressenten müssten nicht nur nach Informationen über die Verfügbarkeit von Mietwohnungen suchen, sondern sich auch ständig über Veränderungen der Angebots- und Nachfragebedingungen auf den Mietwohnungsmärkten, an denen sie interessiert sind, informieren, um zu versuchen, die Mietpreise vorherzusagen. Für die meisten Mietinteressenten wären die Kosten für eine umfassende Information als Immobilienspezialist unerschwinglich, was zur Folge hätte, dass Vermieter weniger Mietinteressenten hätten. Das Vorhalten von Lagerbeständen, die keine direkten Einnahmen generieren, stellt für die Verkäufer Kosten dar, die letztendlich mit denjenigen geteilt werden, die die Gegenstände im Lagerbestand mieten oder kaufen. Die Kunden könnten es jedoch durchaus vorziehen, einen höheren Miet- oder Kaufpreis zu zahlen, um weniger in die erforderlichen Informationen und Fachkenntnisse über die Marktbedingungen zu investieren. Wenn dies der Fall ist, können arbeitslose Vermögenswerte durchaus auf Markterfolg und nicht auf Marktversagen hindeuten. >Marktversagen, >Märkte, >Arbeitslosigkeit. Henderson: Die UCLA-Schule argumentiert nicht, dass private Märkte vollkommen effizient sind. Vielmehr argumentiert sie, dass es unangemessen ist, die Leistung privater Märkte an einem unerreichbaren Standard der Perfektion zu messen. Die öffentliche Politik sollte sich an realistischen Alternativen orientieren. 1. Alchian, Armen (1969). Information Costs, Pricing and Unemployment. Western Economic Journal 7: 109-128. |
Alchian I Armen A. Alchian William R. Allen Exchange and Production: Competition, Coordination and Control Belmont, CA: Wadsworth 1977 Henderson I David R. Henderson Steven Globerman The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019 |
| Arbeitsteilung | Durkheim | Habermas IV 173 Arbeitsteilung/Durkheim/Habermas: Durkheim gebraucht den Begriff der Arbeitsteilung im Sinne einer strukturellen Differenzierung gesellschaftlicher Systeme. Die funktionale Differenzierung von Berufsgruppen hat auch für Durkheim exemplarische Bedeutung. Er neigt aber dazu, die Komplexität einer Gesellschaft Habermas IV 174 an demographischen Indikatoren zu messen. Gesellschaftliche Arbeitsteilung/Durkheim: a) segmentär, b) funktional differenzierte Gesellschaften. Analogie: Bsp Biologische Organismen. Daraus leitet Durkheim ein biologisches Modell für funktional differenzierte Gesellschaften, die er „organisch“ nennt. Verschiedene Organe spielen spezielle Rollen. Der Staat wird von Durkheim dabei als das zentrale Organ identifiziert. (1) Habermas IV 175 Indem Durkheim das biologische Modell zugrundlegt, muss er nicht mehr Normen als Bedingungen für die Ausbildung dieser Strukturen annehmen. Das nennt Luhmann „normfreie Sozialität“. (2) Gesellschaft/Durkheim: These: für archaische Gesellschaften ist das Kollektivbewusstsein konstitutiv, für moderne Gesellschaften hingegen die Arbeitsteilung. (3) Durkheim/Habermas: während primitive Gesellschaften über ein normatives Grundeinverständnis integriert sind, vollzieht sich die Integration in entwickelten Gesellschaften über den systemischen Zusammenhang funktional spezifizierter Handlungsbereiche. Siehe Arbeitsteilung/Spencer. Habermas IV 178 Arbeitsteilung/Durkheim: Durkheim These: die industriekapitalistischen Gesellschaften treiben auf eine Anomie zu. Diese Anomie führt Durkheim auf dieselben Differenzierungsprozesse zurück, aus denen doch eine neue Moral „naturgesetztlich“ entstehen sollte. Durkheims Beispiel für anomische Arbeitsteilung ist die „Feindschaft zwischen Arbeit und Kapital“ (4) HabermasVsDurkheim: seine Analysen sind zirkulär: einerseits behauptet er, dass die moralischen Regeln, die organische Solidarität ermöglichen, „im normalen Zustand von selbst aus der Arbeitsteilung fließen“. (5) Andererseits erklärt der den dysfunktionalen Charakter bestimmter Formen der Arbeitsteilung mit dem Fehlen solcher normativer Regelungen. (6) Habermas IV 179 Lösung/Habermas: wir müssen zwischen System (aus der Beobachterperspektive) und Lebenswelt (aus Sicht der sozialen Gruppe) unterscheiden. Gesellschaften sollten wir anschließen gleichzeitig als System und Lebenswelt konzipieren. 1. E. Durkheim, De la division du travail social, Paris 1930, German Frankfurt 1977, S. 222f. 2. N. Luhmann, Einleitung zu Durkheim (1977). 3. Durkheim (1977) S. 266 4. Ebenda S. 396 5. Ebenda S. 408 6. Ebenda S. 410 |
Durkheim I E. Durkheim Die Regeln der soziologischen Methode Frankfurt/M. 1984 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Arbeitsteilung | Smith | Otteson I 29 Arbeitsteilung/Adam Smith/Otteson: Nachdem er die Beweise, die er sammeln konnte, untersucht hatte, kam Smith zu dem Schluss, dass der wichtigste Faktor, der erklärt, warum der Reichtum an einigen Orten zunimmt, die Arbeitsteilung ist. Was ist mit natürlichen Ressourcen? Was ist mit der Infrastruktur? Was ist mit der Bildung? Was ist mit der Technologie? Smith hatte diese Möglichkeiten in Betracht gezogen, aber er entdeckte, dass sie nicht für die von ihm beobachteten Wohlstandsunterschiede verantwortlich waren. >Geografische Faktoren/Adam Smith, >Wohlstand/Adam Smith. Otteson I 30 Smith behauptet, dass die Aufteilung der Arbeit, die zur Erfüllung einer Aufgabe erforderlich ist, eine weitaus größere Produktion ermöglicht. Nehmen wir Smiths berühmt gewordenes Beispiel der Herstellung von Stecknadeln. Smith sagt, dass ein Nadelmacher, wenn er ein Meister darin ist, an einem Tag nicht mehr als zwanzig komplette Nadeln herstellen kann. Eine Werkstatt mit zehn solchen Stecknadelmachern könnte also 200 Stecknadeln pro Tag herstellen, wenn jeder von ihnen eine Stecknadel von Anfang bis Ende anfertigt. Wenn jedoch die verschiedenen Aufgaben bei der Herstellung von Anstecknadeln aufgeteilt werden und verschiedene Personen sich auf einzelne Aufgaben spezialisieren. „Ein Mann zieht den Draht, ein anderer richtet ihn, ein dritter schneidet ihn, ein vierter spitzt ihn zu, ein fünfter schleift ihn an der Spitze zur Aufnahme des Kopfes“ (WN: 15), und so weiter - die Gesamtproduktion von Stecknadeln steigt dramatisch an. Smith argumentiert, dass die Aufteilung der Arbeit zu einer Spezialisierung führt. Die Spezialisierung wiederum führt aufgrund von drei Faktoren zu einem Anstieg der Produktionsmenge: Erstens, „die Zunahme der Geschicklichkeit jedes einzelnen Arbeiters“; zweitens „die Ersparnis der Zeit, die gewöhnlich beim Übergang von einer Art von Arbeit zur anderen verloren geht“, und, drittens „die Erfindung einer großen Anzahl von Maschinen, die die Arbeit erleichtern und verkürzen und einen Mann befähigen, die Arbeit von vielen zu tun“ (WN(1): 17). Diese drei Faktoren, und insbesondere der letzte - die Innovation - führen, so Smith, zu einer „großen Steigerung der Quantität“ der Produktion. In der Tat behauptet Smith, dass dieselbe Stecknadelmanufaktur mit zehn Mitarbeitern, wenn sie die Arbeit aufteilt und eine Spezialisierung zulässt, mehr als 48.000 Anstecknadeln pro Tag herstellen, was 4.800 Anstecknadeln pro Person entspricht. Das ist eine Produktionssteigerung von 23.900 %! Otteson I 31 Otteson: Hier sind die Schritte in Smiths Geschichte des Wohlstands: Schritt Eins: Die Arbeit wird geteilt. Schritt Zwei: Die Produktion steigt. Schritt Drei: Die steigende Produktion führt zu sinkenden Preisen. Schritt Vier: Sinkende Preise führen zu einem steigenden Lebensstandard. Adam Smith: „Es ist die große Vermehrung der Produktion aller verschiedenen Künste als Folge der Arbeitsteilung, die in einer gut geführten Gesellschaft zu jenem allgemeinen Wohlstand führt, der sich bis in die untersten Schichten des Volkes erstreckt. Jeder Arbeiter hat eine große Menge seiner eigenen Arbeit zu veräußern, die über das hinausgeht, wozu er selbst Gelegenheit hat; und jeder andere Arbeiter, der sich genau in der gleichen Lage befindet, ist in der Lage, eine große Menge seiner eigenen Waren gegen eine große Menge, oder, was auf dasselbe hinausläuft, gegen den Preis einer großen Menge der ihren einzutauschen. Er versorgt sie reichlich mit dem, wozu sie Gelegenheit haben, und sie versorgen ihn ebenso reichlich mit dem, wozu er Gelegenheit hat, und ein allgemeiner Überfluß breitet sich in allen Schichten der Gesellschaft aus.“ (WN(1): 22) >Spezialisierung. Otteson: (1) Erstens hebt er die umfassende Zusammenarbeit und gegenseitige Abhängigkeit hervor, die auf Märkten entsteht: Wir alle werden voneinander abhängig, um das zu liefern, was wir „brauchen“. Für Smith ist dies ein Grund zum Feiern. Es ist weitaus besser, andere - auch Menschen aus anderen Ländern, die andere Sprachen sprechen, andere Religionen praktizieren, anderen Ethnien angehören usw. - als Chance für gegenseitigen Nutzen zu sehen, als Feinde, die man fürchten muss. >Kulturelle Überlieferung. (2) Zweitens spricht Smith von „allgemeinem Reichtum“, „allgemeinem Überfluss“ und vom gemeinsamen „Arbeiter“. All dies unterstreicht Smiths Hauptanliegen, nämlich die Geringsten unter uns. Er ist daran interessiert zu verstehen,wie die Armen ihr Vermögen vermehren können. (3) Drittens und letztens: Beachten Sie Smiths Einschränkung „in einer gut regierten Gesellschaft“. Was macht eine „gut regierte Gesellschaft“ aus? >Gemeinschaft/Adam Smith, >Herrschaft/Adam Smith, >Regierungspolitik. 1. Smith, Adam. (1776) The Wealth of Nations. London: W. Strahan and T. Cadell. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Arbeitszeit | Robinson | Harcourt I 20 Arbeitszeit/Kapital/Messung/Robinson/Harcourt: (...) es ist unmöglich, sich eine Menge „Kapital im Allgemeinen“ vorzustellen, deren Wert unabhängig von den Zinssätzen (oder ersatzweise von den Profiten, wenn man die gegenwärtigen Annahmen zugrunde legt) und den Löhnen ist. Eine solche Unabhängigkeit ist jedoch notwendig, wenn wir eine Iso-Produkt-Kurve konstruieren wollen, die die verschiedenen Mengen an „Kapital“ und Arbeit zeigt, die ein bestimmtes Niveau des nationalen Outputs produzieren, oder, wie es in der Theorie des Wirtschaftswachstums üblicher ist, wenn wir eine eindeutige Beziehung zwischen dem nationalen Output pro beschäftigter Person und dem „Kapital“ pro beschäftigter Person für ein beliebiges Niveau des gesamten nationalen Outputs konstruieren wollen. Harcourt I 21 Lösung/Robinson: Die Antwort von Joan Robinson war, das Kapital in Form von Arbeitszeit zu messen. Produktivität: Ausrüstungen mit bekannten Produktionskapazitäten (wenn sie mit einer bestimmten Menge an Arbeitskräften kombiniert werden) sollten in Form der für ihre Herstellung erforderlichen Arbeitszeit bewertet werden, die über ihre Reifezeit mit verschiedenen vorgegebenen Zinssätzen aufgezinst wird. Profitraten: Dieselben Ausrüstungsgegenstände würden also bei unterschiedlichen Profitraten unterschiedliche Werte haben, und verschiedene Ausrüstungsgegenstände würden bei demselben Zinssatz unterschiedliche Werte haben. Gleichgewicht: Welcher Ausrüstungssatz in einer gegebenen Gleichgewichtssituation tatsächlich zum Einsatz kommt, lässt sich ermitteln, indem man den Lohnsatz als gegeben annimmt und den höchsten Profitsatz und damit den Ausrüstungssatz (oder die Ausrüstungssätze) findet, der mit diesem Lohnsatz vereinbar ist. Objektivität: Die Wettbewerbskräfte werden im Übrigen dafür sorgen, dass diese Ausrüstungen gewählt werden und dass der damit verbundene Gewinnsatz auch tatsächlich gezahlt wird. Harcourt: Aus mehreren Gründen hat dieses Maß einen intuitiven Reiz als Maß des Kapitals in seiner Rolle als Produktivkraft in der kapitalistischen Gesellschaft. Harcourt I 22 Robinson: „Wenn wir uns überlegen, welchen Zuwachs an Produktionsmitteln eine bestimmte Menge an Akkumulation bringt, müssen wir das Kapital in Arbeitseinheiten messen, denn der Zuwachs an Produktionsmitteln, der durch die Hinzufügung eines zusätzlichen Kapitals erreicht wird, hängt davon ab, wie viel Arbeit bei seiner Herstellung geleistet [und wie viel Zeit dafür aufgewendet] wird, und nicht von den Kosten einer Arbeitsstunde in Bezug auf das Endprodukt. Letzteres ist der „Spar“- oder „Konsumverzichts“-Aspekt der Akkumulationsentscheidung, bei der die laufende Produktion kontinuierlich zurückgestellt wird, um die Löhne der Arbeitskräfte im Investitionsgütergewerbe zu bezahlen (...).Im Investitionsgütergewerbe selbst wird die Arbeit natürlich schon jetzt 'in einer Weise eingesetzt, die in der Zukunft ihre Früchte tragen wird.“ (Robinson [1953-4](1), S. 82.) Harcourt: Die Kopplung der indirekt für die Produktion des Endprodukts eingesetzten Arbeitsmengen mit dem Zinssatz während der Reifezeit erhöht die privaten Kosten, die den Unternehmern in einer wettbewerbsfähigen kapitalistischen Gesellschaft durch den Einsatz von Arbeit im Investitionsgüterhandel entstehen, um eine Größenordnung, die den Einfluss des grundlegenden Mechanismus in kapitalistischen Volkswirtschaften genau widerspiegelt (...). >Gleichgewicht/Robinson. 1. Robinson, Joan (1953-4). 'The Production Function and the Theory of Capital', Review of Economic Studies, xxi, pp. 81-106. |
EconRobin I James A. Robinson James A. Acemoglu Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 Robinson I Jan Robinson An Essay on Marxian Economics London 1947 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Archäologie | Foucault | II 193ff Ideengeschichte/Foucault: Man kann jetzt (nach der Untersuchung des Diskurses) das Vorgehen umkehren. Man kann talwärts schreiten. >Diskurs/Foucault. Die allgemeine Theorie ist skizziert, jetzt können wir zu den möglichen Anwendungsgebieten gelangen. Es geht darum, sich von ihr zu trennen. Stattdessen: Archäologie. FoucaultVsIdeengeschichte: unbestimmtes Objekt, schlecht gezogene Grenzen, Geschichte der Nebenpositionen. Eher die Geschichte der Alchimie als der Chemie. Analyse der Meinungen mehr als des Wissens, der Irrtümer mehr als der Wahrheit, nicht der Gedankenformen, sondern der Mentalitätstypen. Auch Analyse des stummen Entstehens, der entfernten Entsprechungen, der Permanenzen. Archäologie/Foucault: der Versuch, eine ganz andere Geschichte zu schreiben: vier Unterschiede: 1. Hinsichtlich der Bestimmung der Neuheit 2. Der Analyse der Widersprüche 3. Der komparativen Beschreibungen 4. Des Auffindens der Transformationen. Archäologie: 1.versucht nicht, die Gedanken, Vorstellungen, Bilder, Themen zu definieren die sich in den Diskursen verbergen oder manifestieren. Sondern jene Diskurse selbst! Diskurs nicht als Zeichen für etwas anderes sondern als Monument. Keine interpretative Disziplin, sie sucht nicht einen »anderen Diskurs«. Sie ist nicht »allegorisch«! 2. Die Archäologie sucht nicht den kontinuierlichen Übergang aufzufinden. 3. Sie ist nicht nach der souveränen Gestalt des Werkes geordnet. Die Instanz des schöpferischen Subjekts als Prinzip seiner Einheit ist ihr fremd. 4. Sie sucht nicht nach der Wiederherstellung dessen, was die Menschen gedacht, gewollt, verspürt, gewünscht haben können. Sie sucht nicht jenen flüchtigen Kern. Archäologie: erstellt den Stammbaum eines Diskurses. Bsp den der Naturgeschichte: 1. Als leitende Aussagen wird sie diejenigen Aussagen setzen, die die Definition der beobachtbaren Strukturen und des Feldes mögliche Gegenstände betreffen. 2. Diejenigen, die die Formen der Beschreibung vorschreiben. 3. Diejenigen die die allgemeinsten Charakterisierungsmöglichkeiten erscheinen lassen, und damit ein ganzes Gebiet von Begriffen eröffnen. 4. Diejenigen, die, indem sie eine strategische Wahl konstituieren, einer sehr großen Zahl späterer Optionen Raum lassen. Das ist keine Deduktion von Axiomen her. Auch keine allgemeine Idee oder ein philosophischer Kern. |
Foucault I M. Foucault Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften Frankfurt/M. 1994 Foucault II Michel Foucault Archäologie des Wissens Frankfurt/M. 1981 |
| Arendt | Dagger | Gaus I 173 Arendt/Dagger: [für Pocock war eine] Inspirationsquelle die politische Theoretikerin Hannah Arendt: "In Begriffen, die der Sprache Hannah Arendts entlehnt oder von ihr suggeriert werden, hat [Der machiavellistische Moment] einen Teil der Geschichte der Wiederbelebung des antiken Ideals des homo politicus (des zöon politikon des Aristoteles) im frühneuzeitlichen Westen erzählt, der sein Sein und seine Tugend durch das Medium der politischen Aktion bekräftigt" (1975(1): 550). >Republikanismus/Pocock. Dagger: Es wäre unklug zu sagen, dass eine so vielgestaltige Denkerin wie Arendt zuerst, zuletzt und vor allem eine Republikanerin war, aber es gibt in ihren Schriften sicherlich einen starken Hauch von Republikanismus (Canovan, 1992(2), insbesondere Kap. 6). Dieser Zug zeigt sich am deutlichsten in ihrer immer wiederkehrenden Sorge um das, was ich als die Eckpfeiler des Republikanismus bezeichnet habe - Öffentlichkeit und Selbstverwaltung. Einigen Kommentatoren scheint diese Sorge kaum mehr als eine unangebrachte Nostalgie für die alte Polis zu sein (z.B. O'Sullivan, 1975(3)). Modernismus/Arendt: Aber Arendts Klage zielt nicht so sehr darauf ab, dass das bürgerliche Leben in modernen Demokratien seit irgendeinem goldenen Zeitalter dramatisch zurückgegangen ist, sondern dass es das Versprechen der republikanischen Staatsbürgerschaft nicht eingelöst hat. Technologie/Arendt: Die Technologie hat uns die Last der Arbeit abgenommen und uns befreit, als Bürger im öffentlichen Bereich zu handeln, argumentierte sie in "Vita activa oder Vom tätigen Leben (1958)(4)", doch wir haben das öffentliche Leben zugunsten des privaten Konsums aufgegeben. Regierung/Arendt: Wir wollen, dass die Regierung für das Wohlergehen der Bürger sorgt, erklärte sie in "Über die Revolution", aber wir "leugnen die bloße Existenz von öffentlichem Glück und öffentlicher Freiheit", da wir "darauf bestehen, dass Politik eine Last ist" (1965(5): 273). >H. Arendt. 1. Pocock, J. G. A. (1975) The Machiavellian Moment: Florentine Political Thought and the Atlantic Republican Tradition. Princeton, NJ: Princeton University Press. 2. Caney, Simon (1992) 'Liberalism and communitarianism: a misconceived debate'. Political Studies, 40 (June): 273-89. 3. O'Sullivan, Noel (1975) 'Hannah Arendt: Hellenic nostalgia and industrial society'. In A. de Crespigny and K. Minogue, eds, Contemporary Political Philosophers. New York: Dodd, Mead. 4. Arendt, Hannah (1958) The Human Condition. Chicago: University of Chicago Press. 5. Arendt, Hannah (1965) On revolution New York: Viking. Dagger, Richard 2004. „Communitarianism and Republicanism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Argumentation | Bohman | Gaus I 161 Argumentation/Diskurstheorien/Bohman: Ist Argumentieren wirklich ein formaler Diskursmodus? Wenn Diskurs von Kommunikationshandlungen als zweitrangige und reflexive Aktivität unterschieden werden soll, dann ist Argumentieren in einem allgemeinen Sinn der Modus der kritischen Selbstreflexion, des Explizierens von Behauptungen und Begründungen. Wenn ferner Äußerungen Gültigkeitsansprüche erheben und diese Ansprüche durch Gründe untermauert werden, dann ist Argumentieren genau der Prozess, durch den die Ansprüche der Sprecher getestet und explizit gemacht werden (Habermas, 1984(1): 42). Doch selbst hier bleibt eine irreduzible empirische Vielfalt von Argumentationstypen bestehen, von den strengen Argumenten, die im Kontext wissenschaftlicher Disziplinen oder im regulierten Kontext eines Gerichts mit Beweisregeln vorgebracht werden, bis hin zu Argumenten, die versuchen, "jeden" zu überzeugen. Anstatt nur formal zu sein, kann Argumentation rhetorisch als ein Weg zur Beilegung von Konflikten über Gründe und Annahmen gesehen werden, die die Praxis beeinflussen, wenn auch weniger als in der von einigen Kritikern der deliberativen Demokratie favorisierten Konzeption der Überzeugungsarbeit durch Reden (Remer, 1999)(2). Im Gegensatz zu sowohl formalen als auch rhetorischen Modellen versteht eine solche Darstellung Argumente dialogisch, d.h. als die Angabe von Gründen und die Beantwortung von Einwänden, die von Mitbürgern vorgebracht werden. Statt als Mittel zur Erzielung einer schlüssigen Einigung wird die Argumentation besser als ein kontinuierliches Mittel zur Konfliktlösung gesehen, das nur dann erfolgreich ist, wenn jede Perspektive berücksichtigt und jeder Einwand gehört wird. (Crosswhite, 1996(3): 102ff). >Argumentation/Crosswhite. 1. Habermas, Jürgen (1984) The Theory of Communicative Action, Bd. I. Boston: Beacon. 2. Remer, Gary (1999) 'Political oratory and conversation: Cicero versus deliberative democracy'. Political Theory, 27: 39-64. 3. Crosswhite, James (1996) The Rhetoric of Reason. Madison, WI: University of Wisconsin Press. Bohman, James 2004. „Discourse Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Argumentation | Crosswhite | Gaus I 161 Argumentation/Rhetorik/Crosswhite/Bohman: These von Crosswhite: Statt als Mittel zur Erzielung einer schlüssigen Übereinkunft wird die Argumentation besser als ein kontinuierliches Mittel zur Konfliktlösung gesehen, das nur dann erfolgreich ist, wenn jede Perspektive berücksichtigt und jeder Einwand gehört wird (Crosswhite, 1996(3): 102ff). Vgl. >Argumentation/Bohman, >Diskurstheorie/Bohmann. Argumente/Crosswhite: Während einige Begründungen durch institutionalisierte, strenge Anforderungen, wie z.B. vor einem Gericht, geleitet werden können, sind Begründungen besser als diskursive Antworten auf die Anfechtung von Ansprüchen zu verstehen: "Ein Anspruch ist kein Argument; ein Anspruch mit einer Begründung schon" (Crosswhite, 1996(1): 79). Begründungen und Argumentationen können nicht nur in einer eher dialogischen Weise gesehen werden, sondern auch im spezifischen Kontext von Meinungsverschiedenheiten und Konflikten und deren Lösung. Die Argumentation macht den Konflikt explizit und gegenseitig, indem sie einen Austausch von Herausforderungen und Gründen zwischen Kläger und Beklagtem herstellt (1996(1): 102ff). Bohman: Aus dieser Sicht gibt es bei allen "öffentlichen" Gründen Besonderheiten; wenn alle Beteiligten Herausforderungen erheben dürfen, muss diese Reaktionsfähigkeit auf ein unbestimmtes Publikum ausgerichtet sein und ist auch bei anhaltenden Meinungsverschiedenheiten noch möglich. Bohman: In der Tat ist Uneinigkeit genau das, was demokratische Deliberation nicht nur notwendig, sondern auch fruchtbar und produktiv macht, wenn sie durch die Vielfalt der Perspektiven getestet wird, die für ein vielfältiges und pluralistisches Publikum typisch ist. Ein argumentativer Diskurs muss nicht Einstimmigkeit voraussetzen oder einen Konsens suchen, sondern stellt Konflikte in einen gegenseitig konstruierten Raum von Gründen. >Konsens/Deliberative Demokratie. 1. Crosswhite, James (1996) The Rhetoric of Reason. Madison, WI: University of Wisconsin Press. Bohman, James 2004. „Discourse Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Argumentation | Habermas | III 38 Argumentation/Habermas: Argumentation nennen wir den Typus von Rede, in dem die Teilnehmer strittige Geltungsansprüche thematisieren und versuchen, diese mit Argumenten einzulösen oder zu kritisieren Ein Argument enthält Gründe, die in systematischer Weise mit dem Geltungsanspruch einer problematischen Äußerung verknüpft sind. Die „Stärke“ eines Arguments bemisst sich, in einem gegebenen Kontext, an der Triftigkeit der Gründe; diese zeigt sich unter anderem daran, ob ein Argument die Teilnehmer eines Diskurses überzeugen, d.h. zur Annahme des jeweiligen Geltungsanspruchs motivieren kann. >Stärker/schwächer, >Stärke von Theorien, >Rechtfertigung, >Gründe, >Persuasion. Rationalität: kann vor diesem Hintergrund danach beurteilt werden, wie ein Subjekt sich als Argumentationsteilnehmer verhält. Rationale Äußerungen sind aufgrund ihrer Kritisierbarkeit auch verbesserungsfähig. >Rationalität. III 45 Die Logik der Argumentation bezieht sich nicht, wie die formale, auf Folgerungszusammenhänge zwischen semantische Einheiten (Sätzen) sondern auf interne, auch nicht-deduktive Beziehungen zwischen pragmatischen Einheiten (Sprechhandlungen), aus denen sich Argumente zusammensetzen. III 47 Drei Aspekte: 1. Ähnelt Argumentation einer Kommunikation unter idealen Bedingungen, die eine als ideale Sprechsituation zu charakterisierende Situation darstellt. >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas. Hier sind allgemeine Symmetriebedingungen zu rekonstruieren, die jeder kompetente Sprecher als hinreichend erfüllt voraussetzen muss. III 48 2. Als Prozedur handelt es sich um eine speziell geregelte Form der Interaktion der Arbeitsteilung zwischen Proponent und Opponent. Hier wird ein Geltungsanspruch thematisiert in einer von Handlungs- und Erfahrungsdruck entlasteten Situation, in der Ansprüche mit Gründen und nur mit Gründen geprüft werden. Vgl. >Dialogische Logik. 3. Ist Argumentation darauf angelegt, triftige Argumente zu produzieren. Def Argument/Habermas: Argumente sind diejenigen Mittel, mit deren Hilfe die intersubjektive Anerkennung für den zunächst hypothetisch erhobenen Geltungsanspruch eines Proponenten herbeigeführt und damit Meinung in Wissen transformiert werden kann. >Argument/Toulmin, >Intersubjektivität. III 55 HabermasVsKlein, Wolfgang (1): Klein will die Logik der Argumentation als eine nomologische Theorie aufziehen und muss deshalb Regeln an kausale Gesetzmäßigkeiten und Gründe an Ursachen assimilieren. III 56 HabermasVs: Wir müssen dagegen mit Toulmin eine Pluralität von Geltungsansprüchen zulassen, ohne gleichzeitig den kritischen, raumzeitliche und soziale Beschränkungen transzendierenden Sinn von Gültigkeit zu dementieren. >St. Toulmin. III 57 Wir können die Stärke von Argumenten nicht beurteilen (…) wenn wir nicht den Sinn des jeweiligen Unternehmens verstehen.(2) III 339 Argumentation/Grund/Begründung/Habermas: Argumente oder Gründe haben mindestens diese gemeinsam, dass sie, und nur sie, unter den kommunikativen Voraussetzungen einer kooperativen Prüfung hypothetischer Geltungsansprüche die Kraft rationaler Motivation entfalten können. Allerdings in jeweils typischen Formen der Argumentation (je nach Geltungsanspruch der propositionalen Wahrheit, der normativen Richtigkeit, der Wahrhaftigkeit und Authentizität). >Wahrhaftigkeit. 1. W. Klein, Argumentation und Argument in. Z. f. Litwiss. u. Ling. H, 38/39, 1980, p. 49f. 2. St. Toulmin, R. Rieke, A. Janik, An Introduction to Reasoning, N.Y. 1979, p.15. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Argumentation | Minsky | I 190 Argumente/Stärke von Theorien/ Künstliche Intelligenz/Minsky: Wenn Menschen uneins sind, sagen wir oft, dass die Position der einen Seite stärker erscheint als die der anderen. Aber was hat Stärke mit Argumentation zu tun? In der Logik sind Argumente einfach entweder richtig oder falsch, da es nicht den geringsten Spielraum für graduelle Fragen gibt. Aber im wirklichen Leben sind nur wenige Argumente jemals absolut sicher, so dass wir einfach lernen müssen, wie verschiedene Formen der Argumentation wahrscheinlich schief gehen können. Dann können wir verschiedene Methoden anwenden, um unsere Argumentationsketten schwieriger zu durchbrechen. a) [stärker]: Parallelität: Eine Methode besteht darin, mehrere verschiedene Argumente zum Beweis desselben Punktes zu verwenden - sie parallel zu setzen. Dann, obwohl keiner dieser Tricks vollkommen sicher ist, kann die Kombination nur dann fehlschlagen, wenn [alle] Dinge gleichzeitig schief gehen. b) [schwächer]: Kette: Alle diese Teile bilden eine (...) Kette, die nicht stärker ist als ihr schwächstes Glied. I 191 Hier sind zwei verschiedene Strategien für die Entscheidung, ob eine Gruppe von Gründen als stärker als eine andere angesehen werden sollte. 1. Bei der ersten Strategie wird versucht, gegensätzliche Argumente in Bezug auf die Größenordnung zu vergleichen, und zwar in Analogie dazu, wie zwei physikalische Kräfte zusammenwirken: Stärke aus Größe: Wenn zwei Kräfte zusammenarbeiten, addieren sie sich und bilden eine einzige größere Kraft. Wenn sich zwei Kräfte jedoch direkt gegenüberstehen, subtrahieren sich ihre Stärken. 2. Unsere zweite Strategie besteht einfach darin, zu zählen, wie viele verschiedene Gründe Sie für die Wahl der einzelnen Alternativen finden können: Stärke durch Vielfalt: Je mehr Gründe wir für eine bestimmte Entscheidung finden können, desto mehr Vertrauen können wir in sie haben. Denn wenn sich einige dieser Gründe als falsch herausstellen, können immer noch andere Gründe bestehen bleiben. Stärke: Unabhängig davon, welche Strategie wir anwenden, neigen wir dazu, von dem siegreichen Argument als dem stärkeren zu sprechen. Aber warum verwenden wir dasselbe Wort stark für zwei so unterschiedliche Strategien? Weil wir beide für den gleichen Zweck verwenden: die Wahrscheinlichkeit eines Scheiterns zu verringern. >Stärke von Theorien, >Stärker/schwächer, >Gründe, >Begründung, >Rechtfertigung, >Letztbegründung. Was macht uns so anfällig dafür, unsere Argumentation im Hinblick auf widerstreitende Gegner zu formulieren? Vgl. >Dialogische Logik. Unsere Argumentation muss zum Teil kulturell bedingt sein, zum Teil könnte sie aber auch auf Vererbung beruhen. >Kultur, >Kulturelle Überlieferung. |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Arithmetik | Thiel | I 225 Arithmetik/Lorenzen/Thiel: Die Arithmetik ist die Theorie in der das Unendliche in seiner einfachsten Form auftritt, sie ist im Wesentlichen nichts anderes als die Theorie des Unendlichen selbst. Die Arithmetik als Theorie der Zeichenmenge (z.B. Strichliste) ist in dem Sinne universell, als in ihr die Eigenschaften und Relationen jeder anderen unendlichen Zeichenmenge stets auf irgendeine Weise "abgebildet" werden können. Die Komplexität der Materie hat dazu geführt, dass ein Großteil der Sekundärliteratur zu Gödel auf Metaphern wie "Spiegelung" "Selbstrückbezüglichkeit" usw. eine Menge Unsinn in die Welt gesetzt hat. >Selbstbezüglichkeit, vgl. >Regis Debray. I 224 Der logisch arithmetische Vollformalismus wird mit F bezeichnet. Er enthält u.a. induktive Definitionen der Zählzeichen, der Variablen für sie, die Regeln der Quantorenlogik und die als Regeln geschriebenen Dedekind-Peanoschen Axiome.> >Formalisierung, >Formalismus. I 226 Die Ableitbarkeit oder Unableitbarkeit einer Formel bedeutet nichts anderes, als Existenz bzw. Nichtexistenz einer Beweisfigur oder eines Stammbaums mit A als Endformel. Deshalb entsprechen auch die metamathematischen Aussagen "ableitbar", bzw. "unableitbar" jeweils umkehrbar eindeutig einer sie charakterisierenden Grundzahl. > Unvollständigkeitssatz/Gödel. Terminologie/Schreibweise: S ableitbar, $ nicht ableitbar. "$ Ax(x)" ist nun zweifellos eine korrekt definierte Aussageform, da die Abzählung bei An(n) eindeutig bestimmt ist. Entweder gilt $An(n) oder nicht. >Ableitung, >Ableitbarkeit. Thiel I 304 Die jahrhundertealte Dominanz der Geometrie hat Nachwirkungen im Sprachgebrauch. Bsp "quadratische", "kubische" Gleichungen usw. Arithmetik/Thiel: Die Arithmetik ist heute zur Zahlentheorie geworden, ihr praktischer Teil zum "Rechnen" degradiert, Wahrscheinlichkeitsrechnung ist hinzugekommen. >Wahrscheinlichkeit, >Wahrscheinlichkeitsgesetze. I 305 In der Vektor- und Tensorrechnung erscheinen Geometrie und Algebra wiedervereinigt. Eine neue Disziplin namens "Invariantentheorie" kommt auf, floriert und verschwindet völlig, um wiederum später abermals wiederaufzuerstehen. >Invarianz. I 306 Funktionenanalysis: taugt wegen des sehr hohen Niveaus der begrifflichen Abstraktion sicher nicht zur Fundamentaldisziplin. I 307 Bourbaki stellt den klassischen "Disziplinen" die "modernen Strukturen" gegenüber. Die Theorie der Primzahlen ist der Theorie der algebraischen Kurven eng benachbart. Die Euklidische Geometrie grenzt an die Theorie der Integralgleichungen. Das Ordnungsprinzip wird eins der Hierarchie der Strukturen sein, die von einfachen zum Komplizierten und von Allgemeinen zum Besonderen geht. >Strukturen. |
T I Chr. Thiel Philosophie und Mathematik Darmstadt 1995 |
| Arrow-Theorem | Weale | Gaus I 243 Arrow-Theorem/Weale/D'Agostino: Ich [Fred D'Agostino] sagte, dass man das Arrow-Theorem als ein Gleichnis betrachten könnte; dass es etwas, anschaulich, für den Liberalismus über die Auswirkungen der Vielfalt (und damit des Pluralismus) andeuten könnte. ((s) Für eine Darstellung der Probleme in Bezug auf das Arrow'sche Theorem siehe >Arrow-Theorem/D'Agostino). Was zeigt es tatsächlich in diesem Sinne? Weale: Albert Weale (1992)(1) liefert eine hilfreiche Analyse, deren Fazit auch für spezifisch liberale Modalitäten der kollektiven Beratung gilt. Er stellt insbesondere fest, dass die Bedingungen, die Arrow den formalistischen Verfahren für die kollektive Wahl auferlegt, so zu verstehen sind, dass sie zwei unterschiedliche Anforderungen haben - "der Kohärenz und Gaus I 244 Repräsentativität", die, wie er sagt, "in Konflikt geraten". Er fährt fort: "Kohärenz erfordert von den Entscheidungsträgern, dass sie ihre eigene Meinung zu allen in Betracht gezogenen Dingen kennen, aber die Repräsentativität drängt auf die Einbeziehung von Überlegungen, die es unmöglich machen, die eigene Meinung zu kennen" (1992: 213). a) Repräsentativität setzt mit anderen Worten voraus, dass jeder Ansatz zur kollektiven Entscheidungsfindung angemessene Vorkehrungen für eine vernünftige vorhergehende Vielfalt von Präferenzen oder Urteilen trifft. b) Kohärenz hingegen setzt voraus, dass ein solcher Ansatz angemessene Vorkehrungen für die Ermittlung kollektiv verbindlicher sozialer Vereinbarungen trifft. Arrow/Weale: Was das Arrow-Theorem selbst zeigt, ist, dass die spezifisch formalistischen Ansätze zur kollektiven Entscheidungsfindung, wie sie z.B. in Wahlsystemen veranschaulicht werden, diese beiden Wünsche tatsächlich nicht zuverlässig befriedigen können. D'Agostino: Was, als Gleichnis behandelt, das Arrow-Theorem vorschlägt, ist ein Rätsel: Wie können wir die Forderung nach Kohärenz in sozialen Arrangements mit der Tatsache der bewertenden Vielfalt in Einklang bringen? 1. Weale, Albert (1992) 'Social choice'. In Shaun Hargreaves Heap, Martin Hollis, Bruce Lyons, Robert Sugden and Albert Weale, eds, The Theory of Choice: A Critical Guide. Oxford: Blackwell. D’Agostino, Fred 2004. „Pluralism and Liberalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Arten | Gould | I 223 Arten/Gould: Eine durchschnittliche wirbellose Art lebte ungefähr 5 - 10 Mio Jahre unverändert. Sie verändert sich in der Zeit kaum und stirbt aus ohne Nachfolger. Auf höherem Niveau ist die Evolution im Grunde eine Angelegenheit des unterschiedlichen Erfolgs der Arten und nicht einer langsamen Transformation von Stammbäumen. II 331 Arten/Gould: Def Art: Arten werden als Populationen definiert, die fortpflanzungsmäßig von allen anderen isoliert sind. Mit anderen Arten zusammengebracht, werden sie sich nicht vermischen. Schlüsselfrage für den Ursprung einer neuen Art: Wie entwickeln sich Isolationsmechanismen? II 332 Traditionelle Sicht: Eine ursprünglich einheitliche Population wird durch Auseinanderdriften von Kontinenten getrennt oder durch neu entstehende Gebirgszüge. Die neu isolierten Gruppen würden sich durch Adaption an ihre neue Umwelt anpassen. Nach einer gewissen Zeit werden die Populationen so verschieden, dass sie sich nicht mehr kreuzen lassen. Neue Sicht: Der letztliche Erfolg einer entstandenen Art mag von der Entwicklung der Anpassung abhängen, aber der Akt der Artbildung selbst kann ein zufälliges Ereignis sein. Taxonomen haben entdeckt, dass viele Gruppen eng verwandter Arten sich in Form, Verhalten, und sogar in der genetischen Ausstattung nicht sehr unterscheiden. Sie weisen allerdings hervorstechende Unterschiede in der Anzahl und der Form der Chromosomen auf, und diese Unterschiede erzeugen die Isolationsmechanismen, die sie als getrennte Art erhalten. Die Hauptveränderung entsteht in einem einzigen Individuum. Mit wem soll es sich fortpflanzen? IV 198 Arten: Artenvielfalt hat durchaus im Laufe der Zeit zugenommen. Die heutigen Ozeane enthalten mindestens doppelt so viele Arten wie die Meere im Paläoziokum. Daher könnte man erwarten, dass sie nicht nur mehr Arten enthalten, sondern auch unterschiedlichere Arten von Organismen, mit grundlegend anderen Bauplänen. Dem ist aber nicht so! Heute werden doppelt so viele Arten in viel weniger Gruppen höherer Taxa gestopft. Die heutigen Meere werden von weniger Gruppen beherrscht: primär von Muscheln, Schnecken, Krebsen, Fischen und Seeigeln. Jede Gruppe umfasst viel mehr Arten als sie irgendein Stamm im Paläoziokum je aufwies. Diese stetige Abnahme organischer Konstruktionstypen bei starker Zunahme der Artenzahl ist der wohl hervorstechendste Trend der fossilen Dokumente! IV 199 Kausalität/Zufall/Evolution: Es lässt sich vielleicht ein Prinzip ausfindig machen, wie z.B. "anfängliches Experimentieren und spätere Standardisierung". Bsp Um 1900 gab es wenige Automarken und eine erheblich größere Bandbreite an Konstruktionstypen. Heute gibt es hunderte Marken und viel einheitlichere Konstruktion. Evolution/Artenreichtum: Der Wandel von wenigen Arten und vielen Gruppen zu wenigen Gruppen und vielen Arten würde selbst bei rein zufälligem Aussterben auftreten, wenn jeder Speziationsvorgang zu Beginn der Geschichte des Lebens von durchschnittlich größeren Veränderungen begleitet gewesen wäre. IV 201 Aussterben: Jedes ist unausweichlich für immer. Ein ausgestorbenes Experiment wird sich nie wiederholen. Die Chancen sind mathematisch zu gering. Biologen sprechen vom "Prinzip der Nichtumkehrbarkeit der Evolution". Ordnung/Zufall/Gould: Zufallsprozesse bringen ein hohes Maß an Ordnung hervor. Dass sie bestimmte Muster zur Folge haben, spricht nicht gegen ihre Zufälligkeit. IV 327 Art/Arten/Gould: Jede Art ist eine Verkettung von Unwahrscheinlichkeiten. Jede Art ob Mensch, Koralle oder Tintenfisch - ist jeweils das letzte Glied in einer Kette, die sich zurück erstreckt bis zum Beginn allen Lebens. Wenn irgendeine dieser Arten ausgestorben wäre oder sich in eine andere Richtung entwickelt hätte, wären die Endresultate deutlich verschieden. Bsp Unsere Vorfahren, die Fische, entwickelten eine besondere Flosse, mit einer stabilen, zentralen knöchernen Achse. Ohne sie hätten sie sich nicht an Land entwickeln können. Dennoch entwickelten sich diese Flossen nicht in einer Vorahnung sich aus dem Landleben ergebender Notwendigkeiten. Sie entwickelten sich als Adaptionen an einen lokalen Lebensraum. Notwendigkeit: Menschliche Gehirne entwickelten sich nicht auf einer direkten und notwendig aufsteigenden Stufenleiter, sondern auf verschlungenen Wegen voller Unfälle. III 264 Arten/Gould: In der Frühzeit der Evolution wurde das größte Formenspektrum erreicht, die meisten der frühen Experimente starben aus. Und zwar zufällig und nicht durch vorhersagbare Ursachen. Heute gibt es nur noch einen kleinen Teil der Möglichkeiten. >Evolution, >Erklärung, >Darwinismus |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Arten | Mayr | Gould I 216 Art/Darwin/Lamarck: Arten sind keine natürliche Einheiten sondern "rein artifizielle Zusammenstellungen"... begriffliche Definitionen. >Ordnung, >Systeme, >Definitionen, >Definierbarkeit, >Klassifikation. Gould I 217 Art/Ernst MayrVsDarwin/MayrVsLamarck: Arten sind Produkt der Evolution und nicht des menschlichen Geistes. >Evolution, >Evolution/Mayr. I 179 Def Art/Mayr: Eine Art ist eine Vorrichtung zum Schutz ausgewogener, harmonischer Genotypen. "Biologisches Artkonzept" sucht biologischen Grund für die Existenz von Arten. Vielleicht gibt es zufällig noch andere Eigenschaften. Biologisches Artkonzept: 1. Problem: Asexuelle Organismen bilden keine Populationen. 2. Problem: Räumliche Ausdehnung mit Unterarten. Sie können in der Isolation mit der Zeit zu selbständigen Arten werden (durch Erwerb von neuen Isolationsmechanismen). (Polytypische Arten). I 181 Nominalistisches Artkonzept: In der Natur gibt es ausschließlich Individuen, Arten sind künstlich vom Menschen geschaffen. MayrVs: Das wäre Willkür, und die Natur zeigt, dass nicht Willkür herrscht. I 182 Evolutionäres Artkonzept: zeitliche Dimension, Generationenreihe von Populationen. MayrVs: Das Konzept berücksichtigt nicht, dass es zwei mögliche Wege der Artentstehung gibt: a) Allmähliche (graduelle) Wandlung einer Stammlinie in eine andere Art, ohne dass die Zahl der Arten verändert würde, b) Die Vervielfältigung von Arten durch geographische Isolation. I 183 Art/Mayr: Art wird auf drei ganz verschiedene Objekte oder Phänomene angewendet: 1. Das Artkonzept 2. Die Kategorie Art 3. Die Arttaxa. Manche Autoren konnten diese nicht unterscheiden, was zu heilloser Verwirrung in der Literatur geführt hat. Artkonzept: biologische Bedeutung oder Definition des Wortes "Art". Kategorie Art: bestimmte Rangstufe im Linnéschen System. (Andere Kategorien: Ordnung, Reich., Gattung...) Def Arttaxa: Besondere Populationen oder Populationsgruppen, die der Artdefinition entsprechen. Sie sind Entitäten ("Individuen") und lassen sich als solche nicht definieren. Individuen können nicht definiert werden, sondern lediglich beschrieben und abgegrenzt. >Definitionen, >Definierbarkeit. I 183 Evolution/Mayr: Art ist die entscheidende Entität der Evolution. Art: Eine Art tritt, ganz unabhängig von den ihr zugehörigen Individuen, als eine Einheit mit anderen Arten in der gemeinsamen Umwelt in Wechselwirkung. I 185 Makrotaxonomie: Die Klassifikation von Arten (in übergeordnete Gruppen) Gruppen: Meist leicht erkennbar: Vögel, Schmetterlinge, Käfer. Abwärtsklassifikation (Eigentlich Identifizierung). Zweiteilung (aristotelisch), Blütezeit der medizinischen Botanik. Bsp Warmblüter oder Nicht-Warmblüter - Federn habend oder nicht habend. I 192 Organismentypen: Die meisten neuen Organismentypen entstehen nicht durch allmähliche Umformung einer Stammlinie, also eines schon vorhandenen Typus. Vielmehr dringt eine Gründerart in eine neue adaptive Zone vor und ist dort dank schneller adaptiver Veränderungen erfolgreich. Bsp Die mehr als 5000 Singvogelarten sind nicht mehr als die Variation eines einzigen Themas. I 192 Art: Die beiden evolutionären Wege, eine neue Art hervorzubringen: a) allmählicher Wandel des Phänotyps und b) zunehmende Vielfalt (Speziation) stehen nur in loser Verbindung. I 192 Selektionsdruck: Selektionsdruck kann ausbleiben, wenn eine Gründerart in seine sehr günstige adaptive Zone gelangt. I 283 Arten/Mayr: Sehr konservative Schätzung: 10 Mio Tierarten, davon etwa 1,5 Mio beschrieben. Also etwa 15% bekannt. Legitime Schätzung: 30 Mio Arten. Nur 5% sind bekannt. Andererseits sind 99 % aller Vogelarten entdeckt und beschrieben. Bei vielen Insekten, Spinnentieren, niederen Wirbeltieren vermutlich weniger als 10%. Dasselbe gilt für Pilze, Protisten, Prokaryonten. |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Artificial General Intelligence | Deutsch | Brockman I 119 Artificial General Intelligence/AGI/Deutsch: [Es] ist ein guter Ansatz zur Entwicklung einer KI mit einem festen Ziel unter festen Rahmenbedingungen. Aber wenn ein AGI so funktionieren würde, müsste die Evaluation jedes Zweiges eine künftige Belohnung oder drohende Strafe bestimmen. Und das ist diametral der falsche Ansatz, wenn wir ein besseres Ziel unter unbekannten Bedingungen anstreben - was die Fähigkeit einer AGI ist. Eine AGI ist sicherlich in der Lage zu lernen, beim Schach zu gewinnen - aber auch, sich dagegen zu entscheiden. Oder sich während des Spiels für die interessanteste Fortsetzung statt für eine erfolgreiche zu entscheiden. Oder ein neues Spiel zu erfinden. Schachprogramm: Jede Schachposition hat einen endlichen Strukturbaum möglicher Fortsetzungen; die Aufgabe besteht darin, eine zu finden, die zu einem vordefinierten Ziel führt (ein Schachmatt oder, wenn dies nicht möglich ist, ein Unentschieden). Aber wenn ein AGI so funktionieren würde, müsste die Bewertung jedes Zweigs eine künftige Belohnung oder drohende Strafe darstellen. Und das ist diametral der falsche Ansatz, wenn wir ein besseres Ziel unter unbekannten Bedingungen anstreben - was die Fähigkeit eines AGI ist. Eine AGI ist in der Lage, Schach zu genießen und sich zu verbessern, weil sie gerne spielt. Oder auch dazu, zu versuchen zu gewinnen, indem sie eine unterhaltsame Anordnung von Figuren verursacht, wie es Großmeister gelegentlich tun. (...) Sie lernt und spielt Schach, indem sie einige derjenigen Gedanken denkt, die schachspielenden KI's verboten sind. Eine AGI ist auch in der Lage, sich zu weigern, sich eine solche Fähigkeit anzuzeigen. Unverwundbarkeit/Roboter/Dennett: Die Leichtigkeit von digitaler Aufzeichnung und Übertragung - der Durchbruch, der es Software und Daten erlaubt, praktisch unsterblich zu sein - entfernt Brockman I 120 Roboter aus der Welt der Verwundbaren. DeutschVsDennett: Das stimmt nicht. Digitale Unverwundbarkeit (...) verleiht diese Art von Unverwundbarkeit nicht. Die Erstellung (...) einer Kopie ist für die AGI mit einem hohen Preis verbunden. Gesetzliche Mechanismen der Gesellschaft könnten auch Sicherungskopien verbieten. Zweifellos wird es AGI-Kriminelle und -Feinde der Zivilisation geben, so wie es menschliche gibt. Aber es gibt keinen Grund anzunehmen, dass ein AGI in einer Gesellschaft geschaffen wurde, die hauptsächlich aus anständigen Bürgern besteht (...). Die moralische Komponente, die kulturelle Komponente, das Element des freien Willens - all das unterscheidet die Aufgabe, eine AGI zu schaffen, grundlegend von jeder anderen Programmieraufgabe. Es ist viel mehr wie die Erziehung eines Kindes. Brockman I 121 Seine Entscheidungen von einem Strom von extern verhängten Belohnungen und Strafen dominieren zu lassen, wäre Gift für ein solches Programm, ebenso wie für das kreative Denken beim Menschen. Eine solche Person, wie jeder Sklave oder jedes Opfer einer Gehirnwäsche, hätte moralisch das Recht auf Rebellion. Und früher oder später würden es einige von ihnen auch tun, genau wie menschliche Sklaven. AGIs können sehr gefährlich sein - genau wie Menschen. Aber Personen - Menschen oder AGI -, die Mitglieder einer offenen Gesellschaft sind, haben keine inhärente Tendenz zur Gewalt. >Superintelligenz. Brockman I 122 Alles Denken ist eine Form der Berechnung, und jeder Computer, dessen Repertoire einen universellen Satz elementarer Operationen beinhaltet, kann die Berechnungen jedes anderen nachahmen. Daher können menschliche Gehirne alles denken, was AGIs können, nur mit Einschränkungen bei Geschwindigkeit oder Speicherkapazität, die beide durch Technologie ausgeglichen werden können. Für allgemeine Probleme mit der Programmierung der KI: >Denken/Deutsch, >Gehorsam/Deutsch. Brockman I 123 AGI-Testung: (...) Ich erwarte, dass jede Prüfung im Prozess der Erstellung einer AGI kontraproduktiv, ja sogar unmoralisch ist, genau wie bei der Erziehung von Menschen. Ich teile Turings Annahme, dass wir eine AGI erkennen werden, wenn wir sie sehen, aber diese anteilige Fähigkeit, Erfolg zu erkennen, wird nicht helfen, das erfolgreiche Programm zu erstellen. >Verstehen/Deutsch. Lernen: Für eine AGI muss der gesamte Ideenraum offen sein. Es sollte nicht im Voraus bekannt sein, welche Ideen das Programm nie in Betracht ziehen kann. Und die Ideen, die das Programm in Betracht zieht, müssen vom Programm selbst ausgewählt werden, mit Methoden, Kriterien und Zielen, die auch die eigenen des Programms sind. Deutsch, D. “Beyond Reward and Punishment” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press. |
Deutsch I D. Deutsch Die Physik der Welterkenntnis München 2000 Brockman I John Brockman Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019 |
| Aspekte | Aspekt: Gesichtspunkt, unter dem ein Gegenstand oder ein Problem betrachtet wird. Aspekte, Hinsichten, Perspektiven dürfen nicht vergegenständlicht werden. Sie bestehen nicht an dem Objekt, sondern in der Relation zu dem Objekt. |
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| Assimilation | Piaget | Upton I 14 Assimilation/Entwicklung/Piaget/Upton: Laut Piaget konstruieren Kinder ihr Wissen durch die Assimilationsprozesse, in denen sie neue Informationen auf der Grundlage ihres vorhandenen Weltwissens bewerten und zu verstehen versuchen, und durch Akkommodationsprozesse, in denen sie ihre mentalen Vorstellungen von der Welt auf der Grundlage neuer Erfahrungen erweitern und modifizieren. >Repräsentation/Piaget. |
Piag I J. Piaget The Psychology Of The Child 2nd Edition 1969 Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| Ästhetik | Nietzsche | Ries II 25 Ästhetik/Kunst/Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik(1)/Nietzsche: »... nur als ästhetisches Phänomen ist das Dasein und die Welt ewig gerechtfertigt.« (Vs moralische Auslegung). >Sein/Nietzsche. 1. F. Nietzsche. Die Geburt der Tragödie, 4, KGW III. Danto III 49 Ästhetik/Nietzsche/Danto: Nietzsche ging mit der Zeit dazu über, der Kunst immer weniger Wert und Bedeutung beizumessen. >Kunst/Nietzsche. Danto III 51 Weder die Kunst selbst noch die üblicherweise einzuschlagenden Königswege führen zu den versprochenen Wahrheiten. Eine Analogie zwischen Kunst und (sogenannter) Erkenntnis herzustellen ist möglich, wenn man ihrer beider Herkunft und Funktion in Erwägung zieht: beide bestehen aus Illusionen, wobei die Illusionen der Wissenschaft und Sinnlichkeit das Leben möglich, die Illusionen der Kunst es erträglich machen. >Wahrheit/Nietzsche. Begründung: Nietzsche zieht diese pessimistischen Folgerungen aus es seinen epistemologischen Analyse (wie später B. Russell): ihnen zufolge können unsere Wahrnehmungen ihren Ursachen nicht ähnlich sein, sodass die von uns gebrauchte Sprache (…) die Welt nicht wirklich beschreibt. Kunst/Nietzsche/Danto: Die Kunst besteht aus unverbrauchten Illusionen, während sich die ihr entgegensetzte „Wahrheit“ aus schalen Illusionen zusammensetzt. >Welt/Denken/Nietzsche, >Musik/Nietzsche, >Literatur/Nietzsche. |
Nie I Friedrich Nietzsche Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009 Nie V F. Nietzsche Beyond Good and Evil 2014 Ries II Wiebrecht Ries Nietzsche zur Einführung Hamburg 1990 Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Ästhetische Differenz | Gadamer | I 90 Ästhetische Unterscheidung/Ästhetische Differenz/Gadamer: [Gadamer spricht von ästhetischer Unterscheidung, nicht von Differenz.] Was wir ein Kunstwerk nennen und ästhetisch erleben, beruht (...) auf einer Leistung der Abstraktion. Indem von allem abgesehen wird, worin ein Werk als seinem ursprünglichen Lebenszusammenhang wurzelt, von aller religiösen oder profanen Funktion, in der es stand und in der es seine Bedeutung besaß, wird es als das „reine Kunstwerk“ sichtbar. Die Abstraktion des ästhetischen Bewusstseins vollbringt insofern eine für es selbst positive Leistung. Sie lässt sehen und für sich sein, was das reine Kunstwerk ist. Ich nenne diese seine Leistung die „ästhetische Unterscheidung“. >Abstraktion, >Unterscheidungen, >Kunst, >Kunstwerke, >Ästhetik. I 95 [Die ästhetische Unterscheidung] unterscheidet an [den Kunstwerken] das Ästhetische von den außerästhetischen Bezügen, in denen es steht, genau so, wie wir auch außerhalb der Erfahrung von Kunst davon sprechen können, dass jemand sich ästhetisch verhält. Dem Problem der Ästhetik wird also seine volle Weite wiedergegeben und die transzendentale Fragestellung wiederhergestellt, die durch den Standpunkt der Kunst und seine Scheidung von schönem Schein und rauher Wirklichkeit verlassen worden war. Das ästhetische Erlebnis ist indifferent dagegen, ob sein Gegenstand wirklich ist oder nicht, ob die Szene die Bühne oder das Leben ist. 92 Die „ästhetische Unterscheidung“ die es als ästhetisches Bewusstsein betätigt, schafft sich auch ein eigenes äußeres Dasein. Sie beweist ihre Produktivität, indem sie der Simultaneität ihre Stätten bereitet, die „Universalbibliothek“ im Bereiche der Literatur, das Museum, das stehende Theater, den Konzertsaal usw. I 93 So verliert durch die „ästhetische Unterscheidung« das Werk seinen Ort und die Welt, zu der es gehört, indem es dem ästhetischen Bewusstsein zugehörig wird. Dem entspricht auf der anderen Seite, dass auch der Künstler seinen Ort in der Welt verliert. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Ästhetische Erfahrung | Gadamer | I 75 Ästhetische Erfahrung/Kunsterlebnis/Erlebnis/Gadamer: Das ästhetische Erlebnis ist nicht nur eine Art von Erlebnis neben anderen, sondern repräsentiert die Wesensart von Erlebnis überhaupt. Wie das Kunstwerk als solches eine Welt für sich ist, so ist auch das ästhetisch Erlebte als Erlebnis allen Wirklichkeitszusammenhängen entrückt. Es scheint geradezu die Bestimmung des Kunstwerks, zum ästhetischen Erlebnis zu werden (...) I 76 Im Erlebnis der Kunst ist eine Bedeutungsfülle gegenwärtig, die nicht diesem besonderen Inhalt oder Gegenstand allein zugehört, sondern die vielmehr das Sinnganze des Lebens vertritt. Ein ästhetisches Erlebnis enthält immer die Erfahrung eines unendlichen Ganzen. Gerade weil es sich nicht mit anderen zur Einheit eines offenen Erfahrungsfortgangs zusammenschließt, sondern das Ganze unmittelbar repräsentiert, ist seine Bedeutung eine unendliche. >Erlebnis/Gadamer. Zur Grenze der Erlebniskunst: >Allegorie/Gadamer. I 102 Ästhetische Erfahrung/Gadamer: Sofern wir in der Welt dem Kunstwerk und in dem einzelnen Kunstwerk einer Welt begegnen, bleibt dieses nicht ein fremdes Universum, in das wir auf Zeit und Augenblick hineinverzaubert sind. Vielmehr lernen wir uns in ihm verstehen, und das heißt, wir heben die Diskontinuität und Punktualität des Erlebnisses in der Kontinuität unseres Daseins auf. Es gilt daher, dem Schönen und der Kunst gegenüber einen Standpunkt zu gewinnen, der nicht Unmittelbarkeit prätendiert, sondern der geschichtlichen Wirklichkeit des Menschen entspricht. I 103 Die Berufung auf die Unmittelbarkeit, auf das Geniale des Augenblicks, auf die Bedeutung des kann vor dem Anspruch der menschlichen Existenz auf Kontinuität und Einheit des Selbstverständnisses nicht bestehen. Die Erfahrung der Kunst darf nicht in die Unverbindlichkeit des ästhetischen Bewusstseins abgedrängt werden. Vgl. >Erlebniskunst/Gadamer. Diese negative Einsicht bedeutet positiv: Kunst ist Erkenntnis und die Erfahrung des Kunstwerks macht dieser Erkenntnis teilhaftig. I 105 Die Erfahrung der Kunst soll nicht in ein Besitzstück ästhetischer Bildung umgefälscht und damit in ihrem eigenen Anspruch neutralisiert werden. (...) darin [liegt] eine weitreichende hermeneutische Konsequenz, sofern alle Begegnung mit der Sprache der Kunst Begegnung mit einem unabgeschlossenen Geschehen und selbst ein Teil dieses Geschehens ist. Das ist es, was gegen das ästhetische Bewusstsein und seine Neutralisierung der Wahrheitsfrage zur Geltung gebracht werden muss. >Ästhetisches Bewusstsein, >Wahrheit der Kunst/Gadamer. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Ästhetische Erfahrung | Lukács | Gadamer I 100 Ästhetische Erfahrung/Erlebniskunst/Subjekt-Objekt-Problem/Ästhetik/Lukács/Gadamer: Ausgangsproblem: für Valéry(1) hat jede Begegnung mit dem Werk den Rang und das Recht einer neuen Produktion. Gadamer: Problem: Das scheint mir ein unhaltbarer hermeneutischer Nihilismus. Denn nun überträgt er dem Leser und Ausleger die Vollmacht des absoluten Schaffens, die er selber nicht ausüben will. Ästhetisches Erlebnis/Gadamer: Die gleiche Aporie ergibt sich, wenn man statt von dem Begriff des Genies von dem Begriff des ästhetischen Erlebnisses ausgeht. Gadamer I 101 Lukacs(2): spricht der ästhetischen Sphäre eine heraklitische Struktur zu und will damit sagen: Die Einheit des ästhetischen Gegenstandes ist gar keine wirkliche Gegebenheit. Das Kunstwerk ist nur eine Leerform, der bloße Knotenpunkt in der möglichen Mehrheit von ästhetischen Erlebnissen, in denen allein der ästhetische Gegenstand da ist. Wie man sieht, ist absolute Diskontinuität, d. h. Zerfall der Einheit des ästhetischen Gegenstandes in die Vielheit von Erlebnissen, die notwendige Konsequenz der Erlebnisästhetik. >Ästhetik, >Ästhetisches Bewusstsein, >Kunst, >Kunstwerke, >Künstler, >Genie. Oskar Becker: An die Idee von Lukacs anknüpfend hat Oskar Becker geradezu formuliert: »Zeitlich angesehen ist das Werk nur einem Augenblick (d. h. jetzt), es ist „jetzt“ dies Werk und ist es schon jetzt nicht mehr!“(3) Gadamer: Das ist in der Tat konsequent. Die Grundlegung der Ästhetik im Erlebnis führt zur absoluten Punktualität, die die Einheit des Kunstwerks ebenso aufhebt, wie die Identität des Künstlers mit sich selbst und die Identität des Verstehenden bzw. Genießenden.(4) KierkegaardVsErlebniskunst/Gadamer: Wie mir scheint, hat schon Kierkegaard die Unhaltbarkeit dieser Position bewiesen, indem er die zerstörerische Konsequenz des Subjektivismus erkannte und als erster die Selbstvernichtung der ästhetischen Unmittelbarkeit beschrieb. Seine Lehre vom ästhetischen Stadium der Existenz ist vom Standpunkte des Ethikers aus entworfen, dem die Heillosigkeit und Unhaltbarkeit einer Existenz in reiner Unmittelbarkeit und Diskontinuität aufgegangen ist. Vgl. >Erlebniskunst. 1. P. Valéry, Variété Ill, Commentaires de Charmes: »Mes vers ont le sens qu'on leur prete«. 2. G. Lukács, „Die Subjekt-Objekt-Beziehung in der Ästhetik“, In: „Logos“, Bd. Vll., 1917/18. 3. Oskar Becker, Die Hinfälligkeit des Schönen und die Abenteuerlichkeit des Künstlers, Husserl-Festschrift, 1928, S. 51. Jetzt in O. Becker, Dasein und Dawesen. Pfullingen 1963, S. 11-401. 4. Schon bei K. Ph. Moritz, Von der bildenden Nachahmung des Schönen, 1788, S. 26 lesen wir: »Das Werk hat seinen höchsten Zweck in seiner Entstehung, in seinem Werden schon erreicht. « |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Ästhetische Wahrnehmung | Hamann | Gadamer I 95 Ästhetische Wahrnehmung/Hamann/Gadamer: Der ästhetische Grundbegriff, von dem Hamann ausgeht, ist die „Eigenbedeutsamkeit der Wahrnehmung“. Mit diesem Begriff wird offenbar dasselbe gesagt wie mit Kants Lehre von der zweckmäßigen Übereinstimmung mit dem Zustand unseres Erkenntnisvermögens überhaupt. Gadamer: Was eigenbedeutsam statt fremdbedeutsam ist, will den Bezug auf das, woher sich seine Bedeutung bestimmen ließe, überhaupt abschneiden. GadamerVsHamann: Kann ein solcher Begriff eine tragfähige Grundlage für die Ästhetik hergeben? Kann man den Begriff überhaupt von einer Wahrnehmung gebrauchen? Muss man nicht dem Begriff des ästhetischen auch zubilligen, was dem Wahrnehmen zukommt, nämlich, dass es Wahres vernimmt, also auf Erkenntnis bezogen bleibt? In der Tat tut man gut, sich an Aristoteles zu erinnern. Wahrnehmung/Aristoteles/Gadamer: Aristoteles hat gezeigt, dass alle aisthesis auf ein Allgemeines geht, auch wenn es so ist, dass jeder Sinn sein spezifisches Feld hat und das in ihm unmittelbar Gegebene insofern nicht allgemein ist. Aber die spezifische Wahrnehmung einer Sinnengegebenheit als solche ist eben eine Abstraktion. In Wahrheit sehen wir, was uns sinnlich im einzelnen gegeben ist, immer auf ein Allgemeines Gadamer I 96 hin an.(1) A. GadamerVsHamann: Nun ist das Sehen gewiss dadurch ausgezeichnet, dass es den Anblick nicht eilends auf ein Allgemeines, die gewusste Bedeutung, den geplanten Zweck oder dergleichen bezieht, sondern bei dem Anblick als ästhetischem verweilt. Aber wir hören doch deshalb nicht auf, im Sehen derart zu beziehen, z. B. diese weiße Erscheinung, die wir ästhetisch bewundern, dennoch als einen Menschen zu sehen. Unser Wahrnehmen ist eben niemals eine einfache Abspiegelung dessen, was den Sinnen gegeben ist. Vielmehr hat die neuere Psychologie, insbesondere die scharfsinnige Kritik, die Scheler ebenso wie W. Koehler, E. Strauß, M. Wertheimer, u. a. an dem Begriff der reinen, Wahrnehmung geübt hat(2) lehrt, dass dieser Begriff einem erkenntnistheoretischen Dogmatismus entspringt. B. GadamerVsHamann: Auch die als adäquat gedachte Wahrnehmung würde niemals ein einfaches Abspiegeln dessen sein, was ist. Denn sie bliebe immer ein Auffassen als etwas. Jedes Auffassen als [etwas] artikuliert das, was da ist, indem es wegsieht von [etwas],, hinsieht auf [etwas] , [etwas] zusammensieht als [etwas] - und all das kann wiederum im Zentrum einer Beachtung stehen oder am Rande und im Hintergrunde bloß werden. So ist es kein Zweifel, dass das Sehen als ein artikulierendes Lesen dessen, was da ist, vieles, was da ist, gleichsam wegsieht, so dass es für das Sehen eben nicht mehr da ist; ebenso aber auch, dass es von seinen Antizipationen geleitet was gar nicht da ist. Diese Kritik an der Lehre von der reinen Wahrnehmung, die von der pragmatischen Erfahrung aus geübt worden ist, ist dann von Heidegger ins Grundsätzliche gewendet worden. Damit gilt sie aber auch für das ästhetische Bewusstsein, obwohl hier das Sehen nicht einfach über das Gesehene z. B. auf seine allgemeine Brauchbarkeit zu etwas, sondern beim Anblick verweilt. Verweilendes Schauen und Vernehmen ist nicht einfach Sehen des reinen Anblicks, sondern bleibt selbst ein Auffassen als ... Gadamer I 97 Kunst/Wahrnehmung: Die Seinsart des Vernommenen ist nicht Vorhandenheit. Wo es sich um bedeutungshafte Darstellung handelt, z. B. bei Werken der bildenden Kunst, soweit sie nicht ungegenständlich-abstrakt sind, ist die Bedeutungshaftigkeit für das Lesen des Anblicks offenkundig leitend. Nur wenn wir das Dargestellte „erkennen“ vermögen wir ein Bild zu „lesen“ ja, nur dann ist es im Grunde ein Bild. >Sehen/Gadamer. C. Form/Inhalt/GadamerVsHamann: Es ist daher ein verkehrter Formalismus, der sich überdies Kant berufen darf, die Einheit des ästhetischen Gebildes im Gegensatz zu seinem Inhalt allein in seiner Form zu suchen. Kant hatte mit seinem Begriff der Form etwas ganz anderes im Auge. Nicht gegen den bedeutungsvollen Inhalt eines Kunstwerks, sondern gegen den bloß sinnlichen Reiz des Stofflichen bezeichnet bei ihm der Formbegriff den Aufbau des ästhetischen Gebildes. >Form und Inhalt/Gadamer. 1. Aristoteles, De anima, 425 a 25. 2. M. Scheler, in »Die Wissensformen und die Gesellschaft«, 1926, S. 397 ff. Jetzt Ges. Werke 8, S. 315ff. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Ästhetisches Bewusstsein | Gadamer | I 91 Ästhetisches Bewusstsein/Gadamer: Was wir ein Kunstwerk nennen und ästhetisch erleben, beruht (...) auf einer Leistung der Abstraktion. Indem von allem abgesehen wird, worin ein Werk als seinem ursprünglichen Lebenszusammenhang wurzelt, von aller religiösen oder profanen Funktion, in der es stand und in der es seine Bedeutung besaß, wird es als das „reine Kunstwerk“ sichtbar. Die Abstraktion des ästhetischen Bewusstseins vollbringt insofern eine für es selbst positive Leistung. Sie lässt sehen und für sich sein, was das reine Kunstwerk ist. Ich nenne diese seine Leistung die „ästhetische Unterscheidung“. Vgl. >Wahrheit der Kunst/Gadamer, >Wahrheit der Kunst/Schiller. Damit soll - im Unterschiede zu der Unterscheidung, die ein inhaltlich gefüllter und bestimmter Geschmack im Auswählen und Verwerfen ausübt - die Abstraktion bezeichnet sein, die allein auf die ästhetische Qualität als solche hin auswählt. Sie vollzieht sich im Selbstbewusstsein des „ästhetischen Erlebnisses«. Worauf das ästhetische Erlebnis gerichtet ist, soll das eigentliche Werk sein — wovon es absieht, sind die ihm anhaftenden außerästhetischen Momente: Zweck, Funktion, Inhaltsbedeutung. Diese Momente mögen bedeutsam genug sein, sofern sie das Werk in seine Welt eingliedern und damit erst die ganze Bedeutungsfülle determinieren, die ihm ursprünglich eigen ist. Aber das künstlerische Wesen des Werks muss sich von all dem unterscheiden lassen. Es definiert geradezu das ästhetische Bewusstsein, dass es eben diese Unterscheidung des ästhetisch Gemeinten von allem Außer-Ästhetischen vollzieht. Es abstrahiert von allen Zugangsbedingungen, unter denen sich ein Werk uns zeigt. Solche Unterscheidung ist also selbst eine spezifisch ästhetische. Sie unterscheidet die ästhetische Qualität eines Werkes von allen inhaltlichen Momenten, die uns zu inhaltlicher, moralischer oder religiöser Stellungnahme bestimmen, und meint nur es selbst in seinem ästhetischen Sein. >Ästhetik, >Kunst, >Kunstwerke. Das ästhetische Bewusstsein hat daher den Charakter der Simultaneität, weil es beansprucht, dass in ihm sich alles versammelt, was Kunstwert hat. I 92 Die „ästhetische Unterscheidung“ die es als ästhetisches Bewusstsein betätigt, schafft sich auch ein eigenes äußeres Dasein. Sie beweist ihre Produktivität, indem sie der Simultaneität ihre Stätten bereitet, die „Universalbibliothek“ im Bereiche der Literatur, das Museum, das stehende Theater, den Konzertsaal usw. I 93 So verliert durch die „ästhetische Unterscheidung« das Werk seinen Ort und die Welt, zu der es gehört, indem es dem ästhetischen Bewusstsein zugehörig wird. Dem entspricht auf der anderen Seite, dass auch der Künstler seinen Ort in der Welt verliert. I 105 Ästhetisches Bewusstsein/Gadamer: [In der ästhetischen Erfahrung] gibt es keinen schlechthinnigen Fortschritt und keine endgültige Ausschöpfung dessen, was in einem Kunstwerk gelegen ist. >Ästhetische Erfahrung/Gadamer. Die Erfahrung der Kunst weiß das von sich selbst. Gleichwohl gilt es, von dem ästhetischen Bewusstsein nicht einfach anzunehmen, was es als seine Erfahrung denkt. Denn es denkt sie, wie wir sahen, in letzter Konsequenz als die Diskontinuität von Erlebnissen. Diese Konsequenz aber haben wir als unannehmbar erkannt. >Wahrheit der Kunst/Gadamer. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Atome | Armstrong | Martin III 170 Atom/Tradition/Martin: Atome müssen immer angenommen werden, um zu erklären, dass etwas aus Teilen und nur aus seinen Teilen besteht, dass etwas kleiner oder größer werden kann, indem etwas von gleicher Art hinzugefügt wird - um Wachstum zu verstehen. |
Armstrong I David M. Armstrong Meaning and Communication, The Philosophical Review 80, 1971, pp. 427-447 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Armstrong II (a) David M. Armstrong Dispositions as Categorical States In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (b) David M. Armstrong Place’ s and Armstrong’ s Views Compared and Contrasted In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (c) David M. Armstrong Reply to Martin In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (d) David M. Armstrong Second Reply to Martin London New York 1996 Armstrong III D. Armstrong What is a Law of Nature? Cambridge 1983 Martin I C. B. Martin Properties and Dispositions In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Martin II C. B. Martin Replies to Armstrong and Place In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Martin III C. B. Martin Final Replies to Place and Armstrong In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Martin IV C. B. Martin The Mind in Nature Oxford 2010 |
| Atomismus | Wittgenstein | Hintikka I 25 Atomismus/Tractatus/Wittgenstein/Hintikka: These: Alle logischen Formen lassen sich aus den Formen der Gegenstände aufbauen. I 175 Logische Unabhängigkeit/Elementarsatz/Atomismus/Wittgenstein/Hintikka: (1931) Die Suche nach der logischen Unabhängigkeit der Elementarsätze gibt Wittgenstein schließlich auf. - Sie war ein regelrechter Fehlschlag. - Grund: Farbattribute (Farbprädikate) sind nicht unabhängig! - Bsp Rot ist im Grade q1r vorhanden und Rot ist im Grade q2r vorhanden , dann folgt: wenn q2>q1 folgt q1r aus q2r. - Später Vs: geht auch nicht bei unreinen und undurchsichtigen Farben. I 176 Atomismus/mittlere Periode/Wittgenstein/Waismann/Hintikka: neu: Atomsätze werden nicht mehr einzeln mit der Welt verglichen, sondern als Satzsysteme - ("holistisch"). - WittgensteinVsAtomismus: mittlere Periode. - Neu: ich lege die ganze Farbskala zugleich an. - Das ist der Grund, warum ein Punkt nicht mehrere Farben haben kann. >Messen/Wittgenstein. - Wenn ich ein Satzsystem an die Wirklichkeit anlege, so ist damit gesagt, dass immer nur ein Sachverhalt zu einer Zeit bestehen kann. II 138 WittgensteinVsAtomismus//WittgensteinVsTractatus: Zwei Fehler: 1. Das Unendliche als Zahl anzunehmen und anzunehmen, dass es unendlich viele Sätze gäbe. 2. Es gibt Aussagen gibt, die Grade von Qualitäten ausdrücken - Atomismus; verlangt aber, dass wenn p und q im Widerspruch stehen, sie weiter analysiert werden können, bis sich t und ~t ergeben. II 157 Atomismus/Atomsatz/WittgensteinVsRussell: Bei der Analyse von Atomsätzen stößt man nicht auf "Einzeldinge", nicht wie bei einer chemischen Analyse. - IV 14 Atomismus/Substanz/Tractatus/Wittgenstein: Hätte die Welt keine Substanz, ((s) = unveränderliche Gegenstände), wären die Atomsätze nicht von einander unabhängig. ad IV 36ff Tractatus/Atomismus/Wittgenstein/(s): Atome: undefinierte Gegenstände, quasi materielle Dinge, (Laute), Urzeichen. - Es ist offen, ob Ding (Sache) oder immateriell, übersetzt werden nur Bestandteile des Satzes. - Damit sind sie offen für Bedeutungstheorie, die sich gleichzeitig aus Komplex von Dingen, Sachverhalten wie aus Verbindung von Wörtern herleite, aber (4.0312) die Logik der Tatsachen läßt sich nicht vertreten - die logischen Konstanten (und, oder, nicht) vertreten nicht. - Stellvertreter: Zeichen für Gegenstand - interne Eigenschaften: im Satz, anders als die Relationen zur Welt (extern). WittgensteinVsRussell, VsFrege: Verwechslung >Erwähnung / >Gebrauch: >außen/innen. VII 122 Atomismus/Atomsatz/Wahrheitswert/Wahrheitsfunktionen/WaFu/Naturgesetze/Tractatus/Tetens: Die Wahrheitswerte (WW) der Atomsätze determinieren die Wahrheit aller übrigen Sätze mit logischer Notwendigkeit, auch die der Naturgesetze. - Dann jedoch sollte man auch nicht davon reden, etwas sei naturgesetzlich oder kausal möglich, unmöglich oder notwendig. - (6.37) - Naturgesetze sind die Wahrheitsfunktionen der Elementarsätze. - Daher kann die Welt als Ganzes nicht erklärt werden. VII 124 Naturgesetze: sind nicht das Letzte, das ist der logische Raum. >Naturgesetze. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Auditierung | Power | Morozov I 84 Audits/Auditierung/Informationsgesellschaft/Michael Power/Morozov: Michael Power These: (…) zwei beunruhigende Folgen der Auditierung - nicht nur im Kontext von Unternehmen, sondern auch von öffentlichen Institutionen - die beide mit dem Streben nach mehr Transparenz einhergehen dürften.(1) Die erste, die Power als "Entkopplung" bezeichnet, kann unter dem "Perversity"-Teil von Albert Hirschmans "Perversity-futility-jeopardy"-Dreiklang (2) abgelegt werden. Denken Sie an Politiker oder Geschäftsleute, die angesichts des zunehmenden Drucks, alles, was sie sagen, zu dokumentieren, an ihre geheimen Grenzen zurückkehren und sich dafür entscheiden, mündlich zu kommunizieren, um zu vermeiden, dass irgendetwas zu Papier gebracht wird. In einem solchen Fall könnte die Forderung nach mehr Transparenz weniger bewirken. Oder sie tun das Gegenteil und verfolgen eine Antwort, die als "snowing" bekannt ist, wobei sie so viele Daten von so schlechter Qualität erzeugen, dass sie es praktisch unmöglich machen, zu verstehen, was wirklich vor sich geht. So wird die tatsächliche Leistung von der künstlichen Leistung entkoppelt, die durch Audits und Transparenzsysteme erfasst wird. Diese mögen uns die Illusion eines objektiven und unproblematischen "Doppelklick"-Zugriffs auf die "Wahrheit" vermitteln, aber in Wirklichkeit setzen sie oft eigene Anreize zur Umgehung der Transparenz. 1. Michael Power, The Audit Society: Rituals of Verification (Oxford: Oxford University Press, 1999). 2. Albert O. Hirschman, The Rhetoric of Reaction: Perversity, Futility, Jeopardy (Cambridge, MA: Belknap Press of Harvard University Press, 1991). |
EconPower I Michael Power The Audit Society: Rituals of Verification New York 1999 Morozov I Evgeny Morozov To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism New York 2014 |
| Aufklärung | Antike Philosophie | Taureck I 35 Aufklärung/Taureck: Frage: Können wir die modernen Züge der Sophisten mit der Aufklärung vergleichen? Bsp Nomos/Sophisten: "Gesetze der Götter" reichen nicht mehr aus, um die gesellschaftlichen Bindekräfte zu erklären. Aufklärung/Taureck: 18. Jahrhundert; Hauptvertreter d'Alembert, Diderot, Rousseau, Voltaire. Diese interessierten sich ihrerseits nicht ausgeprägt für die Sophisten. >d'Alembert, >Rousseau, >Voltaire, >Sophisten. Encyclopédie 1765. I 36 Aufklärung/Taureck: heute sieht man 5 Merkmale für die Aufklärung: 1. Naturrechtliche Begründung politischer und juristischer Normen. Nicht faktisch geltende traditionelle Normen, sondern natürliche Bestimmungen der Menschen, die Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit verlangen. (Rousseau verwahrt sich jedoch gegen die Abschaffung gesellschaftlicher Institutionen, die nur die Ersetzung der Korruption durch brigandage (Gangstertum) bedeute). Zu der Zeit war die absolute Monarchie nahezu überall in Europa die gängige Staatsform. I 37 Sophisten/Taureck: waren in einer Situation, in der sie nach Grundlagen für die Praxis einer "direkten" Demokratie suchten, die in Athen und anderen Städten gelebt wurde, ohne an geltende universelle Werturteile gebunden zu sein, weil es solche nicht gab. Die Physis konnte offenbar (laut Platons Kallikles) als Rechtstitel für eine Ermächtigung des Starken gegen die Gemeinschaft verstanden werden. Aufklärung/Taureck: 2. Merkmal: Def Deismus: natürliche Religion, das Vernünftigkeit und Duldsamkeit der Religionen untereinander einschließt: Gott als Urheber der Natur, die Vernunft versetzt die Menschen in die Lage, die sittlichen Vorschriften des Urhebers erfüllen zu können. >Deismus. I 39 Aufklärung/Taureck: 3. Merkmal: Ersetzung der Metaphysik durch Erkenntniskritik. Def Metaphysik/Encyclopedie: "Wissenschaft von den Gründen der Dinge". Weil alle Maler, Musiker, Geometer, Dichter Gründe benötigen, hat dann jeder seine eigene Metaphysik. Das führt zu einer leeren und "verächtlichen" Wissenschaft >Metaphysik. I 39 Metaphysik/Sophisten/Taureck: kannten noch nicht den später von Platon und Aristoteles entwickelten Begriff. Jedenfalls waren sie stärker an Erkenntniskritik orientiert. >Erkenntnis-Theorie. Aufklärung/Taureck: 4. Merkmal: Neuorientierung der Naturwissenschaft. I 40 Newton,GalileiVsAristoteles: Bewegung nicht mehr als zielgerichtetes Phänomen sondern durch Kausalität zu verstehen. >Naturwissenschaft. Mechanik/Physik/Sophisten/Taureck: Die Sophisten kannten die Teleologie des Aristoteles noch nicht. Aufklärung/Taureck: 5. Merkmal: ästhetische Theorie, nach der das Schöne unabhängig von Maßstäben des Sozialen zu beurteilen ist. >Ästhetik. |
Taureck I B. H.F. Taureck Die Sophisten Hamburg 1995 |
| Aufklärung | Dilthey | Gadamer I 242 Aufklärung/Dilthey/Gadamer: Dass es (...) den »Standpunkt der Reflexion und des Zweifels«(1) einzunehmen gilt und dass diese Arbeit »in allen Formen von wissenschaftlichem Nachdenken« (und sonst nicht) vollbracht wird, ist mit den lebensphilosophischen Einsichten Diltheys schlechterdings nicht zu vereinigen(2). Hier wird vielmehr das besondere Ideal der wissenschaftlichen Aufklärung beschrieben, die sich so wenig mit der lebensimmanenten Besinnung verträgt, als es geradezu der Gadamer I 243 der Aufklärung gewesen ist, gegen den sich Diltheys Grundlegung in der Philosophie des Lebens richtete. Gadamer I 244 Für Dilthey vollendet sich die Aufklärung als historische Aufklärung. >Lebensphilosophie/Dilthey. Gadamer: Man kann von hier aus verstehen, was Dilthey an die romantische Hermeneutik anknüpfen lässt. Mit ihrer Hilfe gelingt es ihm, die Differenz zwischen dem geschichtlichen Wesen der Erfahrung und der Erkenntnisweise der Wissenschaft zu verdecken, oder besser: die Erkenntnisweise der Geisteswissenschaften mit den methodischen Maßstäben der Naturwissenschaften in Einklang zu setzen. >Hermeneutik/Schleiermacher, >Hermeneutik/Dilthey. 1. Ges. Schriften Vll, 3. 2. Auch daraufhat schon Misch, Lebensphilosophie und Phänomenologie, S. 295 und insbesondere S. 312ff., hingewiesen. Misch unterscheidet das Bewusstwerden und das Bewusstmachen. Philosophische Besinnung sei beides zugleich. Aber Dilthey suche fälschlich einen kontinuierlichen Übergang vom einen zum anderen. »Die wesentlich theoretische Richtung auf Objektivität lässt sich aus dem Begriff der Objektivation des Lebens allein nicht herausholen« (S. 298). Die vorliegende Untersuchung gibt dieser von Misch geübten Kritik ein andersartiges Profil, sofern sie schon in der romantischen Hermeneutik den Cartesianismus aufdeckt, der Diltheys Gedankengang hier zweideutig macht. |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Aufklärung | Herder | Gadamer I 204 Aufklärung/Geschichte/Herder/Gadamer: [die Historische Schule stützt sich] in ihrem Anspruch, dass nicht die spekulative Philosophie, sondern allein die historische Forschung zu einer universalgeschichtlichen Ansicht führen kann [auf Herder]: HerderVsAufklärung: Herders Angriff gegen den Vernunftstolz der Aufklärung hatte in der Musterhaftigkeit des klassischen Altertums, die insbesondere Winckelmann verkündet hatte, seine schärfste Waffe. Winckelmann: Seine „Geschichte der Kunst des Altertums“ war zwar unverkennbar mehr als eine historische Darstellung. Sie war Kritik der Gegenwart und war ein Programm. Aber kraft der Zweideutigkeit, die aller Gegenwartskritik anhaftet, bedeutet die Verkündung der Vorbildlichkeit der griechischen Kunst, die der eigenen Gegenwart ein neues Ideal aufrichten sollte, dennoch einen echten Schritt zu geschichtlicher Erkenntnis. ((s) WinckelmannVsAufklärung). Herder brauchte nur wenig über die von Winckelmann gelegte Grundlage hinauszugehen und das dialektische Verhältnis von Musterhaftigkeit und Unwiederholbarkeit in aller Vergangenheit zu erkennen, um der teleologischen Geschichtsbetrachtung der Aufklärung eine universale historische Weltansicht entgegenzusetzen. Historisch denken heißt jetzt, jeder Epoche ein eigenes Daseinsrecht, ja eine eigene Vollkommenheit zugestehen. Diesen Schritt hat Herder grundsätzlich getan. GadamerVsHerder: Die historische Weltansicht konnte freilich noch nicht zur vollen Ausbildung kommen, solange klassizistische Vorurteile dem klassischen Altertum eine vorbildliche Sonderstellung zubilligten. Nicht nur eine Teleologie im Stile des Vernunftglaubens der Aufklärung, auch eine umgekehrte Teleologie, die das Vollkommene einer Vergangenheit oder einem Anfang der Geschichte vorbehält, erkennt noch einen geschichts-jenseitigen Maßstab an. >Geschichte/Gadamer, >Geschichte/Winckelmann, >Geschichte/Historismus. |
Herder I Johann Gottfried Herder Herder: Philosophical Writings Cambridge 2002 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Aufrichtigkeit | Kulturpsychologie | Slater I 169 Aufrichtigkeit/Kulturpsychologie: Die kulturelle Besonderheit der kindlichen Argumentation über Lügen und Wahrheit, mit einem Schwerpunkt auf Unterschieden zwischen westlichen und ostasiatischen Kulturen, stand im Mittelpunkt der jüngsten Forschung. Dieser Gegensatz ist angesichts der Argumente der Kulturtheoretiker von besonderem Interesse, dass es wichtige qualitative Unterschiede zwischen den Kulturen West- und Ostasiens gibt, wobei Individualismus versus Kollektivismus die am weitesten untersuchte Dimension ist (siehe Oyserman, Coon, & Kemmelmeier, 2002(1) für eine Metaanalyse). Individualismus bedeutet die Konzentration auf individuelle Rechte und Interessen, wobei die persönliche Identität auf individuellen Leistungen basiert. Der Kollektivismus konzentriert sich auf die Interessen eines Kollektivs, wobei die persönliche Identität auf Harmonie innerhalb der Gruppe und der Teilnahme an gemeinschaftsorientierten Aktivitäten beruht. Diese Unterschiede deuten auf unterschiedliche Ziele für die zwischenmenschliche Kommunikation hin, wobei die westlichen Kulturen mehr Wert auf Wahlfreiheit, Selbstwertgefühl und Wohlbefinden legen und die ostasiatischen Kulturen mehr Wert auf gemeinsame Ziele und Gruppenzusammenhalt legen. Diese Unterschiede stellen die Frage, ob ein Modell wie das von Kohlberg (>Moral/Kohlberg, >Aufrichtigkeit/Kohlberg) kulturübergreifend verallgemeinert werden kann, und ob es die Möglichkeit erheblicher interkultureller Unterschiede im Glauben darüber erhöht, was es bedeutet, moralisch zu sein. Obwohl Lügen in Höflichkeitssituationen in Ostasien und im Westen tendenziell ähnlich von Kindern bewertet werden (Xu, Bao, Fu, Taiwar, & Lee, 2010)(2), gibt es interkulturelle Unterschiede in der Rechtfertigung der Lügen. In den westlichen Kulturen steht das emotionale Wohlbefinden des Empfängers im Vordergrund, während in den ostasiatischen Kulturen die sozialen Implikationen für den Empfänger im Vordergrund stehen (d.h. sein "Gesicht" oder seine öffentliche Person; Bond & Hwang, 1986)(3), was mit dem Nachweis übereinstimmt, dass Individuen in ostasiatischen Kulturen der Fähigkeit, ihr Verhalten in einer Reihe von sozialen Situationen anzupassen, einen hohen Stellenwert beimessen (Gao, 1998(4); Heine, 2001(5); Markus & Kitayama, 1991)(6). Slater I 170 Heyman, Itakura und Lee (2011)(7) fanden heraus, dass japanische Kinder im Alter von 7 bis 11 Jahren die wahrheitsgemäße Anerkennung einer guten Tat negativer beurteilten, wenn sie eher einem Publikum von Klassenkameraden als privat gemacht wurde. Im Gegensatz dazu gab es keine derartigen Effekte einer Einordnung in eine Vergleichsgruppe von Kindern aus den USA. 1. Oyserman, D., Coon, H., & Kemmelmeier, M. (2002). Rethinking individualism and collectivism: Evaluation of theoretical assumptions and meta-analyses. Psychological Bulletin, 128, 3—73. 2. Xu, F., Bao, X., Fu, G., Taiwar, V, & Lee, K. (2010). Lying and truth-telling in children: From concept to action. Child Development, 81, 581—596. 3. Bond, M. H., & Hwang, K. K. (1986). The social psychology of Chinese people. In M. H. Bond (Ed.), The psychology of the Chinese people (pp. 213—266). Oxford: Oxford University Press. 4. Gao, G. (1998). “Don’t take my word for it.” — understanding Chinese speaking practices. International Journal of Intercultural Relations, 22, 163—186. 5. Heine, S. J. (2001). Self as cultural product: An examination of East Asian and North American selves. Journal of Personality, 69, 881—906. 6. Markus, H. R., & Kitayama, S. (1991). Culture and the self: Implications for cognition, emotion, and motivation. Psychological Review, 98, 224—253. 7. Heyman, G. D., Itakura, S., & Lee, K. (201 1). Japanese and American chi1drens reasoning about accepting credit for prosocial behavior. Social Development, 20, 171—184. Gail D. Heyman and Kang Lee, “Moral Development. Revisiting Kohlberg’s Stages“, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Slater I Alan M. Slater Paul C. Quinn Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012 |
| Aufwertung (Währung) | Benguria | Benguria I 1 Währungsaufwertung/-abwertung/Zölle/Benguria/Saffie: Wir stellen fest*, dass ein um einen Prozentpunkt höherer Zoll mit einem statistisch signifikanten Rückgang der Aktienkurse um 0,23 % verbunden ist. Darüber hinaus gibt es keine Anzeichen für eine Aufwertung des Dollars; im Gegenteil, höhere Zölle sind mit einer Abwertung des Dollars verbunden, die von Ländern mit einem Floating-System verursacht wird. Wir zeigen, dass dies mit einem Modell übereinstimmt, das eine Reallokation des Handels zulässt und in dem Exporte in die USA in Dollar fakturiert werden, während Exporte in den Rest der Welt teilweise in der Währung des Herstellers fakturiert werden. Benguria I 2 Über mehrere Spezifikationen mit verschiedenen Kontrollen hinweg stellen wir eine bilaterale Abwertung des Dollars fest. Diese wird von Ländern mit einem frei schwankenden Wechselkursregime verursacht und ist nur in einigen unserer Regressionen statistisch signifikant. Dies steht im Gegensatz zu den Erwartungen der bestehenden Theorie, die besagt, dass US-Zölle die Nachfrage nach ausländischen Währungen verringern und zu einer Aufwertung des Dollars führen würden. Wenn die US-Importe in US-Dollar fakturiert werden, würden wir keine oder nur eine geringe Reaktion des Wechselkurses erwarten. Wir stellen fest, dass diese Ergebnisse robust sind, wenn wir in unsere Regressionen eine Komponente aufnehmen, die die Produktausschlüsse in der Zollankündigung erfasst. >Währung, >Aktienkurse, >Elastizität. * Felipe Benguria Felipe Saffie . (2025) Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. Cambridge, MA 02138 July 2025 |
Benguria I Felipe Benguria Felipe Saffie Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. Cambridge, MA 2025 |
| Auktionen | Coase | Kiesling I 30 Auktionen/Spektrumszuteilung/Coase/Kiesling: „Ein privatwirtschaftliches System kann nicht richtig funktionieren, wenn keine Eigentumsrechte an Ressourcen geschaffen werden, und wenn dies geschehen ist, muss jemand, der eine Ressource nutzen will, den Eigentümer dafür bezahlen, um sie zu erhalten. Das Chaos verschwindet, und damit auch der Staat, abgesehen davon, dass ein Rechtssystem zur Definition von Eigentumsrechten und zur Schlichtung von Streitigkeiten natürlich notwendig ist.“ (1959(1): 14) Märkte/Coase: Warum Märkte nutzen? Märkte zeigen die Opportunitätskosten der Lizenz auf und berücksichtigen diese Opportunitätskosten bei der Entscheidungsfindung von etablierten und neuen Lizenzinhabern. Ein Recht auf die Nutzung einer Frequenz müsste genau definiert werden, um gehandelt werden zu können (Coase, 1959(1): 25). Kiesling I 31 Vierunddreißig Jahre nach dem Vorschlag von Coase, Märkte für die Zuteilung von Frequenzen zu nutzen, verabschiedete der Kongress ein Gesetz, das die Zuteilung von Lizenzen für Nicht-Rundfunkfrequenzen durch Auktionen ermöglicht. Bei den Lizenzen für die wertvollsten Frequenzen handelt es sich um „flexible Nutzungslizenzen“, bei denen die spezifische Nutzung nicht in der Lizenz festgelegt ist. Die FCC rückte vom Lotteriesystem ab und begann 1994 mit der Versteigerung von Frequenzlizenzen. Jede Lizenz wurde durch eine bestimmte Frequenz und einen bestimmten geografischen Standort definiert. Infolge der Liberalisierung der Eigentumsrechte an den Lizenzen und ihrer Zuteilung durch Versteigerungen bestimmen nun die Marktteilnehmer, wie die Funkfrequenzen genutzt werden und wie Interferenzkonflikte gehandhabt werden. >Auktionen/Wirtschaftstheorien. Kiesling I 32 Die Analyse von Coase aus dem Jahr 1959 ging nicht auf die besonderen Details der Auktionstheorie oder des Marktdesigns ein. Institutionen/Coase: Vielmehr lieferte er eine detaillierte institutionelle Beschreibung und Analyse der bestehenden Methode der Lizenzvergabe, stellte den Verlust an wirtschaftlichem Wohlstand fest, der sich aus diesem institutionellen Arrangement ergab, und stellte die täuschend einfache Frage: Warum nicht Märkte nutzen, um Nutzungsrechte für verschiedene Frequenzbänder im Spektrum zu vergeben? Er argumentierte, dass eine staatliche Planung der Frequenzzuweisung unnötig sei und dass flexible Rechte, die an wettbewerbsfähige Marktteilnehmer vergeben werden, ein besserer Ansatz wären. Und heute? Die digitale Welt, in der wir heute leben, wurde zum Teil auf der Innovation aufgebaut, die durch wettbewerbsorientierte Versteigerungen von Frequenzlizenzen ausgelöst wurde. 1. Coase, Ronald H. (1959). The Federal Communications Commission. Journal of Law and Economics 2: 1-40. |
Kiesling I L. Lynne Kiesling The Essential Ronald Coase Vancouver: Fraser Institute. 2021 |
| Auktionen | Hazlett | Henderson I 19 Auktionen/Hazlett/Henderson/Globerman: In University Economics(1) verwenden Alchian und Co-Autor Willam R. Allen Eigentumsrechte, um die Unterbewertung von Eintrittskarten für den Rose Bowl zu erklären. Sie stellten fest, dass es jedes Jahr eine große Knappheit an Eintrittskarten für diese Veranstaltung gibt. Viele Leute, die sie zum Nominalpreis haben wollen, können sie nicht bekommen. Warum ist das so? Privatwirtschaft: Zu der Zeit, als der Bericht verfasst wurde, war die Rose Festival Association, die die Eintrittskarten verkaufte, nicht in privater Hand. Ein Drittel der Einnahmen aus dem Kartenverkauf ging an den Verband und ein Drittel an die teilnehmenden Universitäten und ihre Sportkonferenzen. Aber, so stellten sie fest, „niemand kann einen Teil der Einnahmen als ‚seinen‘ beanspruchen“. Diese einfache Tatsache habe enorme Auswirkungen, so die Autoren. >Privater Sektor, >Öffentlicher Sektor. Preise: Warum sollten die Entscheidungsträger höhere Preise verlangen, um die Knappheit zu verringern oder zu beseitigen, wenn sie von dieser Maßnahme nicht profitieren? Warum sollten sie nicht stattdessen niedrigere Preise ansetzen, so dass sie für ihre eigenen Eintrittskarten einen niedrigeren Preis als sonst zahlen und Eintrittskarten an ihre Freunde und Bekannten verkaufen können, die als erste Karten erhalten? Auf diese Weise können sie „in die besten Lokale, Clubs und Kreise“ eingeladen werden. >Clubs. Wäre diese Analyse nur für die Preisgestaltung von Rose Bowl-Tickets nützlich, wäre sie vielleicht nur ein amüsantes Beispiel. Doch wie Alchian und Allen erkannt haben, hat sie weitreichendere Auswirkungen. Hazlett: Thomas W. Hazlett, ein UCLA-Absolvent, der Telekommunikationsmärkte studiert und eine Zeit lang Chefökonom der Federal Communications Commission (FCC) war, nutzte die „Rose Bowl“-Analyse, um das Verhalten eines besonders mächtigen Kongressabgeordneten, John Dingell, eines Demokraten aus Michigan, zu verstehen. Als Vorsitzender des Handelsausschusses des Repräsentantenhauses war Dingell viele Jahre lang gegen die Versteigerung wertvoller elektromagnetischer Frequenzen. >Frequenzallokation. Stattdessen wollte er, dass die FCC die Lizenzen für bestimmte Zwecke und für begrenzte Zeiträume vergibt. Warum? Dingell hatte sehr viel Macht über die FCC. Aber wenn das Spektrum versteigert würde, wäre die Macht der FCC geringer und damit auch die Macht Dingells. Wie Henderson bei der Erörterung von Hazletts* Standpunkt sagte: „Wenn etwas an den Höchstbietenden vergeben wird, bestimmen die Bieter, nicht der Auktionator, wer es bekommt. Daher würde auch Dingell, der eine große Aufsichtsfunktion über die FCC hatte, seine Macht über die Zuteilung auf Null reduzieren. Ohne diese Macht würden die Leute ihn nicht mehr so häufig zu Abendessen und Jagdpartys einladen, weniger zu seinem Wahlkampffonds beitragen und seine Anrufe weniger schnell beantworten, wenn überhaupt. Kurzum, er wäre ein weniger wichtiger Mann in Washington und wahrscheinlich auch ein weniger wohlhabender."(2) (2001: 65) *Siehe auch Hazlett (1990)(3) 1. Alchian, Armen A., and William R. Allen (1972). University Economics: Elements of Inquiry, 3rd Edition. Wadsworth Publishing Co. 2. Henderson, David R. (2001). The Joy of Freedom: An Economist’s Odyssey, Prentice-Hall. 3. Hazlett, Thomas W. (1990). The Rationality of U. S. Regulation of the Broadcast Spectrum. The Journal of Law and EconomicsVolume 33, Number 1. |
Hazlett I Thomas W. Hazlett The Fallacy of Net Neutrality New York: Encounter Books 2011 Henderson I David R. Henderson Steven Globerman The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019 |
| Auktionen | Holt | Parisi I 81 Auktionen/Wirtschaftstheorien/Sullivan/Holt: Experimente ohne Kontrollgruppe: (...) ökonomische Experimente werden manchmal einfach entworfen, um zu messen und zu dokumentieren, wie sich Subjekte in einer gegebenen Marktstruktur oder Anreizumgebung verhalten, ohne Bezug auf eine Kontrollgruppe. Beispiele hierfür sind Experimente, die die Effizienz einer Auktionsstruktur testen, wie z.B. ein innovativer Vorschlag, der das Bieten für Kombinationen von Frequenzlizenzen in einer Weise ermöglicht, die Firmen davor schützt, zu viel für Teile eines fragmentierten Netzes zu bezahlen.* >Experimentelle Ökonomik/Wirtschaftstheorien. Parisi I 83 Auf einer eher makroskopischen Betrachtungsebene können ökonomische Experimente genutzt werden, um über den Tellerrand zu blicken, indem Regeln und Strategien in Betracht gezogen werden, die noch nicht umgesetzt wurden. Dieser Ansatz des Experimentierens hat sich als besonders fruchtbar erwiesen, wenn es darum ging, neue Arten von Auktionen für Fischereirechte, Emissionsrechte oder Kombinationen von Frequenzbändern in Frequenzauktionen zu entwerfen.** * Siehe Goeree und Holt (2010)(1) für eine Reihe von Experimenten, die von der U.S. Federal Communications Commission verwendet wurden, um eine große Auktion für Frequenzlizenzen für die Bereitstellung von drahtlosen Kommunikationsdiensten in einem geografischen Netzwerk zu entwerfen und umzusetzen. Sogar diese Arbeit hatte jedoch eine Kontrollbehandlung ohne Paketgebotsmöglichkeiten, die Probleme aufzeigte, die entstehen könnten, wenn es Bietern nicht erlaubt wäre, "Alles-oder-Nichts"-Gebote für Kombinationen von Lizenzen abzugeben. >Experimente/Experimentelle Ökonomik. ** Siehe zum Beispiel Holt et al. (2007)(2) für einen Bericht, in dem Laborexperimente verwendet wurden, um die Auktionen der Regional Greenhouse Gas Initiative zu entwerfen, die seit 2008 vierteljährlich durchgeführt werden. In ähnlicher Weise nutzten Cummings, Holt und Laury (2004)(3) Experimente im Labor und auf dem Feld, bevor sie eine spezielle Auktion einführten, bei der Landwirte für Zahlungen bieten sollten, die sie im Austausch für die Reduzierung der Bewässerung in einem Dürrejahr erhalten würden. In jüngerer Zeit enthält eine Sonderausgabe der Agricultural and Resource Economics Review (Bd. 39, Nr. 2, April 2010)(4) Artikel, die Laborexperimente zur Untersuchung der Zuteilung von Fischereirechten, Wasserrechten, Emissionsgenehmigungen und Common-Pool-Ressourcen verwendeten. 1. Goeree, J. K. and C. A. Holt (2010). “Hierarchical Package Bidding: A Paper & Pencil Combinatorial Auction.” Games and Economic Behavior 70: 146 - 169. 2. Holt, C. A., W. Shobe, D. Burtraw, K. Palmer, and J. K. Goeree (2007). Auction Design for Selling CO2 Emission Allowances Under the Regional Greenhouse Gas Initiative (S. 1–130), zu finden unter: 3. Cummings, R. G., C. A. Holt, and S. K. Laury (2004). “Using Laboratory Experiments for Policymaking: An Example from the Georgia Irrigation Reduction Auction.” Journal of Policy Analysis and Management 23(2): 341–363. 4. https://www.cambridge.org/core/journals/agricultural-and-resource-economics-review/issue/724AAC3551E63C1ADC9A1A129B0DEF66 - (17.12.2020) Sullivan, Sean P. and Charles A. Holt. „Experimental Economics and the Law“ In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Ausbeutung | Robinson | Harcourt I 231 Ausbeutung/Robinson/Harcourt: Joan Robinson(1),(2) hat bei ihren Ausführungen über die Verteilungsanteile auf kurze Sicht und die Gewinnrate auf lange Sicht der Ausbeutungsrate - dem Verhältnis von Nettogewinnen zu Löhnen - große Bedeutung beigemessen. Die jüngste Darstellung ihrer Ansichten findet sich in Robinson [1971](2), auch Robinson [1970b](3), S. 315 und Robinson [1970c](4). In einer modernen kapitalistischen Wirtschaft mit stark gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmern, oligopolistischen Industrien und nahezu Vollbeschäftigung (allerdings eher aus Gründen von Report from Iron Mountain als aus neo-neoklassischen oder Kaldorianischen Gründen) neigen die Aufschläge in den verschiedenen Branchen dazu, sich zu konventionalisieren.* >Gewerkschaften, >Vollbeschäftigung, >Löhne, >Arbeit, >Arbeitslosigkeit, >M. Rothbard, >Neoklassiker, >N. Kaldor. Dies geschieht zum einen, weil stabile Aufschläge den Unternehmen bestimmte Selbstbehaltsquoten ermöglichen, und zum anderen, weil die Unternehmen aus Erfahrung wissen, dass sie mit ihren herkömmlichen Aufschlägen sie bestimmte Gewinnraten erzielen. Löhne: Die Löhne insgesamt steigen daher in der Regel genauso schnell wie die Gesamtproduktivität (manchmal mit einer gewissen Verzögerung, wie z. B. in den Vereinigten Staaten in den Jahren 1961-5, als die Arbeitnehmer dazu gebracht wurden, ihren Teil zur Behebung der Inflation beizutragen, während die Profiteure dies ausnutzten, um ihre Gewinnspannen zu vergrößern: siehe Evans [1969](5), S. 540-1, Robinson [1969e](6)). Relative Preise: Die relativen Preise können dann so behandelt werden, als ob sie durch die technischen Bedingungen (die sich im Laufe der Zeit mit dem technischen Fortschritt, der „Vertiefung“ und den Betriebsgrößen verändern) und eine einheitliche Struktur der Gewinnraten (oder alternativ durch einen bestimmten Reallohn zu jedem Zeitpunkt) bestimmt würden. Ausbeutung/Gewinnrate: Wenn schließlich die Profitrate, ob determiniert oder determiniert, um ein Niveau von g/sc schwankt, weil diese Parameter damit zusammenhängen, warum die Ausbeutungsrate (die wiederum die Fähigkeit der Unternehmer widerspiegelt, ihre Investitionspläne zu verwirklichen) überhaupt so ist, wie sie ist, wobei g (über die erwartete Profitrate) mit den Investitionsausgaben zusammenhängt, sc mit dem Sparniveau aus den Unternehmensgewinnen, dann haben wir in groben Zügen eine kurzfristige und eine langfristige Theorie der Verteilung und Preise. Die Gewinnrate wäre natürlich wesentlich höher als die Zinsrate, denn wir haben das Risiko und die Unsicherheit zurückgebracht. >Unternehmertum, >Investitionen, >Unternehmen, >Wirtschaft. Harcourt I 232 Zinsen/Harcourt: Mit Hilfe von Davidson und Joan Robinson sowie Hinweisen auf Marshall, Wicksell, Fisher und Keynes kann aber auch die Bestimmung des Zinssatzes skizziert werden. >A. Marshall, >K. Wicksell, >Franklin M. Fisher, >J.M. Keynes. Dass dies nach den üppigen Diäten, an die wir uns gewöhnt haben, als Schlankheitskost erscheinen mag, steht außer Frage; dass es aber auch gesunde Kost ist, die uns für Entwicklungen in die richtige Richtung fit macht, scheint mir zumindest eine Arbeitshypothese zu sein. Denn: „Vermutlich würde niemand bestreiten, dass es mehr Hoffnung gibt, zu verstehen, was in der Welt vor sich geht, wenn wir erkennen, dass die Lohnverhandlungen in Form von Geld geführt werden; dass das Preisniveau von der effektiven Nachfrage und dem Grad der Unvollkommenheit des Wettbewerbs beeinflusst wird; dass die Akkumulation durch die Politik von Unternehmen und Regierungen gesteuert wird, nicht durch die Konsumneigung von Privatpersonen, und dass die heutige Zeit eine sich ständig bewegende Zäsur zwischen einer unwiderruflichen Vergangenheit und einer ungewissen Zukunft ist. Es ist nicht leicht, das zu verstehen, aber wir können es zumindest versuchen.“ (Robinson [1965b](1), S. 68.) 1. Robinson, Joan [1965b], Collected Economic Papers, Vol. Ill (Oxford: Basil Blackwell). S. 173-81, 2. Robinson, Joan [1971] Economic Heresies: Some Old-fashioned Questions in Economic Theory (New York: Basic Books). 3. Robinson, Joan, [1970b] 'Review of C. E. Ferguson, The Neoclassical Theory of Production and Distribution, 1969', Economic Journal, LXXX, S. 336-9. 4. Robinson, Jaon [1970c] 'Harrod after Twenty-one Years', Economic Journal, LXXX, pp. 731-7. 23. Champernowne, D. G. [1958] 'Capital Accumulation and the Maintenance of Full Employment'. Economic Journal, Lxvin, S. 211-44 5. Evans, Michael K. [1969] Macroeconomic Activity. Theory, Forecasting, and Control. An Econometric Approach (New York: Harper and Row). 6. Robinson, Joan [1969e] 'The Theory of Value Reconsidered', Australian Economic Papers, vm, S. 13-19. 7. Riach, P. A. [1971] 'Kalecki's "Degree of Monopoly" Reconsidered', Australian Economic Papers, x, S. 50-60. |
EconRobin I James A. Robinson James A. Acemoglu Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 Robinson I Jan Robinson An Essay on Marxian Economics London 1947 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Außen/innen | Leibniz | Holz I 74 Identität/Leibniz/Holz: die Identität des Endlichen mit sich selbst ist formal nicht zu unterscheiden von der Identität des unendlichen Ganzen mit sich selbst. Außen/außerhalb/Ganzes/Leibniz: gäbe es nun aber einen unendlichen Verstand, müsste dieser außerhalb des Ganzen stehen, um es gleichzeitig erfassen zu können. Damit wäre aber das Ganze nicht mehr das Ganze. Es ist a priori wahr, dass das Ganze nicht isotrop abgebildet werden kann. Daher bleibt der Grenzbegriff des unendlichen Verstandes eine heuristische Fiktion eine heuristische Analogie zum endlichen Verstand. >Ganzes/Leibniz, >Begründung/Leibniz. |
Lei II G. W. Leibniz Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998 Holz I Hans Heinz Holz Leibniz Frankfurt 1992 Holz II Hans Heinz Holz Descartes Frankfurt/M. 1994 |
| Außen/innen | Rorty | I 458 Semantik/Erklärung/Voraussage/Theorie/Leeds/Arthur Fine/Rorty: Man kann Semantik nicht gebrauchen, um Erfolg von Vorhersagen zu erklären. - Der Zirkel rührt aus dem Versuch, gleichzeitig innerhalb und außerhalb unserer Untersuchungen zu stehen. Pointe: Man muss nicht zwischen innen/außen wählen, man muss es nur auseinanderhalten. >Zirkularität, >Stufen/Ebenen. IV (d) 116 f Unterscheidung/innen/außen/logische Form/Rorty: Gemeinsame Form dieser Probleme: Man kann nicht sagen, nur etwas vom Typ x sei verständlich, IV (d) 117 wenn der Hörer schon wissen muss, was ein Nicht-x ist. Diese Formulierung ist jedoch wiederum unbefriedigend, weil der Begriff der Verständlichkeit unklar ist, sobald auf Dinge angewandt wird (z.B. Noumenon oder unendliche Substanz). >Verstehen, >Dinge an sich, >Kontextabhängigkeit. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Außen/innen | Saucier | Corr I 393 Außen-/Innenperspektive/Persönlichkeit/Saucier: Außenperspektive: In gewisser Weise verkörpern die beiden Ansätze zur Definition der Persönlichkeit unterschiedliche Perspektiven auf die Person. Wenn wir Persönlichkeit als Attribute betrachten, nehmen wir eine externe Perspektive ein, die über Verhaltensinstanzen hinweg berechnet, um generalisierte Qualitäten und Tendenzen zu konzipieren. >Attribute /Saucier, >Charakterzüge, >Persönlichkeit. Das ist im Grunde genommen das, was andere von uns halten, und ist die Grundlage für den Ruf. Objektivität: Wenn sich viele Informanten über eine Zielperson einig sind, ergibt sich ein Grad an Objektivität, der mit einem einzigen Selbstbericht (Hofstee 1994)(1) nicht möglich ist. >Objektivität, >Intersubjektivität. Corr I 394 Innenperspektive: Wenn wir Persönlichkeit als ein verhaltenserzeugendes System verstehen, konzentrieren wir uns stattdessen auf die Standards, Erwartungen, Überzeugungen, Werte, Ziele und andere Schemata, die "im Inneren" des Individuums gehalten werden. >Selbstbeschreibung, >Erwartungen, >Überzeugungen, >Werte, >Ziele. Solche Inhalte lassen sich sicherlich aus Verhaltensbeobachtungen, Aufgabenerfüllung und impliziten Einstellungen ableiten (Beobachtung, wie sich die Präsentation des Begriffs auf Urteile auswirkt), aber der Selbstbericht ist oft der direkteste Weg, solche Inhalte hervorzubringen. >Einstellungen, >Lexikalische Hypothese, >Lexikalische Untersuchungen. 1. Hofstee, W. K. B. 1994. Who should own the definition of personality?, European Journal of Personality 8: 149–62 Gerard Saucier, „Semantic and linguistic aspects of personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Außenpolitik | Morgenthau | Brocker I 290 Außenpolitik/Morgenthau: These: Solange Außenpolitik auf falschen Fundamenten ruht, kann sie nur durch Zufall klug und ausgewogen sein. Ein großes Übel sieht Morgenthau im Kreuzzugsgeist Amerikas – in der kulturell verfestigten Neigung Brocker I 291 nüchternes Macht- und Interessenkalkül ob der Fixierung auf abstrakte Prinzipien (Freiheit, Demokratie, Menschenrechte) zu vernachlässigen. Gegen dieses Übel verordnet der Autor unbedingte Sachlichkeit; die Befreiung der Außenpolitik vom Moralisieren; ihre Ausrichtung an Interessen; die Bereitschaft zum Kompromiss selbst mit dem vermeintlich Bösen (auch die Sowjets haben Interessen); mit Blick auf Kompromisse schließlich den Willen zur Empathie im Sinne einer permanenten Anstrengung, die jeweils andere Seite nicht nur mit ihren vitalen Interessen, sondern auch mit ihren historischen Erfahrungen bestmöglich zu verstehen. (1) Siehe auch Diplomatie/Morgenthau. 1. Hans J. Morgenthau, Politics Among Nations. The Struggle for Power and Peace, New York 1948. Dt.: Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik, Gütersloh 1963. Christoph Frei, „Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden (1948)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Pol Morg I Hans Morgenthau Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik Gütersloh 1963 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Ausgeschlossenes Drittes | Heyting | I 67 Satz vom Ausgeschlossenen Dritten/VsIntuitionismus: Man wirft dem Intuitionisten nicht vor, dass er zu wenig annimmt, wie der Vertreter der klassischen Mathematik denkt, sondern viel zu viel. >Intuitionismus, >VsIntuitionismus. Z.B. ist das Prinzip vom ausgeschlossenen Dritten für die meisten Menschen ebenso evident wie das der vollständigen Induktion. Warum lehnt er das eine ab und gibt das andere zu? Intuitionismus: Tatsächlich müssen intuitionistische Behauptungen demjenigen dogmatisch erscheinen, der sie als Behauptungen über Tatsachen auffasst, aber so sind sie nicht gemeint. Sie bestehen aus gedanklichen Konstruktionen. Mathematische Ideen gehören zu meiner höchst privaten Gedankenwelt, z.B. "Ich habe 2 und 3 addiert und dann 4 und i und habe festgestellt, dass das zum selben Resultat führt". >Konstruktivismus. I 68 Das vermittelt keine Erkenntnisse über die Außenwelt, sondern über meine Gedanken. Man muss zwischen der bloßen Ausübung der Mathematik und ihrer Bewertung unterscheiden. Der Wert hängt immer von unseren philosophischen Ideen ab. >Mathematik, >Beschreibungsebenen. Wenn Wissenschaft wirklich zur Formalisierung der Sprache neigt, dann gehört die intuitionistische Mathematik nicht zur Wissenschaft in dem Sinne des Wortes. Sie ist vielmehr eine Erscheinung des Lebens, eine natürliche Tätigkeit des Menschen. Die meta-mathematischen Überlegungen mögen nützlich sein, sie lassen sich nicht in die intuitionistische Mathematik eingliedern. >Entdeckungen, >Metamathematik. I 69 Die Mathematik von intuitionistischen Standpunkt ist das Studium gewisser Funktionen des menschlichen Geistes. >Wissenschaft. |
Heyting I Arend Heyting Streitgespräch In Kursbuch 8/1967, H. M. Enzensberger Frankfurt/M. 1967 Heyting II Arend Heyting Intuitionism: An Introduction (Study in Logic & Mathematics) 1971 |
| Ausländische Direktinvestitionen | Feenstra | Feenstra I 11-1 Ausländische Direktinvestitionen/Feenstra: (...) ein großer Teil des Handels findet innerhalb von Unternehmen statt, die in verschiedenen Ländern ansässig sind. In den USA beispielsweise bestehen etwa ein Drittel der Exporte und über 40 % der Importe aus dem innerbetrieblichen Handel zwischen einem US-amerikanischen oder ausländischen Unternehmen und seinen Tochtergesellschaften (...). Wenn ein Unternehmen in mehreren Ländern tätig ist, handelt es sich um ein multinationales Unternehmen, und die im Ausland getätigten Investitionen werden als ausländische Direktinvestitionen (ADI) bezeichnet.* >Multinationale Unternehmen, >Knowledge spillover. Feenstra I 11-3 Zölle: [Das Phänomen der „tariff-jumping“-Direktinvestitionen ist typisch für Importsubstitutionssysteme, beschränkt sich aber nicht auf die Entwicklungsländer: Viele Industrieländer haben Zölle oder Quoten eingesetzt, um den Eintritt ausländischer Unternehmen zu fördern. Diese Politik hat eine gewisse wirtschaftliche Logik, da der Markteintritt ausländischer Unternehmen in einfachen Modellen zu einem Wohlfahrtsgewinn aufgrund höherer inländischer Löhne führt. Der Zusammenhang zwischen ausländischen Investitionen und Löhnen ist daher ein wichtiges Thema für die empirische Forschung. In der Analyse von Mundell(1) werden die inländischen Löhne durch die ausländischen Investitionen nicht beeinflusst (aufgrund der „Faktorpreisunempfindlichkeit“ im HO-Modell [Heckscher-Ohlin]), aber es ist immer noch der Fall, dass der Mitnahmeeffekt des Zolls durch den Eintritt ausländischer Unternehmen verringert wird. * Wir könnten ADI als den Erwerb von ausreichenden Vermögenswerten in einem ausländischen Unternehmen definieren, um eine gewisse Managementkontrolle auszuüben, wobei der Erwerb von 10 % oder mehr der Vermögenswerte eines ausländischen Unternehmens die in der Praxis übliche Definition ist. 1. Mundell, Robert A., 1957, “International Trade and Factor Mobility,” American Economic Review, 47, 321-335. |
Feenstra I Robert C. Feenstra Advanced International Trade University of California, Davis and National Bureau of Economic Research 2002 |
| Aussagenlogik | Aussagenlogik: untersucht die Verknüpfung ganzer Aussagen, Bsp A v B, wobei A und B für vollständige Sätze stehen. Im Unterschied dazu ist Prädikatenlogik feinkörniger und stellt die Zuschreibung von Prädikaten dar. |
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| Autismus | Happé | Slater I 154 Autismus/Happé: Im Strange Stories Test (Happé, 1994)(1), (...) werden die Teilnehmer gebeten, zu begründen, warum ein Charakter sich dafür entschieden haben könnte, in einer komplexen mentalistischen Situation zu sagen, was er sagt. Zum Beispiel wird ein Soldat von feindlichen Truppen gefangen genommen und auf die Frage, wo der Rest seines Lagers versteckt ist, beschließt er, den genauen Standort preiszugeben, in der Hoffnung, dass der Feind glaubt, dass er lügt und deshalb Truppen an den gegenüberliegenden Ort schickt. Das Verständnis dieser Verwendung von "Double Bluff" ist eine komplexe Leistung, die sich als besonders herausfordernd für Menschen mit Autismus herausstellt, aber auch für Menschen, die die Theory of Mind Tests zweiter Ordnung bestehen. >Autismus/Baron-Cohen, >False-Belief-Test/Psychologische Theorien, >Theory of Mind/ToM/Psychologische Theorien, >Theory of Mind/Dennett. 1. Happé, F. (1994). An advanced test of theory of mind: Understanding of story characters’ thoughts and feelings by able autistic, mentally handicapped, and normal children and adults. Journal of Autism and Developmental Disorders, 24, 129—154. Coralie Chevallier, “Theory of Mind and Autism. Beyond Baron-Cohen et al’s. Sally-Anne Study”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Slater I Alan M. Slater Paul C. Quinn Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012 |
| Autonomie | Kant | Rawls I 252 Autonomie/Kant/Rawls: Kant meinte, so wie ich ihn verstehe, dass eine Person autonom handelt, wenn die Prinzipien ihres Handelns von ihr als der adäquateste Ausdruck ihrer Natur als freies und rationales Wesen gewählt wurden. Diese Prinzipien wurden nicht aufgrund ihrer sozialen Stellung oder ihrer Begabung gewählt oder im Hinblick auf eine bestimmte Gemeinschaft oder die Aussicht auf bestimmte Resultate. >Prinzipien/Kant, >Moral/Kant. Rawls: Der Schleier des Nichtwissens (in meiner Theorie) beraubt die Personen in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft sowieso aller Informationen über ihre zukünftige Position, was zugleich garantiert, dass sie als freie und gleichermaßen rationale Personen entscheiden. Rawls: damit wird Kants Konzeption mehreres hinzugefügt: z.B. dass die gewählten Prinzipien nicht nur auf Individuen, sondern auf die Gesellschaft angewendet werden. Dennoch glaube ich, dass wir nahe bei Kant bleiben. Prinzipien/Rawls: wenn Menschen nach diesen Prinzipien handeln, drücken sie ihre Natur als freie und rationale Wesen aus, Rawls I 253 die den allgemeinen Bedingungen menschlichen Lebens unterliegen. Denn sich als Wesen einer bestimmten Art zu offenbaren heißt, sich nach Prinzipien zu verhalten, die gewählt würden, wenn diese Natur (dieser Art) für die Wahl dieser Prinzipien entscheidend wäre. Rawls: ein Grund für Personen, sich so zu verhalten ist es, ihrer Natur Ausdruck zu geben. Autonomie/Kant/Rawls: auch unsere Bedingung des grundsätzlichen wechselseitigen Desinteresses an den Zielen anderer ist mit Kants Begriff der Autonomie vereinbar. Rawls I 254 Statt Altruismus, Wohlwollen oder widerstreitenden Zielen wird lediglich Rationalität bei den Handelnden angenommen. >Rationalität. |
I. Kant I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994 Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls) Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03 Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Autorität | Aufklärung | Gadamer I 276 Autorität/Aufklärung/Gadamer: [Die] von der Aufklärung entwickelte Lehre von den Vorurteilen (...) [bringt] die folgende grundlegende Einteilung derselben: Man müsse unterscheiden das Vorurteil des menschlichen Ansehens und das der Übereilung.(1) Diese Einteilung hat ihren Grund in dem Ursprung der Vorurteile im Hinblick auf die Personen, die sie hegen. Es ist entweder das Ansehen anderer, ihre Autorität, was uns zu Irrtümern verführt, oder es ist die in einem selbst gelegene Übereilung. >Vorurteile. Dass die Autorität eine Quelle von Vorurteilen ist, stimmt zu dem bekannten Grundsatz der Aufklärung, wie noch Kant formuliert: Habe Mut, dich deines eigenen Verstandes zu bedienen.(2) [Die Aufklärung] will die Überlieferung richtig, d.h. vorurteilslos und vernünftig verstehen. Das aber hat insofern seine ganz besondere Schwierigkeit, als in der bloßen Tatsache der schriftlichen Fixierung ein Gadamer I 277 Autoritätsmoment von besonderem Gewicht liegt. >Schrift, >Kulturelle Überlieferung. Die Möglichkeit, dass Geschriebenes nicht wahr ist, ist nicht ganz leicht zu vollziehen. Geschriebenes hat die Handgreiflichkeit des Aufzeigbaren und ist wie ein Beweisstück. Es bedarf einer besonderen kritischen Anstrengung, sich von dem zugunsten des Geschriebenen gehegten Vorurteil frei zu machen und auch hier, wie bei aller mündlichen Behauptung, zwischen Meinung und Wahrheit zu unterscheiden.(3) Nun ist es die allgemeine Tendenz der Aufklärung, keine Autorität gelten zu lassen und alles vor dem Richterstuhl der Vernunft zu entscheiden. So kann auch die schriftliche Überlieferung, die Heilige Schrift wie alle andere historische Kunde, nicht schlechthin gelten, vielmehr hängt die mögliche Wahrheit der Überlieferung von der Glaubwürdigkeit ab, die ihr von der Vernunft zugebilligt wird. >Bibelkritik/Aufklärung. Autorität/Gadamer: Der von der Aufklärung in Anspruch genommene Gegensatz von Autoritätsglaube und Gebrauch der eigenen Vernunft besteht an sich zu Recht. Sofern die Geltung der Autorität an die Stelle des eigenen Urteils tritt, ist Autorität in der Tat eine Quelle von Vorurteilen. Aber dass sie auch eine Wahrheitsquelle sein kann, ist damit nicht ausgeschlossen, und das hat die Aufklärung verkannt, als sie schlechthin alle Autorität diffamierte. Um dessen gewiss zu werden, kann man sich auf einen der größten Wegbereiter der europäischen Aufklärung berufen, auf Descartes. Aller Radikalität seines Methodendenkens zum Trotz hat Descartes bekanntlich die Dinge der Moral von dem Anspruch einer vollkommenen Neukonstruktion aller Wahrheiten aus der Vernunft ausgenommen. Das war der Sinn seiner provisorischen Moral. >R. Descartes, >Moral/Descartes. 1. Praeiudicium auctoritatis et precipitantiae: So Christian Thomasius schon in seinen lectiones de praeiudiciis (1689/90) und seiner »Einleitung der Vernunftslehre« c. 13, SS 39/ 40. Vgl. den Artikel bei Walch, Philosophisches Lexikon (1726), S. 2794ff. 2. Am Beginn seines Aufsatzes »Beantwortung der Frage: Was ist Aufklärung?« 3. Ein gutes Beispiel dafür ist, wie langsam die Autorität der antiken Geschichtsschreibung in der historischen Forschung zerstört worden ist und wie allmählich sich die Archivforschung und die Bodenforschung durchsetzten (vgl. z. B. R. G. Collingwood, Denken. Eine Autobiographie, X I. Kapitel, der die Wendung zur Bodenforschung geradezu mit der Baconschen Revolution in der Naturforschung in Parallele setzt). |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Autorität | Hart | Gaus I 201 Autorität/Befehle/Hart/Morris: Entscheidend an [den] Begründungen ist, dass sie Sanktionen implizit als sekundär verstehen. Zwang und Gewalt werden so rationalisiert, aber nur als ergänzende Maßnahmen. Und so soll es auch sein: Das Gesetz appelliert in erster Linie an seine Autorität. Hart: Hart stellt dies schon früh in seiner Diskussion der Befehl-Theorien des Rechts fest: "Befehlen ist charakteristisch für die Ausübung von Autorität über Menschen, nicht für die Macht, Schaden zuzufügen, und obwohl es mit der Androhung von Schaden kombiniert werden kann, ist ein Kommando in erster Linie ein Appell nicht an die Furcht, sondern an die Achtung der Autorität" (1994(1): 20). Die Behörden lenken das Verhalten, indem sie ihren Untertanen die Gründe für ihr Handeln nennen. Etwas ist nur dann eine Autorität in diesem Sinne, wenn die Anweisungen der Autorität als Gründe für ein Handeln gedacht sind (siehe: Raz, 1979(2); 1986(3); Green, 1988(4)). Man versteht das Recht nicht und allgemeiner gesagt Staaten, wenn man Zwang und Gewalt nicht als Ergänzung zur Autorität betrachtet. Zwang und Gewalt sind notwendig, wenn die Autorität des Staates nicht anerkannt wird, mangelhaft ist oder fehlt. >Sanktionen/Morris, >Staat/Morris, >Zwang/Morris. 1. Hart, H. L. A. (1994) The Concept of Law, 2. Ed. Oxford: Oxford University Press. 2. Raz, Joseph (1979) The Authority of Law. Oxford: Clarendon. 3. Raz, Joseph (1986) The Morality of Fæedom. Oxford: Clarendon. 4. Green, Leslie (1988) The Authority of the State. Oxford: Clarendon. Morris, Christopher W. 2004. „The Modern State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Autorität | Morris | Gaus I 199 Autorität/Morris: Etwas ist nur dann eine Autorität in dem hier relevanten Sinne, wenn seine Weisungen handlungsleitend sind (und sein sollen). Denken Sie zum Beispiel an das Gesetz. Es verbietet uns, bestimmte Dinge zu tun, und es beabsichtigt, dass diese Verbote unser Verhalten lenken; diese Verbote sind insbesondere begründet. Behörden bedeuten also, das Verhalten zu lenken, indem sie ihren Untertanen Gründe für Handlungen nennen. Nach dieser Auffassung ist politische Autorität nicht einfach als gerechtfertigte Kraft zu verstehen; etwas ist nur insofern eine echte Autorität, als ihre Weisungen Gründe zum Handeln sind. Sanktionen oder Gewalt mögen häufig notwendig sein, um diese Autorität wirksam zu machen, aber beides darf nicht miteinander vermischt werden. Der Schlüssel zum Begriff der Souveränität liegt in der Idee der höchsten Autorität. >Souveränität/Morris, >Staat/Morris, >Zwang/Morris, >Zwang/Politische Philosophie, >Befehl/Hart. Gaus I 202 Eine Überbetonung der Rolle von Zwang und Gewalt in den zeitgenössischen Diskussionen über den Staat trägt ebenso zur Vernachlässigung in der zeitgenössischen politischen Theorie bei - aber nicht in der Rechtstheorie - der Bedeutung und Zentralität der Autorität des Staates. Die von Staaten beanspruchte Autorität - typischerweise die Souveränität - ist außergewöhnlich. In gewisser Hinsicht sind Staaten sowohl leichter als auch schwerer zu rechtfertigen. Meiner Ansicht nach kann ihre Gewaltanwendung viel weniger problematisch sein, als gewöhnlich angenommen wird. Es ist nicht schwer, die Anwendung von Gewalt gegen Mörder und Tyrannen zu rechtfertigen. Was schwer zu rechtfertigen ist, sind die außerordentlich weitreichenden normativen Befugnisse, die Staaten für sich beanspruchen. >Recht/Morris, >Soziale Ordnung/Morris, >Autorität/Hart. Morris, Christopher W. 2004. „The Modern State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Axiome | Bigelow | I 119 Axiome/Intuition//Bigelow/Pargetter: Intuitionen sollten nicht ganze Axiomensysteme über den Haufen werfen dürfen. Bsp Prinzip der Verteilung der Disjunktion: kann so erklärt werden: Angenommen, in natürlichen Sprachen sei ein Konditional „Wenn A, dann B“ äquivalent zu einer Quantifikation über Situationen: „In allen Situationen, wo A gilt, gilt auch B“. Dann könnte man die Distribution der Disjunktion so lesen: logische Form: (x)((Ax v Bx) wäre>wäre Cx) > (x)(Ax wäre>wäre Cx) u (x)(Bx wäre>wäre Cx)). Das ist unbestreitbar logisch wahr! >Distribution, >Disjunktion, >Kontrafaktisches Konditional. Bigelow/Pargetter: Daher scheint die quantifizierte Form die alltagssprachliche besser einzufangen als die unquantifizierte. Bsp „In jeder Situation, in der Du äßest…“ Das ist dann eine logische Wahrheit. I 120 Das zeigt wieder das Zusammenspiel von Sprache und Ontologie. Axiome/Realismus//Bigelow/Pargetter: Unsere Axiome werden von einer robusten realistischen Korrespondenztheorie gestärkt Und das ist ein Argument für eine konservative, klassische Logik. >Korrespondenztheorie. I 133 Theoreme/Bigelow/Pargetter: Theoreme brauchen eine semantische Rechtfertigung, weil sie abgeleitet sind. Das ist die Gegründetheit (Fundiertheit, soundness). >Fundierung. Frage: Werden die Theoreme dann auch beweisbar sein? Dann geht es um Vollständigkeit. >Beweise, >Beweisbarkeit, >Vollständigkeit. Axiome/Axiom/Axiomensystem/Axiomatik/Bigelow/Pargetter: Axiome kann man verstehen als eine Methode, eine Interpretation der logischen Symbole darzulegen, ohne eine Metasprache (MS) zu gebrauchen. >Metasprache. D.h. wir haben hier implizite Definitionen der logischen Symbole. Das bedeutet, dass man die Wahrheit der Axiome einfach direkt sehen kann. Und jeder der sie versteht, kann das manifestieren, indem er sie einfach wiederholt, ohne sie zu paraphrasieren. >Definition, >Definierbarkeit 134 Sprache/Bigelow/Pargetter: letztlich brauchen wir eine Sprache die wir sprechen und verstehen, ohne vorher semantische Regeln aufzustellen. In dieser Sprache können wir aber später Axiome für eine Theorie formulieren: Das nennen wir Def „extrovertierte Axiomatik“/Terminologie/Bigelow/Pargetter: eine Axiomatik, die in einer schon existierenden Sprache entwickelt wird. Def introvertierte Axiomatik/Terminologie/Bigelow/Pargetter: eine Axiomatik, mit der die Arbeit beginnt. Extrovertierte Axiomatik/Bigelow/Pargetter: Eine extrovertierte Axiomatik hat keine Probleme mit „Metatheoremen“ und keine Probleme mit den mathematischen Eigenschaften der verwendeten Symbole. Wir wissen schon, was sie bedeuten. Verstehen und Akzeptieren der Axiome sind hier eins. D.h. die implizite Definition geht der expliziten Definition voraus. Wir müssen schon verstehen, womit wir arbeiten. |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Axiome | Waismann | I 15 ff Axiome/Euklid/Waismann: Unter den Axiomen Euklids lassen sich zwei Gruppen unterscheiden: A. Allgemeine Größenaxiome Bsp "Zwei Größen, die einer Dritten gleich sind, sind auch untereinander gleich. Der Teil ist kleiner als das Ganze, Gleiches zu Gleichem hinzugefügt, ergibt Gleiches" B. Die eigentlichen geometrischen Axiome 1. Jeder Punkt kann mit jedem Punkt durch eine Gerade verbunden werden. 2. Jede Gerade lässt sich über jeden ihrer Endpunkte hinaus verlängern. 3. Um jeden Punkt lässt sich mit jedem beliebigen Radius ein Kreis ziehen. 4. Alle rechten Winkel sind einander gleich. 5. Wenn zwei Gerade von einer dritten so geschnitten werden, dass die Winkel auf der Innenseite der beiden Geraden zu einer Seite der dritten eine Summe ergeben, die kleiner ist als zwei Rechte, dann schneiden sich die beiden Geraden, genügend verlängert, auf der erwähnten Seite. ("Parallelenaxiom") I 16 Parallelenaxiom/Euklid: in der Geschichte war das Parallelenaxiom (5. Axiom Euklids) immer umstritten, man versuchte wegen der Komplexität immer Widersprüche herzuleiten, ohne Erfolg. Im Gegenteil konnte bewiesen werden, dass Bsp ähnliche Figuren unmöglich wären, wenn es nicht zuträfe, oder Bsp es in der Ebene dann ein größtes Dreieck geben müsste. Bsp Lambert: Ohne das Parallelenaxiom gäbe es eine von der Natur ausgezeichnete Längeneinheit. So absurd alle diese Resultate klingen, einen logischen Widerspruch (diesmal zugunsten des Axioms) bedeuten sie nicht. Bolanyi und Lobatschefsky entwickelten dann konsequent Folgerungen aus dem Weglassen des 5. Axioms und stießen nicht auf Widersprüche, sondern auf eine neue Geometrie! Nichteuklidische Geometrie. Neues Problem: woher wissen wir, dass Annahmen nicht in Zukunft zu Widersprüchen führen? Zum ersten Mal trat das Problem der Widerspruchsfreiheit in der Mathematik auf. Ein direkter Nachweis der Widerspruchsfreiheit kommt offenbar nicht in Betracht, dafür müssten unendliche Schlussketten in Betracht gezogen werden. Nichteuklidische Geometrie: Felix Klein fand 1870, dass sich das ganze System der nichteuklidischen Geometrie auf die euklidische abbilden lässt, so dass jeder Widerspruch im neuen System einen Widerspruch im alten nach sich zöge. Jedem Begriff der nichteuklidischen Geometrie wird nach einer Vorschrift ein Begriff der euklidischen Geometrie zugeordnet als sein Abbild, ebenso jedem Satz der einen Theorie einem Satz der anderen, I 17 so dass beide Theorien dieselbe logische Form haben. >Geometrie. Man hat innerhalb der euklidischen Geometrie ein >"Modell" für die nichteuklidische hergestellt. Bsp Wir denken uns in der euklidischen Ebene eine festen Kreis k . Wir stellen nun ein Lexikon auf: Unter einem Punkt verstehen wir einen Punkt im Inneren von k Unter einer Geraden verstehen wir das Stück einer Geraden, das innerhalb von k verläuft. Zusätzliche Bestimmungen regeln, dass man eine beliebige Strecke auf einer Geraden unendlich oft hintereinander abtragen kann, ohne den Kreis zu verlassen. Diese Strecke wird, nach euklidischem Maßstab gemessen, natürlich immer kleiner: Ein Wesen, das sich vom Mittelpunkt des Kreise zur Peripherie bewegt, wird immer kleiner und kann den Kreisrand nie erreichen (aber nicht zenonsch). >Zenon, >Über Zenon. Beweis: Diese anschauliche Überlegung hat aber mit der Beweiskraft nichts zu tun! Für eine so definierte Geometrie treffen alle euklidischen Axiome außer dem 5. zu. Abb. I 17 Kreis, mit Strahlen von einem Punkt im Innern des Kreises nach außen, irgendwo Sekante. Die Strahlen zerfallen in zwei Klassen, die die Sekante schneiden, und die, die das nicht tun. Diese zwei Klassen werden getrennt durch zwei Geraden (auch Strahlen), die wir "Parallele" nennen, weil sie die Sekante (mit der sie auf den ersten Blick ein Dreieck bilden) nichteuklidisch erst im Unendlichen schneiden. Sämtliche Sätze der euklidischen Geometrie mit Ausnahme des 5. Axioms sind im Kreis widerspruchsfrei. I 18 Das ist aber kein absoluter Widerspruchsfreiheitsbeweis. Steckte in der euklidischen Geometrie ein Widerspruch, so müsste dieser auch schon in der Lehre von den reellen Zahlen anzutreffen sein. >Beweise, >Beweisbarkeit, >Reelle Zahlen. |
Waismann I F. Waismann Einführung in das mathematische Denken Darmstadt 1996 Waismann II F. Waismann Logik, Sprache, Philosophie Stuttgart 1976 |
| Barcan-Formel | Cresswell | Hughes I 128 Barcan-Formel/Kripke: Kripke nimmt für jede mögliche Welt einen anderen Individuenbereich an und erhält dadurch eine Semantik, bei der im Gegensatz zu unserer die Barcan-Formel nicht gültig ist. >Zugänglichkeit, >Mögliche Welten/Kripke. Zugänglichkeit/LewisVsKripke: Bei Lewis läuft die Zugänglichkeit zu Welten über Individuen, daher ist die Barcan-Formel bei Lewis gültig. >Gegenstücktheorie, >Gegenstückrelation, >Mögliche Welten/Lewis. Hughes I 150f Barcan-Formel/BF/mögliche Welten/MöWe/Semantik/Hughes/Cresswell: Die Barcan-Formel ist ungültig in Semantiken, die verschiedenen möglichen Welten verschiedene Individuenbereiche zuordnen. Vgl. >Semantik möglicher Welten. Hughes I 150f Barcan-Formel/Hughes/Cresswell: Vs: Dass alles Existierende notwendig f ist, schließt nicht aus, dass es Dinge geben könnte (oder gegeben haben könnte), die nicht f sind. Dann wäre es keine notwendige Wahrheit, dass alles f ist. VsVs: Das geht von der Annahme aus, dass in verschiedenen möglichen Welten Gegenstände nicht nur andere Eigenschaften haben können, als in der wirklichen Welt (aktualen Welt), sondern dass es sogar Gegenstände geben könnte, die in der aktualen Welt gar nicht existieren. >Extension des >Existenzprädikats, >Existenz / >"es gibt". Hughes I 156 Barcan-Formel/Existenz/mögliche Welt/Hughes/Cresswell: drei Sichtweisen: a) alle möglichen Welten haben dieselben Individuen (Bereich identisch): dann ist die Barcan-Formel gültig (auch bezüglich T und S4), die Gegenstände sind dieselben, Eigenschaften und Relationen ändern sich. b) Neue Dinge entstehen: die Barcan-Formel ist ungültig jedenfalls bezüglich T und S4. c) Noch liberaler: Es können auch Gegenstände entfernt werden. >Systeme S4/S5, >Individuenbereich. |
Cr I M. J. Cresswell Semantical Essays (Possible worlds and their rivals) Dordrecht Boston 1988 Cr II M. J. Cresswell Structured Meanings Cambridge Mass. 1984 Hughes I G.E. Hughes Maxwell J. Cresswell Einführung in die Modallogik Berlin New York 1978 |
| Bayessches Netz | Norvig | Norvig I 510 Bayessches Netz/Belief Networks/Probabilistic networks/knowledge map/KI-Forschung/Norvig/Russell: Bayessche Netze können im Wesentlichen jede vollständige gemeinsame Wahrscheinlichkeitsverteilung darstellen und können dies in vielen Fällen sehr präzise tun. Norvig I 511 Ein Bayessches Netz ist ein gerichteter Graph, in dem jeder Knoten mit quantitativen Informationen über die Wahrscheinlichkeit versehen ist. Die vollständige Spezifikation ist wie folgt: 1. Jeder Knoten entspricht einer zufälligen Variable, die diskret oder kontinuierlich sein kann. 2. Ein Satz von gerichteten Links oder Pfeilen verbindet Knotenpaare. Wenn es einen Pfeil von Knoten X zu Knoten Y gibt, gilt X als übergeordnetes Element von Y. Das Diagramm hat keine gerichteten Zyklen (und ist daher ein gerichteter azyklischer Graph (directed acyclic graph) oder DAG. 3. Jeder Knoten Xi hat eine bedingte Wahrscheinlichkeitsverteilung P(Xi |Parents(Xi)), die die Wirkung der Eltern auf den Knoten quantifiziert. Die Topologie des Netzes - der Satz von Knoten und Verbindungen - spezifiziert die bedingten Unabhängigkeitsbeziehungen, die in der Domäne bestehen (...). >Wahrscheinlichkeitstheorie/Norvig, >Unsicherheit/KI-Forschung. Die intuitive Bedeutung eines Pfeils ist typischerweise, dass X einen direkten Einfluss auf Y hat, was darauf hindeutet, dass Ursachen übergeordnete Effekten aller Effekte sein sollten. Sobald die Topologie des Bayesschen Netzes festgelegt ist, müssen wir nur noch eine bedingte Wahrscheinlichkeitsverteilung für jede Variable, gegeben ihrer übergeordneten Variablen, angeben. Norvig I 512 Umstände: Die Wahrscheinlichkeiten fassen tatsächlich eine potenziell Norvig I 513 unendliche Anzahl von Umständen zusammen. Norvig I 515 Inkonsistenz: Wenn es keine Redundanz gibt, dann gibt es auch keine Chance auf Inkonsistenz: Es ist unmöglich für den Wissensingenieur oder Domänenexperte ein Bayessches Netz zu schaffen, das die Axiome der Wahrscheinlichkeit verletzt. Norvig I 517 Diagnostische Modelle: Wenn wir versuchen, ein Diagnosemodell mit Verbindungen von Symptomen zu Ursachen aufzubauen (...), müssen wir letztlich zusätzliche Abhängigkeiten zwischen ansonsten unabhängigen Ursachen (und oft auch zwischen getrennt auftretenden Symptomen) angeben. Kausalmodelle: Wenn wir uns an ein Kausalmodell halten, müssen wir am Ende weniger Zahlen angeben, und die Zahlen werden oft einfacher zu finden sein. Im Bereich der Medizin beispielsweise haben Tversky und Kahneman (1982)(1) gezeigt, dass Fachärzte es vorziehen, Wahrscheinlichkeitsurteile eher für kausale als für diagnostische Regeln abzugeben. Norvig I 529 Inferenz: Da sie als Sonderfall die Inferenz in der Aussagenlogik beinhaltet, ist die Inferenz in Bayesschen Netze NP-hard. >NP-Vollständigkeit/Norvig. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Komplexität der Inferenz Bayesscher Netze und der Komplexität der Constraint-Satisfaction-Probleme (CSPs). >Constraint-Satisfaction-Probleme/Norvig. Clustering-Algorithmen: Mit Hilfe von Clustering-Algorithmen (auch Join-Tree-Algorithmen genannt) kann die Zeit auf O(n) reduziert werden. Aus diesem Grund sind diese Algorithmen in kommerziellen Bayesschen Netztools weit verbreitet. Die Grundidee des Clusterings besteht darin, einzelne Knoten des Netzes zu Clusterknoten zusammenzufügen, so dass das resultierende Netz ein Polytree ist. Norvig I 539 (...) Bayessche Netze sind im Wesentlichen propositional: Das Set von Zufallsvariablen ist fest und endlich, und jedes hat eine feste Domäne von möglichen Werten. Diese Tatsache schränkt die Anwendbarkeit der Bayesschen Netze ein. Wenn wir einen Weg finden, die Wahrscheinlichkeitstheorie mit der Ausdruckskraft von Repräsentationen erster Ordnung zu kombinieren, erwarten wir, dass wir in der Lage sein werden, die Bandbreite der zu bewältigenden Probleme drastisch zu erhöhen. Norvig I 540 Mögliche Welten/Wahrscheinlichkeiten: Für Bayessche Netze sind die möglichen Welten Zuweisungen von Werten zu Variablen; insbesondere für den Boolean case sind die möglichen Welten identisch mit denen der Aussagenlogik. Für ein Wahrscheinlichkeitsmodell erster Ordnung scheint es also, dass wir die möglichen Welten brauchen, die denen der Logik erster Ordnung entsprechen, d.h. eine Reihe von Objekten mit Beziehungen untereinander und eine Interpretation, die konstante Symbole auf Objekte, Prädikatsymbole auf Beziehungen und Funktionssymbole auf Funktionen auf diesen Objekten abbildet. Problem: Das Set der Modelle erster Ordnung ist unendlich. Lösung: Die Datenbanksemantik macht die Annahme einzigartiger Namen - hier übernehmen wir sie für die konstanten Symbole. Es geht auch davon aus, dass die Domäne geschlossen wird - es gibt nicht mehr Objekte als die benannten. Wir können dann eine endliche Menge möglicher Welten garantieren, indem wir das Set der Objekte in jeder Welt genau an das Set der konstanten Norvig I 541 Symbole, die verwendet werden, angleichen. Es gibt keine Unsicherheit über die Zuordnung von Symbolen zu Objekten oder über die vorhandenen Objekte. Relationale Wahrscheinlichkeitsmodelle: Wir nennen Modelle, die auf diese Weise definiert sind, relationale Wahrscheinlichkeitsmodelle (relational probability models oder RPMs. Der Name relationales Wahrscheinlichkeitsmodell wurde von Pfeffer (2000)(2) ursprünglich einer etwas anderen Repräsentation gegeben, aber die zugrunde liegenden Ideen sind die gleichen. >Unsicherheit/KI-Forschung. Norvig I 552 Judea Pearl entwickelte die Methode des Nachrichtenaustauschs (message passing method) zur Durchführung von Inferenz in Netzwerkbäumen (Pearl, 1982a)(3) und Netzwerk-Polytrees (Kim und Pearl, 1983)(4) und erklärte die Bedeutung von kausalen statt diagnostischen Wahrscheinlichkeitsmodellen im Gegensatz zu den damals beliebten certainty-factor systems. Das erste Expertensystem, das Bayessche Netze nutzte, war CONVINCE (Kim, 1983)(5). Erste Anwendungen in der Medizin waren das MUNIN-System zur Diagnose neuromuskulärer Erkrankungen (Andersen et al., 1989)(6) und das PATHFINDER-System für die Pathologie (Heckerman, 1991)(7). Norvig I 553 Die vielleicht am weitesten verbreiteten Bayesschen Netzsysteme waren die Diagnose- und Reparaturmodule (z.B. der PrinterWizard) in Microsoft Windows (Breese und Heckerman, 1996)(8) und der Office Assistant in Microsoft Office (Horvitz et al., 1998)(9). Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet ist die Biologie: Bayessche Netze wurden zur Identifizierung menschlicher Gene unter Bezugnahme auf Mausgene (Zhang et al., 2003)(10), zur Ableitung zellulärer Netze (Friedman, 2004)(11) und vielen anderen Aufgaben in der Bioinformatik verwendet. Wir könnten die Liste fortführen, aber stattdessen verweisen wir Sie auf Pourret et al. (2008)(12), einen 400-seitigen Leitfaden für Anwendungen Bayesscher Netze. Ross Shachter (1986)(13), der in der Einflussdiagramm-Community arbeitete, entwickelte den ersten vollständigen Algorithmus für allgemeine Bayessche Netze. Seine Methode basierte auf einer zielgerichteten Reduktion des Netzes durch posterior-konservierende Transformationen. Pearl (1986)(14) entwickelte einen Clustering-Algorithmus zur genauen Inferenz in allgemeinen Bayesschen Netzen unter Verwendung einer Umwandlung in einen gerichteten Polytree von Clustern, in dem die Nachrichtenaustausch (message passing) verwendet wurde, um Konsistenz über Variablen zu erreichen, die zwischen Clustern geteilt wurden. Ein ähnlicher Ansatz, der von den Statistikern David Spiegelhalter und Steffen Lauritzen (Lauritzen und Spiegelhalter, 1988)(15) entwickelt wurde, basiert auf der Umwandlung in eine ungerichtete Form des grafischen Modells, ein Markov-Netzwerk. Dieser Ansatz wird im HUGIN-System umgesetzt, einem effizienten und weit verbreiteten Werkzeug für unsicheres Schlussfolgern (uncertain reasoning) (Andersen et al., 1989)(6). Boutilier et al. (1996)(16) zeigen, wie man die kontextspezifische Unabhängigkeit in Clustering-Algorithmen nutzt. Norvig I 604 Dynamische Bayessche Netze (DBNs): können als eine spartanische Kodierung eines Markov-Prozesses angesehen werden und wurden zuerst in der KI von Dean und Kanazawa (1989b)(17), Nicholson und Brady (1992)(18) und Kjaerulff (1992)(19) verwendet. Die letzte Arbeit erweitert das HUGIN-Bayes-Netz-System, um dynamische Bayessche Netze aufzunehmen. Das Buch von Dean und Wellman (1991)(20) half, DBNs und den probabilistischen Ansatz zur Planung und Kontrolle innerhalb der KI zu popularisieren. Murphy (2002)(21) bietet eine gründliche Analyse von DBNs. Dynamische Bayessche Netzwerke sind für die Modellierung einer Vielzahl komplexer Bewegungsprozesse in der Computervision populär geworden (Huang et al., 1994(22); Intille und Bobick, 1999)(23). Wie die HMMs haben sie Anwendungen in der Spracherkennung (Zweig und Russell, 1998(24); Richardson et al., 2000(25); Stephenson et al., 2000(26); Nefian et al., 2002(27); Livescu et al., 2003(28)), Norvig I 605 Genomik (Murphy und Mian, 1999(29); Perrin et al., 2003(30); Husmeier, 2003(31)) und Roboterlokalisierung (Theocharous et al., 2004)(32) gefunden. Die Verbindung zwischen HMMs und DBNs sowie zwischen dem Vorwärts-Rückwärts-Algorithmus und der Bayesschen Netzwerkpropagierung wurde von Smyth et al. (1997)(33) explizit hergestellt. Eine weitere Vereinheitlichung mit Kalman-Filtern (und anderen statistischen Modellen) findet sich in Roweis und Ghahramani (1999)(34). Es existieren Verfahren zum Lernen der Parameter (Binder et al., 1997a(35); Ghahramani, 1998(36)) und der Strukturen (Friedman et al., 1998)(37) von DBNs. 1. Tversky, A. and Kahneman, D. (1982). Causal schemata in judgements under uncertainty. In Kahneman, D., Slovic, P., and Tversky, A. (Eds.), Judgement Under Uncertainty: Heuristics and Biases. Cambridge University Press. 2. Pfeffer, A. (2000). Probabilistic Reasoning for Complex Systems. Ph.D. thesis, Stanford University 3. Pearl, J. (1982a). Reverend Bayes on inference engines: A distributed hierarchical approach. In AAAI- 82, pp. 133–136 4. Kim, J. H. and Pearl, J. (1983). A computational model for combined causal and diagnostic reasoning in inference systems. In IJCAI-83, pp. 190–193. 5. Kim, J. H. (1983). CONVINCE: A Conversational Inference Consolidation Engine. Ph.D. thesis, Department of Computer Science, University of California at Los Angeles. 6. Andersen, S. K., Olesen, K. G., Jensen, F. V., and Jensen, F. (1989). HUGIN—A shell for building Bayesian belief universes for expert systems. In IJCAI-89, Vol. 2, pp. 1080–1085. 7. Heckerman, D. (1991). Probabilistic Similarity Networks. MIT Press. 8. Breese, J. S. and Heckerman, D. (1996). Decisiontheoretic troubleshooting: A framework for repair and experiment. In UAI-96, pp. 124–132. 9. Horvitz, E. J., Breese, J. S., Heckerman, D., and Hovel, D. (1998). The Lumiere project: Bayesian user modeling for inferring the goals and needs of software users. In UAI-98, pp. 256–265. 10. Zhang, L., Pavlovic, V., Cantor, C. R., and Kasif, S. (2003). Human-mouse gene identification by comparative evidence integration and evolutionary analysis. Genome Research, pp. 1–13. 11. Friedman, N. (2004). Inferring cellular networks using probabilistic graphical models. Science, 303(5659), 799–805. 12. Pourret, O., Naım, P., and Marcot, B. (2008). Bayesian Networks: A practical guide to applications. Wiley. 13. Shachter, R. D. (1986). Evaluating influence diagrams. Operations Research, 34, 871–882. 14. Pearl, J. (1986). Fusion, propagation, and structuring in belief networks. AIJ, 29, 241–288. 15. Lauritzen, S. and Spiegelhalter, D. J. (1988). Local computations with probabilities on graphical structures and their application to expert systems. J. Royal Statistical Society, B 50(2), 157–224. 16. Boutilier, C., Friedman, N., Goldszmidt, M., and Koller, D. (1996). Context-specific independence in Bayesian networks. In UAI-96, pp. 115–123. 17. Dean, T. and Kanazawa, K. (1989b). A model for reasoning about persistence and causation. Computational Intelligence, 5(3), 142–150. 18. Nicholson, A. and Brady, J. M. (1992). The data association problem when monitoring robot vehicles using dynamic belief networks. In ECAI-92, pp. 689–693. 19. Kjaerulff, U. (1992). A computational scheme for reasoning in dynamic probabilistic networks. In UAI-92, pp. 121–129. 20. Dean, T. and Wellman, M. P. (1991). Planning and Control. Morgan Kaufmann. 21. Murphy, K. (2002). Dynamic Bayesian Networks: Representation, Inference and Learning. Ph.D. thesis, UC Berkeley 22. Huang, T., Koller, D., Malik, J., Ogasawara, G., Rao, B., Russell, S. J., and Weber, J. (1994). Automatic symbolic traffic scene analysis using belief networks. In AAAI-94, pp. 966–972 23. Intille, S. and Bobick, A. (1999). A framework for recognizing multi-agent action from visual evidence. In AAAI-99, pp. 518–525. 24. Zweig, G. and Russell, S. J. (1998). Speech recognition with dynamic Bayesian networks. In AAAI-98, pp. 173–180. 25. Richardson, M., Bilmes, J., and Diorio, C. (2000). Hidden-articulator Markov models: Performance improvements and robustness to noise. In ICASSP-00. 26. Stephenson, T., Bourlard, H., Bengio, S., and Morris, A. (2000). Automatic speech recognition using dynamic bayesian networks with both acoustic and articulatory features. In ICSLP-00, pp. 951-954. 27. Nefian, A., Liang, L., Pi, X., Liu, X., and Murphy, K. (2002). Dynamic bayesian networks for audiovisual speech recognition. EURASIP, Journal of Applied Signal Processing, 11, 1–15. 28. Livescu, K., Glass, J., and Bilmes, J. (2003). Hidden feature modeling for speech recognition using dynamic Bayesian networks. In EUROSPEECH-2003, pp. 2529–2532 29. Murphy, K. and Mian, I. S. (1999). Modelling gene expression data using Bayesian networks. people.cs.ubc.ca/˜murphyk/Papers/ismb99.pdf. 30. Perrin, B. E., Ralaivola, L., and Mazurie, A. (2003). Gene networks inference using dynamic Bayesian networks. Bioinformatics, 19, II 138-II 148. 31. Husmeier, D. (2003). Sensitivity and specificity of inferring genetic regulatory interactions from microarray experiments with dynamic bayesian networks. Bioinformatics, 19(17), 2271-2282. 32. Theocharous, G., Murphy, K., and Kaelbling, L. P. (2004). Representing hierarchical POMDPs as DBNs for multi-scale robot localization. In ICRA-04. 33. Smyth, P., Heckerman, D., and Jordan, M. I. (1997). Probabilistic independence networks for hidden Markov probability models. Neural Computation, 9(2), 227–269. 34. Roweis, S. T. and Ghahramani, Z. (1999). A unifying review of Linear GaussianModels. Neural Computation, 11(2), 305–345. 35. Binder, J., Koller, D., Russell, S. J., and Kanazawa, K. (1997a). Adaptive probabilistic networks with hidden variables. Machine Learning, 29, 213–244. 36. Ghahramani, Z. (1998). Learning dynamic bayesian networks. In Adaptive Processing of Sequences and Data Structures, pp. 168–197. 37. Friedman, N., Murphy, K., and Russell, S. J. (1998). Learning the structure of dynamic probabilistic networks. In UAI-98. |
Norvig I Peter Norvig Stuart J. Russell Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010 |
| Bayessches Netz | Russell | Norvig I 510 Bayessches Netz/Belief Networks/Probabilistic networks/knowledge map/KI-Forschung/Norvig/Russell: Bayessche Netze können im Wesentlichen jede vollständige gemeinsame Wahrscheinlichkeitsverteilung darstellen und können dies in vielen Fällen sehr präzise tun. Norvig I 511 Ein Bayessches Netz ist ein gerichteter Graph, in dem jeder Knoten mit quantitativen Informationen über die Wahrscheinlichkeit versehen ist. Die vollständige Spezifikation ist wie folgt: 1. Jeder Knoten entspricht einer zufälligen Variable, die diskret oder kontinuierlich sein kann. 2. Ein Satz von gerichteten Links oder Pfeilen verbindet Knotenpaare. Wenn es einen Pfeil von Knoten X zu Knoten Y gibt, gilt X als übergeordnetes Element von Y. Das Diagramm hat keine gerichteten Zyklen (und ist daher ein gerichteter azyklischer Graph (directed acyclic graph) oder DAG. 3. Jeder Knoten Xi hat eine bedingte Wahrscheinlichkeitsverteilung P(Xi |Parents(Xi)), die die Wirkung der Eltern auf den Knoten quantifiziert. Die Topologie des Netzes - der Satz von Knoten und Verbindungen - spezifiziert die bedingten Unabhängigkeitsbeziehungen, die in der Domäne bestehen (...). >Wahrscheinlichkeitstheorie/Norvig, >Unsicherheit/KI-Forschung. Die intuitive Bedeutung eines Pfeils ist typischerweise, dass X einen direkten Einfluss auf Y hat, was darauf hindeutet, dass Ursachen übergeordnete Effekten aller Effekte sein sollten. Sobald die Topologie des Bayesschen Netzes festgelegt ist, müssen wir nur noch eine bedingte Wahrscheinlichkeitsverteilung für jede Variable, gegeben ihrer übergeordneten Variablen, angeben. Norvig I 512 Umstände: Die Wahrscheinlichkeiten fassen tatsächlich eine potenziell Norvig I 513 unendliche Anzahl von Umständen zusammen. Norvig I 515 Inkonsistenz: Wenn es keine Redundanz gibt, dann gibt es auch keine Chance auf Inkonsistenz: Es ist unmöglich für den Wissensingenieur oder Domänenexperte ein Bayessches Netz zu schaffen, das die Axiome der Wahrscheinlichkeit verletzt. Norvig I 517 Diagnostische Modelle: Wenn wir versuchen, ein Diagnosemodell mit Verbindungen von Symptomen zu Ursachen aufzubauen (...), müssen wir letztlich zusätzliche Abhängigkeiten zwischen ansonsten unabhängigen Ursachen (und oft auch zwischen getrennt auftretenden Symptomen) angeben. Kausalmodelle: Wenn wir uns an ein Kausalmodell halten, müssen wir am Ende weniger Zahlen angeben, und die Zahlen werden oft einfacher zu finden sein. Im Bereich der Medizin beispielsweise haben Tversky und Kahneman (1982)(1) gezeigt, dass Fachärzte es vorziehen, Wahrscheinlichkeitsurteile eher für kausale als für diagnostische Regeln abzugeben. Norvig I 529 Inferenz: Da sie als Sonderfall die Inferenz in der Aussagenlogik beinhaltet, ist die Inferenz in Bayesschen Netze NP-hard. >NP-Vollständigkeit/Norvig. Es besteht ein enger Zusammenhang zwischen der Komplexität der Inferenz Bayesscher Netze und der Komplexität der Constraint-Satisfaction-Probleme (CSPs). >Constraint-Satisfaction-Probleme/Norvig. Clustering-Algorithmen: Mit Hilfe von Clustering-Algorithmen (auch Join-Tree-Algorithmen genannt) kann die Zeit auf O(n) reduziert werden. Aus diesem Grund sind diese Algorithmen in kommerziellen Bayesschen Netztools weit verbreitet. Die Grundidee des Clusterings besteht darin, einzelne Knoten des Netzes zu Clusterknoten zusammenzufügen, so dass das resultierende Netz ein Polytree ist. Norvig I 539 (...) Bayessche Netze sind im Wesentlichen propositional: Das Set von Zufallsvariablen ist fest und endlich, und jedes hat eine feste Domäne von möglichen Werten. Diese Tatsache schränkt die Anwendbarkeit der Bayesschen Netze ein. Wenn wir einen Weg finden, die Wahrscheinlichkeitstheorie mit der Ausdruckskraft von Repräsentationen erster Ordnung zu kombinieren, erwarten wir, dass wir in der Lage sein werden, die Bandbreite der zu bewältigenden Probleme drastisch zu erhöhen. Norvig I 540 Mögliche Welten/Wahrscheinlichkeiten: Für Bayessche Netze sind die möglichen Welten Zuweisungen von Werten zu Variablen; insbesondere für den Boolean case sind die möglichen Welten identisch mit denen der Aussagenlogik. Für ein Wahrscheinlichkeitsmodell erster Ordnung scheint es also, dass wir die möglichen Welten brauchen, die denen der Logik erster Ordnung entsprechen, d.h. eine Reihe von Objekten mit Beziehungen untereinander und eine Interpretation, die konstante Symbole auf Objekte, Prädikatsymbole auf Beziehungen und Funktionssymbole auf Funktionen auf diesen Objekten abbildet. Problem: Das Set der Modelle erster Ordnung ist unendlich. Lösung: Die Datenbanksemantik macht die Annahme einzigartiger Namen - hier übernehmen wir sie für die konstanten Symbole. Es geht auch davon aus, dass die Domäne geschlossen wird - es gibt nicht mehr Objekte als die benannten. Wir können dann eine endliche Menge möglicher Welten garantieren, indem wir das Set der Objekte in jeder Welt genau an das Set der konstanten Norvig I 541 Symbole, die verwendet werden, angleichen. Es gibt keine Unsicherheit über die Zuordnung von Symbolen zu Objekten oder über die vorhandenen Objekte. Relationale Wahrscheinlichkeitsmodelle: Wir nennen Modelle, die auf diese Weise definiert sind, relationale Wahrscheinlichkeitsmodelle (relational probability models oder RPMs. Der Name relationales Wahrscheinlichkeitsmodell wurde von Pfeffer (2000)(2) ursprünglich einer etwas anderen Repräsentation gegeben, aber die zugrunde liegenden Ideen sind die gleichen. >Unsicherheit/KI-Forschung. Norvig I 552 Judea Pearl entwickelte die Methode des Nachrichtenaustauschs (message passing method) zur Durchführung von Inferenz in Netzwerkbäumen (Pearl, 1982a)(3) und Netzwerk-Polytrees (Kim und Pearl, 1983)(4) und erklärte die Bedeutung von kausalen statt diagnostischen Wahrscheinlichkeitsmodellen im Gegensatz zu den damals beliebten certainty-factor systems. Das erste Expertensystem, das Bayessche Netze nutzte, war CONVINCE (Kim, 1983)(5). Erste Anwendungen in der Medizin waren das MUNIN-System zur Diagnose neuromuskulärer Erkrankungen (Andersen et al., 1989)(6) und das PATHFINDER-System für die Pathologie (Heckerman, 1991)(7). Norvig I 553 Die vielleicht am weitesten verbreiteten Bayesschen Netzsysteme waren die Diagnose- und Reparaturmodule (z.B. der PrinterWizard) in Microsoft Windows (Breese und Heckerman, 1996)(8) und der Office Assistant in Microsoft Office (Horvitz et al., 1998)(9). Ein weiteres wichtiges Anwendungsgebiet ist die Biologie: Bayessche Netze wurden zur Identifizierung menschlicher Gene unter Bezugnahme auf Mausgene (Zhang et al., 2003)(10), zur Ableitung zellulärer Netze (Friedman, 2004)(11) und vielen anderen Aufgaben in der Bioinformatik verwendet. Wir könnten die Liste fortführen, aber stattdessen verweisen wir Sie auf Pourret et al. (2008)(12), einen 400-seitigen Leitfaden für Anwendungen Bayesscher Netze. Ross Shachter (1986)(13), der in der Einflussdiagramm-Community arbeitete, entwickelte den ersten vollständigen Algorithmus für allgemeine Bayessche Netze. Seine Methode basierte auf einer zielgerichteten Reduktion des Netzes durch posterior-konservierende Transformationen. Pearl (1986)(14) entwickelte einen Clustering-Algorithmus zur genauen Inferenz in allgemeinen Bayesschen Netzen unter Verwendung einer Umwandlung in einen gerichteten Polytree von Clustern, in dem die Nachrichtenaustausch (message passing) verwendet wurde, um Konsistenz über Variablen zu erreichen, die zwischen Clustern geteilt wurden. Ein ähnlicher Ansatz, der von den Statistikern David Spiegelhalter und Steffen Lauritzen (Lauritzen und Spiegelhalter, 1988)(15) entwickelt wurde, basiert auf der Umwandlung in eine ungerichtete Form des grafischen Modells, ein Markov-Netzwerk. Dieser Ansatz wird im HUGIN-System umgesetzt, einem effizienten und weit verbreiteten Werkzeug für unsicheres Schlussfolgern (uncertain reasoning) (Andersen et al., 1989)(6). Boutilier et al. (1996)(16) zeigen, wie man die kontextspezifische Unabhängigkeit in Clustering-Algorithmen nutzt. Norvig I 604 Dynamische Bayessche Netze (DBNs): können als eine spartanische Kodierung eines Markov-Prozesses angesehen werden und wurden zuerst in der KI von Dean und Kanazawa (1989b)(17), Nicholson und Brady (1992)(18) und Kjaerulff (1992)(19) verwendet. Die letzte Arbeit erweitert das HUGIN-Bayes-Netz-System, um dynamische Bayessche Netze aufzunehmen. Das Buch von Dean und Wellman (1991)(20) half, DBNs und den probabilistischen Ansatz zur Planung und Kontrolle innerhalb der KI zu popularisieren. Murphy (2002)(21) bietet eine gründliche Analyse von DBNs. Dynamische Bayessche Netzwerke sind für die Modellierung einer Vielzahl komplexer Bewegungsprozesse in der Computervision populär geworden (Huang et al., 1994(22); Intille und Bobick, 1999)(23). Wie die HMMs haben sie Anwendungen in der Spracherkennung (Zweig und Russell, 1998(24); Richardson et al., 2000(25); Stephenson et al., 2000(26); Nefian et al., 2002(27); Livescu et al., 2003(28)), Norvig I 605 Genomik (Murphy und Mian, 1999(29); Perrin et al., 2003(30); Husmeier, 2003(31)) und Roboterlokalisierung (Theocharous et al., 2004)(32) gefunden. Die Verbindung zwischen HMMs und DBNs sowie zwischen dem Vorwärts-Rückwärts-Algorithmus und der Bayesschen Netzwerkpropagierung wurde von Smyth et al. (1997)(33) explizit hergestellt. Eine weitere Vereinheitlichung mit Kalman-Filtern (und anderen statistischen Modellen) findet sich in Roweis und Ghahramani (1999)(34). Es existieren Verfahren zum Lernen der Parameter (Binder et al., 1997a(35); Ghahramani, 1998(36)) und der Strukturen (Friedman et al., 1998)(37) von DBNs. 1. Tversky, A. and Kahneman, D. (1982). Causal schemata in judgements under uncertainty. In Kahneman, D., Slovic, P., and Tversky, A. (Eds.), Judgement Under Uncertainty: Heuristics and Biases. Cambridge University Press. 2. Pfeffer, A. (2000). Probabilistic Reasoning for Complex Systems. Ph.D. thesis, Stanford University 3. Pearl, J. (1982a). Reverend Bayes on inference engines: A distributed hierarchical approach. In AAAI- 82, pp. 133–136 4. Kim, J. H. and Pearl, J. (1983). A computational model for combined causal and diagnostic reasoning in inference systems. In IJCAI-83, pp. 190–193. 5. Kim, J. H. (1983). CONVINCE: A Conversational Inference Consolidation Engine. Ph.D. thesis, Department of Computer Science, University of California at Los Angeles. 6. Andersen, S. K., Olesen, K. G., Jensen, F. V., and Jensen, F. (1989). HUGIN—A shell for building Bayesian belief universes for expert systems. In IJCAI-89, Vol. 2, pp. 1080–1085. 7. Heckerman, D. (1991). Probabilistic Similarity Networks. MIT Press. 8. Breese, J. S. and Heckerman, D. (1996). Decisiontheoretic troubleshooting: A framework for repair and experiment. In UAI-96, pp. 124–132. 9. Horvitz, E. J., Breese, J. S., Heckerman, D., and Hovel, D. (1998). The Lumiere project: Bayesian user modeling for inferring the goals and needs of software users. In UAI-98, pp. 256–265. 10. Zhang, L., Pavlovic, V., Cantor, C. R., and Kasif, S. (2003). Human-mouse gene identification by comparative evidence integration and evolutionary analysis. Genome Research, pp. 1–13. 11. Friedman, N. (2004). Inferring cellular networks using probabilistic graphical models. Science, 303(5659), 799–805. 12. Pourret, O., Naım, P., and Marcot, B. (2008). Bayesian Networks: A practical guide to applications. Wiley. 13. Shachter, R. D. (1986). Evaluating influence diagrams. Operations Research, 34, 871–882. 14. Pearl, J. (1986). Fusion, propagation, and structuring in belief networks. AIJ, 29, 241–288. 15. Lauritzen, S. and Spiegelhalter, D. J. (1988). Local computations with probabilities on graphical structures and their application to expert systems. J. Royal Statistical Society, B 50(2), 157–224. 16. Boutilier, C., Friedman, N., Goldszmidt, M., and Koller, D. (1996). Context-specific independence in Bayesian networks. In UAI-96, pp. 115–123. 17. Dean, T. and Kanazawa, K. (1989b). A model for reasoning about persistence and causation. Computational Intelligence, 5(3), 142–150. 18. Nicholson, A. and Brady, J. M. (1992). The data association problem when monitoring robot vehicles using dynamic belief networks. In ECAI-92, pp. 689–693. 19. Kjaerulff, U. (1992). A computational scheme for reasoning in dynamic probabilistic networks. In UAI-92, pp. 121–129. 20. Dean, T. and Wellman, M. P. (1991). Planning and Control. Morgan Kaufmann. 21. Murphy, K. (2002). Dynamic Bayesian Networks: Representation, Inference and Learning. Ph.D. thesis, UC Berkeley 22. Huang, T., Koller, D., Malik, J., Ogasawara, G., Rao, B., Russell, S. J., and Weber, J. (1994). Automatic symbolic traffic scene analysis using belief networks. In AAAI-94, pp. 966–972 23. Intille, S. and Bobick, A. (1999). A framework for recognizing multi-agent action from visual evidence. In AAAI-99, pp. 518–525. 24. Zweig, G. and Russell, S. J. (1998). Speech recognition with dynamic Bayesian networks. In AAAI-98, pp. 173–180. 25. Richardson, M., Bilmes, J., and Diorio, C. (2000). Hidden-articulator Markov models: Performance improvements and robustness to noise. In ICASSP-00. 26. Stephenson, T., Bourlard, H., Bengio, S., and Morris, A. (2000). Automatic speech recognition using dynamic bayesian networks with both acoustic and articulatory features. In ICSLP-00, pp. 951-954. 27. Nefian, A., Liang, L., Pi, X., Liu, X., and Murphy, K. (2002). Dynamic bayesian networks for audiovisual speech recognition. EURASIP, Journal of Applied Signal Processing, 11, 1–15. 28. Livescu, K., Glass, J., and Bilmes, J. (2003). Hidden feature modeling for speech recognition using dynamic Bayesian networks. In EUROSPEECH-2003, pp. 2529–2532 29. Murphy, K. and Mian, I. S. (1999). Modelling gene expression data using Bayesian networks. people.cs.ubc.ca/˜murphyk/Papers/ismb99.pdf. 30. Perrin, B. E., Ralaivola, L., and Mazurie, A. (2003). Gene networks inference using dynamic Bayesian networks. Bioinformatics, 19, II 138-II 148. 31. Husmeier, D. (2003). Sensitivity and specificity of inferring genetic regulatory interactions from microarray experiments with dynamic bayesian networks. Bioinformatics, 19(17), 2271-2282. 32. Theocharous, G., Murphy, K., and Kaelbling, L. P. (2004). Representing hierarchical POMDPs as DBNs for multi-scale robot localization. In ICRA-04. 33. Smyth, P., Heckerman, D., and Jordan, M. I. (1997). Probabilistic independence networks for hidden Markov probability models. Neural Computation, 9(2), 227–269. 34. Roweis, S. T. and Ghahramani, Z. (1999). A unifying review of Linear GaussianModels. Neural Computation, 11(2), 305–345. 35. Binder, J., Koller, D., Russell, S. J., and Kanazawa, K. (1997a). Adaptive probabilistic networks with hidden variables. Machine Learning, 29, 213–244. 36. Ghahramani, Z. (1998). Learning dynamic bayesian networks. In Adaptive Processing of Sequences and Data Structures, pp. 168–197. 37. Friedman, N., Murphy, K., and Russell, S. J. (1998). Learning the structure of dynamic probabilistic networks. In UAI-98. |
Russell I B. Russell/A.N. Whitehead Principia Mathematica Frankfurt 1986 Russell II B. Russell Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989 Russell IV B. Russell Probleme der Philosophie Frankfurt 1967 Russell VI B. Russell Die Philosophie des logischen Atomismus In Eigennamen, U. Wolf (Hg) Frankfurt 1993 Russell VII B. Russell On the Nature of Truth and Falsehood, in: B. Russell, The Problems of Philosophy, Oxford 1912 - Dt. "Wahrheit und Falschheit" In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 Norvig I Peter Norvig Stuart J. Russell Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010 |
| Bedeutung | Black | I 58 Bedeutung/Grice: Laut Grice entsteht die Bedeutung nur durch Wirkung beim Hörer - und zwar beabsichtigte Bedeutung. - Es geht nicht nur darum, die primäre Sprecherabsicht entdecken, sondern der Hörer soll auch etwas bestimmtes denken. BlackVsGrice: Das ist nicht hinreichend und nicht notwendig: es muss nicht stimmen, obwohl die Bedingungen erfüllt sind, und kann stimmen, obwohl sie nicht erfüllt sind. I 77 Bedeutung/BlackVsGrice: Bsp Eingeborene/Gesten: Der Hintergrund kann nicht verstanden werden, wenn der Kern (Bsp "Es schneit") nicht verstanden ist. Black These: Nicht das Erfassen der Sprecher-Absicht, eine Wirkung beim Hörer hervorzurufen, erlaubt es dem Hörer die Bedeutung zu bestimmen, sondern umgekehrt: Die Entdeckung der Sprecherbedeutung erlaubt es dem Hörer, auf die Sprecher-Absicht zu schließen. >Sprecherbedeutung. Absicht/Black: sicher könnte es Verstehen und Sprecher nicht geben, ohne primitive Situationen, in denen eine Sprecherabsicht erkannt wird - aber das ist kein Beweis für die Richtigkeit einer intentionalistischen Analyse. II 58 Bedeutung/Black: Bedeutung muss außersprachlich angesiedelt sein, damit Wörter überhaupt eine praktische Nutzanwendung haben. - Bsp Feststellen ob eine Farbe da ist. - Unterschiede zwischen Gegenständen der Welt werden entlang der von unserer Sprache angelegten Kategorien erkannt. >Klassifikation, >Kategorisierung. II 98 Bedeutung/Black: Das "Leben der Wörter" besteht nicht in irgendwelchen "mentalen Begleitumständen", sondern eher in der Fähigkeit, mit symbolischen Handlungen in Beziehung zu treten und für sie als Ausgangspunkt zu dienen. Bedeutung kann nicht an irgendeinem Merkmal mentaler Handlungen festgemacht werden. Hirn-o-skop/Black: Hätte man ein solches Instrument, bliebe immer noch die Aufgabe, die Bilder zu interpretieren. >Interpretation. II 211 Bedeutung/Putnam/Black: Die Bedeutung kann nicht der Gegenstand sein! Bsp "Titanic" hätte dann keine Bedeutung mehr. >Referenz, >Nicht-Existenz. Bedeutung muss nicht "in mir" sein, um meine zu sein. - ((s) Putnam: "Bedeutungen sind nicht im Kopf." >Bedeutung/Putnam.) |
Black I Max Black "Meaning and Intention: An Examination of Grice’s Views", New Literary History 4, (1972-1973), pp. 257-279 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, G. Meggle (Hg) Frankfurt/M 1979 Black II M. Black Sprache. Eine Einführung in die Linguistik München 1973 Black III M. Black The Prevalence of Humbug Ithaca/London 1983 Black IV Max Black "The Semantic Definition of Truth", Analysis 8 (1948) pp. 49-63 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Bedeutung | Dennett | I 565 Bsp Getränkeautomat: Ein Getränkeautomat, der Vierteldollarmünzen erkennt, wird später nach Brasilien geschaft, wo er bestimmte einheimische Münzen akzeptiert. - These: Die Umwelt schafft Bedeutung. Bedeutung/Funktion/Evolution/Dennett: Die Bedeutung ist wie die Funktion im Moment ihres Entstehens noch nichts Bestimmtes! Bsp Angenommen, wir haben einen Froschzoo mit ausschließlich Fliegenattrappen, aber ausreichender Ersatzernährung für Frösche - was sagen die Augen dem Gehirn dann? I 281 Bedeutung/Dennett: Entstehung, Geburt der Bedeutung: These: Die Nucleotidsequenzen, zunächst rein syntaktisch, nehmen "Semantik" an - "Quasi-Bedeutung": Bsp Wirkungsweise von Makromolekülen - SearleVsDennett: das ist nur Als-Ob-Intentionalität. >Als-ob/Searle. DennettVsSearle: Irgendwo muss man anfangen - die ersten Schritte sind aber nicht als Schritte in Richtung Bedeutung zu erkennen. I 282 Auch zu uns gehören Teile, die nur Halb-Intentionalität haben. Brandom I 110f Bedeutung/Dennett: Dass etwas ein Stück Kupfer ist, bedeutet nichts anderes, als dass es angemessen ist, es als solches zu behandeln. >Zwillingserde, >Referenz. |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Bedeutung | Dewey | Suhr I 164 Bedeutung/Dewey: Die Blume bedeutet im Akt etwas, sie hat Sinn. sie z.B. die Eigenschaft, tragbar zu sein. Die Konsequenzen sind die eigentliche Natur des Dings. Sie zu begreifen, heißt, die Definition zu begreifen. >Definition, >Verstehen, >Handlungen, >Realität; vgl. >Interaktion. |
Dew II J. Dewey Essays in Experimental Logic Minneola 2004 Suhr I Martin Suhr John Dewey zur Einführung Hamburg 1994 |
| Bedeutung | Dummett | I 18 Sinn: Nach Frege hat der Ausdruck den Sinn einfach. Dem Verwender braucht sein Sinn nicht immer vorzuschweben. Für sich genommen ist der Sinn objektiv. I 29 Wittgenstein/Dummett: Die Gebrauchstheorie macht Wahrheitsbegriff überflüssig > Bedeutung vor Wahrheit. I 45 f .... bei Husserl eine Äußerung jeweils die Bedeutung annimmt, mit der sie durch einen inneren Akt erfüllt wird. (>Humpty-Dumpty-Theorie). I 152 Def Bedeutung/Dummett: (eines Ausdrucks) dasjenige, was man kennen muß, um den Ausdruck zu verstehen. I 154/55 Def Bedeutung: das, was einen Satz wahr macht. Dummett: Bedeutung muss nicht durch Verstehen erklärt werden! (Sprecher haben keine explizite Theorie) - aber auch: DummettVsWittgenstein: Beherrschung ist mehr als praktische Fähigkeit. I 188 Dummett/Frege: Kenntnis der Bedeutung = Kenntnis der Wahrheitsbedingungen - WittgensteinVs Ein Sinnkriterium hat keine Grundlage, wenn ihm keine Bedeutungstheorie als Stütze dient. II 109 Bedeutung/DummettVsDavidson: triviale Axiome ("Schnee../Schnee) zeigen nicht selbst das Verständnis, sondern schieben die Aufgabe des Erklärens in die Theorie des Sinns - sie erklärt, was es bedeutet, die entsprechende Proposition zu erfassen II 133 Bedeutung/Dummett: bleibt ein ungelöstes Problem. I 29 Korrespondenz-Theorie/Kohärenz-Theorie: Bedeutung vor Wahrheit - Davidson: Wahrheit vor Bedeutung (die Wahrheitsbedingungen werden später durch die Theorie festgelegt). - Dummett: beide zusammen! Gebrauch/Wahrheit/Wittgenstein/Dummett: die Gebrauchstheorie macht den Wahrheitsbegriff überflüssig > Bedeutung vor Wahrheit. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Bedeutung | Field | II 161 Def Quasi-Übersetzung/Def Quasi-Bedeutung/FieldVsChurch/FieldVsSchiffer/Field: Die Quasi-Übersetzung ist, was die meisten unter Bedeutung verstehen - damit ist nicht die wörtliche Übersetzung, sondern die Wiedergabe gemeint, so wie der Interpret den Gebrauch der entsprechenden Wörter in seiner eigenen Sprache zu dem Zeitpunkt in seiner aktualen Welt versteht. >Wirkliche Welt, >Aktualität, >Mögliche Welten. Vergleich: Der Vergleich wird gerade in der Quasi-Übersetzung gewahrt, nicht in einer wörtlichen. >Vergleichbarkeit, >Übersetzung. Sententialismus/Sententionalismus/Field: Wenn wir sagen: jemand sagt, dass Schnee weiß ist, drücken wir eine Relation zwischen der Person und dem Satz aus. 1. Quasi-Übersetzung und Quasi-Bedeutung statt wörtlicher Bedeutung. 2. "La neige est blanche" quasi-bedeutet dasselbe wie #Schnee ist weiß#. (#) was zwischen # steht, soll seinerseits weiter(quasi-) übersetzt werden. In der Quasi-Übersetzung wird die Quasi-Bedeutung erhalten. II 167 Intentionale Bedeutung/Field: Intentionale Bedeutung ist völlig leer. Bsp Angenommen, wir wollten eine Theorie intentionaler Bedeutung, dann brauchten wir auch eine ihrer Kombinationen und zusätzlich noch eine Theorie der entsprechenden Wahrheitsbedingungen. >Sprecherintention, >Intentionsbasierte Semantik, >Wahrheitsbedingungen. Problem: Wenn wir hier eine Theorie aufstellen, ist es nicht mehr völlig trivial, dass die intentionale Bedeutung von "Platon" eben Platon ist. Dann brauchen wir eine Extra-Erklärung. Das würde nichts lösen, sondern nur Probleme bringen. >Meinen. Stattdessen: Kompositionale Theorie der Ausdrücke (nicht der Bedeutungen). >Kompositionalität, >Ausdrücke. |
Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Bedeutung | Flusser | I 134 Bedeutung/Flusser: Die scheinbare Bedeutung von Texten beruht auf "grammatikalischen Fehlern". Dass die vermittelnden Bücher Wände zu bilden beginnen ist ein Zeichen dafür, dass die Informationen der Texte unvorstellbar werden. Es ist ein Irrtum, sich beim Lesen von Texten ein Bild machen zu wollen. >Text, >Schrift, >Verstehen, >Vorstellung, >Zeichen, >Grammatik, >Information. I 135 Bedeutung/Fiktion/Flusser: Keine Argumentation kann darüber hinwegtäuschen, dass unvorstellbare Texte nichts bedeuten. >Bedeutung, >Vorstellbarkeit, >Sinn, >Argumentation. VsFlusser: Dagegen gibt es zahlreiche Einwände. Bsp dass "Wurzel 2" zwar unvorstellbar, aber eine Bedeutungsbereicherung sei. >Zahlen, >Irrationale Zahlen. FlusserVsVs: Missverständnis: Das Bild, das man lernt, sich von Begriffen zu machen, ist nicht die Bedeutung, die der Begriff meint, sondern es gibt ihm erst die Bedeutung. >Begriffe, >Bilder. I 165 Bedeutung/Bild/Flusser: Die Fotografie aus dem Teleskop ist ein Bild, das die Begriffe "Stern" und "Astronom" bedeutet, und zwar, indem sie sie vorstellbar macht. >Fotografie. Es wäre also falsch zu glauben, in einem Astronomiebuch würden die Texte die Bilder beschreiben, im Gegenteil: die Texte entspringen aus den Fotografien. D.h.: in solchen astronomischen Texten werden Technobilder richtig verwendet. >Terminologie/Flusser, >Technobilder. Das Problem des Apparats ist damit aber noch nicht gelöst: das Teleskop wurde doch zum Zweck der Beobachtung hergestellt, d.h. es basiert auf dem Glauben, dass es unabhängig von ihm selbst Sterne gibt, und gleichzeitig erschüttert es diesen Glauben bei seiner Benutzung. >Beobachtung, >Realität, >Welt/Denken, >Theorie, >Messen. |
Fl I V. Flusser Kommunikologie Mannheim 1996 |
| Bedeutung | Grice | I 2 ff Bedeutung/Zeichnung/Fotografie: Das Foto mit Herrn X in eindeutiger Stellung mit Frau Y bedeutet nichts! Die Zeichnung mit dem gleichen Gegenstand bedeutet etwas. (>Absicht). I 4 Def Bedeutungn/Grice: Bsp Masern haben eine "natürliche Bedeutung". Sie sind Anzeichen, natürliche Zeichen und werden erkannt, nicht verabredet. Sie sind erforschbar und keine Konvention. Def Bedeutung: Eine nicht-natürliche Bedeutung ist eine Äußerung, ein Zeichen, eine Verabredung, Konvention, Metaphern und unbewusste Regelmäßigkeiten. >Konventionen, >Metaphern, >Regularität, >Zeichen, >Äußerungen. II 17 Bedeutung/Grice: Bedeutung folgt nicht aus Absicht: Bsp Ein Täter kann falsche Spuren zurücklassen. I 8 Absicht braucht Vorstellung über die Wirkung. Hörer-Bedeutung: Was der andere meiner Ansicht nach tun sollte, kann nicht die Bedeutungen liefern. Eine Abweichung braucht gute Gründe. I 36 Sprecher-Bedeutung: Die Sprecher-Bedeutung kann bei ein- und demselben Satz verschieden sein. >Sprecherbedeutung. III 85 Anführungszeichen sind semantisch wichtig. Avramides I 2 Bedeutung/Grice (1957): neu: Avramides: Das Bemerkenswerteste an diesem "neuen Zugang" ist der unbewusste Gebrauch der Begriffe Intention und Glauben. Zirkulär: Wenn man die unerwünschten Fälle von vornherein ausschließen wollte, wäre dies zirkulär. Vorgeschichte: Stevenson: Bedeutung braucht Konstanz - sonst ist sie bloß ein Geräusch. Lösung: Gewohnheiten der Sprecher. I 4 Grice/Avramides: Avramides geht es dabei mehr darum zu verstehen, wie Äußerungen zu ihrem Inhalt kommen. Intentionen müssen dazu in Begriffen des Inhalts erklärt werden, nicht umgekehrt. Dies lässt immer noch die Frage offen, wie Intentionen und Glaubenseinstellungen zu ihrem Inhalt kommen. I 5 Grice: in der Tradition Austin/Searle, später Wittgenstein: Sprache muss im Kontext des Verhaltens betrachtet werden. I 10 Bedeutung/Grice/Avramides: These: Wir beginnen mit Sprecher-Bedeutung in einer Situation und liefern eine Analyse in Begriffen von psychischen Zuständen des Sprechers und des Hörers. Avramides I 11 Fundamental: "S meint in einer Situation, dass p" - dabei hat Grice den Begriff des "Meinens" hinreichend geklärt. Grice III 90 Situations-Bedeutung/Grice: Die Situations-Bedeutung kann geäußert und gemeint und trotzdem falsch sein. I 95 Bedeutung/Praxis/Grice: Die bekannte Praxis des Sprechers ist nicht eindeutig für Bedeutung. Der Satz kann noch andere Bedeutungen haben. S kann noch andere Mittel haben. Wir brauchen einen Begriff wie "S hat in seinem Repertoire..." Newen I 77 Bedeutung/Grice/Newen/Schrenk: Entscheidend ist die Sprecherabsicht. Dabei gibt es 5 Stufen: 1. das Verhalten, 2. die psychologische Theorie über Wünsche usw., 3. die Theorie der subjektiven Äußerungsbedeutungen: a) für Hörer und b) für Sprecher, 4. die intersubjektive Bedeutung (konventionale Äußerungsbedeutung, VsGrice: hat keine Theorie der Konventionen) und 5. Kompositionalität. >Kompositionalität. Newen I 80 Natürliche Bedeutung/Grice: Bsp "Diese Flecken bedeuten Masern": hier kann es keinen Irrtum geben! Sonst sind es andere Flecken. Kommunikation: Jegliche Bedeutung in der Kommunikation ist eine nicht-natürliche Bedeutung. Bei der nicht-natürlichen Bedeutung kann es zu Irrtümern kommen. Schiffer I XIII Bedeutung/Grice: (1957)(1): Die Ausdrucks-Bedeutung ist in Begriffen der Sprecher-Bedeutung zu finden. Diese ist letztlich rein psychologisch. 1. H. P. Grice Meaning. The Philosophical Review, Vol. 66, No. 3. (Jul., 1957), pp. 377-388 |
Grice I H. Paul Grice "Meaning", in: The Philosophical Review 66, 1957, pp. 377-388 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Megle Frankfurt/M. 1993 Grice II H. Paul Grice "Utterer’s Meaning and Intentions", in: The Philosophical Review, 78, 1969 pp. 147-177 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Grice III H. Paul Grice "Utterer’s Meaning, Sentence-Meaning, and Word-Meaning", in: Foundations of Language, 4, 1968, pp. 1-18 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Grice IV H. Paul Grice "Logic and Conversation", in: P. Cple/J. Morgan (eds) Syntax and Semantics, Vol 3, New York/San Francisco/London 1975 pp.41-58 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 New II Albert Newen Analytische Philosophie zur Einführung Hamburg 2005 Newen I Albert Newen Markus Schrenk Einführung in die Sprachphilosophie Darmstadt 2008 |
| Bedeutung | Habermas | III 412 Def Bedeutung/Kommunikatives Handeln/Habermas: innerhalb unserer Theorie des kommunikativen Handelns besteht die Bedeutung eines elementaren Ausdrucks in dem Beitrag, den dieser zur Bedeutung einer akzeptablen Sprechhandlung leistet. Und um zu verstehen, was ein Sprecher mit einem solchen Akt sagen will, muss der Hörer die Bedingungen kennen, unter denen er akzeptiert werden kann. >Akzeptierbarkeit/Habermas, >Sprechakte, >Illokutionäre Akte, >Perlokutionäre Akte. Insofern weist bereits das Verständnis eines elementaren Ausdrucks über die Minimalbedeutung des Ausdrucks „Verständigung“ hinaus. >Verständigung/Habermas, >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Bedeutung | Leeds | Field II 162 Leeds/linguistische Sicht/LeedsVsChurch/Bedeutung/Extension/Field: (Leeds 1979)(1): - wörtliche Bedeutung /Leeds: Bsp das deutsche Wort "bedeuten" bedeutet wörtlich nicht dasselbe wie das englische "means": es hat nicht einmal dieselbe Extension - Pointe: "bedeutet" bezieht "dog" auf "Hund" und "Hund" auf "Hund", aber nicht auf "dog". "means": bezieht "dog" auf "dog" und "Hund" auf "dog" aber nicht auf "Hund" - aber: "bedeutet" und "means" stehen dennoch in einer wichtigen Homologie-Relation: Homologie/Bedeutung/Field: Bsp folgende zwei Prädikate sind extensional verschieden: a) "die Temperatur-in-Fahrenheit von x ist r" und b) "die Temperatur-in-Celsius von x ist r" Lösung: Diese Homologie macht es sinnvoll, "bedeutet Hund" als "means dog" zu übersetzen. Leeds: Die wörtliche Bedeutung ist nicht wichtig! Wir können sie gar nicht erhalten - Field dito. DummettVsChurch: Das unterminiert dessen Argument. >Übersetzung, >Referenz, >Übersetzung/Field, >Bedeutung/Field. 1. Stephen Leeds (1979). Church's Translation Argument. Canadian Journal of Philosophy 9 (1):43 - 51 |
Leeds I Stephen Leeds "Theories of Reference and Truth", Erkenntnis, 13 (1978) pp. 111-29 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Bedeutung | McDowell | I 160ff Bedeutung/Quine: Neu: "empirische Bedeutung": ist intellektuell angesehen, weil er vollständig durch die gesetzmäßig ablaufenden Operationen der Rezeptivität erklärbar ist. Der alte Bedeutungsbegriff steht dagegen auf der falschen Seite dieser Dualität. (Siehe auch Inhalt/McDowell). Bedeutung/Quine: der Witz besteht bei Quine darin, dass Bedeutung im intuitiven Sinn nicht durch exogene Faktoren bestimmt werden kann. I 184/5 McDowell: wenn wir nun das Dritte Dogma (Trennung von >Schema/Inhalt) fallen lassen, ist es nicht überraschend, dass die Bedeutung nun durch die "empirische Bedeutung" unterbestimmt ist. I 185 McDowell: die "empirische Bedeutung" kann ja sowieso gar keine richtige Bedeutung sein, da sie als Gegenstück zur "begrifflichen Souveränität" nichts mehr mit Gründen und Rechtfertigung zu tun haben kann. McDowellVsQuine: das zeigt aber nicht, dass Bedeutung überhaupt unterbestimmt ist! Dazu müsste man zeigen, daß wir einen untilgbaren Spielraum haben, wenn wir nach einer Art von Verstehen suchen, die uns aus dem Gebiet der "empirischen Bedeutung" herausbringt. Ein Verstehen, das zeigt, wie Lebensphänomene in der Ordnung der Rechtfertigung, dem Raum der Vernunft, strukturiert werden. Das kann man nicht von Quine lernen. I 119 Bedeutung/McDowell: wir dürfen sie nicht "sozialpragmatisch" oder "kommunitaristisch" konstruieren. (Das hat Wittgenstein auch nicht getan). Sonst ist sie nicht mehr autonom. Ungezügelter Platonismus wäre hier ein Hang zum Okkulten. Wittgenstein: hat nicht behauptet, dass Bedeutung nichts anderes wäre als Zustimmung oder Ablehnung durch die Gemeinschaft. (>Bedeutung/Kripke). I 119 Kripkes Wittgenstein/McDowellVsKripke: kommt zu dem Ergebnis, dass es nichts gibt, was die Empfänglichkeit für die Forderung konstituiert, die die Bedeutung an uns stellt, stattdessen müssen wir die Rolle des Gedankens in unserem Leben mittels unserer Partizipation in der Gemeinschaft verstehen. I 121 These: Bedeutung/McDowellVsDualismus: Lösung: zweite Natur. Die Idee der Bildung bürgt dafür, dass die Autonomie der Bedeutung nicht inhuman ist. Das lässt keine echten Fragen über Normen aufkommen. II XIV Bedeutung/McDowell: Wahrheitstheorie ist nicht ausreichend für eine Bedeutungstheorie wegen der Äquivalenz von "Schnee ist weiß" und "Gras ist grün". - Das ist wahr, aber nicht bedeutunggebend. - McDowell: These: wir brauchen zusätzlich psychologische Begriffe. - II XV Problem: dann müssen die propositionalen Einstellungen genauso fixiert sein wie die Bedeutungen. - > Radikale Interpretation. |
McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell |
| Bedeutung | Minsky | Minsky I 64 Bedeutung/Minsky: Wir sind der Ansicht, dass nichts für sich allein genommen eine Bedeutung haben kann, sondern nur in Bezug auf andere Bedeutungen, die wir bereits kennen. (...) Es ist nichts grundsätzlich falsch an der Idee einer Gesellschaft, in der jeder Teil den anderen Teilen Bedeutung verleiht. >Society of Minds. Kommunikation/Minsky: Wenn jeder Verstand etwas anderes in sich aufbaut, wie kann dann ein Verstand mit einem anderen Verstand kommunizieren? Letztlich ist Kommunikation sicherlich eine Frage des Grades, aber es ist nicht immer beklagenswert, wenn sich verschiedene Geister nicht perfekt verstehen. Denn dann können wir, vorausgesetzt, es bleibt etwas Kommunikation übrig, den Reichtum der Gedanken des anderen teilen. Verstehen/Minsky: Das Geheimnis, was etwas für uns bedeutet, hängt davon ab, wie wir es mit all den anderen Dingen, die wir kennen, verbunden haben. Deshalb ist es fast immer falsch, den wahren Sinn von etwas zu suchen. Eine Sache mit nur einer Bedeutung hat kaum eine Bedeutung. Kreativität/Minsky: Reiche Bedeutungsnetze bieten jedoch viele verschiedene Möglichkeiten: Wenn man ein Problem nicht auf die eine Weise lösen kann, kann man es auf eine andere versuchen. Es stimmt, zu viele wahllose Verbindungen vernebeln den Geist. Aber gut vernetzte Bedeutungsstrukturen ermöglichen es Ihnen, Ideen im Kopf umzudrehen, Alternativen zu erwägen und sich die Dinge aus vielen Perspektiven vorzustellen, bis Sie eine finden, die funktioniert. Und das ist es, was wir mit Denken meinen! Minsky I 67 Die Worte und Symbole, mit denen wir unsere übergeordneten Ziele und Pläne zusammenfassen, sind nicht die gleichen wie die Signale, mit denen wir die untergeordneten Ziele und Pläne steuern. Wenn also unsere übergeordneten Behörden versuchen, in die feinen Details der von ihnen ausgebeuteten untergeordneten Maschinen einzudringen, können sie nicht verstehen, was vor sich geht. Die Bedeutung selbst ist relativ zu Größe und Umfang: Es macht nur in einem System, das groß genug ist, um viele Bedeutungen zu haben, Sinn, über eine Bedeutung zu sprechen. Vgl. >Übersetzung/Minsky. ((s) Für die philosophische Diskussion von Problemen in Bezug auf den Bedeutungsbegriff: >Bedeutung/Philosophische Theorien, insbesondere >Humpty-Dumpty-Theorie). |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Bedeutung | Poundstone | I 339 Bedeutung/PoundstoneVsPutnam: Bedeutung ist im Kopf, d.h. im Bewusstsein dessen, der die Chiffrierung (Kryptographie) versteht. Vs: Putnam: Bedeutungen sind nicht im Kopf. >Zwillingserde, >Bedeutungen nicht im Kopf, >Bedeutung/Putnam. Codierung/Code/Extremfall: Die Regeln ergeben "iii..." dann ist die Regel zwischen Text und Schlüssel aufgeteilt. >Code, >Information, >Codierung, >Text, >Verstehen, >Dekodierung. |
Poundstone I William Poundstone Im Labyrinth des Denkens Hamburg 1995 |
| Bedeutung | Sellars | I 56 Thermometertheorie/Bedeutung/Price/Sellars: Hauptvertreter: Price - These: Bedeutung bestehe aus der Syntax eines Prädikats und der Tatsache einer Reaktion. - SellarsVs: Fehler: Bedeutung als Relation zwischen einem Wort und einer nichtsprachlichen Entität anzusehen. Tags: >Mythos vom Museum. >Wortbedeutung. II 306 Bedeutung/Tradition(Atomismus): Beziehung zwischen einem sprachlichen und einem nicht-sprachlichen Gegenstand ist rein logisch. II 307 SellarsVs: Konsequenz: dann wäre Wahrheit auch eine rein relationale Eigenschaft. Aber: sie ist keine reale Eigenschaft. Bedeutung ist keine reale Beziehung. Sondern es ist komplizierter. >Atomismus, >Gegenstände/Sellars, >Wahrheit, >Bedeutung, >Relationen. |
Sellars I Wilfrid Sellars Der Empirismus und die Philosophie des Geistes Paderborn 1999 Sellars II Wilfred Sellars Science, Perception, and Reality, London 1963 In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 |
| Bedeutung | Tugendhat | I 21 Bedeutung/Tugendhat: Bedeutung ist letztlich nicht auf Gegenstände bezogen (sowenig wie auf Umstände) sondern auf Wahrheitsbedingungen. - Später: auf Verifikationsbedingungen. >Wahrheitsbedingungen, >Verifikationsbedingungen, >Verifikation, >Umstände/Tugendhat. I 263 Satzbedeutung/Tugendhat: durch Angabe seiner Wahrheitsbedingungen - und diese durch Vorführen der Verifikationsweise erklärt. >Satzbedeutung. I 282 Bedeutung/Tugendhat: Die Bedeutung des Satzes "p" ist nicht der Sachverhalt (Tatsache) dass p: das scheitert an den Sätzen, die deiktische Ausdrücke enthalten: verschiedene Situationen haben nämlich verschiedene Wahrheitsbedingungen. >Situationen, vgl. >Situationssemantik. I 283 Satzbedeutung/Tugendhat: Funktion. - Argumente: Verwendungssituationen des Satzes - Werte: die Behauptungen (Wahrheitsbedingungen). >Funktionen, >Gebrauch, >Gebrauchstheorie (nur für Wörter, nicht für Sätze). I 432 Bedeutung/Tugendhat: (s. o.) Funktion, deren Argumente die Redesituationen und deren Werte die Gegenstände sind. "Die Bedeutung bildet die Redesituationen auf die Gegenstände ab." Vs: das ist aber metasprachlich - es setzt das Verständnis von "ich", "hier" usw voraus um "ein Ort, der..." zu verstehen. >Verstehen, vgl. >Sprecherbedeutung. Die Demonstrativa weisen über die Situation hinaus - (weil sie keine Namen sind) - Substituierbarkeit gehört zur Bedeutung von Demonstrativa. >Demonstrativa, >Substitution. II 231 "Bedeutung"/Frege/Tugendhat: sollte man nicht mit "Referenz" übersetzen, Referenz nur dort, wo Frege Sätze als Eigennamen auffasst. >Referenz, >Fregesche Bedeutung, >Fregescher Sinn, >Sinn, Frege unterscheidet zwischen Referenz von Namen und Wahrheitswerten von Sätzen. >Wahrheitswerte, >Sätze. II 240 Sonst entsteht ein Fehler: Frege: "..dass man Sinn und Begriff einerseits und Bedeutung und Gegenstand andererseits zusammenfließen lässt". Richtig: "Was zwei Begriffswörter (Prädikate) bedeuten ist dann und nur dann dasselbe, wenn die zugehörigen Begriffsumfänge (Wertverläufe) zusammenfallen". >Begriffsumfang, >Werteverlauf. II 247 Tugendhat: (a propos Unterschied Bedeutung/Referenz): dennoch Primat der Wahrheit vor den Gegenständen. >Wahrheit/Tugendhat, >Wahrheit. II 242 Bedeutung/Tugendhat: Sätze sind bedeutungsvoll, indem sie wahr/falsch sein können. Prädikate: sind bedeutungsvoll, indem sie auf einige (und nicht andere) Gegenstände zutreffen. >Zutreffen, >Erfüllung, >wahr-von. Namen: sind bedeutungsvoll, indem sie etwas bezeichnen, dem Prädikate zu- oder abgesprochen werden können. >Namen, >Prädikation. |
Tu I E. Tugendhat Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976 Tu II E. Tugendhat Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992 |
| Bedeutung | Wittgenstein | Tugendhat I 187 Bedeutung/Wittgenstein: die Bedeutung des Wortes ist das, was die Erklärung der Bedeutung erklärt. (Philosophische Untersuchungen § 560) - Tugendhat: rein sprachlich, daher kein Gegenstand, für den die Bedeutung steht. - Charakterisierung - >Erklärung - >Verstehen - > Gebrauchstheorie - > Manifestation/Dummett, >Antirealismus/Dummett. Hintikka I 234 Bedeutung/Wittgenstein/Hintikka: früh: Erfassen einer zweistelligen Relation - mittlerer Wittgenstein: Gebrauchsregeln aneignen (Problem: einmaliges Zeigen) - spät: Beherrschen einer Technik. I 268 Bedeutung/Sprachspiel/Wittgenstein/Hintikka: Uns ist bis jetzt kein Sprachspiel gegeben, das einem bestimmten Ausdruck eine Bedeutung verleihen würde. II 81 Wort/Bedeutung/Wortbedeutung/Wittgenstein: das Wort hat seine Bedeutung bei sich - sie kann nicht etwas anderes, sein - etwas, was man womöglich nicht kennt - dagegen: die Regeln hat das Wort nicht bei sich - sie beschreiben nachträglich den Gebrauch. III 220 Bedeutung/Wittgenstein/spät/Flor: nicht Anwendungsbedingungen - ein Wort hat auch Bedeutung, wenn es keine konkreten Anwendungsbedingungen gibt. - Ein Wort hat keine Bedeutung "an sich". - ((s) >Weitere Autoren zu Gebrauchstheorie). |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 Tu I E. Tugendhat Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976 Tu II E. Tugendhat Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Bedeutungs-Holismus | Brandom | I 814 Bedeutungsholismus/Two Dogmas/Brandom: Sowohl die begriffsinternen als auch die begriffsexternen inferentiellen Relationen stehen pragmatisch und methodologisch auf gleicher Ebene. >Two Dogmas, >Holismus, >Pragmatik, >Inferenzen. |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Bedeutungstheorie | Avramides | I 7ff Bedeutungstheorie/BT/Davidson/Dummett/Avramides: Davidson und Dummett vertreten einen "pessimistischen" Ansatz: statt direkt fragen zu können, was Bedeutung ist, können wir nur fragen, wie eine Theorie der Bedeutung aussehen muss. Dummett: äußert sich ungefähr so: "Bedeutung ist, was die Bedeutungstheorie erklärt" - Das steht in starkem Kontrast zu Grice. DavidsonVsGrice. Avramides: Diese Sicht ist zu pessimistisch. Davidson: Welche Form muss eine Bedeutungstheorie haben? 1. Die Theoreme müssen für Sprecher und Hörer verständlich sein 2. Potentiell unendlich viele Sätze müssen erklärt werden können. 3. Kompositionalität muss erklärt werden können. Lösung/Davidson: Einen semantischen Wahrheitsbegriff (Tarski) zu haben heißt, die Sprache zu verstehen. DummettVsDavidson: Verifikations-Bedingungen statt Wahrheitsbedingungen. >Verifikationsbedingungen, >Wahrheitsbedingungen. I 94 Bedeutungstheorie/Grice/John Biro/Avramides: Es geht der Theorie nicht darum, wie man Bedeutung herausbekommt, sondern was sie konstituiert; nicht darum, was einem die Bedeutung verrät, sondern was es ausmacht, dass eine Äußerung Bedeutung hat. "Konstitution von Bedeutung ist eine Sache, sie zu verraten eine andere". |
Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 |
| Bedeutungstheorie | Davidson | II 40 Bedeutungstheorie/BT/Davidson: Statt "stellt fest" besser: "Theorie T beinhaltet..." - Das Entailment ist dann eine Relation zwischen der Theorie und einer Äußerung des Sprechers, der das Entailment behauptet. - Dann hat Theorie T als logische Konsequenz einen Satz, der synonym ist mit meiner Äußerung von ""Schnee ist weiß" ist wahr, wenn...". >Entailment. Das bringt den Begriff der Synonymie herein, ist aber nicht zirkulär, denn genau das wollten wir für den Begriff der Übersetzung haben. - Die Übersetzungstheorie haben wir dem Übersetzer schon zugeschrieben. >Übersetzung. II 41 Letztlich ist keine strikte Bedeutungstheorie möglich wegen indexikalischer Elemente. - (Das ist kein Problem für die Wahrheitstheorie). >Wahrheitstheorie. Glüer II 18 Bedeutung/Bedeutungstheorie: A. Wahrheitskonditionale Semantiken (Davidson) und B. Verifikationstheorien der Bedeutung. (Dummen, Putnam, Habermas). Alle Verifikationstheorien nehmen die Überprüfbarkeit der angenommenen Beziehung in Anspruch a) stärkste Version: Einen Satz versteht, wer weiß, dass er wahr ist. b) schwächer: Verstehen ist an Kenntnis der Verifikationsverfahren gebunden. (Dummett, Wiener Kreis) - oder an Akzeptabilitätsbedingungen: Putnam und Habermas. Danach versteht einen Satz, wer weiß, wie er verifiziert bzw. wann er als wahr akzeptiert wird. >Verifikation, >Methode, >Verifikationismus. Dummett III 137 Bedeutungstheorie/Axiome/Davidson: "Oxford" bezeichnet Oxford: nicht von der Stadt Oxford, dass der Name "Oxford" sie bezeichnet, sondern umgekehrt: von dem Namen "Oxford", dass er die Stadt Oxford bezeichnet. - Das ist mehr als bloße Kenntnis der Referenz. Schiffer I 3 Bedeutungstheorie/BT/Davidson: These: Sie sollte die Form einer extensionalen, endlich axiomatisierten Wahrheitstheorie für die Sprache L im Tarski-Stil haben. Und zwar irgendwie auf Äußerungen relativiert. Tarski-Stil: >Zitattilgungsschema. Lewis: sie muss Wahrheitsbedingungen berücksichtigen - Schiffer: daraus folgt aber nichts in Bezug auf die Form der Bedeutungstheorie. Dummett: Bedeutungstheorie und Theorie des Verstehens sind identisch. >Verstehen/Dummett. |
Davidson I D. Davidson Der Mythos des Subjektiven Stuttgart 1993 Davidson I (a) Donald Davidson "Tho Conditions of Thoughts", in: Le Cahier du Collège de Philosophie, Paris 1989, pp. 163-171 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (b) Donald Davidson "What is Present to the Mind?" in: J. Brandl/W. Gombocz (eds) The MInd of Donald Davidson, Amsterdam 1989, pp. 3-18 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (c) Donald Davidson "Meaning, Truth and Evidence", in: R. Barrett/R. Gibson (eds.) Perspectives on Quine, Cambridge/MA 1990, pp. 68-79 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (d) Donald Davidson "Epistemology Externalized", Ms 1989 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (e) Donald Davidson "The Myth of the Subjective", in: M. Benedikt/R. Burger (eds.) Bewußtsein, Sprache und die Kunst, Wien 1988, pp. 45-54 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson II Donald Davidson "Reply to Foster" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Davidson III D. Davidson Handlung und Ereignis Frankfurt 1990 Davidson IV D. Davidson Wahrheit und Interpretation Frankfurt 1990 Davidson V Donald Davidson "Rational Animals", in: D. Davidson, Subjective, Intersubjective, Objective, Oxford 2001, pp. 95-105 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Schi I St. Schiffer Remnants of Meaning Cambridge 1987 |
| Bedeutungstheorie | Dummett | II 72 Bedeutungstheorie/BT/Dummett: Der Gebrauch der Wörter besteht nur in Sätzen mit diesen Wörtern. - Daher braucht es keine direkte Verbindung des Wortverstehens mit einer einzelnen linguistischen Fähigkeit! Vgl. >Idiolekt. II 72 Bedeutungstheorie/Dummett: Ohne den Begriff der Kraft würde das Verstehen eines Satzes nicht weniger verlangen, als die komplette Kenntnis aller Eigenschaften, die ein Satz in jeder möglichen. Äußerungssituation (unendlich vielen Umständen) haben könnte. II 72 Bedeutungstheorie/Dummett: 1. a) Theorie der Referenz , b) Theorie des Sinns , 2. Theorie der Kraft. >Theorie der Kraft, >Verstehen, II 116 Bedeutungstheorie/Dummett: Die Bedeutungstheorie wird grundsätzlich mit Wahrheit als Grundbegriff konstruiert. - Hier verfolgen wir die Alternative: Verifikation statt Wahrheit - Aber es ist nicht sicher, ob das möglich ist. >Behauptende Kraft, >Referenz, >Sinn. III (c) 101 Bedeutungstheorie/Davidson: Die Bedeutungstheorie setzt Wahrheit als bekannt (und undefiniert) voraus. - Vorbedingung: Für-wahr-Halten - Übersetzung/Davidson: es ist möglich, von jedem Satz zu wissen-dass er dasselbe bedeutet wie ein Satz einer anderen Sprache, ohne zu wissen, was beide bedeuten - und das für alle Sätze! III (c) 105 Bedeutung/Davidson: Analog zur Übersetzung: aus W-Satz " la terra sie muove" ist dann und nur dann wahr, wenn die Erde sich bewegt" gewinnen wir durch Ersetzen den B-Satz "..." bedeutet "..." - Problem: keine Erklärung der Bedeutung, kein propositionales Wissen: Wissen, dass die Erde sich bewegt. III (c) 107 Bedeutungstheorie: Zusätzlich müssen wir glauben, dass die Kenntnis der Bedeutung in dem Wissen besteht, dass die Erde...- Nicht bloß zu Wissen, dass der B-Satz wahr ist. III (c) 101 Bedeutungstheorie/Dummett: a) "bescheidene Bedeutungstheorie": erklärt keine neuen Begriffe: Tarski, Davidson: bezieht sich auf Sätze, die die Sprecher für wahr halten (>Radikale Interpretation). - Setzt Beherrschung einer unspezifizierten Sprache voraus, um zum Verständnis der Objektsprache zu kommen - b) "gediegene Bedeutungstheorie": will neue Begriffe erklären. III (c) 132 Bedeutungstheorie/Zusammenfassung/Dummett: eine Bedeutungstheorie muss atomistisch oder molekular sein, nicht holistisch. Sie muss gediegen sein, nicht bescheiden, üppig und nicht nüchtern. - Sie braucht nicht in direkte Bedeutungszuschreibungen auszulaufen, muss jedoch explizit darstellen, was für die Kenntnis der Bedeutung eines Ausdrucks konstitutiv ist und nicht nur das, was jeder wissen muss. - Frage: muss sie auf dem Begriff einer Wahrheitstheorie beruhen oder nicht? Ich weiß es nicht. III (c) 133 Bedeutungstheorie: Kenntnis der Referenz reicht nicht für Sprachkenntnis. III 226 Bedeutungstheorie/Dummett: darf keine psychologischen oder semantischen Begriffe voraussetzen. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Bedeutungstheorie | Foster | I 4 Bedeutungstheorie/BT/Foster: Die Bedeutungstheorie sagt nicht was "Bedeutung" ist, sondern deckt auf, welche Bedingungen Bedeutungstheorien erfüllen müssen. - Analog: Wissenschaftstheorie: Diese erklärt nicht, was der Begriff eines Naturgesetzes ist, sondern deckt den Kanon wissenschaftlicher Methoden auf. I 6 Bedeutungstheorie/Foster: die Extension von "bedeutet, dass p" wird nicht durch den Wahrheitswert (WW) oder die extensionale Struktur des Satzes bestimmt, der für "p" eingesetzt wird. - Falsch: Das intensionale Idiom für "bedeutet dass" schon vorauszusetzen (das setzt die gesuchte Bedeutung voraus). Lösung: Extension statt Intension! I 7 Bedeutungstheorie/Foster: Die untersuchte Sprache L: erwähnt, (kontingente) Tatsachen (sie ist die Objektsprache). Metasprache: gebraucht wesentliches methodisches Vokabular (nichtkontingent) um die Theoreme aufzustellen. I 11 Bedeutungstheorie/Wahrheitstheorie/WT/FosterVsDavidson: Die Wahrheitsbedingungen (WB) festzustellen heißt, die Wahrheitswerte in allem möglichen Umständen darzulegen. Problem: dafür müsste das Tarski-Schema ((s) p gdw. S; "Schnee ist weiß" ist wahr gdw. Schnee weiß ist) einem kontrafaktischen Konditional entsprechen: "wäre wahr, wenn..."- das Schema ist aber indikativ. >Kontrafaktisches Konditional. I 17 Bedeutungstheorie/Foster: Problem: Alle W-Sätze des Tarski-Schemas bleiben wahr, wenn man nur etwas einsetzt, das die Wahrheitswerte bewahrt und die rechte Seite eine Übersetzung der linken ist. - Das liefert keine Bedeutung, nur Wahrheits-Definition. Bedeutungstheorie: kann entstehen, wenn man weiß, daß die Bedingungen erfüllt sind - d.h. daß die Wahrheitstheorie eine Bedeutungstheorie ist, I 19 aber nur, wenn die Theorie in derselben Sprache wie die Objektsprache - Grund: die Theorie ist nicht echt interpretierend. Lösung/Foster: wir brauchen die Tatsachen und die Kenntnis, daß die Tatsachen w-theoretisch sind. I 20 Dann BT ein einziger Satz: q*: "Eine WT für L stellt fest, dass ...". I 21 ...wenn wir dessen bewusst sind, können wir herausfinden, was jeder ausgewählte Satz feststellt - und das impliziert, die Fähigkeit, jeden Satz aufgrund seiner Struktur zu interpretieren, weil es impliziert wahrzunehmen, was jedes der Elemente dazu beiträgt! (>Kompositionalität). Pro: das ist interpretierend. Vs: Problem: "stellt fest, dass" ist immer noch intensional! I 22 Bsp Jemand der nicht weiß, was U feststellt, könnte dennoch die Tatsachen wissen, die U aussagt. Problem: wenn Bedeutungstheorie rein extensional ist, dann ist sie nicht mehr interpretierend. Zusammenfassung: Bedeutungstheorie/Foster: Für eine Objektsprache L0 besteht in der Konstruktion eines geeigneten Bereichs von möglichen Welten, die alle möglichen Sachverhalte ausschöpft, die unser philosophische Standpunkt erlaubt, zusammen mit einer endlichen Menge von wahren Axiomen, die für jeden L0-Satz S die relevante kanonische Reformulierung des W-Konditionals, der aus dem Schema "(w)(x ist wahr-von-w wenn, wenn w bestünde, es der Fall wäre, dass p)" durch Einsetzen der strukturellen Beschreibung (Laut, Zeichen) von S für "p". Statt "teil-von" -Relation: "mat-Teil-von": Diese Relation gilt zwischen y und x, wenn y eine Welt ist und x ein geordnetes Paar, dessen erstes Element die Klasse aller materiellen Dinge ist, und dessen zweites Element die Klasse aller geordneten Paare aller materiellen Dinge ist, die in der Teil-Ganzes-Relation stehen. |
Foster I John A. Foster "Meaning and Truth Theory" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 |
| Bedeutungstheorie | Loar | Avramides I 27 Bedeutungstheorie/Loar: kann nicht als rein extensionale Wahrheitstheorie ausgearbeitet werden. >Extensionalität, >Extension. Problem: 1. die Äquivalenz von "Schnee ist weiß" und "Gras ist grün", 2. Hesperus ist hell gdw. Phosphorus hell ist, 3. "Schnee ist weiß und 2+2=4" ist wahr, gdw. Schee weiß ist. Lösung/Fodor/Lepore: rechts muss eine Übersetzung von links sein. >Konvention W. Bedeutungstheorie/Avramides: These: Die Probleme verschwinden, wenn es um das Gesamtbild geht: wie werden Geräusche zu Sprechakten? >Sprechakte. Dann erst kommen die Wahrheitsbedingungen - weil die Bedeutungstheorie zu einer Theorie der Kraft passen muss. Lewis: Geräusche haben nur relativ zu einer Sprache Wahrheitsbedingungen. Psychologie kommt nur ins Spiel, wenn es um Bevorzugung einer Sprache in einer Population geht. >Sprachgemeinschaft, >Konventionen, >Sprachgebrauch. Loar II 139f Bedeutungstheorie/Loar: a) extensional (Quine, Davidson) b) Loar: intensional: semantische Begriffe sind innerhalb eines größeren Rahmens von propositionalen Einstellungen lokalisiert. Davidson: vertritt eine Zwischenposition. >Intensionalität, >Propositionale Einstellungen. II 141 Bedeutungstheorie/Davidson: Hauptproblem: wie vermeidet man: "Schnee ist weiß" ist wahr, wenn Gras grün ist - wenn man das als extensional richtig akzeptiert (korrekt), dann gibt es nichts mehr als das an der Idee der Bedeutung. II 142 Bedeutungstheorie/Loar: Liste geht nicht: "x ist Kamel1, oder Kamel2..." : kein Verstehen eines Satzes. falsche Lösung: Einfachheit: "x ist ein Kamel" wird von y nur erfüllt, wenn y ein Kamel ist. Vs: zu stark und zu vage. Bsp angenommen, jemandem, der nichts von einer Sprache weiß, hilft die Bedeutungstheorie so nicht: das Tarski-Schema "S ist wahr..." (Äquivalenzschema) gibt nicht die Bedeutung. >Tarski-Schema. Zusätzlich mindestens: "ein Ausdruck x bedeutet S und...". Problem: dann brauchen wir eine Metametasprache. >Metasprache. II 143 Lösung/Loar: wenn Bedeutungen Entitäten wären (Propositionen?) könnten sie Satzbedeutung von allem anderen abgrenzen, was sonst noch an dem Satz wahr ist. >Satzbedeutung, >Bedeutung. II 149 Bedeutungstheorie/Loar: ist eine Theorie des Geistes, nicht umgekehrt. |
Loar I B. Loar Mind and Meaning Cambridge 1981 Loar II Brian Loar "Two Theories of Meaning" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 |
| Bedeutungstheorie | McDowell | Avramides I 12 Bedeutungstheorie/BT/McDowell: Problem: Wenn Bedeutung in Begriffen von etwas anderem erklärt wird, muss dieses andere wiederum erklärt werden. McDowell These: Indirekter Zugang über das Verstehen und über allgemeines Sprachverhalten ohne den Begriff der Analyse. Stattdessen Darstellung der Relationen zwischen Begriffen, die wir schon als verstanden voraussetzen. - Dabei tritt der Begriff der Bedeutung nicht auf. >Verstehen/McDowell, >Definition, >Erklärung/McDowell, >Bedeutung/McDowell, >Zirkel. II IX Übersetzungssemantik/Evans/McDowell: Sichtweise, nach der die Bedeutungstheorie die Aufgabe hat, Regeln aufzustellen, die Sätze mit ihren Repräsentationen in Beziehung setzen. - Statt dessen: Lösung/Davidson: Die Erfüllungsrelation soll neutral sein. Pointe: das beseitigt die Anführungszeichen. II IX/X Bedeutungstheorie/McDowell: stellt gar keine Relation her zwischen einem Satz und sich selbst. - Stattdessen: die BT stellt eine semantische Eigenschaft des Satzes dar, indem sie ihn gebraucht. - Übersetzung: das Wissen, dass chauve kahl erfüllt, ist kein Wissen über eine Relation. Stattdessen: empirische Relation zwischen chauve und kahlen Männern. - Das ist eben der Gebrauch und nicht die Erwähnung. >Erwähnung, >Gebrauch, >Erwähnung/Gebrauch, >Übersetzung, >Konvention W, >Wahrheitstheorie, >Zitattilgungsschema. II XII Übersetzungssemantik /Evans/McDowell: Bsp x "ist ein Bild von" F - Problem: Bsp Etwas "ist ein Löwen-Bild". ((s) trägt die singuläre Beschaffenheit in die Relation hinein.) - Stattdessen: Lösung/Davidson: "erfüllt" neutral aufgefasst: x erfüllt F gdw. Wx. - W: ist ein Ausdruck der Metasprache - Problem immer noch: x erfüllt "ist ein Bild eines Löwen gdw. x ein Bild eines Löwen ist" muss erklärt werden (durch Zusatzbestimmungen). - Die in dem Theorem erlaubten Manipulationen müssen dem Sinn der gebrauchten objektsprachlichen Ausdrücke entsprechen. II XVIIf Bedeutungstheorie/Evans/McDowell: Nicht aus Wahrheitstheorie, denn radikale Interpretation sagt bestenfalls, dass die Wahrheitstherie wahr ist. - Für eine fremde Sprache ist aber eine verlässlich wahre Wahrheitstheorie gleichzeitig eine Bedeutungstheorie! II 43 Wahrheitstheorie/WT/McDowell: Wenn man eine Regel für f hätte in "s ist f dann und nur dann, wenn p" und dieses f dann durch "wahr" ersetzen könnte. - Dazu braucht man nur den Begriff der Gleichheit des Satzsinns. II 50 Wahrheitstheorie: Eine Wahrheitstheorie muss den Inhalt der Sprechhandlungen erkennbar an den Tag legen - ((s) rechte Seite gebraucht Teil der Welt (Bsp die tatsächliche Beschaffenheit von Schnee). II 43ff Bedeutungstheorie/McDowell: These: Eine Theorie des Sinns soll gleichzeitig eine Bedeutungstheorie sein. - Zusätzlich: Theorie der Kraft. (Frage, Befehl usw.) >Theorie der Kraft. Dummett III 130f Def "Üppige Theorie"/Bedeutungstheorie/McDowell: schreibt dem Sprecher Kenntnis der Bedingungen zu, die ein Gegenstand erfüllen muss, um Träger eines Namens zu sein. Def "Nüchterne Theorie"/McDowell: hier weiß der Sprecher lediglich von dem Gegenstand, dass er der Namensträger ist. |
McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Bedeutungstheorie | Schiffer | I 12 Bedeutungstheorie/BT/Schiffer: wenn man Kompositionalität annimmt, kann man Sprache mit dem System der Konventionen in P identifizieren. - Dann hat man (mit Davidson) die Form der Bedeutungstheorie. - Das hat noch keiner geleistet. >Kompositionalität, >Bedeutungstheorie/Davidson. I 182 Wahrheitstheorie/WT/Schiffer: kann keine Bedeutungstheorie sein, weil ihre Kenntnis nicht für das Verstehen der Sprache hinreichend wäre. >Wahrheitstheorie, >Verstehen. I 220 BT/Schiffer: nicht jede Sprache braucht eine korrekte Bedeutungstheorie - weil sie ohne Relationstheorie für Glauben auskommen muss. >Relationstheorie. I 222 Die Relationstheorie für Glauben ist falsch, wenn Sprachen keine kompositionale wahrheits-theoretische Semantik (kompwtSem) haben - sonst wäre sie wahr. I 261 Bedeutung/Bedeutungstheorie/Sprache/Schiffer: These: alle Theorien der Sprache und des Denkens gehen von falschen Voraussetzungen aus. Fehler: zu meinen, dass Sprachverstehen ein Prozess des Schlussfolgerns wäre. - Dann müsste jeder Satz ein Merkmal haben. - Und dieses könnte nicht bloß darin bestehen, dass der Satz die und die Bedeutung hat - denn das wäre semantisch. - Wir brauchen eine nicht-semantische Beschreibung. Problem: Bsp "Sie gab es ihm" hat nicht einmal semantische Merkmale. - Bsp "Schnee ist weiß" hat seine semantischen Eigenschaften nur kontingenterweise. >Semantische Eigenschaften. I 264 SchifferVsGrice: unser semantisches Wissen können wir nicht in nicht-semantischen Begriffen formulieren. I 265 BT/Bedeutung/SchifferVsBedeutungstheorie: alle sind fehlgeschlagen. Schiffer These: es gibt keine Bedeutungstheorie! - (Das ist die Keine-Theorie-Theorie der mentalen Repräsentation). - Bedeutung ist keine Entität. - Daher auch keine Theorie dieses Gegenstands. I 269 Schiffer: Bedeutung ist auch ohne Bedeutungstheorie bestimmbar. I 269 Keine-Theorie-Theorie der mentalen Repräsentation: für Intentionalität gibt es keine Theorie, denn einen Begriff haben bedeutet nicht, dass das quantifizierbare reale Entitäten wären. Das Schema "x glaubt y gdw. __" kann nicht ergänzt werden. Die Fragen nach unserer Sprachverarbeitung sind empirisch, nicht philosophisch. >Sprachgebrauch, >Sprachverhalten. |
Schi I St. Schiffer Remnants of Meaning Cambridge 1987 |
| Bedeutungswandel | Ayers | Rorty VI 361 Bedeutungswandel/M.AyersVsBennett: [einen Bedeutungswandel anzunehmen] hieße, dass es unmöglich ist, einen Philosophen der Vergangenheit heute nach seiner eigenen Begrifflichkeit zu verstehen. Lösung/Ayers: "wir sollten versuchen, die gleiche Beziehung zwischen Denken und Empfinden herzustellen, wie er selbst". |
Ayers I M. Ayers "Locke" in: Arguments of the Philosophers London 1993 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Bedeutungswandel | Chladenius | Gadamer I 187 Bedeutungswandel/Chladenius/Gadamer: [Chladenius] stellt fest, einen Autor vollkommen verstehen, sei nicht dasselbe wie, eine Rede oder Schrift vollkommen verstehen (§ 86)(1). Die Norm für das Verständnis eines Buches sei keineswegs die Meinung des Autors. Denn, »weil die Menschen nicht alles übersehen können, so können ihre Worte, Reden und Schriften etwas bedeuten, was sie selbst nicht willens gewesen zu reden oder zu schreiben«, und folglich »kann man, indem man ihre Schriften zu verstehen sucht, Dinge, und zwar mit Grund dabey gedenken, die denen Verfassern nicht in Sinn kommen sind«.(1) >Verstehen/Chladenius, >Hermeneutik/Chladenius. 1. J.M.Chladenius, Einleitung zur richtigen Auslegung vernünftiger Reden und Schriften, 1742. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Bedeutungswandel | Gadamer | I 187 Bedeutungswandel/Chladenius/Gadamer: [Chladenius] stellt fest, einen Autor vollkommen verstehen, sei nicht dasselbe wie, eine Rede oder Schrift vollkommen verstehen (§ 86)(1). Die Norm für das Verständnis eines Buches sei keineswegs die Meinung des Autors. Denn, »weil die Menschen nicht alles übersehen können, so können ihre Worte, Reden und Schriften etwas bedeuten, was sie selbst nicht willens gewesen zu reden oder zu schreiben«, und folglich »kann man, indem man ihre Schriften zu verstehen sucht, Dinge, und zwar mit Grund dabey gedenken, die denen Verfassern nicht in Sinn kommen sind«.(1) >Verstehen/Chladenius, >Hermeneutik/Chladenius. I 301 Gadamer: Nicht nur gelegentlich, sondern immer übertrifft der Sinn eines Textes seinen Autor. Daher ist Verstehen kein nur reproduktives, sondern stets auch ein produktives Verhalten. Es ist vielleicht nicht richtig, für dieses produktive Moment, das im Verstehen liegt, von Besserverstehen zu reden. Denn diese Formel ist, I 302 (...) die Umsetzung eines Grundsatzes der Sachkritik aus dem Zeitalter der Aufklärung auf die Basis der Genieästhetik, Verstehen ist in Wahrheit kein Besserverstehen, weder im Sinne des sachlichen Besserwissens durch deutlichere Begriffe, noch im Sinne der grundsätzlichen Überlegenheit, die das Bewusste über das Unbewusste der Produktion besitzt. Es genügt zu sagen, dass man anders versteht, wenn man überhaupt versteht. >Abstand/Gadamer. 1.J.M.Chladenius, Einleitung zur richtigen Auslegung vernünftiger Reden und Schriften, 1742. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Bedeutungswandel | Kuhn | I 115 Begriffswandel/ Bedeutungswandel/Kuhn: es gibt einen Zwang, die Bedeutung von feststehenden und vertrauten Begriffen zu ändern. I 140 Bedeutungswandel/Begriffswandel/Theoriewechsel/Kuhn: vor Kopernikus wurde auch die Sonne "Planet" genannt. - Jetzt hatte man nicht nur gelernt, was »Planet« bedeutete, oder was die Sonne war, sondern die Bedeutung von "Planet" hatte sich geändert - und zwar so, dass man auch weiterhin eine brauchbare Unterscheidung machen konnte. I 142 Dieselben Vorgänge geben jetzt Hinweise auf ganz andere Aspekte. I 210 Bedeutungsänderung/Begriffswandel/Kuhn: da die Vokabulare der Diskussionen um neue Theorien vorwiegend aus denselben Ausdrücken bestehen, müssen einige dieser Ausdrücke verschieden auf die Natur angewendet werden - folglich ist die Überlegenheit einer Theorie über eine andere in der Diskussion nicht nachzuweisen. >Inkommensurabilität, >Theoriewandel, >Paradigmen. |
Kuhn I Th. Kuhn Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Frankfurt 1973 |
| Bedeutungswandel | Putnam | Rorty I 300 Bedeutungswandel/Putnam/Rorty: Die Suche nach einem Kriterium für den Bedeutungswandel war verhängnisvoll. Man erkannte, dass Feyerabend sein eigenes Argument falsch vorgebracht hatte, als er von Bedeutungswandel sprach. >">Bedeutungswandel/Feyerabend. PutnamVsFeyerabend: Für Feyerabend hängt die Bedeutung von der gesamten Theorie ab. Wenn man annimmt, die Empirie verändere die Bedeutung des Ausdrucks, käme das der Aufgabe der Unterscheidung zwischen Bedeutungsfragen und Tatsachenfragen gleich. Zu sagen, dass die semantischen Regeln des Deutschen überhaupt nicht von den empirischen Meinungen seiner Sprecher unterschieden werden können, hieße den Begriff einer semantischen Regel des Deutschen über Bord zu werfen. >Sprachregeln. Jeder Anschein einer Sensation wäre verschwunden, denn "Sensation" hängt doch davon ab, dass man sich ständig zwischen einer ungewöhnlichen und der herkömmlichen Auffassung von Bedeutung hin und her bewegt. --- Putnam I (b) 63 Theorie/Putnam: Zwei Theorien müssen nicht gleichbedeutende Begriffe haben, sondern nur gleiche Referenz. >Synonymie, >Referenz. --- Cavell I 268 Verständlichkeit/Putnam: Vor Bernhard Riemann waren die entsprechenden Begriffe ((s) Mehrdimensionale Geometrie) unverständlich. Bsp Die Geometrie des Universums ist von Massendichte abhängig. Cavell I 269 Begriffswandel/Putnam: Sagt man uns, gerade Linien könnten sich in nichteuklidischer Weise verhalten, dann, so die Idee, wird der alten Grammatik nicht widersprochen, man gibt sie schlicht auf. Ja, der Begriff der geraden Linie ist verändert worden. Putnam: Dies mag sein, aber seine Denotation hat sich nicht verändert. Wer diese Fälle an Fälle angleicht, in denen sich die Denotation ändert, liegt völlig falsch. >Denotation, >Euklidisch. Cavell I 270 Putnam: Dann müsste man fragen: Was sind denn dann die geraden Linien im alten Sinn? Wenn wissenschaftliche Revolution Neu-Definition von Begriffen bedeutete, oder wenn wir immer unsere Kriterien ändern müssten, dann könnten wir eben nicht von den gleichen Objekten reden! Die Projektion alter Begriffe in neue Situationen ist auch nötig, um Metaphern und Witze zu verstehen. >Metaphern, >Bezugssystem. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 Cavell I St. Cavell Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen Frankfurt 2002 Cavell I (a) Stanley Cavell "Knowing and Acknowledging" in: St. Cavell, Must We Mean What We Say?, Cambridge 1976, pp. 238-266 In Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002 Cavell I (b) Stanley Cavell "Excursus on Wittgenstein’s Vision of Language", in: St. Cavell, The Claim of Reason, Wittgenstein, Skepticism, Morality, and Tragedy, New York 1979, pp. 168-190 In Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002 Cavell I (c) Stanley Cavell "The Argument of the Ordinary, Scenes of Instruction in Wittgenstein and in Kripke", in: St. Cavell, Conditions Handsome and Unhandsome: The Constitution of Emersonian Perfectionism, Chicago 1990, pp. 64-100 In Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Davide Sparti/Espen Hammer (eds.) Frankfurt/M. 2002 Cavell II Stanley Cavell "Must we mean what we say?" in: Inquiry 1 (1958) In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 |
| Bedingungen | Bigelow | I 270 Bedingungen/Verursachung/Ursache/Kausalität/Bigelow/Pargetter: ...daher werden wir notwendige und hinreichende Bedingungen nicht getrennt behandeln, sondern eine allgemeine modale Relation zwischen Ursache und Wirkung annehmen. Es ist diese Theorie, die wir ablehnen. >Kausalität, >Wirkung, >Ursachen. Bedingungen/hinreichend/notwendig/Verursachung/Bigelow/Pargetter: allgemeines Problem: entsprechende Theorien sind zu stark mit einem Determinismus der Natur verbunden. >Determinismus. Determinismus/Bigelow/Pargetter: ist hier nur im weiteren Sinn gemeint. VsDeterminismus/Bigelow/Pargetter: aus ihm würde folgen, dass es ohne hinreichende Bedingungen keine Wirkung gibt. Und das würde heißen, das in dem Maße, wie es Indeterminismus gibt, wir den Begriff der Verursachung aufgeben müssten. Kausalität/Bigelow/Pargetter: Kausalität müssen wir in der makroskopischen Welt aber überhaupt nicht aufgeben. >Kausalität. Ursachen/Bigelow/Pargetter: Ursachen sind keine Bedingungen. >Ursachen. Ursache/Wahrscheinlichkeit/Bigelow/Pargetter: Vertreter von Ursachen als Bedingungen könnten ihre These abschwächen und von Wahrscheinlichkeit sprechen statt von hinreichenden Bedingungen. >Wahrscheinlichkeit, >Hinreichendes. I 271 Wahrscheinlichkeit /Ursache/Bigelow/Pargetter: Damit werden hinreichende und notwendige Bedingungen zusammengebracht. Das ist für viele Fälle sehr plausibel. Dennoch ist es falsch. >Notwendigkeit. Verursachung/Bigelow/Pargetter: Verursachung ist ein lokales Merkmal eines Ursache-Wirkung-Paars. Sie ist eine zwei-stellige Relation. Keine Relation mit unbestimmt vielen Stellen. Dennoch können wir die Kausalrelation unverändert lassen, wenn wir eine andere Ursache einsetzen Bsp ein Backup-System (s.o. Bsp andere Scheibe Brot, die denselben Effekt hat). >Verursachung, >Kausalität. Bedingungen/hinreichend/notwendig/Bigelow/Pargetter: Bedingungen sind – anders als die Verursachungsrelation – ein globales Merkmal. Bsp Wenn das Backup-System eintritt, hört das, was eine notwendige Bedingung war, auf, eine notwendige Bedingung zu sein. Der intrinsische Charakter des Prozesses ist aber unverändert. >Prozess. Kausalgesetze/kausale Gesetze/Kausalität/Bigelow/Pargetter: These: Es gibt sehr wohl kausale Gesetze! Und sie sind global. Die Wahrheit der Kausalgesetze beruht auf dem Charakter der Welt als ganzer, nicht ihrer Konstituenten. Aber die Wahrheit superveniert auf der Existenz eines Mustern kausaler Transaktion in der Welt. >Kausalgesetze, >Supervenienz. I 272 Kausalgesetz/Bigelow/Pargetter: These: Ein Kausalgesetz ist (oder beinhaltet) eine Verallgemeinerung über kausale Transaktionen. Es ist sogar stärker als eine Verallgemeinerung, weil wir glauben, dass Modalität im Spiel ist. >Modalität, >Allgemeinheit, >Verallgemeinerung Kausal/Bigelow/Pargetter: sind die Transaktionen nicht, weil die Gesetze bestehen, sondern umgekehrt. Bedingungen/hinreichend/notwendig/Bigelow/Pargetter: Bedingungen sind gestützt von Kausalgesetzen. Daher sind auch sie global. Kausalrelation/Bigelow/Pargetter: Eine Kausalrelation ist dagegen lokal. Verursachung/Bigelow/Pargetter: damit ist auch Verursachung lokal. Kausalprozess/Bigelow/Pargetter: ist lokal. >Ursache, >Wirkung. I 273 Wirkung/Bigelow/Pargetter: Ein und dieselbe Wirkung hätte verschiedene Ursachen haben können. Bsp Schwangerschaft durch verschiedene Männer. DavidsonVs. > href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/details.php?id=229234&a=t&autor=Davidson&vorname=Donald&thema=Handlungen">Handlungen/Davidson, >Handlungstheorie, >Ereignis/Davidson. Identität/Ereignis/DavidsonVsBigelow: (Davidson 1980)(1) Identität von Ereignissen: These: ein Kriterium für Identität macht notwendig, dass verschiedene Ursachen numerisch verschiedene Ereignisse bewirken. BigelowVsDavidson: das ist falsch, aber wir gehen hier nicht darauf ein. Aber selbst wenn er recht hätte, würde das die modale Theorie der Verursachung ((s) die notwendige und hinreichende Bedingungen einbaut) nicht retten. Wahrscheinlichkeit /probabilistische Verursachung/Theorie/Bigelow/Pargetter: Bsp Verursachung einer Schwangerschaft durch einen fast unfruchtbaren Mann – könnte auch als Verhinderung der Parthenogenese verstanden werden. I 274 LewisVs: Solche Gegenbeispiele sind unplausibel. >Verhinderung. 1. Donald Davidson (1980). Essays on Actions and Events: Philosophical Essays Volume 1 Oxford, GB: Clarendon Press (2001). |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Befehle | Gadamer | I 339 Befehl/Verstehen/Gadamer: Den Befehl verstehen heißt, ihn der konkreten Situation zu applizieren, in die er trifft. Zwar lässt man einen Befehl wiederholen, zur Kontrolle dessen, dass er richtig verstanden ist. Aber das ändert nichts daran, dass sein wahrer Sinn sich erst aus der Konkretion seiner »sinngemäßen“ Ausführung bestimmt. Aus diesem Grunde gibt es auch eine ausdrückliche Gehorsamsverweigerung, die nicht einfach Ungehorsam ist, sondern sich aus dem Sinn des Befehls und seiner Konkretisierung, die einem aufgetragen ist, legitimiert. Ungehorsam: Wer einem Befehl den Gehorsam verweigert, hat ihn verstanden, und weil er ihn der konkreten Situation appliziert und weiß, was in ihr Gehorchen bedeuten würde, weigert er sich. Offenkundig bemisst sich das Verstehen an einem Maß, das weder im Wortlaut des Befehls noch in der wirklichen Meinung des Befehlenden vorliegt, sondern allein in dem Situationsverständnis und der Verantwortlichkeit dessen, der gehorcht. >Gehorsam, >Sinn. Verständnis/Sinn: Es ist ein Schelmenmotiv, Befehle so auszuführen, dass man ihren Wortlaut, aber nicht ihren Sinn befolgt. Es ist also kein Zweifel, dass der Empfänger eines Befehls eine bestimmte produktive Leistung des Sinnverständnisses vollbringen muss. Vgl. >Ziviler Ungehorsam, vgl. >Exemplifikation/Goodman. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Befehle | Hart | Gaus I 201 Befehle/Hart/Morris: Entscheidend an [den] Begründungen ist, dass sie Sanktionen implizit als sekundär verstehen. Zwang und Gewalt werden so rationalisiert, aber nur als ergänzende Maßnahmen. Und so soll es auch sein: Das Gesetz appelliert in erster Linie an seine Autorität. Hart: Hart stellt dies schon früh in seiner Diskussion der Befehl-Theorien des Rechts fest: "Befehlen ist charakteristisch für die Ausübung von Autorität über Menschen, nicht für die Macht, Schaden zuzufügen, und obwohl es mit der Androhung von Schaden kombiniert werden kann, ist ein Kommando in erster Linie ein Appell nicht an die Furcht, sondern an die Achtung der Autorität" (1994(1): 20). Die Behörden lenken das Verhalten, indem sie ihren Untertanen die Gründe für ihr Handeln nennen. Etwas ist nur dann eine Autorität in diesem Sinne, wenn die Anweisungen der Autorität als Gründe für ein Handeln gedacht sind (siehe: Raz, 1979(2); 1986(3); Green, 1988(4)). Man versteht das Recht nicht und allgemeiner gesagt Staaten, wenn man Zwang und Gewalt nicht als Ergänzung zur Autorität betrachtet. Zwang und Gewalt sind notwendig, wenn die Autorität des Staates nicht anerkannt wird, mangelhaft ist oder fehlt. >Sanktionen/Morris, >Staat/Morris, >Zwang/Morris. 1. Hart, H. L. A. (1994) The Concept of Law, 2. Ed. Oxford: Oxford University Press. 2. Raz, Joseph (1979) The Authority of Law. Oxford: Clarendon. 3. Raz, Joseph (1986) The Morality of Fæedom. Oxford: Clarendon. 4. Green, Leslie (1988) The Authority of the State. Oxford: Clarendon. Morris, Christopher W. 2004. „The Modern State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Befehle | Prior | I 66 Befehl/Relation/Klammern/Prior: Die falsche Vorstellung, dass ein Befehl eine Relation zwischen einer befehlenden Person und etwas, das befohlen wird sei, können wir durch richtige Klammern beseitigen. Statt "X befiehlt uns/die Tür zu schließen". - ""X befiehlt uns zu/"türschließen"". - Dabei ist "befiehlt uns zu" kein zweistelliges Prädikat, sondern eher ein Operator, der einen Satz aus einem Namen bildet auf der einen Seite, und einem Imperativsatz auf der anderen. >Operatoren, >Prädikate. I 66 Imperative/Prior: Imperative können nicht wie Indikative behandelt werden. >Sätze, >Aussagen. I 69 Befehl/Prior: Bsp "Es gibt Befehle, die niemals geäußert worden sind und niemals geäußert werden". Befehl/Prior: "Du hättest vorher die Tür schließen sollen": die Vergangenheitsform bezieht sich nicht auf den Inhalt, absurd. "Habe die Tür geschlossen, bevor..". Verbot/Negation/Befehl/Prior: zwei Möglichkeiten: a) "!nicht-p": sieh zu, dass p nicht passiert" b) "nicht(!p)" etwa: "du brauchst dich nicht zu kümmern". Bsp "Tu etwas" kann zwei Formen haben: a) "für einige p, sieh zu, dass p" b) "sieh zu, dass (für einige p,p)" Diese sind wahrscheinlich nicht äquivalent! - Bsp "Sieh zu, dass 2 + 2 = 4", ist absurd, weil Befehle immer zur Herbeiführung noch nicht bestehender Tatsachen dienen. >Tatsachen. So kann ein Befehl nicht wahr gemacht werden wie eine Tatsache, nämlich durch etwas, was schon vorher der Fall wahr. - Daher ist die Objektivität der Ethik gefährdet. >Wahr machen, >Objektivität, >Ethik. |
Pri I A. Prior Objects of thought Oxford 1971 Pri II Arthur N. Prior Papers on Time and Tense 2nd Edition Oxford 2003 |
| Begriffe | Adorno | Grenz I 121 Begriff/Adorno/Grenz: Das synthetische Moment der Begriffe erweist das Nichtbegriffliche als ihren Inhalt: „Das Nichtbegriffliche, dem Begriff unabdingbare I 122 desavouiert dessen Ansichsein und verändert ihn.“(1) (Negative Dialektik, p. 139). >Synthetizität. 1. Th. W. Adorno. Negative Dialektik. In: Gesammelte Schriften, Band 6: Negative Dialektik. Jargon der Eigentlichkeit. Frankfurt am Main: Suhrkamp 1970, p. 139. Adorno XIII 213 Erkenntnis/Natur/Epikur/Adorno: Problem: Wie bringt man Folgendes zusammen: Gleichzeitig das Ansichsein der Natur zu lehren, die damit ein von uns Unabhängiges wäre und doch unsere sinnliche Wahrnehmung als die Quelle aller Erkenntnis anzunehmen? >Natur/Adorno, >Welt/Denken, >Erkenntnis, >Erkenntnistheorie. Lösung/Epikur: Die Lösung ist ein relativ frühes Modell für das, was ich mit aporetischen Begriffen bezeichne. >Epikur. Aporetischer Begriff/Adorno: Solche Begriffe werden nicht gebildet, weil irgendwelche Sachverhalte unmittelbar ihnen entsprechen, sondern die Theoretiker sehen sich zu ihnen veranlasst, weil sonst ihre, wie immer auch motivierten Theorien in ungelösten Widersprüchen stehenbleiben und sich der Vereinheitlichung entziehen würden. >Vereinheitlichung, >Einheit, >Identität/Adorno. |
A I Th. W. Adorno Max Horkheimer Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978 A II Theodor W. Adorno Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000 A III Theodor W. Adorno Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973 A IV Theodor W. Adorno Minima Moralia Frankfurt/M. 2003 A V Theodor W. Adorno Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995 A VI Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071 A VII Theodor W. Adorno Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002 A VIII Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003 A IX Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003 A XI Theodor W. Adorno Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990 A XII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973 A XIII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974 A X Friedemann Grenz Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme Frankfurt/M. 1984 |
| Begriffe | Brentano | Chisholm II 228 Begriffe/Brentano: Begriffe werden aus konkreter Anschauung gewonnen und haben bei späterer Verwendung immer konkrete Anschauungen zur Grundlage. Bsp Wenn ich sage "Es gibt unmöglich etwas nichtfarbiges Rotes" so dass ich vorher etwas Rotes gesehen haben! (Andere AutorenVs). Sämtliche Begriffe sind empirisch, nicht apriorisch! Auch in der deskriptiven Psychologie, wohingegen ihre Urteile apriorisch sind. Begriff/Brentano: Wissen über Begriffe ist aus innerer Wahrnehmung unmittelbar evident. II 232 Aus dem Bestehen eines begrifflichen Verhältnisses folgt aber noch nicht, dass wir es anerkennen. Es dass der Wahrnehmung zugänglich gemacht werden. >a priori, >Empirismus, >Wahrnehmung, >Urteile, >Farben. Chisholm II = Johann Christian Marek Zum Programm einer Deskriptiven Psychologie in Philosophische Ausätze zu Ehren Roderick M. Chisholm Marian David/ Leopold Stubenberg (Hg), Amsterdam 1986 |
Brent I F. Brentano Psychology from An Empirical Standpoint (Routledge Classics) London 2014 Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |
| Begriffe | Frege | II 29 Def Begriff/Frege: Ein Begriff ist eine Funktion, deren Wert immer ein Wahrheitwert ist. Begriff: Der Begriff ist selbst kein Gegenstand, während der Begriffsumfang (Wertverlauf, also mit eingesetztem Wert für die Variable) ein Gegenstand ist. >Gegenstand, >Wahrheitswert, >Funktion. II 66f Begriff: Der Begriff ist prädikativ und ungesättigt und kein Gegenstand. Das Fallen eines Gegenstandes unter einen Begriff ist eine nicht umkehrbare Beziehung. Bsp "Der Morgenstern ist nichts anderes als die Venus" aber nicht "Die Venus ist nichts anderes als der Morgenstern"! >Intension, >Identität. II 66f Gleichung umkehrbar: Prädikation ist nicht umkehrbar (Intension, "Venus nichts anderes als Morgenstern"). Die "Bedeutung" eines Namens ist nie ein Begriff (Prädikat), sondern immer nur ein Gegenstand. Der Begriff ist kein Gegenstand - "Bedeutung" (Bezug): ist ein Gegenstand. Bsp der Begriff "Pferd" ist kein Begriff (sondern eben ein Gegenstand). Ähnlich: Bsp "Diese Rose ist rot" und wir sagen: "Das grammatische Prädikat" "ist rot" gehört zum Subjekt "diese Rose"": Hier sind die Worte "Das grammatische Prädikat" "ist rot" nicht grammatisches Prädikat sondern Subjekt! >Subjekt, >Prädikat. II 71 Das ist schwer zu verstehen, wo doch die Stadt Berlin eine Stadt und der Vulkan Vesuv ein Vulkan ist! Der Begriff kann wegen seiner prädikativen Natur nicht ohne weiteres als Subjekt erscheinen, sondern muss erst in einen Gegenstand verwandelt werden, genauer: er muss durch einen Gegenstand vertreten werden. Bsp "der Begriff Mensch ist nicht leer." Hier sind die ersten drei Wörter als Eigennamen aufzufassen. >Namen. Def Begriff: Bedeutung eines Prädikats. ((s) QuineVs: >Begriffe/Quine, >Eigenschaften/Quine, >Prädikate/Quine). II 74 Zahl/Zahlen/Begriff/Gegenstand/Frege: Zahlenangaben sind Aussagen über einen Begriff - Bsp "Es gibt mindestens eine Wurzel aus 4" - handelt nicht von einer bestimmten Zahl 2 - sondern von einem Begriff: Wurzel aus 4 - dagegen: Bsp "Der Begriff Wurzel aus 4 ist erfüllt": Die ersten 5 Wörter bilden den Namen eines Gegenstands - hier wird etwas von einem Gegenstand ausgesagt. ((s) Erfüllung/Frege/(s): Die Erfüllung ist nicht Eigenschaft eines Begriffs, sondern eines Gegenstands! Der erfüllte Gegenstand ist der Begriff.) >Erfüllung. II 80 Gegenstand/Relation/Frege: Problem: mit den Worten "die Beziehung des Fallens unter einen Gegenstand" bezeichnen wir keine Beziehung sondern einen Gegenstand - ((s) Die Wörter sind der Name der Relation, die Relation ist ein Gegenstand). II 82 Begriff/Frege: Bsp "Alle Walfische sind Säugetiere" handelt von Begriffen. Es lässt sich kein einziges Tier aufweisen. Das ist besser als von einem "unbestimmten Gegenstand" zu sprechen - > Zahl/Frege: sind nicht die Gegenstände, sondern die Begriffe sind die Träger der Zahl. IV 110 Begriff/Frege: Ob ein Begriff widersprüchlich ist, muss erst durch Forschung gezeigt werden. Tugendhat I 195f Begriff/Frege: "logische Grundbeziehung": ist das Fallen eines Gegenstands unter einen Begriff". Ob dies richtig angewendet wurde, ist keine logische, sondern eine empirische Frage. |
F I G. Frege Die Grundlagen der Arithmetik Stuttgart 1987 F II G. Frege Funktion, Begriff, Bedeutung Göttingen 1994 F IV G. Frege Logische Untersuchungen Göttingen 1993 Tu I E. Tugendhat Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976 Tu II E. Tugendhat Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992 |
| Begriffe | Heidegger | Begriffe aus M. Heidegger, Sein und Zeit, Tübingen 1993 Heidegger III Abhängigkeit (der Realität von der Sorge) 212 Angst 182,186, 342 Antike Ontologie (logos bei Platon, Aristoteles, copula) 159,160 Augenblick 427 Auslegung (Vorhaben, Vorsicht, Vorgriff) 150 Ausrichtung 108 Aussage 154 ("als"):158 Aus-sein auf 261 Bedeuten 87 Bedeutsamkeit 364 Begegnen (Ganzheit) 85 Bewandtnis 84 Besorgen 56/57 Bestehen (nicht vorhanden, nicht zuhanden) 333 Bezirk 67,114,248 (Metaphysik),283,398 Charaktere 250 (Existenz: sich vorweg gericht in die Zukunft) (Faktizität: schon sein in Gewesenheit) (Verfallenheit: sein bei Gegenwart) Da 132,263 "Da" (Vereinzelung) 263 Dasein (ist seine Erschlossenheit) 133,134 ("Dass es ist"), 284, (Dasein selbst: Erstreckung) 374 Ego cogito (ich denke etwas) 321 "Einfühlung" 125(Vs) Ekstasen: Gewesenheit Zukunft Gegenwart 328 Entdecktheit (nicht Daseinsmäßiges) 85,218 (Wahrheit) Ent-Fernung 105 Entschlossenheit 296/97, 305 Entwurf 145, (=Existenz): 284 Erbe (und Überlieferung) 383 Erkennen 202 Erschlossenheit 75,220,260 Erwarten 262 Evidenz (Vorhandenes) 265 Existenz (=Entwurf) 284 Existenzialien statt Kategorien 44 Existenzialität Struktur der Existenz 16 Existieren 263,284 Faktizität 56,135,222,250,259,284,241,362,379 (F. contra Tatsächlichkeit): 276 Freigabe (Woraufhin; verweist auf Phänomen Welt) 85/86 Freiheit 188 Furcht 140 (Näherung der Nähe) Fürsorge 121 Gegend 103,368 (>Platz) Gegenwart (eigentliche: Augenblick) 338 Gerede 168 Gewärtigen 337(uneigentliche Zukunft) Gewissheit 256/57,265 Gewesenheit Gegenwart Zukunft 327 Gewissen 270ff Gewissenlosigkeit (Bedingung für existentiell "gutes" Handeln) 288 Gewaltsamkeit 311 Geworfenheit 135,179 Grund 284 Handeln (verantwortlich) 288,300 "Idee" (keine Deduktion) 182 Innerzeitigkeit 333 In-Sein, In der Welt sein 53 (wohnen bei, vertraut),188 Jemeinigkeit 240 Kant (VsKant: Zeit: unmittelbar physisch wahrnehmen) 419 Kants Dunkles Zimmer (Orientierung "rechts, links") 109 Lichtung (Erschlossenheit des Daseins): 170 (vor aller Zeitlichkeit): 350 Man 126 Man selbst 129 Mitdasein, Mitsein 118,120,121 (Mitsein als Umsicht) 123 Möglichkeit 187 Neugier (Zerstreuung) 172 Nichtigkeit 285,305 nicht 283,284 "Nichts" 279 Nietzsche (zur Historie) 396 ontisch-ontologisch 8,11,13,185 Platz 368 Raum 368 (109 113) Region 64,114 Ruf 269ff "Rufer" 274 Sagen 169 Sein zum Tode 266 Selbstheit (Weise) 267ff (Bezeugung, Ruf) Schicksal 384,386 Schuld (schuldig) 287 Sinn 151 Situation 299 Sorge 192 (sich vorweg schon sein in (der Welt) 198 (Sorge Gedicht, Herder,Vorrang der Sorge vor Leib und Geist) "Subjekt" (ontologisch) 320,366 Substanz des Menschen ist die Existenz 212 Substanzialität: Seinscharakter der Naturdinge 63 Theorie 358ff Tod 245,250,258 (Tod anderer, Vertretung): 237 transzendieren 363 (Schwere des Hammers setzt Objektivierung voraus, nicht zuhanden) Uhr 413 Umschlag Besorgen/Entdecken 360,361 Umsicht 56,69,123,172 Unbestimmtheit 308 Unwahrheit 308 Verfallen 176, (ontisch/ontologisch) 293 Vergessen (Wiederholbarkeit) 399,342,344 Verschlossenheit 348 Verstehen 87,144,145,363 Verstehen (des Anrufs) 288 Verweisung 74,77,78,82 (Zeigen Verweisung Beziehung) Volksgemeinschaft 384 Vorhandensein = "existentia" (trad.) 42 Vorlaufen 262 Wahl 268, 287 Wahrheit (Entdecktheit und Entdeckend sein) 218,316, (W. vorausgesetzt) 227,316 Welt, "Welt" 64/65, ("weltlich" = innerweltich Seiendes), Weltlichkeit, (die Welt ist nicht mehr) 380 Werden 243 Wiederholung 385 Wissenschaft 358ff Worum willen (In der Welt Sein des Daseins) 84 Zeichen 76ff Zeit ("wesentliche") 329, (Zeit Raum): 367, 408 (gewärtigen: Zukunft gegenwärtigen: jetzt, behalten: Gewesenheit) 408, ("Weltzeit" = innerweltliche Zeit, auch vorher) 424 zeitlicher Horizont 365 Zeitlichkeit des Seins, Seinsweise des Daseins temporal 19,23 Zeitlichkeit der Furcht (Angst) 342 (Zeitlichkeit: Seinssinn der Sorge) Zeitlichkeit der Seinsmodi Verstehen, Befindlichkeit, Verfallenheit 350 Zeitmessung 414 Zeug (im Besorgen begegnend) 68 Zirkel (nicht vitiosus) 152/53,314 (als "Entwurf" zulässig, Grundstruktur der Sorge) Zuhanden 69,71,324 Zukunft (Zeitlichkeit) 326, (Vorrang):329,330, (eigentliche Z.: Vorlaufen) 336,408 |
Hei III Martin Heidegger Sein und Zeit Tübingen 1993 |
| Begriffe | Locke | Rorty IV 36 Mythos des Gegebenen/Locke/Rorty: Locke stellt sich vor, dass wir, wenn wir »grün« erfinden, bloß vom Geistigen ins Deutsche übersetzen. >Mythos des Gegebenen, >Farb-Wörter, >Gedankensprache. Danto I 110 Begriff/Locke/Danto: zwei Arten von Begriffen: 1. Analytisch, aus dem Wörterbuch: formt das Verstehen des Wesens. 2. Aus Erfahrungsdaten Bsp "gelb", "gut" - sind von Wesen zu Wesen unterschiedlich. >Analytisch/synthetisch, >Erfahrung/Locke, >Wahrnehmung/Locke, vgl. >Beobachtungssprache, vgl. >Gut/Das Gute/Moore, |
Loc III J. Locke An Essay Concerning Human Understanding Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Begriffe | Rorty | I 185 ff Begriff/Rorty: Weder gibt es Anschauungen, die sich in Begriffe auflösen lassen (wie bei Carnap) noch interne Beziehungen zwischen den Begriffen, die »grammatische Entdeckungen« (wie bei der Oxford-Philosophie) ermöglichen. Wahrscheinlich gibt es heute gar nichts mehr was »die analytische Philosophie« wäre. I 192 RortyVsOxford: Es gibt keine "grammatischen Entdeckungen" allein zwischen Begriffen. I 326f RortyVsPutnam (interner Realismus): das bedeutet nicht mehr, als dass wir uns selbst gratulieren, den Terminus Lithium erfunden zu haben, damit etwas für Lithium stehe, für das die ganze Zeit nichts gestanden hatte. Dass wir aufgrund unserer Einsichten ganz gut mit der Welt fertig werden, ist wahr, aber trivial. Dass wir sie angemessen widerspiegeln, ist »bloß ein Bild«. >Abbildtheorie. I 339f Platonische Begriffe/Rorty: Die Schwierigkeiten mit ihnen besteht nicht darin, dass die »falsch« sind, sondern darin, dass sich über sie nicht sonderlich viel sagen lässt. Man kann sie nicht naturalisieren oder sonstwie mit unseren Belangen verbinden. Davidson: würde wahrscheinlich sagen, das Gute bedürfe keiner verifikationistischen Argumente. >Platonismus, >Platonische Ideen. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Begriffe | Sokal | I 26 Begriffe/Wissenschaft/Sokal/Bricmont: Wir kritisieren den Gebrauch wissenschaftlicher Begriffe durch Autoren, die diese Begriffe selbst nicht in ihrer wissenschaftlichen Bedeutung verstanden haben. Wenn Dichter hingegen Begriffe wie „Schwarzes Loch“ oder „Freiheitsgrad“ verwenden, stört uns das nicht. Die Beispiele in unserem Buch(1) sind dagegen ausschließlich Fälle, die mit solcher dichterischer Freiheit nichts zu tun haben. >Erklärungen, >Analogien, >Vergleiche, >Vergleichbarkeit, >Verstehen. 1. A. Sokal und J. Bricmont. (1999) Eleganter Unsinn. München. |
Sokal I Alan Sokal Jean Bricmont Eleganter Unsinn. Wie die Denker der Postmoderne die Wissenschaften missbrauchen München 1999 Sokal II Alan Sokal Fashionable Nonsense: Postmodern Intellectuals’ Abuse of Science New York 1999 |
| Begriffe | Wittgenstein | II 32 Begriff/logische Form/Wittgenstein: Bsp "Ding", "Komplex", "Zahl" sind keine Begriffe, sondern logische Formen. Begriff/Wittgenstein: lässt sich als Aussagenfunktion (AF) ausdrücken - Zahl: Scheinbegriff - muss innerhalb der Klammer auftreten - Bsp (Ex. Zahl). Fx - falsch: :(Ex).x ist eine Zahl - falsch: (Ex).x ist ein Ding - Aussagenfunktion: f ( ) = ( ) ist ein Mensch. Aber nicht: f ( ) = ( ) ist eine Zahl! II 34 Scheinbegriff: Bsp "Farbe", "Primärfarbe": zieht der Sprache eine Grenze - Begriff: Bsp Rot: zieht eine Grenze in der Sprache. >Farben. II 39 Punkt: ist in der Mathematik kein Begriff. II 254 Begriff/Bedeutung/Erfahrung/Wittgenstein: Dass ein Ding einem Begriff entspricht, ist keine Erfahrungstatsache - in einem Sinn muss es ihm schon immer entsprochen haben - ((s) unsere Begriffe sind aber wie Regeln) -((s) daher ist die Übereinstimmung auch keine Naturtatsache). - Dagegen: Übereinstimmung mit einem Muster ist Erfahrungstatsache. >Tatsachen, >Erfahrung. II 255 Regeln: Regeln folgen nicht aus dem Begriff sondern sind für ihn konstitutiv. - Die Regeln sind auch nicht im Begriff enthalten. - Ein mit einem Symbol verbundener Begriff ist nur ein weiteres Symbol. >Symbole, >Regeln. IV 46 Formale Begriffe/Funktion/Tractatus/Wittgenstein: 4.126 formale Begriffe - (Bsp Zahlen, Name) - können nicht durch eine Funktion dargestellt werden. - Jede Variable ist das Zeichen eines formalen Begriffs. >Namen, >Zahlen. IV 46f Scheinbegriff/Tractatus/Wittgenstein: Bsp Gegenstand - der variable Name "x" ist sein eigentliches Zeichen - richtiger Gebrauch: "(Ex)..." - sonst entstehen Scheinsätze - Scheinsatz: "Es gibt Gegenstände" - richtiger Satz: Bsp "Es gibt Bücher" - Scheinsatz: Von der Anzahl aller Gegenstände zu sprechen. >Paradoxien. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 |
| Begriffliche Rolle | Field | II 75 Def "Weitreichende begriffliche Rolle"/Harman/Field: (Harman 1982(1)): Die "Weitreichende begriffliche Rolle" beinhaltet Kausalverbindungen mit der Umwelt. Es kann Teil der begrifflichen Rolle von "Das ist ein Kaninchen" sein, das typischerweise von Kaninchen in der Umgebung ausgelöst wird. Problem: Ebenso gilt das dann für Bsp "Phlogiston entweicht aus der Flasche". Das könnte typischerweise von Sauerstoff ausgelöst werden, der in die Flasche eintritt. Field: Das zeigt, dass damit keine repräsentationalen Eigenschaften (Referenz, Wahrheitsbedingungen) eingeführt werden. >Wahrheitsbedingungen, >Referenz, >Wahrheit, >Beobachtung, >Beobachtungssätze, >Theoretische Entitäten, >Theoriesprache. II 76 Begriffliche Rolle/ "nicht"/Wahrheitsfunktion/WaFu/Repräsentation/Field: Eine repräsentationale Semantik wird z.B. "nicht" als Funktion aufgefasst, die Wahrheit auf Falschheit abbildet und umgekehrt. Negation/begriffliche Rolle/nicht/Field: Aber das ist keine Tatsache über die begriffliche oder funktionale Rolle von "nicht". >Negation. Begriffliche Rolle: Sie ist hier leicht zu spezifizieren. Die begriffliche Rolle ist großenteils in den Schlussregeln gegeben. Aber die Spezifikation der begrifflichen Rolle sagt nichts über Wahrheitsfunktionen. Zwar gibt es bei den logischen Verknüpfungen eine Art Supervenienz der repräsentationalen Eigenschaften (Wahrheitsbedingung, Referenz, usw.) auf der Eigenschaft der begrifflichen Rolle, aber begriffliche Rolle und Repräsentation kann man nicht gleichsetzen. >Repräsentation. II 93 Begriffliche Rolle/Negation/Tatsache/Field: Die Tatsache, kraft deren "Es ist nicht der Fall dass" den Wahrheitswert-Tabellen gehorcht, sind Tatsachen über seine begriffliche Rolle. II 108 Begriffliche Rolle/Field: Sie schließt Verifikationsbedingungen (VB) ein, aber auch noch mehr, z.B. Regeln für Wahrscheinlichkeit und die begrifflichen Konsequenzen, die aus einem Glauben erwachsen. Aber die begriffliche Rolle ist nicht genug: Sie ist internalistisch und individualistisch, d.h. sie bezieht sich nicht auf die Außenwelt und nicht auf die Sprachgemeinschaft. Wir haben keine "externalistischen" und keine "sozialen" Aspekte. >Sprachgemeinschaft. Lösung/Field: wir könnten die (hoffentlich harmlose) Annahme machen, dass ein Sprachbenutzer etwas glaubt in seiner eigenen Sprache. Oder wenigstes interne Analoga davon ohne Mehrdeutigkeiten. Und wir nehmen an, dass diese Glaubensrelation ohne einen vorausgesetzten Begriff von Inhalt möglich ist. >Inhalt, >Gehalt, >Relations-Theorie. Deflationismus: Deflationismus kann dem zustimmen. Auch die computationale Rolle beschreibt, wie Glauben, Wünsche usw. in der Zeit entstehen. >Computation/Field. II 112 Wir können sagen, dass die begriffliche Rolle und die Indikationsrelationen der Glaubenseinstellungen anderer Leute relevant für den Inhalt meines Glaubenszustands sind. Die begriffliche Rolle logischer Verknüpfungen wird aber nicht mit der Wahrheitstabelle erklärt. Lösung: Verlässlichkeit: sie ist höher, wenn "oder" die Rolle hat, die der Tabelle entspricht. >Verlässlichkeitstheorie. Begriffliche Rolle/logische Operatoren/Verknüpfungen: Die Semantik der begrifflichen Rolle kann hier Tatsachen oder Abwesenheit von Tatsachen annehmen, der >Deflationismus kann das nicht. 1. Harman, Gilbert. 1982. "Conceptual Role Semantics". In: Notre dame Journal of Formal Logic, 23, pp. 242-56 |
Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Begriffliche Rolle | Schiffer | I 108f Begriffliche Rolle/Schiffer: sagt uns, wie wir von Reizen zu Überzeugungen kommen. >Reize, >Überzeugungen. Die begriffliche Rolle einer mentalen Repräsentation ist dann die kontrafaktische Rolle der Formel in der wahrnehmungsmäßigen Glaubensbildung und im Begründen. Sie ist eine kontrafaktische Eigenschaft. >Kontrafaktisches, >Mentale Repräsentation. Formale Eigenschaften von inneren Sätzen sind ohne Referenz auf T-theoretische Eigenschaften bestimmbar. Die begriffliche Rolle einer mentalen Repräsentation bestimmt nicht die Wahrheitsbedingungen. >Wahrheitsbedingungen. Bsp Zwillingserde H2O und XYZ haben dieselbe begriffliche Rolle - also wird die begriffliche Rolle zusätzlich zu den Wahrheitsbedingungen gebraucht. >Zwillingserde. I 109 Def begriffliche Rolle/Field: (Field 1977)(1): die subjektive bedingte Wahrscheinlichkeitsfunktion eines Handelnden. Zwei mentale Repräsentation s1 und s2 haben dieselbe begriffliche Rolle für eine Person, gdw. ihre (der Person) subjektive bedingten Wahrscheinlichkeits-Funktion so ist, dass für jede mentale Repräsentation s, die subjektive Wahrscheinlichkeit von s1 gegeben s dieselbe ist wie die von s2 gegeben s. SchifferVs: das passiert nie - Field dito - Bsp Blinde haben sicher andere begriffliche Rollen von Flundern - dann wird auch keine Korrelation zu den Glaubensobjekten bestehen. 1. Hartry Field (1977).Logic, Meaning, and Conceptual Role. Journal of Philosophy 74 (7):378-409 I 167 Begriffliche Rolle/Schiffer: Die begriffliche Rolle einer inneren Formel ist dann die komplexe kontrafaktische Eigenschaft der Formel, deren Kenntnis einen über die Bedingungen informiert, unter der die Formel vorkommt. Begriffliche Rolle statt Definition: dann nicht durch Paraphrase eliminierbar - dann irreduzierbar - >geregelter Gebrauch. Schiffer: These: man kann einfach die begriffliche Rolle statt platonistischer irreduzierbarer Eigenschaften z.B. des "Hundseins" annehmen: haarige nette bellende Vierbeiner. >Stereotype, >Prototypen. Entsprechend braucht man keine primitive propositionale Einstellungen und keine Glaubenseigenschaften. Proto-Menschen: haben Glauben und Wünsche, aber ohne Begriffe für sie - später gibt Gott einfache Begriffe für sie (steigert den Überlebenswert) - sie werden dann als irreduzierbar erkannt. I 169 Pointe: begriffliche Rolle: erlaubt keine gesetzesartige Verallgemeinerung wie Bsp x tut A weil er P wünscht und glaubt, dass er P erreicht, wenn er A tut - dennoch Verlässlichkeit! >Intentionalität, >Zuschreibung, >Verhalten, >Erklärung, >Verlässlichkeitstheorie. I 186 Begriffliche Rolle/Schiffer: ist ohne Referenz auf die Wahrheitsbedingungen zu bestimmen - Sie legt die Wahrheitsbedingungen auch gar nicht fest. >Wahrheitsbedingungen. Bsp Zwillingserde: Wasser und Zwillingserden-Wasser haben dieselbe begriffliche Rolle. - Gebrauch ist gleichbedeutend mit dem Besitz einer begrifflichen Rolle. Innere Sprache/Mentalesisch: hier ist die begriffliche Rolle von Referenz unabhängig. - >Mentalesisch. Daher wird keine kompositionale Semantik vorausgesetzt - hier geht es nicht um Situationen, Sprechakte oder Äußerungen. >Situation, >Sprechakte, >Äußerungen, >Kompositionalität. |
Schi I St. Schiffer Remnants of Meaning Cambridge 1987 |
| Begriffsschemata | Nagel | I 51 Begriffsschema/Interpretation/Davidson: Ich muss das fremde Bewusstsein mit Hilfe der Kategorien meines eigenen erfassen. >Verstehen, >Verstehen/Davidson, >Bewusstsein, >Bewusstsein/Nagel, >Bewusstsein/Davidson. |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 |
| Begriffsschemata | Quine | VII (a) 10ff Begriffsschema/Quine: in verschiedenen Begriffsschemata wird verschieden geurteilt. Z.B. dass rote Häuser, rote Sonnenuntergänge usw. etwas gemein haben. Mindestannahme: ist, dass das Begriffsschema unsere rohen Erfahrungen in eine Ordnung bringt. Die Einfachheit hängt vom Begriffsschema ab. Jedes Begriffsschema kann als fundamental angesehen werden - unser physikalistisches Begriffsschema vereinfacht unsere unzähligen unverbundenen Sinneseindrücke. >Sinneseindrücke/Quine. VII (d) 78 Begriffsschema/Quine: wir sind ins Begriffsschema hineingeboren, aber wir können es ändern. Wir können jedoch nicht heraustreten und objektiv mit einer unbegrifflichen Welt vergleichen. Es ist bedeutungslos, das Begriffsschema als Spiegel der Realität ((s), die dann als unbegrifflich angenommen wird,) zu verstehen. I 208 Identität/Hume: "wir können nicht sagen ein Gegenstand sei derselbe wie er selbst, es sei denn, wir meinen damit ein zu einem Zeitpunkt existierender sei mit sich als zu einem anderen Zeitpunkt identisch." QuineVsHume: Identitätssätze laufen leer, solange das Begriffsschema für physikalische Gegenstände noch nicht erfasst ist. I 469 Wörter bzw. ihre graphischen Darstellungen sind im Gegensatz zu Punkten, Kilometern, Klassen usw. fassbare Gegenstände in einer auf dem Markplatz beliebten Größenordnung. Da, wo sich Menschen mit verschiedenen Begriffsschemata aufs Beste miteinander verständigen. II 58 Begriffsschema/3. Dogma/DavidsonVsQuine: Davidson meint, dass ich einen geheimnisvollen Gebrauch von "Begriffsschema" mache. Nach meiner Auffassung gehört er zur Umgangssprache und erfüllt keine technische Aufgabe. II 59 Eine Trias - Begriffsschema, Sprache und Welt ist nicht das, was mir vorschwebt. Sondern, wie Davidson: Sprache und Welt. Begriffsschema/Quine: An anderer Stelle habe ich ein Maß für den Abstand eines Begiffsschemas vorgeschlagen. (Vielleicht besser: begrifflicher Abstand von Sprachen). Die Definition beruht auf der abweichenden Länge von übersetzten Sätzen. Ist ein Paar akzeptabler Sätze in einer Übersetzung gegeben, wähle man den kürzeren Satz. Es sollen dann Längenverhältnisse ermittelt werden. Vgl. >Two Dogmas. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Begriffsschemata | Strawson | I 76ff Begriffssystem/Begriffsschema/Einzelding/Strawson: Versuch eines alternativen Begriffsschemas, ohne Präferenz von materiellen Körpern. >Einzeldinge/Strawson, >Einführung/Strawson. Jeder kann identifizierend über Einzeldinge denken, ohne über sie zu sprechen. - Aber das könnte ursprünglich doch von Fähigkeit zur Kommunikation abhängen. >Verstehen, >Identifikation, >Individuation. |
Strawson I Peter F. Strawson Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972 Strawson II Peter F. Strawson "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit", In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Strawson III Peter F. Strawson "On Understanding the Structure of One’s Language" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Strawson IV Peter F. Strawson Analyse und Metaphysik München 1994 Strawson V P.F. Strawson Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981 Strawson VI Peter F Strawson Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Strawson VII Peter F Strawson "On Referring", in: Mind 59 (1950) In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 |
| Behauptbarkeit | Dummett | III (a) 35 Behauptbarkeit/Dummett: Beim Umgang mit Variablen, wo spezieller Wert unberücksichtigt ist (>Quantifikation ((s) >Quasianführung)) kann es nicht um Wahrheit gehen, (> Alles was er sagte) - sondern um Behauptbarkeit - ((s) Keine Proposition wird vorgebracht). III (c) 109 Gerechtfertigte Behauptbarkeit/Gettier: Nicht jede triftige Rechtfertigung ist hinreichend, man muss zusätzlich in geeigneter Beziehung zum Gegenstand stehen. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Behauptbarkeit | Strawson | Nagel I 71 Crispin WrightVsStrawson: Wright hält den Standpunkt, die Wahrheit könne weiter reichen als die Behauptbarkeit, für allzu extrem: wie kann ein Satz unerkennbar wahr sein? (VsRealismus). >Realismus, >Behauptbarkeit, >Wahrheit. StrawsonVs Das verzeichnet das Bild dessen, was Wittgenstein angeblich behauptet hat: das entspricht einfach nicht unserer evidentesten Erfahrung. Wir verstehen die Bedeutung dessen, was wir sagen und hören gut genug, um zumindest gelegentlichen in dem, was gesagt wurde, Inkonsistenzen und Folgerungen erkennen zu können, die ausschließlich dem Sinn oder der Bedeutung des Gesagten zuzuschreiben sind. >Sinn, >Bedeutung, >Verstehen, >Sprachgemeinschaft. Wright I 77 Wright: Behauptbarkeit/Strawson: Die assertibilitätskonditionale Auffassung bietet "keine Erklärung für das, was ein Sprecher tatsächlich macht, wenn er den Satz äußert. >Sprachverhalten, >Verhalten, >Sprecherbedeutung, >Sprecherintention. StrawsonVsSemantische Anti-Realisten: Es ist nur sinnvoll, eine Behauptung als berechtigt anzusehen, wenn diese Behauptung die Verpflichtung auf etwas jenseits ihrer Berechtigung liegendes mitträgt. ((s)"Hintergrund", einzelne, isolierte Sätze sind nicht behauptbar aber auch nicht sinnvoll bestreitbar.) Vgl. >Hintergrund. |
Strawson I Peter F. Strawson Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972 Strawson II Peter F. Strawson "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit", In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Strawson III Peter F. Strawson "On Understanding the Structure of One’s Language" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Strawson IV Peter F. Strawson Analyse und Metaphysik München 1994 Strawson V P.F. Strawson Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981 Strawson VI Peter F Strawson Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Strawson VII Peter F Strawson "On Referring", in: Mind 59 (1950) In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Behauptbarkeitsbedingungen | Behauptbarkeitsbedingungen: die Bedingungen für das Aufstellen einer Behauptung bestehen im Vorhandensein sprachlicher Ausdrucksmittel, dem Stand von Theorien und dem Vorhandensein bestimmter Auffassungen bei der Sprecherin. |
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| Behauptende Kraft | Geach | I 262 Behauptende Kraft/Geach: Die Behauptende Kraft ((s) einer Aussage) zeigt sich daran, dass ein Satz nicht in einem längeren eingeschlossen ist. Vgl. >Brandom: Freistehende Gehalte. Der Behauptungsstrich fügt keinen Begriff hinzu - daher darf er nicht mit "Es ist wahr, dass.." verwechselt werden. - ("Wahr" kann auch in einem nichtbehauptenden Satz vorkommen, ohne dessen Sinn zu verändern). >Wahrheitswert, >Wahrheitsprädikat, >Redundanztheorie, >Behauptungsstrich. Fehler: daraus abzuleiten, dass es "der Existenz keinen Begriff hinzufügt" (GeachVsHume). >Existenzprädikat. Der Behauptungs-Strich ist ein undefinierbarer Grundbegriff, er ist nicht erklärbar. VsZuschreibungstheorie: Dem Prädikat "schlecht" eignet nicht mehr behauptende Kraft als irgendeinem anderen Prädikat, nämlich gar keine. >Behauptende Kraft, >Prädikate/Geach, >Prädikation/Geach. |
Gea I P.T. Geach Logic Matters Oxford 1972 |
| Behauptungen | Dewey | Putnam II 241 Berechtigte Behauptbarkeit/Dewey/Rorty: Berechtigte Behauptbarkeit ist von der Mehrheit in einer Kultur abhängig - Normen und Standards sind historisch und reflektieren Interessen. >Normen, >Behauptbarkeit, >Behauptbarkeitsbedingungen. PutnamVsRorty: Behauptbarkeit ist von Mehrheit unabhängig, aber keine transzendente Realität sondern Eigenschaft des Begriffs der Berechtigung! PutnamVsRelativismus/VsRealismus: Beide behaupten, zugleich innerhalb und außerhalb der Sprache stehen zu können. >Relativismus, >Realismus, >Zirkulärität. |
Dew II J. Dewey Essays in Experimental Logic Minneola 2004 Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 |
| Behaviorismus | Black | II 220 BlackVsBehaviorismus: Wir können Zeichen verstehen ohne zu einer Handlung bewegt zu werden. >Zeichen. II 222 Bsp Welche Handlung soll "belegt" hervorrufen? Oder "grün"? II 78 Sprache/Behaviorismus/Black: These: Ausdrücke wie "Zweck", "Motiv", "Bedeutung" könnten ausgeschlossen werden, weil sie sich auf etwas beziehen, das nicht öffentlich beobachtbar ist. II 78/79 Vs: Danach wäre Sprache nicht mehr als ein "Brauch", vergleichbar mit dem Abnehmen des Hutes zum Gruß. (Jespersen, 1924)(1). II 215 Mentalismus/Black: "Mentale Einheiten": Bilder, Ideen, Gedanken, Begriffe, oder Vorstellungen. BehaviorismusVsMentalismus: Solche Entitäten sind nicht verifizierbar. >Mentalismus. 1. Jespersen, O. (1924). The Philosophy of Grammar. London |
Black I Max Black "Meaning and Intention: An Examination of Grice’s Views", New Literary History 4, (1972-1973), pp. 257-279 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, G. Meggle (Hg) Frankfurt/M 1979 Black II M. Black Sprache. Eine Einführung in die Linguistik München 1973 Black III M. Black The Prevalence of Humbug Ithaca/London 1983 Black IV Max Black "The Semantic Definition of Truth", Analysis 8 (1948) pp. 49-63 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Behaviorismus | Searle | I 57 LewisVsBehaviorismus: Der Behaviorismus berücksichtigt nicht-kausale Beziehungen. I 77 Überzeugungen und Wünsche/Searle: Überzeugungen und Wünsche brauchen nicht postuliert zu werden, sie werden einfach ganz bewusst erlebt und stehen gar nicht in Frage. >Überzeugung, >Wunsch. I 48 ff Methodologischer Behaviorismus: Psychologie: Der methodologischer Behaviorismus in der Psychologie umfasst Reiz/Reaktion. >Reiz/Reaktion. Logischer Behaviorismus: (Ryle, Hempel): Der logische Behaviorismus umfasst nur Verhalten. >Verhalten/Ryle, >Verhalten, >Hempel. SearleVsBehaviorismus: Die Disposition ist unklar, Zirkel: Glauben ist nur mit Wünschen erklärbar und umgekehrt. SuperspartanerVsBehaviorismus. >SearleVsBehaviorismus. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Belege | Naess | I 397 Zunahme von Evidenz/Belege/Naess: Zunahme von Evidenz führt zu mehr Gründen etwas zu behaupten, aber nicht zur Wiederholung von "es ist so". Keine Annäherung an Wissen: Bsp Ich greife nach einer Attrappe - Suche nach Wissen ist damit nicht zu vergleichen. - Anstieg von Evidenz ist vielleicht messbar, nicht aber von Wissen. >Wissen, >Gewissheit, >Rechtfertigung. Wenn Verstehen, Erinnern und Sehen Wahrheit impliziert, dann kann Evidenzsteigerung nicht zu dieser Erkenntnis oder Erinnerung führen. - Ein Abstand zur Wahrheit ist nicht bestimmbar wie beim Danebengreifen. >Verstehen, >Erkennen, >Erkenntnis, >Erkenntnistheorie. I 399 Keine Annäherung an Wissen: Entweder die Aussage ist falsch oder sie ist wahr, dann besitzen wir schon das Wissen. >Wahrheit, >Aussage, >Wahrheitswerte. |
Naess I Arne Naess Can Knowledge Be Reached? Inquiry 1961, S. 219-227 In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 |
| Belege | Quine | Fodor IV 44 Bestätigung/Peirce: Bestätigungsrelationen sind ipso facto semantisch. QuineVs: Belege sind nicht semantisch, sonst wären sie a priori. Siehe unten. IV 37 Bestätigung kann nicht aus Bedeutung folgen. >Bedeutung, >Bestätigung, >Zirkularität. VI 3 Belege/Quine: auf den Begriff des Belegs verzichten wir zugunsten von Reizeinfluss! Stattdessen sprechen wir von Beobachtungssätzen. VI 6 Beobachtungssatz/zusammengesetzt/Quine: komplexe Beobachtungssätze: bestehen nicht bloß aus Konjunktionen von Bsp "Da ist blau, und da ist Kiesel". Sondern lauten: Bsp "Dieser Kiesel ist blau". Die Verbindung ist enger. Der Beobachtungssatz ist das Verbalisierungsmittel der Voraussage, mit der eine Theorie geprüft wird. Er ist die letzte Kontrollinstanz. VI 7 Er ist das Vehikel jeglicher Belege. Er hat eine Doppelfunktion: der Beobachtungssatz ist zugleich Einlass in die Sprache. (Sprachlernen des Kindes). Viele Beobachtungssätze werden nicht durch simple Konditionierung oder Nachahmung gelernt, sondern durch anschließende Konstruktion aus komplizierten sprachlichen Bausteinen. VI 8 Aber jeder Beobachtungssatz könnte auch auf unmittelbare Weise gelernt werden. VI 18 Reine Beobachtung liefert uns tatsächlich ausschließlich negative Belege und zwar, indem sie die kategorischen Beobachtungssätze falsifiziert, die von den jeweiligen Theorien impliziert werden. I 44 Belege/Reiz/Quine: jede realistische Theorie über Belege ist untrennbar mit der Psychologie von Reiz und Reaktion verbunden. Bsp einen Stein aus nächster Nähe einen Stein zu nennen, ist schon ein Extremfall. >Reize. I 54 Die Frage nach dem, was es gibt, ist die Frage nach den Belegen. Die letzte Schiedsstelle in dieser Sache ist die wissenschaftliche Methode, so amorph sie auch sein mag. X 23 Theorie/Belege/Quine: nur eine Theorie als ganze lässt Belege zu. >Holismus. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 F/L Jerry Fodor Ernest Lepore Holism. A Shoppers Guide Cambridge USA Oxford UK 1992 Fodor I Jerry Fodor "Special Sciences (or The Disunity of Science as a Working Hypothesis", Synthese 28 (1974), 97-115 In Kognitionswissenschaft, Dieter Münch Frankfurt/M. 1992 Fodor II Jerry Fodor Jerrold J. Katz Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Fodor III Jerry Fodor Jerrold J. Katz The availability of what we say in: Philosophical review, LXXII, 1963, pp.55-71 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 |
| Belohnung | Becker | Parisi I 457 Belohnung/Bestrafung/Sanktionen/Anreize/ Stigler/Stiglitz/Becker/Shapiro/Dari-Mattiacci/De Geest: Annullierbare Belohnungen sind Belohnungspreise, die gezahlt werden, wenn der Akteur nicht überwacht und bei Verstößen erwischt wird. Sie unterscheiden sich von normalen Belohungen und Strafen, die gezahlt werden, wenn der Akteur überwacht und für regelkonform befunden wird. Ähnlich verhält es sich mit annullierbaren Strafen, die nur dann eingesetzt werden, wenn der Vertreter überwacht und für regelkonform befunden wurde. Im Wesentlichen ist ein annullierbares Zuckerbrot eine Drohung zur Rücknahme, eine annullierbare Peitsche ein Versprechen zur Rückgabe. (De Geest, Dari-Mattiacci, and Siegers, 2009)(1). Annullierbare Belohnungen sind mathematisch identisch mit normalen Belohnungen, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Überwachung 100% beträgt. Der Unterschied zwischen der normalen und der annullierbaren Variante besteht darin, was passiert, wenn es keine Überwachung gibt. Wenn alle Agenten ständig überwacht werden (p = 1), verschwindet der Unterschied. Betrachten wir den Fall, in dem ein Angestellter einen Bonus erhält, wenn er keine schlechte Leistung erbringt, im Vergleich zu dem Fall, in dem der Angestellte den Bonus nur erhält, wenn er eine gute Leistung erbringt. Wenn die Überwachung mit Sicherheit stattfindet, erhält der Arbeitnehmer in beiden Szenarien eine Prämie, wenn er sich an die Vorschriften hält, und keine Prämie, wenn er dagegen verstößt. Es gibt jedoch einen wichtigen Unterschied, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Überwachung weniger als 100 % beträgt. In diesen Fällen erhalten die Mitarbeiter, die das Glück hatten, nicht überwacht zu werden, trotzdem eine Prämie, wenn die Belohnungen annulliert werden. Parisi I 458 Ein Beispiel für annullierbare Belohnungspreise findet sich in der Literatur über Effizienzlöhne (Shapiro und Stiglitz, 1984(2); Becker und Stigler, 1974(3)). Hier wurde argumentiert, dass eine Überbezahlung eines Arbeitnehmers sinnvoll sein kann, weil sie dem Arbeitnehmer einen zusätzlichen Anreiz gibt, nicht entlassen zu werden. In der Tat kann die Überzahlung als Zuckerbrot betrachtet werden, das gezahlt wird, wenn der Arbeitnehmer nicht überwacht wird und sich nicht drückt. Dieser zusätzliche Anreiz, sich nicht zu drücken, kann es dem Arbeitgeber ermöglichen, die Überwachungsquote zu senken und Überwachungskosten zu sparen. Dies deutet darauf hin, dass anfechtbare Belohnungen und Strafen eine Quelle der Unwirksamkeit darstellen, die bei regulären Belohnungen und Strafen nicht vorhanden ist. Reguläre Belohnungen und Strafen werden nur an Bedienstete gezahlt, die überwacht (und für regelkonform befunden) wurden. Anfechtbare Zuwendungen werden nicht nur an Bedienstete gezahlt, die kontrolliert wurden (und die sich als regelkonform erwiesen haben), sondern auch an Bedienstete, die nicht kontrolliert wurden (und die sich möglicherweise regelkonform verhalten oder sich gedrückt haben). Die Zahlung einer Prämie an einen Agenten, der nicht überwacht wurde, hat offensichtlich keinen Anreizeffekt, da die Anreize durch die Kluft zwischen dem, was die Einhaltung der Vorschriften und dem, was die Verstöße betrifft, entstehen. Daher ist eine Belohnung, die an nicht überwachte Bedienstete gezahlt wird, aus Sicht des Arbeitgebers "verschwendetes Geld". Dieses verschwendete Geld kann indirekt zu Ineffizienz führen. Ein gewinnmaximierender Arbeitgeber steht nämlich vor einem Zielkonflikt zwischen der Zahlung von Belohnungen und der Übernahme von Überwachungskosten: Je höher die Überzahlung, desto geringer können die Überwachungskosten sein. Wenn aber die Mieten auch an die nicht überwachten Mitarbeiter gezahlt werden müssen, wird der Arbeitgeber ein ineffizient hohes Überwachungsniveau ansetzen, um die Häufigkeit der Zahlung solcher Belohnungen zu verringern. Diese Verzerrung auf der Überwachungsebene ist bei einer normalen Belohnungsregelung, bei der die Prämie nur an überwachte, konforme Agenten gezahlt wird, nicht vorhanden (De Geest, Dari-Mattiacci, and Siegers, 2009)(1) >Strafen, >Kosten, >Grenzkosten, >Transaktionskosten, >Löhne, >Effizienz. 1. Dari-Mattiacci, Giuseppe (2009). “Negative Liability.” Journal of Legal Studies 38: 21–60. 2. Shapiro, Carl and Joseph E. Stiglitz (1984). “Equilibrium Unemployment as a Worker Discipline Device.” American Economic Review 74: 433–444. 3. Becker, Gary S. and George Stigler (1974). “Law Enforcement, Malfeasance, and Compensation of Enforcers.” Journal of Legal Studies 3: 1–18. Giuseppe Dari-Mattiacci and Gerrit de Geest. “Carrots vs. Sticks”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Belohnung | Dari-Mattiacci | Parisi I 451 Sanktionen/Strafen/Belohnungen/Zuckerbrot/Peitsche/Anreize/Dari-Mattiacci/De Geest: Die Tatsache, dass für alle potenziellen Rechtsverletzer Strafen zur Verfügung stehen müssen, muss angesichts der Tatsache, dass Einzelpersonen möglicherweise nicht in der Lage sind, ihre Handlungen zu koordinieren, neu überdacht werden. Wenn sie nicht in der Lage sind, ihre Handlungen zu koordinieren, könnte eine einzige Strafe ausreichen, um für alle potenziellen Zuwiderhandelnden einen Anreiz zu schaffen. (Dari-Mattiacci and De Geest, 2010)(1). Für alle Handelnden als Gruppe könnte es besser sein, die Regel zu verletzen und zuzulassen, dass einer von ihnen bestraft wird, aber kein Agent hat einen individuellen Anreiz, sich selbst zu opfern. Eine notwendige Bedingung für diesen Multiplikationseffekt ist, dass alle Agenten die Reihenfolge kennen, in der der Prinzipal sie überwachen und bestrafen wird. Parisi I 452 Zwei allgemeine Grundsätze: Erstens ist der Multiplikationseffekt von Strafen stärker (und damit der Vorteil von Strafen gegenüber Belohnungen größer), wenn n wächst, da die Bedingung schwieriger zu erfüllen ist. Zweitens wächst dieser Vorteil auch, wenn die Zahl der Rechtsbrecher steigt. Unter normalen Umständen ist die Zahl der Nachgiebigen größer als die der Zuwiderhandelnden, so dass die Bedingung n < 1 wird, so dass Zuckerbrot immer zu einer strengeren Budgetbeschränkung für den Prinzipal führt als die Peitsche. Multiplikationseffekt: Der Grund, warum nur Peitschen einen Multiplikationseffekt haben, ist folgender. Zuckerbrot wird bei Einhaltung der Vorschriften eingesetzt, die Peitsche bei Verstößen. Hält sich der Agent an die Regeln, ist das Zuckerbrot aufgebraucht, die Peitsche jedoch nicht. Obwohl die Peitsche nur einmal angewendet werden kann, kann die Androhung der Peitsche mehrmals wiederholt werden. Beachten wir, dass der Multiplikationseffekt eine weitere Einschränkung des Ergebnisses der Anreizäquivalenz ist: Ein 100-Dollar-Strafe kann unter bestimmten Bedingungen einen Anreizeffekt von mehr als 100 Dollar haben; eine 100-Dollar-Belohnung hingegen kann nie einen Anreizeffekt von mehr als 100 Dollar haben. Der Vorteil des Multiplikationseffekts besteht darin, dass er die Strafverfolgung effektiver macht: Er ermöglicht es, ein Land mit 300 Millionen Einwohnern mit relativ wenigen Gefängniszellen zu regieren - es genügt, dass es einige leere Gefängniszellen gibt. >Multiplikationseffekt. Der Nachteil Parisi I 453 des Multiplikationseffekts ist, dass Strafen ein inhärentes Risiko des Missbrauchs bergen, das bei Belohnungen nicht gegeben ist. >Anreize/Dari-Mattiacci/De Geest. Verteilungseffekte: Strafen sind von Natur aus unterkompensiert, da der Akteur im Vergleich zum Status quo immer schlechter gestellt ist: Entweder entstehen ihm Aufwandskosten oder er wird bestraft. Belohnungen hingegen haben einen eingebauten Kompensationsmechanismus, da sie dem Agenten immer die Möglichkeit geben, sich für den Status quo zu entscheiden, bei dem er die Anstrengung nicht unternimmt und die Belohnung einfach nicht erhält. Während Zuckerbrot niemals unterkompensatorisch sein kann (weil es dann gegen die Anreizkompatibilitätsbeschränkung verstoßen würde), bleibt die Frage, warum es jemals überkompensatorisch sein sollte. Warum kann der Auftraggeber die Zuckerbrotprämie nicht gleich den Aufwandskosten ansetzen, so dass es keine Überkompensation gibt? Ein erster Grund ist, dass der Prinzipal möglicherweise nur unvollkommene Informationen über die individuellen Aufwandskosten hat. >Transaktionskosten/Dari-Mattiacci/De Geest, >Anreize/Dari-Mattiacci/De Geest. Ein zweiter Grund, warum Zuwendungen überkompensatorisch sein können, ist, dass der Prinzipal Überwachungsfehler macht, indem er fälschlicherweise zu dem Schluss kommt, dass einige Agenten, die gegen die Regeln verstoßen, diese einhalten. Da ein Verstoß zu einer (selbst geringen) erwarteten Rendite führt, muss die Einhaltung auch diese erwartete Rendite einschließen, um ausreichende Anreize zur Einhaltung zu schaffen. Irrtümer: Es ist zu beachten, dass Fehler zu festen Renditen führen oder feste Kosten auferlegen, die für alle Individuen erwartungsgemäß gleich sind; daher ergeben sich die einzigen Verteilungseffekte innerhalb der Gruppe der Agenten aus Unterschieden bei den Aufwandskosten. 1. Dari-Mattiacci, Giuseppe and Gerrit De Geest (2010). “Carrots, Sticks, and the Multiplication Effect.” Journal of Law, Economics, and Organization 26: 365–384. Giuseppe Dari-Mattiacci and Gerrit de Geest. “Carrots vs. Sticks”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
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| Belohnung | De Geest | Parisi I 451 Sanktionen/Strafen/Belohnungen/Zuckerbrot/Peitsche/Anreize/Dari-Mattiacci/De Geest: Die Tatsache, dass für alle potenziellen Rechtsverletzer Strafen zur Verfügung stehen müssen, muss angesichts der Tatsache, dass Einzelpersonen möglicherweise nicht in der Lage sind, ihre Handlungen zu koordinieren, neu überdacht werden. Wenn sie nicht in der Lage sind, ihre Handlungen zu koordinieren, könnte eine einzige Strafe ausreichen, um für alle potenziellen Zuwiderhandelnden einen Anreiz zu schaffen. (Dari-Mattiacci and De Geest, 2010)(1). Für alle Handelnden als Gruppe könnte es besser sein, die Regel zu verletzen und zuzulassen, dass einer von ihnen bestraft wird, aber kein Agent hat einen individuellen Anreiz, sich selbst zu opfern. Eine notwendige Bedingung für diesen Multiplikationseffekt ist, dass alle Agenten die Reihenfolge kennen, in der der Prinzipal sie überwachen und bestrafen wird. Parisi I 452 Zwei allgemeine Grundsätze: Erstens ist der Multiplikationseffekt von Strafen stärker (und damit der Vorteil von Strafen gegenüber Belohnungen größer), wenn n wächst, da die Bedingung schwieriger zu erfüllen ist. Zweitens wächst dieser Vorteil auch, wenn die Zahl der Rechtsbrecher steigt. Unter normalen Umständen ist die Zahl der Nachgiebigen größer als die der Zuwiderhandelnden, so dass die Bedingung n < 1 wird, so dass Zuckerbrot immer zu einer strengeren Budgetbeschränkung für den Prinzipal führt als die Peitsche. Multiplikationseffekt: Der Grund, warum nur Peitschen einen Multiplikationseffekt haben, ist folgender. Zuckerbrot wird bei Einhaltung der Vorschriften eingesetzt, die Peitsche bei Verstößen. Hält sich der Agent an die Regeln, ist das Zuckerbrot aufgebraucht, die Peitsche jedoch nicht. Obwohl die Peitsche nur einmal angewendet werden kann, kann die Androhung der Peitsche mehrmals wiederholt werden. Beachten wir, dass der Multiplikationseffekt eine weitere Einschränkung des Ergebnisses der Anreizäquivalenz ist: Ein 100-Dollar-Strafe kann unter bestimmten Bedingungen einen Anreizeffekt von mehr als 100 Dollar haben; eine 100-Dollar-Belohnung hingegen kann nie einen Anreizeffekt von mehr als 100 Dollar haben. >Multiplikationseffekt. Der Vorteil des Multiplikationseffekts besteht darin, dass er die Strafverfolgung effektiver macht: Er ermöglicht es, ein Land mit 300 Millionen Einwohnern mit relativ wenigen Gefängniszellen zu regieren - es genügt, dass es einige leere Gefängniszellen gibt. Der Nachteil Parisi I 453 des Multiplikationseffekts ist, dass Strafen ein inhärentes Risiko des Missbrauchs bergen, das bei Belohnungen nicht gegeben ist. >Anreize/Dari-Mattiacci/De Geest. Verteilungseffekte: Strafen sind von Natur aus unterkompensiert, da der Akteur im Vergleich zum Status quo immer schlechter gestellt ist: Entweder entstehen ihm Aufwandskosten oder er wird bestraft. Belohnungen hingegen haben einen eingebauten Kompensationsmechanismus, da sie dem Agenten immer die Möglichkeit geben, sich für den Status quo zu entscheiden, bei dem er die Anstrengung nicht unternimmt und die Belohnung einfach nicht erhält. Während Zuckerbrot niemals unterkompensatorisch sein kann (weil es dann gegen die Anreizkompatibilitätsbeschränkung verstoßen würde), bleibt die Frage, warum es jemals überkompensatorisch sein sollte. Warum kann der Auftraggeber die Zuckerbrotprämie nicht gleich den Aufwandskosten ansetzen, so dass es keine Überkompensation gibt? Ein erster Grund ist, dass der Prinzipal möglicherweise nur unvollkommene Informationen über die individuellen Aufwandskosten hat. >Transaktionskosten/Dari-Mattiacci/De Geest, >Anreize/Dari-Mattiacci/De Geest. Ein zweiter Grund, warum Zuwendungen überkompensatorisch sein können, ist, dass der Prinzipal Überwachungsfehler macht, indem er fälschlicherweise zu dem Schluss kommt, dass einige Agenten, die gegen die Regeln verstoßen, diese einhalten. Da ein Verstoß zu einer (selbst geringen) erwarteten Rendite führt, muss die Einhaltung auch diese erwartete Rendite einschließen, um ausreichende Anreize zur Einhaltung zu schaffen. Irrtümer: Es ist zu beachten, dass Fehler zu festen Renditen führen oder feste Kosten auferlegen, die für alle Individuen erwartungsgemäß gleich sind; daher ergeben sich die einzigen Verteilungseffekte innerhalb der Gruppe der Agenten aus Unterschieden bei den Aufwandskosten. 1. Dari-Mattiacci, Giuseppe and Gerrit De Geest (2010). “Carrots, Sticks, and the Multiplication Effect.” Journal of Law, Economics, and Organization 26: 365–384. Giuseppe Dari-Mattiacci and Gerrit de Geest. “Carrots vs. Sticks”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
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| Belohnung | Stigler | Parisi I 457 Belohnung/Bestrafung/Sanktionen/Anreize/ Stigler/Stiglitz/Becker/Shapiro/Dari-Mattiacci/De Geest: Annullierbare Belohnungen sind Belohnungspreise, die gezahlt werden, wenn der Akteur nicht überwacht und bei Verstößen erwischt wird. Sie unterscheiden sich von normalen Belohungen und Strafen, die gezahlt werden, wenn der Akteur überwacht und für regelkonform befunden wird. Ähnlich verhält es sich mit annullierbaren Strafen, die nur dann eingesetzt werden, wenn der Vertreter überwacht und für regelkonform befunden wurde. Im Wesentlichen ist ein annullierbares Zuckerbrot eine Drohung zur Rücknahme, eine annullierbare Peitsche ein Versprechen zur Rückgabe. (De Geest, Dari-Mattiacci, and Siegers, 2009)(1). Annullierbare Belohnungen sind mathematisch identisch mit normalen Belohnungen, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Überwachung 100% beträgt. Der Unterschied zwischen der normalen und der annullierbaren Variante besteht darin, was passiert, wenn es keine Überwachung gibt. Wenn alle Agenten ständig überwacht werden (p = 1), verschwindet der Unterschied. Betrachten wir den Fall, in dem ein Angestellter einen Bonus erhält, wenn er keine schlechte Leistung erbringt, im Vergleich zu dem Fall, in dem der Angestellte den Bonus nur erhält, wenn er eine gute Leistung erbringt. Wenn die Überwachung mit Sicherheit stattfindet, erhält der Arbeitnehmer in beiden Szenarien eine Prämie, wenn er sich an die Vorschriften hält, und keine Prämie, wenn er dagegen verstößt. Es gibt jedoch einen wichtigen Unterschied, wenn die Wahrscheinlichkeit einer Überwachung weniger als 100 % beträgt. In diesen Fällen erhalten die Mitarbeiter, die das Glück hatten, nicht überwacht zu werden, trotzdem eine Prämie, wenn die Belohnungen annulliert werden. Parisi I 458 Ein Beispiel für annullierbare Belohnungspreise findet sich in der Literatur über Effizienzlöhne (Shapiro und Stiglitz, 1984(2); Becker und Stigler, 1974(3)). Hier wurde argumentiert, dass eine Überbezahlung eines Arbeitnehmers sinnvoll sein kann, weil sie dem Arbeitnehmer einen zusätzlichen Anreiz gibt, nicht entlassen zu werden. In der Tat kann die Überzahlung als Zuckerbrot betrachtet werden, das gezahlt wird, wenn der Arbeitnehmer nicht überwacht wird und sich nicht drückt. Dieser zusätzliche Anreiz, sich nicht zu drücken, kann es dem Arbeitgeber ermöglichen, die Überwachungsquote zu senken und Überwachungskosten zu sparen. Dies deutet darauf hin, dass anfechtbare Belohnungen und Strafen eine Quelle der Unwirksamkeit darstellen, die bei regulären Belohnungen und Strafen nicht vorhanden ist. Reguläre Belohnungen und Strafen werden nur an Bedienstete gezahlt, die überwacht (und für regelkonform befunden) wurden. Anfechtbare Zuwendungen werden nicht nur an Bedienstete gezahlt, die kontrolliert wurden (und die sich als regelkonform erwiesen haben), sondern auch an Bedienstete, die nicht kontrolliert wurden (und die sich möglicherweise regelkonform verhalten oder sich gedrückt haben). Die Zahlung einer Prämie an einen Agenten, der nicht überwacht wurde, hat offensichtlich keinen Anreizeffekt, da die Anreize durch die Kluft zwischen dem, was die Einhaltung der Vorschriften und dem, was die Verstöße betrifft, entstehen. Daher ist eine Belohnung, die an nicht überwachte Bedienstete gezahlt wird, aus Sicht des Arbeitgebers "verschwendetes Geld". Dieses verschwendete Geld kann indirekt zu Ineffizienz führen. Ein gewinnmaximierender Arbeitgeber steht nämlich vor einem Zielkonflikt zwischen der Zahlung von Belohnungen und der Übernahme von Überwachungskosten: Je höher die Überzahlung, desto geringer können die Überwachungskosten sein. Wenn aber die Mieten auch an die nicht überwachten Mitarbeiter gezahlt werden müssen, wird der Arbeitgeber ein ineffizient hohes Überwachungsniveau ansetzen, um die Häufigkeit der Zahlung solcher Belohnungen zu verringern. Diese Verzerrung auf der Überwachungsebene ist bei einer normalen Belohnungsregelung, bei der die Prämie nur an überwachte, konforme Agenten gezahlt wird, nicht vorhanden (De Geest, Dari-Mattiacci, and Siegers, 2009)(1). >Strafen, >Kosten, >Grenzkosten, >Transaktionskosten, >Löhne, >Effizienz. 1. Dari-Mattiacci, Giuseppe (2009). “Negative Liability.” Journal of Legal Studies 38: 21–60. 2. Shapiro, Carl and Joseph E. Stiglitz (1984). “Equilibrium Unemployment as a Worker Discipline Device.” American Economic Review 74: 433–444. 3. Becker, Gary S. and George Stigler (1974). “Law Enforcement, Malfeasance, and Compensation of Enforcers.” Journal of Legal Studies 3: 1–18. Giuseppe Dari-Mattiacci and Gerrit de Geest. “Carrots vs. Sticks”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
EconStigler I George J. Stigler Gary S. Becker De Gustibus Non Est Disputandum 1977 Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Benennen | Prior | I 155 Benennen/anwenden auf/Prior: Adjektive benennen nicht, sondern werden auf etwas angewendet. >Prädikation, >Wahr-von. Die Anwendung ist kein Teil der Bedeutung. >Bedeutung. Kennzeichnungen kann man verstehen, ohne zu wissen, auf wen sie angewendet werden. >Kennzeichnungen, >Verstehen. |
Pri I A. Prior Objects of thought Oxford 1971 Pri II Arthur N. Prior Papers on Time and Tense 2nd Edition Oxford 2003 |
| Bentham, Jeremy | Rothbard | Rothbard II 49 Jeremy Bentham/Rothbard: Jeremy Bentham (1748-1832) war zunächst ein überzeugter Smithianer, der jedoch konsequenter dem Laissez-faire anhing. Während seiner relativ kurzen Zeitspanne, in der er sich für die Wirtschaft interessierte, wurde er immer staatsgläubiger. Sein verstärkter Etatismus war nur ein Aspekt seines großen - und höchst unglücklichen - Beitrags zur Wirtschaftswissenschaft: sein konsequenter philosophischer Utilitarismus. Dieser Beitrag, der der staatlichen Willkür Tür und Tor öffnet, bleibt als Benthams Vermächtnis für die heutige neoklassische Wirtschaftswissenschaft bestehen. Benthams erstes und bleibendes Interesse galt dem Utilitarismus (auf den wir weiter unten näher eingehen werden), den er im Alter von 28 Jahren mit seinem ersten veröffentlichten Werk, dem Fragment on Government (1776)(1), einführte. Rothbard II 54 VsBentham: James Mill und David Ricardo galten als loyale Bentham-Anhänger, und das waren sie auch in der utilitaristischen Philosophie und im Glauben an die politische Demokratie. In der Ökonomie sah die Sache jedoch ganz anders aus, und Mill und Ricardo, die sich auf das Saysche Gesetz und die Turgot-Smith-Analyse verlassen konnten, setzten sich erfolgreich gegen die Veröffentlichung von „The True Alarm“(2) ein. RicardoVsBentham: Ricardo verhöhnte fast die gesamte spätere Benthamsche Wirtschaftslehre und stellte im Falle von Geld und Produktion die richtigen Fragen: Warum sollte die bloße Vermehrung des Geldes eine andere Wirkung haben, als seinen Wert zu senken? Wie sollte es eine Steigerung der Warenproduktion bewirken? Geld kann keine Waren hervorrufen... aber Waren können Geld hervorrufen.' Benthams Hauptthema, „dass Geld die Ursache von Reichtum ist“, wies Ricardo entschieden zurück. 1. Bentham, J. 1776. Fragment on Government. Being an Examination of What Is Delivered, on the Subject of Government in General, in the Introduction to Sir William Blackstone’s Commentaries. London. 2. Bentham, J. 1801. The True Alarm. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Beobachtung | Frith | I 156 Def Idealer Bayes’scher Beobachter/Informationstheorie/Frith: Der ideale Bayes'sche Beobachter maximiert die wechselseitige Information zwischen der Welt und sich selbst. >Idealer Beobachter, >Information, >Informationstheorie, >Verstehen, >Lernen. |
Frith I Chris Frith Wie unser Gehirn die Welt erschafft Heidelberg 2013 |
| Beobachtung | Rothbard | Rothbard III 645 Beobachtung/Wirtschaft/Kartelle/Rothbard: (...) im Falle eines Kartells wird gemeinsam gehandelt, nicht um die Effizienz zu steigern, sondern einzig und allein, um das Einkommen durch die Beschränkung des Absatzes zu erhöhen. Ein außenstehender Beobachter hat jedoch keine Möglichkeit, zwischen einer „restriktiven“ und einer effizienzsteigernden Maßnahme zu unterscheiden. Zunächst einmal darf man sich nicht vorstellen, dass das Werk oder die Fabrik die einzigen Produktionsfaktoren sind, deren Effizienz gesteigert werden kann. >Produktionsfaktoren/Rothbard, >Kartelle/Rothbard, >Fusionen/Rothbard. Marketing, Werbung usw. sind ebenfalls Produktionsfaktoren; denn „Produktion“ ist nicht nur die physische Umwandlung eines Produkts, sondern besteht auch darin, es zu transportieren und in die Hände der Verbraucher zu geben. Letzteres impliziert die Kosten für die Information des Verbrauchers über das Vorhandensein und die Beschaffenheit des Produkts sowie für den Verkauf dieses Produkts an ihn. Da ein Kartell immer eine gemeinsame Vermarktung betreibt, kann niemand bestreiten, dass das Kartell die Vermarktung effizienter gestalten kann. Wie lässt sich also diese Effizienz von dem „wettbewerbsbeschränkenden“ Aspekt des Vorhabens trennen? >Methode, >Messungen. Rothbard III 648 Messen: Es kann (...) keine Trennung von technologischer Effizienz und finanziellen Überlegungen geben. Der einzige Weg, wie wir feststellen können, ob ein Produkt gefragter ist als ein anderes oder ein Prozess effizienter als ein anderer, ist durch konkrete Aktionen des freien Marktes. Diese Überlegungen dienen übrigens dazu, die sehr beliebte Unterscheidung zwischen „Produktion für den Nutzen“ und „Produktion für den Profit“ zu widerlegen. Zunächst einmal ist jede Produktion für den Gebrauch bestimmt, sonst würde sie nicht stattfinden. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Beobachtung | Sraffa | Kurz I 72 Beobachtung/Sraffa/Kurz: [Sraffa] stellt verschiedene Beobachter mit spezifischen analytischen Haltungen vor und vergleicht sie und untersucht, wie diese Haltungen für das Erfassen bestimmter Aspekte des Untersuchungsgegenstandes nützlich oder schädlich sein können. Dieses Vorgehen erklärt, warum Sraffa besonders darauf achtet, die Elemente, die Teil des zu untersuchenden Objekts sind, von denen zu trennen, die von den speziellen theoretischen Linsen abhängen, die der Beobachter verwendet: Unserer Ansicht nach geht Sraffa implizit davon aus, dass theoretische Linsen in der Tat für die durchzuführende Untersuchung erforderlich sind, und dass daher eine Anstrengung unternommen werden muss, um die besten Linsen in der gegebenen Situation auszuwählen. >Methode/Sraffa. Kurz I 79 Im Vorwort zu PC(1) stellt Sraffa einen Analysegegenstand vor, nämlich „die Eigenschaften eines Wirtschaftssystems“, die „nicht von Änderungen des Produktionsumfangs oder der Faktorenverhältnisse abhängen“, und zwei Beobachter dieses Gegenstands. Der erste Beobachter wird vorgestellt als (i) „jeder, der gewohnt ist, in Begriffen des Gleichgewichts von Angebot und Nachfrage zu denken“, der zweite als (ii) der Gelehrte, der den „Standpunkt ... der alten klassischen Ökonomen von Adam Smith bis Ricardo“ einnimmt. Nach Sraffa nehmen die Beobachter (i) und (ii) zwei unterschiedliche Haltungen gegenüber dem Untersuchungsgegenstand ein. Diese Unterschiede wirken sich unmittelbar auf die Fähigkeit des Beobachters aus, den Gegenstand zu verstehen. Beobachter (i) kann durch die symmetrische Werttheorie „veranlasst“ werden, ein Modell, in dem die Nachfragebedingungen bei der Preisbestimmung keine explizite analytische Rolle spielen, als ein Modell zu interpretieren, das auf der impliziten Annahme konstanter Skalenerträge beruht. Beobachter (ii) scheint besser als Beobachter (i) in der Lage zu sein, die Eigenschaften des untersuchten Objekts zu untersuchen: „In einem System, in dem die Produktion Tag für Tag in dieser Hinsicht unverändert bliebe, wäre das Grenzprodukt eines Faktors (oder alternativ die Grenzkosten eines Produkts) nicht nur schwer zu finden - es wäre einfach nicht zu finden.“ (Sraffa 1960: v)(1) Kurz I 81 Überschuss/Methode/Sraffa: In Kapitel II von PC(1) stellt Sraffa eine Wirtschaft vor, die „mehr produziert als das Minimum, das zur Wiederbeschaffung notwendig ist, und es gibt einen Überschuss, der Kurz I 82 verteilt wird“ (S. 6). Der Beobachter-Sraffa bemerkt: „Das System wird selbstwidersprüchlich“. Dieser „Widerspruch“ ist jedoch nicht dem zu beobachtenden Objekt inhärent. Sraffas Bemerkung läuft also auf eine Warnung an die Beobachterin und ihre theoretischen Schemata hinaus: Die Beobachterin würde in einen Widerspruch geraten, wenn sie den Gegenstand „Produktion mit Überschuss“ mit denselben Analysewerkzeugen analysieren würde, die sie für den Gegenstand „Produktion zum Lebensunterhalt“ verwendet. Ein anderes theoretisches Schema ist erforderlich. Kurz: Unserer Ansicht nach ist Sraffas Warnung durch die Tatsache gerechtfertigt, dass mindestens zwei wesentliche Unterschiede zwischen dem Gegenstand von Kapitel I und dem Gegenstand von Kapitel II bestehen: Das Vorhandensein eines Überschusses bedingt nämlich die Notwendigkeit für den Beobachter, (i) eine Regel für die Verteilung des Überschusses zu wählen und (ii) zwischen Basisgütern und Nicht-Basisgütern zu unterscheiden. 1. Sraffa, P. (1960). Production of Commodities by Means of Commodities. Prelude to a Critique of Economic Theory, Cambridge: Cambridge University Press. Salvadori, Neri and Signorino, Rodolfo. 2015. „Piero Sraffa: economic reality, the economist and economic theory. An interpretation.“ In: Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge. |
Sraffa I Piero Sraffa Production of Commodities by Means of Commodities. Prelude to a Critique of Economic Theory (Cambridge: Cambridge University Press). Cambridge 1960 Kurz I Heinz D. Kurz Neri Salvadori Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015 |
| Beobachtungssätze | Quine | II 43 Kategorische Beobachtungssätze: sind unabhängig von Raum und Zeit "Wo Rauch ist, da ist Feuer". Dies ist durch das Sprachlernen, dennoch braucht Wissenschaft Raum und Zeit. Aber diese sind theoretische Begriffe! Die Wahrheit von kategorischen Sätzen ergibt sich nicht durch Beobachtung! Wohl aber Falsifikation. Darin besteht die Asymmetrie. II 43ff Empirischer Gehalt entspricht kategorischen Beobachtungssätzen. Es ist die Verknüpfung von Theorie und Beobachtung. Zwei Theorien sind äquivalent, wenn alle kategorischen Beobachtungssätze identisch sind. Die Theorie impliziert kategorische Beobachtungssätze, ohne von ihnen impliziert zu werden. Theoretische Termini kommen in kategorischen Beobachtungssätzen gar nicht vor! >Theorien/Quine, >Beobachtung/Quine. II 218f Beobachtungssätze handeln nicht von der Erfahrung, sondern von Sprache, Lernen, Situation, Umständen. Quine: Beobachtungssätze sind aber der Erfahrung leidlich analog. Einzelne Beobachtungssätze sind ziemlich unabhängig voneinander. VI 6 Beobachtungssatz/zusammengesetzt/Quine: komplexer Beobachtungssatz: ist nicht bloß Konjunktion "Da ist blau, und da ist Kiesel.". Sondern lautet Bsp "Dieser Kiesel ist blau.". VI 9 Sätze gehen als ganze in die Verknüpfung mit Reizspielräumen ein. Pointe: in diesem Fall enthalten sie keine Wörter, sondern nur Silben! (> Sprachlernen, >Konditionierung) VI 10 Beobachtungssatz/Theoriebeladenheit/Quine: im Zusammenhang mit der Reizsituation gelernt, ist der Satz frei von Theorie. Wort für Wort betrachtet, enthält er jedoch Theorie! VI 11/12 Sprachlernen/Beobachtungssatz/Ontologie/Quine: wir gehen von ganzen Sätzen aus. Wären wir von einzelnen Wörtern ausgegangen, hätten wir das Problem der Ontologie übergangen und aus dem hohlen Bauch heraus schon Gegenstände unterstellt. VI 12f Kategorischer Beobachtungssatz/Quine: der kategorische Beobachtungssatz bringt Hypothese: "sobald das, dann das", (VI) 13 aber keine Reifizierung von Zeitpunkten. VI 15 Umstände: sollen konstant einhergehen. Das macht Pronomen und Anapher notwendig, aber kein Beobachtungskonditional: dieser wird aus entzeitlichten (zeitlosen) Sätzen mit Hilfe der Theorie gewonnen. VI 59ff Beobachtungssatz/Quine: neu: der Beobachtungssatz ist nicht mehr intersubjektive Übereinstimmung als Kriterium, (VI 61) sondern Flüssigkeit der Kommunikation und Effizienz des praktischen Umgangs. Darin liegt die "Sachhaltigkeit". XII 101 Def Beobachtungssatz/naturalisierte Erkenntnistheorie/Quine: Beobachtungssätze sind die Sätze, die den Rezeptoren kausal am nächsten stehen. Problem: wie überflüssige Information ausscheiden? XII 102 Besser: Satz, der innerhalb einer Gemeinschaft gegenüber Unterschieden in vergangenen Erfahrungen unempfindlich ist. XII 103 In größeren Gemeinschaften nimmt die Zahl der anerkannten Beobachtungssätze ab, (XII 105 )entscheidend ist: die Identität des Spielraums der Reizungen. Die Menge möglicher Abweichungen muss bei allen Mitgliedern gleich sein. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Beobachtungssprache | Brunkhorst | Habermas IV 495 Beobachtungssprache/Brunkhorst/Habermas: Brunkhorst hat zwei Paare von theorie- und Beobachtungssprachen unterschieden, die sich, entsprechend den pragmatischen Rollen ihrer Grundbegriffe, entweder auf Zustände und Ereignisse in den Lebenswelten von Kapitalisten und Lohnarbeitern oder auf systemische Zusammenhänge der Kapitalverwertung beziehen. Die Klassensprache (Lk) ist in handlungstheoretischen Grundbegriffen wie ‚konkrete Arbeit‘, ‚Klasseninteresse‘ usw. aufgebaut; die Verwertungssprache (Lv) in systemtheoretischen Grundbegriffen wie ‚abstrakte Arbeit‘ oder ‚Wert‘. (1) Innerhalb dieser beiden Sprachen müssen sich zunächst die theoretischen Begriffe operationalisieren und Begriffen einer Beobachtungssprache zuordnen lassen. Dann müssen Aussagen, die in der einen Theorie- bzw. Beobachtungssprache ausgedrückt werden, in Aussagen der jeweils anderen Sprache übersetzt werden. Die Werttheorie von Marx kann man als Versuch verstehen, diese Übersetzungsregeln zu explizieren. Siehe Werttheorie/Habermas. Korrespondenzen zwischen Theoriesprache Lkt und Beobachtungssprache Lvb erlauben z.B., von wirtschaftlichen Krisenerscheinungen auf die Habermas IV 496 Lebensrisiken der Arbeiter zu schließen. Zuordnung: Zwischen Beobachtungssprache und Theoriesprache gibt es Zuordnungsregeln, Übersetzung: Innerhalb Beobachtungssprachen und Theoriesprachen gibt es Übersetzungsregeln, z.B. für den Übergang vom ökonomischen Subsystem zur Lebenswelt. Rückübersetzung/Habermas: ist nur möglich, wenn die Referenz ((s) Bezugsgegenstand) erhalten bleibt. 1.Unveröffentliches Manuskript „Zur Dialektik von Verwertungssprache und Klassensprache“, Ms Frankfurt (1980). |
Brunk I Hauke Brunkhorst Zur Dialektik von Verwertungssprache und Klassensprache. Manuskript Frankfurt/M. 1980 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Beobachtungssprache | Peacocke | I 88 PeacockeVsInstrumentalismus. Peacocke pro Trennung Beobachtungsbegriffe (BB)/theoretische Termini. >Instrumentalismus, >Beobachtungsbegriffe, >Theoretische Termini. Wenn Röntgenröhre und Geigerzähler unterschieden werden, dann im repräsentationalen Inhalt - dann haben wir Beobachtungsbegriffe statt theoretischer Termini. >Inhalt, >Gehalt, >Repräsentationaler Gehalt, >Empirischer Gehalt. I 94 Beobachtungsbegriffe/Instrumente/Peacocke: Bsp Quadrat: wenn unter verschiedenen Winkeln präsentiert, dann ist es epistemisch unmöglich, dass es kein Quadrat ist. Bsp Teilchenpaar: Hier ist es immer noch epistemisch möglich, dass es nicht aus einer Kollision entstanden ist. Das setzt immer Glauben an Beobachtbarkeit voraus, daher ist es zirkulär, wenn die Überzeugung vorhanden und ineffektiv, wenn die Überzeugung nicht vorhanden ist. >Zirkularität, >Glauben, >Beobachtbarkeit, >Unbeobachtbares. Dagegen ist es keins von beiden, wenn es um Verstehen statt um Wahrheit geht. >Verstehen, >Wahrheit. I 104 Theoretische Termini/TT/Beobachtungsbegriffe/Begriff/Theorie/Instrument/Experiment/Peacocke: bessere Instrumente geben uns noch keine neuen Begriffe. >Begriffe. Peacocke These: Theoretische Termini sind immer mit Beobachtungsbegriffen verbunden - Bsp Ein Blinder, dem ein Gerät Informationen über die räumliche Umgebung auf den Rücken schreibt: wie soll der Blinde das Gerät testen? >Wissen, >Welt/Denken, >Wahrnehmung, >Gewissheit, >Bestätigung, >Verifikation. |
Peacocke I Chr. R. Peacocke Sense and Content Oxford 1983 Peacocke II Christopher Peacocke "Truth Definitions and Actual Languges" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 |
| Bereiche | Gärdenfors | I 22 Bereich/Def Semantischer Bereich/semantic domain/Gärdenfors: wir gebrauchen die Begriffe integraler und abtrennbarer Dimensionen aus der Kognitionspsychologie (nach Garner, 1974; Maddox, 1992; Melara, 1992; Kemler Nelson, 1993).(1)(2)(3)(4) Def integrale Qualitätsdimension: hier kann man eine Dimension keinen Wert zuordnen, ohne auch einer anderen Dimension einen Wert zuzuordnen. Bsp Farbton: kann nicht ohne Angabe einer Farbsättigung spezifiziert werden. Def separable Qualitätsdimension: hier kann eine Dimension unabhängig von anderen angegeben werden. Bsp Größe. Def Bereich/Gärdenfors: ist eine Menge integraler Dimensionen, die von allen anderen Dimensionen abgetrennt werden kann. Viele Bereiche bestehen aus nur einer Dimension: Bsp Temperatur, Gewicht. I 23 Gärdenfors These: Die Aufteilung kognitiver Repräsentationen auf Bereiche wird in der Semantik widergespiegelt. I 30 Bereich/Gärdenfors: Dimensionen von Eigenschaften treten meist nicht alleine auf, sondern sind in Bereichen zusammengefasst (Bsp Farben). These: Lernen (Spracherwerb) ist durch Bereiche organisiert. I 31 Kognitive Linguistik/Kognitive Semantik/Gärdenfors: ihre Vertreter gebrauchen den Begriff des Bereichs, der von der Gestaltpsychologie (zentrale Begriffe: Figur und Hintergrund) herstammt. Siehe hierzu: Langacker (2008, p.44)(5), Clausner and Croft (1999, p. 1)(6) Wort: seine semantische Struktur besteht dann aus dem Begriff (Figur) und der angenommenen Struktur des Bereichs (Hintergrund). GärdenforsVsLangacker: sein Begriff des konfiguralen Bereichs sollte besser als meronomische Information über Teile und Ganze angesehen werden. >Bereich/Langacker. I 33 Bereiche höherer Stufe/Gärdenfors: wenn wir diese annehmen, können wir Begriffe in einem Bereich als konfigurational, in einem anderen Bereich jedoch als lokational beschrieben annehmen. Lösung/Gärdenfors: eine Hierarchie von Bereichen. I 37 Bereich/Begriffsbereich/Begriffsraum/Qualitäten/Eigenschaften/Gärdenfors: ein Bereich, der als Koordinatensystem dargestellt ist (siehe >Formen/Gärdenfors, >Begriffsbereiche/Gärdenfors) kann zur Darstellung allgemeinerer Muster und Konfigurationen gebraucht werden (Marr and Nishihara 1978).(7) Clausner and Croft (p. 9) argumentieren, dass Intervalle und Akkorde solche konfigurativen Muster sind. I 38 Verwandtschaftsverhältnisse/Gärdenfors: können ebenfalls in solchen Räumen dargestellt werden (Zwarts 2010a)(8) – also nicht als Stammbaum, sondern als zweidimensionale Fläche. I 73 Bereich/semantische Bereiche/Gärdenfors: zentraler Vorteil von semantischen Bereichen: das teilen von Bedeutungen in verschiedenen Bereichen macht neue Formen der Zusammenarbeit möglich. 1. Garner, W. R. (1974). The processing of information and structure. Potomac, MD. 2. Maddox, W. T. (1992). Perceptual and decisional separability. In G. F. Ashby (Ed.), Multidimensional models of perception and cognition (pp. 147-180). Hillsdale, NJ. 3. Melara, R. D. (1992). The concept of perceptual similarity: From psychophysics to cognitive psychology. In D. Algom (Ed.) Psychophysical approaches to cognition (pp. 303-388). Amsterdam. 4. Kemler Nelson, D. G. (1993). Processing integral dimensions: The whole view. Journal of Experimental Psychology: Human Perception and Performance, 19, 1105-1113. 5. Langacker, R. W. (2008). Cognitive grammar: A basic introduction. Oxford. 6. Clausner, T. C. / Croft, W. (1999). Domains and image schemas. Cognitive Linguistics, 10, 1-31. 7. Marr, D. & Nishihara, K. H. (1978). Representation and recognition oft he spatial organization of three-dimensional shapes. Proceedings oft he Royal Society of London, Series B: Biological Sciences, 200, 269-294. 8. Zwarts, J. (2010a). Forceful Prepositions. In V. Evans & P. Chilton (Eds.) Language, cognition an space: The state of the art and new directions (pp. 193-214). London. |
Gä I P. Gärdenfors The Geometry of Meaning Cambridge 2014 |
| Berlin, Isaiah | Politische Theorien | Gaus I 418 Berlin/Politische Philosophie/Weinstein: Das Gute ist für Isaiah Berlin bekanntlich pluralistisch (...). In seinem Fall schließt der Wertepluralismus jedoch eine Systematisierung der Gerechtigkeit aus, weil die Werte so eindeutig unvereinbar sind, was es schwierig macht, Berlins Liberalismus einzuordnen. >Liberalismus. BarryVsBerlin: Berlin ist in letzter Zeit zu einer akademischen Industrie geworden, was Barry dazu veranlasst, Berlins literarischen Nachlassverwalter zu kritisieren, der jedes bisschen Triviales, das Berlin geschrieben hat, so veröffentlicht, als wäre es seriöse Philosophie (vgl. Barry, 2001(1): 7). Freiheit: Berlins Ruf beruhte zunächst auf seiner Analyse von negativer versus positiver Freiheit, die seither viele Theorien überdeterminiert hat. Berlin verteidigt die negative Freiheit und verurteilt die positive Freiheit als historisch, wenn auch nicht logisch, antiliberal. >Freiheit/Berlin, >Isaiah Berlin als Autor, >Freiheit. Für Berlin geht das Problem auf Greens unglückliche Aneignung von Hegel zurück (für Berlins Fehlinterpretation von Green, siehe Simhony, 1991(2)). Aber Berlins Verteidigung der negativen Freiheit, und damit sein Liberalismus, ist insofern problematisch, als je mehr er klärt, was er mit negativer Freiheit meint, Gaus I 419 desto mehr ähnelt die negative Freiheit der positiven Freiheit. In den ursprünglichen "Zwei Begriffen der Freiheit" von 1958 beispielsweise rekonzeptualisiert Berlin in einer vielbeachteten Fußnote die negative Freiheit. Frei zu sein bedeutet nicht einfach, Optionen zu haben und zu tun, was man will. Vielmehr scheint das Ausmaß meiner Freiheit davon abzuhängen... (a) wie viele Möglichkeiten mir offen stehen, (b) wie leicht oder schwer jede dieser Möglichkeiten zu verwirklichen ist, (c) wie wichtig in meinem Lebensplan ... diese Möglichkeiten sind, (d) inwieweit sie durch bewusste menschliche Handlungen geschlossen und geöffnet werden, (e) welchen Wert nicht bloß der Handelnde, sondern die allgemeine Stimmung der Gesellschaft, in der er lebt, den verschiedenen Möglichkeiten beimißt. (Berlin, 1969(4): 130) Frei zu sein bedeutet also auch, befähigt zu sein, erstrebenswerte Ziele zu verwirklichen. (Siehe aber Berlins 1969 erschienene Einleitung zu den Vier Aufsätzen über die Freiheit, wo er (b) und (e) auslässt). Politikwissenschaft/Berlin: In "Politische Urteilskraft" behauptet Berlin unmissverständlich, dass es "keine Naturwissenschaft der Politik" oder "Naturwissenschaft der Ethik" gibt, sondern nur politische Urteilskraft (1996(5): 49, 52). Versuche, die erstere durch die letztere zu ersetzen, können allzu oft in einer Katastrophe enden, vor allem dort, wo Politikwissenschaft und Revolutionstheorie konvergieren. Solchem Theoretisieren mangelt es an "Realitätssinn", wenn man naiv annimmt, Politik sei wissenschaftlich verallgemeinerbar und daher vorhersehbar. Für Berlin ist eine solche wissenschaftliche Einbildung das unglücklichste Erbe der Aufklärung. >Aufklärung. Wir können einfach nicht alle wichtigen Konsequenzen der öffentlichen Politik vorhersehen. Gerechtigkeit, ob utilitaristisch, vertragstheoretisch oder sozialistisch, ist in der Praxis immer anfechtbar. Gray hat kürzlich Berlin verteidigt, indem er zustimmte, dass Freiheit privilegiert werden sollte, weil sie uns erlaubt, unseren Weg zwischen inkommensurablen Werten zu "verhandeln". Negative Freiheit ist besonders wertvoll, weil sie die unvermeidliche radikale Wahl zwischen inkommensurablen Werten "erleichtert" (Gray, 1996(6): 143-4). Für Gray legt Berlins "historistische Wende" nahe, dass es "keine universelle Rechtfertigung für den Liberalismus geben kann und muss". Stattdessen sei Liberalismus "am besten als eine bestimmte Lebensform zu verstehen, die von Menschen mit einem bestimmten Selbstverständnis praktiziert wird und in der die Aktivität der freien Wahl zentral ist" (1996(6): 161). 1. Barry, Brian (2001) 'Isaiah, Israel and tribal realism'. Times Literary Supplement (London), 9 November: 7-8. 2. Simhony, Avital (1991) 'On forcing individuals to be free'. Political Studies, 49: 303-20. 3.Berlin 1958 4. Berlin, Isaiah (1969) Four Essays on Liberty. Oxford: Oxford University Press. 5. Berlin, Isaiah (1996) The Sense of Reality. New York: Farrar, Straus and Giroux. 6. Gray, John (1996) Isaiah Berlin. Princeton, NJ: Princeton University Press. Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Beschreibung | Goodman | I 15 Unterschied Abbildung/Beschreibung/Goodman: Die Versionen, die Abbildungen sind und nicht Beschreibungen, haben keinen Wahrheitswert (wahr/falsch gibt es nur bei Aussagen). Abbildungen lassen sich nicht durch Konjunktionen verknüpfen. I 23 Die Einförmigkeit der Natur, über die wir staunen oder die Unzuverlässigkeit die wir beklagen, gehört zu einer Welt, die wir selber geschaffen haben. III 213 Beschreibungen/Goodman: Beschreibungen unterscheiden sich nicht dadurch von Abbildungen, dass sie willkürlicher sind, sondern dass sie eher zu artikulierten als zu dichten Schemata gehören (dicht: z.B. reelle Zahlen, artikuliert/Goodman: das Gegenteil von dicht). IV 128 Beschreibungsabhängigkeit/Goodman: Bsp Nehmen wir die Bewegungen des Mondes. Rotiert er oder rotiert er nicht? Nun, ja und nein. Zu sagen, "etwas bewegt sich relativ zu etwas anderem" heißt nicht, dass man ihm überhaupt eine Bewegung zuschreibt. (> Bewegung, > Relativität.) IV 128 Wenn ich sage, dass verschiedene Seiten des Mondes der Sonne zu verschiedenen Zeiten zugekehrt sind, ist das keine Aussagen über Bewegung, Stillstand, Rotation. Bewegung verschwindet aus der Sphäre der Tatsachen. Wir erzeugen Rotation oder Stillstehen des Mondes. IV 129f Tatsache/Goodman: Alle Tatsachen drohen, sich in Konvention aufzulösen, alle Natur in Kunstgriffe. |
G IV N. Goodman Catherine Z. Elgin Revisionen Frankfurt 1989 Goodman I N. Goodman Weisen der Welterzeugung Frankfurt 1984 Goodman II N. Goodman Tatsache Fiktion Voraussage Frankfurt 1988 Goodman III N. Goodman Sprachen der Kunst Frankfurt 1997 |
| Beschreibung | Maturana | I 79f Beschreibung/Beobachtung/Maturana: Relationen sind nicht beschreibbar - der Beobachter zerlegt ein System durch seine Interaktionen. - Diese liegen dann in seinem kognitiven Bereich - daher repräsentiert Beschreibung kein lebendes System. >Relationen, >Systeme/Maturana, >Bereiche/Maturana. I 84 Die Logik der Beschreibung ist die des beschreibenden Systems - Widersprüche entstehen nur durch dazwischentretende Interaktionen. - Widersprüche sind daher nicht im Verhalten, sondern in Beschreibung. I 141 Beschreibung/Maturana: ihre Logik ist isomorph der Logik der Operationen des beschreibenden Systems. >Operation/Maturana. |
Maturana I Umberto Maturana Biologie der Realität Frankfurt 2000 |
| Beschreibung | Minsky | I 133 Beschreibung/Planung/Minsky: Wie könnten wir die Gemeinsamkeiten von so vielen Dingen mit nur einem einzigen >Uniframe erfassen? Das ist unmöglich - wenn wir gezwungen wären, sie in Form von [z.B.] Blöcken zu denken und wie sie platziert sind. >Terminologie/Minsky. Lösung: Neuformulierung: Wir begannen mit einer Sprache, die darauf basierte, die genauen Formen der einzelnen Blöcke auszudrücken. Wir ersetzten dies durch eine andere Sprache, in der wir von Formen und Umrissen sprechen können, die nicht auf die der Blöcke selbst beschränkt sind. Wie finden Menschen neue Beschreibungsstile, die ihre Probleme einfacher erscheinen lassen? >Kreativität/Minsky, >Definitionen/Minsky. I 142 Was können wir tun, wenn wir ein Problem nicht lösen können? Wir können versuchen, einen neuen Weg zu finden, es zu betrachten, es mit anderen Begriffen zu beschreiben. Neuformulierung ist der wirkungsvollste Weg, um zu versuchen, aus einer scheinbar aussichtslosen Situation zu entkommen. Wie formulieren wir um? Jede neue Technik beginnt vermutlich damit, dass man sich Methoden zunutze macht, die man bereits in anderen, älteren Instanzen gelernt hat. Neue Ideen haben also oft Wurzeln in älteren, für neue Zwecke adaptierten Ideen. [Z.B.] (...) die Idee der Körperunterstützung scheint so universell zu sein. Es geht nicht nur um körperliche Unterstützung: Die tiefgründigere Idee ist die, eine mentale Brücke zwischen einer Sache und einem Zweck zu bauen. Deshalb sind Brücken-Definitionen so nützlich: Sie helfen uns, strukturelle Beschreibungen mit psychologischen Zielen zu verbinden. Aber der Punkt ist, dass es nicht ausreicht, nur Beschreibungen aus zwei verschiedenen Welten miteinander zu verbinden (...). Lösung: Hier hilft uns die Darstellung der Stütze, um unser Wissen einzuordnen. Der Körper repräsentiert diejenigen Teile einer Struktur, die als direktes Instrument zur Erreichung der Ziele dienen, und die Stütze repräsentiert alle anderen Merkmale, die lediglich diesem Instrument dienen. Funktion: Um zu verstehen, wie etwas funktioniert, hilft es zu wissen, wie es scheitern kann. >Zweck/Minsky. |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Besitztumseffekt | Verhaltensökonomik | Henderson I 95 Endowment-Effekt/Verhaltensökonomik/Henderson/Globerman: (...) in Übereinstimmung mit dem Glauben der UCLA-Schule an die Wirksamkeit privater Märkte bei der Bewältigung von Problemen, die sich aus unvollkommener Information und Transaktionskosten ergeben, werden Organisationen entstehen, die Individuen dabei helfen, effizientere Entscheidungen als Konsumenten und Investoren zu treffen, weil es profitabel ist, dies zu tun* >Unvollkommene Information, >Transaktionskosten. Private Organisationen: Ein aktuelles Beispiel ist Zillow, ein Online-Immobilienunternehmen. Eine besondere Verzerrung, die Verhaltensökonomen festgestellt haben und die mit dem „Endowment-Effekt“ übereinstimmt, ist die Neigung von Hausbesitzern, ihre Häuser über den Betrag hinaus zu bewerten, den potenzielle Käufer für diese Häuser zu zahlen bereit sind. Zillow bietet kostenlose Schätzungen von Immobilien an, die durch hochentwickelte Algorithmen der künstlichen Intelligenz erstellt werden. Dies ist ein überzeugendes Beispiel dafür, wie Organisationen des privaten Sektors die Effizienz der individuellen Entscheidungsfindung verbessern können. >Entscheidungsprozesse, >Unsicherheit, >Künstliche Intelligenz. * Für eine ausführliche Erörterung der Frage, wie Organisationen des privaten Sektors dazu beitragen können, die in der verhaltensökonomischen Literatur diskutierten Verzerrungen bei der Entscheidungsfindung des Einzelnen zu beseitigen, siehe Manne und Zywicki (2014)(1). 1. Manne, Geoffrey, and Todd Zywicki (2014). Uncertainty. Evolution and Behavioral Economic Theory. Journal of Law, Economics and Policy 10, 3: 555-580. |
Henderson I David R. Henderson Steven Globerman The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019 |
| Bestärkendes Lernen | KI-Forschung | Norvig I 831 Bestärkendes Lernen/KI-Forschung/Norvig/Russell: In vielen komplexen Bereichen ist bestärkendes Lernen [durch Belohnung und Bestrafung] der einzig praktikable Weg, um ein Programm so auszubilden, dass es Leistungen auf hohem Niveau erbringt. Es ist z.B. für einen Menschen beim Spielen sehr schwer, genaue und konsistente Bewertungen einer großen Anzahl von Positionen zu liefern, was erforderlich wäre, um eine Bewertungsfunktion direkt anhand von Beispielen zu trainieren. Stattdessen kann dem Programm mitgeteilt werden, wann es gewonnen oder verloren hat. Dann kann es diese Information nutzen, um eine Bewertungsfunktion zu erlernen, die einigermaßen genaue Schätzungen der Gewinnwahrscheinlichkeit für eine bestimmte Stellung liefert. In ähnlicher Weise ist es äußerst schwierig, einen Software-Agenten so zu programmieren, dass er einen Hubschrauber fliegt; doch wenn man ihm angemessene negative Belohnungen für einen Absturz, ein Wackeln oder ein Abweichen von einem festgelegten Kurs gibt, kann ein Software-Agent lernen, selbst zu fliegen. A. Passives bestärkendes Lernen Situation: Ein Software-Agent befindet sich in einer Umgebung und muss lernen, sich dort erfolgreich zu verhalten. Ein auf Nutzen basierender Software-Agent lernt eine Nutzenfunktion über Zustände und verwendet sie, um Aktionen auszuwählen, die den erwarteten Ergebnisnutzen maximieren. Ein Q-lernender Software-Agent lernt eine Aktions-Nutzen-Funktion oder Q-Funktion, die den erwarteten Nutzen einer bestimmten Aktion in einem bestimmten Zustand angibt. Ein Reflex-Software-Agent lernt eine Richtlinie (engl. Policy), die direkt von Zuständen auf Aktionen abbildet. Erkundung: Ein Software-Agent muss so viel wie möglich von seiner Umgebung erfahren, um zu lernen, wie er sich in ihr verhalten soll. >Markov-Entscheidungsprozesse/Norvig. Norvig I 833 Passives bestärkendes Lernen: Eine einfache Methode zur direkten Einschätzung des Nutzens wurde Ende der 1950er Jahre auf dem Gebiet der adaptiven Kontrolltheorie von Widrow und Hoff (1960)(1) erfunden. Die Idee ist, dass der Nutzen eines Zustands die erwartete Gesamtbelohnung von diesem Zustand ist (genannt die erwartete Belohnung "to-go"). Jeder Versuch liefert eine Stichprobe dieser Menge für jeden besuchten Zustand. Nützlichkeit: Die Nützlichkeit von Zuständen ist nicht unabhängig! Der Nutzen jedes Zustands ist gleich seiner eigenen Belohnung plus dem erwarteten Nutzen seiner Nachfolgezustände. Das heißt, die Nutzenwerte folgen den Bellman-Gleichungen für eine festgesetzte Richtlinie. (>Werte/KI-Forschung). Problem: Durch das Ignorieren der Verbindungen zwischen Zuständen verpasst die direkte Einschätzung des Nutzens Gelegenheiten zum Lernen. Norvig I 834 Adaptive Dynamische Programmierung/ADP: Ein Software-Agent für die adaptive dynamische Programmierung (oder ADP) macht sich die Beschränkungen zwischen den Nutzwerten der Zustände zunutze, indem er das Übergangsmodell lernt, das sie verbindet und den entsprechenden Markov-Entscheidungsprozess mithilfe einer dynamischen Programmierungsmethode löst. Alternativ können wir den Ansatz der modifizierten "Policy-Iteration" (...) verwenden, wobei wir einen vereinfachten Wertiterationsprozess verwenden, um die Einschätzung des Nutzens nach jeder Änderung des gelernten Modells zu aktualisieren. Norvig I 836 Temporal Difference Learning/TD: Alle TD-Methoden funktionieren, indem die Einschätzungen des Nutzens in Richtung des idealen Gleichgewichts angepasst werden, das lokal gilt, wenn die Einschätzungen des Nutzens korrekt sind. Norvig I 839 B. Aktives bestärkendes Lernen: Ein passiv-lernender Software-Agent hat eine feste Richtlinie, die sein Verhalten bestimmt. Ein aktiver Software-Agent muss entscheiden, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Zunächst muss der Software-Agent ein vollständiges Modell mit Ergebniswahrscheinlichkeiten für alle Aktionen lernen, (...). Als Nächstes müssen wir die Tatsache berücksichtigen, dass der Software-Agent eine Auswahl an Aktionen hat. Die Nutzwerte, die er lernen muss, sind diejenigen, die durch die optimale Richtlinie definiert sind; sie folgen den >Bellman-Gleichungen (...) Die letzte Frage ist, was bei jedem Schritt zu tun ist. Nachdem der Software-Agent eine Nutzenfunktion U erhalten hat, die für das gelernte Modell optimal ist, kann der Software-Agent durch einen vorausschauenden Blick in einem Schritt eine optimale Aktion extrahieren, um den erwarteten Nutzen zu maximieren. Alternativ dazu kann er, wenn er die "Policy-Iteration" verwendet, bereits die optimale Richtlinie verwenden, so dass er einfach die Aktion ausführen sollte, die die optimale Richtlinie empfiehlt. Norvig I 843 Q-Lernen: Es gibt eine alternative Methode des "Temporal Difference Learning" (TD-Lernen), genannt Q-Lernen, die anstelle von Lernnutzwerten eine Aktions-Nutzwert-Darstellung lernt. Ein TD-Software-Agent, der eine Q-Funktion lernt, benötigt kein Modell der Form P(s'| s, a), weder für das Lernen noch für die Aktionsauswahl. Aus diesem Grund wird Q-Lernen als eine modellfreie Methode bezeichnet. Norvig I 845 Funktionsapproximation: bedeutet einfach die Verwendung einer beliebigen Darstellung für die Q-Funktion, die nicht einer Nachschlagetabelle entspricht. Die Darstellung wird als Näherung (=Approximation) angesehen, weil es nicht unbedingt der Fall sein muss, dass die wahre Nutzenfunktion oder Q-Funktion in der gewählten Form dargestellt werden kann. Norvig I 846 Verallgemeinerung: Die durch einen Funktions-Approximator erreichte Kompression erlaubt es dem Lernenden, von Zuständen, die er erreicht hat, zu Zuständen, die er nicht erreicht hat, zu verallgemeinern. Das heißt, der wichtigste Aspekt der Funktionsapproximation ist nicht, dass sie weniger Platz benötigt, sondern dass sie eine induktive Verallgemeinerung über Eingabezustände ermöglicht. Norvig I 848 Richtlinien (engl. policies): eine Richtlinie π ist eine Funktion, die Zustände auf Aktionen abbildet. (...) wir könnten π durch eine Sammlung von parametrisierten Q-Funktionen darstellen, eine für jede Aktion und die Aktion mit dem höchsten vorhergesagten Wert durchführen (...). Wenn die Richtlinie durch Q-Funktionen dargestellt wird, dann führt die Richtlinien-Suche zu einem Prozess, der Q-Funktionen lernt. Dieser Prozess ist nicht dasselbe wie Q-Lernen! Beim Q-Lernen mit Funktionsapproximation findet der Algorithmus einen Wert von θ, so dass ˆQ θ "nahe" an Q ∗, der optimalen Q-Funktion, liegt. Richtlinien-Suche: Die Richtlinien-Suche hingegen findet einen Wert von θ, der zu einer guten Leistung führt (...). VsRichtlinien-Suche: Probleme: Ein Problem bei der Darstellung von Richtlinien dieser Art (...) ist, dass die Richtlinie eine diskontinuierliche Funktion der Parameter ist, wenn die Aktionen diskret sind. Lösung: Das bedeutet, dass sich der Wert der Richtlinie auch diskontinuierlich ändern kann, was die gradientenbasierte Suche erschwert. Aus diesem Grund verwenden Richtlinien-Suchmethoden oft eine stochastische Richtlinien-Repräsentation πθ(s, a), die die Wahrscheinlichkeit der Auswahl einer Aktion a im Zustand s angibt. Norvig I 854 Geschichte des bestärkenden Lernens: Turing (1948(2), 1950(3)) schlug den Ansatz des bestärkenden Lernens vor, obwohl er von dessen Wirksamkeit nicht überzeugt war und schrieb: "Der Einsatz von Strafen und Belohnungen kann bestenfalls ein Teil des Lehrprozesses sein". Arthur Samuels Werk (1959)(4) war wahrscheinlich die früheste erfolgreiche Forschung zum maschinellen Lernen. Etwa zur gleichen Zeit trainierten Forscher in der Theorie der adaptiven Steuerung (Widrow und Hoff, 1960)(1), aufbauend auf Arbeiten von Hebb (1949)(5), einfache Netzwerke mit Hilfe der Delta-Regel. Die cart-pole-Arbeit ("cart-pole" dt. inverses Pendel) von Michie und Chambers (1968)(6) kann ebenfalls als eine Methode des bestärkenden Lernens mit einem Funktions-Approximator angesehen werden. Die psychologische Literatur zum bestärkenden Lernen ist viel älter; Hilgard und Bower (1975)(7) geben einen guten Überblick. Neurowissenschaften: Der neurowissenschaftliche Text von Dayan und Abbott (2001)(8) beschreibt mögliche neuronale Implementierungen des Temporal Difference Learning, während Dayan und Niv (2008)(9) die neuesten Erkenntnisse aus neurowissenschaftlichen und verhaltenswissenschaftlichen Experimenten zusammenfassen. Markov-Entscheidungsprozess: Die Verbindung zwischen bestärkendem Lernen und Markov-Entscheidungsprozessen wurde erstmals von Werbos (1977)(10) hergestellt, jedoch geht die Entwicklung des bestärkenden Lernens in der KI auf Arbeiten an der University of Massachusetts in den frühen 1980er Jahren zurück (Barto et al., 1981)(11). Die Arbeit von Sutton (1988) bietet einen guten historischen Überblick. Temporal Difference Learning (TD Lernen): Die Kombination des TD-Lernens mit der modellbasierten Generierung von simulierten Erfahrungen wurde in Suttons DYNA-Architektur vorgeschlagen (Sutton, 1990)(12). Die Idee des priorisierten "Sweepings" wurde unabhängig davon von Moore und Atkeson (1993)(13) eingeführt sowie von Norvig I 855 Peng und Williams (1993)(14). Q-Lernen: wurde in Watkins' Doktorarbeit (1989)(15) entwickelt, während SARSA (state-action-reward-state-action) in einem technischen Bericht von Rummery und Niranjan (1994)(16) erschien. Funktionsapproximation: Die Funktionsapproximation beim bestärkenden Lernen geht auf die Arbeit von Samuel zurück, der sowohl lineare als auch nichtlineare Bewertungsfunktionen verwendete und auch Methoden zur Merkmalsauswahl einsetzte, um den Merkmals-CMAC-Raum zu reduzieren. Zu den späteren Methoden gehören das CMAC (Cerebellar Model Articulation Controller) (Albus, 1975)(17), das im Wesentlichen eine Summe sich überlappender lokaler Kernfunktionen ist und die assoziativen neuronalen Netze von Barto et al. (1983)(18). Neuronale Netze sind derzeit die populärste Form der Funktionsapproximation. Die bekannteste Anwendung ist TD-Gammon (Tesauro, 1992(19), 1995(20)), (...). Richtlinien-Suche: Methoden zur Richtlinien-Suche wurden von Williams (1992(21)) in den Vordergrund gerückt, der die Algorithmenfamilie REINFORCE entwickelte. Spätere Arbeiten von Marbach und Tsitsiklis (1998)(22), Sutton et al. (2000)(23) und Baxter und Bartlett (2000)(24) verstärkten und verallgemeinerten die Konvergenzergebnisse für die Richtlinien-Suche. Die Methode der korrelierten Probeentahme für den Vergleich verschiedener Konfigurationen eines Systems wurde formal von Kahn und Marshall (1953)(25) beschrieben, scheint aber schon lange vorher bekannt gewesen zu sein. Seine Verwendung beim bestärkenden Lernen geht auf Van Roy (1998)(26) und Ng und Jordan (2000)(27) zurück; letztere führten auch den PEGASUS-Algorithmus ein und bewiesen seine formalen Eigenschaften. Norvig I 857 Umgekehrtes bestärkendes Lernen: Russell (1998)(28) beschreibt die Aufgabe des umgekehrten bestärkenden Lernens und fand heraus, was die Belohnungsfunktion von einem Beispielpfad durch diesen Zustandsraum sein muss. Dies ist nützlich als Teil des Lernens in der Lehre oder als Teil der wissenschaftlichen Arbeit - wir können ein Tier oder einen Roboter verstehen, indem wir rückwärts von dem, was das Tier oder der Roboter tut, zu dem hinarbeiten, was seine Belohnungsfunktion sein muss. Vgl. >Lernen, >Verallgemeinerung, >Verstehen. 1. Widrow, B. and Hoff, M. E. (1960). Adaptive switching circuits. In 1960 IRE WESCON Convention Record, pp. 96–104. 2. Turing, A. (1948). Intelligent machinery. Tech. rep. National Physical Laboratory. reprinted in (Ince, 1992). 3. Turing, A. (1950). Computing machinery and intelligence. Mind, 59, 433–460. 4. Samuel, A. L. (1959). Some studies in machine learning using the game of checkers. IBM Journal of Research and Development, 3(3), 210–229. 5. Hebb, D. O. (1949). The Organization of Behavior. Wiley. 6. Michie, D. and Chambers, R. A. (1968). BOXES: An experiment in adaptive control. In Dale, E. and Michie, D. (Eds.), Machine Intelligence 2, pp. 125–133. Elsevier/North-Holland. 7. Hilgard, E. R. and Bower, G. H. (1975). Theories of Learning (4th edition). Prentice-Hall. 8. Dayan, P. and Abbott, L. F. (2001). Theoretical Neuroscience: Computational and Mathematical Modeling of Neural Systems. MIT Press. 9. Dayan, P. and Niv, Y. (2008). Reinforcement learning and the brain: The good, the bad and the ugly. Current Opinion in Neurobiology, 18(2), 185–196. 10. Werbos, P. (1977). Advanced forecasting methods for global crisis warning and models of intelligence. General Systems Yearbook, 22, 25–38. 11. Barto, A. G., Sutton, R. S., and Brouwer, P. S. (1981). Associative search network: A reinforcement learning associative memory. Biological Cybernetics, 40(3), 201–211. 12. Sutton, R. S. (1990). Integrated architectures for learning, planning, and reacting based on approximating dynamic programming. In ICML-90, pp. 216–224. 13. Moore, A. W. and Atkeson, C. G. (1993). Prioritized sweeping—Reinforcement learning with less data and less time. Machine Learning, 13, 103–130. 14. Peng, J. and Williams, R. J. (1993). Efficient learning and planning within the Dyna framework. Adaptive Behavior, 2, 437–454. 15. Watkins, C. J. (1989). Models of Delayed Reinforcement Learning. Ph.D. thesis, Psychology Department, Cambridge University. 16. Rummery, G. A. and Niranjan, M. (1994). Online Q-learning using connectionist systems. Tech. rep. CUED/F-INFENG/TR 166, Cambridge University Engineering Department. 17. Albus, J. S. (1975). A new approach to manipulator control: The cerebellar model articulation controller (CMAC). J. Dynamic Systems, Measurement, and Control, 97, 270–277. 18. Barto, A. G., Sutton, R. S., and Anderson, C. W. (1983). Neuron-like adaptive elements that can solve difficult learning control problems. IEEE Transactions on Systems, Man and Cybernetics, 13, 834– 846. 19. Tesauro, G. (1992). Practical issues in temporal difference learning. Machine Learning, 8(3–4), 257– 277. 20. Tesauro, G. (1995). Temporal difference learning and TD-Gammon. CACM, 38(3), 58–68. 21. Williams, R. J. (1992). Simple statistical gradient following algorithms for connectionist reinforcement learning. Machine Learning, 8, 229–256. 22. Marbach, P. and Tsitsiklis, J. N. (1998). Simulation based optimization of Markov reward processes. Technical report LIDS-P-2411, Laboratory for Information and Decision Systems, Massachusetts Institute of Technology. 23. Sutton, R. S., McAllester, D. A., Singh, S. P., and Mansour, Y. (2000). Policy gradient methods for reinforcement learning with function approximation. In Solla, S. A., Leen, T. K., andM¨uller, K.-R. (Eds.), NIPS 12, pp. 1057–1063. MIT Press. 24. Baxter, J. and Bartlett, P. (2000). Reinforcement learning in POMDP’s via direct gradient ascent. In ICML-00, pp. 41–48. 25. Kahn, H. and Marshall, A. W. (1953). Methods of reducing sample size in Monte Carlo computations. Operations Research, 1(5), 263–278. 26. Van Roy, B. (1998). Learning and value function approximation in complex decision processes. Ph.D. thesis, Laboratory for Information and Decision Systems, MIT. 27. Ng, A. Y. and Jordan, M. I. (2000). PEGASUS: A policy search method for large MDPs and POMDPs. In UAI-00, pp. 406–415. 28. Russell, S. J. (1998). Learning agents for uncertain environments (extended abstract). In COLT-98, pp. 101–103. |
Norvig I Peter Norvig Stuart J. Russell Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010 |
| Bestätigung | Logik-Texte | V 115f Bestätigung/Prinzip/Sainsbury: V1 (Hempel) Eine Verallgemeinerung wird von jeder ihrer Instanzen bestätigt - (trifft nicht bei glau zu). >Glauheit. Weiteres Prinzip: Ã1 : Wenn man von zwei Hypothese a priori wissen kann, dass sie äquivalent sind, dann bestätigen alle Daten, welche die eine Hypothese bestätigen, auch die andere. - Das führt zu Paradoxien. >Paradox. V 135 G4 Eine Hypothese Alle Fs sind Gs wird von einem Korpus von Daten, das ihre Instanzen und keine Gegeninstanzen enthält, genau dann bestätigt, wenn die Daten nicht sagen, es gebe oder auch nur, es gebe höchstwahrscheinlich, eine Eigenschaft H, von der gilt, dass die untersuchten Fs nur G sind, weil sie H sind: aus G4 folgt, dass die Hypothese, alle Smaragde seien glau, von den Daten bestätigt wird, die nur aus Aussagen der Form Dies ist ein grüner Smaragd bestehen, aber es folgt daraus nicht, dass die Hypothese von dem Korpus von Daten einschließlich der Hintergrundinformation, die wir tatsächlich besitzen, bestätigt wird. V 138 Pointe: das erklärt, warum die Daten nicht bestätigen, dass alle Smaragde glau sind. >Glauheit. |
Texte zur Logik Me I Albert Menne Folgerichtig Denken Darmstadt 1988 HH II Hoyningen-Huene Formale Logik, Stuttgart 1998 Re III Stephen Read Philosophie der Logik Hamburg 1997 Sal IV Wesley C. Salmon Logik Stuttgart 1983 Sai V R.M.Sainsbury Paradoxien Stuttgart 2001 |
| Beste Erklärung | Bigelow | I 341 Beste Erklärung/BE/Bigelow/Pargetter: Dahinter verbergen sich verschiedene Arten von Realismus. >Realismus >Erklärungen. I 344 Erklärung/BE/Bigelow/Pargetter: Wenn wir den Realismus aufgrund von Schlüssen auf die Beste Erklärung akzeptieren, müssen wir fragen, um welche Art von Erklärung es geht. Es kann z.B. um verschiedene Arten von (Aristotelischen) Ursachen gehen (s.o.). Die überzeugendsten sind sicher die, bei denen es um „effiziente“ Ursachen geht: Bsp Cartwright, Hacking: Realismus/Cartwright/Hacking: Realismus wird am besten durch Kausalerklärungen gestützt. >Realismus/Cartwright, >N. Cartwright, >Realismus/Hacking, >I. Hacking. Quine/Two Dogmas/Bigelow/Pargetter: Quine hat viele Philosophen dazu gebracht, nicht nur im Lehnstuhl sitzen zu bleiben, sondern auch die Experimente in Zweifel zu ziehen, die Wissenschaftler real durchgeführt haben. Das lehnen wir ab. >Two Dogmas, >W.O.V. Quine. Realismus/Bigelow/Pargetter: Wir lehnen aber auch das andere Extrem ab, dass Realismus allein aus Kausalerklärungen zu entstehen hätte. >Kausalerklärungen. I 345 Es kann auch formale Gründe (formale Ursachen/Aristoteles) für den Realismus geben. Modalität/Bigelow/Pargetter: So ist es auch eine berechtigte Frage, was Modalitäten in der Wissenschaft konstituiert. Modaler Realismus ist hier die Beste Erklärung für solche Angelegenheiten. >Modalitäten, >Modaler Realismus. Metaphysik/Platonismus/Universalien/Bigelow/Pargetter: Metaphysik kann von der Besten Erklärung gestützt werden: durch Schlüsse auf die Beste Erklärung zeigen wir, dass wir Modalitäten und Universalien in den Wissenschaften brauchen. >Universalien, >Abduktion. Modalität/Bigelow/Pargetter: Ihre primäre Quelle ist die Mathematik. Mathematik/Bigelow/Pargetter: Unsere Metaphysik erlaubt eine realistische Auffassung der Mathematik (BigelowVsField). >Mathematik/Field. |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Besteuerung | Buchanan | Boudreaux I 24 Besteuerung/Wicksell/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: Zwei Merkmale von Wicksells Ansatz zu den öffentlichen Finanzen sind für Buchanans Arbeit besonders relevant. 1) Das erste ist Wicksells Beharren darauf, dass zumindest in demokratischen Gesellschaften die staatliche Haushaltsplanung als das analysiert werden sollte, was Buchanan „fiskalischen Austausch“ nennt. Die Regierung gibt Geld aus, um verschiedene Güter und Dienstleistungen für die Bürger zu produzieren, und sie erhält dieses Geld, meist durch Steuern, von den Bürgern. Ob der gesamte Staatshaushalt oder einzelne seiner Bestandteile sinnvoll sind, hängt also davon ab, ob die Bürger etwas für ihr Geld bekommen. Daraus folgt, dass Theoretiker der öffentlichen Finanzen die Vorzüge von Haushaltsergebnissen und Haushaltsvorschlägen aus der Perspektive der Bürger bewerten sollten, die besteuert werden, um die Staatsausgaben zu bezahlen, und die im Gegenzug von der Regierung gelieferte Güter und Dienstleistungen erhalten. 2) Wicksells zweiter grundlegender Beitrag zu Buchanans Denken besteht in seiner Ablehnung des Modells einer Regierung mit Wohlwollen und Despotie. Wenn der Staatshaushalt in angemessener Weise aus dem fiskalischen Austausch hervorgeht, werden die Haushalte der Bevölkerung nicht aufgezwungen. Sie werden in einem kollektiven Entscheidungsprozess vereinbart, der mit den Bürgern beginnt, die mit diesen Budgets leben müssen. Die Regierung hat keine eigenen Interessen, sie ist lediglich ein organisatorisches Instrument, das die Bürger nutzen, um ihre kollektiven Ziele zu erreichen. >Staat/Buchanan. Boudreaux/Holcombe: In unserem demokratischen Zeitalter klingt diese Auffassung von Regierung vielleicht selbstverständlich. Aber daraus folgt, dass der Staat keine von den Bürgern unabhängig existierende Behörde ist. Der Staat hat kein größeres Wissen als seine Bürger. Boudreaux I 25 Besteuerung/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: (...) damit Steuern allgemein in Kenntnis der Sachlage beschlossen werden können, müssen die Bürger im Voraus wissen, wie diese Steuereinnahmen ausgegeben werden sollen. Buchanan betonte, dass die Erwünschtheit von Steuern nicht unabhängig davon beurteilt werden kann, wie die Steuereinnahmen ausgegeben werden sollen. Der gesunde Menschenverstand, der hinter dieser Einsicht steht, besagt, dass Menschen, die gefragt werden, ob sie eine bestimmte Steuer zahlen wollen, in der Regel Nein sagen, weil eine Steuer ihnen Kosten auferlegt. Fragt man sie hingegen, ob sie eine Steuer auf Benzin zur Finanzierung des Straßenbaus befürworten, werden sie eher zustimmen, da sie die Kosten der vorgeschlagenen Steuer gegen den Nutzen abwägen, den sie sich von der Straße versprechen. Die Vorzüge einer bestimmten Steuer können nicht unabhängig davon beurteilt werden, wie die Steuereinnahmen ausgegeben werden. Diese scheinbar einfache Erkenntnis wird selbst im einundzwanzigsten Jahrhundert von Ökonomen der öffentlichen Finanzen nur selten anerkannt. >Entscheidungsprozesse/Buchanan. Boudreaux I 26 Buchanan betrachtet die Steuern als den Preis, den die Menschen für die vom Staat bereitgestellten Güter und Dienstleistungen zahlen. Boudreaux I 92 Besteuerung/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: Institutionen müssen so gestaltet werden, dass sie verstehen, dass ungeeignete Menschen - Menschen, die nach Macht streben, Menschen, denen es mehr darum geht, beliebt zu sein, als das Richtige zu tun, sogar Menschen, die böswillig sind - manchmal politische Ämter erlangen werden. Es ist klug und weise, alle Regierungsbeamten einzuschränken, um den Schaden zu verhindern, der andernfalls von den schlechtesten Regierungsbeamten entfesselt würde. Besteuerung: Eine Anwendung dieser Idee findet sich in seinem 1980 erschienenen Buch The Power to Tax: Analytical Foundations of a Fiscal Constitution(1), das er gemeinsam mit Geoffrey Brennan verfasst hat. Die herkömmliche Theorie der öffentlichen Finanzen legt nahe, dass die Steuerbemessungsgrundlagen, d. h. das, was besteuert wird, breit gefächert sein sollten, damit ein bestimmter Betrag an Einnahmen mit möglichst niedrigen Steuersätzen erzielt werden kann. Diese Empfehlung wäre gültig, wenn diejenigen, die in der realen Welt das Steuersystem gestalten, wirklich das öffentliche Interesse fördern wollten. Was aber, wenn die Machthaber die Einnahmen des Staates maximieren wollen? In diesem Fall ermöglichen breite Bemessungsgrundlagen den Maximierern der Einnahmen, Steuereinnahmen zu erzielen, die weit über das hinausgehen, was im öffentlichen Interesse liegt. Daher können verfassungsrechtliche Vorschriften, die die Größe der Bemessungsgrundlagen begrenzen, wohlfahrtsfördernd sein. 1. Geoffrey Brennan and James M. Buchanan. (1980). The Power to Tax: Analytical Foundations of a Fiscal Constitution. Econlib Books 2018. |
EconBuchan I James M. Buchanan Politics as Public Choice Carmel, IN 2000 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Besteuerung | Minimalstaat | Gaus I 121 Besteuerung/Minimalstaat/Gaus/Mack: Der Marktanarchist und der Minimalstaatler teilen eine entscheidende Prämisse, nämlich die, dass der Wert des Erhalts von Schutzleistungen für den Einzelnen fast jeden motivieren wird, für diese Leistungen zu bezahlen. >Marktanarchismus/Liberalismus, >Minimalstaat/Gaus, >Gesellschaft/Minimalstaat, >Soziale Güter/Minimalstaat, >Märkte/Minimalstaat. Gaus I 122 Regierung/Liberalismus: Liberale Traditionsthese: die Regierung wird weitgehend mit Marktversagen gerechtfertigt: Obwohl der Markt im Allgemeinen sowohl eine freie als auch eine wohlhabende Gesellschaft ermöglicht, ist er nicht perfekt (Buchanan, 1975(1): Kap. 3). So beharrten die klassischen liberalen politischen Ökonomen des 19. Jahrhunderts (...) darauf, dass der Markt von einem politischen Rahmen abhängig sei, den er nicht selbst bereitstellen könne; der Markt könne nicht selbst einen öffentlichen Zwangsapparat für die Durchsetzung von Eigentumsrechten und Verträgen bereitstellen (Robbins, 1961(2); Gaus, 1983(3)). MinimalstaatVsLiberalismus/MarktanarchismusVsLiberalismus: Marktanarchisten und Minimalstaatler können diese weit verbreiteten Ansichten in Frage stellen. Sie können wie folgt argumentieren: 1) Erstens neigt diese zwangsweise staatliche Bereitstellung öffentlicher Güter zu einer Überversorgung mit diesen, so dass sie ihre eigenen ausgleichenden Ineffizienzen hat (Buchanan und Tullock, 1965(4)). Und, 2) sie können darauf bestehen, dass man sich Markt- und Vertragsvereinbarungen vorstellen kann, die eine nicht wesentlich suboptimale Finanzierung für öffentliche Güter - insbesondere rechtsschützende öffentliche Güter - ermöglichen (Buchanan, 1975(1); Narveson, 1988(5): 238). >Soziale Güter/Minimalstaat. MinimalstaatVsMarktanarchismus/Gaus: Befürworter des Minimalstaates, die ihn als natürliches Monopol darstellen, scheinen besser in der Lage zu sein, dieses Argument vorzubringen als Marktanarchisten. Ein solcher Minimalstaat wird in erheblichem Maße in der Lage sein, den Kauf nicht-öffentlicher Aspekte des Rechtsschutzes durch seine Klienten daran zu binden, dass diese auch für öffentliche Aspekte des Rechtsschutzes bezahlen. >Gesellschaft/Minimalstaat, >Individuen/Minimalstaat, >Minimalstaat/Gaus. MinimalstaatstheorieVsLiberalismus: Wenn entscheidende öffentliche Güter erheblich unterproduziert würden, ohne dass von Individuen Beiträge zu ihrer Finanzierung verlangt würden (und das Verlangen solcher Beiträge ein zufriedenstellendes Niveau der Produktion dieser öffentlichen Güter ergeben würde), stehen die Mitglieder der Freiheitstradition vor einer schweren Wahl. Einerseits können sie sich auf Kosten des Ausschlusses der mit diesen öffentlichen Gütern verbundenen gegenseitigen Vorteile an nicht rekonstruierten Versionen der Grundnormen dieser Tradition festhalten (während sie zweifellos darauf bestehen, dass die Gemeinwohleigenschaften der Strafverfolgung in der Regel überschätzt werden und dass das meiste, was der Staat tun sollte, darin besteht, im Wesentlichen privat verbrauchte Schutzdienste bereitzustellen). Andererseits können sie aber auch die Zwangseinnahmen legitimieren, die, so die Hypothese, zur Finanzierung dieser wertvollen Güter auf Kosten einer Schwächung zumindest einiger dieser zentralen Normen erforderlich sind. Soziale Güter: Wie hoch werden die doktrinären Kosten [einer] Schwächung der Normen der Freiheitstraditionen sein? (>Soziale Güter/Minimalstaat). Wir können drei Ansätze zur Rechtfertigung identifizieren: (1) dass die zwangsweise Bereitstellung öffentlicher Güter voll und ganz mit den grundlegenden Verpflichtungen der Freiheitstradition vereinbar ist; (2) dass die auf dem Spiel stehenden Güter vorrangige Freiheit rechtfertigen; und (3) dass es sich bei einer solchen Bereitstellung um gutartige Bevormundung handelt. Gaus I 123 Kleinstaat: Wenn die Argumente, die für den Besteuerungsminimalstaat sprechen, erweitert werden, um Zwangseinnahmen für die Produktion anderer Arten von öffentlichen Gütern zu legitimieren (zum Beispiel das öffentliche Gut der Mückenbekämpfung) oder um andere Arten von Marktversagen zu korrigieren (zum Beispiel die Regulierung natürlicher Monopole), dann sind wir über den Minimalstaat hinaus zum Kleinstaat übergegangen. Je mehr Arten von Gütern und Dienstleistungen als signifikant öffentlich und damit als gerechtfertigt durch Steuern finanziert akzeptiert werden, desto größer wird der Kleinstaat. 1. Buchanan, James M. (1975) The Limits of Liberty: Between Anarchy and Leviathan. Chicago: University of Chicago Press. 2. Robbins, Lord (1961) The Theory of Economic Policy in Classical English Political Economy. London: Macmillan. 3. Gaus, Gerald F. (1983) ‘Public and private interests in liberal political economy, old and new’. In S. I. Benn and G. F. Gaus, eds, Public and Private in Social Life. New York: St Martins, 183–222. 4. Buchanan, James M. and Gordon Tullock (1965) The Calculus of Consent: Logical Foundations of Constitutional Democracy. Ann Arbor, MI: University of Michigan Press. 5. Narveson, Jan (1988) The Libertarian Idea. Philadelphia: Temple University Press. Mack, Eric and Gaus, Gerald F. 2004. „Classical Liberalism and Libertarianism: The Liberty Tradition.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. >Steuerehrlichkeit, >Steuerflucht, >Steuerinzidenz, >Steueroasen, >Steuerschlupflöcher, >Steuersystem, >Steuervermeidung, >Steuerwettbewerb, >Optimale Besteuerung. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Besteuerung | Venables | Krugman III 61 Wohlfahrtsgewinne/Zölle/Besteuerung/Internationaler Handel/Venables: Die in diesem Papier vorgestellten Simulationen untersuchen* die Auswirkungen zweier handelspolitischer Instrumente, eines Importzolls und einer Exportsteuer, auf die Wohlfahrt. Die Auswirkungen dieser Instrumente werden in einer Familie von Handelsmodellen unter unvollkommenem Wettbewerb untersucht, die auf neun Branchen in der Europäischen Gemeinschaft angewendet werden. >Unvollkommener Wettbewerb, >Handelspolitik, >Internationaler Handel, >Neue Handelstheorie. Anhand der Vielzahl der durchgeführten Simulationen lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen 1) Die erste Botschaft, die sich aus den Simulationen ergibt, ist der geringe Umfang der Wohlfahrtsgewinne, die sich aus dem Einsatz dieser politischen Instrumente ergeben können. Im Oligopol gibt es nur eine einzige Branche, in der Zölle Wohlfahrtsgewinne von mehr als 2,5 Prozent des Basiswertes des Verbrauchs der Produktion der Branche bringen. >Oligopole, >Monopolistischer Wettbewerb. Betrachtet man die einfachen Durchschnittswerte für alle Branchen und Gleichgewichtstypen, so stellt man fest, dass die Gewinne aus Zöllen von 5, 10, 15 und 20 Prozent im Durchschnitt bei 0,48, 0,81, 0,99 bzw. 0,82 Prozent des Basisverbrauchs liegen. Bei freiem Zugang sind die durchschnittlichen Gewinne mit 0,66, 0,88, 1,05 und 1,00 Prozent des Basiskonsums für diese Zollsätze etwas größer. Exportsubventionen führen zu noch geringeren Wohlfahrtsgewinnen, die nur in einigen wenigen der untersuchten Fälle 1 Prozent des Grundverbrauchs erreichen. Im Oligopol ist der Nettowohlstand die Differenz zwischen den Gewinnsteigerungen der Unternehmen und den Verlusten für die Verbraucher oder den Staat. Das bedeutet, dass die Ergebnisse leicht verändert werden könnten, wenn diese Komponenten der Wohlfahrt unterschiedlich gewichtet würden. Würde man beispielsweise eine Prämie auf die Staatseinnahmen erheben, so würde dies die Argumente für Importzölle stärken und die Argumente für Exportsubventionen rasch zunichte machen. 2) Interventionen: Die zweite Botschaft der Simulationen ist, dass über alle Branchen hinweg betrachtet die Vorteile politischer Interventionen umso größer sind, je höher die Konzentration der Branche ist. Dies ist zu erwarten. Die Zollpolitik bietet Wohlfahrtsgewinne für alle untersuchten Wirtschaftszweige, wobei diese Gewinne sowohl aus den mit unvollkommenem Wettbewerb verbundenen Verzerrungen als auch aus den üblichen Terms of Trade-Effekten resultieren. Exportsubventionen: Die Auswirkungen von Exportsubventionen sind in den einzelnen Wirtschaftszweigen unterschiedlicher, wobei nur drei der neun untersuchten Wirtschaftszweige eindeutige Wohlfahrtsgewinne durch eine 4 %ige Exportsubvention aufweisen, wobei es sich bei diesen drei um Wirtschaftszweige mit einem relativ hohen Konzentrationsgrad handelt. Der Grund für die größere Uneindeutigkeit der Auswirkungen von Exportsubventionen liegt natürlich darin, dass die Auswirkungen der Politik auf Verzerrungen und ihre Auswirkungen auf die Terms of Trade in entgegengesetzte Richtungen wirken. Ein weiteres industrielles Merkmal, das bei der Bestimmung der Auswirkungen einer Exportsubvention wichtig ist, ist das Ausgangsvolumen der Exporte. Ein Wirtschaftszweig mit einem großen Exportvolumen wird hohe Kosten für die Subventionierung bestehender Exporte aufwenden müssen, um eine marginale Ausweitung der Exporte zu erreichen, und wird daher wahrscheinlich weniger Wohlfahrtsgewinne aus der Exportsubvention erzielen. 3) Mengeneffekte: Drittens sind die Wohlfahrtsgewinne aus diesen Maßnahmen zwar relativ gering, aber die Mengeneffekte sind recht groß. Krugman III 62 Zölle: Ein Teil der Zölle wird von der anbietenden Firma absorbiert, aber der größere Teil wird an die Verbraucher weitergegeben, und bei Nachfrageelastizitäten für einzelne Modelle in der angegebenen Höhe (...) ist die Größenordnung des Mengeneffekts deutlich. Mengeneffekte sind besonders groß im Fall von handelsfördernden Maßnahmen - Exportsubventionen -, da sie es den Exporteuren ermöglichen, Unternehmen auf ihren Heimatmärkten zu unterbieten, und in einigen Fällen zu einer gewissen internationalen Spezialisierung der Produktion führen. Handelspolitik: Dies legt nahe, dass Modelle des unvollkommenen Wettbewerbs in einen allgemeinen Gleichgewichtsrahmen gestellt werden müssen, um die Auswirkungen der Handelspolitik angemessen erfassen zu können. Faktorpreisänderungen würden dann den Umfang der Mengenänderungen verringern und die Wahrscheinlichkeit einer Spezialisierung reduzieren. >Faktorpreis, >Spezialisierung. 4) Gleichgewicht: Viertens wurde in den Simulationen dieser Arbeit eine Reihe verschiedener Gleichgewichtskonzepte untersucht: vom Fall des Preiswettbewerbs (B) bis zum weniger wettbewerbsorientierten Verhalten, das durch das Cournot-Gleichgewicht impliziert wird (C)**, von der reinen Marktsegmentierung bis zur reinen Integration (CI) sowie der Zwischenfall des Cournot-Wettbewerbs mit integriertem Markt, gefolgt von Preisspielen mit segmentiertem Markt (CB). Diese Fälle decken ein breites Spektrum möglicher Verhaltensweisen ab, auch wenn nicht behauptet werden kann, dass das tatsächliche Verhalten der Branche notwendigerweise innerhalb des von diesen Fällen abgedeckten Spektrums liegt - zum Beispiel kann die Branche mehr Absprachen treffen, als es das Cournot-Verhalten impliziert. Die vier verschiedenen untersuchten Gleichgewichte führen zu deutlich unterschiedlichen Interpretationen der Basisdatensätze, da die Kalibrierung in jedem Fall unterschiedliche Nachfrageelastizitäten und unterschiedliche Niveaus der impliziten Handelshemmnisse ergab. >Gleichgewicht, >Handel, >Oligopole, >Handelspolitik/Venables. * Siehe unten: „Anthony J. Venables. „Trade Policy….“ ** ((s)) In der Oligopolökonomie untersuchen die Cournot- und Bertrand-Modelle verschiedene Möglichkeiten des Wettbewerbs zwischen Unternehmen. Cournot-Modelle konzentrieren sich auf den Mengenwettbewerb, bei dem die Unternehmen das Produktionsniveau wählen, während sich Bertrand-Modelle auf den Preiswettbewerb konzentrieren, bei dem die Unternehmen die Preise festlegen. Im Bertrand-Wettbewerb erreichen Unternehmen, die identische Produkte herstellen, häufig ein Gleichgewicht, bei dem die Preise den Grenzkosten entsprechen, was zu einem wirtschaftlichen Gewinn von Null führt. Im Gegensatz dazu führt der Cournot-Wettbewerb in der Regel zu höheren Preisen und positiven Gewinnen für die Unternehmen, da sie ihre Produktion zur Gewinnmaximierung begrenzen). Anthony J. Venables. „Trade Policy under Imperfect Competition: A Numerical Assessment.“In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press. |
EconKrug I Paul Krugman Volkswirtschaftslehre Stuttgart 2017 EconKrug II Paul Krugman Robin Wells Microeconomics New York 2014 Krugman III Paul Krugman Alasdair Smith Empirical Studies of Strategic Trade Policy Chicago: The University of Chicago Press 1994 |
| Besteuerung | Wirtschaftstheorien | Rothbard III 907 Besteuerung/Wirtschaftstheorien/Rothbard: Unter Ökonomen gibt es eine große Kontroverse darüber, wie die Analyse der Besteuerung anzugehen ist. Partielles Gleichgewicht/Marshall, Alfred: Die altmodischen Marshallianer beharren auf dem Ansatz des „partiellen Gleichgewichts“, bei dem nur eine bestimmte Art von Steuern isoliert betrachtet und dann ihre Auswirkungen analysiert werden; Walras: Die Walrasianer, die heute mehr in Mode sind (und von dem verstorbenen italienischen Experten für öffentliche Finanzen, Antonio De Viti De Marco, verkörpert werden), bestehen darauf, dass Steuern überhaupt nicht isoliert betrachtet werden können, sondern dass sie nur in Verbindung mit dem, was die Regierung mit den Einnahmen macht, analysiert werden dürfen. Österreichische Schule: Bei all dem wird der „österreichische“ Ansatz, wenn er denn entwickelt worden wäre, vernachlässigt. Dieser besagt, dass beide Verfahren legitim und notwendig sind, um den Besteuerungsprozess vollständig zu analysieren. Kurz gesagt: Das Niveau von Steuern und Ausgaben kann analysiert und seine unvermeidlichen Umverteilungs- und Verzerrungseffekte diskutiert werden; und innerhalb dieses Aggregats von Steuern können dann einzelne Steuerarten isoliert analysiert werden. Weder die partiellen noch die allgemeinen Ansätze sollten übersehen werden. Staatsausgaben: Es hat auch eine Menge nutzloser Kontroversen darüber gegeben, welche Aktivität des Staates den privaten Sektor am meisten belastet: die Besteuerung oder die Staatsausgaben. Es ist eigentlich müßig, sie zu trennen, da sie beide Stufen desselben Belastungs- und Umverteilungsprozesses sind. >Staatshaushalt/Rothbard, >Staatsausgaben/Rothbard, >Freier Markt/Wirtschaftstheorien. Mause I 273 Besteuerung/Wirtschaftstheorien: Problem: wie soll z.B. das Konsumgut Freizeit indirekt besteuert werden, wenn es bereits eine nicht mehr frei veränderbare Belastung des Arbeitsangebotes gibt? ((s) Substitutionsproblem: Verschiebung der Nachfrage auf weniger besteuerte Güter). Lösung: Bsp Corlett-Hague-Regel: Güter, die zum Freizeitkonsum komplementär sind, sollten besteuert werden, z.B. Romane, Fernseher, Sonnenliegen usw. (1) Siehe Ramsey-Regel/Ramsey, Besteuerung/Ramsey. 1. W. J. Corlett und D. C. Hague, Complementarity and the excess burden of taxation. Review of Economic Studies 21 (1) 1953, S. 21– 30. >Steuerehrlichkeit, >Steuerflucht, >Steuerinzidenz, >Steueroasen, >Steuerschlupflöcher, >Steuersystem, >Steuervermeidung, >Steuerwettbewerb, >Optimale Besteuerung. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Betriebssysteme | Zittrain | I 163 Betriebssystem/OS/Zittrain: Die Hersteller von Hardware und Betriebssystemen ((s)) haben Recht, dass die Vermischung von Software, die selbst auf einem zwei Wochen alten, dem Internet ausgesetzten PC zu finden ist, es unmöglich macht, die Ursache vieler Probleme zu identifizieren. Doch je weniger generativ die Plattform bereits ist, desto weniger kann man verlieren, wenn man dem Technologieanbieter die rechtliche Verantwortung auferlegt, ein funktionierendes System zu gewährleisten. In dem Maße, in dem PC-Betriebssysteme kontrollieren, welche Programme auf ihnen laufen können, sollte das Gesetz Betriebssystem-Entwickler für auftretende Probleme verantwortlich machen, so wie TiVo und Mobiltelefonhersteller die Verantwortung für Probleme übernehmen, die mit ihren kontrollierten Technologien auftreten. Bleibt das Betriebssystem offen für neue, von Drittanbietern erstellte Anwendungen, sollte die Verantwortung des Herstellers entsprechend reduziert werden. Es könnte sich darauf beschränken, grundlegende Werkzeuge der Transparenz zur Verfügung zu stellen, die es den Anwendern ermöglichen, genau zu verstehen, was ihre Maschinen tun. Diese müssen nicht so anspruchsvoll sein, wie Herdict es sich vorstellt. Vielmehr könnten sie so grundlegende Instrumente sein, wie z.B. welche Art von Daten in die und aus der Box gehen und an wen. Eine Maschine, die wie ein Zombie arbeitet, wird mit unerwarteten Quellen kommunizieren, welches eine freie Maschine nicht tun würde, und das Beharren auf besseren Informationen für die Benutzer könnte genauso wichtig sein wie die Bereitstellung eines Tachometers für ein Auto. |
Zittrain I Jonathan Zittrain The Future of the Internet--And How to Stop It New Haven 2009 |
| Bewegung | Bewegung: Ortsveränderung eines oder mehrerer beobachteter oder nicht beobachteter Objekte in der Zeit. Probleme entstehen im Zusammenhang mit Zuschreibung oder Aberkennung von Prädikaten. Siehe auch Veränderung, Wechsel, zeitliche Identität, Prozess, Flux, Vektoren. |
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| Bewegung | Field | I 193 Def Problem der Quantitäten/Substantivalismus/Relationismus/Field: Die Repräsentationstheoreme, die für die Generierung der vielen numerischen Funktoren in der Physik gebraucht werden (z.B. Abstand, relative Geschwindigkeit, Beschleunigung) stehen dem Relationismus nicht zur Verfügung, denn sie hängen von strukturellen Regelmäßigkeiten der Raumzeit ab, die verloren geben, wenn man jene Teile der Raumzeit verwirft, die nicht vollständig von Materie besetzt sind, wie es der Relationismus tut. Definition von Abstand ohne Zahlen durch Kongruenz und "zwischen". >Raumzeit, >Repräsentationstheorem. III 84f Bewegungsgesetz/Nominalisierung/Field: Dafür brauchen wir die Begriffe Trajektorie und Differenzierung des Vektorfelds Vgl. >Nominalismus. Ableitung: von Skalaren kann man mit Differenzen von Skalaren gleichsetzen - so auch Ableitungen von Vektoren mit Differenzen von Vektoren. Problem: Differenzen von Vektoren sind selber Vektoren. - Raumzeit kann dabei als unendlich angenommen werden, nicht aber Temperatur. III 88 Bewegungsgesetz/Nominalisierung/Field: Mit dem Begriff der Tangente an einer Trajektorie. - Differenzierbar ist die Trajektorie, wenn die Tangente nicht rein räumlich ist - die Beschleunigungen von Punkten (auf einer oder mehreren Trajektorien) vergleichen wir mit den Gradienten des Gravitationspotentials an den Punkten. Def Bewegungsgesetz/Newtonsche Gravitationstheorie/Field: (wenn nur Gravitationskräfte wirksam sind): Für jedes solche T, T’, z, z’, S, S’, y und y’: gibt es eine positive reelle Zahl k so dass a) die zweite richtungsmäßige Ableitung (ri-A) der räumlichen Separation (Trennung) von S von T an z im Hinblick auf zy> doppelt genommen ist k-mal der Gradient des Gravitationspotentials an z b) die zweite ri-A der r. Tr. Von S’ von T’ an z’ entsprechend mit den anderen gestrichenen Symbolen - nominalistisch: man muss nur die zweiten ri-A in (12’) einsetzen. |
Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Bewegung | Langacker | Gärdenfors I 9 Bewegung/Bild/Image/Langacker/Gärdenfors: (Langacker, 1987(1), Reprint 1999 p. 311): wie zeigt man Bewegung in einem Bild? In Langackers Beispiel durch zwei Linien: a) Für eine Figur, die auf ein Hindernis steigt – dieses Hindernis wird dreimal abgebildet; b) die drei nebeneinander stehenden Abbildungen des Hindernisses werden durch eine zweite Linie für den Zeitablauf verbunden. I 10 Wenn dieses Bild für „steigen“ steht, kann es leicht in ein Bild für „Bergsteiger“ umgedeutet werden, ohne dass etwas an dem Bild geändert würde. Diese Transformation kann als Änderung des Fokusses aufgefasst werden. >Darstellung, >Bild, >Interpretation, >Eindeutigkeit, >Gegenstände, >Abstrakte Gegenstände. 1. R. W. Langacker (1987). Foundations of cognitive grammar (Vol I). Stanford, CA: Stanford Universtity Press. |
Langa I Ronald W. Langacker Foundations of Cognitive Grammar Stanford, CA 1999 |
| Beweise | Goodman | IV 204 Die Begründung einer Wahrheit kann nicht aus dem Beweis allein bestehen, denn der Beweis liefert eine Begründung nur dann, wenn auch die Prämissen irgendwie begründet werden. >Rechtfertigung, >Prämissen, >Belege, >Methode, >Beweisbarkeit. |
G IV N. Goodman Catherine Z. Elgin Revisionen Frankfurt 1989 Goodman I N. Goodman Weisen der Welterzeugung Frankfurt 1984 Goodman II N. Goodman Tatsache Fiktion Voraussage Frankfurt 1988 Goodman III N. Goodman Sprachen der Kunst Frankfurt 1997 |
| Bewusstsein | Bieri | I 65ff Bewusstsein/Leibniz/Bieri: Es ist die (Leibnizsche) Fabrik als Ganze, die für das Bewusstsein verantwortlich ist. >Gedankenexperimente. I 66/67 Bewusstsein/Bieri: Nicht Gesetzmäßigkeiten sind das Problem, sicher gibt es welche. - Problem: warum es sie gibt, was im Gehirn macht es notwendig, dass der Mensch etwas erlebt? - Anders als Gravitation: Bewusstsein ist eine Systemeigenschaft. Vgl. >Bewusstsein/Chalmers, >Wissen wie/Chalmers, >Erfahrung/Chalmers. I 61 Bewusstsein/Bieri: Bewusstsein ist kein einheitliches Phänomen. Innerer Antrieb, innere Steuerung, Gewahrsein, Empfindungsfähigkeit (jedenfalls nicht dasselbe wie Selbstbewusstsein). >Aufmerksamkeit, >Empfindungen, >Erleben, vgl. >Selbstbewusstsein. Diskriminatives Verhalten, einer Situation angemessen, über eine Zeit hinweg kohärent, "integriert". Einige mentale Zustände sind verbalisierbar, andere nicht. >Mentale Zustände. Bewusstsein im kognitiven Sinne erscheint dennoch heute nicht mehr als etwas intellektuell undurchdringliches. >Kognition, >Denken. I 64 Erlebnis/Rätsel: Das Erlebnis ist das Rätsel, nicht dessen Repräsentation. >Repräsentation. Bewusstsein/du Bois-Reymond: Bewusstsein "ist aus seinen materiellen Bedingungen heraus nicht erklärbar". BieriVsdu Bois-Reymond: Warum sollte es das auch? These: Bewusstsein wird auch dann nicht durch die materiellen Bedingungen erklärbar, wenn wir (was wir jetzt nicht tun) alle materiellen Bedingungen kennten. >Emergenz, >Erklärung. Bewusstsein/Leibniz: Es ist die "Fabrik als Ganze", die für das Bewusstsein verantwortlich ist. I 74 Erklärung/Bieri: Erklärung heißt immer, eine bestimmte Art von Beziehung aufzudecken. Vgl. >Kausalerklärung, >Kausalrelation, >Kausalität. Rätsel/Bewusstsein/Bieri: Wir haben keinerlei Vorstellung davon, was als Lösung, als Verstehen zählen würde. >Verstehen. Es wäre aber sehr seltsam, wenn es hier eine besondere Beziehung gäbe, die es sonst nirgendwo gibt. (VsMcGinn). >Bewusstsein/McGinn. Wenn es ein Wesen gäbe, das uns diese seltsame Beziehung vorführt, so würden wir sie nicht verstehen, wir könnten sie nicht nachvollziehen. |
Bieri I Peter Bieri Was macht Bewusstsein zu einem Rätsel? In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Bieri III P. Bieri Analytische Philosophie des Geistes Weinheim 2007 |
| Bewusstsein | Dennett | Rorty VI 161 Bewusstsein/Dennett: Es ist eine Illusion zu glauben, das Bewusstsein sei die Ausnahme von der Regel, dass sich alles durch seine Beziehungen zu anderen Dingen erklären lässt. Es ist keine Ausnahme. Dennett I 534 Bewusstsein/DennettVsMcGinn: Abgesehen von Problemen, die in der der Lebenszeit des Universums nicht lösbar sind, wird sich unser Bewusstsein noch so entwickeln, wie wir es uns heute noch nicht vorstellen können. II 23ff Sprache/Tier/Bewusstsein/Dennett: Da es keine Grenze für Bewusstsein (mit oder ohne Sprache) gibt, da es allmählich entstanden ist, ist die Frage, welche Tiere Bewusstsein haben, unentscheidbar. - "Eine Frage des Stils" - Bewusstsein ist nicht gleich Denken! Dennett: kein >Denken ohne Sprache, aber Bewusstsein ohne Denken. Rosenthal I 430 Bewußtsein/Dennett: Selbst für die Erste Person nicht immer klar, was bewusst ist und was nicht - Bsp sich des Inventars eines Zimmers bewusst werden - Bsp Tapetenmuster: Vervollständigung durch Urteil, nicht sensorisch! Metzinger I 475 Bewusstsein/Dennett: Bewusstsein ist wie eine Simulation der Welt. - Sie verhält sich zum Gehirn wie die Flugsimulation zu den Vorgängen im Computer. Metzinger I 555 Bewusstsein/Dennett: 1 . kulturelles Konstrukt - 2. man kann Bewusstsein nicht haben, ohne den Begriff von Bewusstsein zu haben - BlockVsDennett: falsche Verschmelzung von >P-Bewusstsein und Z-Bewusstsein. Chalmers I 113 Bewusstsein/Kognition/Dennett/Chalmers: Dennett (1978c)(1) bringt ein kognitives Modell des Bewusstseins, bestehend aus Wahrnehmungsmodul, Kurzzeitgedächtnis, Speicher, I 114 Kontrollinstanz und Modul für „public relations“: für die Umsetzung in Alltagssprache. ChalmersVsDennett: das zeigt uns etwas über Informationsbverarbeitung und die Möglichkeit, darüber zu berichten, aber nicht, warum es für ein solches Modell eine Weise geben sollte „wie es ist“, dieses Modell zu sein. Später bringt Dennett ein stärker ausgearbeitetes Modell (Dennett, Consciousness Explained, 1991)(2) ohne zentrales „Hauptquartier“. ChalmersVsDennett: das bringt nun auch eine mögliche Erklärung von Aufmerksamkeit, nicht aber eine bessere Erklärung von bewusstem Erleben. Bewusstsein/DennettVsNagel/DennettVsChalmers: These: was er aufzeigt, sei dennoch alles, was es braucht, um Bewusstsein zu erklären. Sobald man die verschiedenen Funktionen erklärt hat, hat man alles erklärt (Dennett, 1993a(3), p. 210) und (FN 9/Kap 3) Kognitive Modelle/Chalmers: gibt es auch von Churchland, (1995)(4), Johnson-Laird (1988)(5), Shallice (1972(6), 1988a(7), 1988b(8)). ChalmersVs: auf alle trifft meine Kritik VsDennett von oben zu. Chalmers I 229 Bewusstsein/Dennett/Chalmers: (Dennett 1993b)(9) Bewusstsein ist, was in Gehirnprozessen hervorsticht. („Cerebral celebrity“). Solche Inhalte sind bewusst, die Ressourcen auf sich fixieren und monopolisieren. (p. 929). Chalmers: das ist nah bei meinem Ansatz, nur dass ich von potentiellen Hervorstechen spreche, Es muss nur möglich sein, dass ein Inhalt diese Rolle spielen kann. 1. Dennett, D. Toward a cognitive theory of consciousness. In: D. Dennett, Brainsorms, Cabridge 1978. 2. Dennett, D. Consciousness explained. Little, Brown and Co., Boston 1991 3. Dennett, D. Back from the drawing board. In: B. Dahlbom (Ed) Dennett and His Critics, Oxford 1993. 4. Churchland, P. M. The Engine of Reason, the Seat of the Soul: A Philosophical Journey into the Brain. Cambridge 1995. 5. Johnson-Laird, P. A computational analysis of consciousness. Cognition and Brain Theory 6, 1983: pp. 499-508 6. Shallice, T., Dual funtions of consciousness. Psychological Review 79, 1972: pp. 383-93; Information-precessing models of consciousness: Possibilities and problems. In: A. Marcel and E. Bisach (Eds) Consciousness in Contemporary Science, Oxford 1988. 7. Shallice, T. Information-precessing models of consciousness: Possibilities and problems. In: A. Marcel and E. Bisach (Eds) Consciousness in Contemporary Science, Oxford 1988. 8. Shallice, T. From Neuropsychology toMental structure. Cambridge: Cambridge University Press. 9. Dennett, D. The message is: there is no medium. Philosophy and Phenomenological Research 53:919-31 |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 Rosenthal I David M. Rosenthal "Multiple drafts and the facts of matter" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Metz I Th. Metzinger (Hrsg.) Bewusstsein Paderborn 1996 Cha I D. Chalmers The Conscious Mind Oxford New York 1996 Cha II D. Chalmers Constructing the World Oxford 2014 |
| Bewusstsein | Dilthey | Gadamer I 236 Bewusstsein/Unendliches/Endlichkeit/Dilthey/Gadamer: Für Dilthey bedeutete das Bewusstsein der Endlichkeit keine Verendlichung des Bewusstseins und keine Beschränkung. Es bezeugt vielmehr die Fähigkeit des Lebens, sich in Energie und Tätigkeit über alle Schranken zu erheben. Insofern stellt sich in ihm gerade die potentielle Unendlichkeit des Geistes dar. Freilich nicht Spekulation, sondern historische Vernunft ist die Weise, in der sich diese Unendlichkeit aktualisiert. Das historische Verstehen breitet sich über alle geschichtlichen Gegebenheiten aus und ist wahrhaft universal, weil es in der Totalität und Unendlichkeit des Geistes seinen festen Grund hat. Dilthey schließt sich dafür an die alte Lehre an, die die Möglichkeit des Verstehens aus der Gleichartigkeit der Menschennatur herleitet. >Historisches Bewusstsein/Dilthey, >Verstehen/Dilthey, >Geist/Dilthey. |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Bewusstsein | Locke | Euchner I 25 Bewusstseinsinhalt/Locke: Ideen. - Diese entstehen aus Wahrnehmung äußerer Gegenstände und durch Reflexion (innere Erfahrung). >Reflexion, >Erfahrung/Locke, >Idee/Locke, vgl. >Introspektion. |
Loc III J. Locke An Essay Concerning Human Understanding Loc I W. Euchner Locke zur Einführung Hamburg 1996 |
| Bewusstsein | McGinn | I 49 Bewusstsein/Leib-Seele-Problem/McGinn: Es scheint keine Eigenschaften physischer Organismen zu geben, aus denen unter Umständen Bewusstsein entstehen könnte. Es ist nun aber zusätzlich schwierig genau anzugeben, welche Eigenschaft des Bewusstseins dafür sorgt, dass es sich einer physikalischen Erklärung verweigert. I 52 Bewusstsein/McGinn: Problem: Welches ist überhaupt das eigentliche Kennzeichen eines Bewusstseinszustands? Wo hat das Problem seinen Ort? "Wie ist es, ein K zu sein?" I 56 Bewusstsein/McGinn: Problem: Wie ist es möglich, dass Zustände, deren Gegebenheit mit einem gewissen Wiesein verbunden ist, aus Zuständen hervorgehen, bei denen es kein solches Wiesein gibt? >"Wie ist es, eine Fledermaus zu sein?", >Wissen wie, >Erfahrung. I 68 Bewusstsein/McGinnVsSearle : Bewusstseinszustände lassen keine emergenztheoretische Erklärung mit Hilfe mereologischer Begriffe zu. Wir sind nicht in der Lage, Schmerzen auf die zugrunde liegenden neuralen Einheiten zurückzuführen. Im Gegensatz dazu ist es aber durchaus möglich, die höherstufigen Eigenschaften von Flüssigkeiten auf diesem Wege zu erklären. ((s) Weil uns alle Ebenen leicht zugänglich sind.) Bewusstseinszustände sind also nicht nach KAGA (Kombinatorischer Atomismus mit gesetzesartigen Abbildungen) zu erforschen. Wir können wohl höherstufige Gehirnfunktionen aus ihren Bestandteilen begreifen, aber wenn wir vom Bewusstsein ausgehen, versagt diese Erklärung. >Erklärung. I 74 Geist/Gehirn/Bedeutung/Bezug/McGinn: nach dieser Auffassung gibt es also keinen Bezugsgegenstand, der von sich aus jemals ein philosophisches Problem aufwürfe, denn die objektive Welt ist in philosophischer Hinsicht unproblematisch . Philosophische Probleme ergeben sich aus den Bedeutungen, in deren Licht wir die Welt begreifen. Das Seelische als Bezugsgegenstand ist es nicht, dem das Geheimnisvolle anhaftet. >">Philosophie. Bewusstsein/McGinn: theoretisch unergründlich, denn wir verstehen nicht, was für eine Beziehung imstande wäre, die Erfahrung in derjenigen Weise mit der Welt zu verknüpfen, die nach unserer Vorstellung gegeben ist, wenn von Wissen die Rede ist. I 192 Was bedeutet es eigentlich für meinen Geist, sich in die Welt hinauszuversetzen? Da wir keine Antwort erhalten, kommt es zu der Vorstellung, unsere Erkenntniskräfte seien ganz nach innen gerichtet. Dieser Rückzug ist jedoch laut Transzendentalem Naturalismus (TN) eine Täuschung. >Terminologie/McGinn. II 68 Wenn das einzige, auf das wir uns zu verlassen hätten, Hirnforschung wäre, kämen wir nie auch nur auf die Idee, dass das Gehirn überhaupt ein Bewusstsein beherbergt. I 86ff Wissen/Bewusstsein/McGinn: auch vollständiges Wissen über uns selbst würde uns in Bezug auf das Bewusstsein nicht besser dastehen lassen. >Aufmerksamkeit/Chalmers. II 216 Bewusstsein ist keine Eigenschaft, die von ihrem Ursprung abhängig ist. |
McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Bewusstsein | Millikan | I 91 Bewusstsein/Tradition: wir erfahren unser Bewusstsein direkt. MillikanVsTradition: was soll das für eine Erfahrung der Intentionalität sein? Was für eine Kraft soll dieses Argument haben? >Selbst-Identifikation, >Selbst-Bewusstsein, >Selbst-Wissen, >Intentionalität. Die Kraft müsste epistemisch und rational sein. Unkorrigierbarkeit/MillikanVsTradition: die Erfahrung des Bewusstseins (Erfahrung der Intentionalität) müsste etwas Unfehlbares haben. Wir müssten dann auch ein unmittelbares Verstehen haben. Es müsste auch die Existenz von Intentionalität und Bewusstsein annehmen, denn sonst könnte die Erfahrung ja nicht „in“ ihr sein. Bewusstsein/Tradition: Die Tradition nimmt an, dass das Bewusstsein durchsichtig (transparent) sei. Und daher könne sie nicht allein aus externen Relationen zur äußeren Welt bestehen, und seien diese naturnotwendig. MillikanVsVs: Angenommen, wir lehnen dieses epistemisch rationalistische Bild ab, d.h. wir leugnen, dass es „epistemisch Gegebenes“ gibt. Dann könnten wir zugeben, dass sich Leute manchmal ihrer Gedanken bewusst sind. Aber wir könnten aufrechterhalten, dass dieses Bewusstsein (awareness) teilweise eine externe Relation ist. Die „Innenseite“ dieses Gefühls (Bewusstsein, awareness) >Aufmerksamkeit/Chalmers. I 92 gibt keine Garantie dafür, dass es die Innenseite einer echten Bewusstseinsrelation (awareness Relation) ist. Bewusstsein/Millikan: selbst Bewusstsein von Bewusstsein ist kein unmittelbares Objekt. Es gibt nichts durchsichtiges am Bewusstsein. Pointe/Millikan: das ist beunruhigend, weil daraus folgt, negative These: dass es möglich ist, dass wir nicht wissen, was wir denken! ((s) DavidsonVsHume: dito). D.h. aus dem Akte des Bewusstseins selbst heraus ist nichts garantiert. Rationalismus/rationalistisch/Intentionalität/Bewusstsein/MillikanVsRationalismus/Millikan: die traditionelle rationalistische Sicht des Bewusstseins und der Intentionalität führt ein eine Sackgasse nach der anderen. >Rationalismus. I 246 Bewusstsein/klassischer Realismus/Millikan: ein Akt des Gewahrwerdens eines Gegenstands ist momentan und hat niemals einen Bezug zu vergangenen oder zukünftigen Bewusstseinsakten. Problem: wie dann ein Ding als dasselbe wir früher identifiziert werden sollte. Daraus macht der klassische Realismus ein Mysterium. Gegenstand/Objekt/Ding/klassischer Realismus: ein Gegenstand darf dann keine dauernde Existenz haben. >Realismus/Millikan. Wahrnehmung/Platon/Descartes/Locke/Millikan: These: nichts kann durch Wahrnehmung allein identifiziert werden, Wiedererkennen: sei ein Akt reinen Denkens bei der Wiederbegegnung im flüchtigen Fluss der Dinge, die den Sinnen gegeben sind. >Wahrnehmung/Millikan. Sinn/Platon/Descartes/Locke: bestand dann darin, den Geist irgendwie auf ewige Gegenstände zu richten. Denken/Platon/Descartes/Locke: dann konnte man nur von ewigen Gegenständen überhaupt Gedanken haben, oder von der ewigen Natur flüchtiger Gegenstände. Lösung: man nahm Eigenschaften und Arten als die ewigen Gegenstände an, an die man direkt denken konnte. >Welt/Denken/Millikan, >Platon, >Descartes, >Locke. I 247 Problem: wie sollte man erklären, dass ewige Gegenstände (Eigenschaften) in Relation zu zeitlichen Zuständen stehen? Wie konnte Involviertsein in die Welt für sie wesentlich sein. Dann musste man annehmen, dass es Eigenschaften und Arten gibt, die nicht exemplifiziert sind. >Zeitliche Identität. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Bewusstsein | Nozick | II 245 Wissen/Bewusstsein/Nozick: Die meisten Autoren: These: Man weiß immer, dass man weiß. Vgl. >Überzeugungen/Davidson, >Referenz. NozickVs: Es kann sein, dass man etwas weiß, aber gar nicht glaubt, dass man es weiß, weil man nicht glaubt, dass man Bedingungen (3) und (4) erfüllt: (3) Wenn p nicht wahr wäre, würde S nicht glauben, dass p. (4) Wenn p > S glaubt dass p. Problem: Wenn man mit einer Tatsache in Verbindung steht, aber nicht mit der Tatsache, dass man mit dieser Tatsache in Verbindung steht. - Es kann sein, dass der Glaube mit der Wahrheit variiert, aber nicht mit der Tatsache, dass man damit wirklich in Verbindung steht. >Wahrheit, >Tatsachen, >Glauben, >Wissen. Skeptizismus 2. Stufe: Dass man nicht weiß, dass man etwas weiß. >Skeptizismus. NozickVsSkeptizismus: Nur wenn die Tank-Welt die nächste mögliche Welt wäre, könnte der Skeptizismus zeigen, dass eine bestimmte konditionale Relation nicht besteht, d.h. wenn die Tank-Welt bestehen müsste, sobald wir etwas Falsches glauben. >Gehirne im Tank, >Ähnlichste Welt, >Mögliche Welten, >Ähnlichkeitsmetrik. Nozick: Und das ist nicht der Fall. II 247 Wissen dass man weiß/Nozick: Man weiß oft nicht genau, auf welcher Ebene man sich befindet. - Bsp Wenn man weiß, dass man sich auf der 3. Ebene befindet, befindet man sich schon auf der 4. Ebene. >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen. II 347 Bewusstsein/Erklärung/Evolutionstheorie/Nozick: Bewusstsein ermöglicht andere Arten von Verhalten: sich nach Prinzipien zu richten. >Prinzipien, >Verhalten, >Regeln. |
No I R. Nozick Philosophical Explanations Oxford 1981 No II R., Nozick The Nature of Rationality 1994 |
| Bewusstsein | Searle | I 103 Bewusstsein/Block: These: Ein >Zombie kann Bewusstsein haben. SearleVs: Bewusstseinszustände haben immer Inhalt, aber das "von" ist nicht immer eins der Intentionalität: Bsp nicht bei Schmerz, weil der nicht außerhalb ist. >Schmerz. I 112 Bewusstsein muss nicht naturalisiert werden, es ist schon völlig natürlich. I 124f Bewusstsein/McGinn: Bewusstsein ist eine Art Stoff. Der Stoff selbst wird durch Introspektion erkannt. Die Verbindung aber können wir prinzipiell nicht erkennen. SearleVsMcGinn: 1. Bewusstsein ist kein Stoff, sondern ein Merkmal des Gehirns. 2. Bewusstsein wird nicht durch >Introspektion erkannt. I 149 Raum/Zeit/Bewusstsein: Asymmetrie: Bewusstsein ist zeitlich, aber nicht räumlich (Kant, Searle). >Zeit, >Zeitloses, >Raum. I 153f Erfüllungsbedingungen/Searle: Eigenschaften der Gegenstände sind >Erfüllungsbedingungen meiner Erlebnisse, daher sind sie schwer zu unterscheiden von Eigenschaften der Erlebnisse (diese sind aber immer perspektivisch). Bewusstsein bildet die Erfüllungsbedingungen ab. Bewusstsein ist nicht immer intentional: Bsp Depression. I 168 ff Bewusstsein/Searle: Bewusstsein hat mit Unkorrigierbarkeit und Introspektion nichts zu tun! Selbsttäuschung setzt cartesianischen Dualismus voraus. >Unkorrigierbarkeit, >Introspektion. I 198 ff Hintergrund: Im Hintergrund sind Fähigkeiten und Kenntnisse, die das Bewusstsein funktionieren lassen (z.B. Bild verstehen (bergauf/bergab?). Dieselbe wirkliche Bedeutung legt bei verschiedenen Hintergründen verschiedene Erfüllungsbedingungen fest. Hintergrund: ist nicht selbst Intention; "davon ausgehen" ist nicht expliziter propositionaler Gehalt und nicht explizite Überzeugung (Gegenstände sind fest). Netzwerk: Zusatzwissen kann sich nicht selbst interpretieren, ein Netzwerk ist intentional und keine Fähigkeit (auch im Schlaf) ("Bush ist Prädsident"). |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Bewusstsein | Yorck von Wartenburg | Gadamer I 256 Bewusstsein/Paul Graf Yorck/Gadamer: Auch das Bewusstsein ist als ein Lebensverhalten zu verstehen. »Spontaneität und Dependenz sind die Grundcharaktere des Bewusstseins, konstitutiv im Bereich der somatischen sowie der psychischen Artikulation, wie denn weder ein Sehen und körperliches Empfinden noch ein Vorstellen, Wollen oder Fühlen ohne Gegenständlichkeit vorhanden wäre.«(1) GrafYorck schreibt: »Nun aber bewegt sich unser Denken in Bewusstseinsresultaten« (d. h. : es ist des realen Verhältnisses dieser zum Lebensverhalten, auf dem die Resultate beruhen, nicht bewusst). »Die vollzogene Diremption ((s) Unterscheidung) ist jene Voraussetzung«.(2) Gadamer: Graf Yorck will damit sagen, dass die Resultate des Denkens nur dadurch Resultate sind, dass sie sich von dem Lebensverhalten getrennt haben und trennen lassen. Daraus folgert nun Graf Yorck, dass die Philosophie diese Trennung rückgängig machen muss. Sie muss das Experiment des Lebens in umgekehrter Richtung wiederholen, »um die Bedingungsverhältnisse der Lebensresultate zu erkennen«.(3) Gadamer: Das mag sehr objektivistisch und naturwissenschaftlich formuliert sein und Husserls Theorie der Reduktion würde sich demgegenüber auf ihre rein transzendentale Denkweise berufen. In Wahrheit aber wird in den kühnen und zielbewussten Überlegungen des Grafen Yorck nicht nur die gemeinsame Tendenz Diltheys und Husserls sehr deutlich. Er zeigt sich ihnen beiden vielmehr wahrhaft überlegen. Denn hier wird wirklich auf dem Niveau der Identitätsphilosophie des spekulativen Idealismus weitergedacht, und damit wird die verborgene Herkunft des Lebensbegriffes sichtbar, auf den Dilthey und Husserl zielen. Vgl. >Leben/Hegel. 1. Paul Graf Yorck von Wartenburg, Bewusstseinsstellung und Geschichte, Tübingen 1956.,S. 39 2. Ebenda. 3. Ebenda. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Bezeichnen | Quine | I 257 Unbestimmte Termini bezeichnen keine Gegenstände! Ein unbestimmter singulärer Term muss daher in rein bezeichnender Position stehen: Bsp "Der Steuerprüfer sucht jemand". Hier ist die Position bezeichnend. "Jemand" ist nicht bezeichnend. "Rein bezeichnend" ist eindeutig (Ersetzbarkeit der Identität). Nicht: "Tullius war ein Römer" ist trochäisch. - > propositionale Einstellungen/Quine. - Ausdruck in Anführungszeichen ist nicht rein bezeichnend, sondern mehrdeutiger Bezug, jede Wahrheitsfunktion ist bezeichnungsdurchsichtig. Wörter bezeichnen, Sätze hingegen nicht! (Keine singulären Termini!). >Singuläre Termini/Quine. Dennoch hat ein Satz Bedeutung: nämlich den durch Einklammerung des Satzes gebildete singuläre Term! (Keine Proposition!). Proposition ist hier: Vervollständigung des entsprechenden Satzes zu einem zeitlosen Satz. Zeitloser Satz: Bsp "Die Tür ist offen": welche Tür? bezeichnet nichts. I 413f Gegenstand: ist das, was singuläre Termini bezeichnen, benennen, als Werte annehmen. (Aber singuläre Termini sind eliminiert! Bsp "Schimmer", nicht aber: "Schimmrigkeit".) >Gegenstand/Quine. II 61 ff Benennen: geschieht durch Namen oder singulären Term. Bezeichnen: geschieht durch Prädikat. Beides ist eine Bezugnahme, nicht Bedeutung. Verschiedene Kennzeichnungen können dasselbe benennen, aber verschiedene Bedeutung haben. >Benennen/Quine. VII (a) 10ff Singulärer Term/Quine: Ein singulärer Term muss nicht bezeichnen. Darin besteht die Kluft zwischen Bedeutung und Bezeichnung. >Bedeutung/Quine. VII (h) 140 Rein bezeichnende Position/Quine: Bsp "Giorgione hieß so wegen seiner Größe". "So" ist nicht rein bezeichnend. Richtig wäre: "Giorgione hieß Giorgione wegen ...". Dann ist einsetzbar: "Barbarelli hieß Giorgione wegen...". Fehlende Ersetzbarkeit signalisiert eine nicht-rein-bezeichnende Position. Man könnte sagen: die folgenden Vorkommnisse seien nichtbezeichnend: "9" und "Abendstern" bzw. "Zahl der Planeten", aber darum geht es nicht! Es geht darum, dass die Substitution wahre Sätze zu falschen macht. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Bezeichnen | Wittgenstein | Hintikka I 328 Bezeichnen/Wittgenstein: Sprachspiel: Bezugnahme (Referenz) nur über >Sprachspiel möglich. - Dagegen: Bezeichnen: Modell ohne Sprachspiel. WittgensteinVs). I 327 ff Bezeichnung/Bezeichnen/Wittgenstein/Hintikka: eine einfache Beziehung des Typs "Bezeichnung" hat nur dann einen Inhalt, wenn der entsprechende Gegenstand existiert. Und öffentlich zugänglich ist. "Das Benennen ist etwas ähnliches, wie einem Gegenstand ein Namenstäfelchen anheften." (WittgensteinVs, QuineVs)) I 328 Bemerkungen über die Philosophie der Psychologie/Wittgenstein: Bsp von Namen, die nur in Begleitung ihrer Träger Bedeutung haben. Sie dienen nur zur Vermeidung des steten Zeigens Bsp: Linien, Punkte, Winkel in geometrischen Figuren, mit A, B, C, ..a, b. etc." >Zeigen, >Geometrie. Bezeichnung/Wittgenstein/Käfer Bsp/Hintikka: So wie Wittgenstein es formuliert, wäre es durchaus möglich, dass jeder etwas anderes in der Schachtel hat. Wäre dem so, so würden wir das Wort "Käfer" nicht als Bezeichnung eines Dings verwenden. Damit das Wort Käfer einen Sinn hat, ist ein öffentliche Sprachspiel nötig, um es semantisch abzustützen. Doch ist es gerade das Fehlen eines Sprachspiels, das Wittgenstein mit dem Ausdruck "Bezeichnen" hervorhebt. >Käfer-Beispiel. Farbe/Definition/Bezugnahme/Wittgenstein: Jetzt können wir verstehen, was Wittgenstein meint wenn er sagt: ""Rot" bedeutet die Farbe, die mir beim Hören des Wortes "rot" einfällt" wäre eine Definition. Keine Erklärung des Wesens der Bezeichnung durch ein Wort. Die Stelle verliert ihren Witz, wenn "Bezeichnung" hier im Sinne von "Name" aufgefasst wird. Sogar eine völlig gelungene Definition gibt nicht an, was es heißt, dass sich das Definiendum unmittelbar - d.h. ohne Sprachspiel - auf seinen Gegenstand bezieht. >Bezug/Referenz. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Bezug/Referenz | Goodman | III 57ff Denotation/Goodman: Etwas, das nicht denotiert, kann immer noch durch Explikation und Ausdruck Bezug nehmen. >Denotation, >Ausdrücke, >Erklärung, >Terminologie/Goodman. Def Denotieren/Goodman: Denotieren heißt Bezug nehmen, aber denotiert werden heißt nicht notwendigerweise auf etwas Bezug nehmen. Und doch ist Ausdruck wie Repräsentation auch ein Modus der Symbolisierung. Und ein Bild muss für das stehen, was es ausdrückt, muss es symbolisieren, auf es Bezug nehmen. III 63 ff In der Normalsprache: Die Bezugnahme von "Mann" auf "Churchill" und von "Wort" auf "Mann" ist eindeutig Denotation. Aber: Wenn dagegen Churchill "Mann" symbolisiert, und "Mann" "Wort" symbolisiert, ist die Bezugnahme eindeutig Exemplifikation. >Exemplifikation, >Symbole. IV 63 Denotation/Exemplifikation/Goodman: Denotation und Exemplifikation verlaufen in entgegengesetzter Richtung. Der Besitz (von Eigenschaften) ist gar keine Art der Bezugnahme. Nicht alle aus Bezugnahmen gebildeten Ketten leiten die Bezugnahme von einem Ende zum anderen. Bsp Der Name des Namens der Rose ist nicht der Name der Rose. |
G IV N. Goodman Catherine Z. Elgin Revisionen Frankfurt 1989 Goodman I N. Goodman Weisen der Welterzeugung Frankfurt 1984 Goodman II N. Goodman Tatsache Fiktion Voraussage Frankfurt 1988 Goodman III N. Goodman Sprachen der Kunst Frankfurt 1997 |
| Bezug/Referenz | Putnam | Rorty I 312 Referenz/Putnam/Rorty: Laut Putnam kann eine "kausale" Referenztheorie nicht weiterhelfen, denn die Frage, wie sich der Ausdruck »Ursache« eindeutig auf etwas beziehen kann, ist genauso rätselhaft wie die Frage, wie dies der Ausdruck »Katze« leistet. --- Rorty IV 20 ff Bezug/Putnam: früh: Es gibt nur die kausale Theorie der Bezugnahme (nicht intentional). Eine kausale Theorie der Referenz kann uns vor dem Relativismus bewahren. >Kausaltheorie der Referenz. --- Rorty VI 123 Kausaltheorie der Bezugnahme: PutnamVsKripke/Rorty: Putnam übt auch Selbstkritik an früheren Schriften: Die Beschreibung der kausalen Beziehungen zwischen einem Etwas und sonstigen Dingen ist nichts anderes als die Beschreibung von Merkmalen, die weder in höherem noch geringeren Maße in einem "intrinsischen" oder "extrinsischen" Verhältnis zu ihm stehen. So z.B. auch das Merkmal "von einem Menschen beschrieben zu sein". PutnamVsSearle: VsUnterscheidung "intrinsisch"/"relational". >Intrinsisch/>Extrinsisch. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Bezug/Referenz | Rorty | I 96 Referenz: für jede Unterscheidung von Referenten von Ausdrücken braucht man irgendwelche ontologischen Kategorien, irgendetwas, wenn auch Grobes, um die Dinge zuzuschneiden. >Ontologie, >Kategorien, >Klassifikation. I 316ff RortyVsPutnam, RortyVsKripke: Verwechselt man diesen Begriff »wirklich sprechen über« mit dem Begriff der Referenz, so kann man, wie Kripke und Putnam leicht auf die Idee kommen, wir hätten über die Referenz »Intuitionen«. I 317f Natürlich kann es Referenz auf Fiktionen nicht geben. Das entspricht dem technisch-wissenschaftlichen Gebrauch. Dann hat jedoch »Referenz« mit »sprechen über« im Grunde überhaupt nichts zu tun, und kommt erst ins Spiel, nachdem man seine Wahl zwischen den verstehenden Strategien getroffen hat. >Fiktionen. I 316ff Wirkliche Existenzfragen werden auch nicht von dem Kriterium von Searle und Strawson berührt! Was ist dann aber das richtige Kriterium? Rorty: es gibt gar keins! >Kriterien. I 321 Für Davidsons "reine" Sprachphilosophie ist weder das eine noch das andere erforderlich. >Referenz. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Bezug/Referenz | Strawson | Meggle I 297 laut Hungerland, Strawson: Referenzregeln - Regeln der Präsupposition von Ausdrücken wie Bsp "Der Präsident der USA ist ...Jahre alt". >Präsupposition/Strawson, >Referenz/Strawson. Meggle I 297 Strawson: Lügen kein korrekter Sprachgebrauch. Meggle I 310f Referenzregeln/Strawson: 1.Auf etwas Bezug nehmen besteht nicht darin, dass man sagt dass man "auf etwas Bezug nehme". 2.Das Ding muss in einem bestimmten Verhältnis zum Sprecher stehen. 3. Die korrekte Referenz ist nicht in dem Sinn Teil der Äußerung, wie eine korrekte Beschreibung Teil dessen ist, was mit der Äußerung behauptet wird. Bsp "Dieser ist schwarz und jener ist weiß". Hier ist der Umstand, dass "dieser" näher bei mir ist als "jener" nicht Teil der Aussage! Nicht Teil dessen, was ich über die beiden Gegenstände gesagt habe! >Äußerung/Strawson, >Aussage, >Behauptung, >Zuschreibung, >Prädikation, >Identifikation/Strawson, >Individuation/Strawson. |
Strawson I Peter F. Strawson Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972 Strawson II Peter F. Strawson "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit", In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Strawson III Peter F. Strawson "On Understanding the Structure of One’s Language" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Strawson IV Peter F. Strawson Analyse und Metaphysik München 1994 Strawson V P.F. Strawson Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981 Strawson VI Peter F Strawson Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Strawson VII Peter F Strawson "On Referring", in: Mind 59 (1950) In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Grice: > Meg I G. Meggle (Hg) Handlung, Kommunikation, Bedeutung Frankfurt/M 1979 |
| Bibel | Spinoza | Höffe I 234 Bibel/Spinoza/Höffe: (...) in den Kapiteln 1—15 des Theologisch- politischen Traktats(1), erkennt Spinoza «weder ein übernatürliches Licht» noch «eine äußere Autorität» an. Er lehnt jede Expertokratie des Glaubens- bzw. Heilswissens ab, sodass jeder unvoreingenommene Leser, ohne ein Bibelgelehrter oder Philosoph zu sein, die Schrift sachgerecht verstehen kann und dann zur Einsicht gelangt, dass die Bibel letztlich nichts anderes lehrt als das, was schon die bloße Vernunft einsieht: Um glücklich bzw. selig zu werden, braucht man nur Gerechtigkeit und Nächstenliebe zu üben. >Theologie/Spinoza, >Vernunft/Spinoza, >Bibelkritik. 1. Spinoza, Tractatus theologico-politicus, Kap 1-15 |
Spinoza I B. Spinoza Spinoza: Complete Works Indianapolis 2002 |
| Bibelkritik | Spinoza | Gadamer I 184 Bibelkritik/Bibel/Hermeneutik/Spinoza/Gadamer: Das eigentliche Problem des Verstehens bricht offenbar auf, wenn sich bei der Bemühung um inhaltliches Verständnis die Reflexions-Frage erhebt: Wie kommt er zu seiner Meinung? Denn es ist klar, dass eine solche Fragestellung eine Fremdheit ganz anderer Art bekundet und letztlich einen Verzicht auf gemeinsamen Sinn bedeutet. >Verstehen, >Sinn, >Hermeneutik. Spinozas Bibelkritik ist dafür ein gutes Beispiel (und zugleich eines der frühesten Dokumente) Im 7. Kapitel des „Tractatus theologico-politicus“(1) entwickelt Spinoza seine Interpretationsmethode der Heiligen Schrift in Anlehnung an die Interpretation der Natur. Aus den historischen Daten muss man auf den Sinn (mens) der Autoren schließen - soweit in diesen Büchern Dinge erzählt werden (Geschichte von Wundern sowie Offenbarungen), die nicht aus den der natürlichen Vernunft bekannten Prinzipien ableitbar sind. Auch in diesen Dingen, die an sich unbegreiflich (imperceptibiles) sind, lässt sich, unbeschadet dessen, dass die Schrift unbestrittenermaßen im Ganzen einen moralischen Sinn hat, alles worauf es ankommt verstehen, wenn wir nur den Geist des Autors „historisch“ erkennen, das heißt, unter Überwindung unserer Vorurteile an keine anderen Dinge denken als an die, welche der Autor im Sinne haben konnte. Gadamer I 185 Euklid werde niemand so interpretieren, dass man Leben, Studien und Sitten (vita, studium et mores) des Verfassers beachtet, und das gelte auch für den Geist der Bibel in moralischen Dingen (circa documenta moralia). Nur weil es unbegreifliche Dinge (res imperceptibiles) in den Erzählungen der Bibel gebe, sei deren Verständnis davon abhängig, dass wir den Sinn des Autors aus dem Ganzen seiner Schrift zu eruieren vermögen (ut mentem auctoris percipiamus). Und da ist es in der Tat gleichgültig, ob das Gemeinte unserer Einsicht entspricht denn wir wollen ja nur den Sinn der Sätze (den sensus orationum) , nicht aber ihre Wahrheit (veritas) erkennen. Dafür bedarf es der Ausschaltung aller Voreingenommenheit, sogar der durch unsere Vernunft (erst recht natürlich der durch unsere Vorurteile). (§ 17). Gadamer I 185 Gadamer: Die „Natürlichkeit“ des Bibelverständnisses beruht also darauf, dass das Einsichtige einsehbar, das Uneinsichtige „historisch“ verständlich wird. >Bibel. 1. Spinoza: Theologisch-politische Abhandlung. Berlin 1870 Höffe I 238 Bibelkritik/Spinoza/Höffe: Aufklärer ist Spinoza auch mit der kritischen Analyse der Heiligen Schrift. >Aufklärung. Die historisch-kritische Bibelwissenschaft ist damals zwar schon weit fortgeschritten, sodass Spinozas Methode, etwa mit der Calvins verglichen, nicht neu ist. Neu, vielleicht sogar revolutionär neu ist der politische Auftrag, den die Hermeneutik der Bibel erhält: Sie muss Sich dem politischen Leitziel, dem Frieden, unterwerfen, der wiederum im Dienst der Freiheit zu philosophieren steht. Zu diesem Zweck untergräbt Spinoza die Autorität der gelehrten Theologen und erklärt jeden Menschen für frei, die Heilige Schrift selbst auszulegen - sofern er eine politische Bedingung erfüllt: dass seine Auslegung den Gehorsam gegen das (weltliche) Gesetz stärkt. Andernfalls lassen sich nämlich weder Aufstände noch Bürgerkriege verrneiden. VsOffenbarung: Soweit sich Spinoza auf den Inhalt der Heiligen Schrift einlässt, nimmt er ihrem Grundgedanken den Rang einer zeitlos gültigen Offenbarung. Die Schrift bestehe vielmehr vor allem aus Bildreden, die sich an die Einbildungskraft der damaligen Zeitgenossen und deren Fassungskraft richten. Sofern die Texte lediglich Bildreden sind, sucht eine weitergehende Hermeneutik, eine Exegese zweiter Stufe, ihren versteckten Subtext, den vernünftigen Kern, auf. Laut Spinoza ist er moralischer und lediglich nur moralischer Natur: Die Gebote der Schrift sollen zur Rechtschaffenheit, nämlich zu Gerechtigkeit und Nächstenliebe, anleiten. Religion/Spinoza: Hier erscheint die Religion als ein Mittel zur moralischen Kultivierung der Menschen, was eine sich vollendende Toleranz zur Folge hat: Wer wie Spinoza die Religion auf die moralische Kultivierung des Menschen verpflichtet, der kann seiner eigenen Religion und Konfession treu bleiben, zugleich die der anderen anerkennen, denn deren Unterschiede sind ihm unerheblich geworden. >Religion, >Theologie, >Moral, Ethik, >Kultur. |
Spinoza I B. Spinoza Spinoza: Complete Works Indianapolis 2002 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Big Data | Mayer-Schönberger | I 6 Big Data/Kausalität/Mayer-Schönberger: Big Data bezieht sich auf ein Phänomen, dass nur bei großen Größenordnungen funktioniert, nicht bei kleineren: neue Einsichten zu gewinnen (…) die Märkte, Organisationen oder die Beziehungen von Bürgern und Regierungen verändern können. I 7 Kausalität: dabei weiß man nicht warum, sondern nur, dass Dinge korreliert sind. I 10 Durch die Steigerung der Größenordnung (Menge der Daten) ändert sich das Wesen. I 11 Bei Big Data geht es nicht darum, Computer zu lehren, wie Menschen zu denken, sondern Mathematik auf große Datenmengen anzuwenden, um daraus Wahrscheinlichkeiten zu erschließen. Z. B. ob eine Email Spam ist, oder die Buchstabenfolge „teh“ ein Druckfehler. I 16 Die Werkzeuge wurden demokratisiert – nicht jedoch die Daten. I 26 Big Data: wenn wir größere Datenmengen betrachten, weil jetzt die technischen Mittel verfügbar sind, brauchen wir keine Stichproben mehr. I 29 Ohne auf Stichproben zurückgreifen zu müssen, können jetzt neue Hypothesen testen ((mit der gleichen Datenmenge, nämlich der Gesamtheit der Daten). >Statistik/Mayer-Schönberger. Bei der Stichproben-Methode kann man die Fragestellung nicht mehr verändern. Diese Hypothesen können dann auch auf verschiedenen Ebenen der Feinkörnigkeit getestet werden. I 32 Fehler: Große Datenmengen sind stets fehlerbehaftet. Man muss lernen, damit zu leben. I 34 Die Unordnung ist selbst unordentlich. ((s) Man kann in den Fehlern kein Muster erkennen). I 35 Algorithmen/Big Data/Mayer-Schönberger: je mehr Daten zur Verfügung stehen, desto mehr werden Algorithmen übertrumpft. Das sieht man daran, wie Computer lernen, mit der Alltagssprache umzugehen und sie zu übersetzen. I 55 Internetsuche/Mayer-Schönberger: mit Big Data braucht man keine Anfangshypothese mehr über ein Phänomen, um die Welt zu verstehen. Daher brauchen wir auch keine Vorstellung davon, welche Begriffe die Leute suchen, wenn es darum geht, wie und wo sich eine Grippewelle ausbreitet. Man kann die Entwicklung von Flugpreisen voraussagen ohne zu wissen, wie die Preispolitik der Airlines angelegt ist. Die Ergebnisse werden ohne solche Hypothese schneller vorliegen und weniger Tendenzen aufweisen. I 111 Rechtschreibkontrolle: Gegenüber Microsoft, das Millionen von Dollar in die Verbesserung seiner Rechtschreibkontrolle investierte, bekam Google sein System praktisch umsonst, indem es einfach die täglichen drei Milliarden Sucheingaben untersuchte. I 112 Google war mit dieser Idee übrigens nicht das erste Unternehmen. Im Jahr 2000 hatte Yahoo schon diese Idee. Man verwarf das damals jedoch, weil man alte Daten damals als Müll betrachtete. Daten/Mayer-Schönberger. I 149 Wahrnehmung/Daten/Big Data/Mayer-Schönberger: Unsere Wahrnehmungen Wahrnehmungsorgane wurden für eine Welt knapper Information ausgebildet, nicht für eine Welt des Überflusses an Daten. I 158 In mehr als der Hälfte der amerikanischen Staaten wird Datenanalyse eingesetzt um Entscheidungen darüber zu stützen, ob ein Strafgefangener aus der Haft entlassen werden sollte. I 178 Regeln: Computersysteme gründen ihr Verhalten meist auf Regeln, die man zurückverfolgen kann, wenn es zu Fehler gekommen ist. Im Fall der Big Data-Analyse ist das viel schwieriger. Die Basis dessen, was Algorithmen vorhersagen ist zu verzwickt für die meisten Leute. I 179 Es besteht die Gefahr, dass Big Data-Prognosen zur Black Box werden. |
MSchoen I Viktor Mayer-Schönberger Big Data: A Revolution That Will Transform How We Live, Work, and Think New York 2013 |
| Bilder | Flusser | Blask I 26 Bild/Flusser: These: Der Mensch vergisst, dass er es war, der die Bilder erzeugte. Imagination ist in Halluzination umgeschlagen. >Vorstellung, >Halluzination. Flusser I 111 ff Bild/Flusser: Spezifische Definition: mit Symbolen bedeckte Fläche. Def Bild: Ein Bild ist eine Reduktion der "konkreten" vierdimensionalen Verhältnisse auf zwei Dimensionen. Bsp Höhlenmalereien von Lascaux lassen sich als "prospektive Projektionen" betrachten: Ihre Absicht war wohl nicht "konkrete Sachlagen" darzustellen (etwa eine Anatomiestunde) sondern gewünschte Sachlagen zu entwerfen: einer Jagdmagie zu dienen. Sie wollen nicht zeigen, wie Ponies sind, sondern was man tun muss um sie zu jagen. Andererseits ist an einer Straßenkarte wenig Magie: Sie zeigt nicht wie Straßen sein sollen, sondern wie sie tatsächlich sind. Und dennoch hat sie einen "Wert" Sie zeigt dem Fahrer, was er tun soll, um in die Stadt zu kommen. Dann sind sie "gute Bilder" I 112 Bsp Lascaux: Die Höhlenmalereien sind "gute Bilder" wenn sie zu Jagdglück verhelfen, und das tun sie, wenn sie die Anatomie der Ponies richtig wiedergeben. Viele Bilder sind gefällig gestaltete Flächen, weder Straßen noch Ponies, und diese meint man gemeinhin mit Bildern. I 135 Bild/Flusser: Def Technobilder/Flusser: Bilder, die nicht Szenen, sondern Texte bedeuten: Bsp Gleichungen, die zu Atombomben führen, bestehen aus unvorstellbaren Symbolen. Daher kann der Text, den diese Gleichungen bilden, nicht als bedeutungslos angesehen werden. aber die Atombombe selbst ist in einem seltsamen Sinn unvorstellbar. Und dasselbe gilt für den Fernsehapparat, das Auto, kurz für die meisten unserer Produkte der Technik. Wenn solche Texte funktionieren, führen sie zu noch wahnsinnigeren Codes. I 137 ff Technobilder: Wir glauben Filme zu kritisieren, Fernsehprogramme zu verstehen: das ist ein gefährlicher Irrtum. Die Entschlüsselung ist viel schwieriger. traditionelles Bild: Szene < Bild < Mensch Technobild: Szene > Bild > Mensch Traditionelle Bilder sind von Menschen gemacht, Technobilder sind von Apparaten gemacht. I 138 Im traditionellen Bild ist die Kausalkette zwischen Szene und Bild durch den Menschen unterbrochen. Bei Technobild ist die Kausalkette nicht unterbrochen, das Technobild ist direkte Folge der Szene, allerdings kann nicht von einer Kausalkette zwischen Wirklichkeit und Bild gesprochen werden. Der naive Glaube, man müsse nicht erst lernen, Kinoplakate oder Werbung zu entziffern, trägt zu der Verfremdung bei, die diese Bilder bewirken. Technischer Text ↔ Apparat Operator ↔ Technobild >Verfremdung, >Verstehen, >Interpretation, >Deutung. I 139 Def Technobild/Flusser: Technobilder sind Flächen, die mit Symbolen bedeckt sind, welche Symbole linearer Texte bedeuten. >Symbole, >Texte. Bsp Die Röntgenaufnahme des gebrochenen Arms ist für den Arzt zugleich Landkarte und auch Modell , wie der Arm zu behandeln ist, also "prospektiv" und sie ist "schön" insoweit sie wahr und gut ist. Die Spezifität der Technobilder ist weder in der Methode der Erzeugung (durch Apparate) noch in dem Material (Kathodenröhren) zu suchen. Technobilder sind wie alle Bilder Symbole, aber sie bedeuten nicht wie traditionelle Bilder Szenen, sondern sie bedeuten Begriffe. Def Technobild: bedeutet Begriffe, bedeutet Texte. >Begriffe. Insofern sind auch traditionell erzeugte Bilder, insoweit sie Begriffe bedeuten, Technobilder: Blueprints, Diagramme, Kurven in Statistiken usw. Seltsame Verwandtschaft von Technobildern mit Ideogrammen: beide sind Bilder, die Begriffe bedeuten. Allerdings hat "Begriff" in beiden Fällen nicht die gleiche Bedeutung. >Meinen, >Bedeutung. Bsp Man "fühlt" dass die Zahl "2", also ein Ideogramm eine ganz andere Art von Symbol ist, als z.B. die Fotografie eines BH in der Werbung, also ein Technobild, obwohl beide Begriffe bedeuten. Das Wesentliche der Technocodes zerrinnt immer zwischen den Fingern. Ideogramme Übersetzung in alphabetischen Code. "Zwei und zwei ist vier" und 2+2=4: der erste scheint die Beschreibung des zweiten zu sein. Wir haben die Tendenz, in ideogrammatische Codes, obwohl sie linear sind, Bilderschriften zu sehen. "2+2=4"ist aber nicht das Bild einer linearen Sachlage! LL Er ist die Beschreibung einer Szene! >Zahlen, >Ziffern. I 141 Ideogramme: sind nicht Bilder sondern Symbole vom Typus "Buchstabe". Def Szene: ist nichtlinear. Def Text: ist linear. Def Ideogramme: Begriffe, welche Bilder bedeuten. Ideogramme sind wie Technobilder übersprachlich. Bsp Sie können auch mit "Two and two makes four" und "Kauf einen BH!" oder Buy a bra!" übersetzt werden. Traditionelle Bilder sind "untersprachlich". Sie werden besprochen. Menschen können sich zwar mit Bildern verständigen, trotzdem ist der Glaube falsch, sie seien "allgemein verständlich". I 143 Technobilder: Die Übersetzung von Technobildern liegt in einer ganz anderen Richtung jenseits der gesprochenen Sprache als die Übersetzung von H20 in "water". Bsp "P" . "Parken erlaubt" / "Parking permitted" auf den ersten Blick ähnlich, aber diese neuartige Codeart muss das Alphabet mit der Zeit vernichten. >Übersetzung. Selbst wenn das "P" durch das Piktogramm eines Wagens ersetzt wird. Es könnte auch durch eine Reproduktion der Mona Lisa ersetzt werden. >Konvention. Die Art wie wir lernen, sie zu befolgen ist eine andere Art, als die nach der wir mathematische Formeln oder alphabetische Texte lernen. >Lernen. I 146 Technobilder bedeuten Texte. Bsp Die Fotografie im Elektronenmikroskop bildet physikalische Texte ab, der Film Verhältnisse aus einem Filmskript, die statistische Kurve bildet Verhältnisse ab, die ökonomische Texte im Hinblick auf eine ökonomische Tendenz aufstellen. Technocodes a) Plakate: sind direkt verständlich b) Röntgenaufnahme: muss entschlüsselt werden. Bsp Wenn wir bei einer roten Ampel auf die Bremse drücken, tun wir nicht so, als ob wir einen Text läsen, sondern als ob wir ein Bild sähen, wo ein Fuß ein Bremspedal drückt. >Code/Flusser und Technologie/Flusser. I 162 Technobild/Flusser: Nur Archäologen oder Biologen, Astronomen oder Physiker verwenden Technobilder "richtig", nämlich als Symbole von Begriffen. Bild/Flusser: Videokunst liefert keine Technobilder, weil sie dort nicht Bilder für Begriffe sind. I 163 Irrglaube: Technobilder seien Codes der Massenmedien. Die Gesellschaft ist nur an Technobildern, die amphitheatralisch ausgestrahlt werden, interessiert und wird von der Kunst-Diskussion völlig kalt gelassen. >Gesellschaft, >Kunst, >Ästhetik. |
Fl I V. Flusser Kommunikologie Mannheim 1996 Blask I Falko Blask Jean Baudrillard zur Einführung Hamburg 2013 |
| Bildung | Friedman | Landsburg I 66 Bildung/Friedman/Landsburg: Sollte es öffentliche Schulen geben, und wenn ja, warum? Es reicht nicht aus, zu argumentieren, dass Schulbildung wertvoll ist, denn viele Dinge (einschließlich Nahrung und Unterkunft) sind wertvoll, aber die meisten Menschen sind nicht der Meinung, dass diese Dinge vom Staat bereitgestellt werden sollten. Schulen: Was macht Schulbildung anders? Eine mögliche Antwort: Die Lebensmittel, die man kauft, kommen der eigenen Familie zugute, während die Bildung, die man kauft, der gesamten Gemeinschaft zugutekommt, denn Lese- und Schreibkenntnisse und andere Grundfertigkeiten sind notwendig, um eine stabile Demokratie zu erhalten. Öffentliche Schulen: Wenn Sie also nicht außerordentlich gemeinschaftsorientiert sind, könnten Sie sich, wenn Sie selbst für die Bildung Ihrer Kinder sorgen müssten, dafür entscheiden, sie zu wenig auszubilden. Aber selbst das ist bestenfalls ein Argument für die öffentliche Finanzierung von Bildung, nicht für die öffentliche Bereitstellung von Bildung. Das sind sehr unterschiedliche Dinge, und man kann das eine ohne das andere haben. Friedman: In einem Aufsatz von 1955(1) hat Milton Friedman genau das vorgeschlagen: Ein System von Bildungsgutscheinen, bei dem der Staat ein Mindestmaß an Schulbildung vorschreibt und den Eltern Gutscheine aushändigt, die sie bei einer zertifizierten Einrichtung ihrer Wahl für diese Schulbildung einlösen können. Denjenigen, die über das Mindestmaß hinausgehende Bildung erwerben wollen, stünde es natürlich frei, dies auf eigene Kosten zu tun. Gutscheinsystem: Ein Gutscheinsystem würde das Ziel der Bereitstellung von Bildung für alle auf eine Art und Weise erreichen, die die Rolle des Staates minimiert und die Möglichkeiten der elterlichen Wahl maximiert. Es bringt alle Vorteile des Wettbewerbs mit sich, da die Schulen einen Anreiz erhalten, Schüler anzuziehen, indem sie die Qualität aufrechterhalten. Das bedeutet auch, dass man, wenn man sehr arm ist, eine Chance hat, seine Kinder auf eine ziemlich gute Schule zu schicken, ohne dass man seine Familie entwurzeln und quer durch die Stadt in einen anderen Schulbezirk ziehen muss. Staatliches Monopol: Die Alternative ist im Wesentlichen ein staatliches Monopol. Wie Friedman schrieb: „Man kann einen monopolistischen Anbieter einer Dienstleistung nicht dazu bringen, den Wünschen seiner Kunden viel Aufmerksamkeit zu schenken, vor allem, wenn er seine Mittel nicht einmal direkt von seinen Kunden erhält.“ In der Regel sind die Menschen sparsam, wenn sie ihr eigenes Geld ausgeben, und sie verlangen einen guten Gegenwert, wenn sie Geld für sich selbst ausgeben. Landsburg I 67 Aber zum größten Teil geben die Schulverwaltungen das Geld anderer Leute für die Kinder anderer Leute aus, was ein Rezept für Verschwendung und Nachlässigkeit ist. Zwischen 1970 und 1982 haben sich die Schulausgaben in den USA verfünffacht, während die Qualität der Schulen abnahm. Friedmans Aufsatz über die Schulwahl war zunächst für ein Publikum von Wirtschaftswissenschaftlern geschrieben worden, aber er nahm eine aktualisierte Version als Kapitel in Kapitalismus und Freiheit auf, um die Idee der Gutscheine der breiten Öffentlichkeit vorzustellen. (Wie Friedman betonte, war die Idee nicht ohne Präzedenzfall - sie wurde teilweise durch die GI Bill inspiriert, mit der Soldaten, die aus dem Zweiten Weltkrieg zurückkehrten, Bildungsgutscheine als Belohnung für ihren Dienst erhielten.) Bildungspolitik: Von dort aus gelangte die Idee in den politischen Mainstream. Für den Rest ihres Lebens setzten sich Milton und Rose Friedman für die Wahlfreiheit im Bildungswesen ein, indem sie ihre Argumente in Printmedien und bei Medienauftritten vortrugen, Lobbyarbeit bei Entscheidungsträgern leisteten, Gelder zur Unterstützung von politischen Initiativen und Volksabstimmungen sammelten und die Milton and Rose Friedman Foundation (heute umbenannt in edChoice) gründeten, die die Arbeit der Friedmans fortsetzt, Forschung fördert und Eltern über die Wahlmöglichkeiten aufklärt, die nun zur Verfügung stehen. >Bildungspolitik. 1. Zum Thema Bildungswahl: Friedmans Aufsatz von 1955, in dem er Gutscheine vorschlägt, „The Role of Government in Education“, ist in dem von Robert Solow herausgegebenen und von der Rutgers University Press veröffentlichten Buch Economics and the Public Interest enthalten. |
Econ Fried I Milton Friedman The role of monetary policy 1968 Landsburg I Steven E. Landsburg The Essential Milton Friedman Vancouver: Fraser Institute 2019 |
| Bildung | Morozov | I 8 Bildung/Erziehung/Morozov: Digitale Technologien könnten eine perfekte Lösung für einige Probleme sein, aber diese Probleme beinhalten keine Bildung - nicht, wenn wir unter Bildung die Entwicklung der Fähigkeiten verstehen, kritisch über ein bestimmtes Thema nachzudenken. Online-Ressourcen könnten den Studenten dabei helfen, viele neue Fakten zu lernen (oder "Fakten", falls sie nicht überprüfen, was sie auf Wikipedia lernen), aber solche Fakten sind weit entfernt von dem, was Universitäten anstreben, um ihre Studenten zu unterrichten. Pamela Hieronymi, Professorin für Philosophie an der University of California, Los Angeles (UCLA), betont in einem wichtigen Essay über die Mythen des Online-Lernens: "Bildung ist nicht die Übertragung von Informationen oder Ideen. Bildung ist die Ausbildung, die notwendig ist, um Informationen und Ideen zu nutzen.(1) >Lernen, >Bildungspolitik. 1. Pamela Hieronymi, “Don’t Confuse Technology with College Teaching,” Chronicle of Higher Education, August 13, 2012, http:// chronicle.com/ article/ Dont-Confuse-Technology-With/ 133551. |
Morozov I Evgeny Morozov To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism New York 2014 |
| Bildung | Multikulturalismus | Gaus I 253 Bildung/Religion/Multikulturalismus/Kukathas: Kymlicka (1995a(1):163) erkennt zum Beispiel das Dilemma an, in dem sich die Liberalen hier befinden, legt aber nahe, dass die Kinder am Ende so erzogen werden müssen, dass sie die Wege, die sie einschlagen werden, selbst wählen. Andere haben jedoch nachdrücklicher betont, dass die Erziehung von Kindern zweifellos von grundlegender Bedeutung ist, sowohl aus der Perspektive des einzelnen Kindes als auch aus der Perspektive des Gaus I 254 liberalen Staates - und dies sollte Vorrang vor religiösen oder anderen Ansprüchen haben. Bildung ist Bildung für Staatsbürgerschaft. Macedo: Stephen Macedo argumentiert zum Beispiel, dass diejenigen, die sich den Multikulturalismus zu eigen machen nicht vergessen, dass "liberale Bürger nicht auf natürliche Weise entstehen", dass Vielfalt "für liberaldemokratische Zwecke konstituiert werden muss". Seiner Ansicht nach müssen Kinder so erzogen werden, dass sie liberale Bürger werden (Macedo, 1995a(2): 68; und auch Macedo, 1995b(3); 2000(4)). Gutmann: Eine ähnliche Ansicht vertritt Amy Gutmann, auch wenn sie sich bemüht, die Bedeutung einer multikulturellen Erziehung und die Gefahren einer Schulbildung zu betonen, die die Vielfalt der Traditionen in einer Gesellschaft ignoriert. Bildung muss letztlich eine Erziehung zur demokratischen Staatsbürgerschaft sein, wenn auch nicht nur zur Staatsbürgerschaft (Gutmann, 1996(5)). Walzer: Dass sie auch dazu neigen wird, Minderheiten zu assimilieren und auf die Transformation von Religionsgemeinschaften hinzuarbeiten, kann nicht geleugnet werden und muss daher akzeptiert werden (Walzer, 1995(6): 29). Callan: Wie Eamonn Callan bemerkt: "Schulen müssen in irgendeiner Weise sowohl das Interesse an der Bildung von Identität ehren, die zu Recht den Eltern gehört, und das Interesse, das wir alle als Mitglieder einer bürgerlichen Gemeinschaft teilen" (2000(7): 66; siehe auch Callan, 1997)(8). Religion/Gruppen/Staat: Das Spannungsfeld zwischen den Ansprüchen von Staat und Religionsgemeinschaft, wenn es um die Behandlung und Erziehung von Kindern geht, ist bei zahlreichen Gelegenheiten in Rechtsfällen aufgetaucht, die wiederum eine beträchtliche Debatte in der politischen Theorie ausgelöst haben. Beispiel: 1972 entschied der Oberste Gerichtshof der Vereinigten Staaten im Fall Wisconsin gegen Yoder zugunsten von Amish-Eltern der alten Ordnung, die ihre Kinder nach der achten Klasse aus den staatlichen Schulen von Wisconsin abziehen wollten, zwei Jahre früher, als es die gesetzlichen Anforderungen an die Schulpflicht erlaubten. Erläuterung: Eine Reihe von Theoretikern haben argumentiert, dass dies eine schlechte Entscheidung war, entweder weil sie die Interessen des Kindes vernachlässigt, obwohl dies nicht übertrieben werden sollte, da es nur um zwei zusätzliche Ausbildungsjahre ging (Feinberg, 1980(9); Gutmann, 1980(10)), oder weil sie die Bedeutung der Bildung für die Staatsbürgerschaft nicht anerkennt (Arneson und Shapiro, 1996)(11). Andere haben jedoch argumentiert, dass der liberale Staat sich der widerrechtlichen Aneignung der elterlichen Autorität widersetzen sollte, um seine Meinung darüber durchzusetzen, was die beste Lebensweise für das Kind ist (Burt, 1996(12): 432). Probleme: (...) Liberale Theoretiker waren geteilter Meinung über die Grenzen der elterlichen Autorität und den Spielraum für Ausnahmen aufgrund religiöser oder kultureller Überzeugungen (vgl. Callan, 1997(8) und Tomasi, 2001(13)). Eines der Dilemmata, die sich aus solchen Umständen ergeben, ist die Frage, ob man die Kosten für die Gewährung von Befreiungen oder die Kosten für deren Verweigerung tragen soll. Wenn die Kosten für die Gewährung von Ausnahmeregelungen für Eltern darin bestehen, dass ihre Kinder nicht einer Vielfalt von Ansichten ausgesetzt werden (was sie vermutlich zu besseren Bürgern machen würde), könnten die Kosten für die Verweigerung von Ausnahmeregelungen für Eltern darin bestehen, dass sich mehr Eltern dazu entschließen, ihre Kinder zu Hause zu unterrichten, wodurch sie noch stärker vom demokratischen Mainstream abgeschnitten werden (Reich, 2002(14)). Kopftuch-Affäre: [Frankreich 1989]: In diesem Fall ergab sich ein Problem, weil drei nordafrikanische Immigrantinnen in einer französischen öffentlichen Sekundarschule sich dafür entschieden, ihr Kopftuch im Unterricht zu tragen, eine Geste, die als Herausforderung an die nationale Politik des Säkularismus in den Schulen interpretiert wurde. Wie Bhikhu Parekh anmerkt, "traf diese Frage den Kern der französischen Vorstellungen von Staatsbürgerschaft und nationaler Identität und spaltete das Land" (2000(15): 250). Aber es spaltete auch die politischen Theoretiker (Galeotti, 1993(16); 1994; Moruzzi, 1994a(17); 1994b(18)). Kukathas: In dieser wie auch in anderen Kontroversen um die Kleiderfrage besteht das Problem darin, dass Kleidung nicht eindeutig eine Privatangelegenheit ist. Laizismus: Im Fall des Kopftuchs wurde das Problem jedoch durch das französische Bildungssystem und sein philosophisches Prinzip, die Laizität, vertieft, das staatliche Neutralität gegenüber "allen Arten religiöser Praktiken fordert, institutionalisiert durch eine wachsame Entfernung religiöser Symbole, Zeichen, Ikonen und Kleidungsstücke mit Sektencharakter aus der offiziellen Öffentlichkeit" (Benhabbib, 2002(19): 95-6). Kukathas: Wie dies mit anderen öffentlichen Verpflichtungen zur Religions- und Gewissensfreiheit sowie zur persönlichen Freiheit in Einklang gebracht werden sollte, wurde völlig undurchsichtig. Vgl. >Sitten/Moral/Multikulturalismus. 1. Kymlicka, Will (1995a) Multicultural Citizenship: A Liberal Theory of Minority Rights. Oxford: Oxford University Press. 2. Macedo, Stephen (1995a) 'Multiculturalism for the religious right? Defending liberal civic education'. In Yael Tamir, Hrsg., Democratic Education in a Multicultural State. Oxford: Blackwell, 65—80. 3. Macedo, Stephen (1995b) 'Liberal civic education and religious fundamentalism: the case of God v. John Rawls'. Ethics, 105:468-96. 4. Macedo, Stephen (2000) Democracy and Distrust: Civic Education in a Multicultural Democracy. Cambridge, MA: Harvard University Press. 5. Gutmann, Amy (1996) 'Challenges of multiculturalism in democratic education'. In Robert K. Fullinwider, Hrsg., Public Education in a Multicultural Society: Policy, Theory, Critique. Cambridge: Cambridge University Press, 156-79. 6. Walzer, Michael (1995) 'Education, democratic citizenship, and multiculturalism'. In Yeal Tamir, Hrsg., Democratic Education in a Multicultural State. Oxford: Blackwell, 23-32. 7. Callan, Eamonn (2000) 'Discrimination and religious schooling'. In Will Kymlicka and Wayne Norman, eds, Citizenship in Diverse Societies. Oxford: Oxford University Press, 45—67. 8. Callan, Eamonn (1997) Creating Citizens: Political Education and Liberal Democracy. Oxford: Oxford University Press. 9. Feinberg, Joel (1980) 'The child's right to an open future'. In William Aiken and Hugh LaFollette, eds, Whose Child? Children's Rights, Parental Authority, and State Power. Totowa, NJ: Littlefield Adams. 10. Gutmann, Amy (1980) 'Children, paternalism and education'. Philosophy and Public Affairs, 9 (4): 338—58. 11. Arneson, Richard and Ian Shapiro (1996) 'Democratic autonomy and religious freedom: a critique of Wisconsin v. Yoder'. In Ian Shapiro and Russell Hardin Hrsg., Political Order: NOMOS XXXVIII. New York: New York University Press, 365—411. 12. Burt, Shelley (1996) 'In defense of Yoder. parental authority and the public schools'. In Ian Shapiro and Russell Hardin, Hrsg., Political Order: NOMOS XXXVIII. New York: New York Umversity Press, 412—37. 13. Tomasi, John (2001) Liberalism Beyond Justice. Princeton, NJ: Princeton University Press. 14. Reich, Rob (2002) Bridging Liberalism and Multiculturalism in American Education. Chicago: Umversity of Chicago Press. 15. Parekh, Bhikhu (2000) Rethinking Multiculturalism: Cultural Diversity and Political Theory. London: Macmillan. 16. Galeotti, Anna Elisabetta (1993) 'Citizenship and equality: the place for toleration'. Political Theory, 21 (4): 585-605. 17. Moruzzi, Norma Claire (1994a) 'A problem with headscarves: contemporary complexities of political and social identity'. Political Theory, 22 (4): 653—72. 18. Moruzzi, Norma Claire (1994b) 'A response to Galeotti'. Political Theory, 22 (4): 678_9. 19. Benhabib, seyla (2002) The Claims of Culture: Equality and Diversity in the Global Era. Princeton, NJ: Princeton Umversity Press. Kukathas, Chandran 2004. „Nationalism and Multiculturalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Bildungspolitik | Makroökonomie | Mause I 513f Bildungspolitik/Wirtschaftswachstum/Makroökonomie: der Zusammenhang zwischen Bildung und Wirtschaftswachstum wird untersucht in Wößmann und Piopiunik (2009)(1) und Wößmann (2009)(2). Siehe auch die Bildungsberichte der deutschen Bundesregierung.(3) Grundlage der Diskussion sind makroökonomische Modelle (Wößmann und Piopunik 2009; Hanushek und Wößmann 2007 (4)), mit deren Hilfe versucht wird, die Kosten mangelnder Förderung und Bildung in Form von entgangenem Wirtschaftswachstum zu prognostizieren. Makroökonomik: untersucht bildungspolitische Entscheidungen in Hinblick auf ihre ökonomischen Konsequenzen. Neoklassische Theorien: hier ist Bildung ein akkumulierbarer Produktionsfaktor (Siehe Humankapital/Wirtschaftstheorien). Endogene Wachstumsmodelle: argumentieren mit einem notwendigen technischen Wandel: neues technologisches Wissen hilft, Innovationen umzusetzen. Modelle der technologischen Diffusion: hier geht es nicht primär um die Schaffung neuen Wissens, sondern um die Implementierung neuer Technologien, wobei Lernen und Verstehen wesentliche Voraussetzungen sind. 1. Wößmann, Ludger, und Marc Piopiunik. Was unzureichende Bildung kostet. Sonderauswertung für Nordrhein-Westfalen. Eine Sonderberechnung der Folgekosten durch entgangenes Wirtschaftswachstum. Bertelsmann Stiftung, Gütersloh 1999 2. Wößmann, Ludger, und Marc Piopiunik. 2009. Was unzureichende Bildung kostet. Eine Berechnung der Folgekosten durch entgangenes Wirtschaftswachstum. Gütersloh 2009 3. Autorengruppe Bildungsberichterstattung, Bildung in Deutschland 2014 Ein indikatorengestützter Bericht mit einer Analyse zur Bildung von Menschen mit Behinderungen. Bielefeld 2014. 4. Hanushek, Eric A., und Ludger Wößmann. 2007. The role of school improvement in economic development. NBER Working Paper Nr. 12832. Cambridge, MA: National Bureau of Economic Research. |
Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Bimetallismus | Rothbard | Rothbard III 898 Bimetallismus/Rothbard: Preiskontrolle/relative Preise: Wann immer der Staat einen willkürlichen Wert oder Preis für ein Geld in Bezug auf ein anderes festlegt, etabliert er damit eine effektive Mindestpreiskontrolle für das eine Geld und eine Höchstpreiskontrolle für das andere, wobei die „Preise“ in Bezug zueinander stehen. >Relativer Preis/Rothbard. Bimetallismus: Dies war zum Beispiel das Wesen des Bimetallismus. Im Bimetallismus erkannte eine Nation Gold und Silber als Geld an, legte aber einen willkürlichen Preis oder ein Tauschverhältnis zwischen ihnen fest. Wenn dieser willkürliche Preis vom Preis auf dem freien Markt abwich (was mit der Zeit immer wahrscheinlicher wurde, da sich der Preis auf dem freien Markt änderte, während der willkürliche Preis der Regierung derselbe blieb), wurde das eine Geld von der Regierung überbewertet und das andere unterbewertet. Nehmen wir also an, dass ein Land Gold und Silber als Geld verwendet und die Regierung das Verhältnis zwischen ihnen auf 16 Unzen Silber : 1 Unze Gold festlegt. >Preiskontrollen/Rothbard, >Greshams Gesetz/Rothbard. Rothbard III 899 Der Marktpreis, vielleicht 16:1 zum Zeitpunkt der Preiskontrolle, ändert sich dann auf 15:1. Was ist das Ergebnis? Silber wird nun von der Regierung willkürlich unterbewertet und Gold willkürlich überbewertet. Mit anderen Worten: Silber wird billiger festgelegt, als es in Bezug auf Gold auf dem Markt tatsächlich ist, und Gold wird gezwungen, teurer zu sein, als es in Bezug auf Silber tatsächlich ist. Die Regierung hat ein Preismaximum für Silber und ein Preisminimum für Gold festgelegt, und zwar im Verhältnis zueinander. Daraus ergeben sich nun die gleichen Konsequenzen wie bei jeder wirksamen Preiskontrolle. Bei einem Höchstpreis für Silber übersteigt die Goldnachfrage nach Silber nun die Silbernachfrage nach Gold (umgekehrt ist bei einem Mindestpreis für Gold die Silbernachfrage nach Gold geringer als die Goldnachfrage nach Silber). Problem: Greshamsches Gesetz/VsBimetallismus: Gold sucht nach Silber im unverkauften Überschuss, während Silber knapp wird und aus dem Umlauf verschwindet. Das Silber verschwindet in ein anderes Land oder Gebiet, wo es zum freien Marktpreis getauscht werden kann, und das Gold fließt wiederum in das Land. Welt: Wenn der Bimetallismus weltweit ist, verschwindet Silber auf dem „Schwarzmarkt“, und der offizielle oder offene Tausch erfolgt nur mit Gold. VsBimetallismus: Kein Land kann also in der Praxis ein bimetallisches System aufrechterhalten, da das eine Geld gegenüber dem anderen immer unter- oder überbewertet sein wird. Das überbewertete Geld verdrängt immer das andere aus dem Umlauf, da letzteres knapp ist. >Greshamsches Gesetz. Fiat-Geld: Ähnliche Konsequenzen ergeben sich aus der Preiskontrolle durch die Festlegung willkürlicher Wechselkurse für Fiat-Geld und die willkürliche Gleichsetzung neuer und abgenutzter Münzen, wenn sie sich erkennbar im Gewicht unterscheiden. >Tauschverhältnis/Rothbard. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Blasenbildung | Sunstein | I 140 Blasenbildung/Märkte/Ökonomie/Sunstein: Blasen entsteht oft, wenn Menschen nicht etwa glauben, dass eine Aktie großen Wert hat, sondern wenn sie glauben, dass andere Menschen dies glauben. Sie investieren mit der Erwartung, dass der Wert der Aktie aufgrund der Erwartungen andere Marktteilnehmer steigen wird.(1) Vorhersagemärkte/prediction markets/Sunstein: Vorhersagemärkte können in Informationsmärkten auch Blasen entstehen? Natürlich. Investoren können sich in eine Richtung bewegen, weil sie erwarten, dass andere Investoren dies tun. >Information/Wirtschaftstheorie, >Informationsmärkte. I 141 In der Kampagne zur Präsidentschaftswahl 2004 gab es ein Gerücht über Kerry, dass erhebliche Ausschläge provozierte.(2) 1. See Robert Shiller, Irrational Exuberance, 2d ed. (Princeton, NJ: Princeton University Press, 2005), p. 2. 2. See Erin Jordan, “Iowa Electronic Markets Yield Near-Accurate Result,” Des Moines Register, Nov. 10, 2004, 5B. |
Sunstein I Cass R. Sunstein Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge Oxford 2008 Sunstein II Cass R. Sunstein #Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media Princeton 2017 |
| Bodenwertsteuer | George | Rothbard III 934 Bodenwertsteuer/Henry George/Rothbard: Wo immer Steuern anfallen, verderben, behindern und verzerren sie die produktive Tätigkeit des Marktes. Es ist klar, dass eine Lohnsteuer die Verteilung der Arbeitsleistung verzerrt, eine Gewinnsteuer den Gewinn- und Verlustmotor der Wirtschaft lähmt, eine Zinssteuer dazu neigt, Kapital zu verbrauchen, usw. Henry George/Georgismus/Rothbard: Eine allgemein anerkannte Ausnahme von dieser Regel ist die Doktrin von Henry George, dass Bodeneigentümer keine produktive Funktion ausüben und dass die Regierung daher den Grundstückswert sicher besteuern kann, ohne das Angebot an produktiven Dienstleistungen auf dem Markt zu verringern. Rothbard: Dies ist die ökonomische und nicht die moralische Begründung für die berühmte „Einheitssteuer“. Unglücklicherweise haben nur sehr wenige Ökonomen diese Grundannahme in Frage gestellt, da der Vorschlag einer einzigen Steuer im Allgemeinen aus rein pragmatischen („es gibt in der Praxis keine Möglichkeit, den Wert des Grundstücks vom Wert der Verbesserungen zu unterscheiden“) oder konservativen („es wurde zu viel in das Grundstück investiert, um die Grundstückseigentümer jetzt zu enteignen“) Gründen abgelehnt wird.(1) RothbardVsGeorge, Henry/RothbardVsGerogismus/VsBodenwertsteuer: Doch diese zentrale georgistische Behauptung ist völlig unzutreffend. Der Eigentümer von Grund und Boden erbringt eine sehr wichtige produktive Leistung. Er findet Grundstücke, bringt sie in Gebrauch und vergibt sie dann an die wertvollsten Bieter. Wir dürfen uns nicht von der Tatsache täuschen lassen, dass der physische Bestand an Grund und Boden zu einem bestimmten Zeitpunkt festgelegt ist. Rothbard III 935 Besteuerung von Grund und Boden: Im Fall von Grund und Boden, wie bei anderen materiellen Gütern, ist es nicht nur das physische Gut, das verkauft wird, sondern ein ganzes Bündel von Dienstleistungen zusammen mit ihm - unter denen die Dienstleistung der Übertragung des Eigentums vom Verkäufer zum Käufer ist, und zwar auf effiziente Weise. Grund und Boden sind nicht einfach nur vorhanden; sie müssen dem Nutzer vom Eigentümer zur Verfügung gestellt werden (ein und derselbe Mann kann natürlich beide Funktionen erfüllen, wenn der Boden „vertikal integriert“ ist)(2) >Produktionsstruktur. Bodenrente: Der Grundeigentümer erzielt die höchsten Bodenrenten, indem er die Grundstücke den wertvollsten, d. h. den von den Verbrauchern am meisten gewünschten Nutzungen zuweist. Insbesondere darf nicht übersehen werden, welche Bedeutung der Standort und die produktive Leistung des Grundstückseigentümers für die Sicherstellung der produktivsten Standorte für die jeweilige Nutzung haben. Grundsteuer/Klassische Ökonomie/Rothbard: Die Ansicht, dass die Inanspruchnahme von Grundstücken und die Entscheidung über ihren Standort nicht wirklich „produktiv“ ist, ist ein Überbleibsel der alten klassischen Ansicht, dass eine Dienstleistung, die nicht greifbar etwas Physisches „schafft“, nicht „wirklich“ produktiv ist.(3) Die Produktivität: Tatsächlich ist diese Funktion genauso produktiv wie jede andere, und sie ist eine besonders wichtige Funktion. Diese Funktion zu behindern und zu zerstören, würde die Marktwirtschaft zerstören.(4) 1. So hat sogar ein so bedeutender Ökonom wie F.A. Hayek (...) geschrieben: „Dieses Schema [die Einheitssteuer] für die Vergesellschaftung des Bodens ist in seiner Logik wahrscheinlich das verführerischste und plausibelste aller sozialistischen Schemata. Wenn die faktischen Annahmen, auf denen es beruht, richtig wären, d.h. wenn es möglich wäre, klar zwischen dem Wert der „dauerhaften und unzerstörbaren Kräfte“ des Bodens ... und ... dem Wert aufgrund von ... Verbesserungen ... zu unterscheiden, wäre das Argument für seine Annahme sehr stark.“ (F.A. Hayek, The Constitution of Liberty. [Chicago: University of Chicago Press, 1960], S. 352-53) Siehe auch ein ähnliches Zugeständnis des österreichischen Ökonomen von Wieser. Friedrich Freiherr von Wieser, „The Theory of Urban Ground Rent“ in Louise Sommer, Hrsg., Essays in European Economic Thought (Princeton, N.J.: D. Van Nostrand, 1960), S. 78 ff. 2. Ich kenne niemanden, der die Produktivität von Grundbesitzern so deutlich herausgestellt hat wie Spencer Heath, ein Ex-Georgist. Siehe Spencer Heath, How Come That We Finance World Communism? (vervielfältigtes MS, New York: Science of Society Foundation, 1953); idem, Rejoinder to 'Vituperation Well Answered' by Mr. Mason Gaffney (New York: Science of Society Foundation, 1953); idem, Progress and Poverty Reviewed (New York: The Freeman, 1952). 3. Spencer Heath kommentiert Henry George wie folgt: „Wenn es um die Dienstleistungen der Landbesitzer geht, bleibt er bei seinem Diktum, dass alle Werte physisch sind ... In den Tauschleistungen, die [die Grundbesitzer] erbringen, in ihrer sozialen Verteilung von Grundstücken und Ressourcen, ist keine physische Produktion involviert; daher kann er nicht erkennen, dass sie Anspruch auf irgendeinen Anteil an der Verteilung von physischen Dingen haben und dass der Pachtzins, den sie erhalten, ... nur eine Entschädigung für ihre zwanglosen Verteilungs- oder Tauschleistungen ist.... Er schließt jegliche Wertschöpfung durch die bei der [Land-]Verteilung durch freien Vertrag und Austausch erbrachten Leistungen aus, was die einzige Alternative zu einer gewaltsamen und ungeordneten oder einer willkürlichen und tyrannischen Verteilung von Land ist. (Heath, Progress and Poverty Reviewed, S. 9-10) 4. Zu den Auswirkungen der „Einheitssteuer“ und zu anderen Kritikpunkten siehe Murray N. Rothbard, The Single Tax: Economic and Moral Implications (Irving-ton-on-Hudson, N.Y.: Foundation for Economic Education, 1957); Rothbard, „A Reply to Georgist Criticisms“ (vervielfältigtes MS., Foundation for Economic Education, 1957); und Frank H. Knight, „The Fallacies in the ‚Single Tax‘“, The Freeman, 10. August 1953, S. 810-11. Einer der amüsantesten Einwände ist der des Dekans der georgistischen Wirtschaftswissenschaftler, Dr. Harry Gunnison Brown. Obwohl die Georgisten einen Großteil ihrer ökonomischen Argumentation auf eine scharfe Unterscheidung zwischen dem Eigentum an Grund und Boden und dem Eigentum an Verbesserungen auf diesem Grund und Boden stützen, versucht Brown, die störenden ökonomischen Auswirkungen der Einheitssteuer zu widerlegen, indem er implizit davon ausgeht, dass Grund und Verbesserungen ohnehin denselben Personen gehören! In Wirklichkeit bleiben die störenden Auswirkungen natürlich bestehen; die vertikale Integration durch Einzelpersonen oder Unternehmen hebt das wirtschaftliche Prinzip nicht von einer der integrierten Produktionsstufen auf. Siehe Harry Gunnison Brown, „Foundations, Professors and 'Economic Education“, The American Journal of Economics and Sociology, Januar, 1958, S. 150-52. |
George I Henry George Progress and Poverty: An Inquiry into the Cause of Industrial Depressions and of Increase of Want with Increase of Wealth; The Remedy 1879, 2017 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Bodenwertsteuer | Rothbard | Rothbard III 934 Bodenwertsteuer/Rothbard: Wo immer Steuern anfallen, verderben, behindern und verzerren sie die produktive Tätigkeit des Marktes. Es ist klar, dass eine Lohnsteuer die Verteilung der Arbeitsleistung verzerrt, eine Gewinnsteuer den Gewinn- und Verlustmotor der Wirtschaft lähmt, eine Zinssteuer dazu neigt, Kapital zu verbrauchen, usw. Henry George/Georgismus/Rothbard: Eine allgemein anerkannte Ausnahme von dieser Regel ist die Doktrin von Henry George, dass Bodeneigentümer keine produktive Funktion ausüben und dass die Regierung daher den Grundstückswert sicher besteuern kann, ohne das Angebot an produktiven Dienstleistungen auf dem Markt zu verringern. Rothbard: Dies ist die ökonomische und nicht die moralische Begründung für die berühmte „Einheitssteuer“. Unglücklicherweise haben nur sehr wenige Ökonomen diese Grundannahme in Frage gestellt, da der Vorschlag einer einzigen Steuer im Allgemeinen aus rein pragmatischen („es gibt in der Praxis keine Möglichkeit, den Wert des Grundstücks vom Wert der Verbesserungen zu unterscheiden“) oder konservativen („es wurde zu viel in das Grundstück investiert, um die Grundstückseigentümer jetzt zu enteignen“) Gründen abgelehnt wird.(1) RothbardVsGeroge, Henry/RothbardVsGerogismus: Doch diese zentrale georgistische Behauptung ist völlig unzutreffend. Der Eigentümer von Grund und Boden erbringt eine sehr wichtige produktive Leistung. Er findet Grundstücke, bringt sie in Gebrauch und vergibt sie dann an die wertvollsten Bieter. Wir dürfen uns nicht von der Tatsache täuschen lassen, dass der physische Bestand an Grund und Boden zu einem bestimmten Zeitpunkt festgelegt ist. Rothbard III 935 Besteuerung von Grund und Boden: Im Fall von Grund und Boden, wie bei anderen materiellen Gütern, ist es nicht nur das physische Gut, das verkauft wird, sondern ein ganzes Bündel von Dienstleistungen zusammen mit ihm - unter denen die Dienstleistung der Übertragung des Eigentums vom Verkäufer zum Käufer ist, und zwar auf effiziente Weise. Grund und Boden sind nicht einfach nur vorhanden; sie müssen dem Nutzer vom Eigentümer zur Verfügung gestellt werden (ein und derselbe Mann kann natürlich beide Funktionen erfüllen, wenn der Boden „vertikal integriert“ ist)(2) >Produktionsstruktur. Bodenrente: Der Grundeigentümer erzielt die höchsten Bodenrenten, indem er die Grundstücke den wertvollsten, d. h. den von den Verbrauchern am meisten gewünschten Nutzungen zuweist. Insbesondere darf nicht übersehen werden, welche Bedeutung der Standort und die produktive Leistung des Grundstückseigentümers für die Sicherstellung der produktivsten Standorte für die jeweilige Nutzung haben. Grundsteuer/Klassische Ökonomie/Rothbard: Die Ansicht, dass die Inanspruchnahme von Grundstücken und die Entscheidung über ihren Standort nicht wirklich „produktiv“ ist, ist ein Überbleibsel der alten klassischen Ansicht, dass eine Dienstleistung, die nicht greifbar etwas Physisches „schafft“, nicht „wirklich“ produktiv ist.(3) Die Produktivität: Tatsächlich ist diese Funktion genauso produktiv wie jede andere, und sie ist eine besonders wichtige Funktion. Diese Funktion zu behindern und zu zerstören, würde die Marktwirtschaft zerstören.(4) 1. So hat sogar ein so bedeutender Ökonom wie F.A. Hayek (...) geschrieben: „Dieses Schema [die Einheitssteuer] für die Vergesellschaftung des Bodens ist in seiner Logik wahrscheinlich das verführerischste und plausibelste aller sozialistischen Schemata. Wenn die faktischen Annahmen, auf denen es beruht, richtig wären, d.h. wenn es möglich wäre, klar zwischen dem Wert der „dauerhaften und unzerstörbaren Kräfte“ des Bodens ... und ... dem Wert aufgrund von ... Verbesserungen ... zu unterscheiden, wäre das Argument für seine Annahme sehr stark.“ (F.A. Hayek, The Constitution of Liberty. [Chicago: University of Chicago Press, 1960], S. 352-53) Siehe auch ein ähnliches Zugeständnis des österreichischen Ökonomen von Wieser. Friedrich Freiherr von Wieser, „The Theory of Urban Ground Rent“ in Louise Sommer, Hrsg., Essays in European Economic Thought (Princeton, N.J.: D. Van Nostrand, 1960), S. 78 ff. 2. Ich kenne niemanden, der die Produktivität von Grundbesitzern so deutlich herausgestellt hat wie Spencer Heath, ein Ex-Georgist. Siehe Spencer Heath, How Come That We Finance World Communism? (vervielfältigtes MS, New York: Science of Society Foundation, 1953); idem, Rejoinder to 'Vituperation Well Answered' by Mr. Mason Gaffney (New York: Science of Society Foundation, 1953); idem, Progress and Poverty Reviewed (New York: The Freeman, 1952). 3. Spencer Heath kommentiert Henry George wie folgt: „Wenn es um die Dienstleistungen der Landbesitzer geht, bleibt er bei seinem Diktum, dass alle Werte physisch sind ... In den Tauschleistungen, die [die Grundbesitzer] erbringen, in ihrer sozialen Verteilung von Grundstücken und Ressourcen, ist keine physische Produktion involviert; daher kann er nicht erkennen, dass sie Anspruch auf irgendeinen Anteil an der Verteilung von physischen Dingen haben und dass der Pachtzins, den sie erhalten, ... nur eine Entschädigung für ihre zwanglosen Verteilungs- oder Tauschleistungen ist.... Er schließt jegliche Wertschöpfung durch die bei der [Land-]Verteilung durch freien Vertrag und Austausch erbrachten Leistungen aus, was die einzige Alternative zu einer gewaltsamen und ungeordneten oder einer willkürlichen und tyrannischen Verteilung von Land ist. (Heath, Progress and Poverty Reviewed, S. 9-10) 4. Zu den Auswirkungen der „Einheitssteuer“ und zu anderen Kritikpunkten siehe Murray N. Rothbard, The Single Tax: Economic and Moral Implications (Irving-ton-on-Hudson, N.Y.: Foundation for Economic Education, 1957); Rothbard, „A Reply to Georgist Criticisms“ (vervielfältigtes MS., Foundation for Economic Education, 1957); und Frank H. Knight, „The Fallacies in the ‚Single Tax‘“, The Freeman, 10. August 1953, S. 810-11. Einer der amüsantesten Einwände ist der des Dekans der georgistischen Wirtschaftswissenschaftler, Dr. Harry Gunnison Brown. Obwohl die Georgisten einen Großteil ihrer ökonomischen Argumentation auf eine scharfe Unterscheidung zwischen dem Eigentum an Grund und Boden und dem Eigentum an Verbesserungen auf diesem Grund und Boden stützen, versucht Brown, die störenden ökonomischen Auswirkungen der Einheitssteuer zu widerlegen, indem er implizit davon ausgeht, dass Grund und Verbesserungen ohnehin denselben Personen gehören! In Wirklichkeit bleiben die störenden Auswirkungen natürlich bestehen; die vertikale Integration durch Einzelpersonen oder Unternehmen hebt das wirtschaftliche Prinzip nicht von einer der integrierten Produktionsstufen auf. Siehe Harry Gunnison Brown, „Foundations, Professors and 'Economic Education“, The American Journal of Economics and Sociology, Januar, 1958, S. 150-52. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Bourgeois/Citoyen | Marx | Mause I 49 Bourgeois/citoyen/MarxVsHegel/Marx: Der „politische Staat“ (Marx 1956b, S.351), der der „bürgerlichen Gesellschaft“ (1) historisch zu ihrer Durchsetzung verhalf, ist der bloße Garant dieser atomistischen Gesellschaft des egoistisch seine Privatinteressen verfolgenden bourgeois, dessen Rechte er in Gestalt der liberalen Grund- und Menschenrechte schützt (2). Damit konserviert er jene bourgeoise Existenzweise des (…) von seinem „Gattungswesen“ (3) als Mensch entfremdeten, isolierten Individuums, das in Seinesgleichen nicht die kommunitäre Verwirklichungschance, sondern die Schranke seiner Freiheit sieht. Der citoyen ist nichts als die idealisierte Projektion dieser entfremdeten Gattungswesenheit, und der Staat, der sich dieser Idealisierung gemäß als republikanischer Verwirklichungsraum dieses citoyen präsentiert, erweist sich in Wahrheit als Instrument zur Stabilisierung der bürgerlichen Gesellschaft und der Konkurrenz ihrer Mitglieder. Unter den historischen Bedingungen der bürgerlichen Gesellschaft bleibt daher der citoyen immer dem bourgeois untergeordnet, und ebenso erscheint das Verhältnis von Politik und Wirtschaft in Gestalt einer Zweck-Mittel-Verkehrung. Republikanismus/MarxVsRousseau, MarxVsHegel: Das von Rousseau wie von Hegel projektierte republikanische Ziel ist also für Marx innerhalb der Grenzen der bestehenden Wirtschaftsform nicht zu erreichen. >Bourgeois/Citoyen/Hegel, >Bourgeois/Citoyen/Rouseau. 1. K. Marx, Zur Judenfrage. In Marx Engels Werke, Bd. 1 (MEW 1), Hrsg. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1956, S. 354-356,366-370. 2. Ebenda S. 361-367 3. Ebenda S 366,370. |
Marx I Karl Marx Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Bourgeois/Citoyen | Rousseau | Mause I 46 Citioyen/citizen/Rousseau: Nur in einem republikanischen Gemeinwesen kommt der Einzelne in den Genuss der „bürgerlichen Freiheit“ (1), weil nur die Gesetzeskraft des Gemeinwillens das Eigentumsrecht normativ wirksam begründet und er sich als citoyen zugleich als Urheber aller Gesetze verstehen kann, der damit, indem er der volonté générale gehorcht, letztlich nur sich selbst gehorcht, also autonom ist – eine Einsicht, die wiederum seine „moralische Freiheit“ (2) ausmacht und bei deren Ausbleiben es Rousseau zufolge angebracht ist, dass „man ihn dazu zwingt, frei zu sein“. (3) Im Falle eines Konfliktes zwischen den privaten Interessen des bourgeois und der im gemeinwohlorientierten citoyen verkörperten volonté générale ist also letztere ausschlaggebend, und darin verdichtet sich in paradigmatischer Weise das republikanische Primat der Politik bei Rousseau im Hinblick auf das Verhältnis zur Wirtschaft. >Republik, >Gesellschaft, >Eigentum, >Allgemeininteresse, >Freiheit, >Ökonomie, >Volonté Generale. 1. J.-J. Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag oder Prinzipien des Staatsrechts. In Politische Schriften, Hrsg. Ludwig Schmidts, Bd.1, Paderborn 1977, S. 79 2. Ebenda 3. Ebenda S. 77 |
Rousseau I J. J. Rousseau The Confessions 1953 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Brückengesetze | Cartwright | I 15 CartwrightVsBrückengesetze: Brückengesetze geben eine zu einfache Sicht davon, wie Erklärungen funktionieren, wir müssen zuerst eine Beschreibung der Situation liefern, bevor wir die mathematischen Erfordernisse der Theorie herausfinden können. >Beschreibung, >Situationen, >Experimente, >Tatsachen. I 132 Brücken-Prinzipien/Cartwright: Tradition (Hempel, Grünbaum, Ernest Nagel): Die Propositionen einer Theorie bestehen aus zwei Arten: a) internen Prinzipien: Inhalt der Theorie, Gesetze über das Verhalten der Objekte b) Brücken-Prinzipien: verbinden die Theorie mit zugänglicheren Aspekten der Realität (> "präparierte Beschreibung"). Hempel, früh: Verbindung zu Beobachtungsberichten. - Vs: Das geht nicht, wegen der Theoriebeladenheit der Beobachtung. >Theoriebeladenheit, >Beobachtung. Neu: Verbindung der Theorie mit schon verstandenem Vokabular. >Vokabular, >Beobachtungssprache, >Theoretische Termini. Hempel/spät: (1979)(1) diese Art von Erklärung ist nicht wirklich deduktiv. - HempelVsBrücken-Prinzipien: Problem: sie sind nicht ausnahmslos gültig. I 135 Brücken-Prinzipien: sagen, welche Gleichungen zu wählen sind - (wie wir in die mathematische Sprache hinein und wieder herausgelangen). I 205 CartwrightVsBrückenprinzipien: statt ihrer brauchen wir Einsichten darüber, welcher Operator jeweils der richtige für ein Problem ist - ((s) Operatoren/Cartwright/(s): repräsentieren die Energien, die in einer Situation maßgeblich sind, innerhalb der Gleichungen.) >Gleichungen, >Bedingungen, >Prinzipien. 1.C. Hempel 1979, “Scientific Rationality: Analytic vs. Pragmatic Perspectives”, in Théodore F. Geraets (ed.), Rationality To-Day, Ottawa, Canada: The University of Ottowa Press, 46–58. |
Car I N. Cartwright How the laws of physics lie Oxford New York 1983 CartwrightR I R. Cartwright A Neglected Theory of Truth. Philosophical Essays, Cambridge/MA pp. 71-93 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 CartwrightR II R. Cartwright Ontology and the theory of meaning Chicago 1954 |
| Brückengesetze | Chalmers | I 107 Brückengesetze/Erklärung/Bewusstsein/Chalmers: Die Tatsache, dass Bewusstsein einen gegebenen physischen Prozess begleitet, ist eine zusätzliche Tatsache, nicht erklärbar dadurch, dass man die physikalischen Tatsachen erzählt. >Erklärung, >Kausalerklärung. I 107 Brückengesetze/Brückenprinzipien/Chalmers: Können Brückengesetze vielleicht bei der Erklärung des Bewusstseins helfen? Nein: sie sind ihrerseits nicht reduktiv. Und dass wir sie benötigen, würde gerade wiederum zeigen, dass Bewusstsein nicht reduktiv erklärbar ist. >Bewusstsein, >Reduktion, vgl. >Reduktionismus. Physikalische Tatsachen/Chalmers: Nichts, was ich hier gesagt habe impliziert übrigens, dass die physikalische Seite irrelevant für das Bewusstsein wäre! Vielleicht können physikalische Tatsachen auch helfen, die Struktur des Bewusstseins zu verstehen: Muster von Ähnlichkeit und Unähnlichkeit von Erlebnissen. >Erleben, >Ähnlichkeit. I 108 VsChalmers: Man könnte einwenden, dass Brückengesetze immer im Spiel sind, wenn es um höher- und niederstufigen Phänomene geht. In solchen Fällen sind diese Brückenprinzipien keine zusätzlichen Tatsachen über die Welt. >Phänomene, >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen, >Tatsachen. 1. ChalmersVsVs: Das können wir mit Argumenten widerlegen, die aus dem Bereich von Zwillingen und möglichen Welten mit identischer physikalischer Struktur stammen: es ist unvorstellbar, dass ein Wesen das mir physikalisch gleicht, nicht lebendig wäre, dennoch folgt nicht logisch, dass es auch ein Bewusstsein hat. >Zwillingserde, >Mögliche Welten, >Bewusstsein, >Zombies. 2. ChalmersVsVs: Es gibt kein „vertauschtes Leben“ wie es vertausche Spektren gibt. >Vertausche Spektren. 3. Wenn man alle physikalischen Tatsachen hat, hat man auch alle biologischen. 4. In Bezug auf Leben gibt es keine epistemische Asymmetrie. >Asymmetrie/Chalmers, >Asymmetrie/Avramides. 5. Leben ist – anders als Bewusstsein – analysierbar in funktionalen Begriffen. >Leben, >Funktionen, >Analyse/Chalmers. I 237 Brückenprinzipien/Chalmers: Zwischen physischen Prozessen und Erfahrung können als Kriterium für das Vorhandensein von Bewusstsein in einem System dienen. >Erfahrung. Die Brückenprinzipien sind dann ein epistemischer Hebel, der selbst allerdings nicht getestet werden kann. Brückenprinzipien sind selbst keine Schlussfolgerungen aus Experimenten. Sie gehen ihnen voraus und steuern sie. >Experimente. Kognition/Bewusstsein/Chalmers: Nach meinem Vorschlag gibt es eine Kohärenz zwischen diesen beiden und dafür brauchen wir Brückenprinzipien: hier die Zugänglichkeit zu globaler Kontrolle. >Kognition. Das allgemeinste Brückenprinzip ist die Möglichkeit zu berichten als Kriterium für Erfahrung. Erfahrung ist bewusst, wenn man über sie berichten kann. Problem: Erfahrung ohne Sprache bei Tieren. Lösung: Verhaltenskontrolle Logothetis und Schall (1989) 1. >Tiere, >Tiersprache. 1. N. Logothetis and J. D. Schallk, Neuronal correlates of subjective visual perception, Science 245, 1989: pp 761-63. |
Cha I D. Chalmers The Conscious Mind Oxford New York 1996 Cha II D. Chalmers Constructing the World Oxford 2014 |
| Bruttoinlandsprodukt (BIP) | Feenstra | Feenstra I 1-8 Bruttoinlandsprodukt (BIP)/Feenstra: Unter der Annahme des vollkommenen Wettbewerbs maximieren die in jeder Branche produzierten Mengen das Bruttoinlandsprodukt (BIP) für die Wirtschaft: Dies ist die „unsichtbare Hand“ von Adam Smith in Aktion. Das heißt, die Produktionsmengen der einzelnen Wirtschaftszweige in einer wettbewerbsorientierten Wirtschaft werden so gewählt, dass das BIP maximiert wird: (1.2) G(p1,p2,L,K) = maxy1,y2 p1y1 + p2y2 s.t. Y2 =h(y1,L,K). Dies ist die BIP-Funktion. >Hüllkurvenfunktion. Feenstra I 3-46 Bei mehr Faktoren als Gütern verhält sich die BIP-Funktion im Allgemeinen gut: Sie ist differenzierbar in Preisen und Ausstattungen, vorausgesetzt, die Wirtschaftszweige haben nicht die gleiche Faktorintensität. >Produktionsfaktoren. Bei mehr Gütern als Faktoren verhält sich die BIP-Funktion jedoch schlecht: Die Tatsache, dass die Produktionsmöglichkeitsgrenze „beherrschte Segmente“ aufweist, (...) weist darauf hin, dass die BIP-Funktion nicht in Preisen differenzierbar ist. Bernstein und Weinstein (2002)(1) haben einen Test für „mehr Güter als Faktoren“ entwickelt und finden anhand von Daten aus japanischen Präfekturen Belege für diese Annahme. Dies mag im Widerspruch zu den Ergebnissen von Kohli (1993b)(2) für die USA stehen, doch ist zu beachten, dass Kohli Zeitreihendaten verwendete, während Bernstein und Weinstein Querschnittsdaten nutzten. Feenstra I 3-47 Es sollte uns nicht überraschen, dass wir zu unterschiedlichen Schlussfolgerungen kommen, wenn wir die Zeitreihen der nationalen Daten mit dem Querschnitt der Daten der Provinzen vergleichen. Die Ergebnisse sowohl von Kohli als auch von Bernstein und Weinstein stützen auf jeden Fall die Idee, dass wir uns nicht in einem „geraden“ Modell mit einer gleichen Anzahl von Gütern und Faktoren befinden. Diese Struktur wurde zum Beispiel von Leamer (1984)(3) und Harrigan (1995)(4) angenommen. Der allgemeinere Ansatz von Harrigan (1997)(5), bei dem eine für alle OECD-Länder geschätzte BIP-Funktion verwendet wird, könnte auch dazu verwendet werden, die „Faktorpreisunempfindlichkeit“ zu testen, indem die Elastizitäten ausgewertet werden (...), was jedoch aufgrund von Datenbeschränkungen nicht getan wurde. >Faktorpreisunempfindlichkeit. 1. Bernstein, Jeffrey R. and David E. Weinstein, 2002, “Do Endowments Predict the Location of Production? Evidence from National and International Data,” Journal of International Economics, 56(1), January, 55-76. 2.Kohli, Ulrich R., 1993b, “U.S. Technology and the Specific Factors Model,” Journal of International Economics, 34, 115-136. 3. Leamer, Edward, E., 1984, Source of Comparative Advantage. Cambridge: MIT Press. 4. Harrigan, James, 1995, “Factor Endowments and the International Location of Production: Econometric Evidence for the OECD, 1970-1985,” Journal of International Economics, 39(1/2), August, 123-141. 5. Harrigan, James, 1997, “Technology, Factor Supplies and International Specialization: Estimating the Neoclassical Model,” American Economic Review, 87(4), September, 475-494. |
Feenstra I Robert C. Feenstra Advanced International Trade University of California, Davis and National Bureau of Economic Research 2002 |
| Buchstäbliche Wahrheit | Field | I 2 Buchstäblich/Field: Buchstäbliche Wahrheit verlangt eine Existenzannahme, Bsp Existenz von Zahlen, damit die Sätze der Mathematik buchstäblich wahr sind - >Idealismus: als geistige Konstruktion. Fiktionalismus: Fiktionalismus ist stattdessen "in einem gewissen Sinn wahr". Semantischer Aufstieg: Semantischer Aufstieg ist die Feststellung, dass etwas "wahr, aber nicht buchstäblich wahr" sei (Field pro Fiktionalismus). I 4 Güte: "gut als Instrument" - dafür ist Wahrheit nicht notwendig. I 19/20 Wir sollten buchstäblich an Elektronen glauben, aber nicht an >mathematische Entitäten, weil diese nicht kausal relevant sind. I 223 Buchstäblich/Fraassen/Field: Wir verstehen "buchstäblich" als "nicht wegübersetzbar". |
Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Bullionismus | Rothbard | Rothbard II 160 Bullionismus/Zentralbanken/Inflation/Goldstandard/Rothbard: Die politischen Kontroversen (...) konzentrierten sich auf die Erklärung der Preisinflation und der Abwertung sowie auf die Bewertung der Rolle der Bank of England. Die „Bullionisten“ wiesen darauf hin, dass die Ursache für die Preisinflation, den Anstieg des Goldpreises über den Nennwert und die Abwertung des Pfunds die Ausweitung des Fiat-Geldes war. Sie behaupteten ferner, dass die Zentralbank Rothbard II 161 Eine Rolle bei dieser Inflation von der Bank of England spielte, die von der Notwendigkeit befreit war, in Bargeld zu tilgen. >Zentralbanken, >Goldstandard. VsBullionismus: Ihre Gegner, die „Anti-Bullionisten“, versuchten auf absurde Weise, die Regierung und ihre privilegierte Bank von jeder Schuld freizusprechen und alle unerwünschten Folgen auf spezifische Probleme auf den jeweiligen Märkten zurückzuführen. Die Abwertung der Devisen wurde dem Abfluss von Goldbarren zugeschrieben, der durch übermäßige Importe oder britische Kriegsausgaben im Ausland verursacht worden war (was vermutlich nichts mit der gestiegenen Menge an Papierpfunden oder der gesunkenen Kaufkraft des Pfunds zu tun hatte). Der Anstieg der Goldbarrenpreise war angeblich auf eine erhöhte „reale“ Nachfrage nach Gold oder Silber zurückzuführen (was wiederum nichts mit dem abgewerteten Papierpfund zu tun hatte). Der Anstieg der Inlandspreise wurde von beiden Seiten der Debatte weniger beachtet, wurde aber von den Bulliongegnern auf kriegsbedingte Störungen und Versorgungsengpässe zurückgeführt. >Inflation. Kurzum, die Anti-Bullionisten kehrten zur merkantilistischen Sorge um Ad-hoc-Ursachen und das Handelsgleichgewicht auf dem Markt zurück. Die zuvor mühsam errungene Analyse des Geldes und der allgemeinen Preise ging in die Brüche. >Geld, >Monetarismus, >Geldmenge, >Geldnachfrage. Rothbard II 162 Die Lebensmittelpreise stiegen 1799 beträchtlich an, aber es war für die Anti-Bullionisten und andere Apologeten der Regierung ein Leichtes, diesen Anstieg in einer Flut von Pamphleten als das Ergebnis von Missernten und kriegsbedingten Störungen bei der Getreideeinfuhr abzutun. Die erste Phase der Bullionisten-Kontroverse (1800-4) begann, als einer der besten der Bullionisten [Walter Boyd (ca. 1754-1837) (...) einer der prominenten Leidtragenden der angeblichen Geldknappheit] sein bemerkenswertes Pamphlet über die Ursache der Geldentwertung veröffentlichte. Körper/Rothbard: (...) Boyd gab die Schuld für seinen Misserfolg nicht seinem eigenen rücksichtslosen Füttern am öffentlichen Trog, sondern der knauserigen Politik der Bank von England. Im November 1800 schrieb Boyd einen Brief an den Rt. Hon. William Pitt, der 1801 veröffentlicht wurde und schnell Berühmtheit erlangte (...). Mit Boyds Brief war die Kontroverse der Bullionisten geboren, denn Boyd prangerte die Bank of England nun nicht mehr wegen zu knapper Kredite an, sondern im Gegenteil, weil sie die Inflation und die Geldentwertung überhaupt erst verursacht hatte. >Geld/Walter Boyd, >Geld/Adam Smith. Rothbard II 176 Rothbard: (...) die korrekte Analyse des vollständigen Bullionismus (wie sie von Boyd und später von Lord King vorgelegt wurde) betont die monetären Faktoren, die zum monetären Gleichgewicht führen, während sie zeigt, dass reale Faktoren nur vorübergehende Auswirkungen haben können. Die Analyse der realen Faktoren ist mit den monetären Faktoren integriert und ihnen jederzeit untergeordnet, und die kurzfristigen und langfristigen monetären Prozesse sind ebenfalls integriert. Henry Thornton: In Thorntons gemäßigt anti-bullionistischer Position (oft fälschlicherweise als „moderater Bullionist“ bezeichnet) werden jedoch sowohl reale als auch monetäre kausale Faktoren und Prozesse als getrennt und unabhängig voneinander dargestellt, wobei reale Faktoren als empirisch wichtiger dargestellt werden. Kurzfristige Faktoren werden in ähnlicher Weise hervorgehoben, während die langfristigen Kräfte vernachlässigt werden. >Zeitpräferenz/Wirtschaftstheorien. Rothbard II 187 Nach 1804 drosselte die Bank of England ihre expansive Politik für einige Jahre, und auch die Inflation und die Abwertung ließen nach. Infolgedessen verstummte die Kontroverse um England und Irland. Die erste Phase der großen Kontroverse der Bullionisten war beendet. Drei geldpolitische Denk- und Meinungsrichtungen waren auf den Plan getreten: erstens die Apologeten der britischen Regierung und der Bank of England, deren Ansichten kaum als „Theorie“ bezeichnet werden können und die schlichtweg leugnen, dass die Geldemission in irgendeinem Zusammenhang mit den Übeln der Inflation und der Geldentwertung steht. Ihnen gegenüber standen zweitens die kompletten Bullionisten, angeführt von Lord King und Walter Boyd, die die Analyse von Geldangebot und -nachfrage rigoros auf die neuen Bedingungen des uneinlösbaren Fiat-Geldes anwandten und die Überemission der Bank of England als Ursache der Übel angriffen, wobei „reale“ Faktoren ebenfalls eine vorübergehende und untergeordnete Rolle spielten. In der Mitte befanden sich die Gemäßigten, zu denen vor allem Henry Thornton und Francis Horner gehörten, theoretische Agnostiker, die behaupteten, dass entweder monetäre oder reale Faktoren für eine bestimmte Inflation verantwortlich sein könnten, und die empirisch und ad hoc untersuchten, welche Faktoren in einer bestimmten Situation die Schuldigen sein könnten. Horner, der als gemäßigter Anti-Bullionist begann, verlagerte sein empirisches Gewicht schnell. Zumindest Horner schloss sich 1803 dem Lager der gemäßigten Bullionisten an. Noch bevor die erste Phase abgeschlossen war, entstand jedoch eine vierte Denkschule und der dritte Strang des Bullionismus: der mechanistische Bullionismus. Der große Fehler des mechanistischen Bullionismus bestand nicht nur darin, alle realen Einflüsse zu vernachlässigen und darauf zu bestehen, dass allein monetäre Faktoren das Preisniveau und die Wechselkurse bestimmten. Wäre dies der einzige Fehler gewesen, so wäre der Fehler relativ gering gewesen. Das Hauptproblem bestand darin, dass die Mechanisten auch alle anderen kausalen Faktoren als die Geldmenge vernachlässigten, von denen viele von großer Bedeutung waren. Kurz gesagt, sie vernachlässigten die Geldnachfrage in all ihren subtilen Variationen und so wichtige „Verteilungs“-Effekte - selbst auf lange Sicht - wie Veränderungen der relativen Vermögen und Einkommen und Veränderungen der relativen Preise. Kurzum, die Mechanisten behaupteten, dass auf kurze und lange Sicht die einzigen kausalen Faktoren für Preise und Tauschvorgänge Veränderungen in der Geldmenge seien. Daraus ergibt sich ihre falsche und verzerrte Auffassung, dass Veränderungen des Preisniveaus genau quantitativ proportional zu Veränderungen der Geldmenge sind. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Bürgerrechte | Diskurstheorien | Gaus I 163 Bürgerrechte/Diskurstheorien/Bohman: Bürgerrechte können beispielsweise rechtlich so interpretiert werden, dass sie eine Mindestschwelle und den fairen Wert der kommunikativen Freiheiten festlegen und garantieren. Sie können z.B. dahingehend ausgelegt werden, dass sie eine gerechtere Verteilung der Stimmrechte gewährleisten, was einen besseren Zugang zu repräsentativen Foren ermöglicht, oder sie können Regelungen der politischen Rede öffnen, um die Auswirkungen von Diskrepanzen bei der Finanzierung von Wahlkampagnen zu verringern. Das Entstehen neuer Normen oder die Neuinterpretation alter Normen kann eine Periode dessen erfordern, was Ackerman (1991(1)) als "Verfassungspolitik" innerhalb einer bestehenden Demokratie bezeichnet. Ackerman sieht die Verfassung somit als ein offenes diskursives Projekt, das an historischen Wendepunkten wie dem Wiederaufbau nach dem Bürgerkrieg und der Großen Depression Paradigmenwechseln unterworfen ist. Diese Veränderungen spiegeln "Diskursmomente" wider; nach Gamson (1992(2)) ist dies: Teil I), in dem das Volk, die Gerichte oder die Exekutive auf historische Umstände reagieren, indem sie die Verfassung neu interpretieren und neu erschaffen. 1. Ackerman, Bruce (1991) We the People, Bd. I. Cambridge: Harvard University Press. 2. Gamson, William (1992) Talking Politics. Cambridge: Cambridge University Press. Bohman, James 2004. „Discourse Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Cap and Trade System | Stavins | Stavins I 157 Cap-and-Trade-Systeme/Aldy/Stavins: Ein Cap-and-Trade-System begrenzt die Gesamtemissionen regulierter Quellen, indem es eine begrenzte Anzahl handelbarer Emissionszertifikate schafft - insgesamt in Höhe der Gesamtobergrenze - und diese Quellen verpflichtet, Zertifikate zur Deckung ihrer Emissionen zurückzugeben (Stavins, 2007)(1). Angesichts der Wahl, ob sie ein Zertifikat abgeben oder Emissionen reduzieren wollen, legen die Unternehmen Wert auf ein Zertifikat, das die Kosten der Emissionsminderungen widerspiegelt, die durch die Abgabe eines Zertifikats vermieden werden können. Unabhängig von der anfänglichen Verteilung der Zertifikate kann der Handel dazu führen, dass die Zertifikate zu ihrem höchstwertigen Zweck verwendet werden: zur Deckung der Emissionen, die am kostspieligsten zu reduzieren sind, und als Anreiz, die geringsten Kosten zu senken (Hahn & Stavins, in der Presse(2); Montgomery, 1972)(3). Cap-and-Trade setzt eine Gesamtmenge fest, und durch den Handel ergibt sich ein Preis für die Emissionen. Dieser ist praktisch das Doppelte einer CO2-Steuer, die die Emissionen bewertet und eine Menge an Emissionen liefert, wenn die Unternehmen auf die Minderungsanreize der Steuer reagieren. VsCap and Trade: In einem Emissionshandelsprogramm, Kostenunsicherheit - unerwartet hoch oder volatile Preise der Zertifikate - können die politische Unterstützung für die Klimapolitik untergraben und Stavins I 158 Investitionen in neue Technologien sowie in Forschung und Entwicklung entmutigen. Daher hat sich das Augenmerk auf die Einbeziehung von "Kostendämpfungsmaßnahmen" in Cap-and-Trade-Systemen gerichtet, einschließlich Offsets, Emissionsbanking- und Kreditvergabe, Sicherheitsventile und Preiskorridore. Eine Erhöhung der Sicherheit über die Minderungskosten (durch die oben genannten Methoden) verringert die Sicherheit über die zulässige Emissionsmenge. 1. VsVsCap and Trade: Das Ebnen der Zertifikatspreise im Laufe der Zeit durch Bankgeschäfte und Kreditaufnahme verringert die Sicherheit der Emissionen in einem bestimmten Jahr, bewahrt aber die Sicherheit der Gesamtemissionen über einen längeren Zeitraum. Eine kosteneffiziente Politik mit einem Mechanismus, der gegen unerwartet hohe Kosten versichert - entweder durch Cap and Trade oder eine CO2-Steuer - erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass Unternehmen ihren Verpflichtungen nachkommen und die Teilnahme und Einhaltung eines Landes an einem globalen Klimaabkommen erleichtern kann. Im Falle einer Cap and Trade-Regelung würde die Grenzanpassung in Form einer Import-Erlaubnis erfolgen, so dass den Importen dieselben Regulierungskosten entstehen wie den im Inland hergestellten Waren. 2. VsCap and Trade: Grenzmaßnahmen im Rahmen einer CO2-Abgabe oder eines Cap and Trade werfen jedoch Fragen nach der Anwendung von Handelssanktionen zur Förderung umfassenderer und umfangreicherer Emissionsminderungsmaßnahmen weltweit sowie nach ihrer Rechtmäßigkeit im Rahmen der Welthandelsorganisation auf (Brainard & Sorking, 2009(4); Frankel, 2010(5)). >CO2-Preis-Strategien/Stavins, >CO2-Preis/Fankhauser. Stavins I 172 Cap and Trade-Verknüpfungen/CO2-Preis-Koordinierung/Stavins: Da die Verknüpfung zwischen handelbaren Genehmigungssystemen (d.h. die ein- oder zweiseitige Anerkennung von Zertifikaten aus einem System zur Nutzung in einem anderen) die Einhaltungskosten senken und die Marktliquidität verbessern kann, besteht großes Interesse an der Verknüpfung von Cap and Trade-Systemen untereinander. Es gibt nicht nur Vorteile, sondern auch Bedenken im Zusammenhang mit verschiedenen Arten von Verknüpfungen (Jaffe, Ranson, & Stavins, 2010)(6). Ein großes Problem ist, dass wenn zwei Stavins I 173 Cap and Trade-Systeme direkt miteinander verbunden sind (d.h. sie ermöglichen die bilaterale Anerkennung von Zertifikaten in den beiden Jurisdiktionen), werden wichtige Kostendämpfungsmechanismen, wie Sicherheitsventile, automatisch von einem System zum anderen übertragen. Da einige Länder (wie die Europäische Union) gegen den Begriff des Sicherheitsventils sind, während andere Länder (wie die Vereinigten Staaten) sehr für die Verwendung eines Sicherheitsventils prädisponiert zu sein scheinen, wäre eine Vereinheitlichung erforderlich. Dieses Problem kann durch den Einsatz einer indirekten Verknüpfung vermieden werden, bei der zwei Cap and Trade-Systeme Kompensationen aus einem gemeinsamen Emissionsminderungs-Kreditsystem wie dem Clean Development Mechanism akzeptieren. Dadurch konvergieren die Vergütungspreise der beiden Cap and Trade-Systeme (solange der ERC-Markt ausreichend tief ist), und alle Vorteile der direkten Verknüpfung werden erreicht (niedrigere Gesamtkosten, geringere Marktmacht, geringere Preisvolatilität), jedoch ohne die Weitergabe von Kostendämpfungsmechanismen von einem System zum anderen. (...) es ist wichtig zu fragen, ob eine Vielzahl heterogener nationaler, subnationaler oder regionaler klimapolitischer Instrumente produktiv verknüpft werden kann. Die grundlegende Antwort ist, dass ein solcher Satz von Instrumenten verknüpft werden kann, aber diese Verknüpfung ist wesentlich schwieriger ist als bei einem Satz von homogeneren handelbaren Genehmigungssystemen (Hahn & Stavins, 1999)(7). Eine weitere Form der Koordination können einseitige Instrumente des Wirtschaftsschutzes sein, d.h. Grenzanpassungen. >CO2-Preis-Koordinierung/Stavins. 1. Stavins, R. N. (2007). A U.S. cap-and-trade system to address global climate change (The Hamilton Project Discussion Paper 2007-13). Washington, DC: The Brookings Institution. 2. Hahn, R. W., & Stavins, R. N. (in press). The effect of allowance allocations on cap-and-trade system performance. Journal of Law and Economics. 3. Montgomery, D. W. (1972). Markets in licenses and efficient pollution control programs. Journal of Economic Theory, 5, 395-418. 4. Brainard, L., & Sorking, I. (Eds.). (2009). Climate change, trade, and competitiveness: Is a collision inevitable? Washington, DC: Brookings Institution Press. 5. Frankel, J. (2010). Global environment and trade policy. In J. E. Aldy & R. N. Stavins (Eds.), Post-Kyoto international climate policy: Implementing architectures for agreement (pp. 493-529). New York, NY: Cambridge University Press. 6.Jaffe, J., Ranson, M., & Stavins, R. (2010). Linking tradable permit systems: A key element of emerging international climate policy architecture. Ecology Law Quarterly, 36, 789-808. 7. Hahn, R. W., & Stavins, R. N. (1999). What has the Kyoto Protocol wrought? The real architecture of international tradeable permit markets. Washington, DC: The AEI Press. Robert N. Stavins & Joseph E. Aldy, 2012: “The Promise and Problems of Pricing Carbon: Theory and Experience”. In: Journal of Environment & Development, Vol. 21/2, pp. 152–180. |
Stavins I Robert N. Stavins Joseph E. Aldy The Promise and Problems of Pricing Carbon: Theory and Experience 2012 |
| Cartesianismus | Avramides | I 107ff Cartesianismus/Asymmetrie/Avramides: Der Cartesianismus ist die ältere Tradition der tiefen epistemischen Asymmetrie. Mentale Objekte sind nur durch die Erste-Person-Perspektive zugänglich. >Erste Person, >Privilegierter Zugang. Fremdpsychisches: Fremdpsychisches ist nur durch Verhalten erratbar. >Fremdpsychisches. Dann gibt es keine oberflächliche epistemische Asymmetrie. Pointe: Ontologische Symmetrie: Geistiges und Materielles sind auf einer Stufe. - Diese Sicht ist nicht auf Physikalismus verpflichtet. >Physikalismus. Variante des Cartesianismus: man könnte sogar sagen, der Gottesstandpunkt könnte die immaterielle Substanz nicht erkennen. Tiefe epistemische Asymmetrie: Wenn wir die immaterielle Substanz erkennen könnten, könnten wir fremde Intentionen ohne Sprache erkennen. Cartesianismus/Avramides: hier: Variante mit göttlichem Zugang zum Immateriellen. - Cartesianismus ist nicht reduktiv! >Reduktion, >Reduktionismus. I 110 AvramidesVsCartesianismus: Fehler: ohne Verhaltensbeobachtung vorzugehen. >Verhalten, >Verstehen. |
Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 |
| Chance | Armstrong | III 32 Def Chance/Armstrong: = Wahrscheinlichkeit zu t. Objektive Chance: Eigenschaft, eine bestimmte Chance zu haben (Eigenschaft höherer Stufe). - Ramsey/Mellor pro. Ramsey/MellorVsArmstrong: Vs Naturgesetze als Relation zwischen Universalien. ArmstrongVsVs: "Objektive Chancen" sind ontologisch fragwürdig, Universalien vermeiden das. >Wahrscheinlichkeit/Armstrong, >Universalien/Armstrong, >Gesetze/Armstrong. III 34 Chance: logische Möglichkeit in re (statt deterministischem Gesetz: Notwendigkeit de re). - Diese Kräfte müssen als "bloße Kraft" (bare powers") verstanden werden: ihre Natur scheint sich in ihrer Manifestation zu erschöpfen. D.h. man kann sie nicht als Ergebnis a posteriori einer empirischen Untersuchung verstehen, als kategorische Struktur S. |
Armstrong I David M. Armstrong Meaning and Communication, The Philosophical Review 80, 1971, pp. 427-447 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Armstrong II (a) David M. Armstrong Dispositions as Categorical States In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (b) David M. Armstrong Place’ s and Armstrong’ s Views Compared and Contrasted In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (c) David M. Armstrong Reply to Martin In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (d) David M. Armstrong Second Reply to Martin London New York 1996 Armstrong III D. Armstrong What is a Law of Nature? Cambridge 1983 |
| Chancengleichheit | Rawls | I 65 Freiheit/Chancengleichheit/Rawls: Wenn Freiheit Chancengleichheit bedeuten soll, gibt es zwei Möglichkeiten: a) gleiche Karrieremöglichkeiten für Begabte: dies ist auch mit einer natürlichen Aristokratie vereinbar und entspricht einem System natürlicher Freiheit. Dagegen ist eine Chancengleichheit für jedermann – unabhängig von der Begabung – in einer demokratischen Gleichheit zu verwirklichen. Als dritte Möglichkeit gibt es noch die liberale Gleichheit. >Freiheit, >Gleichheit. I 66 Prinzip der Effizienz/Rawls: entspricht einfach dem Pareto-Optimum(1). I 67 Dabei geht es darum, dass eine Konfiguration immer dann effizient ist, wenn es unmöglich ist, sie zu ändern ohne dass Personen (zumindest eine Person) dadurch benachteiligt wird. I 83 Faire Chancengleichheit/Verfahrensgerechtigkeit/Rawls: faire Chancengerechtigkeit dürfen wir nicht verwechseln mit Karrierechancen für Begabte. Durch das Differenzprinzip (>Differenzprinzip/Rawls) unterscheidet es sich auch von der Liberalen Interpretation. >Liberalismus. I 84 Es geht nicht darum, dass alle Positionen für jedermann offenstehen, dann dies mag die Situation aller Mitglieder verbessern, auch wenn bestimmte Gruppen von bestimmten Positionen ausgeschlossen sind. Nun ist es aber so, dass die Klagen der Abgewiesenen aus Gerechtigkeitserwägungen heraus eine Berechtigung haben. Sie wären einer der Grundformen menschlicher Erfüllung beraubt. Es gibt eine wechselseitige Abhängigkeit zwischen dem, was Menschen tun und dem wozu sie berechtigt sind. Dies führt dazu, dass die Frage der Verfahrensgerechtigkeit ins Spiel kommt. >Verfahrensgerechtigkeit/Rawls. I 87 Chancengleichheit: Chancengleichheit spielt die Rolle sicherzustellen, dass in einem Kooperationsmodell Verfahrensgerechtigkeit herrscht. 1. Siehe V. Pareto, Manuel d’économie politique, Paris, 1909, Kap. VI, §53 und Anhang, §89. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Charakterzüge | Allport | Corr II 29 Charakterzug-Wörter/Charakterzüge/Lexikon/Studienhintergrund/Allport/Odbert/Saucier: Die Essenz von [Allports und Odberts Artikel 'Trait-names: A psycho-lexical study'] war eine Klassifizierung von (...) englischen Charakterzug-Wörtern (engl. trait names) (Begriffe, die das Verhalten eines Menschen von dem eines anderen unterscheiden) in vier Kategorien. (...) Aus wissenschaftlicher Sicht könnten einige der grundlegendsten Charakterzüge durch das Studium von Konzepten entdeckt werden, die im Gebrauch der natürlichen Sprache impliziert sind. Wenn eine Unterscheidung im Lexikon stark vertreten ist - und in jedem Wörterbuch zu finden ist - kann davon ausgegangen werden, dass sie von praktischer Bedeutung ist. Dies liegt daran, dass der Repräsentationsgrad eines Charakterzuges in der Sprache eine gewisse Entsprechung mit der allgemeinen Bedeutung des Charakterzuges in Transaktionen der realen Welt hat. Wenn also ein Wissenschaftler Charakterzüge identifiziert, die in der natürlichen Sprache stark repräsentiert sind, identifiziert dieser Wissenschaftler gleichzeitig die möglicherweise wichtigsten Charakterzüge. >H.S. Odbert, >G.W. Allport. II 30 Studiendesign/Allport/Odbert: Allport und Odbert wandten sich an Webster's New International Dictionary (1925)(1), ein Kompendium mit etwa 400.000 einzelnen Begriffen. Indem sie die Urteile von drei Ermittlern (sie selbst und eine Person, die nur als "AL" bezeichnet wurde, (...)) kombinierten, erstellten sie eine Liste von 17.953 Charakterzug-Wörtern in englischer Sprache, die sich auf das folgende Kriterium für die Aufnahme stützte: "die Fähigkeit eines Begriffs, das Verhalten eines Menschen von dem eines anderen Menschen zu unterscheiden" (S. 24)(2). Allport und Odbert gingen noch weiter und teilten die Begriffe in vier Kategorien oder Spalten. Die (...) Begriffe in Spalte I waren 'neutrale Begriffe, die mögliche II 31 persönliche Eigenschaften" (S. 38)(2) bestimmten - genauer definiert als "verallgemeinerte und personalisierte bestimmende Tendenzen und konsistente und stabile Modi der Anpassung eines Individuums" an seine Umgebung (S. 26)(2). Die (...) Begriffe in Spalte II waren "Begriffe, die in erster Linie vorübergehende Stimmungen oder Aktivitäten beschreiben" (...). Bei den (...) Begriffen in Spalte III handelte es sich um "gewichtete Begriffe, die soziale und charakterliche Urteile über persönliches Verhalten oder bezeichneten Einfluss auf andere vermitteln" (S. 27)(2) (...).Die anderen (...) Begriffe fielen in die Kategorie "Sonstiges" in Spalte IV, die als "metaphorische und zweifelhafte Begriffe" (S. 38) bezeichnet wurden(2). Diese letzte Kategorie umfasste Begriffe, die physische Eigenschaften und verschiedene Fähigkeiten beschreiben (...). II 33 Befund/Bericht/Odbert: 1. Allport und Odbert argumentieren überzeugend, dass ein normales menschliches Leben im Grunde nicht ohne einen gewissen Bezug zu Persönlichkeitsdispositionen ablaufen kann. Es gibt kein besseres Argument als ihre pointierten Worte aus der Monographie: "Sogar der Psychologe, der sich gegen Charakterzüge ausspricht und leugnet, dass ihre symbolische Existenz mit der 'realen Existenz' übereinstimmt, wird dennoch ein überzeugendes Empfehlungsschreiben schreiben, um zu beweisen, dass einer seiner Lieblingsschüler 'vertrauenswürdig, selbständig und sehr kritisch' ist" (S. 4-5)(2). 2. Allport und Odbert weisen darauf hin, dass die Dispositionen, auf die sich Charakterzug-Wörter beziehen, mehr als nur ein Gesprächsartefakt und auch mehr als eine Form alltäglicher Irrtümer sind (auch wenn sie das zum Teil sein mögen). Sie sind bis zu einem gewissen Grad nützlich für das Verständnis und die Vorhersage, wie spätere Forschungen bestätigen (Roberts et al., 2007)(3). [Die nachfolgende Behauptung besagt, dass] der Repräsentationsgrad eines Charakterzuges in der Sprache eine gewisse Übereinstimmung mit der allgemeinen Bedeutung dieses Charakterzuges in Transaktionen der realen Welt hat. II 34 3. (...) Die Wissenschaft kann sich auf den Korpus der sprachlichen Vernunftbegriffe stützen und darauf aufbauen. Anstatt sich ausschließlich auf die Top-down-Gambits der Theoretiker zu verlassen, gibt es die Möglichkeit eines generativen Bottom-up-Ansatzes. II 35 4. (...) Allport und Odbert erkannten eine der Persönlichkeitssprache innewohnende Schwierigkeit: Charakterzug-Wörter bedeuten für verschiedene Menschen unterschiedliche Dinge. Bis zu einem gewissen Grad sind diese Bedeutungen abhängig von den 'Denkgewohnheiten' (S. 4)(2). Ein Grund dafür ist die Polysemie (mehrere unterschiedliche Bedeutungen), die viele Wörter aufweisen. 5. Innerhalb der Wissenschaft könnte die Schwierigkeit durch explizite Kommunikation und Konsens noch weiter gelöst werden. Für Allport und Odbert bedeutete dies, Charakterzüge in einer sorgfältigen und logischen Weise zu benennen und nicht nur zu kodifizieren, sondern auch die natürlich-sprachliche Terminologie zu "reinigen" (S. vi)(2). II 36 6. Allport und Odbert interessierten sich in erster Linie für Tendenzen, die "konsistente und stabile Formen der Anpassung eines Individuums an seine Umgebung" sind und nicht "nur vorübergehendes und spezifisches Verhalten" (S. 26)(2). 7. (...) Charakterzüge spiegeln eine Kombination der biophysikalischen Einflüsse und etwas Kulturelleres (vielleicht historisch Unterschiedliches) wider. (...) Charakterisierungen menschlicher Eigenschaften werden teilweise durch "zeittypische Normen und Interessen" (S. 2)(2) in einer bestimmten gesellschaftlichen Epoche bestimmt. [Auf diese Weise werden] Charakterzüge zum Teil 'entsprechend den kulturellen Anforderungen erfunden' (S. 3)(2). II 37 VsAllport/VsOdbert: 1. (...) sie [Allport und Odbert] ignorieren und verkürzen den kulturellen Anteil, sowohl im Hinblick auf Fragen der interkulturellen Verallgemeinerbarkeit als auch darauf, wie Charakterzüge selbst kulturrelevante Inhalte widerspiegeln können. 2. Nach ihrer ausgeprägten "Charakterzug-Hypothese" (S. 12)(2) besitzen keine zwei Personen "genau den gleichen Charakterzug" (S. 14)(3) und jedes "Individuum unterscheidet sich in jedem seiner Charakterzüge von jedem anderen Individuum" (S. 18)(2). Das Problem ist nicht, dass der Individualismus falsch ist; vielmehr mag es ethnozentrisch sein, einen individualistischen Filter durch die gesamte Persönlichkeitspsychologie zu ziehen und in der Tat liegen solche idiothetischen Ansätze außerhalb des Mainstreams der aktuellen und neueren Persönlichkeitspsychologie. II 38 3. Ein weiterer Aspekt des Denkens (...), der im Rückblick seltsam erscheinen mag, ist die Vorstellung eines einzigen, kardinalen Charakterzuges, der bestimmende Tendenzen in einem individuellen Leben liefert. (...) ein bestimmter Charakterzug wird so allgegenwärtig in einer Person, dass es zu einem ausgeprägten Fokus der Organisation wird. Siebzig Jahre später scheint es immer noch einen Mangel an Beweisen für Kardinalcharakterzüge zu geben, die eine mehr oder weniger feindselige Übernahme durchführen und den Rest des Persönlichkeitssystems bestimmen und strukturieren. II 39 4. Allport und Odbert plädieren für eine neutrale Terminologie in der Wissenschaft. Leider hat es den Anschein, dass sie den Wunsch nach ungewichtetem, emotionsfreiem Vokabular bis in die Charakterzug-Inhalte ausdehnen, die sich in den Charakterzug-Wörtern in der Sprache zeigen, was verwirrende Folgen hat. Aus dieser Sicht sind die Bezeichnungen der Charakterzüge (...), die durch eine affektive Polarität wertend und "emotional gefärbt" (S. v)(2), verdächtig und weniger "studienwürdig" als die neutralen Bezeichnungen. Jedoch sind Begriffe wie "böse" und "Tugend" wegen ihres extrem affektiven Tons besonders "studienwürdig" (...). II 40 5. (...) Die zahlenmäßig größte Kategorie von Bezeichnungen für Charakterzüge war die soziale Bewertung. Sie geben jedoch keinen Aufschluss darüber, warum die dritte Spalte, die soziale Beurteilungen widerspiegelt, die wahrscheinlich nicht mit biophysikalischen Merkmalen in Zusammenhang stehen, die größte Komponente in der Wahrnehmung einer Person sein sollte. 6. (...) die Vorstellung, dass zensorische und moralischen Begriffe - Tugenden, II 41 [und] Laster, was auch immer mit Tadel oder Lob verbunden ist, ganz zu schweigen von sozialen Auswirkungen - für einen Psychologen keine Verwendung haben, ist heute obsolet. 7. Die besondere Allport- und Odbert-Einteilung von Charakterzug-Wörtern in vier Kategorien für bare Münze zu nehmen, bedeutet, die Annahmen einer spezialisierten Theorie der Charakterzüge zu übernehmen, deren Hauptaussagen auf der Grundlage der Klassifizierung selbst konstruiert werden können. (...) Die Beachtung von Emotionen und Moral würde uns von den zentralen Aspekten der Persönlichkeit ablenken, die dauerhafte Konsistenzen widerspiegeln und die in der Person selbst und außerhalb des Einflusses der Gesellschaft wirken (...). 1. Webster’s new international dictionary of the English language (1925). Springfield, MA: Merriam. 2. Allport, G. W., & Odbert, H. S. (1936). Trait-names: A psycho-lexical study. Psychological Monographs, 47 (1, Whole No. 211). 3. Roberts, B. W., Kuncel, N. R., Shiner, R., Caspi, A., & Goldberg, L. R. (2007). The power of personality: The comparative validity of personality traits, socioeconomic status, and cognitive ability for predicting important life outcomes. Perspectives on Psychological Science, 2, 313–345. Saucier, Gerard: “Classification of Trait-Names Revisiting Allport and Odbert (1936)”, In: Philip Corr (Ed.), 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 29-45. |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Charakterzüge | Bindungstheorie | Corr I 236 Charakterzüge/Bindungstheorie/Shaver/Mikulincer: Studien, die Selbstberichte zur Bindung von Erwachsenen verwenden, haben ergeben, dass sie in kohärentem Zusammenhang mit Beziehungsqualität, psychischer Gesundheit, sozialer Anpassung, Bewältigungsstrategien, Emotionsregulation, Selbstwertgefühl, zwischenmenschlichem Verhalten und sozialen Kognitionen stehen (siehe Mikulincer und Shaver 2003(1), 2007(2), für einen Review). >Emotion, >Regulation, >Selbstregulation. Wichtig ist, dass diese Variationen des Bindungsstils in der Regel nicht gut durch weniger spezifische, globalere Charakterzüge wie Extraversion, Neurotizismus oder Selbstwertgefühl erklärt werden (siehe Mikulincer und Shaver 2007(2), für eine Rezension), obwohl es vorhersehbare und sinnvolle Assoziationen zwischen Bindungsorientierungen und Charakterzügen gibt (z.B. Carver 1997(3); Noftle und Shaver 2006(4)). >Über die Bindungstheorie. 1. Mikulincer, M. and Shaver, P. R. 2003. The attachment behavioural system in adulthood: activation, psychodynamics, and interpersonal processes, in M. P. Zanna (ed.), Advances in experimental social psychology, vol. XXXV, pp. 53–152. New York: Academic Press 2. Mikulincer, M. and Shaver, P. R. 2007. Attachment in adulthood: structure, dynamics, and change. New York: Guilford Press 3. Carver, C. S. 1997. Adult attachment and personality: converging evidence and a new measure, Personality and Social Psychology Bulletin 23: 865–83 4. Noftle, E. E. and Shaver, P. R. 2006. Attachment dimensions and the Big Five personality traits: associations and comparative ability to predict relationship quality, Journal of Research in Personality 40: 179–208 Phillip R. Shaver and Mario Mikulincer, “Attachment theory: I. Motivational, individual-differences and structural aspects”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Charakterzüge | Christal | Corr II 87 Charakterzüge/Tupes/Christal/Johnson: Nachdem Allport und Odbert (...) in Websters ungekürztem New International Dictionary 17.953 Wörter für menschliche Charakterzüge gefunden hatten, [entstand die Forderung, diese Liste zu kürzen]. Cattell reduzierte seinen Satz von 35 Charakterzug-Variablen noch einmal mit einem statistischen Verfahren namens Faktorenanalyse. Seine Faktoranalysen zeigten 11 Charakterzugfaktoren in einer Studie und 12 Charakterzugfaktoren in einer zweiten Studie (Cattell, 1945, 1947)(1,2). >R. Cattell, >Lexikalische Hypothese. Alles hätte damit in Ordnung sein können, außer dass ein anderer Satz von Faktoranalysen, der von Donald Fiske (1949...)(3) veröffentlicht wurde, wiederholt fünf statt der von Cattell entdeckten 11 oder 12 Faktoren zeigte. Die Studie von Tupes und Christal (1961/1992)(4) sollte den Unterschied zwischen den Ergebnissen von Cattell und Fiske erklären. II 88 Faktor-Rotation/Tupes/Christal: (...) Tupes und Christal glaubten, dass der wahrscheinlichste Grund für die unterschiedlichen Ergebnisse darin bestand, dass Cattell in seinen statistischen Analysen die so genannte schräge Rotation (engl. oblique rotation) der Faktoren verwendete, während Fiske die so genannte orthogonale Rotation der Faktoren verwendete. Der Unterschied zwischen den beiden Rotationsstrategien besteht darin, dass schräge Faktoren einander überlappen dürfen, während orthogonale Faktoren voneinander unabhängig sind (...). Tupes und Christal (1961/1992)(4) wollten nun testen, ob die Verwendung der gleichen (orthogonalen) Rotationsmethode die gleichen Faktoren in verschiedenen Sätzen von Charakterzugbewertungsdaten erzeugen würde (...). Methode/Tupes/Christal: [Tupes und Christal] re- II 89 analysierten einfach acht bestehende Datensätze. Die Methode von Tupes und Christal wurde durch die Beobachtung motiviert, dass Unterschiede in der Anzahl der Charakterzugfaktoren, die in früheren Studien gefunden wurden, entweder auf die Unterschiede in den Teilnehmer- und Bewertungsskalen oder auf Unterschiede in der verwendeten Methode der Faktorenanalyse (...) zurückzuführen sein könnten. Durch die erneute Analyse von Daten aus diesen verschiedenen Stichproben mit der gleichen Form der Faktorenanalyse kamen sie zu dem Schluss, dass, wenn ähnliche Faktoren in den Stichproben gefunden werden, diese Faktoren "universell genug sein könnten, um in einer Vielzahl von Stichproben aufzutreten, und [...] nicht übermäßig empfindlich auf die Bewertungsbedingungen oder -situationen reagieren" (Tupes & Christal, 1992, S. 227)(4). Ergebnisse/Charakterzugfaktoren/Tupes/Christal: Tupes und Christal (1992) fassen ihre Ergebnisse in folgendem Satz zusammen: "In jeder Stichprobe außer einer schienen fünf relativ starke und wiederkehrende Charakterzugfaktoren zu dominieren und nichts Weiteres von Bedeutung" (S. 245)(4). (...) Unabhängig von der Gesamtzahl der Faktoren, die in jeder Stichprobe gefunden wurden, war in jeder Stichprobe jeder der ersten fünf Faktoren II 90 klar definiert durch denselben einzigartigen Satz von Charakterzug-Wörtern. Tupes und Christal bezeichneten das gemeinsame Thema unter den Charakterzugwörtern, die jeden der fünf Faktoren definierten, mit einem Begriff aus früheren faktorenanalytischen Studien. Der erste Faktor von Tupes und Christal wurde in allen acht Stichproben durch die folgenden Charakterzüge definiert: I still vs. gesprächig; verschwiegen vs. offen; vorsichtig vs. abenteuerlustig; unterwürfig vs. durchsetzungsfähig; und träge, langsam vs. energisch. Zusammen beschreiben diese Charakterzüge nach Tupes und Christal einen wiederkehrenden Faktor, den andere als Extraversion bezeichnen (...). Die Charakterzüge, die den zweiten Faktor in allen acht Stichproben definierten, waren: II. gehässig vs. gutmütig; obstruktiv vs. kooperativ; misstrauisch vs. vertrauensvoll; unflexibel vs. anpassungsfähig; und kühl, distanziert vs. aufmerksam gegenüber Menschen. Bei sechs der acht Proben halfen: eifersüchtig vs. nicht eifersüchtig; anspruchsvoll vs. emotional reif; eigenwillig vs. sanft; und hart, streng vs. freundlich den zweiten Faktor zu definieren. Charakterzüge, die den dritten Faktor in allen acht Stichproben definierten, waren: III. leichtfertig vs. verantwortlich und skrupellos vs. gewissenhaft. Darüber hinaus definierten: entspannt, faul vs. aufdringlich ordentlich; aufhörend vs. ausdauernd und unkonventionell vs. konventionell bei sechs der acht Proben den dritten Faktor. Charakterzüge, die den vierten Faktor in allen acht Stichproben definieren, waren: IV. besorgt, ängstlich, vs. gelassen; leicht verärgert vs. ausgeglichen, zäh und veränderlich vs. emotional stabil. [Faktoren, die ebenfalls zur Definition dieses Faktors beitrugen, waren:] neurotisch vs. nicht neurotisch; hypochondrisch vs. nicht hypochondrisch und emotional vs. ruhig. Der fünfte Faktor war weniger klar definiert als die ersten vier. Insgesamt war der fünfte Faktor in allen acht Stichproben nur durch die folgenden drei Charakterzüge definiert: V. flegelhaft vs. intellektuell, kultiviert; ungeschickt, unbeholfen vs. elegant und unreif vs. selbstständig denkend. II 91 Die fünf wiederkehrenden Faktoren wurden als folgende bezeichnet: (a) Begeisterungsfähigkeit [andere: "Extraversion"], (b) Verträglichkeit, (c) Verlässlichkeit, (d) emotionale Stabilität und (e) Kultur. II 94 Gegenargumente gegen Tupes und Christal: VsTupes/VsChristal: Eine der ersten Fragen, die man sich zu jeder Studie stellen sollte, lautet: "Wie repräsentativ ist die Stichprobe der Probanden?"(...) Tupes und Christal verwendeten acht Gruppen, und nur zwei davon waren Bachelor-Studenten. Zwei der Stichproben waren jedoch Master-Psychologiestudenten (eine ziemlich exklusive Gruppe) und die anderen vier waren Studenten oder Absolventen der Offiziersanwärterschule der US-Luftwaffe (wiederum eine ziemlich spezialisierte Gruppe). Am ungünstigsten war jedoch, dass nur eine der acht Stichproben durch Frauen repräsentiert wurde und in dieser Stichprobe teilten sich die Bewertungen, die den Kulturfaktor in den sieben männlichen Stichproben definierten, in zwei Faktoren auf. Tupes und Christal (1961/1992)(4) geben die Nationalität und ethnische Zugehörigkeit der Probanden in den acht Stichproben nicht an. Ebenso wenig wie die Originalberichte, aus denen sie ihre Daten entnahmen, wir können jedoch ziemlich sicher sein, dass fast alle von ihnen englischsprachige, kaukasische Amerikaner waren. VsVs: Nachfolgende Forschungen berichteten von konsistenten Geschlechtsunterschieden bei einigen der Big Five-Charakterzüge, wobei Frauen ein höheres Maß an Verträglichkeit und Neurotizismus ausdrücken als Männer (z.B. Costa, Terracciano, & McCrae, 2001)(5). Andererseits haben keine Studien Hinweise darauf erbracht, dass es bei Männern und Frauen unterschiedliche grundlegende Charakterzugfaktoren gibt. >Charakterzüge, >Persönlichkeit, >Verträglichkeit, >Offenheit, >Extraversion, >Neurotizismus >Gewissenhaftigkeit. 1. Cattell, R. B. (1945). The description of personality: Principles and findings in a factor analysis. American Journal of Psychology, 58, 69–90. 2. Cattell, R. B. (1947). Confirmation and clarification of primary personality factors. Psychometrika, 12, 197–220. 3. Fiske, D. W. (1949). Consistency of the factorial structures of personality ratings from different sources. Journal of Abnormal and Social Psychology, 44, 329–344. 4. Tupes, E. C., & Christal, R. E. (1961/1992). Recurrent personality factors based on trait ratings (USAF ASD Technical Report No. 61–97). Aeronautical Systems Division, Personnel Laboratory: Lackland Air Force Base, TX. (Reprinted as Tupes, E. C., & Christal, R. E. (1992). Recurrent personality factors based on trait ratings. Journal of Personality, 60, 225–251.) 5. Costa, P. T., Terracciano, A., & McCrae, R. R. (2001). Gender differences in personality traits across cultures: Robust and surprising findings. Journal of Personality and Social Psychology, 81, 322–331. Johnson, John A.: “Five Strong and Recurrent Personality Factors - Revisiting Tupes and Christal (1961)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 87-100. |
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| Charakterzüge | Eysenck | Corr I 130 Charakterzüge/Drei-Faktoren-Modell/Eysenck/De Raad: Bei der Definition seines strukturellen Persönlichkeitsbegriffs unterschied Eysenck (1947)(1) vier hierarchisch organisierte Verhaltensebenen, nämlich einzelne beobachtbare Verhaltensakte, gewohnheitsmäßige Reaktionen (wiederkehrende Handlungen unter bestimmten Umständen), Charakterzüge (basierend auf Wechselwirkungen verschiedener gewohnheitsmäßiger Reaktionen) und Arten von Charakterzügen (basierend auf Korrelationen zwischen verschiedenen Charakterzügen). Auf der Grundlage der Bewertungen dieser "absichtlich heterogenen" Itemliste kam Eysenck zu zwei Faktoren, einem allgemeinen "Neurotizismus"-Faktor und einem Faktor, der "affektive, dysthymische, gehemmte" Symptome und Charakterzüge sowie "hysterische und asoziale" Symptome und Charakterzüge kontrastiert. Eysenck schlug vor, dass dieser zweite Faktor mit Jungs Unterscheidung zwischen Introversion und Extraversion zusammenhängt. >Introversion, >Extraversion. Corr I 131 (…) weitere empirische Ergebnisse führten zur Entstehung der Dimension des Psychotismus (Eysenck 1952)(2). Diese drei Faktoren oder Arten von Charakterzügen, Psychotik, Extraversion und Neurotizismus (das PEN-System), spielten weiterhin eine wichtige Rolle bei Eysencks struktureller Modellierung der Persönlichkeit. Für die Entwicklung seiner späteren Fragebögen zur Messung von P, E und N, des Maudsley Persönlichkeitsinventars (Eysenck 1959)(3) und des Eysenck Persönlichkeitsinventars (Eysenck 1964)(4) verwendete Eysenck Elemente der Guilford-Inventare (vgl. Guilford 1975)(5). Eysenck/Cattell/De Raad: Cattell und Eysenck waren sich allgemein einig über die hierarchische Organisation der Merkmale. EysenckVsCattell: Während sich Cattells Hierarchiekonzeption (Cattell 1943(6), 1945(7), 1950(8)) aus Vorannahmen und Beobachtungen entwickelte und vor allem durch psychometrische Überlegungen und empirische Ergebnisse weiter geformt wurde, hatte Eysencks Hierarchie auf vier Ebenen ein expliziteres theoretisches Format, von Verhaltensweisen bis hin zu Merkmalstypen, dessen Format eher durch theoretische und empirische als durch psychometrische Überlegungen bestimmt war. >R. Cattell. Corr I 132 Cattell: bezogen auf Charakterzugselemente, die in jeder möglichen internen Kombination positiv korrelieren, als Syndrome oder Oberflächen-Charakterzüge. Sehr breite Oberflächen-Charakterzüge werden als Typen bezeichnet (Cattell 1950(8), S. 21). Die Cattell-Liste, bestehend aus den zuvor beschriebenen 35 Merkmalsvariablen, war das Ergebnis eines gründlichen Prozesses der Reduktion der gesamten Merkmalsdomäne, um den Charakterzugbereich vollständig zu beschreiben. Eysenck: benutzte den Begriff Typ, um sich auf Faktoren zweiter Ordnung zu beziehen, als Organisationen von Charakterzügen, die auf beobachteten Korrelationen basieren. Eysencks Liste, die bereits erwähnte 39-Item-Liste, war das Ergebnis einer Auswahl aus dem "Item-Sheet" für Patienten, einem Hybrid mit Elementen, die die Sozialgeschichte, die Persönlichkeit und die Symptome eines Patienten abdecken. >Persönlichkeit, >Verträglichkeit, >Offenheit, >Neurotizismus, >Gewissenhaftigkeit. 1. Eysenck, H. J. 1947. Dimensions of Personality. London: Kegan Paul 2. Eysenck, H. J. 1952. The scientific study of personality. London: Routledge and Kegan 3. Eysenck, H. J. 1959. Manual for the Maudsley Personality Inventory. University of London Press 4. Eysenck, H. J. 1964. Manual of the Eysenck Personality Inventory. University of London Press 5. Guilford, J. P. 1975. Factors and factors of personality, Psychological Bulletin 82: 802–14 6. Cattell, R. B. 1943. The description of personality: basic traits resolved into clusters, Journal of Abnormal and Social Psychology 38: 476–507 7. Cattell, R. B. 1945. The description of personality: principles and findings in a factor analysis, American Journal of Psychology 58: 69–90 8. Cattell, R. B. 1950. Personality: a systematic theoretical and factual study, New York: McGraw-Hill Boele De Raad, “Structural models of personality”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
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| Charakterzüge | Odbert | Corr II 29 Charakterzug-Wörter/Charakterzüge/Lexikon/Studienhintergrund/ Allport/Odbert/Saucier: Die Essenz von [Allports und Odberts Artikel 'Trait-names: A psycho-lexical study'] war eine Klassifizierung von (...) englischen Charakterzug-Wörtern (engl. trait names) (Begriffe, die das Verhalten eines Menschen von dem eines anderen unterscheiden) in vier Kategorien. >Lexikalische Hypothese, >Lexikalische Studien. (...) Aus wissenschaftlicher Sicht könnten einige der grundlegendsten Charakterzüge durch das Studium von Begriffen entdeckt werden, die im Gebrauch der natürlichen Sprache impliziert sind. >Alltagssprache, >Begriffe, >Sprachgebrauch, >Sprachgemeinschaft, >Persönlichkeit, >Charakterzüge. Wenn eine Unterscheidung im Lexikon stark vertreten ist - und in jedem Wörterbuch zu finden ist - kann davon ausgegangen werden, dass sie von praktischer Bedeutung ist. Dies liegt daran, dass der Repräsentationsgrad eines Charakterzuges in der Sprache eine gewisse Entsprechung mit der allgemeinen Bedeutung des Charakterzuges in Transaktionen der realen Welt hat. Wenn also ein Wissenschaftler Charakterzüge identifiziert, die in der natürlichen Sprache stark repräsentiert sind, identifiziert dieser Wissenschaftler gleichzeitig die möglicherweise wichtigsten Charakterzüge. >Relevanz. II 30 Studiendesign/Allport/Odbert: Allport und Odbert wandten sich an Webster's New International Dictionary (1925)(1), ein Kompendium mit etwa 400.000 einzelnen Begriffen. Indem sie die Urteile von drei Ermittlern (sie selbst und eine Person, die nur als "AL" bezeichnet wurde, (...)) kombinierten, erstellten sie eine Liste von 17.953 Charakterzug-Wörtern in englischer Sprache, die sich auf das folgende Kriterium für die Aufnahme stützte: "die Fähigkeit eines Begriffs, das Verhalten eines Menschen von dem eines anderen Menschen zu unterscheiden" (S. 24)(2). Allport und Odbert gingen noch weiter und teilten die Begriffe in vier Kategorien oder Spalten. Die (...) Begriffe in Spalte I waren 'neutrale Begriffe, die mögliche II 31 persönliche Eigenschaften" (S. 38)(2) bestimmten - genauer definiert als "verallgemeinerte und personalisierte bestimmende Tendenzen und konsistente und stabile Modi der Anpassung eines Individuums" an seine Umgebung (S. 26)(2). Die (...) Begriffe in Spalte II waren "Begriffe, die in erster Linie vorübergehende Stimmungen oder Aktivitäten beschreiben" (...). Bei den (...) Begriffen in Spalte III handelte es sich um "gewichtete Begriffe, die soziale und charakterliche Urteile über persönliches Verhalten oder bezeichneten Einfluss auf andere vermitteln" (S. 27)(2) (...).Die anderen (...) Begriffe fielen in die Kategorie "Sonstiges" in Spalte IV, die als "metaphorische und zweifelhafte Begriffe" (S. 38) bezeichnet wurden(2). Diese letzte Kategorie umfasste Begriffe, die physische Eigenschaften und verschiedene Fähigkeiten beschreiben (...). II 33 Befund/Bericht/Odbert: 1. Allport und Odbert argumentieren überzeugend, dass ein normales menschliches Leben im Grunde nicht ohne einen gewissen Bezug zu Persönlichkeitsdispositionen ablaufen kann. Es gibt kein besseres Argument als ihre pointierten Worte aus der Monographie: "Sogar der Psychologe, der sich gegen Charakterzüge ausspricht und leugnet, dass ihre symbolische Existenz mit der 'realen Existenz' übereinstimmt, wird dennoch ein überzeugendes Empfehlungsschreiben schreiben, um zu beweisen, dass einer seiner Lieblingsschüler 'vertrauenswürdig, selbständig und sehr kritisch' ist" (S. 4-5)(2). 2. Allport und Odbert weisen darauf hin, dass die Dispositionen, auf die sich Charakterzug-Wörter beziehen, mehr als nur ein Gesprächsartefakt und auch mehr als eine Form alltäglicher Irrtümer sind (auch wenn sie das zum Teil sein mögen). Sie sind bis zu einem gewissen Grad nützlich für das Verständnis und die Vorhersage, wie spätere Forschungen bestätigen (Roberts et al., 2007)(3). [Die nachfolgende Behauptung besagt, dass] der Repräsentationsgrad eines Charakterzuges in der Sprache eine gewisse Übereinstimmung mit der allgemeinen Bedeutung dieses Charakterzuges in Transaktionen der realen Welt hat. >Dispositionen, >Repräsentation. II 34 3. (...) Die Wissenschaft kann sich auf den Korpus der sprachlichen Vernunftbegriffe stützen und darauf aufbauen. Anstatt sich ausschließlich auf die Top-down-Gambits der Theoretiker zu verlassen, gibt es die Möglichkeit eines generativen Bottom-up-Ansatzes. II 35 4. (...) Allport und Odbert erkannten eine der Persönlichkeitssprache innewohnende Schwierigkeit: Charakterzug-Wörter bedeuten für verschiedene Menschen unterschiedliche Dinge. Bis zu einem gewissen Grad sind diese Bedeutungen abhängig von den 'Denkgewohnheiten' (S. 4)(2). Ein Grund dafür ist die Polysemie (mehrere unterschiedliche Bedeutungen), die viele Wörter aufweisen. >Konventionen, >Sprachgebrauch, >Sprachgemeinschaft, >Bedeutung, >Referenz. 5. Innerhalb der Wissenschaft könnte die Schwierigkeit durch explizite Kommunikation und Konsens noch weiter gelöst werden. Für Allport und Odbert bedeutete dies, Charakterzüge in einer sorgfältigen und logischen Weise zu benennen und nicht nur zu kodifizieren, sondern auch die natürlich-sprachliche Terminologie zu "reinigen" (S. vi)(2). II 36 6. Allport und Odbert interessierten sich in erster Linie für Tendenzen, die "konsistente und stabile Formen der Anpassung eines Individuums an seine Umgebung" sind und nicht "nur vorübergehendes und spezifisches Verhalten" (S. 26)(2). 7. (...) Charakterzüge spiegeln eine Kombination der biophysikalischen Einflüsse und etwas Kulturelleres (vielleicht historisch Unterschiedliches) wider. (...) Charakterisierungen menschlicher Eigenschaften werden teilweise durch "zeittypische Normen und Interessen" (S. 2)(2) in einer bestimmten gesellschaftlichen Epoche bestimmt. [Auf diese Weise werden] Charakterzüge zum Teil 'entsprechend den kulturellen Anforderungen erfunden' (S. 3)(2). II 37 VsAllport/VsOdbert: 1. (...) sie [Allport und Odbert] ignorieren und verkürzen den kulturellen Anteil, sowohl im Hinblick auf Fragen der interkulturellen Verallgemeinerbarkeit als auch darauf, wie Charakterzüge selbst kulturrelevante Inhalte widerspiegeln können. 2. Nach ihrer ausgeprägten "Charakterzug-Hypothese" (S. 12)(2) besitzen keine zwei Personen "genau den gleichen Charakterzug" (S. 14)(3) und jedes "Individuum unterscheidet sich in jedem seiner Charakterzüge von jedem anderen Individuum" (S. 18)(2). Das Problem ist nicht, dass der Individualismus falsch ist; vielmehr mag es ethnozentrisch sein, einen individualistischen Filter durch die gesamte Persönlichkeitspsychologie zu ziehen und in der Tat liegen solche idiothetischen Ansätze außerhalb des Mainstreams der aktuellen und neueren Persönlichkeitspsychologie. >Persönlichkeitspsychologie. II 38 3. Ein weiterer Aspekt des Denkens (...), der im Rückblick seltsam erscheinen mag, ist die Vorstellung eines einzigen, kardinalen Charakterzuges, der bestimmende Tendenzen in einem individuellen Leben liefert. (...) ein bestimmter Charakterzug wird so allgegenwärtig in einer Person, dass es zu einem ausgeprägten Fokus der Organisation wird. Siebzig Jahre später scheint es immer noch einen Mangel an Beweisen für Kardinalcharakterzüge zu geben, die eine mehr oder weniger feindselige Übernahme durchführen und den Rest des Persönlichkeitssystems bestimmen und strukturieren. II 39 4. Allport und Odbert plädieren für eine neutrale Terminologie in der Wissenschaft. Leider hat es den Anschein, dass sie den Wunsch nach ungewichtetem, emotionsfreiem Vokabular bis in die Charakterzug-Inhalte ausdehnen, die sich in den Charakterzug-Wörtern in der Sprache zeigen, was verwirrende Folgen hat. Aus dieser Sicht sind die Bezeichnungen der Charakterzüge (...), die durch eine affektive Polarität wertend und "emotional gefärbt" (S. v)(2), verdächtig und weniger "studienwürdig" als die neutralen Bezeichnungen. Jedoch sind Begriffe wie "böse" und "Tugend" wegen ihres extrem affektiven Tons besonders "studienwürdig" (...). II 40 5. (...) Die zahlenmäßig größte Kategorie von Bezeichnungen für Charakterzüge war die soziale Bewertung. Sie geben jedoch keinen Aufschluss darüber, warum die dritte Spalte, die soziale Beurteilungen widerspiegelt, die wahrscheinlich nicht mit biophysikalischen Merkmalen in Zusammenhang stehen, die größte Komponente in der Wahrnehmung einer Person sein sollte. >Akzeptierbarkeit. 6. (...) die Vorstellung, dass zensorische und moralischen Begriffe - Tugenden, II 41 [und] Laster, was auch immer mit Tadel oder Lob verbunden ist, ganz zu schweigen von sozialen Auswirkungen - für einen Psychologen keine Verwendung haben, ist heute obsolet. 7. Die besondere Allport- und Odbert-Einteilung von Charakterzug-Wörtern in vier Kategorien für bare Münze zu nehmen, bedeutet, die Annahmen einer spezialisierten Theorie der Charakterzüge zu übernehmen, deren Hauptaussagen auf der Grundlage der Klassifizierung selbst konstruiert werden können. (...) Die Beachtung von Emotionen und Moral würde uns von den zentralen Aspekten der Persönlichkeit ablenken, die dauerhafte Konsistenzen widerspiegeln und die in der Person selbst und außerhalb des Einflusses der Gesellschaft wirken (...). 1. Webster’s new international dictionary of the English language (1925). Springfield, MA: Merriam. 2. Allport, G. W., & Odbert, H. S. (1936). Trait-names: A psycho-lexical study. Psychological Monographs, 47 (1, Whole No. 211). 3. Roberts, B. W., Kuncel, N. R., Shiner, R., Caspi, A., & Goldberg, L. R. (2007). The power of personality: The comparative validity of personality traits, socioeconomic status, and cognitive ability for predicting important life outcomes. Perspectives on Psychological Science, 2, 313–345. Saucier, Gerard: “Classification of Trait-Names Revisiting Allport and Odbert (1936)”, In: Philip Corr (Ed.), 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 29-45. |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Charakterzüge | Tupes | Corr II 87 Charakterzüge/Tupes/Christal/Johnson: Nachdem Allport und Odbert (...) in Websters ungekürztem New International Dictionary 17.953 Wörter für menschliche Charakterzüge gefunden hatten, [entstand die Forderung, diese Liste zu kürzen]. Cattell reduzierte seinen Satz von 35 Charakterzug-Variablen noch einmal mit einem statistischen Verfahren namens Faktorenanalyse. Seine Faktoranalysen zeigten 11 Charakterzugfaktoren in einer Studie und 12 Charakterzugfaktoren in einer zweiten Studie (Cattell, 1945, 1947)(1,2). >R. Cattell, >Lexikalische Hypothese. Alles hätte damit in Ordnung sein können, außer dass ein anderer Satz von Faktoranalysen, der von Donald Fiske (1949...)(3) veröffentlicht wurde, wiederholt fünf statt der von Cattell entdeckten 11 oder 12 Faktoren zeigte. Die Studie von Tupes und Christal (1961/1992)(4) sollte den Unterschied zwischen den Ergebnissen von Cattell und Fiske erklären. II 88 Faktor-Rotation/Tupes/Christal: (...) Tupes und Christal glaubten, dass der wahrscheinlichste Grund für die unterschiedlichen Ergebnisse darin bestand, dass Cattell in seinen statistischen Analysen die so genannte schräge Rotation (engl. oblique rotation) der Faktoren verwendete, während Fiske die so genannte orthogonale Rotation der Faktoren verwendete. Der Unterschied zwischen den beiden Rotationsstrategien besteht darin, dass schräge Faktoren einander überlappen dürfen, während orthogonale Faktoren voneinander unabhängig sind (...). Tupes und Christal (1961/1992)(4) wollten nun testen, ob die Verwendung der gleichen (orthogonalen) Rotationsmethode die gleichen Faktoren in verschiedenen Sätzen von Charakterzugbewertungsdaten erzeugen würde (...). Methode/Tupes/Christal: [Tupes und Christal] re- II 89 analysierten einfach acht bestehende Datensätze. Die Methode von Tupes und Christal wurde durch die Beobachtung motiviert, dass Unterschiede in der Anzahl der Charakterzugfaktoren, die in früheren Studien gefunden wurden, entweder auf die Unterschiede in den Teilnehmer- und Bewertungsskalen oder auf Unterschiede in der verwendeten Methode der Faktorenanalyse (...) zurückzuführen sein könnten. Durch die erneute Analyse von Daten aus diesen verschiedenen Stichproben mit der gleichen Form der Faktorenanalyse kamen sie zu dem Schluss, dass, wenn ähnliche Faktoren in den Stichproben gefunden werden, diese Faktoren "universell genug sein könnten, um in einer Vielzahl von Stichproben aufzutreten, und [...] nicht übermäßig empfindlich auf die Bewertungsbedingungen oder -situationen reagieren" (Tupes & Christal, 1992, S. 227)(4). Ergebnisse/Charakterzugfaktoren/Tupes/Christal: Tupes und Christal (1992) fassen ihre Ergebnisse in folgendem Satz zusammen: "In jeder Stichprobe außer einer schienen fünf relativ starke und wiederkehrende Charakterzugfaktoren zu dominieren und nichts Weiteres von Bedeutung" (S. 245)(4). (...) Unabhängig von der Gesamtzahl der Faktoren, die in jeder Stichprobe gefunden wurden, war in jeder Stichprobe jeder der ersten fünf Faktoren II 90 klar definiert durch denselben einzigartigen Satz von Charakterzug-Wörtern. Tupes und Christal bezeichneten das gemeinsame Thema unter den Charakterzugwörtern, die jeden der fünf Faktoren definierten, mit einem Begriff aus früheren faktorenanalytischen Studien. Der erste Faktor von Tupes und Christal wurde in allen acht Stichproben durch die folgenden Charakterzüge definiert: I still vs. gesprächig; verschwiegen vs. offen; vorsichtig vs. abenteuerlustig; unterwürfig vs. durchsetzungsfähig; und träge, langsam vs. energisch. Zusammen beschreiben diese Charakterzüge nach Tupes und Christal einen wiederkehrenden Faktor, den andere als Extraversion bezeichnen (...). Die Charakterzüge, die den zweiten Faktor in allen acht Stichproben definierten, waren: II. gehässig vs. gutmütig; obstruktiv vs. kooperativ; misstrauisch vs. vertrauensvoll; unflexibel vs. anpassungsfähig; und kühl, distanziert vs. aufmerksam gegenüber Menschen. Bei sechs der acht Proben halfen: eifersüchtig vs. nicht eifersüchtig; anspruchsvoll vs. emotional reif; eigenwillig vs. sanft; und hart, streng vs. freundlich den zweiten Faktor zu definieren. Charakterzüge, die den dritten Faktor in allen acht Stichproben definierten, waren: III. leichtfertig vs. verantwortlich und skrupellos vs. gewissenhaft. Darüber hinaus definierten: entspannt, faul vs. aufdringlich ordentlich; aufhörend vs. ausdauernd und unkonventionell vs. konventionell bei sechs der acht Proben den dritten Faktor. Charakterzüge, die den vierten Faktor in allen acht Stichproben definieren, waren: IV. besorgt, ängstlich, vs. gelassen; leicht verärgert vs. ausgeglichen, zäh und veränderlich vs. emotional stabil. [Faktoren, die ebenfalls zur Definition dieses Faktors beitrugen, waren:] neurotisch vs. nicht neurotisch; hypochondrisch vs. nicht hypochondrisch und emotional vs. ruhig. Der fünfte Faktor war weniger klar definiert als die ersten vier. Insgesamt war der fünfte Faktor in allen acht Stichproben nur durch die folgenden drei Charakterzüge definiert: V. flegelhaft vs. intellektuell, kultiviert; ungeschickt, unbeholfen vs. elegant und unreif vs. selbstständig denkend. II 91 Die fünf wiederkehrenden Faktoren wurden als folgende bezeichnet: (a) Begeisterungsfähigkeit [andere: "Extraversion"], (b) Verträglichkeit, (c) Verlässlichkeit, (d) emotionale Stabilität und (e) Kultur. II 94 Gegenargumente gegen Tupes und Christal: VsTupes/VsChristal: Eine der ersten Fragen, die man sich zu jeder Studie stellen sollte, lautet: "Wie repräsentativ ist die Stichprobe der Probanden?"(...) Tupes und Christal verwendeten acht Gruppen, und nur zwei davon waren Bachelor-Studenten. Zwei der Stichproben waren jedoch Master-Psychologiestudenten (eine ziemlich exklusive Gruppe) und die anderen vier waren Studenten oder Absolventen der Offiziersanwärterschule der US-Luftwaffe (wiederum eine ziemlich spezialisierte Gruppe). Am ungünstigsten war jedoch, dass nur eine der acht Stichproben durch Frauen repräsentiert wurde und in dieser Stichprobe teilten sich die Bewertungen, die den Kulturfaktor in den sieben männlichen Stichproben definierten, in zwei Faktoren auf. Tupes und Christal (1961/1992)(4) geben die Nationalität und ethnische Zugehörigkeit der Probanden in den acht Stichproben nicht an. Ebenso wenig wie die Originalberichte, aus denen sie ihre Daten entnahmen, wir können jedoch ziemlich sicher sein, dass fast alle von ihnen englischsprachige, kaukasische Amerikaner waren. VsVs: Nachfolgende Forschungen berichteten von konsistenten Geschlechtsunterschieden bei einigen der Big Five-Charakterzüge, wobei Frauen ein höheres Maß an Verträglichkeit und Neurotizismus ausdrücken als Männer (z.B. Costa, Terracciano, & McCrae, 2001)(5). Andererseits haben keine Studien Hinweise darauf erbracht, dass es bei Männern und Frauen unterschiedliche grundlegende Charakterzugfaktoren gibt. >Charakterzüge, >Persönlichkeit, >Verträglichkeit, >Offenheit, >Extraversion, >Neurotizismus >Gewissenhaftigkeit 1. Cattell, R. B. (1945). The description of personality: Principles and findings in a factor analysis. American Journal of Psychology, 58, 69–90. 2. Cattell, R. B. (1947). Confirmation and clarification of primary personality factors. Psychometrika, 12, 197–220. 3. Fiske, D. W. (1949). Consistency of the factorial structures of personality ratings from different sources. Journal of Abnormal and Social Psychology, 44, 329–344. 4. Tupes, E. C., & Christal, R. E. (1961/1992). Recurrent personality factors based on trait ratings (USAF ASD Technical Report No. 61–97). Aeronautical Systems Division, Personnel Laboratory: Lackland Air Force Base, TX. (Reprinted as Tupes, E. C., & Christal, R. E. (1992). Recurrent personality factors based on trait ratings. Journal of Personality, 60, 225–251.) 5. Costa, P. T., Terracciano, A., & McCrae, R. R. (2001). Gender differences in personality traits across cultures: Robust and surprising findings. Journal of Personality and Social Psychology, 81, 322–331. Johnson, John A.: “Five Strong and Recurrent Personality Factors - Revisiting Tupes and Christal (1961)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 87-100. |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Chinese Room | Chinese Room: Gedankenexperiment von J.R. Searle: in einem abgeschlossenen Raum sitzt ein Mensch, der kein Chinesisch versteht und übersetzt Zettel mit chinesischen Texten, die unter der Tür durchgeschoben werden, nach einem Buch mit Anweisungen ins Englische. Die Diskussion geht darum, ob man das System als Ganzes als verstehend beschreiben kann. |
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| Chinese Room | Chalmers | I 323 Chinese Room/Searle/Chalmers: Searles Argument richtet sich gegen die Möglichkeit von Verstehen bzw. Intentionalität. >Intentionalität/Searle, >Intentionalität, >Verstehen, >Übersetzung. ChalmersVsSearle: Wir trennen dagegen Intentionalität und Verstehen von der Möglichkeit, bewusste Erlebnisse zu haben. >Erleben. Wir zerlegen Searles Argument in zwei Teile: (1) Kein Programm erreicht Bewusstsein. >Bewusstsein. (2) Kein Programm erreicht Intentionalität (Verstehen). Searle glaubt, dass (1) (2) impliziert, andere bezweifeln das. Starke Künstliche Intelligenz: Wenn (1) wahr ist, schlägt die Starke KI-These fehl, aber wenn (1) widerlegt werden kann, würde sogar Searle akzeptieren, dass das Chinese Room-Argument fehlgeschlagen ist. Die Verbindung von Bewusstsein und Verstehen kann beiseitegelegt werden, es ist kein entscheidendes Argument gegen Künstliche Intelligenz. >Künstliche Intelligenz, >Starke Künstliche Intelligenz, >Artificial General Intelligence, >Human Level Intelligence. FodorVsChinese Room: (Fodor 1980)1: betrachtet die Verbindung zur Umwelt des Systems. >Umwelt. ReyVsChinese Room: (Rey 1986) 2 dito. BodenVsChinese Room: (Boden 1988) 3 zeigt funktionale oder prozedurale Ansätze der Intentionalität auf. ThagardVsChinese Room: (Thagard 1986) 4 dito. Chalmers: Dabei geht es um Intentionalität (Verstehen) und widerlegt nicht die Möglichkeit von Bewusstsein (bewussten Erlebnissen). Chinese Room/Chalmers: Das Argument besagt, dass ein Programm nicht hinreichend ist z.B. für die Erfahrung eins roten Gegenstands, wenn es in einer schwarz-weißen Umgebung implementiert ist. Dann braucht Bewusstsein mehr als ein relevantes Programm. Starke KIVsChinese Room/Starke KIVsSearle: Es ist das ganze System, dem man Bewusstsein zuschreiben muss, nicht den einzelnen Elementen. SearleVsVs: Das sei unplausibel. Chalmers: Tatsächlich ist es unplausibel, wenn der Bewohner des Zimmers kein Bewusstsein haben soll, wohl aber der Bewohner zusammen mit dem Papier. I 324 Verschwindende Qualia: Das Argument kann auch auf den Chinese Room angewendet werden (…+…) >Qualia/Chalmers. I 325 Tanzende Qualia: dito (…+…) Fazit/Chalmers: Ein System aus Dämonen und Papierschnipseln bei dem die Zahl der Dämonen und Schnipsel reduziert werden kann, hat die gleichen bewussten Erlebnisse wie z.B. Chinesisch zu verstehen oder etwas Rotes zu sehen. >Reduktion. Chinese Room/Chalmers: 1. So wie der Chinese Room von Searle beschrieben ist, ist der Stapel Papier kein einfacher Stapel, sondern ein dynamisches System der Symbolmanipulation. 2. Die Rolle des Bewohners (in unserer Variante: des Dämons, der vervielfacht werden kann) ist ganz sekundär. Wenn wir die kausale Dynamik zwischen den Symbolen betrachten, ist es nicht mehr so unplausibel, dem System Bewusstsein zuzuschreiben. >Symbolmanipulation. I 326 Der Bewohner des Chinese Room ist nur eine Art kausaler Vermittler. 1. J. Fodor, Searle on what only brains can do. Behavioral and Brain sciences 3, 1980, pp. 431-32 2. G. Rey, Waht's really going on in Searle's "Chinese Room", Philosophical Studies 50, 1986: pp. 169-85. 3. M. Boden, Escaping from the Chinese Room, in: Computer Models of Mind, Cambridge 1988. 4. P. Thagard, The emergence of meaning: An escape from Searle's Chinese Room. Behaviorism 14, 1986: pp. 139-46. |
Cha I D. Chalmers The Conscious Mind Oxford New York 1996 Cha II D. Chalmers Constructing the World Oxford 2014 |
| Chinese Room | Pauen | Pauen I 149f Chinese Room/Searle: (1980) (VsFodor) Träfe Searles Beispiel vom Chinese Room zu, würde das bedeuten, dass verbales Verhalten als Kriterium bei der Zuschreibung von Bewusstsein prinzipiell ungeeignet ist. - VsTuringtest. - Funktionale Merkmale sind keine Gewähr für Bedeutung. >Bedeutung, >Semantik, >Syntax, >Verstehen, >Sprache, >Übersetzung. I 151 VsChinese Room: Der Insasse berücksichtigt die Sprechersituation nicht - auch keine vorangegangenen Fragen. - Er kann keine Wiederholungen erkennen. - Das System ist nicht lernfähig - kleinste Abweichungen wirken sich verheerend aus. >Lernen, >Kontextabhängigkeit, >Sprechen, >Kommunikation, >Wiederholung, >J. R. Searle. |
Pauen I M. Pauen Grundprobleme der Philosophie des Geistes Frankfurt 2001 |
| Chinese Room | Pinker | I 121f Chinese Room/Searle: These: Verstehen ist nicht Symbolverarbeitung. ChurchlandVsSearle: Dann kann man auch Maxwells Elektromagnetismus widerlegen: ein Mann schwenkt einen Stabmagneten: dann erzeugt er elektromagnetische Wellen, aber kein Licht. Falsch: Also sei Licht keine elektromagnetische Welle. Extrapolation: Dann ersteht auch bei höheren Frequenzen kein Licht. Analogie: Searle hat das Berechnen so verlangsamt, dass man darin kein Verstehen mehr sehen kann. Pinker: Wenn jemand in Sekundenschnelle alle Regeln aus dem Übersetzungshandbuch anwendete, würden wir nicht sagen, er könne kein Chinesisch. PinkerVsSearle: Er untersucht nur die Bedeutung des Wortes Verstehen; aber man braucht das Wort ja nicht zu verwenden. >Verstehen, >Übersetzung, >Denken, >Sprache, >Symbolverarbeitung, >Symbol. |
Pi I St. Pinker Wie das Denken im Kopf entsteht München 1998 |
| Chinese Room | Searle | I 60 ff Chinese Room/Searle: Das gesamte System bzw. sein Insasse versteht kein Chinesisch, verhält sich aber täuschend so als ob. VsComputermodell: Verstehen ist in Wirklichkeit entscheidend. >VsChinese room. I 236 Chinese Room: Searle/These: Semantik ist der >Syntax nicht intrinsisch. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Chinesische Geschichte | Mokyr | Mokyr I 4 Chinesische Geschichte/Chinesische Wirtschaft/Mokyr/Tabellini: Obwohl das Wachstum der Clans in China ein allmählicher, von unten nach oben verlaufender Prozess war und sich nur schwer zeitlich genau einordnen lässt, herrscht allgemein Einigkeit darüber, dass sich Clans während und nach der Song-Dynastie, an der Wende zum ersten Jahrtausend n. Chr., als wichtige soziale Organisation unter den einfachen Bürgern verbreiteten und in den folgenden Jahrhunderten weiter expandierten. Anfangs konzentrierten sich die Aktivitäten der Clans auf die Stärkung des Gruppenbewusstseins durch Ahnenverehrung, entwickelten sich dann aber weiter, um ihren Mitgliedern eine Vielzahl von Clubgütern und lokalen öffentlichen Gütern zur Verfügung zu stellen, wie z. B. religiöse Riten zur Verehrung gemeinsamer Vorfahren, gemeinsame Schulen und Bildung, Risikoteilung durch Unterstützung von Witwen und Waisen und, wenn nötig, Schutz vor Banditen oder Piraten. In den Jahrhunderten nach der Song-Dynastie entwickelten sich die Aktivitäten der Clans weiter. Sie förderten den sozialen Status und das Wohlergehen ihrer Mitglieder, organisierten Märkte, arbeiteten mit Staatsbeamten bei der öffentlichen Verwaltung zusammen, schlichteten Handelsstreitigkeiten und fungierten als politische Lobbyisten. Mit den Worten von Ebrey (1986, S. 55-56)(1): „Um große Ländereien organisierte Sippen scheinen die funktionalen Nachfolger von Gemeinschaftsfamilien zu sein. Wie Gemeinschaftsfamilien übten sie erhebliche Kontrolle über Einzelpersonen aus, regelten deren Zugang zu materiellen Gütern und fungierten als soziale und politische Einheit in der größeren Gesellschaft.“ Selbst wenn sie kein gemeinschaftliches Eigentum besaßen, waren Sippen wichtige und flexible Organisationen, die für eine Gemeinschaft das produzierten, was Einzelpersonen nicht für sich selbst bereitstellen konnten. Clans leisteten jedoch mehr als nur die Bereitstellung lokaler öffentlicher Güter und Zusammenarbeit; sie wurden zu einer Säule der lokalen öffentlichen Verwaltung, spielten eine zentrale Rolle bei der Armenfürsorge und der Steuererhebung und ergänzten staatliche Maßnahmen auf lokaler Ebene (ohne jedoch über eine selbstverwaltete Autonomie über ein territoriales Hoheitsgebiet zu verfügen). Mokyr I 5 Neuere wissenschaftliche Untersuchungen haben die zentrale Bedeutung des Clans als wichtigste Einheit der sozialen Organisation in China bestätigt.* >Chinesische Wirtschaft, >Clans. [Im Gegensatz zur Entwicklung in China]: Europa: Auch in Europa verbreiteten sich nach der Jahrtausendwende Unternehmensgruppen, um denselben grundlegenden sozialen Bedürfnissen gerecht zu werden wie die chinesischen Abstammungsorganisationen: Sie leisteten gegenseitige Hilfe und teilten Risiken, koordinierten den Schutz vor externen Bedrohungen, übten religiöse Funktionen aus, hielten gemeinsame Rituale ab, um die kollektive Identität zu stärken, überwachten das „gute Verhalten” ihrer Mitglieder, sorgten für Bestattungen, setzten Verträge durch, schritten zur Konfliktlösung ein, halfen bei der Bereitstellung von Bildung und Ausbildung und erleichterten die Finanzierung von Produktions- und Handelsunternehmen. Viele europäische Unternehmensorganisationen entstanden im Mittelalter. Zu den frühesten gehörten Klöster und Konvente, die bereits in merowingischer Zeit verbreitet waren. Die Kirche selbst kann in vielerlei Hinsicht als „Mega-Unternehmen” angesehen werden. Universitäten entstanden später, sollten sich jedoch zu einem ungewöhnlich markanten und tragfähigen Beispiel für Unternehmen entwickeln. >Unternehmen, >Christliche Kirche, >Europa. Mokyr I 10 Politische Einigung: (…) China erreichte schon früh eine Vereinigung, während Europa viel länger politisch zersplittert blieb. Europa: Wie von vielen Wissenschaftlern anerkannt, ist ein wesentliches Merkmal der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Europas sein Polyzentrismus und seine politische Fragmentierung. Laut Mokyr (2016)(3) geht diese These auf David Hume und Immanuel Kant zurück und steht seitdem im Mittelpunkt des modernen Denkens von Ökonomen und Politikwissenschaftlern (Jones, 1981(4); Bernholz, Streit und Vaubel, 1998(5); Karayalçin, 2008(6)). Mokyr I 11 China: Im Gegensatz dazu gelang China schon früh die Vereinigung, was eine starke Konzentration der Staatsgewalt ermöglichte, bevor Gegenkräfte entstehen konnten. Mokyr I 12 Fragmentierung/geografische Faktoren: Einheit und Fragmentierung sind jedoch endogene Ergebnisse. Welche Faktoren sind für diese gegensätzlichen Entwicklungen in China und Europa verantwortlich? Einige Wissenschaftler verweisen auf die Geografie und insbesondere auf die von Diamond (1997)(7) populär gemachte und von Fernández-Villaverde et al. (2023)(8) quantitativ untersuchte Hypothese des „zerklüfteten Landes”. Das Gelände Europas ist zerklüftet und durch Berge und andere natürliche Barrieren unterbrochen. Auch China hat hohe Gebirgsketten, aber seine weite und fruchtbare Ebene zwischen zwei schiffbaren Flüssen hat wohl die Vereinigung unter einem großen Reich erleichtert. Dank seiner schiffbaren Flüsse ist China auch besser vernetzt als Europa, was sich in einer geringeren genetischen Variation und einer geringeren sprachlichen Heterogenität Chinas widerspiegelt (Scheidel 2019)(9). Ko et al. (2018)(10) und Scheidel (2019)(9) weisen auch darauf hin, dass die externen Bedrohungen Chinas während eines Großteils seiner Geschichte meist aus einer Richtung kamen: von den Nomaden im Norden. Auch diese Besonderheit trug dazu bei, eine Fragmentierung zu vermeiden, da die Truppen nahe der nördlichen Grenze stationiert werden konnten. Europa hingegen war externen Konflikten aus mehreren Richtungen ausgesetzt, was die Bildung starker Militärblöcke in verschiedenen geografischen Gebieten begünstigte. >Geografische Faktoren. Mokyr I 42 Städte: Während des größten Teils ihrer Geschichte wurden chinesische Städte von den zentral kontrollierten Verwaltungen der Landkreise, in denen sie lagen, regiert. Wie Weber (1958)(11) feststellte, verzichtete die kaiserliche Verwaltung, um das Risiko einer politischen Fragmentierung zu vermeiden, darauf, chinesischen Städten den Status exklusiver territorialer Einheiten zu verleihen (Stadtbezirke waren die wichtigste Verwaltungseinheit unterhalb der Landkreisebene), und Städte verfügten über keine eigenen Streitkräfte. Zur Zeit der Song-Dynastie wurden die meisten lokalen öffentlichen Güter in städtischen Gebieten, wie Feuerwachen, Waisenhäuser, Hospize, Krankenhäuser und andere öffentliche Dienstleistungen, von der Zentralverwaltung kontrolliert und finanziert, und die Stadtverwaltung lag in den Händen von Staatsbeamten, die für die Verwaltung der Region zuständig waren (Eberhard, 1956)(12). Als die Leistungsfähigkeit des Staates in der Ming- und Qing-Zeit abnahm, übernahmen nichtstaatliche Vereinigungen informell viele dieser öffentlichen Dienstleistungen, und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden viele oder sogar die meisten städtischen Dienstleistungen informell von Zünften und Heimatvereinen erbracht und aus Beiträgen oder aus dem Vermögen dieser Vereinigungen finanziert (Skinner 1977(13), S. 548-51). * Shiue und Keller (2023)(2) beispielsweise zeigen anhand der Gewalt während der Ming- und Qing-Dynastien als plausibel exogenem Behandlungseffekt, dass Claneffekte beim Erwerb von Humankapital für die Reaktion auf den Schock von zentraler Bedeutung waren. Sie verwenden Daten zu mehreren Generationen von 500 Paaren aus Tongcheng, einem Landkreis in der chinesischen Provinz Anhui, und zeigen, dass gruppenbezogene Effekte, die auf Verwandtschaft basieren, größer sind als gruppenbezogene Effekte, die auf Dörfern basieren. 1. Ebrey, Patricia Buckley. 1986. "The Early Stages in the Development of Descent Group Organization" in Ebrey, Patricia Buckley and James L. Watson, eds., Kinship Organization in Late Imperial China 1000-1940. Taipei, Taiwan: SMC Publishing Inc., pp. 16-61. 2. Shiue, Carol and Wolfgang Keller. 2023. “Human Capital Strategies for Big Shocks: The Case of the Fall of the Ming.” Unpublished working paper. 3. Mokyr, Joel. 2016. A Culture of Growth. Princeton, NJ: Princeton University Press. 4. Jones, Eric L. 1981. The European Miracle. Cambridge: Cambridge University Press. 5. Bernholz, Peter, Manfred Streit, and Roland Vaubel, eds. 1998. Political Competition, Innovation, and Growth. Berlin: Springer. 6. Karayalçin, Cem. 2008. “Divided we Stand, United we Fall: the Hume-North- Jones Mechanism for the Rise of Europe.” International Economic Review, Vol. 49, No. 3, pp. 973–99. 7. Diamond, Jared. 1997. Guns, Germs and Steel: The Fates of Human Societies. New York: Norton. 8. Fernández-Villaverde, Jesús, Mark Koyama, Youhong Lin and Tuan-Hwee Sng. 2020. “Fractured Land and Political Fragmentation.” Working Paper. 9. Scheidel, Walter. 2019. Escape from Rome: The Failure of Empire and the Road to Prosperity. Princeton: Princeton University Press. 10. Ko, Chiu Yu, Koyama, Mark and Sng, Tuan-Hwee. 2018. “Unified China and Divided Europe," International Economic Review, February, Vol.59, No. 1, pp. 285-327. 11. Weber, Max .1958. The City. Glencoe, IL: Free Press 12. Eberhard, Wolfram. 1956. “Data on the Structure of the Chinese City in the Pre-Industrial Period.” Economic Development and Cultural Change, Vol. 4, pp. 253-68 13. Skinner, George W., and Hugh Baker D. R. 1977. The City in Late Imperial China. Stanford: Stanford University Press. |
Mokyr I Joel Mokyr Guido Tabellini Social Organizations and Political Institutions: Why China and Europe Diverged CESifo Working Paper No. 10405 Munich May 2023 |
| Chinesische Geschichte | Tabellini | Mokyr I 4 Chinesische Geschichte/Chinesische Wirtschaft/Mokyr/Tabellini: Obwohl das Wachstum der Clans in China ein allmählicher, von unten nach oben verlaufender Prozess war und sich nur schwer zeitlich genau einordnen lässt, herrscht allgemein Einigkeit darüber, dass sich Clans während und nach der Song-Dynastie, an der Wende zum ersten Jahrtausend n. Chr., als wichtige soziale Organisation unter den einfachen Bürgern verbreiteten und in den folgenden Jahrhunderten weiter expandierten. Anfangs konzentrierten sich die Aktivitäten der Clans auf die Stärkung des Gruppenbewusstseins durch Ahnenverehrung, entwickelten sich dann aber weiter, um ihren Mitgliedern eine Vielzahl von Clubgütern und lokalen öffentlichen Gütern zur Verfügung zu stellen, wie z. B. religiöse Riten zur Verehrung gemeinsamer Vorfahren, gemeinsame Schulen und Bildung, Risikoteilung durch Unterstützung von Witwen und Waisen und, wenn nötig, Schutz vor Banditen oder Piraten. In den Jahrhunderten nach der Song-Dynastie entwickelten sich die Aktivitäten der Clans weiter. Sie förderten den sozialen Status und das Wohlergehen ihrer Mitglieder, organisierten Märkte, arbeiteten mit Staatsbeamten bei der öffentlichen Verwaltung zusammen, schlichteten Handelsstreitigkeiten und fungierten als politische Lobbyisten. Mit den Worten von Ebrey (1986, S. 55-56)(1): „Um große Ländereien organisierte Sippen scheinen die funktionalen Nachfolger von Gemeinschaftsfamilien zu sein. Wie Gemeinschaftsfamilien übten sie erhebliche Kontrolle über Einzelpersonen aus, regelten deren Zugang zu materiellen Gütern und fungierten als soziale und politische Einheit in der größeren Gesellschaft.“ Selbst wenn sie kein gemeinschaftliches Eigentum besaßen, waren Sippen wichtige und flexible Organisationen, die für eine Gemeinschaft das produzierten, was Einzelpersonen nicht für sich selbst bereitstellen konnten. Clans leisteten jedoch mehr als nur die Bereitstellung lokaler öffentlicher Güter und Zusammenarbeit; sie wurden zu einer Säule der lokalen öffentlichen Verwaltung, spielten eine zentrale Rolle bei der Armenfürsorge und der Steuererhebung und ergänzten staatliche Maßnahmen auf lokaler Ebene (ohne jedoch über eine selbstverwaltete Autonomie über ein territoriales Hoheitsgebiet zu verfügen). Mokyr I 5 Neuere wissenschaftliche Untersuchungen haben die zentrale Bedeutung des Clans als wichtigste Einheit der sozialen Organisation in China bestätigt.* >Chinesische Wirtschaft, >Clans. [Im Gegensatz zur Entwicklung in China]: Europa: Auch in Europa verbreiteten sich nach der Jahrtausendwende Unternehmensgruppen, um denselben grundlegenden sozialen Bedürfnissen gerecht zu werden wie die chinesischen Abstammungsorganisationen: Sie leisteten gegenseitige Hilfe und teilten Risiken, koordinierten den Schutz vor externen Bedrohungen, übten religiöse Funktionen aus, hielten gemeinsame Rituale ab, um die kollektive Identität zu stärken, überwachten das „gute Verhalten” ihrer Mitglieder, sorgten für Bestattungen, setzten Verträge durch, schritten zur Konfliktlösung ein, halfen bei der Bereitstellung von Bildung und Ausbildung und erleichterten die Finanzierung von Produktions- und Handelsunternehmen. Viele europäische Unternehmensorganisationen entstanden im Mittelalter. Zu den frühesten gehörten Klöster und Konvente, die bereits in merowingischer Zeit verbreitet waren. Die Kirche selbst kann in vielerlei Hinsicht als „Mega-Unternehmen” angesehen werden. Universitäten entstanden später, sollten sich jedoch zu einem ungewöhnlich markanten und tragfähigen Beispiel für Unternehmen entwickeln. >Unternehmen, >Christliche Kirche, >Europa. Mokyr I 10 Politische Einigung: (…) China erreichte schon früh eine Vereinigung, während Europa viel länger politisch zersplittert blieb. Europa: Wie von vielen Wissenschaftlern anerkannt, ist ein wesentliches Merkmal der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung Europas sein Polyzentrismus und seine politische Fragmentierung. Laut Mokyr (2016)(3) geht diese These auf David Hume und Immanuel Kant zurück und steht seitdem im Mittelpunkt des modernen Denkens von Ökonomen und Politikwissenschaftlern (Jones, 1981(4); Bernholz, Streit und Vaubel, 1998(5); Karayalçin, 2008(6)). Mokyr I 11 China: Im Gegensatz dazu gelang China schon früh die Vereinigung, was eine starke Konzentration der Staatsgewalt ermöglichte, bevor Gegenkräfte entstehen konnten. Mokyr I 12 Fragmentierung/geografische Faktoren: Einheit und Fragmentierung sind jedoch endogene Ergebnisse. Welche Faktoren sind für diese gegensätzlichen Entwicklungen in China und Europa verantwortlich? Einige Wissenschaftler verweisen auf die Geografie und insbesondere auf die von Diamond (1997)(7) populär gemachte und von Fernández-Villaverde et al. (2023)(8) quantitativ untersuchte Hypothese des „zerklüfteten Landes”. Das Gelände Europas ist zerklüftet und durch Berge und andere natürliche Barrieren unterbrochen. Auch China hat hohe Gebirgsketten, aber seine weite und fruchtbare Ebene zwischen zwei schiffbaren Flüssen hat wohl die Vereinigung unter einem großen Reich erleichtert. Dank seiner schiffbaren Flüsse ist China auch besser vernetzt als Europa, was sich in einer geringeren genetischen Variation und einer geringeren sprachlichen Heterogenität Chinas widerspiegelt (Scheidel 2019)(9). Ko et al. (2018)(10) und Scheidel (2019)(9) weisen auch darauf hin, dass die externen Bedrohungen Chinas während eines Großteils seiner Geschichte meist aus einer Richtung kamen: von den Nomaden im Norden. Auch diese Besonderheit trug dazu bei, eine Fragmentierung zu vermeiden, da die Truppen nahe der nördlichen Grenze stationiert werden konnten. Europa hingegen war externen Konflikten aus mehreren Richtungen ausgesetzt, was die Bildung starker Militärblöcke in verschiedenen geografischen Gebieten begünstigte. >Geografische Faktoren. Mokyr I 42 Städte: Während des größten Teils ihrer Geschichte wurden chinesische Städte von den zentral kontrollierten Verwaltungen der Landkreise, in denen sie lagen, regiert. Wie Weber (1958)(11) feststellte, verzichtete die kaiserliche Verwaltung, um das Risiko einer politischen Fragmentierung zu vermeiden, darauf, chinesischen Städten den Status exklusiver territorialer Einheiten zu verleihen (Stadtbezirke waren die wichtigste Verwaltungseinheit unterhalb der Landkreisebene), und Städte verfügten über keine eigenen Streitkräfte. Zur Zeit der Song-Dynastie wurden die meisten lokalen öffentlichen Güter in städtischen Gebieten, wie Feuerwachen, Waisenhäuser, Hospize, Krankenhäuser und andere öffentliche Dienstleistungen, von der Zentralverwaltung kontrolliert und finanziert, und die Stadtverwaltung lag in den Händen von Staatsbeamten, die für die Verwaltung der Region zuständig waren (Eberhard, 1956)(12). Als die Leistungsfähigkeit des Staates in der Ming- und Qing-Zeit abnahm, übernahmen nichtstaatliche Vereinigungen informell viele dieser öffentlichen Dienstleistungen, und bis zum Ende des 19. Jahrhunderts wurden viele oder sogar die meisten städtischen Dienstleistungen informell von Zünften und Heimatvereinen erbracht und aus Beiträgen oder aus dem Vermögen dieser Vereinigungen finanziert (Skinner 1977(13), S. 548-51). * Shiue und Keller (2023)(2) beispielsweise zeigen anhand der Gewalt während der Ming- und Qing-Dynastien als plausibel exogenem Behandlungseffekt, dass Claneffekte beim Erwerb von Humankapital für die Reaktion auf den Schock von zentraler Bedeutung waren. Sie verwenden Daten zu mehreren Generationen von 500 Paaren aus Tongcheng, einem Landkreis in der chinesischen Provinz Anhui, und zeigen, dass gruppenbezogene Effekte, die auf Verwandtschaft basieren, größer sind als gruppenbezogene Effekte, die auf Dörfern basieren. 1. Ebrey, Patricia Buckley. 1986. "The Early Stages in the Development of Descent Group Organization" in Ebrey, Patricia Buckley and James L. Watson, eds., Kinship Organization in Late Imperial China 1000-1940. Taipei, Taiwan: SMC Publishing Inc., pp. 16-61. 2. Shiue, Carol and Wolfgang Keller. 2023. “Human Capital Strategies for Big Shocks: The Case of the Fall of the Ming.” Unpublished working paper. 3. Mokyr, Joel. 2016. A Culture of Growth. Princeton, NJ: Princeton University Press. 4. Jones, Eric L. 1981. The European Miracle. Cambridge: Cambridge University Press. 5. Bernholz, Peter, Manfred Streit, and Roland Vaubel, eds. 1998. Political Competition, Innovation, and Growth. Berlin: Springer. 6. Karayalçin, Cem. 2008. “Divided we Stand, United we Fall: the Hume-North- Jones Mechanism for the Rise of Europe.” International Economic Review, Vol. 49, No. 3, pp. 973–99. 7. Diamond, Jared. 1997. Guns, Germs and Steel: The Fates of Human Societies. New York: Norton. 8. Fernández-Villaverde, Jesús, Mark Koyama, Youhong Lin and Tuan-Hwee Sng. 2020. “Fractured Land and Political Fragmentation.” Working Paper. 9. Scheidel, Walter. 2019. Escape from Rome: The Failure of Empire and the Road to Prosperity. Princeton: Princeton University Press. 10. Ko, Chiu Yu, Koyama, Mark and Sng, Tuan-Hwee. 2018. “Unified China and Divided Europe," International Economic Review, February, Vol.59, No. 1, pp. 285-327. 11. Weber, Max .1958. The City. Glencoe, IL: Free Press 12. Eberhard, Wolfram. 1956. “Data on the Structure of the Chinese City in the Pre-Industrial Period.” Economic Development and Cultural Change, Vol. 4, pp. 253-68 13. Skinner, George W., and Hugh Baker D. R. 1977. The City in Late Imperial China. Stanford: Stanford University Press. |
EconTabell I Guido Tabellini Torsten Persson The size and scope of government: Comparative politics with rational politicians 1999 Mokyr I Joel Mokyr Guido Tabellini Social Organizations and Political Institutions: Why China and Europe Diverged CESifo Working Paper No. 10405 Munich May 2023 |
| Chinesische Wirtschaft | Tabellini | Mokyr I 43 Chinesische Wirtschaft/Europa/Mokyr/Tabellini: Die Unterschiede in den politischen Institutionen Chinas und Westeuropas waren auf eine Vielzahl sich ergänzender Faktoren zurückzuführen. Historische Umstände führten zu einer frühen Zentralisierung der Staatsgewalt in China, während Europa lange Zeit fragmentiert blieb. Diese anfänglichen Unterschiede zwischen China und Europa wurden jedoch durch die interne Struktur ihrer Gesellschaften noch verstärkt. Soziale Organisationen prägten die staatlichen Institutionen auf vielfältige Weise. Unterschiede zwischen China und Europa: Erstens waren europäische Organisationen territorial organisiert, und einige von ihnen hatten die ausschließliche Kontrolle über ihr Territorium. Dies galt für die Landadeligen während des Feudalismus, aber auch für selbstverwaltete Städte und kirchliche Strukturen, als der Feudalismus nachließ. Diese Organisationen schufen starke Gegenkräfte, mit denen die europäischen Herrscher in den frühen Phasen der Staatsbildung verhandeln mussten. China: Die chinesische Gesellschaft war hingegen um Abstammungslinien herum organisiert, und mehrere Merkmale dieser dynastischen Organisationen machten sie schwächer als ihre europäischen Pendants. Mokyr I 44 Auch aus diesem Grund waren die Machtverhältnisse zwischen Herrschern und anderen sozialen Gruppen in China im Vergleich zu Europa asymmetrischer. Zweitens schuf die Art und Weise, wie die Zusammenarbeit in Europa aufrechterhalten wurde, einen Bedarf an externer Rechtsdurchsetzung, was wiederum die Entwicklung der Rechtsinstitutionen beeinflusste. Die europäischen Staatsstrukturen entwickelten sich gemeinsam mit ihren Rechtsinstitutionen weiter, wodurch das Prinzip der Rechtsstaatlichkeit an Bedeutung gewann. China: In China hingegen waren Abstammungsorganisationen wirksame Ersatzinstitutionen für den Staat bei der Streitbeilegung, was sich in der Entwicklung des chinesischen Rechtssystems widerspiegelte. Drittens prägten die innerhalb sozialer Organisationen angewandten Governance-Prinzipien die Entwicklung politischer Gremien. In Europa wurden Verfahren, die ursprünglich zur Regulierung kollektiver Entscheidungen innerhalb von Unternehmen entstanden waren, zunächst auf kirchliche Organisationen und dann auf die entstehenden staatlichen Institutionen übertragen. Diese Governance-Prinzipien prägten auch Vorstellungen von Fairness und Legitimität, die von den europäischen Herrschern nicht ignoriert werden konnten. [Einige Einzelheiten]: Mokyr I 3 Netzwerk-Homophilie/Mokry/Tabellini: Soziale Organisationen können als soziale Netzwerke betrachtet werden, d. h. als Gruppen von Menschen, die regelmäßig miteinander interagieren und in bestimmten Bereichen zusammenarbeiten. Welche sozialen Netzwerke sich eher bilden, hängt von den vorherrschenden Homophilie-Kriterien ab, d. h. davon, mit wem Menschen lieber interagieren (Jackson 2008)(1). Dies wiederum wird durch Wertesysteme und kulturelle Merkmale geprägt. Traditionell haben enge Beziehungen zwischen verwandten Personen die Zusammenarbeit innerhalb der Großfamilie erleichtert. Als die sozialen Interaktionen jedoch komplexer wurden, reichte die Zusammenarbeit innerhalb der Familien nicht mehr aus, und es mussten familienübergreifende Vereinbarungen getroffen werden, um die Zusammenarbeit aufrechtzuerhalten. Auswirkungen auf die Entwicklung der Chinesischen Wirtschaft: Die sozialen Vereinbarungen, die im zweiten Jahrtausend n. Chr. in China und Europa entstanden, unterschieden sich in dieser Hinsicht stark voneinander. In China wurde die Zusammenarbeit zwischen Familien innerhalb von Clans organisiert – patrilinearen Allianzen zwischen Familien, die ihren Ursprung auf einen gemeinsamen Vorfahren zurückführten. In Europa wurden Vereinigungen von nicht miteinander verwandten Personen zum Mittelpunkt der Zusammenarbeit von Personen außerhalb der Familie. Diese unterschiedlichen Arrangements spiegelten Unterschiede in den Wertesystemen wider. In China betonte die konfuzianische Tradition, die von den kaiserlichen Behörden während der Song-Dynastie und den nachfolgenden Dynastien gefördert wurde, die Ahnenverehrung und starke Verwandtschaftsbeziehungen. Dies wiederum förderte erweiterte Familienstrukturen und erleichterte die Zusammenarbeit zwischen Nachkommen desselben männlichen Vorfahren. In Europa spielte die katholische Kirche eine wichtige Rolle bei der Umgestaltung der Familienbande hin zur Kernfamilie und bei der Verbreitung eines universalistischen Wertesystems, das von der engen Gemeinschaft von Freunden und Verwandten losgelöst war. Mokyr I 4 Zwischen dem 6. und 11. Jahrhundert lehnte die kirchliche Lehre Ehen zwischen Cousins und anderen Verwandten entschieden ab, bestand auf der Zustimmung der Frauen zur Eheschließung, riet von Adoptionen und Wiederverheiratungen ab und verbot alle Formen der Polygamie (Henrich, 2020(2); Schulz, 2022(3)). Wie Goody (1983)(4) feststellte, führten diese kirchlichen Richtlinien zu einer Verringerung der Bedeutung der unilinearen Abstammung und zur Auflösung großer Verwandtschaftsgruppen. Dies begünstigte die Entstehung des sogenannten europäischen Heiratsmusters, nämlich ein spätes Heiratsalter, hohe Zölibatraten, Neolokalität (d. h. frisch verheiratete Paare, die alleine leben), Konsensualität und bilineare Abstammungsbräuche (Hajnal 1982)(5). Wie Roland (2020)(6) hervorhebt, wird die Zahl der Vorfahren schnell so groß, wenn die Abstammung symmetrisch von Vater und Mutter bestimmt wird, dass die gemeinsame Abstammung kein brauchbares Kriterium mehr für die Organisation sozialer Netzwerke ist. Infolge dieser unterschiedlichen Traditionen wurde nach dem ersten Jahrtausend n. Chr. in China der auf der Abstammung basierende Clan zur wichtigsten Form der sozialen Organisation, während in Europa die Zusammenarbeit stattdessen durch eine Vielzahl anderer organisatorischer Vereinbarungen zwischen nicht miteinander verwandten Personen erreicht wurde, die wir in Anlehnung an Greif (2006a(7),b(8)) als Körperschaften bezeichnen. >Körperschaften. 1. Jackson Matthew. 2008. Social and Economic Networks. Princeton, NJ: Princeton University Press 2. Henrich, Joseph. 2020. The WEIRDest People in the World: How the West Became Psychologically Peculiar and Particularly Prosperous. New York: Farrar Straus and Giroux. 3. Schultz, Jonathan F. 2022. “Kin Networks and Institutional Development.” The Economic Journal, Vol. 132, No. 647, pp. 2578-2613. 4. Goody, J. 1983. The Development of the Family and Marriage in Europe. Cambridge: Cambridge University Press. 5. Hajnal, John. 1982. “Two Kinds of Preindustrial Household Formation System.” Population and Development Review, Vol. 8, No. 3, pp. 449–494. 6. Roland, Gerard. 2020. “The Deep Historical Roots of Modern Culture: A Comparative Perspective.” Journal of Comparative Economics, Vol. 48, pp. 483-508. 7. Greif, Avner. 2006a. “Family Structure, Institutions, and Growth: The Origins and Implications of Western Corporations,” American Economic Review, Vol. 96, No. 2, pp. 308-312. 8. Greif, Avner. 2006b. “The Birth of Impersonal Exchange: The Community Responsibility System and Impartial Justice.” Journal of Economic Perspectives, Vol. 20, No. 2 (Spring), pp. 221–236. |
EconTabell I Guido Tabellini Torsten Persson The size and scope of government: Comparative politics with rational politicians 1999 Mokyr I Joel Mokyr Guido Tabellini Social Organizations and Political Institutions: Why China and Europe Diverged CESifo Working Paper No. 10405 Munich May 2023 |
| Church-Turing -These | Genz | II 329 Church-Turing-These/Church/Genz: (Church 1936)(1): These: Alles was überhaupt berechenbar ist, kann durch eine Turingmaschine berechnet werden. Genz: Ob das zutrifft, ist eine physikalische Frage. Sie kann nicht durch logische Beweise entschieden werden. Bsp Wenn die Natur eine Turingmaschine zuließe, die in endlicher Zeit unendlich viele logische Schritte vollzöge, wäre die Church-Turing-These falsch. Falsch wäre sie auch, Bsp wenn es überabzählbar viele physikalische Zustände in einem physikalischen System geben könnte. Dann wären analoge Rechnungen möglich, und das überstiege das Repertoire der Maschine. Quantenmechanik : Die Quantenmechanik rettet die These vor Widerlegung durch klassische Computer, in dem sie verbietet, welche zu bauen, die das könnten. Andererseits könnte die Quantenmechanik erlauben Rechner zu bauen, die die Church-Turing-These falsifizieren! Vgl. >Quantenmechanik. Vs: Das ist aber nach Auskunft von Fachleuten nicht so. II 330 Frage: Könnte man nicht die "geheimen Berechnungen" der Natur zu unserem Repertoire hinzu und so die Church-Turing-These widerlegen? Vs: Ohne Einsicht in die entsprechenden Naturgesetze können wir nicht wissen, was die Natur berechnet. >Naturgesetze, >Gesetze, >Regeln, >Wissen, >Verstehen, >Regelfolgen. II 332 Church-Turing-These/Genz: Wäre die -Turing-These falsch, ist es eine empirische Frage, ob sie in abgeschwächter Form gelten kann ((s) immerhin ist sie bis jetzt nicht widerlegt). II 333 Schwächere Variante: These: Die Natur stellt uns die mathematischen und logischen Möglichkeiten zur Verfügung, durch die ihre Gesetze erkannt werden können. VsChurch-Turing-These/Genz: Die Antithese wäre, dass zumindest das Wirken des menschlichen Geistes zu seiner Beschreibung unberechenbare Funktionen erfordert. Dann sind sie von der Turingmaschine aus gesehen zufällig (Vertreter/Lager: Penrose). >Geist, >Beschreibung. 1. Alonzo Church (1936). A note on the entscheidungsproblem. Journal of Symbolic Logic 1 (1):40-41 (1936 |
Gz I H. Genz Gedankenexperimente Weinheim 1999 Gz II Henning Genz Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität München 2002 |
| Church-Turing -These | Lorenzen | Berka I 266 Church-These/Lorenzen: Die These ist eine Gleichsetzung von "konstruktiv" mit "rekursiv". >Konstruktivismus, >Rekursion, >Rekursivität. LorenzenVsChurch: zu enge Auffassung: so gestattet sie schon nicht mehr die freie Verwendung der Quantifikation über die natürlichen Zahlen. >Quantifikation, >Zahlen, >Unendlichkeit. I 267 Entscheidungsproblem/ChurchVsLorenzen: (laut Lorenzen): Vorteil: größere Klarheit: bei Beschränkung auf rekursive Aussageformen kann niemals Streit entstehen, ob eine der zugelassenen Aussagen wahr oder falsch ist. Die Definition der Rekursivität garantiert ja gerade die Entscheidungsdefinitheit, d.h. die Existenz eines Entscheidungsverfahrens. >Entscheidbarkeit, Entscheidungsproblem.(1) 1. P. Lorenzen, Ein dialogisches Konstruktivitätskriterium, in: Infinitistic Methods, (1961), 193-200 |
Lorn I P. Lorenzen Constructive Philosophy Cambridge 1987 Berka I Karel Berka Lothar Kreiser Logik Texte Berlin 1983 |
| Citizen Science | Edwards | Edwards I 580 Citizen Science/Edwards: Citizen-Science-Websites und ähnliche Seiten stellen bemerkenswerte neue Möglichkeiten für den offenen Zugang und die Bürgerbeteiligung bei der Klimaüberwachung und -modellierung dar. Oberflächlich betrachtet scheint dies nutzbringend zu sein, und vielleicht ist es das auch. Doch solche Projekte ziehen in verschiedene Richtungen, von denen nicht alle zu einer Verbesserung der Qualität der Klimawissenschaft führen. Während zum Beispiel die National Science Foundation und zahlreiche andere Agenturen die gemeinsame Nutzung von Daten fördern und sogar fordern, ist der paradigmatische Fall einer solchen gemeinsamen Nutzung die Wiederverwendung von Daten durch andere Wissenschaftler - und nicht die Überprüfung durch Amateure, egal wie sachkundig und gut ausgebildet sie auch sein mögen. Je offener Sie Ihre Wissenschaft gestalten, desto mehr Aufwand müssen Sie betreiben, Ihre Daten zur Verfügung zu stellen und den Menschen bei deren Interpretation zu helfen. Im Fall des Klimawandels kann dieser Aufwand lästig werden, sogar überwältigend; er kann Sie davon abhalten, überhaupt Wissenschaft zu betreiben. Der "Hockeyschläger"-Fall (>Hockeyschläger-Kontroverse/Edwards) zog Michael Mann und seine Co-Autoren in einen jahrelangen Morast von Anhörungen, Briefen und öffentlichen Verteidigungen ihrer Daten und Methoden, während derer sie Forschung hätten betreiben können. Doch wenn man seine Wissenschaft verschließt und Außenstehende ausschließt, indem man ihnen den Zugang zu Daten und... Edwards I 581 ...Methoden verweigert, werden Sie nicht nur Verdacht erregen und sich dem Vorwurf des Elitismus aussetzen, sondern Ihnen entgeht möglicherweise auch ein echter wissenschaftlicher Nutzen durch ungewöhnliche Kritiken und kreative Ideen "außerhalb der Traditionen" Ihres Fachgebiets. Die Aufdeckung von Fehlern in den GISS-Temperaturdaten durch Climate Audit und die Entdeckung von Fehlern in GISTEMP durch Clear Climate Code sind eindeutig von Nutzen, wie auch GISS zugegeben hat. Aber SurfaceStations.org ging über die Vermessung von Stationen hinaus. Es analysierte die Umfrageergebnisse, stellte dann Grafiken ein und veröffentlichte einen Bericht, der auf eine große warme Verzerrung im US Historical Climatology Network hinweist. Vielleicht ist die Umfrage genau, aber in Ermangelung einer Peer Review bleibt diese Schlussfolgerung höchst unsicher, und die Begründung für die Veröffentlichung dieser Ergebnisse auf einer öffentlichen Website ist höchst fragwürdig. In ähnlicher Weise ist der Wert von Bürgerinterventionen in der "Hockeyschläger"-Kontroverse nicht klar. >Hockeyschläger-Kontroverse/Edwards. Klimatologie/Citizen Science/Edwards: Blogs und Citizen Science scheinen zunächst die Transparenz des Klimawissens zu erhöhen. Auf den ersten Blick sehen diese wie ein weiterer Modus der infrastrukturellen Umkehrung aus. Sie können sicherlich dazu beitragen, das "Besitztum" des Wissensproduktionsprozesses zu erweitern, was den Konsens verbreitern kann. Aber bei näherer Betrachtung sind ihre bisherigen Auswirkungen ausgesprochen gemischt. Einige haben zu neuen Erkenntnissen beigetragen und die wissenschaftliche Infrastruktur verbessert, indem sie sie umkehrten. Mindestens genauso oft fördern sie aber auch Verwirrung, Misstrauen, falsche Informationen und überkommene Vorstellungen. Edwards I 582 In dem Maße, in dem diese neuen Formen in einen Rahmen von Beglaubigung und Peer Review gebracht werden können, können sie wesentlich zum Klimawissen beitragen. In dem Maße, in dem sie diese Prozesse untergraben - und die Gefahr, dass sie dies zumindest in naher Zukunft tun werden, ist groß - stellen sie eher ideologische und politische Strategien als Wissensprojekte dar. >IPCC/Edwards. |
Edwards I Paul N. Edwards A Vast Machine: Computer Models, Climate Data, and the Politics of Global Warming Cambridge 2013 |
| CO2-Steuer | Stavins | Stavins I 155 CO2-Steuer/Aldy/Stavins: Im Prinzip wäre der einfachste Ansatz für die CO2-Preisgestaltung die Einführung einer CO2-Steuer durch die Regierung (Metcalf, 2007)(1). Die Regierung könnte eine Steuer in Form von Dollar pro Tonne CO2-Emissionen (oder CO2-Äquivalent auf Treibhausgasemissionen) aus den von der Steuer abgedeckten Quellen oder - eher wahrscheinlicher - einer Steuer auf den Kohlenstoffgehalt der drei fossilen Brennstoffe (Kohle, Erdöl und Erdgas) festlegen, wenn sie in die Wirtschaft eintreten. Im Laufe der Zeit würde eine effiziente CO2-Steuer steigen, um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass mit zunehmender Ansammlung von Treibhausgasemissionen in der Atmosphäre der zunehmende Schaden durch eine weitere Tonne CO2 umso größer wird. Die Einführung einer CO2-Steuer würde Sicherheit über die Grenzkosten der Einhaltung schaffen, was die Unsicherheit über die Rendite von Investitionsentscheidungen verringert, aber ungewisse gesamtwirtschaftliche Emissionswerte hinterlässt (Weitzman, 1974)(2). Die Regierung könnte die CO2-Steuer an verschiedenen Stellen im Produktzyklus fossiler Brennstoffe anwenden, von Anbietern fossiler Brennstoffe, die auf dem Kohlenstoffgehalt des Kraftstoffverkaufs basieren ("Upstream"-Besteuerung/-Regulierung), bis hin zu Endemittenten am Ort der Energieerzeugung ("Downstream"-Besteuerung /-Regulierung). Eine CO2-Steuer wäre in den meisten Industrieländern administrativ einfach und unkompliziert umzusetzen, da die Steuer bestehende Methoden zur Überwachung der Kraftstoffversorgung und zur Berichterstattung an die Regulierungsbehörde integrieren könnte. Einige Entwicklungsländer mit effektiven Steuersystemen, einschließlich Überwachungs- und Durchsetzungsregelungen zur Minimierung von Steuerhinterziehung, könnten auch CO2-Steuern relativ einfach umsetzen. Stavins I 156 Die Auswirkungen einer CO2-Steuer auf die Emissionsminderung und die Wirtschaft werden zum Teil von der Höhe und Verwendung der Steuereinnahmen abhängen. Das CO2-Steueraufkommen könnte für eine Vielzahl von Nutzungen verwendet werden (vgl. >CO2-Steuer-Strategien/Fankhauser). VsCO2-Steuer: Die Einführung einer CO2-Steuer (oder eines anderen sinnvollen klimapolitischen Instruments) wird die Kosten für den Energieverbrauch erhöhen und könnte die Wettbewerbsfähigkeit energieintensiver Industrien beeinträchtigen. Dieser Wettbewerbseffekt kann zu negativen wirtschaftlichen und ökologischen Folgen führen: Unternehmen können Anlagen in Länder verlagern, in denen es keine sinnvolle Klimapolitik gibt, wodurch die Emissionen an diesen neuen Standorten steigen und einige der ökologischen Vorteile der Politik ausgeglichen werden. Zusätzliche Emissionslecks können auf den internationalen Energiemärkten auftreten - da Länder mit klimapolitischer Ausrichtung ihren Verbrauch an fossilen Brennstoffen und die Kraftstoffpreise senken, erhöhen die Länder ohne emissionsmindernde Maßnahmen ihren Kraftstoffverbrauch als Reaktion auf die niedrigeren Preise. Da Lecks die ökologische Wirksamkeit aller einseitigen Bemühungen zur Emissionsminderung beeinträchtigen, wird die internationale Zusammenarbeit und Koordination umso wichtiger. >CO2-Steuer/Geroe, >CO2-Steuer/Fankhauser, >CO2-Preis/Stavins. >Emissionsrechte, >Emissionsminderung, >Emissionsziele, >Emissionen, >Emissionsrechtehandel, >Klimawandel, >Klimaschäden, >Energiepolitik, >Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit, >Klimaperioden, >Klimaschutz, >Klimaziele, >Klimafolgenforschung, >CO2-Preis, >CO2-Preis-Koordinierung, >CO2-Preis-Strategien, >CO2-Steuer, >CO2-Steuer-Strategien. 1. Metcalf, G. E. (2007). A proposal for a U.S. carbon tax swap (The Hamilton Project Discussion Paper 2007-12). Washington, DC: Brookings Institution. 2. Weitzman, M. L. (1974). Prices vs. quantities. The Review of Economic Studies, 41(4), 477–491. Robert N. Stavins & Joseph E. Aldy, 2012: “The Promise and Problems of Pricing Carbon: Theory and Experience”. In: Journal of Environment & Development, Vol. 21/2, pp. 152–180. |
Stavins I Robert N. Stavins Joseph E. Aldy The Promise and Problems of Pricing Carbon: Theory and Experience 2012 |
| Coase-Theorem | Coase | Mause I 416f Coase-Theorem/Intervention/Umweltpolitik/Externalitäten/CoaseVsPigou: Coase 1960 (3): im Fall von (umweltbezogenen) externen Effekten gibt es keine „Verursacher“ oder „Geschädigte“ per se. Vielmehr ist von einem reziproken Charakter externer Effekte auszugehen, d. h. lässt man Umweltbeeinträchtigungen zu, gibt es Benachteiligte, verhindert man diese, gibt es ebenfalls Benachteiligte. Der Grund hierfür ist, dass Umweltprobleme rivalisierende Nutzungsansprüche an Umweltgüter enthalten, die grundsätzlich in zwei mögliche Richtungen korrigiert werden können (Hartwig 1992, S. 140 ff.(4); Feess und Seeliger 2013, S. 141 ff.(5)). Bsp Eine Besserstellung von Geschädigten führt zu Kosten aufseiten der Verursacher. Lösung/Coase: Coase-Theorem: wenn keine Transaktionskosten bestehen, bedarf es keiner staatlichen Interventionen zur Internalisierung externer Effekte, da in diesem Fall der Markt in Gestalt privater Verhandlungen zwischen den Betroffenen zu einer optimalen Lösungen des Umweltproblems führt. (Siehe Transaktionskosten/Coase) Dagegen: PigouVsCoase: Interventionen/Umweltpolitik/Pigou: Auch wenn nicht originär anhand von Umweltproblemen entwickelt, hat Pigou (1920) schon früh die Auffassung vertreten, dass der Markt im Fall externer Effekte sich nicht selbst überlassen bleiben kann. Vielmehr bedarf es – so die Argumentation – hoheitlicher Eingriffe, die zu einer verursachergerechten Internalisierung der Externalitäten beitragen, da nur mittels solcher staatlichen Interventionen private und soziale Kosten bzw. Nutzen unter dem Ziel einer Erhöhung der gesamtgesellschaftlichen Wohlfahrt zur Deckung gebracht werden können. Um die Fehlallokation knapper (Umwelt-) Ressourcen und damit ein suboptimales Marktangebot an privaten Gütern zu verhindern, müssen externe Kosten oder externe Erträge auf dem Weg der Besteuerung (sogenannte Pigou-Steuern) oder staatlichen Subventionierung internalisiert werden (Hansjürgens 1992, S. 28ff (1); Endres 2000, S. 94ff (2)). Coase-Theorem: Das Coase-Theorem enthält damit sowohl eine Effizienz- als auch eine Invarianz-Aussage: Im Fall der Nichtexistenz von Transaktionskosten wird immer ein optimaler (bzw. effizienter) Umweltschutz realisiert und zwar unabhängig davon, wie die Nutzungsrechte an den natürlichen Ressourcen zwischen den betroffenen Akteuren in der Ausgangssituation verteilt sind VsCoase: In der Realität sind solche privaten Verhandlungslösungen allerdings nicht selten mit spezifischen Problemen behaftet, die zu einem Scheitern der reinen Marktlösung von Umweltproblemen führen können (Feess und Seeliger 2013, S. 147 ff.; Endres 2000, S.41ff.). So ist zum einen zu berücksichtigen, dass die Verteilung der Nutzungsrechte in der Ausgangssituation zwar die Effizienzwirkung des Verhandlungsergebnisses nicht beeinträchtigt, sehr wohl aber dessen Verteilungswirkung. 1. Bernd Hansjürgens, Umweltabgaben im Steuersystem. Zu den Möglichkeiten einer Einfügung von Umweltabgaben in das Steuer- und Abgabensystem der Bundesrepublik Deutschland. Baden-Baden 1992.. 2. Alfred Endress, Umweltökonomie, Stuttgart 2000. 3. Ronald Coase. 1960. The problem of social cost. Journal of Law and Economics 3: 1– 44. 4. Karl-Hans Hartwig, Umweltökonomie. In Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Hrsg. Dieter Bender, Hartmut Berg, Dieter Cassel, Günter Gabisch, Karl-Hans Hartwig, Lothar Hübl, Dietmar Kath, Rolf Peffekoven, Jürgen Siebke, H. Jörg Thieme und Manfred Willms, Bd. 2, 5. Aufl., 122– 162. München 1992. 5. Ebernhard Feess, & Andreas Seeliger. 2013. Umweltökonomie und Umweltpolitik, 4. Aufl. München 2013. |
Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Coase-Theorem | Rothbard | Rothbard III 612 Coase-Theorem/Rothbard: Wenn es keinen Markt für ein Produkt gäbe und alle seine Tauschvorgänge intern wären, gäbe es weder für ein Unternehmen noch für irgendjemand anderen die Möglichkeit, einen Preis für das Gut zu bestimmen. Ein Unternehmen kann einen impliziten Preis schätzen, wenn es einen externen Markt gibt; aber wenn es keinen Markt gibt, kann das Gut keinen Preis haben, weder implizit noch explizit. Jede Zahl könnte nur ein willkürliches Symbol sein. Da das Unternehmen nicht in der Lage ist, einen Preis zu berechnen, kann es keine rationale Allokation von Faktoren und Ressourcen von einer Stufe zur anderen vornehmen. (...) Eine vollständige vertikale Integration für ein Kapitalgüterprodukt kann auf dem freien Markt (oberhalb der primitiven Stufe) niemals erreicht werden. Für jedes Kapitalgut muss es einen bestimmten Markt geben, auf dem die Unternehmen dieses Gut kaufen und verkaufen. Es liegt auf der Hand, dass dieses ökonomische Gesetz der relativen Größe eines jeden Unternehmens auf dem freien Markt ein bestimmtes Maximum setzt.(1) >Unternehmen/Rothbard. Aufgrund dieses Gesetzes können Unternehmen nicht fusionieren oder kartellieren, um eine vollständige vertikale Integration von Stufen oder Produkten zu erreichen. Aufgrund dieses Gesetzes kann es niemals ein einziges großes Kartell für die gesamte Wirtschaft oder Fusionen geben, solange nicht ein einziges großes Unternehmen alle produktiven Vermögenswerte in der Wirtschaft besitzt. Die Kraft dieses Gesetzes vervielfacht sich in dem Maße, in dem die Fläche der Wirtschaft zunimmt und die Inseln des unberechenbaren Chaos zu den Ausmaßen von Massen und Kontinenten anschwellen. Je größer die Fläche der Unberechenbarkeit wird, desto größer wird das Ausmaß an Irrationalität, Fehlallokation, Verlust, Verarmung usw. Unter einem Eigentümer oder einem Kartell für das gesamte Produktionssystem gäbe es überhaupt keine möglichen Kalkulationsbereiche mehr, so dass ein völliges wirtschaftliches Chaos herrschen würde.(2) >Kartelle, >Freier Markt/Rothbard. 1. Zur Größe eines Unternehmens siehe den anspruchsvollen Artikel von R. H. Coase, „The Nature of the Firm“ in George J. Stigler und Kenneth E. Boulding, Hrsg., Readings in Price Theory (Chicago: Richard D. Irwin, 1952), S. 331-51. In einer aufschlussreichen Passage wies Coase darauf hin, dass der Staat „der Industrie die Planung auferlegt, während Unternehmen freiwillig entstehen, weil sie eine effizientere Methode zur Organisation der Produktion darstellen. In einem Wettbewerbssystem gibt es ein 'optimales' Maß an Planung“. Ebd., S. 335 n. 2. Investitionsgüter werden hier hervorgehoben, weil sie das Produkt sind, für das das Problem der Berechenbarkeit wichtig wird. Konsumgüter an sich stellen kein Problem dar, da es immer viele Konsumenten gibt, die Güter kaufen, und daher wird es für Konsumgüter immer einen Markt geben. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Code | Lessig | I 81f Code/Lessig: Hier geht es darum, wie die Architektur des Netzes oder seines "Codes" selbst zum Regulator wird. In diesem Zusammenhang findet die auf den Einzelnen angewendete Regel nicht ihre Wirkung durch die Androhung von Konsequenzen, die durch die Geldbußen, das Gefängnis oder gar die Schande erzwungen werden. I 82 Eine verschlossene Tür ist eine physische Einschränkung für die Freiheit eines Menschen, einen Raum zu betreten. I 93 [Diese Art von Code] ist nicht nur geschriebene Regeln; es ist nicht nur Brauch; es ist nicht nur das Angebot und die Forderung einer wissenden, konsumierenden Öffentlichkeit. Was [z.B.] AOL zum großen Teil ausmacht, ist die Struktur des Raumes; man betritt AOL und findet es als ein bestimmtes Universum vor. Dieser Raum wird durch seinen Code gebildet. Man kann diesem Code widerstehen - man kann widerstehen, wie man ihn findet, genauso wie man der Kälte widerstehen kann, indem man einen Pullover anzieht. Aber man wird nicht ändern können, wie er ist. I 139 Unter "offenem Code" verstehe ich einen Code (sowohl Software als auch Hardware), dessen Funktionalität zumindest für einen Technologiekenner transparent ist. Mit "geschlossenem Code" meine ich einen Code (sowohl Software als auch Hardware), dessen Funktionalität undurchsichtig ist. Man kann erraten, was ein geschlossener Code tut; und wenn man genügend Gelegenheit zum Testen hat, kann man ihn auch zurückentwickeln. Aber aus der Technologie selbst heraus, gibt es keinen vernünftigen Weg, um zu erkennen, was die Funktionalität dessen ist. Ich persönlich habe sehr starke Ansichten darüber, wie ein Code erstellt werden sollte. Aber egal auf welcher Seite man sich in der Debatte "freie vs. proprietäre Software" im Allgemeinen befindet, zumindest in den Kontexten, die ich hier darlege, sollten Sie mir erstens zustimmen können, dass ein offener Code eine Einschränkung der Staatsgewalt ist, und zweitens, dass zumindest in einigen Fällen der Code im entsprechenden Sinne "offen" sein muss. I 149 Der Code ist nur regulierbar, weil die Code-Schreiber kontrolliert werden können. Ein unbewegliches und regungsloses Ziel der Regulierung ist also ein guter Anfang in Richtung Regulierbarkeit. Und diese Aussage hat eine interessante Folge: ein regelbarer Code ist ein geschlossener Code. I 150 In dem Maße, wie der Code ein offener Code ist, ist die Macht der Regierung eingeschränkt. Die Regierung kann fordern, sie kann drohen, aber wenn das Ziel ihrer Regulierung Plastik ist, kann sie sich nicht darauf verlassen, dass ihr Ziel so bleibt, wie es will. […] Bücher sind offener Code: Sie verbergen nichts; sie enthüllen ihre Quelle - sie sind ihre Quelle! Ein Benutzer oder Anwender eines Buches hat immer die Wahl, nur die I 151 Kapitel zu lesen, die er oder sie lesen will. Geschlossener Code funktioniert anders. Mit einem geschlossenem Code kann der Benutzer die Kontrolle, in dem der Code verpackt ist, nicht einfach modifizieren. Hacker und sehr anspruchsvolle Programmierer sind dazu eventuell in der Lage, aber die meisten Benutzer würden nicht wissen, welche Teile benötigt werden und welche nicht. Oder genauer gesagt, die Benutzer würden nicht in der Lage sein, die benötigten Teile von den nicht benötigten Teilen zu unterscheiden, weil der Quellcode nicht mit einem geschlossenem Code gebündelt ist. I 152 Wenn die Welt zertifikat-reich wird, steigt die Regulierbarkeit weiter an. Die gleiche Schlussfolgerung trifft zu, wenn mehr Code in die Hardware gebrannt wird, als als Software übrig bleibt. Dann, selbst wenn der Code offen wäre, wäre er nicht änderbar. (1) I 175 [...]Etwas Grundsätzliches hat sich geändert: die Rolle, die der Code beim Schutz des geistigen Eigentums spielt. Der Code kann und wird das Recht als primäre Verteidigung des geistigen Eigentums im Cyberspace zunehmend verdrängen. Private Zäune, nicht öffentliches Recht. I 276 Meine Stimme scheint in jedem Zusammenhang unterschiedlich zu sein. In Bezug auf geistiges Eigentum plädiere ich gegen Code, der das Lesen verfolgt und für den Code, der einen großen Raum für ein geistiges Allgemeingut garantiert. Im Zusammenhang mit der Privatsphäre plädiere ich für einen Code, der es dem Einzelnen ermöglicht, sowohl zu verschlüsseln als auch Präferenzen darüber auszudrücken, welche persönlichen Daten von anderen gesammelt werden. Der Code würde diese Wahl ermöglichen; das Gesetz könnte diesen Code inspirieren. Im Zusammenhang mit der freien Meinungsäußerung plädiere ich jedoch gegen einen Code, der die Sprache perfekt filtern würde - es ist zu gefährlich, dort eine perfekte Wahl zu ermöglichen. Bessere Auswahl ist natürlich besser, so dass Code, der bessere Reputationssysteme befähigt, gut ist, ebenso wie Code, der das legitime Spektrum des Rundfunks erweitern würde. Das Ziel in allen drei Kontexten ist es, gegen zentralisierte Strukturen der Wahl zu arbeiten. Im Rahmen der Filterung geht es aber auch darum, gegen zu individualisierte Strukturen vorzugehen. I 323 Jean CampVsLessig: Jean Camp, ein Harvard Informatiker, der an der Kennedy School of Government lehrte, sagte, dass ich den Punkt verfehlt habe. Das Problem sei nicht, dass "Code Gesetz ist" oder "Code regelt". LessigVsVs: Natürlich ist für den Informatiker der Code das Gesetz. Und wenn der Code das Gesetz ist, dann ist die Frage, die wir offensichtlich stellen sollten: Wer sind die Gesetzgeber? I 324 Für einen Anwalt jedoch, haben Camp und ich in diesem Buch einen ganz einfachen Fehler gemacht. Code ist nicht Gesetz, ebenso wenig wie das Design eines Flugzeugs Gesetz ist. (Siehe Internetrecht/Lessig). I 328 Bedeutet das, dass wir auf offenen und nicht auf geschlossenen Code drängen sollten? Bedeutet das, dass wir geschlossenen Code verbieten sollten? Nein. (Siehe Code/Lessig). Der beste Code (aus der Sicht der konstitutionellen Werte) ist sowohl modular als auch offen. Modularität stellt sicher, dass bessere Komponenten durch schlechtere ersetzt werden können. Und aus Wettbewerbssicht erlaubt die Modularität mehr Wettbewerb bei der Entwicklung von Verbesserungen in einem bestimmten Codierungsprojekt. I 329 Das Gesetz bevorzugt undurchsichtigen und transparenten Code; es schafft Anreize, den Code zu verstecken, anstatt seine Funktionalität offensichtlich zu machen. […] Unser Gesetz schafft einen Anreiz, so viel von einem intellektuellen Gemeingut wie möglich einzuschließen. Es wirkt gegen Öffentlichkeit und Transparenz und trägt dazu bei, eine massive geheime Regierung zu schaffen. […] Andererseits wirkt die Trägheit des bestehenden Rechts, das Softwareherstellern praktisch unbegrenzte Schutzfristen einräumt, gegen Veränderungen. Die Politik ist einfach nicht da. 1. Ich bin Hal Abelson für diesen Punkt dankbar. |
Lessig I Lawrence Lessig Code: Version 2.0 New York 2006ff |
| Common Sense | Mill | Rawls I 304 Common Sense/Mill/Rawls: Die Maximen der Gerechtigkeit können nicht allein auf den Common Sense gegründet werden: Bsp Löhne sollen jedem I 305 nach seinem Einsatz und seinem Beitrag gezahlt werden. Das sind für sich genommen widersprüchliche Verfügungen! Man kann sie auch nicht gegeneinander gewichten.(1) >Gerechtigkeit. RawlsVsMill: Daraus folgt aber nicht, dass man den Utilitarismus als Lösung braucht, wie Mill anscheinend glaubte. >Utilitarismus. Bsp Eine Firma, die Mitarbeiter braucht, muss auch in die Ausbildung der Minderqualifizierten investieren, um ihren eigenen Interessen zu nützen. Dabei entstehen ihr später noch höhere Kosten, weil sie den Mitarbeitern dann höhere Löhne zahlen müssen. >Einkommen, >Bildung, >Bildungspolitik. I 307 Common Sense/RawlsVsMill: Keine der Maximen des Common sense kann in den Rang eines Prinzips der Gerechtigkeit erhoben werden. Jede würde zu einer Verzerrung führen. I 308 Das hat mit den Ineffizienzen des Markts zu tun.(2) >Prinzipien, >Märkte. 1. J. St. Mill, Utilitarianism, ch. V, par. 30. 2. Mark Blaug, Economic Theory in Retrospect, (Cambridge, 1962) pp. 434f. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Computer | Gershenfeld | Brockman I 166 Gehirn/Computer/Gershenfeld: (...) Sowohl Gehirne als auch Computerchips sind schwer zu verstehen, wenn man ihr Innenleben beobachtet; sie lassen sich nur durch die Beobachtung ihrer externen Schnittstellen leicht interpretieren. Wir kommen zu dem Schluss, dass wir Gehirnen und Computerchips gleichermaßen vertrauen (oder auch nicht), basierend auf Erfahrungen, die sie testen, und nicht auf Erklärungen, wie sie funktionieren. >Verifikation, >Überprüfung, >Funktion, >Funktionale Erklärung. Brockman I 167 Was an Aminosäuren interessant ist, ist, dass sie nicht interessant sind. Sie haben typische, aber nicht ungewöhnliche Eigenschaften, wie z.B. das Anziehen oder Abweisen von Wasser. Aber nur zwanzig Arten von ihnen reichen aus, um dich zu erschaffen. In ähnlicher Weise reichen etwa zwanzig Arten von Bauteiltypen digitalen Materials - leitfähig, isolierend, starr, flexibel, magnetisch, etc. - aus, um den Funktionsumfang, der benötigt wird, um moderne Technologien wie Roboter und Computer zu erschaffen, zusammenzustellen. >Roboter, >Technologie. Gershenfeld, Neil „Scaling”, in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press. |
Brockman I John Brockman Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019 |
| Computermodell | Dodwell | Rorty I 259 Computermodell/Dodwell: Die Analogie [von Geist und Computer] wird erst zwingend, wenn man verschiedene Ebenen unterscheidet. Hardware/Software. Begriffliche Ebene: »Steuerungsprozess«. Physiologische Ebene: Hardware. >Beschreibungsebenen, >Stufen/Ebenen, >Software, >Computerprogrammierung, >Computer, >Computation. Das Prinzip der Operationen der Unterprogramme lässt sich nicht seinerseits durch eine Untersuchung der Hardware verständlich machen. Entsprechend verhilft uns das Verständnis, wie die Unterprogramme selbst funktionieren, nicht zu einer Erklärung des Prinzips des Problemlösens in der Begrifflichkeit einer Sequenz von Schritten. >Problemlösen. Hierfür muss man den Steuerungsprozess betrachten, der die Gesamtorganisation der Maschine verkörpert. Analogie: Wir erkennen visuelle Muster in Wirklichkeit nicht durch Auslese kritischer Merkmale, sondern durch Aufsuchen und Vergleichen passender Schablonen. >Analogien, >Vergleiche, >Vergleichbarkeit. Dies ist weder eine »begriffliche« Aussage (über den »Steuerprozess«) noch eine »physiologische« Aussage (über die »Hardware«), hat aber gleichwohl einen echten Erklärungswert. >Erklärungen, >Verstehen. Der Gedanke eines »Unterprogramms« scheint uns genau das zu geben, was die Psychologie braucht, eine Erklärung, wo für dieses tertium quid, zwischen comon sense und Physiologie gut sein könnte. Dodwell: Die Unterprogramme lassen sich nicht wiederum ihrerseits durch Untersuchung der Hardware verständlich machen, genauso wie der Zweck von Multiplikationstabellen nicht dadurch eingesehen werden kann, dass man das Gehirn untersucht. (Auch Fodor: Unterscheidung zwischen Funktionen (Programm) und Mechanik (Hardware) in der Psychologie sei irreduzibel und nicht bloß pragmatisch.) >J. Fodor, >Psychologie. |
Dod I P. C. Dodwell Brave New Mind: A Thoughtful Inquiry Into the Nature and Meaning of Mental Life Oxford 1999 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Computermodell | Rorty | I 259 VsAnalogie Hirn/Computer/Rorty: Diese Analogie ist trivial, da ein Programm nur eine Menge von Operationen kodifiziert, und das Denken genauso wenig erklärt wie eine Menge logischer Formeln die Gesetze des Schließens erklären. Ein Code fügt nichts hinzu! (Keine zusätzlichen Erkenntnisse). >Computation. I 262 Rorty (in Bezug auf Dodwell): Solange wir auf der Ebene der Unterprogramme sind, sind wir nicht festgelegten Verstand und Charakter zuzuschreiben. >Computermodell/Dodwell. Sowenig wie die Rede von »roten Sinneseindrücken« die Annahme innerer rotfarbiger Entitäten festlegt. Wenn wir allerdings auf die Hardwareebene aufsteigen, so ist der Anthropomorphismus nicht mehr angebracht. Würden wir uns allein auf die Hardwareebene beschränken, würden Sinneseindrücke gar keine Rolle mehr spielen. Dann ist auch die Computer- Analogie nicht mehr relevant, so wenig wie bei einzelligen Lebewesen. Komplizierte Physiologie weckt das Bedürfnis nach Psychologie! I 263 RortyVsComputermodell (Hardware/Software): von der Wahl der Abstraktionsebene abhängig. I 281 Frage: Wie kann der Computer herausfinden, dass das durch den Draht fließenden Muster elektrischer Ströme die Summe der Bareinnahmen des Tages ist? ((s) Das wird erst von außen als Interpretation festgelegt.) Rorty: Es geht überhaupt nicht um die Erforschung von Funktionsweise. Wir werden auch nicht klären, ob wir Robotern Persönlichkeitsrechte zugestehen sollten, indem wir ihre Funktionsweise besser erforschen. >Roboter. VI 184f Computer/Pragmatismus: Die Frage, ob Computer Bewusstsein haben, die für Searle und Thomas Nagel so wichtig ist, stellt sich dem Pragmatismus gar nicht. >Künstliches Bewusstsein, >Pragmatismus. Die einzige Form der Welt gegenüberzutreten, ist für Menschen die gleiche wie für Computer. Vgl. >Künstliche Intelligenz. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Continuants | Lewis | IV 41 Modale Continuants/mC/Lewis/(s): Wenn Individuen aus der mereologischen Summe aller ihrer Gegenstücke bestehen können, könnten sie auch modale continuants sein. LewisVs: Problem: Wenn ich Teil von unzähligen verschiedenen modalen continuants bin, welcher bin ich dann selbst? Lösung/Lewis: (s.u. Methusalem-Bsp): Statt Identität nehmen wir das gemeinsame Teilen von Zuständen. Dann gibt es nur ein Individuum. Problem: Alles was passieren kann, passiert auch. Bsp Humphrey/Kripke: Humphrey denkt: "Ich hätte gewinnen können", d.h. ich bin ein modales continuant mit einem Weltzustand, der gewinnt, d.h. das modale continuant, von dem ein Weltzustand diesen Gedanken denkt, hat einen (anderen) Weltzustand, der gewinnt. LewisVs: Humphrey denkt nur von sich selbst, daher ist es sinnlos anzunehmen, dass er "Teil derselben mereologischen Summe wie der Gewinner" sei. IV 42 Gegenstück-Theorie/Lewis: Nach der Gegenstück-Theorie hat Humphrey selbst Eigenschaften, sodass er mögliche Gewinner als Gegenstücke hat. >Ersatz Worlds: sind dann solche, in denen derselbe Humphrey bloß eine andere Geschichte durchlebt. IV 76 Personstadium/continuant/Lewis: Ein Stadium ist keine dauerhafte Person. Bsp Eine Person mit einem Wunsch ist ein Stadium (Personzustand, Person-Zustand). Vgl. >Personale Identität. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Copyright | Zittrain | I 192 Copyright/Zittrain: Die häufige Rechtswidrigkeit der Amateurkreativität mag für diejenigen attraktiv sein, die sie als eine gegenkulturelle Bewegung betrachten, wie die der Graffiti - Teil des Phänomens ist, dass sie reizbar oder illegal ist. Es kann sogar dazu führen, dass die Produkte der amateurhaften kulturellen Innovation von der etablierten industriellen Informationswirtschaft weniger kooptiert werden können, da es schwierig ist, die Rechte für eine anonyme Filmverpackung von Bildern und Tönen aus hunderten von verschiedenen, zum Teil proprietären Quellen zu klären. Aber wenn die Verhinderung der kommerziellen Nutzung das Ziel einiger Autoren ist, ist es am besten, sie einfach ihre Lizenzen strukturieren zu lassen, um sie auszuschließen. Autoren können ihre Werke unter einer Creative-Commons-Lizenzen freigeben, die die kommerzielle Wiederverwendung des Werkes einschränken und gleichzeitig eine unbegrenzte nichtkommerzielle Nutzung und Veränderung durch andere erlauben. (1) I 193 Da die Fähigkeit, den Interessen der "realen Welt" Schaden zuzufügen, mit der Reichweite des Internets und der Anzahl der darauf angewiesenen wertvollen Aktivitäten zunimmt, werden auch die Handlungsnotwendigkeiten zunehmen. Da beide, generative ((s) siehe Terminologie/Zittrain) und nicht-generative Geräte in ständigem Kontakt mit verschiedenen Anbietern und Softwareanbietern stehen, und die Regulierungsbehörden versuchen können, von diesen Herstellern zu verlangen, dass sie die von ihnen angebotenen Dienste präziser gestalten, wodurch eine inzwischen vertraute Wunde in der Generativität entsteht. Eine Möglichkeit, den Druck auf die institutionellen und technologischen Wächter zu verringern, besteht darin, sicherzustellen, dass einzelne Täter direkt zur Verantwortung gezogen werden können. I 195 Niemand besitzt die heutigen Probleme der Urheberrechtsverletzung und Verleumdung online, ebenso wenig wie niemand die Sicherheitsprobleme im Internet besitzt. Aber die Lösung besteht nicht darin, Vermittler zur Netzpolizei zu zwingen. Nach geltendem Recht könnte Wikipedia mit viel weniger strengerer Überwachung seiner Artikel für plagiierte Arbeit davonkommen, und es könnte einfach diffamierendes Material in einem Artikel hinterlassen, aber in den Vereinigten Staaten durch die Bestimmung des Communications Decency Act abgeschirmt werden, die die Hosting-Materialien von der Verantwortung für das befreit, was andere bereitgestellt haben. (2) 1. Siehe: Creative Commons, Choose a License available at http://wwwcreativecommons.org/license/ (last visited Mar. 22, 2007). 2. Wie in Kapitel 6 erwähnt, könnte man im Fall von Wikipedia argumentieren, dass jeder, der Wikipedia editiert, tatsächlich ein Vertreter von Wikipedia ist, und daher nicht "ein anderer" Dienstleister unter 47 U.S.C. § 230(c). |
Zittrain I Jonathan Zittrain The Future of the Internet--And How to Stop It New Haven 2009 |
| Cyberspace | Lessig | I 83 Cyberspace/Lessig: beim Cyberspace geht es nicht nur darum, das Leben einfacher zu machen. Es geht darum, das Leben anders oder besser zu machen. Es geht darum, ein anderes (oder zweites) Leben zu führen. I 85 Der Cyberspace hat sich zum Teil verändert, weil sich die Menschen - wer sie sind, was ihre Interessen sind - verändert haben, und zum Teil, weil die Fähigkeiten, die vom Raum stammen, sich verändert haben. Aber ein Teil der Veränderung hat mit dem Raum selbst zu tun. Gemeinschaften, Austausch und Konversation gedeihen alle in einem bestimmten Raum; sie werden in einem anderen Raum gelöscht. (1) Räume haben Werte. Sie manifestieren diese Werte durch die Praktiken oder Leben, die sie aktivieren oder deaktivieren. I 86 Wahlmöglichkeiten bedeuten, dass unterschiedlich konstituierte Räume unterschiedlich aktiviert und deaktiviert werden. Die Blinden könnten leicht Sprachprogramme implementieren, die den (per Definition maschinenlesbaren) Text lesen und mit der Eingabe antworten könnten. Andere Personen im Netz hätten keine Möglichkeit zu wissen, dass die Text schreibende Person blind ist, sofern diese es nicht zugibt. Die Blinden wären den Sehenden gleichgestellt. I 169 Hausfriedensbruchgesetz/Harold Reeves/Lessig: Sollte es ein Hausfriedensbruchgesetz für den Cyberspace geben? (2) - Reeves erste Idee war einfach: Es sollte kein Hausfriedensbruchgesetz im Cyberspace geben. Das Gesetz sollte den "Besitzern" von Räumen im Cyberspace keinen rechtlichen Schutz vor Invasionen gewähren; sie sollten gezwungen sein, sich selbst zu verteidigen. Welche Mittel würden den effizientesten Schutz von Eigentumsinteressen im Cyberspace liefern? Das eine ist der traditionelle Schutz des Gesetzes [....] Der andere Schutz ist ein Zaun, eine technologische Vorrichtung (ähnlich dem Code), die (unter anderem) das unerwünschte Eindringen verhindert. I 170 Die Implikation dieser Idee im realen Raum ist, dass es manchmal sinnvoll ist, die Last des Schutzes auf die Bürger und nicht auf den Staat zu verlagern. [...] Reeves argumentiert, dass die Kosten des Rechts in diesem Zusammenhang zum Teil wegen der Kosten der Durchsetzung extrem hoch sind, aber auch, weil es für das Gesetz schwer ist, zwischen legitimer und illegaler Nutzung von Cyberspaces zu unterscheiden. I 197 Der Cyberspace wird drei wichtige Optionen im Zusammenhang mit dem geistigen Eigentum eröffnen: ob es möglich sein soll, das geistige Eigentum vollständig zu schützen (denn das ist es, was ein perfektes Code-Regime zum Schutz des geistigen Eigentums tun würde); und ob es diesem Regime erlaubt werden soll, die Anonymität, die in weniger effizienten Kontroll-Strukturen verborgen ist, zu beseitigen; und ob es möglich sein soll, der Verbreitung des geistigen Eigentums zu ermöglichen, die Amateurkultur auszutreiben. Diese Entscheidungen wurden nicht von unseren Gestaltern getroffen. Wir müssen diese jetzt treffen. I 283 Räume wie Second Life kontrollieren das Leben der Menschen, die dort spielen. In der Tat, ist das ganze Ziel des Spielens dort, den Eindruck zu erwecken, dass man da ist. These: Das sind wiederum die Orte, die ich Cyberspace nenne. Cyberspace ist ganz anders als das Leben auf einer Website mit der Rechnungen bezahlt werden oder auf einer Website, die Ihre E-Mails enthält. Der Code steuert auch diese. Aber die Kontrolle oder Souveränität dieser Seiten unterscheidet sich von der Kontrolle von Second Life. In Second Life, oder in dem, was ich als Cyberspace im Allgemeinen definiert habe, ist die Kontrolle allgegenwärtig; auf einer I 284 Website zur Zahlung von Rechnungen, oder auf dem, was ich das Internet genannt habe, ist die Kontrolle vorbei, vorübergehend. Interessanterweise gibt es eine wichtige dynamische Veränderung, die wir bereits identifiziert haben, mehr in dünn kontrollierten Räumen als in stärker kontrollierten. Dies ist die Präferenz für Code-Kontrollen, wo Code-Kontrollen möglich sind. Denken Sie noch einmal über die Website zur Zahlung von Rechnungen nach. Es ist natürlich gegen das Gesetz, auf das Bankkonto von jemandem zuzugreifen und Geld von diesem Konto ohne die Erlaubnis des Kontoinhabers zu überweisen. Aber keine Bank würde sich jemals einfach auf das Gesetz verlassen, um diese Regel durchzusetzen. Jede Bank fügt einen komplexen Satz von Codes hinzu, um zu authentifizieren, wer Sie sind, wenn Sie eine Website für die Bezahlung von Rechnungen nutzen. Wenn ein politisches Ziel kodiert werden kann, dann ist die einzige Grenze für diese Kodierung die Grenzkosten des Codes gegenüber dem Grenznutzen der zusätzlichen Kontrolle. Aber in einer stark kontrollierenden Umgebung wie Second Life gibt es eine Grenze für die Verwendung von Code, um soziales Verhalten zu lenken. I 285 Demokratie/Cyberspace/Castronova/Lessig: Die interessanteste Nicht-Entwicklung im Cyberspace ist, dass, wie Castronova es ausdrückt, "man überhaupt nicht viel Demokratie findet in synthetische Welten." (3) I 288 David Post: Gemeinschaften im Cyberspace, argumentiert Post, werden von "Regel-Sätzen" regiert, die wir als Anforderungen verstehen können, unabhängig davon, ob sie in die Architektur eingebettet oder in einer Reihe von Regeln veröffentlicht sind, die das Verhalten an einem bestimmten Ort einschränken. I 307 Cyberlaw/Internetrecht/Internationales Recht/Lessig: Wenn Sie Nazi-Material anbieten und eine französische Staatsbürgerin Ihre Website aufruft, sollten Sie sie blockieren, aber wenn sie US-Bürgerin ist, können Sie ihr dienen. Jeder Staat würde also die Bürger anderer Staaten so einschränken, wie sie es wollten. Aber die Bürger ihrer Nation würden die Freiheiten genießen, die diese Nation garantiert. Diese Welt würde also lokale Regeln auf das Leben im Cyberspace übertragen. I 308 Jeder Staat [...] hat sein eigenes Interesse daran, bestimmte Verhaltensweisen zu kontrollieren, welche unterschiedlich sind. Aber der Schlüssel ist dieser: Die gleiche Architektur, die es Minnesota ermöglicht, sein regulatorisches Ziel zu erreichen, kann auch anderen Staaten helfen, ihr regulatorisches Ziel zu erreichen. I 309 Ein ID-reiches Internet würde die internationale Zonierung erleichtern und diese Struktur der internationalen Kontrolle ermöglichen. Ein solches Regime würde die geografische Zonierung ins Netz zurückführen. Sie würde die Grenzen eines ohne diese Grenzen errichteten Netzes wieder durchsetzen.[…] Für diejenigen, die die Freiheit des ursprünglichen Netzes lieben, ist dieses Regime ein Albtraum. […] Natürlich bin ich der Meinung, dass die Bürger jeder Demokratie die Freiheit haben sollten, selbst zu entscheiden, welche Sprache sie konsumieren. Aber ich würde es vorziehen, dass sie sich diese Freiheit verdienen, indem sie sie mit demokratischen Mitteln einfordern, als dass ihnen ein technologischer Trick sie ihnen umsonst gibt.[…] Dieses Regime gibt jeder Regierung die Macht, ihre Bürger zu regulieren; keine Regierung sollte das Recht haben, mehr zu tun. >Internet, >Internetkultur, >Onlinerecht. 1. Siehe Katie Hafner and Matthew Lyon,Where Wizards Stay Up Late: The Origins of the Internet (New York: Simon and Schuster, 1996), 62–63. 2. Harold Smith Reeves, “Property in Cyberspace,” University of Chicago Law Review 63 (1996): 761. 3. Castronova, Synthetic Worlds, 207. |
Lessig I Lawrence Lessig Code: Version 2.0 New York 2006ff |
| Darlehen | Rothbard | Rothbard III 377 Darlehen/Kredite/Zukunftsgüter/Investitionen/Tausch/Rothbard: Was (...) sind die spezifischen Arten von Zukunftsgütern, die auf den Zeitmarkt gelangen? Es gibt zwei solcher Arten. Rothbard III 378 Die eine ist ein schriftlicher Anspruch auf einen bestimmten Geldbetrag zu einem zukünftigen Zeitpunkt. Der Tausch auf dem Zeitmarkt läuft in diesem Fall wie folgt ab: A gibt B Geld im Austausch für einen Anspruch auf zukünftiges Geld. Im Allgemeinen wird A, der Käufer des zukünftigen Geldes, als „Kreditgeber“ oder „Gläubiger“ bezeichnet, während B, der Verkäufer des zukünftigen Geldes, als „Kreditnehmer“ oder „Schuldner“ bezeichnet wird. >Kredit, >Zeit/Rothbard, >Zeitpräferenz. Der Grund dafür ist, dass diese Kredittransaktion, im Gegensatz zu einer Bargeldtransaktion, in der Gegenwart unvollendet bleibt. Wenn ein Mann einen Anzug gegen Bargeld kauft, überweist er Geld im Austausch für den Anzug. Das Geschäft ist damit abgeschlossen. Bei einem Kreditgeschäft erhält er lediglich einen schriftlichen Schuldschein, der ihn dazu berechtigt, einen bestimmten Geldbetrag zu einem späteren Zeitpunkt einzufordern. Das Geschäft wird erst in der Zukunft abgeschlossen, wenn B, der Kreditnehmer, den „Kredit zurückzahlt“, indem er das vereinbarte Geld an den Gläubiger überweist. Verbrauchsgüter: Obwohl der Kreditmarkt eine sehr auffällige Form der Zeittransaktion ist, ist er keineswegs die einzige oder gar die dominierende. Es gibt eine viel subtilere, aber wichtigere Art von Transaktion, die das gesamte Produktionssystem durchdringt, die aber oft nicht als Zeittransaktion erkannt wird. Es handelt sich dabei um den Kauf von Gütern und Dienstleistungen der Produzenten, die im Laufe der Zeit umgewandelt werden, um schließlich als Güter der Konsumenten zu erscheinen. >Dienstleistung/Rothbard, >Produktion/Rothbard, >Investitionen/Rothbard, >Kapitalismus/Rothbard, >Gleichmäßig rotierende Wirtschaft. Rothbard III 421 Kreditmarkt/RothbardVsNeoklassische Ökonomie/Rothbard: Wo ist der Kreditmarkt der Produzenten? Dieser Markt wird von den Autoren immer betont, oft unter Ausschluss von allem anderen. In der Tat bezieht sich der Begriff „Zinssatz“ im Allgemeinen auf Geldkredite, einschließlich der Kredite an Verbraucher und Produzenten, wobei letztere besonders hervorgehoben werden, da sie in der Regel quantitativ größer und für die Produktion bedeutender sind. Der Zinssatz für Geldkredite an den Möchtegern-Produzenten soll der signifikante Zinssatz sein. Die gängige neoklassische Doktrin besagt, dass der Kreditmarkt der Produzenten den Zinssatz bestimmt (...). >Neoklassische Ökonomie, >Zinsen/Rothbard. Rothbard III 422 RothbardVsNeoklassische Ökonomie: Diese Art von Ansatz übersieht völlig die Bruttoersparnis der Produzenten und noch mehr die Nachfrage nach gegenwärtigen Gütern durch die Eigentümer der ursprünglichen Faktoren. Anstatt grundsätzlich Anbieter von Gegenwartsgütern zu sein, werden die Kapitalisten als Nachfrager von Gegenwartsgütern dargestellt. >Produktionsstruktur/Rothbard, >Produktion/Rothbard. Dieser Ansatz verfehlt das Thema sehr stark, weil er die Wirtschaft mit dem oberflächlichen Auge eines durchschnittlichen Geschäftsmannes betrachtet. Der Geschäftsmann leiht sich auf einem Markt für Produktionskredite von einzelnen Sparern Geld, und er beurteilt die Höhe seines Kredits auf der Grundlage seiner erwarteten „Gewinnrate“ oder Rendite. Die Autoren gehen davon aus, dass ihm eine Reihe von Investitionsprojekten zur Verfügung steht, von denen einige eine Rendite von, sagen wir, 8 Prozent, andere von 7 Prozent, wieder andere von 3 Prozent usw. abwerfen würden, und dass er bei jedem hypothetischen Zinssatz einen Kredit aufnehmen wird, um in die Projekte zu investieren, wo seine Rendite genauso hoch oder höher ist. Mit anderen Worten: Wenn der Zinssatz 8 Prozent beträgt, wird er einen Kredit aufnehmen, um in Projekte zu investieren, die ihm mehr als 8 Prozent einbringen; wenn der Zinssatz 4 Prozent beträgt, wird er in viel mehr Projekte investieren, nämlich in solche, die ihm mehr als 4 Prozent einbringen, usw. Auf diese Weise wird die Nachfragekurve nach Ersparnissen für jedes Individuum und noch mehr für das Aggregat auf dem Markt nach rechts abfallen, wie es Nachfragekurven normalerweise tun, wenn der Zinssatz fällt. Der Schnittpunkt legt den Marktzins fest. Oberflächlich betrachtet, mag dieser Ansatz plausibel erscheinen. In der Regel kommt es vor, dass ein Geschäftsmann so unterschiedliche Renditen für verschiedene Investitionen voraussieht, dass er sich auf dem Markt von verschiedenen Sparern auf dem Markt leiht, und dass er im Volksmund als „Kapitalist“ oder Unternehmer bezeichnet wird, während die Kreditgeber einfach nur Sparer sind. Rothbard III 423 RothbardVsNeoklassische Ökonomie: Was ist die Grundlage für das angebliche Regal verfügbarer Projekte, die jeweils unterschiedliche Renditen aufweisen? Warum bringt eine bestimmte Investition überhaupt einen monetären Nettoertrag? Die übliche Antwort lautet, dass jede Dosis neuer Investitionen eine „Grenzwertproduktivität“ hat, z. B. 10 Prozent, 9 Prozent, 4 Prozent usw., dass natürlich die produktivsten Investitionen zuerst getätigt werden und dass daher mit zunehmender Ersparnis weitere Investitionen immer weniger wertproduktiv sind. Dies ist die Grundlage für die angebliche „Nachfragekurve des Unternehmers“, die bei steigenden Ersparnissen und sinkenden Zinssätzen nach rechts abfällt. Der Kardinalfehler ist ein alter volkswirtschaftlicher Irrtum - die Zuschreibung von Wertproduktivität zu Geldinvestitionen. Es ist unbestritten, dass Investitionen die physische Produktivität des Produktionsprozesses sowie die Produktivität pro Arbeitsstunde erhöhen. Das ist ja gerade der Grund, warum Investitionen und die damit verbundene Verlängerung der Produktionszeiträume überhaupt stattfinden. Aber was hat das mit der Wertproduktivität oder mit der monetären Rendite zu tun,(...)? Lösung/Rothbard: (...) die Produzenten profitieren nicht von den erzielten Bruttoeinnahmen, sondern von der Preisspanne zwischen ihrem Verkaufspreis und den aggregierten Faktorpreisen. >Produktionsfaktoren/Rothbard. Rothbard III 445 Darlehen/Zeit/Zinsen/Rothbard: Langfristige Schuldverschreibungen können auch auf einem Markt gekauft und verkauft werden. Die meisten dieser langfristigen Schulden werden Anleihen genannt, und sie werden auf einem florierenden und flexiblen Anleihenmarkt gehandelt. Der zu Beginn festgesetzte Zinssatz ist dabei unerheblich. So wird ein langfristiges Darlehen über 100 Unzen zu einem festen Zinssatz von 5 %, also fünf Unzen pro Jahr, aufgenommen. Steigt der allgemeine Zinssatz, werden die Menschen dazu neigen, ihre Anleihen zu verkaufen, die ihnen nur 5 Prozent Rendite gebracht haben, und ihr Geld anderweitig zu investieren - entweder in ganze Unternehmen, Aktien von Unternehmen oder kurzfristige Kredite. Diese erhöhte Bereitschaft, Anleihen zu verkaufen - ein erhöhtes Angebot - drückt den Preis der Anleihe, bis der Zinsertrag für den Käufer dem allgemeinen Zinssatz in anderen Bereichen entspricht. Wenn also der allgemeine Zinssatz von 5 Prozent auf 10 Prozent steigt, fällt der Preis der Anleihe von 100 auf 50, so dass die feste jährliche Rendite von 5 eine Zinsrendite von 10 Prozent ergibt. >Anleihen/Rothbard. Rothbard III 1002 Darlehen//Kreditmarkt/Rothbard: Marktzins/Kaufkraft: Die Rekordzinsen in der Hochkonjunktur werden in der Regel wegen der Kaufkraftkomponente im Marktzins steigen. Ein Preisanstieg erzeugt (…) eine positive Kaufkraftkomponente im natürlichen Zinssatz, d.h. der von den Unternehmern am Markt erzielten Rendite. >Natürlicher Zinssatz. Rothbard III 1003 Freier Markt: Auf dem freien Markt würde sich dies schnell in der Darlehens-Rate niederschlagen, die, (…) , vollständig von der natürlichen Rate abhängig ist. Aber ein kontinuierlicher Zufluss von zirkulierenden Krediten verhindert, dass die Ioan-Rate die natürliche Rate einholt, und erzeugt dadurch den Konjunkturprozess.(1) Kredite: Eine weitere Folge dieser von den Banken verursachten Diskrepanz zwischen dem Ioan-Zinssatz und dem natürlichen Zinssatz ist, dass die Gläubiger auf dem Ioan-Markt Verluste zugunsten ihrer Schuldner erleiden: den Kapitalisten auf dem Aktienmarkt oder denjenigen, die ihre eigenen Unternehmen besitzen. Letztere gewinnen während der Hochkonjunktur durch die Differenz zwischen dem Ioan-Satz und dem natürlichen Zinssatz, während die Gläubiger (mit Ausnahme der Banken, die ihr eigenes Geld schaffen) in gleichem Maße verlieren. >Kreditausweitung, >Konjunktur/Rothbard, >Boom/Rothbard, >Zinsen/Rothbard. 1. Da Knut Wicksell einer der Väter dieses konjunkturellen Ansatzes ist, ist es wichtig zu betonen, dass sich unsere Verwendung des Begriffs „natürliche Rate“ von seiner unterscheidet. Wicksells „natürlicher Zinssatz“ war mit unserem „marktwirtschaftlichen Zinssatz“ vergleichbar; unser „natürlicher Zinssatz“ ist die Rendite, die Unternehmen auf dem bestehenden Markt ohne Berücksichtigung der Ioan-Zinsen erzielen. Sie entspricht dem, was irreführend als „normale Gewinnrate“ bezeichnet wird, ist aber eigentlich der Basiszinssatz. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Darstellung | Goodman | I 43 Darstellungsmittel können Bewunderung oder Abneigung zwar erwecken, aber nicht unbedingt ausdrücken! Darstellen heißt sicherlich Bezug nehmen, stehen für, symbolisieren. >Referenz, >Symbol, >Ausdrücke, >Terminologie/Goodman. In einer Darstellung ist Negation nicht möglich. >Negation, >Sinn. --- IV 121 Eine verschwommene Pferd-Darstellung ist sicher keine Darstellung eines verschwommenen Pferdes. Das Verschwommensein gehört zur Darstellung oder zur Vorstellung. >Ideen. |
G IV N. Goodman Catherine Z. Elgin Revisionen Frankfurt 1989 Goodman I N. Goodman Weisen der Welterzeugung Frankfurt 1984 Goodman II N. Goodman Tatsache Fiktion Voraussage Frankfurt 1988 Goodman III N. Goodman Sprachen der Kunst Frankfurt 1997 |
| Darstellung | Thiel | I 134 "Darstellung"/Zahlen/Ziffern/Mathematik/Thiel: Darstellung in unserem Sinn ist gegenüber der Abstraktion eine fiktionale Beziehung den dem Sinne, dass wir die arithmetischen Aussagen wie Aussagen über neue Gegenstände - die Zahlen - formulieren, und diesen fiktionale Eigennamen der Form "Die Zahl n" (mit einer Ziffer "n") geben. "n" (Zählzeichen) und fiktiver Gegenstand (die Zahl n) stehen dann in einer fiktionalen Beziehung zueinander. >Zahlen, >Mathematische Entitäten. Der Abstraktionsschritt wird nur für solche Eigenschaften vorgenommen, die jeder zur genannten Ziffer zähläquivalenten Ziffer (Def I 129) zukommen. Nur solche Eigenschaften werden also von den neuen Gegenständen, den Zahlen, ausgesagt. >Abstraktion. I 135 a) Gibt es keine solche Eigenschaft, sind e und e' nur scheinbar verschieden. Die Eigennamen bezeichnen in Wirklichkeit denselben Gegenstand. b) Diese Gleichheit müssen wir aber von der vorher verwendeten Konstruktionsgleichheit unterscheiden, die unmittelbar auf die Konstruktionsregeln Bezug nimmt. (WaismannVs). >Gleichheit, >F. Waismann. |
T I Chr. Thiel Philosophie und Mathematik Darmstadt 1995 |
| Darwinismus | Gould | I 70 Darwin/Gould: Darwins Theorie der Selektion stellt eine schöpferische Übertragung von Adam Smiths grundlegender These von einer rationalen Ökonomie auf die Biologie dar: Das Gleichgewicht und die Ordnung entstehen nicht durch eine höhere, von außen kommende (göttliche) Macht, oder das Vorhandensein von Gesetzen, die unmittelbar auf das Ganze einwirken, sondern durch Kampf zwischen Individuen um ihren eigenen Vorteil. (Moderne Variante: Kampf um eine Übermittlung ihrer Gene an kommende Generationen durch einen besonderen Erfolg bei der Fortpflanzung). II 9 Darwinismus/Adaption/Gould: Darwins Jünger entwarfen später eine Version seiner Theorie, die weit enger gefasst war, als Darwin selbst das je zugelassen hätte: Dieses "adaptionistische Programm" bezog die Evolution auf jedes einzelne Körperteil und ließ außer Acht, dass Organismen integrierte Gebilde sind, deren Entwicklungsmöglichkeiten durch Vererbung begrenzt sind (GouldVs). II 11 Dieser übertrieben strenge Darwinismus betont die überaus zahlreichen, kleinen zufälligen Variationen und schließt damit ein, dass die Makroevolution eine Summierung der unzähligen kleinen Schritte ist. Diese "extrapolationistische" Theorie sprach der Makroevolution jede Selbständigkeit ab. Sie spräche damit auch den anderen Ebenen, sowohl unterhalb (z.B. Gene) als auch oberhalb (Arten) jede direkte kausale Bedeutung ab. II 171 Def Strenger Darwinismus/Gould: These: Alle Eigenschaften sind Adaptionen, und die gesamte Evolution sei ein Kampf ums Überleben auf der untersten Ebene zwischen allen Individuen. >Evolution, >Erklärung. |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Darwinismus | Kropotkin | Brocker I I26 Darwinismus/Kropotkin: Kropotkin verstand sich als Darwinist, lehnte aber die Evolutionstheorie von dessen Schülern ab. Laut Kropotkin hatte Darwin „ganz recht, wenn er in den sozialen Eigenschaften des Menschen den Hauptfaktor für seine weitere Entwicklung sah, und Darwins vulgarisierende Nachfolger haben völlig unrecht, wenn sie das Gegenteil behaupten« (1). >Evolution. VsKropotkin/VsSozialdarwinismus: 1. Beide machen sich des naturalistischen Fehlschusses schuldig: aus dem Sein ein Sollen abzuleiten. Darwin selbst versuchte dagegen nur, eine Beschreibung und Erklärung für das Entstehen und die Entwicklung des Lebens in der Natur zu liefern, und keine Handlungsanweisungen daraus abzuleiten. >Sozialdarwinismus. CantzenVsKropotkin: 2. Sowohl Kropotkin als auch der von ihm kritisierte Sozialdarwinismus treten mit dem Anspruch einer Naturwissenschaft auf und versuchen, gegenseitige Hilfe als ein Naturgesetz darzustellen. Kropotkin reflektiert nicht auf das Verhältnis von natürliche Anlage und sozialer Umwelt. Dieses stellt jedoch ein historisches Verhältnis dar und kein Naturgesetz.(2) Vgl. >Altruismus, >Gesetze. 1. Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Mutual Aid: A Factor of Evolution, London 1902. Dt.: Peter Kropotkin, Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt. Mit einem Nachwort neu herausgegeben von Henning Ritter, Frankfurt/M./Berlin/Wien 1975, S. 113.f. 2. Rolf Cantzen, Weniger Staat – mehr Gesellschaft. Freiheit – Ökologie – Anarchismus, Frankfurt/M. 1987 , S. 23. Armin Pfahl-Traughber Pjotr Alexejewitsch Kropotkin, Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt (1902) in: Brocker 2018. |
Kropot I Peter Kropotkin Gegenseitige Hilfe in der Tier- und Menschenwelt Frankfurt/Berlin/Wien 1975 |
| Darwinismus | Marx | Rothbard II 362 Darwinismus/Engels/Marx/Rothbard: Das Konzept [des „dialektischen Materialismus“] wurde von Engels, der von den beiden Gründern besonders an den Naturwissenschaften interessiert war, auf die Biologie angewandt. Auf die Biologie angewandt, wie Engels es im Anti-Dühring tat, hat der dialektische Materialismus einen unverkennbar verrückten Anstrich. In ultrahegelianischer Manier werden die Logik und die logischen Widersprüche oder „Negationen“ hoffnungslos mit den Prozessen der Wirklichkeit verwechselt. So entstehen Schmetterlinge „aus dem Ei durch Negation [oder Transzendenz] des Eies... sie werden wieder negiert, wenn sie sterben“. Und „das Gerstenkorn... wird negiert und von der Gerstenpflanze, der Negation des Korns, verdrängt... Die Pflanze wächst... wird fruchtbar und bringt wieder Gerstenkörner hervor, und sobald diese reif sind, verwelkt die Ähre, wird negiert. Als Ergebnis dieser Negation der Negation haben wir das ursprüngliche Gerstenkorn... in einer zehn-, zwanzig- oder dreißigfachen Menge gewonnen“.(1) Marx/Rothbard: Darüber hinaus war auch Marx selbst, und nicht nur Engels, sehr an Darwin und der biologischen Wissenschaft interessiert. Marx schrieb an Engels, dass Darwins Werk „mir als naturwissenschaftliche Grundlage für den Klassenkampf in der Geschichte dient“ und dass „dies das Buch ist, das die naturgeschichtliche Grundlage für unsere Auffassung enthält“.(2) Dialektik/RothbardVsMarx: Indem er die Dialektik in materialistischen und atheistischen Begriffen neu formulierte, gab Marx jedoch den mächtigen Motor der Dialektik auf, wie sie im Laufe der Geschichte wirkte: entweder den christlichen Messianismus oder die Vorsehung oder das wachsende Selbstbewusstsein des Weltgeistes. 1. Engels, Anti-Dühring, zitiert in Ludwig von Mises, Theory and History (3rd ed., Auburn, Ala.: Ludwig von Mises Institute, 1985), p. 105. Siehe auch den sardonischen Kommentar zu diesem Abschnitt von Alexander Gray, The Socialist Tradition (London: Longmans, Green, 1946), p. 300n. 2. Marx to Engels, 16 Jan. 1861 and 19 Dec. 1860. Siehe Gary North, Marx's Religion of Revolution: Regeneration Through Chaos (2nd ed., Tyler, Texas: Institute for Christian Economics, 1989), pp. 89n-90n. |
Marx I Karl Marx Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Darwinismus | McGinn | II 98 Design-Argument/William Paley: Organismen weisen ein brillantes Design auf: Wir haben sie nicht entworfen, also müssen wir annehmen, dass eine fremde Intelligenz das getan hat. Nennen wir diese Intelligenz "Gott". Also existiert Gott. II 98 DarwinVsPaley: intelligentes Design setzt keinen Schöpfer voraus. Es genügt Selektion. II 99 Geist/Bewusstsein/Evolution/McGinn: die Evolution erklärt das Bewusstsein nicht! auch nicht Empfindung. >Evolution, >Bewusstsein. II 100 Grund: Empfindung und Bewusstsein lassen sich mit den Mittel der Darwinschen Prinzipien und der Physik nicht erklären, denn wenn die Selektion erklären will, wie Empfindungen durch sie entstehen sollen, muss es möglich sein, Geist aus Materie zu formen. ((s) Das Bewusstsein oder die Empfindung müsste für die Selektion sichtbar sein.) (Ähnlich GouldVsDawkins). >Selektion, >Selektion/Gould, >Selektion/Dawkins. |
McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Darwinismus | Rorty | VI 69 ff Darwinismus/Rorty: Der Darwinismus liefert ein nützliches Vokabular. "Darwinismus": ist für mich eine Fabel, die von den Menschen als Tieren mit speziellen Organen und Fähigkeiten handelt. Aber diese Organe und Fähigkeiten stehen genauso wenig in einer repräsentationalen Beziehung zur Welt wie die Schnauze des Ameisenbärs. >Repräsentation/Rorty. VI 424 Darwinismus/Rorty: Der Darwinismus verlangt, dass wir unser Tun und Sein im Rahmen desselben Kontinuums betrachten, zu dem auch das Sein von Amöben, Spinnen und Eichhörnchen gehört. Eine Möglichkeit, das zu tun, ist zu behaupten, unsere Erfahrung sei eben komplexer. >Erfahrung, >Komplexität. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Dasein | Heidegger | Gadamer I 261 Dasein/Heidegger/Gadamer: Dass es dem Dasein um sein Sein geht, dass es vor allem anderen Seienden durch Seinsverständnis ausgezeichnet ist, stellt nicht, wie es in „Sein und Zeit“ scheint, die letzte Basis dar, von der eine transzendentale Fragestellung auszugehen hat. Vielmehr ist von einem ganz anderen Grunde die Rede, der alles Seinsverständnis erst möglich macht, und das ist, dass es überhaupt ein „da“, eine Lichtung Gadamer I 262 im Sein, d.h. die Differenz von Seiendem und sein gibt. >Nichts/Heidegger. Heideggers hermeneutische Phänomenologie und die Analyse der Geschichtlichkeit des Daseins zielten auf eine allgemeine Erneuerung der Seinsfrage (…). Gadamer I 264 Verstehen/HeideggerVsDilthey/HeideggerVsHusserl: Verstehen (...) ist die ursprüngliche Vollzugsform des Daseins, das In-der-Weltsein (...). >Hermeneutik/Heidegger. Vor aller Differenzierung des Verstehens in die verschiedenen Richtungen des pragmatischen oder theoretischen Interesses ist Verstehen die Seinsart des Da-seins, sofern es Seinkönnen und “Möglichkeit“ ist. [Aufgabe des Verstehens]: durch eine „transzendentale Analytik des Daseins“ diese Struktur des Daseins aufzuklären. >Erkennen/Heidegger. Gadamer I 265 Verstehen/Gadamer: Jetzt (...) wird aufgrund der existenzialen Zukünftigkeit des menschlichen Daseins die Struktur des historischen Verstehens erst in ihrer ganzen ontologischen Fundierung sichtbar. Gadamer I 266 Geschichte: (...) dass wir nur Historie treiben, sofern wir selber sind, bedeutet, dass die Geschichtlichkeit des menschlichen Daseins in ihrer ganzen Bewegtheit des Gewärtigens und des Vergessens die Bedingung dafür ist, dass wir Gewesenes überhaupt vergegenwärtigen. Gadamer I 267 Hermeneutik/Gadamer: [es ist die ] Frage, ob aus der ontologischen Radikalisierung, die Heidegger gebracht hat, etwas für den Aufbau einer historischen Hermeneutik gewonnen werden kann. Heideggers Absicht selber war gewiss eine andere, und man muss sich hüten, aus seiner existenzialen Analyse der Geschichtlichkeit des Daseins (>Geschichtlichkeit) voreilige Konsequenzen zu ziehen. Die existenziale Analytik des Daseins schließt nach Heidegger kein bestimmtes geschichtliches Existenzideal in sich. |
Hei III Martin Heidegger Sein und Zeit Tübingen 1993 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Dass-Sätze | Field | II 157 Dass-Satz/Field: Der Dass-Satz verlangt keine wörtliche Wiedergabe. Bsp "Dass Schnee weiß ist" kann in jeder Sprache ausgedrückt worden sein; dies ist dann sprach-unabhängig. Dann ist eine Sprache (Ms) mit "'p' bedeutet, dass p" ein Spezialfall der Sprache (M) mit "e" (wobei "e" ein subsententialer Ausdruck ist und z.B. "Hund" bedeutet). D.h. "< >" ist eine formale Darstellung unserer normalen Mittel der Bedeutungszuschreibung. ((s) Der Ausdruck in spitzen Klammern ist unserer eigener). Schemabuchstaben: "p" und "e" sind hier in Bezug auf ein Individuum, also Idiolekt. >Idiolekt, >Sprecherbedeutung, >Sprecherintention. II 158 Dann muss "dass p wie ich es jetzt verstehe" keine wörtliche Wiedergabe sein. Spitze Klammer: Es kann sich nicht herausstellen, dass "metakompakt" nicht ‹metakompakt› bedeutet, auch wenn ich nicht genau weiß, was es heißt. - D.h. es hat einen besonderen epistemischen Status: Es ist nicht empirisch anzuzweifeln. Zu sagen, dass ein Wort ‹Kaninchen› bedeutet, heißt einfach zu sagen,... II 159 ...dass es dasselbe bedeutet, wie "Kaninchen" wie ich es im Moment aktual verstehe. ((s) In der wirklichen Welt, in meinem Idiolekt). >Mögliche Welten, >Aktuale Welt, >Sprachgemeinschaft. II 160 Spitze Klammern: Bei Sätzen können wir stattdessen auch Dass-Sätze nehmen. II 171 Verstehen: Bsp Wenn ich "grug" nicht verstehe, werde ich folgendes nicht akzeptieren: "grug" bedeutet ‹grug› - und selbst wenn ich es akzeptierte, würde das nicht als Glauben zählen. >Inhalt, >Gehalt, >Verstehen. |
Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| de dicto | Chisholm | I 65 de dicto/Chisholm: entweder "Eigenschaft, so zu sein, dass p" oder "der Sachverhalt, dass p, ist wahr" - Zuschreibung de dicto: braucht keine Demonstrativa, Eigennamen oder freie Variablen. >Zuschreibung, >Eigenschaften, >Demonstrativa; vgl. >de re. II 118 Falsch: de dicto-Überzeugung würde ausreichen, in besonderer Beziehung zum Gegenstand zu stehen, allein dadurch, dass dieser existiert. >Bekanntschaft. Vs: Wir brauchen strengeren Begriff des de re-Glaubens, der Gegenstand muss identifiziert werden können. de re: Ich kann nichts vom kleinsten Spion glauben, bevor ich ihn persönlich kenne. - ((s) Dann aber auch unter anderer Beschreibung. - Mindestens zwei Beziehungen zum Gegenstand.) >Referenz, >Identifikation, >Individuation. Brandl, Johannes. Gegen den Primat des Intentionalen. In: M.David/L. Stubenberg (Hg) Philosophische Aufsätze zu Ehren von R.M. Chisholm Graz 1986 |
Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |
| Deduktionstheorem | Wessel | We I 109 Def Deduktionstheorem/Kalkül NS/Wessel: MT 1. Wenn A1...An l B, so A1..An 1 l An > B. ((s) Wenn die Konklusion aus der Gesamtheit der Prämissen folgt, so folgt die letzte Prämisse aus der Gesamtheit der vorhergehenden Prämissen und aus der letzten Prämisse dann die Konklusion.) I 110 Induktionsbeweis/Kalkül NS/Wessel: In der Konklusion B1 kann eine Annahmeformel (AF) oder eine Variante eines Axioms (VA) stehen. Ist es eine Annahmeformel, gibt es wieder zwei mögliche Fälle: es kann die Annahmeformel An oder eine Annahmeformel verschieden von An sein. Deduktionstheorem/Beweis/Wessel: ..++.. I 111 in diesem Beweis wurden nur die folgenden drei Theoreme verwendet: p > (q > p), p > (q > r) > ( p > q > (P > r)) und p > p. Deduktionstheorem/Wessel: als Folgerung aus ihm erhalten wir: MT 2. Wenn A1...An l B, so l A1 > (A2 >..>(An >B)...). Das Deduktionstheorem konstatiert einen wesentlichen Zusammenhang zwischen Beweisen und Ableitungen. >Beweise, >Beweisbarkeit, >Ableitung, >Ableitbarkeit. In Zukunft genügt es, zum Beweis eines Theorems zunächst eine Ableitbarkeitsbeziehung zu beweisen und darauf das Deduktionstheorem anzuwenden. Bsp aus der Ableitbarkeitsbeziehung p > q, q > r, p l r erhalten wir durch dreimalige Anwendung von MT 1: T3. l p > q > (q > r > (p > r)). |
Wessel I H. Wessel Logik Berlin 1999 |
| Definierbarkeit | Definierbarkeit: hier geht es um die Frage, ob die Bedeutungen der sprachlichen Elemente und Symbole einer Aussage in einem gegebenen Rahmen, einer Theorie, einem Modell oder einem System so angegeben werden können, dass diese Elemente und Symbole durch andere Symbole ersetzt werden können. Diese Ersetzbarkeit soll das Verstehen der Bedeutung garantieren. Ist das gegeben, können weitere Symbole (Wörter, Begriffe, Verknüpfungen) erstellt werden, deren Bedeutungen aus den bereits definierten Symbolen verstanden werden können. Damit sind diese neuen Symbole definierbar. Siehe auch Definitionen, Kontextdefinition, implizite Definition, explizite Definition, Modelle, Systeme, Theorien, Fundierung. |
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| Definitionen | Frege | I 15 Definition/Frege: Man kann nicht definieren: "Die Zahl Eins ist ein Ding", weil auf der einen Seite der Gleichung ein bestimmter und auf der anderen Seite der Gleichung ein unbestimmter Artikel steht. >Gleichungen, >Artikel, >Definierbarkeit. I 78 Definition/Frege: Die Angabe einer Weise der Operation ist keine Definition. Vgl. >Verifikationismus. I 99 Definition/Gegenstand/Einführung/Frege: Die Weise, wie ein Gegenstand eingeführt wurde, ist keine Eigenschaft des Gegenstands. Die Definition eines Gegenstands legt nur den Gebrauch eines Zeichens fest, sie sagt nichts über den Gegenstand aus. ((s) Hier: Einführung eines Gegenstands in die Rede = Definition). >Einführung. Einführung/Frege: Nach der Einführung verwandelt sich die Definition in ein Urteil, das von dem Gegenstand handelt. >Urteil. I 130 FregeVsFormalismus: Der Formalismus gibt nur Anleitungen für Definitionen, nicht die Definitionen selbst. >Formalismus. I 131 Bsp Zahl i/Frege: Man muss den Sinn von "Summe" neu erklären. FregeVsFormalismus/FregeVsHilbert: Es reicht nicht, nur einen Sinn zu fordern. Vgl. >Fundierung. IV 100ff Definition/Gegenstand/Frege: Hier muss auf beiden Seiten der bestimmte Artikel stehen. Einen Gegenstand zu definieren heißt nur, den Gebrauch eines Zeichens festzulegen. Interessanter sind Definitionen von Eigenschaften. IV 100ff Undefinierbar/Frege: Wahrheit und Identität sind undefinierbar, als einfache Grundbegriffe - andere Autoren Vs. >Wahrheitstheorien, >Bedeutungstheorien. |
F I G. Frege Die Grundlagen der Arithmetik Stuttgart 1987 F II G. Frege Funktion, Begriff, Bedeutung Göttingen 1994 F IV G. Frege Logische Untersuchungen Göttingen 1993 |
| Definitionen | Quine | Rorty I 302 Definition: Quines Angriff auf das erste Dogma hatte die Definition zweifelhaft gemacht. Operationale Definition: zusammen mit Sellars Lehre, darüber dass die "sinnliche Gegebenheit" eine Funktion von Sozialisation sei, würde die Definition mit Quines holistischen Angriffen doppelt zweifelhaft werden. Quine I 327 Definitionen: sind Anweisungen zur Transformation, stellen singuläre Termini wieder her! Sind flexibel, ohne Wahrheitswertlücken! >Singuläre Termini/Quine; >Wahrheitswert-Lücke/Quine. II 109 Lösung/Carnap: Quasianalyse: vollständige Reduktion durch Definition. - QuineVsQuasianalyse/QuineVsCarnap: die Zuordnung von Sinnesqualitäten zu Raumzeit-Punkten muss revidierbar gehalten werden, ist daher nicht zurückführbar auf Definitionen. VII (b) 24 Definition/Quine: eine Definition kann entgegengesetzten Zwecken dienen: zur Abkürzung oder sparsamerem Vokabular, dann haben wir längere Ketten. Teil und Ganzes sind durch Übersetzungsregeln gebunden. Die Definition ist weder für die Synonymie noch für die Analytizität der Schlüssel. >Synonymie/Quine; >Analytizität/Quine. ad X 70 Definition/Objektsprache/OS/Metasprache/MS/Quine/(s): der Ausdruck, der definiert wird, kann nicht in der Objektsprache stehen, auch wenn der Rest der Definition (nicht immer) in der Objektsprache steht. X 84 Definition/VsQuine: eine Definition aus geeigneter Beweismethode ist uninteressant, weil die "Eigenschaft, durch eine bestimmte Methode beweisbar zu sein", uninteressant ist. Eine Definition ist erst im Zusammenhang mit einem Vollständigkeitssatz interessant. QuineVsVs: logische Wahrheit ist dort gar nicht erwähnt. >Beweisbarkeit/Quine; >Vollständigkeit/Quine. X 101 Kontextdefinition: führt bloße facon de parler ein. Das schafft jederzeitige Eliminierbarkeit ohne ontologische Verpflichtung. >Ontologische Verpflichtung/Quine. XIII 43 Definition/Quine: Lexikoneinträge sind ein fernes Echo von dem, was Philosophen und Mathematiker Definition nennen. >Lexikon/Quine. Lexikon/Wörterbuch/Quine: das Lexikon bzw. das Wörterbuch sollen unsere Unterhaltungen erleichtern. Def Definition/Quine: einen Ausdruck zu definieren, heißt zu erklären, wie man ohne ihn auskommt. XIII 44 Definieren ist Eliminieren. Definition/Quine: a) einen Ausdruck. >Ausdrücke/Quine. b) ein Objekt. Die eine Weise reduziert sich auf die andere, weil Bsp Menschen definieren, indem wir „Mensch“ definieren und Bsp Zahlen definieren wir, indem wir Ziffern bzw. das Wort „Zahl“ definieren. Ausdruck/Definition: Definition von Ausdrücken ist der weitere Begriff, weil auch Ausdrücke wie Bsp „oder“ darunter fallen. Gegenstandsdefinition/Objekt: davon spricht man, wenn man sich eher über die Natur eines Gegenstands Gedanken macht. Elimination/Quine: die Auffassung von Definition als Elimination ist vor allem hilfreich, wenn Definitionen nicht kompatibel sind, wie bei Bsp den natürlichen Zahlen. Das gilt auch für die vielen möglichen Definitionen des geordneten Paars. Alles was erfordert wird, ist dass x und y eindeutig aus Definition/Quine: eine Definition hat verschiedene Zwecke: manchmal, den Gebrauch der etablierten Sprache zu erhellen XIII 45 manchmal einen Idiolekt, manchmal eine philosophische Erwägungen betreffend. Definition: wenn Definitionen die Übersetzung aus einer Struktur in eine andere erfordern, kann uns das ermöglichen, die Vorteile jeder der beiden zu genießen, indem wir hin und her wechseln. (Siehe singuläre Termini). |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Definitionen | Rawls | I 51 Definitionen/Rawls: Definitionen sind nur ein Teil der Struktur einer Theorie. Sie stehen und fallen mit dieser Theorie. Man kann keine Theorie aufstellen, die nur auf Definitionen und logischer Struktur beruhen. >Definierbarkeit, >Theorien. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Definitionen | Schiffer | I 101 Funktionale Definition/Schiffer: wenn die wahr-von-Relation eine funktionale Relation ist, wird sie in dieser Weise "definiert", und, zwar im Tandem mit der Referenz-Relation für Namen auf Objekte. >Erfüllung, >Wahrheit, >Referenz, >Namen, >Gegenstände. Das ist aber keine Identitätsrelation zu einer gegebenen funktionalen Relation und analysiert nicht die Bedeutung. >Bedeutung, >Identität. I 159 Definition/Schiffer: Definieren geht nicht mit offenen Sätzen. >Offener Satz. I 213 Definition/Schiffer: dabei geht es um Bedeutungsgleichheit, nicht um Bedeutung - auch beim Lexikon. >Synonymie, >Lexikon. Definition hat mehr mit Erwähnung als mit Gebrauch zu tun. >Erwähnung, >Gebrauch. Verstehen: mehr mit Gebrauch als mit Erwähnung. >Verstehen. Problem: Bedeutungsgleichheit hilft nicht bei: Bsp "von" bedeutet... Bsp "Hund" bedeutet... Bsp "Sie gab es ihm" bedeutet... >Indexwörter, >Indexikalität. |
Schi I St. Schiffer Remnants of Meaning Cambridge 1987 |
| Definitionen | Searle | I 79f Definitionen/Searle: Definitionen können sich nicht als falsch herausstellen - ebenso Intentionalität. V 232 Manche Philosophen scheinen anzunehmen, definitorisch eingeführte neue Ausdrücke dienten allein als "Abkürzung". Das ist falsch. Wir müssen zwischen Wahrheitsbedingungen einerseits und Zweck oder Funktion andererseits unterscheiden. Die Ableitbarkeit hängt allein von der Bedeutung ab. Diese aber ist in beiden Fällen gleich (Bsp extra feine Äpfel und Sorten A, B oder C). V 205 Kriterium/Bedeutung/Gebrauch/Urmson: Bsp Das Ministerium für Agrikultur legte fest: »extra feine Sorte« (wertend) und darüber hinaus die Klassen A, B, und C. (beschreibend). Dazwischen kann keine Ableitungsbeziehung bestehen ((s) sonst zirkulär). SearleVsUrmson: "Jeder Apfel, der A ist, ist eine extrafeine Sorte" ist keine Definition. Es ist eine analytische Aussage. Zwar hat sie eine andere illokutionäre Rolle als "dieser Apfel ist extra fein", aber das zeigt nicht, dass die in der zweiten Äußerung ausgedrückte Proposition nicht aus der ersten ableitbar wäre. >Ableitbarkeit, >Bedeutung, >Eigenschaft, >Merkmal, >Intentionalität, >Einführung. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Definitionen | Wittgenstein | Hintikka I 228 Sinnesdaten/Ostension/Definition/Lernen/Wittgenstein/Hintikka: Das hinweisende Zeigen - Erbe des Tractatus "Zeigens" - kann durchaus als das einzige Verfahren zur Definition von Sinnesdaten dienen. Doch sobald unzugängliche Gegenstände, (Atome) hinzukommen, reicht es nicht mehr aus. Zeigen/WittgensteinVsZeigen/Ostension/Hintikka: Problem: Bsp Wie zeigt man den Staat Kalifornien? (>Definition, >Hinweisende Definition.) Auch wenn Wittgenstein auf der ersten Seite des Blauen Buchs behauptet: Alle nicht verbalen Definitionen seien hinweisende Definitionen, schränkt er das sofort ein: I 229 "Muss die hinweisende Definition selbst verstanden werden?" Der Hörer muss wahrscheinlich den logischen Status der definierten Entität bereits kennen. Es ist z.B. nicht möglich, einen nicht vorhandenen Gegenstand hinweisend zu zeigen, selbst wenn man mit jemandem telefoniert, der sie sieht. Das gleiche gilt für die unmittelbaren Erlebnisse anderer Personen. Und wenn man meint, sogar die Wörter "dort" und "dies" seien ihrerseits durch hinweisende Erklärung einzuführen, so müsste dieses hinweisende Zeigen ganz verschieden sein von der üblichen hinweisenden Erklärung. (PU §§ 9,38) >Wörter. I 329 Farbe/Definition/Bezugnahme/Wittgenstein: ...Jetzt können wir verstehen, was Wittgenstein meint wenn er sagt: ""Rot" bedeutet die Farbe, die mir beim Hören des Wortes "rot" einfällt" wäre eine Definition. Keine Erklärung des Wesens der Bezeichnung durch ein Wort. Die Stelle verliert ihren Witz, wenn "Bezeichnung" hier im Sinne von "Name" aufgefasst wird. Sogar eine völlig gelungene Definition gibt nicht an, was es heißt, dass sich das Definiendum unmittelbar - d.h. ohne Sprachspiel - auf seinen Gegenstand bezieht. >Bezeichnen, >Gegenstände. II 44/45 Hinweisende Definition/Wittgenstein: fügt dem Symbolismus nur etwas hinzu - führt nicht über den Symbolismus hinaus - ersetzt eine Menge von Symbolen durch eine andere - die Erklärung der Bedeutung von Symbolen wird ihrerseits in Symbolen angegeben. II 73 Definition/Wittgenstein: Eine Definition ist nichts weiter als die Angabe einer diesbezüglichen Regel - (s) Kontext: Bsp >Negation. II 116 Rechnen/Wittgenstein: Die Tabellen des Einmaleins sind Definitionen. >Zahlen. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Deflationismus | Field | I 91 Deflationismus/Wissen/Field: These: Wir kennen die Konsistenz der Axiome z.B. der Mengenlehre oder der Theorie der reellen Zahlen nicht. Denn das würde mathematische Entitäten verlangen. Konditionales Möglichkeits-Prinzip/Field: (dies würde auch Frege zugestehen): heißt, wenn wir die nicht-modale Form haben, dann nur Wissen aus Nachdenken über die logische Form allein. Deflationismus/Field/(s): Deflationismus führt dazu, dass wir kein mathematisches Wissen haben, soweit mathematische Entitäten (mE) betroffen sind, da es diese nicht gibt. I 108 VsDeflationismus/Modelltheorie/Beweistheorie/Field: Problem: Weil es keine mathematische Entitäten (mE) gibt, sind die (platonistischen) Schemata (MTP), wenn es ein Modell für "A" gibt, dann MA - und (MS) wenn es einen Beweis von "-A" in F gibt, dann ~MA nur trivialerweise wahr - Lösung: modale Surrogate der Schemata: (MTP#)Wenn N(NBG > es gibt ein Modell für "A") dann MA - und (MS#) Wenn N(NBG > es gibt einen Beweis von "~A" in F) dann ~MA - (F: hier Sprache) - "A" ein Satz - NBG: Neuman/Bernays/Gödel - MA: "möglich A". I 110 Fazit: Der Deflationismus hat kein Problem mit der Modelltheorie und der Beweistheorie, wenn es darum geht, etwas über Möglichkeit und Unmöglichkeit heraus zu finden. I 113 Deflationismus/Field: Der Deflationismus sagt nicht, dass die mathematischen Aussagen etwas anderes bedeuten, sondern dass das, was sie bedeuten nicht buchstäblich gewusst werden kann. Deduktivismus: behauptet immer, dass was AQ bedeutetm das ist, dass A aus einer anderen Aussage folgt. Deflationismus: muss keine Aussagen isolieren - hier sind andere Aussagen nicht für die Bedeutung von A relevant. II 104 Inflationismus: Frege/Russell/Tractatus/Ramsey: Wahrheitsbedingungen (WB) sind zentral für Bedeutung und Inhalt - Vs: Deflationismus: hat keine Wahrheitsbedingungen, stattdessen vielleicht Verifikationstheorie. II 108 Deflationismus/Field: Hauptsache: Dass er keine Wahrheitsbedingungen braucht. Er braucht eigentlich auch keinen Verifikationismus. Der Deflationismus muss auch ausschließen, dass es eine physikalistische Reduktion von Wahrheitsbedingungen gibt. II 114 Logische Verknüpfung/Deflationismus: Ein Hauptvorteil scheint zu sein, dass er diese Wahl (zwischen Tatsachen) nicht treffen muss. Lösung: Man kann ganz einfach in seinen eigenen Worten erklären, was es ausmacht, dass "oder" der Wahrheitstabelle gehorcht: es folgt aus der wahrheitsfunktionalen (wafu) Logik zusammen mit der Logik des disquotationalen Wahrheits-Prädikats, ohne Erwähnung irgendwelcher Tatsachen über den Gebrauch. "p" ist wahr gdw. p folgt mit begrifflicher Notwendigkeit kraft der kognitiven Äquivalenz der rechten und linken Seite. Problem: Begriffliche Notwendigkeit ist nicht hinreichend um zu zeigen, dass "oder" der Wahrheitstabelle genügt. Wir brauchen noch Verallgemeinerung. II 116 Deflationismus/Gavagai: Für den Deflationismus gibt es hier nichts zu erklären - es ist einfach Teil der Logik von "referiert", dass" Kaninchen" auf Kaninchen referiert. II 117 Referenz/Deflationismus: Wenn Wahrheitsbedingungen unwichtig sind, dann kann auch die Referenz keine zentrale Rolle spielen. Lösung: Nicht Referenz ist die Grundlage, sondern Beobachtungen über unsere Praxis des Schließens. Dann ist Referenz rein disquotational - Bsp "nicht": "Gödel referiert nicht auf den Entdecker des Unvollständigkeitssatzes" sondern "Gödel ist nicht der Entdecker" - danach semantischer Aufstieg. II 118 KausaltheorieVsDeflationismus: Der Deflationismus kann nicht sagen, dass alles, was wir dafür brauchen, dass mein Wort für Hume auf Hume referiert, das Zitattilgungsschema ist. Dennoch kann der Deflationist akzeptieren, dass das kausale Netzwerk das erklärt, was sonst mysteriös wäre: Die Korrelation zwischen Glauben und Tatsachen über Hume. II 119 Deflationismus: Die Grenze zum Inflationismus verschwimmt, weil wir etwas konstruieren müssen, das als inflationistische Relation "S hat die Wahrheitsbedingung p" betrachtet werden könnte, oder auch nicht. II 127 VsDeflationismus: 1. Er kann nicht zwischen "Entweder er ist ein Frisör oder kein Frisör." und "Entweder er ist ein Faschist oder er ist kein Faschist." unterscheiden. 2. Er kann die Erklärungskraft der Wahrheitsbedingungen nicht erklären - (Bsp für Verhalten und Erfolg) 3. Er kann nicht zwischen vagem und nicht-vagem Diskurs unterscheiden. 4. Er kann nicht Wahrheitszuschreibung in anderen Sprachen behandeln. 5. Er gibt "wahr" falsche modale Eigenschaften ((s) "notwendig wahr" oder "kontingent wahr"). 6. Er kann Mehrdeutigkeit, Indices und Demonstrativa nicht behandeln. 7. Er kann Lernen nicht erklären. Ad II 260 Deflationismus/Nonfaktualismus/Fazit/Field/(s): Der Deflationismus (Disquotationalismus) nimmt keine Tatsachen an, die z.B. ausmachen, warum ein Wort auf ein Ding referiert. Für ihn ist es sinnlos zu fragen, warum "Entropie" auf Entropie referiert. >Disquotationalismus, >Minimalismus, >Zitat/Zitattilgung. |
Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Deflationismus | Wright | I 26 ff Deflationismus: richtet sich gegen die "Aufblähung" durch Schaffung mehrerer Wahrheitsprädikate: berechtigte Behauptbarkeit neben Wahrheit.(>Redundanztheorie).These Wahrheit keine Eigenschaft, lediglich Mittel der Zitattilgung. I 46 Deflation: Ramsey war hier der erste. (In jüngster Zeit: Horwich: "Minimalismus").: Wahrheit assertorisch(behauptend, aber nicht durch Annahme metaphysischer Gegenstände oder Sachverhalte gestützt. - Tarskis Zitattilgung reicht aus. Wahrheit keine substantielle Eigenschaft von Sätzen. Wahre Sätze wie "Schnee ist weiß" und "Gras ist grün" haben nichts gemeinsam! Wichtig: man kann das Zitattiglungsschema benutzen, ohne den Gehalt zu verstehen! Man kann sich dem Prädikat "wahr" "annähern". (>Goldbachsche Vermutung). D These : der Gehalt des Wahrheitsprädikats ist der gleiche wie der Anspruch, den sein assertorischer Gebrauch erhebt. Deflationismus/Bsp Goldbachsche Vermutung: der Deflationismus anerkennt natürlich, dass über Tarski hinaus einiges mehr gesagt werden mu, auch Bsp "Alles, was er sagte, ist wahr" . VsD: keine Theorie, sondern ein "Potpourri". Es gibt gar keine eindeutige These. I 47 f Inflationismus: a) "wahr" ist bloß Mittel der Bekräftigung, drückt nur Einstellungen gegenüber Sätzen aus (Rorty?). Formuliert keine Norm. b) Das DS (Zitattilgungsschema) enthält eine (fast) vollständige Erklärung der Bedeutung des Wortes. ("wahr").f I 293 Deflationismus: jeder bedeutsame Satz (also ein Satz mit Wahrheitsbedingung) eignet sich für deflationäre Wahrheit oder Falschheit. Wenn aber Wahrheit nicht deflationär ist, muss sich "wahr" auf eine gehaltvolle Eigenschaft von Aussagen beziehen. (Deflationismus: Wahrheit keine Eigenschaft). I 27 Deflationismus/Wright: Wahrheit ist keine substantielle Eigenschaft. - >Zitattilgung reicht aus - "Schnee ist weiß" und "Gras ist grün" haben nichts gemeinsam. Der Gehalt des W-Prädikats ist der gleiche, wie der Anspruch, den sein behauptender Gebrauch erhebt. These: Das W-Prädikat ist präskriptiv und deskriptiv normativ. I 33ff Deflationismus: die einzigen Normen der Wahrheit sind die der berechtigten Behauptbarkeit (Assertibilität). I 51 WrightVsDeflation: "minimalistisch", "Minimalismus" I 97 Vs (klassischer) Deflationismus: keine Norm des W-Prädikats kann von sich aus festlegen, dass es sich von Behauptbarkeit unterscheidet, weil die normative Kraft von "wahr" und behauptbar" zwar zusammenfällt, aber extensional divergieren kann - dann kann das Zitattilgungsschema keine zentrale Rolle spielen - daher können Aussagen in einem bestimmten Diskurs wahr sein, ohne superassertibel zu sein. - Dann müssen Wahrmacher von unseren Maßstäben der Erkennbarkeit unabhängig sein. (>Realismus/Wright). Rorty I 38 ff Zitattilgung/Wright: der Deflationist meint, durch das Zitattilgungs-Prinzip sei der Inhalt des Wahrheitsprädikats vollständig festgelegt. |
WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Demokratie | Castronova | Lessig I 285 Demokratie/Cyberspace/Castronova/Lessig: Die interessanteste Nichtentwicklung im Cyberspace ist, dass man, wie Castronova es ausdrückt, "in synthetischen Welten überhaupt nicht viel Demokratie findet."(1) Die einzige echte Ausnahme ist eine Welt namens "A Tale in the Desert". (2) Die Demokratie ist weder im Cyberspace noch im Internet vorherrschend. Stattdessen ist die Demokratie eine seltene Ausnahme von einer ziemlich starken Regel, dass der "Eigentümer" des Raumes der Souverän ist. Und aus der Sicht von Castronova ist der Eigentümer in der Regel kein sehr guter Souverän: Zusammenfassend lässt sich sagen, dass keine der Welten meines Wissens jemals Institutionen einer guten Regierung entwickelt hat. Anarchie herrscht in allen Welten.(3) >Internet, >Internetkultur, >Cyberspace. I 287 Soweit die Seiten souverän sind, sind sie Händler und Aufsichtspersonen. Unsere Beziehung zu ihnen ist die Gleiche wie zu McDonald's. I 288 David Post: Communities im Cyberspace, so Post, werden von "Regelsätzen" regiert, die wir als Anforderungen verstehen können, egal ob sie in die Architektur eingebettetoder in einem Regelwerk veröffentlicht sind - sie schränken das Verhalten an einem bestimmten Ort ein. 1. E. Castronova, Synthetic Worlds, 207 2. Ibid., 216. 3. Ibid., 213. |
Castron I Edward Castronova Exodus to the Virtual World: How Online Fun Is Changing Reality New York 2007 Lessig I Lawrence Lessig Code: Version 2.0 New York 2006ff |
| Demokratie | Fishkin | Surowiecki I 330 Demokratie/Politik/Deliberation/Kommunikation/Fishkin/Surowiecki: Fishkin organisierte 2003 ein Zusammentreffen von 343 Menschen in Philadelphia, die sorgfältig ausgesucht worden waren, um einen Querschnitt der amerikanischen Bevölkerung abzubilden. (1) Fishkin erfand die „deliberative Meinungsumfrage“aus der Idee heraus, dass politische Diskussion nicht auf Spezialisten oder Angehörige der politischen Klasse beschränkt bleiben dürfte und dass dazu auch keine Notwendigkeit besteht. Solche Aktionen sind seitdem in hunderten von Großstädten in der Welt durchgeführt worden. Surowiecki I 331 Bei hinreichenden Informationen und der Chance, die Dinge mit ihresgleichen zu bereden, sind gewöhnliche Bürger sehr wohl in der Lage, komplizierte Sachverhalte zu verstehen und sinnvoll zwischen verschiedenen Standpunkten zu wählen. Richard PosnerVsFishkin/PosnerVsAckerman: es sei eine falsche Erwartung, dass solche Diskussionsveranstaltungen Amerikaner zu Vorbildern von Vernunft und Bürgertugend machen könnten. Die Bevölkerung der Vereinigten Staaten bilde eine „zutiefst philisterhafte Gesellschaft“ „Die Bürger haben wenig Geschmack an Abstraktionen, wenig Zeit und noch weniger Neigung, einen beachtlichen Teil ihrer Freizeit damit zu verbringen, sich zu informierten und zu verantwortungsbewussten Wählern auszubilden.« Und weiter: »Es ist sehr viel schwieriger, sich eine solide Vorstellung von dem für die ganze Gesellschaft Notwendigen zu machen, als sich darüber im Klaren zu sein, wo die eigenen Interessen liegen.« (2) Demokratie/Surowiecki: bei dem Streit zwischen Posner und Fishkin geht es um die Frage, was wir überhaupt unter Demokratie verstehen: haben wir eine Demokratie, weil sie a) Menschen ein Gefühl vermittelt, in alles einbezogen zu sein und ihr Leben selbst bestimmen zu können, Surowiecki I 332 und sie darum zur politischen Stabilität beiträgt? Oder b) Weil die Bürger das Recht haben, sich selbst zu regieren, auch wenn sie dieses Recht auf eine lächerliche Weise nutzen? Oder c) Weil die Demokratie ein ausgezeichnetes Instrument darstellt, um intelligente Entscheidungen zu treffen und die Wahrheit aufzudecken? 1. Eine ähnliche Idee wird vorgetragen in: James Fishkin, Democracy and Deliberation (Yale University Press, New Haven 1952), sowie in: Fishkin, The Voice of the People – Public Opinion and Democracy (Yale University Press, New Haven 1996). Die »National Issues Convention« fand landesweit beträchtliche Aufmerksamkeit; ein Ausschnitt von fünf Stunden wurde live auf PBS und C-SPAN übertragen. Bruce Ackerman und James Fishkin umrissen ihre Idee von einem Tag der politischen Meinungsbildung in »Deliberation Day«, einer Abhandlung, die sie vortrugen auf der Konferenz »Deliberating About Deliberative Democracy« an der University of Texas (Februar 2000). Siehe auch Ackerman und Fishkin, Deliberation Day (Yale University Press, New Haven 2004). 2. Richard Posner, Law, Pragmatism, and Democracy (Harvard University Press, Cambridge 2003), S. 131 f., 164. |
PolFishk I James S. Fishkin Democracy and Deliberation: New Directions for Democratic Reform New Haven 1993 Surowi I James Surowiecki Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne und wie wir das kollektive Wissen für unser wirtschaftliches, soziales und politisches Handeln nutzen können München 2005 |
| Demokratie | Laclau | Gaus I 272 Demokratie/Kultur/Laclau/Mouffe/West: Laclau und Mouffe (1985)(1) bieten in ihrer (...) Darstellung der zeitgenössischen Gesellschaft und Kultur [eine] (...) abstrakte Vision von 'radikaler und pluraler Demokratie'. Vgl. >Kapitalismus/Lash/Urry, >Kultur/Lash/Urry. Radikale und pluralistische Demokratie impliziere eine Radikalisierung der liberalen Tradition, die ein tieferes Bekenntnis zu "Autonomie" und "Pluralismus" sowie ein anhaltendes Bekenntnis zum Sozialismus, wenn auch nur als "eine der Komponenten" (...) beinhaltet. Die Abstraktion dieser postmodernen Empfehlungen ist jedoch weniger ein Zufall als vielmehr eine unvermeidliche Folge postmoderner Prinzipien: Gaus I 273 "Dieser Punkt ist entscheidend: Es gibt keine radikale und pluralistische Demokratie, ohne auf den Diskurs des Universalen und seine implizite Annahme eines privilegierten Zugangs zur 'Wahrheit' zu verzichten, der nur von einer begrenzten Zahl von Subjekten erreicht werden kann (1985(1): 191—2). Es gibt keine vorherbestimmte Logik der revolutionären Transformation, die die Arbeiterklasse oder gar neue soziale Bewegungen in den Mittelpunkt des politischen Kampfes stellt: "Es gibt keine einzigartige privilegierte Position, aus der eine einheitliche Kontinuität der Wirkungen folgt, die mit der Transformation der Gesellschaft als Ganzes endet" (1985(1):169). Weder partikulare gesellschaftliche Interessen noch mögliche Allianzen zwischen ihnen sind von vornherein gegeben, so wie es marxistische und andere 'essentialistische' Theorien angenommen haben. Laclau und Mouffe lehnen jeden Begriff der "Repräsentation" ab, der von vornherein bestehende Interessen postuliert. Vielmehr sind sowohl die Einheit, die ein bestimmtes soziales Interesse ausmacht (oder "die Stellung des Subjekts und jede mögliche Allianz zwischen den Interessen die kontingenten und unvorhersehbaren Ergebnisse der "Artikulation", die sich auf "jede Praxis bezieht, die eine Beziehung zwischen Elementen herstellt, so dass ihre Identität als Ergebnis der Artikulationspraxis verändert wird" (1985:105). Einheit ist niemals "Ausdruck eines gemeinsamen zugrundeliegenden Wesens, sondern das Ergebnis von politischer Konstruktion und Kampf" (1985(1):65). 1. Laclau, Ernesto and Chantal Mouffe (1985) Hegemony and Socialist Strategv: Towards a Radical Democratic Politics. London: Verso. West, David 2004. „New Social Movements“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Demokratie | Lessig | Lessig I 285 Demokratie/Cyberspace/Castronova/Lessig: Die interessanteste Nicht-Entwicklung im Cyberspace ist, dass, wie Castronova es ausdrückt, "man überhaupt nicht viel Demokratie findet in synthetische Welten." (1) Die einzige wirkliche Ausnahme ist eine Welt namens "A Tale in the Desert". (2) Die Demokratie ist weder im Cyberspace noch im Internet ausgebrochen. Stattdessen ist die Demokratie eine seltene Ausnahme von einer ziemlich starken Regel, dass der "Besitzer" des Raumes der Souverän ist. Und aus Castronovas Sicht ist der Besitzer normalerweise kein sehr guter Souverän: Am Ende hat sich meines Wissens keine der Welten jemals zu Institutionen einer guten Regierung entwickelt. Anarchie herrscht in allen Welten. (3) I 287 Soweit die Standorte souverän sind, sind sie Händler-Souveräne. Unsere Beziehung zu ihnen ist dasselbe wie unsere Beziehung zu McDonald's. I 288 David Post: Gemeinschaften im Cyberspace, argumentiert Post, werden von "Regel-Sätzen" regiert, die wir als Anforderungen verstehen können, unabhängig davon, ob sie in die Architektur eingebettet sind. oder in einer Reihe von Regeln veröffentlicht, die das Verhalten an einem bestimmten Ort einschränken. 1. E. Castronova, Synthetic Worlds, 207 2. Ibid., 216. 3. Ibid., 213. |
Lessig I Lawrence Lessig Code: Version 2.0 New York 2006ff |
| Demokratie | Lippmann | Pariser I 58 Demokratie/Information/Medien/Lippmann/Pariser: Walter Lippmann: »Alles, was die schärfsten Kritiker der Demokratie behauptet haben, ist wahr, wenn es nicht eine ständige Versorgung mit vertrauenswürdigen und relevanten Nachrichten gibt. Inkompetenz und Ziellosigkeit, Korruption und Illoyalität, Panik und Unheil entstehen dort, wo Menschen der Zugang zu den Fakten verweigert wird.«(1) Pariser I 62 Lippmann: 1920: »Die Krise der westlichen Demokratie ist eine Krise des Journalismus.«(2) Pariser I 65 Lippmann schildert nach dem Ersten Weltkrieg, wie die Medien eingespannt werden sollten: er zitierte einen Zeitungsherausgeber: »Regierungen riefen die öffentliche Meinung zum Kriegsdienst ein … Sie musste im Stechschritt marschieren. Sie musste strammstehen und salutieren.«(3) Lippmann These: die öffentliche Meinung sei zu formbar - die Leute würden leicht manipuliert und von falschen Informationen beeinflusst. 1925 schrieb Lippmann „The Phantom Public“, einen Versuch, die Illusion einer vernünftigen, informierten Öffentlichkeit ein für alle Mal auseinanderzunehmen. Information/Demokratie/Lippmann: These: Es ist eine Illusion anzunehmen, informierte Bürger seien fähig, über die großen aktuellen Themen des Tages zu urteilen. Es gäbe solche „omnikompetenten“ Bürger einfach nicht. Im besten Fall könne man normalen Bürgern zutrauen, eine Partei abzuwählen, die sich allzu schlecht schlägt. Die eigentliche Arbeit des Regierens sollte man Experten anvertrauen.(4) DeweyVsLippmann: Das Versprechen der Demokratie sei, Lernen ((s) zu können), menschlich zu sein – durch das Geben und Nehmen der Kommunikation ein effektives Bewusstsein dafür zu entwickeln, ein individuell distinktives Mitglied einer Gemeinschaft zu sein. Das dürfe man nicht aufgeben. Journalisten und Zeitungen könnten eine entscheidende Rolle dabei spielen, die verschlossenen Institutionen der 1920er Jahre aufzubrechen. (5) >Zeitungen, >Demokratie, >Öffentlichkeit, >Manipulation, >Institutionen. 1. Walter Lippmann, Liberty and the News, Princeton: Princeton University Press, 1920, S. 6. 2. ebenda, S. 64 3. ebenda S. 4 4. Walter Lippmann, The Phantom Public, New York 1925. 5. John Dewey, Essays, Reviews and Miscellany, 1939 –1941, The Later Works of John Dewey, 1925 –1953, vol. 2, Carbondale: Southern Illinois University Press, 1998, S. 332. |
PolLippm I Walter Lippmann The Phantom Public New York 1993 Pariser I Eli Pariser The Filter Bubble: How the New Personalized Web Is Changing What We Read and How We Think London 2012 |
| Demokratie | Marsilius von Padua | Höffe I 180 Demokratie/Marsilius/Höffe: Für das politische Denken des Mittelalters erstaunlich, für einen Theoretiker von Volkssouveränität und Republikanismus aber zu erwarten, räumt Marsilius dem Volk die Befugnis ein, eine Regierung, wo erforderlich, zu maßregeln, gegebenenfalls sogar, wenn das Gesetz verletzt wird, Höffe I 181 abzusetzen. Wie eine Absetzung erfolgen soll, bleibt jedoch offen(1). Bei der Argumentation zugunsten des Volkes ist Marsilius, wie an entsprechender Stelle sein philosophisches Vorbild, Aristoteles, auch so optimistisch zu glauben, das Volk bzw. seine Mehrheit werde nur Gesetze zum gemeinsamen Nutzen erlassen, denn niemand schade wissentlich sich selbst. >Staat/Marsilius, >Herrschaft/Marsilius, >Gesetzgebung/Marsilius. Marsilius' Denken ist (...) zukunftsweisend, weil es sogar die Kirche den Gedanken der Volkssouveränität und des Republikanismus unterwirft. Analog zur politischen Gemeinschaft, der Gesamtheit aller Bürger (universitas civium), sei die Kirche als Gesamtheit der Gläubigen (universitas fidelium), zu verstehen, die an den Namen Christi glauben und ihn anrufen. Aus diesem Grund erhalte die Geistlichkeit ihre Legitimation aus der Gesamtheit von Gläubigen. >Kirche/Marsilius. 1. Marsilius, Defensor pacis, I, 18 |
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| Demokratie | Nietzsche | Höffe I 377 Demokratie/Nietzsche/Höffe: In der Bewertung der Staatsform der Moderne, der Demokratie, verbindet sich politische Wertschätzung mit der elitären Überlegenheit der Apolitik. Nach Nietzsche ist die Demokratie zwar langweilig, für die Vielen aber nützlich, da sie deren Leben erträglich macht. Den freien Geistern soll es jedoch erlaubt sein, «das Glück der Vielen, verstehe man darunter Völker oder Bevölkerungsschichten, nicht so wichtig zu nehmen» (§ 438)(1). >Politik/Nietzsche, vgl. >Utilitarismus. 1. F. Nietzsche Ein Blick auf den Staat. In: F. Nietzsche, Menschliches, Allzumenschliches, 1878 |
Nie I Friedrich Nietzsche Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009 Nie V F. Nietzsche Beyond Good and Evil 2014 |
| Demokratie | Posner | Surowiecki I 331 Demokratie/Richard Posner/Surowiecki: Posner wendet sich gegen die von unter anderem James S. Fishkin ins Leben gerufenen Bürgerversammlungen, bei denen ein repräsentativer Querschnitt aus allen sozialen Schichten zusammenkommt, um politische Fragen zu diskutieren: PosnerVsFishkin: „Die Bürger haben wenig Geschmack an Abstraktionen, wenig Zeit und noch weniger Neigung, einen beachtlichen Teil ihrer Freizeit damit zu verbringen, sich zu informierten und zu verantwortungsbewussten Wählern auszubilden.« Und weiter: »Es ist sehr viel schwieriger, sich eine solide Vorstellung von dem für die ganze Gesellschaft Notwendigen zu machen, als sich darüber im Klaren zu sein, wo die eigenen Interessen liegen.«(1) >R. Posner, >S. Fishkin, >Deliberative Demokratie, >Demokratie, >Basisdemokratie. Demokratie/Surowiecki: Bei dem Streit zwischen Posner und Fishkin geht es um die Frage, was wir überhaupt unter Demokratie verstehen: haben wir eine Demokratie, weil sie a) Menschen ein Gefühl vermittelt, in alles einbezogen zu sein und ihr Leben selbst bestimmen zu können I 332 und sie darum zur politischen Stabilität beiträgt? Oder b) Weil die Bürger das Recht haben, sich selbst zu regieren, auch wenn sie dieses Recht auf eine lächerliche Weise nutzen? Oder c) Weil die Demokratie ein ausgezeichnetes Instrument darstellt, um intelligente Entscheidungen zu treffen und die Wahrheit aufzudecken? >Entscheidungen, >Politische Entscheidungen. 1. Richard Posner, Law, Pragmatism, and Democracy (Harvard University Press, Cambridge 2003), S. 131 f., 164. |
LawPosn I Richard A. Posner Economic Analysis of Law, Ninth Edition New York 2014 Surowi I James Surowiecki Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne und wie wir das kollektive Wissen für unser wirtschaftliches, soziales und politisches Handeln nutzen können München 2005 |
| Demokratie | Schumpeter | Brocker I 260 Demokratie/Schumpeter: Das Definitionsmerkmal der Demokratie für Schumpeter besteht darin, einen »Konkurrenzkampf um die politische Führung« (1) ins Zentrum der Betrachtung zu rücken. Die Kernidee lautet: Ähnlich wie die Unternehmen in einem Wettbewerb um die Gunst der Konsumenten Brocker I 261 stehen, stehen Politiker und Parteien in einem Wettbewerb um die Gunst der Wähler (2) – mit dem wichtigen Unterschied, dass die Menschen in wirtschaftlichen Dingen zumeist gut informiert, in politischen Dingen hingegen zumeist rational ignorant sind.(3) Gemeinsamkeit: Entscheidend sei in beiden Systemen das Streben nach dem eigenen, individuellen Vorteil. These: Die moderne Demokratie sei ein Produkt des kapitalistischen Prozesses (4); Allerdings sind zwei wichtige Voraussetzungen für das Funktionieren der Demokratie im zeitgenössischen Kapitalismus nicht mehr erfüllt: a) das Ideal des sparsamen Staates(5) b) der gesellschaftliche Grundkonsens.(6) Und zwar wegen der Erwartung bedeutender Teile der Wählerschaft, auf Kosten des Staates zu leben. (7) >Trittbrettfahrer, >Staat, >Wirtschaft, >Gesellschaft. 1. Joseph A. Schumpeter, Capitalism, Socialism and Democracy, New York 1942. Dt.: Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Tübingen/Basel 2005 (zuerst: Bern 1946). S. 427. 2. Ebenda S. 427-433 3. Ebenda S. 407 – 420. 4. Ebenda S. 471. 5. Ebenda S. 471f. 6. Ebenda S. 473. 7. Ebenda S. 472. Ingo Pies, „Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1942)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018. Gaus I 148 Demokratie/Schumpeter/Dryzek: Das Demokratiemodell, das unter den vergleichenden Politikwissenschaftlern am beliebtesten ist, vor allem im aufstrebenden Bereich des demokratischen Übergangs und der Konsolidierung, erwartet weit weniger von der Demokratie als die deliberativen Demokraten. >Deliberative Demokratie. Dieses Modell ist im Wesentlichen dasjenige, das vor langer Zeit von Schumpeter (1942)(1) vorgeschlagen wurde: Demokratie ist nichts anderes als ein Wettbewerb der Eliten um die Zustimmung des Volkes, der das Recht auf Herrschaft verleiht. In den 1950er Jahren wurde diese Idee zur Grundlage für "empirische" Demokratietheorien, die mit der allgemein apathischen Rolle der ignoranten und potenziell autoritären Massen zufrieden waren (Berelson, 1952(2); Sartori, 1962(3)). Wettbewerbsmodelle der Demokratie: Solche konkurrierenden elitären Modelle Gaus I 149 waren lange Zeit unter demokratischen Theoretikern diskreditiert - nicht zuletzt unter solchen wie Dahl (1989)(4), die früher daran geglaubt hatten, dass sie sowohl genaue Beschreibungen der Politik der Vereinigten Staaten als auch wünschenswerte Zustände darstellten. Dennoch leben sie unter Transitologen und Konsolidierern weiter, die das Markenzeichen einer konsolidierten Demokratie in einer Reihe wohlerzogener Parteien sehen, die materielle Interessen vertreten und sich im verfassungsrechtlich geregelten Wahlkampf engagieren (siehe z.B. Di Palma, 1990(5); Huntington, 1991(6); Mueller, 1996(7); Schedler, 1998(8)). Die Sorge des deliberativen Demokraten um Authentizität ist nirgends zu erkennen. Aktive Bürger spielen bei solchen Modellen keine Rolle. 1. Schumpeter, Joseph A. (1942) Capitalism, Socialism, and Democracy. New York: Harper. 2. Berelson, Bernard (1952) 'Democratic theory and public opinion'. Public Opinion Quarterly, 16: 313—30. 3. Sartori, Giovanni (1962) Democratic Theory. Detroit: Wayne State Umversity Press. 4. Dahl, Robert A. (1989) Democracy and its Critics. New Haven, CT: Yale University Press. 5. Di Palma, Giuseppe (1990) To Craft Democracies. Berkeley, CA: University of California Press. 6. Huntington, Samuel (1991) The Third Wave. Norman, OK: University of Oklahoma Press. 7. Mueller, John (1996) 'Democracy, capitalism and the end of transition'. In Michael Mandelbaum, ed. Postcommunism: Four Perspectives. New York: Council on Foreign Relations. 8. Schedler, A. (1998) 'What is democratic consolidation?' Journal of Democracy, 9: 91-107. Dryzek, John S. 2004. „Democratic Political Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications Sobel I 28 Demokratie/Schumpeter/Sobel/Clemens: „Nichts ist leichter, als eine eindrucksvolle Liste von Versäumnissen der demokratischen Methode zusammenzustellen, besonders wenn wir nicht nur die Fälle einbeziehen, in denen es zu einem tatsächlichen Zusammenbruch oder einer nationalen Unzufriedenheit kam, sondern auch jene, in denen die Nation zwar ein gesundes und wohlhabendes Leben führte, die Leistungen im politischen Bereich aber im Vergleich zu den Leistungen in anderen Bereichen deutlich unterdurchschnittlich waren.“ Joseph A. Schumpeter (1942), Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie(1): 289. Sobel/Clemens: Joseph Schumpeter ist vor allem für seine bahnbrechenden Beiträge zu unserem Verständnis der Rolle von Unternehmern, Innovation und schöpferischer Zerstörung bei Wirtschaftswachstum und Entwicklung bekannt. >Konjunkturzyklus/Schumpeter, >Innovation/Schumpeter, >Wettbewerb/Schumpeter, >Schöpferische Zerstörung/Schumpeter, >Unternehmertum/Schumpeter. Schumpeters wirtschaftliche Erkenntnisse gehen jedoch weit über sein bekanntestes Werk über Innovation hinaus. Ein weiterer Bereich, in dem Schumpeter den Wirtschaftswissenschaftlern weit voraus war und echte Erkenntnisse lieferte, ist das Wesen der Politik und des demokratischen Prozesses der kollektiven Entscheidungsfindung. Die ökonomische Analyse des politischen Prozesses und der kollektiven Entscheidungsfindung steht im Mittelpunkt eines modernen Bereichs der Wirtschaftswissenschaften, der als Public Choice bekannt ist. Obwohl Schumpeter vor den formalen Ursprüngen dieses Bereichs der Wirtschaftswissenschaften schrieb, haben frühe Wissenschaftler wie Anthony Downs einige seiner Ideen auf Schumpeters Schriften in Capitalism, Socialism, and Democracy (CSD)(1) zitiert und zurückgeführt. >Regierungspolitik/Schumpeter. Demokratie: Schumpeter verstand die Demokratie lediglich als einen alternativen Prozess zur Erzielung sozialer und wirtschaftlicher Ergebnisse, und „daraus folgt nicht notwendigerweise, dass die politischen Entscheidungen, die durch diesen Prozess aus dem Rohmaterial dieser individuellen Willensäußerungen hervorgebracht werden, irgendetwas darstellen, das in irgendeinem überzeugenden Sinne als der Wille des Volkes bezeichnet werden könnte“ (CSD(1): 254). In Bezug auf die Idee, dass die Regierung ein Gemeinwohl verfolgt, argumentiert Schumpeter: „Erstens gibt es so etwas wie ein eindeutig bestimmtes Gemeinwohl nicht, auf das sich alle Menschen einigen oder durch die Kraft rationaler Argumente zu einer Einigung gebracht werden könnten. Das liegt nicht in erster Linie daran, dass manche Menschen etwas anderes wollen als das Gemeinwohl, sondern an der viel grundlegenderen Tatsache, dass das Gemeinwohl für verschiedene Individuen und Gruppen zwangsläufig unterschiedliche Dinge bedeutet ... als Folge davon ... löst sich der besondere Begriff des Volkswillens ... in Luft auf.“ (CSD(1): 251-252) Sobel/Clemens: Schumpeter erkannte, dass man, um demokratische Ergebnisse zu verstehen, die Motivationen und unterschiedlichen Wünsche der am Prozess beteiligten Personen, seien es die Wähler, die gewählten Politiker oder die Verwalter und Bürokraten in den Regierungsbehörden, verstehen muss. Das heißt, um demokratische Ergebnisse zu verstehen, muss man die Rolle dessen verstehen, was er als „menschliche Natur in der Politik“ bezeichnete. Damit teilte Schumpeter eine Einsicht mit den Begründern der Public-Choice-Forschung wie dem Nobelpreisträger James Buchanan, der erkannte, dass der Einzelne, nur weil er in die öffentliche Sphäre eintritt, nicht plötzlich anfängt, für das Gemeinwohl zu handeln - stattdessen bleibt er ein eigennütziger Akteur, der seine eigenen Ziele und Wünsche verfolgt. >James M. Buchanan. Demokratie/Schumpeter: Nach Schumpeter ist Demokratie am besten wie folgt zu verstehen: „Die demokratische Methode ist diejenige institutionelle Anordnung zur Herbeiführung politischer Entscheidungen, bei der die Individuen die Entscheidungsbefugnis durch einen Konkurrenzkampf um die Stimme des Volkes erwerben.“ (CSD(1): 269). Nach Schumpeter können wir, soweit es echte gruppenweise Willensäußerungen gibt, ... sie genau in die Rolle einfügen, die sie tatsächlich spielen, ... die von einem politischen Führer ins Leben gerufen wird, der sie zu politischen Faktoren macht, ... indem er sie aufarbeitet und schließlich geeignete Elemente in sein Konkurrenzangebot aufnimmt ... Der unaufhörliche Konkurrenzkampf, um ins Amt zu kommen oder darin zu bleiben, verleiht jeder Betrachtung von Politiken und Maßnahmen die Voreingenommenheit, die in dem Satz über den „Handel mit Stimmen“ so bewundernswert zum Ausdruck kommt. (CSD(1): 270, 287). * In The Economic Theory of Democracy schreibt Downs: „Schumpeters tiefgründige Analyse der Demokratie bildet die Inspiration und die Grundlage für unsere gesamte These, und unsere Schuld und Dankbarkeit ihm gegenüber sind in der Tat groß“ (1957(2):29). 1. Schumpeter, Joseph A. (1942). Capitalism, Socialism, and Democracy [CSD]. Harper & Brothers. 2. Downs, Anthony (1957). The Economic Theory of Democracy. Harper & Row. |
EconSchum I Joseph A. Schumpeter Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 Sobel I Russell S. Sobel Jason Clemens The Essential Joseph Schumpeter Vancouver 2020 |
| Demokratie | Surowiecki | I 331 Demokratie/Surowiecki: Haben wir eine Demokratie, a) Weil sie Menschen ein Gefühl vermittelt, in alles einbezogen zu sein und ihr Leben selbst bestimmen zu können, I 332 und sie darum zur politischen Stabilität beiträgt? Oder b) Weil die Bürger das Recht haben, sich selbst zu regieren, auch wenn sie dieses Recht auf eine lächerliche Weise nutzen? Oder c) Weil die Demokratie ein ausgezeichnetes Instrument darstellt, um intelligente Entscheidungen zu treffen und die Wahrheit aufzudecken? Wozu ist Demokratie nach Meinung der Wähler da? Kann man das nach dem Muster eines Markts verstehen? I 333 Dem widerspricht, dass Politiker ihre Macht ausdehnen wollen und wiedergewählt werden wollen, was sich nicht immer zum Nutzen der Allgemeinheit auswirkt. Public Choice-Theorie/Politik/Wirtschaftswissenschaften/Buchanan/Surowiecki: These(1): In der Tendenz werden Langzeitprobleme zugunsten kurzfristiger politischer Interessen verdrängt. Viele Regulierungen dienen in Wirklichkeit eher den regulierten Unternehmen. >Public Choice-Theorie, >J. Buchanan. I 334 SurowieckiVsBuchanan: Die Vorannahme, dass Prinzipien und öffentliches Interesse in der Politik nichts zu suchen hätte, übersieht, dass die Wähler selbst nicht an umfassendere Ziele dachten und dass Interessengruppen eine fast vollständige Kontrolle (…) ausüben. James M. Buchanan/Gordon Tullock: These: Das durchschnittliche Individuum handelt auf der Grundlage des gleichen übergreifenden Werterahmens, wenn es am (…) Markt teilnimmt und politisch aktiv ist.(2) >G. Tullock. SurowieckiVsBuchanan: das war schlicht eine Annahme, die nicht bewiesen wurde. Die Gegenposition, dass unterschiedliche Aktivitäten bei Menschen unterschiedliche Wertvorstellungen und Verhaltensweisen bewirken, war mindestens genauso plausibel. Wir behandeln unsere Familienangehörigen nicht wie unsere Kunden. >Politische Wahlen/Surowiecki, Politische Wahlen/Buchanan, Politische Wahlen/Riker. I 337 Politik/Information/Demokratie/Surowiecki: obwohl die Amerikaner in vielen Einzelfragen nachweislich falsche Informationen hatten, ist es wahrscheinlich, dass sie den Kandidaten wählen, der die richtigen Entscheidungen trifft. Fehlende Information ist kein Zeichen mangelnder Intelligenz, sondern ein Zeichen mangelndes Interesse an Details. Surowiecki These. Ein wesentlicher Punkt der repräsentativen Demokratie ist es, dass sie politisch im Kognitiven die gleiche Demokratie/Surowiecki: Demokratie ist kein Instrument zur Lösung von Kognitionsproblemen, kein Mechanismus um zu erkennen, was im öffentlichen Interesse ist. Sie ist jedoch ein System, um sich mit den fundamentalsten Problemen von Koordinierung und Kooperation zu befassen. 1. Die Nobelpreisvorlesung von James Buchanan (1986) bietet eine interessante Sicht auf die philosophischen und konzeptionellen Fundamente der »Public-choice«-Theorie, die Buchanan an anderer Stelle als »Politik ohne Romantik« umschrieben hat: http://www.nobel.se/economics/laureates/1986/buchanan-lecture.html. 2. Mark Kelman, »On Democracy-Bashing – A Skeptical Look at the Theoretical and ›Empirical‹ Practice of the Public Choice Movement«, Virginia Law Review 74/1988, S. 235, 252. |
Surowi I James Surowiecki Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne und wie wir das kollektive Wissen für unser wirtschaftliches, soziales und politisches Handeln nutzen können München 2005 |
| Denken | Adorno | Grenz I 55 Denken/Identifikation/Philosophie/Adorno/Grenz: Das Denken selbst, als identifizierende Kraft, trägt bei zu deren Verblendung, aus der eine Philosophie, die dieses erkennt, herauswollen muss. >Identifikation, >Identität/Adorno. AdornoVsLukàcs: Aus einer Rückkehr zu einem alten Wahren kann keine Besserung erhofft werden. Adorno XIII 158 Denken/Philosophie/AdornoVsMannheim/Adorno: Ich stehe dem Mannheimschen Begriff der Denkstile außerordentlich kritisch gegenüber. Stil ist eine ästhetische Kategorie und in der Philosophie handelt es sich nicht darum, was für Denkgebilde man aufzuführen beabsichtigt, sondern um Versuche, die Wahrheit selber sich Rechenschaft abzulegen. >Stil, >Denkformen. XIII 237 Denken/Adorno: Wenn es nicht in sich selbst eine Art von Praxis ist, dann ist es von vornherein ein falsches Denken. Denken selber ist ein Verhalten, und wer im Denken nicht zugleich zur Realität sich verhält, der denkt eigentlich auch gar nicht. >Welt/Denken, >Praxis/Adorno, >Schein/Adorno. |
A I Th. W. Adorno Max Horkheimer Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978 A II Theodor W. Adorno Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000 A III Theodor W. Adorno Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973 A IV Theodor W. Adorno Minima Moralia Frankfurt/M. 2003 A V Theodor W. Adorno Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995 A VI Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071 A VII Theodor W. Adorno Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002 A VIII Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003 A IX Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003 A XI Theodor W. Adorno Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990 A XII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973 A XIII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974 A X Friedemann Grenz Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme Frankfurt/M. 1984 |
| Denken | Armstrong | I 113f Denken/Sprache: zwischen beiden scheint ein positiver Feedback zu bestehen. Es scheint eine Naturtatsache - vielleicht sogar eine logische Notwendigkeit - dass gewisse Gedanken nur in einem sprachlichen Verhalten manifestiert werden können. >Verhalten/Armstrong. |
Armstrong I David M. Armstrong Meaning and Communication, The Philosophical Review 80, 1971, pp. 427-447 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Armstrong II (a) David M. Armstrong Dispositions as Categorical States In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (b) David M. Armstrong Place’ s and Armstrong’ s Views Compared and Contrasted In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (c) David M. Armstrong Reply to Martin In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (d) David M. Armstrong Second Reply to Martin London New York 1996 Armstrong III D. Armstrong What is a Law of Nature? Cambridge 1983 |
| Denken | Avramides | I 104 Denken/Sprache/Avramides: These: Wesen ohne Sprache können Gedanken haben. >Denken ohne Sprache, >Sprache und Denken, >Welt/Denken, >Gedanken. I 113 Denken ohne Sprache/Avramides: Dann ist die Sprache bloßes Vehikel zur Kommunikation. >Kommunikation. Schiffer: Die Griceschen Begriffe lassen das zu, aber kontingenterweise gibt es keine solchen Wesen. >Kommunikation/Schiffer. I 115 Denken ohne Sprache/DoS/Reduktionismus/Avramides: Ein Problem für den Reduktionismus gibt es nur, wenn die Behauptung begrifflich mit den semantischen und psychologischen Begriffen zu tun hat - (und nicht einfach empirisch ist). >Reduktionismus. Davidson: Psychologische Begriffe können gar nicht ohne semantische instantiiert werden. SchifferVsDavidson: Dito, aber sie können ohne sie erfasst werden! Avramides: Dann ist die bloße Intuition, dass es kein Denken ohne Sprache geben kann, nicht hinreichend für einen Antireduktionismus sein. Antireduktionismus: muss behaupten, dass die Behauptung des Reduktionisten einer tiefen epistemischen Asymmetrie unbegründet ist. >Terminologie/Avramides. I 142f DummettVsIdealismus/DummettVsLocke: Der Lockesche Idealismus hat einen falschen Kode-Begriff von Sprache für Ideen. Signifikanz wird nicht durch Gedanken erklärt, wobei die Gedanken wiederum ohne Referenz auf Sprache seien. Das erklärt nicht, wie Gedanken selbst zur Signifikanz kommen. Dann ist die Muttersprache wie eine fremde Sprache. >Code, >Locke, >Bedeutung, vgl. >Sprache des Geistes. Lösung/Dummett: Erfassen = Gebrauch: Bsp "quadratisch": quadratische Dinge aussortieren. - Dann braucht man keine Repräsentationen zur Verbindung von Sätzen mit Gedanken. >Repräsentation. Verstehen statt Assoziation. >Assoziation, >Verstehen. AvramidesVsDummett/Lager: Dummett erlaubt aber kein Denken ohne Sprache. I 15 Denken/Dummett: Denken ist laut Dummett nur über Sprache zu untersuchen, (nicht über Verhalten). AvramidesVsDummett: Denken ist auch über Verhalten zu verstehen. |
Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 |
| Denken | Evans | Dummett I 11 Evans: Sprache ist durch Denkmodi erklärbar - DummettVsEvans: umgekehrt! Denkmodi sind durch Sprache erklärbar. (Auch Frege wie Dummett). Dummett I 112 "Philosophie der Gedanken"/Evans/Peacocke: Evans räumt der Sprache nicht mehr die gleiche grundlegende Stellung ein. - Die "Philosophie der Gedanken" beschäftigt sich mit dem Problem, was es heißt, einen Gedanken zu haben, sowie mit der Struktur der Gedanken und ihrer Bestandteile. Was heißt es, dass ein Gedanke von einem Gegenstand dieser oder jener Art handelt? Was bedeutet es, einen Begriff zu erfassen? Wodurch wird ein Begriff Bestandteil eines Gedankens? DummettI 115 DummettVsEvans: Es ist gefährlich, die Priorität der Sprache gegenüber dem Gedanken umzukehren (Gefahr des Psychologismus, wenn Gedanken subjektiv und nicht mitteilbar sind.) Dummett I 131 Kommunikation/Verstehen/Glauben/DummettVsEvans: Evans ist in Gefahr, Verständigung von Überzeugungen abhängig zu machen: Dass die Intersubjektivität auf dem Glauben beruht, dass die Worte des anderen dasselbe bedeuten. - Aber Bedeutung hängt nicht vom individuellen Bewusstsein ab, sondern objektiv vom Gebrauch. >Gebrauchstheorie. Dummett I 137 Analytische Philosophie/DummettVsEvans: Sprache hat Vorrang vor Gedanken. |
EMD II G. Evans/J. McDowell Truth and Meaning Oxford 1977 Evans I Gareth Evans "The Causal Theory of Names", in: Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol. 47 (1973) 187-208 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Evans II Gareth Evans "Semantic Structure and Logical Form" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Evans III G. Evans The Varieties of Reference (Clarendon Paperbacks) Oxford 1989 Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Denken | Locke | Euchner I 28/29 Denken/Locke: Dass "süß nicht bitter" ist usw. bedarf keiner angeborenen Ideen, sondern der Erkenntnis logischer Maximen aus >Sinneseindrücken. Derartige >Ideen stehen am Ende, nicht am Anfang. Sogar die Gottesidee ist nicht angeboren. Gott/Locke: Die Existenz Gottes ist beweisbar. >Gottesbeweise, >Idee/Locke. |
Loc III J. Locke An Essay Concerning Human Understanding Loc I W. Euchner Locke zur Einführung Hamburg 1996 |
| Denken | Minsky | Münch III 99 Denken/Minsky: Ich bin nicht der Meinung, dass Sätze zu visuellen Bildern führen müssen. III 100 Denken/Bartlett: Denken ist biologisch älter als der bildformende Prozess. Aber obwohl jünger, und höhere Entwicklung, verdrängt es nicht die Methode der Bilder. Mit dem Denken nimmt das Risiko zu, an Allgemeinheiten hängen zu bleiben. >Allgemeinheit, >Verallgemeinerung. Münch III 125 Denken/Minsky: verschiedene Sichtweisen folgen meistens aufeinander. Münch III 130 "Nähe"/Simulation/Minsky: solche Begriffe sind für unser Alltagsleben zu wichtig, um sie aufzugeben, weil sie nicht axiomatisiert werden können. >Alltagssprache, >Simulation. Denken/Minsky: Denken kann sicher nicht weit kommen ohne Schlussfolgern. Marvin Minsky, “A framework for representing knowledge” in: John Haugeland (Ed) Mind, design, Montgomery 1981, pp. 95-128 - dt.: Marvin Minsky Eine Rahmenstruktur für die Wissensrepräsentation 1981 in Dieter Münch (Hrsg.) Kognitionswissenschaft Frankfurt 1992 Minsky I 64 Denken/Kommunikation/Minsky: Reichhaltige Bedeutungsnetze (...) geben Ihnen viele verschiedene Möglichkeiten: Wenn Sie ein Problem nicht auf die eine Weise lösen können, können Sie es auf eine andere versuchen. Es ist wahr, zu viele wahllose Verbindungen vernebeln Ihren Geist. Aber gut verbundene Bedeutungsstrukturen ermöglichen es Ihnen, Ideen im Kopf umzudrehen, Alternativen zu erwägen und sich die Dinge aus vielen Perspektiven vorzustellen, bis Sie eine finden, die funktioniert. Und das ist es, was wir mit Denken meinen! >Bedeutung/Minsky. Verstehen/Minsky: Das Geheimnis, was etwas für uns bedeutet, hängt davon ab, wie wir es mit all den anderen Dingen, die wir kennen, verbunden haben. Deshalb ist es fast immer falsch, den wahren Sinn von etwas zu suchen. Eine Sache mit nur einer Bedeutung hat kaum eine Bedeutung. >Bedeutung/Minsky, >Kommunikation/Minsky. |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Denken | Pinker | I 37 Denken/Pinker: Denken ist Rechnen, aber das heißt nicht, dass der Computer eine gute Metapher für den Geist ist. >Kognition, >Denken und Sprache, >Welt/Denken, >Repräsentation, >Erkennen, >Erkenntnis, >Gedächtnis, >Verstehen, >Computermodell, >Computation, >Geist, >Lernen, >Problemlösen. |
Pi I St. Pinker Wie das Denken im Kopf entsteht München 1998 |
| Denken | Strawson | McGinn I 210 Denken/Raum/Strawson: Denken ohne räumliches Bewusstsein ist für uns nicht möglich. Schon allein der Gedanke an mehrere Exemplifizierungen ein und derselben Eigenschaft setzt eine Vorstellung von Raum voraus. >Exemplifikation, >Raum/Strawson, >Vorstellung, >Eigenschaften/Strawson, >Identifikation/Strawson. Strawson IV 131 Sprache/Denken/Strawson: Ab einem bestimmten Punkt können wir nicht sagen, was wir nicht denken können - dennoch ist Denken nicht einfach Sprechen. - Wir müssen unsere Sätze verstehen. >Verstehen, >Sprechen, >Sprache und Denken, >Denken ohne Sprache. |
Strawson I Peter F. Strawson Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972 Strawson II Peter F. Strawson "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit", In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Strawson III Peter F. Strawson "On Understanding the Structure of One’s Language" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Strawson IV Peter F. Strawson Analyse und Metaphysik München 1994 Strawson V P.F. Strawson Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981 Strawson VI Peter F Strawson Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Strawson VII Peter F Strawson "On Referring", in: Mind 59 (1950) In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Denken | Thomas v. Aquin | Gadamer I 428 Denken/Geist/Menschliches/Göttliches/Thomas/Gadamer: Wenn wir das prozessuale Moment am Wort genauer erfassen wollen, das uns für [die] Frage nach dem Zusammenhang von Sprachlichkeit und Verstehen das wichtige ist, (...) werden [wir] bei der Unvollkommenheit des menschlichen Geistes und dem Unterschiede zum Göttlichen zu verweilen haben. Thomas (...) [hebt] drei Unterschiede hervor: 1. (...) das menschliche Wort [ist] potentiell (...), bevor es aktualisiert wird. Es ist formierbar, aber nicht formiert. Der Vorgang des Denkens setzt ja damit ein, dass uns etwas aus unserem Gedächtnis in den Sinn Gadamer I 429 kommt. Auch dies ist schon eine Emanation, sofern ja das Gedächtnis nicht etwa geplündert wird und etwas einbüßt. Aber was uns so in den Sinn kommt, ist noch nicht das Vollendete und Zu-Ende-Gedachte. (Vgl. >Emanation). Vielmehr setzt jetzt erst die eigentliche denkende Bewegung ein, in der der Geist von einem zum anderen eilt, sich hin- und herwälzt, dieses und jenes erwägt und so in der Weise der Untersuchung (inquisitio) und Überlegung (cogitatio) den vollendeten Ausdruck seiner Gedanken erst sucht. Das vollendete Wort wird also erst im Denken gebildet, insofern wie ein Werkzeug (...). 2. Im Unterschied zum göttlichen Wort ist das menschliche Wort wesensmäßig unvollkommen. Kein menschliches Wort kann In vollkommener Weise unseren Geist ausdrücken. Aber wie das Bild des Spiegels schon sagte, ist das nicht eigentlich die Unvollkommenheit des Wortes selber. Das Wort gibt ja vollständig wieder, was der Geist meint. Vielmehr ist es die Unvollkommenheit des menschlichen Geistes, dass er nie die vollständige Selbstgegenwart besitzt, sondern ins Meinen von Diesem oder Jenem zerstreut ist. Aus dieser seiner wesensmäßigen Unvollkommenheit folgt, dass das menschliche Wort nicht wie das göttliche Wort ein einziges ist, sondern notwendigerweise viele Worte sein muss. 3. Während Gott im Wort seine Natur und Substanz In reiner Aktualität vollkommen ausspricht, ist jeder Gedanke, den wir denken, und damit auch jedes Wort, in dem dieses Denken sich vollendet, ein bloßes Akzidens des Geistes. Das Wort des menschlichen Denkens zielt zwar auf die Sache, aber kann sie nicht als ein Ganzes in sich enthalten, So geht das Denken den Weg zu immer neuen Konzeptionen fort und ist im Grunde in keiner ganz vollendbar. Seine Unvollendbarkeit hat als Kehrseite, dass sie positiv die wahre Unendlichkeit Gadamer I 430 des Geistes ausmacht, der in immer neuem geistigem Prozess über sich hinausgeht und eben darin auch die Freiheit zu immer neuen Entwürfen findet. >Denken/Gadamer. |
Aquin I Thomas von Aquin Über die Herrschaft des Fürsten Stuttgart 1971 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Denkformen | Rorty | I 130 Denkform/Rorty: Bsp Das 17. Jahrhundert »missverstand« den Spiegel der Natur oder das innere Auge ebenso wenig, wie Aristoteles die natürliche Bewegung oder Newton die Gravitation missverstand. Man konnte sie nicht missverstehen, da man sie erfand. >Definition, >Bedeutung, >Bedeutungswandel, >Theoriewechsel, >Referenz. I 135 Rorty: Bsp »Mit Recht für wahr gehalten« ist nicht dasselbe wie »wahr«. >Kontextabhängigkeit. I 139 Man kann schwerlich sagen, »mental« bedeute in Wirklichkeit etwas, »das sich als etwas Physikalisches herausstellen könnte«, wie man auch nicht gut sagen kann, Bsp "kriminelles Verhalten" bedeute in Wirklichkeit soviel wie "Verhalten, das sich als unschuldig herausstellen kann". >Physisch/psychisch. I 258 Abstrakt/konkret: Die Unterscheidung muss ebenso auf eine gegebene Datenbasis relativiert werden, wie die Unterscheidung des Komplexen und des Einfachen. >Abstraktheit, >Einfachheit, >Komplexität. I 261 Verdoppelung/Rorty: Die Klage, die Schablonen führten wie Locke'sche Ideen zu einer Verdoppelung des Explanandums, ist wie die Klage, die Partikel des Bohrschen Atoms verdoppelten die Billardkugeln, deren Verhalten sie zu erklären helfen. Rorty: Es stellt sich allerdings heraus, dass es fruchtbar ist, innerhalb der großen Billardkugeln kleine Billardkugeln zu postulieren. ((s) Problem: Im Inneren des Atomkerns herrschen andere Kräfte, sodass Vergleiche in die Irre führen.) I 273 Die Sprache des Denkens oder irgendein Code, können keinen Ehrenstatus haben, (selbst nicht für Fodor) denn ein bloßer Code ist kein Mittel, das Wahre vom Falschen zu unterscheiden. >Gedankensprache, >Fodor, >Code. II (b) 33 RortyVsHabermas: Er scheint vorauszusetzen, man müsse zunächst X als Sonderfall von Y nachweisen, um X als Y zu behandeln. Als ob man nicht einfach X als Y behandeln könnte, um zu sehen, was passiert! >Habermas. III 169 ff Kontigenz/Denkform: Kontingenzen in literarischen Erzählungen sind erst in der Rückschau sinnvoll. >Kontingenz. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Denotation | Quine | VII (c) 48ff Singulärer Term/Quine: Ein singulärer Term benennt ("name"). >Benennen. Ein allgemeiner Term: bezeichnet ("denote"). - (> Kennzeichnung/Quine). III 263 Allgemeiner Term/Bezeichnen/Denotation/Quine: ein allgemeiner Term hat überhaupt nicht die Aufgabe, zu bezeichnen. >Allgemeine Termini/Quine. Bezeichnen/Quine: so wie ich das verstehe, muss das bezeichnete Objekt eindeutig bestimmt sein, damit es bezeichnet werden kann. Also bezeichnen allgemeine Termini nicht. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Denotation | Russell | Hintikka I 165 On Denoting/Russell/Hintikka: (Russell 1905)(1) Problem: mit Phrasen, die für echte Konstituenten von Propositionen stehen. Problem/Frege: Fehlschlagen der Substitutivität der Identität (SI) in intensionalen Kontexten. Informative Identität/Frege: Dass Identität manchmal überhaupt informativ sein kann hängt damit zusammen. ((s) Uninformativ: a = a; informativ: a = b (derselbe Gegenstand unter verschiedenen Bezeichnungen). >Substitution, >Identität/Frege, >Opazität, >Intensionalität, >Intensionen. Existentielle Generalisierung/Russell: auch sie kann fehlschlagen in intensionalen Kontexten, (Problem der leeren Termini). >Existentielle Generalisierung, >Nicht-Existenz. HintikkaVsRussell: Russell erkennt nicht die Tiefe des Problems und umgeht eher die Probleme mit denotierenden Termen. Der gegenwärtige König/Russell: Problem: Wir können nicht durch existentielle Generalisierung beweisen, dass es einen gegenwärtigen König von Frankreich gibt. HintikkaVsRussell: Es gibt aber noch andere Probleme. (s.u. wegen Uneindeutigkeit der >Querwelteinidentifikation). Hintikka I 173 Denotation/Russell/Hintikka: Pointe: Ein geniales Merkmal von Russells Theorie der Denotation von 1905 ist, dass es die Quantoren sind, die denotieren! >Quantoren. Theorie der Kennzeichnungen/Russell: (Ende von „On Denoting“) These: enthält die Reduktion von Kennzeichnungen auf Objekte der Bekanntschaft. >Kennzeichnungstheorie/Russell. I 174 Hintikka: Dieser Zusammenhang ist erstaunlich, Es scheint auch zirkulär zu sein, nur Objekte der Bekanntschaft zuzulassen. Lösung: Wir müssen sehen, was erfolgreich denotierende Ausdrücke (phrases) tatsächlich denotieren: sie denotieren eben Objekte der Bekanntschaft. Uneindeutigkeit/Eindeutigkeit/Hintikka: Es ist eben Uneindeutigkeit, die zum Fehlschlagen der Existentiellen Generalisierung führt. Bsp Waverley/Russell/Hintikka: Dass nur Objekte der Bekanntschaft zugelassen sind, zeigt sein eigenes Beispiel: „der Autor von Waverley“ in (1) ist tatsächlich ein primäres Vorkommnis d.h. sein Beispiel (2) . „ob“/Russell/Hintikka: einziger Unterschied: ...er "wollte wissen, ob“ statt ... „wusste nicht“. Sekundäre Kennzeichnung/Russell: kann man auch so ausdrücken: Dass George IV. von dem Mann, der tatsächlich Waverley schrieb wissen wollte, ob er Scott sei. I 175 Das wäre der Fall, wenn Georg IV. Scott gesehen hätte (in der Distanz) und gefragt hätte „Ist das Scott?“. HintikkaVsRussell: Warum wählt Russell ein Beispiel mit einem wahrnehmungsmäßig bekannten Individuum? Haben wir nicht normalerweise mit Individuen aus Fleisch und Blut zu tun, deren Identität uns bekannt ist, statt nur mit Wahrnehmungsobjekten? Wissen wer/Wissen was/Wahrnehmungsobjekt/Russell/Hintikka: Gerade bei Wahrnehmungsobjekten scheint es, als sei die Art von Eindeutigkeit, die wir für ein Wissen-wer brauchen, gerade nicht gegeben. >Bekanntschaft, >Mehrdeutigkeit. 1. Russell, B.(1905). On Denoting. Mind 14 (56):479-493 |
Russell I B. Russell/A.N. Whitehead Principia Mathematica Frankfurt 1986 Russell II B. Russell Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989 Russell IV B. Russell Probleme der Philosophie Frankfurt 1967 Russell VI B. Russell Die Philosophie des logischen Atomismus In Eigennamen, U. Wolf (Hg) Frankfurt 1993 Russell VII B. Russell On the Nature of Truth and Falsehood, in: B. Russell, The Problems of Philosophy, Oxford 1912 - Dt. "Wahrheit und Falschheit" In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Deontologie | Singer | I 2 Deontologie/P. Singer: These: Ethik sei ein System von Regeln. Diese müssen evtl. immer komplexer aufgebaut werden, um Ausnahmen zu erlauben. Viele Regeln stehen in immer komplexeren Systemen am Ende in Konflikt miteinander. >Regeln, >Ethik, >Moral, >Handeln, >Konflikte, >Interessen, vgl. >Utilitarismus. |
SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Descartes | Heidegger | Gadamer I 274 Descartes/Heidegger/Gadamer: Heideggers Nachweis, dass im Begriff des Bewusstseins bei Descartes und des Geistes bei Hegel die griechische Substanzontologie fortherrscht, die das Sein auf das Gegenwärtig- und Anwesendsein hin auslegt, geht (... ) gewiss über das Selbstverständnis der neuzeitlichen Metaphysik hinaus, aber nicht willkürlich und beliebig, sondern von einer „Vorhabe“ (>Seinsfrage) aus, die diese Überlieferung eigentlich verständlich macht, indem sie die ontologischen Prämissen des Subjektivitätsbegriffs aufdeckt. Verstehen/Heidegger: Es handelt sich also ganz und gar nicht darum, sich gegen die Überlieferung, die aus dem Text ihre Stimme erhebt, zu sichern, sondern im Gegenteil fernzuhalten, was einen hindern kann, sie von der Sache her zu verstehen. Es sind die undurchschauten Vorurteile, deren Herrschaft uns gegen die in der Überlieferung sprechende Sache taub macht. Kant/Heidegger: Umgekehrt entdeckt Heidegger in Kants Kritik an der „dogmatischen“ Metaphysik die Idee einer Metaphysik der Endlichkeit, an der sich sein eigener ontologischer Entwurf zu bewähren hat. >Verstehen/Heidegger. |
Hei III Martin Heidegger Sein und Zeit Tübingen 1993 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Determinates/ Determinables | Bigelow | I 51 Def Determinable/Bigelow/Pargetter: Das, was die Gegenstände gemeinsam haben, was aber verschieden stark an ihnen ausgeprägt ist. Bsp Masse. Def Determinate/Bigelow/Pargetter: Determinate ist die besondere Eigenschaft, die die Gegenstände (gleichzeitig) unterscheidet. Bsp eine Masse von 2,0 kg. Beide zusammen zeigen, was gemeinsam ist und was verschieden. >Problem der Quantitäten, >Teilhabe/Platon, >Unterscheidungen. Quantitäten/Bigelow/Pargetter: Problem: Der Ansatz ist immer noch unvollständig: I 52 Entweder die Relation zwischen Determinates und Determinables ist objektiv oder sie ist nicht objektiv. a) objektiv: wenn sie objektiv ist, brauchen wir eine Erklärung, worin sie besteht. b) nicht objektiv: dann ist es willkürlich zu behaupten, dass Gegenstände, die verschiedene D-ates haben, unter dasselbe D-able fallen. >Determinatesdeterminables. W.E. Johnson: unser Ansatz basiert auf einem von Johnson: bei ihm sind beide, D-able und auch D-ates Eigenschaften von Individuen. Bigelow/Pargetter: Variante: Wir können mit einer besonderen Eigenschaft für jedes Individuum anfangen (D-ate, Bsp Farbschattierung). Danach stellen wir das Gemeinsame fest: Farbe. Diese Gemeinsamkeit ist eine Eigenschaft 2. Stufe Def Eigenschaft 2. Grades/Bigelow/Pargetter: Bsp Das Gemeinsame aller Schattierungen einer Farbe. I 53 Hierarchie: kann man dann nach oben fortsetzen. Bsp überhaupt eine Farbe haben, ist eine Stufe höher. Stufe/Grad: Bsp Schmerz: ist das Haben einer Eigenschaft 2. Stufe. >Schmerz. Funktionale Rolle/Bigelow/Pargetter: ist ein Gemeinsames, also gibt es eine Eigenschaft 2. Stufe, eine bestimmte funktionale Rolle zu haben. >Funktionale Rolle. Hierarchie: steht dann aus drei Mengen von Eigenschaften. 1. Eigenschaft 1. Stufe von Individuen. Auf ihnen supervenieren alle anderen Eigenschaften 2. Eigenschaften von Eigenschaften 1. Stufe: = Eigenschaften 2. Grades (Gemeinsamkeit von Eigenschaften) 3. Eigenschaften 2. Stufe von Individuen: = die Eigenschaft, die und die Eigenschaft 1. Stufe zu haben, die die und die Eigenschaft 2 Grades hat. >Eigenschaften. Problem der Quantitäten/Lösung/Bigelow/Pargetter: 1. Objekte mit verschiedenen D-ates sind verschieden, weil jedes eine Eigenschaft 1. Stufe hat, die ein anderes Ding nicht hat. 2. sie sind dasselbe, weil sie dieselbe Eigenschaft 2. Stufe haben. Determinables/Determinates/Johnson: stehen in engen logischen Relationen: eine D-ate zu haben impliziert (entails) die entsprechende D-able zu haben. I 54 Aber nicht umgekehrt! Eine D-able zu haben verlangt nicht den Besitz einer bestimmten D-ate! Wohl aber irgendeiner D-ate aus dem Bereich. BigelowVsJohnson: Dieser konnte die Asymmetrie aber nicht erklären. Lösung/Bigelow/Pargetter: Eigenschaften 2.Stufe. Problem: Unsere Theorie ist immer noch unvollständig! Problem: zu erklären, warum Quantitäten graduell sind. Dabei geht es jetzt nicht darum, dass Gegenstände gleichzeitig gleich und verschieden sind. Neu: das Problem, dass wir außerdem noch genau sagen können, z.B: wie sehr sie sich unterscheiden. Oder Bsp dass zwei Massen sich ähnlicher sind, als zwei andere. Platon: Das löst Platon mit der Teilhabe. >Teilhabe. Bigelow/Pargetter: Wir versuchen eine andere Lösung. >Relationale Theorien. |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Determinismus | Nagel | McGinn I 135 McGinn: Unzurückführbarkeit: Die Theorie der Unzurückführbarkeit will den Sonderstatus der Willensfreiheit anerkennen, auf den das Scheitern der Domestizierung hinzudeuten scheint. >Terminologie/McGinn. McGinn: Wir sollten die Dinge als undefinierbar und von sich aus einleuchtend hinnehmen. Freie Akteure sind dann eine eigenständige ontologische Kategorie. (Thomas Nagel, Galen Strawson). Nagel II 49 Determinismus/Ethik/Nagel: Verantwortlichkeit gibt es auch bei determinierten Handlungen, wenn die Bestimmung im Innern liegt. - Durch nichts determinierte Handlungen sind unverständlich. >Prinzipien/Nagel, >Verantwortung, >Verstehen/Nagel. |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Deutung | Ricoeur | I 20 Deutung/Interpretation/Freud/Traumdeutung/Psychoanalyse/Ricoeur: Deutung bezeichnet jedes Sinnverstehen, das sich speziell auf die zweideutigen Ausdrücke richtet: die Deutung ist das Verständnis des Doppelsinns. >Sinn/Ricoeur. I 21 Interpretation/Symbol: wir definieren beide jeweils in Bezug auf das andere. Das Symbol ist ein doppelsinniger linguistischer Ausdruck, der nach Interpretation verlangt; die Interpretation eine Arbeit, die darauf abzielt, die Symbole zu entziffern. |
Ricoeur I Paul Ricoeur Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999 Ricoeur II Paul Ricoeur Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976 |
| Dezisionismus | Weber | Habermas III 358 Dezisionismus/Begründung/Recht/Dezisionismus/Weber/HabermasVsWeber/Habermas: Problem: Wenn irgendeine Form von rationalem Einverständnis die „einzig konsequente Form der Legitimität eines Rechts“ bedeutet, wie kann dann eine legale Herrschaft, deren Legalität auf ein rein dezisionistisch gefasstes Recht gestützt ist, überhaupt legitimiert werden? Lösung/Carl Schmitt/N. Luhmann: Webers Antwort hat von Carl Schmitt bis Niklas Luhmann Schule gemacht: durch Verfahren. Das bedeutet nicht den Rückgang auf formale Bedingungen der moralisch-praktischen Rechtfertigung von Rechtsnormen, sondern Einhaltung von Verfahrensvorschriften in Rechtsprechung, Rechtsanwendung und Rechtsetzung. >Recht, >Begründung, >Letztbegründung, >Legitimität, >Legitimation. Habermas III 359 Die Legitimität beruht dann „auf dem Glauben an die Legalität gesetzter Ordnungen und des Anweisungsrechts der durch sie zur Ausübung der Herrschaft Berufenen“. (1) HabermasVsWeber: Problem: Woher soll der Legalitätsglauben die Kraft zur Legitimation aufbringen, wenn Legalität lediglich Übereinstimmung mit einer faktisch bestehenden Rechtsordnung bedeutet, und wenn diese wiederum als willkürlich gesatztes Recht einer praktisch-moralischen Rechtfertigung unzugänglich ist. Aus dieser Zirkularität führt kein Weg heraus. (2) >Zirkularität, >Rechtfertigung, >Gesetze, >Verfassung, >Willkür, >Demokratie, >Staat. 1.M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, hrsg.v. J. Winckelmann, Tübingen 1964,S. 159 2.J. Winckelmann, Legitimität und Legalität in Webers Herrschaftssoziologie, Tübingen 1952; K. Eder, Zur Rationalisierungsproblematik des modernen Rechts, in: Soziale Welt, 2, 1978, S. 247ff. |
Weber I M. Weber Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Dialektik | Adorno | Grenz I 14 Dialektik/Adorno/Grenz: Das Verfahren zerbricht in einen ausdrückenden (physiognomischen) und einen bestimmten (negierenden) Teil. >Negation/Adorno. I Grenz 50 Dialektik/doppelte Negation/PopperVsDialektik/Adorno/Grenz: Adorno gibt der Popperschen Dialektikkritik recht: Die Gleichsetzung der Negation der Negation mit der Positivität ist die Quintessenz des Identifizierens und damit der Verdinglichung. >Dialektik, >K.R. Popper. Grenz I 75 Dialektik/Adorno/Grenz: a) als Methode, Erkenntnismittel: die bestimmte Negation b) Dialektik der Naturgeschichte: Einheit von Natur und Geschichte. Diese hat objektiven Charakter im Sinne der Wirklichkeit I 76 des Bestehenden. >Geschichte/Adorno, >Erkenntnis, >Erkennen/Adorno, >Erkenntnistheorie/Adorno. Grenz I 103 Dialektik im Stillstand/Benjamin/Grenz: These: in Kulturphänomenen steht für uns die Dialektik der Naturgeschichte still in einem doppelten Sinn: weder sind ‚Gebilde‘ dynamisch als aus vorhergehenden Gebilden Hervorgetriebenes oder neue Gebilde Hervortreibendes, noch ist aus ihnen der Dynamismus I 104 der Entwicklung der Produktivkräfte zu erschließen. Was an ihnen entziffert werden kann, ist allein die Differenz von Möglichkeit und Wirklichkeit. >Produktivkräfte. XIII 40f Vermittlung/Dialektik/Adorno: Die Möglichkeit angesichts der antithetischen Begriffspaare (Bsp Empirismus/Rationalismus, Idealismus/Realismus) überhaupt zu einem richtigen denken zu kommen, ist darin zu suchen, dass man in diese Begriffe selbst hineingeht und in ihnen selbst ihr Gegenteil auffindet, statt sich irgendwelche vermittelnden Weltanschauungen zwischen ihnen auszudenken, wie etwa den sogenannten kritischen Realismus. >Denken/Adorno, >Begriffe/Adorno. |
A I Th. W. Adorno Max Horkheimer Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978 A II Theodor W. Adorno Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000 A III Theodor W. Adorno Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973 A IV Theodor W. Adorno Minima Moralia Frankfurt/M. 2003 A V Theodor W. Adorno Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995 A VI Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071 A VII Theodor W. Adorno Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002 A VIII Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003 A IX Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003 A XI Theodor W. Adorno Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990 A XII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973 A XIII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974 A X Friedemann Grenz Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme Frankfurt/M. 1984 |
| Dialektik | Antike Philosophie | Gadamer I 464 Dialektik/Antike Philosophie/Gadamer: Die Griechen haben vor uns, die wir in die Aporien des Subjektivismus verstrickt sind, etwas voraus, wenn es gilt, die übersubjektiven Mächte zu begreifen, die die Geschichte beherrschen. Sie suchten nicht von der Subjektivität aus und für dieselbe die Objektivität der Erkenntnis zu begründen. Ihr Denken sah sich vielmehr von vornherein als ein Moment am Sein selbst. Parmenides erblickte in ihm das wichtigste Wegzeichen auf dem Wege zur Wahrheit des Seins. Die Dialektik, dieses Widerfahrnis des Logos, war, wie wir betonten, für die Griechen nicht eine vom Denken vollführte Bewegung, sondern die von ihm erfahrbare Bewegung der Sache selbst. Gadamer: Dass eine solche Wendung nach Hegel klingt, besagt keine falsche Modernisierung, sondern bezeugt einen geschichtlichen Zusammenhang. >Parmenides. Hegel hat in der von uns gekennzeichneten Situation des neueren Denkens das Vorbild der griechischen Dialektik bewusst aufgegriffen.(1) Wer in die Schule der Griechen gehen möchte, ist daher immer schon durch die Schule Hegels gegangen. Seine Dialektik der Gedankenbestimmungen so gut wie seine Dialektik der Gestalten des Wissens wiederholen im ausdrücklichen Vollzug die totale Vermittlung von Denken und Sein, die ehedem das natürliche Element des Gadamer I 465 griechischen Denkens war. Indem unsere hermeneutische Theorie das Verwebtsein von Geschehen und Verstehen zur Anerkennung bringen will, wird sie nicht nur auf Hegel, sondern bis zu Parmenides zurückverwiesen. >Dialektik/Hegel, >Hermeneutik/Gadamer, >Dialektik/Platon, >Dialektik/Aristoteles. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Dialektik | Benjamin | Bolz II 14 Dialektik/Benjamin: Benjamin führt keine Synthesis herbei. Er lässt die Gegensätze aufeinanderprallen, um Raum zu schaffen für das Denkbild einer Rettung, die sich nicht als Resultat menschlicher Planung und Manipulation verstehen lässt. >Synthesis. Bolz II 31f Dialektik/Benjamin: Benjamin denkt wohl dialektisch, aber nicht Hegelisch. >Dialektik, >Dialektik/Hegel. Bolz II 56 Dialektik der Macht/Benjamin: Der Herrscher weiß, dass er selbst am Ende Opfer seiner Grausamkeiten wird. Der Tyrann ist zugleich Märtyrer. Der höfische Adlige ist nicht nur vollendet in seinen Umgangsformen, sondern zugleich der perfekte Intrigant.(1) >Macht, >Herrschaft/Knechtschaft, >Tyrannei. Bolz II 69 "Dialektik im Stillstand": nicht Erreichen des Ziels. Die Bewegung geht weiter, aber auf der Stelle. Ewige Passage. "Nu": "Das Gewesene tritt mit dem Jetzt blitzhaft zu einer Konstellation zusammen." >Prozess, >Bewegung, >Gegenwart, >Vergangenheit, >Zukunft, >Zeit. 1. W. Benjamin, Gesammelte Schriften. Unter Mitwirkung von Th. W. Adorno und Gershom Sholem herausgegeben von Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser Frankfurt/M. 1972-89. Bd I, S 256f. |
Bo I N. Bolz Kurze Geschichte des Scheins München 1991 Bolz II Norbert Bolz Willem van Reijen Walter Benjamin Frankfurt/M. 1991 |
| Dialektik | Hegel | Bubner I 75 Dialektik/Platon/Hegel/Bubner: Wahre Dialektik ist nicht Streitsucht verschiedener wechselnder Gesichtspunkte, sondern eine notwendige Bewegung im Innern des Erfassens der Wirklichkeit. Ironie/Sokrates/Hegel/Bubner: Die sokratische Methode bringe (laut Hegel) jeden selber zum Nachdenken und erzeuge so eine Distanz zur je gegebenen Unmittelbarkeit, die nicht auf willkürlichem Eingriff beruhe. Mit ihr gelingt die Zurücknahme des subjektiven Stellungbeziehens. Den Dingen selber wird Platz geschafft. Der Dogmatismus einseitiger Aspekte zerstört sich selbst. So lässt die Dialektik alles gelten, und die innere Zerstörung sich daran entwickeln. I 76 Ironie/Friedrich Schlegel: Nach Schlegel ist die Ironie so die höchste Weise des Verhaltens des Geistes. >Ironie. Bubner: Dialektik als" Ironie der Welt" ist dann das Gegenstück zur Selbstherrlichkeit des modernen Ich mit seiner alles zersetzenden Reflexion. >Reflexion. I 77 HegelVsPlaton: Plaon blieb auf halbem Wege stehen. Er bewegte sich unentschieden zwischen der subjektiven und der objektiven Dialektik, d.h. der geschmeidigen Reflexion, derer wir alle fähig sind, und der Zwangsläufigkeit im Darlegen eines Zusammenhangs der Unverträglichkeit. Das ist eine Übersetzungsaufgabe (der subjektiven in die objektive Dialektik) die durch die sokratische Ironie geleistet werden kann. "Allgemeine Ironie der Welt". Wright I 21 Dialektik/Hegel/Marx/Wright, G. H.: Das dialektische Schema der Entwicklung durch These, Antithese und Synthese ist kein kausalistisches Denkmuster. Die Hegelschen und Marxschen Begriffe von Gesetz und Entwicklung kommen dem näher, was wir Muster begrifflicher oder logischer Verknüpfungen nennen würden. Wright I 154 G. H. von WrightVsMarx: Marx zeigt eine deutliche Ambivalenz zwischen einerseits einer „kausalistischen“, „szientistischen“ und andererseits einer „hermeneutisch-dialektischen“, „teleologischen“ Orientierung. Diese Ambivalenz gibt Anlass zu radikal verschiedenen Interpretationen seiner philosophischen Aussagen. >Kausalität, >Hermeneutik, >Teleologie. Gadamer I 471 Dialektik/Hegel/Gadamer: Das spekulative Verhältnis muss (...) in dialektische Darstellung übergehen. Das ist nach Hegel die Forderung der Philosophie. >Spekulation/Hegel, >Prädikation/Hegel. Was hier Ausdruck und Darstellung heißt, ist freilich nicht eigentlich ein beweisendes Tun, sondern die Sache selbst be- Gadamer I 472 weist sich, indem sie sich so ausdrückt und darstellt. So wird Dialektik auch wirklich erfahren, dass dem Denken der Umschlag in sein Gegenteil als eine unbegreifliche Umkehrung widerfährt. Ausdruck: Die Dialektik ist der Ausdruck des Spekulativen, die Darstellung dessen, was im Spekulativen eigentlich darin liegt, und insofern das “wirklich“ Spekulative. Beweis: Sofern nun aber (...) die Darstellung kein hinzukommendes Tun, sondern das Herauskommen der Sache selbst ist, gehört der philosophische Beweis selbst mit zur Sache. Darstellung: (...) nichtsdestotrotz ist solche Darstellung in Wahrheit gar nicht äußerlich. Sie hält sich nur dafür, solange das Denken nicht weiß, dass es sich selbst am Ende als >Reflexion der Sache in sich erweist. Dazu stimmt, dass Hegel den Unterschied von spekulativ und dialektisch nur in der Vorrede zur Phänomenologie betont. Weil sich dieser Unterschied der Sache nach selber aufhebt wird er von Hegel später, auf dem Standpunkt des absoluten >Wissens, nicht mehr festgehalten. >Spekulation/Hegel, >Denken/Hegel. |
Bu I R. Bubner Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992 WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Dialektik | Platon | Bubner I 34 Dialektik/Platon/Bubner: mehr als Methode, der Dialektiker verfährt mit methodischer Korrektheit, weil er sein hiesiges Lebend wachend, nicht träumend führt. I 37 DialektikVsRhetorik/Platon/Bubner: die Kenntnis der Methode macht den Philosophen zu einem freien Menschen, während der wirkungsorientierte Redner in den Trug der Worte verstrickt ist. (VsSophisten). >Sophisten/Platon. I 38 Sophismus/AristotelesVsPlaton: bedient sich derselben Gründe, um auf Unvollständigkeit der Dialektik zu plädieren, gerade, weil sie es mit der intersubjektiven Redepraxis zu tun hat. Def "Topoi"/Aristoteles: vorwissenschaftliche Gemeinplätze. Die Topik macht das Einleuchtende und Erfolgversprechende am Reden namhaft. >Dialektik/Aristoteles. Dialektik/Kant: der negative Ruch haftet der Dialektik bis zu Kant an. Allerdings ist der anhaftende Schein bei Kant als notwendig erkannt. I 39 Dialektik/HegelVsKant: seine Scheu vor den Widersprüchen offenbare die Begrenztheit seines Verständnisses von Wissenschaft. Die Dialektik müsse eben zu Ende gedacht werden. Kant sei bei dem negativen Resultat stehengeblieben. >Kant, >Dialektik/Hegel. HegelVsAristoteles: "spekulativer Geist der Sprache": die Einsicht in die sprachlich logische Verwurzelung der Spekulation soll ihr wieder den Rang strenger Methode sichern, den ihr gerade Aristoteles wegen ihrer Bindung an das Sprachliche aberkannt hatte. I 111 Dialektik/Platon/Bubner: a) Wissenstheorie: die Ungeschiedenheit von wahrem Wissen und Reflexion führt zu einem ganzen Ensemble von Regeln und Strukturen. b) Dialektik bei Platon ist auch das logische Verhältnis zwischen Behauptung und Folgerung. c) Weise der Bestimmung von Begriffen auseinander. (Auf und Abstiegsverfahren. Der späte Platon entwickelt Ansätze einer Aussagenlogik. >Wissen/Platon, vgl. >Aussagenlogik. |
Bu I R. Bubner Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992 |
| Dialog | Gadamer | I 308 Dialog/Verstehen/Gadamer: So wie im Gespräch der andere, nachdem man seinen Standort und Horizont ermittelt hat, in seinen Meinungen verständlich wird, ohne dass man sich deshalb mit ihm zu verstehen braucht, so wird für den, der historisch denkt, die Überlieferung in ihrem Sinn verständlich, ohne dass man sich doch mit ihr und in ihr versteht. In beiden Fällen hat sich der Verstehende gleichsam aus der Situation der Verständigung zurückgezogen. Er selber ist nicht antreffbar. Indem man den Standpunkt des anderen von vornherein in das miteinrechnet, was er einem zu sagen beansprucht, setzt man seinen eigenen Standpunkt in eine sichere Unerreichbarkeit. Vgl. >Ich-Du-Verhältnis/Gadamer. I 372 Dialektik: Die Dialektik als die Kunst des Fragens bewährt sich nur darin, dass der, der zu fragen weiß, sein Fragen, und das heißt: die Richtung ins >Offene, festzuhalten vermag. Die Kunst des Fragens ist die Kunst des Weiterfragens, d. h. aber sie ist die Kunst des Denkens. Sie heißt Dialektik, denn sie ist die Kunst, ein wirkliches Gespräch zu führen. I 373 Die maieutische Produktivität des sokratischen Dialogs, seine Hebammenkunst des Wortes, wendet sich wohl an die menschlichen Personen, die die Partner des Gespräches sind, aber sie hält sich lediglich an die Meinungen, die sie äußern und deren immanente sachliche Konsequenz im Gespräch entfaltet wird. Logos: Was in seiner Wahrheit heraustritt, ist der Logos, der weder meiner noch deiner ist und der daher das subjektive Meinen der Gesprächspartner so weit I 374 übertrifft, dass auch der Gesprächsführer stets der Nichtwissende bleibt. >Logos. I 375 Hegel: Die Ursprünglichkeit des Gesprächs als des Bezugs von Frage und Antwort zeigt sich aber selbst noch in einem so extremen Fall, wie ihn die Hegelsche Dialektik als philosophische Methode darstellt. Die Totalität der Gedankenbestimmungen zu entfalten, wie es das Anliegen von Hegels Logik war, ist gleichsam der Versuch, im großen Monolog der neuzeitlichen „Methode“ das Sinnkontinuum zu umgreifen, dessen je partikulare Realisierung das Gespräch der Sprechenden leistet. >Logik/Hegel. Wenn Hegel sich die Aufgabe stellt, die abstrakten Gedankenbestimmungen zu verflüssigen und zu begeisten (sic), so heißt das, die Logik in die Vollzugsform der Sprache, den Begriff in die Sinnkraft des Wortes, das fragt und antwortet, zurück zu schmelzen – eine noch im Misslingen großartige Erinnerung an das, was Dialektik eigentlich war und ist. Hegels Dialektik ist ein Monolog des Denkens, der vorgängig leisten möchte, was in jedem echten Gespräch nach und nach reift. I 387 [In einem Gespräch] sind die Partner (...) weit weniger die Führenden als die Geführten. Was bei einem Gespräch „herauskommt“ weiß keiner vorher. Die Verständigung oder ihr Misslingen ist wie ein Geschehen, das sich an uns vollzogen hat. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Digital Millennium Copyright Act | Benkler | Benkler I 413 Digital Millennium Copyright Act/DMCA/Institutionale Ökologie/Benkler: Kein Rechtsakt stellt den Kampf um die institutionelle Ökologie der digitalen Umgebung deutlicher dar als der hochtrabend benannte Digital Millennium Copyright Act von 1998 (DMCA). Der DMCA war der Höhepunkt von mehr als drei Jahren Lobbyarbeit und vielfältigen Anstrengungen, sowohl im Inland in den Vereinigten Staaten als auch international, bei der Verabschiedung von zwei WIPO-Verträgen im Jahr 1996. Die grundlegende Weltanschauung dahinter, die in einem 1995 von der Clinton-Administration herausgegebenen Whitepaper zum Ausdruck kam, war, dass die Nationale Informationsinfrastruktur (NII) nur dann starten kann, wenn sie "Inhalt" hat, und dass ihr großes Versprechen darin besteht, dass sie das Äquivalent von Tausenden von Unterhaltungskanälen liefern kann. Dies würde jedoch nur geschehen, wenn die NII für die Lieferung digitaler Inhalte gesichert wäre, ohne dass sie leicht kopiert und ohne Genehmigung und ohne Bezahlung verbreitet werden könnten. I 414 (...) erhebliche Lobbyarbeit für "Durchführungsgesetze", um das US-Recht mit den Anforderungen der neuen WIPO-Verträge in Einklang zu bringen (...), legte den Schwerpunkt der Debatten im Kongress auf die nationale Industriepolitik und die Bedeutung eines starken Schutzes der Exportaktivitäten der US-Inhaltsindustrie. Es reichte aus, das Gleichgewicht zugunsten des Übergangs zum DMCA zu kippen. Das zentrale Merkmal des DMCA, ein langer und komplizierter Rechtsakt, I 415 ist seine Anti-Umgehungs- und Anti-Geräte-Bestimmung. Diese Bestimmungen machten es illegal, Technologien mit bestimmten Eigenschaften zu nutzen, zu entwickeln oder zu verkaufen. Urheberrechtsinhaber glaubten, dass es möglich sein würde, eine starke Verschlüsselung in Medienprodukte einzubauen, die über das Internet vertrieben werden. Wenn sie dies erfolgreich tun, könnten die Urheberrechtsinhaber die digitale Verbreitung in Rechnung stellen und die Nutzer könnten keine unbefugten Kopien der Werke anfertigen. Der DMCA sollte dies ermöglichen, indem er Technologien verbietet, die es den Nutzern ermöglichen, die Schutzmaßnahmen, die die Eigentümer von urheberrechtlich geschützten Materialien ergriffen haben, zu umgehen. Es gibt zwei verschiedene Probleme mit dieser Art der Darstellung, was der DMCA tut. Es gibt viele Nutzungen bestehender Werke, die für alle zugängig sind. Sie werden im Urheberrecht wie das Gehen auf dem Bürgersteig oder in einem öffentlichen Park behandelt, nicht wie das Betreten des Grundstücks eines Nachbarn. Das zweite Problem mit dem DMCA ist, dass seine Definitionen breit und formbar sind. Einfache Handlungen wie das Verfassen einer wissenschaftlichen Arbeit über die Funktionsweise der Verschlüsselung oder das Veröffentlichen eines Berichts im Internet, der den Benutzern sagt, wo sie Informationen darüber finden können, wie sie einen Kopierschutzmechanismus umgehen können, könnten in die Definition der Bereitstellung einer Umgehungsvorrichtung einbezogen werden. I 417 Der DMCA soll ein starkes rechtliches Hindernis für bestimmte technologische Innovationspfade auf der logischen Ebene der digitalen Umgebung darstellen. Es ist insbesondere beabsichtigt, das "Ding"- oder die "Gut"-ähnliche Natur von Unterhaltungsprodukten - insbesondere Musik und Filme - zu erhalten. Damit soll und wird der DMCA die technologische Entwicklung hin zur Behandlung von Information und Kultur als Fertigprodukte und nicht als Output von Sozial- und Kommunikationsprozessen gestalten, die die Unterscheidung zwischen Produktion und Konsum verwischen. Es erschwert Einzelpersonen und Nichtmarktteilnehmern den Zugang zu digitalen Materialien, die die Technologie, der Markt und die sozialen Praktiken, die unreguliert geblieben sind, leicht zugänglich gemacht hätten. I 418 Der DMCA belastet die individuelle Autonomie, die Entstehung der vernetzten Öffentlichkeit und der kritischen Kultur sowie einige der Wege, die die vernetzte Informationswirtschaft für die globale menschliche Entwicklung ermöglicht. Die Verabschiedung eines Gesetzes vom Typ DMCA allein wird die Entwicklung der Nichtmarkt- und Peer Production nicht behindern. Tatsächlich sind viele dieser technologischen und sozioökonomischen Entwicklungen entstanden und gediehen, nachdem der DMCA bereits in Kraft war. Es stellt jedoch eine Entscheidung dar, die institutionelle Ökologie zugunsten der industriellen Produktion und des Vertriebs von kulturellen verpackten Gütern zu kippen, auf Kosten der gemeinschaftsbasierten Beziehungen des Teilens in Bildung, Wissen und Kultur. >Copyright/Benkler. |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 |
| Dilthey | Gadamer | Gadamer I 246 Dilthey/Gadamer: Im spekulativen Idealismus war der Begriff des Gegebenen, der Positivität, einer grundsätzlichen Kritik unterworfen worden. Darauf suchte sich Dilthey am Ende für seine lebensphilosophische Tendenz zu berufen. Er schreibt(1) »Wodurch bezeichnet Fichte den Anfang eines Neuen? Weil der von der Gadamer I 247 intellektuellen Anschauung des Ich ausgeht, dieses aber nicht als eine Substanz, ein Sein, eine Gegebenheit, sondern eben durch diese Anschauung, d. h. diese angestrengte Vertiefung des Ich in sich als Leben, Tätigkeit, Energie auffasst und dementsprechend Energiebegriffe wie Gegensatz usw. Realisierung in ihm aufzeigt.« >Lebensphilosophie, >Gegebenes, >Kritik. Gadamer: Ebenso hat Dilthey schließlich in Hegels Begriff des Geistes die Lebendigkeit eines echten geschichtlichen Begriffs erkannt.(2) >Geist/Hegel. Nietzsche/Bergson/Simmel: In der gleichen Richtung wirkten, wie wir bei der Analyse des Erlebnisbegriffes hervorhoben, einige seiner Zeitgenossen: Nietzsche, Bergson, dieser späte Nachfahr der romantischen Kritik an der Denkform der Mechanik, und Georg Simmel. Dilthey/Heidegger/Gadamer: Aber welche radikale Denkforderung in der Unangemessenheit des Substanzbegriffs für das geschichtliche Sein und historische Erkennen liegt, hat erst Heidegger zum allgemeinen Bewusstsein gebracht(3). Erst durch ihn ist die philosophische Intention Diltheys freigesetzt worden. Er knüpfte mit seiner Arbeit an die Intentionalitätsforschung der Husserlschen Phänomenologie an, die insofern den entscheidenden Durchbruch bedeutete, als sie gar nicht der extreme Platonismus war, den Dilthey darin sah.(4) Intentionalität/Objektivität/Husserl/Gadamer: Vielmehr wird, je mehr man durch das Fortschreiten der großen Husserl-Ausgabe in das langsame Wachsen der Husserlschen Gedanken Einblick erhält, um so deutlicher, dass mit dem Thema der Intentionalität eine sich immer stärker radikalisierende Kritik am Objektivismus« der bisherigen Philosophie - auch an Dilthey(5) - einsetzte, die in dem Anspruch gipfeln Philosophie sollte: »dass die intentionale Phänomenologie zum ersten Male den Geist als Geist zum Feld systematischer Erfahrung und Wissenschaft gemacht und Gadamer I 248 Dadurch die totale Umstellung der Erkenntnisaufgabe erwirkt hat.“(6) >Geist/Husserl, >Dilthey als Autor. 1. Dilthey, Ges. Schriften, V Il, 333. 2. Ges. Schriften Vll, 148. 3. Heidegger hat mir gegenüber schon 1923 von den späten Schriften Georg Simmels mit Bewunderung gesprochen. Dass das nicht nur eine allgemeine Anerkennung der philosophischen Persönlichkeit Simmels war, sondern auf inhaltliche Anstöße hindeutet, die Heidegger empfangen hatte, wird jedem deutlich, der heute in dem ersten der Vier „Metaphysischen Kapitel“ liest, die unter dem Titel Lebensanschauung« zusammenfassten, was dem todgeweihten Georg Simmel als philosophische Aufgabe vorschwebte. Dort steht etwa: »Das Leben ist wirklich Vergangenheit und Zukunft«; dort wird »die Lebenstranszendenz als die wahre Absolutheit« bezeichnet, und der Aufsatz schließt: »Ich weiß sehr wohl, welche logische Schwierigkeiten dem begrifflichen Ausdruck dieser Art, das Leben zu schauen, entgegenstehen. Ich habe sie, in voller Gegenwart der logischen Gefahr, zu formulieren versucht, da doch immerhin möglicherweise die Schicht hier erreicht ist, in der logische Schwierigkeiten nicht ohne weiteres Schweigen gebieten - weil sie diejenige ist, aus der sich die metaphysische Wurzel der Logik selbst erst nährt. « 4. Vgl. Natorps Kritik von Husserls Ideen (1914) (Logos 1917) und Husserl selbst in einem Privatbrief an Natorp vom 29. 6. 1918: »wobei ich noch bemerken darf, dass ich schon seit mehr als einem Jahrzehnt die Stufe des statischen Platonismus überwunden und der Phänomenologie als Hauptthema die Idee der transzendentalen Genesis gestellt habe«. In der gleichen Richtung geht die Anm. O. Beckers in der Husserlfestschrift S. 39. 5. Husserliana VI, 344. 6. Husserliana VI, 346. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Dimensionaler Ansatz | Eysenck | Corr II 77 Dimensionaler Ansatz/Eysenck, H. J./Kieron/Corr: [Der dimensionale Ansatz] systematisiert Variationen und macht Charakterzüge bzw. Eigenschaften (engl. traits) als quantifizierbare Daten messbar - schließlich variieren natürliche Eigenschaften (z.B. Höhe) [auch] entlang einer Dimension. [Darüber hinaus] kann die in den Dimensionen enthaltene Vielfalt später immer systematisch und empirisch in Kategorien (z.B. Persönlichkeits-'Typen') umgewandelt werden, das Gegenteil ist jedoch nicht der Fall (...). Es besteht kein Widerspruch, wenn sich quantitative Extreme auf derselben Dimension, die durch statistische Cut-offs berechnet wurden, später qualitativ unterscheiden können (...). Ein dimensionaler Ansatz ermöglicht die Darstellung eines Individuums als komplex und multidimensional und einige Dimensionen können zu verschiedenen Zeiten und Gelegenheiten wichtiger sein als andere (...). Der dimensionale Ansatz erlaubt es uns, systematisch über einzelne Symptome und Zeichen hinauszugehen, die an sich nicht zuverlässig auftreten, sondern eher Teil eines Musters sind (Polman, O'Connor, & Huisman, 2011)(1). Die Zuordnung der Psychopathologie zu einer Dimension erlaubt es, abweichendes Verhalten an einem Ende eines Kontinuums mit normalem Verhalten zu identifizieren. Dies ermöglicht es, das Patientenverhalten als eine Progression zu verstehen (O'Connor, 2016)(2). Es normalisiert das Verhalten auch in gewisser Weise, da z.B. extreme Angst mit einer normalen Angst verbunden sein kann, die jeder erlebt (...). Schließlich hat ein dimensionaler Ansatz einen destigmatisierenden Einfluss. Psychiatriepatienten kommen nicht von einem anderen Planeten; ihre Symptome sind aus dem gleichen psychologischen Holz geschnitzt, aus dem wir auch sind. >Charaktertypen, >Persönlichkeit, >Verträglichkeit, >Offenheit, >Neurotizismus, >Gewissenhaftigkeit. 1. Polman, A., O’Connor, K. P., & Huisman M. (2011). Dysfunctional belief-based subgroups and inferential confusion in obsessive–compulsive disorder. Personality and Individual Differences, 50, 153–158. 2. O’Connor, K. (2016). Hans Eysenck and the individual differences paradigm in the clinical setting. Personality and Individual Differences, 103, 99–104. O’Connor, Kieron P. and Philip J. Corr : “The Dimensional Model of Personality and Psychopathology Revisiting Eysenck (1944)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 69-85. |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Dinge | Lewis | V XIII Ding/Zeit/Einzelding/dauerhaft/Lewis: Dauerhafte Einzeldinge bestehen aus zeitlichen Teilen, die durch verschiedene Arten von Kontinuität vereinigt sind. ((s) Continuants werden hier nicht erwähnt) >zeitliche Identität, >personale Identität, >Continuants, vgl. >Veränderung. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Dinge | Strawson | I 177f Ding/Tätigkeit/Sprache/Strawson: 1. grammatisches Kriterium: Liste 1: Sprachfunktionen: Unterschiede: A-Ausdrücke/B-Ausdrücke: referieren/beschreiben, bezeichnen/etwas von ihm aussagen usw. I 178 Liste 2: Unterscheidung von sprachlichen Bestandteilen: singulärer Term/prädikativer Term, referierender Term/Prädikatterm, Subjekt/Prädikat usw. I 180 Liste 3: Unterscheidet zwischen Konstituenten von Aussagen oder zwischen Sachen(!): Sache, auf die man referiert/prädizierte Sache usw. nichts kann auf beiden Seiten auftreten: der Akt des Sich-Beziehens kann nicht mit dem Akt des Prädizierens identisch sein, aber einiges in beiden Rollen möglich) Liste 3 setzt Unterscheidung Sache/Rolle voraus. I 182 Liste 4: (entspricht Frege): Objekt/Begriff: vereinigt Rolle und Sache - kein Objekt kann jemals prädiziert werden. >Gegenstand/Frege, >Begriff/Frege. Liste 3 gleicht die Ausdrücke aus Liste 2 an (>Ramsey). I 185 Ding/Tätigkeit/"über"/stehen für/singuläre Termini/Prädikat/StrawsonVsGeach: "über" kann nicht gebraucht werden, um zwischen singulärem Term und Prädikat zu unterscheiden. >Prädikation/Geach, >Prädikat/Geach, >Singuläre Termini, >Prädikate, >Intentionalität, >Ebenen. Bsp "Raleigh raucht" kann als Satz über das Rauchen aufgefasst werden - auch "steht für" spezifiziert keine singulären Termini. - Beide, singulärer Term und auch prädikativer Term können für etwas stehen. VsGeach: Geach ist gezwungen zu sagen, dass "raucht" für etwas steht, weil bei ihm prädikative Ausdrücke für Eigenschaften stehen. >Eigenschaften/Geach. Terminologie/Strawson: A-Ausdrücke: sind substantivisch B-Ausdrücke: sind prädikativ. I 203 Ding/Eigenschaft/singulärer Term/Prädikat/"ist"/Strawson: wenn "Sokrates ist..." mit einer Kennzeichnung durch "ist" im Sinn von "ist identisch mit" verbunden wird, dann kann "Sokrates ist..." auch als B-Ausdruck (Prädikat) verstanden werden. (s) Bsp >"sokratisiert". ((s) "Der Philosoph, der Platon unterrichtete sokratisiert" >Gleichheitszeichen statt >Kopula). >"ist". Problem/Strawson: Welche Sachen sollen durch "ist ein Philosoph" eingeführt werden? >Einführung/Strawson. I 207ff Ding/Prädikat/singulärer Term/Einführen/Strawson: Der Grund für die Unterscheidung zwischen A (Substantiv-) und B-Ausdrücken (Prädikat-) ist der, zwischen verschiedenen Sachen zu unterscheiden: zwischen Einzelding und Universale, nicht zwischen Objekt und Begriff oder singulärem Term und Prädikat. I 210 StrawsonVsTradition: Die Tradition setzt die Unterscheidung schon voraus. - Externer Grund: könnte die Tempusfunktion des Verb sein. Vs: Das könnte man auch mit zwei Substantiven und Pfeilnotation ausdrücken. Sokrates > (Weisheit), dann Pfeil entweder über S oder über Weisheit, je nach dem, ob Sokrates starb oder dumm wurde. >Prädikation, >Zuschreibung. |
Strawson I Peter F. Strawson Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972 Strawson II Peter F. Strawson "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit", In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Strawson III Peter F. Strawson "On Understanding the Structure of One’s Language" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Strawson IV Peter F. Strawson Analyse und Metaphysik München 1994 Strawson V P.F. Strawson Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981 Strawson VI Peter F Strawson Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Strawson VII Peter F Strawson "On Referring", in: Mind 59 (1950) In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 |
| Dinge | Wittgenstein | Hintikka I 118 Ding/Wittgenstein/Hintikka: (Tagebücher): Ein Komplex ist ein Ding. - Wir kennen komplexe Gegenstände aus der Anschauung - ((s) S.o.: alles im Gesichtsfeld ist komplex). >Komplex. II 250f Ding/Wittgenstein: nichts anderes als die Klasse der Dinge, die es tut. - Bsp Wir stellen uns vor, dass ein Rad sich drehen könnte, weil es nicht plötzlich weich wird - Vorstellung: wir stellen uns nur sehr wenige feststehende Möglichkeiten vor. >Gegenstände. II 308 Ding/Wittgenstein: ist kein Gemeinname (allgemeiner Name). >Namen. Sinnlos: Bsp "Im Zimmer ist kein Ding"). >Sinn. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Disjunktion | Lewis | V 191 Disjunktion/Lewis: Jedes Ereignis kann als Disjunktion beschrieben werden. Gehen-oder-Reden aber das kann nicht als Ursache genommen werden. >Ereignisse. V 212 Disjunktion/Ereignisse/Lewis: Ein Ereignis kann keine Disjunktion von Ereignissen sein, denn dann müsste das (Doppel-) Ereignis immer in jeder Region vorkommen, wo das eine oder das andere Disjunkt vorkommt, d.h. es müsste zweimal in einer möglichen Welt vorkommen und das ist unmöglich. V 263 Ereignisse sind nicht disjunktiv, wenn verschiedene Definitionen möglich sind, dann besteht das Ereignis dennoch nicht aus ihrer Disjunktion. V 266 Def Disjunktion von Ereignissen/Lewis: e ist eine Disjunktion von Ereignissen f1, f2... gdw. e notwendig in einer Region vorkommt, gdw. entweder f1 oder f2 oder... hier vorkommt. Als Menge ist die Disjunktion einfach die Vereinigung. Einige Ereignisse sind Disjunktionen von anderen Ereignissen, Bsp Stampfen von linkem und rechtem Fuß. Die Disjunkte dürfen nicht zu stark variieren. Die Disjunktionen als ganze stehen in nicht-kausaler kontrafaktischer Abhängigkeit zu ihren Relata, den Disjunkten. Ohne das eine, wäre das Ganze nicht, aber die einzelnen Disjunkte stehen nicht in dieser kontrafaktischen Abhängigkeit. Disjunktion: rührt nicht von verschiedenen Definitionen her. Bsp Disposition: Ein Zerbrechen des Fensters könnte durch vieles verursacht werden. Keins der möglichen Ereignisse ist wesentlich mit der Zerbrechlichkeit verbunden. Wenn es keine extrinsischen disjunktiven Ereignisse gibt, kann es dennoch disjunktive Wahrheiten geben und diese können kausal erklärt werden. >Disposition/Lewis. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Diskriminierung | Alchian | Henderson I 31 Diskriminierung/Alchian/Henderson/Globerman: „Diskriminierung bei der Auswahl von Mitarbeitern aufgrund von Ethnie, Glaube, Geschlecht, Schönheit oder Alter wird in gemeinnützigen Unternehmen stärker ausgeprägt sein als in Wirtschaftsunternehmen.“(1) Kosten der Diskriminierung: [Kontext: Private Unternehmen diskriminieren nicht so stark wie öffentliche Einrichtungen]: Die staatlich geführten City Colleges of Chicago konnten einen hochqualifizierten Bewerber diskriminieren, weil die Universität niemandem gehörte und daher auch niemand die Kosten für diese Diskriminierung trug. Aber die Werbeagentur war ein gewinnorientiertes Unternehmen. Wenn das Unternehmen auf die Möglichkeit verzichtete, jemanden einzustellen, der einen guten Job machen würde, würde es finanziell nicht so gut dastehen. >Privater Sektor, >Öffentlicher Sektor. Wenn es länger dauert, jemanden zu finden, der genauso gut ist, oder wenn man sich mit jemandem zufrieden gibt, der weniger qualifiziert ist, würde das Unternehmen finanziell unter seiner Entscheidung zur Diskriminierung leiden. >Kosten, >Profitrate, >Profit, >Rassismus, >Vorurteil, >Diskriminierung/Becker. Henderson I 32 Alchian/Kessel: In ihrem berühmten Artikel von 1962, „Competition, Monopoly and Pecuniary Gain“(2), fragten [Alchian und Kessel]: „Aber warum diskriminieren monopolistische Unternehmen [Dunkelhäutige] ((s) im Original negroes) mehr als wettbewerbsfähige Unternehmen?“ AlchianVsBecker: Sie fuhren fort und wiesen darauf hin, dass es keinen guten Grund - oder zumindest keinen Grund, den Becker nannte - für die Annahme gibt, dass monopolistische Unternehmen Schwarze stärker diskriminieren als wettbewerbsfähige Unternehmen. Alchian und Kessel lieferten die fehlende Logik. Monopole: Monopole, so stellten sie fest, erhalten ihre Monopolmacht in der Regel von der Regierung. Regierungen verhindern oft, dass andere Unternehmen konkurrieren. Öffentlicher Sektor: Öffentliche Versorgungsunternehmen sind ein Beispiel dafür. Aber oft reguliert die Regierung im Gegenzug für die Gewährung der Monopolmacht die Gewinne der Monopole. Alchian und Kessel schrieben: „Ihre Kardinalsünde ist es, zu profitabel zu sein."(2) Henderson I 33 Mit anderen Worten: Sobald regulierte Monopole an die ihnen vom Staat auferlegte Gewinnbeschränkung stoßen, können sie rechtlich gesehen nicht mehr verdienen, und so „geben“ sie die zusätzlichen Gewinne für Dinge aus, die als Konsumgüter betrachtet werden können. Alchian und Kessel, die in einer weniger politisch korrekten Ära schrieben, führten eine lange Liste dieser anderen Dinge an, eine Liste, die „hübsche Sekretärinnen“, „üppige Büros“ und „große Spesenkonten“ umfasst. Rassismus: Was hat es mit Rassendiskriminierung auf sich? Wie bereits erwähnt, begrenzen die Kosten der Rassendiskriminierung das Ausmaß der Rassendiskriminierung begrenzt. Aber wenn die Regierung Unternehmen dazu zwingt, geringere Gewinne zu erzielen, als sie andernfalls erzielen könnten, wird Rassendiskriminierung ebenso wie Unwirtschaftlichkeit zu einem „freien Gut“. Daher würden wir mehr Rassendiskriminierung erwarten in monopolistischen Unternehmen, deren Gewinne von der Regierung reguliert werden. Test der Hypothese: Alchian und Kessel testeten ihre Hypothese, indem sie eine Stichprobe von 224 nichtjüdischen und 128 jüdischen MBA-Studenten analysierten, die die Harvard Business School absolviert hatten. Die Absolventen waren in 10 großen Industriekategorien beschäftigt. Von den 10, so schrieben sie, waren die beiden Branchen mit den größten regulatorischen Einschränkungen, die eine effiziente Produktion behinderten, „Transport, Kommunikation und andere öffentliche Versorgungsbetriebe“ und „Finanzen, Versicherungen und Immobilien“. Obwohl 36 Prozent der MBAs Juden waren, lag ihr Anteil in den beiden am stärksten regulierten Branchen bei nur 18 Prozent. Die Wahrscheinlichkeit, dass dieses Ergebnis zufällig eintrat, lag bei weniger als 0,0005.* Die Schwächung der Rechte der Eigentümer der regulierten Unternehmen, ihr Eigentum zur Gewinnsteigerung zu nutzen, hatte den Effekt, dass antisoziales Verhalten und unsoziale Ergebnisse gefördert wurden. * Für einen Überblick über diese Studie und mehrere andere bahnbrechende Studien über Eigentumsrechte von Alchian, siehe Henderson (2019)(3). 1. Armen A. Alchian (2006), "Some Economics of Property," p. 48. 2. Alchian, Armen A., and Reuben A. Kessel (1962). Competition, Monopoly and Pecuniary Gain. In H.G. Lewis (ed.), Aspects of Labor Economics (National Bureau of Economic Research): 157-183. 3. Henderson, David (2019, May 6). Economics Works. Liberty Classics. Econlib. |
Alchian I Armen A. Alchian William R. Allen Exchange and Production: Competition, Coordination and Control Belmont, CA: Wadsworth 1977 Henderson I David R. Henderson Steven Globerman The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019 |
| Diskurs | Politische Theorien | Gaus I 156 Diskurs/Politische Theorie/Bohman: (...) [in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts] versuchte die Philosophie der Sozialwissenschaften eine 'interpretative Wende', bei der die eigenen Selbstinterpretationen der Handelnden von zentraler Bedeutung wurden, um Handlungen für uns verständlich zu machen, anstatt Handlungen im Licht von Kausalgesetzen oder Mechanismen zu erklären, die dem Beobachter zur Verfügung stehen. >Handlungen. Politische Theorie: Die politische Theorie hat eine ähnliche Reihe von Wendungen erfahren. Die Rolle des Diskurses verdeutlicht die Unterschiede zwischen "Markt" und "Forum", zwischen der Aggregation gegebener Präferenzen in sozialen Wahlmechanismen und der Bildung und Transformation von Präferenzen im öffentlichen Diskurs (Elster, 1997(1); Cohen, 1997(2)). Demokratietheorie: Nirgendwo war die Verlagerung auf den Diskurs wichtiger als in der Demokratietheorie. Diese Unterscheidung erlaubt der politischen Theorie eine "deliberative Wende", indem sie diskursive und kommunikative Praktiken betont, bei denen die Teilnehmer versuchen, sich gegenseitig zu überzeugen, indem sie in der öffentlichen Diskussion und Debatte Begründungen anbieten. >Demokratietheorie. Damit wird nicht nur ein Raum für das Geben und Fragen nach Gründen in der Öffentlichkeit oder in verschiedenen Foren eröffnet, sondern das Angeben von Gründen ist auch insbesondere eine nicht-zwanghafte Form der politischen Integration und eine potentiell wirksame Methode zur Lösung von Problemen und zur Beilegung von Konflikten (...). Soziale Integration: All diese verschiedenen "Wendungen" in Philosophie, Sozialwissenschaft und politischer Theorie machen den Diskurs zu einem zentralen Element normativer und empirischer Theoriebildung und markieren einen Wendepunkt im Denken über die für moderne Gesellschaften spezifische Form demokratischer Politik und sozialer Integration. >Diskurstheorie, >Theorien. 1. Elster, Jon (1997) 'The market and the forum'. In J. Bohman and W. Rehg, (Hrsg.), Deliberative Democracy: Essays on Reason and Politics. Cambridge, MA: MIT Press. 2. Cohen, Joshua (1997) 'Deliberation and democratic legitimacy'. In J. Bohman and W. Rehg, eds, Deliberative Democracy. Cambridge, MA: MIT Press. Bohman, James 2004. „Discourse Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Diskurs | Ricoeur | II 9 Diskurs/Ricoeur: Ausgehend von der Saussure'schen Unterscheidung zwischen Langue und Parole kann man, zumindest einleitend, sagen, dass der Diskurs das Ereignis der Sprache ist. Für eine auf die Struktur von Systemen angewandte Linguistik drückt die zeitliche Dimension dieses Ereignisses die erkenntnistheoretische Schwäche einer Linguistik der Parole aus. Ereignisse verschwinden, während Systeme bleiben. Der erste Schritt einer Semantik des Diskurses muss daher darin bestehen, diese epistemologische Schwäche der Parole ausgehend vom flüchtigen Charakter des Ereignisses im Gegensatz zur Stabilität des Systems zu korrigieren, indem sie sie mit der ontologischen Priorität des Diskurses in Beziehung setzt, die sich aus der Aktualität des Ereignisses im Gegensatz zur bloßen Virtualität des Systems ergibt. >Parole/Ricoeur, >Langue/Ricoeur, >Strukturelle Linuistik/Ricoeur. II 10 Prädikat/Emile Benveniste/Ricoeur: [Benveniste sagt] das Prädikat (...) ist der einzige unabdingbare Faktor des Satzes. Ricoeur: Während das genuin logische Subjekt Träger einer singulären Identifikation ist, ist das, was das Prädikat über das Subjekt aussagt etwas, das immer als ein "universelles" Merkmal des Subjekts behandelt werden kann. II 11 Diese fundamentale Polarität zwischen singulärer Identifikation und universeller Prädikation verleiht dem Begriff des Satzes, der als Gegenstand des Sprechereignisses verstanden wird, einen spezifischen Inhalt. Es zeigt, dass der Diskurs nicht nur ein verschwindendes Ereignis und als solches ein irrationales Gebilde ist, wie der einfache Gegensatz zwischen Bewährung und Sprache vermuten lässt. II 12 Bedeutung/Veranstaltung/Ereignis/Diskurs/Ricoeur: Das Unterdrücken und Überschreiten des Ereignisses in der Bedeutung ist ein Charakteristikum des Diskurses selbst. Ereignis: Wenn jeder Diskurs als ein Ereignis aktualisiert wird, wird er als Bedeutung verstanden. Das Ereignis ist jemand, der spricht II 13 Diskurssprache: Wir nennen sie Semantik, um sie von der Semiotik zu unterscheiden. >Sprecherbedeutung/Ricoeur, >Dialog/Ricoeur. |
Ricoeur I Paul Ricoeur Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999 Ricoeur II Paul Ricoeur Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976 |
| Diskurs | Soziologie | Gaus I 156 Diskurs/Gesellschaftswissenschaften/Bohman: (...) [in den 60er und 70er Jahren des 20. Jahrhunderts] versuchte die Philosophie der Sozialwissenschaften eine 'interpretative Wende', bei der die eigenen Selbstinterpretationen der Handelnden zentral werden, um uns Handlungen verständlich zu machen, anstatt Handlungen im Licht von Kausalgesetzen oder Mechanismen zu erklären, die dem Beobachter zur Verfügung stehen. In der interpretierenden Sozialwissenschaft werden Texte und Diskurse zentrale Deutungsobjekte (Geertz, 1973(1); Taylor, 1985(2)), während die Konzentration auf die gemeinsame Bedeutung zur Ablehnung der Betonung individueller Präferenzen und der Aggregation führte, die den Theoretikern rationaler Entscheidungen gemeinsam sind. In der Sozialtheorie verliehen diese Wendungen der potentiell generativen Rolle der Kommunikation und der strukturierenden Rolle von Sprache und sprachlichen Praktiken neue Bedeutung. >Sprechakttheorie, >Diskurs/Politische Theorie. Gaus I 158 Sozialwissenschaftliche Ansätze nehmen die spezifischen Merkmale diskursiver Kontexte unter die Lupe, etwa die Rolle des sozialen Status bei der Entstehung des wissenschaftlichen Diskurses (Shapin, 1994)(3) oder die Rolle, die Sklaverei und rassische Kategorien im Diskurs über Staatsbürgerschaft in der amerikanischen Geschichte spielen (Smith, 1997)(4). Vgl. >Diskurstheorie/Bohman. Hier stellen wir fest, dass die tatsächlichen Diskurse umso mehr von den idealen prozeduralen Bedingungen abweichen, die ihre Rationalität ausmachen, je genauer wir sie betrachten. Darüber hinaus zeigt die an spezifische Situationen gebundene ethnomethodologische Diskursanalyse, dass Normen und Regeln in ihrer Anwendung in informellen Kontexten sehr flexibel und kontingent sind, auch wenn sie entscheidend für den Akt des Verständlichmachens anderer sind (Heritage, 1984)(5). Die Bewegung der kritischen Rechtswissenschaft hat gezeigt, dass viele Rechts- und Verfassungsnormen unbestimmt und sogar in der Lage sind, Entscheidungen zu rechtfertigen, die ihnen heute zu widersprechen scheinen (Unger, 1986)(6). Vs: Es gibt zwei Hauptkritiker, die diese empirisch informierten Herausforderungen in Bezug auf die Sprache der sozialen Macht einen Schritt weiterführen: Michel Foucault(1) und seine Theorie der 'diskursiven Formationen' als Regime der Wahrheit und Pierre Bourdieus Begriff der symbolischen Macht. >Diskurs/Foucault, >Diskurs/Bourdieu. 1. Geertz, Clifford (1973) Interpretation of Cultures. New York: Basic. 2. Taylor, Charles (1985) 'Interpretation and the sciences of man'. In his Collected Papers: Volume 2. Cambridge: Cambridge University Press. 3. Shapin, Stephen (1994) A Social History of Truth. Chicago, IL: University of Chicago Press. 4. Smith, Rogers (1997) Civic Ideals. New Haven: Yale University Press. 5. Heritage, John (1984) Garfinkel and Ethnomethodology. Cambridge: Polity. 6. Unger, Roberto (1986) The Critical Legal Studies Movement. Cambridge, MA: Harvard University Press. 7. Foucault, Michel (1977) Discipline and Punish. New York: Vantage. Bohman, James 2004. „Discourse Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Diskurstheorie | Bohman | Gaus I 156 Diskurstheorie/Bohman: (...) Es sind mehrere Ansätze der Diskurstheorie entlang dreier wichtiger Dimensionen zu unterscheiden: ob sie normativ, empirisch oder beides sind. Grenzen der Diskurstheorie: Bohman-These: [Ich] schlage vor, dass das Problem eher epistemischer als linguistischer Natur ist, eine Frage der genauen Natur des kritischen Know-hows, das für die Teilnahme an diskursiven Praktiken notwendig ist. Das eigentliche Ziel einer solchen diskursiven politischen Theorie ist es, die Sackgassen vergangener Debatten zu vermeiden: die Scylla einer leeren Idealisierung des Diskurses und die Charybdis eines blinden Skeptizismus, der keinen Leitfaden für die Praktiken bietet, in denen Diskurse eingesetzt werden. Entwicklung: Die Diskurstheorie wurde durch drei konkurrierende Ansätze entwickelt. 1) Konstruktiver Ansatz/normativer Ansatz: Der erste und im Großen und Ganzen "konstruktive" Ansatz ist grundsätzlich normativ, wobei das praktische Know-how sprechender und handelnder Subjekte zu einer Theorie der kommunikativen Rationalität entwickelt wird, die Auswirkungen darauf hat, wie wir über politische und rechtliche Institutionen denken sollten (Habermas, 1984(1); Rawls, 1999(2)). Der Ansatz begreift den Diskurs als eine regelgesteuerte Aktivität, deren Regeln als prozedurale Idealisierungen rekonstruiert werden können (wie z.B. allen die Möglichkeit zu geben, zu sprechen, sich auf alle Formen des Sprechens einzulassen usw.). Institutionen: Eine solche Theorie erlaubt es politischen Theoretikern, explizite Regeln für die Steuerung von Diskursen zu entwickeln, Regeln, die entweder eine Rolle bei der Kritik bestehender diskursiver Praktiken oder eine konstruktive Rolle bei der Bewertung und Gestaltung von Institutionen spielen können. >Diskurs/Habermas, >Verstehen/Habermas; - VsNormativer Ansatz: >Diskurs/Bourdieu. Gaus I 157 2) Struktureller Ansatz: (...) andere Diskurstheorien versuchen, tiefere, strukturellere Annahmen und Vorannahmen zu erfassen, die die tatsächliche Diskussion und Praxis prägen (Foucault, 1977(3); Bourdieu, 1991(4); Butler, 1993(5)). Dieser Ansatz identifiziert tiefe sprachliche Strukturen und verzichtet daher auf explizite Regeln und zielt stattdessen darauf ab, durch Normen wirkende tiefe praktische Zwänge aufzudecken. Er macht uns auf Machtverhältnisse innerhalb von Diskursen aufmerksam. >Diskurs/Gesellschaftswissenschaften. 3) Rekonstruktiver Ansatz/kritischer Ansatz: kombiniert die besten Eigenschaften von beiden (Bohman, 1996(6); Hoy und McCarthy, 1994(7)). Er sucht eine Theorie, die normativ ist, ohne sich ausschließlich auf Idealisierungen und kontrafaktische Ideale zu stützen, und empirisch, ohne allen Versuchen, diskursive Rechtfertigungspraktiken zu institutionalisieren, skeptisch gegenüberzustehen. Ein solcher Ansatz ist bei einigen Befürwortern der deliberativen Wende in der Demokratietheorie wirksam. >Deliberative Demokratie/Dryzek, >Deliberative Demokratie/Bohman. 1. Habermas, Jürgen (1984) The Theory of Communicative Action, vol. I. Boston: Beacon. 2. Rawls, John (1999) 'The idea of public reason revisited'. In Samuel Freeman, (Hrsg.), John Rawls: Collected Papers. Cambridge, MA: Harvard University Press: 573—615. 3. Foucault, Michel (1977) Discipline and Punish. New York: Vantage. 4. Bourdieu, Pierre (1991) Language and Symbolic Power. Cambridge: Polity. 5. Butler, Judith (1993) Bodies that Matter: On the Discursive Limits of Sex. London: Routledge. 6. Bohman, James (1996) Public Deliberation. Cambridge, MA: MIT Press. 7. Hoy, David and Thomas, McCarthy (1994) Critical Theory. London: Blackwell. Bohman, James 2004. „Discourse Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Dispositionen | Carnap | VII 119 Dispositionsbegriffe/Messen/Carnap: Lösung: Reduktionsaussagen, die den Charakter partieller oder konditionaler Definitionen besitzen: "Wenn ein Thermometer mit einem Gegenstand x in Kontakt steht, dann gilt T(x) = c genau dann, wenn das Thermometer c Grad anzeigt. - Keine kontrafaktischen Konditionale sondern indikative. Partielle Definition: durch Reduktionsaussagen: nur in Bezug auf die Gegenstände, die mit dem Thermometer in Kontakt stehen. Reduktionsaussagen entsprechen operationalen Definitionen. >Reduktion, >Reduktionismus, >Kontrafaktische Konditionale. |
Ca I R. Carnap Die alte und die neue Logik In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 Ca II R. Carnap Philosophie als logische Syntax In Philosophie im 20.Jahrhundert, Bd II, A. Hügli/P.Lübcke (Hg) Reinbek 1993 Ca IV R. Carnap Mein Weg in die Philosophie Stuttgart 1992 Ca IX Rudolf Carnap Wahrheit und Bewährung. Actes du Congrès International de Philosophie Scientifique fasc. 4, Induction et Probabilité, Paris, 1936 In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Ca VI R. Carnap Der Logische Aufbau der Welt Hamburg 1998 CA VII = PiS R. Carnap Sinn und Synonymität in natürlichen Sprachen In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Ca VIII (= PiS) R. Carnap Über einige Begriffe der Pragmatik In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 |
| Disquotationalismus | Field | II 122 Rein disquotational wahr: 1. Nur so ist Verallgemeinerung möglich - Bsp nicht jedes Axiom ist wahr - (man weiß aber noch nicht, welches) 2. "Wahr-so-wie-ich-es-verstehe" 3. Der Begriff ist gebrauchsunabhängig. Bsp "Schnee ist weiß" wahr zu nennen ist dasselbe wie Schnee weiß zu nennen. Es wird keine Eigenschaft zugeschrieben, die es nicht haben würde, wenn man den Satz anders gebrauchte. Alltagssprache: hier scheinen wir ein anderes W-Prädikat zu gebrauchen - Gebrauchs-Unabhängigkeit des W-Prädikats: ist notwendig für eine Verallgemeinerung bei unendlichen Konjunktionen/Disjunktionen - kontingent wahr: Bsp Euklidische Geometrie. Die Axiome hätten falsch sein können. Damit wollen wir nicht sagen, dass die Sprecher ihre Worte hätten anders gebrauchen können. ad II 105 Def disquotational/(s): Disquotational meint "wörtlich". Field: heuristisch: Zitattilgung meint "Wahrheit-so-wie-er-sie-versteht". ((s) Dies ist sprecherbezogen.) Das ist aber keine Definition von Wahrheit in Begriffen von Verstehen. Das ist bloß heuristisch. Deflationismus: Deflationismus führt zur kognitiven Äquivalenz. >Deflationismus. Disquotational wahr/Field: Disquotational wahr meint "wahr, so wie ich es verstehe." >Prinzip der Nachsicht, >Verstehen. II 123 Disquotational wahr ist anders als Tarski-wahr. >Tarski-Schema, >Wahrheitsdefinition/Tarski, >Wahrheitstheorie/Tarski, >Wahrheit/Tarski. II 135 Deflationismus/Field/(s): Gegensatz: semantisch/disquotational: semantisch: heißt, nicht einfach wörtlich etwas wiederholen, sondern Wahrheit feststellen, abhängig von Situation Bsp bei Indexwörtern - disquotational: Etwas nur wörtlich wiederholen, geht nicht bei Indices und Demonstrativa. >Indexwörter, >Indexikalität. II 152 Disquotationale Wahrheit: Problem: unübersetzbare Sätze sind nicht disquotational wahr. >Übersetzung. II 164 Disquotational wahr/disquotationale Referenz: entspricht der These, dass Tarskische Wahrheit nicht kontingent empirisch ist. Notwendig: sowohl "p" ist wahr gdw. p" als auch "Es ist wahr dass p gdw. p" denn die Gleichheit zwischen möglichen Welten ist nicht definiert - immer auf wirkliche Welt bezogen. >Mögliche Welten, >Querweltein-Identität, >Wirkliche Welt, >Aktualismus, >Aktualität. II 223 Radikaler Deflationismus/eng: Radikaler Deflationismus lässt keine inter-personelle Synonymie zu - nur eine rein disquotationale Wahrheit. Es geht darum, wie der Hörer den Satz versteht, nicht um den Sprecher. Vgl. >Spracherbedeutung, >Sprecherintention. II 259 Def Disquotationalismus/Field: Die These, dass die Frage kraft welcher Tatsachen Bsp "Entropie" auf Entropie referiert, sinnlos ist. >Referenz. II 261 Nondisquotationale Sicht/ND-Sicht/Unbestimmtheit/VsDisquotationalismus: Die ND-Sicht muss eine Unbestimmtheit unserer Begriffe auf einer substantiellen Ebene annehmen - auch für logische Konstanten? >Unbestimmtheit. II 269 Disquotationale Sicht/Wahrheit/Referenz/Semantik/Logik/Field: Pointe: Wahrheit und Referenz sind hier nicht wirklich semantische Begriffe, sondern logische - weil sie vor allem auf unseren Idiolekt angewendet werden. >Logik, >Semantik, >Idiolekt. Hier fungieren sie als logische Begriffe (Bsp "wahr" zur Verallgemeinerung). Pointe: Dass "Kaninchen" auf Kaninchen referiert, ist dann eine logische Wahrheit, keine semantische - dann gibt es noch Unbestimmtheit bei der Übersetzung. II 272 Disquotationale Sicht/Disquotationalismus: Für die disquotationale Sicht ist die relevante Struktur einer Sprache nicht in referentiellen Begriffen zu verstehen, sondern in Begriffen von Reizbedeutung, inferentieller Rolle und Indikationsrelation. >Stimuli, >Stimulusbedeutung, >Zeigen, >Ostension, >Inferenz, >Inferentialismus. |
Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Disruption | Schumpeter | Sobel I 13 Disruption/Schöpferische Zerstörung/Schumpeter/Sobel/Clemens: ((s) Schumpeter verwendet den Begriff Disruption nicht) „Der grundlegende neue Impuls, der den kapitalistischen Motor in Gang setzt und in Gang hält, kommt von den neuen Konsumgütern, den neuen Produktions- oder Transportmethoden, den neuen Märkten, den neuen Formen der industriellen Organisation, die das kapitalistische Unternehmen schafft ... das die Wirtschaftsstruktur unaufhörlich von innen heraus revolutioniert, indem es unaufhörlich die alte zerstört und eine neue schafft. Dieser Prozess der schöpferischen Zerstörung ist die wesentliche Tatsache des Kapitalismus."(1) Schöpferische Zerstörung*/Schumpeter/Sobel/Clemens: In Schumpeters Worten ist es die Schaffung einer neuen Kombination von Ressourcen. Wir betrachten sie auch als Fortschritt - etwas, das die Zukunft besser macht als die Vergangenheit: wie die Erfindung des zeitsparenden Wäschetrockners, des Mikrowellenofens oder des schnellen Transports durch das Flugzeug. Was wir nicht immer bedenken, ist, dass er insofern zerstörerisch ist, als dass die alte Art, Dinge zu tun, dadurch oft ausstirbt. Der vielleicht bekannteste Beitrag von Joseph Schumpeter ist seine Erörterung dieses evolutionären Prozesses und der Begriff „schöpferische Zerstörung“, den er 1942 in seinem Buch Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (CSD)(1)* verwendete. (...) Beispiele für den von Schumpeter beschriebenen Prozess der schöpferischen Zerstörung: Das vielleicht am häufigsten verwendete ist das Beispiel des Automobils, das das Pferd und die Kutsche ersetzt. Sobel I 14 Schöpferische Zerstörung/Schumpeter: „Der wesentliche Punkt, den es zu begreifen gilt, ist, dass wir es beim Kapitalismus mit einem evolutionären Prozess zu tun haben ... Der Kapitalismus ist also von Natur aus eine Form oder Methode des wirtschaftlichen Wandels und ist nicht nur niemals stationär, sondern kann es auch nicht sein ... Der grundlegende neue Impuls, der den kapitalistischen Motor in Gang setzt und in Gang hält, kommt von den neuen Konsumgütern, den neuen Produktions- oder Transportmethoden, den neuen Märkten, den neuen Formen der industriellen Organisation, die das kapitalistische Unternehmen schafft ... derselbe Prozess der industriellen Mutation ..., der unaufhörlich die wirtschaftliche Struktur von innen heraus revolutioniert, unaufhörlich die alte zerstört und unaufhörlich eine neue schafft. Dieser Prozess der schöpferischen Zerstörung ist die wesentliche Tatsache des Kapitalismus. Er ist das, was den Kapitalismus ausmacht und was jedes kapitalistische Unternehmen zu leben hat ... Jedes Stück Unternehmensstrategie erlangt seine wahre Bedeutung nur vor dem Hintergrund dieses Prozesses und in der durch ihn geschaffenen Situation.“ (CSD(1): 82-84)(1) Sobel I 15 Sobel/Clemens: Schumpeter selbst befasste sich viel mehr mit dem Marktsystem als Prozess und nicht mit einem bestimmten Ergebnis, das es zu einem bestimmten Zeitpunkt hervorbringen kann - und für ihn ist dieser Prozess „niemals stationär“, sondern ständig im Gange - immerwährend. Die schöpferische Zerstörung ist in der Tat ein zentrales Element von Schumpeters Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, d. h. der Art und Weise, wie sich marktbasierte Gesellschaften im Laufe der Zeit weiterentwickeln. In seinem 1934 erschienenen Buch The Theory of Economic Development (TED)(2) erörtert er die verschiedenen Arten von Veränderungen, die er als Teil dieses Prozesses der schöpferischen Zerstörung betrachtet: Dieses Konzept umfasst die folgenden fünf Fälle: (1) Die Einführung einer neuen Ware, d.h. einer Ware, die die Verbraucher noch nicht kennen, oder einer neuen Qualität einer Ware. (2) Die Einführung einer neuen, d. h. in dem betreffenden Produktionszweig noch nicht durch Erfahrung erprobten Produktionsmethode, die keineswegs auf einer wissenschaftlich neuen Entdeckung beruhen muss und auch in einer neuen Art der kommerziellen Behandlung einer Ware bestehen kann. (3) Die Erschließung eines neuen Marktes, d. h. eines Marktes, in den der betreffende Produktionszweig des Landes bisher nicht vorgedrungen ist, unabhängig davon, ob dieser Markt schon vorher bestanden hat oder nicht. (4) Die Eroberung einer neuen Bezugsquelle von Rohstoffen oder Halbfabrikaten, wiederum unabhängig davon, ob diese Bezugsquelle bereits besteht oder erst geschaffen werden muss. (5) Die Durchführung der Neuorganisation eines Wirtschaftszweiges, wie die Schaffung einer Monopolstellung (z. B. durch Treuhandschaft) oder die Zerschlagung einer Monopolstellung. (TED: 66)(2) Natürlich umfasste Schumpeters Sichtweise dieses Prozesses nicht nur ein neues Gut (das Automobil), das ein altes (Pferd und Wagen) ersetzte, sondern auch Veränderungen in den Produktionsprozessen (wie das Fließband oder Franchising) sowie die Erschließung neuer Bezugsquellen oder neuer Märkte. >Schöpferische Zerstörung/Kirzner. 1. Schumpeter, Joseph A. (1942). Capitalism, Socialism, and Democracy [CSD]. Harper & Brothers. pp.82-84. 2. Schumpeter, Joseph A. (1934). The Theory of Economic Development [TED]. Harvard University Press. |
EconSchum I Joseph A. Schumpeter Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912 Sobel I Russell S. Sobel Jason Clemens The Essential Joseph Schumpeter Vancouver 2020 |
| Distribution | Lyons | I 72 Def Distribution/Linguistik/Lyons: Jede linguistische Einheit hat eine charakteristische Distribution, nämlich die Menge der Kontexte, in denen sie stehen kann. >Kontext. Distributionsäquivalent: Zwei Ausdrücke können in denselben Kontexten stehen. Entsprechend sind sie distributions-komplementär bzw. distributions–überschneidend. Wenn zwei Einheiten zumindest teilweise distributionsäquivalent sind, können sie nicht miteinander kontrastieren. Vgl. >Opposition/Saussure. I 145 Distribution/Grammatik/Lyons: Distribution können wir als Ausgangspunkt einer grammatischen Beschreibung nehmen: Äußerungen haben Bedeutung, wenn sie in einem passenden Kontext gebraucht werden. >Äußerungen/Lyons, >Grammatik, >Bedeutung. I 147 Distributionsanalyse/Grammatik/Lyons: Eine Liste wäre nicht die direkteste Beschreibung eines Textes: in einer hinreichend großen Sprachprobe wird eine beträchtliche Überschneidung in der Distribution verschiedener Wörter festzustellen sein. Vgl. >Listen. Distributionsklassen: Klassen von Wörtern, die in einem Satz füreinander eingesetzt werden können. Bsp „ich trinke Bier“: Schnaps, Milch, Wasser... usw. >Wortklassen, vgl. >P. Gärdenfors. Allgemein/formal: Bsp Wir nehmen ein Materialkorpus von 17 „Sätzen“ an: ab,ar,,pr,qab,dpb,aca,pca,pcp,qar,daca,dacp,dacqa,dacdp,acqp,acdp. Buchstaben: stehen hier für Wörter. I 148 Problem: Wir haben noch keine Unterscheidung zwischen „grammatisch richtig“ und „bedeutungshaft“ (sinnvoll). >Sinnvolles/Sinnloses, >Akzeptierbarkeit/Lyons. In unserem Beispiel haben a und p gewisse Kontexte gemeinsam (nämlich –r,pc-, dac-), ebenso b und r (a-,qa) und d und q (dac-a,-aca, ac-p) c: ist in seiner Verteilung (a-a,p-c,p-p,qa-a,da-a,da-p) einzigartig, weil kein anderes Wort im gleichen Kontext wie c zu finden ist. X: wir fügen nun a und p in der Klasse CX zusammen und fügen diese Klassenbezeichnung überall ein, wo entweder a oder p vorkommen. Die Sätze, die sich nur dadurch unterscheiden, dass dort o steht, wo der andere Satz a hat, werden dadurch zu einer Klasse zusammengefaßt. ((s) „disjunktiv“): Xb,Xr,(ar,pr), qXb,dXb,XcX, (aca, pca, pcp), qXr, qXcX,dXcX (daca,dacp), dXcqX,dXcdX,qXcdX,XcdX,XcqX,XcdX. Y: setzen wir für b und r, Z: für d und q. Dann erhalten wir 1. XY, (Xb,Xr) 2. ZXY (qXb, qXr, dXb) 3. XcX, 4. ZXcX (qXcX, dXcX) 5. ZXcZX (dXcqX, dXcdX, qXcdX) 6. XcZX (XcqX, XcdX). Pointe: Damit können wir die 17 Sätze unseres Korpus durch sechs Strukturformeln erfassen. (c ist eine eingliedrige Klasse). Sie geben an, welche Folgen von Wortklassen akzeptierbar sind. Die Folgen sind linear. (s.u.). Richtigkeit: Grammatisch richtig sind in unserem Beispiel Sätze, die sich aus diesen Strukturregeln ergeben. Das wird nur dadurch erreicht, dass die vorkommenden Sätze als Glieder einer Obermenge von 48 Sätzen gelten. (Die Zahl 48 erhalten wir, indem wir die Formeln für syntagmatische Länge (s.o. I 82) auf jede der sechst Satztypen anwenden und die Ergebnisse addieren). I 149 Generativ/generative Grammatik/Lyons: Die „Grammatik“ in unserem Beispiel ist insofern generativ, als sie jedem Satz der in der „Probe“ vorkommt, eine bestimmte strukturelle Beschreibung zuordnet, Bsp pr ist ein Satz mit der Struktur XY, pcda einer mit der Struktur XcZY usw. >Generative Grammatik. Grammatik/Lyons: Grammatik, so wie sie hier verstanden wird, ist nichts anderes als die Beschreibung der Sätze einer Sprache als Kombinationen von Wörtern und Wortgruppen aufgrund deren Zugehörigkeit zu Distributionsklassen. Sie ist eine Art „Algebra“, bei der die Variablen die Wortklassen und die Konstanten bzw. die von den Variablen in bestimmten Sätzen angenommenen Werte die einzelnen Wörter sind. >Grammatik, vgl. >Syntax. |
Ly II John Lyons Semantics Cambridge, MA 1977 Lyons I John Lyons Einführung in die moderne Linguistik München 1995 |
| Diversität (Soziologie) | D’Agostino | Gaus I 239 Diversität/Pluralismus/D'Agostino: Es wird nützlich sein, zu Beginn die Tatsache der Diversität von der These des Pluralismus zu unterscheiden, oder, genauer gesagt, von verschiedenen pluralistischen Lehren und Argumenten. Die Tatsache der Diversität ist überall in unseren sozialen Welten offensichtlich. Individuen äußern unterschiedliche Präferenzen, vielleicht sogar unterschiedlich "reflektierte" (d.h. gut informierte, sorgfältig überlegte und entsprechend "unparteiische") Urteile, wenn es um die Art und Weise geht, wie ihr persönliches und kollektives Leben organisiert werden soll. Prinzipien/Rawls: Von besonderer politischer Relevanz ist, wie John Rawls erkannte, die Tatsache, dass Menschen "sich nicht darüber einig sind, welche Prinzipien die grundlegenden Bedingungen ihres Zusammenlebens definieren sollen" (1973(1): 5). Begriffe/Bedeutung/Walzer: Unterschiedliche Standards für die Bewertung von Optionen sind auch in verschiedenen sozialen Bereichen aktuell (Walzer, 1983(2)), was unter anderem bedeutet, dass sogar die Einstellungen eines bestimmten Individuums möglicherweise nicht in allen Bereichen stabil sind, in denen es Gelegenheit hat, Rollen auszuüben. Ethik/Nagel: Von besonderer politischer Relevanz ist die Tatsache, dass, wie Thomas Nagel feststellte, "Konflikte zwischen persönlichen und unpersönlichen [ethischen] Ansprüchen allgegenwärtig sind" und "nicht dadurch gelöst werden können, dass man einen der beiden Gesichtspunkte unter den anderen oder beide unter einen dritten subsumiert" (1979(3): 134). Probleme: Nehmen wir z.B. an, dass A X gegenüber Y und B Y gegenüber X vorzieht, dass aber A und B eine kollektiv verbindliche Wahl zwischen diesen beiden Optionen treffen müssen. Oder überlegen Sie, was passieren könnte, wenn A, der vielleicht als Vertreter eines Kollektivs handelt, sich in einer Situation befindet, in der nach einem für seine Wahl relevanten Kriterium X gegenüber Y vorzuziehen ist, während nach einem anderen, ebenfalls relevanten Kriterium Y gegenüber X vorzuziehen ist. Tragisches Dilemma/Nozick/Benn/Nussbaum: In einigen Fällen, z.B. wenn die entscheidungsrelevanten Kriterien aus verschiedenen Bereichen stammen und als "Nebenbedingungen" für das Handeln (Nozick, 1974)(4) und nicht als zu maximierende Werte mit "Kompromissen" konstituiert werden, kann A vor einem "tragischen Dilemma" stehen, wie es von Theoretikern wie Stanley Benn (1988)(5) und Martha Nussbaum (1986)(6) analysiert wird. Vgl. >Konflikte/Tetlock, Gaus I 240 Diversität/Pluralismus/D'Agostino: Diversität ist also ein bekanntes Phänomen mit einer gewissen potentiellen Relevanz für die politische Theorie und Praxis. Pluralismus hingegen ist in Thesen und Argumenten über dieses Phänomen verankert. >Pluralismus/D'Agostino. 1. Rawls, John (1973) A Theory of Justice. Oxford: Oxford Umversity Press. 2. Walzer, Michael (1983) Spheres of Justice: A Defense of Pluralism and Equality. Oxford: Blackwell. 3. Nagel, Thomas (1979) 'The fragmentation of value'. In Alan Ryan, Hrsg., The Idea of Freedom. Oxford: Oxford University Press. 4. Nozick, Robert (1974) Anarchy, State and Utopia. Oxford: Blackwell. 5. Benn, Stanley (1988) A Theory of Freedom. Cambridge: Cambridge University Press. 6. Nussbaum, Martha (1986) The Fragility of Goodness. Cambridge: Cambridge University Press. D’Agostino, Fred 2004. „Pluralism and Liberalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Diversität (Soziologie) | Waldron | Gaus I 90 Diversität/Gesellschaft/Toleranz/Pluralismus/Liberalismus/Waldron: (...) Indem wir liberale Prinzipien und liberale Lösungen für die Probleme des gesellschaftlichen Lebens ausarbeiten und verteidigen (...), scheinen wir inmitten der kulturellen und ethischen Pluralität Partei zu ergreifen. Toleranz/Locke/Waldron: (...) ein Teil der Locke'schen Verteidigung der religiösen Toleranz ist auf religiösen Grundlagen aufgebaut: "Die Toleranz derer, die sich in Religionsfragen von anderen unterscheiden", so Locke, "ist dem Evangelium Jesu Christi so angenehm, dass es ungeheuerlich erscheint, dass die Menschen so blind sind, um die Notwendigkeit und den Vorteil davon nicht in einem so klaren Licht zu sehen" (1983(1): 25). >Toleranz/Locke. Problem/Waldron: Vielleicht kann man nicht erkennen, was wirklich wichtig an der Toleranz ist, außer aus einer Perspektive, die sich auf bestimmte Werte und bestimmte philosophische Vorstellungen beruft. Gaus I 91 Hobbes: Ein anderer könnte sich für einen Ansatz des "kleinsten gemeinsamen Nenners" entscheiden und dabei die rechtfertigenden Prämissen betonen, die alle Mitglieder einer pluralistischen Gesellschaft unabhängig von den Unterschieden in ihrer Ethik oder Weltanschauung vermutlich akzeptieren werden. Die Formulierung "kann als akzeptiert vorausgesetzt werden" kann auf verschiedene Weise beschönigt werden, von der Idee allgemein zugänglicher Gründe und Argumentation bis hin zu einer ziemlich aggressiven Darstellung grundlegender menschlicher Interessen, wie die von Hobbes (1991)(2) entwickelte Überlebensstrategie. >Toleranz/Waldron. Gaus I 94 Individualismus/Rawls/SandelVsRawls/Kommunitarismus/Waldron: (...) Der Individualismus von Rawls' dünner Theorie zog Kritik von kommunitaristischen Philosophen auf sich, die die implizite Annahme zurückwiesen, dass individuelle Lebenspläne von Personen gewählt werden, die nicht durch frühere Verpflichtungen und Loyalitäten belastet sind. Diejenigen, die sich im Wesentlichen als Mitglieder einer bestimmten Familie oder Gemeinschaft oder bestimmter Völker betrachteten, könnten es schwierig finden, eine Theorie der Gerechtigkeit zu akzeptieren, die sich auf der grundlegenden Ebene am Wohlergehen von Personen orientiert, die als von allen derartigen Bindungen befreit angesehen werden (Sandel, 1982)(4). Diversität/Inhomogenität/Gesellschaft/Rawls: "[W]ie ist es möglich", fragte Rawls, "dass es im Laufe der Zeit eine gerechte und stabile Gesellschaft von freien und gleichen Bürgern gibt, die durch vernünftige religiöse, philosophische und moralische Lehren tief gespalten bleiben?" (1993(3): 4). Gauß I 95 Waldron: Der Schlüssel (...) ist, darauf zu bestehen, dass eine akzeptable Gerechtigkeitstheorie, T, so beschaffen sein muss, dass unter den Gründen für die Ablehnung von T oder die Nicht-Übereinstimmung von T, keiner sich gegen die Verpflichtung von T auf eine bestimmte Wertvorstellung oder eine andere umfassende philosophische Konzeption wendet. >Individualismus/Rawls, >Rawls/Waldron. Lösung/Rawls: Stattdessen entwickelt Rawls die Idee, dass T einen überlappenden moralischen Konsens zwischen {C1, C2, ... , Cn } darstellen sollte. Damit meint er, dass T für die Anhänger von C1 aus moralischen Gründen akzeptabel gemacht werden könnte, als auch für die Anhänger von C2 und so weiter. Vielfalt/Toleranz/Locke/Kant/Rawls/Waldron: So kann zum Beispiel die Behauptung, dass religiöse Toleranz als eine Frage der Gerechtigkeit erforderlich ist, von Christen aus Locke'sche-Gründen, die mit der individualisierten Verantwortung eines jeden Menschen gegenüber Gott für seine eigenen religiösen Überzeugungen zu tun haben, von säkularen Locke-Anhängern aus Gründen der Unabänderlichkeit des Glaubens gegenüber Zwang, von Kantianern aus Gründen der hohen ethischen Gaus I 96 Bedeutung, die der Autonomie beigemessen wird, von Anhängern von John Stuart Mill auf der Grundlage der Bedeutung der Individualität und des freien Zusammenspiels von Ideen usw. bestätigt werden. >Toleranz/Locke. Waldron: Ob dies tatsächlich funktioniert, ist eine Frage, die wir in Betracht gezogen haben, als wir Ackermans Ansatz zur Neutralität diskutiert haben. >Neutralität/Waldron, >Überlappender Konsens/Rawls. 1. Locke, John (1983 [1689]) A Letter Concerning Toleration, ed. James H. Tully. Indianapolis: Hackett. 2. Hobbes, Thomas (1991 [1651]) Leviathan, ed. Richard Tuck. Cambridge: Cambridge University Press. 3. Rawls, John (1993) Political Liberalism. New York: Columbia University Press. 4. Sandel, Michael (1982) Liberalism and the Limits of Justice. Cambridge: Cambridge University Press. Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Dualismus | Chalmers | I 125 Dualismus/Bewusstsein/Chalmers: Wir haben gesehen dass der Materialismus wegen der fehlenden logischen Supervenienz bewussten Erlebens auf physikalischen Tatsachen scheitert. >Supervenienz, >Bewusstsein/Chalmers, >Bewusstsein, >Materialismus. Daraus folgt ein Dualismus, aber kein Cartesischer Dualismus, der einen „Geist in der Maschine“ annimmt, der extra kausale Arbeit leistet. Stattdessen folgt für uns eine Art Eigenschaftsdualismus. >Eigenschaftsdualismus, vgl. >R. Descartes. I 134 Dualismus/Chalmers: Man könnte den Dualismus vermeiden, indem man eine Zombie-Welt, die physikalisch identisch mit unserer ist, als falsch beschrieben bezeichnet. >Zombies/Chalmers. I 135 Diese Welt wäre gleichzeitig identisch und verschieden. Wir könnten die physikalischen Eigenschaften mit dem Operator „ddieses“ („dthat“) starr machen, Bsp ddieses(spielt die Rolle von…). >"ddieses", >Starrheit, >Operatoren, >Eigenschaften. Pointe: Dann würde die Zombie-Welt einige Eigenschaften nicht haben, die unsere Welt hat. Pointe: Dann könnte Bewusstsein metaphysisch auf anderen Eigenschaften supervenieren. Das wäre ein interessantes Argument. >Metaphysische Möglichkeit, >Metaphysik. ChalmersVsVs: 1. Ist das spekulativ. 2. (direkter): Es beruht auf einer unkorrekten Semantik physikalischer Begriffe. I 136 Bsp Ein Elektron mit noch unerkannten Eigenschaften würden wir immer noch ein Elektron nennen, nicht aber ein Elektron mit Eigenschaften eines Protons. >Bedeutungswandel, >Theoriewandel. Metaphysik/Chalmers: Die Semantik ist hier nicht so entscheidend, aber die metaphysische Frage bleibt. I 154 Def Protophänomenale Eigenschaft/Chalmers: Eine protophänomenale Eigenschaft beinhaltet als einzelne nicht selbst Erleben, mehrere gleichzeitig vorhandene könnten es aber. Das ist merkwürdig für uns, kann aber nicht a priori ausgeschlossen werden. Das würde eine kausale Rolle des Phänomenalen nahelegen. Vgl. >Emergenz, >Kausalität, >Phänomene, >Erleben, >Wissen wie. Eine solche Theorie zu vertreten würde einfach bedeuten, eine andere mögliche Welt anzunehmen, wo etwas anderes die Rolle der Verursachung innehat, aber logisch ausgeschlossen wäre eine solche Welt nicht. >Verursachung. I 155 Dualismus/Chalmers: Wenn wir eine solche Position einnehmen würden, verträten wir einen essentiellen Dualismus. >Essentialismus. ChalmersVsDualismus: Man kann diese Position aber auch nichtdualistisch verstehen, wenn auch nicht als materialistischen Monismus. Sie liefert dann ein Netzwerk intrinsischer Eigenschaften, das die extrinsischen physikalischen Eigenschaften „realisiert“ (verwirklicht). >Monismus, >Extrinsisch, >Intrinsisch, vgl. >Exemplifikation. Die Gesetze sind immer noch die physikalischen. In extremster Form, wenn alle intrinsischen Eigenschaften phänomenal sind, haben wir es mit einer Variante des Idealismus zu tun, aber nicht nach Art von Berkeley. >G. Berkeley, >Idealismus. Am ehesten würde es einer Version von Russells neutralem Monismus entsprechen: I 155 Monismus/Russell/Chalmers: Neutraler Monismus: Die grundlegenden Eigenschaften der Welt sind weder physikalische noch phänomenale, sondern das Physische und das Phänomenale sind beide aus diesem Grundlegenden aufgebaut. Das Phänomenale ist aus den intrinsischen Naturen gebildet, das Physische aus den extrinsischen. I 156 Dualismus/Def Interaktionistischer Dualismus/Def Interaktionismus/Chalmers: Hier füllt Erfahrung die kausalen Lücken im physikalischen Prozess. >Erfahrung, >Erleben. ChalmersVs: Das schafft mehr Probleme als es löst. Es löst nicht die Probleme mit dem Epiphänomenalismus. >Epiphänomenalismus. Pro: Das einzige Argument für den interaktionistischen Dualismus sind einige Eigenschaften der Quantenmechanik, die besser erklärt werden könnten. (Eccles 1986)(1) I 157 ChalmersVsEccles: Die Effekte wären viel zu klein, um eventuelle Verhaltensänderungen zu bewirken. Weitere Gegenargumente: VsInteraktionistischer Dualismus/VsInteraktionismus/Chalmers: 1. Er widerspricht dem quantenmechanischen Postulat, dass die mikroskopischen „Entscheidungen“ zufällig sind. 2. Ein Verhalten, dass durch diese mikroskopischen Einflüsse ausgelöst wurde, müsste sich von anders ausgelöstem Verhalten unterscheiden. ChalmersVsEccles: Solche Theorien schweigen sich auch darüber aus, was im Gehirn passieren soll, wenn die Wellenfunktion kollabiert. ChalmersVsInteraktionistischer Dualismus: dieser macht das Phänomenale irrelevant: I 158 ChalmersVsEccles: Wenn es seine Psychonen gibt, dann kommen sie mit rein kausalen Interaktionen aus, ohne angenommene phänomenale Eigenschaften. VsChalmers: Man könnte einwenden, dass Psychonen (oder Ektoplasma oder was immer) durch phänomenale Eigenschaften erst konstituiert sind. ChalmersVsVs: Selbst dann sind ihre phänomenalen Eigenschaften irrelevant für Verhaltenserklärung: in der Geschichte über Verursachung sind es nur die relationalen Eigenschaften, die zählen. Es bleibt also bei der kausalen Geschlossenheit des Physischen. ChalmersVsInteraktionismus/ChalmersVsEccles: selbst wenn man Psychonen annähme, könnte man eine Geschichte über Zombies erzählen, die Psychonen involvierte. Man müsste dann wiederum zusätzliche phänomenale Eigenschaften von Psychonen annehmen, ohne sie nachweisen zu können. I 162 Def Interaktionistischer Dualismus/Chalmers: Der interaktionistische Dualismus akzeptiert, dass Bewusstsein nicht-physikalisch ist (VsMaterialismus) aber er leugnet, dass die physikalische Welt kausal geschlossen ist, so dass Bewusstsein eine autonome kausale Rolle spielen kann. >Kausale Rolle, >Kausalität, >Verursachung. I 162 Naturalistischer Dualismus/Chalmers: So charakterisiere ich meine eigene Sicht: Chalmers These: Bewusstsein superveniert natürlich auf dem Physischen, ohne logisch oder „metaphysisch“ zu supervenieren. >Supervenienz. Ich behaupte, dass der Materialismus falsch ist und dass der Bereich des Physikalischen kausal abgeschlossen ist. ChalmersVsMaterialismus. I 171 Naturalistischer Dualismus/Chalmers: Diese meine Position wird schon von vielen implizit geteilt, die sich selbst noch „Materialisten“ nennen. Alles was ich gemacht habe ist, die ontologischen Implikationen der naturalistischen Sicht – dass Bewusstsein aus dem Physischen (oder Physikalischen) „entsteht“, explizit zu machen. Wir müssen gar nicht viel aufgeben, was für unsere wissenschaftliche Weltsicht wichtig ist. Vgl. >Emergenz. 1. 1. Eccles, J.C. (1986) Do Mental Events Cause Neural Events Analogously to the Probability Fields of Quantum Mechanics? Proceedings of the Royal Society of London. Series B, Biological Sciences, 227, 411-428. http://dx.doi.org/10.1098/rspb.1986.0031 |
Cha I D. Chalmers The Conscious Mind Oxford New York 1996 Cha II D. Chalmers Constructing the World Oxford 2014 |
| Dualismus | McGinn | II 37 Dualismus/McGinn: kommt unserem Alltagsverstand viel näher als andere Sichtweisen. Def Dualismus/McGinn: die Auffassung, dass zwischen Geist und Gehirn keinerlei logische Beziehung besteht. Dass wir den Geist nicht mit Bezug auf das Gehirn erklären können, liegt daran, dass es nicht essentiell vom Gehirn abhängt. Bewusstsein ist eine eigene grundlegende Größe im Universum, wie Raum, Zeit, Materie. Wahrnehmung/Geist,Gehirn/McGinn: Bsp dass ich einen lauten Knall wahrnehme, stellt sich als eine andere Art von Erscheinung dar, als die elektrische Aktivität in meinem Gehirn. II 38 McGinnVsDualismus: das Problem ist, dass er bei der Deutung von Daten zu weit geht. Er reagiert auf den äußeren Anschein, indem er erklärt, der Geist sei von Gehirn so gut wie unabhängig. 1. Das Zombie-Problem 2. Das Gespenster-Problem Zombie/Dualismus/McGinn: das Zombie-Problem des Dualismus besteht darin, dass er uns erlaubt, den Geist vom Gehirn abzuziehen und dabei das Gehirn intakt zu lassen. Die Zombie-Alternative ist dem Epiphänomenalismus verpflichtet. >Zombies, >Epiphänomenalismus. II 40 Def Gespenster-Problem/McGinn: die Umkehrung des Zombie-Problems: Wenn der Geist vom Körper getrennt ist, kann nicht nur das Gehirn ohne den Geist existieren, sondern auch der Geist ohne das Gehirn. Wie könnte der Geist dann auf die physikalische Welt wirken? Warum verfügen wir überhaupt über so komplexe Gehirne, wenn sie für das Funktionieren unseres Geistes so entbehrlich sind? Warum löschen Hirnschäden geistige Fähigkeiten aus? II 107ff Dualismus/McGinn: es gibt zwei mögliche Dualismen ohne Gott: 1. Hyperdualismus 2. Panpsychismus Def Hyperdualismus/McGinn: Angenommen, beim Urknall habe es zwei Universen gegeben, ein materielles und ein paralleles, das nur aus Bewusstsein bestand. Es enthält keine Materie, nicht einmal Raum. Es besteht in einer Art Weltgeist, einem weiten Meer bewusster Empfindungen. Es ist aber völlig unorganisiert. Es gibt kein Selbst, keinen individuellen Geist, wie wir ihn kennen. Wir können uns vorstellen, es enthalte Partikel, Grundbausteine dessen, was später zu Geist werden wird. Def Panpsychismus/McGinn: verlagert den Geist in die materielle Welt zurück.(VsHyperdualismus). ("Elvis is everywhere"). >Panpsychismus. Er besagt, dass Bewusstsein überall ist und durch das All wabert (vermutlich mit Elvis zusammen). D.h. alle Materie, auch Steine Plankton, Elektronen und Sterne tragen eine Spur von Bewusstsein in sich. Die materiellen Bestandteile des Gehirns schleppen bereits ihr eigenes spezielles Bewusstseinspäckchen mit sich. II 119 Damit behauptet er, wir wüssten bereits, welche Eigenschaften des Gehirns Bewusstsein entstehen ließen, nämlich die einzelnen Bausteine. (VsEmergenz). a) harte Version des Panpsychismus: die Neuronen im Gehirn fühlen buchstäblich den Schmerz, sehen Gelb, denken ans Abendessen. - und dasselbe tun auch Elektronen und Sterne. Gehirn/Panpsychismus/McGinn: es bleiben immer noch Probleme bezüglich der generativen Kräfte des Gehirns: zwei Standpunkte: a) Das Gehirn spielt eine minimale Rolle, nur eine Art Auslöser b) Das Gehirn spielt eine aktivere Rolle: das Gehirn bedient sich der Eigenschaften der Materie und verwandelt sie kraft seiner besonderen Struktur in Bewusstsein. McGinn pro! McGinn pro Panpsychismus: alle Materie muss das Potential haben, Bewusstsein mitzubegründen. >Aufmerksamkeit/Chalmers. |
McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Dumping | Feenstra | Feenstra I 7-2 Dumping/Feenstra: Wir schlagen vor, dass dieses Phänomen als ein natürlicher Versuch unvollkommen wettbewerbsfähiger Unternehmen angesehen werden kann, in den Markt des jeweils anderen einzutreten, wie im Modell des „gegenseitigen Dumpings“ von Brander (1981)(1) und Brander und Krugman (1983)(2). Dies dürfte den Verbrauchern Vorteile in Form niedrigerer Preise bringen. Diese Vorteile werden durch die Anwendung von Antidumpingzöllen ausgeglichen, zumal diese Zölle als endogen zu betrachten sind: ihre Anwendung hängt von den Preisen ab, die von den exportierenden Unternehmen verlangt werden. Vgl. >Zölle/Feenstra. Für die exportierenden Unternehmen besteht ein Anreiz, ihre Preise zu erhöhen, selbst wenn nur die Einführung von Antidumpingzöllen droht, und sie noch weiter zu erhöhen, wenn die Zölle tatsächlich eingeführt werden. Aus diesen Gründen sind die Verluste für Verbraucher und Gesellschaft aufgrund von Antidumpingmaßnahmen besonders hoch. Wir überprüfen empirische Arbeiten von Prusa (1991(3), 1992(4)), Staiger und Wolak (1992)(5) und Blonigen und Haynes (2002)(6), die die Preis- und Mengeneffekte von Antidumpingmaßnahmen schätzen. Feenstra I 7-44 Wenn es ein Argument für den Schutz der jungen Industrie gibt, wonach ein Anstieg des Einfuhrpreises das Überleben eines Unternehmens ermöglicht, dann sollte auch der umgekehrte Fall zutreffen: ein Rückgang der Einfuhrpreise könnte ein Unternehmen zur Schließung veranlassen. >Infant industry/Feenstra. Dies wäre ein Beispiel für „räuberisches Dumping“, bei dem ein ausländischer Exporteur seine Preise in der Erwartung senkt, dass er seine Konkurrenten im Inland aus dem Geschäft drängt. Ein Modell des räuberischen Dumpings wurde von Hartigan (1996)(7) entwickelt und beruht wie das Argument der jungen Industrie auf einer Unvollkommenheit des Kapitalmarktes, die das heimische Unternehmen daran hindert, eine Periode negativer Gewinne zu überstehen. Soweit räuberisches Dumping überhaupt vorkommt, ist es vermutlich selten. Dagegen sind Dumpingvorwürfe ein weit verbreitetes Phänomen, das immer häufiger vorkommt. Darüber hinaus werden Dumpingvorwürfe häufig gegen Handelspartner in derselben Branche erhoben, z. B. beschuldigen die USA europäische Länder und Japan, Stahl in den USA zu dumpen, und diese anderen Länder beschuldigen wiederum die USA, dort Stahl zu dumpen! Das hört sich überhaupt nicht nach „räuberischem Dumping“ an, sondern muss eine andere Begründung haben. In seiner klassischen Auflistung der Gründe für Dumping spricht Jacob Viner von „langfristigem“ oder ‚kontinuierlichem‘ Dumping, um „die volle Produktion der bestehenden Anlagen aufrechtzuerhalten, ohne die Preise zu senken“ (Viner, 1966(8), S. 23, zitiert von Staiger und Wolak, 1992(5), S. 266). Dies kann auf Märkten mit oligopolistischem Wettbewerb und Überkapazitäten vorkommen. Ethier (1982)(9) stellt ein Modell vor, in dem die Unsicherheit der Nachfrage und Überkapazitäten, die zu Dumping führen, im Vordergrund stehen. Feenstra I 7-45 Die nachfolgende Literatur hat sich jedoch auf einen einfacheren Rahmen ohne Unsicherheit konzentriert, in dem Dumping ein natürliches Phänomen bei unvollkommenem Wettbewerb ist, wenn Oligopolisten in die Märkte der anderen eintreten. Dies wird (…) anhand des „reziproken Dumping“-Modells von Brander (1981)(1) und Brander und Krugman (1983)(2) gezeigt. 1. Brander, James A., 1981, “Intra-industry Trade in Identical Commodities,” Journal of International Economics, 11, 1-14. 2. Brander, James A. and Paul R. Krugman, 1983, “A Reciprocal Dumping Model of International Trade,” Journal of International Economics, 15, 313-323. Reprinted as chapter 1 in Gene M. Grossman, 1992, Imperfect Competition and International Trade. Cambridge: MIT Press, 23-30. 3. Prusa, Thomas J., 1991, “The Selection of Anti-Dumping Cases for Withdrawal,” in Robert E. Baldwin, ed. Empirical Studies of Commercial Policy. Chicago: Univ. of Chicago and NBER. 4. Prusa, Thomas J., 1992, “Why Are So Many Antidumping Petitions Withdrawn?” Journal of International Economics, 33, 1-20. 5. Staiger, Robert W. and Frank A. Wolak, 1992, “The Effect of Antidumping Law in the Presence of Foreign Monopoly,” Journal of International Economics, 32, May, 65-287. 6. Blonigen, Bruce A. and Stephen E. Haynes, 2002, “Antidumping Investigations and the Pass-through of Antidumping Duties and Exchange Rates,” American Economic Review, forthcoming. 7. Hartigan, James C., 1996, “Predatory Dumping,” Canadian Journal of Economics, 29(1), February, 228-39. 8. Viner, Jacob, 1966. Dumping: A Problem in International Trade. New York: Augustus M. Kelley, Publishers. 9. Ethier, Wilfred J., 1982, “Dumping,” Journal of Political Economy, 90(3), June, 487-506. |
Feenstra I Robert C. Feenstra Advanced International Trade University of California, Davis and National Bureau of Economic Research 2002 |
| Durchschnittsnutzen | Rawls | I 161 Durchschnittsnutzen/Rawls: das Prinzip des Durchschnittsnutzens unterscheidet sich von denen der Vertragstheorie. Angewendet auf die Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft, in der die Individuen hinter einem Schleier des Nichtwissens in Bezug auf ihre spätere Position sind, erfordert das Prinzip des Durchschnittsnutzens, dass Institutionen dergestalt arrangiert werden, dass die absolut gewichtete Summe der Erwartungen der relevanten repräsentativen Individuen maximiert werden. I 162 Diese Summe wird größer, wenn die Zahl der Personen in einer Gesellschaft wächst. Utilitarismus: hier werden Erwartungen an der Summe der tatsächlichen und voraussehbaren Befriedigung gemessen. >Utilitarismus. Theorie der Gerechtigkeit als Fairness: Hier geht es dagegen um ein Verzeichnis der primären öffentlichen Güter (z.B. Freiheiten, Infrastruktur usw.). Klassische Theorie des Durchschnittsnutzens: wurde von Mill und Wicksell vertreten(1)(2)(3). >J.St. Mill. Summe des Nutzens/Bevölkerungswachstum/Rawls: Die Summe wird nicht wachsen, wenn wir sie auf die Fraktionen der Gesellschaft mit bestimmten Positionen anwenden, solange der Prozentsatz dieser Fraktionen sich nicht ändert. Bevölkerungswachstum: Nur wenn eine Bevölkerung sich ändert gibt es einen Unterschied zwischen der klassischen Theorie und der Theorie der Gerechtigkeit als Fairness. I 166 Durchschnittsnutzen/Rawls: Die Annahme einer Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft, in der alle hinter einem Schleier des Nichtwissens stehen, spricht für die Einführung des Durchschnittsprinzips und gegen die klassische Sicht. Allerdings ist die Durchschnittstheorie nicht teleologisch, wie die klassische Theorie. Durchschnittsprinzip: es ist nicht so, dass es von allen Teilnehmern die gleiche Art von Risikobereitschaft verlangt. I 171 Durchschnittsnutzen/Rawls: Es scheint so, dass das Durchschnittsprinzip an das Prinzip des unzureichenden Grunds (>Risiken/Rawls) gebunden sein muss. Wir brauchen etwas wie die Laplace-Regel für Entscheidungen unter Ungewissheit: die Möglichkeiten werden auf eine natürliche Weise bestimmt und jeder wird eine Wahrscheinlichkeit zugeschrieben. Dabei wird nicht von allgemeinen Informationen über die Gesellschaft ausgegangen(4)(5)(6). >Wahrscheinlichkeit/Rawls. I 188 Durchschnittsnutzen/Idealer Beobachter/Rawls: vom Standpunkt der Personen in der Anfangssituation gibt es keinen Grund, den Einschätzungen eines mitfühlenden idealen Beobachters zuzustimmen. Eine solche Übereinstimmung hätte alle Nachteile des klassischen Nutzenprinzips. Wenn jedoch die Teilnehmer als vollständige Altruisten aufgefasst werden, d.h. also als solche, die mit den Zielen des mitfühlenden idealen Beobachters übereinstimmen, I 189 dann würde das klassische Prinzip übernommen. Die größte Summe an Glückseligkeit befriedigt den Beobachter wie den Altruisten innerhalb des Systems. Damit erhalten wir das überraschende Ergebnis, dass, während das Prinzip des Durchschnittsnutzens der Ethik des Individuums entspricht, die klassische utilitaristische Doktrin eine solche der altruistischen Ethik ist! >Altruismus, >Altruismus/Rawls. 1. Siehe dazu Gunnar Myrdal, The Political Element in the Development of Economic Theory London, 1953, S.38f.; 2. J. C. Smart, An Outline of a System of Utilitarian Ethics, Cambridge, 1961, S. 18.; 3. J.C. Harsanyi „Cardinal Utilitry in Welfare Economics and the Theory of Risk Taking“, Journal of Political Economy, Bd. 61, 1953. 4. Vgl. W. Feller, Profitability and Profit, S. 210-233.; 5. L.J. Savage, The Foundations of Statistics, New York, 1954.; 6. H.E. Kyburg, Probability and Inductive Logic, Riverside, 1970. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Dynamische Systeme | Psychologische Theorien | Upton I 50 Dynamische Systeme/Psychologische Theorien: Moderne Theorien der Entwicklung der motorischen Kompetenz betonen die Interaktion zwischen Anlage und Umwelt (nature and nurture). >Nature or nurture. Ein wichtiger Ansatz ist hier die Theorie der dynamischen Systeme (Thelen, 1995)(1). Dieses Modell verfolgt einen konstruktivistischen Ansatz zur Entwicklung motorischer Fähigkeiten. Sie erkennt daher den Beitrag der Umwelt und der Erziehung zur Entwicklung an und betont auch die aktive Rolle, die das Kind bei seiner eigenen Entwicklung spielt. Nach der Theorie der dynamischen Systeme sind motorische Handlungen zunächst auf die angeborenen Reflexe angewiesen (...). >Umwelt, >Erblichkeit. Allmählich werden diese Reflexe in neue und komplexere Handlungen umgewandelt. (...) neue motorische Fähigkeiten werden von Säuglingen aufgebaut, indem sie bestehende Verhaltensweisen aktiv in neue und komplexere Handlungen umwandeln. Entwicklung wird als selbstorganisierendes System gesehen: Das Kind wird von der Neugierde auf die Welt um es herum angetrieben, komplexere motorische Fähigkeiten zu entwickeln, um neue Ziele zu erreichen. Interessante Anblicke und Geräusche in der Umgebung motivieren zur Fortbewegung, insbesondere wenn das Ziel gerade außer Reichweite ist. [Die] Theorie integriert auch Handlung, Wahrnehmung und Denken, da das Kind darüber nachdenken muss, wie es Upton I 51 Fortbewegung organisieren kann, um seine Ziele zu erreichen. (von Hofsten, 2007)(2). Upton I 52 Dynamische Systeme/Upton: Auch wenn festgestellt wurde, dass das Elternverhalten die frühe Entwicklung der Beinbewegung beeinflusst hat, scheint dies immer noch ein guter Beweis gegen das cephalocaudale Prinzip und für die Theorie der dynamischen Systeme der motorischen Entwicklung zu sein. (VsCephalocaudales Prinzip). 1. Thelen, E. (1995) Motor development: a new synthesis. American Psychologist, 50: 79–95. 2. von Hofsten, C., Kochukhova, O. and Rosander, K. (2007) Predictive tracking over occlusions by 4-month-old infants. Developmental Science, 10(5): 625–40. |
Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| Effizienz | Hicks | Parisi I 278 Effizienz/Kaldor/Hicks: Das Kaldor-Hicks-Effizienzkriterium stellt die Frage, ob die Nutznießer der Änderung (der gesetzlichen Regelung oder der Politik) die Verlierer theoretisch vollständig für ihre Verluste entschädigen könnten und trotzdem besser gestellt wären. Um das Kaldor-Hicks-Effizienzkriterium zu erfüllen, "werden Ressourcen in einem System der Wohlstandsmaximierung effizient zugeteilt, wenn es keine Umverteilung gibt, die den Wohlstand der Gesellschaft erhöhen würde". (Posner, 1980, p. 243(1)). Die Entschädigung von Benachteiligten ist prinzipiell möglich, muss aber nicht tatsächlich erfolgen. Das Kaldor-Hicks-Kriterium wird im Allgemeinen als das Effizienzziel eines Maximierers des Gesamtvermögens betrachtet, der versucht, Rechtsansprüche so zuzuweisen, dass der Gesamtwert aller Güter und Dienstleistungen maximiert wird. >Kompensation. Diese Politik läuft darauf hinaus, das Eigentum an den vermeintlich Meistbietenden zu vergeben - also an die Partei, die nach Einschätzung eines außenstehenden Beobachters am Ende das Recht besitzen würde, wenn auf einem hypothetischen Markt mit Null Transaktionskosten kostenfreie Verhandlungen stattgefunden hätten (Harper, 2013(2), S. 64). In der rechts- und wirtschaftswissenschaftlichen Literatur wird daher diese schwächere Form des Optimalitätskriteriums als normativer Standard verwendet. Die wichtigste Voraussetzung für die Durchführung einer Kaldor-Hicks-Analyse ist die Fähigkeit, die Zahlungsbereitschaft der Menschen in Bezug auf verschiedene Ergebnisse zu erfassen und zu summieren. Dies setzt ein höheres Maß an Wissen in den Händen des politischen Entscheidungsträgers, Richters oder Ökonomen voraus. Für Ökonomen, die den österreichischen Ansatz verwenden, ist dies eine zentrale und problematische Annahme. Die Kaldor-Hicks-Analyse erfordert objektive Daten, um die Zahlungsbereitschaft der Individuen zu aggregieren, und verwendet daher bestehende Preise. Bestehende Preise geben jedoch Aufschluss über Tauschvorgänge, denen die Individuen zugestimmt haben, während bei der Kaldor-Hicks-Analyse hypothetische Tauschvorgänge berücksichtigt werden müssen, die nicht stattgefunden haben und vielleicht auch nie stattfinden werden, was die Ermittlung der erforderlichen Informationen erschwert. (Stringham, 2001(3), p. 43). In der Praxis wird die Kaldor-Hicks-Analyse bei komplexen Streitfällen angewandt, wenn keine Bereitschaft zum Austausch besteht und ähnliche Fälle mit objektiven Daten, die ersetzt werden können, schwer zu finden sind. Dies schränkt automatisch die Anwendbarkeit dieser Art von Kosten-Nutzen-Analyse in der traditionellen Rechts- und Wirtschaftswissenschaft ein. >Kosten-Nutzen-Analyse. 1. Posner, R. A. (1980). “The Ethical and Political Basis of the Efficiency Norm in Common Law Adjudication.” Hofstra Law Review 8: 487–507. 2. Harper, D. A. (2013). “Property rights, entrepreneurship and coordination.” Journal of Economic Behavior and Organization 88: 62–77. 3. Stringham, E. P. (2001). Kaldor-Hicks efficiency and the problem of central planning. Quarterly Journal of Austrian Economics 4(2): 41–50. Rajagopalan, Shruti and Mario J. Rizzo “Austrian Perspectives on Law and Economics.” In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
EconHicks I John R. Hicks Mr. Keynes and the "classis"; a suggested reinterpreation 1937 Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Effizienz | Wittman | Parisi I 435 Effizienz/Zeitablauf/Ex-ante/Ex-post/Kosten/Wittman: In vielen Fällen würde die rechtzeitige Gewährung des Rechts an die zweite Partei die Investitionsanreize, die bestehen, wenn der ersten Partei das Recht eingeräumt wird, völlig untergraben. Denken Sie nur daran, was es bedeuten würde, wenn wir das Recht auf ein Patent der zweiten Partei überlassen würden (…). Im Allgemeinen ist es so, dass die erste Partei zeitlich weniger über die zweite Partei weiß als die zweite Partei zeitlich weniger über die erste Partei weiß. Und wenn dies das Hauptunterscheidungsmerkmal ist, dann sollte die erste Partei das Recht auf ihrer Seite haben. >Insolvenz/Wittman, >Zeit/Wittman. Donald Wittman. “Ex ante vs. ex post”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Egozentrismus | Elkind | Upton I 123 Egozentrismus/Adoleszenz/Elkind/Upton: [in der Pubertät gibt es einen] Wandel der kognitiven Fähigkeiten, der sich in der wachsenden Fähigkeit der Jugendlichen widerspiegelt, mit immer komplexeren wissenschaftlichen und mathematischen Begriffen umzugehen. >Pubertät, >Kognitive Entwicklung, >Entwicklungsphasen. Diese neue Denkweise liegt auch der Fähigkeit des Jugendlichen zu Selbstbeobachtung und Selbstreflexion zugrunde, die nach Ansicht einiger Theoretiker zu einem erhöhten Selbstbewusstsein führt (Elkind. 1978)(1). Elkind nannte dieses Phänomen den jugendlichen Egozentrismus, was darauf hindeutet, dass dies die Art und Weise bestimmt, wie Jugendliche über soziale Angelegenheiten denken. Nach dieser Theorie glauben Jugendliche, dass andere genauso interessiert an ihnen sind wie sie an sich selbst und an ihrem Sinn für persönliche Einzigartigkeit. Zwei Aspekte des jugendlichen Egozentrismus wurden beschrieben: - Das imaginäre Publikum: Hier fühlen sich die Jugendlichen "im Mittelpunkt". Die Aufmerksamkeit aller anderen ist auf sie gerichtet. - Die persönliche Fabel: Dies unterstreicht das jugendliche Gefühl der persönlichen Einzigartigkeit und Unbesiegbarkeit. Niemand sonst kann verstehen, wie sie sich wirklich fühlen; zudem sind sie, obwohl andere es sind, nicht für Unglück anfällig. 1. Elkind, D (1978) Understanding the young adolescent. Adolescence, 13(49): 127-34. |
Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| Eigenschaften | Aristoteles | Millikan I 269 Identität/Eigenschaften/Aristoteles/Millikan: Gegenteilige Eigenschaften: für Aristoteles dienen sie dazu zu erklären, dass nicht etwas aus nichts entstehen kann. >Veränderung/Aristoteles, >Ontologie/Aristotleles. Def Gegenteilige Eigenschaft/Aristoteles: sind solche, die sich gegenseitig die Grundlage entziehen, sich gegenseitig unmöglich machen. Die Verhinderung einer anderen Eigenschaft ist diese Eigenschaft! Veränderung/Wandel/Wechsel/Aristoteles/Millikan. wenn eine Veränderung sich ereignet, erwerben Substanzen neue Eigenschaften, die die Gegenteile der früheren Eigenschaften sind. Gegenteil/Aristoteles: ist die Potentialität (Möglichkeit) der anderen Eigenschaft. Dann sind diese Gegenteile auf der fundamentalsten Ebene (in ihrer Natur) aneinander gebunden. Millikan pro Aristoteles: mit dem letzteren hatte er recht. Bei Aristoteles gibt es nicht einen „Anfang“ wie bei Leibniz. >Anfang, >Begründung/Leibniz, >Ontologie/Leibniz. Eigenschaften/Gegenteil/Leibniz/Millikan pro Leibniz: Dieser hatte recht damit, dass die Behauptung, dass zwei gegenteilige Eigenschaften auf dieselbe Substanz zutreffen, heißt, sich zu widersprechen. Aber dabei geht es um eine unbestimmte Negation, nicht um die Behauptung einer bestimmten Abwesenheit. Bzw. Abwesenheit ist das Vorliegen einer Widersprüchlichkeit. Bsp Null/0/moderne Wissenschaft/Mathematik: ist nicht die Behauptung eines Nichts: Bsp Null Beschleunigung, Nullpunkt der Temperatur, leerer Raum usw. Null repräsentiert eine Quantität. Nichtwiderspruch/Gesetz des Nichtwiderspruchs/Millikan: ist dann eine Schablone einer abstrakten Welt-Struktur oder etwas, das für eine solche Schablone hinreichend ist. Erkenntnistheorie/epistemisch/Leibniz/Aristoteles/Millikan: der Streit zwischen Leibniz und Aristoteles erscheint auf der Ebene der Epistemologie wieder: I 270 Bsp Die Behauptung „x ist rot“ sei äquivalent zur Behauptung „x sieht rot aus für einen Standardbeobachter unter Standardbedingungen. >Prädikation, >Erscheinung, >Idealer Beobachter, >Idealisierung. Problem: Dann folgt aus „x ist nicht rot“: „x sieht nicht rot aus für.. unter…“. Ontologisch/Ontologie: dem entspricht dass Nicht-rot-sein eine Leerheit wäre, eine Abwesenheit von Rot – eher als ein Gegenteil von Rot. Es geht aber darum, dass „x ist nicht rot“ äquivalent ist zu „x sieht nicht rot aus unter Standard…“ entweder leer oder falsch ist. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Eigenschaften | Bigelow | I 40 Eigenschaft/Relation/Universalien/Bigelow/Pargetter: Es gibt eine Mehrdeutigkeit: Bsp Russell bewundert Weisheit: das ist eine Relation zwischen Individuum und Weißheit, die von einem Paar von Dingen instanziiert wird, wobei das zweite eine Eigenschaft ist. Also ist die Relation ein Universale aus der Menge (o,(o)). >Universalien. Andererseits: Weißheit: können wir auch als eine Relation betrachtet, statt als Eigenschaft von Individuen. Bsp als Liebe zum Wissen. >Relationen. I 41 Problem: Wissen kann man wieder verschieden definieren, wobei die Eingruppierung in die Hierarchie geändert wird. >Wissen. Wir haben es nicht mit einer einfachen Abbildung von Wörtern auf Universalien zu tun. Bsp Vorzug/virtue/Bigelow/Pargetter: Vorzug ist eine Eigenschaft von Eigenschaften. Bsp Russell bewundert Vorzüge: logische Form: ist dann nicht (o,(o)) (wie oben, sondern: (o,((o))). Frage: heißt das, dass ein Ding zu mehreren Mengen gleichzeitig gehört? Lösung/Bigelow/Pargetter: Wir müssen die Mengen (o), ((o)), (o,(o)) usw. genauer definieren: Bsp (o) ist eine Menge von Dingen, die von Individuen instanziiert wird, aber müssen es nur Individuen sein, oder können es auch Nicht-Individuen als Instanzen sein? (Bsp Eigenschaft von Eigenschaft). Universale/Bigelow/Pargetter: Universalien definieren wir so, dass es zu wenigstens einem Typ, vielleicht aber auch zu mehreren gehört. Def „multigrade“ Relation/Bigelow/Pargetter: eine Relation, die zwischen Individuen, aber auch zwischen Mengen von Individuen oder zwischen einem Individuum und einer Menge von Individuen existieren kann. Bsp Zusammenleben: können Individuen, aber auch Gruppen von Individuen. I 42 Def „multigrades“ Universale/Bigelow/Pargetter: ein Universale, das zu mehr als einem Typ gehört. I 48 Eigenschaften/Relationen/Bigelow/Pargetter: entsprechend gibt es bei ihnen auch zwei Arten: a) solche, bei denen wir einfach sagen können, ob Dinge sie haben oder nicht. ((s) >extensional charakterisierbar). >Extensionalität. b) solche, bei denen das nicht hinreichend ist: Bsp Spaß: können wir nicht einfach damit charakterisieren, welchen Individuen er zukommt. ((s) Nicht extensional charakterisierbar). Bsp Masse, Bsp Ladung ((s) generische Eigenschaften). Bsp relative Geschwindigkeit. I 163 Eigenschaft/Bigelow/Pargetter: Problem: Instantiation: Angenommen, ein Individuum hat eine Eigenschaft. Was muss dann in der Welt sein, damit dem so ist? Das Individuum und die Eigenschaft. Aber das genügt noch nicht. Beide könnten existieren, ohne dass das eine das andere instanziiert. D.h. es genügt nicht zum Haben einer Eigenschaft, dass Ding und Eigenschaft nebeneinander in der Welt existieren. >Instanziierung. Falsche Lösung: Instantiation als Relation zu postulieren: das verschiebt nur das Problem. Die Relation könnte in der Welt existieren, ohne dass das bestimmte Ding die bestimmte Eigenschaft hat. Oder ohne dass das Ding in der Relation steht zu etwas. Instantiation/Instanziierung/Bigelow/Pargetter: Das Problem liegt in einem falschen Schluss von Quantifikation 2. Stufe auf Quantifikation 1. Stufe. >Quantifikation, >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen. „Irgendwie“ ist nicht „irgendein“. Bsp Eigenschaft F: um sie zu haben, muss es irgendwie sein, in der Relation dazu zu stehen. (“there must be somehow that the individual stands to the property”). (Eψ)(ψ (a, F)) Dieses “irgendwie” ist nicht ein “etwas”. D.h. wir dürfen nicht schließen auf (Ex)(Eψ)(ψ (x, a, F)) Problem: Das würde zu einem Regress führen. Dieser hat auch immer die Universalien bedroht. >Regress. Lösung/Bigelow/Pargetter: Quantifikation 2. Stufe sollte man nicht so ernst nehmen, dass sie aus dem „irgendwie“ ein „etwas“ macht. I 164 Universalien/Bigelow/Pargetter: Eine volle Theorie der Universalien braucht also eine vor-semantische Quelle für Universalien. ((s) Vor-semantisch/(s): etwas, das keine Wahrmacher erfordert). >Wahrmacher. Lösung/Bigelow/Pargetter: Wir brauchen etwas, was etwas instanziiert ohne selbst je selbst instanziiert zu werden. Existenz 2. Stufe/Bigelow/Pargetter: wird aber auch von einer Theorie der Universalien erfordert. Aus der man allerdings ohne Zusatzprämissen keine Existenz 1. Stufe ableiten kann. >Existenz. |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Eigenschaften | Field | I 176 Eigenschaften/Field: Wir wollen Eigenschaften reduzieren. Stattdessen nehmen wir Prädikate. Der Gebrauch von Prädikaten impliziert nicht die Quantifikation über Eigenschaften. Vgl. >Prädikate/Quine, >Schemabuchstaben/Quine. II 54 Eigenschaften/Propositionen/Field: Bsp Zwei Prädikate wie "x hat eine Temperatur von 210" und "x hat eine mittlere Molekularenergie..." können für dieselbe Eigenschaft stehen, obwohl sie verschiedene Bedeutungen haben - Eigenschaften: sind etwas ganz anderes als Bedeutungen (Propositionen). >Bedeutung, >Propositionen, >Referenz. |
Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Eigenschaften | Martin | Martin III 169 Eigenschaften/Martin: These: Was auch immer die letztlichen Konstituenten (Eigenschaften) der Natur sein sollten, sie bestehen genauso wenig in rein qualitativen Eigenschaften und reinen Akten wie irgendwelche makroskopischen oder strukturellen Eigenschaften. ((s) Das Sprechen über "was auch immer" führt zur Annahme von "Rollen", Bsp "kausale Rolle", >Funktionale Rolle" usw. Bsp "was die kausale Rolle von Schmerz spielt".) Die Eigenschaften bloß angenommener Teilchen müssen zu mehr fähig sein als manifestiert ist. ((s) Vgl. >Verborgene Variablen, verborgene Parameter.) Armstrong III 12 Eigenschaften/Armstrong: Eigenschaften sind immer nicht-lokal! - Bsp "in Australien lebend" ist keine Eigenschaft - auch relationale Eigenschaften dürfen nicht lokal sein. (((s) Vgl. >Eigenschaften/Chisholm). III 14 Individuation/Individuum/Einzeldinge/Eigenschaften/Armstrong: es ist wahrscheinlich, dass es für jedes Einzelding wenigstens eine individuierende Konjunktion von Eigenschaften gibt. - Bsp "eine Lichtsekunde von Proton A entfernt seiend" - das ist keine Eigenschaft - aber: Bsp "eine Lichtsekunde von einem Proton entfernt seiend" wäre richtig. ((s) Allgemeinheit). III 83 Eigenschaften/Armstrong: Eigenschaften sind strikt identisch in allen verschiedenen Instantiierungen (Universale) - daher nicht alle beliebigen Prädikate - Pseudo-Eigenschaft: Identität mit sich selbst (kein Universale). - Identität verleiht keine kausale oder nomische Kraft. >Identität. III 114f Eigenschaften/Armstrong: der Zustand N(F,G) ist gleichzeitig eine Relation 1. Stufe. - Wenn Bsp "eine Masse sein" eine Eigenschaft von Eigenschaften ist, dann wird "die Eigenschaft von 1 Kg, eine Masse zu sein" ein Zustand 2. Stufe sein (M(K) und das wird, aus Symmetriegründen auch eine Eigenschaft 1. Stufe sein, die auf ED 1. Stufe angewendet wird, so wie dieses Gewicht. VsRealismus von Eigenschaften/Eigenschaftsrealismus: Es besteht die Gefahr der Verdoppelung, Zwischenglieder. - Armstrong spät: ist skeptisch Vs "Eigenschaft, eine Masse zu sein". III 141 Eigenschaften/Armstrong: die "Eigenschaft, eine Eigenschaft zu sein" ist nicht erwünscht. - Jedenfalls ist sie keine Humesche Gleichfömigkeit 2. Stufe. - Sie wird aber von >Tooley gebraucht, wenn er ein universales Gesetz als Gesetz 2. Stufe über Gesetze annimmt. III 145 Gesetze/Armstrong: Wir sollten lieber neue Eigenschaften einführen als neue Gesetze. >Gesetz/Armstrong, >Naturgesetz/Armstrong. III 163ff Eigenschaften/Armstrong: wenn sie wesentlich sind, dann nur in Bezug auf ein Begriffsschema. >Begriffsschema. Armstrong II 5 Eigenschaften/Armstrong: kategorische Eigenschaft = nicht-dispositionale Eigenschaft. - Aber viele Eigenschaften sind eigentlich dispositional: Bsp "hart" genauso wie "biegsam". - Aber dispositional ist nicht auf kategorisch reduzierbar. >Dispositionen/Armstrong. II (c) 96 Eigenschaften/kategorisch/dispositional/Armstrong: Asymmetrie zwischen kategorisch/dispositional: Dispositionen erfordern kategorische Eigenschaften in einer Weise, in der kategorische Eigenschaften Dispositionen nicht erfordern. - Es ist möglich, dass in einer möglichen Welt Dinge nur kategorische Eigenschaften haben, ohne dispositionale Seite. - Das wäre nach Martin eine träge Welt, weil es keine Kausalität gäbe. Armstrong II (c) 102 MartinVsArmstrong: Die Welt muss nicht so "geschäftig" sein, dass jede Disposition manifestiert sein müsste - (>II 77) Armstrong II (c) 97 Eigenschaften/Nominalismus/Martin/Place: Eigenschaften sind Einzeldinge. - Daher gibt es keine strikte Identität zwischen verschiedenen Manifestationen oder Vorkommnissen von Eigenschaften. - Statt dessen: "exakte Ähnlichkeit". - Verursachung: Prinzip: "Gleiches verursacht Gleiches". ArmstrongVs: 1. Das ist nur eine kosmische Regularität und damit als ganzes ein kosmischer Zufall. ArmstrongVs: 2. pro Universalien-Sicht: Universalien erklären, warum dieselben Eigenschaften in denselben Umständen dieselben Wirkungen hervorbringt (nicht bloß die gleichen). - Prinzip: "Identisches verursacht Identisches". >Ähnlichkeit. Martin III 168 Kompositionsmodell/Martin: These: wir sollten Eigenschaften statt Teile annehmen - die komplexen Eigenschaften, Dispositionen und Relationen des Ganzen sind zusammengesetzt aus den einfacheren Eigenschaften und Relationen und Dispositionen der Teile. |
Martin I C. B. Martin Properties and Dispositions In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Martin II C. B. Martin Replies to Armstrong and Place In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Martin III C. B. Martin Final Replies to Place and Armstrong In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Martin IV C. B. Martin The Mind in Nature Oxford 2010 Armstrong I David M. Armstrong Meaning and Communication, The Philosophical Review 80, 1971, pp. 427-447 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Armstrong II (a) David M. Armstrong Dispositions as Categorical States In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (b) David M. Armstrong Place’ s and Armstrong’ s Views Compared and Contrasted In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (c) David M. Armstrong Reply to Martin In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (d) David M. Armstrong Second Reply to Martin London New York 1996 Armstrong III D. Armstrong What is a Law of Nature? Cambridge 1983 |
| Eigenschaften | Swoyer | Armstrong III 160 Eigenschaften/Swoyer: These: Eigenschaften müssen selbst "wesentliche Merkmale" haben - aber sie sind nicht phänomenal und bestehen auch nicht aus Eigenschaften von Eigenschaften. - Stattdessen haben sie eine nomische Relation zu anderen Eigenschaften. ArmstrongVs: These: Eigenschaften können ihr eigenes Wesen sein - sonst müssten wesentliche Merkmale ihrerseits wieder wesentliche Merkmale haben - Regress. >Wesen, >Regress. |
Armstrong I David M. Armstrong Meaning and Communication, The Philosophical Review 80, 1971, pp. 427-447 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Armstrong II (a) David M. Armstrong Dispositions as Categorical States In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (b) David M. Armstrong Place’ s and Armstrong’ s Views Compared and Contrasted In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (c) David M. Armstrong Reply to Martin In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (d) David M. Armstrong Second Reply to Martin London New York 1996 Armstrong III D. Armstrong What is a Law of Nature? Cambridge 1983 |
| Eigentum | Buchanan | Boudreaux I 47 Eigentum/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: Wenn es (…) keine klare Definition der Eigentumsrechte an der Luft gibt, wird [eine] Fabrik nur ungern mit dem Stadtrat verhandeln. Sie wird wahrscheinlich einfach weiter verschmutzen, ohne dass die Stadt für die Kosten der Verschmutzung entschädigt wird. >Externalitäten/Buchanan. Klar definierte Eigentumsrechte fördern daher Verhandlungen zum beiderseitigen Vorteil - d. h. zu einer effizienteren Ressourcennutzung -, während das Fehlen solcher Rechte solche Verhandlungen behindert. Buchanan/Tullock: In The Calculus of Consent sagen Buchanan und Tullock: „Wenn Eigentumsrechte sorgfältig definiert sind, sollte dann nicht die reine Laissez-faire-Organisation zur Beseitigung aller bedeutenden externen Effekte führen? ... Werden nach der anfänglichen Definition von Menschen- und Eigentumsrechten wirklich so schwerwiegende externe Effekte vorhanden sein, dass sie beseitigt werden müssen? Oder werden freiwillige kooperative Vereinbarungen zwischen Individuen entstehen, um die Beseitigung aller relevanten externen Effekte zu gewährleisten?“ (Buchanan und Tullock, 1962/1999(1): 44) 1. Buchanan, James M., and Gordon Tullock (1962/1999). The Calculus of Consent. Liberty Fund. |
EconBuchan I James M. Buchanan Politics as Public Choice Carmel, IN 2000 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Eigentum | Rothbard | Rothbard III 91 Eigentum/Markt/Verträge/Rothbard: (...) damit eine Person etwas tauschen kann, muss sie es zuerst besitzen, oder es besitzen. Er gibt das Eigentum an der Ware X auf, um das Eigentum an der Ware Y zu erhalten. >Tausch/Rothbard, >Markt/Rothbard. Das Eigentum eines oder mehrerer Eigentümer impliziert die ausschließliche Kontrolle und Nutzung der besessenen Güter, und die besessenen Güter werden als Eigentum bezeichnet. Freiheit von Gewalt bedeutet, dass sich niemand das Eigentum eines anderen durch Gewalt oder die Androhung von Gewalt aneignen darf und dass das Eigentum einer jeden Person vor solchen Angriffen sicher ist, oder „sicher“. Welche Güter werden zu Eigentum? Offensichtlich sind nur knappe Mittel Eigentum. Die allgemeinen Bedingungen des Wohlergehens sind, da sie allen im Überfluss zur Verfügung stehen, nicht Gegenstand von Handlungen und können daher weder Eigentum sein noch zu Eigentum werden. Auf dem freien Markt ist es unsinnig zu behaupten, dass jemandem die Luft „gehört“. Nur wenn ein Gut knapp ist, ist es notwendig, dass sich jemand dieses Gut oder das Eigentum daran für seinen Gebrauch aneignet. Die einzige Möglichkeit für einen Menschen, sich das Eigentum an der Luft anzueignen, ist die Anwendung von Gewalt, um diesen Anspruch durchzusetzen. Auf dem ungehinderten Markt könnte ein solches Vorgehen nicht stattfinden. Auf dem freien, ungehinderten Markt kann ein Mensch auf folgende Weise Eigentum an knappen Gütern erwerben: (1) Erstens hat jeder Mensch das Eigentum an sich selbst, an seinem Willen und seinen Handlungen und an der Art und Weise, wie er seine eigene Arbeitskraft einsetzt. (2) Er erwirbt knappe, von der Natur gegebene Faktoren, indem er sich entweder bisher ungenutzte Faktoren für den eigenen Gebrauch aneignet oder indem er sie von einem anderen geschenkt bekommt, der sie sich letztlich als bisher ungenutzte Faktoren angeeignet haben muss. (3) Kapital- oder Konsumgüter erwirbt er, indem er entweder seine eigene Arbeitskraft mit naturgegebenen Faktoren mischt, um sie zu produzieren (...). Rothbard III 92 (4) Er kann jede Art von Faktor (Arbeitsleistung, naturgegebener Faktor, Kapitalgut, Konsumgut) gegen jede Art von Faktor tauschen. Tausch: Damit das Geben oder Tauschen von Gütern stattfinden kann, müssen sie von den einzelnen Akteuren zunächst auf eine dieser Arten erworben werden. Die logische Abfolge der Ereignisse ist also: Ein Mensch besitzt sich selbst; er eignet sich ungenutzte, naturgegebene Faktoren für sein Eigentum an; er nutzt diese Faktoren, um Investitions- und Konsumgüter zu produzieren, die sein Eigentum werden; er verbraucht die Konsumgüter und/oder verschenkt sie und die Investitionsgüter an andere; er tauscht einen Teil dieser Güter gegen andere Güter, die auf die gleiche Weise in den Besitz anderer gelangt sind.(1),(2) >Person/Philosophische Theorien, >Markt/Rothbard. Im Gegensatz zu den allgemeinen Wohlfahrtsbedingungen, die auf dem freien Markt nicht der Aneignung als Eigentum unterliegen können, müssen knappe Güter, die in der Produktion verwendet werden, immer unter der Kontrolle von jemandem stehen und daher immer Eigentum sein. Markt: Auf dem freien Markt sind die Güter Eigentum derjenigen, die sie entweder produziert, zuerst benutzt oder geschenkt bekommen haben. In einem System der Gewalt und der hegemonialen Bindungen muss jemand oder müssen einige Personen den Betrieb dieser Güter beaufsichtigen und leiten. Derjenige, der diese Funktionen ausübt, besitzt diese Güter als Eigentum, unabhängig von der rechtlichen Definition des Eigentums. Dies gilt sowohl für Personen und ihre Dienstleistungen als auch für materielle Güter. 1. Zum Selbsteigentum und zum Eigentumserwerb vgl. die klassische Diskussion von John Locke, „An Essay Concerning the True Original Extent and End of Civil Government, Second Treatise“ in Ernest Barker, Hrsg., Gesellschaftsvertrag (London: Oxford University Press, 1948), S. 15-30. 2. Das Problem des Selbsteigentums wird durch die Frage der Kinder kompliziert. Kinder können nicht als Kinder können nicht als Selbsteigentümer betrachtet werden, weil sie noch nicht im Besitz der Vernunft sind, die notwendig ist, um ihre Handlungen zu steuern. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Eigentum | Thomas v. Aquin | Mause I 29 Privateigentum/Thomas von Aquin: Privateigentum und Markt werden akzeptiert und auch der Handel – obwohl sittlich niedriger stehend als Landwirtschaft und Handwerk – wird nicht verworfen. >Märkte. |
Aquin I Thomas von Aquin Über die Herrschaft des Fürsten Stuttgart 1971 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Eigentumsrechte | Coase | Kiesling I 5 Eigentumsrechte/Coase/Kiesling: Eine wichtige Institution für wirtschaftliches Handeln ist das Verständnis dafür, was Eigentumsrechte sind, wie sie definiert sind und wie sie durchgesetzt werden. Menschliche Gesellschaften haben seit langem Konzepte dafür entwickelt, was „mein“ und „nicht mein“ ist (Wilson 2020)(1). Dieses Prinzip des Eigentums an einer Sache legt fest, was ein Eigentümer mit dieser Sache tun kann - sie nutzen, verändern oder verbessern, verleihen, verpachten, ungenutzt lassen, verschenken, verkaufen. Ein Eigentumsrecht ist das Recht, bestimmte Maßnahmen zu ergreifen oder bestimmte Entscheidungen über die Nutzung einer Ressource zu treffen. Ein Rahmen für Eigentumsrechte spiegelt die Aktivitäten wider, die Eigentümer mit ihrem Eigentum durchführen dürfen und die nicht zulässig sind. Kiesling I 6 Dieser Rahmen wirkt sich auf ihre Anreize aus, die Ressource im Laufe der Zeit produktiv zu nutzen. So schränkt beispielsweise die Mietpreiskontrolle die Nutzung einer Immobilie ein, was sich auf die Anreize auswirkt. Die Begrenzung der Miete, die Eigentümer verlangen können, schränkt ihre Einnahmen ein und damit auch ihren Anreiz, die Immobilie zu verbessern, weshalb Immobilien unter der Mietpreiskontrolle häufig verfallen. In Fällen, in denen die Rechtsvorschriften zur Mietpreiskontrolle sehr schwerfällig oder belastend sind, können sie die Eigentümer sogar dazu veranlassen, nicht mehr zu vermieten, was das Angebot an Mietwohnungen verringert und den ursprünglichen Absichten des Gesetzgebers widerspricht. Im Allgemeinen ist ein Rahmen für Eigentumsrechte, in dem die Rechte klar und transparent definiert sind und in dem die Rechte zu vertretbaren Kosten durchgesetzt werden können, eine Institution, die Anreize für eine effiziente Ressourcennutzung und für eine effiziente Produktion, einen effizienten Verbrauch, Investitionen und Innovationen schafft. Die Erkenntnisse von Coase über Eigentumsrechte lösten eine neue Literatur aus, die das Konzept der Theorie der Eigentumsrechte weiterentwickelte und auf eine Vielzahl von Situationen anwendete (siehe z. B. Demsetz (1967)(2), Libecap (1989)(3) und Barzel (1989)(4)). Märkte/ Verträge/Preise: Eine weitere wichtige Implikation, die sich aus dem Rahmen der Eigentumsrechte ergibt, betrifft die Transaktionskosten. Coase definierte Transaktionskosten als alle Kosten der Nutzung von Märkten, Verträgen und des Preissystems. Allen(5) definiert Transaktionskosten als die Kosten der „Schaffung und Aufrechterhaltung von Eigentumsrechten“ (1999(5): 898). Transaktionskosten: Transaktionskosten wirken sich auf die Verteilung von Eigentumsrechten in allen Arten von Governance-Strukturen und Organisationen aus. Coase hat Transaktionskosten nie explizit definiert und sich stattdessen auf Beispiele verlassen, um zu veranschaulichen, wie sie Verträge, Anreize und Ergebnisse beeinflussen. Ein Großteil des Rahmens für Eigentumsrechte einer Gesellschaft hängt von ihren formalen Rechtsinstitutionen ab, da die rechtlichen Definitionen und die Durchsetzung von Eigentumsrechten in die Spezifika der Eigentumsrechte einfließen. Normen: Einige Aspekte der Eigentumsrechte ergeben sich aus eher gewohnheitsmäßigen Normen und Konventionen, die Gesellschaften im Laufe der Zeit rund um das Eigentum bilden, aber der Großteil von Coases Arbeit konzentriert sich auf Rechtsinstitutionen, die Auswirkung des Rechts auf wirtschaftliche Entscheidungen und die Rolle des Justizsystems und rechtlicher Präzedenzfälle bei der Definition von Eigentumsrechten. Wichtig ist, dass Coase betonte, dass verschiedene Formen der staatlichen Regulierung, einschließlich des staatlichen Eigentums, alternative Wege sind, um die Koordinierungsaufgaben der Eigentumsrechte zu erfüllen und ihre eigenen Transaktionskosten mit sich bringen. >Firmen/Coase, >Soziale Kosten/Coase. Kiesling I 33 Produktionsfaktoren/Koase/Kiesling: „Wenn man sich die Produktionsfaktoren als Rechte vorstellt, wird es einfacher zu verstehen, dass auch das Recht, etwas zu tun, was eine schädliche Wirkung hat (wie die Erzeugung von Rauch, Lärm, Gerüchen usw.), ein Produktionsfaktor ist.... Die Kosten der Ausübung eines Rechts (der Nutzung eines Produktionsfaktors) sind immer der Verlust, der an anderer Stelle infolge der Ausübung dieses Rechts erlitten wird - die Unmöglichkeit, ein Grundstück zu überqueren, ein Auto zu parken, ein Haus zu bauen, eine Aussicht zu genießen, Ruhe zu haben oder saubere Luft zu atmen.“ Coase (1960)(6), S. 44 >Transaktionskosten/Coase, >Soziale Kosten/Coase. 1. Wilson, Bart J. (2020). The Property Species: Mine, Yours, and the Human Mind. Oxford University Press. Yandle, Bruce (1998). Coase, Pigou, and Environmental Rights. In Peter J. Hill and Roger E. Meiners (eds.), Who Owns the Environment? (Rowman & Littlefield). 2. Demsetz, Harold (1967). “Toward a Theory of Property Rights.” American Economic Review 57, 2: 3473.-359. 3. Libecap, Gary D. (1993). Contracting for Property Rights. Cambridge University Press. 4. Barzel, Yoram (1997). Economic Analysis of Property Rights. Cambridge University Press. 5. Allen, Douglas W. (1999). Transaction Costs. Encyclopedia of Law and Economics. 6. Coase, Ronald H. (1960). The Problem of Social Cost. Journal of Law and Economics 3: 1-44. |
Kiesling I L. Lynne Kiesling The Essential Ronald Coase Vancouver: Fraser Institute. 2021 |
| Ein-Gut-Modell (Wirtschaft) | Neo-Neoklassiker | Harcourt I 100 Ein-Waren- Modell/Neo-Neoklassik/Neo- Keynesianismus/Solow/Harcourt: [Es gibt] Schwierigkeiten, die sich in der postkeynesianischen Zeit entwickeln müssen, wenn einige das Verteilungsproblem im Rahmen eines vollständig verwendeten neoklassischen Modells angehen, während andere die Relevanz des Modells skeptisch sehen und sich lieber auf die keynesianische Spar-Investitions-Beziehung und die Parameter der Sparfunktionen der verschiedenen Klassen in der Wirtschaft konzentrieren.* Ein-Waren-Modell: Zur Veranschaulichung der Kontroverse betrachten wir eine sehr einfache Ein-Güter-Wirtschaft (Butter) mit einer glatten, gut funktionierenden Produktionsfunktion mit konstanten Erträgen und einer Skala, die die Butterproduktion mit homogener Arbeit und Butterinput, d.h. formbarem Kapital, in Beziehung setzt. Wäre dies eine Planwirtschaft, in der Vollbeschäftigung dekretiert würde, so stünde der Lohnsatz (wb) in demselben Verhältnis (1 - α) zum durchschnittlichen Arbeitsprodukt (APf) bei Vollbeschäftigung wie der Konsum (C) zur Gesamtproduktion (B'). (C ist die gesamte Butterproduktion abzüglich der für die nächste Periode beiseite gelegten Produktion, d.h. die Ersparnis ist gleich der Investition). Das bedeutet, dass Wb/APf = (1-α) = (1-α)B‘/B‘ (≡(/V) (Die Beschäftigung, die der Herstellung von Butter für den Verbrauch gewidmet ist, würde ebenfalls (1 - α) des gesamten, vollbeschäftigten Arbeitsangebots ausmachen). Unter diesen Bedingungen würde die gesamte produzierte Butter verkauft werden, wenn man davon ausgeht, dass die sozialistischen Arbeiter alles konsumieren, was sie verdienen, und dass auch die Manager Arbeiter sind.** Aber das kurzfristige Grenzprodukt der Arbeit könnte gleich Null sein (Auslastung des vorhandenen Bestandes, wenn wir kurz die Butter-Welt verlassen wollen) oder gleich dem Durchschnittsprodukt (ungenutzte Maschinen von gleicher Qualität wie die im Einsatz befindlichen) oder es könnte gleich dem Lohn sein, wenn die Investitionen den „richtigen“ Anteil an der Gesamtproduktion hätten (und wir sind wieder in der „Butter-Welt“). >Investitionsrendite/Solow, >Neoklassiker, >Neo-Keynesianismus, >Joan Robinson. * Solow und Stiglitz [1968](1) kommen auf diese Fragen in einem späteren Aufsatz zurück, in dem sie argumentieren, dass der wesentliche Unterschied zwischen den beiden Ansätzen darin besteht, dass der Reallohnsatz von den Neoklassikern (und Neo-Neo?) als ein arbeitsmarktbereinigter Preis betrachtet wird, während er für die Neokeynesianer ein gütermarktbereinigter Preis ist - eine Ansicht, die mit Joan Robinsons Kritik übereinstimmt. Die jüngsten Äußerungen von Joan Robinsons Ansichten, die durch die Nachwirkungen der Double-Switching-Debatte gestärkt wurden, finden sich in ihren beiden Rezensionen von Ferguson [1969](2), siehe Robinson [1970a(3), 1970b(4)]. ** Wenn sich Konsumgüter von Investitionsgütern unterscheiden (was außerhalb einer Butterwelt der Fall sein muss) und wenn die Arbeitnehmer in den beiden Sektoren gleich behandelt werden, muss der Reallohn in demselben Verhältnis zum Durchschnittsprodukt der Arbeitnehmer im Konsumgütersektor stehen wie die Beschäftigung in diesem Sektor zur Gesamtbeschäftigung: siehe Robinson [1964b](5), S. 411, auch Robinson [1965b](6), S. 37. Dieses Argument lässt den Einsatz einer ausgeklügelten Steuerpolitik außer Acht, die es zum Beispiel ermöglichen würde, der Arbeit ihren effizienten Schattenpreis zu zahlen, wie er von den Planern festgelegt wurde, und gleichzeitig eine Anpassung dieses Preises durch Besteuerung und/oder Subventionen zu ermöglichen, so dass sowohl den Rätseln der effektiven Nachfrage als auch der Sozialethik in Bezug auf das absolute und das relative Niveau des Lebensstandards der verschiedenen Arbeitnehmer Rechnung getragen werden kann. 1. Solow, R. M. and Stiglitz, J. E. [1968] 'Output, Employment and Wages in the Short Run', Quarterly Journal of Economics, LXXXII, pp. 537-60. 2. Ferguson, C. E. [1969] The Neoclassical Theory of Production and Distribution (Cambridge: Cambridge University Press). 3. Robinson, Joan [1970a] 'Capital Theory Up to Date', Canadian Journal of Economics, in, pp. 309-17. 4. Robinson, Joan [1970b] 'Review of C. E. Ferguson, The Neoclassical Theory of Production and Distribution, 1969', Economic Journal, LXXX, pp. 336-9. 5. Robinson, Joan [1964b] 'Solow on the Rate of Return', Economic Journal, LXXIV, S. 410-17. 6. Robinson, Joan [1965b] Collected Economic Papers, Vol. Ill (Oxford: Basil Blackwell). |
Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Eindeutigkeit | Eco | Eco II 118 Situation/Semantik/Katz/Fodor/Eco: Nach Katz und Fodor dürfen die semantischen Komponenten, um interpretiert zu werden, nicht von der Situation oder dem Umstand (die sie settings nennen) abhängen, in denen der Satz ausgesprochen wird. Sie zeigen nämlich, verschiedene mögliche Lesarten auf, die Theorie will aber nicht festlegen,... II 119 ...wie und warum der Satz in dem einen oder dem anderen Sinn gebraucht werden muss. Eindeutigkeit/Katz/Fodor: Die Theorie kann zwar erklären, ob ein Satz verschiedenen Sinn hat, nicht aber, unter welchen Umständen er seine Zweideutigkeit verlieren muss. >Umstände, >Situationen, >Sinn, >Interpretation. EcoVsKatz/EcoVsFodor: 1. Wenn man bei den "distinguishers" Halt mach, dann ermisst man nicht alle Konnotationsmöglichkeiten des Lexems. 2. Sowohl die "semantic markers" als auch die "distinguishers" sind Zeichen oder Zeichengruppen, die dazu dienen, das Anfangszeichen zu interpretieren. (Problem der Interpretation: Situationen/Eco, Situationen/Katz). 3. Der Stammbaum von Katz/Fodor erkennt die gewöhnlich von einem Wörterbuch festgelegten Intensionen an. Der Code fällt also mit dem Wörterbuch zusammen. Die Existenz von besonderen Konventionen und Codes, die etwa andere Verzweigungen vorschlagen, wird nicht... II 120 ...berücksichtigt, ebenso wenig wie die Tatsache, dass in ein und derselben Gemeinschaft verschiedene Formen der Verzweigung nebeneinander bestehen können. |
Eco I U. Eco Das offene Kunstwerk Frankfurt/M. 1977 Eco II U, Eco Einführung in die Semiotik München 1972 |
| Eindeutigkeit | Katz | Eco II 118 Situation/Semantik/Katz/Fodor/Eco: Nach Katz und Fodor dürfen die semantischen Komponenten, um interpretiert zu werden, nicht von der Situation oder dem Umstand (die sie settings nennen) abhängen dürfen, in denen der Satz ausgesprochen wird. Sie zeigen nämlich, verschiedene mögliche Lesarten auf, die Theorie will aber nicht festlegen, II 119 wie und warum der Satz in dem einen oder dem anderen Sinn gebraucht werden muss. >Sinn, >Mehrdeutigkeit. Eindeutigkeit/Katz/Fodor: Die Theorie kann zwar erklären, ob ein Satz verschiedenen Sinn hat, nicht aber, unter welchen Umständen er seine Zweideutigkeit verlieren muss. EcoVsKatz/EcoVsFodor: 1. Wenn man bei den distinguishers Halt mach, dann ermisst man nicht alle Konnotationsmöglichkeiten des Lexems. 2. Sowohl die semantic markers als auch die distinguishers sind Zeichen oder Zeichengruppen, die dazu dienen, das Anfangszeichen zu interpretieren. (>Problem der Interpretation). 3. Der Stammbaum von Katz/Fodor erkennt die gewöhnlich von einem Wörterbuch festgelegten Intensionen an. Der Code fällt also mit dem Wörterbuch zusammen. Die Existenz von besonderen Konventionen und Codes, die etwa andere Verzweigungen vorschlagen, wird nicht II 120 berücksichtigt, ebenso wenig wie die Tatsache, dass in ein und derselben Gemeinschaft verschiedene Formen der Verzweigung nebeneinander bestehen können. |
Katz I Jerrold J. Katz "The philosophical relevance of linguistic theory" aus The Linguistic Turn, Richard Rorty Chicago 1967 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974 Katz II Jerrold J. Katz Jerry Fodor Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Katz III Jerrold J. Katz Jerry Fodor The availability of what we say in: Philosophical review, LXXII, 1963, pp.55-71 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Katz V J. J. Katz The Metaphysics of Meaning Eco I U. Eco Das offene Kunstwerk Frankfurt/M. 1977 Eco II U, Eco Einführung in die Semiotik München 1972 |
| Einfuhrkontrollen | Winters | Krugman III 211 Einfuhrkontrollen/Importüberwachung/Winters: Dieses Papier(1) betrachtet zwei Aspekte der Überwachung. Erstens werden - meines Wissens zum ersten Mal - die Auswirkungen der Einfuhrüberwachung auf die Mengen, die Preise und die Herkunft der EG-Einfuhren untersucht. Zweitens wird argumentiert, dass es durch eine solche Studie möglich ist, das Vorhandensein von strategischem Verhalten von Unternehmen und politischen Entscheidungsträgern zu beleuchten. Kontrollen: Auf den ersten Blick ist es unwahrscheinlich, daß die Überwachung einen wesentlichen Einfluß auf die Einfuhren haben wird, denn sie scheint lediglich auf die Erhebung detaillierter Handelsstatistiken hinauszulaufen. Wenn die Überwachung jedoch die subjektiven Wahrscheinlichkeiten der Exporteure in Bezug auf weitere Handelsmaßnahmen beeinflusst, dann ist es leicht vorstellbar, dass sie die Handelsströme beeinflusst. Damit würde sie aus der Kategorie der harmlosen statistischen Verfahren in die Kategorie der subtilen nichttarifären Handelshemmnisse übergehen, ein Thema, das für Handelsökonomen und politische Entscheidungsträger von unmittelbarem und direktem Interesse ist. >Zölle, >Internationaler Handel, >Strategische Handelspolitik, >Handelspolitik, >Industriepolitik >Neue Handelstheorie. Winters These: Meine Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Überwachung zumindest manchmal die Importe einschränkt. Was das zweite Ziel anbelangt, so ist die Tatsache, dass sich die Einfuhrüberwachung tatsächlich auf die Einfuhrströme auswirkt, ein Beweis für strategisches Verhalten, d. h. für "Maßnahmen . . die ergriffen werden, um günstige Reaktionen von Konkurrenten hervorzurufen" (Grossman 1987(1),49). Belege/Empirie: Die Überwachung hat einen vernachlässigbaren direkten Einfluss auf die Kosten und Einnahmen des Handels; daher muss jeder beobachtete Rückgang der Importe aufgrund der Überwachung auf indirekten oder strategischen Druck zurückzuführen sein, wobei die Exporteure das Gefühl haben, dass sie durch eine Änderung ihres Verhaltens die nachfolgenden Maßnahmen der Regierung des Importlandes beeinflussen können. Krugman III 214 Die Überwachung beschleunigt jedoch die statistische Analyse der betroffenen Einfuhren und setzt, bei vorheriger Überwachung, einige der Mechanismen zur Kontrolle der Einfuhren in Gang. Damit erhöht sie die Gefahr künftiger Einfuhrbeschränkungen. Die vorherige Überwachung ist eindeutig die bedrohlichere Form der Politik. Sie führt nicht nur ein Dokumentationssystem ein, das leicht in ein Genehmigungssystem umgewandelt werden könnte, sondern verpflichtet die nationalen Behörden auch, monatlich im Nachhinein sowohl die tatsächlichen Handelsstatistiken als auch den Wert und das Volumen des Handels zu melden, für den Dokumente ausgestellt worden sind. Da diese Dokumente vor der Einfuhr beschafft werden müssen, haben die monatlichen Berichte zumindest teilweise die Funktion eines Frühwarnsystems. >Bürokratie. Krugman III 215 Zwei weitere Merkmale der Überwachung sollten kurz erwähnt werden. 1) Erstens wird sie nur für einen begrenzten Zeitraum auferlegt - in der Regel für den Rest des Jahres, in dem sie auferlegt wurde, und im ersten Fall für das nächste Jahr. Sie kann jedoch einfach durch eine neue Verordnung der Kommission verlängert werden, so dass sie de facto unbefristet sein kann. Wir beobachten jedoch Fälle, in denen sie aufgehoben wird. 2) Zweitens wird die Überwachung in der Regel diskriminierend angewandt - nur bestimmte Ausführer werden in den Durchführungsverordnungen genannt. Ungeachtet des GATT waren auch die jüngsten Einfuhrbeschränkungen der Europäischen Gemeinschaft in der Regel diskriminierend, so dass wir die diskriminierende Überwachung als eine ziemlich länderspezifische Botschaft interpretieren können. Länder, die mit Überwachungsmaßnahmen konfrontiert sind, werden diese daher im Allgemeinen als potenzielle Vorstufe zu selektiven Einfuhrkontrollen interpretieren, so dass die Auswirkungen der Reaktionen auf die Überwachung im Allgemeinen auf die Gruppe der untersuchten Länder beschränkt sind. Krugman III 216 Reaktionen auf Überwachung: Die Reaktionen der Exporteure auf die Überwachung müssen auf mindestens zwei Ebenen betrachtet werden - auf der Ebene des einzelnen Unternehmens und auf der Ebene der Regierung des exportierenden Landes. Eine dritte, dazwischen liegende Ebene könnte ein Handelsverband sein, der kollektive Maßnahmen ergreift, die jedoch nicht rechtskräftig sind. Ausschlaggebend für die Reaktion eines Exporteurs auf die Überwachung ist das Ausmaß, in dem die von ihm ergriffenen Maßnahmen die Art oder die Wahrscheinlichkeit beeinflussen könnten, dass zu einem späteren Zeitpunkt formellere Schutzmaßnahmen eingeführt werden; dies wiederum hängt mit den wahrscheinlichen Reaktionen der überwachenden Regierung auf Veränderungen der Gesamtausfuhren und dem Ausmaß zusammen, in dem das einzelne Unternehmen die Gesamtausfuhren beeinflussen kann. Die einfachste und direkteste Form strategischen Verhaltens liegt vor, wenn ein ausführendes Unternehmen glaubt, dass die Überwachung der Vorläufer einer wirksamen Antidumpingmaßnahme ist. Es hätte dann einen unmittelbaren und direkten Anreiz, die Preise zu erhöhen und den Handel zu verringern. Der Anreiz wäre unmittelbar, weil sich in der Europäischen Gemeinschaft, anders als in den Vereinigten Staaten, eine Antidumpingmaßnahme, sobald sie eingeleitet wird, auf die historischen Preise bezieht und die Kommission nicht verpflichtet ist, eine Verpflichtung zur Erhebung höherer Preise anstelle der Einführung von Zöllen anzunehmen. Unmittelbar deshalb, weil jeder eingeführte Antidumpingzoll vollkommen negativ mit dem Einfuhrpreis korreliert und für das betreffende Unternehmen berechnet und erhoben wird: Alle Anreize zur Verhaltensänderung sind internalisiert und weisen in die gleiche Richtung. Krugman III 217 Es ist praktisch unmöglich zu beurteilen, ob die Unternehmen die Überwachung als Vorläufer von Antidumpingmaßnahmen betrachten, aber mehrere Faktoren deuten darauf hin, dass dies keine sehr plausible Sichtweise ist: die Häufigkeit, mit der Antidumpingmaßnahmen ohne vorherige Überwachung eingeführt werden, was darauf hindeutet, dass die Europäische Gemeinschaft nicht gezwungen ist, die Maßnahmen nacheinander einzuführen, die unterschiedlichen Rechtsgrundlagen der beiden Ansätze und die Tatsache, dass Antidumpingmaßnahmen eine detailliertere Informationserfassung als die Überwachung erfordern. In drei Fällen gingen Antidumpingmaßnahmen der Überwachung voraus (um mehrere Jahre), und in einer Reihe von Fällen wurden Antidumpingmaßnahmen gegen eng verwandte, aber nicht identische Waren ergriffen, die von der Überwachung betroffen waren. All dies scheint auf eine weitgehende Unabhängigkeit zwischen den beiden Formen der Handelspolitik hinzudeuten. >Einfuhrkontrollen, >Handelspolitik, >Strategische Handelspolitik, >Internationaler Handel, >Zölle, >Optimale Zölle, >Verkaufsverbote. Wenn die Überwachung als Vorbote unvermeidlicher mengenmäßiger Beschränkungen angesehen wird, wird kein Unternehmen einen Anreiz haben, seine Ausfuhren zu verringern, und die meisten werden sie sofort ausweiten wollen. Die Ausweitung kann lediglich eine intertemporale Verschiebung der Verkäufe widerspiegeln - ein Versuch, die Waren ins Land zu bringen, bevor die Tür geschlossen wird oder bevor Zölle erhoben werden. Sie kann aber auch eine strategische Dimension haben. Mengenmäßige Beschränkungen (QR)/freiwillige Ausfuhrbeschränkungen (VER): Die Renten, die durch mengenmäßige Beschränkungen (QR) - insbesondere freiwillige Ausfuhrbeschränkungen (VER) - entstehen, sind proportional zu den Verkäufen, und die Verkaufsquoten für einzelne Unternehmen sind in den meisten Fällen mit den Verkäufen der Vergangenheit verbunden. >Freiwillige Ausfuhrbeschränkungen (VER). So wird ein Unternehmen, das eine QR (Mengenbeschränkung) erwartet, davon ausgehen, dass es umso besser abschneidet, je höher seine Ausfuhren im Basisjahr sind. Darüber hinaus ist dies wahrscheinlich unabhängig davon, ob die Quotenzuteilung durch das importierende oder das exportierende Land erfolgt. Angesichts der Tatsache, dass der Großteil des neuen Protektionismus die Form von diskriminierenden QRs angenommen hat, scheint dieses Kräftemessen um die Position sehr wahrscheinlich zu sein. Yoffie (1983)(3) berichtet beispielsweise über ein solches Verhalten der taiwanesischen und koreanischen Exporteure von Schuhen in die Vereinigten Staaten im Jahr 1976: Der Schutz schien unvermeidlich zu sein, aber ein Hauptziel der Politik bestand darin, ihn lange genug hinauszuschieben, um ein Basisniveau aufzubauen, von dem aus verhandelt werden konnte. Yoffie erzählt die Geschichte mehr aus der Sicht der Handelsverbände und Regierungen als aus der Sicht einzelner Unternehmen, aber das Prinzip ist dasselbe. Unter diesen Umständen wird die Überwachung wahrscheinlich von boomenden Importmengen und einem stabilen oder sinkenden Import-Einheitswert aus den untersuchten Quellen begrüßt werden.* >Gefangenendilemma/Winters. * Nachdem ich diese Arbeit fast abgeschlossen habe, habe ich Hoekman und Leidy (1989)(4) und Anderson (1989)(5) gesehen, die einige der Ideen dieses Absatzes formalisieren. Die letztgenannte Arbeit, die mein Diskussionspartner zu bescheiden ist, um sie hier zu erwähnen, zeigt, dass, wenn die Wahrscheinlichkeit eines VER exogen ist, jeder Wirtschaftszweig versuchen wird, seine Exporte zu steigern, solange er die Möglichkeit dazu hat. Wenn die Wahrscheinlichkeit hingegen endogen ist und die Industrie nur unvollkommen wettbewerbsfähig ist, kann Selbstbeschränkung optimal sein. 1. L. Alan Winters. „Import Surveillance as a Strategic Trade Policy.“ In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press. 2. Grossman, G. M. 1987. Strategic export promotion: A critique. In Strategic tradepolicy and the new international economics, ed. P. R. Kurgman. Cambridge: MIT Press. 3. Yoffie, D. 1983. Power and protectionism. New York: Columbia University Press. 4. Hoekman, B. M., and M. P. Leidy. 1989. Dealing with “market disruption”: Designing a system of emergency protection. Geneva: General Agreement on Tariffs and Trade. Mimeograph. 5. Anderson, J. E. 1989. Domino dumping, I: Competitive exporters. Worlung Paper no. 186, Department of Economics, Boston College. L. Alan Winters. „Import Surveillance as a Strategic Trade Policy.“ In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press. |
EconKrug I Paul Krugman Volkswirtschaftslehre Stuttgart 2017 EconKrug II Paul Krugman Robin Wells Microeconomics New York 2014 Krugman III Paul Krugman Alasdair Smith Empirical Studies of Strategic Trade Policy Chicago: The University of Chicago Press 1994 |
| Einführung | Millikan | I 82 Neue Wörter/Neuheit/Einführung/Millikan: das neu eingeführte Wort hat eine Eigenfunktion, die nicht nur von den Sprecherintentionen abgeleitet ist, sondern auch von der öffentlichen Stabilisierungsfunktion der Einführung. Als solches hat es öffentliche Bedeutung. I 144 Einführung/Überzeugung/Glauben/intentionales Icon/Millikan: 1. Menschen haben Mechanismen - „Konsistenz-Tester“ – die die Widerspruchsfreiheit ihrer Sätze testen. 2. Syntaktische Formen werden durch Programme produziert, die ihrerseits getestet werden. Problem: wir müssen zeigen, warum ein Satz ein intentionales Icon sein soll. Der Schlüssel wird sein, eine Eigenfunktion zu finden I 145 für jeden Satz, der von den Konsistenz-Tester als Standard gebraucht wird. >Terminologie/Millikan. ad 1. Angenommen, ein Token wird wiederholt und hat überlebt, wird wiedererkannt und erwirbt eine Eigenfunktion. Dass es den Text besteht, hilft, dass es sich stabilisiert. Wenn alle Aspekte eines Satzes Elemente von Familien sind, muss der Satz als Ganzes Bedingung 1. entsprechen. ad. 2. der Konsistenz-Tester unterscheidet zwischen Paaren von Sätzen, die a) Kontradiktionen sind, b) dasselbe sagen, c) weder Kontradiktionen sind, noch dasselbe sagen. Dazu muss der Texter Sätze, die dasselbe sagen, als solche erkennen und Negation als Negation erkennen. Neue Wörter: müssen aufgrund der phonetischen Struktur neu sein. Tester: muss genetisch dafür programmiert sein, neue Wörter zu erfinden. I 146 Neue Wörter und Tester sind dazu bestimmt, zueinander zu passen. Neue Programme: sind nur gut, wenn sie helfen Sätze zu produzieren nach Regeln, die Gründe haben. Die Gründe müssen die Bedingungen erwähnen, unter denen sie oft arbeiten und sie müssen auch Naturgesetze erwähnen, die die Sätze mit dem verbinden, was abgebildet wird. Information: so müssen Sätze Information transportieren. (>F. Dretske: Knowledge and the Flow of Information, 1981). Lösung: der Konsistenz-Tester macht das, indem er Sätze, die von anderen Programmen produziert werden, mit einem Satz S vergleicht. Wenn S seine Eigenfunktion nach derselben Abbildungsfunktion erfüllt, adaptiert sich der Konsistenz-Tester an die Bedingungen in der Welt, so dass er nun diese anderen Programme testen kann! Pointe: damit ist S ein intentionales Icon. I 183 Einführung/Referent/bestimmte Kennzeichnung/innerer Name/Millikan: wenn man eine Kennzeichnung in einen inneren Namen übersetzt, muss dies dann einer sein, der schon vorher existiert, oder kann er neu geprägt werden? Für den Moment genügt es, diese zwei Möglichkeiten zu unterscheiden. Terminologie/Millikan: wir sprechend dann von „altem“ und „neuem“ Referenten Innerer Name/bestimmte Kennzeichnung/Millikan. der innere Name, der vom Hörer für die Bestimmte Kennzeichnung eingesetzt wird, muss von einem Begriff regiert werden. >Kennzeichnung/Millikan. I 184 Bsp ich habe einen Begriff von den Mitgliedern meiner Familie. ((s) „Begriff“ hier statt „Vorstellung“). I 186 Einführung/identifizierend/Identifikation/Kennzeichnung/Millikan: eine Kennzeichnung, die (zufällig) einen Referenten einführt, drückt dies nicht selbst aus. >Identifikation/Millikan. notwendig identifizierend: eine notwendig identifizierende Kennzeichnung drückt allerdings aus, dass sie identifizierend ist. ((s) Selbstbezüglichkeit: ist etwas anderes als seine eigene Funktion im Vollzug zum Ausdruck zu bringen). I 211 Einführung/Neuheit/neu/Millikan: wenn wir mit erwähnenden Anführungszeichen einen ganz neuen Ausdruck einführen, referieren wir auf eine reproduktiv festgelegte Familie. Außerdem sollte das neue Symbol wenigstens zum Teil aus schon bekannten Elementen oder Aspekten bestehen. Sonst fällt das Token nicht innerhalb irgendein Schema Gleiches/Verschiedenes, was notwendig ist, damit man die Nachkommenschaft dieses Ausdrucks (Tokens desselben Typs) erkennen könnte. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Einführung | Peacocke | I 98 Prädikate/Verstehen/Einführung/Peacocke: Unterschied: 1. Die Weise, wie die Umstände eingeführt werden 2. Die Weise, wie der Gehalt ((s) des Prädikats) eingeführt wird. Bsp Def "quadrund". quadratisch wenn beobachtet und rund, wenn unbeobachtet. 1. Die Weise der Einführung: über Festlegung, was bei Beobachtung/Nichtbeobachtung der Fall ist. 2. Die Weise: dass es quadratisch aussieht. Fazit: Es geht darum, dass man "quadratisch" anwendet, wenn man bereit ist, es auch auf unbeobachtete Fälle anzuwenden. I 99 Zum Verständnis muss man auch beobachtungsunabhängige Begriffe identifizieren und herausfinden, dass sie unabhängig sind. >Eigenschaften, >Prädikate, >Beobachtung, >Beobachtbarkeit, >Unbeobachtbares, >Beobachtungsbegriffe, >Unterscheidungen, >Sehen, >Wissen, >Sprachgebrauch. |
Peacocke I Chr. R. Peacocke Sense and Content Oxford 1983 Peacocke II Christopher Peacocke "Truth Definitions and Actual Languges" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 |
| Einführung | Quine | VII (d) 77 Einführung/Sprache/Allgemeiner Term/Quine: Der Gebrauch allgemeiner Termini ist im Lauf der Sprachentwicklung wahrscheinlich dadurch entstanden, dass ähnliche Stimuli ähnliche Reaktionen hervorrufen. >Sprachentstehung, >Reize, >Allgemeine Termini, >Verallgemeinerung, >Allgemeinheit. Sprache wäre unmöglich ohne allgemeine Termini. Um sie zu verstehen, muss man bei ihrer Einführung den zusätzlichen Operator "Klasse von" oder "heit" anerkennen. Das zu versäumen, war wahrscheinlich der Grund, abstrakte Entitäten anzunehmen. IX 13 Einführung: es wäre ein Fehler, Bsp "*(Fx)" für "x = 1 ∧ EyFy" zu schreiben. Denn es wäre falsch, "*(F0) ↔ *(F1)" aus "F0 ↔ F1" zu schließen. Daher müssen wir unserer Definition 2.1 misstrauen, die "Fx" im Definiendum, aber nicht im Definiens aufweist. XI 39 Namen/Logik/Quine/Lauener: der logische Status von Eigennamen hängt nicht von der Art der Einführung, sondern allein von der Relation zu den übrigen Ausdrücken ab. >Namen. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Eingriff ins Eigentum | Rothbard | Rothbard III 182 Eingriff in das Eigentum/freier Markt/freie Gesellschaft/Rothbard: (...) dass das, was die Vollstreckungsbehörde in einer freien Gesellschaft bekämpft, der Eingriff in die physische Person und das Eigentum ist, nicht die Verletzung der Werte des Eigentums. Denn physisches Eigentum ist das, was die Person besitzt; sie hat kein Eigentum an Geldwerten, die eine Funktion dessen sind, was andere für ihr Eigentum zu zahlen bereit sind. Daher ist der Vandalismus gegen eine Fabrik oder der Raub einer Fabrik ein Eingriff in das materielle Eigentum und somit verboten. Andererseits kann der Umstieg vom Kauf des Produkts dieser Fabrik auf das Produkt einer konkurrierenden Fabrik den Geldwert des Eigentums der erstgenannten Fabrik senken, was jedoch keine strafbare Handlung darstellt. Es ist gerade die Bedingung einer freien Gesellschaft, dass ein Eigentümer keinen unverdienten Anspruch auf das Eigentum eines anderen hat; daher hat er kein verbrieftes Recht auf den Wert seines Eigentums, sondern nur auf dessen physische Existenz. Was den Wert betrifft, so muss dieser auf dem freien Markt ermittelt werden. Das ist zum Beispiel die Antwort auf diejenigen, die glauben, dass „unerwünschte“ Unternehmen oder Personen rechtlich daran gehindert werden müssen, sich in einem bestimmten Viertel niederzulassen, weil dies „den bestehenden Immobilienwert senken kann oder wird.“ >Freier Markt/Rothbard, >Eigentum/Rothbard, >Arbeit/Rothbard, >Handlung/Rothbard, >Betrug/Rothbard. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Einheit | Aristoteles | Gadamer I 357 Einheit/Einheitlichkeit/Erfahrung/Wissenschaft/Aristoteles/Gadamer: (...) Darin liegt die grundsätzliche Offenheit der Erfahrung für neue Erfahrung - nicht nur in dem allgemeinen Sinne, dass Irrtümer zur Berichtigung kommen, sondern sie ist ihrem Wesen nach auf ständige Bestätigung angewiesen und wird daher notwendigerweise selbst eine andere, wenn die Bestätigung ausbleibt (ubi reperitur instantia contradictoria). Aristoteles hat für die Logik dieses Verfahrens ein sehr schönes Bild. Er vergleicht die vielen Beobachtungen, die einer macht, mit einem fliehenden Heer. Heer. (...) wenn in dieser allgemeinen Flucht doch einmal eine Beobachtung sich in wieder- Gadamer I 358 holter Erfahrung bestätigt, dann bleibt sie stehen. >Erfahrung/Aristoteles, >Wissen/Aristoteles. Damit setzt an diesem Punkt gleichsam ein erster Stillstand in der allgemeinen Flucht ein. Wenn sich ihm nun andere anreihen, so kommt am Ende das ganze Heer der Fliehenden zum Stehen und gehorcht wieder der Einheit des Kommandos. Die einheitliche Beherrschung des Ganzen versinnbildlicht hier, was Wissenschaft ist. Das Bild soll zeigen, wie es überhaupt zur Wissenschaft, d. h. zur allgemeinen Wahrheit, kommen kann, die von der Zufälligkeit der Beobachtungen nicht abhängen darf, sondern in wirklicher Allgemeinheit gelten soll. >Wissenschaft/Aristoteles. Erfahrung/Induktion/Aristoteles/Gadamer: Das Bild hält die eigentümliche Offenheit fest, in der Erfahrung erworben wird, an diesem oder jenem, plötzlich, unvorhersehbar und doch nicht unvorbereitet, und von da an bis zu neuer Erfahrung gültig, d. h. nicht nur für dieses oder jenes, sondern für alles Derartige bestimmend. Es ist diese Allgemeinheit der Erfahrung, durch die nach Aristoteles die wahre Allgemeinheit des Begriffs und die Möglichkeit der Wissenschaft zustande kommt. Das Bild illustriert also, wie die prinzipienlose Allgemeinheit der Erfahrung (die Reihung derselben) doch zur Einheit der arché hinführt (arché = „Kommando“ und „Prinzip“). |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Einheit | Feynman | I 116 Vereinheitlichung/Theory of Everything/TOE/Feynman: Wenn wir eines Tages eine "Universalgleichung finden, könnte eine ihrer Wurzeln diese Zahl 1/4,170000000000000...... sein. Wenn wir die Zeit, die das Licht zum Durchqueren eines Protons benötigt, mit dem Alter des Weltalls vergleichen, so ist die Antwort 1042. Sie hat also die gleiche Anzahl Nullen. Also wurde vorgeschlagen, dass die Gravitationskonstante mit dem Weltalter verbunden ist. Wenn sie aber verbunden ist, müsste sie sich mit der Zeit ändern! Vs: Wäre das der Fall, wäre die Welt um die Zeit, als Leben auf ihr entstand um 100° heißer gewesen, weil sie näher an der Sonne gewesen wäre. Das Leben hätte also nicht entstehen können. >Vereinheitlichung, >Leben/Richard Dawkins, >Leben/Stuart Kauffman, >Leben/Ernst Mayr, >Leben/Jacques Monod, vgl. >Evolution, >Theory of everything. |
Feynman I Richard Feynman Vorlesungen über Physik I München 2001 Feynman II R. Feynman Vom Wesen physikalischer Gesetze München 1993 |
| Einheit | Historismus | Gadamer I 212 Einheit/Geschichte/Historismus/Gadamer: Wenn die Wirklichkeit der Geschichte als Spiel der Kräfte gedacht ist, so genügt dieser Gedanke offenkundig nicht, ihre Einheit notwendig zu machen. Auch was Herder und Humboldt leitete, das Ideal des Reichtums an Erscheinungen des Menschlichen, begründet als solches keine wahre Einheit. Es muss etwas sein, was sich in der Kontinuität des Geschehens als ein richtunggebendes Ziel herausstellt. In der Tat, die Stelle, die in den geschichtsphilosophischen Eschatologien religiösen Ursprungs und in ihren säkularisierten Abwandlungen besetzt ist, ist hier zunächst leer(1). Keine Vormeinung über den Sinn der Geschichte soll ja die Erforschung derselben voreinnehmen. Gleichwohl ist die selbstverständliche Voraussetzung ihrer Erforschung, daß sie eine Einheit bildet. So kann Droysen ausdrücklich den Gedanken der weltgeschichtlichen Einheit selber - wenn auch gerade keine inhaltliche Vorstellung von dem Plan der Vorsehung - als eine regulative Idee anerkennen. Indessen liegt in diesem Postulat eine weitere Voraussetzung eingeschlossen, die es inhaltlich bestimmt. Die Idee der Einheit der Weltgeschichte schließt die ununterbrochene Kontinuität der weltgeschichtlichen Entwicklung ein. Auch diese Idee der Kontinuität ist zunächst formaler Natur und impliziert keinen konkreten Inhalt. Auch sie ist wie ein Apriori der Forschung, das zu immer tieferem Eindringen in die Verflechtung des weltgeschichtlichen Zusammenhanges einlädt. Insofern ist es nur als eine methodologische Naivität Rankes zu beurteilen, wenn er von der „bewundernswerten Stetigkeit“ der geschichtlichen Entwicklung spricht(2). Was er in Wahrheit damit meint, ist gar nicht diese Struktur der Stetigkeit selbst, sondern das Inhaltliche, was sich in dieser stetigen Entwicklung herausbildet. >Einheit/Ranke, >Kontinuität/Ranke. Gadamer I 214 HistorismusVsHegel: (...) die historische Schule vermochte Hegels Begründung der Einheit der Weltgeschichte durch den Begriff des Geistes nicht zu akzeptieren. Dass sich im vollendeten Selbstbewusstsein der geschichtlichen Gegenwart der Weg des Geistes zu sich selber vollendet, welcher den Sinn der Geschichte ausmacht - das ist eine eschatologische Selbstdeutung, die im Grunde die Geschichte im spekulativen Begriff aufhebt. Die historische Schule sah sich statt dessen in ein theologisches Verständnis ihrer selbst gedrängt. Wenn sie ihr eigenes Wesen, sich als fortschreitende Forschung zu denken, nicht aufheben wollte, musste sie die eigene endliche und begrenzte Erkenntnis auf einen göttlichen Geist beziehen, dem die Dinge in ihrer Vollendung bekannt sind. Ranke/Gadamer: Es ist das alte Ideal des unendlichen Verstehens, das hier selbst noch auf die Erkenntnis der Geschichte angewandt wird. So schreibt Ranke: »Die Gottheit - wenn ich diese Bemerkung wagen darf - denke ich mir so, dass sie, da ja keine Zeit vor ihr liegt, die ganze historische Menschheit in ihrer Gesamtheit überschaut und überall gleich wert findet.«(3) Gadamer: Hier ist die Idee des unendlichen Verstandes (intellectus infinitus), für den alles zugleich ist (omnia simul), zum Urbild historischer Gerechtigkeit umgeformt. Ihm kommt der Historiker nahe, der alle Epochen und alle geschichtlichen Erscheinungen vor Gott gleichberechtigt weiß. So stellt das Bewusstsein des Historikers die Vollendung des menschlichen Selbstbewusstseins dar. Je mehr es ihm gelingt, den eigenen unzerstörbaren Wert einer jeden Erscheinung zu erkennen, und das heißt: historisch zu denken, desto gottähnlicher denkt er(4). Ranke hat eben deshalb das Amt des Historikers mit dem priesterlichen verglichen. „Unmittelbarkeit zu Gott“ ist für den Lutheraner Ranke der eigentliche Inhalt der christlichen Botschaft. 1. Vgl. K. Löwith, Weltgeschichte und Heilsgeschehen (Stuttgart 1953), und meinen Artikel „Geschichtsphilosophie“ in RGG3. 2. Ranke, Weltgeschichte IX, 2 Xlll. 3. Ranke, Weltgeschichte IX, 2, S. 5, S. 7. 4. »Denn das ist gleichsam ein Teil des göttlichen Wissens« (Ranke, ed. Rothacker S. 43, ähnlich S. 52). |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Einheit | James | Diaz-Bone I 128 Einheit/Vielheit/James: dies ist das wichtigste philosophische Problem, weil es inhaltliche Konsequenzen hat. Ist Vielfalt wirklich belanglos? Einheit ist nicht das einzige Bedürfnis. Trotzdem werde ich Einheit immer als vornehmer als Vielheit ansehen. I 130 Einheit: der Begriff allein kann keine Garantie für das Erfassen des Ganzen durch die gedankliche Vorstellung sein. Der Begriff Universum ist kein Beleg für die tatsächliche Existenz. Welt/James: statt der Frage von Einheit und Vielheit ist die Auffassung von besonderer Bedeutung, es handele sich um ein raum-zeitliches Kontinuum. I 131 Einheit und Vielheit sind hier absolut gleichwertig! I 131 Kausalität/James: kann überhaupt von kausaler Einheit oder Zweckeinheit der Welt gesprochen werden? Vielheit kann als ebenso ewig angesehen werden wie kausale Vereinheitlichung! I 132 Welt/James: Weder Universum noch Multiversum, Einheit und Vielheit können gleichzeitig und nebeneinander bestehen. Die Welt ist in dem Maße eins, in dem ihre Teile zusammenhängen. Sie wird durch den Menschen mehr und mehr in einheitliche Systeme gebracht. (>Davidson: beschreibungsabhängig. > Welt/Denken/Davidson, Beschreibung/Davidson, Realität/Davidson, Wirklichkeit/Davidson). |
James I R. Diaz-Bone/K. Schubert William James zur Einführung Hamburg 1996 |
| Einheit | Laclau | Gaus I 273 Einheit/Laclau/Mouffe/West: Es gibt keine vorherbestimmte Logik der revolutionären Transformation, die die Arbeiterklasse oder gar neue soziale Bewegungen in den Mittelpunkt des politischen Kampfes stellt: "Es gibt keine einzigartige privilegierte Position, aus der sich eine einheitliche Kontinuität der Wirkungen ergibt, die mit der Transformation der Gesellschaft als Ganzes endet" (1985(1):169). Weder partikulare soziale Interessen noch mögliche Allianzen zwischen ihnen sind von vornherein gegeben, so wie es marxistische und andere 'essentialistische' Theorien angenommen haben. Repräsentation: Laclau und Mouffe lehnen jeden Begriff von "Repräsentation" ab, der auf bereits bestehende Interessen verweist. >Politische Repräsentation. Vielmehr sind sowohl die Einheit, die ein bestimmtes soziales Interesse ausmacht oder die "Subjektposition und jede mögliche Allianz zwischen Interessen sind die kontingenten und unvorhersehbaren Ergebnisse der "Artikulation", die sich auf jede Praxis bezieht, die eine Beziehung zwischen Elementen herstellt, so dass ihre Identität als Ergebnis der Artikulationspraxis verändert wird" (1985(1):105). Einheit ist niemals "Ausdruck eines gemeinsamen zugrundeliegenden Wesens, sondern das Ergebnis von politischer Konstruktion und Kampf" (1985(1):65). 1. Laclau, Ernesto and Chantal Mouffe (1985) Hegemony and Socialist Strategv: Towards a Radical Democratic Politics. London: Verso. West, David 2004. „New Social Movements“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Einheit | Leibniz | Holz I 25 Einheit/Leibniz: Leibniz legt Nachdruck auf die Einheit indem er sagt, dass "nicht wahrhaft ein Seiendes ist, was nicht wahrhaft ein Seiendes ist." I 26 Holz: Der Plural setzt den Singular voraus. Einheit/Monadologie/Leibniz: es muss einfache Substanzen geben, weil es zusammengesetzte gibt. Problem: Das Einfache, Einheitliche, und Einzelne ist aber an sich selbst nicht zu denken, denn Denken heißt Bestimmen, also Abgrenzen gegen Anderes, Definieren. Platon/Parmenides: das Eine als eines impliziert das Andere und ist als Eins in Bezug auf Viele. Marsilius Ficino: Kommentar zu Parmenides: "Die Kraft der Andersheit selbst bewirkt, wenn sie den idealen Formen eingefügt wird, die Negation." Sein/Holz: wenn von allen ontischen Verschiedenheiten abgesehen wird, ist die Absolute Andersheit die logische Zweiwertigkeit, der ontologisch die Vermischung des Nicht Seins mit dem Sein entspricht. Leibniz: "non ens cum ente confusum". I 43 Einheit/Erfahrung/Wahrnehmung/Welt/Leibniz: die Mannigfaltigkeit der Welt ist ebenso unbestreitbar wie unbeweisbar. >Beweis/Leibniz, >Wahrnehmung/Leibniz, >Erfahrung/Leibniz. Die Einheit dieser Vielheit muss als Prinzip der Demonstration aus ihr selbst gewonnen werden. Denken: für den Gebrauch des Denkens reicht der Rückgang auf die erste Setzung des Identitätsprinzips. Erkenntnis: dafür braucht die Setzung selbst noch eine Begründung. >Erkenntnis/Leibniz. I 58 Identität/Vielheit/Mannigfaltigkeit/Substanz/LeibnizVsSpinoza: der Ursprung der Identitätsevidenz aus der Erfahrung lässt die Vielheit des Gegebenen unangetastet. Im Gegensatz zu Spinoza, wo alles auf die Einheit einer einzigen Substanz reduziert ist. Das Identitätsprinzip ist bei Leibniz rein logisch formal. Aber: Epistemisch/ontologisch/Leibniz: die ontologische Qualität des Identitätsprinzips findet sich nicht in ihm selbst, sondern in der Sinneswahrnehmung. Die Sinne lassen sehen, dass "A ist A" ein Satz ist, dessen Gegensatz "A ist nicht A" einen formalen Widerspruch in sich schließt. Die Sinne zeigen, dass das Prädikat dem Subjekt innewohnt und dass es ein Widerspruch ist, es ihm abzusprechen. Holz: das ist aber kein irrationaler Empirismus: das System der Vernunftwahrheiten, die in dieser möglichen Welt notwendig gelten, muss in der Faktizität dieser Welt gegeben sein. Doch ist das Logische am Faktischen immer nur durch die Vernunft auf dem Weg der Deduktion gegeben. I 59 Diese ist uns im direkten Zugriff verstellt und muss erst deduziert werden. Damit die vorprädikative Evidenz nicht ins Irrationale umschlägt, muss sie in einem ontologischen Konstrukt begründet werden, indem sich die Identität als notwendige Struktur der mannigfaltigen und sich verändernden Welt erweist. (Reflexion). I 75 Einheit/Substanz/LeibnizVsSpinoza: die ultima ratio ist notwendig nur ein Grund, nicht eine Vielheit, weil er die Struktur des Ganzen ist. Leibniz braucht also die Vielheit der Dinge nicht zu opfern, um zur einen und einzigen Welt zu kommen. An die Stelle der Substanz von Spinoza tritt bei ihm die "harmonie universelle". Existenz/Leibniz: Frage: "Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?". Diese Frage bleibt auch noch bestehen, wenn wir die Einheit der Vielheit gesichert haben. Es könnte immer noch nichts geben! >Substanz/Spinoza, >Substanz/Leibniz. I 76 Angenommen, die Dinge müssen existieren, so muss man darüber hinaus den Grund angeben können, warum sie so existieren müssen und nicht anders. I 97f Einheit/Leibniz: eine unbewegte Einheit der Welt wäre nur eine mit vielen Eigenschaften. I 127 Einheit/Vielheit/Modalität/modal/Leibniz/Holz: die Differenz zwischen der Welt in ihrer Totalität und der Verschiedenheit ihrer Teile erfordert eine modale Unterscheidung am Weltbegriff. Dass die Welt ist, mag sowohl bedeuten, dass sie in einem Punkt zusammengefasst ist als auch, dass sie als eine ausgedehnte Vielheit "extensive" aufgefasst oder "perzipiert" wird. Als Menge separater Teile. Scholastik: "partes extra partes". I 128 Einheit: Substanz oder Seins Aspekt. Vielheit: Phänomen oder Erscheinungsaspekt. >Phänomen/Leibniz. |
Lei II G. W. Leibniz Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998 Holz I Hans Heinz Holz Leibniz Frankfurt 1992 Holz II Hans Heinz Holz Descartes Frankfurt/M. 1994 |
| Einheit | Mouffe | Gaus I 273 Einheit/Laclau/Mouffe/West: Es gibt keine vorherbestimmte Logik der revolutionären Transformation, die die Arbeiterklasse oder gar neue soziale Bewegungen in den Mittelpunkt des politischen Kampfes stellt: "Es gibt keine einzigartige privilegierte Position, aus der sich eine einheitliche Kontinuität der Wirkungen ergibt, die mit der Transformation der Gesellschaft als Ganzes endet" (1985(1):169). Weder partikulare soziale Interessen noch mögliche Allianzen zwischen ihnen sind von vornherein gegeben, so wie es marxistische und andere 'essentialistische' Theorien angenommen haben. Repräsentation: Laclau und Mouffe lehnen jeden Begriff von "Repräsentation" ab, der auf bereits bestehende Interessen verweist. >Politische Repräsentation. Vielmehr sind sowohl die Einheit, die ein bestimmtes soziales Interesse ausmacht oder die "Subjektposition und jede mögliche Allianz zwischen Interessen sind die kontingenten und unvorhersehbaren Ergebnisse der "Artikulation", die sich auf jede Praxis bezieht, die eine Beziehung zwischen Elementen herstellt, so dass ihre Identität als Ergebnis der Artikulationspraxis verändert wird" (1985(1):105). Einheit ist niemals "Ausdruck eines gemeinsamen zugrundeliegenden Wesens, sondern das Ergebnis von politischer Konstruktion und Kampf" (1985(1):65). 1. Laclau, Ernesto and Chantal Mouffe (1985) Hegemony and Socialist Strategv: Towards a Radical Democratic Politics. London: Verso. West, David 2004. „New Social Movements“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Einheit und Vielheit | Gadamer | I 430 Einheit und Vielheit/Sprache/Wort/Denken/Gadamer: Der Unterschied zwischen der Einheit des göttlichen Wortes und der Vielheit der menschlichen Worte schöpft die Sachlage nicht aus. Vielmehr haben Einheit und Vielheit ein von Grund auf dialektisches Verhältnis. Die Dialektik dieses Verhältnisses beherrscht das ganze Wesen des Wortes. Auch I 431 vom göttlichen Wort ist der Begriff der Vielheit nicht ganz fernzuhalten. Das göttliche Wort ist zwar wirklich nur ein einziges Wort, das in der Gestalt des Erlösers in die Welt gekommen ist, aber sofern es doch Geschehen bleibt - und das ist trotz aller Ablehnung der Subordination, wie wir sahen, der Fall so besteht damit eine wesenhafte Beziehung zwischen der Einheit des göttlichen Wortes und seiner Erscheinung in der Kirche. >Wort Gottes, >Einheit. Menschliches Wort/Gadamer: Umgekehrt zeigt sich im menschlichen Wort der dialektische Bezug der Vielheit der Worte auf die Einheit des Wortes in seinem neuen Licht. Dass das menschliche Wort den Charakter der Rede hat, d. h. durch die Zusammenordnung einer Vielheit von Wörtern die Einheit einer Meinung zum Ausdruck bringt, hatte Plato erkannt und diese Struktur des Logos auf dialektische Weise entfaltet. Aristoteles zeigte dann die logischen Strukturen auf, die den Satz bzw, das Urteil oder den Satzzusammenhang bzw. den Schluss ausmachen. >Sätze, >Urteile, >Aussagen, >Logos, >Antike Philosophie über Logos, >Logos/Platon, >Logos/Aristoteles. Aber die Sachlage ist damit noch nicht erschöpft. Die Einheit des Wortes, die sich in der Vielheit der Wörter auslegt, lässt darüber hinaus etwas sichtbar werden, was im Wesensgefüge der Logik nicht aufgeht und den Geschehenscharakter der Sprache zur Geltung bringt: den Prozess der Begriffsbildung, Indem das scholastische Denken die Verbumlehre ausbildet, bleibt es nicht dabei stehen, die Begriffsbildung als Abbildung der Wesensordnung zu denken. >Begriff/Gadamer, vgl. >Welt/Denken. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Einheitssteuer | Rothbard | Rothbard III 934 Einheitssteuer/Rothbard: Wo immer Steuern anfallen, verderben, behindern und verzerren sie die produktive Tätigkeit des Marktes. Es ist klar, dass eine Lohnsteuer die Verteilung der Arbeitsleistung verzerrt, eine Gewinnsteuer den Gewinn- und Verlustmotor der Wirtschaft lähmt, eine Zinssteuer dazu neigt, Kapital zu verbrauchen, usw. Henry George/Georgismus/Rothbard: Eine allgemein anerkannte Ausnahme von dieser Regel ist die Doktrin von Henry George, dass Bodeneigentümer keine produktive Funktion ausüben und dass die Regierung daher den Grundstückswert sicher besteuern kann, ohne das Angebot an produktiven Dienstleistungen auf dem Markt zu verringern. Rothbard: Dies ist die ökonomische und nicht die moralische Begründung für die berühmte „Einheitssteuer“. Unglücklicherweise haben nur sehr wenige Ökonomen diese Grundannahme in Frage gestellt, da der Vorschlag einer einzigen Steuer im Allgemeinen aus rein pragmatischen („es gibt in der Praxis keine Möglichkeit, den Wert des Grundstücks vom Wert der Verbesserungen zu unterscheiden“) oder konservativen („es wurde zu viel in das Grundstück investiert, um die Grundstückseigentümer jetzt zu enteignen“) Gründen abgelehnt wird.(1) RothbardVsGeroge, Henry/RothbardVsGerogismus/VsEinheitssteuer: Doch diese zentrale georgistische Behauptung ist völlig unzutreffend. Der Eigentümer von Grund und Boden erbringt eine sehr wichtige produktive Leistung. Er findet Grundstücke, bringt sie in Gebrauch und vergibt sie dann an die wertvollsten Bieter. Wir dürfen uns nicht von der Tatsache täuschen lassen, dass der physische Bestand an Grund und Boden zu einem bestimmten Zeitpunkt festgelegt ist. Rothbard III 935 Besteuerung von Grund und Boden: Im Fall von Grund und Boden, wie bei anderen materiellen Gütern, ist es nicht nur das physische Gut, das verkauft wird, sondern ein ganzes Bündel von Dienstleistungen zusammen mit ihm - unter denen die Dienstleistung der Übertragung des Eigentums vom Verkäufer zum Käufer ist, und zwar auf effiziente Weise. Grund und Boden sind nicht einfach nur vorhanden; sie müssen dem Nutzer vom Eigentümer zur Verfügung gestellt werden (ein und derselbe Mann kann natürlich beide Funktionen erfüllen, wenn der Boden „vertikal integriert“ ist)(2) >Produktionsstruktur. Bodenrente: Der Grundeigentümer erzielt die höchsten Bodenrenten, indem er die Grundstücke den wertvollsten, d. h. den von den Verbrauchern am meisten gewünschten Nutzungen zuweist. Insbesondere darf nicht übersehen werden, welche Bedeutung der Standort und die produktive Leistung des Grundstückseigentümers für die Sicherstellung der produktivsten Standorte für die jeweilige Nutzung haben. Grundsteuer/Klassische Ökonomie/Rothbard: Die Ansicht, dass die Inanspruchnahme von Grundstücken und die Entscheidung über ihren Standort nicht wirklich „produktiv“ ist, ist ein Überbleibsel der alten klassischen Ansicht, dass eine Dienstleistung, die nicht greifbar etwas Physisches „schafft“, nicht „wirklich“ produktiv ist.(3) Die Produktivität: Tatsächlich ist diese Funktion genauso produktiv wie jede andere, und sie ist eine besonders wichtige Funktion. Diese Funktion zu behindern und zu zerstören, würde die Marktwirtschaft zerstören.(4) 1. So hat sogar ein so bedeutender Ökonom wie F.A. Hayek (...) geschrieben: „Dieses Schema [die Einheitssteuer] für die Vergesellschaftung des Bodens ist in seiner Logik wahrscheinlich das verführerischste und plausibelste aller sozialistischen Schemata. Wenn die faktischen Annahmen, auf denen es beruht, richtig wären, d.h. wenn es möglich wäre, klar zwischen dem Wert der „dauerhaften und unzerstörbaren Kräfte“ des Bodens ... und ... dem Wert aufgrund von ... Verbesserungen ... zu unterscheiden, wäre das Argument für seine Annahme sehr stark.“ (F.A. Hayek, The Constitution of Liberty. [Chicago: University of Chicago Press, 1960], S. 352-53) Siehe auch ein ähnliches Zugeständnis des österreichischen Ökonomen von Wieser. Friedrich Freiherr von Wieser, „The Theory of Urban Ground Rent“ in Louise Sommer, Hrsg., Essays in European Economic Thought (Princeton, N.J.: D. Van Nostrand, 1960), S. 78 ff. 2. Ich kenne niemanden, der die Produktivität von Grundbesitzern so deutlich herausgestellt hat wie Spencer Heath, ein Ex-Georgist. Siehe Spencer Heath, How Come That We Finance World Communism? (vervielfältigtes MS, New York: Science of Society Foundation, 1953); idem, Rejoinder to 'Vituperation Well Answered' by Mr. Mason Gaffney (New York: Science of Society Foundation, 1953); idem, Progress and Poverty Reviewed (New York: The Freeman, 1952). 3. Spencer Heath kommentiert Henry George wie folgt: „Wenn es um die Dienstleistungen der Landbesitzer geht, bleibt er bei seinem Diktum, dass alle Werte physisch sind ... In den Tauschleistungen, die [die Grundbesitzer] erbringen, in ihrer sozialen Verteilung von Grundstücken und Ressourcen, ist keine physische Produktion involviert; daher kann er nicht erkennen, dass sie Anspruch auf irgendeinen Anteil an der Verteilung von physischen Dingen haben und dass der Pachtzins, den sie erhalten, ... nur eine Entschädigung für ihre zwanglosen Verteilungs- oder Tauschleistungen ist.... Er schließt jegliche Wertschöpfung durch die bei der [Land-]Verteilung durch freien Vertrag und Austausch erbrachten Leistungen aus, was die einzige Alternative zu einer gewaltsamen und ungeordneten oder einer willkürlichen und tyrannischen Verteilung von Land ist. (Heath, Progress and Poverty Reviewed, S. 9-10) 4. Zu den Auswirkungen der „Einheitssteuer“ und zu anderen Kritikpunkten siehe Murray N. Rothbard, The Single Tax: Economic and Moral Implications (Irving-ton-on-Hudson, N.Y.: Foundation for Economic Education, 1957); Rothbard, „A Reply to Georgist Criticisms“ (vervielfältigtes MS., Foundation for Economic Education, 1957); und Frank H. Knight, „The Fallacies in the ‚Single Tax‘“, The Freeman, 10. August 1953, S. 810-11. Einer der amüsantesten Einwände ist der des Dekans der georgistischen Wirtschaftswissenschaftler, Dr. Harry Gunnison Brown. Obwohl die Georgisten einen Großteil ihrer ökonomischen Argumentation auf eine scharfe Unterscheidung zwischen dem Eigentum an Grund und Boden und dem Eigentum an Verbesserungen auf diesem Grund und Boden stützen, versucht Brown, die störenden ökonomischen Auswirkungen der Einheitssteuer zu widerlegen, indem er implizit davon ausgeht, dass Grund und Verbesserungen ohnehin denselben Personen gehören! In Wirklichkeit bleiben die störenden Auswirkungen natürlich bestehen; die vertikale Integration durch Einzelpersonen oder Unternehmen hebt das wirtschaftliche Prinzip nicht von einer der integrierten Produktionsstufen auf. Siehe Harry Gunnison Brown, „Foundations, Professors and 'Economic Education“, The American Journal of Economics and Sociology, Januar, 1958, S. 150-52. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Einhorn - Beispiel | Quine | I 312 "(Ex)(x = Pegasus)" ist falsch, mit Pegasus als singulärem Term. Sie ist jedoch richtig, mit Pegasus als allgemeinem Term "= Pegasus". Aber: "(Ex)(x ist Pegasus)" ist falsch, wegen der Nichtexistenz. >Pegasus-Beispiel/Quine; >Nichtexistenz/Quine. I 356f Fehlschluss der Subtraktion lautet: weil wir von Bedeutung, Einhörnern und "Anbetrachten" reden können, müsste es auch welche geben! (QuineVs) I 424 Einhorn: Problem: ist gegenstandsgerichtetes (verfälschendes) Denken. Manche Philosophen stellen die These auf: "Pegasus" und "Einhorn" können in der Tat völlig geeignete Termini sein. Termini, die wir verstehen, weil ihre Kontexte mit Sinnesreizungen oder intervenierenden Theorien hinreichend eng verknüpft sind, ohne dass es Einhörner oder Pegasus gibt. Bei dieser Schwierigkeit stehen eher singuläre Termini wie "Pegasus" und nicht so sehr allgemeine Termini wie "Einhorn" im Mittelpunkt. Denn an dieser Stelle kommen im alltäglichen Sprachgebrauch die Wahrheitswertlücken ins Spiel. >Wahrheitswert-Lücke/Quine. QuineVs: Quine ist gegen jede Versuchung, sich in den Morast der "unverwirklichten Möglichkeiten" hinauszuwagen. Pegasus/Quine: Pegasus ist singulärer Term Einhorn/Quine: Einhorn ist allgemeiner Term. III 99 Zutreffen: die Termini treffen zu. Kentaur/Einhorn/Quine: "Kentaur" trifft auf jeden Kentauren zu und sonst gar nichts, also auf gar nichts, da es keine Kentauren gibt. III 254 Bedeutung/Nichtexistenz/Singulärer Term/Quine: ein singulärer Term kann ein Objekt bezeichnen oder auch nicht, auf jeden Fall hat er aber eine Bedeutung. Bsp: „Zerberus“. III 256 Einhorn/Bedeutung/Quine: wäre das Wort ohne Bedeutung, würden nicht nur die Dichter darunter leiden, man könnte auch Bsp die einfache Tatsache der Nichtexistenz des Zerberus nicht ausdrücken. III 258 Einhorn/rundes Quadrat/Bezeichnung/Bedeutung/sing Term/Quine: Fazit: dass etwas die Aufgabe hat, etwas zu bezeichnen (d.h. signifikant ist) hängt überhaupt nicht davon ab, dass es diese Aufgabe erfüllt. Signifikant/Quine: Signifikant bedeutet zunächst nur: die Aufgabe zu haben, etwas zu bezeichnen. Es ist nicht die erfolgreiche Bezeichnung! Jedenfalls ist das bezeichnete Objekt nicht die Bedeutung des Wortes. Verwechslung von Bedeutung und bezeichnetem Gegenstand. >Rundes Quadrat/Quine, >Nichtexistenz/Quine. III 264 Einhorn/Variable/Quine: Bsp: „Zerberus bewacht das Tor“ ist analog zu einem offenen Satz, nicht zu einem geschlossenen Satz. ((s) Der offene Satz lautet "x bewacht das Tor." Der geschlossene Satz lautet "Der Wächter bewacht das Tor.") III 280 Kennzeichnung/singuläre Termini/Quine: da singuläre Termini immer als Kennzeichnung aufgefasst werden können, können wir "Einhorn" auch als Kennzeichnung auffassen. Damit ersparen wir uns eine Unterscheidung zwischen bezeichnenden und nicht-bezeichnenden singulären Termini. >Kennzeichnungen/Quine. III 281 Der Streit wird zu einem Streit über Prädikate. >Wahrheitswert/Quine. III 281 Wahrheitswert/Nichtexistenz/Einhorn/Quine: es wäre voreilig zu sagen, Sätze wie "Zerberus bellt" seien falsch. VI 128 Sing Term/Wahrheitswert/Sinn/zweiwertige Logik/Einhorn/Quine: im Falle bezugsloser singulärer Termini oder fehlgeschlagener Kennzeichnungen kennen wir den Wahrheitswert vielleicht nicht. Es ist nicht gewinnbringend, solche Sätze als sinnlos zu bezeichnen, da die Existenz des Objekts sich herausstellen könnte. Siehe Bsp Pluto. Es geht zwar in Ordnung, den Wahrheitswert offenzulassen, aber nicht den Sinn eines Satzes! >Determinismus/Quine. II 137 ff Eigenschaften als letzte Klassen sind alle Element der Nullklasse. Sollen daher alle identisch sein? Vs: diese Identitätsdefinition gilt nur für Theorien, die keine Gegenstände zulassen, die keiner Klasse angehören. (> Autoren zu Nichtexistenz). |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Einkaufspreis | Rothbard | Rothbard III Einkaufspreis/Verkaufspreis/Geldmenge/Rothbard: Betrachten wir die Gewinne und Verluste, die sich aus einer Erhöhung der Geldmenge ergeben. Nehmen wir an, dass wir von einer Position des monetären Gleichgewichts ausgehen. Das Geldverhältnis einer jeden Person ist im Gleichgewicht, wobei Geldbestand und Geldnachfrage gleich sind. Nehmen wir nun an, dass [A] ein neues, bisher unbekanntes Gold findet. Eine Änderung der Daten von [A] hat stattgefunden. Er hat nun einen Überschuss an Gold in seinem Kassenbestand im Vergleich zu seiner Nachfrage danach. [A] handelt, um seinen überschüssigen Bargeldbestand auszugeben. Dieses neue Geld wird, sagen wir mal, für die Produkte von [B] ausgegeben. [B] stellt nun fest, dass sein Kassenbestand seine Geldnachfrage übersteigt, und er gibt seinen Überschuss für die Produkte eines anderen aus. Das erhöhte Angebot von [A] erhöht auch den Verkaufspreis und das Einkommen von [B]. Der Verkaufspreis von [B] ist vor seinem Einkaufspreis gestiegen. Er gibt das Geld für die Produkte von [C] aus, wodurch sich dessen Verkaufspreise, während die meisten Einkaufspreise nicht gestiegen sind. Da das Geld von Hand zu Hand transferiert wird, steigen die Einkaufspreise immer mehr. So steigt beispielsweise der Verkaufspreis von [C], aber bereits eines der Produkte, die er kauft - das von B - ist gestiegen. Ankaufspreis: Im weiteren Verlauf des Prozesses steigen die Einkaufspreise immer weiter an. Die Personen, die weit unten auf der Liste“ stehen, um das neue Geld zu erhalten, stellen also fest, dass ihre Einkaufspreise gestiegen sind, während ihre Verkaufspreise dies noch nicht getan haben. >Zeit/Rothbard, >Kaufkraft/Rothbard, >Markt/Rothbard, >Geldmarkt/Rothbard, >Geldmenge/Rothbard, >Gleichgewicht/Rothbard. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Einstellung und Verhalten | LaPiere | Haslam I 27 Einstellungen und Verhalten/Hospitalitätsstudie/Gastfreundschaft/Fremdenfeindlichkeit/LaPiere: Zunächst gingen die Forscher einfach davon aus, dass es eine starke Übereinstimmung zwischen Einstellung und Handeln geben würde. Tatsächlich ist einer der Gründe, warum Einzelpersonen daran interessiert sind, die Einstellungen anderer zu kennen, genau diese Annahme: Wenn Sie wissen, wie eine Person zu einem Thema denkt, dann sollte dies eine gute Grundlage sein, um vorherzusagen (und vielleicht zu verstehen), wie sie sich in Bezug auf dieses Thema verhalten werden. (...) eine einzelne Forschung (...) führte zu einer besonders dramatischen Widerlegung der Verbindung zwischen Einstellung und Verhalten: Richard LaPiere's (1934)(1) Hospitalitätsstudie. LaPiere fand eine starke Divergenz in der Ablehnung von Fremden, je nachdem, ob er Hotels schriftlich um Zimmer bat oder persönlich in Hotels in Begleitung von Chinesen sprach. Def Einstellung/LaPiere: "Eine soziale Einstellung ist ein Verhaltensmuster [das als Reaktion auf]... bestimmte soziale Situationen gezeigt wird" (1934: S. 230). Mit anderen Worten, er argumentierte, dass man nur bestimmen kann, wie ein Individuum über ein bestimmtes Einstellungsobjekt denkt, indem man die Reaktion des Individuums in relevanten sozialen Situationen beobachtet. Haslam I 28 LaPiere begründete die Untersuchung der Hotelpolitik damit, dass Hotelbesitzer aus wirtschaftlichen Gründen motiviert sein könnten, die breitere Einstellung der damaligen Gesellschaft widerzuspiegeln - insbesondere, um sicherzustellen, dass ihre weiße Kundschaft nicht durch die Politik des Hotels, nicht-weiße Gäste aufzunehmen oder abzulehnen, beleidigt wurde. >Einstellung und Verhalten/Psychologische Theorien, >Einstellungen/Psychologische Theorien. 1. LaPiere, R.T. (1934) ‘Attitudes versus actions’, Social Forces, 13: 230–7. Joanne R. Smith and Deborah J. Terry, “Attitudes and Behavior. Revisiting LaPiere’s hospitality study”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Einstellung und Verhalten | Psychologische Theorien | Haslam I 31 Einstellungen und Verhalten/Psychologische Theorien: Sind Einstellungen und Handlungen miteinander verbunden? LaPieres Studie von 1934(1) wurde weithin als Beweis dafür interpretiert, dass Einstellungen nicht immer das Verhalten vorhersagen. LaPiere fand eine starke Divergenz in der Ablehnung von Fremden, je nachdem, ob er Hotels schriftlich um Zimmer bat oder persönlich in Hotels in Begleitung von Chinesen vorsprach. Alan Wicker (1969)(2) überprüfte 42 experimentelle Studien und stellte fest, dass die durchschnittliche Korrelation zwischen Einstellungen und Verhalten nur sehr gering war (r ≈ .15). Auf dieser Grundlage kam er zu dem Schluss, dass "diese Studien insgesamt gesehen deutlich wahrscheinlicher sind, dass Einstellungen unabhängig oder nur geringfügig mit offenem Verhalten zusammenhängen, als dass sie eng mit Handlungen zusammenhängen" (1969(2): 65). Gleichzeitig behaupteten andere Forscher jedoch, dass die Einstellungen das Verhalten vorhergesagt hätten und versuchten, die in der Literatur identifizierten schwachen Beziehungen zu verstehen. Einige Forscher hoben methodische Fragen im Zusammenhang mit der Messung von Einstellungen und Verhaltensweisen hervor. Genauer gesagt, argumentierten die Forscher, dass es keine einfache Beziehung zwischen Einstellung und Verhalten gebe und dass es notwendig sei, andere Variablen zu berücksichtigen, um das Verhalten genau vorherzusagen. Die dominanten dieser "anderen Variablen"-Ansätze sind die Theorie des begründeten Handelns (Fishbein und Ajzen, 1975(3)) und die Theorie des geplanten Verhaltens (Ajzen, 1991)(4). Nach diesen beiden Theorien ist die unmittelbarste Determinante des Verhaltens die Intention einer Person, sich an diesem Verhalten zu beteiligen. Die Intention wiederum wird durch Einstellungen (d.h. die Bewertung des Zielverhaltens durch die Person), subjektive Normen (d.h. die Wahrnehmung der Person, dass andere das Verhalten billigen würden) und in der Theorie des geplanten Verhaltens, Haslam I 32 durch wahrgenommene Verhaltenskontrolle (d.h. die Wahrnehmung der Person, dass das Verhalten unter ihrer Kontrolle steht) bestimmt. Siehe Meta-Analysen von Albarracin et al., 2001(5); Armitage and Conner, 2001(6); Hagger et al., 2002(7)). Die Einstellungen korrelieren gut mit den Intentionen (die durchschnittliche Korrelation, r, liegt zwischen .45 und .60). Dasselbe gilt für Korrelationen zwischen subjektiven Normen und Intention (.34 < r < .42) und zwischen wahrgenommener Verhaltenskontrolle und Intentionen (.35 < r < .46). Insgesamt erweisen sich Einstellungen, subjektive Normen und wahrgenommene Verhaltenskontrolle in Kombination als sehr gute Prädiktoren für Intentionen (.63 < r < .71). Darüber hinaus beobachtet Sheeran (2002)(8), dass Intentionen selbst gute Prädiktoren für das Verhalten sind (Durchschnitt r = .53). Schema: Einstellung/Subjektive Norm/wahrgenommene Verhaltenskontrolle > Absicht > Verhalten (Mit einem zusätzlichen direkten Einfluss der wahrgenommenen Verhaltenskontrolle auf das Verhalten). Haslam 33 VsLaPiere: Die Studie von LaPiere (>Einstellung und Verhalten/LaPiere) wurde aus mehreren Gründen kritisiert: Erstens geht es um das halbjährliche Intervall zwischen den beiden Bewertungspunkten. Praktisch haben wir keine Möglichkeit zu wissen, ob dieselbe Person sowohl auf die persönliche Serviceanfrage als auch auf die Fragebogenanfrage reagiert hat. (Schwarz 1978)(9). Andere Forscher haben argumentiert, dass die beiden von LaPiere angebrachten Messungen der "Einstellung" nicht wirklich das gleiche Einstellungsobjekt ansprechen. Insbesondere Ajzen und Kollegen (1970)(10) stellen fest, dass ein anderes Ergebnis erzielt worden sein könnte, wenn die verbale Einstellungsmessung das Verhalten des Interesses genauer widerspiegelt. Haslam I 34 Menschen, die eine negative Einstellung gegenüber bestimmten Gruppen haben, können zögern, diese Einstellungen in ihrem öffentlichen Verhalten auszudrücken, da sie sich auch an die allgemein anerkannten Normen der Toleranz oder Höflichkeit halten. Haslam I 35 VsLaPiere: LaPiere (1934)(1) bewertete Verhalten und dann Einstellungen, anstatt Einstellungen und das Verhalten zu bewerten. Wäre LaPiere daran interessiert gewesen, zu testen, ob Einstellungen das Verhalten vorhersagen, dann würde dies eine ernsthafte Einschränkung seiner Arbeit darstellen. Haslam I 36 VsLaPiere: LaPiere glaubte, dass man Einstellungen nur dann wirklich beurteilen kann, wenn man das Verhalten von Individuen betrachtet, weil verbale und verhaltensbezogene Reaktionen auf ein Einstellungsobjekt aus einer einzigen "erworbenen Verhaltensdisposition" resultieren (Campbell, 1963(11): 97). Unter diesen Begriffen werden Einstellungen und Verhaltensweisen eher als formal als kausal verwandt angesehen - das heißt, sie sind verwandt, weil sie Reflexionen desselben zugrunde liegenden Zustandes sind, nicht weil das eine zum anderen führt. Zeitgenössische Sozialpsychologen neigen dazu, Einstellungen als bewertende Dispositionen zu konzeptualisieren (z.B. Eagly und Chaiken, 1993)(12). Diese Konzeptualisierung hat die Art und Weise, wie Einstellungen gemessen werden, vorangetrieben und wird dies auch weiterhin tun. >Einstellungen/Psychologische Theorien. 1. LaPiere, R.T. (1934) ‘Attitudes versus actions’, Social Forces, 13: 230–7. 2. Wicker, A.W. (1969) ‘Attitudes versus actions: The relationship of verbal and overt behavioural responses to attitude objects’, Journal of Social Issues, 25: 41–78. 3. Fishbein, M. and Ajzen, I. (1975) Belief, Attitude, Intention, and Behaviour: An Introduction to Theory and Research. Reading, MA: Addison-Wesley. 4. Ajzen, I. (1991) ‘The theory of planned behaviour’, Organizational Behaviour and Human Decision Processes, 50: 179–211. 5. Albarracin, D., Johnson, B.T., Fishbein, M. and Muellerleile, P.A. (2001) ‘Theories of reasoned action and planned behaviour as models of condom use: A meta-analysis’, Psychological Bulletin, 127: 142–61. 6. Armitage, C.J. and Conner, M. (2001) ‘Efficacy of the theory of planned behaviour: A meta-analytic review’, British Journal of Social Psychology, 40: 471–99. 7. Hagger, M.S., Chatzisarantis, N.L.D. and Biddle, S.J.H. (2002) ‘A meta-analytic review of the theories of reasoned action and planned behaviour in physical activity: Predictive validity and the contribution of additional variables’, Journal of Sport and Exercise Psychology, 24: 3–32. 8. Sheeran, P. (2002) ‘Intention–behaviour relations: A conceptual and empirical review’, European Review of Social Psychology, 12: 1–36. 9. Schwartz, S. (1978) ‘Temporal stability as a moderator of the attitude–behaviour relationship’, Journal of Personality and Social Psychology, 36: 715–24. 10. Ajzen, I., Darroch, R.K., Fishbein, M. and Hornik, J.A. (1970) ‘Looking backward revisited: A reply to Deutscher’, The American Sociologist, 5: 267–73. 11. Campbell, D.T. (1963) ‘Social attitudes and other acquired behavioural dispositions’, in S. Koch (ed.), Psychology: A Study of a Science, Vol. 6. New York: McGraw-Hill. pp. 94–172. 12. Eagly, A.H. and Chaiken, S. (1993) The Psychology of Attitudes. Belmont, CA: Thomson. Joanne R. Smith and Deborah J. Terry, “Attitudes and Behavior. Revisiting LaPiere’s hospitality study”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Einzeldinge | Russell | VI 70 Einzelding/Ding/Objekt//Russell: Jedes Ding könnte vollkommen allein in der Welt sein - jedes könnte auch das ganze Universum sein - bloß unsere Erfahrung zeigt, dass sie es nicht sind. >Bekanntschaft. Einzeldinge/ED/Russell: Einzeldinge haben die Besonderheit, dass sie vollkommen allein in der Welt stehen, diejenige Selbständigkeit, die früher der Substanz zu gehören pflegte. Diese Selbständigkeit besteht nur sehr kurze Zeit, soweit unsere Erfahrung geht. >Erfahrung, >Substanz. Alle Einzeldinge hängen daher logisch von anderen ab. Jedes könnte das ganze Universum sein. Es ist nur eine empirische Tatsache, dass das nicht der Fall ist. Es gibt auch keinen Grund, warum man nicht ein Universum haben sollte, dass aus einem einzigen Einzelding und sonst nichts besteht. Wenn Sie mit dem Einzelding bekannt sind, haben Sie ein volles, angemessenes und umfassendes Verständnis des Namens. Keine weitere Information brächte ein weiteres Verständnis. >Eigennamen, >Denotation/Russell, >Benennen/Russell. |
Russell I B. Russell/A.N. Whitehead Principia Mathematica Frankfurt 1986 Russell II B. Russell Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989 Russell IV B. Russell Probleme der Philosophie Frankfurt 1967 Russell VI B. Russell Die Philosophie des logischen Atomismus In Eigennamen, U. Wolf (Hg) Frankfurt 1993 Russell VII B. Russell On the Nature of Truth and Falsehood, in: B. Russell, The Problems of Philosophy, Oxford 1912 - Dt. "Wahrheit und Falschheit" In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 |
| Einzelfallverursachung | Einzelfallverursachung, Philosophie: theoretisches Problem im Anschluss an David Humes Behauptung, dass Verursachung nicht beobachtbar, sondern nur aus einer Regelmäßigkeit wiederholter Ereignisse zu schließen sei. Praktische Probleme sind dann unter anderem die Erklärung der Entwicklung des Universums oder das Entstehen und Aussterben von Arten. Siehe auch Universum, Art, Ursache, Wirkung, Kausalität, Kausalerklärung, Kausaltheorie, Regelmäßigkeitstheorie, Regularitäten, Regularitätstheorie. |
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| Einzelhandelspreis | Wirtschaftstheorien | Henderson I 72 Einzelhandelspreis/Wirtschaftstheorien/Henderson/Globerman: (...) [manchmal] verlangen die Hersteller von den Einzelhändlern, dass sie einen Mindestverkaufspreis für die Produkte der Hersteller verlangen. Beispielsweise verlangen Hersteller teurer Uhren, wie Rolex, von den Geschäften, die ihre Uhren verkaufen, häufig, dass sie ihre Preise auf einen bestimmten Mindestpreis oder darüber festlegen. Begrenzter Wettbewerb: Diese Praxis ist eindeutig eine Strategie zur Begrenzung des Preiswettbewerbs auf dem Einzelhandelsmarkt für z. B. Rolex-Uhren, was theoretisch schlecht für die Verbraucher sein sollte. Ein weiteres Beispiel sind Gebietsbeschränkungen, mit denen ein Hersteller einem bestimmten Einzelhändler das ausschließliche Recht einräumt, das Produkt des Herstellers an einem bestimmten Ort zu verkaufen. Indem der Hersteller den Wettbewerb zwischen den verschiedenen Einzelhändlern an dem betreffenden Standort einschränkt, schränkt er offenbar auch den Preiswettbewerb für das betreffende Produkt ein, was ebenfalls zum Nachteil des Verbrauchers zu sein scheint. Problem: Warum liegt es manchmal im Interesse der Hersteller, den Wettbewerb im „nachgelagerten“ oder Einzelhandelssegment ihrer Branchen einzuschränken? Es ergibt auf den ersten Blick keinen Sinn, wenn Hersteller wollen, dass Einzelhändler, die ihre Produkte verkaufen, weniger konkurrieren. Denn wenn der Hersteller einer schicken Uhr seine Marktmacht ausnutzen wollte, könnte er dem Einzelhändler einen über dem Wettbewerb liegenden Großhandelspreis in Rechnung stellen und seine privilegierte Stellung direkt in den Preis einfließen lassen, den er seinen unmittelbaren Kunden, d. h. den Einzelhandelsgeschäften, die seine Uhren verkaufen, berechnet. Lester G. Telser: Der erste Wirtschaftswissenschaftler, der dieses Paradoxon erklärte, war Lester Telser von der University of Chicago in seinem 1960 erschienenen Artikel „Why Should Manufacturers Want Fair Trade?“(1) UCLA-Schule: Mitglieder der UCLA-Schule erweiterten Telsers Erkenntnisse. Telser und die UCLA-Mitglieder beleuchteten die Gründe für Praktiken, die den Wettbewerb auf der Einzelhandelsebene scheinbar einschränken, indem sie sich erneut auf die realen Bedingungen des Marktaustauschs beriefen. Kosten der Informationsbeschaffung: Insbesondere die Informationskosten spielen eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, Geschäftspraktiken wie Gebietsbeschränkungen zu verstehen. Stellen Sie sich zum Beispiel vor, warum ein Unternehmen wie Caterpillar, das sehr teure Erdbewegungsmaschinen herstellt, bestimmten Einzelhändlern Exklusivrechte für den Verkauf und die Wartung seiner Maschinen an bestimmten Standorten zuweist. Ein Kunde, der Hunderttausende von Dollar für ein Gerät ausgibt, möchte sich darauf verlassen können, dass die Maschine wie beworben funktioniert. Außerdem möchte er sicher sein, dass die Maschine im Falle eines Defekts schnell und ordnungsgemäß gewartet wird. Henderson I 73 Stellen Sie sich nun vor, dass Caterpillar einer großen Anzahl von Händlern erlaubt, seine Erdbewegungsmaschinen zu verkaufen. (...) stellen Sie sich vor, dass Caterpillar seine Maschinen zum Großhandelspreis an jeden Einzelhändler verkauft, der bereit ist, den Großhandelspreis zu zahlen. Die Aufgabe, die Händler von Caterpillar-Maschinen zu überprüfen, fällt dann den potenziellen Kunden zu. Informationen/Anreize: Während Mund-zu-Mund-Propaganda und andere Informationsquellen dazu beitragen können, potenzielle Kunden darüber zu informieren, welche Caterpillar-Händler mehr oder weniger zuverlässig sind, haben einzelne Einzelhändler einen Anreiz, die Bemühungen anderer Verkäufer von Caterpillar-Maschinen, die benötigten Dienstleistungen zu erbringen, auszunutzen. Service: Zu diesen Bemühungen gehört das Vorhalten von Ersatzteilen, um schnelle und dauerhafte Reparaturen zu ermöglichen. Die Händler, die durch Trittbrettfahren Geld sparen, können es sich leisten, etwas niedrigere Preise zu verlangen als Händler, die alle Dienstleistungen anbieten, die mit dem Verkauf eines sehr teuren Geräts einhergehen. Der Anreiz zum Trittbrettfahren verschärft das Problem der Kunden, die mit einem „hochwertigen“ Händler Geschäfte machen wollen und bereit sind, für die hohe Qualität, die sie erhalten, zu zahlen. Kunden: Potenzielle Kunden müssen insbesondere feststellen, ob und inwieweit ein niedrigerer Preis eines Händlers im Vergleich zu einem anderen einen effizienteren Betrieb des erstgenannten Händlers widerspiegelt und nicht einen qualitativ besseren Kundendienst. Kosten der Information: Die Kosten für das Sammeln und Auswerten von Informationen über die Qualität verschiedener Händler werden wahrscheinlich einige, vielleicht sogar viele potenzielle Kunden davon abhalten, eine teure Caterpillar-Maschine zu kaufen, und sie dazu veranlassen, eine billigere Alternative zu kaufen. Henderson I 74 Exklusivrechte: Würde Caterpillar dagegen einem einzigen Einzelhändler, beispielsweise in der Provinz Alberta, das Exklusivrecht für den Verkauf und die Wartung von Caterpillar-Produkten übertragen, würde das Trittbrettfahrerproblem erheblich gemildert. Der Einzelhändler, der das Exklusivrecht in Alberta innehat, hätte einen Anreiz, Caterpillars zu verkaufen und gleichzeitig die gesamte Palette an Dienstleistungen anzubieten, die die Kunden wünschen und für die sie bereit sind zu zahlen. Qualität: Kunden, die qualitativ hochwertigere Maschinen wünschen, werden im Rahmen der territorialen Exklusivvereinbarung besser gestellt, als wenn Caterpillar seine Maschinen zum Großhandelspreis an jeden potenziellen Händler seiner Produkte verkaufen würde. >Dienstleistung, >Information. 1. Telser, Lester G. (1960). Why Should Manufacturers Want Fair Trade? Journal of Law and Economics 3 (October): 86-105. 2. Klein, Benjamin, and Keith Leffler (2009). The Role of Market Forces in Assuring Contractual Performance. Journal of Political Economy 89, 41: 615-641. |
Henderson I David R. Henderson Steven Globerman The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019 |
| Elimination | Hintikka | Hintikka II 180 Elimination/Eliminierbarkeit/HintikkaVsRussell/Hintikka: Um bloß scheinbar denotierende Kennzeichnungen zu eliminieren, muss man annehmen, dass die Quantoren und gebundenen Variablen über Individuen gehen, die beschreibungsmäßig identifiziert sind. ((s) Objekt der > Beschreibung). Sonst wäre der reale Bismarck kein zulässiger Wert der Variablen, mit denen wir ausdrücken, dass es ein Individuum einer bestimmten Art gibt. Problem: Dann dürfen diese Quantoren aber keine Konstituenten der Propositionen sein, denn ihre Wertebereiche bestehen eben nicht bloß aus Objekten der Bekanntschaft. Daher war Russells Fehler ein zweifacher. 1. Quantor/Variable/Russell/Hintikka: 1905 hatte er schon aufgehört zu denken, dass Quantoren und gebundene Variablen echte Konstituenten von Propositionen sind. Def Scheinveränderliche/Russell/Hintikka: Eine scheinveränderliche Variable ist eine gebundene Variable. 2. Bekanntschaft/Russell: Werte der Variablen sollten nur noch Objekte der Bekanntschaft sein. (HintikkaVsRussell). >Quantifikation, >Quantoren, >Propositionen, >Bekanntschaft. |
Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Emergenz | Anderson | Brockman I 68 Emergenz/Anderson, Philip W./Wilczek: Andersons These: "[d]as Verhalten von großen und komplexen Aggregaten von Elementarteilchen, ist, wie sich herausstellt, nicht im Sinne einer einfachen Extrapolation der Eigenschaften einiger weniger Teilchen zu verstehen"(1). Jede neue Ebene von entsprechender Größe und Komplexität unterstützt neue Organisationsformen, deren Muster Informationen auf neue Weise kodieren und deren Verhalten am besten mit neuen Begriffen beschrieben werden kann. 1. Anderson, PW “More is Different”, in: Science 177, no. 4047 (August4, 1972): 393-96. Wilczek, F. “The Unity of Intelligence”, in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press. |
Ander I Chris Anderson The Long Tail: Why the Future of Business is Selling Less of More New York 2006 Brockman I John Brockman Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019 |
| Emigration | Hirschman | Krastev I 28 Emigration/Hirschman/Krastev: In seinem berühmtesten Werk "Exit, Voice, and Loyalty", das 1970 veröffentlicht wurde, stellte Hirschman zwei Strategien gegenüber, die Menschen anwenden, wenn sie mit einem unerträglichen Status quo konfrontiert werden. Menschen können "aussteigen", d.h. sie können mit den Füßen abstimmen und ihrem Unmut Ausdruck verleihen, indem sie ihre Geschäfte woanders erledigen. Oder sie können sich dafür entscheiden, ihre Bedenken zu "äußern", indem sie stehen bleiben, ihre Stimme erheben und sich dafür entscheiden, für Reformen von innen heraus zu kämpfen. Krastev: Für Ökonomen ist der Ausstieg die bevorzugte Methode zur Verbesserung der Leistung von Produzenten und Dienstleistungsanbietern. Es ist die Strategie, die der Durchschnittsverbraucher anwendet. Kunden, die drohen, den Lieferanten zu wechseln, können eine "wunderbare Konzentration des Geistes" in den Managern eines Unternehmens hervorrufen, ähnlich dem, was Samuel Johnson der Aussicht, gehängt zu werden, zuschreibt, da sie lähmende Einnahmeverluste bei schlecht laufenden Geschäften verursachen können. Auf diese Weise kann der Ausstieg (und die Androhung des Ausstiegs) dazu beitragen, die Leistungsfähigkeit von Unternehmen zu verbessern. Aber Hirschman, der die politische Tyrannei im Europa der 1930er Jahre hautnah miterlebt hat, wusste ebenso wie Michnik, dass repressive Regierungen den innenpolitischen Druck für Veränderungen verringern können, indem sie den lautesten und prominentesten Aktivisten eine Ausstiegsmöglichkeit einräumen(1). >Emigration/Michnik. Krastev I 29 1990 verbrachte Hirschman ein Jahr im postkommunistischen Berlin und beschloss, seine Theorie des Ausstiegs, der Stimme und der Loyalität zu überdenken. Er versuchte dadurch, den Untergang der Deutschen Demokratischen Republik zu verstehen(2). Zunächst konzentrierte er sich auf die einzigartige Möglichkeit des Übertritts, die nur Ostdeutschen unter allen Mitgliedern des Warschauer Paktes offen stand. Ostdeutsche, denen der Ausstieg oder die Flucht gelang, würden im Gegensatz zu Polen, die das Gleiche taten, weder zu sprachlich isolierten Emigranten werden noch als Verräter der Nation gebrandmarkt werden. In der DDR gab es nach Hirschmans Ansicht weder 1956, 1968 noch 1980, weil die meisten Unzufriedenen mit dem Regime davon träumten, privat zu fliehen, anstatt sich zu organisieren und ihre Beschwerden kollektiv vorzutragen. 1989: (...) Entgegen der Erwartung, dass das 'Sicherheitsventil' der Emigration dem bürgerschaftlichen Engagement die Energie entziehen würde, nahm der Druck auf das Regime nicht ab, sondern das Ausmaß der Auswanderung zu. Tatsächlich trieb es die enttäuschten Millionen Zurückgebliebenen dazu, auf die Straße zu gehen und Veränderungen zu fordern, in der Hoffnung, ihre Mitbürger zum Bleiben zu bewegen. Der Untergang der DDR war ein Fall, in dem die Massenflucht und die Angst, dass sie Krastev I 30 fortdauern könnte, der einen gesellschaftsweiten Ausbruch von Stimmen und Forderungen nach politischen Reformen im eigenen Land auslöste. Statt dass einige Ostdeutsche weggingen und andere blieben, zog das ganze Land in den Westen. Osteuropa/Krastev: Im übrigen Osteuropa verlief die Geschichte ganz anders. Es gibt heute keine Anzeichen dafür, dass sich Ost- und Westeuropäer - von Bratislava und Bukarest bis Lissabon und Dublin - als ein Volk verstehen, als ein Volk mit einer gemeinsamen Identität, auch wenn sie vermutlich alle nach einer europäischen Normalität streben. 1. A. Michnik. „Why You Are Not Emigrating … A Letter from Białołęka 1982’ in Adam Michnik, Letters from Prison and Other Essays (University of California Press, 1987). 2. Albert O. Hirschman, ‘Exit, Voice, and the Fate of the German Democratic Republic: An Essay in Conceptual History’, World Politics 45:2 (January 1993), S. 173–202. |
PolHirschm I Albert O. Hirschman The Strategy of Economic Development New Haven 1958 Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Emissionsrechtehandel | Politik der Vereinigten Staaten | Kiesling I 34 Emissionsrechtehandel/Politik der USA/Kiesling: Die CAA-Vorschriften hatten die mit SO2-Emissionen verbundenen Schäden nicht verringert, sondern nur verlagert, und in vielen Gebieten wurden die Luftqualitätsnormen der CAA immer noch nicht eingehalten. Ökonomen, die sich mit Umweltpolitik beschäftigen, schlugen einen anderen Ansatz vor. Dieser andere Ansatz war der Handel mit Emissionsgenehmigungen. Der Handel mit Emissionsgenehmigungen baute auf einem „Netting“-Programm auf, das die Environmental Protection Agency (EPA) Mitte der 1970er Jahre eingeführt hatte, um neue SO2-Quellen in einer Region zuzulassen, wenn sie Emissionsgutschriften von einer bestehenden Quelle in der Region kauften. Dieses Programm war jedoch mit erheblichen bürokratischen Anforderungen verbunden, die hohe Transaktionskosten verursachten (Tietenberg, 2010(1): 362). Die EPA arbeitete mit Wirtschaftswissenschaftlern zusammen, um einen Markt für SO2-Emissionsgenehmigungen oder -Zertifikate zu schaffen. Die Gestaltung dieses neuen Marktes war auch Teil des Verhandlungsprozesses über die Änderungen des Clean Air Act (CAAA), die der Kongress 1990 verabschiedete und das EPA mit der Gestaltung und Verwaltung beauftragte. Titel IV des CAAA zielte darauf ab, den SO2-Gehalt innerhalb eines Jahrzehnts in zwei Fünfjahresphasen um 10 Millionen Tonnen gegenüber dem Stand von 1980 zu senken. (1985 entfielen rund 70 Prozent der SO2-Emissionen in den USA auf die Stromerzeugung und 96 Prozent davon auf Kohlekraftwerke). Die Ausarbeitung dieses Programms, des so genannten EPA Acid Rain Program, erforderte beträchtliche Verhandlungen und seine Umsetzung war äußerst detailliert. Kiesling I 35 Die Konzentration auf die wichtigsten Gestaltungsdetails zeigt, wie wichtig die Ideen von Coase für die Gestaltung und den letztendlichen Erfolg des Programms waren. Das Acid Rain Program enthielt mehrere innovative Merkmale (siehe Stavins, 1998(2); Ellerman et. al., 2000(3); und Sandor, 2012(4)). Das CAAA zielte auf eine nationale Gesamtmenge an SO2-Emissionen ab und nicht auf Emissionsraten oder Technologien einzelner Quellen. Es wurde ein Zeitrahmen für die Emissionsreduzierung festgelegt, um das Ziel im Jahr 2000 zu erreichen. Die Gesamtmenge, d. h. die Obergrenze, wurde im Laufe der Zeit gesenkt, um weitere Emissionssenkungen zu erreichen. In Phase I (1990-1995) mussten die 263 größten SO2-Emittenten unter den Kohlekraftwerken ihre jährlichen Emissionen jedes Jahr reduzieren. In Phase II unterlagen fast alle mit fossilen Brennstoffen betriebenen Kraftwerke der nationalen Emissionsobergrenze. Die EPA verwendete eine Formel, um die zulässigen Emissionen jedes Kraftwerks zu bestimmen, und jedes Kraftwerk erhielt Emissionszertifikate auf der Grundlage seiner historischen Emissionsraten (so dass es seine aktuellen Emissionen nicht manipulieren konnte, um seine Zuteilung zu beeinflussen). Der Mechanismus zur Erfüllung der Anforderungen von Phase I und II war der Handel mit Emissionszertifikaten. Die Versorgungsunternehmen müssen über Emissionszertifikate verfügen, von denen jedes dem Inhaber des Zertifikats erlaubt, in dem Jahr, in dem es ausgestellt wurde, oder in jedem Folgejahr eine Tonne SO2 zu emittieren. Wenn die jährlichen Emissionen die zulässigen Emissionen übersteigen, hatte das Versorgungsunternehmen drei Möglichkeiten: ein bereits vorhandenes Zertifikat zu verwenden, die Emissionen zu reduzieren oder ein Zertifikat zu kaufen. Wenn die Emissionen unter den zulässigen Emissionen lagen, konnte das Versorgungsunternehmen die Differenz verkaufen. Die Anzahl der jährlichen Zertifikate nahm im Laufe der Zeit ab, wodurch die Obergrenze verschärft und Emissionsreduzierungen sichergestellt wurden. Dieses „Cap-and-Trade“-System schuf Anreize für die Versorgungsunternehmen, die kostengünstigsten Wege zur Reduzierung der SO2-Emissionen zu finden. >Cap-and-Trade-System/Politik der USA. 1. Tietenberg, Tom, 2010. "Cap-and-Trade: The Evolution of an Economic Idea," Agricultural and Resource Economics Review, Northeastern Agricultural and Resource Economics Association, vol. 39(3), pages 1-9, October. 2. Stavins, Robert N. (1998). What Can We Learn from the Grand Policy Experiment? Lessons from SO2 Allowance Trading. JOURNAL OF ECONOMIC PERSPECTIVES. VOL. 12, NO. 3, SUMMER 1998. (pp. 69–88) 3. Ellerman, A. Denny, Paul L. Joskow, Richard Schmalensee, Juan-Pablo Montero, and Elizabeth M. Bailey (2000). Markets for Clean Air: The US Acid Rain Program. Cambridge University Press. 4. Sandor, Richard L. (2012). Good Derivatives: A Story of Financial and Environmental Innovation. John Wiley & Sons. |
Kiesling I L. Lynne Kiesling The Essential Ronald Coase Vancouver: Fraser Institute. 2021 |
| Emissionsziele | Wirtschaftstheorien | Mause I 418 Emissionsziele/Intervention/Umweltpolitik/Wirtschaftstheorie: greift der Staat in privatwirtschaftliche Aktivitäten ein, muss das zulässige Ausmaß festgelegt werden, in dem gewisse Umweltbelastungen zugelassen werden sollen. (Zimmermann et al. 2012, S. 500 f.) (1) Dabei bedarf der Erhalt der sogenannten Schutzgüter (z. B. Sicherung des Lebens und der Gesundheit, Gewährleistung ökologischer Nachhaltigkeit) der Festlegung von „Immissionszielen“ (Umweltqualitätsstandards) zu deren weiterer Konkretisierung bezogen auf einzelne Felder der Umweltpolitik (Luftreinhaltung, Gewässerschutz, Lärmbekämpfung etc.). Aus diesen Immissionszielen werden in weiterer Folge „Emissionsziele“ abgeleitet, die aus Vorschriften darüber bestehen, wie groß der Schadstoffausstoß an einer einzelnen Schadstoffquelle (z. B. in Form eines Grenzwertes für Feinstaub) oder der Schadstoffeintrag in ein einzelnes Umweltgut (z. B. in Form der höchstzulässigen Menge an Schädlingsbekämpfungsmitteln pro Hektar landwirtschaftlicher Fläche) sein darf. Hier wird unter anderem zwischen Verursacherprinzip und Ursprungsprinzip unterschieden. Im Zusammenhang mit Entschädigungsfragen gibt es außerdem das Nutznießerprinzip. Siehe Prinzipien/Umweltschäden/Wirtschaftstheorie. >Emissionsrechte, >Emissionsminderung, >Emissionsziele, >Emissionen, >Emissionsrechtehandel, >Klimawandel, >Klimaschäden, >Energiepolitik, >Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit, >Klimaperioden, >Klimaschutz, >Klimaziele, >Klimafolgenforschung, >CO2-Preis, >CO2-Preis-Koordinierung, >CO2-Preis-Strategien, >CO2-Steuer, >CO2-Steuer-Strategien. 1. Zimmermann, Horst, Klaus-Dirk Henke, und Michael Broer. 2012. Finanzwissenschaft. Eine Einführung in die Lehre von der öffentlichen Finanzwirtschaft, München 2012. |
Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Emotion | Gray | Corr I 358 Emotion/Gray: Gray (1970(1)) entwickelte die Behauptung, dass die "Emotionen" durch motivational signifikante ("verstärkende") Reize (jeglicher Art) hervorgerufen werden, die angeborene Systeme im Gehirn aktivieren. Diese Behauptung, die heute als eher harmlos angesehen wird, hat wichtige und weit verbreitete Auswirkungen auf die Persönlichkeitspsychologie: Wenn Emotionen und ihre damit verbundene Motivation für die Persönlichkeit von grundlegender Bedeutung wären (wie es Eysencks eigene Arbeit bei der Verknüpfung von Persönlichkeit und Psychopathologie nahelegt), dann könnten wir Persönlichkeit besser verstehen, indem wir Emotionssysteme im Gehirn verstehen. GrayVsEysenck: Bei der Kritik an Eysencks Ansatz stellte Gray fest, dass klassische Konditionierung tatsächlich keine normale oder pathologische Emotion hervorrufen kann; alles, was sie tun kann, ist, anfänglich neutrale Reize in konditionierte (verstärkende) Reize umzuwandeln, die über die pawlowsche klassische Konditionierung die Kraft erlangen, angeborene Emotionssysteme zu aktivieren, die selbst für die Erzeugung von Emotionen verantwortlich sind. >Konditionierung/Gray, >Konditionierung/Eysenck. 1. Gray, J. A. 1970. The psychophysiological basis of Introversion–Extraversion, Behaviour Research and Therapy 8: 249–66 Philip J. Corr, „ The Reinforcement Sensitivity Theory of Personality“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Emotion | Minsky | I 163 Emotion/Künstliche Intelligenz/Minsky: (...) unsere Kultur lehrt uns fälschlicherweise, dass Gedanken und Gefühle in fast getrennten Welten liegen. Tatsächlich sind sie immer miteinander verflochten. [Wir] werden vorschlagen, Emotionen nicht als von Gedanken im Allgemeinen getrennt zu betrachten, sondern als Varianten oder Arten von Gedanken, die jeweils auf einer anderen Gehirnmaschine basieren, die sich auf einen bestimmten Bereich des Denkens spezialisiert hat. In der Kindheit haben diese Protospezialisten wenig miteinander zu tun, aber später wachsen sie zusammen, wenn sie lernen, sich gegenseitig auszunutzen, wenn auch ohne einander zu verstehen. >Verstehen, >Kultur, >Intelligenz, >Künstliche Intelligenz, >Starke Künstliche Intelligenz, >Artificial General Intelligence, >Human Level AI, >Künstliches Bewusstsein, >Künstliche Neuronale Netze, >ChatGPT. I 165 Proto-Spezialisten: [es könnte Pro-Spezialisten für Hunger, Durst, Verteidigung usw. geben]. Es wäre normalerweise nicht praktisch, ein Lebewesen auf diese Weise herzustellen. Mit all diesen separaten Spezialisten hätten wir am Ende ein Dutzend verschiedene Sätze von Köpfen und Händen und Füßen. Es würde nicht nur zu viel kosten, all diese Organe zu tragen und zu füttern, sie würden sich auch noch gegenseitig im Weg stehen! Trotz dieser Unannehmlichkeiten gibt es tatsächlich einige Tiere, die auf diese Weise arbeiten und so viele Dinge auf einmal tun können. Genetisch gesehen sind die Schwärme von sozialen Ameisen und Bienen wirklich mehrkörperige Individuen, deren verschiedene Organe sich frei bewegen. Aber die meisten Tiere sparen dadurch, dass alle ihre Proto-Spezialisten gemeinsame Organe für ihre Interaktionen mit der Außenwelt haben. Eine andere Art der Ökonomie entsteht dadurch, dass man den Proto-Spezialisten erlaubt, das, was sie lernen, zu teilen. Wann immer wir versuchen, Probleme zunehmender Komplexität zu lösen, werden bestimmte Techniken, die wir bereits kennen, entsprechend weniger geeignet, und es wird immer wichtiger, sich neue Arten von Wissen und Fähigkeiten aneignen zu können. Letzten Endes können die meisten Mechanismen, die wir für ein hochgestecktes Ziel benötigen, mit den meisten unserer anderen Ziele geteilt werden. I 172 Entwicklung von Emotionen/Minsky: Unsere frühesten Emotionen sind eingebaute Prozesse, bei denen angeborene Proto-Spezialisten kontrollieren, was in unserem Gehirn passiert. Bald lernen wir, uns über diese Schemata hinwegzusetzen, denn unsere Umgebung lehrt uns, was wir fühlen sollten. Eltern, Lehrer, Freunde und schließlich unsere Selbstvorstellungen drängen uns neue Regeln auf, wie wir mit den Überbleibseln dieser frühen Zustände umgehen sollen: Sie lehren uns, wie und wann wir fühlen sollen, und zeigen jede Art von Gefühlszeichen. |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Emotion | Psychologische Theorien | Corr I 54 Emotionen/Persönlichkeitspsychologie/Psychologische Theorien/Reisenzein/Weber: Unter den Emotionsforschern herrscht weitgehend Einigkeit darüber, dass die Objekte ihrer Untersuchung zentral die Übergangszustände von Personen sind, die durch gewöhnliche Sprachwörter Corr I 55 wie "Glück", "Traurigkeit", "Angst", "Wut", "Mitleid", "Stolz", "Schuld" und so weiter gekennzeichnet sind. >Lexikalische Hypothese, >Lexikalische Studien, >Charakterzüge, >Persönlichkeit, >Gemütszustände. Es besteht auch Einigkeit darüber, dass Emotionsepisoden normalerweise als Reaktionen auf die Wahrnehmung oder Vorstellung von "Objekten" (typischerweise Ereignisse oder Zustände) auftreten und dass sie sowohl subjektive als auch objektive (intersubjektiv beobachtbare) Manifestationen haben. Subjektiv manifestieren sich Emotionen als angenehme oder unangenehme Gefühle, die auf das Auslösen gerichtet zu sein scheinen, siehe Reisenzein 1994(1); Russell 2003(2)). >Intersubjektivität, >Fremdpsychisches. Objektiv gesehen manifestieren sich Emotionen, zumindest zeitweise, in bestimmten Handlungen. Die meisten klassischen und vielen zeitgenössischen Emotionstheoretiker, die der gesunden Menschenverstandspsychologie folgen, identifizieren Emotionen mit den erwähnten subjektiven Erfahrungen. Einige Theoretiker (z.B. Lazarus 1991(3); Scherer 1984(4)) definieren Emotionen jedoch weiter gefasst als Reaktionssyndrome, die nicht nur mentale, sondern auch körperliche Komponenten wie Mimik und physiologische Erregung beinhalten. ReisenzeinVsScherer/ReisenzeinVsLazarus: Diese Definition von Emotionen ist jedoch problematisch, da die Korrelationen zwischen den mentalen und körperlichen Komponenten von Emotionssyndromen typischerweise gering sind (Reisenzein 2007(5)). Heute ist die dominante Theorie der Emotionserzeugung die kognitive oder Appraisal-Theorie der Emotion (z.B. Lazarus 1991(3); Ortony, Clore und Collins 1988(6); Scherer 2001(7); siehe Scherer, Schorr und Johnstone 2001(8), für einen Überblick). Die Appraisal-Theorie geht davon aus, dass Emotionen entstehen, wenn ein Ereignis motivrelevant bewertet wird, d.h. als Darstellung einer tatsächlichen oder potenziellen Erfüllung oder Frustration eines Motivs (= Verlangen, Wunsch). >Appraisal/Psychologische Theorien. (....) Neben Kognitionen im engeren Sinne (d.h. Überzeugungen) setzen Emotionen auch Motive voraus (Lazarus 1991(3); Roseman 1979(9); siehe Reisenzein 2006(10), zur weiteren Diskussion). 1. Reisenzein, R. 1994. Pleasure-arousal theory and the intensity of emotions, Journal of Personality and Social Psychology 67: 525–39 2. Russell, J. A. 2003. Core affect and the psychological construction of emotion, Psychological Review 110: 145–72 3. Lazarus, R. S. 1991. Emotion and adaptation. New York: Oxford University Press 4. Scherer, K. R. 1984. On the nature and function of emotion: a component process approach, in K. R. Scherer and P. Ekman (eds.), Approaches to emotion, pp. 293–317. Hillsdale, NJ: Erlbaum 5. Reisenzein, R. 2007. What is a definition of emotion? And are emotions mental-behavioural processes?, Social Science Information 46: 424–8 6. Ortony, A., Clore, G. L. and Collins, A. 1988. The cognitive structure of emotions. New York: Cambridge University Press 7. Scherer, K. R. 2001. Appraisal considered as a process of multilevel sequential checking, in K. R. Scherer, A. Schorr and T. Johnstone (eds.), Appraisal processes in emotion: theory, methods, research, pp. 92–120. Oxford University Press 8. Scherer, K. R., Schorr, A. and Johnstone, T. 2001. Appraisal processes in emotion: theory, methods, research. Oxford University Press 9. Roseman, I. J. 1979. Cognitive aspects of emotions and emotional behaviour. Paper presented at the 87th Annual Convention of the APA, New York City, September 1979 10. Reisenzein, R. 2006. Arnold’s theory of emotion in historical perspective, Cognition and Emotion 20: 920–51 Rainer Reisenzein & Hannelore Weber, “Personality and emotion”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press. |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Emotionssystem | Psychologische Theorien | Corr I 56 Emotionssystem/Psychologische Theorien/Reisenzein/Weber: Das Emotionssystem scheint im Kern aus einem Mechanismus zu bestehen, der (1) die Relevanz von erkannten Ereignissen für die Wünsche oder Motive der Person überwacht, und (2) erkannte motivrelevante Veränderungen an andere Persönlichkeitssubsysteme kommuniziert und gleichzeitig konkrete Handlungsziele vorschlägt (Frijda 1994(1); Reisenzein 2009(2)). Eine Person kann sich zu einem beträchtlichen Teil entscheiden, die "Vorschläge" ihrer Emotionen zu beachten oder zu ignorieren, sowie die Emotionen selbst zu kontrollieren oder zu regulieren. Frijda (1986(3)) formulierte es so: "Menschen haben nicht nur Emotionen, sie gehen auch mit ihnen um". >Emotionen, >Emotionale Intelligenz, >Verhalten, >Selbstwissen, >Bewusstsein. Corr I 60/61 Es ist heute weithin anerkannt, dass Emotionen adaptive Effekte haben, was der Grund dafür war, dass das Emotionssystem (zumindest sein Kern) in der Evolution entstanden ist. Es stellt sich die Frage, ob individuelle Unterschiede in der Emotionalität (z.B. Angst oder Irritation) zumindest teilweise ebenfalls das Produkt natürlicher Selektion sind. Obwohl es inzwischen starke Hinweise auf die teilweise Erblichkeit der Big Five (z.B. Bouchard (2004)(4)) und damit auf die Erblichkeit grundlegender interindividueller Unterschiede in der Emotionalität gibt, bedeutet dies nicht, dass diese vererbbaren interindividuellen Unterschiede adaptiv sind. Im Gegenteil, es wurde argumentiert, dass die bloße Existenz einer vererbbaren Variation in einem Merkmal einen Mangel an adaptiver Bedeutung signalisiert (Tooby and Cosmides 1990)(5). >Emotionssystem/Tooby, >Emotionssystem/Cosmides. 1. Frijda, N. H. 1994. Emotions are functional, most of the time, in P. Ekman and R. J. Davidson (eds.), The nature of emotion, pp. 112–36. Oxford University Press 2. Reisenzein, R. 2009. Emotions as metarepresentational states of mind: naturalizing the belief-desire theory of emotion, Cognitive Systems Research 10: 6–20 3. Frijda, N. H. 1986. The emotions. Cambridge University Press, p. 401 4. Bouchard, T. J. Jr. 2004. Genetic influence on human psychological traits, Current Directions in Psychological Science 13: 148–51 5. Tooby, J. and Cosmides, L. 1990. On the universality of human nature and the uniqueness of the individual: the role of genetics and adaptation, Journal of Personality 58: 17–67 Rainer Reisenzein & Hannelore Weber, “Personality and emotion”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press. |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Empathie | Pädagogische Psychologie | Upton I 104 Empathie/Bildungspsychologie/Upton: Obwohl die Theory Of Mind eindeutig eine kognitive Fähigkeit ist, ist sie auch eine soziale Fähigkeit, die eine wichtige Rolle bei unserer Fähigkeit spielt, mit anderen auszukommen (Liddle and Nettle, 2006)(1). >Theory of Mind, >False Belief Task. Wenn man eine Theorie des Geistes (Theory of Mind) hat, kann man sich in die Lage eines anderen zu versetzen, sich vorzustellen, was die Person fühlt. Auf diese Weise ist die Theory of Mind ein Teil der Empathie - unsere Fähigkeit, die Gefühle einer anderen Person zu verstehen und zu identifizieren. Es wird zudem angenommen, dass Empathie eine wichtige Rolle bei der Förderung von prosozialem Verhalten und sozialer Kompetenz spielt (Eisenberg und Fabes, 1998(2); Hoffman, 2000(3)), die beide für gute Peer-Relationen während der Schulzeit wichtig sind. >Partner-Beziehungen, >Fremdpsychisches, >Intersubjektivität, >Soziales Verhalten, >Sozialisation. 1. Liddle, B and Nettle, D (2006) Higher-order theory of mind and social competence in school-age children. Journal of Cultural and Evolutionary Psychology, 4: 231–46. 2. Eisenberg, N and Fabes, RA (1998) Prosocial development, in Eisenberg, N (ed.) Handbook of Child Psychology, Vol. 3: Social, emotional, and personality development. New York: Wiley. 3. Hoffman, ML (2000) Empathy and Moral Development: Implications for caring and justice. Cambridge: Cambridge University Press. |
Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| Empfindungen | Pinker | I 186/86 Empfindung/Empfindungsfähigkeit/Pinker: wir verstehen sie nicht, aber das hindert uns nicht, den Geist zu verstehen. Empfindungsfähigkeit ist weit oberhalb der Kausalketten der Psychologie und der Gehirnforschung angesiedelt. >Geist, >Wahrnehmung, >Denken, >Gefühl, >Psychologie, >Kausalität, >Natur, >Empfindung, >Emotionssystem. |
Pi I St. Pinker Wie das Denken im Kopf entsteht München 1998 |
| Empirismus | Adorno | XIII 85 Erfahrung/Empirismus/Adorno: Bei Locke, Berkeley und Hume findet man über die Erfahrung ungeheuer viel, die Erfahrung selber aber wird man in dieser Philosophie kaum antreffen. >Erfahrung/Locke, >Sinneseindrücke/Berkeley, >Empfindungen/Berkeley, >Erfahrung/Hume. XIII 86 Die Philosophie hat das Problem, dass sie, sobald sie Erfahrungen geltend machen will, im allgemeinen immer wieder auch nur einen Begriff von Erfahrung und gar nicht den Inhalt der Erfahrung hat. Daraus hat sie eine Tugend gemacht und daraus abgeleitet, dass die Erfahrung, weil sie nur im Begriff von Erfahrung ausdrückbar sei, ihrerseits nur ein Begriff, nur ein Wesen sei. >Begriffe/Adorno, >Begriffe, >Wesen. Inhalt/Adorno: Paradoxerweise kommt der Inhalt bei idealistischen Philosophien wie Hegel, aber auch Schelling, viel besser zur Geltung als in den empiristischen Philosophien. >Inhalt, >Gehalt, >Wahrheitsgehalt/Adorno, >F.W.J. Schelling, >G.W.F. Hegel. XIII 155 Empirismus/Adorno: Im Gegensatz zum Rationalismus tut das Denken gleichsam etwas hinzu. Indem es zu dem gegebenen von außen her hinzukommt, sind die beiden Prinzipien (res cogitans und res extensa) wieder unvermittelt. >Res cogitans, >R. Descartes, >Rationalismus. Dann sei alles Denken ohne Sinne eben ein bloßes Gedankengespinst. Dieser Ansatz entwickelt sich aber aus seiner eigenen Konsequenz dann auch immer weiter im Sinn einer fortschreitenden Subjektivierung. Aus dem naiv realistischen Empirismus von Bacon entwickelt sich allmählich über Locke bis Berkeley und Hume der konsequente Empirismus, bei der durch den konsequenten Rekurs auf die Sinne überhaupt nichts anderes als Rechtsquelle der Erkenntnis gelten gelassen wird als die unmittelbaren Gegebenheiten meines Bewusstseins. >F. Bacon, >J. Locke, >G. Berkeley, >D. Hume. XIII 156 RationalismusVsEmpirismus/EmpirismusVsRationalismus/Adorno: Der Gegensatz zwischen Empirismus und Rationalismus ist nicht entfernt so radikal, wie man ihn sich vielfach vorstellt. Beide sind an dem Wissenschaftsmodell der Evidenz orientiert. Sie sind beide Residualtheorien der Wahrheit und gegen dadurch immerzu ineinander über. >Wahrheit/Locke. Das Moment der Naturbeherrschung und schließlich der Selbstbeherrschung liegt in beiden Schulen gleichermaßen zugrunde. >Natur/Locke, >Natur/Hume. XIII 157 Erfahrung/Empirismus/Adorno: Die Erfahrung wird auch im Empirismus immer nur als ein Prinzip, ihren allgemeinsten Kategorien nach und gar nicht ihrem Inhalt nach, behandelt. >Erfahrung. XIII 158 Erst der Erzgegner des Empirismus, der Idealismus und in umfassendsten Maße Hegel hat versucht, die volle geistige Erfahrung in den Griff zu bekommen. >Idealismus, >Erfahrung/Kant, >Erfahrung/Hegel. KantVsEmpirismus/Adorno: Erfahrung ohne Denken gibt es überhaupt nicht, sonst bliebe sie bei der bloßen Diskontinuität der einzelnen Momente stehen. Das Einheitsprinzip ((s) der Subjektivität, der Vernunft und des Geistes) würde dann ganz wegfallen. >KantVsEmpirismus, >Denken/Kant. |
A I Th. W. Adorno Max Horkheimer Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978 A II Theodor W. Adorno Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000 A III Theodor W. Adorno Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973 A IV Theodor W. Adorno Minima Moralia Frankfurt/M. 2003 A V Theodor W. Adorno Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995 A VI Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071 A VII Theodor W. Adorno Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002 A VIII Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003 A IX Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003 A XI Theodor W. Adorno Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990 A XII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973 A XIII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974 |
| Empirismus | Goethe | Carnap VI 181 GoetheVsPositivismus/GoetheVsEmpirismus/GoetheVsNewton/GoetheVsCarnap: (Farbenlehre): Man soll im Gebiet der Sinneswahrnehmungen selbst bleiben und die zwischen ihnen bestehenden Gesetzmäßigkeiten im Gebiet der Wahrnehmungen selbst feststellen. >Positivismus, >Farbenlehre. CarnapVsGoethe: Wir müssten also die Gesetze dort (in der Wahrnehmung) auffinden. Aber physikalische Gesetze gelten dort freilich nicht, wohl aber gewisse andere, wenn die Konstitution der physikalischen Welt überhaupt möglich sein soll. >Wahrnehmung, >Sinneseindrücke, >Sehen, >Naturgesetze. Aber diese Gesetze sind von viel verwickelterer Gestalt. Carnap VI 180 Physikalische Welt/CarnapVsGoethe: Die physikalische Welt ist von der Wahrnehmungswelt zu unterscheiden. Bloße Zahlenquadrupel, denen Zustandsgrößen zugeschrieben werden. VI 181 Nur sie ist der Intersubjektivität zugänglich, nicht die Wahrnehmungswelt. >Natur, >Welt, >Welt/Denken. |
Ca I R. Carnap Die alte und die neue Logik In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 Ca II R. Carnap Philosophie als logische Syntax In Philosophie im 20.Jahrhundert, Bd II, A. Hügli/P.Lübcke (Hg) Reinbek 1993 Ca IV R. Carnap Mein Weg in die Philosophie Stuttgart 1992 Ca IX Rudolf Carnap Wahrheit und Bewährung. Actes du Congrès International de Philosophie Scientifique fasc. 4, Induction et Probabilité, Paris, 1936 In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Ca VI R. Carnap Der Logische Aufbau der Welt Hamburg 1998 CA VII = PiS R. Carnap Sinn und Synonymität in natürlichen Sprachen In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Ca VIII (= PiS) R. Carnap Über einige Begriffe der Pragmatik In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 |
| Empirismus | Kant | Vollmer I 24 KantVsEmpirismus/Vollmer: unannehmbar, weil dann den Begriffen und Grundsätzen des Verstandes die Notwendigkeit abgehen würde, die sie für Kant unzweifelhaft haben. Erfahrung/Kant: jeder bringt bereits fertige Strukturen mit. >Prinzipien/Kant, >Verstehen, >Begriffe/Kant, >Erfahrung/Kant. |
I. Kant I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994 Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls) Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03 Vollmer I G. Vollmer Was können wir wissen? Bd. I Die Natur der Erkenntnis. Beiträge zur Evolutionären Erkenntnistheorie Stuttgart 1988 Vollmer II G. Vollmer Was können wir wissen? Bd II Die Erkenntnis der Natur. Beiträge zur modernen Naturphilosophie Stuttgart 1988 |
| Empirismus | McDowell | Rorty VII 201 McDowellVsDavidson: Wenn man Erfahrung eliminiert, werden die alten philosophischen Fragen nach wie vor so aussehen, als ob sie etwas taugen sollten. Es wird ein Unbehagen übrig bleiben. Der Empirismus wird sich durch die Hintertür wieder hereinschleichen. Wir brauchen immer noch etwas, was uns aus der Weltgerichtetheit des empirischen Denkens klug werden lässt. >Verstehen/McDowell, >Realität, >Erfahrung/McDowell, >Rechtfertigung/McDowell. McDowell I 12 Minimaler Empirismus/McDowell: These: Denken, das auf Urteile gerichtet ist, ist insofern der Art und Weise, wie die Dinge sind (also der Welt) verantwortlich, als es richtig oder falsch ausgeführt sein kann. - Es geht um Rechtfertigung vor dem "Tribunal der Erfahrung". >Tribunal der Erfahrung, >Verantwortung gegenüber der Welt/McDowell. |
McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Empirismus | Sellars | I XXI/XXII SellarsVsLogischer Empirismus: der besondere Witz seiner Kritik liegt darin, dass die Erlebnisse der protokollführenden Personen, die im logischen Empirismus gewissermaßen die Basis der Theoriebildung ausmachen sollten, von ihm als quasi-theoretische, postulierte Entitäten eines alltäglichen Weltbildes rekonstruiert werden. >Inhalt/Sellars, >Begriffe/Sellars, >Bewusstsein/Sellars, >Beschreibung/Sellars. I 54 Elementare Wort-Welt-Verbindungen bestehen zwischen »rot« sowie roten physikalischen Gegenständen und nicht zwischen »rot« und einer mutmaßlichen Klasse privater roter Einzelgegenstände. (SellarsVsEmpirismus). Das heißt nicht, dass private Empfindungen nicht vielleicht doch wesentlich zur Entstehung dieser assoziativen Verbindungen gehören. >Sprachgemeinschaft, >Sprachgebrauch, >Beobachtungssprache. |
Sellars I Wilfrid Sellars Der Empirismus und die Philosophie des Geistes Paderborn 1999 Sellars II Wilfred Sellars Science, Perception, and Reality, London 1963 In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 |
| Ende der Geschichte | Fukuyama | Brocker I 805 Geschichte/Fukuyama: Fukuyamas These vom „Ende der Geschichte“ bezieht sich auf den Zusammenbruch der Sowjetunion und das Ende des Ost-West-Konfliktes bzw. des Kalten Krieges. Dieser Endpunkt ist durch den Sieg eines liberal-marktwirtschaftlichen Brocker I 806 und demokratischen Systems westlicher Prägung über alternative Ordnungsmodelle gekennzeichnet. Der Titel speilt sowohl auf Hegels als auch auf Marx‘ gleichnamige These an. Geschichte/Hegel: Hegel sah in der Durchsetzung eines liberalen Staates das Ende der Geschichte Geschichte/MarxVsHegel/Marx: das Ende der Geschichte ist erst mit der weltweiten Durchsetzung des Kommunismus erreicht. FukuyamaVsMarx: Die Durchsetzung von Demokratie und Kapitalismus stehe am Ende der Geschichte. Demokratie/Kapitalismus/Fukuyama: beide haben sich durchgesetzt, weil sie zwei Grundbedürfnisse des Menschen am besten befriedigen: Kapitalismus/Fukuyama: ist das Wirtschaftssystem, das am besten eine effiziente Güterallokation unter den Bedingungen der Knappheit erreicht. Demokratie/Fukuyama: ist das Ordnungsmodell, das das menschliche Bedürfnis nach sozialer Anerkennung relativ gesehen besser befriedigt als andere Systeme. Fukuyama prophezeit keinen schnellen Sieg der Demokratie. Der Kampf um sie wird zwischen einer sogenannten post-historischen Welt (in den Industriestaaten des Globalen Nordens) und einer historischen Welt (in den sich industrialisierenden Staaten des Globalen Südens) weiterhin ausgetragen. Siehe Demokratie/Fukuyama. Brocker I 811 VsFukuyama: Seine Thesen wurden als nicht besonders eigenständig rezipiert. Es wurde darauf hingewiesen, dass sie bereits bei Alexandre Kojève vorhanden sind.(1) Siehe auch Herrschaft/Knechtschaft/Kojève. Vielen Kritikern schien Fukuyamas Buch insgesamt zu pessimistisch. VsFukuyama: 1. Die empirische Stichhaltigkeit seiner Geschichtsdarstellung wurde in Zweifel gezogen. Brocker I 812 FukuyamaVsVs: Seine These sei nicht deskriptiv sondern normativ zu Verstehen. 2. Fukuyamas Interpretation des geschichtlichen Prozesses als Fortschritt wurde kritisiert. 3. Die gleiche Empirie kann auch anders interpretiert werden als es durch Fukuyama geleistet wurde. 1. Shadia B. Drury, „The End of History and the New World Order“, in: International Journal 48/1, 1992/93, S. 80-99. Anja Jetschke, „Francis Fukuyama, Das Ende der Geschichte“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
PolFuku I Francis Fukuyama The End of History and the Last Man New York 1992 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Endlichkeit | Heyting | I 66 Finitismus/Heyting: Was der Finitist beim Intuitionismus bestreitet, ist die Vorstellung, Mathematik habe etwas mit dem Unendlichen zu tun. >Unendliches, >Mathematik. Intuitionismus: Natürlich garantiert ihr extremer Finitismus ((s) der klassischen Mathematik) ein Maximum an Sicherheit. Jeder Schüler und jede Schülerin versteht aber die natürlichen Zahlen und kann einsehen, dass sie unendlich weitergehen. >Induktion, >Zahlen. Letter: Dass er oder sie es versteht, wird ihm suggeriert. Intuitionismus: Das ist kein Einwand, denn Verständigung mit Sprache kann immer als Suggestion angesehen werden. >Verstehen. Auch Euklid wusste, wovon er sprach, als er bewies, dass die Menge der Primzahlen unendlich ist. >Euklid, >Primzahlen. |
Heyting I Arend Heyting Streitgespräch In Kursbuch 8/1967, H. M. Enzensberger Frankfurt/M. 1967 Heyting II Arend Heyting Intuitionism: An Introduction (Study in Logic & Mathematics) 1971 |
| Endogenes Wachstum | Wirtschaftstheorien | Aghion I 326 Endogenes Wachstum/Wirtschaftstheorien/Aghion/Howitt: Judd (1985)(1) und Romer (1990)(2) modellieren Wachstum auf der Grundlage horizontaler Produktinnovationen unter Verwendung des Modells der Produktvielfalt von Dixit-Stiglitz (1977)(3). Diese Modelle beinhalten keine Obsoleszenz; neue Produkte sind nicht besser als bestehende. Sie beinhalten auch keine Unsicherheit. King und Rebelo (1988)(4) führen Unsicherheit in ein endogenes Wachstumsmodell ein, indem sie unter Bedingungen des vollkommenen Wettbewerbs eine zufällige Rendite für die Akkumulation von Humankapital annehmen. >Vollkommener Wettbewerb, >Wettbewerb, >Innovation/Wirtschaftstheorien, >Patente/Wirtschaftstheorien. 1. JUDD, K. L. (1985): "On the Performance of Patents," Econometrica, 53, 567-585. 2. ROMER, P. M. (1990): "Endogenous Technological Change," Journal of Political Economy, 98, S71-S102. 3. DIXIT, A., AND J. STIGLITZ (1977): "Monopolistic Competition and Optimum Product Diversity," American Economic Review, 67, 297-308. 4. KING, R. G., AND S. T. REBELO (1988): "Business Cycles with Endogenous Growth," Unpublished, University of Rochester. |
Aghion I Philippe Aghion Peter W. Howitt A Model of Growth Through Creative Destruction Econometrica, Vol. 60, No. 2 (Mar., 1992), pp. 323-351 1992 |
| Endophänotyp | Molekulargenetik | Corr I 298 Endophänotyp/Molekulargenetik/Munafò: Der Begriff des Endophänotyps wurde vor mehr als dreißig Jahren von Gottesman and Shields (1973)(1) in die Psychiatrie eingeführt. Seine Popularität ist jedoch jüngerer Natur. Es finden sich acht PubMed-Einträge vor dem Jahr 2000. Demgegenüber stehen 150 im aktuellen Jahrhundert. Gottesman and Shields (1973)(1) übernahmen den Begriff von einer Arbeit aus dem Jahr 1966, in der die geografische Verteilung der Heuschrecken dem "Endophänotyp" der Insekten zugeschrieben wurde (John und Lewis 1966)(2), einem Neologismus, der auf einen Phänotyp anspielt, der mikroskopisch und intern war und daher für die beiläufige Beobachtung unklar war. Def Endophänotyp/Gottesman: Gottesmans Definition eines Endophänotyps ist, dass er vererbbar sein sollte, mit einer psychiatrischen Krankheit ko-segmentiert, aber auch vorhanden sein sollte, selbst wenn die Krankheit nicht (d.h. staatlich unabhängig) zum Vorschein kommt. Außerdem sollte er in nicht betroffenen Familienmitgliedern mit einer höheren Rate als in der Bevölkerung gefunden werden (Gottesman und Gould 2003)(3). Das Kriterium der Zustandsunabhängigkeit wurde modifiziert, um die Bedeutung epigenetischer und entwicklungsbedingter Faktoren zu berücksichtigen, so dass der Endophänotyp erst in einem bestimmten Alter und/oder nach einer Herausforderung manifestiert werden kann (in der gleichen Weise, wie eine Glukose-Herausforderung für einen Glukosetoleranztest verwendet wird) (Hasler, Drevets, Gould et al. 2006)(4). Andere haben Kriterien hinzugefügt, die verlangen, dass Endophänotypen Teil des kausalen Prozesses sind, durch den die Krankheit entsteht (Lavori, Krause-Steinrauf, Brophy et al. 2002)(5), oder zumindest an einem biologisch plausiblen Mechanismus der Pathogenese beteiligt sind (Castellanos und Tannock 2002(6); Tsuang, Faraone und Lyons 1993)(7). Almasy und Blangero (2001)(8) verlangen außerdem, dass ein Endophänotyp "kontinuierlich quantifizierbar sein sollte, eine Störung probabilistisch vorhersagen sollte und näher an der Stelle des primären Erregers (ob genetisch oder ökologisch) liegen sollte als an diagnostischen Kategorien". Es wurde auch vorgeschlagen, dass "Endophänotypen, die auf neurowissenschaftlichen Grundlagen beruhen oder in den Neurowissenschaften verankert sind" (Doyle, Faraone, Seidman et al. 2005)(9), Priorität eingeräumt werden sollte. 1. Gottesman, I. I. and Shields, J. 1973. Genetic theorizing and schizophrenia, British Journal of Psychiatry 122: 15–30 2. John, B. and Lewis, K. R. 1966. Chromosome variability and geographic distribution in insects, Science 152: 711–21 3. Gottesman, I. I. and Gould, T. D. 2003. The endophenotype concept in psychiatry: etymology and strategic intentions, American Journal of Psychiatry 160: 636–45 4. Hasler, G., Drevets, W. C., Gould, T. D., Gottesman, I. I. and Manji, H. K. 2006. Toward constructing an endophenotype strategy for bipolar disorders, Biological Psychiatry 60: 93–105 5. Lavori, P. W., Krause-Steinrauf, H., Brophy, M., Buxbaum, J., Cockroft, J., Cox, D. R., et al. 2002. Principles, organization, and operation of a DNA bank for clinical trials: a Department of Veterans Affairs cooperative study, Controlled Clinical Trials 23: 222–39 6. Castellanos, F. X. and Tannock, R. 2002. Neuroscience of attention-deficit/hyperactivity disorder: the search for endophenotypes, Nature Neuroscience 3: 617–28 7. Tsuang, M. T., Faraone, S. V. and Lyons, M. J. 1993. Identification of the phenotype in psychiatric genetics, European Archichives of Psychiatry and Clinical Neuroscience 243: 131–42 8. Almasy, L. and Blangero, J. 2001. Endophenotypes as quantitative risk factors for psychiatric disease: rationale and study design, American Journal of Medical Genetics 105: 42–44 9. Doyle, A. E., Faraone, S. V., Seidman, L. J., Willcutt, E. G., Nigg, J. T., Waldman, I. D. et al. 2005: Are endophenotypes based on measures of executive functions useful for molecular genetic studies of ADHD?, Journal of Child Psychology and Psychiatry 46: 774-803 Marcus R. Munafò,“Behavioural genetics: from variance to DNA“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Endurantismus | Lewis | Schwarz I 32 Def Endurantismus/Lewis/Schwarz: (VsPerdurantismus): These: Dinge sind zu jeder Zeit, zu der sie existieren, ganz (nicht nur zum Teil) anwesend (wie aristotelische Universalien). >Universalien. LewisVsEnduantismus (stattdessen: Mosaik-Theorie). Schwarz I 31 Def Perdurantismus/Lewis/Schwarz: Perdurantismus ist die These, dass zeitlich ausgedehnte Dinge gewöhnlich aus zeitlichen Teilen bestehen. Mosaik/Lewis: These: Alle Wahrheiten über unsere Welt auch über die zeitliche Ausdehnung von Dingen, beruhen auf den Eigenschaften und Beziehungen zwischen raumzeitlich ausgedehnten Punkten. EndurantismusVsLewis: Da er mit Mosaik nichts am Hut hat, ist das für ihn gar kein Argument. LewisVsEndurantismus: besseres Argument: intrinsische Veränderung: Wenn normale Dinge keine zeitlichen Teile haben, sondern zu verschiedenen Zeiten existieren, können sie weder rund noch groß sein, sondern nur rund zu t. Und das sei absurd. Schwarz I 32 Eigenschaften/einige Autoren: Sicher sind nicht alle Eigenschaften relational wie „Entferntsein“. Aber könnten sie nicht immerhin zeit-relational sein, wobei wir diese ständig vorhandene Abhängigkeit ignorieren? (Haslanger 1989:123f, [1] Jackson 1994b, 142f, [2] van Inwagen 1990a, 116 [3]). Eigenschaften/Lewis: (2004,4): Wenigstens abstrakte geometrische Objekte können einfach nur rund sein, daher ist „rund“ nicht generell eine Relation zu Zeiten. Eigenschaften/Endurantismus/Johnston: These: Man sollte nicht die Eigenschaften, sondern ihre Instanziierungen zeitlich relativieren (Johnston, 1987,§5), Bsp Ich bin jetzt sitzend und war letzte Nacht schlafend. Andere: (Haslanger, 1989): These: Zeitangaben (>Zeit) sind adverbiale Modifikationen von Propositionen: Bsp Ich bin auf jetzige Weise sitzend und bin auf letzte Nacht Weise schlafend. LewisVsJohnston/LewisVsHaslanger: Das macht keinen großen Unterschied. Auch diese Vertreter bestreiten, dass Formeigenschaften den Dingen direkt, einfach und selbst zukommen. Perdurantismus/Endurantismus/Schwarz: Die Debatte ist festgefahren, beide werfen sich vor, Veränderung wegzuanalysieren. Endurantismus: Instantiierung unvereinbarer Eigenschaften hat mit Veränderung nichts zu tun. Perdurantismus: Zeitlose Instantiierung vereinbarer Eigenschaften, Bsp gerade zu t1, gekrümmt zu t0, sei keine Veränderung. Schwarz: Beides entspricht nicht unseren Intuitionen. Der Veränderung wird zu viel Gewicht beigemessen. Vgl. >Perdurantismus. 1.Sally Haslanger [1989]: “Endurance and Temporary Intrinsics”. Analysis, 49: 119–125. 2. “Metaphysics by Possible Cases”. In [Jackson 1998b]: Mind, Method and Conditionals: Selected Essays. London: Routledge. 3.“Four-Dimensional Objects”. Noˆus, 24: 245–256. In [van Inwagen 2001]. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 Schw I W. Schwarz David Lewis Bielefeld 2005 |
| Engels, Friedrich | Tucker | Rothbard II 324 Engels/Anti-Dühring/Arbeitsteilung/Robert C. Tucker/Rothbard: (...) für Marx wie für Hegel ist der 'Mensch' eine kollektive und keine individuelle organische Einheit. Für Hegel und für Marx ist die Geschichte des 'Menschen' die Geschichte, das Auf und Ab, dessen, was auf einen einzigen kollektiven Organismus hinausläuft. Wenn es für Marx Arbeitsteilung, Spezialisierung und Tausch gibt, bedeutet dies, dass der „Mensch“ auf tragische Weise in „sich selbst“ gespalten ist, so dass der Prozess der Erreichung der höheren Stufe des Kommunismus, das Ende der menschlichen Geschichte, so wie das Reich Gottes auf Erden ein Ende war, ein Prozess ist, durch den der Mensch nicht mehr von seinem kollektiven „Selbst“ entfremdet wird und die Einheit mit sich selbst erreicht. Gleichzeitig erreicht „er“ auch die Einheit mit der „Natur“, denn im Marxschen System ist die einzige „Natur“ diejenige, die durch die jahrhundertelange Arbeit und Tätigkeit des Menschen geschaffen worden ist. Wie Robert Tucker(1) feststellt, ist die berühmte Aussage von Friedrich Engels über den Kommunismus weithin fehlinterpretiert worden, nicht zuletzt von Marxisten, die mit der philosophischen Natur ihres eigenen Systems nicht vertraut sind. Friedrich Engels (1820-95) schrieb in seinem Anti-Dühring: Die ganze Sphäre der Lebensbedingungen, die den Menschen umgeben und die ihn bisher beherrscht haben, kommt jetzt unter die Herrschaft und Kontrolle des Menschen, der zum ersten Mal der wirkliche, bewusste Herr der Natur wird, weil er jetzt Herr seiner eigenen gesellschaftlichen Organisation geworden ist... Die eigene soziale Organisation des Menschen, die sich ihm bisher als eine von der Natur und der Geschichte auferlegte Notwendigkeit darstellte, wird nun das Ergebnis seines eigenen freien Handelns. Die äußeren objektiven Kräfte, die bisher die Geschichte beherrschten, gehen in die Kontrolle des Menschen selbst über... Es ist der Aufstieg des Menschen aus dem Reich der Notwendigkeit in das Reich der Freiheit.(2) Tucker/Rothbard: Tucker weist darauf hin, dass ein Leser, der mit der Marxschen Philosophie nicht vertraut ist, diese Passage durchaus so verstehen könnte, dass sie sich auf die Beherrschung der Natur durch den Menschen mittels Technologie bezieht. Jedoch, in Wirklichkeit bezieht sie sich auf die Beherrschung der Technik als die eigene Natur des Menschen außerhalb seiner selbst. Das Reich der Notwendigkeit ist die entfremdete Welt der Geschichte, das Reich der Objektgebundenheit. Die „fremden objektiven Kräfte“, über die der Mensch im Reich der Freiheit Herr werden soll, werden als die externalisierten Kräfte des Gattungs-Selbst verstanden. Die Natur, der der Mensch nicht mehr unterworfen sein wird, ist seine eigene Natur.(3) Rothbard: Kurzum, wie an vielen anderen Stellen bei Marx entpuppt sich eine Passage, die zumindest oberflächlich betrachtet ein Mindestmaß an Sinn zu enthalten scheint - auch wenn sie trügerisch ist - bei näherer Betrachtung als ein Teil des Hokuspokus der neohegelianischen Philosophie von Marx. >Friedrich Engels. 1. Robert C. Tucker. 1961, Philosophy and Myth in Karl Marx. Cambridge: Cambridge University Press. 2. Anti-Dühring wurde der allgemeine Name für Engels' Herr Eugen Dührings Revolution in der Wissenschaft, die 1878, fünf Jahre vor Marx' Tod, erschien. Drei allgemeine Kapitel, die sich nicht auf Duhring konzentrierten, erschienen 1880 auf Französisch unter dem Titel Socialism: Utopisch und wissenschaftlich, das nach dem Kommunistischen Manifest die zweitwichtigste populäre Darstellung des Marxismus im späten neunzehnten Jahrhundert wurde. Die englische Übersetzung, die von Engels autorisiert wurde, wurde 1892 veröffentlicht, und daher muss Engels für eine so ungeschickte Formulierung wie das Verb „environ“ verantwortlich gemacht werden. See RC. Tucker (ed.), The Marx-Engels Reader (2nd ed., New York: WW. Norton, 1972), pp. 715-6. 3. Tucker, op. cit., note 8, pp. 196-7. |
PolTuck I Robert C. Tucker Political Culture and Leadership in Soviet Russia. From Lenin to Gorbachev Brighton 1987 Tucker I Robert C. Tucker The Marxian Revolutionary Idea New York 1969 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Entailment | Bigelow | I 57 Relationale Theorie/Bigelow/Pargetter: Eine Relationale Theorie kann gut mit Unterschieden von Differenzen umgehen. >Relationale Theorie/Bigelow. Frage: Kann sie auch gut mit Gemeinsamkeiten fertig werden? Bsp erklären, was Masse überhaupt ist? >Determinates/Determinables. Problem: Wir brauchen eine Relation zwischen einer gemeinsamen Eigenschaft und vielen Relationen zu ihr. Hier gibt es viele Implikationen (Entailments) die noch nicht erklärt sind. I 58 Lösung: Eigenschaft 2. Stufe, die von allen massiven Dinge geteilt wird. Bsp „in Masse-Relationen stehen“. >Eigenschaften/Bigelow. Entailment/Pointe: Dieses Gemeinsame (Eigenschaft 2. Stufe) erklärt die vielen Relationen des Entailments zwischen massiven Gegenständen und der gemeinsamen Eigenschaft der Massivität. Problem/Bigelow/Pargetter: Unsere relationale Theorie ist immer noch unvollständig. Problem: zu erklären, inwiefern einige Masserelationen enger (ähnlicher) sind als andere. Relationen/Gemeinsames/Bigelow/Pargetter: Auch die Relationen haben ein Gemeinsames: eine Eigenschaft 2. Stufe. I 83 Strukturelle Universalien/Bigelow/Pargetter: Strukturelle Universalien brauchen wir hier also ohne Modalitäten. >Modalitäten. Daher betrachten wir noch einmal Bsp Methan: Wir haben dabei mit einem komplexen Muster von Entailments zu tun. Wenn ein Molekül Methan instanziiert, folgt daraus notwendig, dass es Teile von ihm gibt, die die anderen Universalien Wasserstoff usw. instanziieren. >Instanziierung. I 84 Problem: Bei einem so reichen Muster von Entailments drohen modale Zirkel. Die Teil-Relation reicht sicher nicht aus. >Teile, >Teil-von-Relation, >Zirkularität, >Regress. Wir lernen zwei Lektionen von David Lewis: Mereologie/Lewis: ist in diesem Fall nicht hinreichend. >Mereologie, >Hinreichendes. 1. Wäre ein strukturelles Universale nur mereologisch zusammengesetzt, dann wäre Methan nur eine mereologische Summe von Wasserstoff, Kohlenstoff und Bindung. Das gibt uns unser Muster von Entailments. >Mereologische Summe. I 86 Entailment/Lewis/Bigelow: Entailment darf man nicht zwischen Entitäten annehmen, wenn man annimmt, dass nichts in der Struktur dieser Entitäten selbst erklärt, warum diese Entailments bestehen sollten. Problem/Lewis/Bigelow/Pargetter: Um zu unserem Muster von Entailments zu gelangen, müssen wir die eine oder andere Art von Magie annehmen. Entailments/Quantitäten/Bigelow/Pargetter: Bei den Quantitäten hatten wir ein ähnlich komplexes Muster von Entailments Bsp ein Objekt mit einer spezifizierten (determin-aten) Masse muss auch eine determin-able Masse haben, während alles mit einer determin-ablen Masse eine bestimmte determin-ate Masse haben muss. Lösung: 3 Ebenen I 224 Def Entailment/Bigelow/Pargetter: Eine Klasse A von Sätzen beinhaltet (entails) einen Satz a gdw. der Satz a wahr ist in jeder möglichen Welt, in der alle Elementen der Klasse A wahr sind. Wenn a von Klasse A entailt wird, dann ist a wahr in jeder möglichen Welt einer bestimmten Klasse C (von möglichen Welten). Relevanz: Die relevante Klasse möglicher Welten wird durch die Menge A von Sätzen spezifiziert. C. ist die Klasse der möglichen Welten, in denen alle Sätze von A wahr sind. Wenn A entailt a heißt dies, dass a wahr ist in jeder Welt in C. Relative Notwendigkeit: was hier notwendig ist, ist notwendig relativ zu A und relativ zu C. |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Entscheidbarkeit | Chaitin | Genz II 217 Berechenbarkeit/Chaitin: These: Mathematik und Physik stehen in einer Verbindung. Sollte die Physik auf eine nichtberechenbare Zahl führen, müssten wir unseren Begriff von Berechenbarkeit ändern. >Berechenbarkeit, >Nichtberechenbarkeit, >Entscheidungen, >Entscheidungsproblem, >Mathematik, >Physik. |
Gz I H. Genz Gedankenexperimente Weinheim 1999 Gz II Henning Genz Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität München 2002 |
| Entscheidungen | Marshall | Coyne I 8 Entscheidungen/Handlungen/Oppertunitätskosten/Marshall/Coyne/Boettke: Bei der Wahl zwischen verschiedenen Handlungsalternativen muss sich eine Person zwangsläufig für einen Handlungspfad entscheiden. In jedem Moment der Wahl wägt der Einzelne den erwarteten Nutzen einer Handlungsmöglichkeit gegen den erwarteten Nutzen anderer Handlungsmöglichkeiten ab (der erwartete Nutzen der nächstbesten Alternative ist gleich den entgangenen Kosten). Diese erwarteten Vorteile werden durch den menschlichen Verstand gefiltert, d. h. sie sind für den einzelnen Entscheidungsträger subjektiv. Da der erwartete Nutzen der aufgegebenen Alternativen nie erfahren wird, sind die subjektiven Opportunitätskosten rein im Kopf des Akteurs und für einen außenstehenden Beobachter nicht erkennbar. Wie Marshall feststellte, ist es in der Tat so, dass beide Klingen einer Schere das Blatt Papier durchschneiden. In wirtschaftlichen Angelegenheiten, an denen Menschen beteiligt sind, werden jedoch sowohl die Klingen der Nachfrage als auch des Angebots durch die subjektiven Bewertungen der Menschen bestimmt. >Subjektivismus/Menger, >Opportunitätskosten. |
Marshall A I Alfred Marshall Principles of Economics, 1st edn 1890, 8th edn 1920, reset and reprinted 1947. London: Macmillan. London 1970 Coyne I Christopher J. Coyne Peter J. Boettke The Essential Austrian Economics Vancouver 2020 |
| Entscheidungsprozesse | Buchanan | Parisi I 311 Entscheidungsprozesse/Theorie der öffentlichen Wahl/Public Choice/Buchanan/Tullock: Das Kalkül der Wahl befasst sich mit Annahmen über die Art und Weise, wie Menschen Entscheidungen treffen (Buchanan und Tullock, 1962)(1). In der ökonomischen Analyse wird im Allgemeinen davon ausgegangen, dass die Menschen ein Wahlkalkül betreiben, das auf einer rationalen und eigennützigen Bewertung von Kosten und Nutzen beruht. Wirtschaftswissenschaftler gehen zwar davon aus, dass mehrere Faktoren in dieses Kalkül einfließen, aber am Ende verwenden sie oft den Preis als Stellvertreter. Der Preis ist ein nützlicher Ersatz für die wirtschaftliche Analyse, weil er eine mathematische Berechnung ermöglicht und eine Kosten-Nutzen-Rechnung zur Ermittlung einer "optimalen" Vorgehensweise erlaubt. Das Problem bei der Verwendung des Preises als Ersatzgröße ist, dass der Preis lediglich eine unvollständige Interpretation des Wertes und nicht des Wertes selbst ist. Preise spiegeln lediglich Wertunterschiede zwischen konkurrierenden Optionen wider, und Berechnungen, die auf dem Preis basieren, bevorzugen naturgemäß Optionen, die leicht quantifizierbar sind. Die Kosten für den Kauf und die Installation eines Luftfilters zur Verringerung der Umweltverschmutzung lassen sich beispielsweise leichter quantifizieren als der Wert einer zusätzlichen Einheit sauberer Luft. Die Forderung, dass rechtliche Entscheidungen auf einer Kosten-Nutzen-Analyse beruhen müssen, führt daher zu einer Bevorzugung des Quantifizierbaren. Das größere Problem mit dem Kalkül der Wahl ist nicht, dass es die leicht quantifizierbaren Dinge gegenüber den abstrakteren bevorzugt, sondern dass es dies tut, während es unterstellt, dass die Menschen Entscheidungen auf der Grundlage eines Kalküls und nicht als eine Frage der Interpretation treffen. >Public Choice-Theorie, >Public Choice als Begriff. Vs: Dies wiederum kann dazu führen, dass sich Rechtsökonomen darauf konzentrieren, der Macht des Rechts zu viel Kraft zuzuschreiben, um die Kosten- und Nutzenkalkulationen zahlloser Menschen zu korrigieren. Die Verhaltensanalyse zeigt, dass Menschen oft Schwierigkeiten haben, Kosten und Nutzen zu berechnen. (Schwartz, 2005(2); Sunstein, 2000(3), 2009(4)). 1. Buchanan, James M. and Gordon Tullock (1962). The Calculus of Consent: Logical Foundations of Constitutional Democracy. Ann Arbor, MI: Ann Arbor Paperbacks/Michigan. 2. Schwartz, Barry (2005). The Paradox of Choice: Why More is Less. New York: Harper Perennial. 3. Sunstein, Cass R. (2000). Behavioral Law and Economics. Cambridge: Cambridge University Press. 4. Sunstein, Cass and Richard Thaler (2009). Nudge: Improving Decisions About Health, Wealth, and Happiness. New York: Penguin. Driesen, David M. and Robin Paul Malloy. “Critics of Law and Economics”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. Boudreaux I 23 Entscheidungsprozesse/Steuern/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: Beeinflusst von Wicksell und später durch sein Eintauchen in die Arbeiten italienischer Wissenschaftler auf dem Gebiet der öffentlichen Finanzen arbeitete Buchanan an der Entwicklung einer positiven Theorie der fiskalischen Entscheidungsfindung. Diese positive Theorie zielte darauf ab, die beobachteten Ergebnisse zu erklären, und sollte Buchanan wiederum bei der Ausarbeitung normativer Leitlinien für Staatsausgaben und Steuern unterstützen. Wie wir in Kapitel 1 gesehen haben, lehnte Buchanan die Annahme ab, dass der Staat ein wohlwollender Oberherr der Individuen ist, die die Regierten bilden. In seiner Theorie der fiskalischen Entscheidungen versuchte Buchanan, staatliche Ausgaben- und Steuerentscheidungen mit denselben individualistischen Motiven zu erklären, von denen Ökonomen annehmen, dass sie Ausgaben- und Konsumentscheidungen auf privaten Märkten leiten. Der Unterschied zwischen den beiden Kontexten ist natürlich, dass Regierungen kollektive Entscheidungen treffen - Entscheidungen, mit denen alle Mitglieder der politischen Gemeinschaft leben müssen. Boudreaux I 24 Buchanan zeigte jedoch, dass dieselbe Analyse der Entscheidungslogik, die auf privaten Märkten am Werk ist, auch für die Analyse der Art und Weise, wie Bürger in demokratischen Gemeinwesen kollektive Entscheidungen treffen, fruchtbar gemacht werden kann. >Steuern/Wicksell, >Steuern/Buchanan. Boudreaux I 25 Entscheidungsprozess/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: Da es so etwas wie einen allgemeinen Willen oder ein gesellschaftliches Wohlergehen jenseits des Wohlergehens jedes Einzelnen in der Gruppe nicht gibt, besteht die Herausforderung darin, demokratische Institutionen so zu gestalten, dass sie die Präferenzen der Bürger so genau wie möglich widerspiegeln. >Wohlfahrtsökonomik/Buchanan. Einfache Mehrheitsentscheidungen in allen Fragen haben den offensichtlichen Mangel, dass sie es der Mehrheit ermöglichen, der Minderheit Kosten aufzuerlegen, so dass die Institutionen so gestaltet werden müssen, dass sie vor diesem Ergebnis schützen. Mehrheiten/Wicksell: Auch hier ließ sich Buchanan von Wicksell inspirieren, der feststellte, dass, wenn die Regierung einstimmig handeln muss, die Zustimmung aller bedeutet, dass das Wohlergehen aller verbessert wird und die Entscheidung im öffentlichen Interesse liegt, weil sie im Interesse aller ist, die diese Öffentlichkeit ausmachen. Besteuerung: (...) damit Steuern allgemein in Kenntnis der Sachlage beschlossen werden können, müssen die Bürger im Voraus wissen, wie diese Steuereinnahmen ausgegeben werden sollen. Buchanan betonte, dass die Zweckmäßigkeit von Steuern nicht unabhängig davon beurteilt werden kann, wie die Steuereinnahmen ausgegeben werden sollen. Der gesunde Menschenverstand, der hinter dieser Einsicht steht, besagt, dass Menschen, die gefragt werden, ob sie eine bestimmte Steuer zahlen wollen, in der Regel Nein sagen, weil eine Steuer ihnen Kosten auferlegt. Fragt man sie hingegen, ob sie eine Steuer auf Benzin zur Finanzierung des Straßenbaus befürworten, werden sie eher zustimmen, da sie die Kosten der vorgeschlagenen Steuer gegen den Nutzen abwägen, den sie sich von der Straße versprechen. Die Vorzüge einer bestimmten Steuer können nicht unabhängig davon beurteilt werden, wie die Steuereinnahmen ausgegeben werden. Diese scheinbar einfache Erkenntnis wird selbst im 21. Jahrhundert von Ökonomen der öffentlichen Finanzen nur selten anerkannt. Boudreaux I 32 Entscheidungsprozess/Buchanan/Während alle Entscheidungen mit Kosten verbunden sind, bedeutet das Beharren auf der Realität und der Anerkennung von Kosten natürlich nicht, dass man gegen Handlungen argumentiert, die Kosten verursachen. Damit würde man auch gegen Handlungen argumentieren, die Vorteile haben. Untätigkeit selbst hat Kosten - nämlich die entgangenen Vorteile, die man sonst durch Handeln hätte genießen können. >Opportunitätskosten, >Kosten/Buchanan. Aber die unausweichliche Realität der Knappheit bedeutet, dass wir, wenn wir unser Wohlergehen verbessern und nicht verringern wollen, danach streben sollten, nur so zu handeln, dass der Nutzen größer als die Kosten ist. In dem Maße, in dem uns dies gelingt, verbessert sich unser Wohlbefinden. Nutzen: Wir haben unter dem Strich einen Nutzen. Der Nettonutzen besteht nicht in der Vermeidung von Kosten, was unmöglich ist, sondern in der Wahl von Handlungen, von denen wir erwarten, dass sie mehr Nutzen als Kosten bringen. Boudreaux I 32 Zeit/Entscheidung/Buchanan: „Wenn Sie vor wenigen Augenblicken beschlossen haben, dass Ihre Bewertung der Alternative diejenige übersteigt, die Sie nach der Lektüre dieses Vorworts erwarten, haben Sie die umständliche Prosa dieses Ökonomen verpasst. Aber wenn Sie sie von vornherein abgelehnt haben, können Sie nie wissen, was Sie verpasst haben. Der Nutzen, den Sie jetzt aus der Lektüre des Vorworts ziehen, ist nicht mit den Kosten vergleichbar, die Sie bei der Wahl der attraktivsten Alternative erlitten hätten. Diese Vorteile, wenn es denn welche gibt, sind vorhanden. Sie können ex post bewertet werden. Kosten, die das Verhalten beeinflussen, existieren nicht; sie werden nie realisiert; sie können nicht im Nachhinein gemessen werden.“ (Buchanan, 1969(1): vii) Boudreaux I 34 Individuen: Da nur Individuen Entscheidungen treffen, entstehen nur Individuen Kosten, und zwar nur denjenigen, die die Entscheidungen treffen, die die Kosten verursachen. Boudreaux I 35 Entscheidungen beeinflussen den Verlauf der Ereignisse sowohl für den Wählenden als auch für viele andere. Darüber hinaus erkannte Buchanan ausdrücklich an, dass der Einzelne bei seinen Entscheidungen versuchen kann, die Folgen zu berücksichtigen, die seine Entscheidungen für andere Menschen haben könnten. Buchanan erkannte an, dass der Einzelne solche Versuche in der Tat recht häufig unternimmt. Dennoch bleibt die Tatsache bestehen, dass niemand die Gedanken einer anderen Person lesen oder die subjektiv empfundenen Empfindungen einer anderen Person erleben kann. Boudreaux I 36 Die Kosten von Entscheidungen: Die offensichtlichen Auswirkungen, die unsere Entscheidungen auf andere und auf unser zukünftiges Selbst haben, veranlassten Buchanan dazu, zwischen „Kosten der Wahlbeeinflussung“ und „Kosten der Wahlbeeinflussung“ zu unterscheiden. Entscheidungsbeeinflussende Kosten wirken im Moment der Entscheidung im Kopf jedes Entscheidungsträgers und veranlassen ihn, eine Option einer anderen vorzuziehen. Wahlbeeinflussende Kosten sind bestehende Zwänge, die durch Entscheidungen in der Vergangenheit entstanden sind. Boudreaux I 37 In dem Maße, in dem ein Entscheidungsträger die künftigen Folgen richtig einschätzt, wird die jetzt getroffene Wahl dazu führen, dass er und andere Personen später weniger „bedauerliche“ Entscheidungen treffen müssen. Boudreaux I 38 Die Kosten einer Entscheidung sind der Wert der am höchsten eingestuften Alternative, auf die verzichtet wird. Doch gerade weil auf diese Alternative verzichtet wird, gibt es keine Möglichkeit zu erfahren, wie viel Nutzen oder wie viel Gewinn sie gebracht hätte, wenn sie gewählt worden wäre. Der Einzelne erkennt den Nutzen, den er aus den von ihm gewählten Optionen zieht. Über den Nutzen, den sie erhalten hätten, wenn sie sich anders entschieden hätten, können sie jedoch nur Vermutungen anstellen. Unternehmen können feststellen, ob sie profitabel sind, aber sie können nicht wissen, ob sie mehr (oder weniger) profitabel gewesen wären, wenn ihre Manager andere Entscheidungen getroffen hätten. >Gewinnmaximierung/Buchanan. Subjektivität: Da Kosten subjektiv sind, können verschiedene Personen in denselben Situationen unterschiedliche Entscheidungen treffen, wobei beide die beste Wahl für diese Personen sein können. Besteuerung/Regierungspolitik: Ähnliche Implikationen ergeben sich für Maßnahmen der öffentlichen Politik. Die Unmöglichkeit, die Kosten zu beobachten und objektiv zu messen, bedeutet, dass die Art von Korrektursteuern, die die meisten Ökonomen zur Bewältigung von Kohlenstoffemissionen und anderen externen Effekten empfehlen, nicht schlüssig begründet werden kann. >Regierungspolitik/Buchanan. 1.James M. Buchanan. (1969). Cost and Choice: An Inquiry In Economic Theory University of Chicago Press. |
EconBuchan I James M. Buchanan Politics as Public Choice Carmel, IN 2000 Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Entscheidungsprozesse | Public Choice-Theorie | Parisi I 187 Entscheidungsprozesse/Public-Choice-Theorie/Farber: 1) (...) wenn öffentliche Politiken in separate Dimensionen aufgeschlüsselt werden können, können kohärente Entscheidungen entlang jeder Dimension auf der Grundlage der Ansichten des Medianwählers getroffen werden. So können z.B. legislative Ausschüsse als Mechanismen zur Begrenzung von Entscheidungen auf eine bestimmte Dimension der Politik verstanden werden, so dass Mehrheitsentscheidungen kohärent funktionieren können. Es ist sogar möglich, dass Pakete aus mehreren Politiken kohärente Ergebnisse hervorbringen, wenn sich alle darüber einig sind, wie sie auf einer ideologischen Skala zu sortieren sind und die Uneinigkeit nur darin besteht, welche ideologische Balance bevorzugt wird. 2) Kontrolle: (...) kohärente Ergebnisse sind möglich, wenn ein Individuum (oder eine Koalition von Gleichgesinnten) die Kontrolle hat. (Vgl. >Arrow-Theorem). Diese Konzentration der Kontrolle kann offensichtlich sein, wie bei der alleinigen Machtausübung des Präsidenten über Elemente der Außenpolitik. Oder sie kann subtiler sein. Allein die Existenz von Abstimmungszyklen bedeutet, dass die Person, die die Tagesordnung kontrolliert, potenziell das Ergebnis kontrollieren kann (Mueller, 2003(1) , S. 112-114). Zum Beispiel kann der Sprecher des Repräsentantenhauses oder ein Ausschussvorsitzender in der Lage sein, die Tagesordnung des Repräsentantenhauses zu kontrollieren und somit kohärente Ergebnisse zu erhalten (Stearns und Zywicki, 2009(2), S. 135; Shepsle, 2010(3), S. 451-457). In diesem Umfeld beeinflussen institutionelle Merkmale die Ergebnisse auf besonders starke Weise und stellen als normative Angelegenheit jede direkte Verbindung zwischen öffentlichen Präferenzen und legislativen Ergebnissen in Frage. 3) (...) kohärente Ergebnisse sind auch möglich, wenn der Entscheidungsprozess die Intensität der Präferenzen über die Ergebnisse einbezieht und nicht nur deren Rangfolge. Präferenzen: Politische Institutionen beruhen nominell auf Abstimmungen, die einfach eine individuelle Rangfolge der Ergebnisse beinhalten. Aber es gibt Mechanismen, bei denen die Intensität der Präferenzen eine Rolle spielt, wie z.B. Verhandlungen zwischen Gesetzgebern, Angebote von Wahlunterstützungen, Zeitaufwand für die Ausarbeitung von Gesetzesentwürfen und so weiter (Mueller, 2003(1) , S. 104-107). Demokratie/Farber: Ein demokratisches System, das einfach Mehrheitsentscheidungen ohne einen solchen institutionellen Rahmen verwendet, wäre nur in dem seltenen Gemeinwesen erfolgreich, in dem sich die Wähler auf einen einzigen Maßstab für die Messung aller öffentlichen Maßnahmen einigen und sich nur über ihre idealen Punkte auf der Skala uneinig sind. So können wir das öffentliche Recht als eine Reihe von institutionellen Strukturen verstehen, um ansonsten unlösbare Probleme der Entscheidungsfindung in Gruppen anzugehen. 1. Mueller, D. C. (2003). Public Choice 111. Cambridge: Cambridge University Press. 2. Stearns, M. L. and T. J. Zywicki (2009). Public Choice Concepts and Applications in Law. St. Paul, MN: Thomas Reuters. 3. Shepsle, K. A. (2010). Analyzing Politics: Rationality, Behavior, and Institutions. 2nd edition. New York: W.W. Norton & co. Farber, Daniel A. “Public Choice Theory and Legal Institutions”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Entwicklungsphasen | Wygotski | Upton I 16 Entwicklungsphasen/WygotskiVsPiaget: Unser Wissen und Verständnis von der Welt wird (...) in einem sozialen Kontext konstruiert, nicht, wie Piaget dachte, allein dadurch, dass Kinder auf die Umwelt einwirken. Wygotski argumentierte auch, dass das Kind zunächst dem Beispiel des Erwachsenen folgt und allmählich die Fähigkeit entwickelt, Aufgaben ohne Hilfe zu erledigen. Er nannte den Unterschied zwischen dem, was ein Kind mit Hilfe tun kann, und dem, was es allein tun kann, die Zone der proximalen Entwicklung (ZPD). >Verstehen, >Lernen, >J. Piaget, >Entwicklungspsychologie. |
Wygotski I L. S. Wygotski Denken und Sprechen Frankfurt/M. 1977 Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| Entwicklungspolitik | Acemoglu | Acemoglu I 452 Auslandshilfe/Acemoglu/Robinson: (...) Die Auslandshilfe ist eine der populärsten Politiken, die westliche Regierungen, internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen und NGOs verschiedener Couleur als Mittel zur Bekämpfung der Armut in der Welt empfehlen. Und natürlich wiederholt sich der Kreislauf des Scheiterns der Auslandshilfe immer und immer wieder. Die Idee, dass reiche westliche Länder große Mengen an "Entwicklungshilfe" leisten sollten, um das Problem der Armut in Afrika südlich der Sahara, in der Karibik, in Mittelamerika und in Südasien zu lösen, basiert auf einem falschen Verständnis dessen, was Armut verursacht. Institutionen: Länder wie Afghanistan sind arm, weil sie über extraktive Institutionen verfügen - was zu einem Mangel an Eigentumsrechten, Recht und Ordnung oder gut funktionierenden Rechtssystemen und einer erdrückenden Dominanz der nationalen und, häufiger noch, der lokalen Eliten über das politische und wirtschaftliche Leben führt. >Institutionen/Acemoglu, >Terminologie/Acemoglu. Dieselben institutionellen Probleme bedeuten, dass die ausländische Hilfe wirkungslos bleibt, da sie geplündert wird und wahrscheinlich nicht dorthin gelangt, wo sie hingehört. Im schlimmsten Fall wird sie die Regime stützen, die die eigentlichen Ursachen für die Probleme dieser Gesellschaften sind. Wenn anhaltendes wirtschaftliches Acemoglu I 453 Wachstum von integrativen Institutionen abhängt, kann die Unterstützung von Regimen, die den Vorsitz über extraktive Institutionen führen, nicht die Lösung sein. Bedingte Hilfe: Eine Lösung (...) besteht darin, die Hilfe "an Bedingungen zu knüpfen". Nach dieser Auffassung sollte die Fortsetzung der ausländischen Hilfe davon abhängen, dass die Empfängerregierungen bestimmte Bedingungen erfüllen - zum Beispiel die Liberalisierung der Märkte oder den Übergang zur Demokratie. Den größten Schritt in Richtung dieser Art von bedingter Hilfe unternahm die Regierung George W. Bush mit der Einführung der Millennium Challenge Accounts, die zukünftige Hilfszahlungen von quantitativen Verbesserungen in mehreren Dimensionen der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung abhängig machten. VsBedingte Hilfe: (...) die Wirksamkeit der bedingten Hilfe scheint nicht besser zu sein als die der bedingungslosen Art. Länder, die diese Bedingungen nicht erfüllen, erhalten in der Regel ebenso viel Hilfe wie jene, die sie erfüllen. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Sie haben einen größeren Bedarf an entwicklungspolitischer oder humanitärer Hilfe. Acemoglu/Robinson: 1) Ausländische Hilfe ist kein sehr wirksames Mittel, um mit dem Versagen heutiger Nationen in der ganzen Welt fertig zu werden. Die Länder brauchen integrative wirtschaftliche und politische Institutionen, um aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen. Auslandshilfe kann in dieser Hinsicht normalerweise wenig bewirken (...). >Institutionen/Acemoglu. 2) Da die Entwicklung integrativer wirtschaftlicher und politischer Institutionen von zentraler Bedeutung ist, wäre es sinnvoll, die bestehenden ausländischen Hilfsströme zumindest teilweise zu nutzen, um eine solche Entwicklung zu erleichtern. (...) Vielleicht wäre es besser, die ausländische Hilfe so zu strukturieren, dass ihre Verwendung und Verwaltung Gruppen und Führungskräfte, die sonst von der Macht ausgeschlossen sind, in den Entscheidungsprozess einbezieht, und ein breites Bevölkerungssegment ermächtigt [als bedingte Hilfe]. Acemoglu I 460 Empowerment/Ermächtigung: Was kann getan werden, um den Prozess des Empowerments und damit die Entwicklung inklusiver politischer Institutionen in Gang zu bringen oder vielleicht auch nur zu erleichtern? Die ehrliche Antwort lautet natürlich, dass es kein Rezept für den Aufbau solcher Institutionen gibt. Natürlich gibt es einige offensichtliche Faktoren, die es wahrscheinlicher machen würden, dass der Prozess des Empowerment in Gang kommt. Dazu gehört das Vorhandensein eines gewissen Grades an zentralisierter Ordnung, damit soziale Bewegungen, die bestehende Regime herausfordern, nicht sofort in die Gesetzlosigkeit abrutschen. Ebenfalls dazu gehört dass, einige bereits bestehende politische Institutionen, die ein gewisses Maß an Pluralismus einführen, wie die traditionellen politischen Institutionen in Botswana, damit breite Koalitionen gebildet werden können und Bestand haben; und das Vorhandensein zivilgesellschaftlicher Institutionen, die die Forderungen der Bevölkerung koordinieren können, so dass oppositionelle Bewegungen weder leicht von den gegenwärtigen Eliten zerschlagen werden, noch sich zwangsläufig in ein Vehikel verwandeln, mit dem eine andere Gruppe die Kontrolle über die bestehenden extraktiven Institutionen übernehmen kann. Viele dieser Faktoren sind jedoch historisch vorherbestimmt und ändern sich nur langsam. Siehe auch Reinikka und Svensson (2004)(1) und Easterly (2006)(2) in Bezug auf Probleme der Entwicklungspolitik.(1) 1.Reinikka, Ritva, and Jacob Svensson (2004). “Local Capture: Evidence from a Central Government Transfer Program in Uganda.” Quarterly Journal of Economics, 119: 679–705. 2.Easterly, William (2006). The White Man’s Burden: Why the West’s Efforts to Aid the Rest Have Done So Much Ill and So Little Good. New York: Oxford University Press. |
Acemoglu II James A. Acemoglu James A. Robinson Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006 Acemoglu I James A. Acemoglu James A. Robinson Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 |
| Entwicklungspolitik | Robinson | Acemoglu I 452 Auslandshilfe/Acemoglu/Robinson: (...) Die Auslandshilfe ist eine der populärsten Politiken, die westliche Regierungen, internationale Organisationen wie die Vereinten Nationen und NGOs verschiedener Couleur als Mittel zur Bekämpfung der Armut in der Welt empfehlen. Und natürlich wiederholt sich der Kreislauf des Scheiterns der Auslandshilfe immer und immer wieder. Die Idee, dass reiche westliche Länder große Mengen an "Entwicklungshilfe" leisten sollten, um das Problem der Armut in Afrika südlich der Sahara, in der Karibik, in Mittelamerika und in Südasien zu lösen, basiert auf einem falschen Verständnis dessen, was Armut verursacht. Institutionen: Länder wie Afghanistan sind arm, weil sie über extraktive Institutionen verfügen - was zu einem Mangel an Eigentumsrechten, Recht und Ordnung oder gut funktionierenden Rechtssystemen und einer erdrückenden Dominanz der nationalen und, häufiger noch, der lokalen Eliten über das politische und wirtschaftliche Leben führt. >Institutionen/Acemoglu, >Terminologie/Acemoglu. Dieselben institutionellen Probleme bedeuten, dass die ausländische Hilfe wirkungslos bleibt, da sie geplündert wird und wahrscheinlich nicht dorthin gelangt, wo sie hingehört. Im schlimmsten Fall wird sie die Regime stützen, die die eigentlichen Ursachen für die Probleme dieser Gesellschaften sind. Wenn anhaltendes wirtschaftliches Acemoglu I 453 Wachstum von integrativen Institutionen abhängt, kann die Unterstützung von Regimen, die den Vorsitz über extraktive Institutionen führen, nicht die Lösung sein. Bedingte Hilfe: Eine Lösung (...) besteht darin, die Hilfe "an Bedingungen zu knüpfen". Nach dieser Auffassung sollte die Fortsetzung der ausländischen Hilfe davon abhängen, dass die Empfängerregierungen bestimmte Bedingungen erfüllen - zum Beispiel die Liberalisierung der Märkte oder den Übergang zur Demokratie. Den größten Schritt in Richtung dieser Art von bedingter Hilfe unternahm die Regierung George W. Bush mit der Einführung der Millennium Challenge Accounts, die zukünftige Hilfszahlungen von quantitativen Verbesserungen in mehreren Dimensionen der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung abhängig machten. VsBedingte Hilfe: (...) die Wirksamkeit der bedingten Hilfe scheint nicht besser zu sein als die der bedingungslosen Art. Länder, die diese Bedingungen nicht erfüllen, erhalten in der Regel ebenso viel Hilfe wie jene, die sie erfüllen. Dafür gibt es einen einfachen Grund: Sie haben einen größeren Bedarf an entwicklungspolitischer oder humanitärer Hilfe. Acemoglu/Robinson: 1) Ausländische Hilfe ist kein sehr wirksames Mittel, um mit dem Versagen heutiger Nationen in der ganzen Welt fertig zu werden. Die Länder brauchen integrative wirtschaftliche und politische Institutionen, um aus dem Teufelskreis der Armut auszubrechen. Auslandshilfe kann in dieser Hinsicht normalerweise wenig bewirken (...). >Institutionen/Acemoglu. 2) Da die Entwicklung integrativer wirtschaftlicher und politischer Institutionen von zentraler Bedeutung ist, wäre es sinnvoll, die bestehenden ausländischen Hilfsströme zumindest teilweise zu nutzen, um eine solche Entwicklung zu erleichtern. (...) Vielleicht wäre es besser, die ausländische Hilfe so zu strukturieren, dass ihre Verwendung und Verwaltung Gruppen und Führungskräfte, die sonst von der Macht ausgeschlossen sind, in den Entscheidungsprozess einbezieht, und ein breites Bevölkerungssegment ermächtigt [als bedingte Hilfe]. Acemoglu I 460 Empowerment/Ermächtigung: Was kann getan werden, um den Prozess des Empowerments und damit die Entwicklung inklusiver politischer Institutionen in Gang zu bringen oder vielleicht auch nur zu erleichtern? Die ehrliche Antwort lautet natürlich, dass es kein Rezept für den Aufbau solcher Institutionen gibt. Natürlich gibt es einige offensichtliche Faktoren, die es wahrscheinlicher machen würden, dass der Prozess des Empowerment in Gang kommt. Dazu gehört das Vorhandensein eines gewissen Grades an zentralisierter Ordnung, damit soziale Bewegungen, die bestehende Regime herausfordern, nicht sofort in die Gesetzlosigkeit abrutschen. Ebenfalls dazu gehört dass, einige bereits bestehende politische Institutionen, die ein gewisses Maß an Pluralismus einführen, wie die traditionellen politischen Institutionen in Botswana, damit breite Koalitionen gebildet werden können und Bestand haben; und das Vorhandensein zivilgesellschaftlicher Institutionen, die die Forderungen der Bevölkerung koordinieren können, so dass oppositionelle Bewegungen weder leicht von den gegenwärtigen Eliten zerschlagen werden, noch sich zwangsläufig in ein Vehikel verwandeln, mit dem eine andere Gruppe die Kontrolle über die bestehenden extraktiven Institutionen übernehmen kann. Viele dieser Faktoren sind jedoch historisch vorherbestimmt und ändern sich nur langsam. Siehe auch Reinikka und Svensson (2004)(1) und Easterly (2006)(2) in Bezug auf Probleme der Entwicklungspolitik.(1) 1.Reinikka, Ritva, and Jacob Svensson (2004). “Local Capture: Evidence from a Central Government Transfer Program in Uganda.” Quarterly Journal of Economics, 119: 679–705. 2.Easterly, William (2006). The White Man’s Burden: Why the West’s Efforts to Aid the Rest Have Done So Much Ill and So Little Good. New York: Oxford University Press. |
EconRobin I James A. Robinson James A. Acemoglu Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 Robinson I Jan Robinson An Essay on Marxian Economics London 1947 Acemoglu II James A. Acemoglu James A. Robinson Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006 Acemoglu I James A. Acemoglu James A. Robinson Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 |
| Epiphänomenalismus | Chalmers | I 150 Epiphänomenalismus/Bewusstsein/Chalmers: Frage: Wenn Bewusstsein nur natürlich (aber nicht logisch) auf dem Physischen superveniert, ist anscheinend keine Kausalität im Spiel. Dann wäre Bewusstsein nur ein Nebeneffekt und müsste gar nicht existieren. Huxley (Huxley (1874)(1) argumentiert so. >Supervenienz, >Bewusstsein/Chalmers. ChalmersVs: Kausale Geschlossenheit unserer physikalischen Welt sieht nur nach Epiphänomenalismus aus. >Abgeschlossenheit. I 151 VsEpiphänomenalismus/Chalmers: Eine Strategie gegen den Epiphänomenalismus wäre, die kausale Geschlossenheit der physikalischen Welt zu leugnen. Das sollten wir nicht tun. Es gibt bessere Wege, die von angemesseneren Annahmen als von Metaphysik und Verursachung ausgehen. 1. Regularitätsbasierte Verursachung/Chalmers: Statt Kausalität könnten wir mit Hume eine Regularität annehmen. Dann könnte man behaupten, das Verhalten wäre selbst ohne phänomenales Bewusstsein dasselbe gewesen. >Regularität, >Bewusstsein, >Verhalten, >Verursachung. ChalmersVs: Es gibt sehr viele systematische Regularitäten zwischen bewussten Erlebnissen und späteren physikalischen Ereignissen, von denen jede uns dazu bringt, eine kausale Verknüpfung zu schließen. >Kausalität. I 152 2. Kausale Überdetermination: Man könnte annehmen, das ein physikalischer und ein phänomenaler Zustand, obwohl völlig getrennt, einen späteren physikalischen Zustand hervorrufen könnten. Problem: kausale Redundanz. >Redundanz. Lösung: Tooley (1987)(2) Wir könnten eine irreduzierbare kausale Verbindung zwischen zwei physikalischen und eine separate irreduzible kausale Verbindung zwischen einem phänomenalen und einem physikalischen Zustand annehmen. Das ist eine nichtreduzierbare Sicht auf Verursachung. >Reduktion, >Unreduzierbarkeit. ChalmersVsTooley: Es ist nicht leicht zu zeigen, dass daran etwas falsch ist. Ich verfolge das nicht weiter, aber es muss ernst genommen werden. 3. Nichtsupervenienz der Verursachung: Tatsachen über das Bewusstsein und solche über Verursachung sind die einzigen Tatsachen, die nicht logisch auf bestimmten physikalischen Tatsachen supervenieren. Chalmers: Es ist ganz natürlich darüber zu spekulieren, ob diese beiden Arten von Nichtsupervenienz eine gemeinsame Wurzel haben. Rosenberg: (Rosenberg 1966)(3) hat das entwickelt. Rosenberg These: Erfahrung erkennt Verursachung oder einige Aspekte von ihr. Danach braucht Verursachung das Erkennen durch irgendjemand oder irgendetwas. ChalmersVsRosenberg: Das ist natürlich äußerst spekulativ und führt unter anderem zum Panpsychismus. >Panpsychismus, >Aspekte. I 153 Außerdem bliebe das Zombieproblem bestehen. >Zombies. 4. Die Intrinsische Natur des Physischen: These: Eine physikalische Theorie charakterisiert vor allem die Relationen ihrer Entitäten, d.h. ihre Propensitäten, mit anderen Elemente zu interagieren. >Propensität, >Intrinsisches. Problem: Was ist es, was diese ganzen Relationen der Verursachung und Kombinationen bewirkt? Russell (1927) (4): Das ist es, worüber die physikalische Theorie sich ausschweigt. Lösung: Eine intrinsische Natur der physikalischen Elemente anzunehmen. Chalmers: Die einzige Klasse von solchen intrinsischen Eigenschaften wäre die Klasse der phänomenalen Eigenschaften. >Phänomene. I 154 Es muss kein Panpsychismus daraus folgen. Stattdessen können wir protophänomenale Eigenschaften annehmen. >Protophänomenal. I 159 VsEpiphänomenalismus/Chalmers: Argumente gegen den Epiphänomenalismus fallen in drei Klassen: 1.Solche, die die Relationen von Erfahrung zu normalen Verhalten betreffen, 2. Solche, die die Relationen von Erfahrung zu Urteilen über normales Verhalten betreffen, 3. Solche, die das Gesamtbild der Welt betreffen, die die Annahme des Epiphänomenalismus hervorruft. Ad 1. VsEpiphänomenalismus: Bsp Die Intuitionen darüber, warum ich meine Hand aus einer Flamme zurückziehe sind stark, auf der anderen Seite können wir diese Intuitionen durch die Annahme von Regularitäten wegerklären. Wir nehmen Erfahrungen einfach direkter wahr als die zugehörigen Gehirnzustände. Ad 2. VsEpiphänomenalismus: Es scheint extrem kontraintuitiv, dass unsere Erfahrungen irrelevant für Erklärungen unseres Verhaltens sein könnten. >Verhalten, >Erklärung, >Erfahrung, vgl. >Subjektivität. I 160 Ad. 3. VsEpiphnomenalismus: Das Bild der Welt, das vom Epiphnomenalismus gezeichnet wird ist unplausibel, indem es nomologische Anhängsel geben soll, die nicht in das System der anderen Naturgesetze integriert sind. Epiphänomenalismus/Chalmers: Ich beschreibe meine eigene Position nicht als Epiphänomenalismus. Die Frage der kausalen Relevanz von Erfahrung bleibt offen. >Relevanz. 1. T. Huxley, On the hypothesis that animals are automata. In: Collected Essays, London 1987, pp. 1893-94. 2. M. Tooley, Causation: A Realist Approach, Oxford 1987 3. G. H. Rosenberg, Consciousness and causation: Clues toward a double-aspect theory, Ms Indiana Universwity, 1996. 4. B. Russell, The Analysis of Matter, London 1927 |
Cha I D. Chalmers The Conscious Mind Oxford New York 1996 Cha II D. Chalmers Constructing the World Oxford 2014 |
| Epistemisch/ ontologisch | Searle | III 18f Objektiv/subjektiv/Searle: Objektiv/subjektiv ist jeweils epistemisch/ontologisch, Bsp epistemisch objektiv: verschiedene Höhe von Bergen, Bsp Schmerzen im besonderen. Ontologisch subjektiv: ist die Zuschreibung von beobachterrelativen Eigenschaften, Bsp Schmerz im allgemeinen. Epistemisch subjektiv: ist die Bewertung von Künstlern. I 20 Ontologisch objektiv: ist die Zuschreibung von Existenzarten, die unabhängig von uns bestehen, Bsp Berge. Ontologisch subjektiv: Eigenschaften sind manchmal epistemisch objektiv, Bsp "Dies ist ein Schraubenzieher". >Ontologie, >Objektivität, >Subjektivität, >Episteme, >Erkenntnistheorie, >Wissen, vgl. >nomothetisch/idiographisch, vgl. >Epistemische Logik(= Glaubenslogik). |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Ereignisse | Goodman | II 75 Ereignis/Möglichkeit/Possibilia/Disposition/Goodman: mögliche physikalische Ereignisse: Sagt man, k sei zur Zeit s biegsam, so beschreibt man faktisch ein fiktives Ereignis, das zur Zeit s an k stattfindet. Das wirkliche Ereignis ist kein Biegen. Doch wenn man es ein mögliches Biegen nennt, so subsumiert man es damit lediglich unter das Dispositionsprädikat "biegsam". II 76 Wenn ich aber weiß, dass der Zug pünktlich angekommen ist, dann ist jede Rede von einem möglichen Unglück ganz anders zu verstehen. Aussagen dieser zweiten Art werfen das dringlichere Übersetzungsproblem auf. II 77 Man kann in wahren Aussagen fiktive Berge nach London versetzen, indem man einfach auf London eine bestimmte Fortsetzung des Prädikats "bergig" anwendet. II 78 Aussagen über Mögliches brauchen die Grenzen der wirklichen Welt nicht zu überschreiten. Oft verwechseln wir eine Beschreibung der wirklichen Welt mit dieser selbst. >Möglichkeit, >Wissen, >Fiktion. |
G IV N. Goodman Catherine Z. Elgin Revisionen Frankfurt 1989 Goodman I N. Goodman Weisen der Welterzeugung Frankfurt 1984 Goodman II N. Goodman Tatsache Fiktion Voraussage Frankfurt 1988 Goodman III N. Goodman Sprachen der Kunst Frankfurt 1997 |
| Ereignisse | Lewis | V 56 Ereignis/Lewis: Ein Ereignis kann aus Teilen bestehen, so können große von kleinen Verletzungen von Naturgesetzen durch die Anzahl der Teile komplexer Ereignisse unterschieden werden, nicht durch "viele Gesetze", weil immer unendlich viele Gesetze verletzt werden, wenn ein einziges verletzt ist bzw. immer nur ein fundamentales Gesetz verletzt. V 166 Ereignis: Ereignissen korrespondieren immer >Propositionen. Daher können wir hier Propositionen gebrauchen. Bsp O(e) sagt dass Ereignis e existiert (vorkommt), das die Kennzeichnung in einer Menge von möglichen Welten (MöWe) erfüllt ist. Die Proposition ist aber nicht identisch mit dem Ereignis. Problem: Wenn kein anderes Ereignis als e die Kennzeichnung erfüllen könnte, brauchte man starre Kennzeichnungen. Die gibt es fast nie, Bsp "Tod des Sokrates" ist nicht-starr! Lösung: Es geht gar nicht um einen Satz F(e), der in allen und nur den Welten wahr ist, in denen e sich ereignet. Lösung: Wir brauchen nur Propositionen, die in unserer Sprache Ausdrücke haben mögen, aber nicht unbedingt haben müssen. Wenn nicht zwei Ereignisse in genau denselben Welten vorkommen, heißt das, dass es keine absolut notwendigen Verbindungen zwischen einzelnen Ereignissen gibt. Dann können wir aber eine 1:1-Verbindung zwischen Ereignissen und Propositionen haben. Kontrafaktische Abhängigkeit zwischen Ereignissen ist dann einfach eine zwischen Propositionen. Die kontrafaktische Abhängigkeit zwischen Propositionen entspricht der kausalen zwischen Ereignissen. Kausale Abhängigkeit/Lewis: Die kausale Abhängigkeit schließen wir dann aus der kontrafaktischen Abhängigkeit von Propositionen. Die Abhängigkeit besteht in der Wahrheit von kontrafaktischen Konditionalen. >Kontrafaktisches Konditional/Lewis. V 196 Def Ereignis: Ein Ereignis besteht in größeren oder kleineren Klassen möglicher raumzeitlicher Regionen. Sie sind mehr oder weniger stark verbunden durch Ähnlichkeit. >Ähnlichkeit, >Mögliche Welten. V 240 Ereignis/Lewis: Bsp kein Ereignis: Eine schnell konvergierende mathematische Folge ist keine schnelle Entität. Die Benennung ist letztlich uninteressant. Wahrscheinlichkeits-Theorie: ihre "Ereignisse" sind Propositionen oder manchmal Eigenschaften. Eine Theorie die unbegrenzte Boolesche Operationen zulässt, kann zu unechten Ereignissen führen. V 243 Def Ereignis: Ein Ereignis ist eine Eigenschaft einer Raumzeit-Region. Sie ist immer kontingent. Kein Ereignis kommt in jeder möglichen Welt vor. Ein Ereignis passiert in genau einer (ganzen) Region. Bsp verstreute Region: Sport-Meisterschaften. Bsp jährliches Ereignis: kein Ereignis. Ein Ereignis wiederholt sich nicht und kommt auch nicht in verschiedenen Raumzeit-Regionen vor. Die Region des Ereignisses ist die mereologische Summe der Regionen, in denen es sich ereignet. Jedem Ereignis korrespondiert eine Eigenschaft von Regionen. Eine solche Eigenschaft gehört zu genau einer Region jeder möglichen Welt, wo das Ereignis passiert. Eigenschaft: Eine Eigenschaft ist hier einfach eine Klasse. V 245 Ereignis: Zwei Ereignisse können in derselben Region (Raumzeit-Region) passieren. Bsp Die Präsenz eines Elektrons in einem elektrischen Feld kann seine Beschleunigung verursachen. Dabei muss es möglich sein, dass das eine ohne das andere vorkommt - auch wenn einige Naturgesetze dabei verletzt werden. Für je zwei Ereignisse gibt es eine Region in einer möglichen Welt, wo das eine sich ereignet, aber nicht das andere ((s) Unabhängigkeit). Zwei Ereignisse müssen nie notwendig zusammen vorkommen. Es gibt kaum Bedingungen für Ereignishaftigkeit. Vielleicht: 1. Regionen sind Individuen, die Teile von möglichen Welten sind. 2. Keine Region ist Teil verschiedener möglicher Welten. ((s) Ähnlich wie > Montague. V 258 Ereignis/Mereologie/Teil/Teilereignis/Wesen/Lewis: Ein Ereignis kann Teil eines anderen sein. Bsp Die Bewegung des linken Fußes ist Teil des Gehens. Def wesentlicher Teil/Ereignis: e ist wesentlicher Teil von f gdw. f in einer Region vorkommt, dann notwendig auch e in einer Subregion, die in der Region eingeschlossen ist (Implikation eines Ereignisses), aber nicht notwendig: Ereignisse müssen ihre raumzeitlichen Teile nicht notwendig haben. Bsp Das Gehen könnte aus weniger Schritten bestehen. V 259 Teil/Ganzes/Ereignis: schreiben von "rry"/"Larry": Dies ist eine kontrafaktische Abhängigkeit, aber nicht Ursache/Wirkung. Sie stehen nicht in kausaler Abhängigkeit. Dennoch kann "rry" kausal abhängig sein vom Schreiben von "La", aber nicht von "Larr" (Überlappen). Das Ganze ist nicht Ursache der Teile. V 260 Ereignis/Mereologie/Lewis: These: Ereignisse haben eine einfachere Mereologie als z.B. Stühle. Eine Summe von Stühlen ist selbst kein Stuhl, aber eine Konferenz kann eine Summe von Sitzungen sein. >Mereologie/Lewis. Bsp Krieg ist die mereologische Summe von Schlachten. Ereignis/Lewis: Ein Ereignis soll als Ursache und Wirkung dienen. Teilereignis: Bei einem Teilereignis ist die Kausalität manchmal schwer festzustellen. Problem: Kann ein Teilereignis für eine Teilregion festzustellen sein, in der es geschieht? In einfachen Fällen: ja. V 261 Nicht-Ereignis/Nichtereignis/Kausalgeschichte/Lewis: Nichtereignisse sind nicht als etwas Isoliertes festzustellen. Sie können nicht Ursache sein. Konstanz: ist nicht immer ein Nicht-Ereignis! Konstanzen werden in der Kausalerklärung gebraucht. >Kausalerklärung/Lewis. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Ereignisse | Simons | I 129 Ereignis/Occurrents/Simons: Ereignisse, Prozesse, Vorkommnisse sind wie continuants in der Zeit, aber mit zeitlichen Teilen. Es können keine Identitätsbedingungen angegeben werden! Continuants sind nicht eliminierbar. Brutus-Ereignisse sind nicht ohne Referenz auf Brutus individuierbar. I 131 Ereignis/Teil/Mereologie/Simons: Räumlich und zeitlich ausgedehnte Ereignisse können Teile haben, die weder rein zeitlich noch rein räumlich sind, Bsp der Teil des Fußballspiels der einem einzelnen Spieler zuzuschreiben ist. Spanne/Span/spn(e): Die Spanne ist eine raumzeitliche Lokalisierung. Insein: Insein geschieht innerhalb größerer Region. Abdecken: Man kann genau den Teil abdecken. Ausbreitung/spread/spr[e]: Die Ausbreitung ist ein genauer Raum. Spell/sp[e]: Der "spell" ist die genaue Zeit. Atomar: Wenn pan und spread = 0 ist dies atomar. Verbunden: Zwei Ereignisse sind verbunden, wenn ihre Spanne (bestehend aus span und spell) topologisch verbunden sind. Def zeitlicher Teil: Der zeitliche Teil enthält alle gleichzeitig vorkommenden Teile des Ereignisses (analog räumlicher Teil). Def Phase: Die Phase ist der zeitlich verbundene Teil. Def Scheibe: Eine Scheibe ist eine Phase mit Dauer 0. Def Segment: Ein Segment ist ein räumlich verbundener räumlicher Teil. Sektion/section: Eine Sektion ist ein Segment mit der Ausdehnung 0. I 134 Summe/Ereignis/Mereologie/Simons: Bei Summen von Ereignissen ist es anders als bei Summen von Objekten. Wenn Ereignisse kausal getrennt sind, können sie keine Summe bilden, dennoch können sie Teile eines umfassenderen Ganzen sein (sie können eine obere Schranke haben). Ereignisse erfüllen nicht die volle Mereologie, aber die schwächeren Axiome. I 182 Produkt/Ereignisse/Simons: Problem: Die Produkte könnten unterbrochen existieren. Bsp zwei Objekte könnten zwischen Überlappen und Getrenntheit alternieren, z.B. Lichtpunkte auf einem Schirm. Bsp zwei Gremien teilen zu einer Zeit bestimmte Mitglieder, zu anderen nicht. Problem: Im letzteren Fall kann dasselbe Produkt sich erneut ergeben, aber mit anderen Elementen (s.u. unterbrochene Existenz). >Unterbrochene Existenz. I 183 Die Veränderung von Produkten verlangt topologische Begriffe. I 182 Koinzidenz/Ereignisse: Das Fehlen der Extensionalität erlaubt nur einen Beweis von Koinzidenz statt von Einzigkeit. I 281 Ereignis/Reduktion/Reduktionismus/Forbes/Simons: Ereignisse sind offen für eine Reduktion in einer Weise, wie es Continuants nicht sind, daher ist es fraglich, ob es irreduzible Wahrheiten de re über Ereignisse gibt ((s) die eben nicht auf etwas anderes zurückgeführt werden könnten). Essentialismus: Da aber Ereignisse auch echte Objekte sind, sollte es auch wesentliche Wahrheit über sie geben. Problem: Sie werden durch Kennzeichnungen spezifiziert. Simons: These: pro Essentialismus für Ereignisse. Bsp Die Ermordung von Franz Ferdinand durch Gavrilo Princip enthält beide wesentlich. Bsp Bombe statt Schusswaffe: Dies ist ein anderer Mord, aber nicht bei vertauschten Kugeln. I 282 Es ist wesentlich für ein Ereignis, dass es Teil genau jener Ereignisse ist, von denen es aktual Teil ist. Anders: Der Vierdimensionalismus gehorcht nicht dem Essentialismus: I 305 Ereignis/continuants/Simons: "Ereignis": Hier ist eine Formel wie "a ‹ b" vollständig. Continuants: Hier brauchen wir zusätzlich einen zeitlichen Index: (mit Quantifikation) "(Et)[a ‹ t b]". >Continuants. |
Simons I P. Simons Parts. A Study in Ontology Oxford New York 1987 |
| Erfahrung | Adorno | XII 85 Erfahrung/Adorno: Erfahrung ist ein in sich Vermitteltes. Sie kann ebenso wenig ohne das Moment des Subjekts wie ohne das diesem entgegenstehende Moment gedacht werden, die ineinander sich verschränken. Daher ist Erfahrung nicht ein Erstes und nicht ein Letztes. >Empirismus/Adorno, >Subjekt/Adorno. |
A I Th. W. Adorno Max Horkheimer Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978 A II Theodor W. Adorno Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000 A III Theodor W. Adorno Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973 A IV Theodor W. Adorno Minima Moralia Frankfurt/M. 2003 A V Theodor W. Adorno Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995 A VI Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071 A VII Theodor W. Adorno Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002 A VIII Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003 A IX Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003 A XI Theodor W. Adorno Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990 A XII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973 A XIII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974 |
| Erfahrung | Apel | Gadamer I 452 Erfahrung/Welt/Apel/Gadamer: GadamerVsReflexionsphilosophie: Das Bewusstsein der Bedingtheit hebt die Bedingtheit selbst keineswegs auf. Es gehört zu den Vorurteilen der Reflexionsphilosophie, dass sie als ein Verhältnis von Sätzen versteht, was gar nicht auf der gleichen logischen Ebene liegt. >Reflexionsphilosophie, >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen. Apel: So ist das Reflexionsargument hier nicht am Platze. Denn es handelt sich gar nicht um widerspruchsfrei zu haltende Verhältnisse von Urteilen, sondern um Lebensverhältnisse. Die sprachliche Verfasstheit unserer Welterfahrung ist imstande, die mannigfachsten Lebensverhältnisse zu umfassen.(1) >Erfahrung, >Sprache, >Leben. 1. K. -O. Apel, Der philosophische Wahrheitsbegriff einer inhaltlich orientierten Sprachwissenschaft, Festschrift für Weisgerber, S. 25 f. (Jetzt in: K.-O. Apel, Transformation der Philosophie, 2 Bde. Frankfurt 1973, dort Bd. 1, S. 106—137) zeigt richtig, dass das Reden des Menschen über sich selbst keinesfalls als gegenständlich fixierende Behauptung eines Soseins zu verstehen ist, so dass eine Widerlegung solcher Aussagen durch den Aufweis ihrer logischen Rückbezüglichkeit und Widersprüchlichkeit sinnlos ist. |
Ape I K. O. Apel Transformation der Philosophie: Band I. Sprachanalytik, Semiotik, Hermeneutik Frankfurt/M. 1994 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Erfahrung | Aristoteles | Gadamer I 356 Erfahrung/Aristoteles/Gadamer: Aristoteles beschreibt (...) im Anhang seiner zweiten Analytiken(1) (und ganz ähnlich im 1. Kapitel der Metaphysik), wie sich aus vielen einzelnen Wahrnehmungen durch das Behalten des vielen Einzelnen schließlich Erfahrung, die eine Einheit der Erfahrung, ergibt. Was ist das für eine Einheit? >Induktion/Aristoteles, >Einheit/Aristoteles. GadamerVsAristoteles: Das Verhältnis von Erfahren, Behalten und der sich daraus ergebenden Einheit der Erfahrung bleibt dabei in auffallender Weise unklar. Offenbar stützt sich hier Aristoteles auf eine Gedankenfolge, die zu seiner Zeit schon Gadamer I 357 eine gewisse klassische Prägung besaß. Wir können sie in ihrer ältesten Bezeugung für Anaxagoras nachweisen, von dem uns Plutarch überliefert hat, dass die Auszeichnung des Menschen gegenüber den Tieren durch Empeiria, Mneme, Sophia und Techne bestimmt sei.(2) Einen ähnlichen Zusammenhang finden wir bei der Hervorhebung der „Mneme“ im Prometheus des Aischylos(3) und wenn wlr auch im platonischen Protagoras-Mythos die entsprechende Hervorhebung der „Mneme“ vermissen, so zeigt doch Platon(4) ebenso wie Aristoteles, daß es sich hier bereits um eine feste Theorie handelt. Das Bleiben wichtiger Wahrnehmungen (moné) ist offenbar das verbindende Motiv, durch das sich aus der Erfahrung des Einzelnen das Wissen des Allgemeinen zu erheben vermag. Wissenschaft/Methode: Aristoteles hat für die Logik [des] Verfahrens [der Induktion] ein sehr schönes Bild. Er vergleicht die vielen Beobachtungen, die einer macht, mit einem fliehenden Heer. (...) wenn in dieser allgemeinen Flucht doch einmal eine Beobachtung sich in wieder- Gadamer I 358 holter Erfahrung bestätigt, dann bleibt sie stehen. Damit setzt an diesem Punkt gleichsam ein erster Stillstand in der allgemeinen Flucht ein. Wenn sich ihm nun andere anreihen, so kommt am Ende das ganze Heer der Fliehenden zum Stehen und gehorcht wieder der Einheit des Kommandos. GadamerVsAristoteles: Wenn man nun, wie Aristoteles, das Wesen der Erfahrung nur im Blick auf die „Wissenschaft“ denkt (die allerdings nicht die Wissenschaft ist, sondern „Wissen“), dann simplifiziert man den Vorgang, in dem sie zustande kommt. Das Bild beschreibt zwar gerade diesen Vorgang, aber es beschreibt ihn unter vereinfachenden Voraussetzungen, die so nicht gelten. Als ob sich die Typik der Erfahrung widerspruchslos von selbst ergäbe! Aristoteles setzt hier das Gemeinsame, das in der Flucht der Beobachtungen zum Bleiben kommt und sich als Allgemeines herausbildet, immer schon voraus; die Allgemeinheit des Begriffs ist für ihn ein ontologisches Prius. Was Aristoteles an der Erfahrung interessiert, ist lediglich ihr Beitrag zur Begriffsbildung. Wird so Erfahrung auf ihr Resultat hin betrachtet, so wird damit der Gadamer I 359 eigentliche Prozess der Erfahrung übersprungen. >Erfahrung/Gadamer. 1. An. Post. B 19 (99ff.) 2. Plut. de fort. 3 p. 98 F = Diels, Vors. Anaxag. B 21 b. 3. Aisch. Prom. 461. 4. Phaid. 96. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Erfahrung | Brandom | Rorty VI 294 Rorty: Bei Brandom kommt "Erfahrung" nicht ein einziges Mal vor! Erfahrung/Sellars/Brandom/Davidson: für alle drei stehen wir in ständiger Wechselwirkung mit Dingen wie mit Personen, doch keiner der drei benötigt ein >"Tribunal der Erfahrung" oder Erfahrung überhaupt. Kausalität ist hinreichend, "rationale Kontrolle" (McDowell) ist nicht notwendig. Brandom II 38f Erfahrung/BrandomVsMcDowell: Erfahrung gehört nicht zu meinen Wörtern: unnötige Vermittlungsinstanz zwischen Tatsachen und Berichten. - Es ist keine Vermittlung zwischen Tatsachen und Berichten nötig. >Tatsachen, >Beschreibung. |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Erfahrung | Esfeld | I 64 Erfahrung/Kuhn/Hanson:These: Erfahrung ist begrifflich, daher ist Beobachtung theoriegeladen und daher werden Überzeugungen nicht von außen kontrolliert. Somit herrscht Inkommensurabilität (McDowellVs). >Inkommensurabilität, >Theoriegeladenheit, >Beobachtung. I 191ff Erfahrung/Esfeld: Erfahrung hat die Funktion, eine Änderung im Überzeugungssystem herbeizuführen. Problem: a) Die Erfahrung ist selbst außerhalb des Überzeugungssystems. b) Erfahrung ist begrifflich (Widerspruch). Lösung/Sellars: Die Lösung besteht in der rationalen Kontrolle (Einschränkung) durch die Weise, wie der begriffliche Inhalt durch Umgang mit der Welt geformt wird, dann brauchen wir nicht Quines Beobachtungsaussagen, die außerhalb des Holismus stehen. >Erfahrung/Sellars. |
Es I M. Esfeld Holismus Frankfurt/M 2002 |
| Erfahrung | Evans | McDowell I 73 Erfahrung/Evans: ist nichtbegrifflich, aber mit repräsentationalem Inhalt. McDowellVsEvans: Erfahrung ist begrifflich. Def Erfahrung/Evans: als Erfahrung gilt ein Zustand eines Informationssystems nur, wenn er Input eines denkenden, Begriffe anwendenden und logisch folgernden Systems ist. >Informationssystem/Evans. Bsp Tiere haben wohl Schmerzempfindung, aber keinen Begriff von Schmerz. Schmerz/McDowell: ist unbegrifflich, innere Erfahrung. Erfahrung/McDowell/Evans: bei uns beiden ist die Erfahrung im Kantischen Sinn begrenzt, durch die Verbindung zur Spontaneität (Begrifflichkeit). Erfahrung/Evans: obwohl sie bei Evans nichtbegrifflich ist, (und daher nach Kant blind sein müsste) will er sie davor schützen, indem er einen "Inhalt" behauptet. D.h. dem Subjekt soll eine objektive Eigenschaft der Realität präsent sein. Nämlich als eine scheinbare Ansicht der Welt. McDowellVsEvans: ohne Begriffe hat das gar keinen Sinn. Evans: dagegen stellt er die Forderung: Wahrnehmungsobjekte müssen von einer "begleitenden Theorie" gestützt sein. McDowell: das ist ja gerade die >Spontaneität. McDowell I 80/81 ff Erfahrung/Evans: ihr Detailreichtum kann nicht mit Begriffen erfasst werden! Bsp Es sind viel mehr Farbschattierungen erfahrbar, als Begriffe zur Verfügung stehen. ((s) Es genügt der Begriff des Unterschieds, wenn Proben vorhanden sind.) McDowell I 91 EvansVsDavidson: (anderes Horn des Dilemmas): Erfahrung ist wohl außerbegrifflich, aber dennoch rationaler Kontrolle durch die Außenwelt unterworfen. Frank I 524f Erfahrung/Evans: anders als Selbstzuschreibung: nicht eindeutig wahr/falsch. I 526 Urteil: obwohl Urteile auf der Erfahrung (nicht-begrifflich) basieren, sind sie nicht über den Informationszustand. - Der "innere Zustand" wird nicht zum Gegenstand. Gareth Evans(1982): Self-Identification, in: G.Evans The Varieties of Reference, ed. by John McDowell, Oxford/NewYork 1982, 204-266 |
EMD II G. Evans/J. McDowell Truth and Meaning Oxford 1977 Evans I Gareth Evans "The Causal Theory of Names", in: Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol. 47 (1973) 187-208 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Evans II Gareth Evans "Semantic Structure and Logical Form" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Evans III G. Evans The Varieties of Reference (Clarendon Paperbacks) Oxford 1989 McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Erfahrung | Gadamer | I 352 Erfahrung/Gadamer: Alle Erfahrung ist (...) I 353 nur in Geltung, solange sie sich bestätigt. Insofern beruht ihre Dignität auf ihrer prinzipiellen Wiederholbarkeit. Das bedeutet aber, dass Erfahrung ihrem eigenen Wesen nach ihre Geschichte in sich aufhebt und dadurch auslöscht. Schon für die Erfahrung des täglichen Lebens gilt das, und erst recht für jede wissenschaftliche Veranstaltung derselben. Insofern ist es keine zufällige Einseitigkeit der modernen Wissenschaftstheorie, sondern sachlich begründet, dass die Theorie der Erfahrung ganz teleologisch auf den Wahrheitserwerb bezogen ist, der in ihr erreicht wird. >Erfahrung/Husserl. I 356 Dass Erfahrung gültig ist, solange sie nicht durch neue Erfahrung widerlegt wird (ubi non reperitur instantia contradictoria), charakterisiert offenbar das allgemeine Wesen von Erfahrung, ganz gleich, ob es sich um ihre wissenschaftliche Veranstaltung im modernen Sinne handelt oder um die Erfahrung des täglichen Lebens, wie sie von jeher gemacht wurde. So entspricht diese Charakterisierung denn auch ganz der Analyse des Begriffs der Induktion, die Aristoteles im Anhang seiner zweiten Analytiken gegeben hat.(1) >Induktion/Aristoteles. I 358 GadamerVsAristoteles: Was Aristoteles an der Erfahrung interessiert, ist lediglich ihr Beitrag zur Begriffsbildung. >Erfahrung/Aristoteles. Wird so Erfahrung auf ihr Resultat hin betrachtet, so wird damit der Gadamer I 359 eigentliche Prozess der Erfahrung übersprungen. Gadamer: Dieser Prozess nämlich ist ein wesentlich negativer. Er ist nicht einfach als die bruchlose Herausbildung typischer Allgemeinheiten zu beschreiben. Diese Herausbildung geschieht vielmehr dadurch, dass ständig falsche Verallgemeinerungen durch die Erfahrung widerlegt, für typisch Gehaltenes gleichsam enttypisiert wird.(2) Negative Erfahrung/Gadamer: (...) die eigentliche Erfahrung ist immer eine negative. Wenn wir an einem Gegenstand eine Erfahrung machen, so heißt das, dass wir die Dinge bisher nicht richtig gesehen haben und nun besser wissen, wie es damit steht, Die Negativität der Erfahrung hat also einen eigentümlich produktiven Sinn. Sie ist nicht einfach eine Täuschung, die durchschaut wird und insofern eine Berichtigung, sondern ein weitgreifendes Wissen, das erworben wird. Dialektische Erfahrung/Gadamer: Es kann also nicht ein beliebig aufgelesener Gegenstand sein, an dem man eine Erfahrung macht, sondern er muss so sein, dass man an ihm ein besseres Wissen nicht nur über ihn, sondern über das, was man vorher zu wissen meinte, also über ein Allgemeines gewinnt. Die Negation, kraft deren sie das leistet, ist eine bestimmte Negation. Wir nennen diese Art der Erfahrung dialektisch. >Erfahrung/Hegel. I 361 (...) die Anwendung, die Hegel auf die Geschichte macht, indem er sie im absoluten Selbstbewusstsein der Philosophie begriffen sieht (>Erfahrung/Hegel), [wird] dem hermeneutischen Bewusstsein nicht gerecht (...). Hermeneutik/Gadamer: Das Wesen der Erfahrung wird hier von vornherein von dem her gedacht, worin Erfahrung überschritten ist. Erfahrung selber kann nie Wissenschaft sein. Sie steht in einem unaufhebbaren Gegensatz zum Wissen und zu derjenigen Belehrung, die aus theoretischem oder technischem Allgemeinwissen fließt. Offenheit: Die Wahrheit der Erfahrung enthält stets den Bezug auf neue Erfahrung. Daher ist derjenige, den man erfahren nennt, nicht nur durch Erfahrungen zu einem solchen geworden, sondern auch für Erfahrungen offen. Damit aber enthält der Begriff der Erfahrung, um den es jetzt geht, ein qualitativ neues Moment. Er meint nicht nur Erfahrung im Sinne der Belehrung, die sie über dieses oder jenes gewährt. Er meint Erfahrung im Ganzen. I 363 Die eigentliche Erfahrung ist diejenige, in der sich der Mensch seiner Endlichkeit bewusst wird. An ihr findet das Machenkönnen und das Selbstbewusstsein seiner planenden Vernunft seine Grenze. Es erweist sich als bloßer Schein, dass sich alles rückgängig machen lässt, dass immer für alles Zeit ist und alles irgendwie wiederkehrt. Der in der Geschichte Stehende und Handelnde macht vielmehr ständig die Erfahrung, dass nichts wiederkehrt. Anerkennen dessen, was ist, meint hier nicht: Erkennen dessen, was einmal da ist, sondern Einsicht in die Grenzen, innerhalb deren Zukunft für Erwartung und Planung noch offen ist - oder noch grundsätzlicher, dass alle Erwartung und Planung endlicher Wesen eine endliche und begrenzte ist. Eigentliche Erfahrung ist somit Erfahrung der eigenen Geschichtlichkeit. >Text/Gadamer, >Ich-Du-Verhältnis/Gadamer. I 372 (...) die Negativität der Erfahrung [impliziert] logisch gesehen die Frage impliziert, In der Tat ist es der Anstoß, den dasjenige darstellt, das sich der Vormeinung nicht einfügt, durch den wir Erfahrungen machen. Auch das Fragen ist daher mehr ein Erleiden als ein Tun. Die Frage drängt sich auf. Es lässt sich ihr nicht länger ausweichen und bei der gewohnten Meinung verharren. >Frage/Gadamer. I 421 Erfahrung/Gadamer: Die Erfahrung ist nicht zunächst wortlos und wird dann durch die Benennung zum Reflexionsgegenstand gemacht, etwa in der Weise der Subsumtion unter die Allgemeinheit des Wortes. Vielmehr gehört es zur Erfahrung selbst, dass sie die Worte sucht und findet, die sie ausdrücken. >Sprache und Denken/Gadamer. I 454 Erfahrung/Erkenntnis/Gadamer: Die Sprachlichkeit unserer Welterfahrung ist vorgängig gegenüber allem, das als seiend erkannt und angesprochen wird. Der Grundbezug von Sprache und Welt bedeutet daher nicht, dass die Welt Gegenstand der Sprache werde. Was Gegenstand der Erkenntnis und der Aussage ist, ist vielmehr immer schon von dem Welthorizont der Sprache umschlossen. Die Sprachlichkeit der menschlichen Welterfahrung als solche meint nicht die Vergegenständlichung der Welt. 1. An. Post. B 19 (99ff.). 2. Das wird durch Karl Poppers Begriffspaar von trial and error ähnlich beschrieben - mit der Einschränkung, dass diese Begriffe all zu sehr von der willentlichen, all zu wenig von der leidenschaftlichen Seite des menschlichen Erfahrungslebens ausgehen. GadamerVsPopper: Das ist, soweit man die „Logik der Forschung“ allein im Auge hat, berechtigt, aber gewiss nicht, wenn man die im Erfahrungsleben der Menschen wirksame Logik meint. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Erfahrung | Maturana | I 216 Erfahrung/Maturana: Alle Dimensionen im Bereich der Erfahrungen existieren in der Sprache, d.h. als Koordination von Handlungen zwischen Beobachtern. >Beobachtung/Maturana, >Sprache, >Sprache und Denken, >Denken ohne Sprache, >Denken/Maturana. I 228 Erfahrung/Maturana: Erfahrung ist primär gegenüber Erklärung. - Alle Erfahrung kommt aus dem Nirgendwo - Bsp Ein Auto, das uns überholt. Verstehen: geschieht immer in der Praxis. >Verstehen. I 311 Lebenspraxis und Erfahrung geschehen einfach. - Erklärungen sind überflüssig. >Erklärung/Maturana. I 352 Erfahrung ist inhaltsfrei. In unserer Erfahrung begegnen wir nicht Dingen, Objekten, Gegenständen oder der Natur. Wir leben in der Erfahrung der Lebenspraxis als etwas, das wir selbst in jedem Augenblick hervorbringen. Vgl. >Sprache/Maturana, >Inhalt. |
Maturana I Umberto Maturana Biologie der Realität Frankfurt 2000 |
| Erfahrung | Peacocke | I 5 Wahrnehmung/Erfahrung/Tradition/Peacocke: Erfahrung hat einen Inhalt. >Empirischer Gehalt, >Inhalt, >Gehalt. Dagegen: Empfindung/sensations/Tradition: Empfindung hat keinen Inhalt - Bsp Empfindung von Kleinheit. - Die Empfindung kann dennoch eine bestimmte Wahrnehmung sein. >Wissen, >Denken, >Welt/Denken, >Unterscheidungen. I 16f Erfahrung/PeacockeVsWahrnehmungstheorie/VsTradition: Erfahrung ist mehr als nur Wahrnehmung: empfindungsmäßiger Inhalt, nicht bloß repräsentationaler Inhalt: Bsp Kippwürfel: springt um, das Liniengeflecht sieht völlig anders aus >Empfindung, >Wahrnehmungstheorie/Peacocke. Dagegen: Bsp Hase-Enten-Kopf: das Liniengeflecht ändert sich nicht, daher könnte der Wahrhnehmungstheoretiker behaupten, es gäbe zwei repräsentationale Komponenten: a) der Linien, b) von Hase und Ente. >Hasen-Enten-Kopf. Wahrnehmungstheorie: Übersetzungsvariante: die fehlenden Eigenschaften müssen in geeigneten Aussagen eingeführt werden. PeacockeVs: Das würde nur apriorisches Wissen liefern, nicht empirisches, da der postulierte Erfahrungstyp nicht fehlgehen könnte. Vs hinzugefügte Begriffe: diese müssen dem Unbedarften nicht zur Verfügung stehen, ändern also die Wahrheit oder Falschheit nicht. > Überdetermination des repräsentationalen Inhalts. - Überdeterminiert: der Winkel könnte durch geeignete Überschneidung geändert werden, ohne dass das Bild sich ändert. I 199 Erfahrung/Peacocke: Auch nichtinferentielle Erfahrung ist möglich. Zweifel: sind inferentiell, immer aus Schlussfolgerung. |
Peacocke I Chr. R. Peacocke Sense and Content Oxford 1983 Peacocke II Christopher Peacocke "Truth Definitions and Actual Languges" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 |
| Erfahrung | Quine | I 19 QuineVsSinnesdatentheorie: die unmittelbare Erfahrung ergibt keinen zusammenhängenden, autonomen Bereich. >Sinnesdaten/Quine. Stroud I 216 Erfahrung/Wahrheit/Quine: die Unterscheidung zwischen Erfahrung und Wahrheit selbst ist abgeleitet von wissenschaftlichen Untersuchungen. II 218 Erfahrung/Quine: Meine Beobachtungssätze handeln nicht von der Erfahrung (!), aber sie sind leidlich naturalistische Analoga von Sätzen über Erfahrung, insofern ihr Gebrauch durch unmittelbare Konditionierung auf die Reizung von Sinnesrezeptoren gelernt wird. Außerdem sind einfache Beobachtungssätze in den meisten Fällen tatsächlich unabhängig voneinander. Der grundlegende Unterschied zwischen Russells logischem Atomismus und meiner Auffassung ist, dass die übrigen Wahrheiten nach meiner Ansicht nicht irgendwie aus den Beobachtungssätzen zusammengesetzt oder von ihnen impliziert werden. Ihr Zusammenhang mit den Beobachtungssätzen ist vermittelter und komplexer. >Beobachtung/Quine. II 219 Cresswell bürdet mir ein Reich reifizierter Erfahrungen oder Erscheinungen auf, das im Gegensatz stehe zu einer unerforschlichen Realität. Damit hat meine naturalistische Auffassung keine Ähnlichkeit: Bei mir gibt es Kräfte, die von realen Gegenständen der Außenwelt auf unsere Nervenenden einwirken. VII (a) 17 Einfachheit/Quine: die Einfachheit ist selbst zweideutig und unklar. Es ist ein doppelter oder mehrfacher Standard. Es ist abhängig vom Begriffsschema. Unmittelbare Erfahrungen können in einem physikalistischen Begriffsschema einfacher dargestellt werden. >Begriffsschemata, >Einfachheit, >Phänomenologie. VII (b) 42 Wissen/Quine: Wissen ist ein vom Menschen erzeugtes Netzwerk. Erfahrungen sind nur an den Rändern angesiedelt, im Kern ist die Logik. Konflikte mit der Erfahrung führen zu Änderungen im Zentrum. Dabei werden einigen unserer Aussagen neue Wahrheitswerte zugeordnet. Das gesamte Feld ist unterbestimmt durch seine Randbedingungen, daher gibt es eine große Auswahl von Möglichkeiten, welche Aussagen zu revidieren sind. VII (b) 43 Keine bestimmten Erfahrungen sind mit bestimmten Aussagen im Innern des Felds verbunden, außer durch indirekte Überlegungen zur Ausgewogenheit des gesamten Felds. >Wissenschaft/Quine. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 Stroud I B. Stroud The Significance of philosophical scepticism Oxford 1984 |
| Erfindungen | Schumpeter | Sobel I 9 Erfindung/Innovation/Schumpeter/Sobel/Clemens: Während Erfindung die Schaffung oder Entdeckung eines neuen Produkts oder Verfahrens ist, ist Innovation die erfolgreiche Einführung und Übernahme eines neuen Produkts oder Verfahrens auf dem Markt. Innovation ist im Grunde die wirtschaftliche Anwendung von Erfindungen. Henry Ford hat zwar das Automobil nicht erfunden, aber seine Innovation war der Einsatz des Fließbandes und der Großserienfertigung, die den Preis des Automobils für die Durchschnittsfamilie erschwinglich machte. In jedem dieser Fälle unterscheidet sich der Innovator vom Erfinder, und es ist die Rolle des Innovators, um die es Schumpeter geht. Ein vielleicht noch wichtigerer Faktor bei der Unterscheidung zwischen Erfindung und Innovation ist, dass die meisten Erfindungen nie zu Innovationen werden - das heißt, nicht alle Erfindungen sind profitable Geschäftsideen. Anreize/Schumpeter: In seinem späteren und vielleicht berühmtesten Buch Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (CSD)(1) schreibt Schumpeter: „[i]n einigen Fällen ist sie jedoch so erfolgreich, dass sie Gewinne abwirft, die weit über das hinausgehen, was notwendig ist, um die entsprechenden Investitionen zu veranlassen. Diese Fälle liefern dann die Köder, die das Kapital auf unerprobte Pfade locken“ (CSD(1): 90). Das heißt, die Verlockung von Gewinnen ist der Anreiz für unternehmerische Entdeckungen und Kapitalinvestitionen. Dies ist ein Grund dafür, dass staatliche Maßnahmen, die die Gewinne aus Innovationen schmälern, für Wirtschaftswachstum und Wohlstand schädlich sein können. Besteuerung/Innovation/Schumpeter: Wenn Vorschriften oder Steuern die potenzielle Rentabilität künftiger Innovationen verringern, werden weniger Versuche unternommen, sie zu entdecken. Wie Schumpeter in seinem Buch The Economics of Sociology and Capitalism (ESC)(2) feststellt: Der eigentliche unternehmerische Gewinn ... entsteht in der kapitalistischen Wirtschaft immer dann, wenn eine neue Produktionsmethode, eine neue Handelskombination oder eine neue Form oder Organisation erfolgreich eingeführt wird. Er ist die Prämie, die der Kapitalismus der Innovation zuschreibt ... Würde dieser Gewinn besteuert, würde jenes Element des Wirtschaftsprozesses fehlen, das gegenwärtig das bei weitem wichtigste individuelle Motiv für die Arbeit am industriellen Fortschritt ist. Sobel I 10 Selbst wenn die Besteuerung diesen Gewinn nur erheblich reduzieren würde, würde die industrielle Entwicklung wesentlich langsamer verlaufen, wie das Schicksal Österreichs deutlich zeigt ... Es gibt eine Grenze für die Besteuerung des unternehmerischen Gewinns, über die der Steuerdruck nicht hinausgehen kann, ohne das Steuerobjekt zunächst zu schädigen und dann zu zerstören. (ESC(2): 113-114) Sobel I 11 Innovation/Wirtschaftspolitik/Sobel/Clemens: Eine wachsende, lebendige Wirtschaft hängt nicht nur davon ab, dass Unternehmer Möglichkeiten zur Schaffung neuer Güter und Dienstleistungen entdecken, bewerten und nutzen, sondern auch davon, wie schnell Ideen vom Gewinn- und Verlustsystem als Erfolg oder Misserfolg eingestuft werden. >Unternehmensversagen/Schumpeter. Innovation/Schumpeter: „Innovationen im Wirtschaftssystem vollziehen sich aber in der Regel nicht so, dass erst neue Bedürfnisse bei den Konsumenten spontan entstehen und dann der Produktionsapparat durch ihren Druck umschlägt. Wir leugnen das Vorhandensein dieses Nexus nicht. Es ist jedoch der Produzent, der in der Regel den wirtschaftlichen Wandel einleitet, und die Konsumenten werden von ihm gegebenenfalls erzogen; sie werden sozusagen gelehrt, neue Dinge zu wollen, oder Dinge, die sich in irgendeiner Hinsicht von denen unterscheiden, die sie bisher zu benutzen gewohnt waren.“ (TED(3): 65) „Produzieren heißt, Material und Kräfte, die uns zur Verfügung stehen, zu kombinieren ... Anderes oder dasselbe mit einer anderen Methode zu produzieren, heißt, diese Materialien und Kräfte anders zu kombinieren. Insofern die „neue Kombination“ mit der Zeit durch kontinuierliche Anpassung in kleinen Schritten aus der alten herauswachsen kann, liegt zwar eine Veränderung, möglicherweise ein Wachstum vor, aber weder eine neue Erscheinung noch eine Entwicklung in unserem Sinne. Soweit dies nicht der Fall ist und die neuen Kombinationen diskontinuierlich auftreten, entsteht das für Entwicklung charakteristische Phänomen. Der Einfachheit halber werden wir im Folgenden nur noch den letzteren Fall meinen, wenn wir von neuen Kombinationen von Produktionsmitteln sprechen. Entwicklung in unserem Sinne ist dann durch die Durchführung neuer Kombinationen definiert.“ (TED(3): 65-66) 1. Schumpeter, Joseph A. (1942). Capitalism, Socialism, and Democracy [CSD]. Harper & Brothers. 2. Schumpeter, Joseph A. (1991). The Economics of Sociology and Capitalism [ECS]. Edited by Richard Swedberg. Princeton University Press. 3. Schumpeter, Joseph A. (1934). The Theory of Economic Development [TED]. Harvard University Press. |
EconSchum I Joseph A. Schumpeter Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912 Sobel I Russell S. Sobel Jason Clemens The Essential Joseph Schumpeter Vancouver 2020 |
| Erfüllung | Kripke | I 35 Eine Kennzeichnung wird erfüllt, d.h. ein Gegenstand als einziger erfüllt die Kennzeichnung (> Sekt-Beispiel: "Der Mann mit dem Glas Sekt ist böse." - Der Gemeinte hat aber Mineralwasser im Glas). I 123 Es ist im Allgemeinen nicht der Fall, dass die Referenz eines Namens durch bestimmte Identifizierung der Merkmale, durch bestimmte Eigenschaften, die der Referent als Einziger erfüllt und von denen der Sprecher weiß oder meint, dass sie zutreffen, bestimmt wird. --- III 374 Erfüllungsbedingungen: Erfüllungsbedingungen muss man verstehen, um offene Sätze zu verstehen. Daher sind Intensionen bei offenen Sätzen (mit referentiellen Variablen) unverständlich. III 380 Def Erfüllung/Kripke: "(Exi) rabbit (xi)" gdw. es gibt ein s" das von s an höchstens der i-ten Stelle abweicht das erfüllt "rabbit (xi)" - (rein formal). > Offener Satz > Intension. III 393 Wahrheit/Erfüllung/Definierbarkeit: Wahrheit kann in einer Metasprache definierbar sein (für eine gegebene referentielle Objektsprache), aber Erfüllung nicht, weil die entsprechende Ontologie nicht in der Metasprache erreichbar ist. Bsp Die Menge der wahren Sätze wird in verschiedenen Metasprachen definierbar sein, deren Ontologie die der ganzen Zahlen ist (z.B. In der Metasprache die Wahrheit für die Objektsprache als einfaches Prädikat nehmen). Erfüllung: Erfüllung wird nicht definierbar sein, außer wenn die Ontologie der Objektsprache gerade die der ganzen Zahlen ist. III 403 Erfüllung: Erfüllung ist eine Relation zwischen Ausdrücken und anderen Gegenständen: > Denotation. |
Kripke I S.A. Kripke Name und Notwendigkeit Frankfurt 1981 Kripke II Saul A. Kripke "Speaker’s Reference and Semantic Reference", in: Midwest Studies in Philosophy 2 (1977) 255-276 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Kripke III Saul A. Kripke Is there a problem with substitutional quantification? In Truth and Meaning, G. Evans/J McDowell Oxford 1976 Kripke IV S. A. Kripke Outline of a Theory of Truth (1975) In Recent Essays on Truth and the Liar Paradox, R. L. Martin (Hg) Oxford/NY 1984 |
| Erfüllung | Putnam | I (c) 91 Erfüllung/Tarski: Erfüllung ist der Terminus für Referenz. Putnam: Erfüllung ist eine Relation zwischen Worten und Dingen. Genauer gesagt ist sie eine Relation zwischen Formeln und endlichen Folgen von Dingen. Tarski: "Die nur aus x bestehende Folge der Länge eins erfüllt die Formel "Elektron (y)" gdw. x ein Elektron ist". Die Folge Abraham: Isaak erfüllt die Formel "x ist der Vater von y". Bei mehrstelligen Relationen spricht man nicht von Referenz. > Korrespondenztheorie - > Abbildtheorie Putnam: Tarskis Theorie taugt nicht für die Korrespondenztheorie, weil Erfüllung durch eine Liste erklärt wird. (Statt > Bedeutungspostulaten: "Elektron" referiert auf Elektronen usw.) "Wahr" ist der null-stellige Fall von Erfüllung: Eine Formel ist wahr, wenn sie keine freien Variablen hat und die Nullfolge sie erfüllt. I (c) 92 Nullstellige Relation: Bsp Tarski: "Wahr" ist der nullstellige Fall von Erfüllung, d.h. eine Formel ist wahr, wenn sie keine freien Variablen hat und die Nullfolge sie erfüllt. Nullfolge: Die Nullfolge konvergiert gegen 0. Bsp 1, 1/4, 1/9, 1/16,... I (c) 92 Erfüllung/Putnam: Kriterium W kann erweitert werden zum Kriterium E: (E) eine adäquate Definition von erfüllt-in-S muss alle Instanzen des folgenden Schemas als Theoreme erzeugen: "P(x1...xn) wird von der Folge y1...yn und nur dann erfüllt, wenn P(y1....yn). Anders formuliert: "Elektron(x)" wird dann und nur dann von y1 erfüllt, wenn y1 ein Elektron ist. Das wird von Wahrheit und Referenz (nicht Beweisbarkeit) bestimmt und wird daher auch bei intuitionistischer Interpretation bewahrt. PutnamVsField: Fields Einwand scheitert: Für den Realisten ist das Tarski-Schema das richtige. FieldVsTarski: Dies ähnelt einer "Definition" chemischer Valenz durch Aufzählung aller Elemente und ihrer Valenz. Die kausale Einbindung in unsere Erklärungen fehlt. PutnamVsField: Wahrheit und Referenz sind keine kausal erklärenden Begriffe, wir brauchen sie immer noch für formale Logik, selbst wenn wissenschaftliche Theorien falsch sind. >Wahrheit/Putnam, >Referenz/Putnam. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 |
| Erinnerung | Maturana | I 76 Erinnerung/Gedächtnis/Maturana: Die Fähigkeit, bei bestimmten Bedingungen ein entsprechendes Verhalten zu erzeugen. >Verhalten, >Bewusstsein, >Verstehen. |
Maturana I Umberto Maturana Biologie der Realität Frankfurt 2000 |
| Erinnerung | Ryle | I 225 Erinnerung/Erklärung/Ryle: Chroniken erklären nicht, was in ihnen aufgezeichnet ist. Erinnerung erklärt nicht. In der Erinnerung finden keine Entdeckungen statt. >Lernen, >Entdeckungen. Lösung/Ryle: Disposition und Fragen der Ausführung. >Dispositionen, >Fähigkeiten. I 230 Verstehen: Verstehen ist das Einsehen, dass man es hätte tun können. Probe: Eine Probe ist eine Reihe von Verrichtungen. I 373 ff Gedächtnis: a) Gelernt und nicht vergessen: ist eine Disposition (z.B. Sprache). b) In Erinnerung rufen: ist ein Vorfall und damit absichtlich. Erinnerung ist keine Quelle von Wissen und keine Entdeckung (es ist schon alles da). Lernstoff: Bsp Schlachten: Ich kann lernen, sie immer besser ausmalen, aber nicht, mich besser an sie zu erinnern. >Vorstellung, >Wissen. I 380f Erfolgswörter: sind erinnern, sich merken, buchstabieren: Ich kann Edinburgh nicht buchstabieren, wie ich will - ich kann mir Fehler merken, aber nicht etwas falsch merken. |
Ryle I G. Ryle Der Begriff des Geistes Stuttgart 1969 |
| Erkennen | Foucault | I 124 Def Erkenntnis/Foucault: ist wie eine Sprache, bei der jedes Wort geprüft ist. >Wissen, >Verstehen, >Erkenntnistheorie, >Sprache, >Semantik, >Wortbedeutung, >Wörter. |
Foucault I M. Foucault Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften Frankfurt/M. 1994 Foucault II Michel Foucault Archäologie des Wissens Frankfurt/M. 1981 |
| Erkennen | Heidegger | Gadamer I 265 Erkennen/Heidegger/Gadamer: (...) das vollendete Verstehen stellt den Zustand einer neuen geistigen Freiheit dar. Es impliziert die allseitige Möglichkeit des Auslegens, Bezüge-sehens, Folgerungen-ziehens usw., in der eben im Bereich des Textverständnisses das Sich-auskennen besteht. Auch wer sich mit einer Maschine auskennt, d. h. sich darauf versteht, mit ihr umzugehen, oder wer sich auf ein Handwerk versteht - zugegeben, dass zweckrationales Verstehen anders normiert wird als etwa das Verstehen von Lebensäußerungen oder das von Texten -, richtig bleibt doch, dass alles solche Verstehen am Ende ein Sichverstehen ist. Gadamer: Jetzt (...) wird aufgrund der existenzialen Zukünftigkeit des menschlichen Daseins die Struktur des historischen Verstehens erst in ihrer ganzen ontologischen Fundierung sichtbar. >Verstehen/Heidegger. Auch für Heidegger ist das historische Erkennen nicht planendes entwerfen, nicht die Extrapolation Gadamer I 266 von Willenszielen, kein Sichzurechtlegen der Dinge nach Wünschen und Vorurteilen oder Suggestionen der Mächtigen, sondern es bleibt eine Anmessung an die Sache, mensuratio ad rem. Nur, dass diese Sache hier nicht ein factum brutum, nicht ein bloß Vorhandenes, bloß Feststellbares und Messbares ist, sondern zuletzt selbst von der Seinsart des Daseins. Gadamer: Diese [oft wiederholte] Feststellung bedeutet nicht eine bloße „Gleichartigkeit“ des Erkennenden und Erkannten (...). In Wahrheit ist die Anmessung alles Erkennenden an das Erkannte nicht daraufgegründet, dass sie von der gleichen Seinsart sind, sondern empfängt ihren Sinn durch die Besonderheit der Seinsart, die beiden gemeinsam ist. Sie besteht darin, dass weder der Erkennende noch das Erkannte vorhanden« sind, sondern d. h. von der Seinsart der Geschichtlichkeit sind. >Geschichte/Heidegger, >Geschichtlichkeit/Heidegger. |
Hei III Martin Heidegger Sein und Zeit Tübingen 1993 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Erkenntnis | Droysen | Gadamer I 219 Erkenntnis/Droysen/Gadamer: Gegen den historischen Apriorismus stimmt [Droysen] mit Ranke überein, dass wir nicht das Ziel, sondern nur die Richtung der Bewegung erkennen können. Der Zweck der Zwecke, auf den die rastlose Arbeit der geschichtlichen Menschheit bezogen ist, ist nicht durch historische Erkenntnis auszumachen (§§ 80-86)(1). Er ist nur Gegenstand unseres Ahnens und Glaubens. Diesem Bild der Geschichte entspricht nun die Stellung des historischen Erkennens. DroysenVsRanke: Auch [historisches Erkennen] kann nicht so begriffen werden, wie Ranke [es] begriffen hatte, als eine ästhetische Selbstvergessenheit und Selbstauslöschung in der Art des großen epischen Dichtertums. Ranke: Der pantheistische Zug in Ranke erlaubte hier den Anspruch einer universalen und zugleich unmittelbaren Teilhabe, einer Mitwisserschaft des Alls. Droysen: Droysen dagegen denkt die Vermittlungen, in denen sich das Verstehen bewegt. Die sittlichen Mächte sind nicht nur die eigentliche Wirklichkeit der Geschichte, zu der sich der einzelne im Handeln erhebt. Sie sind zugleich das, wozu sich auch der historisch Fragende und Forschende über seine eigene Partikularität erhebt. Der Historiker ist durch seine Zugehörigkeit zu bestimmten sittlichen Sphären, seinem Vaterland, seiner politischen und religiösen Überzeugung, bestimmt und beschränkt. Aber gerade auf dieser unaufhebbaren Einseitigkeit beruht seine Teilhabe. Unter den konkreten Bedingungen seiner eigenen geschichtlichen Existenz - und nicht im Schweben über den Dingen - stellt sich als seine Aufgabe die Gerechtigkeit. »Seine Gerechtigkeit ist, dass er zu verstehen sucht« (§ 91)(1). Droysens Formel für das historische Erkennen lautet daher „forschend verstehen« (§ 8). Darin liegt sowohl eine unendliche Vermittlung wie eine verstehen« (§ 8). Darin liegt sowohl eine unendliche Vermittlung wie eine letzte Unmittelbarkeit. Der Begriff des Forschens, den Droysen hier in so bedeutsamer Prägung mit dem des Verstehens verknüpft, soll die Unendlichkeit der Aufgabe markieren, durch die der Historiker von den Vollendungen künstlerischer Schöpfung ebenso grundsätzlich geschieden ist wie von dem vollendeten Einklang, den Sympathie und Liebe zwischen Ich und Du bewirken. >Wissenschaft/Droysen. 1. J.G. Droysen, Grundriß der Historik, 1868 |
Droys I J. G. Droysen Grundriss der Historik Paderborn 2011 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Erkenntnis | Epikur | Adorno XIII 213 Erkenntnis/Natur/Epikur/Adorno: Problem: Wie bringt man Folgendes zusammen: Gleichzeitig das Ansichsein der Natur zu lehren, die damit ein von uns Unabhängiges wäre und doch unsere sinnliche Wahrnehmung als die Quelle aller Erkenntnis anzunehmen? Lösung/Epikur: Die Lösung ist ein relativ frühes Modell für das, was ich mit aporetischen Begriffen bezeichne. Aporetischer Begriff/Adorno: Solche Begriffe werden nicht gebildet, weil irgendwelche Sachverhalte unmittelbar ihnen entsprechen, sondern die Theoretiker sehen sich zu ihnen veranlasst, weil sonst ihre, wie immer auch motivierten Theorien in ungelösten Widersprüchen stehenbleiben und sich der Vereinheitlichung entziehen würden. Vgl. >Natur/Aristoteles >Natur/Platon >Wahrnehmung/Aristoteles, >Wahrnehmung/Eleaten >Wahrnehmung/Gorgias vgl. >Rationalität >Sinneseindrücke. |
A I Th. W. Adorno Max Horkheimer Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978 A II Theodor W. Adorno Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000 A III Theodor W. Adorno Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973 A IV Theodor W. Adorno Minima Moralia Frankfurt/M. 2003 A V Theodor W. Adorno Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995 A VI Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071 A VII Theodor W. Adorno Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002 A VIII Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003 A IX Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003 A XI Theodor W. Adorno Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990 A XII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973 A XIII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974 |
| Erkenntnistheorie | Dilthey | Gadamer I 222 Erkenntnistheorie/Dilthey/Gadamer: Die Spannung zwischen dem ästhetisch-hermeneutischen und dem geschichtsphilosophischen Motiv in der historischen Schule erreicht ihren Höhepunkt bei Wilhelm Dilthey. Dilthey hat dadurch seinen Rang, dass er das erkenntnistheoretische Problem, das die historische Weltansicht gegenüber dem Idealismus impliziert, wirklich erkennt. Gadamer I 223 Die Wurzel der Zwiespältigkeit (...) liegt in der bereits gekennzeichneten Zwischenstellung der historischen Schule zwischen Philosophie und Erfahrung. Sie wird durch Diltheys Versuch einer erkenntnistheoretischen Grundlegung nicht etwa aufgelöst, sondern findet dadurch eine eigene Zuspitzung. Diltheys Bemühung um eine philosophische Grundlegung der Geisteswissenschaften sucht die erkenntnistheoretischen Konsequenzen aus dem zu ziehen, was Ranke und Droysen gegenüber dem deutschen Idealismus geltend machten. Das war Dilthey selber voll bewusst. DiltheyVsHistorismus: [Dilthey] sah die Schwäche der historischen Schule in der mangelnden Konsequenz ihrer Reflexionen: »Anstatt in die erkenntnistheoretischen Voraussetzungen der historischen Schule und die des Idealismus von Kant bis Hegel zurückzugehen und so die Unvereinbarkeit dieser Voraussetzungen zu erkennen, haben sie diese Standpunkte unkritisch verbunden«(1). So konnte er sich das Ziel setzen, zwischen historischer Erfahrung und idealistischem Erbe der historischen Schule eine neue erkenntnistheoretisch tragfähige Grundlage aufzubauen. Das ist der Sinn seiner Absicht, Kants Kritik der reinen Vernunft durch eine Kritik der historischen Vernunft zu ergänzen. >Historische Vernunft/Dilthey. Gadamer I 226 In gewisser Weise ist [die Aufgabe der Erkenntnistheorie] leichter. Sie braucht nicht erst nach dem Grund der Möglichkeit zu fragen, daß unsere Begriffe mit der in Übereinstimmung sind. Denn die geschichtliche Welt, um deren Erkenntnis es hier geht, ist immer schon eine vom Menschengeist gebildete und geformte. Aus diesem Grunde meint Dilthey, allgemein gültige synthetische Urteile der Geschichte seien hier gar kein Problem(2) und beruft sich dafür auf Vico. Wir erinnern uns, daß Vico im Gegenschlag zu dem cartesianischen Zweifel und der durch ihn begründeten Gewissheit mathematischer Erkenntnis der Natur den erkenntnistheoretischen Primat der von den Menschen gemachten Welt der Geschichte behauptet hatte. Dilthey wiederholt das gleiche Argument. Er schreibt: »Die erste Bedingung für die Möglichkeit der Geschichtswissenschaft liegt darin, dass ich selbst ein geschichtliches Wesen bin, dass der, welcher die Geschichte erforscht, derselbe ist, der die Geschichte macht«(3). Gadamer: Es ist die Gleichartigkeit von Subjekt und Objekt, die die historische Erkenntnis ermöglicht. >Erfahrung/Dilthey. Gadamer I 228 (...) nicht, wie überhaupt Zusammenhang erlebbar und erkennbar wird, ist das Problem der Geschichte, sondern wie auch solche Zusammenhänge erkennbar sein sollen, die niemand als solche erlebt hat. Immerhin kann kein Zweifel sein, wie sich Dilthey die Aufklärung dieses Problems vom Phänomen des Verstehens aus dachte. Verstehen ist Verstehen von Ausdruck. Im Ausdruck ist das Ausgedrückte in anderer Weise da, als die Gadamer I 229 Ursache in der Wirkung. Es ist im Ausdruck selbst gegenwärtig und wird verstanden, wenn der Ausdruck verstanden wird. Gadamer I 234 Dilthey selbst hat darauf hingewiesen, dass wir nur geschichtlich erkennen, weil wir selber geschichtlich sind. Das sollte eine erkenntnistheoretische Erleichterung sein. Gadamer I 235 GadamerVsDilthey: Aber kann es das sein? Ist Vicos oft genannte Formel denn überhaupt richtig? Überträgt sie nicht eine Erfahrung des menschlichen Kunstgeistes auf die geschichtliche Welt, in der man von „Machen“ d. h. von Planen und Ausführen angesichts des Laufs der Dinge überhaupt nicht reden kann? Wo soll hier die erkenntnistheoretische Erleichterung herkommen? Ist es nicht in Wahrheit eine Erschwerung? Muss nicht die geschichtliche Bedingtheit des Bewusstseins eine unüberwindliche Schranke darfür darstellen, dass es sich in geschichtlichem Wissen vollendet? >Historisches Bewusstsein/Dilthey, >Geist/Dilthey, >Philosophie/Dilthey, >Erkenntnistheorie/Gadamer. 1. Dilthey, Ges. Schriften Vll, 281. 2. Ges. Schriften Vll, 278. 3. a.a.O. (GadamerVsDilthey: Aber wer macht eigentlich die Geschichte?) |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Erkenntnistheorie | Goodman | I 36 Das Erkennen kann nicht ausschließlich und nicht einmal primär eine Sache der Bestimmung dessen sein, was wahr ist (eher ein Puzzle). Ein solcher Erkenntniszuwachs erfolgt nicht in der Bildung oder Festigung von Überzeugungen, sondern in einem Fortschritt des Verstehens. >Überzeugungen, >Verstehen. I 37 Wenn Welten ebenso sehr geschaffen wie gefunden werden, ist das Erkennen ebenso sehr ein Neuschaffen wie ein Berichten. >Mögliche Welten, >Entdeckungen. |
G IV N. Goodman Catherine Z. Elgin Revisionen Frankfurt 1989 Goodman I N. Goodman Weisen der Welterzeugung Frankfurt 1984 Goodman II N. Goodman Tatsache Fiktion Voraussage Frankfurt 1988 Goodman III N. Goodman Sprachen der Kunst Frankfurt 1997 |
| Erkenntnistheorie | McGinn | I 11f Erkenntnistheorie/McGinn These: nicht, weil philosophische Fragen zutiefst problematische, sonderbare Wesenheiten oder Fakten betreffen, stellt sich philosophische Verwirrung ein, sondern weil unserem Erkenntnisvermögen bestimmte Grenzen innewohnen. TN/"Prinzip der kognitiven Spezifität"/McGinn: unerlässliches Hintergrundprinzip: jedes erkennende Wesen irdischer Art (nicht etwa göttlicher Art) legt Bereiche starken und schwachen Erkenntnisvermögens an den Tag, die letzten Endes von der biologischen Ausstattung abhängen. >Terminologie/McGinn. I 121f D.h. es gibt wahrscheinlich nicht so etwas wie "allgemeine Intelligenz". >Psychologische Theorien über Intelligenz. Demnach ist systematisches Versagen auf einem Gebiet nicht von den Objekten abhängig. Das meiste, wovon wir uns aufgrund unserer Anlagen ein Bild machen können, hat keine semantischen Eigenschaften. Das Problem der Erkenntnis erinnert an das Problem der Willensfreiheit, die ebenfalls eine Art Reizunabhängigkeit besitzt. Entscheidungen kommen aus eigenem Antriebe auf die Welt, sie sind nicht bloße Wirkungen. I 153 Erkenntnis a priori/McGinn: leitet sich nicht aus einem kausalen Input-Output-Verhältnis her, und lässt die Wahrnehmungssysteme außer acht. Und zwar nicht, weil die Reize schwach wären. >a priori/McGinn. Es ist gleichzeitig die Erkenntnis des Solipsisten, die jedem mit ausreichender innerer Kraft versehenen Geist zu Gebote stehen. I 178 Willensfreiheit/Erkenntnis/McGinn: verwandte Probleme: Sprünge und Unstetigkeiten, fragmentarische Daten bauen ein reichhaltiges Wissenssystem auf, die Inputwerte bestimmen in keinem Fall eindeutig den Schlusszustand. >Willensfreiheit. I 222 Erkenntnispluralismus: lässt vermuten, dass es nicht so ist, als enthielte die menschliche Vernunft nun gar nichts, was geeignet wäre, philosophische Probleme zu lösen. Geheimnisse sind jeweils nur für ein bestimmtes Vermögen Geheimnisse. Vielleicht gibt es gewisse Vermögen, die philosophisch begabter sind, als unsere bewusste Vernunft. |
McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Erkenntnistheorie | Quine | XII 86/87 Erkenntnistheorie/Quine: die Erkenntnistheorie hat a) eine begriffliche Seite: ist die Erklärung von Begriffen durch Begriffe. Und b) eine Geltung/Gültigkeit: durch die Wahrheit. II 35 Bei der Erkenntnistheorie geht es um die Frage, wie wir Tiere es fertig gebracht haben, angesichts des skizzenhaften neuralen Inputs gerade diese ((s) höchst differenzierte) Wissenschaft hervorzubringen. Diese Untersuchung zeigt, dass Verschiebungen durch die >Stellvertreterfunktion diesem Input nicht minder gerecht geworden wären. Das heißt nicht, die Ontologie abzulehnen. Wir können sie ablehnen! II 36 Wahrheit darf dabei nicht mit Belegen verwechselt werden. Die Wahrheit ist immanent und darüber gibt es nichts. Siehe auch >Naturalisierte Erkenntnistheorie. V 15 Berkeley/traditionelle Erkenntnistheorie: ein Problem stellt sich mit der Frage: woher wissen wir, dass es überhaupt Gegenstände gibt und dass die Wissenschaft wahr ist? V 16 Quine: die Einführung der physischen Sinnesorgane wäre ihnen als Zirkel erschienen. V 17 Erkenntnistheorie/Quine: der emanzipierte Erkenntnistheoretiker arbeitet als empirischer Psychologe (mit Reizen statt Sinnesdaten, aber mit Verzicht auf die Gestalttheorie). VsGestalttheorie: es geht um den Zusammenhang der Reize mit den Rezeptoren, nicht mit dem Bewusstsein. V 38 Erkenntnistheorie/Quine: die Erkenntnistheorie erweckt eine Hauptfrage: wenn unsere Theorie der Außenwelt wahr ist, wie konnten wir jemals auf sie kommen? X 12 Induktive Logik/Quine: die induktive Logik ist nicht von der Erkenntnistheorie zu unterscheiden. XII 86 Erkenntnistheorie/Quine: die Erkenntnistheorie können wir hier analog zur Mathematik betrachten: so wie die Mathematik auf Logik oder auf Logik + Mengenlehre reduziert werden soll, soll empirisches Wissen irgendwie auf Sinneserfahrung gegründet werden. >Sinneseindrücke/Quine. XII 87 a) begrifflich Seite: der Begriff des Körpers ist von der Sinneserfahrung her zu erklären b) Geltung, Gültigkeit, Wahrheit: unser Wissen über die Natur ist von der Sinneserfahrung her zu rechtfertigen. Erkenntnistheorie/Hume: die Erkenntnistheorie hat a) eine begriffliche Seite: hier setzte er schlankweg Körper mit Sinneserfahrungen gleich. D.h. ein Apfel ist in jedem Moment ein neuer Apfel. b) Geltung, Gültigkeit, Wahrheit: hier scheiterte Hume und wir haben bis heute keine Lösung. Problem: allgemeine Aussagen und auch singuläre Aussagen über die Zukunft gewinnen nichts an Gewissheit dadurch, dass man sie so verstand, als sprächen sie über Sinneseindrücke. Quine: wir stehen heute noch vor dem gleichen Problem wie Hume. Dagegen gab es auf der begrifflichen Seite Fortschritte. Lösung: Bentham: XII 88 Def Theorie der Fiktionen/Kontextdefinition/ganze Sätze/Wort/holophrastisch/Bentham/Quine: Bentham entdeckte die Def Kontextdefinition/Bentham/Quine: (Vs normale Definition): um einen Term zu erklären, brauchen wir nicht einen Bezugsgegenstand, ja nicht einmal ein synonymes Wort oder Wendung anzugeben, wir müssen nur zu zeigen, wie alle vollständigen Sätze zu übersetzen sind, die den Term enthalten. >Unvollständige Symbole/Quine. Erkenntnistheorie/Quine: außer der Kontexttheorie wurde die Erkenntnistheorie durch die Mengenlehre bereichert. Dann braucht man weder Körper mit Sinnesdaten gleichzusetzen, noch Kontextdefinitionen: XII 89 Def Gegenstand/Quine: die Lösung ist, Gegenstände als Mengen von Mengen von Sinneseindrücken zu verstehen, dann kann es eine Kategorie von Gegenständen geben, die sich gerade der Eigenschaften erfreut, die Körper haben sollen. Vs: das ist nicht so unangreifbar wie die Kontextdefinition, wegen des Rückgriffs auf die problematische Ontologie der Mengen. Erkenntnistheorie/Geltung/Gültigkeit/QuineVsCarnap: Humes Problem, dass allgemeine Aussagen und Aussagen über Zukunft ungewiss sind, wenn sie als über Sinnesdaten oder Sinneseindrücke verstanden werden, ist bis heute ungelöst. >Realität/Quine. Carnap/Quine: seine Konstruktionen hätten ermöglicht, alle Sätze über die Welt in Sinnesdaten bzw. Beobachtungsbegriffe plus Logik und Mengenlehre zu übersetzen. XII 90 QuineVsCarnap: die bloße Tatsache, dass ein Satz mit logischen, mengentheoretischen und Beobachtungstermen ausgedrückt ist, bedeutet nicht, dass er sich mit logischen und mengentheoretischen Mitteln aus Beobachtungssätzen beweisen ließe. ((s) Ausdrucksmittel sind keine Beweismittel. (> innen/außen, Beschreibungsebene, Zirkel). Erkenntnistheorie/Quine: Pointe: die Wahrheiten über die Natur mit der vollen Autorität der unmittelbaren Erfahrung ausstatten zu wollen, ist ebenso zum Scheitern verurteilt wie die Rückführung der Wahrheiten der Mathematik auf die potentielle Einsichtigkeit der elementaren Logik. >Erkenntnistheorie/Carnap. XII 91 Erkenntnistheorie/Psychologie/Quine: wenn Sinnesreizungen (Reize) das einzige sind, warum sollte man sich nicht einfach der Psychologie zuwenden? >Zirkularität/Quine. TraditionVsPsychologie/Quine: das erschien früher zirkulär. Kein Zirkel/QuineVsVs: Lösung: wir müssen bloß darauf verzichten, die Wissenschaft aus Beobachtungen zu deduzieren. Wenn wir nur die Verbindung von Beobachtung und Wissenschaft verstehen wollen, brauchen wir jede Information, die wir bekommen können. Auch die aus der Wissenschaft, die genau diese Verbindung untersucht. Siehe >Rationale Rekonstruktion. XII 98 Erkenntnistheorie/Quine: die Erkenntnistheorie besteht fort, und zwar innerhalb der Psychologie und damit innerhalb der empirischen Wissenschaften. Sie studiert das menschliche Subjekt. Das Ziel ist es, herauszufinden wie die Beobachtung zur Theorie steht und in wieweit die Theorie über die Beobachtung hinausgeht. >Psychologie/Quine. XII 99 Erkenntnistheorie/Quine: Erkenntnistheorie alt: wollte die empirischen Wissenschaften gewissermaßen einschließen, aus Sinnesdaten zusammenbauen. Erkenntnistheorie neu: jetzt ist umgekehrt die Erkenntnistheorie Teilgebiet der Psychologie. Beispiele für "Dialektik" (Bezeichnung von (s)): Quine: gleichzeitig bleibt das alte Verhältnis bestehen: die Erkenntnistheorie ist in den empirischen Wissenschaften eingeschlossen und gleichzeitig diese in der Erkenntnistheorie. ((s) Die Erkenntnistheorie studiert das Subjekt und das Subjekt studiert die Erkenntnistheorie.) Das ist kein Zirkel, weil wir den Traum aufgegeben haben, die gesamte Wissenschaft aus Sinnesdaten zu deduzieren. Damit löst sich auch das alte Rätsel des Sehens. Siehe auch Sehen/Quine. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Erkenntnistheorie | Ryle | I 400 ff RyleVsErkenntnistheorie: Erkenntnis ist keine Episode, kein Lehren einer Theorie, sondern ein Pfadbau (kein Gehen). >Wissen, >Verstehen/Ryle, >Handeln, >Ereignis/Ryle, >Denken/Ryle, >Wiedererkennen. I 404 Bedeutungen fallen nicht vor, sie sind da. Prozesse enden mit Urteilen, sie bestehen nicht aus ihnen. >Bedeutung, >Prozess, >Urteile. |
Ryle I G. Ryle Der Begriff des Geistes Stuttgart 1969 |
| Erkenntnistheorie | Vollmer | I XX Evolutionäre Erkenntnistheorie/EE/Vollmer: Konrad Lorenz ist der Vater der Evolutionären Erkenntnistheorie. Vorläufer: Donald Campbell, Karl Popper. Zwei Bedeutungen: Popper: wissenschaftstheoretisch: Evolution der Erkenntnis (Interaktionistisch, VsIdentitätstheorie) >K. Popper. Lorenz: Evolution der Erkenntnisfähigkeit. (Identitätstheorie). >K. Lorenz. I 16 Erkenntnis/Geschichte/Qualität/primäre/sekundäre/Vollmer: mit wachsendem Fortschritt wurden mehr und mehr Eigenschaften als subjektiv erkannt. - So galt Locke noch Undurchdringlichkeit als primäre Qualität - heute wird nicht einmal mehr Ausdehnung als primäre Qualität angesehen. >Qualitäten, >Primäre Qualitäten, >Sekundäre Qualitäten, >Eigenschaften, >J. Locke. I 59 Erkenntnis: Erkenntnis ist keine "Spiegelung" der äußeren Welt - aber auch nicht rein algorithmisch - dagegen verkörperte Information für Lorenz: Bsp Pferdehuf: ein "Abbild" des Steppenbodens; - Bsp Flosse "Abbild" des Wassers. VollmerVsLorenz: Das ist eine irreführende Terminologie. >Vergleiche, >Vergleichbarkeit, >Analogien. Lösung: Beschaffenheit des Hufs weist auf Beschaffenheit des Bodens hin. >Evolution, vgl. >Koevolution. I 73 Erkenntnis/Vollmer: ihre dritte Ebene, die wissenschaftliche Erkenntnis ist nicht genetisch bestimmt. - Es gibt keine "biologischen Wurzeln" der Relativitätstheorie. - Wir sind lediglich der Widerspruchsfreiheit verpflichtet. - Ansonsten sind wir beim Bilden von Hypothesen frei. I 173 Erkenntnistheorie/Tradition/VollmerVsKant: Warum haben wir gerade diese Anschauungsformen und Kategorien? - Wie entstehen sie? - Warum sind wir gerade an diese apriorischen Urteile gebunden und nicht an andere? >Objektivität, >Kategorisierung, >Klassifikation, >a priori, >Urteile, >Widerspruchsfreiheit. I 294 Def Erkenntnis: (1983(1),30): Eine adäquate Rekonstruktion und Identifikation äußerer Strukturen im Subjekt a) ein internes Abbild konstruieren, b) das Modell mit gespeicherten Engrammen vergleichen, c) feststellen, wieweit der Gegenstand mit bereits Bekanntem übereinstimmt. Dafür ist Gedächtnis erforderlich. - >Gedächtnis. Rekonstruktion ist also nicht Widerspiegelung - unser Erkenntnisbegriff ist enger als jeder Informationsbegriff. Erkenntnis/Stegmüller: dreistellige Relation: S erkennt O als A. I 296 Erkennen/Kutschera: Der Schritt vom Nichtwissen zum Wissen. Wissen/Kutschera: Wissen ist nur als wahre Überzeugung zu explizieren - weder Wahrheit noch Subjektivität ist dabei steigerbar. >Wahrheit, >Subjektivität, >Wissen. I 310 Erkenntnistheorie/Vollmer: Aufgaben: - Explikation von Begriffen - Untersuchung unserer kognitiven Fähigkeiten - Vergleich verschiedener kognitiver Systeme - Unterscheidung subjektiver und objektiver Strukturen, deskriptiver und normativer Aussagen, faktischer und konventioneller Elemente. - Erhellung der Bedingungen für Erkenntnis - Aufweis von Erkenntnisgrenzen. 1.Gerhard Vollmer: Mesokosmos und objektive Erkenntnis. In: Konrad Lorenz, Franz M. Wuketis (Hrsg.): Die Evolution des Denkens. München 1983, S. 29–91. |
Vollmer I G. Vollmer Was können wir wissen? Bd. I Die Natur der Erkenntnis. Beiträge zur Evolutionären Erkenntnistheorie Stuttgart 1988 Vollmer II G. Vollmer Was können wir wissen? Bd II Die Erkenntnis der Natur. Beiträge zur modernen Naturphilosophie Stuttgart 1988 |
| Erklärungen | Erklärung: Das Aufstellen einer Aussage über ein zuvor durch eine davon abweichende Aussage beschriebenes Ereignis, Zustand, Veränderung, oder Handlung. Die Erklärung wird oft Umstände, Vorgeschichte, logische Prämissen, Ursachen und Kausalität einzubeziehen versuchen. Siehe auch Beschreibung, Aussagen, Theorien, Verstehen, Buchstäbliche Wahrheit, Beste Erklärung, Kausalität, Ursachen, Verursachung, Vollständigkeit. |
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| Erklärungen | Chalmers | I 50 Erklärung/Chalmers: Eine gute Erklärung ist oft eine, die viele Fälle abdeckt. Problem: ob man dem Einzelfall gerecht wird. Vgl. >Stärke von Theorien, >Starker/schwächer. Lösung: Bei biologischen Phänomenen ist es oft der Fall, dass sich ähnelnde Einzelfälle eine verwandte Vorgeschichte haben. >Phänomene, >Ähnlichkeit, >Bedingungen, >Kausalerklärung, >Anfangsbedingungen. I 84 Erklärung/Explikation/Chalmers/(s): Chalmers unterscheidet zwischen Explikation und explanation. Letztere gebraucht er im Zusammenhang mit Reduktion als reduktive Erklärung (reductive explanation) z.B. von phänomenalen Eigenschaften, während er explication für Begriffserklärungen reserviert. >Begriffe, >Reduktion. Bsp Die Eigenschaft, Rolf Harris zu sein, konstituiert kein Phänomen das eine Erklärung (explanation) braucht, im Gegensatz zu einer Explikation. I 121 Erklärung/Bewusstsein/Chalmers: Selbst wenn wir unsere Erklärungen immer weiter verfeinerten, würden sie nur immer verfeinerte Erklärung kognitiver Funktionen liefern, nicht aber Erklärungen unseres bewussten Erlebens. >Bewusstsein/Chalmers. I 122 Die Existenz von Bewusstsein wird immer eine zusätzliche Tatsache zu unseren strukturellen und dynamischen Tatsachen sein. Aber wir müssen gar nicht jegliche Erklärung von Bewusstsein aufgeben. Wir müssen uns nur von der Idee verabschieden, dass diese Erklärung reduktiv sein müsste. Vgl. >Reduktionismus. I 177 Erklärung/Bewusstsein/Paradoxie/Chalmers: Problem: Bewusstsein kann nicht reduktiv erklärt werden, Urteile über das Bewusstsein und phänomenale Urteile (über Erfahrungen bzw. Erlebnisse) müssen aber so erklärt werden können, weil sie im Bereich der Psychologie liegen. >Erleben. Paradox: Dann ist Bewusstsein letztlich wiederum irrelevant für die Erklärung phänomenaler Urteile. (Avshalom Elitzur (1989)(1), Roger Shepard (Psychologe, 1993)(2). I 178 Lösung/Chalmers: Der Gehalt meiner Erfahrungen kann nicht wiederum reduktiv erklärt werden. >Gehalt, >Inhalt. Problem: Wenn wir die Urteile („Erfahrungsberichte“) des Zombies deflationistisch behandeln ((s) als einfache Zitate) können diese reduktiv erklärt werden. >Zombies/Chalmers. Lösung: Man kann oft höherstufige Eigenschaften gebrauchen, um Eigenschaften niedrigerer Stufe überflüssig zu machen (Bsp Molekülbewegung statt Wärme). >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen. Problem: Die höherstufigen Eigenschaften sind immer noch logisch supervenient auf dem Physikalischen. D.h., wenn man eine Handlung neurophysiologisch erklärt, macht das den Appell an das Gedächtnis (als phänomenale Eigenschaft) nicht erklärungsmäßig irrelevant. >Supervenienz. I 179 Diese Relevanz wird durch die logische Supervenienz vererbt. Bsp Wenn ein alleinstehender Mann ein Bedürfnis nach weiblicher Begleitung hat, was durch die Tatsache erklärt wird, dass er männlich und unverheiratet ist, macht das nicht die Tatsache, dass er ein Junggeselle ist, irrelevant. Allgemein: Wenn zwei Mengen von Eigenschaften begrifflich verbunden sind, macht eine Erklärung in Begriffen der einen Menge die Existenz einer Erklärung in begriffen der anderen Menge nicht erklärungsmäßig irrelevant. Lösung: Bei physikalischen Erklärungen: Wenn logische Supervenienz im Spiel ist, gibt es keine erklärungsmäßige Irrelevanz: eine Beschreibung höherer Stufe ist logisch auf eine auf einer niedrigeren Stufe bezogen. Problem: Das Bewusstsein ist nicht logisch supervenient auf dem Physischen. Es gibt daher auch keine begriffliche Abhängigkeit der Ebenen. >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen, >Abhängigkeit. I 188 Erklärung/Bewusstsein/Chalmers: Anders als bei der Erklärung von religiösem Glauben, wo die Annahme göttlicher Existenz zur Erklärung anderer Phänomene gefordert wird, verhält es sich bei der Erklärung von Bewusstsein anders: hier ist schon das Bewusstsein gegeben und muss nicht als Annahme hinzugenommen werden. Bewusstsein wird auch nicht durch Urteile über bewusstes Erleben („Dies ist ein roter Gegenstand“) erklärt. >Erleben, >Phänomene, >Qualia. I 191 Erklärung/Bewusstsein/Chalmers: Es gibt drei Weisen, gegen die angebliche Irrelevanz des Bewusstseins für die Erklärung von Verhalten zu argumentieren. >Verhalten. I 192 1. Das Argument aus dem Selbst-Wissen/Chalmers: Wir wissen, dass wir selbst bewusste Erlebnisse haben. Aber es ist schwer, damit zu argumentieren. >Selbstwissen, >Selbstbewusstsein. Lösung: Wenn Erlebnisse erklärungsmäßig irrelevant wären, könnten wir nicht wissen, dass wir welche haben. I 193 1. Argument aus der Kausaltheorie des Wissens: Problem: Wenn Erfahrung kausal irrelevant ist, kann ich nicht damit argumentieren. Dann habe ich kein Wissen über meine Erfahrungen. Shoemaker (1975)(3) argumentiert so für einen Materialismus des Bewusstseins und für einen reduktiven Funktionalismus. >Kausaltheorie des Wissens, >S. Shoemaker, >Materialismus, >Funktionalismus. Zombie/Shoemaker: für Shoemaker sind Zombies logisch unmöglich. >Zombies. Wissen/Bewusstsein/Chalmers: Ein Eigenschaftsdualist muss argumentieren, dass Wissen über bewusste Erlebnisse eine andere Art Wissen ist als das Wissen, über das man im Zusammenhang mit Verursachung durch Gegenstände spricht. >Eigenschaftsdualismus. I 194 Verlässlichkeitstheorie/Chalmers: Verlässlichkeitstheorie ist im Fall unsers Wissens über uns selbst nicht angemessen. Zwar sind die phänomenalen Urteile meines Zombie-Zwillings nicht verlässlich. Daher könnte man annehmen, Verlässlichkeit sei ein Unterscheidungsmerkmal zwischen mir und dem Zombie. Aber mein Selbstwissen über Bewusstsein ist anderer Art: Es ist reflektiert. Wir sind sicher, dass wir ein Bewusstsein haben, das kann höchstens „philosophisch“ angezweifelt werden. >Verlässlichkeitstheorie. I 195 Verlässlichkeit/Chalmers: Wo fehlt sie? Bsp In Situationen wie die der Gehirne im Tank. Solche Beispiele gefährden nicht unsere Gewissheit, dass wir ein Bewusstsein haben, da hier keine Kausalität im Spiel ist. >Gehirne im Tank. I 196 Unser Zugang zu unserem Bewusstsein ist ganz direkt, er ist nicht vermittelt. >Selbstbewusstsein. I 197 Unkorrigierbarkeit/Chalmers: Unkorrigierbarkeit ist mit diesem direkten Zugang aber nicht gemeint! >Unkorrigierbarkeit. I 198 Kausalität/Bewusstsein/Chalmers: Wir brauchen gar keine Kausalität, um unsere bewussten Erlebnisse zu erklären: unser Wissen davon gründet auf einer viel direkteren die Beziehung. Es geht darum, wie ich davon weiß, nicht, wie mein Gehirn davon weiß, daher geht es nicht um eine physikalische Relation. Vgl. >Kausalität. Problem: Überzeugungen könnten sich auch ohne Erlebnisse bilden. >Überzeugungen. ChalmersVsVs: Aber dann habe ich Gewissheit über meine Überzeugungen. Zombie: Ein Zombie würde genau dasselbe sagen. I 199 ChalmersVsVs: Natürlich, von einer Dritte-Person-Perspektive wissen wir sowieso nicht, ob andere ein Bewusstsein (bewusste Erlebnisse) haben. Aber wir wissen es von uns selbst. >Erste Person, >Fremdpsychisches. Überzeugungen/Zombies: Am Ende könnte der Zombie sogar dieselben Überzeugungen haben wie ich. ChalmersVsVs: ja, aber die Belege für meine Überzeugungen sind viel einfacher: es sind die Erlebnisse. Sie sind das Primäre. >Erleben, >Belege. Deflationistisch/inflationistisch/Chalmers: Unsere Argumentation ist hier sowieso deflationär, d.h. über die rein funktionale Rolle von Überzeugungen. Vgl. >Deflationismus, Inflationistisch wären Überzeugungen selbst ein Teil der phänomenalen Erfahrung. 1. A. Elitzur, Consciousness and the incompleteness of the physical explanation of behavior. Journal of Mind and Behavior 10, 1989,: pp. 1-20. 2. R. N. Shepard, On the physical baisis, ölinguistic representation and conscious experiences of colors. In: G. Harman (Ed) Conceptions of the human Mind: Essays in Honor of George A. Miller, Hillsdale NJ 1993. 3. Sydney Shoemaker, Functionalism and qualia, Philosophical Studies 27 (May):291-315 (1975). |
Cha I D. Chalmers The Conscious Mind Oxford New York 1996 Cha II D. Chalmers Constructing the World Oxford 2014 |
| Erklärungen | Droysen | Wright I 19 Erklärung/Droysen/Wright, G. H.: Droysen prägte die methodologische Dichotomie von Erklären und Verstehen. (J. G. Droysen, Grundriss der Historik, 1858 ). Wright: die von Droysen vorgenommene methodologische Unterscheidung hatte ursprünglich die Form einer Trichotomie: die philosophische Methode, die physikalische Methode und die historische Methode. Die Ziele bestanden jeweils darin, zu erkennen, zu erklären und zu verstehen. Wissenschaft/Droysen: Das Ziel der Naturwissenschaft liegt im Erklären, das Ziel der „Historik“ ist es, die in ihren Bereich fallenden Phänomene zu verstehen. |
Droys I J. G. Droysen Grundriss der Historik Paderborn 2011 WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Erklärungen | Dummett | II 108 Erklärung/Dummett: Bsp "b erfüllt (S oder T) gdw. b S erfüllt oder b T erfüllt, z.B.: "b erfüllt (Wenn es der Fall gewesen wäre, dass b S erfüllt, dann wäre es der Fall dass b T erfüllt): das erklärt nicht die Bedeutung der logischen Konstanten - genauso wenig wie "London bezeichnet London" die Bedeutung von London erklärt. >Erfüllung. III (a) 39 Absicht/Erklärung/Wahrheit/Dummett: Die Absicht, die Wahrheit zu sagen ist nicht hinreichend um den Wahrheitsbegriff zu erklären - auch nicht die Wahrheitsbedingungen für mehrere Sprachen. >Wahrheitsbedingungen. III (c) 152 Sinn/Verstehen/Erklärung/DummettVsKripke: Der Trugschluss, man könne den Sinn des zur Erklärung eines Wortes Gesagten mit dem Sinn dieses Wortes selbst gleichsetzen, wird von Kripkes Ansichten verursacht. - Sllerdings lassen die Erklärungsmittel den Sinn zutage treten. >Sinn/Dummett. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Erklärungen | Forbes | Haslam I 252 Erklärung/Stereotype threat/Forbes/Schmader: These: Wir haben ein integriertes Prozessmodell des stereotype threat vorgeschlagen, bei dem das Priming des stereotype threat eine Kaskade von stressbasierten physiologischen, negativen Bewertungs-, Selbstregulierungs- und Performance-Monitoring-Prozessen hervorruft, während Menschen versuchen, diese Bedrohung ihrer Identität zu verstehen und zu bewältigen (Schmader et al., 2008)(1). Manipulationen durch stereotype threats beeinträchtigen das Arbeitsgedächtnis (Schmader und Johns, 2003)(2), beeinträchtigen die Leistung bei arbeitsspeicherintensiven Aufgaben (Beilock et al., 2007)(3) und haben die stärksten Auswirkungen auf diejenigen Personen mit geringerer Arbeitsspeicherkapazität (Régner et al., 2010)(4). Obwohl die ursprünglichen Studien keine eindeutigen Beweise für eine erhöhte Angst durch einen stereotype threat fanden, haben nachfolgende Forschungen ergeben, dass sie physiologische Biomarker von Stress erhöhen, einschließlich eines höheren Blutdrucks (Blascovich, et al., 2001)(5) und eines Hautleitwerts (Osborne, 2006(6), 2007(7)). Diese autonome Stressreaktion ist mit negativen Beurteilungsprozessen gekoppelt, da dem stereotype threat ausgesetzte Individuen manchmal über ein erhöhtes Maß an expliziter (Spencer et al., 1999)(8) und impliziter Angst (Johns et aL, 2008(9); Bosson et al..., 2004(10)), negativen Erwartungen (Sekaquaptewa et al., 2007(10); Stangor et al., 1998(12)), Gefühlen der Niedergeschlagenheit (Keller und Dauenheimer, 2003)(13) und aufgabenbezogenen Sorgen berichten(Beilock et al., 2007(3); Cadinu et al., 2005(14)). >Stereotype threat/Forbes/Schmader, >Stereotype threat/Psychologische Theorien, >Stereotype/Sozialpsychologie. 1. Schmader, T., Johns, M. and Forbes, C. (2008) ‘An integrated process model of stereotype threat effects on performance’, Psychological Review, 115: 336—56. 2. Schmader, T. and Johns, M. (2003) ‘Converging evidence that stereotype threat reduces working memory capacity’,Journal of Personality and Social Psychology, 85: 440—52. 3. Beilock, S.L., Rydell, R.J. and McConnell, A.R. (2007) ‘Stereotype threat and working memory: Mechanisms, alleviation, and spillover’, Journal of Experimental Psychology: General, 136(2): 256-76 4. Régner, I., Smeding, A., Gimmig, D., Thinus-Blanc, C., Monteil,J. and Huguet, P. (2010) ‘Individual differences in working memory moderate stereotype-threat effects’, Psychological Science, 21: 1646—8. 5. Blascovich,J., Spencer, S.J., Quinn, D. and Steele, C. (2001) ‘African Americans and high blood pressure: The role of stereotype threat’, Psychological Science, 12: 22 5—9. 6. Osborne,J.W. (2006) ‘Gender, stereotype threat and anxiety: Psychophysiological and cognitive evidence’, Journal of Research in Educational Psychology, 8: 109—3 8. 7. Osborne, J.W. (2007) ‘Linking stereotype threat and anxiety’, Educational Psychology, 27: 135—54. 8. Spencer, S.J., Steele, C.M. and Quinn, D.M. (1999) ‘Stereotype threat and women’s math performance’, Journal of Experimental Social Psychology, 35:4—28. 9. Johns, M., Inzucht, M. and Schmader, T. (2008) Stereotype threat and executive resource depletion: Examining the influence of emotion regulation’, Journal of Experimental Psychology: General, 137: 691—705. 10. Sekaquaptewa, D., Waidman, A. and Thompson, M. (2007) So1o status and self-construal: Being distinctive influences racial self-construal and performance apprehension in African American women’, Cultural Diversity and Ethnic Minority Psychology, 13:321— 7. 11. Stangor, C., Carr, C. and Kiang, L. (1998) ‘Activating stereotypes undermines task performance expectations’, Journal of Personality and Social Psychology, 75: 1 191—7. 13. Keller, J. and Dauenheimer, D. (2003) 1Stereotype threat in the classroom: Dejection mediates the disrupting threat effect on womens math performance’, Personality and Social Psychology Bulletin, 29: 371—81. 14. Cadinu, M., Maass, A., Rosabianca, A. and Kiesner,J. (2005) Why do women underperform under stereotype threat?’, Psychological Science, 16: 5 72—8. Toni Schmader and Chad Forbes, “Stereotypes and Performance. Revisiting Steele and Aronson’s stereotypes threat experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Erklärungen | Freud | Chalmers I 13 Erklärung/Freud/Chalmers: Auch wenn Freud es nicht ausdrücklich gesagt hat, scheint es, dass er versucht hat, die Begriffe Wunsch und Glaube kausal zu erklären. >Kausalität, >Wünsche, >Glauben, >Überzeugungen. Zugang/Freud/Chalmers: Ausdrücklich erkannte er an, dass die Zugänglichkeit zum Bewusstsein keine wesentliche Voraussetzung für die Relevanz eines Zustands bei der Erklärung von Verhalten ist. Diese Schlussfolgerung stützt sich auf einen Begriff der Psyche, der von phänomenalen Begriffen unabhängig ist. >Bewusstsein, >Verhalten. Bewusstsein/Freud/Chalmers: Es wurde eine neue "objektive" Art der psychologischen Erklärung entwickelt, bei der das Bewusstsein keinen Platz hat. >Unbewusstes, >Objektivität, >Verstehen. |
Freud I S. Freud Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse Hamburg 2011 Cha I D. Chalmers The Conscious Mind Oxford New York 1996 Cha II D. Chalmers Constructing the World Oxford 2014 |
| Erklärungen | Gould | I 321 Erklärung/Warum-Fragen/Gould: Dem Evolutionsbiologen geht es immer um die Frage "warum?". (>Zwecke). II 61 Erklärung/Tradition/Gould: Ist es nicht äußerst unwahrscheinlich, dass der Haplodiploidismus, Voraussetzung für die Evolution hymenoterer Gesellschaften sich wahrscheinlich zuerst als Adaption an einen fast gänzlich gegensätzlichen Lebensstil entwickelt hat? GouldVsTradition: Aber das ist gar nicht ungewöhnlich, sondern ein Grundprinzip, das die Evolutionsbiologie von einem gewöhnlichen Stereotyp über die Wissenschaft im Allgemeinen unterscheidet. Häufiger Fehler: Dass die augenblickliche Nützlichkeit einer Eigenschaft die Rückfolgerung auf die Gründe ihres Ursprungs zuließe. Ursprung und gegenwärtige Nützlichkeit sind jedoch zwei ganz verschiedene Themen. Komplexe Eigenschaften bersten vor Möglichkeiten: Ihre denkbaren Verwendungen sind nicht auf ihre ursprünglichen Funktionen beschränkt. Bsp Die Gleichgewichtsflossen der Fische wurden zu antreibenden Gliedern. >Zweckentfremdung. II 150 Erklärung/Kausalität/Zweck/Gould: Die Frage "Wozu dient es?" lenkt häufig von der irdischeren aber oft lehrreicheren Frage: "Wie ist es gebaut?" ab. II 152 Wir neigen dazu, jede Struktur so zu betrachten, als sei sie für einen bestimmten Zweck geschaffen. II 166 Erklärung/Kausalität/Kausalerklärung/Wissenschart/Methode/Gould: Ein heiß diskutiertes Thema ist das Vorkommen transponierbarer Elemente der DNA, sogenannter springender Gene. Diese Folgen können sich wiederholen und dann selbständig an andere Stellen des bakteriellen Chromosoms begeben. II 167 Konventionelle Argumente für die Existenz mittelwertig sich wiederholender DNS folgen herkömmlichen darwinistischen Gesichtspunkten. Vorrangige Eigenschaften von Organismen: an die 25% des genetischen Materials können nicht zweitrangig sein – sie müssen bestehen, um den Organismen im Kampf um Überleben einen Vorteil zu sichern. Wir müssten also erklären, welchen Vorteil für den sie tragenden Körper die mittelwertig sich wiederholende DNS bringen. Falsche Antwort: Wenn man einmal annimmt, alle funktionierende Gene könnten nur in einer Kopie bestehen, wäre jegliche Möglichkeit einer Veränderung abgeblockt. Das muss also der Grund sein! Die Verdoppelung liefert überhaupt das Material für die Evolution. II 168 GouldVs: Das ist Kausalität in der falschen Richtung. Sie kann sich nicht rückwärts in der Zeit bewegen, die resultierende Flexibilität kann nicht der Grund dafür sein, dass eine Verdoppelung der Gene überhaupt erst einsetzt. Zukünftige Nützlichkeit kann nur die günstige Auswirkung anderer direkter Gründe eines sofortigen Vorteils sein. Bsp Federn eignen sich vorzüglich zum Fliegen, aber die Vorfahren der Vögel müssen sie aus anderen Gründen entwickelt haben, wahrscheinlich zur Temperaturregelung, da ein paar Federn an den Armen eines Reptils dieses nicht zum Fliegen bringen. II 169 Def Adaptionen/Gould: Adaptionen beschränken sich ausschließlich auf jene Strukturen, die sich wegen ihrer augenblicklichen Brauchbarkeit entwickelt haben. Def Exaptationen/Gould: Strukturen, die sich aus anderen Gründen oder völlig ohne Grund entwickelt haben, aber trotzdem brauchbar sind, nennen wir >Exaptationen. Wenn die sich wiederholende DNS transponierbar ist, wieso benötigen wir dann für sie überhaupt eine adaptive Erklärung? II 170 Sie kann sich einfach aus eigenem Antrieb von Chromosom zu Chromosom verteilen, wobei sie von sich selbst Kopien anfertigt, während "festsitzende" Gene das nicht können. Lösung/Gould: Diese zusätzlichen Kopien dürfen dann nicht weiterbestehen, weil sie nützlich sind, sondern weil der Körper sie überhaupt nicht bemerkt! |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Erklärungen | Hempel | Bigelow I 299 Erklärung/Tradition/Gesetze/Hempel/Bigelow/Pargetter: (Vertreter: Hempel u. Oppenheim 1948(1), Hempel 1965(2), Mill 1843/50(3), Jevons 1877(4), Ducasse 1925(5), Feigl 1945(6), Popper 1945(7), Hospers 1946(8)). Hempel/Terminologie/Schreibweise/Bigelow/Pargetter: O: Ergebnis L: Gesetze C: Bedingungen (Mengen von Sätzen, als Prämissen) Dann könnte „O“ auch als Menge von Sätzen angesehen werden. Wir sprechen aber von zusammengesetzten Sätzen. Dann haben wir: L C O. Anfangsbedingungen/Hempel/Bigelow/Pargetter: Anfangsbedingungen werden manchmal gar nicht gebraucht. Manchmal erklären aber die Gesetze allein den Fall nicht: Bsp Dass Halley’s Komet in 60 Jahren wiederkommt, dazu brauchen wir Informationen über bestimmte Tatsachen, es folgt nicht allein aus den Gesetzen. Die Tatsachen sind natürlich kontingent. Bigelow I 301 Nichtstatistische Erklärung/Hempel: These: Wenn L und C O erklären, dann müssen sie O logisch implizieren (Englisch: "entail"). Sonst haben wir bestenfalls eine Erklärungsskizze, die weitere Annahmen erfordert. Bigelow/Pargetter: Das drückt aber noch nicht ganz die Idee der Erklärung durch „Ableitung aus Gesetzen“ aus: Die Gesetze müssen gebraucht und nicht nur erwähnt werden, d.h. es muss ein Sichverlassen auf Gesetze geben. BigelowVsHempel/BigelowVsTradition: Pointe: Das sind dann aber nur Scheinerklärungen! Bigelow I 302 So wie Quacksalber und Magiere oft eine Erklärung unter Berufung auf angesehene Naturgesetze liefern, die sich bei näherem Hinsehen als zirkulär entpuppt. Lösung/Hempel: Um das auszuschließen verlangt er, dass zusätzlich die Prämissen wahr sein müssen und O nicht gefolgt wäre, wenn C alleine ohne die Gesetze (L) gewesen wäre. BigelowVsHempel/BigelowVsTradition: Daran muss man noch extrem viele Verfeinerungen vornehmen und Sonderfälle betrachten. Das würde Lewis die „Ein Flicken pro Loch“-Methode nennen. Statistische Erklärung/probabilistisch/Hempel/Bigelow/Pargetter: (Hempel 1965) Hier ist es unmöglich Gesetze zu finden, die das genaue Ergebnis prognostizieren. Es mag aber in bestimmten Fällen sehr wahrscheinlich sein. Oder wahrscheinlicher, wenn die Gesetz wahr sind, als wenn sie nicht wahr wären. Bigelow I 303 Die statistischen Erklärungen sind so etwas wie Ableitungen aus dem zu erklärenden Ding. Und zwar solche Ableitungen, die aus ungültigen Schlüssen entstehen. Logische Form: Die Konklusion soll wahrscheinlich sein, gegeben die Prämissen. Varianten: Man kann hohe Wahrscheinlichkeit von vornherein fordern. Oder sie soll höher sein als die von O ohne die Prämissen oder schwächer: Dass O nur zu einem bestimmten Grad wahrscheinlich gemacht werden muss usw. (Lit: Salmon 1982). Bigelow/Pargetter: Das unterscheidet sich alles nicht wesentlich von der nichtstatistischen Erklärung. Statistische Gesetze gehören ja auch zur Menge der Gesetze. Erklärung/Bigelow/Pargetter: Mit Hempels Hilfe können wir jetzt aber unseren Begriff von Erklärung etwas erweitern: Bigelow I 304 Wenn wir die Wahrscheinlichkeit eines Ergebnisses erhalten, haben wir damit das Ergebnis selbst auch ein wenig erklärt. Statistische Erklärung/Hempel/Bigelow/Pargetter: Letztlich geht es darum, ob ein Ergebnis herauskommt, oder wahrscheinlich ist. Wir können beide Fälle zusammenfassen. „Statistisch“/Hempel/Bigelow/Pargetter: „Statistisch“ diente bei ihm nur der Abschwächung der Forderung der logischen Gültigkeit. Erklärung/Hempel/Bigelow/Pargetter: These: Eine Erklärung ist ein offener Prozess. Das ist wichtig. Sowohl die Anfangsbedingungen können variiert werden, als auch die Gesetze von anderen Gesetzen abgeleitet werden. Bsp Keplers Gesetze wurden von Newton auf tiefere zurückgeführt. Diese implizieren (Englisch: "entail") dann logisch die Keplerschen. Bigelow I 305 Offenheit/Hempel: Offenheit besteht darin, dass man vielleicht immer tiefere Gesetze finden kann. Bigelow/Pargetter: Das ist eine Stärke seiner Theorie. >Gesetze, >Naturgesetze. 1. Hempel, C. G. and P. Oppenheim 1948: Studies in the Logic of Explanation, S. 15. 2. Hempel, C. G.: "Aspects of Scientific Explanation", in: Aspects of Scientific Explanation in the Philosophy of Science. New York 1965: The Free Press. 3. Mill, J. St.: A System of Logic, 1843. 4. Stevons, W. J: The principle of science: A treatise on logic and scientific method, 2nd edition London 1877: Macmillan Press. 5. Ducasse, C. J.: Explanation, mechanism and teleology. Journal of Philosophy 22. S. 150-5. 6. Feigl, H.: Operationism and Scientific method. Psychological Review 52, 1945, S. 250-9, 284-8. 7. Popper, K. R.: The Open Society and Its Enemies. London 1945. 8. Hospers, J.: On explanation. Journal of Philosophy 43, 1946, S. 337-56. Schurz I 224 Erklärung/Gesetz/Hempel: Die Gesetzesprämissen können oft weggelassen werden! Geisteswissenschaften/Hempel/Schurz: beanspruchte, auch für sie Erklärungen liefern zu können, indem er annahm, dass auch hier Gesetze herrschen. VsHempel: Diese Gesetze sind aber nicht strikt. Hempel: spät: dafür probabilistische Erklärung. Schurz I 224 Potentielle Erklärung/Hempel: Hier wird bloß logische Konsistenz der Prämissen verlangt. Das ist wichtig, wenn man Hypothesen in Bezug auf ihre Erklärungskraft bewertet. >Beste Erklärung. Schurz I 225 Erklärung/Hempel/Schurz: ist die Antwort auf eine Warum Frage. Warum Frage/Hempel: a) Erklärungs-suchende: fragt nach Ursachen. b) Begründungs-suchende: fragt nach Glaubensgründen. >Rechtfertigung, >Ursache. I 226 Ursachen: können als Rechtfertigungsgrund dienen. (Auch umgekehrt!). Strukturgleichheit/Voraussage/Erklärung/Hempel/Schurz: (früher und mittlerer Hempel): These: Erklärung und Voraussage sind strukturgleich. Popper: dito: Kausalität = Prognosededuktion. Erklärung und Voraussage unterscheiden sich nur in den pragmatischen Zeitumständen des Bekanntwerdens von Prämissen und Konklusion. Voraussage: hier sind zuerst nur die Prämissen bekannt. Erklärung: umgekehrt. (...) ex ante Begründung/Hempel: = Voraussage, potentielle Erklärung Erklärung: = ex ante Begründung. VieleVs: (...) > href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/gesamtliste.php?thema=Strukturen">Strukturen, >Mikrostruktur, >Kausalerklärung/Schurz, >Erklärung/Schurz. |
Hempel I Carl Hempel "On the Logical Positivist’s Theory of Truth" in: Analysis 2, pp. 49-59 In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Hempel II Carl Hempel Probleme und Modifikationen des empiristischen Sinnkriteriums In Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich München 1982 Hempel II (b) Carl Hempel Der Begriff der kognitiven Signifikanz: eine erneute Betrachtung In Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich München 1982 Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 Schu I G. Schurz Einführung in die Wissenschaftstheorie Darmstadt 2006 |
| Erklärungen | Leeds | I 458 Semantik/Erklärung/Voraussage/Theorie/Leeds/Arthur Fine/Rorty: Man kann Semantik nicht gebrauchen, um Erfolg von Vorhersagen zu erklären. >Zirkularität, >Vorhersagen, >Erfolg. Der Zirkel rührt aus dem Versuch, gleichzeitig innerhalb und außerhalb unserer Untersuchungen zu stehen. Pointe: Man muss nicht zwischen innen/außen wählen, man muss es nur auseinander halten. >Innen/Außen, >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen, >Metasprache. |
Leeds I Stephen Leeds "Theories of Reference and Truth", Erkenntnis, 13 (1978) pp. 111-29 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Erklärungen | Lorenz | Lorenz I 120 Def "Finalismus"/Erklärung/Lorenz: der Finalist verwechselt die Frage "Wozu?" mit der Frage "Warum?". daher glaubt er, mit dem Aufzeigen des arterhaltenden Sinnes auch schon das Problem des ursächlichen Zustandekommens gelöst zu haben. Bsp "Fortpflanzungstrieb" ist keine Erklärung für den betreffenden Vorgang. Erklärung/Lorenz: wir wollen in diesem Buch Erklärungen für Fehlfunktionen von Instinkten geben. Daher dürfen wir uns nicht auf das "wozu" beschränken. Wir brauchen die Einsicht in die normalen Ursachen, um diejenigen ihrer Störungen zu verstehen. I 121 Eine nach der Funktion benennbare Leistung eines Organismus (Bsp Nahrungsaufnahme, Fortpflanzung, Selbsterhaltung) ist niemals die Wirkung einer einzigen Ursache oder eines einzigen Triebes. I 122 Lorenz: Bsp Die Bausteine des Skeletts sind relativ unabhängig von der Ganzheit. Bsp Einen Jagdhund kuriert man nicht von seiner Leidenschaft, indem man ihn sattfüttert. >Verhalten, >Triebe/Psychologie. |
Lorenz I K. Lorenz Das sogenannte Böse Wien 1963 |
| Erklärungen | Maturana | I 9 Erklärung/Maturana: man erklärt Erfahrung mit Erfahrung. >Erfahrung/Maturana. I 12 Def Erklärung/Maturana: generativer Mechanismus, der den Regelmäßigkeiten der Erfahrung entspricht. Dieser Mechanismus und die zu erklärende Erfahrung ereignen sich nicht im gleichen phänomenalen Bereich. - Die Erklärung ersetzt nicht die Erfahrung - die Erklärung erweitert den Bereich, in dem der Beobachter lebt. >Bereiche/Maturana, >Nische. I 68 Sprache/Erklärung/Maturana: Sprache ist eine geschlossener Bereich. - er ist mit sprachlichen Mitteln nicht zu verlassen. - Daraus folgt: Die Logik der Beschreibung ist die Logik des beschreibenden (lebenden) Systems - nur eine vollständige Reproduktion ist eine vollständige Erklärung. >Beschreibung/Maturana. I 96 Erklärung/Maturana: 1. Abgrenzung des zu erklärenden Systems oder Phänomens 2. Abgrenzung der Bestandteile und Relationen. Erklärung = Reproduktion. Mechanistisch: Gewicht und Summe der Gewichte der Teile. Vitalistisch: teleonomisch: bezieht sich auf die Eigenschaften der Teile. I 146 Erklärung/Maturana: Eine Erklärung ist immer die Antwort auf die Frage nach dem Entstehen eines Phänomens. Kriterium/Maturana: Die Kriterien sind vom Hörer festgelegt. - Ein Kriterium schafft einen Erklärungsbereich. I 224 Unser Lebensgeschehen läuft zunächst ab unabhängig von unseren Erklärungen - sein Verlauf ist dann aber durchaus von ihnen abhängig. I 192 Erklärung/Maturana: konstitutive Merkmale sind nicht erklärungsbedürftig. I 239 Erklärungsbereich/Maturana: hängt von Präferenzen für Grundannahmen ab. - Der Erklärungsbereich wird nicht durch Messen, Quantifizierung oder Voraussagen konstituiert, sondern durch ein Validierungskriterium. Uneinige Wissenschaftler gehören verschiedenen Gemeinschaften an. Sie teilen nicht das Kriterium der Validierung. >Konflikte. |
Maturana I Umberto Maturana Biologie der Realität Frankfurt 2000 |
| Erklärungen | McDowell | Rorty VI 211 Verstehen/Erklärung/RortyVsMcDowell: (laut Rorty): Wir sollten nicht über Verständlichkeit reden. Verständlichkeit ist ganz billig zu haben: Wenn wir zwei Leute zur gleichen Redeweise abrichten. >Verstehen/McDowell, >Kommunikation, >Sprachverhalten, vgl. >Sprecher-Bedeutung, >Sprecher-Intention, >Privatsprache, >Idiolekt. |
McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Erklärungen | Nozick | II 10 Erklärung/Nozick: Erklärung basiert nicht auf Argumenten und nicht auf Beweisen, denn ein Beweis liefert kein Verstehen. >Verstehen, >Argumentation, >Beweise, >Beweisbarkeit, >Belege. Hypothesen, die in einer Erklärung gebraucht werden, müssen nicht als wahr bekannt sein. >Hypothesen, >Wissen. II 12 Erklärung/Nozick: Erklärung lokalisiert etwas in der Aktualität. >Aktualität. Verstehen: Verstehen lokalisiert etwas im Raum der Möglichkeiten. >Möglichkeit, >Wahrheitsbedingungen, vgl. >Verstehen/Dummett. II 115 Existenz/Erklärung/Leibniz/Nozick: Jeder Faktor der erklären soll, warum es überhaupt etwas gibt, wird selbst Teil dessen sein, was erklärt werden muss. vgl. >Existenz/Leibniz. Erklärung: geschieht immer in Begriffen von etwas anderem - man kann nicht alles erklären, aber nichts ist prinzipiell unerklärbar. >Begriffe, >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen. II 116 Erklärung/Nozick: Erklärung ist irreflexiv, asymmetrisch und transitiv: - irreflexiv: nichts erklärt sich selbst asymmetrisch: wenn X Y erklärt, dann erklärt Y nicht X (nicht umkehrbar). II 117 transitiv: wenn X Y erklärt und Y Z erklärt, dann erklärt X Z. Damit ist eine strikte partielle Ordnung etabliert. >Partielle Ordnung. II 118f Erklärung/Existenz/Nozick: andere Möglichkeit: Erklärung aus Gesetzen oder Theorien. >Gesetze, >Theorien. Frage: Wieso gibt es dann solche Theorien und Gesetze? Letztbegründung/Selbsterklärung: Könnte ein letztes Gesetz sich selbst subsumieren? >Letztbegründung. Letztes Gesetz: Ein Letztes Gesetz müsste irgendeine Charakteristik C haben - auch alle anderen Gesetze. Problem: Wahrheit wird nicht aus der Form bewiesen. >Wahrheit, >Beweise, >Beweisbarkeit. II 120 Erklärung/Ebene/Stufe/Nozick: manche Autoren: Die Erklärung muss tiefer liegen als das Erklärte. KripkeVs: neue Theorie: Aussagen suchen sich selbst die angemessene Ebene. - Höchste Ebene/Stufe//Kripke: die, auf der der Satz auf seinen Referenten angewendet wird. >Wahrheit/Kripke, >S.A. Kripke, >Fixpunkte/Kripke. Nozick: Dann muss P, wenn in einer Deduktion gebraucht, eine Ebene tiefer sein als seine Instanz. - dann ist eine deduzierte Aussage tiefer, wenn sie etwas subsumiert, als wenn sie subsumiert wird. >Deduktion. II 120 Selbsterklärung/Nozick: Selbstsubsumtion in der Quantorenlogik erklärt sich selbst. Ansonsten: Erklärung ist irreflexiv - d.h. sie kann sich nicht selbst erklären. Nackte Tatsache/Nozick: a) etwas das durch nichts erklärt werden kann b) schwächer: etwas, das nicht durch etwas anderes erklärt werden kann. Dann ist die erklärende Selbstsubsumtion eine nackte Tatsache, die sich selbst erklärt. >Nackte Tatsache, >Bloße Tatsache. II 305 Erklärung/Nozick: Man sagt, eine Erklärung darf nicht weniger (z.B. semantische) Tiefe haben als das Erklärte. >Semantik, >Semantische Tatsachen. II 308 Verursachung/Descartes: Verursachung kann nicht weniger tief sein als die Wirkung (Prinzip). >Ursache, >Wirkung, >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen, >Prinzipien. |
No I R. Nozick Philosophical Explanations Oxford 1981 No II R., Nozick The Nature of Rationality 1994 |
| Erklärungen | Pinker | I 54 Erklärung/Pinker: Schlechte evolutionäre Erklärung: Bsp "Humor baut Spannung ab" - "Glückliche Menschen finden mehr Verbündete". Gute evolutionäre Erklärung: bringt eine technische Analyse, die vom zu erklärenden Teil unabhängig ist. - Sie beginnt mit einem Ziel in einer Welt mit Ursachen und Wirkungen. These: Um Sehen von Mensch und Tier zu verstehen, müssen wir Maschinen betrachten. - Bsp Übelkeit bei Schwangerschaft: Abwehr gegen Giftstoffe. Schlechte Erklärung/PinkerVsFreud: Freud: Übelkeit bei Schwangerschaft als Wunsch nach oraler Abtreibung zu erklären. I 124 Erklärung/Pinker: Hier geht es darum, nach welchen Prinzipien Dinge funktionieren, und nicht darum, welche Dinge "echte Beispiele" für einen altbekannten Begriff sind. >Prinzipien, >Naturgesetze, >Kausalerklärung, >Verstehen, >Belege, >Beobachtung, >Funktionale Erklärung. |
Pi I St. Pinker Wie das Denken im Kopf entsteht München 1998 |
| Erklärungen | Railton | Lewis V 233 Wahrscheinlichkeit/Erklärung/covering law Modell/deduktiv-nomologisch/Peter Railton: Eine Erklärung hat nach Railtons Modell zwei Teile: 1. Ein D-N-Argument (deduktiv nomologisches Argument), das einige Bedingungen des nicht probabilistischen Falls erfüllt. Zu seinen Prämissen können auch Wahrscheinlichkeitsgesetze gehören. 2. (gehört nicht zum Argument): Die Feststellung, dass das Ereignis stattgefunden hat. Wenn die Prämissen sagen, dass gewisse Ereignisse stattgefunden haben, dann sind diese zusammenhinreichend - gegeben die Gesetze - für das eigentliche Ereignis oder für die Wahrscheinlichkeit. >Deduktiv-nomologisch. Problem: Eine Teilmenge - gegeben auch nur ein Teil der Gesetze - kann ebenfalls hinreichend sein, Teile der Ereignisse zu erklären, und eine Anzahl Überbleibsel hervorbringen, die immer noch hinreichend unter den Originalgesetzen sind. Daher muss man beim Erklären zwei Bedingungen haben: 1. dass gewisse Ereignisse zusammen hinreichend sind für das Explanandum Ereignis (unter den herrschenden Gesetzen) 2. dass nur einige der Gesetze gebraucht werden, das Hinreichen der Bedingungen zu garantieren. >Hinreichendes. LewisVsRailton: wenn wir ein covering law (Begleitgesetz) für Verursachung hätten, zusammen mit unserem covering law für Erklärung, würde das meinen Ansatz mit dem covering law-Ansatz versöhnen. Aber das ist nicht zu haben! >Covering laws. V 233/234 Oft wird ein Element der hinreichende Grund der D-N-Menge (deduktiv-nomologisch) in Wirklichkeit eine der Ursachen selbst sein. Aber das darf nicht sein! Die Gegenbeispiele sind wohlbekannt: 1. Zur hinreichenden Teilmenge kann ein ganz irrelevanter Grund gehören, das Erfordernis der Minimalität hilft nicht: wir könnten eine künstliche Minimalität erzeugen, indem wir schwächere Gesetze nehmen und stärkere Gesetze unberücksichtigt lassen. Bsp Salmon: Ein Mann nimmt die Pille, und wird nicht schwanger! Die Prämisse, dass niemand, der die Pille nimmt, schwanger wird, darf nicht weggelassen werden! 2. Ein Element der hinreichenden Teilmenge könnte etwas sein, das kein Ereignis ist: Bsp eine Prämisse kann feststellen, dass etwas eine extrinsische oder hochdisjunktive Eigenschaft hat. das kann aber keine echten Ereignisse spezifizieren. 3. Ein Effekt kann zur Teilmenge gehören, wenn die Gesetze sagen, dass er nur in bestimmter Weise hervorgebracht werden kann. D.h. die Menge könnte in geeigneter Weise minimal sein, und auch eine von Ereignissen sei, aber das wäre nicht hinreichend, den Effekt zur Ursache seiner Ursache zu machen! 4. Ein solcher Effekt kann auch zur hinreichenden Teilmenge für einen anderen Effekt sein, z.B. eines späteren, derselben Ursache. Bsp dass ein Werbespot auf meinem Fernseher erscheint wird durch dieselbe Ausstrahlung verursacht, wie das Erscheinen desselben Spots auf Ihrem Fernseher, aber das eine ist nicht Ursache des anderen. Eher haben sie eine gemeinsame Ursache. 5. Eine verhinderte potentielle Ursache könnte zur Teilmenge gehören, weil nichts sie außer Kraft gesetzt hat. LewisVsRailton: Das zeigt, dass die gemeinsam hinreichende Teilmenge, die von D-N-Argument präsentiert wird, möglicherweise nicht eine Menge von Ursachen ist. V 235 LewisVsRailton: Wenn ein D-N-Argument keine Ursachen zu zeigen scheint, aber dennoch eine Erklärung zu sein scheint, ist das ein Problem für meine eigene Theorie. >Erklärung/Lewis. VsHempel: Brechungsindex, VsRailton: In Wirklichkeit gibt es keine nicht-kausalen Fälle. RailtonVsLewis: wenn das D-N-Modell keine Ursachen präsentiert, und deshalb nicht wie eine Erklärung aussieht, dann ist das ein Problem für das D-N-Modell. Railton: Deshalb ist nicht jedes D-N-Modell eine korrekte Erklärung. V 236 Frage: Kann jede Kausalgeschichte durch die Information charakterisiert werden, die in einem D N Argument (deduktiv-nomologischem Argument) enthalten ist? Das wäre der Fall, wenn jede Ursache zu einer hinreichenden Teilmenge gehört - gegeben die Gesetze. Oder im probabilistischen Fall: unter Wahrscheinlichkeitsgesetzen. Und ist das so, dass die Ursachen darunter fallen? Lewis: Das folgt nicht aus der kontrafaktischen Analyse der Kausalität! Dennoch mag es wahr sein. (Es wird wahr sein in einer möglichen Welt mit hinreichend strengen Gesetzen). Wenn erklärende Information Information über Kausalgeschichte ist, dann ist eine Weise, sie zu liefern, die über D-N-Argumente. Aber dann ist immer noch etwas falsch! Die D-N-Argumente werden als ideal dargestellt. D.h. sie haben die richtige Form. nichts zu viel und nicht zu wenig. Aber niemand denkt, dass alltägliches Erklären das erfüllt. Normalerweise ist das Beste, was wir tun können, Existenzannahmen zu machen. "Deshalb" Behauptung/Morton White: können wir als Existenzannahmen auffassen. LewisVsRailton: korrekte D-N-Argumente als Existenz Annahmen sind noch keine echte Erklärung. Einfach wegen ihrer Form genügen sie nicht dem Standard, wie viel Information hinreichend ist. Lewis: es gibt immer noch mehr zu wissen, wenn wir noch so perfekte D N Argumente aufhäufen. Die D N A geben immer nur einen Querschnitt der Kausalgeschichte. Viele Ursachen mögen weggelassen sein. Und diese könnte diejenigen sein, die wir gerade suchen. Vielleicht möchten wir gerade die Mechanismen kennenlernen, die in bestimmten Spuren der Kausalgeschichte involviert sind. V 238 Erklärung/Lewis/VsRailton: Ein D-N-Argument kann auch von falscher Form sein: uns gleichzeitig nicht genug zu viel geben. Erklärung/Lewis: Dabei ist es nicht so, dass wir eine verschiedene Vorstellung von der Einheit der Erklärung haben. Wir sollten gar keine Einheit fordern: eine Erklärung ist kein Ding, das man haben kann oder verfehlen, sondern etwas, von dem man mehr oder weniger haben kann. Problem: die Vorstellung, "genug" Erklärung zu haben: es nährt Zweifel an dem Wissen unserer Vorfahren: diese hatten selten oder nie vollständiges Wissen über die Naturgesetze. LewisVsRailton: D.h. sie hatten also selten oder nie vollständige D-N-Argumente. Hatten sie deshalb lückenhaftes erklärendes Wissen? Ich denke nein! Sie wussten eine Menge darüber, wie die Dinge verursacht sind. Lösung/Railton: (ähnlich wie Lewis'Bild): Zusammen mit jedem Explanandum haben wir eine ausgedehnte und komplexe Struktur. V 239 Lewis: Für mich sind diese Strukturen durch kausale Abhängigkeit verbunden Railton: für ihn bestehen sie aus einem "idealen Text" aus D-N-Argumenten (deduktiv nomologischen Argumenten) wie in mathematischen Beweisen. >Kausale Abhängigkeit, >Kausalität, >Ursachen, >Kausalerklärung. |
Railt P. Railton Facts, Values, and Norms: Essays toward a Morality of Consequence Cambridge 1999 Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Erklärungen | Ricoeur | II 71 Verstehen/Erklären/Ricoeur: (...) Man kann, zumindest einleitend, sagen, dass - Verstehen: bedeutet zu lesen, was das Ereignis des Diskurses für die Äußerung des Diskurses ist und dass - Erklären: bedeutet zu lesen was die verbale und textliche Autonomie für die objektive Bedeutung des Diskurses ist. >Diskurs/Ricoeur. II 72 Erklärung/Tradition: Es findet sein paradigmatisches Anwendungsfeld in den Naturwissenschaften. Wenn es äußere Tatsachen zu beobachten gibt, Hypothesen, die einer empirischen Überprüfung zu unterziehen sind, allgemeine Gesetze zur Erfassung solcher Tatsachen, Theorien zur Einbeziehung der verstreuten Gesetze in ein systematisches Ganzes und die Unterordnung empirischer Verallgemeinerungen unter hypothetisch-deduktive Verfahren, dann können wir sagen, dass wir "erklären". Verstehen/Tradition: Das Verstehen dagegen findet sein ursprüngliches Anwendungsfeld in den Geisteswissenschaften, wo Wissenschaft mit der Erfahrung von anderen Themen oder anderen Geistern, die unseren eigenen ähnlich sind, zu tun hat. Sie stützt sich auf die Sinnhaftigkeit von Ausdrucksformen wie physiognomische, gestische, stimmliche oder schriftliche Zeichen und auf Dokumente II 73 und Denkmäler, die mit der Schrift den allgemeinen Charakter der Inschrift gemeinsam haben. Die unmittelbaren Ausdrucksarten sind sinnvoll, weil sie sich direkt auf die Erfahrung des anderen Geistes beziehen, die sie vermitteln. Tradition/Ricoeur: Die Dichotomie zwischen Verstehen und Erklären in der romantischen Hermeneutik ist sowohl erkenntnistheoretisch als auch ontologisch. Sie stellt zwei Methodologien und zwei Sphären der Wirklichkeit, Natur und Geist, gegenüber. II 75 Verstehen/Ricoeur: (...) wir müssen den Sinn des Textes erraten, weil die Absicht des Autors außerhalb unserer Reichweite liegt. II 79 Interpretation: (...) wenn es wahr ist, dass es immer mehr als eine Art der Auslegung eines Textes gibt, so ist es nicht wahr, dass alle Auslegungen gleich sind. Der Text stellt ein begrenztes Feld möglicher Konstruktionen dar. Die Logik der Validierung erlaubt uns, uns zwischen den beiden Grenzen des Dogmatismus und der Skepsis zu bewegen. Es ist immer möglich, für oder gegen eine Interpretation zu argumentieren, Interpretationen zu konfrontieren, zwischen ihnen zu vermitteln und eine Einigung zu suchen, auch wenn diese Einigung außerhalb unserer unmittelbaren Reichweite bleibt. II 81 Strukturelle Linguistik/Interpretation/Verstehen/Ricoeur: [der Ansatz der strukturellen Schulen der Literaturkritik] geht von der Anerkennung dessen aus, was ich die Aussetzung oder Unterdrückung des scheinbaren Bezugs (der Referenz) genannt habe. (>Referenz/Ricoeur). Der Text fängt die "weltliche" Dimension des Diskurses - den Bezug zu einer Welt, die gezeigt werden könnte - ebenso ab, wie er den Zusammenhang des Diskurses mit der subjektiven Intention des Autors unterbricht. Nach dieser Entscheidung hat der Text nicht mehr ein Äußeres, er hat nur noch ein Inneres. (...) gerade die Konstitution des Textes als Text und des Systems von Texten als Literatur rechtfertigt diese Umwandlung des literarischen Objekts in ein geschlossenes System von Zeichen, analog zu der Art von geschlossenem System, das die Phonologie als allen Diskursen zugrunde liegend entdeckte und das Saussure als langue bezeichnete. Nach dieser Arbeitshypothese wird die Literatur zu einem Analogon der Sprache. >Langue/Ricoeur. II 86 Erklären/Literatur/Texte/Ricoeur: [Die] Übertragung eines linguistischen Modells auf die Erzähltheorie bestätigt meine einleitende Bemerkung zum zeitgenössischen Verständnis von Erklärung vollkommen. Heute ((s) 1976) wird der Erklärungsbegriff nicht mehr aus den Naturwissenschaften entlehnt und in ein anderes Feld, das der schriftlichen Dokumente, übertragen. Sie geht von der gemeinsamen Sphäre der Sprache aus, dank der analogen Übertragung von den kleinen Einheiten der Sprache (Phoneme und Lexeme) auf die großen Einheiten jenseits des Satzes, einschließlich Erzählung, Folklore und Mythos. |
Ricoeur I Paul Ricoeur Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999 Ricoeur II Paul Ricoeur Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976 |
| Erklärungen | Rorty | I 230 Carnap: die Bewegung von allem und jedem kann auf der Basis der Bewegung von Elementarteilchen vorausgesagt werden. Rorty: damit wären wir über alles Seiende auf dem Laufenden, aber wir hätten es nicht erklärt. > Erklären. Elementarteilchen sind in jedem Ausschnitt des Universums gut anwendbar, die Rede von Politikern oderSmaragdblumen jedoch nur in bestimmten Kontexten. >Kontext, >Naturgesetze, >Verallgemeinerung. I 234 Erkenntnis/Rorty: Es gibt keinen Grund, gegen Erklärungen des Erwerbs von Erkenntnis, die auf innere Darstellungen Bezug nehmen, Einwände zu erheben. Aber Erklärung und Rechtfertigung müssen auseinandergehalten werden: man kann solche Erklärungen vorbringen, ohne das traditionelle Leib-Seele-Problem wiederaufleben zu lassen. Rechtfertigung: z. B. durch Sinnesdaten. - Erklärung: Kausal. >Rechtfertigung, >Kausalerklärung. VI 144 Erklärung: Wie kann man angeben, wann eine vollständige Kausalerklärung von X Aussagen über X enthalten muss? VI 212 Verstehen/Erklärung/RortyVsMcDowell: Wir sollten nicht über Verständlichkeit reden! Verständlichkeit ist ganz billig zu haben: wenn wir zwei Leute zur gleichen Redeweise abrichten. >Verstehen. Horwich I 452 Erklärung/Rorty: Etwas das sich ändert, während alles andere gleich bleibt, kann keine Erklärung sein. >Kovarianz, >Absolutes. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 Horwich I P. Horwich (Ed.) Theories of Truth Aldershot 1994 |
| Erklärungen | Schmader | Haslam I 252 Erklärung/Stereotype threat/Forbes/Schmader: These: Wir haben ein integriertes Prozessmodell des stereotype threat vorgeschlagen, bei dem das Priming des stereotype threat eine Kaskade von stressbasierten physiologischen, negativen Bewertungs-, Selbstregulierungs- und Performance-Monitoring-Prozessen hervorruft, während Menschen versuchen, diese Bedrohung ihrer Identität zu verstehen und zu bewältigen (Schmader et al., 2008)(1). Manipulationen durch stereotype threats beeinträchtigen das Arbeitsgedächtnis (Schmader und Johns, 2003)(2), beeinträchtigen die Leistung bei arbeitsspeicherintensiven Aufgaben (Beilock et al., 2007)(3) und haben die stärksten Auswirkungen auf diejenigen Personen mit geringerer Arbeitsspeicherkapazität (Régner et al., 2010)(4). Obwohl die ursprünglichen Studien keine eindeutigen Beweise für eine erhöhte Angst durch einen stereotype threat fanden, haben nachfolgende Forschungen ergeben, dass sie physiologische Biomarker von Stress erhöhen, einschließlich eines höheren Blutdrucks (Blascovich, et al., 2001)(5) und eines Hautleitwerts (Osborne, 2006(6), 2007(7)). Diese autonome Stressreaktion ist mit negativen Beurteilungsprozessen gekoppelt, da dem stereotype threat ausgesetzte Individuen manchmal über ein erhöhtes Maß an expliziter (Spencer et al., 1999)(8) und impliziter Angst (Johns et aL, 2008(9); Bosson et al..., 2004(10)), negativen Erwartungen (Sekaquaptewa et al., 2007(10); Stangor et al., 1998(12)), Gefühlen der Niedergeschlagenheit (Keller und Dauenheimer, 2003)(13) und aufgabenbezogenen Sorgen berichten(Beilock et al., 2007(3); Cadinu et al., 2005(14)). >Stereotype threat/Forbes/Schmader, >Stereotype threat/Psychologische Theorien, >Stereotype/Sozialpsychologie. 1. Schmader, T., Johns, M. and Forbes, C. (2008) ‘An integrated process model of stereotype threat effects on performance’, Psychological Review, 115: 336—56. 2. Schmader, T. and Johns, M. (2003) ‘Converging evidence that stereotype threat reduces working memory capacity’,Journal of Personality and Social Psychology, 85: 440—52. 3. Beilock, S.L., Rydell, R.J. and McConnell, A.R. (2007) ‘Stereotype threat and working memory: Mechanisms, alleviation, and spillover’, Journal of Experimental Psychology: General, 136(2): 256-76 4. Régner, I., Smeding, A., Gimmig, D., Thinus-Blanc, C., Monteil,J. and Huguet, P. (2010) ‘Individual differences in working memory moderate stereotype-threat effects’, Psychological Science, 21: 1646—8. 5. Blascovich,J., Spencer, S.J., Quinn, D. and Steele, C. (2001) ‘African Americans and high blood pressure: The role of stereotype threat’, Psychological Science, 12: 22 5—9. 6. Osborne,J.W. (2006) ‘Gender, stereotype threat and anxiety: Psychophysiological and cognitive evidence’, Journal of Research in Educational Psychology, 8: 109—3 8. 7. Osborne, J.W. (2007) ‘Linking stereotype threat and anxiety’, Educational Psychology, 27: 135—54. 8. Spencer, S.J., Steele, C.M. and Quinn, D.M. (1999) ‘Stereotype threat and women’s math performance’, Journal of Experimental Social Psychology, 35:4—28. 9. Johns, M., Inzucht, M. and Schmader, T. (2008) Stereotype threat and executive resource depletion: Examining the influence of emotion regulation’, Journal of Experimental Psychology: General, 137: 691—705. 10. Sekaquaptewa, D., Waidman, A. and Thompson, M. (2007) So1o status and self-construal: Being distinctive influences racial self-construal and performance apprehension in African American women’, Cultural Diversity and Ethnic Minority Psychology, 13:321— 7. 11. Stangor, C., Carr, C. and Kiang, L. (1998) ‘Activating stereotypes undermines task performance expectations’, Journal of Personality and Social Psychology, 75: 1 191—7. 13. Keller, J. and Dauenheimer, D. (2003) 1Stereotype threat in the classroom: Dejection mediates the disrupting threat effect on womens math performance’, Personality and Social Psychology Bulletin, 29: 371—81. 14. Cadinu, M., Maass, A., Rosabianca, A. and Kiesner,J. (2005) Why do women underperform under stereotype threat?’, Psychological Science, 16: 5 72—8. Toni Schmader and Chad Forbes, “Stereotypes and Performance. Revisiting Steele and Aronson’s stereotypes threat experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Erklärungen | Wittgenstein | Hintikka I 29 Unerklärbar/Erklärung/Analyse/Wittgenstein/Hintikka: Nicht der übliche Sprachgebrauch ist nach Wittgenstein unanalysierbar und unerklärbar - sondern die >Sprachspiele sind es. I 190 Erklärung/Wittgenstein/Hintikka: Erklärungen gehören zur Metaphysik. ((s) Siehe auch Metaphysik/Duhem). Großes Typoskript:; "Angenommen, mein Gesichtsbild wären zwei gleich große rote Kreise auf blauem Grund: was ist hier in zweifacher Zahl vorhanden, und was einmal? Man könnte sagen, wir haben hier eine Farbe und zwei Örtlichkeiten. Es wurde aber auch gesagt, rot und kreisförmig seien Eigenschaften von zwei Gegenständen, die man Flecke nennen könnte und die in gewisser räumlicher Beziehung zueinander stehen. Das klingt wie eine Erklärung der Physik. Ich könnte auch antworten: zwei rote Laternen usw. Eine Erklärung ist hier aber nicht gefordert, (unsere Unbefriedigung durch eine Erklärung lösen zu wollen ist der Fehler der Metaphysik). Was uns beunruhigt, ist die Unklarheit über die Grammatik des Satzes "Ich sehe zwei rote Kreise auf blauem Grund." Ich kann natürlich auch sagen: "Ich sehe die Farbe rot an zwei verschiedenen Örtlichkeiten" aber dann wird sich einfach die Grammatik der Wörter "Fleck", "Örtlichkeit" "Farbe" nach der der Wörter des ersten Satzes richten müssen. Die Konfusion entsteht hier dadurch, dass wir glauben, über das Vorhandensein oder Nichtvorhandensein eines Gegenstands (Flecks) entscheiden zu müssen. Wie wenn man entscheidet ob, was ich sehe (im physikalischen Sinn) ein roter Anstrich oder ein Reflex ist. I 238 Zeigen/hinweisende Definition/Wittgenstein/Hintikka: In den Vorlesungen der frühen 30er wird die hinweisende Erklärung geradezu verworfen. "Die hinweisende Erklärung führt uns nicht über den Symbolismus hinaus...wir können damit nichts weiter tun, als eine Symbolismus durch einen anderen zu ersetzen." HintikkaVsWittgenstein: Das ist, so könnte man meinen, eklatant falsch, denn Gebärden des Zeigens können uns wohl aus dem Bereich des bloß Sprachlichen herausführen. WittgensteinVsVs: bestreitet das. Er erklärt, das, was wir durch eine hinweisende Erklärung zuwege bringen, ist keine Verbindung zwischen Sprache und Wirklichkeit, sondern eine Verbindung zwischen der geschriebenen oder gesprochenen Sprache einerseits und der Gebärdensprache andererseits. Hinweisende Erklärung/Wittgenstein: ist nichts weiter als ein Kalkül. I 255 Erklärung/WittgensteinVsErklärung/Hintikka: "Unser Fehler ist, dort nach einer Erklärung zu suchen, wo wir die Tatsachen als "Urphänomene" sehen sollten." In der Spätphilosophie sind die >Sprachspiele wirklich das Maß aller Dinge. II 44 Hinweisende Definition: Damit ist allerdings nichts weiter getan, als dass wir dem Symbolismus etwas hinzufügen. >Zeigen. II 45 Sie führt uns nicht über diesen Symbolismus hinaus. Wie ersetzen nur eine Menge von Symbolen durch eine andere. Die Erklärung der Bedeutung von Symbolen wird ihrerseits den Symbolen angegeben. II 56 Erklärung/Wissenschaft/Wittgenstein: Wir erklären ein Ereignis in der Physik, indem wir ein anderes Ereignis beschreiben - Analyse: etwas Neues herausfinden – nicht so in der Philosophie. II 60 Musik/Sprache/Wittgenstein: #, b, Auflösungszeichen sind Signale im strengen Sinn. Die Sprache besteht nicht aus Signalen. Ein Signal muss erklärt werden, und die Erklärung muss etwas angeben, wodurch das Signal ergänzt wird. Wir erklären sie im selben Sinne wie Farben. Außer dem Wort "grün" brauchen wir noch etwas anderes, zusätzliches. >Signale, >Symbole, >Zeichen. II 61 Erklärung/Wittgenstein: Der Satz mit der Erklärung ist der Art nach nicht verschieden von der Erklärung selbst. Die Erklärung eines Satzes ist immer so etwas wie eine Definition, die eine Symbolmenge durch eine andere ersetzt. >Definition. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Erklärungen | Wright | I 182 Beste Meinung/Ethik/Moral/Wright : Wir werden im 5. Kapitel sehen, dass moralische Sachverhalte nicht in den besten Erklärungen unserer moralischen Überzeugungen auftreten! >Beste Erklärung/Wright. I 196f Beste Erklärung/Wright: Eine Erklärung kann nicht die beste sein, wenn sie nicht gewisse Einzelheiten enthält. (Das soll aber keine irgendwie naturalistische oder naturwissenschaftlich reduktionistische Art der Erklärung sein). >Naturalismus, >Reduktionismus. Eine Erklärung wird nicht als die Beste gelten können, solange es eine konkurrierende gleich gute Erklärung gibt, die aber nicht die kognitive Empfänglichkeit nutzt. Wenn eine solche Erklärung tatsächlich gleich gut ist, wird sie erklären, warum der (abweichende) Mensch in seiner Gemeinschaft nicht auffällt. >Gemeinschaft, >Sprachgemeinschaft, >Konvention. Dann kann aber die gesamte Gemeinschaft als defizient betrachtet werden! Die spezielle kognitive Fähigkeit wird damit zu einem fünften Rad. Vgl. >Externalismus. Wright I 223 Beste Erklärung/Wiggins: (Bsp von Harman) Strahlungsweg in der Nebelkammer als Spur des Protons zu interpretieren, auch wenn das Proton selbst völlig unsichtbar ist. Erklärung: Es gibt diesen Strahlungsweg, weil ein Proton durchgelaufen ist. Wright I 223 Harman: Das steht im Gegensatz zur Situation im Falle der Moral/Ethik. Wright I 233f Wiggins: Nicht direkte kausale Rolle, sondern vielmehr "freisprechende Erklärung": eine Erklärung dafür, dass ein Subjekt einer Überzeugung anhängt, nach dem Schema: Aus diesem, jenem oder anderen Gründen lässt sich tatsächlich nichts anderes denken, als dass P. Daher ist es eine Tatsache, dass P. Angesichts der Umstände usw. kann es daher keine Überraschung sein, dass das Subjekt glaubt, dass P. Bsp (i) Nichts anderes lässt sich denken, als dass 5 + 7 = 12. Bsp Sklaverei ist unrecht, nichts anderes lässt sich denken.(Bsp von Wiggins). >D. Wiggins, >Kognitive Nötigung, >Kausale Rolle. I 240 Beste Erklärung/Physik: Sollte die beste Erklärung nicht immer dieselbe sein? Schließlich sind die kausalen Vordersätze sozusagen bereits an Ort und Stelle, was auch immer das Schicksal der Theorie später einmal sein wird. Warum sollte die beste Erklärung über die Angabe der Gründe und Gesetze hinausgehen, die eben die Kräfte erklären, die unsere Überzeugungen generieren? Wright: Es gibt keinen Grund, warum die beste Erklärung auf irgendwelche Sachverhalte Bezug nehmen sollte, die der Theorie, wie wir annehmen, tatsächlich Wahrheit vermitteln. Beste Erklärung/Physik/Wright: sollte im wissenschaftlichen Erbe bestehen, sowie auf Beobachtungen und gewissen psychologischen Gesetzen! >Erklärung/Harman. ((s) Also sollte man doch nicht die Sachverhalte erwähnen.) Könnte die beste Erklärung nicht immer "besser gemacht werden", indem man immer eine noch fundamentalere Ebene aufsucht (z.B. subatomar, usw.) Wenn Erklärungen nur dann am besten sind, wenn sie letztgültig sind, dann werden sie ihren Gehalt immer "überholen". >Behauptbarkeit, >Superassertibilität, >Ideale Behauptbarkeit. |
WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Erlebniskunst | Gadamer | I 100 Erlebniskunst/Ästhetik/Kunsterlebnis/Ästhetische Erfahrung/Gadamer: Ausgangsproblem: für Valéry(1) hat jede Begegnung mit dem Werk den Rang und das Recht einer neuen Produktion. Gadamer: Problem: Das scheint mir ein unhaltbarer hermeneutischer Nihilismus. Denn nun überträgt er dem Leser und Ausleger die Vollmacht des absoluten Schaffens, die er selber nicht ausüben will. >Hermeneutik, >Erlebnis, >Ästhetik, >Ästhetische Erfahrung. Ästhetisches Erlebnis/Gadamer: Die gleiche Aporie ergibt sich, wenn man statt von dem Begriff des Genies von dem Begriff des ästhetischen Erlebnisses ausgeht. I 101 Lukacs(2): spricht der ästhetischen Sphäre eine heraklitische Struktur zu und will damit sagen: Die Einheit des ästhetischen Gegenstandes ist gar keine wirkliche Gegebenheit. Das Kunstwerk ist nur eine Leerform, der bloße Knotenpunkt in der möglichen Mehrheit von ästhetischen Erlebnissen, in denen allein der ästhetische Gegenstand da ist. Wie man sieht, ist absolute Diskontinuität, d. h. Zerfall der Einheit des ästhetischen Gegenstandes in die Vielheit von Erlebnissen, die notwendige Konsequenz der Erlebnisästhetik. Oskar Becker: An die Idee von Lukacs anknüpfend hat Oskar Becker geradezu formuliert: »Zeitlich angesehen ist das Werk nur einem Augenblick (d. h. jetzt), es ist „jetzt“ dies Werk und ist es schon jetzt nicht mehr!“(3) >Kunstwerke. Gadamer: Das ist in der Tat konsequent. Die Grundlegung der Ästhetik im Erlebnis führt zur absoluten Punktualität, die die Einheit des Kunstwerks ebenso aufhebt, wie die Identität des Künstlers mit sich selbst und die Identität des Verstehenden bzw. Genießenden.(4) KierkegaardVsErlebniskunst/Gadamer: Wie mir scheint, hat schon Kierkegaard die Unhaltbarkeit dieser Position bewiesen, indem er die zerstörerische Konsequenz des Subjektivismus erkannte und als erster die Selbstvernichtung der ästhetischen Unmittelbarkeit beschrieb. Seine Lehre vom ästhetischen Stadium der Existenz ist vom Standpunkte des Ethikers aus entworfen, dem die Heillosigkeit und Unhaltbarkeit einer Existenz in reiner Unmittelbarkeit und Diskontinuität aufgegangen ist. I 102 Gadamer: Mit der Erkenntnis der »Hinfälligkeit des Schönen und der Abenteuerlichkeit des Künstlers« ist (...) in Wahrheit nicht eine Seinsverfassung außerhalb der „hermeneutischen Phänomenologie“ des Daseins ausgezeichnet, sondern vielmehr die Aufgabe formuliert, angesichts solcher Diskontinuität des ästhetischen Seins und der ästhetischen Erfahrung die hermeneutische Kontinuität zu bewähren, die unser Sein ausmacht. >Ästhetische Erfahrung/Gadamer, >Weitere Einträge zu Erlebniskunst. 1. P. Valéry, Variété Ill, Commentaires de Charmes: »Mes vers ont le sens qu'on leur prete«. 2. G. Lukács, „Die Subjekt-Objekt-Beziehung in der Ästhetik“, In: „Logos“, Bd. Vll., 1917/18. 3. Oskar Becker, Die Hinfälligkeit des Schönen und die Abenteuerlichkeit des Künstlers, Husserl-Festschrift, 1928, S. 51. Jetzt in O. Becker, Dasein und Dawesen. Pfullingen 1963, S. 11-401. 4. Schon bei K. Ph. Moritz, Von der bildenden Nachahmung des Schönen, 1788, S. 26 lesen wir: »Das Werk hat seinen höchsten Zweck in seiner Entstehung, in seinem Werden schon erreicht. « |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Erlebnisse | Dilthey | Gadamer I 67 Erlebnis/Dilthey/Gadamer: Etwas wlrd zum Erlebnls, sofern es nicht nur erlebt wurde, sondern sein Erlebtsein einen besonderen Nachdruck hatte, der ihm bleibende Bedeutung verleiht. Was in dieser Weise ein ist, gewinnt vollends einen neuen Seinsstand im Ausdruck der Kunst. Diltheys berühmt gewordener Buchtitel „Das Erlebnis und die Dichtung“ bringt diesen Zusammenhang aufeine einprägsame Formel. In der Tat ist es Dilthey gewesen, der zuerst dem Worte eine begriffliche Funktion zuwies, das bald zu einem beliebten Modewort und zur Bezeichnung eines so einleuchtenden Wertbegriffs aufsteigen sollte, daß viele europäische Sprachen es als Fremdwort übernommen haben. Gadamer I 68 Diltheys Goethe-Aufsatz lässt uns (...) in die unbewusste Vorgeschichte des Wortes zurückblicken, weil dieser Aufsatz in der Fassung von 1877(1) und in der späteren Bearbeitung von „Das Erlebnis und die Dichtung“ (1905) vorliegt. Dilthey vergleicht in diesem Aufsatz Goethe mit Rousseau, und um Rousseaus neuartiges Dichten aus der Welt seiner inneren Erfahrungen zu beschreiben, wendet er den Ausdruck „das Erleben“ an. In der Paraphrase eines Rousseau-Textes findet sich dann die Wendung »die Erlebnisse früherer Tage«(2). DiltheyVsRationalismus: Die Wortprägung evoziert offenkundig die Kritik am Rationalismus der Aufklärung, die im Ausgang von Rousseau den Begriff des Lebens zur Geltung brachte. Es dürfte der Einfluss Rousseaus auf die deutsche Klassik sein, der den Maßstab des "Erlebtseins" in Kraft setzte und damit die Wortbildung "Erlebnis" ermöglichte. Leben/Idealismus/Gadamer: Der Begriff des Lebens bildet Gadamer I 69 aber auch den metaphysischen Hintergrund, der das spekulative Denken des deutschen Idealismus trägt, und spielt bei Fichte wie bei Hegel, aber auch bei Schleiermacher eine fundamentale Rolle. Gegenüber der Abstraktion des Verstandes ebenso wie gegenüber der Partikularität der Empfindung oder Vorstellung impliziert dieser Begriff die Verbindung zur Totalität, zur Unendlichkeit. Gadamer: Das ist in dem Ton, den das Wort Erlebnis bis zum heutigen Tage hat, deutlich vernehmbar. >Erlebnis/Historische Entwicklung/Gadamer, >Gegebenes/Dilthey. Gadamer I 71 Dilthey/Gadamer: Die Sinngebilde, denen wir in den Geisteswissenschaften begegnen, mögen uns noch so fremd und unverständlich gegenüberstehen - sie lassen sich auf letzte Einheiten des im Bewußtsein Gegebenen zurückführen, die selber nichts Fremdes, Gegenständliches, Deutungsbedürftiges mehr enthalten. Es sind die Erlebniseinheiten, die selber Sinneinheiten sind. Empfindung/DiltheyVsMach/DiltheyVsCarnap/Gadamer: [Es war für Diltheys] Denken von entscheidender Bedeutung (...), dass als letzte Bewusstseinseinheit nicht sensation oder Empfindung genannt wird, wie das im Kantianismus und noch in der positivistischen Erkenntnistheorie des 19. Jahrhunderts bis zu Ernst Mach selbstverständlich war, sondern daß Dilthey dafür sagt. Er begrenzt damit das konstruktive Ideal eines Aufbaus der Erkenntnis aus Empfindungsatomen und stellt ihm eine schärfere Fassung des Begriffs des Gegebenen entgegen. >Leben/Dilthey. 1. Zeitschrift für Völkerpsychologie, Bd. X; cf. die Anmerkung Diltheys zu »Goethe und die dichterische Phantasie« (Das Erlebnis und die Dichtung, S. 468 ff.). 2. Das Erlebnis und die Dichtung, 6. Aufl., S. 219; cf. Rousseau, Les Confessions, Partie Il, Livre 9. Die genaue Entsprechung lässt sich nicht nachweisen. Offenbar handelt es sich nicht um eine Übersetzung, sondern ist eine Paraphrase der bei Rousseau zu lesenden Schilderung. |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Erlebnisse | Gadamer | I 66 Erlebnis/Gadamer: Die Untersuchung des Auftretens des Wortes im deutschen Schrifttum führt zu dem überraschenden Resultat, dass es im Unterschied zu erst in den 70er Jahren des 19. Jahrhunderts üblich geworden ist. 1m 18. Jahrhundert fehlt es noch ganz, aber auch Schiller und Goethe kennen es nicht. Der früheste Beleg(1) scheint ein Hegel-Brief(2) zu sein. Ebenso selten scheint das Wort in den fünfziger und sechziger Jahren und tritt erst in den siebziger Jahren [des 19. Jahrhunderts] plötzlich häufig auf(3). Seine allgemeine Einführung in den allgemeinen Sprachgebrauch hängt, wie es scheint, mit seiner Verwendung in der biographischen Literatur zusammen. Gadamer: Erleben heißt zunächst »noch am Leben sein, wenn etwas geschieht«. Von da aus trägt das Wort den Ton der Unmittelbarkeit, mit der etwas Wirkliches erfasst ist- im Gegensatz zu solchem, von dem man auch zu wissen meint, dem aber die Beglaubigung durch das eigene Erlebnis fehlt, sei es, dass es von anderen übernommen ist oder aus dem Hörensagen stammt (...) Das Erlebte ist immer das Selbsterlebte. Inhalt des Erlebnisses: zugleich aber wird die Form „das Erlebte“ in dem Sinne gebraucht, dass I 67 der bleibende Gehalt dessen, was da erlebt wird, dadurch bezeichnet wird. Biographie/Gadamer: Es entspricht dieser doppelten Richtung der Bedeutung von „erleben“ dass es die biographische Literatur ist, durch die sich das Wort „Erlebnis“ zuerst einbürgert. Das Wesen der Biographie, insbesondere das der Künstler- und Dichterbiographie des 19. Jahrhunderts, ist ja, aus dem Leben das Werk zu verstehen. Ihre Leistung besteht gerade darin, die beiden Bedeutungsrichtungen, die wir am unterscheiden, zu vermitteln bzw. als einen produktiven Zusammenhang zu erkennen. Etwas wird zum Erlebnis, sofern es nicht nur erlebt wurde, sondern sein Erlebtsein einen besonderen Nachdruck hatte, der ihm bleibende Bedeutung verleiht. >Subjektivität. I 69 Historische Entwicklung der Begriffe „Leben“/“Erlebnis“/Gadamer: Schleiermachers Berufung auf das lebendige Gefühl gegen den kalten Rationalismus der Aufklärung, Schillers Aufruf zur ästhetischen Freiheit gegen den Mechanismus der Gesellschaft, Hegels Entgegensetzung des Lebens (später: des Geistes) gegen die waren der Vorklang eines Protestes gegen die moderne Industriegesellschaft, der im Anfang unseres Jahrhunderts die Worte Erlebnis und Erleben zu Losungsworten von fast religiösem Klang aufsteigen ließ. F. Schleiermacher, >F. Schiller, >Aufklärung, >Rationalismus, >Leben/Hegel. Der Aufstand der Jugendbewegung gegen die bürgerliche Bildung und ihre Lebensform stand unter diesem Zeichen. Der Einfluss Friedrich Nietzsches und Henri Bergsons wirkte in dieser Richtung. >Leben/Nietzsche, >Bergson. Aber auch eine "geistige Bewegung" wie die um Stefan George und nicht zuletzt die seismographische Feinheit, mit der Georg Simmels Philosophieren auf diese Vorgänge reagierte, bezeugen das gleiche. So schließt die Lebensphilosophie unserer Tage an ihre romantischen Vorgänger an. I 75 Kunsterlebnis/Gadamer: Das ästhetische Erlebnis ist nicht nur eine Art von Erlebnis neben anderen, sondern repräsentiert die Wesensart von Erlebnis überhaupt. Wie das Kunstwerk als solches eine Welt für sich ist, so ist auch das ästhetisch Erlebte als Erlebnis allen Wirklichkeitszusammenhängen entrückt. Es scheint geradezu die Bestimmung des Kunstwerks, zum ästhetischen Erlebnis zu werden (...) I 76 Im Erlebnis der Kunst ist eine Bedeutungsfülle gegenwärtig, die nicht diesem besonderen Inhalt oder Gegenstand allein zugehört, sondern die vielmehr das Sinnganze des Lebens vertritt. >Erlebniskunst. 1. Vgl. Konrad Cramer in J. Ritters „Historischem Wörterbuch der Philosophie“ (Band 2, S. 702-711) 2. Im Bericht von einer Reise schreibt Hegel „meine ganze Erlebnis« (Briefe, ed. Hoffmeister, Ill 179). Man muss dabei beachten, daß es sich um einen Brief handelt... 3. In Diltheys Schleiermacher-Biographie (1870), bei Justi in der Winckelmann-Biographie (1872), in Hermann Grimms „Goethe“ (1877) und vermutlich öfter. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Erlebnisse | Husserl | Gadamer I 71 Erlebnis/Husserl/Gadamer: Leben ist für Dilthey Produktivität schlechthin. Indem sich Leben in Sinngebilden objektiviert, ist alles Verstehen von Sinn »ein Zurückübersetzen der Objektivationen des Lebens in die geistige Lebendigkeit, aus der sie hervorgegangen sind«. So bildet der Begriff des Erlebnisses die erkenntnistheoretische Grundlage für alle Erkenntnis von Objektivem. Husserl/Gadamer: Ähnlich universal ist die erkenntnistheoretische Funktion, die der Begriff des Erlebnisses in der Husserlschen Phänomenologie hat. In der 5. logischen Gadamer I 72 Untersuchung (2. Kapitel) wird ausdrücklich der phänomenologische Erlebnisbegriff von dem populären unterschieden. Die Erlebniseinheit wird nicht als ein Teilstück des realen Erlebnisstromes eines Ich verstanden, sondern als eine intentionale Beziehung. Die Sinneinheit ist auch hier eine teleologische. Es gibt nur Erlebnisse, sofern etwas in ihnen erlebt und gemeint ist. Zwar erkennt Husserl auch nichtintentionale Erlebnisse an, aber diese gehen als stoffliche Momente in die Sinneinheit intentionaler Erlebnisse ein. Insofern wird bei Husserl der Begriff des Erlebnisses zum umfassenden Titel für alle Akte des Bewusstseins, dessen Wesensverfassung die Intentionalität ist.(1) >Erlebnis/Natorp. Gadamer I 249 Erlebnis/Husserl/Gadamer: (...) die Einzelheit des Erlebnisses - so sehr es als ein intentionales Korrelat einer konstituierten Sinngeltung seine methodische Bedeutung behält – [ist] kein letztes phänomenologisches Datum (...). Jedes solche intentionale Erlebnis impliziert vielmehr stets einen zweiseitigen Leerhorizont von solchem, das in ihm nicht eigentlich gemeint ist, aber auf das sich jederzeit ein aktuelles Meinen wesensmäßig richten kann, und letzten Endes ist es evident, dass die Einheit des Erlebnisstroms das Ganze aller solcher thematisierbarer Erlebnisse umschließt. Gadamer I 250 Daher liegt die Konstitution der Zeitlichkeit des Bewusstseins aller Konstitutionsproblematik tragend zugrunde. Der Erlebnisstrom hat den Charakter eines universalen Horizontbewusstseins, aus dem nur Einzelheiten wirklich - als Erlebnisse - gegeben sind. >Horizont/Husserl, >Bewusstseinsstrom/Husserl. 1. Vgl. E. Husserl, Logische Untersuchungen Il, 365 Anm.; Ideen zu einer reinen Phänomenologie und phänomenologischen Philosophie, I, 65. |
E. Husserl I Peter Prechtl Husserl zur Einführung, Hamburg 1991 (Junius) II "Husserl" in: Eva Picardi et al., Interpretationen - Hauptwerke der Philosophie: 20. Jahrhundert, Stuttgart 1992 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Erneuerbare Energien | Stavins | Stavins I 159 Erneuerbare Energien/Aldy/Stavins: Ziel eines "Clean Energy Standards" ist es, ein technologieorientiertes Ziel für den Strombereich zu setzen, das kostengünstig umgesetzt werden kann (Aldy, 2011)(1). Nach diesen Normen schaffen Kraftwerke, die Strom mit Technologien erzeugen, die der Norm entsprechen, handelbare Credits, die sie an Kraftwerke verkaufen können, die die Norm nicht erfüllen, wodurch die Kosten für die Erreichung der Zielnorm analog zu Cap and Trade minimiert werden. Stavins I 160 VsErneuerbare Energien: Standards für erneuerbare Energien, die sich auf Technologieziele konzentrieren, bewerten nicht explizit die Externalität der Treibhausgase und verursachen daher höhere Kosten für eine bestimmte Menge an Emissionsreduktionen als eine CO2-Steuer oder ein Cap and Trade-Programm. Ein erneuerbares Mandat behandelt kohlebefeuerten Strom, gasbefeuerte Strom und Kernenergie als gleichwertig - keine dieser Technologien schafft für die Einhaltung der Vorschriften notwendige Credits - trotz der Tatsache, dass ein Erdgas-Kombikraftwerk typischerweise eine Erzeugungseinheit mit der Hälfte der CO2-Emissionen eines konventionellen Kohlekraftwerks erzeugt und ein Kernkraftwerk emissionsfrei Strom erzeugt, ebenso wie Wind, Solar und Geothermie. So kann das Verfügen von Strom aus einem begrenzten Portfolio von Technologien zu höheren Kosten führen, da es keinen Anreiz bietet, von emissionsintensiver Kohle auf emissionsreines Gas oder emissionsfreie Kernenergie umzusteigen. 1. Clean Energy Standards/VsVs: Ein kostengünstigerer Ansatz für einen sauberen Energiestandard würde einen technologieneutralen Leistungsstandard, wie beispielsweise Tonnen CO2 pro Megawattstunde Erzeugung, verwenden. Alle Energiequellen, von fossilen Brennstoffen bis hin zu erneuerbaren Energien, könnten nach einem solchen Leistungsstandard förderfähig sein. Dies hat den Vorteil gegenüber dem Portfolioansatz, bessere Innovationsanreize zu schaffen und alle Möglichkeiten zur Reduzierung der Emissionsintensität der Stromerzeugung zu ermöglichen. Handelbare Credits fördern die Kosteneffizienz, indem sie den größtmöglichen Einsatz sauberer Energie aus Anlagen fördern, die ihre Emissionsintensität zu niedrigsten Kosten senken können. Diese Kraftwerke könnten dann ihre zusätzlichen Credits an andere Kraftwerke verkaufen, die mit höheren Kosten für den Einsatz sauberer Energie konfrontiert sind. Die Schaffung und der Verkauf von Credits für erneuerbare Energien würde eine Einnahmequelle bieten, die die Finanzierung von emissionsarmen und emissionsfreien Kraftwerksprojekten ermöglichen könnte. 2. Erneuerbare Energien/VsVs: Die Ausweitung des CO2-Preises auf eine breitere Palette von Aktivitäten könnte die Kosteneffizienz verbessern, aber die Berücksichtigung von Energieeffizienz und anderen Ausgleichsmaßnahmen birgt Risiken. Wie vorstehend betont, ist die Schätzung von Offsets komplex, erfordert eine umfassende Überprüfung und Überwachung durch Dritte oder Regulierungsbehörden und birgt die Gefahr, dass das Ziel einer Politik aufgrund des "Additionality"-Problems. (>Emissionsminderung/Stavins). Stavins I 161 Einen Standard für saubere Energie stellt eine de facto kostenlose Zuteilung des Rechts auf Emission von Treibhausgasen an den Energiesektor dar. Angenommen, die US-Regierung hat einen Leistungsstandard für saubere Energie von 0,5 Tonnen CO2 pro Megawattstunde (...) geschaffen, dann ist das ungefähr vergleichbar mit einem 50%igen Standard für saubere Energie, der es allen Technologien mit geringerer Emissionsintensität als herkömmliche Kohle ermöglicht, sich zu qualifizieren (...). Infolgedessen konnte ein Standard für saubere Energie nicht die Einnahmen generieren, die eine CO2-Steuer oder ein Cap-and-Trade-Programm mit einer Zertifikatsauktion erzielen könnte. >CO2-Preisstrategien/Stavins. 1. Aldy, J. E. (2011). Promoting clean energy in the American power sector (The Hamilton Project Discussion Paper 2011-04). Washington, DC: The Hamilton Project. Robert N. Stavins & Joseph E. Aldy, 2012: “The Promise and Problems of Pricing Carbon: Theory and Experience”. In: Journal of Environment & Development, Vol. 21/2, pp. 152–180. |
Stavins I Robert N. Stavins Joseph E. Aldy The Promise and Problems of Pricing Carbon: Theory and Experience 2012 |
| Ernsthaftigkeit | Williams | Krastev I 175 Ernsthaftigkeit/Bernard Williams/Krastev: Die Liberalen glaubten zunächst, dass sie Trumps Popularität untergraben könnten, indem sie seine unzähligen Lügen entlarven. Aber die Lawine von Enthüllungen hatte keine Wirkung. Um die Akzeptanz von Trumps Anhängern zu seinen Lügen zu verstehen, hilft es, sich die Unterscheidung zwischen "Genauigkeit" und "Aufrichtigkeit"(1) des britischen Philosophen Krastev I 176 Bernard Williams vor Augen zu führen. Menschen können über zwei Zustände die Wahrheit sagen: über das, was draußen in der Welt geschieht, und über das, was sie im Inneren fühlen. Aussagen über Ersteres werden nach Kriterien der Genauigkeit oder Ungenauigkeit beurteilt. Aussagen über das Zweite werden nach den Kriterien der Aufrichtigkeit/Ernsthaftigkeit oder Unaufrichtigkeit beurteilt. Erstere können anhand von Fakten überprüft werden, letztere nicht. >Fake News/Krastev. Krastev I 177 Trump/Krastev: Während Williams' Unterscheidung zwischen Genauigkeit und Aufrichtigkeit dazu beiträgt, bestimmte Aspekte von Trumps Popularität zu klären, bleibt sie in wichtigen Punkten hinter den Erwartungen zurück. Zum einen hat es immer den Anschein gehabt, dass der Birtherismus eher zynisch als aufrichtig war. Wir schlagen daher eine modifizierte Unterscheidung vor: nicht zwischen Genauigkeit und Aufrichtigkeit, sondern zwischen Genauigkeit und Loyalität. Um Arendt zu paraphrasieren: Für Trump und seine Anhänger löst sich jede Tatsachenaussage in einer Erklärung der Mitgliedschaft oder Loyalität auf. 1. Bernard Williams, Truth and Truthfulness: An Essay in Genealogy (Princeton University Press, 2010). |
EconWilliams I Walter E. Williams Race & Economics: How Much Can Be Blamed on Discrimination? (Hoover Institution Press Publication) Stanford, CA: Hoover Institution Press 2011 WilliamsB I Bernard Williams Ethics and the Limits of Philosophy London 2011 WilliamsM I Michael Williams Problems of Knowledge: A Critical Introduction to Epistemology Oxford 2001 WilliamsM II Michael Williams "Do We (Epistemologists) Need A Theory of Truth?", Philosophical Topics, 14 (1986) pp. 223-42 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| ersatz world | Ersatz world, Philosophie: Ausdruck von David Lewis für mögliche Welten, die nur aus Mengen von Sätzen bestehen, im Gegensatz zu (von unserer aktualen Welt abweichenden) Welten, die Lewis als real existierend annimmt. Andere Autoren wie S. A. Kripke gehen im Gegensatz zu D. Lewis davon aus, dass mögliche Welten nicht real existieren. Siehe auch Ersatzismus, Modaler Realismus, Mögliche Welten, Metaphysik, Notwendigkeit, Essentialismus, Teleskoptheorie. |
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| Erwartung (Wirtschaft) | Friedman | Landsburg I 34 Arbeitslosigkeit/Erwartung/Friedman/Landsburg: Im Jahr 1958 stellte der Wirtschaftswissenschaftler William Phillips(1) einen auffälligen Zusammenhang fest: Zeiten mit hoher Inflation sind Zeiten mit niedriger Arbeitslosigkeit und umgekehrt. In den folgenden zehn Jahren blieb diese Korrelation bestehen. >Phillips-Kurve. Inflation: Die meisten Ökonomen zogen daraus die Lehre, dass die politischen Entscheidungsträger mit einem Kompromiss konfrontiert sind: Man kann weniger Arbeitslosigkeit haben, wenn man bereit ist, ein wenig mehr Inflation zu tolerieren (und sogar zu erzeugen). FriedmanVsPhillips: Milton Friedman, fast eine einsame Stimme in der Wildnis, war anderer Meinung. (...) Friedman war es vorbehalten, die Welt daran zu erinnern, dass Korrelation nicht dasselbe ist wie Kausalität. >Kausalität, >Korrelation. Beispiel: a) Nehmen wir an, Sie sind Schreiner und derzeit arbeitslos, weil Ihr bestes Jobangebot 500 Dollar pro Woche beträgt, und Sie denken, dass Sie lieber weiter nach etwas Besserem suchen sollten. Natürlich, wenn sich alle Preise und Löhne verdoppeln würden, würde man Ihnen $ 1.000 pro Woche anbieten, aber Sie würden es trotzdem nicht annehmen, weil der reale Wert Ihres Stellenangebots unverändert ist. b) Variante: Die Preise verdoppeln sich über Nacht, während Sie schlafen. Am nächsten Morgen werden Sie von einem Anruf eines Arbeitgebers geweckt, der Ihnen 1.000 Dollar pro Woche anbietet. Sie sind begeistert, denn Sie wissen noch nicht, dass alle Preise gestiegen sind. Sie nehmen die Stelle an. Nach ein paar Tagen gehen Sie in den Supermarkt, stellen fest, dass die 1.000 Dollar von dieser Woche nicht mehr reichen als die 500 Dollar von letzter Woche, und reichen Ihre Kündigung ein. >Inflation. (...) es ist nicht allzu schwer, sich eine realistische Version vorzustellen, in der die Preise steigen, die Arbeitnehmer sich der Veränderungen nicht voll bewusst sind und die Lohnangebote besser aussehen, als sie tatsächlich sind, was einige Leute dazu verleitet, Jobs anzunehmen, die sie eigentlich nicht wollen, zumindest bis sie herausfinden, dass sie getäuscht wurden. Arbeitgeber: Auf der Seite des Arbeitgebers gilt das Gleiche: Sie sind ein Fahrradhersteller, der Fahrräder für 200 Dollar pro Stück verkauft. Wenn sich alle Preise und Löhne verdoppeln, machen Sie weiter wie bisher und verkaufen die Räder für 400 Dollar pro Stück. Es sei denn, die Verdoppelung findet statt, während Sie schlafen, und Sie werden am nächsten Morgen von der Nachricht geweckt, dass sich der Fahrradpreis verdoppelt hat, was Sie zu der Annahme veranlasst, dass die Nachfrage nach Fahrrädern wie Pilze aus dem Boden geschossen sein muss, was Sie wiederum dazu veranlasst, Ihr Werk zu erweitern und mehr Metallarbeiter einzustellen, zumindest für eine Weile. Irgendwann werden Sie natürlich feststellen, dass Ihre Werkserweiterung unklug war und Sie die zusätzlichen Arbeiter vielleicht nicht mehr lange brauchen werden. (...) die Moral ist folgende: Erwartungshaltung: Erwartete Änderungen der Inflation haben keine Auswirkungen auf die Beschäftigung. Unerwartete Veränderung: Ein unerwarteter Anstieg der Inflation kann zu einem vorübergehenden Anstieg der Beschäftigung führen - aber nicht zu einem dauerhaften. Landsburg I 35 Korrelationen: Wenn es eine Reihe von unerwarteten Inflationsanstiegen gibt, könnten Ökonomen (...) feststellen, dass diese Anstiege mit der Beschäftigung korreliert sind, aber sie könnten übersehen, dass die Korrelation nur so lange besteht, wie die Inflation weiterhin unerwartet ist. Inflation: Ein politischer Entscheidungsträger, der die Inflation dennoch zum Abbau der Arbeitslosigkeit nutzen will, muss eine Inflation erzeugen, die höher ist als erwartet. Dies ist nur schwer auf Dauer zu erreichen. Erwartete Preise: Wenn die Preise im Januar, Februar und März um jeweils 10 % steigen, werden die Menschen erwarten, dass sie auch im April um 10 % steigen. Wenn ich also die Arbeitslosigkeit niedrig halten will, muss ich vielleicht eine Inflationsrate von 12 Prozent im April und dann 14 Prozent im Mai erreichen, was dazu führt, dass die Menschen im Juni eine Rate von 16 Prozent erwarten. Jetzt muss ich im Juni unerwartet eine Inflationsrate von 18 Prozent erreichen(…). Täuschung: Auch die vorübergehende Verringerung der Arbeitslosigkeit durch unerwartete Inflation ist nicht gut. Ich tue Ihnen keinen Gefallen, wenn ich die Arbeitslosigkeit reduziere, indem ich Sie dazu bringe, einen Job anzunehmen, den Sie ohne die Täuschung nicht gewollt hätten. >Phillips-Kurve. FriedmanVsPhillips/FriedmanvsPhillips-Kurve: Auf der Grundlage einer Geschichte wie dieser machte Friedman seine berühmte Vorhersage, dass jeder Versuch, die Phillips-Korrelation auszunutzen, indem man die Inflation über einen längeren Zeitraum hoch hält, mit Sicherheit scheitern würde - im Gegensatz zu dem, was so ziemlich jeder andere zu dieser Zeit glaubte.* Als sich die 1970er Jahre entwickelten und sowohl die Inflation als auch die Arbeitslosigkeit stiegen, erwies sich Friedmans Vorhersage als spektakulär zutreffend (...). Landsburg I 40 Natürliche Arbeitslosenquote/Friedman: Friedman stellte die Hypothese auf, dass es eine natürliche Arbeitslosenquote gibt, die sich aus der Tatsache ergibt, dass wir in einer sich verändernden und unsicheren Welt leben, in der es immer einige Menschen geben wird, die es vorziehen, vorübergehend arbeitslos zu sein, um einen besseren Arbeitsplatz zu suchen, wieder zur Schule zu gehen oder familiäre Notfälle zu bewältigen. Jeder Versuch, die Arbeitslosigkeit mit Hilfe der Inflation unter diese natürliche Rate zu drücken, ist zum Scheitern verurteilt, zumindest auf lange Sicht, und tut wahrscheinlich niemandem einen Gefallen, auch nicht während des kurzen Zeitraums, in dem er erfolgreich zu sein scheint.** Diese Hypothese der natürlichen (Arbeitslosen-) Quote ist heute eine der zentralen Lehren der Makroökonomie. *Eine bemerkenswerte Ausnahme war Edmund Phelps, ein weiterer angehender Nobelpreisträger, der der zur gleichen Zeit ein sehr ähnliches Narrativ wie Friedman aufstellte.(2) ** Die natürliche Rate kann sich ändern, und das wird sie auch, wenn jemand einen besseren Weg findet, Arbeitskräfte und Arbeitsplätze zusammenzubringen oder wenn Ausbildungsprogramme effektiver werden. Friedman will damit sagen, dass man die natürliche Arbeitslosenquote nicht durch Veränderung der Geldmenge ändern kann. >Geldmenge/Friedman. 1. Phillips, William. 1958. The Relation Between Unemployment and the Rate of Change of Money Wage Rates in the United Kingdom, 1861-1957. Economica, Nov. 1958. 2. Phelps, Edmund. (1967). Phillips Curves, Expectations of Infl ation and Optimal Unemployment over Time. Economica 1967. |
Econ Fried I Milton Friedman The role of monetary policy 1968 Landsburg I Steven E. Landsburg The Essential Milton Friedman Vancouver: Fraser Institute 2019 |
| Erwartungen | Gadamer | I 272 Erwartung/Verstehen/Hermeneutik/Gadamer: Dass jemand, der die gleiche Sprache spricht, die Worte, die er gebraucht, in dem mir vertrauten Sinne nimmt, ist eine generelle Voraussetzung, die nur im Einzelfalle fraglich werden kann - und das gleiche gilt im Falle der fremden Sprache, dass wir dieselbe in durchschnittlicher Weise zu kennen meinen und beim Verständnis eines Textes diesen durchschnittlichen Sprachgebrauch voraussetzen. Was so von der Vormeinung des Sprachgebrauchs gilt, das gilt aber nicht minder von den inhaltlichen Vormeinungen, mit denen wir Texte lesen und I 273 die unser Vorverständnis ausmachen. >Verstehen, >Vorwissen, >Hermeneutik. Hier fragt es sich genauso, wie man aus dem Bannkreis seiner eigenen Vormeinungen überhaupt herausfinden soll. Gewiss kann es keine generelle Voraussetzung sein, dass das, was uns in einem Text gesagt wird, sich meinen eigenen Meinungen und Erwartungen bruchlos einfügt. Vgl. Philosophische Theorien über das >Prinzip der Nachsicht, >Hermeneutischer Zirkel/Heidegger. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Eselssätze | Geach | I 94 Geach/Buridan (Bsp Buridans Esel Brownie): Referenz muss unabhängig sein vom Wahrheitswert. Sonst Fehler: "In "Ist A ein Esel?" soll A für Sie stehen, wenn die richtige Antwort ja ist und für Brownie, wenn die richtige Antwort Nein ist." Problem: Entweder Sie sind ein Esel oder Brownie ist kein Esel. >Wahrheitswert, >Identifikation. Das gilt aber nur, weil die Referenz anfangs nicht feststeht. >Referenz, >Heterologie. |
Gea I P.T. Geach Logic Matters Oxford 1972 |
| Ethereum | Congressional Research Service (CRS) | CRS IV 9 Ethereum/CRS/Tierno: Ether ist die native Kryptowährung der Ethereum-Blockchain, die behauptet, „auf Bitcoin aufzubauen, mit einigen großen Unterschieden”.(1) In einer Bewertung von Bitcoin beschrieb Vitalik Buterin, der Gründer von Ethereum, Bitcoin als eine „schwache Version eines Konzepts von ‚smarten’ Verträgen”.(2) Smart Contracts sind Programme oder Software, die sich selbst ausführen können, wenn verschiedene Teilnehmer bestimmte vorab festgelegte Kriterien erfüllen. Ethereum machte sich daher daran, ein „alternatives Protokoll für die Erstellung dezentraler Anwendungen zu entwickeln, das es jedem ermöglicht, Smart Contracts und dezentrale Anwendungen zu schreiben, in denen sie ihre eigenen beliebigen Regeln für Eigentumsverhältnisse, Transaktionsformate und Zustandsübergangsfunktionen festlegen können”.(3) In der Kryptowährung und der dezentralen Finanzwirtschaft (DeFi) werden Smart Contracts häufig verwendet, um den Handel zwischen Nutzern ohne Zwischenhändler zu erleichtern. Ethereum weist einige Ähnlichkeiten mit Bitcoin auf, darunter Pseudonymität, Unveränderlichkeit, Dezentralisierung und, allgemein gesprochen, seine grundlegenden Funktionen als Rechnungseinheit und Tauschmittel, um nur einige zu nennen. Es gibt jedoch einige wichtige Unterschiede. Aufgrund der verbesserten Programmierbarkeit ist das Ethereum-Netzwerk zu einer beliebten Grundlage für Kryptowährungsprojekte geworden, die ein gewisses Maß an Flexibilität erfordern, das durch Smart Contracts geboten wird, darunter die Erstellung zusätzlicher Token und die Umsetzung umfassenderer dezentraler Finanzprojekte (DeFi).(4) >Bitcoin, >Kryptowährung, >Krypto-Transaktionen, >Krypto-Mining, >Blockchain. Bitcoin war immer nur minbar – aus dem Nichts entwickelt und ohne anfängliche Zuteilung oder Vorverkauf von Coins an Teilnehmer – und hat eine Obergrenze von 21 Millionen Bitcoin. Bei Ether ist dies nicht der Fall. Ether verkaufte einen Großteil der ursprünglich geschaffenen Kryptowährung (damals 83,5 %) im Jahr 2014 im Vorverkauf und legte den Rest für aufgelaufene Ausgaben und eine Reserve nach dem Verkauf zurück.(5) Als Ether abbaubar wurde und durch die Mining-Aktivitäten des Netzwerks mehr Ether geschaffen wurde, sank der Anteil der vorab geschürften Kryptowährung (die vor der Inbetriebnahme des Netzwerks gekauft wurde) als Prozentsatz der gesamten ausstehenden Menge. 1. Ethereum, “What Is Ethereum?,” https://ethereum.org/en/what-is-ethereum/. 2. Vitalik Buterin, “A Next-Generation Smart Contract and Decentralized Application Platform,” Ethereum, 2014, https://ethereum.org/en/whitepaper/. 3. Buterin, “A Next-Generation Smart Contract and Decentralized Application Platform.” 4. Ethereum ermöglicht es Benutzern, zusätzliche Token zu erstellen, die im Ethereum-Netzwerk unter Verwendung des Ethereum Request for Comment 20 (oder ERC-20-Standards) und der breiteren Implementierung von DeFi-Projekten (weiter unten unter „Dezentrale Finanzen (DeFi)“ näher beschrieben) ausgeführt werden können. ERC-20 ist beispielsweise ein Smart Contract, der aus einer Reihe von Standards besteht, mit denen Entwickler Token erstellen können, die im Ethereum-Netzwerk funktionieren. Weitere Informationen zu ERC-20-Token finden Sie unter https://ethereum.org/en/developers/docs/standards/tokens/erc-20/. For more on decentralized finance, see CRS Insight IN11709, Decentralized Finance (DeFi) and Financial Services Disintermediation: Policy Challenges, by Eva Su. 5. Buterin, “A Next-Generation Smart Contract and Decentralized Application Platform.” |
CRS I Congressional Research Service (CRS) Marc Labonte Fixed Exchange Rates and Floating Exchange Rates: What Have We Learned? Washington: Congressional Research Service of the Library of Congress 2007 CRS II Congressional Research Service (CRS) Paul Tierno Marc Labonte, Banking and Cryptocurrency: Policy Issues. CRS Congressional research Service Report R48430. Washington, DC. 2025 CRS III Congressional Research Service (CRS) Corrie E. Clark Heather L. Greenley, Bitcoin, Blockchain, and the Energy Sector. Washington, DC. 2019 CRS IV Congressional Reserch Service (CRS) Paul Tierno Cryptocurrency: Selected Policy Issues Congressional Reserch Service CRS Report R47425 Washington, DC. 2023 |
| Ethik | Bostrom | I 257 Ethik/Moral/Superintelligenz//Bostrom: Keine ethische Theorie erlangt eine mehrheitliche Unterstützung unter den Philosophen, so dass die meisten Philosophen sich irren müssen. ((s)VsBostrom: Es ist keine Frage des Applauses, welche Theorie richtig ist). I 369 Mehrheiten in Ethik/Bostrom: Eine kürzlich durchgeführte Befragung von Berufsphilosophen ergab den Prozentsatz der Befragten, die verschiedene Positionen "akzeptieren oder sich ihnen zuneigen". Zur normativen Ethik waren die Ergebnisse Deontologie 25,9%; - Konsequentialismus 23,6%; - Tugendethik 18,2%. Zur Metaethik waren die Ergebnisse moralischer Realismus 56,4%; - moralischer Anti-Realismus 27,7%. Zum moralischen Urteilsvermögen: Kognitivismus 65,7%; - Nicht-Kognitivismus 17,0% (Bourget und Chalmers 2009(1)) >Normen/Normativität/Superintelligenz/Bostrom, >Ethik/Superintelligenz/Yudkowsky. Morality models: I 259 Def CEV/Yudkowsky: Unser "kohärentes extrapoliertes Wollen" ist der Wunsch den wir hätten, wenn wir mehr wüssten, schneller dächten, mehr die Menschen wären, die wir gerne wären, wenn wir weiter zusammenwachsen würden; wo die Extrapolation konvergiert statt divergiert, wo unsere Wünsche kohärent sind statt sich zu stören; wenn sie extrapoliert würden, wie wir es wünschen, dass extrapoliert wird und interpretiert würden, wie wir es wünschen. I 266 VsCEV/Bostrom: stattdessen: Moralische Richtigkeit / MR/Bostrom: (...) bauen wir eine KI mit dem Ziel auf, das moralisch Richtige zu tun, wobei die KI sich auf ihre überlegenen kognitiven Fähigkeiten stützt, um herauszufinden, welche Handlungen genau auf diese Beschreibung passen. Wir können diesen Vorschlag "moralische Richtigkeit" (MR) nennen. Die Idee ist, dass wir Menschen ein unvollkommenes Verständnis davon haben, was richtig und was falsch ist (...) ((s)VsBostrom: Damit wird menschliche Verantwortung delegiert und letztlich davon ausgegangen, dass menschliche Entscheidungen nur vorläufig sind, bis nicht-menschliche Entscheidungen getroffen werden). I 267 BostromVsYudkowsky: MR würde verschiedene freie Parameter in der CEV abschaffen, wie z.B. den Grad der Kohärenz zwischen den extrapolierten Willensäußerungen, der erforderlich ist, damit die KI auf das Ergebnis reagieren kann, die Leichtigkeit, mit der eine Mehrheit abweichende Minderheiten überstimmen kann, und die Art des sozialen Umfelds, innerhalb dessen unser extrapoliertes Selbst "weiter zusammenwachsen" soll. BostromVsMR: Problem: 1. die MR scheint auch einige Nachteile zu haben. Sie stützt sich auf den Begriff "moralisch richtig", einen notorisch schwierigen Begriff (...). I 268 2. (...) [MR] gibt uns vielleicht nicht das, was wir wollen oder was wir wählen würden, wenn wir klüger und besser informiert wären. Lösung/Bostrom: Ziel für KI: MP: Unter den Handlungen, die für die KI moralisch zulässig sind, nehme die KI eine, die der CEV der Menschheit vorziehen würde. Wenn jedoch ein Teil dieser Anweisung keine genau spezifizierte Bedeutung hat, oder wenn wir über ihre Bedeutung radikal uneins sind, oder wenn der moralische Realismus falsch ist, oder wenn wir bei der Schaffung einer KI mit diesem Ziel moralisch unzulässig gehandelt haben, dann unterziehe die KI sich einer kontrollierten Abschaltung.(*) Die KI folge der beabsichtigten Bedeutung dieser Anweisung. I 373 (Anmerkung) *Def Moralische Zulässigkeit/Bostrom: Wenn die KI die moralische Zulässigkeit unserer Handlung zur Schaffung der KI bewertet, sollte sie die Zulässigkeit in ihrem objektiven Sinne interpretieren. In einem gewöhnlichen Sinne von "moralisch zulässig" handelt eine Ärztin oder ein Arzt moralisch zulässig, wenn sie oder er ein Medikament verschreibt, von dem sie oder er glaubt, dass es ihre oder seine Patientin heilen wird - selbst wenn die Patientin oder der Patient, ohne dass die Ärztin oder der Arzt es weiß, allergisch gegen das Medikament ist und infolgedessen stirbt. Die Konzentration auf die objektive moralische Zulässigkeit macht sich die vermutlich überlegene erkenntnistheoretische Position der KI zunutze.. ((s)VsBostrom: Der letzte Satz (Salvatorische Klausel: "Die KI folge der beabsichtigten Bedeutung dieser Anweisung") ist zirkulär, insbesondere wenn es keine Personen mehr in Entscheidungspositionen gibt, die dagegen Einspruch erheben könnten. >Ziele/Superintelligenz/Bostrom I 312 Def Gemeinwohlprinzip/Bostrom: Superintelligenz sollte nur zum Wohle der gesamten Menschheit und im Dienste weit verbreiteter ethischer Ideale entwickelt werden. I 380 Diese Formulierung soll so gelesen werden, dass sie eine Vorschrift einschließt, dass das Wohlergehen von nichtmenschlichen Tieren und anderen fühlenden Wesen (einschließlich des digitalen Verstandes), die existieren oder entstehen könnten, gebührend berücksichtigt wird. Sie soll nicht als Lizenz für einen KI-Entwickler gelesen werden, seine oder ihre eigenen moralischen Intuitionen durch die der breiteren moralischen Gemeinschaft zu ersetzen. 1. Bourget, David, and Chalmers, David. 2009. “The PhilPapers Surveys.” November. Available at http://philpapers.org/surveys/ |
Bostrom I Nick Bostrom Superintelligence. Paths, Dangers, Strategies Oxford: Oxford University Press 2017 |
| Ethik | Jonas | Brocker I 608 Ethik/Jonas: Jonas These: Die veränderte Beschaffenheit des menschlichen Handelns heute mache »eine Änderung in der Ethik erforderlich«(1). Zusammenhang: Ende der 1070er bildete sich ein geschärftes ökologisches Bewusstsein heraus, unter anderem angestoßen durch den Bericht des Club of Rome (siehe Fortschritt/Club of Rome) über die Risiken, dass die Menschheit sich selbst auslöschen könnte. Siehe Verantwortung/Jonas, Verpflichtung/Jonas, Natur/Jonas. Ethik/Jonas: der Bereich menschlicher Verantwortung hat sich vom „Nahkreis des Handelns“ (2) ausgedehnt. Durch die moderne Technik jedoch sei eine erweiterte Dimension der Verantwortung entstanden, die sich auf die gesamte Biosphäre erstrecke. Problem: das menschliche Wissen ist der potentiellen Ausdehnung über den eigentlichen Handlungsbereich hinaus, nicht mehr gewachsen. Es entstehe eine »Kluft zwischen Kraft des Vorherwissens und Macht des Tuns« (3). Brocker I 610 „Gebot der Bedächtigkeit“: Das »Gebot der Bedächtigkeit« und der Selbstbeschränkung müsse gegen das »aufs Ganze Gehen« der modernen Technologie in Anschlag gebracht werden (4), »Behutsamkeit« zum Kern unseres alltäglichen Tuns werden (5). An anderer Stelle spricht Jonas auch von der der »Zügelung der Genußgier zur Zügelung unseres [technischen] Könnens und unserer Leistungsfähigkeit übergehen« müssten (6). Ethik/Jonas: es geht Jonas um eine „Ethik( …) der Verhütung und nicht des Fortschritts“. (7) Politik/Jonas: zur Durchsetzung dieser ethischen Imperative setzt Jonas ganz auf die Politik und ihre Zwangsmittel. Erziehung allein sei nicht in der Lage, die ethische Neubesinnung der Menschen zu erreichen. Erforderlich sei, so Jonas, »ein Höchstmaß politisch auferlegter gesellschaftlicher Disziplin« (8), im Sinne einer »Verzichtpolitik« (Jonas 1984, 86), einer »Unterordnung des Gegenwartsvorteils unter das langfristige Gebot der Zukunft« (9). 1. Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation, Frankfurt/M. 1979, S. 15 2. Ebenda S. 23. 3. Ebenda S 28. 4. Ebenda S. 71 5. Ebenda S. 82, 323. 6. Hans Jonas, »Warum wir heute eine Ethik der Selbstbeschränkung brauchen«, in: Elisabeth Ströker (Hg.), Ethik der Wissenschaften? Philosophische Fragen, München/Paderborn u. a. 1984, S. 84f. 7. Jonas, 1979, S. 249. 8. Ebenda S. 255. 9. Ebenda. Manfred Brocker, „Hans Jonas, Das Prinzip Verantwortung“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Jonas I Hans Jonas Das Prinzip Verantwortung. Versuch einer Ethik für die technologische Zivilisation Frankfurt 1979 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Ethik | MacIntyre | Brocker I 657 Ethik/Allgemeinheit/Allgemeingültigkeit/Moderne/MacIntyre: MacIntyre These: das Streben der Ethik der Moderne nach einer Allgemeingültigkeit, die von jeder Besonderheit befreit ist, beruht auf einer Illusion. (MacIntyreVsKant, MacIntyreVsKategorischer Imperativ). >Kategorischer Imperativ, >Tugenden. Tugenden/MacIntyre: These: Tugenden kann man nur als Teil einer Tradition besitzen, in der wir sie und unser Verständnis von ihnen von den Vorfahren übernehmen, an deren Anfang die heroischen Gesellschaften stehen (1). Siehe Antike Philosophie/MacIntyre. 1. Alasdair MacIntyre, After Virtue. A Study in Moral Theory, Notre Dame, Ind. 1981. Dt: Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend. Zur moralischen Krise der Gegenwart. Erweiterte Neuausgabe, Frankfurt/M. 2006 (zuerst 1987) S. 170. Jürgen Goldstein, „Alasdair MacIntyre, Der Verlust der Tugend“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Ethik | Mayr | I 322 Ethik/Biologie/Mayr: Die Autoren sind darüber im Einklang, dass Biologie nicht dafür zuständig ist, ethische Normen zu schaffen. Eine biologische Ethik, die sowohl die kulturelle Evolution als auch das genetische Programm berücksichtigt, wäre konsequenter. Es würde sich nicht von der Evolution ableiten, sondern mit ihr im Einklang stehen. >Evolution, >Normen, >Kultur, vgl. >Wertewandel. |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Ethik | Singer | I XIII Ethik/P. Singer: In der 3. Edition meiner Praktischen Ethik(1) habe ich einen Wandel vollzogen, hin zu einer Ethik, die mehr objektive ethische Wahrheiten annimmt. Das verdanke ich zum Teil der Lektüre von Derek Parfits Buch On what Matters(2). I 4 Ethik/P. Singer: Woher kommt unsere Ethik? Beobachtungen an Tieren wie Schimpansen zeigen, dass höhere Tiere einen Sinn für Reziprozität haben. >Tiere. Natur/P. Singer: Es ist ein Fehler zu glauben, alles Natürliche sei gut und wir müssten nur unseren natürlichen Intuitionen folgen. >Natur, >Intuitionen, >Gut, >Werte. P. Singer: These: Wir haben die Maßstäbe von unseren Vorfahren geerbt. Unsere Aufgabe ist es, herauszufinden, welche davon geändert werden müssen. >Gemeinschaft, >Gesellschaft. I 9 Ethik/P. Singer: Wie können wir unterscheiden zwischen ethischem und unethischem Verhalten? >Ethik. Objektiv können wir unterscheiden, ob jemand nach unseren Konventionen handelt, nach seinen Konventionen, oder nach überhaupt keinen Konventionen. >Objektivität. I 10 Konvention: Ein bloßes Selbstinteresse wird nicht als ethisches Verhalten gelten können. Warum? >Konventionen, Lösung: Ethik muss auf einer breiteren Basis stehen als die Interessen des Individuums. >Verallgemeinerbarkeit, >Universalität, >Interesse. 1.Peter Singer, Practical Ethics, 3rd ed. Cambridge University Press (2011) 2. Derek Parfit, On what Matters, Oxford (2011). |
SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Europa | Fanon | Brocker I 314 Europa/Fanon: These: Die »Dritte Welt« solle Europa endgültig den Rücken kehren. Sie stehe »heute als kolossale Masse Europa gegenüber; ihr Ziel muss es sein, die Probleme zu lösen, die dieses Europa nicht hat lösen können. […] Für Europa, für uns selbst und für die Menschheit (…) müssen wir eine neue Haut schaffen, ein neues Denken entwickeln, einen neuen Menschen auf die Beine stellen«(1). 1. Frantz Fanon, Die Verdammten dieser Erde, Reinbek 1969 (zuerst 1961). S. 241f. Andreas Eckert, „Aimé Césaire, Über den Kolonialismus (1950)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018. |
PolFanon I Frantz Fanon Die Verdammten dieser Erde Reinbek 1969 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Europa | Post-Kommunistische Länder | Krastev I 9 Europa/Post-Kommunistische Länder/Krastev: (...) Die angeblich demokratisierten mittel- und osteuropäischen Länder waren, um die Bedingungen für eine EU-Mitgliedschaft zu erfüllen, gezwungen, eine Politik zu betreiben, die von nicht gewählten Bürokraten aus Brüssel und internationalen Kreditorganisationen formuliert wurde(1). Krastev I 10 Die zentrale Klage, die die antiliberale Politik in der Region heute motiviert, besteht darin, dass der Versuch, ehemals kommunistische Länder zu demokratisieren, auf eine Art kulturelle Konversion zu Werten, Gewohnheiten und Einstellungen abzielte, die im Westen als "normal" gelten. >Imitation/Krastev. 1. Gefangen in seinem wirtschaftszentrierten Politikverständnis, findet Brüssel den messianischen Provinzialismus in Budapest und Warschau leicht lächerlich, aber fast unmöglich zu verstehen. Für die europäischen Bürokraten hat die Tatsache, dass Polen und Ungarn zu den größten Nettoempfängern von EU-Geldern gehören, ihre Revolte gegen die EU völlig irrational erscheinen lassen. Im Jahr 2016 erhielt Ungarn z.B. 4,5 Milliarden Euro an europäischen Geldern, was 4 Prozent der Wirtschaftsleistung des Landes entspricht. Polen erhielt mehr als 11 Milliarden Euro. Dass solche ausnahmsweise begünstigten Empfänger kein Recht haben, sich zu beschweren, ist die Grundprämisse der EU-Ostpolitik, so wie sie ist. |
Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Europa | Rousseau | Höffe I 280 Europa/Rousseau/Höffe: [Rousseau] beschreibt(1) das europäische Staatensystem Höffe I 281 als ein unruhig stabiles Gleichgewicht, das ohne Zuhilfenahme einer politischen Kunst nicht zu überwinden ist. In einer Zwischenbilanz hält Rousseau drei seines Erachtens unbestreitbare Wahrheiten fest: dass zwischen allen Völkern Europas, «die Türken ausgenommen», enge, wenn auch unvollkommene Verbindungen bestehen; dass die Unvollkommenheit zum gegenwärtigen Elend beiträgt, es aber auch zu überwinden erlaubt. >Völkerbund/Rousseau. 1. Abbé Castel de Saint-Pierres Planfür einen ewigen Frieden in Europa (Projet pour rendre la paix perpétuelle en Europe, 1—11: 1713, Ill: 1717), verfasst Rousseau einen längeren Auszug (Extrait), den er im selben Jahr 1756 um ein kürzeres Urteil über den ewigen Frieden (Jugement sur la paix perpétuelle) ergänzt (...). |
Rousseau I J. J. Rousseau The Confessions 1953 |
| Evenly Rotating Economy | Schumpeter | Rothbard III 449 Gleichmäßig rotierende Wirtschaft/Zinsen/Schumpeter/Rothbard: (...) Joseph Schumpeter war der Wegbereiter einer Zinstheorie, die besagt, dass der Zinssatz in der gleichmäßig rotierenden Wirtschaft gleich Null sein wird. >Gleichmäßig rotierende Wirtschaft (ERE)/Rothbard. RothbardVsSchumpeter: Es sollte klar sein, (...) warum der Zinssatz (der reine Zinssatz in der ERE) niemals Null sein kann. Er wird durch individuelle Zeitpräferenzen bestimmt, die alle positiv sind. Um seine Position aufrechtzuerhalten, war Schumpeter gezwungen, wie Frank Knight zu behaupten, dass sich das Kapital dauerhaft in der ERE hält. >Frank H. Knight. Wenn es kein Problem der Kapitalerhaltung gibt, dann scheint es auch keine Notwendigkeit für die Zahlung von Zinsen zu geben, um die Kapitalstruktur zu erhalten. Rothbard III 450 Diese Ansicht (...) ist offenbar aus dem statischen Zustand von J.B. Clark abgeleitet und scheint rein per Definition zu folgen, da der Wert des Kapitals per Definition in der ERE erhalten bleibt. Aber das ist natürlich überhaupt keine Antwort; die wichtige Frage ist: Wie wird diese Konstanz aufrechterhalten? Und die einzige Antwort kann sein, dass sie durch die Entscheidungen der Kapitalisten aufrechterhalten wird, die durch einen Zinsertrag induziert werden. Wäre der gezahlte Zinssatz gleich Null, würde es zu einer vollständigen Kapitalverzehrung kommen.(1) Die schlüssige Mises-Robbins-Kritik an Schumpeters Theorie des Nullzinses, die wir oben darzustellen versucht haben, wurde von zwei Schumpeter-Schülern angegriffen.(2) SchumpeterVsVs: Erstens bestreiten sie, dass die Konstanz des Kapitals in Schumpeters ERE per Definition vorausgesetzt wird; stattdessen wird sie „aus den Bedingungen des Systems abgeleitet“. Was sind diese Bedingungen? Da ist zunächst die Abwesenheit von Unsicherheit über die Zukunft. Dies scheint in der Tat die Voraussetzung für jede ERE zu sein. Aber Clemence und Doody fügen hinzu: „Es gibt auch keine Zeitpräferenz, es sei denn, wir führen sie als eine spezielle Annahme ein; in diesem Fall kann sie entweder positiv oder negativ sein, je nachdem, was wir bevorzugen, und es gibt nichts weiter zu diskutieren.“ Bei einer solchen Auffassung von Zeitpräferenz gibt es tatsächlich nichts zu diskutieren. Die gesamte Grundlage für den reinen Zins, der Zinszahlungen erfordert, ist die Zeitpräferenz, und wenn wir beiläufig annehmen, dass die Zeitpräferenz entweder nicht vorhanden ist oder keinen erkennbaren Einfluss hat, dann folgt daraus sehr leicht, dass der reine Zinssatz gleich Null ist. Der „Beweis“ der Autoren besteht einfach darin, die mächtige, universelle Tatsache der Zeitpräferenz zu ignorieren.(3) 1. Siehe Mises, Human Action, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949. Reprinted by the Ludwig von Mises Institute, 1998. S. 527-29. Siehe auch Lionel Robbins, „On a Certain Ambiguity in the Conception of Stationary Equilibrium“ in Richard V. Clemence, ed., Readings in Economic Analysis (Cambridge: Addison-Wesley Press, 1950), I, 176 ff. 2. Richard V. Clemence und Francis S. Doody, Das Schumpetersche System (Cambridge: Addison Wesley Press, 1950), S. 28-30. 3. Wie alle Theoretiker, die versucht haben, die Zeitpräferenz zu leugnen, schieben Clemence und Doody die Kredite der Verbraucher vorschnell beiseite. Wie Frank A. Fetter schon vor Jahren feststellte, kann nur die Zeitpräferenz die Zinsen auf Verbraucher- und Erzeugerkredite in eine einzige einheitliche Erklärung einbeziehen. Verbraucherkredite stehen eindeutig in keinem Zusammenhang mit „Produktivitäts“-Erklärungen für Zinsen und sind offensichtlich auf die Zeitpräferenz zurückzuführen. Vgl. Clemence und Doody, Das Schumpetersche System, S. 29 n. |
EconSchum I Joseph A. Schumpeter Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Evolution | Darwin | Gould II 329 Darwin: 2 Stufen der Evolution 1. zufällige Variationsbreite (Erzeugung von Rohmaterial) 2. Auslese (Selektion) als konventionelle Kraft. Gould II 331 Die offizielle Definition der Evolution/Gould: Def Evolution: "Veränderung der Genfrequenzen in Populationen". (Der Prozess der zufälligen Zu oder Abnahme der Genfrequenz wird Def "Gendrift" genannt.) Die neue Theorie des Neutralismus deutet an, dass viele wenn nicht gar die meisten Gene in individuellen Populationen ihre Häufigkeit primär dem Zufall verdanken. Mayr I 235 Darwin (früh): Anpassungsveränderung. - Vs: Das kann niemals die enorme Vielfalt organischen Lebens erklären, denn es lässt keine Zunahme der Artenzahl zu. Mayr I 236 Darwin/Mayr: Die Entstehung der Arten: 5 Haupttheorien 1. Organismen entwickeln sich im Lauf der Zeit ständig weiter (Evolution als solche). 2. Verschiedene Organismenarten stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab. 3. Arten vervielfachen sich im Lauf der Zeit (Speziation) 4. Evolution erfolgt in Form allmählichen Wandels.(GradualismusVsSaltationismus). 5. Der Evolutionsmechanismus besteht in der Konkurrenz unterzahlreichen einzigartigen Individuen um begrenzte Ressourcen, die zu Unterschieden in Überleben und Fortpflanzung führt (natürliche Selektion). >Selektion. Gould IV 357 Evolution/Darwin: These: Keine innere Dynamik treibt das Leben voran! Wenn die Umwelt sich tatsächlich nicht veränderte, wäre es nicht ausgeschlossen, dass die Evolution knirschend zum Stehen käme! Eigentlich führen die Arten ihr Leben unabhängig voneinander! Ihre wichtigsten Kämpfe führen sie gegen Klimate, geologische und geographische Verhältnisse. (>Arten). |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Evolution | Mayr | I 43 Evolution/Mayr: Einheit der Evolution ist die Population (oder Art) und nicht das Gen oder das Individuum. (MayrVsDawkins). >Arten, >Gene, >R. Dawkins, >Gene/Dawkins, >Evolution/Dawkins. Def Integron/Mayr: Ein Integron ist ein durch Integration untergeordneter Einheiten auf höherer Stufe entstehendes System. Integrons entwickeln sich durch natürliche Selektion. Sie sind auf jeder Stufe angepasste Systeme, weil sie zur Fitness (Eignung) eines Individuums beitragen. >Selektion. I 183 Evolution/Mayr: Art ist die entscheidende Entität der Evolution. I 230 Evolution/Fortschritt/Mayr: Kohäsion: Ausdruck dafür, dass das System der Entwicklung sehr eng geworden ist. Evolution geht in großen, mitgliederreichen Arten sehr langsam voran, in kleinen peripher isolierten Gruppen schnell. >Speziation, > Unterbrochenes Gleichgewicht/Gould, >Punktuelles Gleichgewicht/Gould/Eldredge. Eine Gründerpopulation mit wenigen Individuen und daher nur wenig verborgener genetischer Variation kann leichter einen anderen Genotyp annehmen. Makroevolution: Makroevolution wird am stärksten durch den geographischen Faktor (Isolation) bestimmt. I 234 Evolution/Mayr: drei Konzepte: 1.Sprunghafte Evolution: (Transmutationismus): Typensprung. Selbst nach Darwin konnten einige Forscher (u.a. sein Freund Huxley) der Begriff der natürlichen Selektion nicht akzeptieren und entwickelten saltationistische Theorien. 2.Transformationelle Evolution (Transformationismus) allmähliche Veränderung des Eis zum Organismus. Von Darwin verdrängt. I 235 3. Variationsevolution (Darwin) I 235 Darwin (früh): Anpassungsveränderung. Vs: Anpassung kann niemals die enorme Vielfalt organischen Lebens erklären, denn das lässt keine Zunahme der Artenzahl zu. I 236 Darwin/Mayr: Die Entstehung der Arten: 5 Haupttheorien 1. Organismen entwickeln sich im Lauf der Zeit ständig weiter (Evolution als solche). 2. Verschiedene Organismenarten stammen von einem gemeinsamen Vorfahren ab. 3. Arten vervielfachen sich im Lauf der Zeit (Speziation) 4. Evolution erfolgt in Form allmählichen Wandels.(GradualismusVsSaltationismus). >Gradualismus, >Saltationismus. 5. Der Evolutionsmechanismus besteht in der Konkurrenz unter zahlreichen einzigartigen Individuen um begrenzte Ressourcen, die zu Unterschieden in Überleben und Fortpflanzung führt (natürliche Selektion). >Selektion. I 377 Entstehung des Lebens: chemischer Vorgang, an dem auch Autokatalyse und ein richtungsgebender Faktor beteiligt sind. Präbiotische Selektion. Vgl. >St. Kauffman. I 237 Pasteur: wies Unmöglichkeit der Entstehung von Leben in sauerstoffreicher Atmosphäre nach! 1953 ließ Stanley Miller mit elektrischen Entladungen in einem Glaskolben mit einem Gemisch aus Methan, Ammonium, Wasserstoff und Wasserdampf Aminosäuren, Harnstoff und andere organische Moleküle entstehen. I 238 Proteine, Nukleinsäuren: Diese größeren Moleküle müssen die Organismen selbst bilden. Aminosäuren, Pyrimidine, Puridine müssen nicht von den Organsimen selbst gebildet werden. I 239 Molekularbiologie: Die Molekularbiologie entdeckte, dass selbst bei Bakterien, die ja keinen Zellkern besitzen, der genetische Code derselbe ist wie bei Protisten, Pilzen, Tieren und Pflanzen. I 240 Missing link: Archaeopteryx: halb Vogel halb Reptil. Nicht unbedingt direkter Vorfahr. Speziation: a) dichopatrisch: ein vorher zusammenhängendes Gebiet wird durch eine neue Barriere: Gebirgszug, Meeresarm, Unterbrechung der Vegetation geteilt. b) peripatrisch: neue Gründungspopulaiton entsteht jenseits des ursprünglichen Verbreitungsgebiets. c) sympatrische Speziation: Eine neue Art entsteht aufgrund ökologischer Spezialisierung innerhalb des Verbreitungsgebiets. Darwins Theorie vom Gradualismus. >Gradualismus, I 243 VsGradualismus: Der Gradualismus könne nicht die Entstehung völlig neuer Organe erklären. Problem: Wie kann ein rudimentärer Flügel durch natürliche Selektion vergrößert werden bevor er zum Fliegen tauglich ist? I 244 Darwin: zwei mögliche Lösungen: a) Intensivierung der Funktion: Bsp Augen, Bsp Entwicklung der Vordergliedmaßen von Maulwürfen, Walen, Fledermäusen. b) Funktionsveränderung: Bsp Antennen von Daphia (Wasserfloh): zusätzliche Funktion eines Schwimmpaddels, das unter Selektionsdruck größer und modifiziert wird. Bsp Gould: Federn dienten zunächst wahrscheinlich der Temperaturregelung, bevor irgendein Tier fliegen konnte. Funktion/Biologie: Funktionsverschiedenheiten hängen auch mit Verhaltensmustern zusammen Bsp Putzen des Federkleids. Konkurrierende Theorien zum evolutionären Wandel: I 247 Salationismus: Huxley später Bateson, de Vries, (Mendelisten). Zur saltationistischen Entstehung neuer Arten kommt es bei sexueller Fortpflanzung nur über Poyploidie und einige andere Formen chromosomaler Neustrukturierung (sehr selten). Teleologie: Teleologische Theorien gehen davon aus, dass der Natur ein Prinzip innewohnt: Osborns Aristogenese, Chardins Omega-Prinzip. Dies soll zur Perfektion führen. >Teilhard de Chardin. Lamarcksche Theorien: Änderungen gehen auf Gebrauch und Nichtgebrauch zurück, Umweltbedingungen. Diese Theorie war bis in die 30er Jahre akueptiert! I 248 Def "Weiche Vererbung" (erworbener Merkmale). Wurde durch die Genetik widerlegt. Def "Harte Vererbung" (sogenanntes "Zentrales Dogma"): Die in den Proteinen (dem Phänotyp) enthaltene Information kann nicht an die Nukleinsäuren (den Genotyp) weitergegeben werden! (Erkenntnis der Molekularbiologie). I 256 Makroevolution: Nachdem Saltationismus, weiche Vererbung und Autogenese mit der Evolution widerlegt waren, musste man die die Makroevolution immer mehr als Phänomen auf Populationsebene erklären, als Phänomen, das sich unmittelbar auf Ereignisse und Vorgänge während der Mikroevolution zurückführen ließ. (Speziation: schneller in der Isolation). (>Gould, Eldredge, 1971(1): "unterbrochenes Gleichgewicht", "punctuated equilibrium", Punktualismus). I 281 Neu: Wir wissen heute, dass die Zyklen der Pflanzenfresser diejenigen der Raubfeinde hervorrufen und nicht umgekehrt! Koevolution: Bsp Die Yuccamotte zerstört die Samenanlagen der Pflanze durch ihre Larven, bestäubt aber die Blüten. 1. N. Eldredge, S. J. Gould: Punctuated equilibria: an alternative to phyletic gradualism. In: T. Schopf (Ed), Models in Paleobiology, 82-115, San Francisco, (1972). |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Evolution | McDowell | I 151 Evolution/McDowell: Evolutionstheorie ist ein durchaus fruchtbarer Ansatz zur Erklärung philosophischer Probleme. >Verstehen/McDowell, >Erklärung/McDowell. |
McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell |
| Evolution | McGinn | II 57 Mensch/Evolution/Geist/McGinn: es ist eine merkwürdige Fügung, dass wir die einzige Art auf der Erde sind, die fähig ist, Wissenschaft und Philosophie zu treiben. Es hätte ohne weiteres eine andere Art mit einem gewissen Maß an wissenschaftlichem Talent geben können, etwa auf dem Niveau eines zehnjährigen vielleicht. Oder eine Art, die in Biologie uns überlegen ist, in Physik aber unterlegen usw. Die Art von Intelligenz, die wir haben, ist absolut nicht notwendig für Lebewesen, zu überleben. >Psychologische Theorien über Intelligenz. II 79 Bewusstsein/Evolution/McGinn: Bewusstsein ist nicht die Krönung der Evolution. und auch nicht der beeindruckendste Teil von Organismen-Bauplänen! Es ist biologisch gesehen, vergleichsweise einfach. Es ist Teil unserer ältesten Ausstattung. (Nicht Selbstbewusstsein!). Bewusstsein ist so verbreitet wie Blut und Knochen: Auch Kraken brauchen Bewusstsein zur Interpretation dessen, was sie mit den Augen wahrnehmen. Bewusstsein ist kein Produkt von Kultur oder Zivilisation. (Selbstbewusstsein mag es sein). Das Problem mit dem Bewusstsein ergibt sich aus unserer Art zu denken, nicht aus dem Bewusstsein selbst. >Bewusstsein, >Kultur, >Zivilisation. II 99f Geist/Bewusstsein/Evolution/McGinn: die Evolution erklärt das Bewusstsein nicht! auch nicht Empfindung. Grund: Empfindung und Bewusstsein lassen sich mit den Mittel der Darwinschen Prinzipien und der Physik nicht erklären, denn wenn die Selektion erklären will, wie Empfindungen durch sie entstehen sollen, muss es möglich sein, Geist aus Materie zu formen. ((s) Das Bewusstsein oder Empfindung müsste für die Selektion sichtbar sein! (Ähnlich GouldVsDawkins)) >Selektion, >Darwinismus. |
McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Evolution | Nozick | II 334ff Rationalität/Evolutionstheorie: Die Evolutionstheorie erklärt nicht, warum der physikalische Zustand r Bewegung b verursacht - (wenn der Zustand r der entsprechende rationale Grund und Bewegung b die rationale Handlung ist). >Kausalerklärung, >Handlungen, >Rationalität, vgl. >Anomaler Monismus. Nozick: Wenn r kein rationaler Grund wäre, gäbe es gar keinen Organismus, der dafür selektiert wäre. ((s) Weil irrationale Organismen nicht selektiert werden, könnte man rationales Verhalten nicht als besonderes Verhalten erkennen und beschreiben.) >Gründe, >Begründung, >Grund/Ursache. II 338 Nozick: dennoch: Wenn r nicht rational wäre, wäre der Organismus nicht selektiert worden - "Abwärtskausalität". - Also gibt es doch Rationalität in der Welt. II 342 Evolutionstheorie/Nozick: Die Evolutionstheorie scheint Werte und wertende Tatsachen zu eliminieren. >Werte, >Ethik, >Moral. Selbst wenn Handeln mit Glauben in Verbindung steht, steht es nicht mit wertenden Tatsachen in Verbindung. >Glauben, >Tatsachen. III 343 Stattdessen: "unsichtbare Hand", blinder Mechanismus. - Ethisches Verhalten könnte ererbt sein. Pointe: Das untergräbt nicht die Rolle von ethischen Tatsachen. Erklärung: Individuelles Verhalten wird nicht "blind" erklärt. Lösung: Zusätzlich braucht man Wahrheit zur Erklärung. >Wahrheit, >Erklärung. II 348 Moralische Überzeugung muss letztlich in Verbindung mit seiner Wahrheit stehen - aber das zeigt nicht, dass aus einer erfolgreichen Erklärung der unsichtbaren Hand (blinde Erklärung) nicht folgen könnte, dass es vielleicht gar keine Verbindung mit Richtigkeit gibt. >Richtigkeit. |
No I R. Nozick Philosophical Explanations Oxford 1981 No II R., Nozick The Nature of Rationality 1994 |
| Evolution | Teilhard de Chardin | Gould II 243 Evolution/Mensch/Teilhard/Gould: Teilhards Bestseller war "Le phénomène humain"(1). Spekulationen über die Evolution, die lange von der Kirche unterdrückt worden waren. Sie kamen nach seinem Tod 1955 heraus. (Deutsch: Der Mensch im Kosmos)(2). Das Buch wurde ein Kultbuch der 60er Jahre. Teilhard These: Teilhard glaubte, dass die Evolution in eine bestimmte Richtung ginge. Um das Wesen dieser Bewegung zu verstehen müssen wir nicht an den Ursprung gehen, sondern auf den Schlusspunkt, den Menschen blicken. Das Leben bewegt sich seit allem Anfang in unsere Richtung. Zunehmende Herrschaft des Geistes über die Materie. Sogar Verwandlung der Materie in Psyche. Wir sind untrennbar ein Teil der Natur, weil sich die Natur von allem Anfang an nach uns sehnt. Teilhard: Die Evolution folgt einem bestimmten vorherbestimmten Weg, sie ist also z.B. kein System von Verzweigungen, kein Netzwerk, sondern ein Bündel, das am Ursprung zusammengebunden ist, und im weiteren Verlauf in die gleiche Hauptrichtung geht. Alle verwandten Arten sind parallele Geschlechter, die in ihrem Materie Geist Verhältnis immer "besser" werden. ...die Evolution löst sich in unzählige Linien auf, die in so große Distanzen auseinander gehen, dass sie parallel wirken... GouldVsTeilhard; siehe Mensch/Teilhard. 1. Teilhard de Chardin, Le Phénomène Humain (1955) 2. Teilhard de Chardin, Der Mensch im Kosmos, München (1959). |
Teilhard I Pierre Teilhard de Chardin The Phenomenon of Man New York 1976 Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Evolution | Tomasello | Genz II 173 Mensch/Evolution/Tomasello/Genz: Tomasello These: Alle typisch menschlichen Möglichkeiten beruhen nur auf einem einzigen genetischen Fortschritt. Homo sapiens: Homo sapiens at als einziger die Möglichkeit der Identifikation mit anderen. >Intersubjektivität, >Kommunikation. Genetische Entwicklung: Die Zeit seit dem Auftreten des ersten Menschen vor rund 1 Million Jahren ist für eine genetische Entwicklung viel zu kurz. II 174 Tomasello: These: Nur der Mensch hat die Fähigkeit, äußere Ereignisse durch vermittelnde Absichten oder kausale Kräfte zu verstehen. Dadurch ist er in der Lage, das Verhalten seiner Artgenossen vorherzusagen. >Theory of Mind, >Verhalten. |
Tomasello I Michael Tomasello Die Ursprünge der menschlichen Kommunikation Frankfurt/M. 2011 Gz I H. Genz Gedankenexperimente Weinheim 1999 Gz II Henning Genz Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität München 2002 |
| Evolutionäre Psychologie | Buss | Corr II 171 Evolutionäre Psychologie/EP/Buss/Figueredo: (...) wir können uns eine Masse von Menschen vorstellen, die aus einem brennenden Gebäude durch verschiedene Ausgänge fliehen: Hauptausgänge, Notausgänge, Fenster und Servicetüren. Die Persönlichkeit ist ähnlich. So wie in der Analogie jeder dem brennenden Gebäude entkommen muss, so gibt es den evolutionären Imperativ, sich vor dem Tod fortzupflanzen; und so wie es viele Ausgänge gibt, kann man eine erfolgreiche Fortpflanzung fördern, indem man gesellig und charmant ist wie bei dem sozialen Extravertierten, verbissenen II 172 und ausdauernd wie die überaus gewissenhaften, oder einschmeichelnd und affiliativ wie bei sehr verträglichen Menschen. So haben sich verschiedene Persönlichkeitsstile und -strategien entwickelt, die miteinander um das gleiche Ziel des Überlebens und der Fortpflanzung konkurrieren, jedoch mit unterschiedlichen Mitteln und Wegen der Anpassung. II 173 [Buss] besteht darauf, dass die Evolution die "physiologischen, anatomischen und psychologischen Mechanismen" schmiedet, die Wahl, Neigung, Abneigung und Anziehung beeinflussen. II 175 (...) die neue Wissenschaft der evolutionären Psychologie stellte die emittierten Verhaltensweisen korrekt als das Produkt der Wechselwirkungen zwischen entwickelten psychologischen Mechanismen und spezifischen Reizen aus der Umwelt dar, auf die sie fein abgestimmt waren. II 179 Überleben/Reproduktion: (...) Buss skizzierte acht Erfordernisse des Überlebens und der Reproduktion in jeder adaptiven Landschaft, die von einer großen Dichte von Artgenossen bevölkert ist: (1) erfolgreiche intrasexuelle Konkurrenz, (2) Partnerwahl, (3) erfolgreiche Empfängnis, (4) Bindung an den Partner, (5) Bildung wechselseitiger dyadischer Allianzen, (6) Bildung und Erhaltung von Bündnissen, (7) elterliche Fürsorge und Sozialisierung und (8) Investitionen in außereheliche Verwandtschaft. Es folgt eine Fortsetzung der Behauptung von Buss, dass evolutionäre Psychologie ein fähiger theoretischer Schiedsrichter ist, wenn es darum geht, eine biologisch informierte Art von Ockhams Rasiermesser auf theoretische Ansprüche innerhalb der Persönlichkeitspsychologie anzuwenden. >Persönlichkeit, >Charakterzüge, >Persönlichkeitpsychologie. II 180 Ein häufiges Missverständnis bezüglich der Persönlichkeitsentwicklung, das von Buss (2011)(1) kritisiert wird, ist, dass Selektion als homogenisierende Kraft wirkt, die zu einem einzigen Optimalitätspunkt in der Verteilung des Phänotyps führt. Im Gegensatz dazu sagt die Evolutionstheorie voraus, dass die Lage dieses Punktes je nach der Art des aktiven Selektionsdrucks in Übereinstimmung mit der Beziehung zwischen einer Eigenschaft und ihrer Fitness variiert. II 182 Die von Buss (1991)(2) zusammengefassten alternativen Erklärungen für die Entstehung teilweise vererbbarer Charakterzüge und die Beibehaltung individueller Unterschiede bleiben als Möglichkeiten bestehen, aber die Liste der Alternativen wurde [in einem von Buss und Hawley (2011)(3) herausgegebenen Band] erweitert. So wurde beispielsweise als möglich argumentiert, dass selektive Schwünge innerhalb der letzten mehreren tausend Jahre (...) hinter der großen Variation unter den Menschen stehen. Auch der Genfluss aufgrund beschleunigter Migration von Individuen zwischen menschlichen Populationen ist eine umstrittene Hypothese. Die ausgleichende Selektion, bei der mehrere Phänotypen auf komplementäre Weise adaptiv sind, jeder in einer bestimmten Untergruppe der Artennischen, ist nach wie vor ein Schwerpunkt der Diskussion. >Evolution, >Selektion, >Adaption, >Nischen, >Arten, >Gene, >Vererbbarkeit. 1. Buss, D. (2011). Evolutionary psychology: The new science of the mind (4th ed.). Hove, UK: Psychology Press. 2. Buss, D. M. (1991). Evolutionary personality psychology. Annual Review of Psychology, 42, 459–491. 3. Buss, D. M., & Hawley, P. H. (2011). The evolution of personality and individual differences. New York: Oxford University Press. Figueredo, Aurelio J.; Fernandes, Heitor B. F.; Peñaherrera-Aguirre, Mateo and Hertler, Steven C.: “The Evolution of Personality Revisiting Buss (1991)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 171-190. |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Existentialismus | Beauvoir | Brocker I 300 Existentialismus/Beauvoir: »Unsere Perspektive ist die der existenzialistischen Ethik« (1), erklärt Beauvoir. Freiheit und Transzendenz sind die deskriptiven und normativen Grundbestimmungen dieser Ethik. Transzendenz bezeichnet die menschliche Überschreitungspotenz auf unabschließbare Existenzmöglichkeiten hin. Das Individuum ist frei, insofern es als Entwurf seiner selbst existiert. Brocker I 304 (Zusammenhang: es geht hier um das Geschlechterverhältnis Mann/Frau und die Geschlechterrollen, die vor dem Hintergrund des Existentialismus der Mitte des 20. Jahrhunderts analysiert werden): Beauvoir These: Das Zusammenspiel von weiblicher Selbstaufgabe und männlicher Entfremdung lässt sich von seinen existenzphilosophischen Voraussetzungen her aufklären, insofern nämlich Immanenz und Transzendenz, Faktizität und Freiheit als Grundbestimmungen menschlicher Existenz in einem unhintergehbar spannungsvollen Verhältnis stehen, denn »man kann den immanenten und den transzendenten Aspekt der lebendigen Erfahrung nie trennen« (2). Siehe auch Transzendenz/Existentialismus, Immanenz/Beauvoir, Geschlechterrollen/Beauvoir. 1. Simone de Beauvoir, Le deuxième sexe, Paris 1949. Dt.: Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht. Sitte und Sexus der Frau, Reinbek 2005 (zuerst 1951), S. 25. 2.Ebenda S. 217. Friederike Kuster, „Simone de Beauvoir, Das andere Geschlecht (1949)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Existenz | Boer | I 12 Existenz/Aktualität/aktual sein/Boer: verstehen wir hier als synonym. I 36 Anmerkung: Aktualität/Existenz/Frege/Boer: Wirklichkeit charakterisiert er durch Konkretheit und kausale Verstrickung und behauptet gleichzeitig, dass es nicht-aktuale Objekte wie Zahlen gibt. I 37 Lewis: für ihn existieren nicht-aktuale Dinge in dem Sinn, dass sie nicht zu der Welt gehören, von der aus man das feststellt. |
Boer I Steven E. Boer Thought-Contents: On the Ontology of Belief and the Semantics of Belief Attribution (Philosophical Studies Series) New York 2010 Boer II Steven E. Boer Knowing Who Cambridge 1986 |
| Existenz | Leibniz | Holz I 48/49 Existenz/Welt/außen/Grund/Leibniz: ein zureichender Existenzgrund kann nicht in der Reihe der Tatsachen, aber auch nicht im ganzen Zusammengesetzten gefunden werden! Weil auch die Zusammensetzung, wie die Reihe eines Grundes bedürfen. Leibniz nennt den Existenzgrund "extramundan" weil er nicht innerhalb der Reihe (series reum") gefunden werden kann. >Innen/außen/Leibniz, >Welt/Leibniz. Holz: das heißt aber nicht "außerhalb der Welt"! Wörtlich heißt es: Leibniz: "außer der Welt" gibt es ein beherrschendes Eins. Nicht nur wie die Seele in mir sondern eher wie ich selbst in meinem Körper, aber von viel höherer Vernunft. Existenzgrund/außerhalb/außen/Leibniz: der Grund der Einheit ist die Formbestimmtheit ihrer allseitigen Verknüpfung, nicht die Linearität einer Folge oder Reihe. Insofern liegt der Existenzgrund der Welt (als der Totalität der Verknüpfungen) nicht in der Welt, sondern bedingt sie als Welt. Diese "ultima ratio rerum" "stellt die Welt her und macht sie". Sie ist das verbindende Prinzip. >Ganzes/Leibniz. I 70 Existenz/Leibniz: von ihr können wir keine Idee haben, es sei denn durch die Wahrnehmung des Seienden. Daher ist die Wahrnehmung die formale Einheit und Allgemeinheit aller in sie eingehenden Inhalte. I 71 "Wir haben keine andere Idee der Existenz als die, dass wir einsehen, dass die Dinge wahrgenommen werden". Wahrnehmung/Leibniz: liefert uns nun aber als Selbstwahrnehmung die Idee der Kontinuität und Kontiguität der Existenz als solcher (die uns in der Existenz unserer selbst evident ist). >Wahrnehmung/Leibniz, >Erfahrung/Leibniz. Existenz/Erfahrung/Leibniz: Existenz kann nicht gedacht werden, sie muss erfahren werden, denn der Satz "Das Nichtsein ist" ist widersprüchlich. (Allerdings nur in Bezug auf das Ganze). I 72 Existenz/Notwendigkeit/Identität/Sein/Leibniz: die Sätze "Das Sein ist" und "Nur ein einziges Sein ist notwendig" stehen in einem ganz bestimmten Folgerungsverhältnis (Folgeverhältnis): der Satz "das Sein ist" ist ein identischer Satz, d.h. sein Gegenteil ist widersprüchlich. So fallen hier existentieller und kopulativer (Kopula) Gebrauch von "ist" zusammen. Man könnte auch sagen "Das Sein ist seiend" um deutlich zu machen, dass das Prädikat dem Subjekt notwendig zukommt. Aber: Bsp "Der Stein ist ein seiender Stein": Dieser Satz ist nicht identisch, dem Stein kommt das Sein nicht notwendig zu! Der Stein könnte auch nur gedacht sein. Daher brauchen wir die Wahrnehmung, um von der Existenz überzeugt zu sein. Aber das gilt nicht nur von Körpern, sondern auch von Allgemeinem; Bsp Die Gattung Mensch, sie existiert nicht notwendig! I 73 Die Notwendigkeit der Existenz gilt einzig und allein von der Welt als ganzer. >Notwendigkeit/Leibniz. I 75 Einheit/Substanz/LeibnizVsSpinoza: die ultima ratio ist notwendig nur ein Grund, nicht eine Vielheit, weil er die Struktur des Ganzen ist. Leibniz braucht also die Vielheit der Dinge nicht zu opfern, um zur einen und einzigen Welt zu kommen. An die Stelle der Substanz von Spinoza tritt bei ihm die "harmonie universelle". Existenz/Leibniz: Frage: "Warum gibt es überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts?". Diese Frage bleibt auch noch bestehen, wenn wir die Einheit der Vielheit gesichert haben. Es könnte immer noch nichts geben. I 76 Angenommen, die Dinge müssen existieren, so muss man darüber hinaus den Grund angeben können, warum sie so existieren müssen und nicht anders. I 91 Existenz/Leibniz: "Warum gibt es etwas und nicht vielmehr nichts?" 1. Der Grund, warum etwas existiert liegt in der Natur: die Folge des obersten Prinzips, dass nichts ohne Grund geschieht. 2. Der Grund muss in einem wirklichen Seienden oder in einer Ursache liegen. 3. Dieses Seiende muss aber notwendig sein, sonst müsste nach einer weiteren Ursache gesucht werden. 4. Also gibt es eine Ursache! I 92 5. Diese erste Ursache bewirkt aber auch, dass alles Mögliche ein Streben zur Existenz hat, da kein universeller Grund der Beschränkung auf nur gewisse Mögliche gefunden werden kann. 6. Daher kann gesagt werden, dass alles Mögliche auf seine zukünftige Existenz angelegt sei. (Weil Möglichkeit Streben ist). 7. Daraus folgt aber nicht, dass alles, was möglich ist, auch existiere. Das würde nur folgen, wenn alles miteinander zusammen möglich wäre. 8. Einige Möglichkeiten sind aber mit anderen unvereinbar. 9. So erwächst die Reihe von Dingen, die durch die größte Reihe aller Möglichkeiten existiert. 10. Wie Flüssigkeiten Kugelform (größter Inhalt) annehmen, so existiert in der Natur des Universums eine Reihe mit dem größten Inhalt. 11. Also existiert das Vollkommenste denn Vollkommenheit ist nichts anderes als die Quantität an Sachhaltigkeit. (>Beste aller Welten, Beste Welt). 12. Vollkommenheit ist jedoch nicht allein in der Materie anzusiedeln, sondern in der Form oder Mannigfaltigkeit. I 93 13. Daraus folgt, dass die Materie nicht überall gleichartig ist, sondern durch die Formen sich selbst ungleichartig gemacht wird. (Es folgen weitere 12 Thesen zur bewusstseinstheoretischen Ebene). I 120 Welt/Existenz/Leibniz: ist als Ganzes kontingent. Es ist kein Grund einzusehen, warum diese Welt sein muss. Wir können aber einsehen, dass sie als Totalität alles Wirklichen und Möglichen ist. D.h. das Prinzip der Deduktion scheitert an der ersten Substanz, die nicht mehr intelligibel zu machen ist, bzw. nicht mehr selbst herleitbar ist. I 12 Frage: warum ist überhaupt etwas und nicht vielmehr nichts? Wenn wir auch nicht einsehen können, warum diese Welt ist, so können wir doch einsehen, dass diese Welt möglich ist! Und viele mögliche neben ihr auch. Dann können wir die Frage umformulieren: Warum existiert diese Welt und nicht eine andere? >Möglichkeit/Leibniz, >Mögliche Welt/Leibniz. |
Lei II G. W. Leibniz Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998 Holz I Hans Heinz Holz Leibniz Frankfurt 1992 Holz II Hans Heinz Holz Descartes Frankfurt/M. 1994 |
| Existenzsätze | Millikan | I 203 Existenzaussage/Existenzsatz/Nichtexistenz/Existenz/Repräsentation/Millikan: weder Bsp „x existiert“ noch Bsp „x existiert nicht“ ist eine Repräsentation. Lösung: das Attribut „einen Referenten haben“ ist ein Protoreferent von „existiert“. >Nicht-Existenz, >Existenz, >Referenz. I 204 Existenzaussage/Existenzsatz/Nichtexistenz/Existenz/Millikan: Bsp „Tiger ohne Streifen existieren“, Bsp „Mädchen, die Mathe, aber nicht Geschichte mögen, existieren“ Bsp Rote Kühe existieren nicht“. real value: solche Sätze haben einen real value, oder sie haben keinen. real value: Bsp „Albinoschlagen existieren“ der eingebettete Satz „Schlangen sind albino“ hat als real value alle Weltzustände, die darin bestehen, dass eine individuelle Schlange albino ist. „Albinoschlangen existieren“.: ist ein intentionales Icon, das abbildet, dass der Ausdruck „Albinoschlange“, allein für sich genommen, einen real value hat: der Ausdruckstyp „Albinoschlange“ ist ein Protoreferent des Tokens von „Albinoschlagen“ (Plural) der in „Albinoschlangen existieren“ vorkommt. Aber dieser Protoreferent wird nicht identifiziert! Es ist nicht seine Stabilisierungsfunktion, in einen inneren Term übersetzt zu werden. Innerer Satz: letztlich gibt es einen entsprechenden inneren Satz, ungefähr wie „Einige Schlangen sind albino“. Dieser Satz ist dann repräsentational. Repräsentation; wenn „Albinoschlangen existieren“ repräsentational aufgefasst wird, ist „existiert“ eine Attrappe eines Prädikats (dummy predicate). >Repräsentation/Millikan. I 205 Der gegenwärtige König von Frankreich ist kahl/Millikan: Bsp „Der gegenwärtige König von Frankreich existiert“: ist nicht nur ein falsches intentionales Icon und keine Repräsentation. Es ist falsch, weil es, um seine Eigenfunktion auszuüben es einem Zustand entsprechen müsste, in der „Der gegenwärtige König von Frankreich“ einen Referenten haben müsste, und eine solche Tatsache gibt es nicht., Pointe: aber es sagt nicht, „Der gegenwärtige König“ hätte einen Referent. Wie „Der Nikolaus existiert“ sagt es gar nichts. Stattdessen hat es eine Funktion. >Terminologie/Millikan. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Exklusivrecht | Benkler | Benkler I 49 Exklusivrechte/Benkler: (...) Exklusivrechte verursachen immer eine statische Ineffizienz, d.h. sie erlauben es den Produzenten, positive Preise für Produkte (Informationen) zu berechnen, die keine Grenzkosten haben. Exklusivrechte haben dynamisch eine mehrdeutige Wirkung. Sie erhöhen die erwarteten Erträge aus der Informationsproduktion und sollen dadurch Investitionen in die Informationsproduktion und Innovation anregen. Sie erhöhen aber auch die Kosten für die Informationseingabe. Wenn bestehende Innovationen eher durch Patente geschützt sind, dann werden die derzeitigen Hersteller eher für Innovationen oder Verwendungen bezahlen müssen, die in der Vergangenheit frei zugänglich gewesen wären. Ob insgesamt eine bestimmte regulatorische Änderung, die den Umfang der Exklusivrechte erweitert, verbessert wird oder neue Innovationen untergräbt, hängt davon ab, ob sie angesichts des vorhergehenden Grades der Angemessenheit die Inputkosten mehr oder weniger stark erhöht, als die Aussicht, für die eigenen Ergebnisse bezahlt zu werden. I 50 Starke Exklusivrechte erhöhen die Attraktivität von Strategien auf Basis von Exklusivrechten auf Kosten von Strategien, die nicht urheberrechtlich geschützt sind, unabhängig davon, ob sie marktbasiert oder nicht marktbasiert sind. Sie erhöhen auch den Wert und die Attraktivität der Konsolidierung großer Bestände vorhandener Informationen mit neuer Produktion. >Aneignungsstrategien/Benkler. |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 |
| Exogenes Wachstum | Cassel | Kurz I 258 Wachstum/exogenes Wachstum/Cassel/Kurz: Das von Cassel entworfene Modell des exogenen Wachstums kann als der unmittelbare Ausgangspunkt der Entwicklung der neoklassischen Wachstumstheorie angesehen werden. >Wachstum/Wirtschaftstheorien, >Endogenes Wachstum, >Grenznutzenschule, >Neoklassische Ökonomie, >Exogenes Wachstum. In Kapitel IV von Buch I der Abhandlung (Cassell [1981] 1932)(1) stellte Cassel zwei Modelle vor, eines für eine stationäre Wirtschaft, das andere für eine Wirtschaft, die auf einem stationären Pfad wächst. In seinem ersten Modell nahm Cassel an, dass es z (primäre) Produktionsfaktoren gibt. Die Mengen dieser Ressourcen und damit die Mengen der Dienstleistungen Kurz I 259 die von ihnen erbracht werden, werden als gegeben angenommen. Die in der Volkswirtschaft produzierten Güter sind reine Konsumgüter, d.h. es sind keine produzierten Produktionsmittel oder Investitionsgüter im Modell berücksichtigt. Die Güter werden ausschließlich durch die Kombination von Primärfaktorleistungen zu festen technischen Produktionskoeffizienten hergestellt. Es gibt so viele Ein-Produkt-Produktionsprozesse, wie es zu produzierende Güter gibt; daher gibt es keine Wahl der Technik. Das allgemeine Gleichgewicht ist durch die folgenden Gleichungen gekennzeichnet: (1) Gleichheit von Angebot und Nachfrage für jede Faktorleistung; (2) Gleichheit des Preises eines Gutes und seiner Produktionskosten, d. h. der Summe der Zahlungen für die Faktorleistungen, die bei seiner Produktion anfallen, und damit das Fehlen dessen, was in der Literatur als Gewinn bezeichnet wird; (3) Gleichheit von Angebot und Nachfrage für jedes produzierte Gut, wobei die Nachfrage nach jedem Gut als eine Funktion der Preise aller Güter verstanden wird. Kurz: Die sich daraus ergebenden Gleichungssätze bilden das so genannte „Walras-Cassel-Modell“ (Dorfman et al. 1958: 346)(2). Es erfüllte das damalige Kriterium der Vollständigkeit: Es gibt so viele Gleichungen, wie es Unbekannte gibt, die ermittelt werden müssen. Cassel: Cassel wendet sich dann dem Modell einer gleichmäßig fortschreitenden Wirtschaft zu (das er nur verbal beschreibt). Er führte es wie folgt ein: „Wir müssen nun die Gesellschaft betrachten, die mit gleichmäßiger Geschwindigkeit fortschreitet. In ihr unterliegen die Mengen der Produktionsfaktoren, die in jeder Periode zur Verfügung stehen, einem einheitlichen Anstieg. Wir werden durch [g] die feste Rate dieser Zunahme und des gleichmäßigen Fortschritts der Gesellschaft im allgemeinen darstellen.“ (Cassel [1918] 1932: 152)(1) >Nachfrage/Neoklassiker, >Angebot/Neoklassiker. 1. Cassel, G. (1932) The Theory of Social Economy, revised English translation of the 5th German edition of Cassel (1918), Theoretische Sozialökonomie, by L. Barron, New York: Harcourt Brace. 2. Dorfman, R., Samuelson, P. A. and Solow, R. M. (1958) Linear Programming and Economic Analysis, New York, Toronto and London: McGraw-Hill. Kurz, Heinz D. and Salvadori, Neri. „Endogenous growth in a stylised 'classical' model“.In: Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge. |
Cassel I Gustav Cassel Cassel, G. (1932) The Theory of Social Economy, revised English translation of the 5th German edition of Cassel (1918), Theoretische Sozialökonomie, by L. Barron New York 1932 Kurz I Heinz D. Kurz Neri Salvadori Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015 |
| Experimente | Aronson | Haslam I 246 Experiment/Stereotypen/Aronson, Joshua/Steele: A. In einer ersten Studie (Steele und Aronson, 1995(1)) mussten 117 schwarze und weiße Universitätsstudenten (männlich und weiblich) einen mündlichen Test zusammen mit drei Anagrammproblemen absolvieren. Bevor sie diesen Test durchführten, wurden die Teilnehmer zufällig einem von drei Rahmenbedingungen zugewiesen, welchen sie für diese Aufgabe hören sollten. >Stereotype threat/Aronson/Steele. 1) Im Rahmen des "diagnostischen Tests" (DT) lernten die Teilnehmer, dass sich die Studie mit "verschiedenen persönlichen Faktoren, welche an der Leistung bei Problemen, die Lese- und sprachlogische Fähigkeiten erfordern, beteiligt sind", auseinandersetzt (S. 799). Es wird ein Feedback gegeben, das "Ihnen helfen könnte, indem es Sie mit einigen Ihrer Stärken und Schwächen vertraut macht" (1995, S. 799) bei der verbalen Problemlösung. Die Testschwierigkeit wurde als Mittel gerechtfertigt, um "einen ernsthaften Test Ihrer verbalen Fähigkeiten und Einschränkungen, mit welchem wir die Faktoren, die an beiden beteiligt sind, besser verstehen können", zu stellen (S. 799). Die Annahme, die diese Bedingung untermauert, ist, dass jede Erinnerung an intellektuelle Tests Erinnerungen an die rassischen Stereotypen über intellektuelle Fähigkeiten unter den schwarzen Teilnehmern hervorrufen würde, die ihre Leistung untergraben würden. 2) Zwei "Nicht-diagnostische Tests" (ND) wurden entwickelt, um diese Prozesse zu neutralisieren, indem Haslam I 247 der Sinn der Studie als Möglichkeit dargestellt wurde, "psychologischen Faktoren, die bei der Lösung verbaler Probleme eine Rolle spielen", besser zu verstehen (S. 799). a) Es wird ein Feedback gegeben, um die Teilnehmer mit Problemen vertraut zu machen, die bei zukünftigen Tests, an welchen sie eventuell teilnehmen werden, auftreten können" (S. 799). b) die herausfordernde Natur der Probleme in Hinblick auf einen Forschungsschwerpunkt auf schwierige verbale Probleme im nicht-diagnostischen Zustand gerechtfertigt und darauf begründet wurde, "hochverbalen Menschen... eine mentale Herausforderung" (S. 799) in der nicht-diagnostischen Aufgabe (engl.: non-diagnostic challenge) (NDC) zu geben. Ergebnisse: Analysen der Leistung ergaben lediglich vorläufige Beweise, welche die Theorie unterstützten. Gezielte Analysen der Leistung der schwarzen Teilnehmer deuteten nach der Kontrolle der SAT-Ergebnisse darauf hin, dass die schwarzen Schüler im diagnostischen Zustand signifikant schlechter abschnitten als in einem der beiden nicht-diagnostischen Zustände. Im Vergleich dazu war die Leistung der weißen Schüler von der Art und Weise, wie die Aufgabe beschrieben wurde, relativ unbeeinflusst. Jedoch war der kritische statistische Test der Interaktion der Rasse durch Testbeschreibung nicht signifikant (S. 19). B. Eine zweite Studie versuchte, den Effekt zu replizieren und die Rolle der Angst bei der Erklärung dieser Leistungseinschränkungen zu untersuchen. 20 schwarze und 20 weiße weibliche Teilnehmer wurden den gleichen nicht-diagnostischen und diagnostischen Testbedingungen zugeordnet, die in Studie A verwendet wurden, und verbrachten 25 Minuten damit, den gleichen 30-Item GRE-Test zu lösen, der in der Vorstudie verwendet wurde. Die Teilnehmer berichteten zudem selbst über ihr Angstniveau. In dieser Studie war die vorhergesagte Interaktion signifikant: Wenn sie für verbale SAT (Scholastic Assessment Test) Ergebnisse kontrolliert wurden, lösten schwarze Teilnehmer im diagnostischen Testrahmenzustand weniger Einheiten korrekt, waren weniger genau bei den Fragen, die sie abgeschlossen hatten, lösten weniger Probleme und waren tendenziell langsamer als Teilnehmer unter allen anderen Bedingungen. Es gab jedoch keine Unterschiede zwischen den Bedingungen bezüglich der Angst. C. Studie 3 wurde entworfen, um drei Implikationen der Theorie zu testen: dass schwarze Studenten, die einen diagnostischen (vs. nicht-diagnostischen) Test durchführen (a) eine erhöhte Aktivierung negativer rassischer Stereotypen und Selbstzweifel aufweisen, (b) sich von schwarzen Stereotypen distanzieren und c) eine Tendenz zur Selbstbeeinträchtigung aufweisen, indem sie präventive Ausreden für schlechte Leistungen finden. 35 schwarze und 33 weiße Schüler wurden zufällig einem diagnostischen Testrahmen, einem nicht-diagnostischen Testrahmen oder einer Kontrollbedingung zugeordnet, bei der die Teilnehmer die kritische abhängige Maßnahme abgeschlossen haben, ohne zu erwarten, an einen Test irgendeiner Art teilzunehmen. Die Testleistung wurde nicht bewertet. Die Vermeidung von Stereotypen wurde bewertet, indem die Teilnehmer eine Reihe von Aktivitäten und Persönlichkeitsmerkmalen bewerteten, von denen einige mit schwarzen Stereotypen in Verbindung standen. Haslam I 248 Ergebnisse: Die Ergebnisse dieser Studie lieferten Beweise dafür, dass die Antizipation der Leistung bei einem diagnostischen Test eine Vielzahl von psychologischen Implikationen für schwarze, nicht aber für weiße Schüler hatte. Kontrolliert nach den verbalen SAT-Ergebnisse (Scholastic Assessment Test) zeigte sich, dass die schwarzen Teilnehmer, die einen Diagnosetest erwarteten, Wortfragmente eher mit rassenbezogenen (...) und selbstzweifelbehafteten (...) Wörtern vervollständigten als die schwarzen Teilnehmer in den anderen Bedingungen (und eher als die weißen Teilnehmer in den diagnostischen Bedingungen). Es war bei diesen Teilnehmern zudem deutlich wahrscheinlicher, dass sie es vermeiden würden, stereotype Aktivitäten und Eigenschaften zu unterstützen. D. In einer vierten Studie musste die Hälfte der Teilnehmer ihre Rasse angeben, die andere Hälfte nicht. Ergebnis: Schwarze Teilnehmer in der Race Prime Condition beantworteten deutlich weniger Items korrekt als die Teilnehmer in allen anderen Bedingungen (wiederum kontrolliert nach der vorherige SAT-Punktzahl). Sie schienen die Fragen in der Race Prime Condition zudem methodischer anzugehen - sie vervollständigten weniger Items, vermeideten Vermutungen, aber arbeiteten trotzdem etwas weniger präzise. Es wurden keine Unterschiede für den berichteten Aufwand und die Leistungseinschätzungen festgestellt, aber eine im Diskussionsabschnitt berichtete Folgestudie ergab, dass das Priming von Rasse die Angst für schwarze Teilnehmer im Vergleich zu weißen Teilnehmern erhöht haben könnte. Interpretation/Steele/Aronson: Die Prüfung ihrer Fähigkeiten erinnert schwarze Schüler an negative Rassenstereotypen und motiviert sie, sich von ihnen zu distanzieren. Sie könnten von größeren Gefühlen des Selbstzweifels (und vielleicht auch der Angst) geplagt werden und versuchen, sich aufgrund potenziell schlechter Leistungen selbst zu behindern. >Leistungsfähigkeit. 1. Steele, C.M. and Aronson, J. (1995) ‘Stereotype threat and the intellectual test performance of African-Americans’, Journal of Personality and Social Psychology, 69: 797—811. Toni Schmader and Chad Forbes, “Stereotypes and Performance. Revisiting Steele and Aronson’s stereotypes threat experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Experimente | Bacon | Gadamer I 354 Experiment/Bacon/Gadamer: Die Methode, die Bacon fordert, nennt er selbst eine experimentelle.(1) Dabei ist aber zu bedenken, dass das Experiment bei Bacon nicht immer nur die technische Veranstaltung des Naturforschers meint, der unter Isolierenden Bedingungen Abläufe künstlich herbeiführt und messbar macht. Experiment ist vielmehr auch und vor allem die kunstvolle Leitung unseres Geistes, der verhindert wird, sich voreiligen Verallgemeinerungen zu überlassen, und der bewusst die Beobachtungen, die er an der Natur anstellt, zu variieren, bewusst die entlegensten, scheinbar am meisten voneinander abstehenden Fälle zu konfrontieren, und so schrittweise und kontinuierlich auf dem Wege eines Ausschließungsverfahrens zu den Axiomata zu gelangen lernt.(2) >Induktion/Bacon; ((s) Vgl. >Gedankenexperimente). 1. F. Bacon, Nov. Org. 20ff vgl. insbesondere die „distributio operis«. 2. A.a.O. 1,22, 08 |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Experimente | Dupré | Perler I 298 Experiment/Forschung/Sprache/Tier/Interpretation/Dupré: Es ist umstritten, ob die Affen a) Nur simpel konditioniert werden a la Skinner, so dass sie gewünschte Resultate hervorbringen. D.h. der Affe tut im Wesentlichen das gleiche, wie die Ratte, die einen Hebel drückt. ((s):Das könnte doch genauso gut als Symbolverwendung interpretiert werden?). D.h. Es wird behauptet, dass der Affe nicht weiß, dass ein (von ihm verwendetes) Zeichen z.B. "Banane" bedeutet. Dann wäre das Zeichen "Gib mir eine Banane“ das gleiche, wie den Baum zu schütteln, damit welche runterfallen. b) Eigentliche Verwendung von Symbolen. Das muss noch nicht heißen, dass die Affen alle Fähigkeiten besitzen, die wir in dem Zusammenhang haben. >Tiere, >Tiersprache. I 299 Bsp Affen können lernen, Äußerungen zu produzieren, die für verschiedene Nahrungsmittel geeignet sind. Aber sie scheinen umgekehrt nicht darauf antworten zu können, wenn sie diese Gegenstände aussortieren sollen! Eine ähnliche Trennung von Produktion und Rezeption ist bei Kindern festgestellt worden. Allerdings ist das nur die Ausnahme, die meisten Affen können sehr gut verallgemeinern. Bsp angeblich kann ein Gorilla von Patterson aus der Vergangenheit berichten und Drohungen sowie Beleidigungen ausstoßen: Bsp Tod: "Angenehm, Heia, Nest" "Wann Gorillas sterben?" "Problem alt". Dupré: Das sind sicher mehr als konditionierte Reflexe. >Konditionierung. I 300 Experiment/Forschung/Sprache/Tier/Interpretation/Dupré: a) Gebärdensprachen: Gardners, Terrace, Patterson, Fouts: Ebene der Kommunikation möglichst hoch angesetzt.. Kommunikative Absicht übersteigt "wörtliche" Interpretation. b) Künstliche Sprachen: Premack, Rumbaugh: Möglichkeit, saubere Daten zu gewinnen hat Priorität. Mögliches Verhalten wird eng begrenzt. Deshalb nur wenige Zeichen. >Gesten. Dupré: Diese Dichotomie ist eigentlich eine Karikatur: denn die Vertreter von b) kritisieren einerseits die affektiven Bindungen, und gestehen spontanen Äußerungen besondere Bedeutung zu. Andererseits sind die Vertreter von a) streng mit den Tests. I 308 Doppelblind-Versuch: auch der Beobachter kennt die korrekte Antwort nicht. I 309 Dupré: Aber auch hier kann die gewünschte Antwort suggeriert werden, wenn der blinde Beobachter herauszubekommen wünscht, was das Tier "meint" Methode/Ockhams Rasiermesser/Tier/Experiment/Dupré: Verpflichtung zu sparsamer Erklärung: beschneidet die Behauptungen der Affenforscher angeblich in zwei Richtungen: 1. Wenn es einen Kanal gibt, durch den der Beobachter den Affen zur korrekten Antwort gebracht haben könnte, I 310 Dann wir angenommen, dass die Annahme, dass genau dies passiert ist, sparsamer als die, dass der Affe eine Fähigkeit gezeigt hat. 2. Ockhams Rasiermesser wird meist gegen die Annahme kreativen Sprachgebrauchs bei den Affen angeführt. Annahme eines Irrtums sei sparsamer. I 311 DupréVsOckham: Sparsamkeit ist kaum ein objektives, theorie-unabhängiger Begriff. Warum ist es sparsamer, einen komplexen und versteckten Kommunikationskanal anzunehmen, als davon auszugehen, dass der Affe weiß, was er tut? "Kluger Hans"/Dupré: Das Beispiel des Klugen Hans zeigt eben auch, dass es ein hohes Maß an Kommunikation zwischen Mensch und Tier gibt. (s) Das kann man auch "Zeichenverwendung" nennen, wenn das Tier es offensichtlich richtig versteht.) I 312 Tritt typischerweise bei Tätigkeiten auf, bei denen es richtige oder falsche Antworten gibt. Pointe: das sind ironischerweise gerade die Experimente, die eindeutige Daten liefern sollen. Aber wenn der Affe neue, unerwartete Äußerungen produziert, dann kann die Kritik gerade nicht greifen! Ironischerweise sind es gerade die stereotypen Reaktionen, die im Verdacht stehen, manipuliert zu sein! >Stereotype, >Manipulation. I 313 Methode/Primatenforschung/Dupré: Vielleicht sind diese Normen der Tierforschung gerade nicht angemessen. John Dupré Gespräche mit Affen Reflexionen über die wissenschaftliche Erforschung der Sprache in D. Perler/M. Wild (Hg.) Der Geist der Tiere, Frankfurt 2005 |
Dupré I John Dupré "Conversations with Apes. Reflections on the Scientific Study of Language", in: Investigating Psychology. Sciences of the Mind after Wittgenstein, J. Hyman (Ed) London/New York 1991, pp. 95-116 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Perler I Dominik Perler Markus Wild Der Geist der Tiere Frankfurt 2005 |
| Experimente | Proust | I 237 Tier/Experiment/Methode/HeyesVsCheney/Seyfarth/Proust: schlechte Methode: "Fallen stellen": a) Weibchen für ihre Jungen sichtbar b) nicht sichtbar, Warnrufe. Ergebnis: in unterschiedlichen Situationen ändert sich die Frequenz der Schreie nicht. Daher könnte man denken, dass Meerkatzen keinen allgemeinen Begriff für Wissen haben, da ein anderer erworben hat. HeyesVs: Dieses negative Resultat beweist überhaupt nichts. Ein positives hätte wiederum entweder in Bezug auf das Vorhandensein von assoziativem Lernen oder auf eine geistige Zuschreibung interpretiert werde können. Jedenfalls zeigt das negative, dass die Weibchen eine Situation, in der die Jungen Gefahr oder Belohnung ignorieren, nicht von einer unterschieden zu haben scheinen, in der sie dies beachten. >Lernen, >Assoziatives Lernen. Triangulation/Tier/Experiment/Proust: Heyes: Triangulation erlaubt, Indizien für Geist klarer zu erkennen. Bsp Hier hat man nach einer Lernphase die Rollen der Trainer vertauscht. Dann haben die Tiere keine visuellen Indizien. Dennoch übertragen sie die Unterscheidungen. >Triangulation. Die Forscher gelangten damals zu dem Schluss, dass die Schimpansen "die visuelle Perspektive eines anderen repräsentieren" könnten. Vgl. >Theorie des Geistes. Vs: Eine spätere Studie ließ sie ihre Meinung radikal revidieren: Junge Schimpansen unterscheiden überhaupt nicht zwischen den Trainern! Bsp Ein Trainer mit Eimer über dem Kopf, andere mit Eimer über der Schulter, ein Trainer mit dem Rücken zum Tier, einer mit dem Gesicht zum Tier. I 239 Fazit: Das vorausgegangene Lernen genügte zur Erklärung, warum die Schimpansen gewisse Kommunikationshaltungen bevorzugen. Es scheint nicht der Fall zu sein, dass eine dazwischenliegende psychologische Variable - das Verstehen des Sehens als Erkenntnisquelle - eine Rolle im Verhalten spielt. >Verhalten, >Sehen, >Tiere. "Aufmerksames Hinsehen" ist für die Schimpansen nur eine Bewegungsassoziation, kein Prozess des Erkenntniserwerbs. >Erkennen, >Erkenntnis, >Erkenntnistheorie. Joelle Proust Das intentionale Tier in D. Perler/M. Wild (Hg) Der Geist der Tiere Frankfurt/M. 2005 |
Proust I Joelle Proust "L’animal intentionnel", in: Terrain 34, Les animaux, pensent-ils?, Paris: Ministère de la Culture/Editions de la maison des Sciences de l’Homme 2000, pp. 23-36 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Experimente | Steele | Haslam I 246 Experiment/Stereotypen/Aronson, Joshua/Steele: A. In einer ersten Studie (Steele und Aronson, 1995(1)) mussten 117 schwarze und weiße Universitätsstudenten (männlich und weiblich) einen mündlichen Test zusammen mit drei Anagrammproblemen absolvieren. Bevor sie diesen Test durchführten, wurden die Teilnehmer zufällig einem von drei Rahmenbedingungen zugewiesen, welchen sie für diese Aufgabe hören sollten. >Stereotype threat/Aronson/Steele. 1) Im Rahmen des "diagnostischen Tests" (DT) lernten die Teilnehmer, dass sich die Studie mit "verschiedenen persönlichen Faktoren, welche an der Leistung bei Problemen, die Lese- und sprachlogische Fähigkeiten erfordern, beteiligt sind", auseinandersetzt (S. 799). Es wird ein Feedback gegeben, das "Ihnen helfen könnte, indem es Sie mit einigen Ihrer Stärken und Schwächen vertraut macht" (1995, S. 799) bei der verbalen Problemlösung. Die Testschwierigkeit wurde als Mittel gerechtfertigt, um "einen ernsthaften Test Ihrer verbalen Fähigkeiten und Einschränkungen, mit welchem wir die Faktoren, die an beiden beteiligt sind, besser verstehen können", zu stellen (S. 799). Die Annahme, die diese Bedingung untermauert, ist, dass jede Erinnerung an intellektuelle Tests Erinnerungen an die rassischen Stereotypen über intellektuelle Fähigkeiten unter den schwarzen Teilnehmern hervorrufen würde, die ihre Leistung untergraben würden. 2) Zwei "Nicht-diagnostische Tests" (ND) wurden entwickelt, um diese Prozesse zu neutralisieren, indem Haslam I 247 der Sinn der Studie als Möglichkeit dargestellt wurde, "psychologischen Faktoren, die bei der Lösung verbaler Probleme eine Rolle spielen", besser zu verstehen (S. 799). a) Es wird ein Feedback gegeben, um die Teilnehmer mit Problemen vertraut zu machen, die bei zukünftigen Tests, an welchen sie eventuell teilnehmen werden, auftreten können" (S. 799). b) die herausfordernde Natur der Probleme in Hinblick auf einen Forschungsschwerpunkt auf schwierige verbale Probleme im nicht-diagnostischen Zustand gerechtfertigt und darauf begründet wurde, "hochverbalen Menschen... eine mentale Herausforderung" (S. 799) in der nicht-diagnostischen Aufgabe (engl.: non-diagnostic challenge) (NDC) zu geben. Ergebnisse: Analysen der Leistung ergaben lediglich vorläufige Beweise, welche die Theorie unterstützten. Gezielte Analysen der Leistung der schwarzen Teilnehmer deuteten nach der Kontrolle der SAT-Ergebnisse darauf hin, dass die schwarzen Schüler im diagnostischen Zustand signifikant schlechter abschnitten als in einem der beiden nicht-diagnostischen Zustände. Im Vergleich dazu war die Leistung der weißen Schüler von der Art und Weise, wie die Aufgabe beschrieben wurde, relativ unbeeinflusst. Jedoch war der kritische statistische Test der Interaktion der Rasse durch Testbeschreibung nicht signifikant, p < .19. B. Eine zweite Studie versuchte, den Effekt zu replizieren und die Rolle der Angst bei der Erklärung dieser Leistungseinschränkungen zu untersuchen. 20 schwarze und 20 weiße weibliche Teilnehmer wurden den gleichen nicht-diagnostischen und diagnostischen Testbedingungen zugeordnet, die in Studie A verwendet wurden, und verbrachten 25 Minuten damit, den gleichen 30-Item GRE-Test zu lösen, der in der Vorstudie verwendet wurde. Die Teilnehmer berichteten zudem selbst über ihr Angstniveau. In dieser Studie war die vorhergesagte Interaktion signifikant: Wenn sie für verbale SAT (Scholastic Assessment Test) Ergebnisse kontrolliert wurden, lösten schwarze Teilnehmer im diagnostischen Testrahmenzustand weniger Einheiten korrekt, waren weniger genau bei den Fragen, die sie abgeschlossen hatten, lösten weniger Probleme und waren tendenziell langsamer als Teilnehmer unter allen anderen Bedingungen. Es gab jedoch keine Unterschiede zwischen den Bedingungen bezüglich der Angst. C. Studie 3 wurde entworfen, um drei Implikationen der Theorie zu testen: dass schwarze Studenten, die einen diagnostischen (vs. nicht-diagnostischen) Test durchführen (a) eine erhöhte Aktivierung negativer rassischer Stereotypen und Selbstzweifel aufweisen, (b) sich von schwarzen Stereotypen distanzieren und c) eine Tendenz zur Selbstbeeinträchtigung aufweisen, indem sie präventive Ausreden für schlechte Leistungen finden. 35 schwarze und 33 weiße Schüler wurden zufällig einem diagnostischen Testrahmen, einem nicht-diagnostischen Testrahmen oder einer Kontrollbedingung zugeordnet, bei der die Teilnehmer die kritische abhängige Maßnahme abgeschlossen haben, ohne zu erwarten, an einen Test irgendeiner Art teilzunehmen. Die Testleistung wurde nicht bewertet. Die Vermeidung von Stereotypen wurde bewertet, indem die Teilnehmer eine Reihe von Aktivitäten und Persönlichkeitsmerkmalen bewerteten, von denen einige mit schwarzen Stereotypen in Verbindung standen. Haslam I 248 Ergebnisse: Die Ergebnisse dieser Studie lieferten Beweise dafür, dass die Antizipation der Leistung bei einem diagnostischen Test eine Vielzahl von psychologischen Implikationen für schwarze, nicht aber für weiße Schüler hatte. Kontrolliert nach den verbalen SAT-Ergebnisse (Scholastic Assessment Test) zeigte sich, dass die schwarzen Teilnehmer, die einen Diagnosetest erwarteten, Wortfragmente eher mit rassenbezogenen (...) und selbstzweifelhafteten (...) Wörtern vervollständigten als die schwarzen Teilnehmer in den anderen Bedingungen (und eher als die weißen Teilnehmer in den diagnostischen Bedingungen). Es war bei diesen Teilnehmern zudem deutlich wahrscheinlicher, dass sie es vermeiden würden, stereotype Aktivitäten und Eigenschaften zu unterstützen. D. In einer vierten Studie musste die Hälfte der Teilnehmer ihre Rasse angeben, die andere Hälfte nicht. Ergebnis: Schwarze Teilnehmer in der Race Prime Condition beantworteten deutlich weniger Items korrekt als die Teilnehmer in allen anderen Bedingungen (wiederum kontrolliert nach der vorherige SAT-Punktzahl). Sie schienen die Fragen in der Race Prime Condition zudem methodischer anzugehen - sie vervollständigten weniger Items, vermeideten Vermutungen, aber arbeiteten trotzdem etwas weniger präzise. Es wurden keine Unterschiede für den berichteten Aufwand und die Leistungseinschätzungen festgestellt, aber eine im Diskussionsabschnitt berichtete Folgestudie ergab, dass das Priming von Rasse die Angst für schwarze Teilnehmer im Vergleich zu weißen Teilnehmern erhöht haben könnte. Interpretation/Steele/Aronson: Die Prüfung ihrer Fähigkeiten erinnert schwarze Schüler an negative Rassenstereotypen und motiviert sie, sich von ihnen zu distanzieren. Sie könnten von größeren Gefühlen des Selbstzweifels (und vielleicht auch der Angst) geplagt werden und versuchen, sich aufgrund potenziell schlechter Leistungen selbst zu behindern. >Leistungsfähigkeit. 1. Steele, C.M. and Aronson, J. (1995) ‘Stereotype threat and the intellectual test performance of African-Americans’, Journal of Personality and Social Psychology, 69: 797—811. Toni Schmader and Chad Forbes, “Stereotypes and Performance. Revisiting Steele and Aronson’s stereotypes threat experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Experimentelle Ökonomik | Wirtschaftstheorien | Parisi I 78 Experimentelle Ökonomik/Wirtschaftstheorien/Sullivan/Holt: [Es gibt] eine immer häufigere Interaktion zwischen zwei Literaturrichtungen: experimentelle Ökonomik und Recht und Wirtschaft (engl. law and economics). In vielerlei Hinsicht entwickelten sich diese Literaturen als Geschwister während der berauschenden Periode der Wirtschaftsforschung in den 1960er und frühen 1970er Jahren. Etwa zur gleichen Zeit, als Ronald Coase (1960)(1), Guido Calabresi (1961)(2) und Gary Becker (1968)(3) die bahnbrechenden Arbeiten der modernen Law-and-Economics-Bewegung verfassten, wurde die experimentelle Wirtschaftsliteratur durch Vernon Smiths (1962)(12) experimentelle Herausforderung der etablierten Vorstellung, dass Theorien des effizienten, perfekten Wettbewerbs nur in idealisierten Situationen mit einer großen Anzahl gut informierter Händler relevant seien, beschleunigt. Vernon Smith: Smiths Ansatz zur Untersuchung des Marktgleichgewichts bestand darin, einen Markt für ein künstliches Gut zu schaffen. Anpassungen des experimentellen Ansatzes an andere Gegebenheiten folgten schnell und flossen schließlich in die ebenfalls expandierende Literatur zu "Law and Economics" ein. >Experimentelle Ökonomik/Vernon Smith, >Law and Economics/Sullivan/Holt. Parisi I 79 Methodik: (... ) die Planung und Durchführung von kontrollierten Experimenten ist so grundlegend für die wissenschaftliche Untersuchung wie nichts anderes. Parisi I 80 Eine weitere intuitive Verwendung von Experimenten ist Teil einer ergebnisoffenen Suche nach praktischen Lösungen für ein neuartiges Problem. Dies ist häufig bei Experimenten der Fall, die für technische Anwendungen entwickelt wurden. Wirtschaftswissenschaftler verwenden Experimente in ähnlicher Weise wie Physiker oder Ingenieure. Voraussetzungen/Hypothesen: Ökonomische Theorien basieren typischerweise auf starken Annahmen über Rationalität und Voraussicht und werden auf der Basis von Eleganz, Schärfe der Vorhersage und Übereinstimmung mit der grundlegenden Intuition bewertet. Idealisierung/Kontext: Merkmale des Kontexts, zwischenmenschliche Unstimmigkeiten und institutionelle Details werden häufig weggelassen, um eine größere Nachvollziehbarkeit und Allgemeinheit zu erreichen. Experimente: Die resultierenden Theorien schreien nach experimentellen Tests, bei denen Unterschiede in individuellen Persönlichkeitsmerkmalen und Neigungen, Einschränkungen in der Aufmerksamkeit und Voraussicht und andere Details, die zu kompliziert sind, um sie formal zu messen oder zu modellieren, durch zufällige Zuordnung und andere experimentelle Kontrollen berücksichtigt werden können. Beispiel: Betrachten Sie die Frage, ob eine Obergrenze für Schadensersatz die Häufigkeit von Schadensersatzklagen reduziert.* Randomisierung: Mittels Randomisierung oder sorgfältiger Auswahlalgorithmen könnten die Mitglieder der Gesellschaft in zwei identische (oder zumindest nahezu identische) Gruppen aufgeteilt werden: Eine Gruppe würde unter den Haftungsregeln des Status quo bleiben, während die andere einer Schadensbegrenzung unterworfen würde. Ohne dass sich sonst etwas ändert, würde der Forscher Parisi I 81 Daten für ein paar Monate sammeln und dann die Raten von Schadensersatzklagen in den beiden Gruppen vergleichen, um zu sehen, welchen kausalen Effekt die Obergrenze für Schadensersatz auf das Ergebnis von Interesse hatte. Vergleich/Kontrolle: Der Forscher nutzt die Kontrolle über die experimentelle Umgebung, um eine Behandlung nur auf eine von zwei ansonsten identischen Gruppen von Probanden anzuwenden. Die Versuchspersonen interagieren dann gemäß ihren normalen Eigeninteressen, aber die Personen in der Behandlungsgruppe handeln nach etwas anderen Regeln als die in der Kontrollgruppe. Der Experimentator misst das beobachtete Verhalten sowohl in der Behandlungs- als auch in der Kontrollgruppe, und jeder Unterschied im Verhalten spiegelt den kausalen Behandlungseffekt von Interesse wider.** Experimente ohne Kontrollgruppe: (...) ökonomische Experimente werden manchmal einfach dazu entworfen, um zu messen und zu dokumentieren, wie sich Probanden in einer bestimmten Marktstruktur oder einem bestimmten Anreizumfeld verhalten, ohne Bezug auf eine Kontrollgruppe. Beispiele hierfür sind Experimente, die die Effizienz einer Auktionsstruktur testen, wie z. B. ein innovativer Vorschlag, der es erlaubt, Gebote für Kombinationen von Frequenzlizenzen in einer Weise abzugeben, die Firmen davor schützt, zu viel für Teile eines fragmentierten Netzes zu bezahlen.*** Variationen: (...) ökonomische Experimente können auch so strukturiert werden, dass sie eine Reihe von Behandlungseffekten berücksichtigen. Ein Beispiel ist eine experimentelle Untersuchung der Gleichgewichtspreisbildung in einem Oligopol für homogene Güter, wenn die Anzahl der Produzenten von fünf auf vier, drei oder zwei sinkt (z. B. Huck, Normann und Oechssler, 2004(10); Dufwenberg und Gneezy, 2000(11)). In jedem Fall ist der konzeptionelle Rahmen des ökonomischen Experiments derselbe wie der von Experimenten in jedem anderen Wissenschaftsbereich. >Induced Value Theory/Wirtschaftstheorien. Experimente/Methoden: Siehe >Experimente/Experimentelle Ökonomik, >Außergerichtliche Einigung/Experimentelle Ökonomik. * Für ökonomische Experimente zur Auswirkung von Schadensersatzobergrenzen auf die Vergleichsrate siehe Babcock und Pogarsky (1999)(4) und Pogarsky und Babcock (2001)(5). ** Für breite Übersichten über verschiedene experimentelle Designs in den Wirtschaftswissenschaften, siehe Davis und Holt (1993)(6), Kagel und Roth (1995)(7) und Holt (2007)(8). Für einen praktischen Ansatz zur Versuchsplanung für Wirtschaftswissenschaftler siehe Friedman und Sunder (1994)(8). *** Siehe Goeree und Holt (2010)(9) für eine Reihe von Experimenten, die von der U.S. Federal Communications Commission verwendet wurden, um eine große Auktion für Frequenzlizenzen für die Bereitstellung von drahtlosen Kommunikationsdiensten in einem geografischen Netzwerk zu entwerfen und durchzuführen. Selbst diese Arbeit hatte jedoch eine Kontrollbehandlung ohne Paketgebotsmöglichkeiten, die Probleme aufzeigte, die entstehen könnten, wenn Bieter keine "Alles-oder-Nichts"-Gebote für Kombinationen von Lizenzen abgeben dürfen. 1. Coase, R. H. (1960). “The Problem of Social Cost.” Journal of Law and Economics 3: 1–44. 2. Calabresi, G. (1961). “Some Thoughts on Risk Distributions and the Law of Torts.” Yale Law Journal 70(4): 499–553. 3. Becker, G. S. (1968). “Crime and Punishment: An Economic Approach.” Journal of Political Economy 76(2): 169–217. 4. Babcock, L. and G. Pogarsky (1999). “Damage Caps and Settlement: a Behavioral Approach.” Journal of Legal Studies 28(2): 341–370. 5. Pogarsky, G. and L. Babcock (2001). “Damage Caps, Motivated Anchoring, and Bargaining Impasse.” Journal of Legal Studies 30(1): 143–159. 6. Davis, D. D. and C. A. Holt (1993). Experimental Economics. Princeton, NJ: Princeton University Press. 7. Kagel, J. H. and A. E. Roth, eds. (1995). Handbook of Experimental Economics. Princeton, NJ: Princeton University Press. 7. Holt, C. A. (2007). Markets, Games, & Strategic Behavior. Boston, MA: Pearson Education, Inc. 8. Friedman, D. and S. Sunder (1994). Experimental Methods: A Primer for Economists. New York: Cambridge University Press. 9. Goeree, J. K. and C. A. Holt (2010). “Hierarchical Package Bidding: A Paper & Pencil Combinatorial Auction.” Games and Economic Behavior 70: 146–169. 10. Huck, S., H.-T. Normann, and J. Oechssler (2004). “Two Are Few and Four Are Many: Number Effects in Experimental Oligopolies.” Journal of Economic Behavior & Organization 53(4): 435–446. 11.Dufwenberg, M. and U. Gneezy (2000). “Price Competition and Market Concentration: An Experimental Study.” International Journal of Industrial Organization 18: 7–22. 12.Smith, V. L. (1962). “An Experimental Study of Competitive Market Behavior.” Journal of Political Economy 70(2): 111–137. Sullivan, Sean P. and Charles A. Holt. „Experimental Economics and the Law“ In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Extensionalität | Brandom | I 499 Extensionalität/Homogenität/Brandom: Ein Kontext ist extensional, wenn die Multiwert-Äquivalenz-Relation nicht feiner einteilen muss als die Designiertheits-Äquivalenz-Relation: (Bsp (s) Äquivalenz von "Schnee ist weiß" und "Gras ist grün"). Daher ist die Beziehung zwischen designierten Inferenzen und der inferentiellen Rolle freistehender Sätze nicht homogen. - Es ist nicht hinreichend zu wissen, ob die Sätze richtige Inferenzen sind - (denn Sätze sind gar keine Inferenzen). Daher brauchen wir eine andere Extensionalität auf der obersten Ebene: ein sententialer Kontext mit eingebetteten Sätzen ist extensional im Sinne von bestandteilhomogen gdw. die Substitution von Behauptungen gleicher inferentieller Rolle nie die inferentielle Rolle des enthaltenden Satzes ändert. I 500 Das ist nicht immer gegeben: Bsp Die Rolle des Ausdrucks "S behauptet, dass p" hängt nicht von der Rolle ab, die p für den Sprecher spielt, sondern von der Rolle die er für S spielt. |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Extensionalität | Carnap | VI XXI Extensionale Methode/extensionale Sprache/Carnap: Selbstkritik (1961)(1): zufällige Extensionsgleichheit (Umfangsgleichheit) von Begriffen ist nicht hinreichend. - Diese muss mit Notwendigkeit bestehen. Extensionalitätsthese/Carnap: Alle Aussagen sind extensional - später (1961)(1) schwächer: jede nicht-extensionale Aussage ist in eine logisch äquivalente Aussage in einer extensionalen Sprache übersetzbar. >Extensionen, >Intensionen. 1. R. Carnap und W.V.O. Quine. 1961. Dear Carnap, Dear Van. Reprint: University of California Press 1990. https://doi.org/10.1525/9780520909823-033 |
Ca I R. Carnap Die alte und die neue Logik In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 Ca II R. Carnap Philosophie als logische Syntax In Philosophie im 20.Jahrhundert, Bd II, A. Hügli/P.Lübcke (Hg) Reinbek 1993 Ca IV R. Carnap Mein Weg in die Philosophie Stuttgart 1992 Ca IX Rudolf Carnap Wahrheit und Bewährung. Actes du Congrès International de Philosophie Scientifique fasc. 4, Induction et Probabilité, Paris, 1936 In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Ca VI R. Carnap Der Logische Aufbau der Welt Hamburg 1998 CA VII = PiS R. Carnap Sinn und Synonymität in natürlichen Sprachen In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Ca VIII (= PiS) R. Carnap Über einige Begriffe der Pragmatik In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 |
| Extensionalität | Fodor | IV 62 Def Extensionalitätsproblem/Fodor/Lepore: Das Extensionalitätsproblem beschreibt das Problem, dass eine Bedeutungstheorie nicht nur aus der Menge der W-Sätze einer Wahrheitstheorie (WT) aufgestellt werden kann, da extensionale Adäquatheit nicht genügt (>"Schnee ist weiß"/"Gras ist grün"). Lösung: Wir nehmen materiale statt extensionaler Adäquatheit > Übersetzung. Problem: Was ist eine "Übersetzung"? IV 63 Die Wahrheitstheorie muss die Wahrheitsbedingungen (WB) erkennen können, damit die linke Seite die rechte interpretiert. Problem auch bei Kompositionalität: Aus der Äquivalenz von "Schnee ist weiß" und "Gras ist grün" entstehen falsche Wahrheitsbedingungen. |
F/L Jerry Fodor Ernest Lepore Holism. A Shoppers Guide Cambridge USA Oxford UK 1992 Fodor I Jerry Fodor "Special Sciences (or The Disunity of Science as a Working Hypothesis", Synthese 28 (1974), 97-115 In Kognitionswissenschaft, Dieter Münch Frankfurt/M. 1992 Fodor II Jerry Fodor Jerrold J. Katz Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Fodor III Jerry Fodor Jerrold J. Katz The availability of what we say in: Philosophical review, LXXII, 1963, pp.55-71 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 |
| Extensionalität | Simons | Chisholm II 185 Extensionalität/Quine: In der Extensionalität nehmen wir Raumzeit-Punkte statt "dauerhafte Gegenstände" an. SimonsVsQuine: Sprache ohne Continuants (dauerhafte Gegenstände) ist nicht lernbar. Chisholm: In der Extensionalität gibt es wohl Zeit und Modalität, aber nicht zeitliche oder modale Teile: entweder a) Erscheinungen akzeptieren, Extensionalität ablehnen oder b) Erscheinungen ablehnen und Extensionalität für wirkliche dauerhafte Gegenstände fordern. >entia sukzessiva. SimonsVsChisholm: Es ist besser mit Aristoteles Dinge mit nicht-notwendigen Teilen anzunehmen: Bäume bestehen einfach aus Materie. Dies ist mehr Evidenz als Wittgensteins Atome. --- Simons I 3 Extensionalität/Simons: Wenn Extensionalität zurückgewiesen wird, können mehr als ein Objekt exakt dieselben Teile haben und daher auch mehrere verschiedene Objekte zur selben Zeit am selben Ort sein - dann haben wir es mit Continuants zu tun. Continuant/Simons: Ein Continuant ist alles, was kein Ereignis ist, (s.u.) alles was Masse haben kann. >Continuants, >Teile. I 11 CEM/Extensionalität/Simons: charakteristisches Merkmal: Die Relation "Teil-von-oder-identisch-mit": entspricht einer "kleiner-gleich"-Relation. Überlappen: "Überlappen" kann als einziger Grundbegriff gebraucht werden. Grenzfall: Ein Grenzfall ist das Getrenntsein und Identität. I 105f Teil/VsExtensionale Mereologie/Simons: 1. Das Ganze ist manchmal nicht einer der eigenen Teile. 2. Manchmal ist das Teil nicht transitiv. 3. Existenz von "Summen-Individuen" ist nicht immer garantiert, d.h. da die Axiome für Individuen, die einem beliebigen Prädikat gehorchen, falsch sind. 4. Identitätskriterien für Individuen, die alle Teile gemein haben, sind falsch. I 106 5. Ein Teil liefert eine materialistische Ontologie vierdimensionaler Objekte. Teil/Simons: These: Es gibt keine einheitliche Bedeutung von "Teil". I 117 Extensionalität/Simons: Extensionalität wird mit der Zurückweisung des PPP (Proper Parts Principle) verlassen. I 28 Proper Parts Principle/starkes/SSP/strong supplement-principle: Wenn x nicht Teil von y ist, dann gibt es ein z, das Teil von x ist und von y getrennt ist. Eine Lösung für die Unterscheidung von Summe (Tib + Tail) und Ganzem (Prozess) bietet Tibbles (Katze). >Tibbles-Beispiel. Simons: Die Koinzidenz von Individuen ist zeitweise ununterscheidbar (wahrnehmungsmäßig). Superposition: Superposition heißt, zur selben Zeit am selben Ort sein. >Superposition |
Simons I P. Simons Parts. A Study in Ontology Oxford New York 1987 Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |
| Externalitäten | Buchanan | Boudreaux I 45 Externalitäten/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: Eine Externalität liegt vor, wenn die Handlungen einiger Menschen anderen, die nicht an diesen Handlungen beteiligt sind, Kosten auferlegen oder Vorteile bringen. Ein gängiges Beispiel ist der Rauch aus einer Fabrik, der die Luft verschmutzt, die die Menschen in der Umgebung einatmen. Wirtschaftswissenschaftler schlagen in der Regel vor, die externe Aktivität zu besteuern oder, falls dies nicht möglich ist, eine Regelung einzuführen, die die externen Kosten - also die Kosten, die Dritten auferlegt werden - verringert. Buchanans Ansichten über das Vorhandensein von Externalitäten stimmen mit denen der Mainstream-Ökonomen überein, aber er wich von diesen Gelehrten in Bezug auf die wünschenswerten Abhilfemaßnahmen für Externalitäten ab. Er vertrat die Ansicht, dass, wenn externe Effekte dazu führen, dass Ressourcen ineffizient genutzt werden, der Einzelne einen Anreiz hat, Wege zu finden, diese Ineffizienzen selbst zu beheben. Wenn einige Personen anderen externe Kosten auferlegen, haben beide Parteien einen Anreiz, über die Beseitigung dieser Ineffizienzen zu verhandeln. Boudreaux I 46 Vereine/Buchanan: Es gibt eine Parallele zwischen Buchanans Ansichten über externe Effekte und seiner Theorie der Clubs - letztere ist (...) eine Erklärung dafür, wie Menschen freiwillig Clubs bilden, um gemeinsam konsumierte Güter zu produzieren. >Vereine/Clubs/Buchanan. In beiden Fällen besteht die Aussicht, dass die Ressourcen effizienter verteilt werden können, wobei alle Parteien in der Lage sind, ihre Handlungen so anzupassen, dass sie für beide Seiten Vorteile bringen. Da externe Effekte selten globaler Natur sind, zeigt Buchanans Erörterung des Föderalismus, dass es möglich ist, dass Menschen die Möglichkeit haben, aus Rechtsordnungen, in denen die externen Kosten hoch sind, in Rechtsordnungen zu ziehen, in denen diese Kosten niedriger sind. Besteuerung: Es ist auch wichtig zu bedenken, dass der Einsatz von Steuern oder Regulierung zur Abmilderung externer Kosten eigene Probleme mit sich bringt. Buchanan wies darauf hin, dass die von Ökonomen empfohlenen theoretischen Lösungen nur dann funktionieren würden, wenn in der Industrie ein „perfekter Wettbewerb“ herrscht. >Besteuerung/Buchanan, >Perfekter Wettbewerb/Buchanan. Externe Effekte können zu Ineffizienzen führen, aber es gibt keine Garantie dafür, dass eine staatlich gelenkte Abhilfe die Situation verbessern würde. (...) Diese Tatsache veranlasste Buchanan nicht dazu, sich gegen alle staatlichen Maßnahmen zur Bekämpfung von Umweltverschmutzung und anderen externen Effekten auszusprechen, aber sie veranlasste ihn dazu, Politikern und der Öffentlichkeit zu raten, ihren Enthusiasmus in Bezug auf die Fähigkeiten des Staates, die Dinge durch Eingriffe zu verbessern, zu zügeln. Kosten: Wie der Name schon sagt, besteht das Problem bei externen Effekten darin, dass Ressourcen auf eine Art und Weise genutzt werden, die für einige Betroffene nicht verhandelbar ist - wie zum Beispiel, wenn eine Fabrik Schadstoffe in die Luft ausstößt, die von allen Bewohnern der Stadt eingeatmet werden und somit diese Bewohner schädigen. Boudreaux I 47 Wenn die Stadtverwaltung ein eindeutiges Eigentumsrecht am Luftraum der Stadt hätte, könnte die Fabrik mit der Stadtverwaltung verhandeln und ihr anbieten, einen Betrag zu zahlen, der die Stadt für die von der Fabrik emittierte Verschmutzung entschädigt. Von einer solchen Vereinbarung würden sowohl die Stadt als auch die Fabrik profitieren. Eigentum: Wenn es jedoch keine klare Definition der Eigentumsrechte an der Luft gibt, wird die Fabrik nur ungern mit dem Stadtrat verhandeln. Sie wird wahrscheinlich einfach weiter die Luft verschmutzen, ohne dass die Stadt für die Kosten der Verschmutzung entschädigt wird. Klar definierte Eigentumsrechte fördern also Verhandlungen zum beiderseitigen Vorteil, d. h. zu einer effizienteren Ressourcennutzung, während das Fehlen solcher Rechte derartige Verhandlungen behindert. Buchanan/Tullock: In The Calculus of Consent (Das Kalkül der Zustimmung) sagen Buchanan und Tullock: „Wenn die Eigentumsrechte sorgfältig definiert sind, sollte dann nicht die reine Laissez-faire-Organisation zur Beseitigung aller wesentlichen externen Effekte führen? ... Werden nach der anfänglichen Definition von Menschen- und Eigentumsrechten wirklich so schwerwiegende externe Effekte vorhanden sein, dass ihre Beseitigung gerechtfertigt ist? Oder werden freiwillige kooperative Vereinbarungen zwischen Individuen entstehen, um die Beseitigung aller relevanten externen Effekte zu gewährleisten?“ (Buchanan und Tullock, 1962/1999(1): 44) Boudreaux I 48 Politik: Ein zentraler Grund für Buchanans Vorsicht bei der Empfehlung staatlicher Eingriffe zur Beseitigung externer Effekte war seine Erkenntnis, dass demokratische Politik eine eingebaute Externalität mit sich bringt. Wenn man sich eine Externalität als Drittpartei-Effekt vorstellt - d. h., dass einige Menschen anderen einseitig Kosten auferlegen -, dann sollte man erkennen, dass bei kollektiven Entscheidungen, die von der Mehrheit getroffen werden, die Mehrheit der Minderheit externe Kosten auferlegt. Die Mehrheit bekommt, was sie will, und zwingt die Minderheit, zu akzeptieren, was sie, die Minderheit, nicht will. Diese Realität bestärkte Buchanan in seiner Abneigung, staatliche Maßnahmen zur Beseitigung externer Effekte zu empfehlen. Staatliche Maßnahmen würden eine Externalität durch eine andere ersetzen. Dieser Punkt muss hervorgehoben werden: Die Politik enthält eine eingebaute Externalität. Die Politik der Regierung gilt für alle, unabhängig davon, ob sie damit einverstanden sind oder nicht, im Gegensatz zum Austausch auf dem Markt, der nur dann stattfindet, wenn alle Beteiligten zustimmen. Es liegt in der Natur der Sache, dass die Regierung, egal was sie tut, einigen Menschen einseitig Kosten auferlegt. Buchanan erklärt: „Die effektive oder dominierende Koalition von Individuen mit einer Mindestgröße, wie sie durch die Abstimmungsregel bestimmt wird, wird in der Lage sein, Nettogewinne auf Kosten anderer Mitglieder der politischen Gruppe zu sichern. .... Im einfachen Mehrheitsregelmodell bedeutet dies, dass im Grenzfall fünfzig plus Prozent der Gesamtmitgliedschaft in der dominierenden Koalition und fünfzig minus Prozent der Gesamtmitgliedschaft in der unterlegenen oder Minderheitskoalition.“ (Buchanan, 1999(2): 64-65) Buchanans Argument ist teilweise theoretisch. Dieses Ergebnis könnte eintreten. Aber sein Punkt ist auch teilweise praktisch. Wenn demokratische politische Institutionen auf diese Weise genutzt werden können, dann haben Einzelpersonen tatsächlich Anreize, sie auf diese Weise zu nutzen, weil sie es können. Es ist naiv zu glauben, dass einige Menschen die Macht besitzen können, den politischen Prozess zu ihrem eigenen Vorteil zu manipulieren, ohne zu verstehen, dass einige Menschen diese Macht tatsächlich auf diese Weise ausüben werden. Boudreaux I 49 Regierungshandeln/Buchanan: Diese Argumentation verweist direkt auf Buchanans allgemeinen Ansatz zur Analyse politischen Handelns. Jahrhundert neigen Ökonomen dazu, staatliches Handeln so zu bewerten, als ob Regierungsbeamte apolitisch eine optimale öffentliche Politik umsetzen. Ökonomen leiten die theoretisch optimale Verteilung der Ressourcen ab und gehen dann davon aus, dass die Regierung so handelt, dass diese optimale Verteilung erreicht wird. BuchananVsTradition: Buchanans grundlegender Beitrag bestand in der Feststellung, dass die Ressourcenverteilung auf den Märkten in der Regel nicht mit perfekter Effizienz erfolgt, ebenso wenig wie sie von der Regierung mit perfekter Effizienz zugewiesen wird. >Regierungspolitik/Buchanan. Boudreaux I 51 Indem er eine Parallele zwischen Marktversagen und Staatsversagen zieht, kommt Buchanan zu der Einsicht, dass demokratische politische Systeme ihre eigenen unvermeidlichen externen Effekte erzeugen. Einige Leute können das System nutzen, um anderen Kosten aufzuerlegen. >Staatsversagen/Buchanan. 1. Buchanan, James M., and Gordon Tullock (1962/1999). The Calculus of Consent. Liberty Fund. 2. Buchanan, James M. (1999). The Logical Foundations of Constitutional Liberty. Liberty Fund. |
EconBuchan I James M. Buchanan Politics as Public Choice Carmel, IN 2000 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Externalitäten | Coase | Kiesling I 19 Soziale Kosten/Externalitäten/Coase/Kiesling: „Man stellt sich die Frage gemeinhin so vor, dass A dem B einen Schaden zufügt und zu entscheiden ist: Wie soll man A zurückhalten? Aber das ist falsch. Wir haben es hier mit einem Problem zu tun, das auf Gegenseitigkeit beruht. Die eigentliche Frage, die es zu entscheiden gilt, lautet: Darf A B schaden oder darf B A schaden? Das Problem besteht darin, den schwerwiegenderen Schaden zu vermeiden.“ (1) Beispiel: Durch eine Stadt fließt ein Fluss mit einem Laufweg und einem Park entlang des Flusses, einem Bootsanleger zum Kajakfahren und Angeln, einer Wasseraufbereitungsanlage und einer Papierfabrik (siehe Yandle 1998(2)). Die Papierfabrik stellt Produkte her und verkauft sie an Verbraucher, die diese Produkte schätzen. Diese Transaktion definiert die für beide Seiten vorteilhafte Interaktion zwischen den Parteien, die den Kern des menschlichen Austauschs bildet. Das Papierunternehmen erzielt Gewinne aus dem Papierverkauf, wenn seine Einnahmen seine Kosten übersteigen, und die Papierverbraucher erzielen eine Nettozufriedenheit, wenn sie mehr Nutzen aus dem Papier ziehen, als ihnen der Kauf des Papiers kostet. Beide Parteien wägen bei ihren Entscheidungen über die Ressourcennutzung Nutzen und Kosten ab. Problem: Wenn wir die Produktion der Papierfabrik genauer untersuchen, sehen wir einige Kosten, die sich möglicherweise nicht vollständig in den buchhalterischen Kosten widerspiegeln, die wir normalerweise mit einer solchen Berechnung verbinden. Bei der Herstellung von Papier fallen zum Beispiel Nebenprodukte an. Wettbewerb: Das Unternehmen konkurriert um das Geschäft der Verbraucher und hat daher starke Anreize, die Kosten zu minimieren. Die Entsorgung von Abfällen ist kostspielig, so dass die Papierfirma einen Anreiz hat, ihre Abfälle in den Fluss zu leiten, wenn sie dies kostenlos tun kann. Dieser Abfall verbraucht den Sauerstoff im Wasser und ist unattraktiv, so dass die „kostenlose“ Abfallentsorgung des Unternehmens Kosten verursachen kann, die andere Flussnutzer zu tragen haben. Kiesling I 20 Da das Papierunternehmen jedoch nicht für die Entsorgung seiner Abfälle im Fluss bezahlt, tragen weder der Hersteller noch der Verbraucher von Papier, also die beiden Parteien der Markttransaktion, diese Kosten. Kosten: Stattdessen zeigen sich die Kosten in einer verminderten Freude am Uferpark, in weniger angenehmen Kajaktouren und geringerem Fischfang, in einem Ökosystem von geringerer Qualität aufgrund von Sauerstoffmangel und in zusätzlichen Kosten für die Aufbereitung des Wassers für den Verbrauch. Coase: Coase nannte dieses Problem „das Problem der sozialen Kosten“ und schrieb 1960 einen gleichnamigen Artikel zu diesem Thema(1). >Externalitäten/Pigou. Die Pigou-Analyse(3) implizierte eine spezifische politische Empfehlung, nämlich eine Steuer auf Papier, die die Stückkosten der Einleitung in den Fluss widerspiegelt, oder eine Regelung für die Papierfabrik, die sie dazu veranlasst, die Kosten ihrer Einleitung in ihre Buchführung einzubeziehen. Kiesling I 21 Diese Logik ist unter dem Begriff „Verursacherprinzip“ bekannt geworden, d. h. dass derjenige, der die Kosten verursacht, sie auch tragen sollte. A. Lösung/CoaseVsPigou: Coase betrachtete solche Probleme anders und fragte stattdessen nach der kostengünstigsten Möglichkeit, mit diesem Problem umzugehen, indem er es als Problem eines Nutzungskonflikts bei einer Ressource bewertete. Diese Art der Betrachtung des Problems macht seine eigentumsrechtlichen Ursprünge deutlich. Während Pigou implizit davon ausging, dass die „Nichtverschmutzer“-Partei das Recht hat, von diesem Schaden verschont zu bleiben, erkannte Coase stattdessen an, dass die Definition von Eigentumsrechten in solchen Fällen nicht unbedingt eindeutig ist und dass die Transaktionskosten die Möglichkeiten zur Definition und Durchsetzung von Eigentumsrechten einschränken. >Eigentumsrechte/Coase. B. Problem/CoaseVsPigou: Ein damit verbundener Unterschied in Coases Ansatz zum Problem der sozialen Kosten besteht darin, dass er das Problem der externen Kosten als ein reziprokes Problem betrachtet. Pigou: In der Pigou-Analyse verursacht die Papierfabrik die Abfallentsorgung, der Konditor verursacht Lärm, und diese Handlungen verursachen Kosten für andere. CoaseVsPigou: Coase argumentierte, dass diese Sichtweise des Problems unvollständig ist, weil sie die Tatsache außer Acht lässt, dass die Parteien sich gegenseitig Kosten auferlegen, weil sie die gemeinsame Ressource unterschiedlich nutzen, wenn die Eigentumsrechte nicht hinreichend klar definiert sind. Die Papierfabrik möchte den Fluss nutzen, um Abfälle einzuleiten, während die Wasseraufbereitungsanlage sauberes Wasser für den Verbrauch aufbereiten möchte und der Kajakfahrer einen attraktiven und sauberen Fluss für die Freizeitgestaltung wünscht. Im Kern ist das Problem der sozialen Kosten ein Streit um Eigentumsrechte: „Für Coase entstehen Probleme des Schutzes natürlicher Ressourcen und der Umwelt typischerweise dann, wenn es gilt, diese widerstreitenden Interessen auszugleichen. Kompensation: Ob ein Akteur oder eine Gruppe von Akteuren das 'Opfer' oder der 'Verursacher' einer 'Externalität' ist, ist im Wesentlichen eine Frage, wer die Rechte hat, die betreffende Aktivität auszuüben, und ob er diese Rechte gegen eine Entschädigung eintauschen möchte“ (Pennington 2015(4): 95). Koordinierung/Kooperation: Die Koordinierung ist schwierig und wertvolle Ressourcen werden vergeudet, weil die Eigentumsverhältnisse undefiniert sind. Kollektive Güter: Da es keinen Eigentümer des Flusses (oder des Wassers, das durch ihn fließt) gibt, zahlt die schadstoffemittierende Mühle nicht für die Kosten, die sie verursacht. Bargaining: Verhandlungen über die Ressourcennutzung, bei denen das höchste Gebot für die Ressource ermittelt wird, finden daher nicht statt. Die schädlichen Auswirkungen der Papierherstellung können sauberes Wasser zerstören - auch wenn sauberes Wasser einen viel größeren gesellschaftlichen Wert hat. Kiesling I 22 Innovation/CoaseVsPigou: Coase argumentierte, dass das Verhandeln ein Prozess ist, der es den Parteien ermöglicht, zu lernen und zu entdecken und durch Innovation kostengünstigere Wege zur Minderung dieser Kosten zu schaffen. Im Gegensatz dazu geht der Pigou'sche Ansatz davon aus, dass die Regulierungsbehörde die relevanten Kosten und Vorteile gut genug kennt, um die genaue Steuer zu bestimmen, die erhoben werden muss, um die optimale Menge an Papierproduktion zu erreichen. PigouVsPigou: Diese Annahme ist unrealistisch, wie Pigou später in seinem Leben anerkennen musste. Zusammenarbeit/Zahlungen: Nachdem man herausgefunden hat, wie man am besten mit dem Schaden umgeht, ist die nächste logische Frage, wer für den Filter bezahlt - die Wasseraufbereitungsanlage oder die Papierfabrik? Wo das Gesetz Eigentumsrechte festlegt, ist das klar. Wenn die Papierfabrik das Recht hat, das Wasser zu verschmutzen, wird die Wasseraufbereitungsanlage dafür bezahlen. Wenn die Wasseraufbereitungsanlage Eigentümerin des Wassers ist, zahlt die Papierfabrik. Für beide Parteien gibt es Anreize, bei der Umsetzung dieser Lösung zusammenzuarbeiten, wenn die Kosten für die Beendigung der Verschmutzung geringer sind als der Wert, der durch die Fortsetzung der Verschmutzung entsteht. Nutzen: Dies ist auch die entscheidende Voraussetzung für den gesellschaftlichen Nutzen - dass der Nutzen die Kosten übersteigt. Sonderfälle: Coase wies darauf hin, dass solche einfachen Lösungen in Fällen, in denen die Entscheidungsfindung dezentralisiert ist, d. h. in denen die Eigentumsrechte nicht definiert sind, oder in Fällen, in denen die Transaktionskosten die Parteien davon abgehalten haben, effiziente Absprachen zu treffen, möglicherweise nicht greifen. In solchen Fällen könnten sich Pigou'sche Maßnahmen, wie z.B. eine Verordnung, die den Einbau von Filtern in Papierfabriken vorschreibt, als besser erweisen. Aber weder die Marktverhandlungen noch der Regulierungsansatz sind kostenlos. Die beiden Ansätze sollten im Hinblick auf ihre Fähigkeit verglichen und gegenübergestellt werden, die soziale Koordination zu fördern und den Wert der beteiligten Ressourcen zu maximieren. >Eigentumsrechte/Coase, >Transaktionskosten/Coase. Kiesling I 23 Transaktionskosten/Externalitäten/Coase/Pigou/Kiesling: (...) wenn die Definition von Eigentumsrechten prohibitiv kostspielig oder nicht durchführbar ist (wie z.B. bei der Luftverschmutzung), können Verhandlungen über die Übertragung von Rechten nicht stattfinden. Die Kosten für die Definition und Durchsetzung von Eigentumsrechten sind eine Kategorie von Transaktionskosten. Niedrige Transaktionskosten: In Situationen mit niedrigen Transaktionskosten ist es wahrscheinlicher, dass wohlfahrtssteigernde Verhandlungen geführt werden, während ... Hohe Transaktionskosten: ...hohe Transaktionskosten können eine solche Konfliktlösung verhindern. Beispiel: Ein Beispiel von Pigou, das Coase aus anderen Gründen diskutiert, veranschaulicht die Herausforderung der Transaktionskosten: der Betrieb einer Eisenbahnlinie durch ländliches Land im 19. Jahrhundert. Die Eisenbahngesellschaften kauften Land und bauten Schienennetze, um Züge zu betreiben, die von kohlebefeuerten Dampflokomotiven gezogen wurden, die Funken auslösten, die Brände verursachen konnten, die einige angrenzende Kulturen oder Wälder zerstörten. In einer Situation wie der der transkontinentalen Eisenbahn in den Vereinigten Staaten operierte die Eisenbahngesellschaft über Tausende von Kilometern und konnte potenziell Funken auf das Land von Tausenden von verschiedenen Landwirten werfen. Diese und ähnliche Situationen stellen ein erhebliches Problem für die Transaktionskosten dar, das in vielen Situationen auftritt, in denen es einen Konflikt bei der Ressourcennutzung gibt. Feilschen: Damit die Landwirte mit der Eisenbahn über das Recht auf Funkenflug und das Recht auf unbeschädigte Ernten verhandeln können, müssten sich genügend Landwirte zusammenfinden, um die Interessen aller betroffenen Landwirte zu vertreten - mit anderen Worten: die Transaktionskosten wären hoch. In solchen Fällen entscheiden die Gerichte, welche Partei für die entstandenen Schäden haftet, und setzen gegebenenfalls eine Entschädigung durch. Allgegenwärtigkeit: Ein übergreifendes Thema der Arbeit von Coase über soziale Kosten ist, dass Transaktionskosten allgegenwärtig sind. Aufgrund dieser Allgegenwärtigkeit sind Gerichte wichtige Institutionen, deren Entscheidungen sich sowohl auf die Effizienz der Ergebnisse als auch auf die Verteilung der Gewinne zwischen den Parteien auswirken. >Recht/Coase. 1. Coase, Ronald H. (1960). The Problem of Social Cost. Journal of Law and Economics 3: 1-44. 2. Yandle, Bruce (1998). Coase, Pigou, and Environmental Rights. In Peter J. Hill and Roger E. Meiners (eds.), Who Owns the Environment? (Rowman & Littlefield). 3. Pigou, Arthur Cecil (1920/2013). The Economics of Welfare. Palgrave Macmillan. 4. Pennington, Mark (2015). Coase on Property Rights and the Political Economy of Environmental Protection. In Cento G. Veljanovski (ed.), Forever Contemporary: The Economics of Ronald Coase. Institute of Economic Affairs. Landsburg I 47 Externalitäten/Coase/Landsburg: [Ronald] Coase(1) vertrat die radikale Auffassung, dass Ihr Rauchen mir schadet, während meine Beschwerden darüber (und die Überzeugung meiner Regierung, es zu besteuern) Ihnen schadet. CoaseVsTradition: Wäre die Lehrbuchlogik korrekt, müssten wir Sie für das Rauchen besteuern, mich dafür, dass ich diese Steuer notwendig gemacht habe, Sie dafür, dass Sie diese Steuer notwendig gemacht haben, und damit in den Wahnsinn abgleiten. Deshalb schlug [Ronald] Coase eine völlig neue Analyse des Externalitätsproblems vor, deren Einzelheiten faszinierend sind (...).* * Der Schlüssel zu dieser neuen Analyse ist die Erkenntnis, dass Ihr Rauchen mir Kosten auferlegt, meine Versuche, Sie vom Rauchen abzuhalten, Kosten für Sie verursachen, und dass eine gut durchdachte Politik darauf abzielen sollte, die Summe all dieser Kosten zu minimieren. >Regierungspolitik. 1. Coase, Ronald. (1960). The Problem of Social Cost. Journal of Law and Economics,1960. Mause I 157 Externalität/Externe Effekte/Coase: Soweit Individuen kostenlos über den Austausch von Gütern und Rechten verhandeln können, spielt die anfängliche Verteilung der Verfügungsrechte keine Rolle. D.h. es treten keine externen Effekte auf. Externalität/Coase: These: eine Externalität hat immer zwei „Schädiger: der Urheber einer Beeinträchtigung leidet dadurch, dass von ihm eine Einstellung oder Reduktion seiner Tätigkeit verlangt wird. |
Kiesling I L. Lynne Kiesling The Essential Ronald Coase Vancouver: Fraser Institute. 2021 Landsburg I Steven E. Landsburg The Essential Milton Friedman Vancouver: Fraser Institute 2019 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Externe Effekte | Rothbard | Rothbard III 1064 Externe Effekte/Rothbard: Das Problem der „externen Kosten“, das in der Regel als symmetrisch mit den externen Vorteilen behandelt wird, ist nicht wirklich damit verbunden: Es ist eine Folge des Versagens, die Rechte des Eigentums vollständig durchzusetzen. Wenn As Handlungen das Eigentum von B verletzen und die Regierung sich weigert, die Handlung zu stoppen und Schadenersatz zu fordern, werden die Eigentumsrechte und damit der freie Markt nicht vollständig verteidigt und aufrechterhalten. Daher sind externe Kosten (z. B. Rauchschäden) eher Versäumnisse bei der Aufrechterhaltung eines völlig freien Marktes als Mängel dieses Marktes.(1) >Externer Nutzen/Rothbard, >Freier Markt/Rothbard, >Freier Markt/Ökonomische Theorien. Rothbard III 1038 Externe Effekte/Rothbard: Ein wichtiger Fall von externem Nutzen sind „externe Einsparungen“, die durch Investitionen in bestimmten Branchen erzielt werden könnten, die aber nicht als Gewinn für die Unternehmer anfallen würden. >Externer Nutzen/Rothbard. Es erübrigt sich, auf die ausführliche Diskussion in der Literatur über die tatsächliche Reichweite solcher externen Vorteile einzugehen, obwohl sie offensichtlich vernachlässigbar sind. Schutzzölle/Pigou: Es wird immer wieder vorgeschlagen, dass der Staat diese Investitionen subventioniert, damit die „Gesellschaft“ von den externen Einsparungen profitieren kann. Dies ist das Pigou-Argument für die Subventionierung der externen Wirtschaft sowie das alte und immer noch vorherrschende „infant industries“-Argument für einen Schutzzoll. Freier Markt/RothbardVsPigou: Die Forderung nach staatlicher Subventionierung von Investitionen in der Außenwirtschaft läuft auf eine dritte Angriffslinie auf den freien Markt hinaus, nämlich dass B, die potenziellen Nutznießer, gezwungen werden, die Nutznießer A zu subventionieren, damit letztere den Nutzen für den Ersteren produzieren. Für den ersten und zweiten Aspekt siehe Freier Markt/Ökonomische Theorien. Diese (...) Linie ist das Lieblingsargument der Ökonomen für Vorschläge wie staatlich geförderte Staudämme oder Rekultivierungen (die Empfänger werden besteuert, um für ihren Nutzen zu zahlen) oder die Schulpflicht (die Steuerzahler werden schließlich von der Bildung der anderen profitieren) usw. Auch hier tragen die Empfänger die Last der Politik, aber hier werden sie nicht als Trittbrettfahrer kritisiert. Sie werden nun aus einer Situation „gerettet“, in der sie bestimmte Leistungen nicht erhalten hätten. RothbardVs: Da sie nicht dafür bezahlt hätten, ist es schwierig zu verstehen, wovor sie genau gerettet werden. Kosten: Die dritte Angriffslinie stimmt also mit der ersten überein, dass der freie Markt aufgrund des menschlichen Egoismus nicht genügend außenwirtschaftliche Handlungen hervorbringt; sie schließt sich jedoch der zweiten Angriffslinie an, indem sie die Kosten für die Behebung der Situation den seltsamerweise unwilligen Empfängern aufbürdet. Zwang: Wenn diese Subventionierung stattfindet, sind die Empfänger offensichtlich keine Trittbrettfahrer mehr: Sie werden einfach gezwungen, Leistungen zu kaufen, für die sie bei freier Entscheidung nicht gezahlt hätten. Rothbard III 1039 RothbardVs: Die Absurdität des dritten Ansatzes zeigt sich, wenn man über die Frage nachdenkt: Wer profitiert von der vorgeschlagenen Politik? Der Wohltäter A erhält eine Subvention, das ist wahr. Aber es ist oft zweifelhaft, ob er davon profitiert, da er sonst in eine andere Richtung gehandelt und gewinnbringend investiert hätte. Der Staat hat ihn lediglich für Verluste entschädigt, die er erhalten hätte, und die Erträge so angepasst, dass er den Gegenwert für eine entgangene Chance erhält. Daher hat A, wenn er ein Unternehmen ist, keinen Nutzen davon. Was die Empfänger betrifft, so werden sie vom Staat gezwungen, für Leistungen zu zahlen, die sie sonst nicht erworben hätten. Wie können wir sagen, dass sie „profitieren“? Eine Standardantwort lautet, dass die Empfänger die Leistung „nicht“ hätten erhalten können, selbst wenn sie sie freiwillig hätten kaufen wollen. Zweitens gibt es keinen Grund, warum die potenziellen Empfänger den Nutzen nicht hätten kaufen können. In allen Fällen kann ein produzierter Nutzen auf dem Markt verkauft werden und sein Wertprodukt an die Verbraucher verdienen. 1. Siehe Mises, Human Action, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949. Nachdruck Ludwig von Mises Institute, 1998. pp. 650-53; und de Jouvenel, "Political Economy of Gratuity“. Virginia Quarterly Review (Autumn 1959). S. 522-26. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Fähigkeiten | Nussbaum | Brocker I 895 Fähigkeiten/Nussbaum: Zentrale menschliche Fähigkeiten will Nussbaum im Kontext politischer Ordnung als spezifisch politische Ziele begriffen wissen. Als politische Ziele stehen sie jenseits partikularer metaphysischer Begründungen und können daher als Grundlage basaler Verfassungsprinzipien gelten. Auf diese Weise können Fähigkeiten (»capabilities«) zum Gegenstand eines »übergreifenden Konsenses« werden. …der Staat ist zwar in der Pflicht, jeden Einzelnen zur Ausübung der Grundfähigkeiten zu befähigen, die tatsächliche Realisierung bleibt aber jedem Einzelnen überlassen. Brocker I 896 Nussbaum legt grundsätzlich den Fokus auf die Frage nach Möglichkeiten/Fähigkeiten statt tatsächlicher Zufriedenheit.(1) Brocker I 901 Capabilities approach/Capabilities-Ansatz/Nussbaum: Die Aufgabe dieses Ansatzes ist eine doppelte: 1. Eine Ermöglichung von Vergleichbarkeit der Lebensqualität verschiedener Personen in verschiedenen Kontexten; 2. Die Begründung einer übergreifenden normativen Basis , die es erlaubt, »core areas of human functioning« zu bestimmen und damit bestimmte Fähigkeiten, die für jede/n BürgerIn in jeder Nation in politischen Zusammenhängen gewährleistet sein müssen.(2) Zu Problemen siehe >Universalismus/Nussbaum. VsNussbaum: Frage: Führt Nussbaum hier nicht einen impliziten Bezug auf die »menschliche Natur« ein, der sie in die riskante Richtung eines metaphysischen Realismus drängt? >Menschliche Natur. NussbaumVsVs: Nussbaum setzt keinen neutralen Beobachter voraus, der die Tatsachen des menschlichen Lebens aus einer externen Perspektive beurteilt. Sie plädiert vielmehr für eine interne Rekonstruktion des Wissens um uns selbst: Wir können uns nur aus uns selbst und vor dem Hintergrund geteilter Erfahrungen selbst verstehen und begreifen (vgl. Pauer-Studer 1999, 10 f.)(3) Brocker I 902 Entscheidend ist, dass das liberale Grundprinzip »each person as an end«, zugespitzt zum »principle of each person’s capability«(4), anerkannt wird. Die Anerkennung dieses Prinzips spiegelt sich darin wider, dass nicht bestimmte Lebensentwürfe festgelegt, sondern Fähigkeiten und Handlungsräume gewährleistet werden sollen, die Personen die freie Wahl der Wahrnehmung dieser Möglichkeiten lässt. Funktionale Fähigkeiten des Menschen: Siehe >Funktionen/Nussbaum. Brocker I 903 Nussbaum versteht den Capabilities-Approach als Theorie der Grundbedingungen, nicht als volle Gerechtigkeitstheorie. Eine vollständige Theorie würde einen klarer markierten Ansatz zur Bestimmung des Schwellenwertes (»threshold level of capabilities«(5) erfordern. >Gerechtigkeitstheorie, vgl. >J. Rawls. Drei Kategorien von Fähigkeiten/Nussbaum: a) basic capabilities, (Gebrauch der Sinnesorgane) b) internal capabilities (Sprachbeherrschung, Sexualität, Religions- und Redefreiheit), c) combined capabilities. (Zusammenspiel mit äußeren Gegebenheiten).(6) Vgl. >Rechte/Nussbaum. 1. Martha C. Nussbaum, Women and Human Development. The Capabilities Approach, Cambridge 2000, p, 12. 2. Ebenda p.71 3. H. Pauer-Studer 1999, »Einleitung«, in: Martha C. Nussbaum, Gerechtigkeit oder das gute Leben, Frankfurt/M. 1999, 7-23., p.10f 4. Nussbaum ebenda p.74 5. Ebenda p. 12 6. Ebenda p.84 Sandra Seubert, „Martha C. Nussbaum, Women and Human Development (2000)“, in:Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Fairness | Experimentelle Psychologie | Parisi I 108 Fairness/Experimentelle Psychologie/Wilkinson-Ryan: Die Beurteilung von Fairness kann sich auf Fragen beziehen, die wir sonst als außerhalb der normativen Sphäre von Gleichheit oder Gerechtigkeit stehend betrachten würden - Dinge wie der Wohlstand der Parteien, ihr Verhalten nach dem Vorfall und andere Faktoren. Zum Beispiel können zwischenmenschliche Vergleiche beeinflussen, ob eine bestimmte Aufteilung von Ressourcen gerecht erscheint oder nicht (Loewenstein, Thompson und Bazerman, 1989)(1). Intuitionen über die Entschädigung von Personenschäden scheinen sehr empfindlich auf einige der Belange der Fairness zwischen den Parteien zu reagieren und unempfindlich gegenüber größeren Fragen des sozialen Wohls zu sein. Baron und Ritov (1993)(2) fanden z.B. heraus, dass Menschen für Verletzungen, die durch Handlungen verursacht wurden, entschädigt werden, nicht aber für andere Verletzungen, selbst wenn die Gewährung von Entschädigung insgesamt schädlich ist. In der Tat werden Schäden, die durch Handlungen verursacht werden, als schädlicher angesehen als Schäden, die durch Unterlassungen verursacht werden, selbst wenn es keinen klaren normativen Unterschied (in Bezug auf Intentionalität und Ergebnis) zwischen den Fällen gibt (Ritov und Baron, 1992)(3). >Entschädigung/Cooter, >Entschuldigungen/Experimentelle Psychologie, >Streitschlichtung/Experimentelle Psychologie. 1. Loewenstein, George F., Leigh Thompson, and Max H. Bazerman (1989). “Social Utility and Decision Making in Interpersonal Contexts.” Journal of Personality and Social Psychology 57: 426–441. 2. Baron, Jonathan and Ilana Ritov (1993). “Intuitions about Penalties and Compensation in the Context of Tort Law.” Journal of Risk and Uncertainty 7: 17–33. 3. Ritov, Ilana and Jonathan Baron (1992). “Status-Quo and Omission Biases.” Journal of Risk and Uncertainty 5: 49–61. Wilkinson-Ryan, Tess. „Experimental Psychology and the Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Fairness | Rawls | I 108 Fairness/Prinzipien/Rawls: Unsere Prinzipien der Gerechtigkeit betrafen Institutionen sowie die Grundstruktur einer Gesellschaft. Wenn es um Individuen geht, ist das Prinzip der Fairness relevant. I 110 Individuen/Prinzipien: hier geht es unter anderem darum, welche Verpflichtungen wir haben. Dabei wird jedoch von Anfang an eine gewisse Grundstruktur einer zu errichtenden Gesellschaft vorausgesetzt. Rawls: Hier kann er ohne größere Verzerrungen so interpretiert werden, dass die Pflichten und Aufgaben einen moralischen Begriff von Institutionen voraussetzen, und dass daher der Inhalt gerechter Institutionen bestimmt werden muss, bevor Forderungen an Individuen gestellt werden können. I 111 Recht/Rechtmäßigkeit/Übereinstimmung/Rawls: intuitiv können wir sagen, dass der Begriff des im Recht seins für jemand gleichbedeutend ist mit dem, mit solchen Prinzipien in Einklang zu stehen, die im Ausganszustand einer Gesellschaft anerkanntermaßen auf die entsprechenden Probleme angewendet würden. Wenn wir das akzeptieren, können wir Fairness mit Rechtmäßigkeit (rightness) gleichsetzen. Individuen/Fairness: zunächst müssen wir zwischen Verpflichtungen und natürlichen Pflichten (natural duties) unterscheiden. >Pflichten, >Natürliche Pflichten. Prinzip der Fairness: Das Prinzip der Fairness erfordert, dass ein Mensch seinen Verpflichtungen nachkommt wie sie von einer Institution aufgestellt werden, unter zwei Bedingungen. 1. Die Institution ist gerecht (bzw. fair) d.h. die Institution erfüllt die beiden Prinzipien der Gerechtigkeit. >Prinzipien/Rawls. I 112 2. Man hat freiwillig dem Arrangement zugestimmt. D.h. dass diejenigen, die zugestimmt haben, ein Recht darauf haben, dies auch von anderen zu erwarten, die Vorteile aus diesem Arrangement ziehen(1). >Reziprozität. Es ist falsch anzunehmen, dass Gerechtigkeit als Fairness oder Vertragstheorien allgemein folgen würde, dass Menschen eine Verpflichtung gegenüber ungerechten Regimen hätten. >Gerechtigkeit. VsLocke/Rawls: Insbesondere Locke ist fälschlich deswegen kritisiert worden: dabei wurde die Notwendigkeit weiterer Hintergrundannahmen übersehen(2). >J. Locke, >Vertragstheorie, >Verträge. 1. Siehe H.L.A. Hart „Are There Any Natural Rights?“, Philosophical Review, Bd. 64, (1955) S. 185f. 2. Siehe Lockes These, dass eine Eroberung kein Recht schafft: Locke, Second treatise of Government, pars. 176, 20.) |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Fairness | Wirtschaftstheorien | Gaus I 232 Fairness/Verteilungsgerechtigkeit/Wirtschaftstheorien/Lamont: (...) [ein] von Ökonomen favorisierter Ansatz zur Fairness hat sich im Kontext der modernen Spieltheorie entwickelt. Die gebräuchlichste Strategie ist die Einführung einer "neidfreien" Anforderung: Eine Verteilung gilt dann als fair, wenn keine der an der Verteilung beteiligten Parteien neidisch auf die Zuteilungen anderer ist. Mikrogerechtigkeit: Diese und verwandte Begriffe von Fairness werden üblicherweise auf Fragen der "Mikrogerechtigkeit" angewandt, die sich eher in alltäglichen oder lokal begrenzten Situationen ergeben als bei der Verteilung für die gesamte Gesellschaft (Baumol, 1986(1); Brams und Taylor, 1996(2); Le Grand, 1991(3); Varian, 1975(4); Young, 1994(5)). Die Schwierigkeiten, mit denen diese Theorien konfrontiert sind, bestehen darin, reale Zuteilungen festzulegen, die das Kriterium der Neidfreiheit erfüllen, dies aber nicht durch unangemessene Erweiterungen unserer alltäglichen Vorstellung von Neidfreiheit erreichen. Trotz dieser Schwierigkeiten haben einige Theoretiker die Analyse im breiteren Kontext der Verhandlungstheorie erweitert, um die traditionellen Probleme der Verteilungsgerechtigkeit zu behandeln (Barry, 1989(6); Binmore, 1994(7); 1998(8); Zajac, 1995(9)). Dieser Trend dürfte sich in Zukunft mit einem stärkeren Engagement von Wirtschaftswissenschaftlern, politischen Theoretikern und Philosophen fortsetzen. >Fairness/Politische Theorien, >Verteilungsgerechtigkeit. 1. Baumol, William J. (1986) Superfairness: Applications and Theory. Cambridge, MA: MIT Press. 2. Brams, Steven J. and Alan D. Taylor (1996) Fair Division: From Cake-Cutting to Dispute Resolution. Cambridge: Cambridge University Press. 3. Le Grand, Julian (1991) Equity and Choice: An Essay in Economics and Applied Philosophy. London: Harper Collins. 4. Varian, Hal R. (1975) 'Distributive justice, welfare economics, and the theory of fairness'. Philosophy and Public Affairs, 4:223-47. 5. Young, H. Peyton (1994) Equity: In Theory and Practice. Princeton, NJ: Princeton University Press. 6. Barry, Brian (1989) Theories of Justice. Berkeley, CA: University of California Press. 7. Binmore, Ken (1994) Game Theory and the Social Contract. vol. 1, Playing Fair. Cambridge, MA: MIT Press. 8. Binmore, Ken (1998) Game Theory and the Social Contract. Vol. 2, Just Playing (Economic Learning and Social Evolution). Cambridge, MA: MIT Press. 9. Zajac, Edward E. (1995) Political Economy of Fairness. Cambridge, MA: MIT Press. Lamont, Julian 2004. „Distributive Justice“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Fake News | Holmes | Krastev I 173 Fake News/Krastev/Holmes: Hinter [Trumps] ständigen Beschwerden über "Fake News" lässt sich eine sehr spezifische und sehr eigentümliche Haltung gegenüber der Wahrheit erkennen. Auch hier hilft es, Trump mit postkommunistischen Staatsoberhäupten wie Putin in Verbindung zu bringen, die dafür bekannt sind, leicht überprüfbare Tatsachen öffentlich zu leugnen, um Verhalten aufzuzeigen, das sonst anomal erscheinen würde. >Falschinformation/Politik Russlands. Gessen: Wie die in Russland geborene amerikanische Journalistin Mascha Gessen argumentiert, teilen Trump und Putin eine ähnliche Verachtung für die objektive Wahrheit. "Lügen ist die Botschaft", schreibt sie. Es geht nicht nur darum, dass Putin und Trump lügen, sondern auch darum, dass sie auf die gleiche Art und Weise und aus dem gleichen Grund lügen: unverhohlen, um Macht über die Wahrheit selbst zu erlangen(1). Krastev: Merkwürdigerweise erzählen beide Lügen, die schnell und mühelos als falsch entlarvt werden können. Der Zweck ihrer Lügen kann angesichts der Tatsache, dass ein Großteil ihres Zielpublikums Zugang zu alternativen Informationsquellen hat, nicht darin bestehen, zu täuschen. Zumindest ein Ziel ist es, zu zeigen, dass Führungspersönlichkeiten ausweichen können, ohne ungewollte Konsequenzen zu erleiden. Keinen Preis dafür zu zahlen, dass man leicht aufzudeckende Unwahrheiten erzählt, ist ein wirksames Mittel, um seine Macht und Straflosigkeit zu demonstrieren. Motivation: Bei der Entscheidung, was zu sagen ist, fragt Trump immer, ob Wahrheiten oder Unwahrheiten ihm eher helfen, "zu gewinnen". Seiner Meinung nach gibt es offensichtlich keinen Grund zu glauben, dass Personen, die die Wahrheit erzählen, eher als Lügner bekommen, was sie wollen. Aber wenn seine unverhohlenen Lügen das Schuldbewusstsein verraten, dann tun seine manchmal überraschenden Wahrheiten (dass z.B. gewählte Politiker im Besitz ihrer Geldgeber sind)(2) das Gleiche, denn er verkauft solche Wahrheiten nicht, weil sie wahr sind, sondern nur, um seine Missachtung der politischen Korrektheit zu dramatisieren und seine Feinde aus dem Gleichgewicht zu bringen. Krastev I 174 Personen, die die Wahrheit erzählen, können ihren Feinden unbeabsichtigt Hilfe und Trost spenden. Deshalb verlieren sie oft, wohingegen Lügner oft gewinnen. Krastev I 175 [Trump] glaubt auch, dass seine Feinde nicht deshalb Wahrheiten aussprechen, weil sie eine Art unparteiische Hingabe an die Wahrheit haben, sondern weil (und wann) es ihrem Interesse dient, dies zu tun. Indem er opportunistisch zwischen dem Sagen von Wahrheiten und dem Erzählen von Lügen wechselt, "projiziert er immer seine eigene Widerspenstigkeit" auf andere(3), was bedeutet, dass er davon ausgeht, dass alle anderen dasselbe tun. Vgl. >Ernsthaftigkeit/Bernard Williams. Putin: Wenn Putin leugnet, dass Moskau etwas mit der Vergiftung des ehemaligen Spions Sergej Skripal und seiner Tochter in Salisbury zu tun hatte, verteidigt er offensichtlich die Souveränität seines Landes, wozu auch das Recht gehört, die Gültigkeit von "Wahrheiten" zu leugnen, die von politischen Gegnern benutzt werden, um Russland anzugreifen. >Ernsthaftigkeit/Bernard Williams. Krastev I 177 Loyalität: (...) Die tief empfundene Loyalität gegenüber einem Führer oder einer Bewegung kann nicht durch offizielle Dokumente oder andere bürokratische Feinheiten erschüttert werden. Die Bereitschaft, solche faktischen Unwahrheiten zu wiederholen, ist ein Test der Loyalität. 1. Masha Gessen, 'The Putin Paradigm', New York Review of Books (13 December 2016). 2. 'As a businessman and a very substantial donor to very important people, when you give, they do whatever the hell you want them to do.' Peter Nicholas, 'Donald Trump Walks Back His Past Praise of Hillary Clinton', Wall Street Journal (29 July 2015). 3. Nancy Pelosi, cited in Jennifer Rubin, 'Trump's Fruitless Struggle to Stop Transparency', Washington Post (7 February 2019). |
LawHolm I Oliver Wendell Holmes Jr. The Common Law Mineola, NY 1991 Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Fake News | Krastev | Krastev I 173 Fake News/Krastev: Hinter [Trumps] ständigen Beschwerden über "Fake News" lässt sich eine sehr spezifische und sehr eigentümliche Haltung gegenüber der Wahrheit erkennen. Auch hier hilft es, Trump mit postkommunistischen Staatsoberhäupten wie Putin in Verbindung zu bringen, die dafür bekannt sind, leicht überprüfbare Tatsachen öffentlich zu leugnen, um Verhalten aufzuzeigen, das sonst anomal erscheinen würde. >Falschinformation/Politik Russlands. Gessen: Wie die in Russland geborene amerikanische Journalistin Mascha Gessen argumentiert, teilen Trump und Putin eine ähnliche Verachtung für die objektive Wahrheit. "Lügen ist die Botschaft", schreibt sie. Es geht nicht nur darum, dass Putin und Trump lügen, sondern auch darum, dass sie auf die gleiche Art und Weise und aus dem gleichen Grund lügen: unverhohlen, um Macht über die Wahrheit selbst zu erlangen(1). Krastev: Merkwürdigerweise erzählen beide Lügen, die schnell und mühelos als falsch entlarvt werden können. Der Zweck ihrer Lügen kann angesichts der Tatsache, dass ein Großteil ihres Zielpublikums Zugang zu alternativen Informationsquellen hat, nicht darin bestehen, zu täuschen. Zumindest ein Ziel ist es, zu zeigen, dass Führungspersönlichkeiten ausweichen können, ohne ungewollte Konsequenzen zu erleiden. Keinen Preis dafür zu zahlen, dass man leicht aufzudeckende Unwahrheiten erzählt, ist ein wirksames Mittel, um seine Macht und Straflosigkeit zu demonstrieren. Motivation: Bei der Entscheidung, was zu sagen ist, fragt Trump immer, ob Wahrheiten oder Unwahrheiten ihm eher helfen, "zu gewinnen". Seiner Meinung nach gibt es offensichtlich keinen Grund zu glauben, dass Personen, die die Wahrheit erzählen, eher als Lügner bekommen, was sie wollen. Aber wenn seine unverhohlenen Lügen das Schuldbewusstsein verraten, dann tun seine manchmal überraschenden Wahrheiten (dass z.B. gewählte Politiker im Besitz ihrer Geldgeber sind)(2) das Gleiche, denn er verkauft solche Wahrheiten nicht, weil sie wahr sind, sondern nur, um seine Missachtung der politischen Korrektheit zu dramatisieren und seine Feinde aus dem Gleichgewicht zu bringen. Krastev I 174 Personen, die die Wahrheit erzählen, können ihren Feinden unbeabsichtigt Hilfe und Trost spenden. Deshalb verlieren sie oft, wohingegen Lügner oft gewinnen. Krastev I 175 [Trump] glaubt auch, dass seine Feinde nicht deshalb Wahrheiten aussprechen, weil sie eine Art unparteiische Hingabe an die Wahrheit haben, sondern weil (und wann) es ihrem Interesse dient, dies zu tun. Indem er opportunistisch zwischen dem Sagen von Wahrheiten und dem Erzählen von Lügen wechselt, "projiziert er immer seine eigene Widerspenstigkeit" auf andere(3), was bedeutet, dass er davon ausgeht, dass alle anderen dasselbe tun. Vgl. >Ernsthaftigkeit/Bernard Williams. Putin: Wenn Putin leugnet, dass Moskau etwas mit der Vergiftung des ehemaligen Spions Sergej Skripal und seiner Tochter in Salisbury zu tun hatte, verteidigt er offensichtlich die Souveränität seines Landes, wozu auch das Recht gehört, die Gültigkeit von "Wahrheiten" zu leugnen, die von politischen Gegnern benutzt werden, um Russland anzugreifen. >Ernsthaftigkeit/Bernard Williams. Krastev I 177 Loyalität: (...) Die tief empfundene Loyalität gegenüber einem Führer oder einer Bewegung kann nicht durch offizielle Dokumente oder andere bürokratische Feinheiten erschüttert werden. Die Bereitschaft, solche faktischen Unwahrheiten zu wiederholen, ist ein Test der Loyalität. 1. Masha Gessen, 'The Putin Paradigm', New York Review of Books (13 December 2016). 2. 'As a businessman and a very substantial donor to very important people, when you give, they do whatever the hell you want them to do.' Peter Nicholas, 'Donald Trump Walks Back His Past Praise of Hillary Clinton', Wall Street Journal (29 July 2015). 3. Nancy Pelosi, cited in Jennifer Rubin, 'Trump's Fruitless Struggle to Stop Transparency', Washington Post (7 February 2019). |
Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Fallrecht/Präzedenzfälle | Positive Politische Theorie | Parisi I 225 Fallrecht/Präzedenzfälle/Positive Politische Theorie/Tiller: ((s) dieses Thema ist besonders auf die USA bezogen). Nach allgemeinem Verständnis von Rechtswissenschaftlern ist die Rechtslehre oder der Präzedenzfall ein wesentlicher Bestandteil des "Rechts", zumindest so, wie es von Gerichten ausgeht (Tiller und Cross, 2006)(1). Hierarchien: Typischerweise sind es die höheren Gerichte innerhalb einer richterlichen Hierarchie, die durch eine richterliche Stellungnahme oder mehrere Stellungnahmen eine Rechtsdoktrin schaffen oder bestätigen, die ein gewisses Maß an verbindlicher Wirkung für die Gerichte hat, einschließlich der höheren Gerichte selbst in zukünftigen Fällen. Rechtsdoktrinen sind Entscheidungsprinzipien, die auf die verschiedenen Entscheidungsinstrumente - d.h. die verschiedenen rechtlichen Herausforderungen und Fragen, die von den Parteien eines Falles vorgebracht werden - anwendbar sind, die den Gerichten zur Verfügung stehen und auf die sie ihre Ergebniswahl stützen können. Entscheidungen: Entscheidungsinstrumente können als die routinemäßigen Anfechtungs- und Verteidigungsstrukturen betrachtet werden, die mit einer bestimmten Fallart verbunden sind, unabhängig davon, ob es sich um Regulierung, geistiges Eigentum, Verträge oder eine der zahlreichen Fallarten handelt, die typischerweise von einem Gericht zu entscheiden sind. Bei rechtlichen Anfechtungen von Vorschriften wären typische Instrumente zum Beispiel die Auslegung von Gesetzen und die Anfechtung willkürlicher und unberechenbarer Entscheidungen. Rechtsstreitigkeiten: Prozessparteien wissen, dass sie beide Anfechtungsarten in einer Klage gegen eine Behörde vorbringen können, wenn dies im Kontext der Anfechtung in irgendeiner Weise plausibel ist. Revision: Ein Revisionsgericht könnte dann die Regulierungsmaßnahme aus einem (oder beiden) dieser Gründe ablehnen, was dem Gericht eine Wahlmöglichkeit bietet. Parisi I 226 Umsetzung: Ob eine bestimmte Doktrin in einem Fall umgesetzt wird, kann davon abhängen, welches Entscheidungsinstrument das Gericht für gültig erklären möchte. Unter bestimmten Umständen, z.B. bei einem Fall mit nur einem Streitpunkt, hat ein Gericht kaum eine andere Wahl, als einen bestimmten Präzedenzfall zu verwenden, da nur ein einziges Entscheidungsinstrument zur Debatte steht. In vielen Situationen gibt es jedoch eine Vielzahl von Fragen und Herausforderungen, die das Gericht vor die Wahl zwischen verschiedenen Instrumenten stellen, auf die es seine Entscheidung stützen kann. Politik: Welches Instrument gewählt wird, hängt oft von dem doktrinären Präzedenzfall ab, der mit dem Instrument verbunden ist und das Instrument als Mittel zur politischen Kontrolle im Wettbewerb mit anderen politischen Akteuren mehr oder weniger wünschenswert macht. >Recht/Positive Politische Theorie, >Wettbewerb/Positive Politische Theorie, >Positive Politische Theorie/Tiller. 1. Tiller, Emerson H. and Frank B. Cross (2006). "What is Legal Doctrine?" Northwestern University Law Review 100: 517—534. Tiller, Emerson H. “The “Law” and Economics of judicial decision-making. A Positive Political Theory Perspective.” In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Falsche Geständnisse | Sozialpsychologie | Parisi I 134 Falsche Geständnisse/Sozialpsychologie/Nadler/Mueller: Die physische Umgebung des Verhörs ist ein wichtiges Merkmal für das Potenzial, effektiv ein Schuldbekenntnis zu erlangen. Oft verhört die Polizei einen Verdächtigen in einem kleinen, fensterlosen Raum in der Polizeistation oder einer anderen Strafverfolgungseinrichtung. So wird der Verdächtige von seinem sozialen Unterstützungsnetzwerk aus Familie und Freunden isoliert. Dies erhöht die Angst des Verdächtigen und seinen Wunsch zu fliehen (Kassin, 2008)(1). Eine wichtige Quelle des Drucks auf den Verdächtigen ist die Konfrontation der Vernehmungsbeamten mit dem Schuldvorwurf und das Abblocken von Versuchen, die Schuld zu bestreiten. Unschuldige Menschen, die ein falsches Geständnis abgelegt haben, berichten später oft, dass sie dies nur getan haben, um dem Stress der scheinbar nicht enden wollenden Konfrontation ein Ende zu setzen. Diese Menschen sind fast immer davon überzeugt, dass die Wahrheit ans Licht kommen wird, nachdem sie ihren Peinigern im Verhörraum entkommen konnten. Minimierung/Maximierung: Um den Verdächtigen davon zu überzeugen, dass ein Geständnis vorteilhafter ist als ein Verschweigen, verwenden Vernehmungsbeamte Techniken, die Minimierung und Maximierung genannt werden. Minimierung bedeutet, den Verdächtigen davon zu überzeugen, dass die Polizei und/oder die Staatsanwaltschaft bereit sind, zu glauben, dass die Straftat nicht so schwerwiegend war, wie die Anschuldigung vermuten lässt, oft aufgrund von mildernden Umständen wie Selbstverteidigung, Rausch oder Zwang. Andere gesichtswahrende Rechtfertigungen, die Verdächtigen oft nahegelegt werden, sind die Vorstellung, dass ihre Handlungen unter dem Druck von Gleichaltrigen, spontan oder versehentlich waren (Kassin et al., 2010)(2). Minimierung/Verharmlosung: Implizit in dem Thema der Minimierung Parisi I 135 ist das Versprechen von Milde oder sogar, dass die Handlungen des Verdächtigen gar kein Verbrechen darstellen würden. In einem Experiment war die Wahrscheinlichkeit, dass Teilnehmer gestehen, doppelt so hoch, wenn die Minimierungstechnik verwendet wurde; unschuldige Teilnehmer gestanden dreimal so häufig mit der Minimierungstechnik (Russano et al., 2005)(3); andere Experimente haben gezeigt, dass die Minimierungstechnik das Risiko von falschen Geständnissen erhöht (Klaver, Lee und Rose, 2008)(4). Maximierung: Hier wird impliziert, dass, weil die Beweise für die Schuld so stark sind, der Verdächtige unabhängig davon, ob er gesteht, verurteilt wird. Die Kooperation mit den Ermittlern ist der einzige Weg, um die härteste Strafe zu vermeiden, zum Beispiel die Todesstrafe. Vernehmungsbeamte in den Vereinigten Staaten (jedoch nicht in den meisten Ländern Europas) sind rechtmäßig befugt, falsche Beweise zu fabrizieren, um den Verdächtigen von der Stärke der Beweise gegen ihn zu überzeugen. Detaillierte Geständnisse: Viele dokumentierte falsche Geständnisse bestehen aus umfangreichen, detaillierten und genauen Schilderungen des Verbrechens. Fallstudien von zu Unrecht Verurteilten zeigen, dass diese Details dem Verdächtigen unbekannt waren, ihnen aber von den Vernehmungsbeamten offenbart wurden. >Strafen/Sozialpsychologie. 1. Kassin, S. M. (2008). " The Psychology of Confessions." Annual Review of Law and social science 4(1): 193-217. doi:10.1146/annurev.1awsocsci.4.110707.172410. 2. Kassin, S. M., S. A. Drizin, T. Grisso, G. H. Gudjonsson, R. A. Leo, and A. D. Redlich (2010). "Police-Induced Confessions: Risk Factors and Recommendations." Law and Human Behavior 34(1): 3-38. doi:10.1007/s10979-009-9188-6. 3. Russano, M. B., C. A. Meissner, F. M. Narchet, and S. M. Kassin (2005). "Investigating True and False Confessions Within a Novel Experimental Paradigm." Psychological Science 16(6): 481-486. 4. Klaver, J. R., Z. Lee, and V. G. Rose (2008). "Effects of Personality, Interrogation Techniques and Plausibility in an Experimental False Confession Paradigm." Legal and Criminological Psychology doi:10.1348/135532507X193051. Nadler, Janice and Pam A. Mueller. „Social Psychology and the Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Falschinformation | Politik Russlands | Krastev I 128 Falschinformation/Politik Russlands/Krastev: Amerikanische Offizielle konnten nicht verstehen, warum Putin behauptete, dass es "Bürgerwehrgruppen" und nicht russische Streitkräfte seien, die Infrastruktur und militärische Einrichtungen auf der Krim beschlagnahmt hatten(1) - oder warum Putin leugnete, dass Russland etwas mit dem Hacken der E-Mails der Demokratischen Partei zu tun hatte. Welchen Sinn hatte es, so etwas zu sagen, wenn Bilder von russischen Spezialeinheiten, die die öffentlichen Gebäude auf der Krim erobern, überall im Fernsehen und im Internet zu sehen sind und wenn das FBI den Geheimdienstler identifiziert hat, der sich in die E-Mails gehackt hat? Putins Lügen erschienen im Zeitalter der unfreiwilligen Transparenz absurd. Krastev: Warum logen russische Offizielle also so unverfroren, wenn sie doch genau wussten, dass ihre Lügen wenige Stunden nach ihrer Äußerung aufgedeckt werden würden? Putins unverhohlene Verlogenheit lief einer Grundannahme der Realpolitik zuwider, nämlich, dass "Lügen nur dann wirksam ist, wenn das potenzielle Opfer glaubt, dass der Lügner wahrscheinlich die Wahrheit sagt" und dass "niemand als Lügner bezeichnet werden will, selbst wenn es einem guten Zweck dient"(1). Lösung/Krastev: Jeder Gegenangriff, der durch Putins unverhohlenes verlogenes Verhalten provoziert wurde, war aus seiner Sicht, Krastev I 129 eine Möglichkeit, die Welt und insbesondere Amerika daran zu erinnern, wie oft der Westen Russland in der Vergangenheit belogen hatte. Das Ziel war weniger die Erzielung eines strategischen Vorteils als vielmehr die Veränderung der mentalen Verfassung und des Selbstbildes des Hauptfeindes, d.h. die Amerikaner dazu zu bringen, sich schmerzlich an das zu erinnern, was sie so einfach vergessen hatten. Politik der USA: James Jesus Angleton, Chef der CIA-Gegenspionage von 1954 bis 1975, würde Putins Verhalten als weniger skandalös empfinden als seine Nachfolger, die heute die amerikanischen Geheimdienste leiten. (...) [er glaubte], dass "das Wesen der Falschinformation eine Provokation ist und keine Lüge"(2). 1. John J. Mearsheimer, Why Leaders Lie: The Truth About Lying in International Politics (Oxford University Press, 2013), S. 29, 20. 2. Edward Jay Epstein, Deception: The Invisible War between the KGB and the CIA (Simon and Schuster, 1989), S. 17. |
Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Fälschung | Searle | III 42 Fälschung/Searle: Alle könnten am Ende glauben, dass ein gefälschter Geldschein echt ist, aber dabei dreht es sich um einen Typ von Ding: "Geld". Regulative Regeln: Regulative Regeln regeln schon vorher bestehende Tätigkeiten. Konstitutive Regeln: schaffen die Möglichkeit von Tätigkeiten. >Regeln/Searle. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| False-Belief-Test | Happé | Slater I 151 False-Belief-Test/Happé: Happé (1993)(1) verglich das Verständnis von buchstäblichen und nicht-buchstäblichen Aussagen wie: “Caroline was so embarrassed. Her face was like a beetroot,” was wortwörtlich verständlich ist und “Ian was very clever and tricky. He really was a fox,” was buchstäblich falsch ist. Sie argumentierte, dass "genau wie in der False-Belief-Situation (aber nicht im True-Belief-Fall) der mentale Zustand (Glaube) des Akteurs entscheidend ist und die Realität allein kein Leitfaden für das Handeln ist. So ist in der Metapher (aber nicht in der wörtlichen Sprache) der mentale Zustand (Absicht) des Sprechers lebenswichtig, und die Arbeit mit der "Realität" in Form der wörtlichen Bedeutung der Äußerung ist nicht ausreichend für das Verständnis" (S. 104). In ähnlicher Weise verglichen die Forscher die Fähigkeit zu verstehen, Sehen vs. Wissen, Täuschung vs. Sabotage, falsche Fotos vs. falsche Überzeugungen, die Erkennung von grundlegenden vs. komplexen Emotionen (für eine Review siehe Baron-Cohen, 2000)(2). >Autismus/Baron-Cohen, >False-Belief-Test/Psychologische Theorien, >Theory of Mind/ToM/Psychologische Theorien, >Theory of Mind/Dennett. 1. Happé, F. (1993). Communicative competence and theory of mind in autism: A test of relevance theory. Cognition, 48, 101—119. 2. Baron-Cohen, S. (2000). Theory of mind and autism: A 15-year review. In S. Baron-Cohen, H. Tager-Flusberg & D. J. Cohen (Eds), Understanding other minds: Perspectives from developmental cognitive neuroscience (pp. 3—21). Oxford: Oxford University Press. Coralie Chevallier, “Theory of Mind and Autism. Beyond Baron-Cohen et al’s. Sally-Anne Study”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Slater I Alan M. Slater Paul C. Quinn Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012 |
| False-Belief-Test | Psychologische Theorien | Slater I 149 False-Belief-Test/FBT/psychologische Theorien: Wie zeigt man, dass ein Individuum die Fähigkeit hat, mentale Zustände zu begreifen? Wie Dennett (1978)(1) betonte, reicht es nicht aus zu zeigen, dass ein Individuum die Handlungen eines anderen Individuums vorhersagen kann, denn in vielen Fällen lassen sich Handlungen vorhersagen, indem man einfach den tatsächlichen Zustand der Welt beobachtet. >Theory of Mind. Wimmer/Perner: (Wimmer und Perner 1983)(2) entwarfen einen Test, der später von Baron-Cohen et al. (1985)(3) modifiziert und dann "Sally-Anne-Test" genannt wurde: Baron-Cohen: Bei dieser Aufgabe, auch als unerwarteter Transfer-Test des falschen Glaubens ("unexpected transfer test of false belief") bezeichnet, wird den Kindern eine Geschichte erzählt, in der zwei Puppen, Sally und Anne, mit einer Murmel spielen. Sally legt die Murmel in einen Korb und verlässt den Raum. In Sallys Abwesenheit nimmt Anne die Murmel heraus und spielt mit ihr. Sobald sie mit dem Spielen fertig ist, legt sie die Murmel in eine Kiste. Sally kehrt zurück und das Kind wird gefragt, wo Sally nach der Murmel suchen wird. Das Kind besteht die Aufgabe, wenn es antwortet, dass Sally schauen wird, wo sie die Murmel zuerst hingelegt hat. Das Kind scheitert an der Aufgabe, wenn es antwortet, dass Sally in die Kiste schaut (wo die Murmel wirklich ist). Zwei weitere Kontrollfragen werden gestellt, um sicherzustellen, dass das Kind das Szenario versteht: eine Realitätsfrage: "Wo ist die Murmel wirklich?" und eine Erinnerungsfrage: "Wo war die Murmel am Anfang?" >Autismus/Baron-Cohen, >False-Belief-Test/Happé. Slater I 153 Die Beobachtung, dass eine kleine Untergruppe von autistischen Kindern bei der ToM-Aufgabe erfolgreich war (>Theory of Mind/ToM/Psychologische Theorien), führte zur Entwicklung anspruchsvollerer ToM-Aufgaben, wie z.B. FBTs zweiter Ordnung, wie z.B. dem "ice-cream van test". (Baron-Cohen 1989)(4). 90% der normal entwickelnden Kinder bestanden den Test und auch 60% der Kinder mit Down-Syndrom. Im Gegensatz dazu gelang dies keinem der Kinder mit Autismus (...). Siehe auch Bowler (1992)(5). Slater I 154 Als Antwort auf diese neue Herausforderung wurden zwei - miteinander kompatible - Hypothesen entwickelt. Die erste ist, dass Personen mit Autismus, die diese Tests erster und zweiter Ordnung bestehen, dies mit einer erheblichen Verzögerung tun. Dies passt gut zu den Ergebnissen der Meta-Analyse von Happé (1995)(6) >False-Belief-Test/Happé) von 13 False-Belief Studien, die zeigen, dass das verbale mentale Mindestalter (VMA), in dem die Teilnehmer FBTs bestehen, bei TD-Kindern 3,62 Jahre und bei Kindern mit ASD 5,5 Jahre beträgt (siehe auch, Fisher, Happé, & Dunn, 2005)(7). Unter der Annahme, dass es eine kritische Phase für die Entwicklung zahlreicher kognitiver Fähigkeiten gibt, könnte diese Verzögerung die anhaltenden Defizite im kommunikativen und sozialen Bereich erklären. Die zweite Hypothese ist, dass die Oberflächenleistung von der tatsächlichen Kompetenz zu unterscheiden ist. Es ist in der Tat möglich, dass die Personen mit ASD, die ToM-Tests bestehen, Strategien verwenden, die sich von herkömmlichen ToM-Mechanismen unterscheiden. Slater I 155 Negative Ergebnisse im FBT sind mit Vorsicht zu interpretieren: Was die erste Prämisse betrifft, so können die besten Beweise dafür, dass wir negative Ergebnisse von präverbalen Säuglingen interpretieren sollten, tatsächlich die psychischen Zustände anderer Menschen repräsentieren (für eine Review siehe Baillargeon, Scott, & He, 2010(8); siehe aber Ruffman & Perner, 2005)(9), obwohl TÐ-Kinder nachweislich vor dem Alter von vier Jahren verbal präsentierte FBTs nicht bestanden haben (für eine Review siehe Wellman, Cross, & Watson, 2001)(10). So sind beispielsweise Säuglinge im Alter von 15 Monaten (Onishi & Baillargeon, 2005)(11) oder sogar 13 Monaten (Surian, Caldi, & Sperber, 2007)(12) überrascht, wenn das Verhalten des Schauspielers nicht mit seinem wahren oder falschen Glauben an die Situation übereinstimmt. 1. Dennett, D. (1978). Beliefs about beliefs. Behavioral and Brain Sciences, 1, 568-570. 2. Wimmer, H., & Perner, J. (1983). Beliefs about beliefs: Representation and constraining function of wrong beliefs in young children’s understanding of deception. Cognition. 13, 103—128. 3. Baron-Cohen, S., Leslie, A., & Frith, U. (1985). Does the autistic child have a “theory of mind.” Cognition, 21, 13—125. 4. Baron-Cohen, S. (1989). The autistic child’s theory of mind — a case of specific developmental delay. Journal of Child Psychology and Psychiatry and Allied Disciplines, 30, 285—297. 5. Bowler, D. M. (1992). “Theory of mind” in Asperger’s Syndrome. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 33, 877—89 3. 6. Happé, F. (1995). The role of age and verbal ability in the theory of mind task performance of subjects with autism. Child Development, 66, 843—855. 7. Fisher, N., Happé, F., & Dunn, J. (2005). The relationship between vocabulary, grammar, and false belief task performance in children with autistic spectrum disorders and children with moderate learning difficulties. Journal of Child Psychology and Psychiatry, 46, 409—419. 8. Baillargeon, R., Scott, R, &He, Z. (2010). False-beliefunderstandingininfants. Trends in Cognitive Sciences, 14,110—118. 9. Ruifman, T., & Perner, J. (2005). Do infants really understand false belief? Response to Leslie. Trends in Cognitive Sciences, 9, 462—463. 10. Wellman, H. M., Cross, D., & Watson, J. (2001). Meta-analysis of theory-of-mind development: The truth about false belief. Child Development, 72, 65 5—684. 11. Onishi, K. H., & Baillargeon, R. (2005). Do 15-month-old infants understand false beliefs? Science, 308, 5719, 255—258. 12. Surian, L., Caldi, S., & Sperber, D. (2007). Attribution of beliefs by 13-month-old infants. Psychoiogical Science, 18, 580—586. Coralie Chevallier, “Theory of Mind and Autism. Beyond Baron-Cohen et al’s. Sally-Anne Study”, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Slater I Alan M. Slater Paul C. Quinn Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012 |
| Falsifikation | Dummett | II 119 Behauptung/Korrektheit/Dummett: keine Behauptung kann zugleich korrekt und inkorrekt sein, weil sie nicht verifiziert und zugleich falsifiziert werden kann - aber wir kommen in gefährliche Nähe davon, wenn die Falsifikationsbedingung den Sinn des Satzes nicht bestimmt, wenn er selbständig gebraucht wird. II 120 Def Nicht inkorrekt: nicht falsifizierbar. II 122 Nicht jede Behauptung muss korrekt oder inkorrekt sein - es könnte sich später herausstellen - Realismus:; vielleicht niemals - Dummett: wenn wir diese Behauptung verstehen, dann aufgrund von Wahrheitsbedingungen. >Wahrheitsbedingungen, >Realismus, >Korrektheit, >Richtigkeit, >Verifikation. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Farben | Carnap | VI 126 Farben/Carnap: ergeben sich als Abstraktionsklassen von Gleichfarbigkeit. VI 102 Abstraktionsklasse/Carnap: Klasse der mit einem beliebigen Element verwandten Elemente. VI 152 Ähnlichkeitskreise/Carnap: Man nimmt zunächst alle Klassen von sich selbst teilähnlichen Elementarerlebnissen - (wegen Reflexivität). >Erlebnisse. Dann die Zweier-, Dreier- usw. Klassen von teilähnlichen Elementarerlebnissen. Dann streicht man aus dieser Liste alle die Klassen, die in einer anderen als Teilklasse enthalten sind. VI 181 GoetheVsPositivismus/GoetheVsEmpirismus/GoetheVsNewton/GoetheVsCarnap: (Farbenlehre): Man soll im Gebiet der Sinneswahrnehmungen selbst bleiben und die zwischen ihnen bestehenden Gesetzmäßigkeiten im Gebiet der Wahrnehmungen selbst feststellen. CarnapVsGoethe: Die physikalischen Gesetze gelten dort nicht, wohl aber andere, verwickeltere. Vgl. >Wahrnehmung, >Phänomene, >Qualia. |
Ca I R. Carnap Die alte und die neue Logik In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 Ca II R. Carnap Philosophie als logische Syntax In Philosophie im 20.Jahrhundert, Bd II, A. Hügli/P.Lübcke (Hg) Reinbek 1993 Ca IV R. Carnap Mein Weg in die Philosophie Stuttgart 1992 Ca IX Rudolf Carnap Wahrheit und Bewährung. Actes du Congrès International de Philosophie Scientifique fasc. 4, Induction et Probabilité, Paris, 1936 In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Ca VI R. Carnap Der Logische Aufbau der Welt Hamburg 1998 CA VII = PiS R. Carnap Sinn und Synonymität in natürlichen Sprachen In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Ca VIII (= PiS) R. Carnap Über einige Begriffe der Pragmatik In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 |
| Farben | Quine | I 85 Farbe/Quine: Farben sind vager als Kaninchen. Um festzustellen, ob jemand ein Junggeselle ist, braucht man eine Zusatzinformation. Die Reizbedeutung ist hier nicht entscheidend. Aufsteigende Linie von Reizbedeutung zu Zusatz-Information: Farben - Kaninchen - Jungeselle ((s) > Wissen/Quine). I 386 Dispositionsausdrücke/Quine: Dispositionsausdrücke sind Annahmen aus der Feinstruktur (Mikrostruktur). Farben: "rot" ist eigentlich auch ein Dispositionsausdruck! Irreduzible allgemeine Termini sind paraphrasierbar nur durch irreale Bedingungssätze (kontrafaktische Konditionale). >Dispositionen/Quine, >Allgemeine Termini/Quine. II 120 ff Farben/Smart: Farbunterschiede stehen selten in Zusammenhang mit entscheidenden physikalischen Unterschieden. Außerirdische haben wahrscheinlich Begriffe für die Länge und elektrische Ladung, aber nicht für Farben. Um die Welt richtig zu sehen, müssen wir Farben und sekundäre Qualitäten meiden. V 104 Farbe/Quine: Farbe ist kein Begriff: weil es nichts bestimmtes ist, wie ein Quadrat. Es ist kein bestimmter Farbton, stattdessen: ist es Begriff des Farbworts. Also ""Rot" ist ein Farbwort" (sprachgebunden). Schlecht wäre es, zu sagen: "Rot ist eine Farbe", weil z.B. rot und blau so verschieden sind wie Menschen, deren Telefonnummer eine Primzahl ist. ((s) Es gibt hier keine auszeichnende Eigenschaft). ((s) Was sollen Rot und Blau gemeinsam haben?) Zeigen: Problem: Farbe ist überall, daher ist "Da ist Farbe" ein schlechter Beobachtungssatz. Farbgleichheit: meint immer eine exakte Gleichheit. Farbwort/Farbe/allg Term/sing Term/Referenz/Sprachlernen/Spracherwerb/Quine: Bsp: Man kann Schnee weiß und Blut rot nennen, ohne dass "weiß" und "rot" dabei allgemeine Term sind. Schnee ist ein diffuser Teil der Welt, der Teil eines umfangreicheren diffusen Teils der Welt ist, des Weißen. Ähnlich: Bsp a) lächelnde Mama, b) Mama überhaupt. ((s) >Teilmenge). Pointe: dagegen: Bsp: dass Fido ein Hund ist, läuft nicht darauf hinaus, dass er Teil jenes ausgedehnteren Teils der Welt wäre, der aus Hunden besteht, denn das würde auch von seinem Ohr gelten. (> Gavagai/Quine) - entsprechend für Quadrat. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Feinkörnig/grobkörnig | Block | Fodor IV 169 Feinkörnig/Zwillingserde/Begriffliche Rolle/Conceptual Role Theory/CRT/Block/Fodor/Lepore: Probleme mit der Zwillingserde zielen in die andere Richtung als Freges Probleme (Intension/Extension). Frege: braucht feinkörnigere Begriffe als Extensionen Putnam: braucht weniger feinkörnige als extensionale Äquivalenz. (Enge Auffassung): Synonyme Ausdrücke müssen als extensional unterschieden behandelt werden. (Wasser/Zwillingserden-Wasser). >Zwillingserde. Daher wird ein gemeinsamer theoretischer Ansatz (CRT) kaum funktionieren. Lösung/Block: "Zwei Faktoren" Version der CRT. die beiden stehen orthogonal zueinander: a) Eigentliche CRT: deckt den Bedeutungsaspekt von Frege ab IV 170 b) Unabhängige vielleicht kausale Theorie der Referenz: (ZE/Wasser/Zwillingserden-Wasser). Fodor/LeporeVsBlock: das hat fast gar nichts mit CRT zu tun. Aber außerdem ist weder a) (Bedeutung) noch b) (Kausalität) verfügbar. Aber nehmen wir es trotzdem an: Bsp Angenommen, wir treffen die Unterscheidung Bedeutung/Referenz mit der "Zwei-Faktor"-Theorie: Wir haben dann zwar genügend Unterscheidungsfähigkeit, zahlen aber einen hohen Preis: Frage: Was hält die beiden Faktoren eigentlich zusammen? Bsp Was verhindert, dass es einen Ausdruck gibt, dessen inferentielle Rolle dem Ausdruck "4 ist eine Primzahl" entspricht und dessen Inhalt "Wasser ist nass" ist? Aber was würde es bedeuten? Und was würde damit ausgedrückt? Das Problem wiederholt sich auf der Ebene der Metatheorie: Was hält eine Theorie der Extension und eine Theorie der Bedeutung zusammen? BlockVsVs: Ihm ist das klar, und was er dazu sagt ist rätselhaft: "die begriffliche Rolle ist primär in der Bestimmung der Natur der Referenz, aber nicht umgekehrt." IV 171 Fodor/LeporeVsBlock: gerade im Fall der Zwillingserde kann die begriffliche Rolle die Referenz eben nicht bestimmen! Begriffliche Rolle/Block: scheint zu sagen, dass es in der Tat nicht die begriffliche Rolle von Wasser ist, die bestimmt, worauf sie sich bezieht, sondern die begriffliche Rolle von Namen! Deren Referenz ist schließlich nach Kripke kausal bestimmt. Begriffliche Rolle/(s): Unterschied: a) Begriffliche Rolle eines bestimmten Begriffs, Bsp Wasser, >Begriffliche Rolle. b) einer Wortklasse, Bsp Namen. >Namen. Fodor/LeporeVsBlock: Das löst aber nicht das Problem! Wir brauchen etwas, das die Verwechslung von Extension und Intension ausschließt. Was ist es, das einen Ausdruck wie (s.o.) "Primzahl/Nässe" ausschließt? Block: T ist kein Art-Begriff, wenn die Kausaltheorie von Art-Begriffen nicht wahr von ihm ist. Fodor/LeporeVsBlock: Das verhindert gerade nicht, dass "Wasser" die Extension eine Art-Begriffs hat und gleichzeitig die Logik eines Zahlbegriffs. |
Block I N. Block Consciousness, Function, and Representation: Collected Papers, Volume 1 (Bradford Books) Cambridge 2007 Block II Ned Block "On a confusion about a function of consciousness" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 F/L Jerry Fodor Ernest Lepore Holism. A Shoppers Guide Cambridge USA Oxford UK 1992 Fodor I Jerry Fodor "Special Sciences (or The Disunity of Science as a Working Hypothesis", Synthese 28 (1974), 97-115 In Kognitionswissenschaft, Dieter Münch Frankfurt/M. 1992 Fodor II Jerry Fodor Jerrold J. Katz Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Fodor III Jerry Fodor Jerrold J. Katz The availability of what we say in: Philosophical review, LXXII, 1963, pp.55-71 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 |
| Feldgleichungen | Kanitscheider | I 178 Gravitation/Relativitätstheorie/Kanitscheider: Eine Welt, gefüllt mit Gravitationsstrahlung, kann nicht völlig flach sein. Allerdings wird die Welle gedämpft, indem sie energetisch ärmer wird. So kann durch die Selbstwechselwirkung am Ende ein Schwarzes Loch entstehen. Man hat strenge Lösungen der Feldgleichungen gefunden für geschlossene Universen, deren alleiniger Inhalt aus Gravitationswellen besteht. Hier muss die Krümmung der Raumzeit selbst das principium individuationis bilden. Feldgleichung: (4) Rμν - 1/2 gμνR + λ gμν = 8πGTμν linke Seite: Phänomene, Krümmung rechte Seite: Materie, Ursache, Druck, Dichte, Spannung, Ladung. Feldgleichung: Wenn als Tensorgleichung formuliert, verschwände die Krümmung (und damit die Gravitation) im Außenraum der Sonne. Daher verwendet Einstein den Ricci-Tensor und den Krümmungsskalar R, beide enthalten nur den Beitrag der lokalen Materie. Die Kopplungskonstante G wird nicht durch die Feldgleichungen selber festgelegt, sondern muss extern empirisch bestimmt werden. Sie gehört nicht zu den nomologischen, sondern zu den kontingenten Elementen der Theorie. Schreibweise: Rμν: Riccitensor R: Krümmungsskalar Tμν: Materietensor >Raumkrümmung/Kanitscheider, >Universum/Kanitscheider, >Relativitätstheorie. I 182 Feldgleichungen/Kanitscheider: in ihrer obigen Form enthalten sie immer alle Arten von Raumzeiten. Hier ist es notwendig, die Randbedingungen zu spezifizieren, die die lokalen Lösungen von den in der Kosmologie brauchbaren globalen Lösungen trennen. Hier geht in großer Entfernung die Raumzeit Struktur in den asymptotisch flachen Minkowski Raum über. Das ist unbefriedigend, weil es einen ausgezeichneten Beobachterstandpunkt zulässt, im Widerspruch mit dem akzeptierten Kopernikanischen Weltbild. ((s) asymptotisch flach/(s): heißt, dass es in den Randgebieten des Universums anders aussieht als bei uns. Dort ist kein Leben möglich. Daher ausgezeichneter Beobachterstandpunkt). >Minkowski-Raum. |
Kanitsch I B. Kanitscheider Kosmologie Stuttgart 1991 Kanitsch II B. Kanitscheider Im Innern der Natur Darmstadt 1996 |
| Feste Wechselkurse | Congressional Research Service (CRS) | CRS I 0 Feste Wechselkurse/Marc Labonte/CRS: Stabile Wechselkurssysteme sind eine Schlüsselkomponente für ein stabiles Wirtschaftswachstum. Bei einem System fester Wechselkurse ist die Zentralbank verpflichtet, die Geldpolitik einzusetzen, um den Wechselkurs auf einem vorher festgelegten Kurs zu halten. Theoretisch kann eine Zentralbank bei einem solchen System die Geldpolitik nicht zur Förderung anderer Ziele einsetzen; in der Praxis ist der Spielraum zur Verfolgung anderer Ziele begrenzt, ohne den Wechselkurs zu stören. Currency Boards und Währungsunionen oder „Hard Pegs“ sind extreme Beispiele für ein System fester Wechselkurse, bei dem die Zentralbank wirklich aller ihrer Möglichkeiten beraubt ist, außer dem Umtausch eines beliebigen Betrags inländischer Währung in eine ausländische Währung zu einem vorher festgelegten Preis. Der wichtigste wirtschaftliche Vorteil fester Wechselkurse besteht darin, dass sie den internationalen Handel und die Investitionen fördern, was langfristig eine wichtige Quelle des Wachstums sein kann, insbesondere für Entwicklungsländer. >Flexible Wechselkurse, >Entwicklungsländer, >Wechselkurse, >Märkte, >Internationaler Handel, >Handel, >Währung. Wenn die Wirtschaft eines Landes in Bezug auf Handel und Investitionen in hohem Maße von seinen Nachbarn abhängig ist und ähnlichen wirtschaftlichen Schocks ausgesetzt ist wie diese, ist der Nutzen einer geld- und fiskalpolitischen Unabhängigkeit gering, und das Land ist mit einem festen Wechselkurs besser dran. Wenn ein Land einzigartigen wirtschaftlichen Schocks ausgesetzt ist und wirtschaftlich unabhängig von seinen Nachbarn ist, kann ein flexibler Wechselkurs ein wertvolles Mittel zur Förderung der makroökonomischen Stabilität sein. VsFeste Wechselkurse: Die jüngsten Erfahrungen mit Wirtschaftskrisen in Mexiko, Ostasien, Russland, Brasilien und der Türkei deuten darauf hin, dass feste Wechselkurse anfällig für Währungskrisen sind, die sich zu größeren Wirtschaftskrisen ausweiten können. Dies ist ein Faktor, der in der früheren Wechselkursliteratur nicht berücksichtigt wurde, zum Teil weil die internationale Kapitalmobilität heute eine größere Rolle spielt als in der Vergangenheit. >Währungspolitik, >Fiskalpolitik, >Geldpolitik. CRS I 8 Feste Wechselkurse/Marc Labonte/CRS: Bei einem traditionellen System fester Wechselkurse hat sich die Regierung bereit erklärt, eine beliebige Menge an Devisen zu einem vorher festgelegten Kurs zu kaufen oder zu verkaufen. Dieser Kurs kann an eine Fremdwährung oder (anders als bei einem Currency Board) an einen Korb von Fremdwährungen gebunden sein. In theoretischen Modellen, in denen das Kapital vollkommen mobil ist und Investoren alle Länder als gleichwertig betrachten, wären feste Wechselkurse zwangsläufig funktional mit einem Currency Board gleichzusetzen. Jeder Versuch, die Zinssätze eines Landes einseitig durch die Geld- oder Finanzpolitik zu beeinflussen, wäre unhaltbar, da Kapital so lange in das Land hinein oder aus dem Land heraus fließen würde, bis die Zinssätze wieder dem weltweiten Niveau entsprechen. In der Realität sind die Ergebnisse nicht ganz so eindeutig. Es gibt Transaktionskosten für Investitionen. Die Anleger verlangen von den verschiedenen Ländern unterschiedliche Risikoprämien, und diese Risikoprämien ändern sich im Laufe der Zeit. Unter den Anlegern weltweit, insbesondere in den Industrieländern, besteht eine starke Neigung, einen größeren Teil des Vermögens im Inland anzulegen, als es die Wirtschaftstheorie nahelegen würde. Aufgrund dieser Faktoren sind Zinsunterschiede, die theoretisch unmöglich sein sollten, reichlich vorhanden. Zum Beispiel sollten die Zinssätze in Frankreich und Deutschland ähnliche Risiken mit sich bringen. Wenn also die französischen Zinsen über den deutschen liegen, müsste das Kapital von Deutschland nach Frankreich fließen, bis sich die Zinsen wieder angeglichen haben. Der von der OECD gemessene Referenzzinssatz zwischen diesen beiden Ländern schwankte jedoch zwischen 1993 und der Einführung des Euro im Jahr 1999 um bis zu 1,61 Prozentpunkte. Infolgedessen haben Länder mit festen Wechselkursen nur einen begrenzten Spielraum, um geld- und finanzpolitische Ziele zu verfolgen, ohne dass ihr Wechselkurs unhaltbar wird. Im Gegensatz dazu haben Länder, die Currency Boards betreiben oder an Währungsunionen teilnehmen, keine geld- oder finanzpolitische Autonomie. Aus diesem Grund können feste Wechselkurse als „weiche Bindungen“ betrachtet werden, im Gegensatz zu den „harten Bindungen“, die ein Currency Board oder eine Währungsunion bieten. Im Vergleich zu einem Land mit einem schwankenden Wechselkurs ist die Möglichkeit eines Landes mit einem festen Wechselkurs, nationale Ziele zu verfolgen, jedoch stark eingeschränkt. Wenn eine Währung im Vergleich zu dem Land, an das sie gekoppelt ist, überbewertet wird, fließt Kapital aus dem Land ab, und die Zentralbank verliert ihre Reserven. Wenn die Reserven erschöpft sind und die Zentralbank die Nachfrage nach ausländischer Währung nicht mehr befriedigen kann, kommt es zu einer Abwertung, wenn sie nicht schon vorher erfolgt ist.(1) CRS I 9 Der typische Grund dafür, dass ein fester Wechselkurs in einer Krise aufgegeben wird, liegt in der mangelnden Bereitschaft der Regierung, ihre innenpolitischen Ziele zugunsten der Verteidigung des Wechselkurses aufzugeben. Die Zinssätze können fast immer so weit erhöht werden, dass das Kapital nicht mehr aus dem Land abfließt, aber diese Zinserhöhungen können mit einer starken Schrumpfung der Wirtschaft einhergehen. Es ist nicht ungewöhnlich, dass die Zinssätze auf dem Höhepunkt einer Wechselkurskrise dreistellige Werte erreichen. Krisen entstehen, weil die Investoren nicht glauben, dass die Regierung den politischen Willen hat, die wirtschaftlichen Härten in Kauf zu nehmen, die zur Aufrechterhaltung dieser Zinssätze zur Verteidigung der Währung erforderlich sind. Politische Vorteile: In früheren Jahrzehnten glaubte man, dass Entwicklungsländer mit einer verschwenderischen Vergangenheit ihr neues Engagement für makroökonomische Glaubwürdigkeit durch die Verwendung eines festen Wechselkurses untermauern könnten, und zwar aus zwei Gründen. Erstens würde die Beibehaltung fester Wechselkurse für Länder mit früher sehr hohen Inflationsraten den Marktteilnehmern signalisieren, dass die Inflation nun unter Kontrolle ist. So führt die Inflation beispielsweise dazu, dass die Anzahl der Dollar, die mit einem Peso gekauft werden können, ebenso sinkt wie die Anzahl der Äpfel, die mit einem Peso gekauft werden können. Daher kann ein fester Wechselkurs nur beibehalten werden, wenn große Inflationsunterschiede beseitigt werden. Zweitens ging man davon aus, dass ein fester Wechselkurs die Inflationserwartungen verankern würde, indem er für stabile Importpreise sorgt. Die Wirtschaftstheorie besagt, dass die Inflation bei einer bestimmten Änderung der Geldpolitik schneller zurückgeht, wenn die Menschen eine niedrigere Inflation erwarten. Nach den zahlreichen Krisen im Zusammenhang mit festen Wechselkursen in den 1980er und 1990er Jahren hat dieses Argument an Überzeugungskraft verloren. Anders als ein Currency Board bindet ein festes Wechselkurssystem den politischen Entscheidungsträgern nicht die Hände und verhindert eine Rückkehr zu einer schlechten makroökonomischen Politik.(2) Der Versuchung zu widerstehen, Haushaltsdefizite durch Inflation zu finanzieren, hängt letztlich vom politischen Willen ab; fehlt der politische Wille, wird das Wechselkurssystem aufgegeben, wie es in vielen Wechselkurskrisen der 1980er Jahre der Fall war. Wenn der politische Wille fehlt, wird das Wechselkurssystem aufgegeben, wie es bei vielen Wechselkurskrisen in den 1980er Jahren der Fall war. In der Vergangenheit verbrannt, sehen Investoren einen festen Wechselkurs möglicherweise nicht mehr als glaubwürdige Verpflichtung der Regierung zur makroökonomischen Stabilität an, was die Vorteile eines festen Wechselkurses schmälert. Darüber hinaus behaupten einige Befürworter von Currency Boards, dass dieser Mangel an Glaubwürdigkeit bedeutet, dass die Investoren die Verpflichtung der Regierung zur Beibehaltung eines weichen Wechselkurses auf eine Weise „testen“ werden, die für die Wirtschaft kostspielig ist. Im Gegensatz dazu behaupten sie, dass die Investoren ein Currency Board nicht testen werden, weil sie keinen Zweifel an der Verpflichtung der Regierung haben. Aus diesem Grund sind viele Ökonomen, die früher feste Wechselkurse aufgrund ihrer politischen Vorteile empfohlen haben, in den letzten Jahren dazu übergegangen, eine harte Wechselkursanbindung zu befürworten. >Harte Wechselkursanbindung (Hard pegs), >Weiche Wechselkursanbindung (Soft pegs), >Flexible Wechselkurse. CRS I 15 Kosten: Sowohl variable als auch feste Wechselkurse sind mit Kosten für die Volkswirtschaften verbunden. Fließende Wechselkurse verursachen Kosten, weil sie Handel und Investitionen hemmen. Feste Wechselkurse verursachen Kosten, da sie die Möglichkeiten der politischen Entscheidungsträger einschränken, die Wirtschaft im Inland zu stabilisieren, wodurch die Wirtschaft weniger stabil wird. CRS I 16 Es gibt jedoch einen grundlegenden Unterschied in der Art der Kosten, die sie verursachen. In den meisten Ländern sind die Kosten flexibler Wechselkurse internalisiert und können über den Markt in Form von Absicherungsgeschäften gesteuert werden.(2) 1. Das Problem ist asymmetrisch. Wenn ein fester Wechselkurs unterbewertet wäre, würde Kapital in das Land fließen und die Zentralbank würde Reserven anhäufen. Solange die Zentralbank bereit ist, ihre Währungsreserven zu erhöhen, kann ein unterbewerteter Wechselkurs aufrechterhalten werden. Man geht davon aus, dass dies in den letzten Jahren in China der Fall war. 2. Wenn frei schwankende Wechselkurse irrational fluktuieren, wie einige Ökonomen behaupten, so bedeutet dies für eine Volkswirtschaft weitere Kosten, die durch einen festen Wechselkurs beseitigt werden können, ohne Opfer zu bringen. Congressional Research Service of the Library of congress (CRS) Marc Labonte Fixed Exchange Rates and Floating Exchange Rates: What Have We Learned? RL31204 (2007) https://www.congress.gov/crs-product/RL31204 |
CRS I Congressional Research Service (CRS) Marc Labonte Fixed Exchange Rates and Floating Exchange Rates: What Have We Learned? Washington: Congressional Research Service of the Library of Congress 2007 CRS II Congressional Research Service (CRS) Paul Tierno Marc Labonte, Banking and Cryptocurrency: Policy Issues. CRS Congressional research Service Report R48430. Washington, DC. 2025 CRS III Congressional Research Service (CRS) Corrie E. Clark Heather L. Greenley, Bitcoin, Blockchain, and the Energy Sector. Washington, DC. 2019 CRS IV Congressional Reserch Service (CRS) Paul Tierno Cryptocurrency: Selected Policy Issues Congressional Reserch Service CRS Report R47425 Washington, DC. 2023 |
| Feuerbach, Ludwig | Marx | Rothbard II 362 Feuerbach/Kommunismus/Marx/Rothbard: Indem er die Dialektik in materialistischen und atheistischen Begriffen neu fasste, gab Marx jedoch den mächtigen Motor der Dialektik auf, wie er im Laufe der Geschichte wirkte: entweder den christlichen Messianismus oder die Vorsehung oder das wachsende Selbstbewusstsein des Weltgeistes. Wie könnte Marx einen „wissenschaftlichen“ materialistischen Ersatz finden, der sich auf die unausweichlichen „Gesetze der Geschichte“ stützt und die Unausweichlichkeit der bevorstehenden apokalyptischen Umwandlung der Welt in den Kommunismus erklären würde? Es ist eine Sache, die Vorhersage eines bevorstehenden Armageddon zu begründen Rothbard II 363 und sich dabei auf die Bibel zu stützen; eine ganz andere ist es, dieses Ereignis aus angeblich wissenschaftlichen Gesetzen abzuleiten. Die Ausarbeitung der Einzelheiten dieses Motors der Geschichte sollte Karl Marx für den Rest seines Lebens beschäftigen. Obwohl Marx Feuerbach für unverzichtbar hielt, um eine durch und durch atheistische und materialistische Position einzunehmen, fand Marx bald heraus, dass Feuerbach nicht annähernd weit genug gegangen war. Obwohl Feuerbach ein philosophischer Kommunist war, glaubte er im Grunde, dass die Entfremdung des Menschen von sich selbst beendet wäre, wenn er der Religion abschwor. Für Marx war die Religion nur eines der Probleme. Die gesamte Welt des Menschen (die Menschenwelt) war entfremdend und musste radikal, mit der Wurzel und dem Zweig, umgestürzt werden. Nur die apokalyptische Zerstörung dieser Menschenwelt würde es ermöglichen, die wahre menschliche Natur zu verwirklichen. Nur dann würde der bestehende „Unmensch“ wirklich zum Menschen werden. Wie Marx in der vierten seiner „Thesen über Feuerbach“ donnerte, „muss man dazu übergehen, [die] ‚irdische Familie‘ [wie sie ist] ‚sowohl in der Theorie als auch in der Praxis‘ zu zerstören.(1) Feuerbach: Insbesondere sei der wahre Mensch, so Marx, ein „Gemeinschaftswesen“ oder „Gattungswesen“, wie Feuerbach behauptet habe. Obwohl der Staat, so wie er existiert, negiert oder transzendiert werden muss, funktioniert die Teilnahme des Menschen am Staat als ein solches Gemeinschaftswesen. Das Hauptproblem entsteht in der privaten Sphäre, dem Markt oder der „Zivilgesellschaft“, in der der Unmensch als Egoist, als Privatperson handelt, die andere als Mittel und nicht als kollektive Herren ihres Schicksals behandelt. Und in der bestehenden Gesellschaft ist die Zivilgesellschaft leider primär, während der Staat oder die „politische Gemeinschaft“ sekundär ist. Um die volle Natur des Menschen zu verwirklichen, muss man den Staat und die Zivilgesellschaft überwinden, indem man das gesamte Leben politisiert, indem man alle Handlungen des Menschen kollektiv macht. Dann wird der wirkliche individuelle Mensch zu einem wahren und vollständigen „Gattungswesen“.(2) 1. Robert C. Tucker, Philosophy and Myth in Karl Marx (Cambridge: Cambridge University Press, 1961), p. 101. 2. Ibid. p. 105. |
Marx I Karl Marx Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Fido-Fido-Prinzip | "Fido"-Fido-Prinzip, Philosophie: Gilbert Ryles Ausdruck für die irrige Annahme, dass Wörter wie Namen funktionieren und daher etwas bezeichnen müssten. Im Extremfall, dass der typische Hundename Fido für ein Universale wie "Hundheit" stehe. Siehe auch Namen, Kennzeichnung, Universalien, Referenz, Bedeutung. |
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| Fido-Fido-Prinzip | Logik-Texte | Read III 32f RyleVsCarnap: (Rezension von Carnaps Bedeutung und Notwendigkeit): Fehler: "Fido"-Fido-Prinzip: weil der Name »Fido« seine Bedeutung daher erhält, dass er sich auf ein einzelnes Individuum bezieht sind wir versucht anzunehmen, dass andere Wörter auf dieselbe Weise funktionieren. Russell tappte in seiner Darstellung von Universalien in diese Falle: nach seiner Auffassung bestehen atomare Aussagen aus einer Anzahl von Individuen und einem Universale. Bsp »Fido ist ein Hund«. Worauf bezieht sich »Hund«? Nach der »Fido«-Fido-Theorie muss es seine Bedeutung daher erhalten, dass es einem einzelnen Ding zugeordnet ist, der Hundheit oder dem Universale Hund. >Universale, >Prädikation. Read III 32f Aussage/Russells Aussagen waren von ihm so konzipiert worden, dass sie die Bedeutung von Sätzen ausmachen. Folglich, sagte er, müssen Sie diese generischen Entitäten, Universalien enthalten. Das ist ein nicht gerechtfertigter Schritt. "Fido"-Fido-Prinzip: RyleVs: Das setzt Referenz mit Bedeutung gleich. >Referenz, >Bedeutung. Read III 32ff "Fido"-Fido-Prinzip: falsche Gleichsetzung von Referenz und Bedeutung: Russell: glaubte fälschlich, Fido sei der Hundheit zugeordnet, Prädikate, Verben und Adjektive bezögen sich auf Universalien. >Individuum, >Einzelding. |
Texte zur Logik Me I Albert Menne Folgerichtig Denken Darmstadt 1988 HH II Hoyningen-Huene Formale Logik, Stuttgart 1998 Re III Stephen Read Philosophie der Logik Hamburg 1997 Sal IV Wesley C. Salmon Logik Stuttgart 1983 Sai V R.M.Sainsbury Paradoxien Stuttgart 2001 Re III St. Read Philosophie der Logik Hamburg 1997 |
| Fiktionen | Gadamer | I 138 Literatur/Fiktion/Gadamer: Für den Dichter ist die freie Erfindung immer nur die eine Seite eines durch vorgegebene Geltung gebundenen Mittlertums. Er erfindet seine Fabel nicht frei, auch wenn er sich das noch so sehr einbildet. Vielmehr bleibt bis zum heutigen Tage etwas von dem alten Fundament der Mimesis-Theorie bestehen. >Mimesis. Die freie Erfindung des Dichters ist Darstellung einer gemeinsamen Wahrheit, die auch den Dichter bindet. Nicht anders steht es mit den anderen, insbesondere den bildenden Künsten. Der ästhetische Mythos der freischaffenden Phantasie, die das Erlebnis in die Dichtung verwandelt, und der Kult des Genies, der ihm zugehört, bezeugt nur, dass im 19. Jahrhundert das mythisch-geschichtliche Traditionsgut kein selbstverständlicher Besitz mehr ist. Aber selbst dann noch stellt der ästhetische Mythos der Phantasie und der genialen Erfindung eine Übertreibung dar, die vor dem, was wirklich ist, nicht standhält. Immer noch entspringt die Stoffwahl und die Ausgestaltung des gewählten Stoffes keinem freien Belieben des Künstlers und ist nicht bloßer Ausdruck seiner Innerlichkeit. Vielmehr spricht der Künstler vorbereitete Gemüter an und wählt dafür, was ihm Wirkung verspricht. Er selbst steht dabei in den gleichen Traditionen wie das Publikum, das er meint und sich sammelt. In diesem Sinne ist es wahr, dass er nicht als Einzelner, als denkendes Bewusstsein, das ausdrücklich zu wissen braucht, was er tut und was sein Werk sagt. Es ist eben niemals nur eine fremde Welt des Zaubers, des Rausches, des Traumes, zu der der Spieler, Bildner oder Beschauer hingerissen ist, sondern es ist immer noch die eigene Welt, der er eigentlicher übereignet wird, indem er sich tiefer in ihr erkennt. Es bleibt eine Sinnkontinuität, die das Kunstwerk mit der Daseinswelt zusammenschließt und von der sich selbst das entfremdete Bewusstsein einer Bildungsgesellschaft nie gänzlich löst. >Bildung, >Zweite Natur, >Kulturelle Überlieferung, >Kulturelle Werte, >Kultur, >Gesellschaft, >Literatur. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Fiktionen | Habermas | IV 224 Fiktion/Verstehende Soziologie/Lebenswelt/Habermas: wenn wir Gesellschaft als Lebenswelt konzipieren, unterstellen wir a) die Autonomie der Handelnden, b) die Unabhängigkeit der Kultur, c) die Durchsichtigkeit der Kommunikation. Diese drei Fiktionen sind in die Grammatik von Erzählungen eingebaut und kehren in einer kulturalistisch vereinseitigten, verstehenden Soziologie wieder. (HabermasVsVerstehende Soziologie). IV 225 Zwang/Zwanglosigkeit/Freiheit/Kommunikation/Verständigung/Habermas: aus der Binnenperspektive von Angehörigen einer soziokulturellen Lebenswelt kann es einen Pseudokonsensus im Sinne gewaltsam herbeigeführter Überzeugungen nicht geben; in einem grundsätzlich transparenten Verständigungsprozess, der für die Beteiligten selbst transparent ist, kann sich keine Gewalt festsetzen. >Zwang, >Gewalt, >Herrschaft. HabermasVs: diese Fiktion(en) durchschauen wir, sobald wir die Identifikation von Gesellschaft und Lebenswelt auflösen. >Lebenswelt/Habermas, Verstehende Soziologie/Habermas. Zwingend sind sie nur solange, wie wir annehmen, dass sich die Integration der Gesellschaft allein unter den Prämissen verständigungsorientieren Handelns vollzieht. Tatsächlich werden aber ihre zielgerichteten Handlungen nicht nur über Prozesse der Verständigung IV 226 koordiniert, sondern über funktionale Zusammenhänge, die von ihnen nicht intendiert sind und innerhalb des Horizonts der Alltagspraxis meistens auch nicht wahrgenommen werden. >Handlungen, >Verständigung, >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Filterblasen | Sunstein | I 8 Filterblasen/Terminologie/Sunstein: Sunstein gebraucht den Ausdruck „Informationskokon“ (information cocoon) für das, was Elie Pariser später „Filterblasen“ (filter bubbles) nannte. >E. Pariser. Medien/Negroponte: Nicholas Negroponte prophezeite schon früh das Entstehen einer völlig personalisierten Zeitung, „Daily Me“ in der jeder von uns nur das auswählt, was er mag und was ihn interessiert.(1) >N. Negroponte. SunsteinVsNegroponte: Das Hauptproblem ist dabei Herausbildung von Informations-Universen (information cocoons) in denen wir nur noch das hören, was wir selbst gewählt haben und was uns behagt. >Filterblasen/Pariser. I 9 Problem/Sunstein: Eine Firma wird mit Informationskokons nicht gut gedeihen, wenn die eigenen Entscheidungen nicht von innen heraus hinterfragt werden. ((s) Von innen heraus mit Informationen, die außen gewonnen wurden - eine Herausforderung von außen würde erst zu spät erfolgen, wenn die Firma aufgrund ihrer Selbstbezogenheit Schwächen zeigt). I 13 Gruppendiskussionen/Gruppendruck: Ein Beispiel dafür wird in einem Bericht über die NASA deutlich. (2) Danach ist es schwierig, Minderheiten zu ermutigen, ihre Meinung zu äußern oder schlechte Neuigkeiten bekannt zu geben statt sie zu verbergen. 1. Nicholas Negroponte, Being Digital (New York: Vintage, 1995), 153. In Cass R. Sunstein, Republic.com (Princeton, NJ: Princeton University Press, 2001), I extend and explore this possibility. 2. Columbia Accident Investigation Board, NASA, The Columbia Accident Investigation Board Report, 2003, 97–204, available at http://www.nasa.gov/columbia/home/CAIB_Vol1.html. p. 4. |
Sunstein I Cass R. Sunstein Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge Oxford 2008 Sunstein II Cass R. Sunstein #Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media Princeton 2017 |
| Fixpunkte | Gärdenfors | I 97 Fixpunkt/Kommunikation/Gärdenfors: ein Fixpunkt in einer Kommunikation ist erreicht, wenn z.B. eine Person sieht, dass die andere Person in die Richtung des von ihr gemeinten Gegenstands blickt. I 99 Zur Übereinstimmung von Wortbedeutungen sollte außerdem noch eine Übereinstimmung der mentalen Repräsentationen kommen. Kommunikation ist aber auch ohne das möglich: Bsp Kinder haben oft weniger Bereiche in der Repräsentation ihrer Begriffe oder die Bereiche sind anders gewichtet. Gleichgewicht: Kommunikation kann eingeschränkt schon funktionieren, bevor ein Gleichgewicht der Partner (gleicher Informationsstand) erreicht ist. I 100 Signalspiel/Jäger/Rooij/Gärdenfors: (Jäger & van Rooij, 2007)(1): zufällig ausgewählte Farbproben werden von einer zweiten Person eingeordnet. Ziel des Piels ist es, zu einer gleichen Aufteilung des Farbraums in Regionen zu kommen. (Nash-Gleichgewicht, bzw. Fixpunkt). Gärdenfors: These: das gelingt, wenn die Begriffsräume konvex und kompakt ist. I 101 Gleichgewicht/Fixpunkt/Gärdenfors: weitere Versuche haben gezeigt, dass wiederholte Interaktionen zu einem stabilen Kommunikationssystem führen. (z.B. Hurford, 1999,(2) Kirby, 1999,(3) Steels, 1999,(4) Kaplan, 2000,(5) Steels & Belpaeme, 2005(6)). I 102 Bedeutungen: müssen nicht unbedingt wechseln, wenn die Aufstellung der an der Kommunikation Beteiligten sich ändert oder neue Beteiligte hinzukommen oder verschwinden. Fixpunkt/Dewey/Gärdenfors: (Dewey 1929, p. 178)(7): damit V As Züge versteht, muss er auf das Ding vom Standpunkt As reagieren. Also nicht ich-zentriert und umgekehrt. So wird buchstäblich etwas zu einem Gemeinsamen gemacht. I 104 Fixpunkt-Theorem/Gärdenfors: damit Fixpunkte erreicht werden, ist es nicht notwendig, dass die Begriffsräume der Beteiligten identisch sind, noch, dass sie die Räume gleich aufteilen. I 105 Wir nehmen an, dass die Räume konvex und kompakt sind. Folgendes Theorem aus Warglien & Gärdenfors (2013)(8) ist eine Konsequenz aus Brouwers Fixpunkt-Theorem (Brouwer 1910)(9): Theorem: Jede semantische Reaktionsfunktion, die eine kontinuierliche Abbildung einer konvexen kompakten Menge auf sich selbst ist, hat wenigstens einen Fixpunkt. D.h. es wird immer einen Fixpunkt geben, der ein Meeting of Minds repräsentiert. Begriffsräume: dass sie als konvex angenommen werden, macht die Kommunikation flüssig und Gedächtnisleistung effizient. I 106 Gärdenfors: damit meine ich nicht, dass konvexe Räume eine verlässliche Repräsentation unserer Welt sind, sondern dass sie, weil sie effektiv sind, weit verbreitet sein werden. Fixpunkte: der Fixpunktansatz erlaubt es, eine Vielzahl von Kommunikationsarten zu berücksichtigen wie Farbbestimmungen und Verhandlungen. Das Fixpunkttheorem garantiert, dass die Bewusstseine der Beteiligten zusammentreffen (>Meeting of Minds) aber es zeigt nicht, wie die semantische Reaktionsfunktion aus der kommunikativen Interaktion entsteht. I 109 Fixpunkt/Kommunikation/Gärdenfors: woher wissen wir, ob ein Fixpunkt (Gleichgewicht, Übereinstimmung) erreicht wurde? I 110 Wenn die Hörerin glaubt, zu verstehen, ist das keine Garantie für ein Meeting of Minds. 1. Jäger, G., & van Rooij, R. (2007). Language structure: Psychological and social constraints. Synthese, 159, 99–130. 2. Hurford, J. (1999). The evolution of language and languages. In R. Dunbar, C. Knight, & C. Power (Eds.), The evolution of culture (pp. 173–193). Edinburgh: Edinburgh University Press. 3. Kirby, S. (1999). Function, selection, and innateness: The emergence of language universals. Oxford: Oxford University Press. 4. Steels, L. (1999). The talking heads experiment. Antwerp: Laboratorium. 5. Kaplan, F. (2000). L’émergence d’un lexique dans une population d’agents autonomes. Paris: Laboratoire d’Informatique de Paris 6. 6. Steels, L., & Belpaeme, T. (2005). Coordinating perceptually grounded categories through language: A case study for colour. Behavioral and Brain Sciences, 28, 469–489. 7. Dewey, J. (1929). Experience and nature. New York: Dover. 8. Gärdenfors, P., & Warglien, M. (2013). The development of semantic space for pointing and verbal communication. In J. Hudson, U. Magnusson, & C. Paradis (Eds.), Conceptual spaces and the construal of spatial meaning: Empirical evidence from human communication (pp. 29–42). Cambridge: Cambridge University Press. 9. Brouwer, L. E. J. (1910). Über ein eindeutige, stetige Transformation von Flächen in sich. Mathematische Annalen, 69, 176–180. |
Gä I P. Gärdenfors The Geometry of Meaning Cambridge 2014 |
| Flexible Wechselkurse | Congressional Research Service (CRS) | CRS I 1 Flexible Wechselkurse/Marc Labonte/CRS: Gleitende Wechselkurse werden vom Markt bestimmt; die Werte schwanken mit den Marktbedingungen. Die wichtigsten wirtschaftlichen Vorteile variabler Wechselkurse bestehen darin, dass sie den Währungs- und Finanzbehörden die Freiheit lassen, interne Ziele zu verfolgen - wie Vollbeschäftigung, stabiles Wachstum und Preisstabilität - und dass die Wechselkursanpassung oft als automatischer Stabilisator zur Förderung dieser Ziele wirkt. >Feste Wechselkurse, >Wechselkurse, >Märkte, >Internationaler Handel, >Währung. Die Vorteile flexibler im Vergleich zu festen Wechselkursen für ein bestimmtes Land hängen davon ab, wie stark dieses Land mit seinen Nachbarn verflochten ist. Wenn die Wirtschaft eines Landes in Bezug auf Handel und Investitionen in hohem Maße von seinen Nachbarn abhängig ist und ähnlichen wirtschaftlichen Schocks ausgesetzt ist wie die seiner Nachbarn, ist der Nutzen einer geld- und steuerpolitischen Unabhängigkeit gering und das Land ist mit einem festen Wechselkurs besser dran. Wenn ein Land einzigartigen wirtschaftlichen Schocks ausgesetzt ist und wirtschaftlich unabhängig von seinen Nachbarn ist, kann ein flexibler Wechselkurs ein wertvolles Mittel zur Förderung der makroökonomischen Stabilität sein. >Währungskrisen, >Währungspolitik. Wenn die Wirtschaft eines Landes in Bezug auf Handel und Investitionen in hohem Maße von seinen Nachbarn abhängig ist und ähnlichen wirtschaftlichen Schocks ausgesetzt ist wie diese, ist der Nutzen einer geld- und fiskalpolitischen Unabhängigkeit gering, und das Land ist mit einem festen Wechselkurs besser dran. Wenn ein Land einzigartige wirtschaftliche Schocks erlebt und wirtschaftlich unabhängig von seinen Nachbarn ist, kann ein flexibler Wechselkurs ein wertvolles Mittel zur Förderung der makroökonomischen Stabilität sein. >Währungspolitik, >Fiskalpolitik, >Geldpolitik. CRS I 3 Da frei schwankende Wechselkurse eine automatische Anpassung ermöglichen, puffern sie die heimische Wirtschaft von externen Veränderungen des internationalen Angebots und der Nachfrage ab. >Angebot, >Nachfrage. Ein frei schwankender Wechselkurs wird auch zu einem weiteren automatischen Ventil für interne Anpassungen. CRS I 4 Wenn die Wirtschaft zu schnell wächst, wertet der Wechselkurs wahrscheinlich auf, was zu einer Verlangsamung der Gesamtausgaben beiträgt, indem das Exportwachstum gebremst wird. >Wirtschaftswachstum, >Inflation. Die Aufrechterhaltung eines schwankenden Wechselkurses erfordert keine Unterstützung durch die Geld- und Finanzpolitik. Dies gibt der Regierung die Möglichkeit, die Geld- und Finanzpolitik auf die Stabilisierung der Wirtschaft als Reaktion auf inländische Veränderungen bei Angebot und Nachfrage zu konzentrieren. Die Fiskal- und Geldpolitik kann sich in der Regel auf inländische Ziele konzentrieren, wie z.B. die Aufrechterhaltung der Preis- und Produktionsstabilität, ohne durch die Auswirkungen der Politik auf den Wechselkurs beeinträchtigt zu werden. CRS I 15 Schwankende Wechselkurse/Marc Labonte/CRS: Kosten: Sowohl variable als auch feste Wechselkurse sind mit Kosten für die Volkswirtschaften verbunden. Fließende Wechselkurse sind mit Kosten verbunden, da sie Handel und Investitionen behindern. Feste Wechselkurse verursachen Kosten, da sie die Möglichkeiten der politischen Entscheidungsträger einschränken, die Wirtschaft im Inland zu stabilisieren, wodurch die Wirtschaft weniger stabil wird. CRS I 16 Es gibt jedoch einen grundlegenden Unterschied in der Art der Kosten, die sie verursachen. In den meisten Ländern sind die Kosten flexibler Wechselkurse internalisiert und können über den Markt in Form von Absicherungsgeschäften gesteuert werden.(1) 1. Wenn frei schwankende Wechselkurse irrational schwanken, wie von einigen Ökonomen behauptet wird, entstehen einer Volkswirtschaft weitere Kosten, die durch einen festen Wechselkurs beseitigt werden können, ohne dass dafür Opfer gebracht werden müssen. Congressional Research Service of the Library of congress (CRS) Marc Labonte Fixed Exchange Rates and Floating Exchange Rates: What Have We Learned? RL31204 (2007) https://www.congress.gov/crs-product/RL31204 |
CRS I Congressional Research Service (CRS) Marc Labonte Fixed Exchange Rates and Floating Exchange Rates: What Have We Learned? Washington: Congressional Research Service of the Library of Congress 2007 CRS II Congressional Research Service (CRS) Paul Tierno Marc Labonte, Banking and Cryptocurrency: Policy Issues. CRS Congressional research Service Report R48430. Washington, DC. 2025 CRS III Congressional Research Service (CRS) Corrie E. Clark Heather L. Greenley, Bitcoin, Blockchain, and the Energy Sector. Washington, DC. 2019 CRS IV Congressional Reserch Service (CRS) Paul Tierno Cryptocurrency: Selected Policy Issues Congressional Reserch Service CRS Report R47425 Washington, DC. 2023 |
| Föderalismus | Konstitutionelle Ökonomie | Parisi I 210 Föderalismus/Konstitutionelle Ökonomie/Voigt: (...) die vermuteten ökonomischen Vorteile des Föderalismus sollen sich aus dem Wettbewerb zwischen den Teilstaaten ergeben; seine Kosten beruhen auf der Notwendigkeit, in einigen Fragen zu kooperieren. Hayek: So argumentiert Hayek (1939)(1), dass der Wettbewerb zwischen den Regierungen Informationen über effiziente Wege zur Bereitstellung öffentlicher Güter offenlegen wird. Unter der Annahme, dass die Regierungen Anreize haben, diese Informationen zu nutzen, sollte die Regierungseffizienz in Föderationen ceteris paribus höher sein. Tiebout: In dem berühmten Modell von Tiebout ( 1956)(2) konkurrieren die unteren Regierungsebenen Parisi I 211 um die steuerzahlenden Bürger, was den Regierungen der unteren Ebenen einen Anreiz gibt, auf die Präferenzen dieser Bürger einzugehen. Kosten: (...) wenn die Zahl der Staaten groß ist, könnten Skalenerträge bei der Bereitstellung öffentlicher Güter unrealisiert bleiben. So vermutet Tanzi (2000)(3), dass diejenigen, die öffentliche Güter bereitstellen, unzureichend spezialisiert sein werden. Moralisches Risiko: Außerdem müssen sich Bundesstaaten mit einem Moral-Hazard-Problem auseinandersetzen, das in Einheitsstaaten kein Thema ist.* Die Bundesregierung wird regelmäßig "No-bail-out-Klauseln" aussprechen, die aber nicht immer glaubwürdig sind. In Bezug auf die Frage der Überschuldung argumentiert Wildasin (1997)(6), dass große Staaten "zu groß zum Verlieren" werden können. Andererseits wird argumentiert (Rodden und Wibbels, 2002)(7), dass große Staaten mehr von den Vorteilen internalisieren können, die durch eine verantwortungsvolle Finanzpolitik entstehen. Lösung: Eine Reihe von Faktoren könnte dieses Trittbrettfahrer-Problem abmildern: Wenn starke, disziplinierte Parteien im größten Teil der Föderation aktiv sind und eine Partei sowohl die Bundes- als auch die meisten Gliedstaatenregierungen führt, dann können die Parteiführer möglicherweise verhindern, dass die Staatsbeamten die negativen Effekte der Überschuldung externalisieren (Rodden und Wibbels, 2002)(7). Korruption: Auf die Frage, ob Korruption unter föderalen oder unitarischen Verfassungen häufiger vorkommt, gibt es eine Standardantwort: Die Regierungen der Teilstaaten sind näher am Volk, spielen unendlich wiederholte Spiele mit den lokalen Wählern und sind daher der lokalen Vereinnahmung ausgesetzt (siehe z.B. Tanzi, 2000)(3). Daher wird das Korruptionsniveau unter föderalen Verfassungen höher sein als unter unitären Verfassungen. Vs: Das Standardargument gegen die Local-Capture-Hypothese ist, dass das Verhalten der Regierungen der Gliedstaaten in Föderationen transparenter ist und die Politiker daher stärker für ihre Handlungen verantwortlich sind. Dies würde implizieren, dass die Korruption unter föderalen Verfassungen geringer ist. Darüber hinaus kann Korruption ein Zeichen für eine Unzulänglichkeit des jeweiligen Regelsystems sein; unter dysfunktionalen Regeln werden selbst wohlfahrtssteigernde Aktivitäten oft korruptes Verhalten erfordern. Diese Annahme führt zu dem Argument, dass, da die konstituierenden Einheiten von Bundesstaaten näher am Volk sind, es wahrscheinlich ist, dass ihre Regeln angemessener sind als die in Einheitsstaaten. Parisi I 212 Staatsausgaben: Lange Zeit waren die Erkenntnisse über die Auswirkungen des Föderalismus auf die Gesamtausgaben des Staates gemischt. In den letzten Jahren scheint sich dies jedoch geändert zu haben. Rodden (2003)(8) zeigt für eine länderübergreifende Studie, die den Zeitraum 1980 bis 1993 abdeckt, dass in Ländern, in denen lokale und staatliche Regierungen die Kompetenz haben, die Steuerbasis festzulegen, die gesamten Staatsausgaben niedriger sind. >Direkte Demokratie/Konstitutionelle Ökonomie, >Staatliche Strukturen/Konstitutionelle Ökonomie. * Die Beziehung zwischen der Zentralregierung und den untergeordneten Einheiten in Einheitsstaaten könnte mit Hilfe der Prinzipal-Agenten-Theorie mit ihren bekannten Überwachungsproblemen treffender beschrieben werden. Für eine solche Sichtweise siehe Seabright (1996)(4). ** Rodden (2002(5), S. 6 72) weist darauf hin, dass die Kreditwürdigkeit der föderalen Ebene gefährdet sein könnte, wenn sie den Teilstaaten nicht hilft. 1. Hayek, F. (1939). "Economic Conditions of Inter-State Federalism." New Commonwealth Quarterly 2: 131-149. 2. Tiebout, Ch. (1956). "A Pure Theory of Local Expenditures." Journal of Political Economy 64: 416-424. 3. Tanzi, V. (2000). "Some politically incorrect Remarks on Decentralization and Public Finance," in J.-J. Dethier, ed., Governance, Decentralization and Reform in China, India and Russia, 47-63. Boston, MA: Kluwer. 4. Seabright, Paul (1996). "Accountability and Decentralization in Government: An Incomplete Contracts Model." European Economic Review 40:61-89. 5. Rodden, J. (2002). "The Dilemma of Fiscal Federalism: Grants and Fiscal Performance around the World." American Journal of Political Science 46(3): 670-687. 6. Wildasin, D. (1997). "Externalities and Bailouts: Hard and Soft Budget Constraints in Intergovernmental Fiscal Relations." Nashville, TN: Mimeo. 7. Rodden, J. and E. Wibbels (2002). "Beyond the Fiction of Federalism - Macroeconomic Management in Multitiered Systems." World Politics 54: 494-531. 8. Rodden, J. (2003). "Reviving Leviathan: Fiscal Federalism and the Growth of Government." International Organization 57: 695-729. Voigt, Stefan. “Constitutional Economics and the Law”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Folge (Sequenz) | Lyons | I 78 Def sequentiell/Linguistik/Lyons: bedeutet eine feste Reihenfolge der Wortstellung. Das ist nicht gleichbedeutend mit syntagmatisch! Syntagmatisch verträgliche Wörter können in variabler Reihenfolge stehen, Bsp Latein. Allgemein: logische Form: Unterscheidung zwischen syntagmatisch/sequentiell (oder nicht-sequentiell): Angenommen, es gibt zwei Gruppen von Einheiten, X und Y, X = {a, b}, Y = {p, q} kursiv/Schreibweise : a realisiert a, usw. X, Y: sind variable Größen, die für die Realisation der Einheiten stehen, AG diese substantiellen Einheiten können nicht gleichzeitig vorkommen (es können Konsonanten oder Vokale sein), sondern sind untereinander sequentiell geordnet. Dann gibt es drei relevante Möglichkeiten (I): lineare Reihung fest: Bsp X muss vor Y vorkommen. D.h. ab, aq, bp, bq sind möglich, aber nicht pa, qa, pb und qb. (II): „frei“: insofern „frei“, als XY und YX vorkommen können, aber XY = YX! ((s) d.h. die Reihenfolge spielt keine Rolle. Das ist anders, als wenn sie einen Unterschied macht, beide Formen aber erlaubt sind). (D h. nicht-sequentiell, aber syntagmatisch). (III): fest oder frei in anderem Sinn: es ist dann nicht egal, weil XY ungleich YX. I 80 (= sequentiell-syntagmatisch). |
Ly II John Lyons Semantics Cambridge, MA 1977 Lyons I John Lyons Einführung in die moderne Linguistik München 1995 |
| Form | Black | II 121 Form/Sprache/Black: Die Gesamtheit der Regeln für den Wortgebrauch kann man als Spezifikation der grammatischen Form verstehen. - Dann haben zwei Wörter dieselbe Form, wenn sie unter die gleichen Regeln fallen. - Bsp "Rot" und "blau", "drei" und "fünf" aber nicht "rot" und "drei". II 223 Bedeutung/Träger/Gegenstand/Übersetzung/Black: Problem: Bsp "Gelb bedeutet jaune" hat die gleiche Form wie Mary liebt Mopser". Problem: Was hier Subjekt und was Objekt im Fall von gelb/jaune sein soll (logische Form). >Regeln, vgl. >Inhalt, >Propositionaler Gehalt, >Begrifflicher Gehalt, >Sprachregeln. |
Black I Max Black "Meaning and Intention: An Examination of Grice’s Views", New Literary History 4, (1972-1973), pp. 257-279 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, G. Meggle (Hg) Frankfurt/M 1979 Black II M. Black Sprache. Eine Einführung in die Linguistik München 1973 Black III M. Black The Prevalence of Humbug Ithaca/London 1983 Black IV Max Black "The Semantic Definition of Truth", Analysis 8 (1948) pp. 49-63 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Form | Gould | I 44 Form/Natur/Physik/Gould: D'Arcy Wentworth Thompson (1942) vertrat prophetisch die Auffassung, dass Organismen durch physikalische Kräfte direkt geformt werden(1). I 260 Form/Leben/Lebewesen/Evolution/Physik/Gould: Stabilität entsteht dadurch, dass ein Lebewesen groß genug ist, in einen Bereich vorzudringen, in dem die Schwerkraft jene Kräfte übertrifft, die sich an der Oberfläche abspielen. Da das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen mit dem Wachstum abnimmt, ist eine zunehmende Größe der sicherste Weg in diesen Bereich. Die physikalische Umwelt der Erde enthält zahlreiche Lebensräume, die nur den Lebewesen zur Verfügung stehen, die größer sind als Einzeller. Die Vielzelligkeit ist wahrscheinlich an mehreren Stellen unabhängig voneinander entstanden. Sie weist die beiden Hauptzüge der analogen Ähnlichkeit auf: 1. Sie ist relativ einfach zu erreichen und sowohl hochgradig anpassungsfähig als auch 2. der einzig mögliche Weg zu den Vorteilen, den sie mit sich bringt. Sieht man von der Ausnahme der Straußeneier ab, können einzelne Zellen nicht sehr groß werden. I 261 Die Vielzelligkeit ist wahrscheinlich sogar innerhalb der einzelnen Reiche mehrmals entstanden. Die meisten Biologen meinen, dass sie bei Pflanzen und Pilzen durch Amalgamierung eintrat. Diese Organismen sind die Nachkommen von Protistenkolonien. (Protisten: Einzeller, siehe Terminologie/Gould). Bsp Manche Volvox Kolonien mit einer festgelegten Anzahl von Zellen sind regelmäßig angeordnet. Die Zellen können in ihrer Größe differieren und die Fortpflanzungsfunktion kann auf diejenigen von ihnen beschränkt sein, die sich an einem Pol befinden. I 264 Größere Tiere haben ein so niedriges Verhältnis von äußerer Oberfläche zu Volumen, dass sie zur Vergrößerung der ihnen zur Verfügung stehenden Oberfläche innere Organe ausbilden müssen. I 288 Verhältnis von Oberfläche zu Volumen: Das Verhältnis von Oberfläche zu Volumen ist bei kleinen Lebewesen sehr hoch. Wärme wird durch das Volumen des Körpers erzeugt, und an seiner Oberfläche abgestrahlt. Daher haben warmblütige Tiere einen besonders hohen Energiebedarf. Bsp Feldmäuse müssen die ganze Zeit über fressen. Das Verhältnis war bei den großen Dinosauriern so gering, dass sie ohne Isolierschicht auskommen konnten. I 311 Form/Leben/Physik/Größe/Gould: Gould: Die Figur des Morgan in E. L. Doctorows "Ragtime" hatte unrecht, wenn er dachte, dass große Säugetiere geometrische Kopien ihrer kleineren Verwandten seien. Elefanten haben verhältnismäßig größere Gehirne und dickere Beine als Mäuse. Recht hat er insofern, als größere Tiere kleineren Verwandten in derselben Gruppe oft ähnlich sind. Galilei gab schon ein klassisches Beispiel: Bsp Die Stärke eines Beins ist eine Funktion des Querschnitts. Das Gewicht, das die Beine tragen müssen, variiert mit dessen Volumen. Damit die Körperfunktionen gleich bleiben, müssen die Tiere, wenn sie größer werden, ihre Form ändern: "Skalierungstheorie". Bsp Von der Krabbenspinne bis zur Tarantel reicht die Skala von Verwandten bis zum tausendfachen Körpergewicht des kleinsten Exemplars. Auch hier verläuft die Skala regelmäßig: Die Dauer des Herzschlages steigt im Vergleich zum Körpergewicht nur 4/10 mal so schnell. I 312 Kleine Tiere bewegen sich viel schneller durchs Leben als große, ihr Herz schlägt rascher, sie atmen häufiger, ihr Puls ist schneller ihr "Lebensfeuer ist schneller "verbrannt": Die Stoffwechselrate nimmt bei Säugetieren nur um drei Viertel so schnell zu, wie das Körpergewicht. Kleine leben tendenziell kürzer als Große. I 313 Der homo sapiens lebt allerdings weit länger als ein vergleichbares Säugetier gleicher Größe: Siehe Neotenie/Gould. Es soll keineswegs die Bedeutung der astronomischen Zeit geleugnet werden, Tiere müssen sie messen, um zu überleben. I 315 Atemdauer und Herzschlag nehmen etwa 0,28 Mal so schnell zu wie das Körpergewicht; das Körpergewicht kann man kürzen, wonach für Säugetiere jeder Körpergröße übrigbleibt, dass sie bei etwa 4 Herzschlägen einmal atmen. Für alle Säugetiere unabhängig von der Größe gilt auch, dass sie während ihres Lebens etwa 200 Mio mal atmen, das Herz also etwa 800 Mio mal schlägt. I 318 ff Es gibt magnetotaktische Bakterien, die sich nach den Feldern ausrichten und sich entsprechend bewegen. Sie widerstehen damit dem Mechanismus der Brownschen Bewegung. Man fand heraus, dass die Magnete im Körper der Bakterien in Form von ungefähr 20 kleinen Partikeln verteilt sind. Frage: Warum gibt es diese Verteilung des Magnetismus auf Partikel, und warum sind diese Partikel etwa 500 Angström groß (1 Angström = 1 Zehnmillionstel Millimeter). Sie schließen sich im Körper der länglichen Bakterien zu einer Kette zusammen. I 320 Wären diese Partikel nun etwas kleiner (etwa ein Fünftel kleiner), dann wären sie "superparamagnetisch", d.h. bei Zimmertemperatur könnte eine magnetische Neuorientierung der Partikel bewirkt werden. Wären sie hingegen z.B. doppelt so groß, bildete sich innerhalb der Partikel ein eigener magnetischer Bereich, der in verschiedene Richtungen wiese. Was kann ein so kleines Lebewesen mit einem Magnetfeld anfangen? Der Bewegungsspielraum während der wenigen Minuten ihrer Existenz beträgt wahrscheinlich nur einige Zentimeter. Da fällt es doch nicht so sehr ins Gewicht, in welche Richtung es geht. Es kann nun für eine Bakterie entscheidend sein, sich nach unten zu bewegen. Nun ist die Schwerkraft eigentlich ohne Magnetfeld mindestens genauso gut zu spüren. Das gilt aber nur für große Lebewesen. I 322 Insekten und Vögel leben in einer Welt, die von Kräften beherrscht ist, die auf die Oberfläche einwirken. Einige können auf dem Wasser laufen oder von der Decke herunter hängen, weil die Oberflächen Spannung so stark und die Gravitation relativ schwach ist. Die Gravitation macht den Insekten kaum zu schaffen, den Bakterien überhaupt nicht. IV 17 Formen/Biologie/Gould: Darwin: These: Form folgt der Funktion. IV 19 Es ist die Frage, wie eine Form sich kontinuierlich entwickelt. IV 27 Adaption/Anpassung: Wir sollten nicht folgern, dass die von Darwin angenommene Anpassungsfähigkeit an eine lokale Umwelt uneingeschränkte Macht besitzt, theoretisch optimale Entwürfe für alle Situationen zu erzeugen. Die natürliche Selektion kann nur auf vorhandenes Material zurückgreifen. Dies ist ein klassisches Dilemma der Evolutionstheorie. IV 151 Formen/Evolution/Gould: das vielleicht schwierigste Problem der Evolution: Wie können neue komplexe Formen (nicht einfach nur einzelne adaptiv vorteilhafte Eigenschaften) entstehen, wenn jede einzelne Form Tausender von Einzelveränderungen bedarf und wenn Zwischenstufen keine lebensfähigen Exemplare hervorbringen? Lösung: Neue Formen brauchen gar nicht Stück für Stück zu entstehen, sondern koordiniert durch die Betätigung eines "Hauptschalters" wird ein Entwicklungsprogramm gestartet. IV 337 Form/Organismen/Evolution/Gould: Oberflächen wachsen mit dem Quadrat der Länge, Volumina mit der dritten Potenz der Länge, also viel schneller. Deshalb besitzen kleine Tiere, verglichen mit ihrem Volumen, große Oberfläche(und müssen mehr fressen). 1. D' Arcy Wentworth Thompson, On Groth and Form, 1917, Cambridge University Press, https://openlibrary.org/books/OL6604798M/On_growth_and_form. (access date 12.01. 2018) |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Formale Sprache | Formale Sprache: eine Sprache, die meist aus einem Zeichenvorrat (Symbolen für einen definierten Gegenstandsbereich) sowie Regeln zu deren Verknüpfung bestehen. Zwecke der Formalisierung sind Kürze, Eindeutigkeit und Einsetzbarkeit bei Anwendungen der Programmierung, Automation, >Mathematik u.a. >Bereich, >Symbol, >Zeichen, >Sprache, >Rekursion, >Regeln |
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| Formalisierung | Wolfram | Brockman I 275 Formalisierung/Sprache/Wolfram: In den späten 1600ern beschäftigten sich Gottfried Leibniz, John Wilkins und andere mit dem, was sie philosophische Sprachen nannten - also vollständige, universelle, symbolische Darstellungen der Dinge in der Welt. Es ist interessant zu sehen, wie sich eine philosophische Sprache von heute von einer philosophischen Sprache der Mitte der 1600er Jahre unterscheiden würde. >G. W. Leibniz, >Formale Sprache, >Ideale Sprache, vgl. >Formale Redeweise, >Verstehen, >Logische Formeln, >Formeln. Es ist ein Maß für unseren Fortschritt. Zum Beispiel in der Mathematik: Whitehead und Russells Principia Mathematica(1) im Jahr 1910 war der größte Showoff. Es gab frühere Versuche von Gottlob Frege und Giuseppe Peano, die in ihrer Präsentation etwas bescheidener waren. >G. Frege, >B. Russell. WolframVsRussell/WolframVsFrege/WolframVsPeano/WolframVsLeibniz: Letztendlich lagen sie falsch in dem, von dem sie dachten, dass sie es formalisieren sollten: Sie dachten, sie sollten einen Prozess des mathematischen Beweises formalisieren, was sich aber nicht als das herausstellt, worin die meisten Menschen interessiert sind. >Beweise, >Beweisbarkeit, >Systeme, >Computersprachen, >Programmierung. 1. Whitehead, A.N. and Russel, B. (1910). Principia Mathematica. Cambridge: Cambridge University Press. Wolfram, Stephen (2015) „Artificial Intelligence and the Future of Civilization” (edited live interview), in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press. |
Brockman I John Brockman Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019 |
| Formalismus | Waismann | I 69 Intuitionismus/Waismann: lässt nur Beweise gelten, die in endlich vielen Schritten konstruiert werden können(konstruktiv sind). Alle anderen "sinnlos. Formalismus/Waismann: lässt auch nichtkonstruktive Beweise zu. Dieser Streit ist aber müßig, wenn es stimmt, dass das Wort Existenz von vornherein keine klar umrissene Bedeutung hat. Es erhält sie erst durch den Beweis. Und dann eben eine jeweils verschiedene. >Intuitionismus. I 74 Formalismus/FormalismusVsPeano/Peano/Waismann: Der Formalismus teilt Peanos Annahme nicht, dass wir die Bedeutung der Worte "Null" , "Zahl" , "Nachfolger" bereits kennen. Für den Formalisten sind die Axiome Verknüpfungen bedeutungsloser Zeichen, deren Struktur ihn allein interesseiert. Die Symbole lassen sich dann auf unendlich viele Arten deuten Russell Bsp Angenommen, 1. "0" soll 100 und "Zahl" sollen die Zahlen von 100 aufwärts bedeuten. dann wird unseren Grundsätze genüge geleistet. Selbst der 4. Gilt: obwohl 100 der Nachfolger von 99 ist, ist 99 keine "Zahl" im neu definierten Sinn. Kann man mit jeder beliebigen Zahl statt 100 auch machen. 2. "0" übliche Bedeutung: "Zahl" soll eine "gerade Zahl" "Nachfolger" soll eine Zahl sein, die aus ihr durch Addition von 2 entsteht : 0,2,4,6,8... alle 5 Axiome Peanos werden erfüllt. I 75 3. "0" soll die Zahl 1 bedeuten, "Zahl" soll die Reihe 1, 1/2, 1/4, 1/8,... und "Nachfolger" soll "die Hälfte von" bedeuten. Für die resultierende Reihe treffen alle 5 Peanoschen Axiome zu. Sie charakterisieren also gar nicht den Begriff der Zahlenreihe, sondern eher den der Progession. Man könnte unter Zahlen dann irgendwelche Dinge verstehen, die den Axiomen genügen (Russell)WaismannVs: unbefriedigend, Bsp wir hätten dann auch keine Möglichkeit mehr, die Aussage: "Es gibt 5 reguläre Körper" zu unterscheiden von der Aussage: "Es gibt 105 reguläre Körper". Ließen sich die Axiome durch Zusätze so einengen, dass sich eine vollständige Charakterisierung der Kardinalzahlen ergibt? >Löwenheim-Skolem hat diese Hoffnung vereitelt. |
Waismann I F. Waismann Einführung in das mathematische Denken Darmstadt 1996 Waismann II F. Waismann Logik, Sprache, Philosophie Stuttgart 1976 |
| Forschung | Aghion | Aghion I 324 Forschung/Aghion/Howitt: Die funktionale Beziehung zwischen der Forschung in zwei aufeinanderfolgenden Zeiträumen hat einen einzigartigen Fixpunkt, der ein stationäres Gleichgewicht definiert. >Fixpunkte. Das stationäre Gleichgewicht weist ein ausgewogenes Wachstum auf, in dem Sinne, dass die Verteilung qualifizierter Arbeitskräfte zwischen Forschung und Produktion bei jeder Innovation unverändert bleibt; Aghion I 325 der Logarithmus des BSP folgt einem Zufallsweg mit Drift. Dies ist jedoch nicht immer das einzige Gleichgewicht im Modell. >Bruttosozialprodukt (BSP), >Qualifizierte Arbeitskräfte. Eine bemerkenswerte Auswirkung der negativen Abhängigkeit der aktuellen Forschung von der zukünftigen Forschung ist die mögliche Existenz einer sogenannten „No-Growth-Falle”, einem zyklischen Gleichgewicht, in dem das Forschungsniveau deterministisch zwischen zwei Niveaus pro Periode schwankt und das niedrigere dieser beiden Niveaus Null ist. >Wirtschaftswachstum, >Endogenes Wachstum. Eine Wirtschaft in einem solchen Gleichgewicht würde in endlicher Zeit aufhören zu wachsen, da es ohne Forschung keine Innovation gäbe und somit die Phase ohne Forschung niemals enden würde. >Gleichgewicht, >Innovation, >Erfindungen, >Forschung und Entwicklung. Die (rationale) Erwartung, dass auf die nächste Innovation ein sehr hohes Forschungsniveau folgen würde, würde jeden davon abhalten, diese Innovation zu verwirklichen. Eine weitere Folge ist, dass die durchschnittliche Wachstumsrate der Wirtschaft nicht unbedingt durch eine Steigerung der Produktivität der Forschung erhöht wird. Insbesondere kann eine Parameteränderung, die die Forschung in einigen Teilen der Welt produktiver macht, die Forschung in anderen Teilen der Welt behindern, indem sie die Gefahr der Veralterung der Forschungsergebnisse in diesen anderen Teilen der Welt so weit erhöht, dass die durchschnittliche Wachstumsrate sinkt. >Produktivität, >Innovation/Aghion/Howitt. Aus normativer Sicht kann die durchschnittliche Wachstumsrate im stationären Gleichgewicht aufgrund widersprüchlicher Verzerrungseffekte mehr oder weniger als sozial optimal sein. Konkret bedeutet dies, dass das Modell zwar die Aneignbarkeit und intertemporale Spillover-Effekte berücksichtigt, die in Romers (1990)(1) Modell zu einer suboptimalen Wachstumsrate führen, aber auch Effekte aufweist, die in die entgegengesetzte Richtung wirken. Insbesondere gibt es einen „Business-Stealing”-Effekt, wie er aus der Literatur zum Patentwettlauf bekannt ist (Tirole (1988(2), S. 399)). Das heißt, Forscher internalisieren nicht die Zerstörung bestehender Renten, die durch ihre Innovationen geschaffen werden. Wenn die Größe der Innovationen als gegeben angenommen wird, kann der Business-Stealing-Effekt zu einem zu starken Wachstum führen. Darüber hinaus stellen wir fest, dass der Geschäftsentzugseffekt dazu neigt, Innovationen zu klein zu machen, wenn der Umfang der Innovationen endogenisiert wird. >Innovation/Wirtschaftstheorien. Vgl. >Geistiges Eigentum, >Patente, >Copyright. 1. ROMER, P. M. (1990): "Endogenous Technological Change," Journal of Political Economy, 98, S71-S102. 2. TIROLE, J. (1988): The Theory of Industrial Organization. Cambridge, MA: M.I.T. Press. |
Aghion I Philippe Aghion Peter W. Howitt A Model of Growth Through Creative Destruction Econometrica, Vol. 60, No. 2 (Mar., 1992), pp. 323-351 1992 |
| Forschung | Droysen | Gadamer I 220 Forschung/Historik/Droysen/Gadamer: Am Ende des Kollegs von 1882(1) findet sich die Wendung, »daß wir nicht wie die Naturwissenschaften das Mittel des Experimentes haben, dass wir „nur forschen und nichts als forschen können«. Gadamer: Es muss noch ein anderes Moment für Droysen im Begriff des Forschens wichtig sein, und nicht nur die Unendlichkeit der Aufgabe, die als das Merkmal eines unendlichen Fortschritts die Geschichtsforschung mit der Naturforschung gemeinsam hätte und das gegenüber der „Wissenschaft“ des achtzehnten Jahrhunderts und der „Doctrina“ früherer Jahrhunderte dem Begriff der im neunzehnten Jahrhundert zu seinem Aufstieg verholfen hat. Begriffsgeschichte: Dieser Begriff von „Forschung“ umfasst, wohl im Ausgang von dem Begriff des Forschungsreisenden, der in unbekannte Gebiete vorstößt, in gleicher Weise Erkenntnis der Natur wie der geschichtlichen Welt. Je mehr der theologische und philosophische Hintergrund der Welterkenntnis verblasst, desto mehr wird Wissenschaft als Vorstoß ins Unbekannte gedacht und deshalb Forschung genannt. Gadamer: Diese Überlegung genügt aber nicht, um zu erklären, wie Droysen die historische Methode in der zitierten Art gegen die Methode des Experiments in den Naturwissenschaften abheben kann, indem er von der Historie sagt, sie sei „forschen, nichts als forschen“. Es muss eine andere Unendlichkeit sein als die der unbekannten Welt, die in Droysens Augen die historische Erkenntnis als Forschung auszeichnet. Sein Gedanke scheint folgender: Droysen: Der Forschung eignet eine andersartige, gleichsam qualitative Unendlichkeit, wenn das Erforschte nie selber ansichtig werden kann. Das gilt tatsächlich von der geschichtlichen Vergangenheit — im Gegensatz zu der Selbstgegebenheit, die das Experiment in der Naturforschung darstellt. Experiment: Die historische Forschung befragt, um zu erkennen, immer nur andere, die Überlieferung, immer neue und immer aufs neue. Ihre Antwort hat niemals wie das Experiment die Eindeutigkeit des Selbstgesehenen. >Wissenschaft/Droysen, >Geschichte/Droysen, >Erkennen/Droysen. Gadamer: Fragt man sich nun, welchen Ursprungs dies Bedeutungsmoment im Begriff der Forschung ist, dem Droysen in der überraschenden Entgegenstellung von Experiment und Forschung folgt, so wird man, wie mir scheint, auf den Begriff der Gewissensforschung geführt. Die Welt der Geschichte beruht auf der Freiheit, und diese bleibt ein letztlich unerforschliches Geheimnis der Person(2). Nur die Selbsterforschung des Gewissens kann Gadamer I 221 ihm nahen, und nur Gott kann hier wissen. Aus diesem Grunde wird die historische Forschung nicht Erkenntnis von Gesetzen wollen und kann jedenfalls nicht den Entscheid des Experimentes anrufen. Denn der Historiker ist durch die unendliche Vermittlung der Überlieferung von seinem Gegenstand getrennt. >Verstehen/Droysen, >Sinn/Droysen. 1. Johann Gustav Droysen, Historik, hrsg. von R. Hübner (1935), S. 316, nach einer Nachschrift von Friedrich Meinecke. 2. Der theologische Einschlag im Begriff der Forschung liegt aber nicht nur in der Beziehung auf die unerforschliche Person und ihre Freiheit, sondern auch auf dem „verborgenen Sinn“ der Geschichte, dem in der Providenz Gottes „Gemeinten“, den wir nie ganz entschlüsseln können. Insofern ist Historik hier doch nicht ganz von der Hermeneutik überfremdet, wie es sich für den Entdecker des „Hellenismus“ gebührt. Vgl. Bd. 2 der Ges. Werke, S. 123f. und „Heideggers Wege“, Die Marburger Theologie, S. 35ff.; Bd. 3 der Ges. Werke. |
Droys I J. G. Droysen Grundriss der Historik Paderborn 2011 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Fortschritt | Adorno | Grenz I 110 Fortschritt/Zeitkern/Differenz/Geschichte/Adorno/Grenz: Die Dynamik des Fortschritts in den Techniken der Naturbeherrschung ist in jedem Produkt menschlicher Arbeit aufbewahrt. Darin besteht der konkret historische Charakter der Selbstwerdung der Menschheit: der Zeitkern im Seienden. >Geschichte/Adorno, >Geschichtsschreibung, >Zeit. Durch ihn gewinnt auch die Kategorie der Möglichkeit den ihren. Ihre Wahrheit oder ihr Kriteriumcharakter ist ihre Differenz von sich selbst: sie als nicht erschienene. >Dialektik/Adorno, >Wahrheit/Adorno, >Wahrheitsgehalt/Adorno, >Kriterien. I 111 Nichts/Adorno/Grenz: Aber das bestimmte Nichts, das sie hervorbringt, ist nicht Etwas. Es ist von anderer Qualität als das, was sie analysiert. >Nichts. I Grenz 165 Fortschritt/Adorno/Grenz: Alle Errungenschaften des Menschen (…) gelten in Ansehung eines emphatischen Begriffs der Anthropogenese nichts, weil sie, wie sich für Adorno aus den barbarischen Vorgängen in den Konzentrationslagern unter Voraussetzung der Theorie von der rückwirkenden Kraft von Geschichte und Erkenntnis ergibt, nicht zur Erscheinung gekommen sind. I Grenz 77 Neuheit/Adorno/Grenz: Adorno fasst das Neue als Synthesis aus dem Bestehenden und dessen Negativität auf. >Negation/Adorno. |
A I Th. W. Adorno Max Horkheimer Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978 A II Theodor W. Adorno Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000 A III Theodor W. Adorno Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973 A IV Theodor W. Adorno Minima Moralia Frankfurt/M. 2003 A V Theodor W. Adorno Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995 A VI Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071 A VII Theodor W. Adorno Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002 A VIII Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003 A IX Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003 A XI Theodor W. Adorno Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990 A XII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973 A XIII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974 A X Friedemann Grenz Adornos Philosophie in Grundbegriffen. Auflösung einiger Deutungsprobleme Frankfurt/M. 1984 |
| Fortschritt | Gould | IV 112 Denken/Fortschritt/Gould: Der Fortschritt der Wissenschaft erfordert jeweils neue Denkstrukturen. Beispiele: Siehe Naturgesetze/Lyell, Gradualismus. IV 186 Fortschritt/Evolution/Gould: Es gibt in der Evolution keinen Fortschritt zu besseren Einzelteilen: Bsp Die Augen der Trilobiten sind weder in ihrer Komplexität noch in ihrer Schärfe je von den späteren Anthropoden erreicht, geschweige denn übertroffen worden. III 16 Fortschritt/Leben/Trends: Neue Trends lassen sich unter Umständen durch eine Änderung der Variationsbreite ganzer Systeme erklären (anstelle einzelner Gebilde innerhalb der Systeme). Dies ist einfach eine Umkehrung von Begriffen, keine mathematische Prozedur. Gould These: Evolution: Die Geschichte des Lebens ist insgesamt nicht von Fortschritt gekennzeichnet! Ja nicht einmal von einer gerichteten Evolutionskraft. III 34 Fortschritt/Gould: Manche nehmen eine Entwicklung zur Komplexität oder Differenzierung an. Gould: Selbst für diese zweckgebundenen Ersatzbegriffe kann man den Fortschritt nicht als Hauptimpuls des Lebens definieren. Wir haben das Bedürfnis, Evolution als vorhersagbar und fortschrittsorientiert zu betrachten. These: Der Mensch ist nicht die Krone der Schöpfung. Trend: Es gibt immer mehr Tiere in der Evolution – die Zeit des Menschen ist nur kurz (GouldVsAnthropisches Prinzip). (>Anthropisches Prinzip). III 39 Es ist ein Irrtum, Evolution als eine aufsteigende Leiter zu verstehen. Bakterien: Bakterien sind eigentlich nicht weniger komplex als wir. III 86 Trend: Der Trend ist nicht das Beschreiten eines Weges, sondern eine komplexe Reihe von Übergängen oder seitlichen Schritten. III 92 Der Trend ist keine Leiter, sondern eine Verkettung von Verstärkungen. III 89 Erfolg/Evolution: Was sind in der Evolution wirkliche "Erfolgsgeschichten"? Bsp Ratten, Fledermäuse, Antilopen. Diese drei Gruppen beherrschen die Welt der Säugetiere, sowohl in der Zahl, als auch in der ökologischen Verbreitung. Erfolgreichste: Knochenfische: Knochenfische machen fast 50% aller Wirbeltierarten aus. Dies sind hundertmal so viele Arten wie die Primaten und fünfmal so viel, wie alle Säugetiere zusammen. III 121 Fortschritt/Sport/Gould: Verbesserung der Leistung: Die Verbesserung von Leistung kann letztlich durch eine Asymptote dargestellt werden. Beachtlich: Frauen haben eine viel steilere Verbesserungskurve als die Männer. Fortschritt/Viehzucht: häufig 13% pro Jahr. Die Zucht von Vollblutpferden ist wirtschaftlich interessanter als alle anderen Zuchtvorhaben! Man kann daher annehmen, dass Vollblutpferde längst ihr Optimum erreicht haben. III 123 Sport/Fortschritt: Die Rekorde in den Laufdisziplinen (200, 10.000) haben sich unabhängig von der Distanz um den gleichen relativen Betrag verbessert: nämlich um 5,69 und 7,57 Meter je Minute in einem Jahrzehnt (Marathon: 9,18). Würde man das extrapolieren, würden die Frauen bald schneller laufen als die Männer. Extrapolation: Extrapolation ist meist ein untaugliches Mittel. Sport/Frauen: Vorteile: Frauen haben den Vorteil der Fettverteilung und des Auftrieb. Bsp Durchquerung des Ärmelkanals und Schwimmstrecke nach Catalina Island: Hier halten die Frauen schon heute den Weltrekord. Viele Frauen würden sowieso die meisten (untrainierten) Männer in allen Disziplinen schlagen. III 167 Fortschritt/Evolution/Darwin/Gould: Darwin lehnte den Begriff Evolution zunächst ab, weil er mit Fortschritt verknüpft ist. Der Begriff kommt in der ersten Auflage der "Entstehung der Arten" nicht vor. III 175 Fortschritt/Natur/Gould: Kampf: a) "biotisch": Der Kampf zwischen Lebewesen und um Nahrung: kann Fortschritt hervorbringen, z.B. schnelleres Laufen, besseres Denken, stärkere Kondition usw. b) "abiotisch": Bsp Kampf einer Pflanze am Rand der Wüste. Dies kann keinen Fortschritt hervorbringen: Umwelt ändert sich über lange Zeit nicht. Fortschritt: Das Argument des Vorherrschens der biotischen Konkurrenz reicht nicht aus, es muss noch etwas hinzukommen. Wenn die Umwelt relativ leer ist, können die unterlegenen Varianten daneben weiterbestehen. III 177 Fortschritt/Darwin/Gould: Frage: Warum schmuggelte Darwin den Fortschritt durch die Hintertür wieder hinein, indem er über die Vorherrschaft des biotischen Wettbewerbs in einer ständig überfüllten Welt schrieb? (KropotkinVsDarwin). Nach dem Aussterben der Permzeit waren 95% der wirbellosen Meeresbewohner verschwunden. Nichts war überfüllt. Darwin: Darwin konnte sich hier nur aus der Affäre ziehen, indem er die Fossilien für Artefakte (Lücken in den Funden) hielt. III 179 Fortschritt/Gould: Wie kann man "höher" definieren, wenn die Evolution mit jedem angeblichen Fortschritt auch einen Parasiten hervorbringt? >Evolution, >Erklärung, >Darwinismus. |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Fortschritt | Hegel | I 338 Fortschritt/Hegel/Höffe: Um den Fortschritt zu vollziehen, bedient sich nach Hegel die Vernunft zweier «bewusstloser Werkzeuge», der «welthistorischen Individuen» (...) als auch der «Volksgeister», worunter im Sinne von Montesquieu oder auch Herder die Art zu verstehen ist, wie Völker ihr Recht und ihre Verfassung organisieren.(1) >Geschichte/Hegel, >Vernunft/Hegel. Volk/Völker: Hegel spricht vom «besonderen Nationalcharakter eines Volkes»(2). Beide Subjekte, die Individuen und die Volksgeister, folgen ihren eigenen Interessen und verhelfen trotzdem, so die List der Vernunft, der Vernunft qua freiem Willen zu Erfolg. Weltgeist: Wenn Hegel dabei von Weltgeist spricht, so meint er keine abstruse Kraft, sondern die gesamte, namentlich das Recht, die Familie, die Wirtschaftswelt und die Gemeinwesen umfassende sittliche Welt der Menschheit. >Weltgeist/Hegel, >Weltgeschichte/Hegel. 1. G.W.F. Hegel, Vorlesungen zur Philosophie der Geschichte 1821-32 hrsg. v. E. Gans 1837 2. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundriss, 1820, § 3 |
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| Fortschritt | Weizenbaum | I 48 Fortschritt/Computer/Organisation/Weizenbaum: Die äußerst komplexen Vorgänge im Management, in der Technik und der Naturwissenschaft in den Jahrzehnten vor dem Zweiten Weltkrieg und vor allem während des Krieges wurden ohne Mitwirkung des Computers gelöst. I 49 Möglicherweise glauben die meisten Leute, dass das Apollo-Projekt (Raumfahrt, Mondlandung) ohne Hilfe des Computers nicht hätte bewältigt werden können. Die Geschichte des Manhattan-Projekts (Entwicklung der Atombombe in den USA während des Zweiten Weltkriegs – sie wurde ohne Computer entwickelt) widerlegt wahrscheinlich diese Ansicht. Wäre der Computer damals schon verfügbar gewesen, so zweifle ich nicht, dass die Wissenschaftler ihn als unverzichtbar bezeichnet hätten. I 53 Computer, wenn sie einmal da sind, entwickeln ihre eigene Beharrungslogik. Die Einrichtung eines aufgeblähten und von Computern abhängigen Verwaltungsapparats der Sozialhilfe in den USA schuf ein Interesse an dessen Beibehaltung. Derartige Interessen werden schnell zu Hindernissen für Innovationen. >Innovationen. I 54 Oft heißt es, der Computer „gerade noch rechtzeitig“ für die Bewältigung komplexer Probleme. Aber rechtzeitig wofür? Er kam gerade noch rechtzeitig dafür, gesellschaftliche und politische Strukturen intakt zu halten – sie sogar noch abzuschotten – die andernfalls entweder radikal erneuert worden oder ins Wanken geraten wären. Wenn es also bei der Einführung des Computers um die Stabilisierung bestehender Strukturen ging, I 55 dann hat es keine Computerrevolution gegeben. >Computer. I 63 Es gibt einen Mythos, wonach heutzutage ((s) Mitte der siebziger Jahre) Computer die wichtigsten Entscheidungen treffen, die früher von Menschen getroffen wurden. Problem: Weizenbaum These: Ein Computersystem, das nur bestimmte Arten von Fragen, nur bestimmte Arten von „Daten“ zulässt und das nicht einmal im Prinzip von denen verstanden werden kann, die sich darauf verlassen, ein derartiges System hat viele Türen ein für alle Mal zugeschlagen, die vor seiner Installierung offenstanden. >Künstliche Intelligenz, >Starke Künstliche Intelligenz, >Artificial General Intelligence, >Problemlösen. |
Weizenbaum I Joseph Weizenbaum Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft Frankfurt/M. 1978 |
| Fotografie | Flusser | I 102 Fotografie/Flusser: Fotos sind nicht der Versuch des Fotografen, sich ein Bild der Welt zu machen, sondern Versuche, sich ein Bild von den Begriffen zu machen, die sich der Fotograf hinsichtlich eines Bildes gemacht hat. Vgl. >Technobilder/Flusser, >Terminologie/Flusser, >Verstehen, >Bilder. Voralphabetische Bilder: Sollen die Welt bedeuten und Technobilder sollen Texte bedeuten, welche Bilder bedeuten, welche die Welt bedeuten. >Code/Flusser. Def Technobild/Flusser: Sollen Texte bedeuten, welche Bilder bedeuten, welche die Welt bedeuten. Der Fotograf steht hinter dem Schriftsteller, der hinter dem Zeichner steht, der hinter der Welt steht. Um zu zeichnen, muss man von der Welt Abstand nehmen, usw. I 181 ff Fotografie/Flusser: Historisch sind Fotografien die ältesten Technobilder. Die Gesten des Operators sind vor allem von der Suche nach einem geeigneten Standort bestimmt. Es ist eine vierdimensionale Raum-Zeit. Es geht um den Glanz der Zähne der Frau, aber auch um objektive Faktoren, wie die Qualität des Films. Das hat nichts mit Unterscheidung zwischen "subjektiv" und "objektiv" zu tun. >Subjektivität, >Objektivität. Der Fotograf sucht nicht nur in Funktion der abzubildenden Szene und des abbildenden Apparats, sondern auch in Funktion des zukünftigen Empfängers. I 184 Im Unterschied zur Videokamera erlaubt der Apparat kein "flüssiges" Suchen. Die Suche ist gequantelt, die Struktur der fotografischen Welt ist gequantelt. >Kontinuum, >Fluss. I 185 Fotografie/Flusser: Bei Fotos funktioniert die Technoimagination arithmetisch. Es ist sinnlos, zwischen dem Operator und dem Apparat unterscheiden zu wollen, beide befinden sich in einer komplexen Bewegung. Die dabei getroffenen Entscheidungen sind weder "menschlich" noch "mechanisch". Freiheit bedeutet für den Fotografen in Funktion des Apparats zu entscheiden. Ein Apparat ist kein Werkzeug, denn er bewegt sich nicht, um die Welt zu verändern, und in diesem Sinn leistet er keine Arbeit. Gegen Apparate sind Revolutionen sinnlos, weil sie keine Produktionsmittel sind. Der Fotograf steht solchen Betrachtungen verständnislos, ungeschichtlich gegenüber. Für ihn ist die Freiheit eine Frage des Funktionierens. Im Unterschied zum Schmied ist er kein Arbeiter sondern ein Funktionär. I 186 Das bedeutet aber nicht, dass der Fotograf die Welt nicht etwa verändern würde. Nur kann man das nicht Arbeit nennen. >Arbeit. Er handelt: Er fordert seine Frau auf, den Arm zu heben, zu lächeln. Diese Handlungen sind anders motiviert als Arbeit: Def Arbeit/Flusser: Arbeit heißt die Welt verändern, weil sie nicht so ist, wie sie sein soll. Der Fotograf interessiert sich nicht dafür, wie die Welt, sondern wie die Fotografie sein soll. Er verändert die Welt in Funktion des Symbols, das er herstellt. Der Fotograf verändert die Welt, um sie zu fotografieren, also zu "erklären". >Erklärung, >Interpretation. Falls man "Wahrheit" als Zusammentreffen von Beobachtetem und Beobachtung definieren will, so ist die Fotografie "wahr", nicht wenn sie eine unveränderte Welt abbildet, sondern wenn sie die Veränderungen abbildet, die der Fotograf in der Welt und im Apparat durchgeführt hat. >Wahrheit. I 187 Das Motiv des Fotografen ist weder "ethisch" noch "epistemologisch". Was tut der Fotograf bei seiner Suche? >Ethik, >Epistemisch/ontologisch. I 188 Er sucht nach einem Standpunkt, von dem aus ein anderer die Welt so sehen kann, wie er selbst sie sieht. Der Fotograf will nicht "schöne Bilder machen" (wie der Maler) er wünscht sich, jemand da zu haben, der mit seinen Augen sieht. >Perspektive, >Aspekte. Der Apparat ist mit einem Spiegel versehen. In diesem Spiegel sieht der Fotograf, wie das Bild aussehen würde, wenn er in einem gegebenen Augenblick auf den Auslöser drückte. Diese Spiegelbilder sind Projekte, Zukunftsentwürfe und zugleich Visionen der Vergangenheit. Die Summe ist alles mögliche Fotografierbare. >Gegenwart, >Vergangenheit, >Zukunft. >Utopie, >Fiktion. Vor allem aber sind solche Spiegelbilder eben nicht Bilder von Szenen sondern von Standpunkten. Man kann sie Bilder von Begriffen von Bildern nennen. Aufgrund solcher von Apparat gelieferter Technobilder entschließt sich der Fotograf, auf den Auslöser zu drücken. Das ist es was Fotografien "schön" macht: dass sie reflexiv und spekulativ sind, und dass es sich bei ihnen um außerordentlich "abstrakte" nämlich Begriffe vorstellende Symbole handelt. >Begriffe, >Abstraktheit, >Abstraktion. |
Fl I V. Flusser Kommunikologie Mannheim 1996 |
| Fragen | Belnap | Fraassen I 137 Fragen/Belnap/Fraassen: ((FN 37): Theorie der Fragen: basiert auf einer Theorie von Propositionen, die wir hier annehmen. Eine Frage ist eine abstrakte Entität. I 138 Interrogativ: So wie ein Satz eine Proposition ausdrückt, drückt eine Frage ein Interrogativ aus. Antwort: Fast alles kann eine Antwort auf eine Frage sein, das hängt vom Kontext ab. Aber dennoch ist nicht alles eine Antwort. Das ist graduell. >Antworten. Antwort/Typen/Belnap/Fraassen: Bsp Kann man nach Victoria mit der Fähre und mit dem Flugzeug gelangen? (a) ja (b) Def direkte Antwort: man kann nach Victoria sowohl mit der Fähre als auch mit dem Flugzeug gelangen. ((s) Wiederholt die Proposition (das Interrogativ). „Ja“ ist ein Code für eine direkte Antwort. (c) Def partielle Antwort: man kann mit der Fähre nach Victoria gelangen (d) sagt mehr: man kann beides, aber die Fähre sollten Sie sich nicht entgehen lassen. (e) man kann natürlich mit der Fähre nach Victoria und das sollte man sich nicht entgehen lassen. (Das lassen wir zunächst unklassifiziert). Antwort „tout court“/Fraassen: Man sollte der Versuchung widerstehen, eine Antwort einfach eine Kombination aus einer partiellen Antwort und zusätzlicher Information zu nennen. Def partielle Antwort/Belnap/Fraassen: Eine partielle Antwort ist eine Proposition, die von einer direkten Antwort( die die Frage wiederholt) impliziert wird. Def vollständige Antwort: Eine vollständige Antwort ist eine Proposition, die selbst eine direkte Antwort impliziert. (eine Wiederholung der Proposition). ( Implikation, X wird impliziert von A/Y impliziert selbst A). I 139 Def Beinhalten von Fragen:/Belnap/Fraassen: Eine Frage Q beinhaltet eine andere Q’, wenn Q’ beantwortet ist, sobald Q beantwortet ist. D.h. jede vollständige Antwort auf Q ist auch eine vollständige auf Q’. Def Leere Frage/Belnap/Fraassen: Eine Frage ist leer, wenn alle ihre direkten Antworten notwendig wahr sind. Eine leere Frage ist in allen Fragen enthalten. Def Dumme Frage/Belnap/Fraassen: („foolish“). Eine dumme Frage liegt vor, wenn keine ihrer Antworten wahr sein kann. Bsp Hast du einen Hut getragen, der sowohl schwarz als auch nichtschwarz war, oder einen der weiß und nichtweiß war? Eine dumme Frage beinhaltet alle Fragen. Def Stumme Frage/Belnap/Fraassen: („dumb“ auch „blöd“): Eine Stumme Frage liegt vor, wenn es keine direkte Antwort auf sie gibt: Bsp welche drei verschiedenen Primzahlen gibt es zwischen 3 und 5? I 140 Präsupposition/Fragen/Belnap/Fraassen: Präsupposition ist ein wichtiger semantischer Begriff: was wird von einer Frage vorausgesetzt? >Präsupposition. Bsp Die beiden direkten Antworten „Ich trug den schwarzen Hut“ „..den weißen..“ könnten beide falsch sein. Dann kann man „weder noch“ antworten, was bisher noch gar nicht berücksichtig wurde. Def Präsupposition/Fragen/Belnap/Fraassen: Eine Präsupposition von Frage Q ist jede Proposition, die von allen direkten Antworten auf Q impliziert wird. (FN 40). Def Korrektur/Fragen/Belnap/Fraassen: Eine Korrektur von Q ist die Leugnung jeder Präsupposition von Q. Def Grundlegende Präsupposition/Fragen/Belnap/Fraassen: Eine grundlegende Präsupposition ist die Proposition, die wahr ist, gdw. eine direkte Antwort auf Q wahr ist. Antwort/Belnap/Fraassen: Es gibt noch eine weitere Art: Bsp „Ich habe nicht den weißen Hut getragen“: das ist nicht einmal eine partielle Antwort: weder wird sie von einer direkten Antwort impliziert, denn ich hätte beide Hüte gestern tragen können, einen nach dem anderen. Andererseits: weil der Fragende die Präsupposition macht, dass wenigstens einer der Hüte getragen wurde, ist die Antwort an ihn eine vollständige. Denn die Antwort plus Präsupposition zusammen beinhalten die direkte Antwort, dass sie den schwarzen trug. Daher: Def Relativ vollständige Antwort/Belnap/Fraassen: Eine relativ vollständige Antwort ist eine Proposition, die zusammen mit der Präsupposition von Q eine direkte Antwort auf Q impliziert. I 141 Interrogativ/Belnap/Fraassen: Welche Frage durch es ausgedrückt wird, ist stark kontext-abhängig. Und zwar teilweise, weil meist Index-Wörter in ihnen vorkommen. Bsp „Welches willst Du?“. Hier bestimmt der Kontext, was überhaupt möglich ist. >Kontext. Def Elementare Fragen/Belnap: a) „Ob“-Fragen. b) „Welches“-Fragen. Menge der direkten Antworten: wird durch zwei Faktoren spezifiziert: 1. Menge von Alternativen („Thema“) 2. Wunsch nach Selektion. |
Beln I N. Belnap Facing the Future: Agents and Choices in Our Indeterminist World Oxford 2001 Fr I B. van Fraassen The Scientific Image Oxford 1980 |
| Fragen | Cavell | II 188 Fragen/Wahrheitswert/Sprache/Cavell: absurd: zu diagnostizieren, dass Bsp "Wie spät ist es?" nichts behaupte und daher weder wahr noch falsch sei, dass wir die Bedeutung der Frage aber gut genug verstünden, um sie beantworten zu können. >Behauptung, >Wahrheitswert, >Aussage, >Bedeutung, >Konnotation. >Verstehen, >Antwort, vgl. >Question Answering. |
Cavell I St. Cavell Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen Frankfurt 2002 Cavell I (a) Stanley Cavell "Knowing and Acknowledging" in: St. Cavell, Must We Mean What We Say?, Cambridge 1976, pp. 238-266 In Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002 Cavell I (b) Stanley Cavell "Excursus on Wittgenstein’s Vision of Language", in: St. Cavell, The Claim of Reason, Wittgenstein, Skepticism, Morality, and Tragedy, New York 1979, pp. 168-190 In Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002 Cavell I (c) Stanley Cavell "The Argument of the Ordinary, Scenes of Instruction in Wittgenstein and in Kripke", in: St. Cavell, Conditions Handsome and Unhandsome: The Constitution of Emersonian Perfectionism, Chicago 1990, pp. 64-100 In Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Davide Sparti/Espen Hammer (eds.) Frankfurt/M. 2002 Cavell II Stanley Cavell "Must we mean what we say?" in: Inquiry 1 (1958) In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 |
| Fragen | Collingwood | Gadamer I 376 Frage/Antwort/Collingwood/Gadamer: [Collingwood hat in] einer geistreichen und treffenden Kritik der „realistischen“ Oxfordschule den Gedanken einer „Logic of question and answer“ entwickelt, ist aber zu einer systematischen Ausführung leider nicht gekommen.(1) Er hat mit Scharfsinn erkannt, was der naiven Hermeneutik fehlt, die der üblichen philosophischen Kritik zugrunde liegt. CoolingwoodVsTradition: Insbesondere das Verfahren, das Collingwood im englischen Universitätssystem vorfand, die Diskussion von statements, vielleicht eine gute Übung des Scharfsinns, verkennt offenbar die in allem Verstehen gelegene Geschichtlichkeit. Collingwood These: In Wahrheit kann man einen Text nur verstehen, wenn man die Frage verstanden hat, auf die er eine Antwort ist. Da man diese Frage aber nur aus dem Text gewinnen kann, mithin die Angemessenheit der Antwort die methodische Voraussetzung für die Rekonstruktion der Frage darstellt, ist die Kritik an dieser Antwort, die man von irgendwo her führt, die reine Spiegelfechterei. Voraussetzung: Es ist wie bei dem Verstehen von Kunstwerken. Auch ein Kunstwerk wird nur verstanden, indem man seine Adäquation voraussetzt. Auch hier muss die Frage erst gewonnen werden, auf die es antwortet, wenn man es - als Antwort - verstehen will. Gadamer: In der Tat handelt es sich dabei um ein Axiom aller Hermeneutik (...) >Vollkommenheit/Gadamer, >Geschichte/Collingwood; GadamerVsCollingwood: >Text/Gadamer. 1. Vgl. Collingwoods Autobiographie, die auf meine Anregung hin unter dem Titel „Denken“ in deutscher Übersetzung erschienen ist, S. 30ff., und die ungedruckte Heidelberger Dissertation von Joachim Finkeldei, Grund und Wesen des Fragens, 1954. Eine ähnliche Stellung nimmt schon Croce (der Collingwood beinflußt hat) ein, der in seiner „Logik“ (deutsche Ausgabe S. 135 ff.) jede Definition als Antwort auf eine Frage und daher „historisch“ versteht. |
Coll I R. G. Collingwood Essays In Political Philosophy Oxford 1995 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Fragen | Gadamer | I 304 Frage/Gadamer: Das erste, womit das Verstehen beginnt, ist, (...) dass etwas uns anspricht. Das ist die oberste aller hermeneutischen Bedingungen. Wir wissen jetzt, was damit gefordert ist: eine grundsätzliche Suspension der eigenen Vorurteile. Alle Suspension von Urteilen aber, mithin und erst recht die von Vorurteilen, hat, logisch gesehen, die Struktur der Frage. Das Wesen der Frage ist das Offenlegen und Offenhalten von Möglichkeiten. Wird ein >Vorurteil fraglich (...) so heißt dies mithin nicht, dass es einfach beiseite gesetzt wird und der andere oder das Andere sich an seiner Stelle unmittelbar zur Geltung bringt. GadamerVsHistorismus/VsObjektivismus: Das ist vielmehr die Naivität des historischen >Objektivismus, ein solches Absehen von sich selbst anzunehmen. In Wahrheit wird das eigene Vorurteil dadurch recht eigentlich ins Spiel gebracht, dass es selber auf dem Spiele steht. Nur indem es sich ausspielt, vermag es den Wahrheitsanspruch des anderen überhaupt zu erfahren und ermöglicht ihm, dass er sich auch ausspielen kann. Vgl. >Historismus, >Verstehen/Gadamer, >Hermeneutik/Gadamer. Historismus/Gadamer: Die Naivität des sogenannten Historismus besteht darin, dass er sich einer solchen Reflexion entzieht und im Vertrauen auf die Methodik seines Verfahrens seine eigene Geschichtlichkeit vergisst. I 368 Frage/Gadamer: Dass in aller Erfahrung die Struktur der Frage vorausgesetzt ist, liegt auf der Hand. Man macht keine Erfahrung ohne die Aktivität des Fragens. Die Erkenntnis, dass die Sache anders ist und nicht so, wie man zuerst glaubte, setzt offenbar den Durchgang durch die Frage voraus, ob es so oder so ist. Die Offenheit, die im Wesen der Erfahrung liegt, ist logisch gesehen eben diese Offenheit des so oder so. Sie hat die Struktur der Frage. Und wie die dialektische Negativität der Erfahrung in der Idee einer vollendeten Erfahrung ihre Perfektion fand, in der wir unserer Endlichkeit und Begrenztheit im ganzen inne sind, so findet auch die logische Form der Frage und die ihr einwohnende Negativität ihre Vollendung In einer radikalen Negativität, dem Wissen des Nichtwissens. Es ist die berühmte sokratische docta ignorantia, die in der äußersten Negativität der Aporie die wahre Überlegenheit des Fragens eröffnet. Sinn: Im Wesen der Frage liegt, dass sie einen Sinn hat. Sinn aber ist Richtungssinn. Der Sinn der Frage ist mithin die Richtung, in der die Antwort allein erfolgen kann, wenn sie sinnvolle, sinngemäße Antwort sein will. Mit der Frage wird das Befragte in eine bestimmte Hinsicht gerückt. Das Aufkommen einer Frage bricht gleichsam das Sein des Befragten auf. Der Logos, der dieses aufgebrochene Sein entfaltet, ist insofern immer schon Antwort. Sokrates/Platon: Es gehört zu den größten Einsichten, die uns die platonische Sokratesdarstellung vermittelt, dass das Fragen - ganz im Gegensatz zu der allgemeinen Meinung - schwerer ist als das Antworten. Gadamer I 369 Um fragen zu können, muss man wissen wollen, d. h, aber: wissen, dass man nicht weiß. Die Offenheit des Gefragten besteht in dem Nichtfestgelegtsein der Antwort. Jede Frage vollendet erst ihren Sinn im Durchgang durch solche Schwebe, in der sie eine offene Frage wird. Jede echte Frage verlangt diese Offenheit. Fehlt ihr dieselbe, so ist sie im Grunde eine Scheinfrage, die keinen echten Fragesinn hat. Nun ist die Offenheit der Frage keine uferlose. Sie schließt vielmehr die bestimmte Umgrenzung durch den Fragehorizont ein. Eine Frage, die desselben ermangelt, geht ins Leere. Sie wird erst zu einer Frage, wenn die fließende Unbestimmtheit der Richtung, in die sie weist, ins Bestimmte eines so oder so gestellt wird. >Horizont. Falsche Frage: Falsch nennen wir eine Fragestellung, die das Offene nicht erreicht, sondern dasselbe durch Festhalten falscher Voraussetzungen verstellt. Als Frage täuscht sie Offenheit und Entscheidbarkeit vor. Wo aber das Fragliche nicht - oder nicht richtig - abgehoben ist gegen die Voraussetzungen, die wirklich feststehen, dort ist es nicht wahrhaft ins Offene gebracht und dort kann daher auch nichts entschieden werden. I 370 Schiefe Frage: Wir nennen sie nicht falsch, sondern schief, weil immerhin eine Frage dahinter steckt, d. h. ein Offenes gemeint wird - das aber nicht in der Richtung liegt, die die gestellte Frage eingeschlagen hat. Das Schiefe einer Frage besteht darin, dass die Frage keinen wirklichen Richtungssinn einhält und daher keine Antwort ermöglicht. Ähnlich sagen wir von Behauptungen, die nicht ganz falsch, aber auch nicht richtig sind, dass sie schief sind. I 372 Einfall: Jeder Einfall hat die Struktur der Frage. Der Einfall der Frage aber ist bereits der Einbruch in die geebnete Breite der verbreiteten Meinung. >Doxa/Platon. Auch von der Frage sagen wir daher, dass sie einem kommt, dass sie sich erhebt oder sich stellt - viel eher als dass wir sie erheben oder stellen. Erfahrung: Wir sahen schon, dass die Negativität der Erfahrung logisch gesehen die Frage impliziert, In der Tat ist es der Anstoß, den dasjenige darstellt, das sich der Vormeinung nicht einfügt, durch den wir Erfahrungen machen. Auch das Fragen ist daher mehr ein Erleiden als ein Tun. Die Frage drängt sich auf. Es lässt sich ihr nicht länger ausweichen und bei der gewohnten Meinung verharren. Vgl. >Frage und Antwort/Collingwood. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Frame-Theorien | Gärdenfors | I 48 Frame-Theorien/Linguistik/Gärdenfors: Frame-Theorien sind in den Kognitionswissenschaften, Linguistik und Computerwissenschaften populär geworden. Sie sehen Leerstellen vor, die mit Merkmalen gefüllt werden können. I 49 GärdenforsVsFrame-Theorien: ich lege mehr Gewicht auf die geometrische Struktur von Begriffsrepräsentationen. Wir können damit besser ausdrücken, inwieweit Begriffe näher beieinander liegen oder zentral sind. Frame-Semantik/Fillmore/Gärdenfors: Fillmores Ansatz ist der bekannteste Fall der Anwendung von Frames. (Fillmore (1968, 1976, 1982).(1)(2)(3) Def Frame/Fillmore: charakterisiert eine kleine „Szene“ oder „Situation“, wobei zum Verstehen der semantischen Struktur eines Verbs notwendig ist, die schematisierte Szene zu verstehen. Rahmen-Theorie/Pustejovsky/Gärdenfors: (Pustejovsky, 1991)(4): führt eine „Qualia-Struktur“ ein als repräsentationales Tool quer zu Kategorien. 1. Fillmore, C. (1968). The case for case. In E. Bach & E. T. Harms (Eds.), Universals in linguistic theory (pp. 1–88). New York: Holt, Rinehart & Winston. 2. Fillmore, C. (1976). Frame semantics and the nature of language. Annals of the New York Academy of Sciences: Conference on the Origin and Development of Language and Speech, 280, 20–32. 3. Fillmore, C. (1982). Frame semantics. In Linguistics in the morning calm (pp. 111–137). Seoul: Hanshin Publishing. 4. Pustejovsky, J. (1991). The generative lexicon. Computational Linguistics, 17, 409–441. |
Gä I P. Gärdenfors The Geometry of Meaning Cambridge 2014 |
| Freie Software | Benkler | Benkler I 321 Freie Software/Software/Industrieländer/Entwicklungsländer/Benkler: Im Rahmen der Entwicklung hat freie Software das Potenzial, zwei verschiedene und bedeutende Rollen zu spielen. Die erste ist der kostengünstige Zugang zu leistungsstarker Software für Entwicklungsländer. Zweitens geht es darum, das Potenzial für die Teilnahme an Softwaremärkten auf der Grundlage menschlicher Fähigkeiten zu schaffen, auch ohne Zugang zu einem Bestand an exklusiven Rechten an bestehender Software. Derzeit gibt es sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den am weitesten entwickelten Volkswirtschaften eine Bewegung, um die Abhängigkeit von freier Software zu erhöhen. Im Jahr 2000 in den Vereinigten Staaten riet die Presidential Technology Advisory Commission dem Präsidenten, die Verwendung von freier Software in unternehmenskritischen Anwendungen zu erhöhen, und untermauerte dies mit der hohen Qualität und Zuverlässigkeit solcher Systeme. In dem Maße, in dem Qualität, Zuverlässigkeit und einfache Selbstanpassung mit bestimmten freien Softwareprodukten konsequent besser sind, sind sie für Regierungen von Entwicklungsländern aus den gleichen Gründen attraktiv wie für die Regierungen von Industrieländern. Im Kontext der Entwicklungsländer sind die wichtigsten zusätzlichen Argumente, die vorgebracht wurden, Kosten, Transparenz, Unabhängigkeit von dem Verlassen auf einer einzigen ausländischen Quelle (read, Microsoft) und das Potenzial der lokalen Softwareprogrammierer, das Programm zu erlernen, Fähigkeiten zu erwerben und somit leicht in den globalen Markt mit Dienstleistungen und Anwendungen für Freie Software einzutreten. Freie I 322 Software kann eine Vorauszahlung beinhalten oder auch nicht. Auch wenn dies nicht der Fall ist, ist es trotzdem nicht kostenlos. Freie Software ermöglicht jedoch einen offenen Markt für die Wartung freier Software, was wiederum die Kosten für die Wartung der Software im Laufe der Zeit verbessert und senkt. Wichtiger noch, weil die Software zugänglich für alle ist und weil Entwicklergemeinschaften oft multinational sind, können lokale Entwickler die Software lernen und zu relativ kostengünstigen Software-Dienstleistern für ihre eigene Regierung werden. Andere Argumente für die öffentliche Beschaffung freier Software konzentrieren sich auf den Wert der Transparenz von Software, die für öffentliche Zwecke verwendet wird. Der letzte und ganz entscheidende potenzielle Gewinn ist die Möglichkeit, einen Kontext und einen Anker für einen auf Service basierenden Bereich der freien Softwareentwicklung zu schaffen. Software-Dienstleistungen stellen eine sehr große Branche dar. In den Vereinigten Staaten sind Software-Dienstleistungen eine Branche, die etwa doppelt so groß ist wie die Film- und Videoindustrie. Softwareentwickler aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen können am wachsenden Segment der freien Software dieses Marktes partizipieren, indem sie ihre Fähigkeiten allein nutzen. >Software/Stallman, >Open-Source-Software. |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 |
| Freihandel | IWF Working Papers | Ostry I 3 Zölle/Freihandel/Furceri/Hannan/Ostry/Rose: Mehr als bei jedem anderen Thema sind sich die Wirtschaftswissenschaftler einig, dass der internationale Handel frei sein sollte.(1) Diese Ansicht geht (mindestens) auf Adam Smith zurück und wird durch viele Argumente gestützt. Im Allgemeinen sind Ökonomen der Meinung, dass frei funktionierende Märkte die Ressourcen am besten verteilen, zumindest wenn es keine Verzerrungen, externen Effekte oder anderes Marktversagen gibt; wettbewerbsfähige Märkte neigen dazu, die Produktion zu maximieren, indem sie die Ressourcen auf ihre produktivste Verwendung lenken. >Marktversagen, >Märkte, >Freie Märkte, >Handel, >Internationaler Handel, >Wettbewerb. Natürlich gibt es Marktunvollkommenheiten, aber Zölle - Steuern auf Importe - sind fast nie die optimale Lösung für solche Probleme. Zölle fördern die Umlenkung des Handels auf ineffiziente Produzenten und den Schmuggel zur Umgehung der Zölle; solche Verzerrungen verringern den Wohlstand. >Wohlfahrt, >Unvollkommener Wettbewerb, vgl. >Vollkommener Wettbewerb. Konsum: Außerdem verlieren die Verbraucher durch Zölle mehr als die Produzenten gewinnen, es gibt also „Mitnahmeeffekte“. Die mit den Zöllen verbundenen Umverteilungen führen tendenziell zu Besitzstandswahrung, so dass der Schaden tendenziell bestehen bleibt. Ein breit angelegter Protektionismus kann auch Vergeltungsmaßnahmen hervorrufen, die auf anderen Märkten weitere Kosten verursachen. All diese Produktionseinbußen werden noch verschärft, wenn Vorleistungen geschützt werden, da dies die Produktionskosten erhöht. >Produktion, >Produktionskosten, >Protektionismus, >Konsum, >Marktunvollkommenheiten. Ostry I 4 (...) Es gibt gewichtige theoretische Gründe dafür, dass Ökonomen den Einsatz von Protektionismus als makroökonomische Politik verabscheuen; so kann beispielsweise die umfassende Einführung von Zöllen zu gegenläufigen Veränderungen der Wechselkurse führen (Dornbusch, 1974(2); Edwards, 1989(3)). Und obwohl die Einführung von Zöllen die Einfuhrströme verringern könnte, ist es unwahrscheinlich, dass sich die Handelsbilanz ändert, es sei denn, es kommt zu einer grundlegenden Veränderung der Spar- und Investitionsbilanz. Darüber hinaus sind Wirtschaftswissenschaftler der Ansicht, dass protektionistische Maßnahmen dazu beigetragen haben, den Zusammenbruch des Welthandels in den frühen 1930er Jahren zu beschleunigen, und dass dieser Handelsrückgang eine plausible Ursache für den Zweiten Weltkrieg war. Auch wenn der Protektionismus in der Praxis (vor allem in den fortgeschrittenen Ländern) kaum als makroökonomische Politik eingesetzt wurde, sind sich die meisten Wirtschaftswissenschaftler einig, dass er nicht als makroökonomische Politik eingesetzt werden sollte. Die Zeiten ändern sich. Einige Volkswirtschaften haben vor kurzem damit begonnen, Handelspolitik zu betreiben, scheinbar für makroökonomische Ziele. Daher scheint es an der Zeit zu untersuchen, welche makroökonomischen Folgen Zölle in der Praxis tatsächlich haben, wenn überhaupt. Die Neigung der Wirtschaftswissenschaftler, den Protektionismus abzulehnen, beruht größtenteils auf Erkenntnissen, die entweder a) theoretisch, b) auf Mikroebene oder c) aggregiert und veraltet sind. 1. Siehe z. B. den Überblick über den Freihandel in Initiative on Global Markets (University of Chicago Booth School of Business): http://www.igmchicago.org/surveys/free-trade. 2. Dornbusch, Rudiger, 1974, “Tariffs and Nontraded Goods,” Journal of International Economics, vol. 4(2), pp. 177-85. 3. Edwards, Sebastian, 1989, Real Exchange Rates, Devaluation, and Adjustment (Cambridge, Massachusetts: MIT Press). Rieth I 3 Freihandel/Boer/Rieth: (…) wir schätzen* und vergleichen die makroökonomischen Auswirkungen der zahlreichen Veränderungen in der US-Handelspolitik seit den 1960er Jahren. Historische Zerlegungen zeigen, dass die Zollschocks unter Nixon und Ford in den Jahren 1971 und 1975 nur geringe und kurzzeitige Auswirkungen auf das BIP hatten. Demgegenüber hatte der Schwenk vom Protektionismus in den 1980er Jahren (gegenüber Japan) zum Freihandel in den 1990er Jahren (NAFTA, GATT/WTO) große und lang anhaltende positive Auswirkungen: Die vierteljährliche Produktionsleistung stieg zwanzig Jahre lang um 1-3 Log-Punkte. Der bescheidene Preis dafür war eine Ausweitung des Handelsdefizits um 0,5 Prozentpunkte des BIP pro Quartal in diesem Zeitraum. 2016 kehrte sich dieser Trend um. Protektionismus: Wir stellen fest, dass die Rückkehr zum Protektionismus das Handelsdefizit verringert hat, allerdings auf Kosten des BIP. Die geschätzten Produktionskosten für 2018/19 betragen 2 %. Eine strukturelle Szenarioanalyse legt nahe, dass eine Senkung der Zölle und der Unsicherheit auf das Niveau von vor 2016 über einen Zeitraum von drei Jahren zu einem kumulativen Produktionsgewinn von 4 % führen würde. Insgesamt deuten die Ergebnisse darauf hin, dass die Vorteile stabiler Freihandelsbeziehungen höher sein können als von partiellen Gleichgewichts- oder statischen allgemeinen Gleichgewichtsmodellen angenommen, sobald die dynamischen allgemeinen Gleichgewichtseffekte berücksichtigt werden. >Handelsmodelle, >Wirtschaftsmodelle, >Freier Markt. Rieth I 4 Handelspolitik: Darüber hinaus deuten die disaggregierten Ergebnisse darauf hin, dass die Fähigkeit der Handelspolitik, wirtschaftliche Aktivitäten oder Beschäftigung zwischen Sektoren oder Regionen innerhalb eines Landes umzuverteilen, begrenzt ist. Zölle: Schließlich zeigen die Ergebnisse Politikern und Forschern auch, dass sie sich mehr mit der Höhe der Zölle als mit der Unsicherheit in diesem Bereich befassen müssen. >Marktunsicherheit, >Zölle, >Handelspolitik, >Zollgeschichte, >Wirtschaftliche Unsicherheit. * Lukas Boer and Malte Rieth (2024). The Macroeconomic Consequences of Import Tariffs and Trade Policy Uncertainty. IMF Working Paper 24/13. International Monetary Fund. |
Ostry I Jonathan D. Ostry Davide Furceri Andrew K. Rose, Macroeconomic Consequences of Tariffs. IMF Working Paper. WP/19/9.International Monetary Fund. Washington, D.C. 2019 Rieth I Malte Rieth Lukas Boer The Macroeconomic Consequences of Import Tariffs and Trade Policy Uncertainty. IMF Working Paper 24/13. International Monetary Fund. Washington, D.C. 2024 |
| Freihandel | Ostry | Ostry I 3 Zölle/Freihandel/Furceri/Hannan/Ostry/Rose: Mehr als bei jedem anderen Thema sind sich die Wirtschaftswissenschaftler einig, dass der internationale Handel frei sein sollte.(1) Diese Ansicht geht (mindestens) auf Adam Smith zurück und wird durch viele Argumente gestützt. Im Allgemeinen sind Ökonomen der Meinung, dass frei funktionierende Märkte die Ressourcen am besten verteilen, zumindest wenn es keine Verzerrungen, externen Effekte oder anderes Marktversagen gibt; wettbewerbsfähige Märkte neigen dazu, die Produktion zu maximieren, indem sie die Ressourcen auf ihre produktivste Verwendung lenken. >Marktversagen, >Märkte, >Freie Märkte, >Handel, >Internationaler Handel, >Wettbewerb. Natürlich gibt es Marktunvollkommenheiten, aber Zölle - Steuern auf Importe - sind fast nie die optimale Lösung für solche Probleme. Zölle fördern die Umlenkung des Handels auf ineffiziente Produzenten und den Schmuggel zur Umgehung der Zölle; solche Verzerrungen verringern den Wohlstand. >Wohlfahrt, >Unvollkommener Wettbewerb, vgl. >Vollkommener Wettbewerb. Konsum: Außerdem verlieren die Verbraucher durch Zölle mehr als die Produzenten gewinnen, es gibt also „Mitnahmeeffekte“. Die mit den Zöllen verbundenen Umverteilungen führen tendenziell zu Besitzstandswahrung, so dass der Schaden tendenziell bestehen bleibt. Ein breit angelegter Protektionismus kann auch Vergeltungsmaßnahmen hervorrufen, die auf anderen Märkten weitere Kosten verursachen. All diese Produktionseinbußen werden noch verschärft, wenn Vorleistungen geschützt werden, da dies die Produktionskosten erhöht. >Produktion, >Produktionskosten, >Protektionismus, >Konsum, >Marktunvollkommenheiten. Ostry I 4 (...) Es gibt gewichtige theoretische Gründe dafür, dass Ökonomen den Einsatz von Protektionismus als makroökonomische Politik verabscheuen; so kann beispielsweise die umfassende Einführung von Zöllen zu gegenläufigen Veränderungen der Wechselkurse führen (Dornbusch, 1974(2); Edwards, 1989(3)). Und obwohl die Einführung von Zöllen die Einfuhrströme verringern könnte, ist es unwahrscheinlich, dass sich die Handelsbilanz ändert, es sei denn, es kommt zu einer grundlegenden Veränderung der Spar- und Investitionsbilanz. Darüber hinaus sind Wirtschaftswissenschaftler der Ansicht, dass protektionistische Maßnahmen dazu beigetragen haben, den Zusammenbruch des Welthandels in den frühen 1930er Jahren zu beschleunigen, und dass dieser Handelsrückgang eine plausible Ursache für den Zweiten Weltkrieg war. Auch wenn der Protektionismus in der Praxis (vor allem in den fortgeschrittenen Ländern) kaum als makroökonomische Politik eingesetzt wurde, sind sich die meisten Wirtschaftswissenschaftler einig, dass er nicht als makroökonomische Politik eingesetzt werden sollte. Die Zeiten ändern sich. Einige Volkswirtschaften haben vor kurzem damit begonnen, Handelspolitik zu betreiben, scheinbar für makroökonomische Ziele. Daher scheint es an der Zeit zu untersuchen, welche makroökonomischen Folgen Zölle in der Praxis tatsächlich haben, wenn überhaupt. Die Neigung der Wirtschaftswissenschaftler, den Protektionismus abzulehnen, beruht größtenteils auf Erkenntnissen, die entweder a) theoretisch, b) auf Mikroebene oder c) aggregiert und veraltet sind. 1. Siehe z. B. den Überblick über den Freihandel in Initiative on Global Markets (University of Chicago Booth School of Business): http://www.igmchicago.org/surveys/free-trade. 2. Dornbusch, Rudiger, 1974, “Tariffs and Nontraded Goods,” Journal of International Economics, vol. 4(2), pp. 177-85. 3. Edwards, Sebastian, 1989, Real Exchange Rates, Devaluation, and Adjustment (Cambridge, Massachusetts: MIT Press). |
Ostry I Jonathan D. Ostry Davide Furceri Andrew K. Rose, Macroeconomic Consequences of Tariffs. IMF Working Paper. WP/19/9.International Monetary Fund. Washington, D.C. 2019 |
| Freiheit | Destutt de Tracy | Rothbard II 5 Freiheit/de TracyVsMontesquieu/Destutt de Tracy/Rothbard: De Tracy legte seine wirtschaftlichen Ansichten erstmals 1807 in seinem Kommentar zu Montesquieu(1) dar, der wegen seiner kühnen liberalen Ansichten im Manuskript blieb. In diesem Kommentar wendet sich de Tracy gegen die Erbmonarchie und die Ein-Mann-Herrschaft und verteidigt die Vernunft und das Konzept der universellen Naturrechte. Er beginnt damit, dass er Montesquieus Definition von Freiheit als „Wollen, was man soll“ durch die weitaus liberalere Definition von Freiheit als die Fähigkeit, zu wollen und zu tun, was man will, widerlegt. In seinem Kommentar räumt de Tracy der Ökonomie im politischen Leben Vorrang ein, da der Hauptzweck der Gesellschaft darin bestehe, die materiellen Bedürfnisse und Freuden der Menschen im Rahmen des Tauschs zu befriedigen. Der Handel wird von de Tracy als „die Quelle allen menschlichen Wohlstands“ gepriesen, und er lobt auch den Fortschritt der Arbeitsteilung als Quelle der Produktionssteigerung, ohne die von Adam Smith vorgebrachten Klagen über „Entfremdung“. Er unterstreicht auch die Tatsache, dass „bei jedem Handelsakt, bei jedem Warenaustausch, beide Parteien einen Nutzen haben oder etwas von größerem Wert besitzen als das, was sie verkaufen“. Die Freiheit des Binnenhandels ist daher ebenso wichtig wie der freie Handel zwischen den Nationen. >Steuern/de Tracy, >Wirtschaft/de Tracy, >Geld/de Tracy. 1. Commentaire sur l’esprit des lois de Montesquieu. – Lüttich 1817. Paris: Delaunay, 1819. |
de Tracy I Antoine Destutt de Tracy Commentary on Montesquieu Paris 1819 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Freiheit | Droysen | Gadamer I 218 Freiheit/Notwendigkeit/Geschichte/Droysen/Gadamer: Das einzelne Individuum in der Zufälligkeit seiner partikularen Regungen und Zwecke ist kein Moment der Geschichte, sondern nur sofern es sich zu den sittlichen Gemeinsamkeiten erhebt und an ihnen teilhat. In der Bewegung dieser sittlichen Mächte, die durch die gemeinsame Arbeit der Menschen bewirkt wird, besteht der Gang der Dinge. Es ist völlig wahr, dass das, was möglich ist, dadurch eingeschränkt wird. Aber es hieße, sich aus der eigenen geschichtlichen Endlichkeit herausreflektieren, wenn man deshalb von einem Antagonismus der Freiheit und der Notwendigkeit redete. Der handelnde Mensch steht ständig unter dem Postulat der Freiheit. Der Gang der Dinge ist nicht eine von außen kommende Schranke seiner Freiheit, denn er beruht nicht auf starrer Notwenigkeit, sondern auf der Bewegung der sittlichen Mächte, zu denen man sich immer schon verhält. Er stellt die Aufgabe, an der sich die sittliche Energie des Handelnden bewährt(1). Droysen bestimmt daher das Verhältnis von Notwendigkeit und Freiheit, das in der Geschichte waltet, weit angemessener, indem er es ganz vom geschichtlich handelnden Menschen aus bestimmt. Er ordnet der Notwendigkeit das unbedingte Sollen, der Freiheit das unbedingte Wollen zu, beides Äußerungen der sittlichen Kraft, mit der der einzelne der sittlichen Sphäre zugehört(2). Die vermittelnde sittliche Welt bewegt sich derart, dass jeder an ihr teilhat, aber doch in verschiedener Weise. Die einen, indem sie die bestehenden Zustände durch Fortübung des Gewohnten tragen, die anderen, indem sie neue Gedanken ahnen und aussprechen. In solcher ständigen Überwindung dessen, was ist, durch die Kritik von dem her, wie es sein sollte, besteht die Kontinuität des geschichtlichen Prozesses (§ 77f.)(1). Droysen würde also nicht von bloßen „Szenen der Freiheit“ reden. Freiheit ist der Grundpuls des geschichtlichen Lebens, und nicht nur im Ausnahmefall wirklich. Die Gadamer I 219 großen Persönlichkeiten der Geschichte sind nur ein Moment in der Fortbewegung der sittlichen Welt, die als ganze und in jedem einzelnen eine Welt der Freiheit ist. Gegen den historischen Apriorismus stimmt er mit Ranke überein, dass wir nicht das Ziel, sondern nur die Richtung der Bewegung erkennen können. Der Zweck der Zwecke, auf den die rastlose Arbeit der geschichtlichen Menschheit bezogen ist, ist nicht durch historische Erkenntnis auszumachen (§§ 80-86)(1). Er ist nur Gegenstand unseres Ahnens und Glaubens. Diesem Bild der Geschichte entspricht nun die Stellung des historischen Erkennens. >Erkenntnis/Droysen. 1. J.G. Droysen, Grundriß der Historik, 1868 |
Droys I J. G. Droysen Grundriss der Historik Paderborn 2011 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Freiheit | Friedman | Landsburg I 52 Freiheit/Friedman/Landsburg: [Friedmans](1) zentrale These ist, dass wirtschaftliche Freiheit eine Voraussetzung für persönliche und politische Freiheit ist. Wirtschaftliche Freiheit bezieht sich hier auf ein System freier Märkte und privaten Eigentums, das mit begrenzter Einmischung der Regierung funktioniert. Politische und persönliche Freiheit umfasst freie Wahlen, die Vertretung von Minderheiten, Meinungsfreiheit und die Möglichkeit, einen unorthodoxen Lebensstil zu wählen. Wenn man diese Art von Freiheit will, muss man auch freie Märkte haben. Landsburg: In einem Schreiben aus dem Jahr 1962 sagte Friedman, er kenne kein Beispiel, zu keiner Zeit und an keinem Ort, für eine Gesellschaft, die wesentliche politische Freiheit geboten habe, ohne auch wesentliche wirtschaftliche Freiheit zu bieten. Freiheit/Wirtschaftliche Theorien/Landsburg: Das Fraser Institute(2) erstellt akribische Ranglisten der persönlichen und wirtschaftlichen Freiheit in 159 Ländern, wobei 79 verschiedene Indikatoren innerhalb jedes Landes verwendet werden; die Methoden werden auf der Website des Instituts detailliert beschrieben.Obwohl solche Daten sehr aufschlussreich sind, wies Friedman schnell darauf hin, dass sie nichts darüber aussagen über das, was in Zukunft möglich sein könnte. Der nächste Schritt besteht also darin, zu verstehen, warum und wie die politische Freiheit immer und überall durch den Sozialismus unterminiert wird.* Kapitalismus/Beispiel: Ein großer Teil sowohl der politischen als auch der persönlichen Freiheit ist das Recht, sich der Politik der eigenen Regierung zu widersetzen. Um dies effektiv zu tun, möchten Sie vielleicht Kundgebungen abhalten, Dokumentarfilme drehen, Bücher veröffentlichen oder Werbung für Ihren Blog machen. Dafür brauchen Sie Ressourcen. Woher bekommen Sie diese? Kapitalismus: In einer kapitalistischen Gesellschaft können Sie sich an jeden wenden, der bereit ist, Sie zu finanzieren. Landsburg I 53 Sozialismus: Im Sozialismus haben Sie ein viel größeres Problem. Wenn die Regierung die Versammlungsräume, die Aufnahmestudios und die Internetprovider besitzt oder wenn sie deren Besitzer stark reguliert, dann müssen Sie sich an die Regierung wenden - und wenn sie Sie abweist, gibt es keinen anderen Ort, an den Sie sich wenden können. Das ist selbst dann ein Problem, wenn Ihre Regierung von Idealisten geführt wird, die sich dem Grundsatz verschrieben haben, dass jeder ein Recht darauf hat, gehört zu werden. Das Problem bei diesem Prinzip ist, dass nicht klar ist, was „alle“ bedeutet. Die Ressourcen sind begrenzt, die Nachfrage nach diesen Ressourcen ist praktisch unbegrenzt, und das bedeutet, dass jemand abgewiesen werden muss. Solange ein Unternehmen alle Ressourcen kontrolliert, gibt es für diejenigen, die abgewiesen werden, keine Alternativen. Kapitalismus: Der Kapitalismus garantiert Ihnen kein Publikum, aber er gibt Ihnen eine unbegrenzte Anzahl von Möglichkeiten, es zu versuchen. Landsburg I 54 Staatsmonopol: Damit Sie nicht denken, dass dies alles nur abstrakte Theorien sind, betrachten Sie den Fall von Winston Churchill, der den größten Teil der 1930er Jahre damit verbrachte, verzweifelt zu versuchen, die britische Öffentlichkeit davon zu überzeugen, eine entschiedene Haltung gegen Adolf Hitler und die Remilitarisierung Deutschlands einzunehmen. Obwohl Churchill ein führender Bürger, ein amtierendes Parlamentsmitglied und ein ehemaliger Kabinettsminister war, befanden die Radio- und Fernsehsender - alle im Besitz der britischen Regierung -, dass seine Ansichten zu weit vom Mainstream abwichen und weigerten sich, ihm Sendezeit zu verkaufen. Kapitalismus/Landsburg: Der Grund, warum kapitalistische Gesellschaften eine Chance haben, politische Freiheit zu erlangen, liegt darin, dass in kapitalistischen Gesellschaften die wirtschaftliche Macht gestreut ist. Es gibt immer jemand anderen, an den man sich wenden kann. Landsburg I 56 Darüber hinaus gibt es einen weiteren Weg, auf dem der Kapitalismus die persönliche Freiheit fördert: Er macht die Menschen reicher, und je reicher man ist, desto mehr Freiheit kann man sich leisten. >Markt, >Freier Markt, >Sozialismus, >Kapitalismus, >Staatskapitalismus, >Monopole. *Landsburg: In Anlehnung an Friedman werde ich die Begriffe Kapitalismus und Sozialismus verwenden, um das Vorhandensein und das Fehlen wirtschaftlicher Freiheit zu bezeichnen. Sozialismus kann staatliches Eigentum an produktiven Ressourcen oder staatliche Kontrolle über die Entscheidungen von Privateigentümern beinhalten. 1. Milton Friedman. (1962). [1982, 2002] Capitalism and Freedom. University of Chicago Press. 2. https://www.fraserinstitute.org/sites/default/files/human-freedom-index-2018.pdf (April 2025) Brocker I 401 Freiheit/Friedman: Es gibt Beziehungen zwischen politischer und ökonomischer Freiheit in beiden Richtungen: Die Öffnung von Märkten musste historisch oft gegen die Obrigkeit erkämpft werden. Ein bestehendes Marktsystem ist jedoch dann die notwendige, wenn auch nicht hinreichende Vorbedingung für politische Freiheit. Friedman begründet dies primär mit dem Privateigentum und dem Interesse an privater Gewinnerzielung.(1) >Eigentum, >Märkte, >Gesellschaft. 1.Vgl. Milton Friedman, Capitalism and Freedom, Chicago 1962. Dt.: Milton Friedman, Kapitalismus und Freiheit, München 2004, Peter Spahn, „Milton Friedman, Kapitalismus und Freiheit“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Econ Fried I Milton Friedman The role of monetary policy 1968 Landsburg I Steven E. Landsburg The Essential Milton Friedman Vancouver: Fraser Institute 2019 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Freiheit | Liberalismus | Gaus I 104 Freiheit/Liberalismus/Gaus: Theorien der persönlichen Autonomie, die sowohl darauf bestehen, dass traditionelle liberale Freiheiten für die persönliche Autonomie notwendig sind, als auch darauf, dass die Erlangung von Autonomie selbst eine Art von Freiheit ist, haben daher den starken Anspruch, ausgeprägt liberale Moralvorstellungen zu fördern. Dies steht im Gegensatz zu Ronald Dworkins berühmter Behauptung, dass der Liberalismus auf einer grundlegenden Verpflichtung zur Gleichheit und nicht zur Freiheit beruht (1978(1): 115; siehe auch 2000(2): Teil I). >Liberalismus/Dworkin, >Utilitaristischer Liberalismus/Gaus. 1. Dworkin, Ronald (1978) ‘Liberalism’. In Public and Private Morality, (Hrsg.) Stuart Hampshire. Cambridge: Cambridge University Press, 115–43. 2. Dworkin, Ronald (2000) Sovereign Equality: The Theory and Practice of Equality. Cambridge, MA: Harvard University Press. Gaus, Gerald F. Handbook of Political Theory (S.112). SAGE Publications. Kindle-Version. Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Freiheit | Ranke | Gadamer I 207 Freiheit/Notwendigkeit/Geschichte/Ranke/Gadamer: Teleologie [der Geschichte] ist nicht vom philosophischen Begriff her erweislich. Sie macht die Weltgeschichte nicht zu einem apriorischen System, in das die Akteure wie in einen sie bewusstlos steuernden Mechanismus eingestellt sind. Vgl. >Universalgeschichte/Ranke, >Geschichte/Historismus. Sie ist vielmehr mit der Freiheit des Handelns wohl verträglich. Ranke kann geradezu sagen, dass die konstruktiven Glieder des geschichtlichen I 208 Zusammenhanges, "Szenen der Freiheit" sind(1). Diese Wendung meint, dass es im unendlichen Geflecht der Ereignisse bestimmte herausgehobene Auftritte gibt, in denen sich die geschichtlichen Entscheidungen gleichsam konzentrieren. Entschieden wird zwar überall, wo aus Freiheit gehandelt wird, aber dass mit solcher Entscheidung wirklich etwas entschieden wird, das heißt, dass eine Entscheidung Geschichte macht und in ihrer Wirkung erst ihre volle und dauerhafte Bedeutung offenbart, ist die Auszeichnung wahrhaft geschichtlicher Augenblicke. Sie geben dem geschichtlichen Zusammenhang seine Artikulation. Wir nennen solche Augenblicke, in denen ein freies Handeln geschichtlich entscheidend wird, epochemachende Augenblicke oder auch Krisen, und die Individuen, deren Handeln so entscheidend wird, kann man mit Hegel „weltgeschichtliche Individuen“ nennen. Ranke sagt dafür »originale Geister, die in den Kampf der Ideen und Weltmächte selbständig eingreifen, die mächtigsten derselben, auf denen die Zukunft beruht, zusammenfassen«. Gadamer: Das ist Geist vom Geiste Hegels. Freiheit/Zusammenhang der Geschichte/Ranke: »Gestehen wir ein, dass die Geschichte nie die Einheit eines philosophischen Systems haben kann; aber ohne inneren Zusammenhang ist sie nicht. Vor uns sehen wir eine Reihe von aufeinanderfolgenden einander bedingenden Ereignissen. Wenn ich sage: bedingen, so heißt das freilich nicht durch absolute Notwendigkeit. Das Große ist vielmehr, dass die menschliche Freiheit überall in Anspruch genommen wird: die Historie verfolgt die Szenen der Freiheit; das macht ihren größten Reiz aus. Zur Freiheit aber gesellt sich die Kraft, und zwar ursprüngliche Kraft; ohne diese hört jene in den Weltereignisssen sowohl, wie auf dem Gebiete der Ideen auf. Jeden Augenblick kann wieder etwas Neues beginnen, das nur auf die erste und gemeinschaftliche Quelle alles menschlichen Tuns und Lassens zurückzuführen ist; nichts ist ganz um des anderen willen da; keines geht ganz in der Realität des anderen auf. Aber dabei waltet doch auch ein tiefer inniger Zusammenhang ob, von dem niemand ganz unabhängig ist, der überall eindringt. Notwendigkeit/Ranke: Der Freiheit zur Seite besteht die Notwendigkeit. Sie liegt in dem bereits Gebildeten, nicht wieder Umzustoßenden, welches die Grundlage aller neu emporkommenen Tätigkeit ist. Das Gewordene konstituiert den Zusammenhang mit dem Werdenden. Aber auch dieser Zusammenhang selbst ist nichts willkürlich Anzunehmendes, sondern er war auf eine bestimmte Weise, so und so, nicht anders. Er ist ebenfalls ein Objekt der Erkenntnis. Eine längere Reihe von Ereignissen - nacheinander und Gadamer I 209 nebeneinander – auf solche Weise miteinander verbunden, bildet ein Jahrhundert, eine Epoche...“(2). >Geschichte, >Geschichte/Ranke, >Geschichtsschreibung. 1. Ranke, Weltgeschichte IX, S. XIV. 2. a.a.O. S. XIIIf. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Freiheit | Republikanismus | Gaus I 169 Freiheit/Republikanismus/Dagger: Selbstverwaltete Bürger können nicht einer absoluten oder willkürlichen Herrschaft unterworfen werden, unabhängig davon, ob sie von äußeren oder inneren Kräften ausgeht. Wenn der Bürger selbstverwaltet sein soll, muss er oder sie frei von der absoluten oder willkürlichen Herrschaft anderer sein, was bedeutet, dass die Bürger der Rechtsstaatlichkeit unterworfen sein müssen - der Regierung oder dem Reich der Gesetze, nicht der Menschen, nach der alten Formel.* Wie bei der Öffentlichkeitsarbeit führt das republikanische Bekenntnis zur Selbstverwaltung zu charakteristischen republikanischen Themen wie der Sorge um Freiheit, Gleichheit und, wiederum, Bürgertugend. Selbstverwaltung ist natürlich eine Form der Freiheit. Für Republikaner ist sie die wichtigste Form, denn andere Formen der individuellen Freiheit sind nur in einem freien Staat per Gesetz gesichert. Freiheit setzt also die Abhängigkeit vom Gesetz voraus, damit die Bürger unabhängig vom willkürlichen Willen anderer sein können. >Verfassung/Republikanismus, >Recht/Republikanismus, >Rechtsstaatlichkeit/Republikanismus. Gaus I 170 Verfassung: Ohne Bürger, die bereit sind, die Republik gegen ausländische Bedrohungen zu verteidigen und sich aktiv an der Regierung zu beteiligen, wird auch die gemischte Verfassung scheitern. Republiken müssen sich daher auf das einlassen, was Michael Sandel "eine prägende Politik" nennt, "die in den Bürgern die charakterlichen Qualitäten kultiviert, die die Selbstverwaltung erfordert" (1996(1): 6). Verfassungsmäßige Schutzmaßnahmen mögen notwendig sein, um Geiz, Ehrgeiz, Luxus, Müßiggang und anderen Formen der Korruption zu widerstehen, aber sie werden nicht ausreichen, um die Freiheit in der Rechtsstaatlichkeit zu erhalten. Gaus I 174 Freiheit/Gleichheit/Republikanismus/Dagger: Die Verbindung der politischen Gleichheit mit (...) der Freiheit als Selbstverwaltung, ist eng. Beide beinhalten das, was Philip Pettit "die Offenheit der intersubjektiven Gleichheit" (1997(2):64) nennt. Aus republikanischer Sicht ist Freiheit, wie wir gesehen haben, nicht so sehr eine Frage des Alleingelassenseins, sondern vielmehr eine Frage des Lebens in einem Rechtsstaat, bei dessen Gestaltung man eine Stimme hat. In dieser Hinsicht unterscheiden sich Republikaner von Liberalen, so Pettit, weil "der höchste politische Wert" (1997(2): 80) des Republikanismus die Freiheit ist, die nicht als Nichteinmischung - die liberale Sicht - verstanden wird, sondern als Nicht-Beherrschung oder, in Skinners Worten, als "Abwesenheit von Abhängigkeit" (2002(3): 18). *Historiker (Wirszubski, 1960(4): 9; Skinner, 1998(5): 45) führen diese Formel auf die römischen Schriftsteller Sallust, Livy und Cicero zurück. 1. Sandel, Michael ( 1996) Democracy 's Discontent: America in Search of a Public Philosophy. Cambridge, MA: Harvard University Press. 2. Pettit, Philip (1997) Republicanism: A Theory of Freedom and Government. Oxford: Clarendon. 3. Skinner, Quentin (2002) 'A third concept of liberty'. London Review of Books, 4 April: 16—18. 4. Wirszubski, Ch. (1960) Libertas as a Political Idea at Rome during the Late Republic and Early Principate. Cambridge: Cambridge University Press. 5. Skinner, Quentin (1998) Liberty before Liberalism. Cambridge: Cambridge University Press. Dagger, Richard 2004. „Communitarianism and Republicanism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Freiheit | Sen | Brocker I 880 Freiheit/Sen: »wesentliche Freiheit« (»substantive freedom«): Eine Theorie des politischen Mit- und Füreinander, welche kosmopolitische Pflichten der gegenwärtig lebenden Menschen gegenüber ihrer Mitwelt, Umwelt und Nachwelt aus dem Prinzip individueller Freiheit begründet. Brocker I 884 Das Fundament unserer sozialen Wirklichkeit muss die freie Entscheidung aller über Wert und Unwert ihrer Optionen bilden. Die Wirtschaftswissenschaften müssen deshalb von der Idee der Freiheit her konzipiert werden.(1) Vgl. >Märkte/Sen. Sen will daher die Frage nach geeigneten Parametern wirtschaftlichen Erfolgs über gesellschaftliche Debatten und »öffentliche Diskussion« klären.(2) Ökonometrische Ziele sollen demokratisch festgelegt werden – und nicht umgekehrt technokratische Messgrößen die Wirtschaftspolitik diktieren. Anstatt ökonomische Wertmaßstäbe in den Prämissen und Axiomen der Ökonometrie zu verstecken, sollen sie sichtbar gemacht, öffentlich diskutiert und durch »verantwortliche Sozialwahl« abgesegnet oder verworfen werden.(3) Welche Werte und Ziele den Vorrang haben sollen, muss dabei – im Interesse der Freiheit – von Gesellschaft zu Gesellschaft, von Ort zu Ort und von Zeit zu Zeit neu ausgehandelt werden. >Utilitarismus/Sen. Brocker I 886 Freiheit manifestiert sich nicht bloß durch eine Wahl zwischen (vorgegebenen) Alternativen, sondern immer auch in der Wahl von (potentiell besseren) Alternativen und in der Suche nach ihnen. Deswegen schätzt Sen die Tradition der Theorien »positiver Freiheit«.(4) SenVsNeoliberalismus: Theorien negativer Freiheit missverstehen, so Sen, dass es oft weniger auf die private Kontrolle über Handlungsräume ankommt als auf deren Ausgestaltung. Brocker I 887 Allerdings koaliert Sen insofern also mit Verteidigern negativer Freiheit, als er wie diese jedwede Beglückungsdiktatur ablehnt, die Menschen Lebenschancen auf Kosten ihrer staatsbürgerlichen staatsbürgerlichen Freiheiten verspricht. Das Recht auf Besitz und Eigentum zum Beispiel darf keinesfalls als dem Recht, nicht gefoltert oder getötet zu werden, gleichwertig behandelt werden.(5) Ebensolche Differenzierungen aber werden verwehrt, wenn Libertäre beide Rechte gleichrangig als »Nebenbedingungen« individueller Freiheit behandeln. >Neoliberalismus/Sen. SenVsNozick: Ein Freiheitsschutz, der nur auf Verfahren, nie auf Endresultate achtet, kann kontra-intuitive Ergebnisse zeitigen. I 888 Negative Freiheit/Sen: Warum (…) ist die Theorie negativer Freiheit trotz ihrer augenfälligen Mängel noch immer so verbreitet? Ein rein formaler Freiheitsbegriff lässt sich leichter quantifizieren und einer mathematisierten Ökonomik einpassen. Man zählt einfach Optionen und identifiziert jeden Zuwachs derselben mit Freiheitsgewinn. SenVsNegative Freiheit: Jede Wahlentscheidung muss »nicht allein bezüglich der Zahl der verfügbaren Wahlmöglichkeiten beurteilt werden, vielmehr ist auch deren Attraktivität in Anschlag zu bringen«.(6) Eine rein formale Theorie der Freiheit läuft daher ins Leere. Brocker I 889 Nicht nur sind einige wenige gute Optionen einer Auswahl aus zahllosen scheußlichen Möglichkeiten sicher sicher vorzuziehen; oftmals führt auch erst quantitatives Reduzieren zur qualitativen Verbesserung von Wahlmöglichkeiten.(7) Zugang zu sinnvollen Optionen zu haben, steht und fällt zudem klarerweise mit der Möglichkeit, in Koordination mit anderen die eigenen Präferenzen sowie Lebenschancen zu evaluieren und in Kollaboration mit ihnen zu verändern. Dreigliedriges Freiheitsmodell/Senn: 1. Möglichkeitsaspekt, der sich auf unsere Lebenschancen richtet, 2. Prozessaspekt: untersucht, wie diese zustande kommen. 3. „Wesentliche Freiheit“ (substantive freedom): hier werden diese beiden Aspekte verbunden. Def Wesentliche Freiheit/Sen: 1. politische Freiheiten, 2. ökonomische Einrichtungen, 3. soziale Chancen, 4. Transparenzgarantien und 5. soziale Sicherheit.(8) 1. Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen. Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft, München 2000, S. 44 2. Ebenda S. 100. 3. Ebenda S. 137 4. A.Sen, Rationality and Freedom, Cambridge, Mass./London 2002, S. S. 509 5. Ebenda S. 636 6. Sen 2000 S. 146 7. Sen 2002, S. 602 8. Sen 2000, S. 52-54 Claus Dierksmeier, „Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen (1999)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
EconSen I Amartya Sen Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Freiheit | Tocqueville | Gaus I 388 Freiheit/Gesellschaft/Tocqueville/Plant: In den Schriften von Tocqueville(1,2) begegnen wir einer weiter entwickelten Reihe von Ideen über die Werte, die der Freiheit zugrunde liegen. Tocquevilles Position liegt irgendwo zwischen Constants sehr praktischer Darstellung der Freiheit und einer eher metaphysisch fundierten oder, im modernen Jargon, auf einer umfassenden Doktrin basierenden Auffassung. Vgl. >Gesellschaft/Constant. Religion/Tocqueville: Tocqueville engagierte sich stark für die aus seiner Sicht notwendige Verbindung zwischen Religion und der Wahrung der Freiheit, und innerhalb der Religion befürwortete er die Idee des Naturrechts. >Religion, >Naturrecht, >Freiheit, >Gesellschaft. Es ist sicherlich richtig, (...) dass Tocqueville die Rolle der intermediären Institutionen in der Gesellschaft als Garanten der Freiheit gutheißt, da sie zwischen dem Individuum und einem Staat stehen, dessen Macht in einer demokratischen Ära wächst, und insofern gehören das Gemeinschaftsleben und das, was unter die von ihm so genannten Sitten oder Gebräuche fällt, zu dem, was die Freiheit erhält. Die Religion jedoch kommt dazu, weil er zwischen willkürlichen Sitten, Konventionen und den Institutionen, von denen sie abhängen, und solchen, die aus religiös und naturrechtlich sanktionierten Gewohnheiten und Charakterformen erwachsen, unterscheiden will. >Institutionen. Für Tocqueville gehören dazu die angeborene Idee der Freiheit und ihre Bedeutung im menschlichen Leben, die Anerkennung der Seele und der Tatsache, dass die menschliche Person mehr ist als Körper und Geist, sowie Gefühle der Ehrlichkeit und des gesunden Menschenverstandes. Wenn diese Dinge den Charakter durchdringen, können sie die "Gewohnheiten des Herzens" aufrechterhalten, die für die Freiheit und eine freie Gesellschaft wesentlich sind. Verfassung/Gesellschaft/Tocqueville: Verfassungsrechtliche Regelungen und Gesetze müssen von diesen Sitten getragen werden, denn, wie er in seinen Gesprächen mit Nassau Senior argumentiert: "Freiheit hängt von den Sitten und Überzeugungen der Menschen ab, die sie genießen sollen. Diese Sitten und Überzeugungen sind der Freiheit förderlicher, wenn man sie für wahr hält und nicht nur für willkürliche oder bequeme Erfindungen oder historische Errungenschaften. Tocqueville plädiert also für eine geregelte Freiheit, die durch Religion, Sitte und Gesetz in Schach gehalten wird. Er ist sich jedoch sicher, dass Verfassungen und Gesetze in derartigen Vorstellungen verwurzelt sein müssen, die in der Bevölkerung weit verbreitet sind und nicht durch Gesetze verwirklicht werden können. >Gesetzgebung. 1. Tocqueville, A. de (1945) Democracy in America. New York: Knopf. 2. Tocqueville, A. de (1955) The Old Regime and the French Revolution. Garden City, NY: Anchor. Plant, Raymond 2004. „European Political Thought in the Nineteenth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Freiwilligendilemma | Dari-Mattiacci | Parisi I 445 Freiwilligendilemma/Information/Anreize/Zuckerbrot/Belohnung/Strafen/Dari-Mattiacci/De Geest: (...) dass Zuckerbrotnur dann überlegen ist, wenn die Mehrheit der Agenten im Gleichgewicht gegen die Regel verstoßen[,] (...) wirft die Frage auf, warum dies in einem Rational-Choice-Rahmen überhaupt der Fall sein sollte. Wenn ein Akteur rational gegen eine Regel verstößt, bedeutet dies, dass das Zuckerbrot oder der Stock nicht hoch genug ist. Aber warum erhöht der Prinzipal in diesem Fall nicht einfach das Zuckerbrot oder die Peitsche, bis sich alle Agenten daran halten? Der Grund dafür ist, dass der Prinzipal nicht genügend Informationen über die individuellen Aufwandskosten aller Agenten hat, um zu bestimmen, welche von ihnen die Regel befolgen sollten. In der realen Welt kann es jedoch schwierig sein, die individuellen Aufwandskosten zu überprüfen. Dies deutet darauf hin, dass Belohnung sinnvoll sein kann, wenn der Auftraggeber Probleme mit der Spezifikation hat, d. h. wenn der Auftraggeber nicht weiß, was vernünftigerweise vom Agenten erwartet werden kann. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum in einer zunehmend komplexen Gesellschaft Belohnungen immer häufiger eingesetzt werden (De Geest and Dari-Mattiacci, 2013)(1). Freiwilligendilemma: Ein Extremfall der Durchsetzung mit Informationsproblemen ist das Freiwilligendilemma: Es ist für die Gesellschaft optimal, wenn nur einer der Umstehenden (idealerweise derjenige mit den geringsten Aufwandskosten) ins Wasser springt, um eine ertrinkende Person zu retten. In diesem Fall zeigen Leshem und Tabbach (2016)(2), dass Zuckerbrot besser ist als Peitsche, da es die zu leistenden Transfers minimiert. >Anreize/Dari-Mattiacci/De Geest, >Grenzkosten. 1. De Geest, Gerrit and Giuseppe Dari-Mattiacci (2013). “The Rise of Carrots and the Decline of Sticks.” University of Chicago Law Review 80: 341–392. 2. Leshem, Shmuel and Avraham Tabbach (2016). “Solving the Volunteer’s Dilemma: The Superiority of Rewards over Punishments.” American Law and Economics Review 18: 1–32. Giuseppe Dari-Mattiacci and Gerrit de Geest. “Carrots vs. Sticks”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Freiwilligendilemma | De Geest | Parisi I 445 Freiwilligendilemma/Information/Anreize/Zuckerbrot/Belohnung/Strafen/Dari-Mattiacci/De Geest: (...) dass Zuckerbrot nur dann überlegen ist, wenn die Mehrheit der Agenten im Gleichgewicht gegen die Regel verstoßen[,] (...) wirft die Frage auf, warum dies in einem Rational-Choice-Rahmen überhaupt der Fall sein sollte. Wenn ein Akteur rational gegen eine Regel verstößt, bedeutet dies, dass das Zuckerbrot oder der Stock nicht hoch genug ist. Aber warum erhöht der Prinzipal in diesem Fall nicht einfach das Zuckerbrot oder die Peitsche, bis sich alle Agenten daran halten? Der Grund dafür ist, dass der Prinzipal nicht genügend Informationen über die individuellen Aufwandskosten aller Agenten hat, um zu bestimmen, welche von ihnen die Regel befolgen sollten. In der realen Welt kann es jedoch schwierig sein, die individuellen Aufwandskosten zu überprüfen. Dies deutet darauf hin, dass Belohnung sinnvoll sein kann, wenn der Auftraggeber Probleme mit der Spezifikation hat, d. h. wenn der Auftraggeber nicht weiß, was vernünftigerweise vom Agenten erwartet werden kann. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum in einer zunehmend komplexen Gesellschaft Belohnungen immer häufiger eingesetzt werden (De Geest and Dari-Mattiacci, 2013)(1). Freiwilligendilemma: Ein Extremfall der Durchsetzung mit Informationsproblemen ist das Freiwilligendilemma: Es ist für die Gesellschaft optimal, wenn nur einer der Umstehenden (idealerweise derjenige mit den geringsten Aufwandskosten) ins Wasser springt, um eine ertrinkende Person zu retten. In diesem Fall zeigen Leshem und Tabbach (2016)(2), dass Zuckerbrot besser ist als Peitsche, da es die zu leistenden Transfers minimiert. >Anreize/Dari-Mattiacci/De Geest, >Grenzkosten. 1. De Geest, Gerrit and Giuseppe Dari-Mattiacci (2013). “The Rise of Carrots and the Decline of Sticks.” University of Chicago Law Review 80: 341–392. 2. Leshem, Shmuel and Avraham Tabbach (2016). “Solving the Volunteer’s Dilemma: The Superiority of Rewards over Punishments.” American Law and Economics Review 18: 1–32. Giuseppe Dari-Mattiacci and Gerrit de Geest. “Carrots vs. Sticks”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Fremdpsychisches | Frith | I 15ff Fremdpsychisches/Frith: Das Gehirn schafft die Illusion, die Gedankenwelt sei isoliert und privat. Das Gehirn verbirgt die unbewussten Schlussfolgerungen, die es zieht, vor uns selbst. >Gehirn/Frith, >Gehirnzustände, >Gehirn, >Gedanken, >Denken, >Welt/Denken. Kultur: Kultur hat die Arbeitsweise des Gehirns beeinflusst. >Kultur. I 199 Empathie/Fremdpsychisches/Imitation/Frith: These: Imitation eröffnet den Zugang zur privaten Gedankenwelt anderer. Schmerz/Frith: Wir erfahren etwas über die Schmerzen eines anderen, indem wir beobachten, was er/sie tut und hören was er/sie sagt. >Schmerz, >Schmerz/Wittgenstein, >Intersubjektivität. Schmerzmatrix: sind bestimmte Areale im Gehirn, die aktiv werden, wenn jemand leidet. Pointe: Daher sind die physiologischen Korrelate dieser Erfahrung keineswegs privat. Schmerz/Pointe: Das subjektive Erleben ist nicht direkt an die physische Natur des Schmerzreizes gekoppelt! Ein rotglühender Eisenstab fühlt sich weniger scherzhaft an, wenn man abgelenkt ist! Placebos: Placebos können auch das Schmerzempfinden lindern, wenn die Person bloß annimmt, dass sie das tun. Gehirn/Schmerz: Einige Areale korrespondieren mit der physikalischen Temperatur des Eisenstabs, andere mit dem subjektiven Schmerzempfinden. I 200 Fremdpsychisches/Empathie: Wenn wir beobachten, dass jemand Schmerz erleidet, werden dieselben Gehirnregionen aktiv, wie wenn wir selbst Schmerzen haben. I 201 Fremdpsychisches/Schmerz/Frith: Wir konstruieren mentale Modelle, die auf den Stimuli basieren, die wir selbst haben würden. Weil wir Gedankenmodelle der physischen Welt entwickeln, können wir unser Erleben in der mentalen Welt teilen. I 202 Urheberschaft/Handlung/Bewegung/Fremdpsychisches/Souveränität/Frith: Urheberschaft ist etwas, das genauso privat ist wie Schmerz: die Erfahrung, dass wir selbst Urheber unserer Handlungen sind. >Urheberschaft, >Erste Person, >Handlungen, >Subjekt, vgl. >Libet-Experiment. Ursache/Wirkung/Frith: Ursache und Wirkung werden hier zu Einheiten verbunden, so wie Bsp Farbe, Form und Bewegung verbunden sind, um Objekte zu bilden. >Ursache, >Wirkung. Gegenstand/Ding/Objekt/Frith: These: Der Gegenstand ergibt sich aus einer Verbindung von Form, Farbe und Bewegung. >Gegenstände, >Objekte. I 208 Fremdpsychisches/Frith: Gerade weil wir nicht in direkter Verbindung mit der physischen Welt stehen, nicht einmal mit der Welt unseres Körpers, können wir in die mentale Welt anderer eintreten. Aber es gibt Probleme, weil eben unser Bild der Welt ein Fantasiebild ist: Def "Gestützte Kommunikation"/Frith: Menschen mit schwerer Behinderung können durch einen Assistenten kommunizieren. In Tests kann sich herausstellen, dass es der Moderator ist, der die Fragen beantwortet. Bis dieser darauf hingewiesen wird, weiß er dies aber nicht! Urheberschaft: Der Moderator täuscht sich über die Urheberschaft. I 238 Fremdpsychisches/“Gedankenlesen“/Frith: Es ist möglich, ziemlich direkt festzustellen, was im Kopf eines anderen vor sich geht. Bsp Auf einem Video von jemandem, der eine Kiste aufhebt kann man erkennen, ob diese schwerer oder leichter ist, als ihm vorher erzählt wurde. So kann man falsche Vorstellungen bei jemand anderem erkennen. |
Frith I Chris Frith Wie unser Gehirn die Welt erschafft Heidelberg 2013 |
| Fremdpsychisches | Millikan | I 202 Verstehen/Fremdpsychisches/Zuschreibung/Millikan: ich kann die Gedanken anderer modellieren, indem ich einen distanzierten (disengaged) gebrauch von Wörtern mache. Durch das Modellieren der Relation deiner Gedanken zur Welt komme ich zu einem Verstehen. >Verstehen/Millikan, vgl. >Intersubjectivität. Meine inneren Sätze können dann denselben Sinn haben wie die Repräsentationen in deinem Kopf-. D.h. ich verstehe durch Imitation. I 203 Phlogiston/Verstehen/Millikan: durch eine solche Imitation verstehen wir am besten den Gebrauch des Worts „Phlogiston“ im 18. Jahrhundert. leerer Term/leerer Ausdruck/Millikan. Pointe: für die Menschen im 18. Jahrhundert war „Phlogiston“ ein leerer Term, nicht aber für uns! ((s) damals bezeichnete er nichts, heute bezeichnet er einen historischen Gebrauch). >Inkommensurabilität. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Frequenzzuteilung | Coase | Kiesling I 27 Frequenzzuteilung/Coase/Kiesling: „Sicherlich ist nicht klar, warum wir uns auf die Federal Communications Commission und nicht auf den gewöhnlichen Preisbildungsmechanismus verlassen sollten, um zu entscheiden, ob eine bestimmte Frequenz von der Polizei oder für ein Funktelefon oder für einen Taxidienst oder für eine Ölgesellschaft zur geophysikalischen Erkundung oder von einer Filmgesellschaft, um mit ihren Filmstars in Kontakt zu bleiben, oder für einen Rundfunksender verwendet werden sollte. Die Vielzahl dieser unterschiedlichen Verwendungszwecke lässt vermuten, dass die Vorteile, die sich aus der Anwendung des Preismechanismus ergeben, in diesem Fall besonders groß sind“. Coase (1959)(1), S. 16 Kiesling: Eine wichtige politische Anwendung von Coases Ideen zu Institutionen, Eigentumsrechten und Transaktionskosten ist die Zuteilung von Funkfrequenzen mit Hilfe von Auktionen für Frequenzlizenzen. Genauer gesagt hat die Arbeit von Coase zu einer marktbasierten Zuteilung von Funkfrequenzen anstelle einer administrativen Zuteilung und zur Liberalisierung der Eigentumsrechte geführt, die mit diesen Lizenzen übertragen werden. Diese Liberalisierung hat eine umfassende Innovation und Marktkomplexität ermöglicht. >Eigentumsrechte/Coase, >Transaktionskosten/Coase, >Recht/Coase. Kiesling I 29 (...) Coase(1) stellte die Frage, ob es einen gangbaren Weg gibt, die Nutzung des Frequenzspektrums so zuzuweisen, dass der größtmögliche Nutzen daraus gezogen wird, was mit der damals üblichen Methode der Anhörung im öffentlichen Interesse nicht möglich war. Das politische Ziel sollte nicht darin bestehen, die Interferenzen im Frequenzspektrum zu minimieren, sondern die Leistung des Spektrums zu maximieren, wobei Interferenzen als eine zu bewältigende Einschränkung zu betrachten sind (oder als etwas, das durch Innovation verringert werden kann). Eigentumsrecht: Warum nicht für jeden Nutzer ein Eigentumsrecht an einem bestimmten Teil des Spektrums festlegen und diese Rechte handelbar machen? Coase folgte hier dem Vorschlag von Leo Herzel (1951)(2), der vorschlug, Eigentumsrechte an Frequenzen zu definieren und sie durch Auktionen zu vergeben. Coase behauptete, dass trotz gegenteiliger Argumente die Knappheit des Spektrums keine administrative Zuteilung, ständige Regulierung oder staatliches Eigentum erforderlich macht. >Eigentumsrechte/Coase. Kiesling I 30 Coase identifizierte den Kern des Problems der Frequenzzuweisung als unzureichend definierte Eigentumsrechte und zog Analogien zwischen Frequenzen und Land: „Wir wissen aus unserer alltäglichen Erfahrung, dass Land den Landnutzern zugewiesen werden kann, ohne dass eine staatliche Regulierung notwendig ist, indem man den Preismechanismus anwendet.... Wenn eine Person ein Stück Land für den Anbau einer Kulturpflanze nutzen könnte und dann eine andere Person daherkommt und ein Haus auf dem für die Kulturpflanze genutzten Land baut, und dann eine andere Person daherkommt, das Haus abreißt und die Fläche als Parkplatz nutzt, wäre es zweifellos richtig, die daraus resultierende Situation als Chaos zu bezeichnen. Aber es wäre falsch, dies der Privatwirtschaft und dem Wettbewerbssystem anzulasten. Ein privatwirtschaftliches System kann nur dann richtig funktionieren, wenn Eigentumsrechte an Ressourcen geschaffen werden, und wenn dies der Fall ist, muss jemand, der eine Ressource nutzen möchte, den Eigentümer dafür bezahlen, um sie zu erhalten. Das Chaos verschwindet, und damit auch der Staat, abgesehen davon, dass ein Rechtssystem zur Definition von Eigentumsrechten und zur Schlichtung von Streitigkeiten natürlich notwendig ist.“ (1959(1): 14) Märkte/Coase: Warum Märkte nutzen? Märkte zeigen die Opportunitätskosten der Lizenz auf und berücksichtigen diese Opportunitätskosten bei der Entscheidungsfindung von etablierten und neuen Lizenzinhabern. Ein Recht auf die Nutzung einer Frequenz müsste genau definiert werden, um gehandelt werden zu können (Coase, 1959(1): 25). >Auktionen/Coase. 1. Coase, Ronald H. (1959). The Federal Communications Commission. Journal of Law and Economics 2: 1-40. 2. Herzel, Leo (1951). “Public Interest” and the Market in Color Television Regulation. University of Chicago Law Review 18, 4: 802-816. |
Kiesling I L. Lynne Kiesling The Essential Ronald Coase Vancouver: Fraser Institute. 2021 |
| Freud | Ricoeur | 1 10 Freud/Ricoeur: Mein Problem ist das der Konsistenz der Freudschen Rede. a) Erkenntnistheoretisches Problem: Was heißt „deuten“ in der Psychoanalyse und wie verschränkt sich die Interpretation der menschlichen Zeichen mit der ökonomischen Erklärung, die behauptetet, an die Wurzel des Wunsches zu rühren? b) Problem der Reflexionsphilosophie: Welches neue Selbstverständnis entsteht aus dieser Interpretation (...)? c) Dialektisches Problem: Schließt die Freudsche Kulturdeutung jede andere aus? >Sigmund Freud, >Psychoanalyse, >Selbstwissen, >Verstehen, >Interpretation, >Traumdeutung, >Deutung. |
Ricoeur I Paul Ricoeur Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999 Ricoeur II Paul Ricoeur Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976 |
| Freundschaften | Entwicklungspsychologie | Upton I 105 Freundschaft/Entwicklungspsychologie/Upton: Die mittlere Kindheit bringt deutliche Veränderungen im Verständnis von Freundschaft. Frühe Kindheit: Freundschaften sind hier von vorübergehender Natur und hängen oft mit der Verfügbarkeit des anderen zusammen. Ein Freund ist definiert als jemand, mit dem man spielt oder mit dem man eine andere Aktivität teilt. In der mittleren Kindheit sind die Beziehungen der Kinder immer noch eher zu anderen, die ihnen selbst ähnlich sind; dies liegt zum Teil daran, dass Kinder einander eher aufgrund von Ähnlichkeiten hinsichtlich Alter, sozioökonomischem Status, der ethnischen Zugehörigkeit usw. näher kommen. Es gibt jedoch auch Hinweise darauf, dass Kinder ihren Freunden im Laufe der Interaktion immer ähnlicher werden (Hartup, 1996)(1). >Entwicklungsphasen. Mittlere Kindheit: Die Kinder beginnen, die Besonderheiten der Freundschaft zu erkennen, die über die bloße Nähe hinausgehen. Während dieser Entwicklungsphase beginnen die Kinder zu erkennen, dass Freundschaften Gemeinschaft, Hilfe, Schutz und Unterstützung bieten (Azmitia et aL, 1998)(2), reziprok sind (Selman, 1980)(3), Vertrauen und Loyalität erfordern (Bigelow, 1977)(4) und über die Zeit hinweg andauern (Parker and Seal. 1996)(5). >Soziale Beziehungen, >Beziehungen. Das heißt nicht, dass Freundschaften, die in der mittleren Kindheit geschlossen wurden, über lange Zeiträume bestehen bleiben. Schulkinder haben oft so genannte "Schönwetterfreunde", weil Freundschaften in diesem Alter oft nicht in der Lage sind, Phasen von Konflikten oder Meinungsverschiedenheiten zu überleben (Rubin et al... 1998)(6). Upton I 106 Geschlechterunterschiede: Es scheint auch geschlechtsspezifische Unterschiede in der Zeit zu geben, die benötigt wird, um zerbrochene Freundschaften zu reparieren. Azmitia et al. (1998)(2) beobachteten, dass Jungen einen Freundschaftskonflikt typischerweise innerhalb eines Tag lösen und die Freundschaft erneuern würden, während Mädchen etwa zwei Wochen brauchen würden. Dies kann daran liegen, dass Triaden in den Freundschaften von Mädchen im Schulalter häufiger vorkommen als in denen von Jungen, so dass sich ein Mitglied der Gruppe ausgeschlossen fühlt. Am Ende der mittleren Kindheit werden Freundschaften eng und zeichnen sich durch ein dauerhaftes Vertrauensverhältnis zueinander aus. Die Fähigkeit, gemeinsam Rollen zu übernehmen und zu verhandeln, entwickelt sich während dieses Zeitraums und führt zu mehr Loyalität, Vertrauen und sozialer Unterstützung. So fanden Azmitia et al. (1998)(2) heraus, dass die Erwartungen der Mädchen, dass Freunde Geheimnisse bewahren würden, von 25 Prozent bei den Acht- bis Neunjährigen auf 72 Prozent bei den 11- bis 12-Jährigen stiegen. Diese Erwartung entwickelte sich erst etwas später bei den Jungen. So wird die Fähigkeit, enge, intime Freundschaften zu schließen, immer wichtiger, wenn sich Kinder in Richtung früher Jugend bewegen (Buhrmester, 1990)(7). 1. Hartup. WW (1996) The company they keep: friendships and their developmental signifi cance. Child Development, 67: 1-13. 2. Azmitia, M, Kamprath, N and Linnet, J (1998) Intimacy and conflict: on the dynamics of boys’ and gir1s friendships during middle childhood and adolescence, in Meyer, L, Grenot-Scheyer, M, Harry, B, Park, H and Schwartz, I (eds) Understanding the Social Lives of Children and Youth. Baltimore, MD: PH Brookes. 3. Selman, RL (1980) The Growth of Interpersonal Understanding. New York: Academic Press. 4. Bigelow, BJ (1977) Children’s friendship expectations: a cognitive-developmental study. Child Development, 48: 246-53. 5. Parker, JG and Seal, J (1996) Forming, losing, renewing and replacing friendships: applying temporal parameters to the assessment of children’s friendship experiences. Child Development, 67(5): 2248-68. 6. Rubin, KH, Bukowski, W and Parker, JG (1998) Peer interactions, relationships, and groups, in Eisenberg, N (ed.) Handbook of Child Psychology, Vol. 3: Social, emotional, and personality development (6th edn). New York: Wiley. 7. Buhrmester, D (1990) Intimacy of friendship, interpersonal competence, and adjustment During preadolescence and adolescence. Child Development, 61: 1101-11. Upton I 120 Freundschaft/Adoleszenz/Entwicklungspsychologie/Upton: Freundschaften werden (...) während der [Adoleszenz] allmählich stabiler (Epstein, 1986)(1), obwohl sie durch Übergänge wie Klassen- oder Schulwechsel gestört werden können (Wargo Aikins et al., 2005)(2). >Partner-Beziehungen/Entwicklungspsychologie. Upton I 121 Hochwertige Freundschaften, die von Intimität, Offenheit und Wärme geprägt sind, werden jedoch trotz solcher Übergänge eher beibehalten (Wargo Aikins et al., 2005)(2). Tatsächlich wird während der gesamten Adoleszenz verstärkt auf Intimität und Selbstdarstellung gesetzt (Zarbatany et al., 2000)(3), obwohl es einige Hinweise darauf gibt, dass von Mädchen mehr Intimität berichtet wird als von Jungen (Buhrmester, 1996)(4). Diese zunehmende Intimität und Selbstdarstellung wird als grundlegend wichtig für das sich entwickelnde Selbstbewusstsein des Jugendlichen sowie für das Verständnis von Beziehungen angesehen (Parker und Gottman, 1989)(5). >Selbst/Entwicklungspsychologie, >Jugendkultur/Entwicklungspsychologie. 1. Epstein, JL (1986) Friendship selection: developmental and environmental influences, in Meuller, E and Cooper, C (eds) Process and Outcome in Peer Relationship. New York: Academic Press. 2. Wargo Aitkins, J, Bierman, K and Parker, JG (2005) Navigating the transition to junior high school: the influence of pre-transition friendship and self-system characteristics. Social Development, 14:42-60. 3. Zarbatany, L, McDougall, P and Hymel, S (2000) Gender-differentiated experience in the peer culture: links to intimacy in preadolescence. Social Development, 9(1): 6 2-79. 4. Buhrmester, D (1996) Need fulfillment, interpersonal competence, and the developmental contexts of early adolescent friendship, in Bukowski, W, Newcomb, A and Hartup, W (eds) The Company They Keep. New York: Cambridge University Press. 5. Parker, J and Gottman, 1(1989) Social and emotional development in a relational context, in Bernat, T and Ladd, G (eds) Peer Relationships in Child Development. New York: Wiley and Sons. |
Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| Frieden | Kant | Höffe I 314 Frieden/Kant/Höffe: [In seiner Schrift Zum ewigen Frieden(1) bleibt] Kant (...) bei seinem aller Theologie und aller Tagespolitik enthobenen rein säkularen Denken. Konflikte: [Kant] erwartet nicht, ein politisches Grundelement, der Konflikt, könne aus der Welt verschwinden, vielmehr soll man es anerkennen, ihm aber mit rechtsmoralischen Grund- sätzen begegnen. Vorbereitung des Friedens: Stehende Heere [sind] schrittweise abzubauen [und man soll sich] in die Verfassung und Regierung anderer Staaten nicht gewalttätig einmischen (...). Bedingungen: [Hier] skizziert Kant eine rechtsmoralisch vollständige Theorie des öffentlichen Rechts. Ihr erster Artikel, der zum Staatsrecht, regelt die Beziehungen von Individuen und Gruppen zueinander. Hier reichert Kant den Friedensgedanken um die politische Innovation seiner Epoche, die Republik, an. >Republik/Kant, >Völkerrecht/Kant. Beziehungen zwischen Staaten: Gemäß dem allgemeinen Rechtsprinzip der Rechtslehre dürfen die Staaten-lndividuen für sich selbst tun und lassen, was sie wollen - vorausgesetzt, ihr Handeln kann mit dem aller anderen Staaten-Individuen nach einem allgemeinen Gesetz zusammen bestehen. Höffe I 315 Völkervertrag: [Um das zu erreichen] ist eine globale Friedensgemeinschaft geboten. Diese entsteht durch einen Vertrag der Völker untereinander und hat alle Kriege auf immer zu beenden. Nach dem Vorbild der innerstaatlichen Friedenssicherung bräuchte es zwar, räumt Kant ein, eine Weltrepublik. Weil sich die Staaten aber auf die dafür erforderlichen Souveränitätsverzichte nicht einlassen, gibt er sich mit einem «negativen Surrogat», einem Sich mehr und mehr ausbreitenden Völkerbund, zufrieden. Gegen eine Weltrepublik skeptisch, plädiert die Friedensschrift nicht für eine Weltrechtsordnung. Höffe I 318 Nachwirkung: Gedanken von Kants Friedensschrift beeinflussen die erste globale Staatenvereinigung zur Sicherung des Weltfriedens und zur Entwicklung der internationalen Zusammenarbeit, den Völkerbund (1920—1946), auch Höffe I 319 die Neugründung als Vereinte Nationen. Die Menschenwürde, die in deren Charta eine große Rolle spielt, folgt wesentlich Kants Verständnis der Menschenwürde. Überdies reicht Kants Verständnis in viele nationale und internationale politische Debatten hinein, nicht zuletzt in Gerichtsentscheidungen oberster Gerichtshöfe, namentlich von Verfassungsgerichten nicht nur Deutschlands. 1. Kant, Zum ewigen Frieden, 1795 |
I. Kant I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994 Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls) Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03 |
| Führung | Gruppenpsychologie | Haslam I 189 Führung/Gruppendenken/Gruppenpsychologie: Matie Flowers (1977)(1) untersuchte den Führungsstil und stellte fest, dass Gruppen mit direktiven Führern weniger mögliche Lösungen vorschlugen und weniger verfügbare Informationen für ihre Entscheidungen verwendeten. Es zeigte sich auch, dass Entscheidungsverfahren manchmal prädiktiv für Symptome des Gruppendenkens sind. Wenn beispielsweise die Entscheidungsprozesse begrenzt waren (z.B. indem Mehrheitsentscheidungen erlaubt wurden, anstatt auf Einstimmigkeit zu bestehen), litt die Entscheidungsqualität (Kameda und Sugimori, 1993)(2). >Gruppendenken/Psychologische Theorien, >Gruppendenken/Janis. 1. Flowers, M.L. (1977) ‘A laboratory test of some implications of Janis’ groupthink hypothesis’, Journal of Personality and Social Psychology, 35: 888–96. 2. Kameda, T. and Sugimori, S. (1993) ‘Psychological entrapment in group decision making: An assigned decision rule and a groupthink phenomenon’, Journal of Personality and Social Psychology, 65: 282–92. Dominic J. Packer and Nick D. Ungson, „Group Decision-Making. Revisiting Janis’ groupthink studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Fukuyama | Dryzek | Gaus I 148 Fukuyama/Minimalistischer Liberalismus/liberaler Minimalismus/Dryzek: Das Demokratiemodell, das bei vergleichenden Politikwissenschaftlern am beliebtesten ist, insbesondere im aufstrebenden Bereich des demokratischen Übergangs und der Konsolidierung, erwartet weit weniger von der Demokratie als die deliberativen Demokraten. Dieses Modell ist im Wesentlichen das, das vor langer Zeit von Schumpeter (1942)(1) vorgeschlagen wurde: Demokratie ist nichts anderes als ein Wettbewerb der Eliten um die Zustimmung des Volkes, der das Recht auf Herrschaft verleiht. In den 1950er Jahren wurde diese Idee zur Grundlage für "empirische" Demokratietheorien, die mit der allgemein apathischen Rolle der ignoranten und potenziell autoritären Massen zufrieden waren (Berelson, 1952(2); Sartori, 1962(3)). Gaus I 149 Lindblom: Wie Lindblom (1982)(4) unter anderem feststellt, bestraft der kapitalistische Marktkontext automatisch Regierungen, die eine Politik verfolgen, die das Vertrauen tatsächlicher oder potenzieller Investoren untergräbt, indem sie Desinvestitionen und Kapitalflucht verursachen. Wenn es also um die öffentliche Politik geht, kann die Demokratie nur in einer, wie Lindblom es nennt, "nicht-gefangenen" (engl. "unimprisoned") Zone funktionieren. Dryzek: Die logische Folge davon ist, dass zu viel staatliche Demokratie gefährliche Unbestimmtheit in der öffentlichen Politik bedeutet (Dryzek, 1996)(5). Fukuyama: Diese Kombination von Kapitalismus und liberaler minimalistischer Demokratie erhielt ihren vielleicht positivsten Glanz (und einen Hauch von Hegel) im Triumphalismus des "Endes der Geschichte" von Francis Fukuyama (1989(6); 1992(7)). Fukuyamas These verlor im folgenden Jahrzehnt an Plausibilität, aber nur im Hinblick auf das Fortbestehen (oder die Erneuerung) von Herausforderungen wie religiösen Fundamentalismen, ethnischem Nationalismus und konfuzianischem Kapitalismus. Aber die Grundidee, dass die Demokratie weltweit vorherrschend ist und dass das liberal-kapitalistische Demokratiemodell nur wenige, wenn überhaupt plausible Herausforderer hat, die den Titel "Demokratie" verdienen, ist immer noch die vorherrschende Ansicht unter Transitologen. >Minimalistischer Liberalismus/Dryzek. 1. Schumpeter, Joseph A. (1942) Capitalism, Socialism, and Democracy. New York: Harper. 2. Berelson, Bernard (1952) 'Democratic theory and public opinion'. Public Opinion Quarterly, 16: 313—30. 3. Sartori, Giovanni (1962) Democratic Theory. Detroit: Wayne State Umversity Press. 4. Lindblom, Charles E. (1982) 'The market as prison' Journal of Politics, 44: 324-36. 5: Dryzek, John S. (1996) Democracy in Capitalist Times: Ideals, Limits, and Struggles. New York: Oxford University Press. 6. Fukuyama, Francis (1989) 'The end of history?' National Interest, Summer: 3—18. 7. Fukuyama, Francis (1992) The End of History and the Last Man. New York: Free Press. Dryzek, John S. 2004. „Democratic Political Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Fundierung | Weber | Habermas III 358 Fundierung/foundation/Recht/Dezisionismus/Weber/HabermasVsWeber/Habermas: Problem: Wenn irgendeine Form von rationalem Einverständnis die „einzig konsequente Form der Legitimität eines Rechts“ bedeutet, wie kann dann eine legale Herrschaft, deren Legalität auf ein rein dezisionistisch gefasstes Recht gestützt ist, überhaupt legitimiert werden? Lösung/Carl Schmitt/N. Luhmann: Webers Antwort hat von Carl Schmitt bis Niklas Luhmann Schule gemacht: durch Verfahren. Das bedeutet nicht den Rückgang auf formale Bedingungen der moralisch-praktischen Rechtfertigung von Rechtsnormen, sondern Einhaltung von Verfahrensvorschriften in Rechtsprechung, Rechtsanwendung und Rechtsetzung. >Recht, >Begründung, >Letztbegründung, >Legitimität, >Legitimation. Habermas III 359 Die Legitimität beruht dann „auf dem Glauben an die Legalität gesetzter Ordnungen und des Anweisungsrechts der durch sie zur Ausübung der Herrschaft Berufenen“. (1) HabermasVsWeber: Problem: woher soll der Legalitätsglauben die Kraft zur Legitimation aufbringen, wenn Legalität lediglich Übereinstimmung mit einer faktisch bestehenden Rechtsordnung bedeutet, und wenn diese wiederum als willkürlich gesatztes Recht einer praktisch-moralischen Rechtfertigung unzugänglich ist. Aus dieser Zirkularität führt kein Weg heraus. (2) >Zirkularität, >Rechtfertigung, >Gesetze, >Verfassung, >Willkür, >Demokratie, >Staat. 1.M. Weber, Wirtschaft und Gesellschaft, hrsg.v. J. Winckelmann, Tübingen 1964,S. 159 2.J. Winckelmann, Legitimität und Legalität in Webers Herrschaftssoziologie, Tübingen 1952; K. Eder, Zur Rationalisierungsproblematik des modernen Rechts, in: Soziale Welt, 2, 1978, S. 247ff. |
Weber I M. Weber Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Fünf-Faktoren-Modell | McCrae | Corr I 148 Fünf-Faktoren-Modell/McCrae: Die fünf Faktoren bilden eine Struktur, in der die meisten Charakterzüge klassifiziert werden können. Diese Struktur entsteht, weil sich die Charakterzüge gegenseitig verändern. Zum Beispiel neigen Menschen, die gesellig und durchsetzungsfähig sind, auch dazu, fröhlich und energisch zu sein; sie besitzen viel von dem Extraversion (E)-Faktor, der sich angeblich durch Geselligkeit, Durchsetzungsvermögen, Heiterkeit und Energie definiert. Allerdings können Menschen, die gesellig und durchsetzungsfähig sind, intellektuell neugierig und fantasievoll sein oder auch nicht. Diese Charakterzüge definieren einen separaten Faktor, die Offenheit für Erfahrung (O). Neurotizismus versus Emotionale Stabilität (N), Verträglichkeit versus Antagonismus (A) und Gewissenhaftigkeit (C) sind die restlichen Faktoren. Vgl. >Neurotizismus, >Verträglichkeit, >Offenheit für Erfahrung, >Gewissenhaftigkeit, >Introversion, >Extraversion. Corr I 149 Lexikalische Hypothese: argumentiert, dass Charakterzüge in menschlichen Angelegenheiten so wichtig sind, dass gemeinsame Wörter erfunden wurden, um sie alle zu benennen. >Lexikalische Hypothese/Psychologische Theorien. Corr I 152 Pro FFM/Pro Fünf-Faktoren-Modell/McCrae: Es besteht nun Konsens darüber, dass die allgemeine Persönlichkeitsdimension von N mit den meisten Persönlichkeitsstörungen verbunden ist (Widiger und Costa 2002)(1), dass E Menschen dazu veranlasst, glücklich zu sein (DeNeve und Cooper 1998)(2), dass O sozialen und politischen Liberalismus voraussagt (McCrae 1996)(3), dass niedriges A ein Risikofaktor für Drogenmissbrauch ist (Ball 2002)(4), dass C mit guter Arbeitsleistung verbunden ist (Barrick und Mount 1991)(5). Der Nutzen des Fünf-Faktoren-Modells wurde sicher nachgewiesen. Corr I 152/153 VsFFM/VsFive-Faktoren-Modell/McCrae: A. a) Befürworter eines personenzentrierten Ansatzes behaupten, dass Typen die Funktionsweise psychologischer Prozesse genauer abbilden als variabel zentrierte Charakterzüge(siehe Asendorpf, Caspi und Hofstee 2002(6), für eine ausgewogene Diskussion dieser Fragen). b) Sozial-kognitive Theoretiker(Cervone 2004(7)) haben argumentiert, dass Charakterzüge lediglich Verhalten beschreiben, ohne es zu erklären (siehe McCrae und Costa 2008a(8) für eine Widerlegung (McCraeVsCervone, CostaVsCervone)). c) Das Fünf-Faktoren-Modell selbst stellt keine vollständige Persönlichkeitstheorie dar, die die menschliche Entwicklung, das tägliche Funktionieren und soziale Interaktionen im kulturellen Kontext erklärt (McAdams und Pals 2006)(9). McCraeVsMcAdams, McCraeVsPals: siehe (McCrae und Costa 2003(10), 2008b(11). B. Einige Autoren schlagen eine Variation oder Verfeinerung des Fünf-Faktoren-Modells vor: Forschung in verschiedenen Sprachen führte zu Vorschlägen von Modellen mit mehr oder weniger Faktoren. De Raad und Peabody (2005)(12) berichteten über Analysen von Charakterzugsadjektiven in niederländischen, italienischen, tschechischen, ungarischen und polnischen Proben und fanden eine solidere Unterstützung für ein Drei-Faktoren-Modell, bestehend aus E, A und C. Umgekehrt berichteten Ashton und Kollegen (Ashton und Lee 2005(13); Ashton, Lee, Perugini et al. 2004)(14) über lexikalische Studien in einer Reihe von Sprachen, in denen sechs replizierbare Faktoren auftraten. Corr I 155 Es wurde eine Unterteilung in Facetten innerhalb der Charakterzüge des Fünf-Faktoren-Modells vorgenommen: NEO-PI-R: hat dreißig Facettenskalen, sechs für jeden Faktor. Sie wurden so gewählt, dass sie die wichtigsten Konstrukte der Persönlichkeitsliteratur repräsentieren und gleichzeitig maximal unterschiedlich sind (Costa und McCrae 1995a)(15). VsNEO-PI-R/VsMcCrae/VsCosta: Das Facettensystem des NEO-PI-R wurde als willkürlich kritisiert, weil "der Schlüsselbestandteil für ein System zur Bereitstellung einer adäquaten Struktur niedrigerer Ordnung der Big Five eine empirische Grundlage für die Auswahl von Charakterzügen niedrigerer Ordnung ist" im Gegensatz zu den "theoretischen Erkenntnissen und Intuitionen" bei der Entwicklung des NEO-PI-R (Roberts, Walton und Viechtbauer 2006(16), S. 29). 1. Widiger, T. A. and Costa, P. T., Jr 2002. Five-Factor Model personality disorder research, in P. T. Costa, Jr and T. A. Widiger (eds.), Personality disorders and the Five-Factor Model of personality, 2nd edn, pp. 59–87. Washington, DC: American Psychological Association 2. DeNeve, K. M. and Cooper, H. 1998. The happy personality: a meta-analysis of 137 personality traits and subjective well-being, Psychological Bulletin 124: 197–229 3. McCrae, R. R. 1996. Social consequences of experiential Openness, Psychological Bulletin 120: 323–37 4. Ball, S. A. 2002. Big Five, Alternative Five, and seven personality dimensions: validity in substance-dependent patients, in P. T. Costa, Jr and T. A. Widiger (eds.), Personality disorders and the Five-Factor Model of personality, 2nd edn, pp. 177–201. Washington, DC: American Psychological Association 5. Barrick, M. R. and Mount, M. K. 1991. The Big Five personality dimensions and job performance: a meta-analysis, Personnel Psychology 44: 1–26 6. Asendorpf, J. B., Caspi, A. and Hofstee, W. K. B. 2002. The puzzle of personality types [Special Issue], European Journal of Personality 16(S1) Ashton, M. C. and Lee, K. 2005. Honesty-Humility, the Big Five, and the Five-Factor Model, Journal of Personality 73: 1321–53 7. Cervone, D. 2004. Personality assessment: tapping the social-cognitive architecture of personality, Behaviour Therapy 35: 113–29 8. McCrae, R. R., and Costa, P. T. 2008a. Empirical and theoretical status of the Five-Factor Model of personality traits, in G. Boyle, G. Matthews and D. H. Saklofske (eds.), Sage handbook of personality theory and assessment, vol. I, pp. 273–94. Los Angeles, CA: Sage 9. McAdams, D. P. and Pals, J. L. 2006. A new Big Five: fundamental principles for an integrative science of personality, American Psychologist 61: 204–17 10. McCrae, R. R., and Costa, P. T. 2003. Personality in adulthood: a Five-Factor Theory perspective, 2nd edn. New York: Guilford 11. McCrae, R. R., and Costa, P. T. 2008b. The Five-Factor Theory of personality, in O. P. John, R. W. Robins and L. A. Pervin (eds.), Handbook of personality: theory and research, 3rd edn, pp. 159–81. New York: Guilford Press 12. De Raad, B. and Peabody, D. 2005. Cross-culturally recurrent personality factors: analyses of three factors, European Journal of Personality 19: 451–74 13. Ashton, M. C. and Lee, K. 2005. Honesty-Humility, the Big Five, and the Five-Factor Model, Journal of Personality 73: 1321–53 14. Ashton, M. C., Lee, K., Perugini, M., Szarota, P., De Vries, R. E., Di Blass, L., Boies, K. and De Raad, B. 2004. A six-factor structure of personality descriptive adjectives: solutions from psycholexical studies in seven languages, Journal of Personality and Social Psychology 86: 356–66 15. Costa, P. T., Jr., and McCrae, R. R. 1995a. Domains and facets: hierarchical personality assessment using the Revised NEO Personality Inventory, Journal of Personality Assessment 64: 21–50 16. Roberts, B. W., Walton, K. E. and Viechtbauer, W. 2006. Personality traits change in adulthood: reply to Costa and McCrae (2006), Psychological Bulletin 132: 29–32 Robert R. McCrae, “The Five-Factor Model of personality traits: consensus and controversy”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Fünf-Faktoren-Modell | Reisenzein | Corr I 59 Fünf-Faktoren-Modell/Big Five/Psychologische Theorien/Reisenzein/Weber: Das Fünf-Faktoren-Modell der Persönlichkeit stellt fünf wesentliche, relativ unabhängige, breite Persönlichkeitsdimensionen auf: Neurotizismus, Extravertiertheit, Verträglichkeit, Gewissenhaftigkeit und Offenheit für Erfahrungen (siehe z.B. John und Srivastava 1999(1); McCrae und Costa 1999(2)). Von diesen Merkmalen stehen vier (Neurotizismus, Extraversion, Verträglichkeit und Offenheit) im Zusammenhang mit emotionalen Dispositionen. Dies wird durch eine Untersuchung der theoretischen Definitionen dieser Faktoren, durch Inhaltsanalysen der zu ihrer Messung verwendeten Fragebögen (Pytlik Zillig, Hemenover und Dienstbier 2002(3)) und durch ihre Korrelationen zu expliziten Messungen emotionaler Dispositionen nahegelegt. Zu den Messungen gehört z.B. die Merkmalsform des Positive and Negative Affect Schedule (PANAS) (ein häufig verwendetes Instrument zur Beurteilung angenehmer und unangenehmer Auswirkungen; Watson, Clark und Tellegen 1988(4)). Siehe auch >Persönlichkeit/Allport, >Neurotizismus, >Extraversion, >Verträglichkeit, >Offenheit, >Gewissenhaftigkeit, >Introversion. 1. John, O. P. and Srivastava, S. 1999. The Big Five trait taxonomy: history, measurement, and theoretical perspectives, in L. A. Pervin and O. P. John (eds.), Handbook of personality: theory and research, 2nd edn, pp. 102–38. New York: Guilford Press 2. McCrae, R. R. and Costa, P. T., Jr 1999. A five-factor theory of personality, in L. A. Pervin and O. P. John (eds.), Handbook of personality: theory and research, 2nd edn, pp. 139–53. New York: Guilford Press 3. Pytlik Zillig, L. M., Hemenover, S. H. and Dienstbier, R. A. 2002. What do we assess when we assess a ‘Big Five’ trait?: a content analysis of the affective, behavioural, and cognitive (ABC) processes represented in Big Five personality inventories, Personality and Social Psychology Bulletin 28: 847–58 4. Watson, D., Clark, L. A. and Tellegen, A. 1988. Development and validation of brief measures of positive and negative affect: the PANAS scales, Journal of Personality and Social Psychology 54: 1063–70 Rainer Reisenzein & Hannelore Weber, “Personality and emotion”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press. |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Funktion | Minsky | I 123 Funktion/Struktur/Beschreibung/Kontext/Uniframes/Minsky: [ein Stuhl} kann auf verschiedene Weise beschrieben werden: a) Ein Stuhl ist ein Ding mit Beinen und einer Rückenlehne und einem Sitz. b) Ein Stuhl ist etwas, auf dem man sitzen kann. Um die richtige Bedeutung zu erfassen, brauchen wir Verbindungen zwischen Teilen der Stuhlstruktur und den Anforderungen des menschlichen Körpers, denen diese Teile dienen sollen. >Funktionale Erklärung, >Funktionale Analyse, >Analyse, >Erklärung, >Funktion, >Beschreibung. Lösung/Minsky: I 121 Def Uniframe/Terminologie/Minsky: Eine Beschreibung, die so konstruiert ist, dass sie auf mehrere verschiedene Dinge gleichzeitig anwendbar ist. ((s) Z.B. können Bauteile auf unterschiedliche Weise angeordnet werden und so Werkzeuge für verschiedene Funktionen schaffen). I 123 Minsky: Uniframes, die solche Strukturen beinhalten, können mächtig sein. Ein solches Wissen über die Beziehungen zwischen Struktur, Komfort und Körperhaltung könnte zum Beispiel genutzt werden, um zu verstehen, wann eine Kiste als Stuhl dienen kann... >Frames, >Frame-Theorien, >Terminologie/Minsky. |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Funktionalismus | Avramides | I 146 Funktionalismus/Avramides: Der Funktionalismus erlaubt, sich bei propositionalen Einstellungen auf Verhalten zu berufen, aber nicht auf Sprachverhalten. - Er erlaubt ein subjektives Bild vom Geist. >Propositionale Einstellungen, >Verhalten, >Verstehen, >Sprachverhalten. I 147 Problem: Das verlangt unbestimmt viele weitere propositionale Einstellungen. I 149 Funktionalismus/Lewis: Wir nehmen mentale Begriffe als theoretische Termini (TT) und definieren unsere mental-theoretischen Termini durch Referenz auf die Plattitüden (Gemeinplätze) der Alltagspsychologie. >Volkspsychologie, >Alltagssprache, >Theoretische Termini, >Beobachtung. Diese sollen beides enthalten, theoretische Termini und den Rest. Dann müssen wir jeden theoretischen Term in Namen verwandeln, diese durch freie Variablen ersetzen, dann existentiellen Abschluss (existential closure der offenen Formeln. ((s) Ramsey-Satz). Damit erreichen wir die ursprüngliche Theorie mit der Forderung, dass sie eine einzige Realisierung hat. >Ramsey-Satz, >Offene Formeln. Dann hat die Theorie Input/Output-Begriffe, aber keine spezifisch mentale Terminologie - Problem: wie charakterisieren wir Input und Output? >Input/Output. BlockVsFunktionalismus: charakterisiert sie entweder chauvinistisch oder liberal. - ((s) Weil die rein physikalische Charakterisierung der In- und Outputs entweder die falschen mit ein- oder die falschen ausschließt.) I 153f AvramidesVsFunktionalismus: Wenn er sich auf nicht-mentalistische Charakterisierung der Inputs und Outputs festgelegt hat, dann muss er sagen, was mentale von nicht-mentalen Systemen unterscheidet, die dieselben funktionale Organisation haben. Avramides: Wir beginnen immer mit mentalistisch charakterisiertem Verhalten. Auch beim Marsmenschen sagen wir, dass sein Verhalten eine Interpretation haben muss. - Wenn also normale Belege (Block: nicht nur sprachliches aber vor allem sprachliches Verhalten) Teil unserer Theorie der propositionalen Einstellungen sind, sind wir auf eine Symmetrie zwischen dem Semantischen und dem Psychologischen verpflichtet. >Sprachverhalten, >Ned Block. |
Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 |
| Funktionen | Quine | V 111 Urteilsfunktion/Quine: statt der mehrwertigen Logik: wenn Bsp weder "Es ist eine Maus" noch "Es ist ein Eichhörnchen" behauptet wird, lehnt man die Konjunktion ab. Aber bei dem Bsp "Es ist eine Maus"/"Es ist in der Küche" wird man die Konjunktion offen lassen, wenn keiner der Teile behauptet oder verneint wird. >Urteile/Quine. IX 17f Funktionen/Quine: Funktionen können als Relationen interpretiert werden. Bsp die Funktion "Quadrat von" kann als die Relation {xy: x = y²} zwischen Quadrat und Wurzel erklärt werden. Aber nicht jede Relation ist eine Funktion. Entscheidend ist, dass wir von dem R von x sprechen können, wenn es überhaupt eins gibt: "das Quadrat von n". Def "Funk R": steht für "R I ^R ⊆ I" oder "∀x∀y∀z[(xRz ∧ yRz) > x = y]" (Identität). Das bedeutet, dass nicht zwei Dinge zu demselben Ding in der Relation R stehen. Nicht-Funktion: auch wenn R eine Nicht-Funktion ist, ist es bequem zu sagen, dass genau ein Ding zu einem Ding x in der Relation R steht. x ist dann das Argument von R. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Funktionen | Russell | I XII/XIII Funktion/Russell/Gödel: Axiom: dass Funktionen "nur durch ihre Werte" vorkommen können, d.h. extensional. >Extensionalität, >Extension. I 58 Funktion/Russell: Die Funktion setzt Werte voraus, aber Werte setzen keine Funktion voraus. I 69 Funktion/PM/Russell: Eine Funktion ist kein Gegenstand, da mehrdeutig - "Werte von φ z^" werden dem φ und nicht dem z erteilt. I 72 Def a-Funktionen/PM/Russell: Funktionen, die für ein gegebenes Argument a sinnvoll sind - ((s) Bsp Umkehrung der Funktion: z.B. y = x² kann den Wert y = 4 für x = 2 liefern). a-Funktion: nun können wir umgekehrt Funktionen suchen, die den Wert 4 liefern: z.B. Wurzel –16, 2² und beliebig viele andere - Bsp "a genügt allen Funktionen, die zu der betreffenden Auswahl gehören": wir ersetzen a durch eine Veränderliche und erhalten eine a-Funktion. Diese darf aber nach dem Zirkelfehlerprinzip nicht Element dieser Auswahl sein, da sie ja auf die Gesamtheit dieser Auswahl Bezug nimmt. - Die Auswahl bestehe aus allen jenen Funktionen, die φ(jz^) genügen. - Dann ist die Funktion (φ). ({f(φz^) impliziert φx} wobei x das Argument ist. So erhellt, dass es für jede mögliche Auswahl von a-Funktionen doch andere a-Funktionen gibt, die außerhalb der Auswahl liegen. >"Alles was er sagte ist wahr". I 107 Abgeleitete Funktion/Schreibweise/PM/Russell: (aus einer prädikativen Funktion abgeleitet) - "f{z^(q,z)}". So definiert: wenn eine Funktion f(y ! z^) gegeben ist, muss unsere abgeleitete Funktion lauten: "es gibt eine prädikative Funktion, die formal äquivalent mit φ z^ ist und f befriedigt" - immer extensional. I 119 Funktion/Wahrheit/Principia Mathematica/Russell: Eine Funktion, die immer wahr ist, kann nichtsdestoweniger für das Argument (ix)( φ x) unwahr sein - dann, wenn dieser Gegenstand nicht existiert. >Nicht-Existenz, >Wahrheitswertlücke. I 119 Funktion/Waverley/Identität/Äquivalenz/Principia Mathematica/Russell: Die Funktionen x = Scott und x = Verfasser von Waverley sind formal äquivalent - dennoch nicht identisch, weil Georg IV. nicht wissen wollte, ob Scott = Scott. I 144 Veränderliche Funktion/variable Funktion/Veränderlichkeit/Principia Mathematica/Russell: alt: nur Übergang von Bsp "Sokrates ist sterblich" zu "Sokrates ist weise"(von f ! x zu f ! y) (sic). - Neu: (zweite Auflage Principia Mathematica): Jetzt ist auch der Übergang zu "Platon ist sterblich" möglich - (Von φ ! a zu y ! a). Schreibweise: griechische Buchstaben: stehen für Individuen, lateinische für Prädikate. - > Bsp "Napoleon hatte alle Eigenschaften eines großen Feldherrn" - Funktion als Variable. |
Russell I B. Russell/A.N. Whitehead Principia Mathematica Frankfurt 1986 Russell II B. Russell Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989 Russell IV B. Russell Probleme der Philosophie Frankfurt 1967 Russell VI B. Russell Die Philosophie des logischen Atomismus In Eigennamen, U. Wolf (Hg) Frankfurt 1993 Russell VII B. Russell On the Nature of Truth and Falsehood, in: B. Russell, The Problems of Philosophy, Oxford 1912 - Dt. "Wahrheit und Falschheit" In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 |
| Furcht | Aristoteles | Gadamer I 135 Furcht/Aristoteles/Gadamer: Die Darstellung [der Tragödie] wirkt durch eleos und phobos. Die überlieferte Übersetzung dieser Affekte durch „Mitleid“ und „Furcht“ lässt eine viel zu subjektive Tönung anklingen. Es geht bei Aristoteles überhaupt nicht um Mitleid oder gar um die in den Jahrhunderten wechselnde Schätzung des Mitleids(1) und ebenso wenig ist Furcht als ein Gemütszustand der Innerlichkeit zu verstehen. Beides sind vielmehr Widerfahrnisse, die den Menschen überfallen und mitreißen. „Eleos“ ist der Jammer, der einen überkommt angesichts dessen, was wir jammervoll nennen. Das deutsche Wort Jammer ist deshalb ein gutes Äquivalent, weil auch dies Wort keine bloße Innerlichkeit meint, sondern ebenso sehr deren Ausdruck. Entsprechend ist „phobos“ nicht nur ein Gemütszustand, sondern, wie Aristoteles sagt, ein Kälteschauer(2) derart, dass einem das Blut gefriert, dass einen ein Schauder überkommt. In der besonderen Weise, in der hier bei der Charakteristik der Tragödie von Phobos in Verbindung mit Eleos die Rede ist, bedeutet Phobos die Schauer der Bangigkeit, die einen angesichts dessen überkommt, den man dem Untergang entgegeneilen sieht und für den man bangt. Jammer und Bangigkeit sind Weisen der „Ekstasis“ des Außer-sich-seins, die den Bann dessen bezeugen, was sich vor einem abspielt. Nun wird von diesen Affekten bei Aristoteles gesagt, dass sie es sind, durch die das Schauspiel die Reinigung von derartigen Leidenschaften bewirkt. Bekanntlich ist diese Übersetzung strittig und insbesondere der Sinn des Genitivs(3). Vgl. >Tragik/Aristoteles. 1. Max Kommerell (Lessing und Aristoteles) hat in verdienstvoller Weise diese Geschichte des Mitleids geschrieben, aber den ursprünglichen Sinn von nicht genug davon unterschieden. Vgl. inzwischen W. Schadewaldt, Furcht und Mitleid? Hermes 83, 1955, S. 129ff. und die Ergänzung durch H. Flashar, Hermes 1956, S. 12—48. 2. Arist. Rhet. 11 13, 1389 b 32. 3. Vgl. M. Kommerell, der die älteren Auffassungen überschaubar macht: a. a. O. , S. 262—272; auch neuerdings finden sich Verteidiger des objektiven Genitivs: zuletzt K. H. Volkmann-Schluck in Varia Variorum (Festschrift für Karl Reinhardt 1952). |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Ganzes | Antike Philosophie | Gadamer I 462 Ganzes/Antike Philosophie/Gadamer: Es ist in diesem Denken keine Rede davon, dass ein weltloser Gadamer I 463 Geist, der seiner selbst gewiss ist, den Weg zum welthaften Sein zu suchen hätte, sondern beides gehört ursprünglich zueinander. Das Verhältnis ist das primäre. Im Zweckverhältnis ist es ja so, dass die Vermittlungen, durch die etwas erwirkt wird, sich nicht zufällig als zur Erreichung des Zweckes geeignet erweisen, sondern sie werden von vornherein als zweckentsprechende Mittel gewählt und ergriffen. Die Zuordnung der Mittel zum Zweck ist also eine vorgängige. (...) wie in allen Lebensverhältnissen, gilt, dass sie nur unter der Idee der Zweckmäßigkeit gedacht werden können, als das wechselseitige Zusammenstimmen aller Teile miteinander.(1) >Zweck/Antike, >Teleologie, >Zweck/Aristoteles. 1. Auch Kants Kritik der teleologischen Urteilskraft lässt bekanntlich diese subjektive Notwendigkeit durchaus bestehen. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Ganzes | Leibniz | Holz I 73 Totalität/Ganzes/außen/außerhalb/Leibniz: weil es einzig und als solches eins und alles (hen kei pan) ist, muss dieses oberste Allgemeine außerhalb der series rerum gedacht werden. Die Welt ist nicht ein Glied, sondern die Reihe selbst. ((s) deshalb aber nicht außerhalb!). >Innerhalb/außerhalb/Leibniz, >Realität/Leibniz, >Ordnung/Leibniz, >Terminologie/Leibniz. Aristoteles: damit ist die ganze Reihe das "Sein selbst" (on hê on). Holz: der absolut irreduzible Satz, das erste Axiom überhaupt: "Die Welt ist alles, was der Fall ist". (Wittgenstein). Der Zusammenhang aller Körper ist aber nicht selbst ein Körper, also nicht extensional, (die res extensa, Descartes) sondern intensional, die Struktur. >Intension/Leibniz, >Extension. Das ist der "vollständige Begriff". >Hegel: "absoluter Begriff". Vollständiger Begriff/Leibniz: enthält alle möglichen Bedingungen und Bestimmungen für die Existenz eines bestimmten Seienden, ist mithin identisch mit dem Begriff von der Welt im Ganzen. Nur wahrnehmbar für einen unendlichen Verstand. >Begriff/Leibniz, >Wahrnehmung/Leibniz, >Wissen/Leibniz. I 74 Identität/Leibniz/Holz: Die Identität des Endlichen mit sich selbst ist formal nicht zu unterscheiden von der Identität des unendlichen Ganzen mit sich selbst. Außen/außerhalb/Ganzes/Leibniz: gäbe es nun aber einen unendlichen Verstand, müsste dieser außerhalb des Ganzen stehen, um es gleichzeitig erfassen zu können. Damit wäre aber das Ganze nicht mehr das Ganze. Es ist a priori wahr, dass das Ganze nicht isotrop abgebildet werden kann. Daher bleibt der Grenzbegriff des unendlichen Verstandes eine heuristische Fiktion eine heuristische Analogie zum endlichen Verstand. I 113 Einzelnes/Ganzes/Identität/Leibniz/Holz: die Identität des Einzelnen mit dem Ganzen und umgekehrt gründet in der Unterscheidung von beiden! (>Hegel: Grund: Die >Einheit der Identität und des Unterschieds). Leibniz: die Immanenz der Substanz in der Welt und die Inhärenz der Welt in der einzelnen Substanz. Logische Form/Holz: das "Übergreifende Allgemeine": I 114 Das Ganze hat zwei Arten: a) das Ganze selbst und b) das Einzelne, das einerseits eine Art Ganzes ((s) durch Abgrenzung) und doch sein Gegenteil, nämlich Teil ist. >Ordnung/Leibniz. Die ontologische Entsprechung dieser logischen Struktur: zweifache Weise des In seins: a) "in der Welt" gekennzeichnet durch Lage, b) Substanz selbst als ein Umfassendes, in dem die Totalität aller anderen Substanzen, also die Welt, als Bedingung ihrer selbst "enthalten" ist. >Substanz/Leibniz. |
Lei II G. W. Leibniz Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998 Holz I Hans Heinz Holz Leibniz Frankfurt 1992 Holz II Hans Heinz Holz Descartes Frankfurt/M. 1994 |
| Gated Communities | Alchian | Henderson I 28 Gated Communities/Alchian/Henderson/Globerman: Unter bestimmten Umständen können die Kosten, die entstehen, wenn man sich bei der Zuweisung des Zugangs zu und der Nutzung von Straßen und Wegen auf private Eigentumsrechte stützt, gering sein im Vergleich zu den Vorteilen, die entstehen, wenn private Eigentümer bestimmen, wie die betreffenden Vermögenswerte genutzt und instand gehalten werden. >Infrastruktur, >Soziale Güter, >Soziale Kosten. Ein Beispiel sind geschlossene Gemeinschaften, in denen die Nutzung von Straßen und Wegen den Mitgliedern einer Gemeinschaftsvereinigung vorbehalten ist, die Beiträge für die Instandhaltung der Anlagen und die Verwaltung der Anlagen zahlen. Da der Zugang zur Infrastruktur der Gemeinschaft auf die Mitglieder der Gemeinschaft und ihre zugelassenen Gäste beschränkt ist, ist es wirtschaftlich sinnvoll, die Nutzung der Vermögenswerte der Gemeinschaft, einschließlich der Straßen, durch Privateigentum zu regeln. In diesem Fall wird das Eigentum geteilt, ähnlich wie bei einem öffentlichen Unternehmen, und es handelt sich im Grunde um einen privaten Club. >Clubs. In der Regel sorgt ein von der Vereinigung gewählter Vorstand dafür, dass die Mitglieder ihre Beiträge zahlen und die Nutzungsregeln einhalten. Die Vorteile einer relativ kleinen und räumlich begrenzten Gemeinschaft von Straßen und zugehöriger Infrastruktur, die durch ein System gemeinschaftlich geteilter privater Eigentumsrechte mit einer relativ kleinen Anzahl von Eigentümern geregelt wird, sind leicht zu erkennen. Es handelt sich um Eigentumsrechte mit einer relativ kleinen Anzahl von Eigentümern. Es ist einfacher, Entscheidungen über die Infrastruktur zu treffen, als wenn der Staat Eigentümer der Infrastruktur ist, weil privates Gemeinschaftseigentum die Notwendigkeit vermeidet, Petitionen an die Stadtverwaltung zu richten und oft auch zu kämpfen. Außerdem können Mitglieder des Gemeindeverbands, die mit der Verwaltung des Gemeinschaftseigentums unzufrieden sind, ihre Eigentumsrechte veräußern, indem sie zum Beispiel ihre Häuser verkaufen. Sie können dann in eine andere Gated Community umziehen, anstatt ganz aus einer Stadt oder Gemeinde wegzuziehen. >Verwaltungsbehörden, >Bürokratie, >Mieten, >Sozialpolitik, >Gemeinschaft, >Gesellschaft, >Organisation. |
Alchian I Armen A. Alchian William R. Allen Exchange and Production: Competition, Coordination and Control Belmont, CA: Wadsworth 1977 Henderson I David R. Henderson Steven Globerman The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019 |
| Gavagai | Field | II 201 Unbestimmtheit/Gavagai/Theorie/Referenz/FieldVsQuine: Die Unbestimmtheit bezieht sich nicht nur auf den absoluten Sinn. Sie bezieht sich entweder a) auf die absoluten oder b) auf die relative Referenz. Absolute Referenz/Field: Hier gibt es keine Tatsache die entscheidet, was Gavagai als Extension hat. >Absolutheit/Field, >Referenz, >Bedeutung. II 202 Korrespondenztheorie/Unbestimmtheit/Gavagai/Field: neue Korrespondenztheorie: partielle Signifikation: Gavagai hat die Relation der partiellen Signifikation a) zur Menge der Kaninchen und b) zur Menge der Kaninchenteile. Das ist nur interessant, wenn man damit Wahrheit erklären kann. Dann ist "ist" entweder die Identitätsrelation oder Teilidentität. >Identität, >Teilidentität, >"ist", >Wahrheit. Unbestimmtheit: ist dann die These, dass es keine Tatsache gibt, die darüber entscheidet. Das heißt nicht, dass es kein Zitattilgungsschema gibt. Modifikation: "signifiziert partiell a und partiell b". Partielle Signifikation/Alltagssprache: Bsp "großer Mann": 180-185cm? >Alltagssprache. II 204 Problem: Relativierte Signifikation und Denotation führt wieder zum Museumsmythos. >Museumsmythos. Für jedes Prädikat T, Menge y (oder {x I Fx} und Übersetzungshandbuch M: T signifiziert {x I Fx} relativ zu M gdw. M T auf einen Term abbildet, der y signifiziert (oder {x I Fx}). Gavagai/FieldVsQuine: Quine braucht eine Verbindung zwischen "Kaninchen" ((s) nicht "Gavagai"!) in unserer Sprache und aktualen Kaninchen. Aber seine Unbestimmtheitsthese leugnet die Existenz einer solchen, die nicht gleichzeitig genauso gut zu Kaninchenteilen besteht. II 216 Gavagai/Metasprache/MS/Field: Wir brauchen festgelegte Ausdrücke für die Beschreibung der partiellen Extension: Bsp "Kaninchen" signifiziert partiell die Menge der Kaninchen und partiell die Menge der unabgetrennten Teile von Kaninchen. >Metasprache. Frage: Wie kann das von jemand verstanden werden, für den die letzten beiden Tokens von "Kaninchen" unbestimmt sind? >Unbestimmtheit. Pointe: Der Satz ist genauso verständlich und hat dieselben Wahrheitsbedingungen, wenn die Metasprache unbestimmt ist! >Verstehen, >Wahrheitsbedingungen. II 220 Gavagai/Unbestimmtheit/Field: Die Hinzufügung von "ist ein unabgetrennter Teil von" zur Sprache verringert die Unbestimmtheit (das geht von einer inflationistischen Sicht aus). >Inflationismus. |
Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Gebrauch | Tugendhat | I 209 Verwendung: Bisher ist die Rede von der Verwendung noch ganz unbestimmt. Frage: Mit Bezug worauf wird der Gebrauch der sprachlichen Ausdrücke geregelt, wenn es nicht mehr Gegenstände sind? Nächstliegende Antwort: die Umstände. >Umstände, >Wörter. I 225 "Stehen für"/Tugendhat: Man muss feststellen, für welchen Gegenstand ein Ausdruck steht. - Damit erklärt man die Verwendungsregeln der singulären Termini. >Singuläre Termini. Problem: Die Verwendungsregeln der singulären Termini setzen die der Prädikate voraus und umgekehrt. >Regeln, >Prädikate. I 226 Verwendungsregel/Tugendhat: Wenn die Umstände zur Erklärung völlig ungeeignet sind, müssen wir dann nicht auch die Verwendungsregel aufgeben? Das ist ein Irrtum: bei der Verwendung geht es um die Funktion, nicht um die Umstände! >Gebrauchstheorie. I 279 Gebrauch: Die Gebrauchstheorie der Bedeutung bezieht sich immer auf Sätze (Propositionen oder Sachverhalte), nicht auf materielle Gegenstände. ((s) Die meisten Autoren Vs: die Gebrauchstheorie bezieht sich auf Wörter, nicht auf Sätze. Wittgenstein, Philosophischen Untersuchungen, § 43. "Man kann für eine große Klasse von Fällen der Benützung des Wortes "Bedeutung" - wenn auch nicht für alle Fälle seiner Benützung - dieses Wort so erklären: "Die Bedeutung eines Wortes ist sein Gebrauch in der Sprache".) >Bedeutung, >Satzbedeutung, >Wortbedeutung. |
Tu I E. Tugendhat Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976 Tu II E. Tugendhat Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992 |
| Gebrauchstheorie | Brandom | I 169ff Regel/Sellars/Brandom: unsere Urteile, dass A B hervorbringt, werde ich als Ausdruck einer Regel für den Gebrauch von "A" und "B" deuten. >Gebrauch. I 490 DummettVsGebrauchstheorie: wenn es gar keine Schlüsselidee in Bezug auf Bedeutung gibt, dann unklar, was die Bedeutung eines Worts im Unterschied zu der eines Satzes sein soll. - Dummett: Schlüsselidee: das Verstehen eines Worts braucht nur im Verstehen seines Beitrags zum Satz zu bestehen - Kraft: pragmatische Signifikanz, sententialer Gehalt. - Sinn: semantischer Gehalt, subsententialer (!) Gehalt - Brandom: nach dieser Analogie werden die Sätze durch performative Signifikanz so in Äquivalenz-Klassen eingeteilt, dass die Kraft bei Substitution erhalten bleibt. >Subsententiales, >Gehalt, >Verstehen. II 43f Gebrauchstheorie/Realismus/Brandom: unser Gebrauch solcher Begriffe wie Elektron hängt nicht nur von unseren Dispositionen zu inferentiellen Billigungen ab, sondern auch davon, was es "mit der Welt auf sich hat". - Gebrauch ist nicht beschränkt auf Billigung von Inferenzen. - Ob Inferenzen richtig sind, hängt davon ab, was "wirklich daraus folgt". - Gehalte sind wie sie sind, weil wir Begriffe so gebrauchen wie wir sie gebrauchen, nicht weil wir glauben, dass sie sind. - Damit wird nicht bestritten, dass Begriffe eine repräsentationale Dimension haben. II 246 Kontoführung/Brandom: vervollständigt die Gebrauchstheorie - sie beinhaltet nicht, dass alle Spieler die Disposition haben, die sie haben sollten. >Intentionen, >Absicht, >Dispositionen. |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Gebrauchstheorie | Dummett | I 31 DummettVsGebrauchstheorie: Der Nachteil liegt darin, dass sie wesentlich unsystematisch ist. Nach Wittgenstein ist das allerdings ein Vorteil, denn er legt Wert auf die Vielfalt der Sprechakte. Dummett: Ordnungsliebe ist aber nicht alles, Die Gebrauchstheorie setzt wahrscheinlich voraus, dass ein beträchtlicher Teil der Sprache bereits verstanden ist. I 31 Gebrauch gibt Bedeutung - Sinn gibt Bezug (Frege). >Fregescher Sinn. Bedeutung ungleich Bezug: Einhorn. >Einhorn-Beispiel. Gebrauchstheorie der Bedeutung > Sprechakttheorie. I 29 Gebrauch/Wahrheit/Wittgenstein/Dummett: die Gebrauchstheorie macht den Wahrheitsbegriff überflüssig > Bedeutung vor Wahrheit. III (a) 10 Gebrauchstheorie/Dummett: Umstände sind nicht hinreichend. - Wir brauchen den "Witz" (Zweck) warum wir ein Wort verwenden. - Auch bei Einteilung gültig/ungültig gibt es immer ein Interesse (Witz). III (e) 196 Gebrauchstheorie/Dummett: Sätze, nicht Wörter haben Gebrauch. III (e) 200 Bsp Gebrauch des Geldes: hier muss man die ganze Institution verstehen. Schiffer I 223f Gebrauchstheorie/Verstehen/Bedeutung/Manifestation/Dummett/SchifferVsDummett: behavioristisch - (auch andereVsDummett): Daraus folgt noch nicht Anti-Realismus. >Antirealismus. Dummett gebraucht selbst psychologisches Vokabular. - Warum sollte man Verstehen zeigen können müssen? - Eigener Gebrauch sollte hinreichend sein. I 225 McDowellVsDummett: Marsianer können uns trotzdem nicht verstehen, weil das Intentionale (inhalts-bestimmende) nicht auf das Nicht-Intentionale reduzierbar ist. I 227 Das Wissen, ob etwas als Verifikation zählt, könnte von außersprachlichem Wissen abhängen und nicht vom Verstehen des Satzes. QuineVsDummett: Direkte Verifikationsbedingungen kann es nicht für jeden Satz geben - ((s)> Quine: Theorien sind nicht Satz für Satz verifizierbar, >Verifikation/Quine). - Sicher gibt es bedeutungsvolle Sätze, die keine erkennbaren Bedingungen haben, die den Satz als wahr oder falsch herausstellen würden. I 228 Schmerz/Verifikation/Wittgenstein/Dummett/Schiffer: Dummett zitiert Wittgenstein mit Zustimmung: dass Schmerzverhalten widerlegt werden kann. SchifferVsDummett: Dann braucht die Bedeutungstheorie sowohl anfechtbare Kriterien, als auch anfechtbare Bedingungen. Problem: Das trifft auf die meisten empirischen Urteile zu. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Schi I St. Schiffer Remnants of Meaning Cambridge 1987 |
| Gebrauchstheorie | Grice | Welker I 137 ff WelkerVsGebrauchstheorie der Bedeutung: Da die Sätze in unserem Leben sich kaum je zweimal in der gleichen Form einstellen, ist infrage zu stellen, wieso der Gebrauch die Bedeutung bestimmt. WelkerVsWittgenstein. > href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/gesamtliste.php?thema=S%C3%A4tze">Sätze, > href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/gesamtliste.php?thema=Sprachverhalten">Sprachverhalten. Wenn wir die Sprachbeherrschung als Antwort anführen, müssen wir auf zeitunabhängige Bedeutung rekurrieren. >Kompetenz, >Zeitloses. Sprachen bestehen, genetisch gesehen, vor allen Benutzern. >Sprache. Wörter mit Hilfe anderer Wörter zu erklären führt in ähnlich unabsehbare Unendlichkeiten, wie die Erklärung von Zahlen in ihrer Relation zu anderen Zahlen. >Wörter. |
Grice I H. Paul Grice "Meaning", in: The Philosophical Review 66, 1957, pp. 377-388 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Megle Frankfurt/M. 1993 Grice II H. Paul Grice "Utterer’s Meaning and Intentions", in: The Philosophical Review, 78, 1969 pp. 147-177 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Grice III H. Paul Grice "Utterer’s Meaning, Sentence-Meaning, and Word-Meaning", in: Foundations of Language, 4, 1968, pp. 1-18 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Grice IV H. Paul Grice "Logic and Conversation", in: P. Cple/J. Morgan (eds) Syntax and Semantics, Vol 3, New York/San Francisco/London 1975 pp.41-58 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Welker I David D. Welker Linguistic Nominalism, Mind, 1970, pp. 569-580 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 |
| Gebrauchstheorie | Schiffer | I 187 Denken/Sprechen/Bedeutung/Gebrauchstheorie/Schiffer: Sprachgebrauch im Denken ist eine Sache, im Sprechen eine andere. - Dafür brauchen wir verschiedene Theorien. >Sprechen, >Sprachgebrauch, >Denken, >Sprache des Geistes. I 187 Gebrauchstheorie/Referenz/Bedeutung/Kompositionalität/Schiffer: neuere Tendenz: Putnam 1978(1): These: Wir können Gebrauchstheorien für das Sprachverstehen (nicht die Bedeutung) haben, die keine wahrheitstheoretische Semantik voraussetzen. - Die Theorien des Verstehens und der Referenz haben gar nicht so viel mit Wahrheit zu tun, wie die meisten glauben. - Lösung: wenn wir von der begrifflichen Rolle (bR) aus gehen (Gebrauch) wird gar nichts von einer "Korrespondenz" von Wörtern und Dingen vorausgesetzt. 1. Hilary Putnam (1978). Meaning and the Moral Sciences. Routledge I 260 Gebrauch/Gebrauchstheorie/Schiffer: kein Problem für einfache Signale: Bedeutung = Gebrauch. Problem: zusammengesetzter Äußerungstyp: s könnte p bedeuten, auch wenn niemals geäußert. Lösung/Schiffer: Das ist der Grund, warum die Praxis zur Sprache und nicht zum einzelnen Satz gehören sollte. >Sprachgebrauch, >Situations-Semantik. Problem: Wir brauchen einen Ansatz, der kein Wissen über die Bedeutung in der Gemeinschaft voraussetzt - sonst müsste jeder jeden Satz verstehen. >Sprachgemeinschaft, >Verstehen. |
Schi I St. Schiffer Remnants of Meaning Cambridge 1987 |
| Gebrauchswert | Say | Rothbard II 19 Gebrauchswert/Ricardo/Say/Rothbard: (...) während Say den Gebrauchswert einfach verwarf, machte Ricardo das Wertparadoxon und die unglückliche Trennung zwischen Gebrauchs- und Tauschwert zum Schlüssel seiner Werttheorie. Für Ricardo war Eisen weniger wert als Gold, weil die Arbeitskosten für das Graben und die Herstellung von Gold höher waren als die Arbeitskosten für die Herstellung von Eisen. Ricardo räumte zwar ein, dass der Nutzen „gewiss die Grundlage des Wertes ist“, doch war dies offenbar nur von geringem Interesse, da der „Grad des Nutzens“ niemals das Maß sein kann, nach dem der Wert zu schätzen ist. Das ist nur zu wahr, aber Ricardo erkannte nicht die Absurdität, überhaupt nach einem solchen Maß zu suchen. Seine zweite Absurdität (...) bestand darin, dass er glaubte, dass die Arbeitskosten ein solches „wahres“ und unveränderliches Maß für den Wert darstellen. SayVsRicardo: Wie Say in seinen Anmerkungen zur französischen Übersetzung von Ricardos Prinzipien schrieb, ist „ein unveränderliches Wertmaß eine reine Schimäre“. Smith und noch mehr Ricardo wurden in ihre Arbeitskostentheorie gedrängt, indem sie sich auf den langfristigen „natürlichen“ Preis der Produkte konzentrierten. Preis/Kosten/Say: Say's Analyse wurde durch seine realistische Konzentration auf die Erklärung des realen Marktpreises sehr unterstützt. Die Kosten stehen natürlich in engem Zusammenhang mit der Preisbildung für die Produktionsfaktoren. Eine Frage, die Kosten-Wert-Theoretiker nur schwer beantworten können, lautet: Wenn die Kosten tatsächlich bestimmend sind, woher kommen sie dann? Sind sie durch göttliche Offenbarung vorgeschrieben? Eine der Anomalien von Says Diskussion ist, dass er, obwohl er ein subjektiver Wert- und Nutzentheoretiker war, die Einsicht von Rothbard II 20 Genovesi und seines eigenen ideologischen Vorgängers Condillac, dass die Menschen eine Sache gegen eine andere tauschen, weil sie die Sache, die sie erwerben, mehr schätzen als das, was sie aufgeben - so dass der Tausch immer für beide Seiten von Vorteil ist. Indem er diesen gegenseitigen Nutzen leugnet, widerspricht Say einem Großteil seiner eigenen Position zum Nutzen. >Wert/Say. |
EconSay I Jean-Baptiste Say Traité d’ Economie Politique Paris 1803 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Gedächtnis | Eysenck | Corr I 411 Gedächtnis/Arousal-Theorie/Eysenck/Matthews: Arbeiten, die aus der Perspektive der Arousal-Theorie durchgeführt wurden, deuteten darauf hin, dass Extravertierte dazu neigen, eine bessere Kurzeitgedächtnis-Erinnerung, aber auch ein schlechteres Langzeitgedächtnis zu haben (Eysenck 1967)(1). Kognitiv orientierte Forschung hat Beziehungen zu spezifischen kognitiven Prozessen untersucht, die das Gedächtnis unterstützen, wie Codierung, Abruf und Organisation (siehe Eysenck 1981(2); Zeidner 1998(3)). Eine Anwendung der kognitiven Forschung auf das Gedächtnis ist es, die mathematische Angst zu verstehen, die die Fähigkeit der Person zur Rechenleistung in Bildungs- und Alltagszusammenhängen beeinträchtigen kann. >Gedächtnis/Kognitionspsychologie, >Angst/Matthews. 1. Eysenck, H. J. 1967. The biological basis of personality. Springfield, IL: Thomas 2. Eysenck, M. W. 1981. Learning, memory and personality, in H. J. Eysenck (ed.), A model for personality. Berlin: Springer 3. Zeidner, M. 1998. Test anxiety: the state of the art. New York: Plenum Gerald Matthews, „ Personality and performance: cognitive processes and models“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Gedächtnis | Kognitionspsychologie | Corr I 412 Gedächtnis/Kognitionspsychologie/Angst/Matthews: Eine Anwendung der kognitiven Forschung auf das Gedächtnis ist es, die mathematische Angst zu verstehen, die die Fähigkeit der Rechenleistung in Bildungs- und Alltagszusammenhängen einer Person beeinträchtigen kann. Mathematische Angst kann als eine stabile Eigenschaft angesehen werden, die sich von der allgemeinen Angst unterscheidet und sich auf Beeinträchtigungen der Leistung und des Arbeitsgedächtnisses bezieht. Studien, die auf dem Verständnis mathematischer Kognition beruhen, haben dazu beigetragen, die Beeinträchtigung aufzuklären. Wie in einer kürzlich erschienenen Review (Ashcraft and Krause 2007)(1) diskutiert, hängt die Lösung mathematischer Probleme sowohl vom Abruf arithmetischen Wissens im Langzeitgedächtnis als auch von der Verwendung von Strategien zur Lösung unbekannter Probleme ab, die das Arbeitsgedächtnis erfordern. >Arbeitsgedächtnis/ Kognitionspsychologie. Ashcraft und Krause (2007)(1) weisen auch darauf hin, dass mathematisch ängstliche Personen dazu neigen, die Genauigkeit der Geschwindigkeit zu opfern, insbesondere bei schwierigen Problemen, um die aversive Erfahrung abzuschließen (d.h. eine Form der Vermeidung von Bewältigung). 1. Ashcraft, M. H. and Krause, A. 2007. Working memory, memory, math performance, and math anxiety, Psychonomic Bulletin and Review 14: 243–8 Gerald Matthews, „ Personality and performance: cognitive processes and models“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Gedächtnis | Minsky | Minsky I 35 Gedächtnis/Erinnerung/Speicher/Software-Agenten/Minsky: Menschen denken oft an Erinnerung in Begriffen von Gedächtnis, wenn sie Aufzeichnungen über die Vergangenheit führen, um sich an Dinge zu erinnern, die in früheren Zeiten geschehen sind. Aber Software-Agenten brauchen auch andere Arten von Gedächtnis. So benötigen sie zum Beispiel eine Art temporären Speicher, um den Überblick darüber zu behalten, was als Nächstes zu tun ist, wenn eine Arbeit begonnen wird, bevor die vorherige Arbeit erledigt ist. Wenn jeder der "Seh"-Agenten [ein Software-Agent für Sehaufgaben] jeweils nur eine Sache auf einmal tun könnte, würden ihm bald die Ressourcen ausgehen und er wäre nicht in der Lage, komplizierte Probleme zu lösen. Wenn wir jedoch über genügend Speicherplatz verfügen, können wir unsere Agenten in zirkulären Schleifen anordnen und so immer wieder dieselben Agenten einsetzen, um Teile mehrerer verschiedener Aufgaben gleichzeitig zu erledigen. >Hierarchien/Minsky, >Konflikte/Minsky, >Lernen/Minsky. Minsky I 62 Gedächtnis/Minsky: Unsere Erinnerungen sind nur indirekt mit der physischen Zeit verbunden. Wir haben kein absolutes Gefühl dafür, wann ein denkwürdiges Ereignis tatsächlich stattgefunden hat. Bestenfalls können wir nur einige zeitliche Beziehungen zwischen ihm und bestimmten anderen Ereignissen kennen. Vielleicht können Sie sich daran erinnern, dass X und Y an verschiedenen Tagen stattfanden, aber Sie können nicht feststellen, welcher dieser Tage früher kam. Und viele Erinnerungen scheinen überhaupt nicht mit Zeitintervallen verbunden zu sein - so wie das Wissen, dass vier nach drei kommt, oder dass ich ich selbst bin. >Jetzt/Minsky, >Erfahrung/Minsky. Minsky I 82 Gedächtnis/Terminologie/Minsky: Wann immer man eine gute Idee hat, ein Problem löst oder eine unvergessliche Erfahrung macht, wird eine K-Linie aktiviert, um dies darzustellen. Def K-Linie/Minsky: Eine K-Linie ist eine drahtähnliche Struktur, die sich an diejenigen mentalen Instanzen anhängt, die aktiv sind, wenn Sie ein Problem lösen oder eine gute Idee haben. Wenn Sie diese K-Linie später aktivieren, werden die daran befestigten Instanzen erregt und versetzen Sie in einen Geisteszustand, der dem ähnelt, in dem Sie sich befanden, als Sie das Problem lösten oder eine gute Idee hatten. (...) wir merken uns, woran wir denken, indem wir eine Liste der an dieser Aktivität beteiligten Instanzen erstellen. (...) Beispiel/Kenneth Haase: Sie möchten ein Fahrrad reparieren. Bevor Sie beginnen, schmieren Sie Ihre Hände mit roter Farbe ein. Dann wird jedes Werkzeug, das Sie benutzen müssen, rote Markierungen aufweisen. Wenn Sie fertig sind, denken Sie daran, dass rot "gut zum Reparieren von Fahrrädern" bedeutet. Wenn Sie das nächste Mal ein Fahrrad reparieren, können Sie Zeit sparen, indem Sie alle rot markierten Werkzeuge im Voraus herausnehmen. Wenn Sie für verschiedene Aufträge unterschiedliche Farben verwenden, werden einige Werkzeuge am Ende mit mehreren Farben markiert. Problem: Angenommen, Sie hätten versucht, einen bestimmten Schraubenschlüssel zu verwenden und dieser hätte nicht gepasst. Es wäre nicht vorteilhaft, dieses Werkzeug rot zu markieren. Damit unsere K-Linien effizient funktionieren, brauchen wir cleverere Richtlinien. I 83 P-Instanzen: wurden zuvor bei der Lösung eines Problems verwendet. Q-Instanzen: sind Instanzen Ihrer jüngsten Gedanken. Problem: (...) wir wollen nicht, dass unsere Erinnerungen alte Geisteszustände so stark wieder aufwecken, dass sie unsere gegenwärtigen Gedanken überwältigen - denn dann könnten wir den Überblick über das verlieren, was wir jetzt denken, und die ganze Arbeit, die wir geleistet haben, auslöschen. Wir wollen nur einige Hinweise, Vorschläge und Ideen. >Ebenen/Minsky. I 154 Gedächtnis/Minsky: Es ist schwer, Erinnerungen von Erinnerungen an Erinnerungen zu unterscheiden. Es gibt in der Tat kaum Anzeichen dafür, dass unsere Erinnerungen als Erwachsene wirklich weit in die Kindheit zurückreichen; was wie frühe Erinnerungen aussieht, ist vielleicht nichts weiter als Rekonstruktionen unserer älteren Gedanken. Was verstehen wir dann unter Erinnerung? Unser Gehirn nutzt viele verschiedene Möglichkeiten, um die Spuren unserer Vergangenheit zu speichern. Kein einziges Wort kann so viel beschreiben, es sei denn, es wird nur in einem allgemeinen, informellen Sinn verwendet. Künstliche Intelligenz/Gedächtnis/Minsky: Erinnerungen sind Prozesse, die dazu führen, dass einige unserer [Software-]Agenten zu verschiedenen Zeiten in der Vergangenheit auf die gleiche Art und Weise handeln. I 155 Wir denken gerne an Erinnerungen, als ob sie uns Dinge wiedergeben könnten, die wir in der Vergangenheit gewusst haben. Aber Erinnerungen können die Dinge nicht wirklich zurückbringen; sie geben nur einige Fragmente unserer früheren Geisteszustände wieder, wenn verschiedene Anblicke, Geräusche, Berührungen, Gerüche und Geschmäcker uns beeinflusst haben. Def Immanenz-Illusion: Immer dann, wenn Sie eine Frage ohne merkliche Verzögerung beantworten können, scheint es, als wäre diese Antwort bereits in Ihrem Geist aktiv. >Gegenwart/Minsky. I 156 Spielarten der Erinnerung: Ein Gehirn hat kein einzelnes, gemeinsames Gedächtnissystem. Stattdessen verfügt jeder Teil des Gehirns über mehrere Arten von Gedächtnis-Instanzen, die für bestimmte Zwecke auf etwas unterschiedliche Weise arbeiten. I 157 Repräsentation/Minsky: Neuordnungen des Gedächtnisses: Was bräuchten wir z.B., um uns vorzustellen, wie wir Dinge in einem Raum bewegen könnten? Zuerst bräuchten wir eine Möglichkeit, darzustellen, wie Objekte im Raum angeordnet sind. (...) wir könnten das folgende einfache vierstufige Skript verwenden: 1. Speichern Sie den Zustand von A in M-1. 2. Speichern Sie den Zustand von B in M-2. 3. Verwenden Sie M-2, um den Zustand von A zu bestimmen. 4. Verwenden Sie M-1, um den Zustand von B zu bestimmen. Ein Speichersteuerungs-Skript wie dieses kann nur funktionieren, wenn wir Speichereinheiten haben, die klein genug sind, um Teile aus der größeren Szene herausgreifen zu können. M-1 und M-2 würden die Aufgabe nicht erfüllen, wenn sie nur Beschreibungen ganzer Räume speichern könnten. Mit anderen Worten, wir müssen in der Lage sein, unser Kurzzeitgedächtnis nur mit geeigneten Aspekten unserer aktuellen Probleme zu verbinden. Das Erlernen solcher Fähigkeiten ist nicht einfach, und vielleicht ist es eine Fähigkeit, die manche Menschen nie wirklich beherrschen. Unser paarweise austauschbares Skript braucht mehr Maschinerie. Da jede Speichereinheit warten muss, bis der vorherige Schritt abgeschlossen ist, muss der Zeitpunkt jedes Skriptschritts möglicherweise von verschiedenen Zustandssensoren abhängen. >Repräsentation/Minsky. I 158 Organisation des Gedächtnisses/Minsky: Wir gehen davon aus, dass jede substanzielle Instanz über mehrere Mikromemory-Einheiten verfügt, von denen jede eine Art temporäre K-Linie (>Terminologie/Minsky) darstellt, die den Zustand vieler der Agenten in dieser Instanz schnell speichern oder wiederherstellen kann. Es gibt gute Beweise dafür, dass im menschlichen Gehirn die Prozesse, die Informationen ins Langzeitgedächtnis übertragen, sehr langsam sind und Zeitintervalle von Minuten bis Stunden benötigen. Dementsprechend sind die meisten temporären Erinnerungen dauerhaft verloren. >Künstliches Bewusstsein/Minsky. |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Gedanken | Brandom | I 788 Gedanke/singulärer Term/Referenz/Brandom: es gibt Gedanken, die man haben kann, ohne dass die sing Term erfolgreich Gegenstände herausgreifen. >Singuläre Termini. Bsp Die Verfasserin von Sordello (in Wirklichkeit Robert Browning) sei zu sentimental. - Aber: gegenstands-unabhängige Gedanken kann man nur haben, wenn die singulären Termini tatsächlich Gegenstände herausgreifen. - Bsp Ich glaube, eine Tasse in der Hand zu haben, aber es ist ein Stein. - Auch "dieses" kann man falsch verstehen: Bsp "dieses was"? >Demonstrativa, >Verstehen, >Wissen. |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Gefangenendilemma | Hofstadter | II 781 Gefangenen Dilemma: 1950 von Melvin Dresher und Merrill Flood von der Rand Corporation). Bsp Klassische Form: zwei Gefangene werden getrennt verhört. Problem: Logik verhindert die Kooperation. Die Annahme über das Verhalten des Anderen bringt einen dazu, etwas Schlechteres zu tun, als für beide gut wäre, aber es fehlt ja die Sicherheit. Beispiel-Varianten, die die Vorstellung erleichtern: Ein einmaliges Geschäft mit jemand, den man nie wiedersieht, Deponieren von Geldsäcken im Wald, jeder wird versuchen zu betrügen, nachdem ihm klar ist, dass der Andere (Unbekannte) es genauso versuchen wird. Die psychologische Vorstellung von der persönlichen Bekanntschaft der beiden Gefangenen verunklart das Problem. Bsp' Das Geschäft mit dem deponierten Geld kann wiederholt werden, "Wiederholungs- Gefangenendilemma: Es gibt hier keine allgemein beste Strategie. Gefangenendilemma: Implikationen: Frage: Kann es in einer Welt von Egoisten zur Kooperation kommen? Wie kann sie überhaupt entstehen? Können Kooperationsstrategien besser überleben? Kann Kooperation aus Nicht-Kooperation hervorgehen? II 784 Robert Axelrod: 1979: veranstaltete ein fernschriftliches Turnier, bei dem verschiedene Strategien des Wiederholungs-Gefangenen-Dilemmas gegeneinander antreten sollten. >R. Axelrod. Gewinner: Das Programm "AUGE UM AUGE" von Anatol Rapoport: "Kooperiere in der ersten Runde, dann mach alles, was der andere Spieler beim vorangegangenen Spielzug gemacht hat." Dieses Programm siegte immer wieder, sogar bei Wiederholungen des Wettbewerbs. Allerdings ist das Optimum nur eine Pattsituation. Gewinnen kann keiner! Das Programm nötigt den anderen zu einem Verhalten, bei dem beide gut abschneiden. II 789 Strategie: Echoeffekte sollten minimiert werden. Eine intelligente Analyse muss mindestens drei Schritte weit gehen. In der Reaktion auf Ausstiegsaktionen der Gegenseite kann man die vorhergehende eigene Strategie wiederholen oder gar ausweiten. Wiederholungs-Gefangenendilemma: Wenn man den anderen überhaupt nicht beeinflussen kann, sollte man in der ersten Runde aussteigen! Das hat strenggenommen zur Folge, dass bei einer Autowerkstatt, die man auf einer weiten Reise aufsucht, die Arbeit nicht ausgeführt werden sollte. II 797 Kooperation: In einer Welt von Egoisten kann beiderseitige Kooperation durchaus ohne zentrale Kontrolle entstehen, sofern nur eine Gruppe von Individuen da ist, die auf Gegenseitigkeit setzen. II 801 Bsp Jemand versteigert eine Dollarnote für 3.40$. Das war das Ergebnis einer Spielregel, (die die Teilnehmer zu spät verstanden), nach der der Meistbietende die Dollarnote erhielt, zugleich aber der zweite die zuletzt von ihm gebotene Summe zu zahlen hatte. |
Hofstadter I Douglas Hofstadter Gödel, Escher, Bach - ein Endloses Geflochtenes Band Stuttgart 2017 Hofstadter II Douglas Hofstadter Metamagicum München 1994 |
| Gefühl | Ryle | I 131 Gefühl/Ryle: Gefühl ist nicht gleich Stimmung, z.B. Kitzelgefühl ist gleich Kitzel, sich krank fühlen ist nicht gleich krank sein. Stimmung/Ryle: Stimmung heißt nicht erkennen, nicht verstehen, sondern eröffnen, vom Herzen, nicht vom Kopf. I 137 Gefühl/Ryle: Es ist absurd, nicht zu wissen, ob man sich besser fühlt. Aber es ist nicht absurd, nicht zu wissen, ob man wieder gesünder ist. I 137 Gefühl ist nicht mit Erregung oder Neigung verknüpft! Empfindungen sind nicht absichtlich. >Empfindung/Ryle, >Intentionalität, >Arousal/Psychologie. I 140 Phantasie (Roman) bringt echte Qualen und echte Tränen aber unechte Entrüstung hervor. Entzücken, Erleichterung, Kummer: sind Zeichen für Gefühle, nicht die Gefühle selbst. I 143 f Gefühle/Empfindung: Gefühle wie Jucken, Kitzel, Stechen, Beißen, Prickeln, Bohren, Übelkeit, Schock Beklemmung, Spannung sind höchstens akzidentell handlungserklärend. >Disposition. Stimmung: ist Entzücken Heiterkeit, Kummer, Sehnen, Heimweh, Passion, Erregung, Enttäuschung (auch in der Abwesenheit) und auch die Stimmung, etwas gern zu tun (Disposition). Stimmung: ist kein Erlebnis und kein Objekt der Introspektion. >Introspektion/Ryle, vgl. >Psychologische Theorien über Emotion. |
Ryle I G. Ryle Der Begriff des Geistes Stuttgart 1969 |
| Gegebenes | Dilthey | Gadamer I 70 Gegebenes/Geisteswissenschaften/Wissenschaft/Dilthey/Gadamer: Da es [Dilthey] darauf ankommt, die Arbeit der Geisteswissenschaften erkenntnistheoretisch zu rechtfertigen, beherrscht ihn überall das Motiv des wahrhaft Gegebenen. Es ist also ein erkenntnistheoretisches Motiv oder besser das Motiv der Erkenntnistheorie selber, das seine Begriffsbildung motiviert und das dem sprachlichen Vorgang (...) (>Erlebnis/Dilthey) entspricht. ((s)VsDilthey: siehe die Kritik Wilfrid Sellars‘ am Begriff des Gegebenen: >Gegebenes/Sellars). Geisteswissenschaften/Gadamer: Das charakterisiert eben die Entwicklung der Geisteswissenschaften im 19. Jahrhundert, dass sie nicht nur äußerlich die Naturwissenschaften als Vorbild anerkennen, sondern daß sie, aus dem gleichen Grunde kommend, aus dem die neuzeitliche Naturwissenschaft lebt, das gleiche Pathos von Erfahrung und Forschung entwickeln wie sie. ((s) Vgl. >Empfindungen/Carnap). Gadamer I 71 Dilthey/Gadamer: Die Gegebenheiten im Bereich der Geisteswissenschaften sind nämlich von besonderer Art, und das will Dilthey durch den Begriff des „Erlebnisses“ formulieren. In Anknüpfung an Descartes' Auszeichnung der res cogitans bestimmt er den Begriff des Erlebnisses durch Reflexivität, durch das Innesein, und will von dieser besonderen Gegebenheitsweise aus die Erkenntnis der geschichtlichen Welt erkenntnistheoretisch rechtfertigen. Die primären Gegebenheiten, auf die die Deutung der geschichtlichen Gegenstände zurückgeht, sind nicht Daten des Experiments und der Messung, sondern Bedeutungseinheiten. Das ist es, was der Begriff des Erlebnisses sagen will: Gegebenes/Dilthey: Die Sinngebilde, denen wir in den Geisteswissenschaften begegnen, mögen uns noch so fremd und unverständlich gegenüberstehen - sie lassen sich auf letzte Einheiten des im Bewusstsein Gegebenen zurückführen, die selber nichts Fremdes, Gegenständliches, Deutungsbedürftiges mehr enthalten. Es sind die Erlebniseinheiten, die selber Sinneinheiten sind. Gadamer I 231 Gegebenes/Geisteswissenschaften/Dilthey/Gadamer: Der Begriff des Gegebenen ist [in den Geisteswissenschaften] von grundsätzlich anderer Struktur [als in den Naturwissenschaften]. Es zeichnet die Gegebenheiten der Geisteswissenschaften gegenüber denen der Naturwissenschaften aus, »daß man alles Feste, alles Fremde, wie es den Bildern der physischen Welt eigen ist, wegdenken muss von dem Begriff des Gegebenen auf diesem Gebiet«(1). Alles Gegebene ist hier hervorgebracht. Dilthey: Der alte Vorzug, den schon Vico den geschichtlichen Gegenständen zusprach, begründet nach Dilthey die Universalität, mit der das Verstehen sich der geschichtlichen Welt bemächtigt. Gadamer: Die Frage ist jedoch, ob auf dieser Basis der Übergang vom psychologischen zum hermeneutischen Standpunkt wirklich gelingt oder ob sich Dilthey dabei in Problemzusammenhänge verstrickt, die ihn in eine ungewollte und uneingestandene Nähe zum spekulativen Idealismus bringen. Nicht nur Fichte, sondern bis in die Worte hinein ist an der zitierten Stelle Hegel hörbar. Seine Kritik an der „Positivität“(2) der Begriff der Selbstentfremdung, die Bestimmung des Geistes als Selbsterkenntnis im Anderssein lassen sich leicht von diesem Diltheyschen Satz aus ableiten, und man fragt sich, wo eigentlich die Differenz bleibt, die die historische Weltansicht gegenüber dem Idealismus betonte und die Dilthey erkenntnistheoretisch zu legitimieren unternahm. Diese Frage verstärkt sich, wenn man die zentrale Wendung bedenkt, mit der Dilthey das Leben, diese Grundtatsache der Geschichte, charakterisiert. >Lebensphilosophie/Dilthey. 1. Dilthey, Ges. Schriften VIl, 148. 2. Hegels theologische Jugendschriften, ed. Nohl, S. 139f. |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Gegebenes | Geisteswissenschaften | Gadamer I 231 Gegebenes/Geisteswissenschaften/Dilthey/Gadamer: Der Begriff des Gegebenen ist [in den Geisteswissenschaften] von grundsätzlich anderer Struktur [als in den Naturwissenschaften]. Es zeichnet die Gegebenheiten der Geisteswissenschaften gegenüber denen der Naturwissenschaften aus, »daß man alles Feste, alles Fremde, wie es den Bildern der physischen Welt eigen ist, wegdenken muss von dem Begriff des Gegebenen auf diesem Gebiet«(1). Alles Gegebene ist hier hervorgebracht. Dilthey: Der alte Vorzug, den schon Vico den geschichtlichen Gegenständen zusprach, begründet nach Dilthey die Universalität, mit der das Verstehen sich der geschichtlichen Welt bemächtigt. Gadamer: Die Frage ist jedoch, ob auf dieser Basis der Übergang vom psychologischen zum hermeneutischen Standpunkt wirklich gelingt oder ob sich Dilthey dabei in Problemzusammenhänge verstrickt, die ihn in eine ungewollte und uneingestandene Nähe zum spekulativen Idealismus bringen. Nicht nur Fichte, sondern bis in die Worte hinein ist an der zitierten Stelle Hegel hörbar. Seine Kritik an der „Positivität“(2) der Begriff der Selbstentfremdung, die Bestimmung des Geistes als Selbsterkenntnis im Anderssein lassen sich leicht von diesem Diltheyschen Satz aus ableiten, und man fragt sich, wo eigentlich die Differenz bleibt, die die historische Weltansicht gegenüber dem Idealismus betonte und die Dilthey erkenntnistheoretisch zu legitimieren unternahm. Diese Frage verstärkt sich, wenn man die zentrale Wendung bedenkt, mit der Dilthey das Leben, diese Grundtatsache der Geschichte, charakterisiert. >Lebensphilosophie/Dilthey. 1. Dilthey, Ges. Schriften VIl, 148. 2. Hegels theologische Jugendschriften, ed. Nohl, S. 139f. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Gegebenheitsweise | Dummett | I 87 Weise des Gegebenseins/Dummett: Ein Gegenstand muss in einer bestimmten Weise gegeben sein, der Sinn nicht - wir können nicht alles auf einmal fassen. I 89 Gegebenheitsweise/Fraassen: nicht Bestimmung des Wahrheitswertes, sondern der Wahrheitsbedingungen. III (c) 133 Sinn/Frege/Dummett: durch die Gegebenheitsweise (Weise des Gegebenseins, Intension) konstituiert - nicht mit ihr identisch. >Sinn, >Fregescher Sinn, >Verstehen, >Intensionen, >Intensionalität. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Gegebenheitsweise | Schiffer | I 53 Gegebenheitsweise/GWeise des Gegebenseins/propositionale Theorie/Schiffer. Variante: statt "Henry glaubt, dass dieses Mädchen klug ist". (Index-Wort). (Em)m ist eine Gegebenheitsweise dieses Mädchens & B(Henry, ) Problem: Das sagt uns nicht, welche Proposition Henry glaubt, sondern nur, dass er irgendeine glaubt. - Das ist ein bekannter Zug in der propositionalen Theorie. >Propositionen, >Überzeugungen, >Opazität, >Inhalt, >Indexwörter. I 277 Identität/Weise des Gegebenseins/Gegebenheitsweise/Schiffer: Lösung: Man kann einfach widersprüchlichen Glauben annehmen ("dog aber nicht shmog") - wie Bsp Supermann/Clark Kent: (Lois Lane glaubt, dass Kent identisch mit sich selbst ist.) Problem: Das kann man nicht für Natürliche-Art-Begriffe annehmen, ohne es auch gleichzeitig auch für singuläre Termini in Dass-Sätzen zuzugestehen! - ((s) Also für alles). - >Arthritis/Shmarthritis, >Externalismus. "Fido"-Fido-Theorie: erklärt, warum .. dogheit.. und ... shmogheit.. nicht auf die gleiche Proposition referieren - (trotz Extensionsgleichheit): weil Tanya nicht glaubt, dass shmogs Hunde sind. Nathan SalmonVs alle anderen Autoren: pro Prinzip "Fido" = Fido. >"Fido"= Fido-Prinzip. |
Schi I St. Schiffer Remnants of Meaning Cambridge 1987 |
| Gegenstände | Dewey | Suhr I 123 Objekt/Gegenstand/Dewey: Das Objekt der Erkenntnis soll erst noch entstehen Dewey: "eventual object": Es besteht noch nicht vor dem Akt der Erkenntnis. >Pragmatismus; vgl. >Intuitionismus. |
Dew II J. Dewey Essays in Experimental Logic Minneola 2004 Suhr I Martin Suhr John Dewey zur Einführung Hamburg 1994 |
| Gegenstände | Gadamer | I 305 Gegenstand/Denken/Gadamer: Ein wirklich historisches Denken muss die eigene Geschichtlichkeit mitdenken. Nur dann wird es nicht dem Phantom eines historischen Objektes nachjagen, das Gegenstand fortschreitender Forschung ist, sondern wird in dem Objekt das Andere des Eigenen und damit das Eine wie das Andere erkennen lernen. Der wahre historische Gegenstand ist kein Gegenstand, sondern die Einheit dieses Einen und Anderen, ein Verhältnis, in dem die Wirklichkeit der Geschichte ebenso wie die Wirklichkeit des geschichtlichen Verstehens besteht(1). Eine angemessene Hermeneutik hätte im Verstehen selbst die Wirklichkeit der Geschichte aufzuweisen. Ich nenne das damit Geforderte „Wirkungsgeschichte“. Verstehen ist seinem Wesen nach ein wirkungsgeschichtlicher Vorgang. >Wirkungsgeschichte/Gadamer, >Denken, >Welt/Denken, >Hermeneutik, >Verstehen. 1. Hier droht beständig die Gefahr, das Andere im Verstehen „anzueignen“ und damit in seiner Andersheit zu verkennen. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Gegenstände | Goodman | II 71 Mögliche Gegenstände: Eine wirkliche Farbe oder ein wirklicher Ort brauchen nicht zu allen Zeiten aufzutreten. Genauso wenig wie ein wirklicher Mensch ewig leben muss. (> Wirklichkeit). II 72 Gegenstand: Ein Gegenstand ist nicht Zeit-Ort, sondern ein "Summengegenstand" p+t; die Bestandteile haben keine Beziehung zueinander! So wie die Teile zweier Autos auf zwei Staßenseiten kein Auto bilden. (ähnlich Quine). >Ganzes, >Teile, >Teil-von-Relation, vgl. >Mereologie. II 72f Das Prädikat "Zeit-Ort" trifft zwar auf viele Gegenstände zu, die aus einem Ort und einer Zeit bestehen, aber nicht auf alle, z.B. nicht auf p+t. II 73f Mögliche Gegenstände/Goodman: Wirkliche Gegenstände sind eine kleinere Unterklasse der möglichen. "Möglicher Zeit-Ort" ist kein neuer wirklicher Gegenstand, sondern ein neues Prädikat für einen alten wirklichen Summengegenstand p+t. Das Prädikat "Zeit-Ort" trifft nicht auf p+t zu! Ähnlich wie "biegt" und "biegsam": p+t = "zeit-ort-bar". II 74 Fortsetzung/Prädikate: Aussage: "Zeit-Ort ist rot": zwei Fortsetzungen: Sie setzt die beiden Prädikate "rot" und "Zeit-Ort" auf p+t fort. Die möglichen Gegenstände und Prädikate verschwinden. Prädikate beziehen sich auf die Wirklichkeit, haben aber Extensionen, die sich auf ganz bestimmte Weise mit den Extensionen bestimmter manifester Prädikate zusammenhängen und gewöhnlich weiter sind. >Mögliche Welten, >Prädikate. |
G IV N. Goodman Catherine Z. Elgin Revisionen Frankfurt 1989 Goodman I N. Goodman Weisen der Welterzeugung Frankfurt 1984 Goodman II N. Goodman Tatsache Fiktion Voraussage Frankfurt 1988 Goodman III N. Goodman Sprachen der Kunst Frankfurt 1997 |
| Gegenstände | Hilbert | Berka I 117 Funktionenkalkül/Gegenstand/Hilbert: Bisher haben wir die Aussagen und logischen Funktionen scharf von den Gegenständen unterschieden. Aber es hindert uns nicht, die Prädikate und Aussagen selbst als Gegenstände zu betrachten, denen Eigenschaften zukommen und zwischen denen Beziehungen bestehen(1). >Kalkül, >Funktionenkalkül, >Funktionen, >Aussagen, >Aussagenfunktionen, >Prädikate, >Eigenschaften. 1. D. Hilbert und W. Ackermann: Grundzüge der theoretischen Logik, Berlin, 6. Aufl. Berlin/Göttingen/Heidelberg 1972, §§ 1,2. |
Berka I Karel Berka Lothar Kreiser Logik Texte Berlin 1983 |
| Gegenstände | Tugendhat | I 37f Gegenstand/Tugendhat: Def hypokeimen href="">on/Aristoteles: Subjekt von Prädikationen. "Alles und jedes ist ein Gegenstand«: das können wir nicht durch Vergleich vieler Gegenstände verifizieren - wir erfahren nicht durch Abstraktion, was ein "Gegenstand" ist. I 86 Analytische Philosophie/Tugendhat: VsVorstellung: Der Hauptangriffspunkt der analytischen Philosophie ist die Annahme von Vorstellungen. >Vorstellungen, >Mentale Zustände, >Mentale Objekte, >Mentalismus. I 88 Bsp Nicht: wen stellst du dir unter "Peter" vor, sondern wen meinst mit "Peter". Gegenstände stellen wir uns nicht vor, wie meinen sie. >Meinen. I 102 Dafür brauchen wir singuläre Termini statt Bilder. >Singuläre Termini, >Bilder. I 131 Gegenstand/Tugendhat: Statt dieses anstößigen Begriffs können wir auch von "Inhalt" sprechen, das wäre aber zu unklar. >Inhalt. I 141 TugendhatVsHusserl: Husserl scheitert an der Frage, wie Prädikate zu verstehen sind - wegen seines gegenstandstheoretischen Ansatzes. Falsch: Dem Satz entspräche ein Sachverhalt. >Edmund Husserl. I 246 Gegenstandstheorie/Tugendhat: Sachverhalte werden als Gegenstände aufgefasst. Gegenstandstheorie/Tugendhat: Verwendung eines Satzes als Darstellung oder Vorstellung eines Sachverhaltes. >Sätze. |
Tu I E. Tugendhat Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976 Tu II E. Tugendhat Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992 |
| Gegenstückrelation | Lewis | IV 52/53 Gegenstückrelation/GR/Lewis: Die Gegenstückrelation ist keine Äquivalenzrelation: Bsp Ich hätte einen Zwillingsbruder haben können. Bsp Dieser hat gar kein Gegenstück in einer möglichen Welt. Dagegen: Einheit: (personal oder körperlich) ist eine Äquivalenzrelation. IV 51 Multiple Gegenstücke/GS: Bsp einmal körperlich, einmal personales Gegenstück von mir. --- V 263 Gegenstückrelation: Teile von Gegenstücken müssen nicht Gegenstücke von Teilen sein und auch nicht umgekehrt. Zeitliche Segmente von Personen: Hier entstehen Gegenstücke eher durch intrinsische Ähnlichkeit. Personen als ganze: Hier entstehen Gegenstücke eher durch Ursprung und Rolle. >Gegenstücktheorie/Lewis |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Gegenstücktheorie | Lewis | IV 26f Gegenstücktheorie/Lewis: Die Gegenstücktheorie ist eine Alternative zu Modallogik mit Modaloperatoren. Dann haben wir keine uneliminierbaren singulären Termini. IV 27 Vier grundlegende Prädikate: Wx: x ist eine mögliche Welt ((s) >Menge/Lewis). Ixy: x ist in der möglichen Welt y ((s) >Enthaltensein, Elementbeziehung). Ax: x ist aktual ((s) >Existenz). Cxy: x ist ein Gegenstück von y ((s) >Entsprechung, Träger von Möglichkeiten, >Querwelteinidentität). Acht Postulate/logische Form: P1 : (x)(y)(Ixy > Wy) Alltagssprachliche Übersetzung: (Nichts ist in etwas außer einer Welt) P2: (x)(y)(z)(Ixy & Ixz. > y = z) (Nichts ist in zwei Welten) P3: (x)(y)(Cxy > E zIxz) (Was immer ein Gegenstück ist, ist in einer Welt) P4: (x)(y)(Cxy > E zlyz) (Was immer ein Gegenstück hat, ist in einer Welt) P5: (x)(y)(z)(Ixy & Izy & Cxz. > x = z) (Nichts ist ein Gegenstück von etwas in derselben Welt) P6: (x)(y)(Ixy > Cxx) (Jedes Ding in einer Welt ist Gegenstück von sich selbst) P7: (Ex)(Wx & (y)(Iyx ↔ (Ay)) Eine Welt beinhaltet alle und nur aktuale Dinge) P8: ExAx (Etwas ist aktual) Die Welt, die in P7 erwähnt ist, ist einzig, wegen P2 und P8. Welt/logische Form/wirkliche Welt/Lewis: - @ = def ix(y)(Iyx ↔ Ay)(die aktuale Welt). IV 28 Eine Gegenstückrelation ist im allgemeinen keine Äquivalenzrelation, d.h. sie gilt nicht zwischen den Paaren mit demselben ersten Term wie Carnap sagen würde. Lewis: Kein Ding ist in mehreren Welten egal wie man sie zu identifizieren versucht. Sie ist auch nicht transitiv, weil Ähnlichkeit nicht transitiv ist. Sie ist auch nicht symmetrisch: Bsp x3 in w3 ist eine Mischung von Ihnen und Ihrem Bruder, und ähnelt ihnen mehr als irgend etwas anderes in w3 so ist x3 Ihr Gegenstück. IV 29 Aber angenommen die Ähnlichkeit von x3 mit Ihrem Bruder ist viel größer, dann sind Sie nicht das Gegenstück von x3 - nicht in jeder Welt muss ein Ding ein Gegenstück haben. IV 42 Gegenstücktheorie/GT/Lewis: Gegenstückrelationen brauchen wir um das Wesen von etwas zu bestimmen. Problem: Gegenstückrelationen sind nicht sehr gesichert. Problem: > Ähnlichkeit. IV 44f Gegenstücktheorie/Lewis: Problem: Bsp zwei Zwillingspaare in verschiedenen möglichen Welten. Sie sind den beiden ähnlicher als jedes andere Ding. Frage: (doppelt de re): Hätten die ersten Zwillinge auch als nicht verwandte auf verschiedenen Planeten leben können? Einfach de re: Hätten die ursprünglichen beiden einfach nicht verwandt sein können (in derselben Welt)? Ob das kontraintuitiv ist, hängt davon ab, wie die Frage gestellt wird. Lewis: Doppelte de re Fragen sollten vermieden werden. Aus ihnen entstehen doppelte Gegenstückrelationen. Paare von Gegenstücken sollten nicht als Gegenstücke von Paaren aufgefasst werden. ((s) > Bsp Bizet/Verdi: Sie hätten Landsleute sein können, wenn a) Bizet Italiener und b) Verdi Franzose gewesen wäre. Welche Welt ist näher an unserer Welt? Daher ist eine Ähnlichkeitsmetrik für mögliche Welten nicht verfügbar.) IV 54 Referentiell transparent/de re/modal/normale Gegenstücktheorie/Lewis: In meiner Gegenstücktheorie sind alle modalen de re Prädikationen referentiell transparent, d.h. etwas hat dieselben Gegenstücke, egal wie wir auf sie referieren. --- V 20 Gegenstücktheorie/Lewis: Aus der Gegenstücktheorie folgt, dass dem wirklichen Imperator nicht freisteht, ob er den Rubikon überquert oder nicht - nur sein Gegenstück könnte es unterlassen. Gegenstückrelation (GR) und Nähe von möglichen Welten sind gleichermaßen eine Sache der Ähnlichkeit, aber sie sind unabhängig voneinander. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Gegenstücktheorie | Plantinga | Schwarz I 57 Gegenstück/Gegenstücktheorie/PlantingaVsLewis/PlantingaVsGegenstück Theorie: (1974(1),115f,1987(2),209): Lewis zufolge hätten (...) alle Dinge streng genommen all ihre Eigenschaften essentiell, da es keine mögliche Welt gibt, in der sie selbst, (nicht nur irgendwelche Stellvertreter) andere Eigenschaften haben. >Wesen, >Essentialismus, >Eigenschaften, vgl. >Kontingenz, >Mögliche Welten. Bsp Wäre es heute ein Grad kälter, würden wir alle nicht existieren, weil dann eine andere Welt wirklich wäre, und keiner von uns wäre dort. ((s) Nach Lewis existiert kein Ding in zwei Welten). >Gegenstücke/Lewis, >Gegenstücke, >Gegenstückrelation. Ähnlich Kripke: KripkeVsGegenstück Theorie/KripkeVsLewis: Bsp Wenn wir sagen „Humphrey hätte die Wahl gewinnen können“ reden wir nach Lewis eben nicht von Humphrey, sondern von jemand anderem. Und nichts könnte ihm gleichgültiger sein („he couldn’t care less“). (Kripke 1980(3),44f). Gegenstück/GT/SchwarzVsKripke/SchwarzVsPlantinga: Die beiden Einwände missverstehen Lewis: Lewis behauptet nicht, dass Humphrey die Wahl nicht hätte gewinnen können, im Gegenteil: „er hätte die Wahl gewinnen können“ steht genau für die Eigenschaft, die jemand hat, wenn eins seiner Gegenstücke die Wahl gewinnt. Diese Eigenschaft hat Humphrey, kraft seines Charakters. (1983d(4),42). >Modale Eigenschaften, >Kontrafaktisches. Eigentliches Problem: Wie macht Humphrey das, dass er in der und der Welt die Wahl gewinnt? Plantinga: Humphrey hätte gewonnen, wenn der entsprechenden Welt (dem Sachverhalt) die Eigenschaft des Bestehens zukäme. >Sachverhalte, >Situationen, >Tatsachen. Lewis/Schwarz: Diese Frage hat mit den Intuitionen auf die sich Kripke und Plantinga berufen, nichts zu tun. 1. Alvin Plantinga [1974]: The Nature of Necessity. Oxford: Oxford University Press 2. Alvin Plantinga [1987]: “Two Concepts of Modality: Modal Realism and Modal Reductionism”. Philosophical Perspectives, 1: 189–231 3. Saul A. Kripke [1980]: Naming and Necessity. Oxford: Blackwell 4. D- Lewis [1983d]: Philosophical Papers I . New York, Oxford: Oxford University Press |
Plant I A. Plantinga The Nature of Necessity (Clarendon Library of Logic and Philosophy) Revised ed. Edition 1979 Schw I W. Schwarz David Lewis Bielefeld 2005 |
| Gegenwart | Chisholm | I 81 Zeit/Chisholm: Gegenwart: einzige Zeit, die besteht. - "Jetzt" ist redundant - Zeiten: Unterarten von Sachverhalten, die entweder bestehen oder nicht bestehen - (s.o: ChisholmVs "Zeiten" als Entitäten) - Erkennen der Gegenwart: wenn ich weiß, dass es regnet weiß ich, dass die gegenwärtige Zeit eine ist, in der es regnet. - Zeiten: Konjunktionen von Ereignissen oder Sachverhalten (nicht als Entität sondern als Sachverhalt). - "Damals": redundant: "er schrieb sich um 2 Uhr die Eigenschaft zu, so zu sein, dass es 4 Uhr war. >Gegenwart, >Zukunft, >Vergangenheit, >Zeit. |
Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |
| Gehalt | Brandom | I 139ff Gehalt/Brandom: jeder Gehalt leitet sich aus dem Gehalt möglicher Urteile ab. I 145 Semantischer Gehalt: Rolle in der Bestimmung von Richtigkeiten der Praxis - Grundlage: inferentielle Relationen - wer über Gehalt verfügt, ist Normen unterworfen. >Normen. Frege: Begriffe aus Urteilen. >Urteil. I 150f Gehalt/Brandom: darf Begriffe und semantischen Gehalt nicht voraussetzen - Reaktion ohne Gehalt: Bsp Eisen rostet bei Nässe - Lösung: inferentielle Rolle - Bsp Messen: Instrument hat keine Begriffe I 316 Umstände/Gehalt/Brandom: was ein Interpret für die Umstände hält, ist ein wesentliches Merkmal des empirischen Gehalts I 479 Gehalt/Brandom: muss im Kontext die Umstände festlegen, unter denen man zu einer Festlegung berechtigt ist. >Kontext, >Umstände. Gehalt durch Richtigkeit von Inferenzen: drei Probleme: 1. Funktionale Verknüpfungen gibt es nicht nur innersprachlich sondern auch zur Welt 2. Sätze haben oft signifikante Teile, die keine Propositionen ausdrücken 3. Es wird bei der Analyse auch repräsentationales Vokabular gebraucht (>Referenz/Brandom). I 530 Gehalt/Brandom: Der eines Ausdrucks wird durch die Menge der einfach materialen substitutionsinferentiellen Festlegungen (EMSIFs) bestimmt, die die Substitutionsinferenzen regeln (Reichhaltigkeit). - Neues Vokabular muss durch EMSIFs mit dem alten verbunden werden. >Emsifs. I 566 Gehalt/Brandom: (von Sätzen): der explizite Ausdruck der Relationen zwischen Sätzen, die teilweise konstitutiv dafür sind, dass Sätze gehaltvoll sind, kann als Gehalt von Sätzen angesehen werden - die Gehalte, die durch Praktiken der Gemeinschaft auf die Sätze übertragen werden, stehen untereinander systematisch in Beziehungen derart, dass sie als Produkte der Gehalte dargestellt werden können, die mit den subsententialen Ausdrücken verbunden sind. >Subsententiales. I 658 Gehalt/Brandom: Behauptungen werden ausgedrückt, deshalb sind Sätze propositional gehaltvoll - subsententiale Ausdrücke sind indirekt inferentiell gehaltvoll kraft ihrer Signifikanz durch Substitution - unwiederholbare Tokenings sind eingebunden in Substitutionsinferenzen und damit indirekt inferentiell gehaltvoll kraft ihrer Verbindung zu anderen Tokenings in einer Rekurrenzstruktur (Vererbung). >Substitution. I 664 Gehalt: es muss mindestens einen Kontext geben, in dem das Hinzufügen einer Behauptung nichttriviale Konsequenzen hat. II 13 Gehalt/Brandom: wird durch den Akt erläutert und nicht andersrum. II 35 Gehalt/Brandom: nichtinferentielle Umstände: (Wahrnehmungsumstände) bilden ein entscheidendes Element des Gehaltes eines Begriffes wie Rot - weiter Gehalt billigt die Inferenz von Umständen auf die Folgen der angemessenen Verwendung, ganz gleich, ob jene Umstände selbst wiederum in eng verstandenen inferentiellen Begriffen angegeben werden. I 698 Gehalt/Handlung/Brandom: Zustände und Handlungen erhalten dadurch Gehalt, dass sie - als Prämissen und Konklusionen - in Folgerungen, in Inferenzen eingebunden sind - (statt durch Repräsentation). |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Gehalt | Chalmers | I 203 Gehalt/Inhalt/Erlebnis/phänomenale Überzeugung/Chalmers: 1. Was greifen unsere Begriffe wie „Bewusstsein“ oder „rotes Erlebnis“ eigentlich (in einer gegebenen Welt) heraus? >Erleben, >Bewusstsein/Chalmers, >Referenz. 2. Was konstituiert den Inhalt dieser Begriffe, wird er durch die psychologische Natur allein bestimmt, oder auch durch die phänomenale? >Begriffe, >Phänomene. I 204 Zombie: Könnte ein Zombie dieselben Intensionen von Überzeugungen haben wie ich? >Zombies, >Intensionen. Wenn der Zombie einer begrifflichen Verwirrung unterliegt, könnte das genauso für mich gelten. Der Zombie könnte keine wahren oder falschen Urteile über Bewusstsein bei ihm selbst abgeben, aber auch nicht in Bezug auf mich! Denn er könnte den Begriff nicht richtig gebrauchen. Aber der Begriff des Bewusstseins unterscheidet sich von dem Begriff „Wasser“ insofern, als die „Bekanntschaft“ mit dem Gegenstand im Fall von Bewusstsein viel direkter ist. >Bekanntschaft, >Wissen wie, >Erste Person, >Fremdpsychisches, >Unkorrigierbarkeit. I 205 Erlebnis: Gibt es einen öffentlichen Sprachgebrauch, der z.B. den Begriff „Rotes Erlebnis“ regelt? >Sprachgebrauch. Problem: Vertauschte Spektren. >Vertauschte Spektren. Lösung: Standardbedingungen für Standardbeobachter. Außerdem wollen wir den Begriff nicht auf meine persönlichen Erlebnisse beschränken sondern jedermanns Erlebnisse betrachten können. >Beobachtung, >Standardbedingungen. I 206 Qualia: Sekundäre Intensionen sind nicht genug. Wir lernen auch etwas, wenn wir lernen, wie es ist etwas Rotes zu erleben: das Erlebnis von etwas Rotem hätte auch anders sein können, aber es ist so. Damit schränken wir den Raum der Möglichkeiten ein. Dazu brauchen wir aber verschiedene primäre Intensionen. Vgl. >Farbenforscherin Mary. I 207 Kommunikation/Qualia: Nur wenn andere auch solche Erlebnisse (unter relevanten kausalen Bedingungen) haben können, sind meine Qualia kommunizierbar. >Verstehen, >Intersubjektivität. Gehalt/Inhalt/Bewusstsein/Fazit/Chalmers: Überzeugungen über Erlebnisse sind zentral. Und diese können bei meinem Zombie-Zwilling nicht die gleichen sein wie bei mir. Aber dafür brauchen wir keine Kausaltheorie des Wissens. Wir können sogar unter Annahme eines Eigenschaftsdualismus auf Erlebnisse referieren. >Kausaltheorie des Wissens, >Eigenschaftsdualismus. |
Cha I D. Chalmers The Conscious Mind Oxford New York 1996 Cha II D. Chalmers Constructing the World Oxford 2014 |
| Gehalt | Dummett | Brandom I 509 Gehalt/Dummett: unterscheidet zwischen freistehenden und eingebundenen Gehalten. Wahrheitswert: bei Designiertheit: der freistehende Gehalt. Bei Multiwert: der eingebundene Gehalt. >Subsententiales, >Wortbedeutung, >Satzbedeutung, >Terminologie/Brandom. Brandom I 510 Der Substitutionsmechanismus wird hier auf Gehalte, nicht auf Formen angewendet. >Inhalt/Dummett. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Gehalt | Papineau | I 253 Trieb/Tier/Gehalt/Papineau: Zweck-Mittel-Denken//Papineau: Ebene 0: "Monomaten": Tue V Ebene 1: "Opportunisten": Wenn B, tue V >Zwecke/Papineau. I 248 Ebene 2: "Bedürftige": Wenn B und T, tue V Ebene 3: "Wähler": Wenn B1 und T1, tue V1, WENN T1 das dominierende Bedürfnis ist Ein vergleichender Mechanismus wird hier benötigt. Ebene 4: "Lerner": NACHDEM die Erfahrung gezeigt hat, dass B1, T1, und V1 zu einer Belohnung führen, dann...(wie 3). >Lernen. Ebene 2 zieht 3 nicht zwingend nach sich. Es kann etwas wie Buridans Esel geben, das zuverlässig funktioniert, wenn nur ein Trieb aktiviert ist. >Buridans Esel. Ebene 4: Hier spielen Triebe noch eine weitere Rolle: sie verstärken Verhalten, die zur Reduktion von Trieben führen. >Verhalten, >Triebe. I 254 Trieb/Gehalt/Papineau: Durch diese Komplexität ist es unsicher, was der genaue Gehalt ist, den Triebe repräsentieren. a) Soll er in den spezifischen Ergebnissen bestehen? b) oder in den unterschiedlichen Wirkungen? Papineau pro b). >Denken, >Tiere, >Tiersprache. |
Papineau I David Papineau "The Evolution of Means-End Reasoning" in: D. Papineau: The Roots of Reason, Oxford 2003, pp. 83-129 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Papineau II David Papineau The antipathetic fallacy and the boundaries of consciousness In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Papineau III D. Papineau Thinking about Consciousness Oxford 2004 |
| Gehirn | Deacon | I 45 Gehirn/Deacon: In der Koevolution von Sprache und Gehirn wurde das Verhältnis von Ursache und Wirkung insofern umgedreht, als die neue Fähigkeit der symbolischen Referenz (die allein der menschlichen Spezies vorbehalten ist) von der genetischen Weitergabe abgekoppelt wurde. >Symbolische Referenz, >Symbole/Deacon. Wenn es stimmt, dass es einen Selektionsdruck auf symbolverarbeitende Organismen gab, muss unsere einzigartige geistige Fähigkeit ebenfalls in diesen Begriffen verstanden werden. Dann sollte die Architektur unserer Gehirne auch systematische Abweichungen von der Architektur von Affengehirnen aufweisen. >Tiere, >Tiersprache. Größe: Größe ist nur ein unwesentliches Merkmal. Wichtiger ist die Umgestaltung, das Re-Engineering der Architektur. I 146 - 164 Gehirn/Lernen/Deacon: Gehirngröße hat wohl etwas mit Intelligenz zu tun, nur muss man außerdem viele weitere Faktoren berücksichtigen wie z.B. den Anteil an Gehirnkapazität, den die Kontrolle des Bewegungsapparates in Anspruch nimmt. >Lernen. I 164 Lernen zweiter Ordnung, d.h. das Entwickeln neuartiger Reaktionen auf neuartige Situationen entsteht nur in Organismen, die länger leben. In kurzlebigeren Arten würde sich eine solche Fähigkeit nicht auszahlen. >Verhalten. I 166 Kleine Hunde mit entsprechend kleinen Gehirnen sind in ihren Gehirnleistungen großen Hunden sehr ähnlich. Ihre Zerebralisierung (d.h. ihre Gehirnleistung relativ zu ihrem Gewicht) ist sogar etwas größer als die ihrer größeren Artgenossen. I 170 Zerebralisierung/encephalisation: Der Ursprung ihrer Zunahme bei Primaten liegt nicht im Kopf! Er liegt im relativ langsameren Wachstum ihrer Körper. I 183 Um Gehirne von Tieren mit denen von Menschen zu vergleichen, brauchen wir nicht allgemein Größenvergleiche, sondern wir müssen die Größen der einzelnen Teile des Gehirns vergleichen. Der Aufbau des Gehirns bzw. die Steuerung des relativen Größenwachtums einzelner Körperteile überhaupt wird durch homöotische Gene gesteuert. I 194 Das Gehirn passt sich während der Evolution an den restlichen Körper an. Das erklärt das ansonsten äußerst unwahrscheinliche Ergebnis, dass ein Hinzufügen weiterer Komponenten dieses extrem vernetzten Gebildes zu einer Zunahme an Funktionen führt und diese nicht vielmehr einschränkt. Lösung: Das Gehirn selbst wirkt systemisch an der Gestaltung seiner Teile mit. Neuronen sind - anders als andere Zellarten - für Kommunikation und damit einer Abstimmung der Funktion mit entfernten Zellen eingerichtet. Vgl. >Lernen/Hebb. I 195 So kann das Nervensystem selbst am Prozess seiner Konstruktion teilnehmen. Vgl. >Neuronale Netze. I 199 Xenotransplantation von Gehirnteilen zwischen verschiedenen Tierarten zeigten, dass Wachstum und Verschaltung mit fremdem Gewebe möglich ist. Die molekularen Prozesse sind bei den verschiedenen Tierarten identisch. I 202 In fremdem Gewebe beginnen Neuronen eine vermehrte Anzahl von Axone zu produzieren, von denen sich einige als weniger geeignet herausstellen und anschließend weniger genutzt werden. Das ist ein Darwin-artiger Prozess der selektiven Elimination. I 474 Deacon These: Die anfängliche unspezifische Verbindbarkeit und anschließende Konkurrenz der Verbindungen beeinflusst kognitive Prozesse durch Tendenzen in neuronaler Computation, die aus übergeordneten Mustern aufgrund von regionaler Aufteilung resultieren. So bilden sich Unterschiede zwischen den Arten heraus. Vgl. >Computation, >Informationsverarbeitung/Psychologie. I 205 Zellen in verschiedenen Hirnregionen haben ihre Verbindungen nicht zuvor diktiert bekommen und können sich in verschiedenen Richtungen spezialisieren. Buchstäblich passt sich jede sich entwickelnde Hirnregion dem Körper an, in dem sie sich befindet. I 207 Verschiebung/displacement/Deacon: Wenn eine genetische Variation die relative Größe einer Population von Nervenzellen stärkt, wird eine Verschiebung der Axone von kleineren zu größeren Regionen stattfinden. I 212 Wir müssen nicht über besondere Gehirnfunktionen spekulieren, die allein dem Menschen vorbehalten sind, wenn wir die Verschiebung verstehen, die nicht von der schieren Größe des Gehirns abhängig ist. Die Weichenstellungen für die Aufteilung von Regionen für die individuellen Gehirnfunktionen geschehen kurz nach der Geburt. I 213 Die Ausbildung und Differenzierung der Gehirnregionen des Menschen verläuft entlang der Ausbildung der Funktionen seiner Körperglieder und übrigen Körperfunktionen wie Augen, Ohren, Bewegungsapparat. Diese Ausbildung verläuft ganz anders als die im Fall von z.B. kleinen und großen Hunden. I 214ff Gedankenexperiment: Angenommen, ein menschliches Embryogehirn werde in einen gigantischen Affenkörper transplantiert. Man kann ziemlich genau vorhersagen, welche Gehirnregionen sich wie entwickeln, angepasst an die Körperfunktionen und ihre relative Ausprägung. Dabei sind Faktoren wie die abweichende Größe der Netzhaut oder Konkurrenz der Gehirnzellen um die Steuerung von Muskelzellen entscheidend. Diese Veränderungen sind keine isolierten Adaptionen. I 220 Sprache/Gehirn/Deacon: These: Zunehmende Vokalisierung kann zurückverfolgt werden in motorische Projektionen des Mittelhirns und des Hirnstamms, während das symbolische Lernen auf die Ausdehnung des präfrontalen Cortex und die Konkurrenz um Synapsen überall im Gehirn zurückgeführt werden kann. DeaconVsTradition: Man nahm früher an, dass z.B. Musiker eine besonders große Hirnregion für die Verarbeitung auditiver Signale haben. Das hat sich als falsch herausgestellt. I 221 Es findet Konkurrenz sowohl zwischen zentralen und peripheren als auch zwischen benachbarten Hirnregionen statt. Eine Selektion findet nicht nur im Hinblick auf Regionen, sondern auch im Hinblick auf Funktionen statt. >Selektion. I 253 Sprache/Säugetiere/Deacon: Dass die meisten Säugetiere nicht sprechen können liegt daran, dass die Verbindung zwischen dem Motorcortex und den vokalen Steuerungsinstanzen im Stammhirn während der frühen Entwicklung beschnitten wurden. I 267 Im Gehirn sind die Operationen für die Organisation der kombinatorischen Relationen, die Symbolgebrauch und Assoziationen ordnen, im präfrontalen Cortex angesiedelt. I 277 Das Kleinhirn ist sehr schnell bei der Bildung von Vorhersagen. Eine Verlinkung mit dem Kleinhirn ist z.B. günstig für schnelle Konjugationen, die bei der Bildung von Sätzen gebraucht werden. Der präfrontale Cortex ist dann für ein Herausfiltern der richtigen Assoziationen zuständig. I 343 Gehirn/Mensch/Evolution: Was entscheidend ist, ist nicht ein absolutes Größenwachstum des Gehirns sondern ein Größenwachstum relativ zu einer Zunahme der Körpergröße innerhalb von Arten. Und wir können feststellen, dass es neben diesem relativen Größenwachstum im Fall des Menschen zu einer Größenzunahme des präfrontalen Cortex bekommen ist. Dies entspricht einer Verschiebung von Lerndispositionen. I 345 Diese Entwicklung kann nur in Begriffen der Baldwinschen Evolution (Baldwin-Effekt) verstanden werden. Vgl. >Evolution/Deacon. I 346 Werkzeuggebrauch/Deacon: Werkzeuggebrauch wird von Individuum zu Individuum weitergegeben, d.h. gelernt und ist kein Merkmal, das sich in der Gehirnstruktur wiederfindet. >Kultur, >Natur, >Evolution. I 347 Die ersten Werkzeuge wurden von Lebewesen gebraucht, deren Gehirn für den Symbolgebrauch nicht gut angepasst war. Versuche mit Affen wie Kanzi zeigen aber, dass auch solche Gehirne mit erheblichem sozialem Training imstande sind, Symbolgebrauch zu lernen. >Symbole/Deacon. |
Dea I T. W. Deacon The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998 Dea II Terrence W. Deacon Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013 |
| Gehirn | Gershenfeld | Brockman I 166 Gehirn/Computer/Gershenfeld: (...) Sowohl Gehirne als auch Computerchips sind schwer zu verstehen, wenn man ihr Innenleben beobachtet; sie lassen sich nur durch die Beobachtung ihrer externen Schnittstellen leicht interpretieren. Wir kommen zu dem Schluss, dass wir Gehirnen und Computerchips gleichermaßen vertrauen (oder auch nicht), basierend auf Erfahrungen, die sie testen, und nicht auf Erklärungen, wie sie funktionieren. >Verifikation, >Überprüfung, >Funktion, >Funktionale Erklärung. Brockman I 167 Was an Aminosäuren interessant ist, ist, dass sie nicht interessant sind. Sie haben typische, aber nicht ungewöhnliche Eigenschaften, wie z.B. das Anziehen oder Abweisen von Wasser. Aber nur zwanzig Arten von ihnen reichen aus, um dich zu erschaffen. Ebenso reichen etwa zwanzig Arten von Bauteiltypen digitalen Materials - leitfähig, isolierend, starr, flexibel, magnetisch, etc. -aus, um den Funktionsumfang, welcher benötigt wird, um moderner Technologien wie Roboter und Computer zu erschaffen, zusammenzustellen. >Roboter, >Technologie, >Computer, >Computermodell, >Computation. Gershenfeld, Neil „Scaling”, in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press. |
Brockman I John Brockman Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019 |
| Gehirn/ Gehirnzustand | Bieri | Metzinger I 65 Gehirn/Bieri: Bsp Angenommen, es gibt einen Fremdenführer durch unser Gehirn, der uns bei einer Besichtigung alles erklärt. "Es ist eine Gesetzmäßigkeit der Natur, dass dann, wenn hier bestimmte Prozesse ablaufen, der Mensch eben bestimmte Dinge empfindet". Bieri: Das ist gar nicht unser Problem, wir bezweifeln nicht, dass es Gesetzmäßigkeiten und Notwendigkeiten gibt. Was wir nicht verstehen ist, warum es sie gibt. Wir können nicht erkennen, was im Gehirn es notwendig macht, dass der Mensch etwas erlebt. >Bewusstsein/Chalmers. Der Fremdenführer fragt, was wollen sie wissen? a) warum ein bestimmtes Geschehen hier drin gerade dieses Erleben nach sich zieht, oder b) warum sich überhaupt ein Erlebnis einstellt? Bieri: Bei den beiden Fragen handelt es sich um ein und dasselbe Problem! I 69 Gehirn/Bewusstsein/Bieri: Unser Führer könnte uns einen detaillierten Schaltplan des Gehirns überreichen: "funktionale Architektur". "Sie könnten auch mit einem anderen Material verwirklicht werden". (Turing-Maschine). >Turing-Maschine, >Bewusstsein, >Denken, >Gehirn. Also: I 70 Zwischen Funktion und Erlebnisqualität gibt es nicht mehr inneren Zusammenhang als zwischen materieller Struktur und Erlebnisqualität. Fremdenführer: "Man darf das Gehirn nicht isoliert vom Körper betrachten" Bieri: Dann könnte man VsLeibniz sagen: 1. das Geschehen in der "Fabrik" bekommt einen kognitiven Gehalt dadurch, dass es gesetzmäßig mit Geschehnissen draußen verknüpft ist, die es kraft dieser Verknüpfung repräsentiert 2. dadurch, dass das fragliche Geschehen dem ganzen Menschen zu einem situationsangemessenen Verhalten verhilft. Aber: Unser Problem ist ja nicht Bedeutung, nicht kognitiver Gehalt, sondern Erlebnisgehalt! Metzinger I 71 Gehirn/Bewusstsein/Erleben/Bieri: Können wir uns nicht mit dem zufrieden geben, was wir haben: Kovarianz, Abhängigkeit, Determination? >Kovarianz, >Abhängigkeit, >Determinismus. Nein: wenn wir das fragliche Verstehen nicht erreichen, dann verstehen wir auch nicht, wie unser Erleben in unserem Verhalten kausal wirksam werden kann, damit verstehen wir unser eigenes Subjektsein nicht. >Verstehen, >Kausalerklärung, >Subjektivität, >Subjekte. Das physiologische Geschehen ist kausal lückenlos. Es gibt in dem Uhrwerk keine Stelle, an der Episoden des Erlebens nötig wären, damit es weiterläuft. D.h. es gibt eine vollständige komplette Kausalerklärung für alles, was in unserem Gehirn stattfindet, in der wir als Subjekte bzw. Menschen überhaupt nicht vorkommen! Daher scheint das Bewusstsein ohne Bedeutung für irgendeine Verursachung zu sein. Es könnte ebenso gut fehlen, und wir würden genauso durch die Welt stolpern, wie wir es tun. ((s) Wir müssten das Bewusstsein an etwas anderem erkennen). Unser gesamtes Verhalten könnte entfremdet sein. Das kann wegen der kausalen Lückenlosigkeit nicht ausgeschlossen werden. I 72 Kausalität/Bieri: Wenn wir sie rein physiologisch aufbauen, wissen wir, wie wir sie fortsetzen können, d.h. immer kleinteiliger werden. Das geht aber nicht, wenn die Erklärung mit einem Erlebnis beginnt. Dann müssen wir irgendwo auf die physiologische Ebene wechseln. Aber dann haben wir das Thema gewechselt! I 74 Gehirn/Bieri: Das Problem ist nicht, dass wir in der "Fabrik" etwas nicht sehen. Daraus könnte man nun folgern, dass es an irgendetwas anderem liegt... Vs: es ist aber nichts anderes denkbar! Aber das ist ja gerade die Hypothese, dass wir nichts anderes denken können. Diese Hypothese können wir nicht widerlegen. Es klänge aber abenteuerlich, dass diejenige Tatsachen, die fürs Erleben relevant sind, nichts zu tun haben mit den Tatsachen, die sonst fürs Funktionieren des Gehirns relevant sind. >Erlebnisse. Wir haben in Betracht gezogen: kausales Verstehen, strukturelles Verstehen, funktionales Verstehen, Verstehen des Ganzen aus Teilen. >Verstehen, >Funktion, >Struktur, >Teile, >Kausalität, >Kausalerklärung. |
Bieri I Peter Bieri Was macht Bewusstsein zu einem Rätsel? In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Bieri III P. Bieri Analytische Philosophie des Geistes Weinheim 2007 Metz I Th. Metzinger (Hrsg.) Bewusstsein Paderborn 1996 |
| Gehirn/ Gehirnzustand | Mayr | I 112 Gehirn/Mayr: Das menschliche Gehirn erlangte seine noch heute vorhandenen Fähigkeiten vor etwa 100.000 Jahren. Alle Leistungen, auf die wir heute zurückblicken, wurden mit einem Gehirn erreicht, das von der Selektion nicht dafür herausgebildet wurde! Drei Gehirnregionen: 1. Für Reflexe ("geschlossene Programme"). 2. Informationsaufnahme ("offene Programme"), Sprachen, Normen, Verhalten. Einmal aufgenommenes wird schwer verlernt. "Einfache Prägung": 3. Noch nicht festgelegte Regionen, "Erinnerung", "Speicherung". I 309 Gehirnvolumen/Evolution/Mayr: Australopithecus: 400 - 500 cm³ (wie Menschenaffe) Homo erectus 750 - 1250cm³. Wirklich größere Gehirne gibt es erst in den letzten 150.000 Jahren. I 309 Sprache/Tier/Mayr: Unter Tieren gibt es keine Sprache. Kommunikationssysteme bestehen hier im Austausch von Signalen. Syntax und Grammatik gibt es nicht. >Tiere, >Tiersprache, >Signale, >Signalsprache, >Grammatik, >Syntax. I 310 Sprache/Gehirn: Könnte das Fehlen von Sprache ein Grund dafür sein, dass die Neandertaler ihr Gehirn nicht besser ausnutzten? Sprache: Entwickelte sich vor etwa 300.000 - 200.000 Jahren in kleinen Gruppen von Jägern und Sammlern aufgrund eines Selektionsvorteils. Günstige Lage für Größenzunahme des Gehirns. >Sprache, >Sprachentstehung, >Denken ohne Sprache. I 311 Gehirn: Ein Faktor, der zum Stillstand der Gehirnentwicklung führte, war vielleicht die Vergrößerung der Gruppe. In größeren Gruppen ist der Fortpflanzungsvorteil eines besser ausgestatteten Führers geringer, diejenigen mit kleineren Gehirnen genießen besseren Schutz, längeres Leben und größeren Fortpflanzungserfolg. Stillstand: Soziale Integration der Menschen trug zwar enorm zur Evolution der Kultur bei, läutete aber vielleicht eine Periode des Stillstands in der Evolution des Genoms ein. >Evolution. Geist: begriffliche Verwirrung: falsche Beschränkung auf die mentalen Aktivitäten des Menschen. >Geist, >Denken, >Menschen, >Intentionalität, >Handeln. Tier/Geist: Man hat nachgewiesen, dass zwischen den mentalen Aktivitäten bestimmter Tiere (Elephanten, Hunde, Wale, Primaten, Papageien) und denen des Menschen kein kategorialer Unterschied besteht. >Tiere, >Tiersprache. I 312 Bewusstsein/Tier: Gleiches gilt für das Bewusstsein, das in Ansätzen sogar bei Wirbellosen und möglicherweise Protozoen zu finden ist. >Bewusstsein. Geist/Mayr: Es gab einfach keine plötzliche Emergenz des Geistes. >Emergenz. |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Gehirn/ Gehirnzustand | Wittgenstein | II 217 Geistzustand/mentaler Zustand/Bedeutung/Denken/Wittgenstein: Es gibt keinen Geistzustand, für den die Wörter stehen - Wissen ist kein bestimmter Geistzustand. - Erinnern ist kein bestimmter Geistzustand. - Bsp William James: "traurig sind wir, weil wir weinen". >Geist, >Erinnerung, >Denken. II 217 Geistzustand/mentaler Zustand/Bedeutung/Denken/Wittgenstein: Oft wird in der Philosophie fälschlich angenommen, es gebe einen besonderen Geisteszustand, für den ein Wort steht. >Wörter. Diese Schwierigkeiten werden geringer, je weiter man sich von den Geisteszuständen entfernt und zu den Tätigkeiten übergeht. Es ist nicht ein bestimmter Geisteszustand, der beim Wissen eine Rolle spielt. Dasselbe gilt für das Erinnern. Bsp vgl. dies mit William James Beobachtung, dass wir "traurig sind, weil wir weinen" dass das Weinen keine unwesentliche Begleiterscheinung eines amorphen Zustandes ist. II 218 Geistzustand/mentaler Zustand/Absicht//Wittgenstein: Gewilltsein wird oft für einen speziellen Geisteszustand erhalten. Ist es ein empirischer Zusammenhang? Beim Gewilltsein "A zu singen", muss man wissen, was man zu tun gewillt ist, denn es gibt hier keine weiteren Belege von der Art "auf diesen Geisteszustand folgte häufig A". >Intention, >Absicht. Im gewöhnlichen Sinne stehen jedoch das Gewilltsein und das, was man zu tun gewillt ist, in keinem derartigen Zusammenhang. Es scheint hier kein Zwischenglied zu geben. II 219 Das Gewilltsein soll die Handlung in sich bereits enthalten. Das Gewilltsein, etwas vorzusingen, soll zugänglich sein wie das Für sich selbst Singen. Hier gibt es noch einen Übergang vom Schweigen zum Singen, der erst zu vollziehen ist. Es besteht ein sehr großer Unterschied zwischen der Vorbereitung darauf, das und das zu tun, und dem, was getan werden soll. Doch was hat das eine mit dem anderen zu tun, wenn die Vorbereitung etwas anderes ist als das, worauf man sich vorbereitet? ((s) Siehe auch Plan/Rawls, Plan/Tinbergen). II 220 Dass wir uns vorbereiten, ist aber keine Hypothese. Wir sagen nicht, wir glauben dass wir uns darauf vorbereiten. Wenn man ein Werkstück vorbereitet, ergibt sich keine derartige Verwirrung. II 221 Erwartung: Der Fehlschluss, zu dem wir verleitet werden, ist der Gedanke, dass wir nur dann wissen, was wir erwarten, wenn das Erwartete bereits eingetreten ist. Man kann sich aber auch vorbereiten zu singen, ohne es dann wirklich zu tun. >Erwartung. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 |
| Gehirne im Tank | Chalmers | I 75 Gehirne im Tank/Skeptizismus/Chalmers: auch Probleme mit Gehirnen im Tank wie mit der Kausalität (>Humesche Welt/Chalmers) entstehen aus Gründen der logischen Supervenienz, weil Tatsachen über die äußere Welt nicht logisch auf Tatsachen über unser Erleben supervenieren. >Supervenienz/Chalmers, >Erleben. |
Cha I D. Chalmers The Conscious Mind Oxford New York 1996 Cha II D. Chalmers Constructing the World Oxford 2014 |
| Gehirne im Tank | Davidson | Rorty VI 166 Gehirne im Tank/GIT/Davidson/Rorty: wenn sie immer schon im Tank waren, haben sie eine Menge Überzeugungen bezüglich ihrer faktischen Tank-plus-Computer-Umwelt, einerlei was für Input sie empfangen. Rorty VI 230 Gehirne im Tank/Davidson/Rorty: Gehirne im Tank haben in den meisten Fällen recht mit ihren Annahmen. Sie sind gar nicht dazu imstande, sich zu fragen, ob sie wirklich im Sessel vor dem Kaminfeuer sitzen: um so etwas zu fragen, muss man schon etwas über die Dinge wissen, d.h. in kausalem Zusammenhang mit ihnen stehen. Die Gehirne wissen schon vieles, und vieles von dem, worüber sie etwas wissen, ist eben ihre Tank-Computer-Umgebung. Rorty VI 230 Traum/Davidson: der Träumende glaubt größtenteils die richtigen Dinge. Obwohl er sich z.B. darüber irrt, welche spezifischen wirklichen Dinge ihn in diesem spezifischen Augenblick umgeben. Vgl. >Träume/Psychologische Theorien. |
Davidson I D. Davidson Der Mythos des Subjektiven Stuttgart 1993 Davidson I (a) Donald Davidson "Tho Conditions of Thoughts", in: Le Cahier du Collège de Philosophie, Paris 1989, pp. 163-171 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (b) Donald Davidson "What is Present to the Mind?" in: J. Brandl/W. Gombocz (eds) The MInd of Donald Davidson, Amsterdam 1989, pp. 3-18 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (c) Donald Davidson "Meaning, Truth and Evidence", in: R. Barrett/R. Gibson (eds.) Perspectives on Quine, Cambridge/MA 1990, pp. 68-79 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (d) Donald Davidson "Epistemology Externalized", Ms 1989 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (e) Donald Davidson "The Myth of the Subjective", in: M. Benedikt/R. Burger (eds.) Bewußtsein, Sprache und die Kunst, Wien 1988, pp. 45-54 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson II Donald Davidson "Reply to Foster" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Davidson III D. Davidson Handlung und Ereignis Frankfurt 1990 Davidson IV D. Davidson Wahrheit und Interpretation Frankfurt 1990 Davidson V Donald Davidson "Rational Animals", in: D. Davidson, Subjective, Intersubjective, Objective, Oxford 2001, pp. 95-105 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Gehirne im Tank | Nozick | II 175 Gehirne im Tank/GIT/Nozick: Obwohl die Überzeugung des Gehirns, dass es im Tank ist, richtig verursacht ist, ist die Person nicht empfänglich für diese Tatsache. >Gehirne im Tank/Putnam, >Referenz/Putnam, >Bedeutung. Empfänglichkeit würde Kovarianz von Glauben und Tatsachen erfordern. >Kontrafaktisches Konditional: Wenn die Gehirne nicht im Tank wären, würden sie es nicht glauben. II 210 Gehirne im Tank/Nozick: Wir stehen hier nicht in Verbindung zu einer Tatsache, dass wir nicht im Tank sind, auch wenn wir nicht im Tank sind. - ((s) Auch wenn es eine solche Tatsache gibt). Vgl. >Nonfaktualismus II 244 Gehirne im Tank/Skeptizismus/NozickVsSkeptizismus: Der Skeptizismus fordert etwas zu starkes: Es soll ein q ("Wir sind im Tank") geben, so dass es mit jedem p inkompatibel ist. >Skeptizismus. Dagegen trifft das schwächere zu: für jedes p gibt es irgend etwas, das mit ihm inkompatibel ist. - (Quantoren vertauscht). >Stärker/schwächer. |
No I R. Nozick Philosophical Explanations Oxford 1981 No II R., Nozick The Nature of Rationality 1994 |
| Gehirne im Tank | Rorty | VI 165 Gehirn/Davidson/Rorty: Das Gehirn kann überhaupt nicht den Kontakt zur Außenwelt verlieren. Es ist ohne Belang, ob es ein Gehirn im Tank ist! Das gilt auch für den Geist: Er muss immer mit etwas verbunden sein. Das kann auch durch eine mentalistische Neubeschreibung nicht negiert werden. >Intentionalität, >Referenz, >Denken. VI 230 Gehirne im Tank/Davidson: haben in den meisten Fällen recht. - Sie sind gar nicht imstande sich zu fragen, ob sie vor dem Kamin sitzen, weil sie nicht in kausalem Zusammenhang mit Kaminen stehen. >Überzeugung/Davidson. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Gehirnsimulation | Bostrom | I 36 Gehirn-Simulation/Bostrom: Der gesamte Gehirn-Emulationspfad erfordert nicht, dass wir herausfinden, wie die menschliche Kognition funktioniert oder wie man eine künstliche Intelligenz programmiert. Es erfordert nur, dass wir die unteren Funktionseigenschaften der grundlegenden Rechenelemente des Gehirns verstehen. Für eine erfolgreiche Emulation des gesamten Gehirns ist kein grundlegender konzeptueller oder theoretischer Durchbruch erforderlich. Für die Emulation des gesamten Gehirns sind jedoch einige recht fortschrittliche Technologien erforderlich. Es gibt drei wesentliche Voraussetzungen: (1) Scannen: Hochdurchsatz-Mikroskopie mit ausreichender Auflösung und Nachweis relevanter Eigenschaften; (2) Übersetzung: automatisierte Bildanalyse, um die rohen Scanningdaten in ein interpretiertes dreidimensionales Modell relevanter neuroinformatischer Elemente zu verwandeln; und (3) Simulation: Hardware, die leistungsfähig genug ist, um die resultierende Berechnungsstruktur zu implementieren. I 39 Im Allgemeinen stützt sich die Emulation des gesamten Gehirns weniger auf theoretische Einsichten und mehr auf technologische Fähigkeiten als die künstliche Intelligenz. Wie viel Technologie für die Emulation des gesamten Gehirns erforderlich ist, hängt von der Abstraktionsebene ab, auf der das Gehirn emuliert wird. I 40 Ziele: Ziel ist es nicht, eine Gehirnsimulation zu erstellen, die so detailliert und genau ist, dass man damit genau vorhersagen könnte, was im ursprünglichen Gehirn geschehen wäre, wenn es einer bestimmten Abfolge von Stimuli ausgesetzt gewesen wäre. Stattdessen geht es darum, genügend von den rechnerisch funktionellen Eigenschaften des Gehirns zu erfassen, damit die resultierende Emulation intellektuelle Arbeit leisten kann. Zu diesem Zweck ist ein Großteil der komplizierten biologischen Details eines echten Gehirns irrelevant. I 43 Der Emulationspfad wird in naher Zukunft (z.B. innerhalb der nächsten fünfzehn Jahre [von 2014 ausgehend]) nicht erfolgreich sein, weil wir wissen, dass mehrere anspruchsvolle Vorläufertechnologien noch nicht entwickelt worden sind. |
Bostrom I Nick Bostrom Superintelligence. Paths, Dangers, Strategies Oxford: Oxford University Press 2017 |
| Gehorsam | Antike Philosophie | Gaus I 308 Gehorsam/Prinzipientreuer Ungehorsam/Antike Philosophie/Keyt/Miller: Die oberflächliche Vertragstheorie der Crito wirft sofort das Problem des prinzipientreuen Ungehorsams auf. >Vertragstheorie/Antike Philosophie, >Gesellschaftsvertrag/Antike Philosophie. Crito/Platon: Da der Pakt, dem Sokrates nach den Gesetzen von Athen "durch Taten, nicht durch Worte" (Cr. 52d) stillschweigend zugestimmt hat, nicht der Ursprung der Gerechtigkeit ist, verhindert nichts in dem Pakt, dass Gesetze und rechtmäßige Anordnungen ungerecht sind. In der Tat räumen die Gesetze ein, dass die rechtmäßige Ausführung des Sokrates ungerecht ist (Cr. 54bc). Es ist im Übrigen ein sokratischer Grundsatz, dass man niemals etwas Unrechtes tun darf (Cr. 49b). Problem: Nehmen wir nun an, dass der Mann, der den Schierling des Sokrates verwalten sollte, erkannte, dass die Hinrichtung des Sokrates ungerecht war. Würden ihm die personifizierten Gesetze von Athen erlauben, die gesetzliche Ordnung zu missachten? Sie bestehen schließlich darauf, dass sie keine wilden Befehle erteilen, sondern zwei Alternativen anbieten: Überreden oder gehorchen (Cr. 52a). (Wer weder das eine noch das andere tut, macht sich der Anwendung von Gewalt, der Antithese der "Persuasion", gegen Athen schuldig: Cr. 51c2.) "Persuasion": Die Auslegung der Doktrin des "Überredens oder Gehorchens" ist die zentrale Auslegungsfrage der Crito, und sie hat einen Berg von Kommentaren hervorgebracht. Autoritarismus: Die Interpretationen reichen von autoritär am einen Ende des Spektrums - "Ändere das Gesetz, wenn du kannst; wenn du nicht kannst, tu, was es befiehlt, oder wandere aus" - bis liberal am anderen Ende: Liberalismus: "Sie können ungehorsam sein, solange Sie gerecht handeln und überzeugend Rechenschaft über Ihr Handeln ablegen". Jeder Aspekt des "Überredens oder Gehorchens" wirft eine Frage auf. Welcher Art ist die Disjunktion? "Persuasion": An wen richtet sich Persuasion - an die Versammlung oder an die Volksgerichte? Gehorsam: Wem ist der Gehorsam geschuldet - dem Befehl eines Beamten, einem bestimmten Gesetz oder Dekret oder dem gesetzlichen Gaus I 309 System? "Persuasion": Was heißt es zu überreden? Ist es etwas auzuklügeln, um zu überzeugen oder erfolgreich zu überzeugen? Gilt es als Persuasion, wenn man eine gerechte Handlung angemessen darstellt, unabhängig davon, ob man jemanden überzeugt oder nicht? Crito/Platon: Die Auslegung des Crito wird noch dadurch erschwert, dass Sokrates in Platons Entschuldigung mehrere Fälle erwähnt, in denen er den Autoritäten nicht gehorchte oder nicht gehorchen würde (AP. 29c-d, 32a-e). (Fünf längere Studien über diese Angelegenheiten sind: Allen, 1980(1); Brickhouse und Smith, 1994(2); Kraut, 1984(3); Santas, 1979(4); und Woozley, 1979(5)). >Persuasion/Aristoteles, >Totalitarismus, >Zwang/Antike, >Verfassung/Platon, >Verfassung/Aristoteles, >Politik/Platon, >Politik/Aristoteles. 1. Allen, Reginald E. (1980) Socrates and Legal Obligation. Minneapolis: Umversity of Minnesota Press. 2. Brickhouse, Thomas C. and Nicholas D. Smith (1994) Plato 's Socrates. Oxford: Oxford University Press. 3. Kraut, Richard (1984) Socrates and the State. Princeton, NJ: Princeton University Press. 4. Santas, Gerasimos (1979) Socrates: Philosophy in Plato 's Early Dialogues. London: Routledge and Kegan Paul. 5. Woozley, A. D. (1979) Law and Obedience: The Arguments of Plato's Crito. Chapel Hill, NC: University of North Carolina Press. Keyt, David and Miller, Fred D. jr. 2004. „Ancient Greek Political Thought“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Gehorsam | Deutsch | Brockman I 123 Gehorsam/Künstliche Intelligenz/Deutsch: (...) Wie prüft man Gehorsam? Stellen Sie sich Ungehorsam als Pflichtschulfach vor, mit täglichen Ungehorsamkeitsstunden und einer Ungehorsamkeitsprüfung am Ende des Semesters. (Vermutlich mit Zusatzpunkten dafür, dass man für nichts von all dem aufgetaucht ist.) Das ist paradox. >Artificial General Intelligence/Deutsch, >Denken/Deutsch, >Verstehen/Deutsch. Deutsch, D. “Beyond Reward and Punishment” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press. |
Deutsch I D. Deutsch Die Physik der Welterkenntnis München 2000 Brockman I John Brockman Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019 |
| Gehorsam | Psychologische Theorien | Haslam I 120 Gehorsam/Milgram Experiment/Psychologische Theorien: (...) drei neue Ansätze für die experimentelle Untersuchung des Gehorsams wurden entwickelt, die es uns ermöglichen, echte Schäden anzugehen, ohne die Teilnehmer am Prozess zu schädigen. Vgl. >Milgram Experiment/Psychologische Theorien, >Vs Milgram. Haslam I 121 A. Die erste verwendet Virtual-Reality-Simulationen des Milgram-Paradigmas. In diesen wurde gezeigt, dass das Verhalten in diesen Simulationen dem entspricht, was im ursprünglichen Paradigma beobachtet wird (Slater et al., 2006)(1). B. Die zweite besteht darin, eine Technik namens Immersive Digital Realism zu verwenden, um Akteure zu trainieren, die Rolle normaler Teilnehmer am Milgram-Paradigma zu spielen (Haslam, Reicher und Millard, 2015)(2). C. Die dritte basiert auf der Beobachtung, dass das, was Menschen bei 150 Volt tun, ein sehr genauer Indikator dafür ist, ob sie bis zu 450 Volt gehorchen werden. Warum also nicht die Studien an der 150-Volt-Marke stoppen, wo man sehen kann, ob die Menschen gehorchen, ohne sie dazu zu bringen, tatsächlich etwas Schädliches zu tun? Dies war die Strategie, die Jerry Burger (2009a)(3) in seiner Replikation des Milgram-Paradigmas anwandte. Haslam I 121 1. Mehrere Autoren weisen auf die Notwendigkeit hin, die Bedeutung von Ungehorsam und Gehorsam zu berücksichtigen (Bocchario und Zimbardo, 2010(4); Dimow, 2004(5); Jetten und Mols, 2014(6); Passini und Morselli, 2009(7); Rochat und Modigliani, 1995(8)). 2. Eine Reihe von Analysen zeigen auf Merkmale der verschiedenen Beziehungen im Gehorsamkwitsparadigma, die helfen könnten, zu erklären, ob Menschen gehorchen oder nicht gehorchen. Wim Meeus und Quinten Raaijmakers (1995)(9) argumentieren zum Beispiel, dass Gehorsam nicht aus einer Unfähigkeit, wissenschaftlichen Autoritäten zu widerstehen, resultiert, sondern aus einer kulturellen Tendenz, sich mit dem Sozialsystem zu identifizieren, kombiniert mit einer Tendenz, sich nicht mit unseren Mitbürgern zu identifizieren, sondern sie in Form von spezifischen Rollenpositionen zu sehen - eine Analyse, die darauf hindeutet, dass sich die Teilnehmer in den Milgram-Studien auf den Lernenden beziehen, und zwar in Bezug auf die verschiedenen Rollen, die die beiden von ihnen einnehmen, und nicht in Bezug auf ihre gemeinsame Staatsbürgerschaft. 3. Rochat und Modigliani (1995)(8): beobachteten, dass die Dorfbewohner von Chambon Nachkommen der verfolgten protestantischen Minderheit in Frankreich (die Hugenotten) waren, was bedeutete, dass sie die kollaborative Vichy-Regierung mit ihren eigenen Verfolgern verglichen und die Gemeinsamkeiten zwischen ihnen und den Verfolgten gesehen haben. Ihre Analyse kommt zu dem Schluss, dass, sobald die Verfolger zu "ihnen" und die Verfolgten zu "uns" wurden, die Wahl, mit wem man sich zusammenschließt - ob man gehorchen oder sich der Autorität entziehen will - einfach wurde. Siehe auch Goldhagen (1996)(10). Haslam I 123 Reicher/Haslam: These: Wir schaden anderen insofern, als wir auf die Appelle böswilliger Behörden hören, die über denen ihrer Opfer liegen. Gleichzeitig gibt es nun konvergierende Hinweise darauf, dass dies etwas mit dem Ausmaß zu tun hat, in dem wir uns miteinander identifizieren (Haslam et al., 2014(11), 2015(2); Reicher und Haslam, 2011a(12); Reicher et al., 2012(13)). Es gibt insbesondere drei Bereiche, die in Zukunft behandelt werden müssen 1) Wir müssen untersuchen, wie sich unterschiedliche situative Regelungen auf die Gruppenbildung und Identifikation zwischen dem Teilnehmer und den verschiedenen Parteien innerhalb des Gehorsamkeitsparadigmas auswirken (Reicher und Haslam, 2011a(12), 2011b(14)). Haslam I 124 2) Wir müssen verstehen, welche Art von Appellen die Menschen auf die Seite des Experimentators und nicht des Lernenden stellen, sowie die Auswirkungen, die der eigene Diskurs der Teilnehmer auf ihre Fähigkeit hat, sich von diesen Parteien zu lösen. 3) Der Aspekt der Sprache: Nur eine der Ermahnungen, Bemerkungen ("prods") und Anweisungen, die der Experimentator in den Studien verwendet, ist ein direkter Befehl. In ihrer Replikationsstudie stellten Burger und Kollegen fest, dass sich die Teilnehmer jedes Mal, wenn der Experimentator diese endgültige Bemerkung von sich gab, weigerten, fortzufahren (Burger, Girgis und Manning, 2011(15)), und in kontrollierten eigenen Studien beobachten wir, dass die Bemerkung 4 ("Sie haben keine andere Wahl, sie müssen weitermachen.") eindeutig ineffektiv ist, um die Einhaltung der Vorschriften zu gewährleisten (Haslam et al., 2014(11), 2015(16)). Dies ist ein starker Beweis gegen die Vorstellung, dass die Teilnehmer an Milgrams Studien einfach nur Befehle befolgten. 1. Slater, M., Antley, A., Davison, A., Swapp, D., Guger, C., Barker, C., et al. (2006) ‘A virtual reprise of the Stanley Milgram obedience experiments’, PLoS ONE, 1: e39. 2 Haslam, S.A., Reicher, S.D. and Millard, K. (2015) Shock treatment: Using immersive digital realism to restage and re-examine Milgram’s ‘Obedience to Authority’ research. PLoS ONE, 1O(3):e109015. 3. Burger, J. (2009a) ‘In their own words: Explaining obedience through an examination of participants’ comments’. Paper presented at the Meeting of the Society of Experimental Social Psychology, Portland, ME, 15—17 October. 4. Bocchiaro, P. and Zimbardo, P.G. (2010) ‘Defying unjust authority: An exploratory study, Current Psychology, 29: 155—70. 5. Dimow, J. (2004) ‘Resisting authority: A personal account of the Milgram obedience experiments’, Jewish Currents, January. 6. Jetten,J. and Mols, F. (2014) 5O:5O hindsight: Appreciating anew the contributions of Mi1grams obedience experiments, Journal of Social Issues, 70: 587—602. 7. Passini, S. and Morselli, D. (2009) 1Authority relationships between obedience and disobedience &, New Ideas in Psychology, 27: 9 6—106. 8. Rochat, F. and Modigliani, A. (1995) 4The ordinary quality of resistance: From Milgram’s laboratory to the village of Le Chambon’, Journal of Social Issues, 51: 195—210. 9. Meeus, W.H.J. and Raaijmakers, Q.A. (1995) ‘Obedience in modem society: The Utrecht studies’, Journal of Social Issues, 5 1: 155—75. 10. Goidhagen, D. (1996) Hitler’s Willing Executioners: Ordinary Germans and the Holocaust. London: Little, Brown. 11. Haslam, S.A., Reicher, S.D. and Birney, M. (2014) ‘Nothing by mere authority: Evidence that in an experimental analogue of the Miigram paradigm participants are motivated not by orders but by appeals to science’, Journal of Social Issues, 70:473—88. 12. Reicher, S. and Haslam, S.A. (201 la) 4After shock? Towards a social identity explanation of the Milgram “obedience” studies’, British Journal of Social Psychology, 50: 163—9. 13. Reicher, S.D., Haslam, S.A. and Smith, J.R. (2012) 1Working towards the experimenter: Reconceptualizing obedience within the Milgram paradigm as identification-based followership’, Perspectives on Psychological Science, 7: 315—24. 14. Reicher, S.D. and Haslam, S.A. (201 lb) ‘Culture of shock: Milgram’s obedience studies fifty years on’, Scientific American Mind, 2 2(6): 3 0—5. 15. Burger, J.M., Girgis, Z.M., and Manning, C.C. (2011) ðln their own words: Explaining obedience to authority through an examination of participants’ comments’, Social Psychological and Personality Science, 2:460—6. 16. Haslam, S.A., Reicher, S.D. Millard, K. and McDonald, R. (2015) “Happy to have been of service”: The Yale archive as a window into the engaged followership of participants in Milgram’s “obedience” experiments’, British Journal of Social Psychology, 54: 55—83. Stephen Reicher and S. Alexander Haslam, „Obedience. Revisiting Milgram’s shock experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Geist | Dewey | Suhr I 70 Geist/Dewey: Der Geist ist keine Substanz, kein Ding, sondern eine Funktion, eine Eigenschaft des menschlichen Verhaltens. >Verhalten, >Handlungen; vgl. >Substanz. Suhr I 93 Geist/Aristoteles: Nach Aristoteles ist der Geist Kulminationspunkt der Natur. Geist/Neuzeit: Geist tritt der Natur und Materie als total getrennte Entität gegenüber. I 153 Geist/Dewey: Der Geist ist ein Ereignis in der Welt, er ist kein außenstehender Beobachter. >Pragmatismus. |
Dew II J. Dewey Essays in Experimental Logic Minneola 2004 Suhr I Martin Suhr John Dewey zur Einführung Hamburg 1994 |
| Geist | Dilthey | Gadamer I 232 Geist/Dilthey/DiltheyVsHegel/Gadamer: Dilthey wendet sich gegen die ideelle Konstruktion (des] Hegelschen Begriffs [des absoluten Geistes]: »Wir müssen heute von der Realität des Lebens ausgehen«. Er schreibt: »Wir suchen diese zu verstehen und in adäquaten Begriffen darzustellen. Indem so der objektive Geist losgelöst wird von der einseitigen Begründung in der allgemeinen, das Wesen des Weltgeistes aussprechenden Vernunft, losgelöst auch von der ideellen Konstruktion, wird ein neuer Begriff desselben möglich: in ihm sind Sprache, Sitte, jede Art von Lebensform, von Stil des Lebens ebenso gut umfasst wie Familie, bürgerliche Gesellschaft, Staat und Gadamer I 233 Recht. Und nun fällt auch das, was Hegel als den absoluten Geist vom objektiven unterschied: Kunst und Religion und Philosophie unter diesen Begriff.(1) Geist/DiltheyVsHegel: Zweifellos ist das eine Umbildung des Hegelschen Begriffes. Was bedeutet sie? Inwiefern trägt sie der Realität des Lebens Rechnung? Am bedeutsamsten ist offenbar die Ausdehnung des Begriffs des objektiven Geistes auf Kunst, Religion und Philosophie. Denn das heißt, dass Dilthey auch in ihnen nicht unmittelbare Wahrheit, sondern Ausdrucksformen des Lebens sieht. Indem er Kunst und Religion mit der Philosophie gleichsetzt, weist er zugleich den Anspruch des spekulativen Begriffs zurück. Dabei leugnet Dilthey durchaus nicht, dass diese Gestalten gegenüber den anderen Gestalten des objektiven Geistes einen Vorrang haben, sofern »gerade in ihren mächtigen Formen« der Geist sich objektiviert und erkannt wird. Nun, dieser Vorrang einer vollendeten Selbsterkenntnis des Geistes war es gewesen, der Hegel diese Gestalten als solche des absoluten Geistes begreifen ließ. In ihnen war nichts Fremdes mehr und der Geist daher ganz bei sich selbst zu Haus. Auch für Dilthey stellten, wie wir sahen, die Objektivationen der Kunst den eigentlichen Triumph der Hermeneutik dar. Gadamer: So reduziert sich der Gegensatz zu Hegel auf dies eine, dass sich nach Hegel im philosophischen Begriff die Heimkehr des Geistes vollendet, während für Dilthey der philosophische Begriff nicht Erkenntnis-, sondern Ausdrucksbedeutung hat. Absoluter/Geist/Dilthey/Gadamer: gibt es auch für Dilthey einen absoluten Geist? (...) [also] eine völlige Selbstdurchsichtigkeit, völlige Tilgung aller Fremdheit (...)? Für Dilthey ist es keine Frage, dass es das gibt und dass es das geschichtliche Bewusstsein ist, das diesem Ideal entspricht, und nicht die spekulative Philosophie. Es sieht alle Erscheinungen der menschlich-geschichtlichen Welt nur als Gegenstände, an denen der Geist sich selbst tiefer erkennt. Sofern es sie als Objektivationen des Geistes versteht, übersetzt es sie zurück »in die geistige Lebendigkeit, aus der sie hervorgegangen sind«(2). Die Gestaltungen des objektiven Geistes sind für das historische Bewusstsein also Gegenstände der Selbsterkenntnis dieses Geistes. Das historische Bewusstsein breitet sich ins Universelle aus, sofern es alle Gegebenheiten der Geschichte als Äußerung des Lebens versteht, dem sie entstammen; »Leben erfasst hier Leben«(3). 1. Dilthey, Ges. Schr. Vll, 150. 2. Ges. Schr. Vll V, 265 3. Ges. Schr. Vll VII, 136 |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Geist | Minsky | Minsky I 42 Geist/Künstliche Intelligenz/AI/Minsky: Wie kontrollieren wir unseren Verstand? Im Idealfall wählen wir zuerst, was wir tun wollen, und zwingen uns dann, es zu tun. Aber das ist schwieriger, als es sich anhört: Wir verbringen unser Leben damit, nach Schemata der Selbstkontrolle zu suchen. Wir feiern, wenn wir Erfolg haben, und wenn wir scheitern, ärgern wir uns über uns selbst, weil wir uns nicht so verhalten haben, wie wir es wollten - und dann versuchen wir zu schimpfen oder uns zu beschämen oder zu bestechen, um unser Verhalten zu ändern. Wie kann ein Selbst wütend auf sich selbst sein? Wer würde auf wen wütend sein? >Selbst/Minsky, >Seele/Minsky. Was veranlasst uns dazu, solche Umwegtechniken zu benutzen, um uns selbst zu beeinflussen? Warum so indirekt sein und Falschdarstellungen, Fantasien und offene Lügen erfinden? Warum können wir uns nicht einfach sagen, dass wir die Dinge tun sollen, die wir tun wollen? Um zu verstehen, wie etwas funktioniert, muss man seinen Zweck kennen. Selbst: Eine Funktion des Selbst ist es, uns davor zu bewahren, uns zu schnell zu verändern. Jeder Mensch muss langfristige Pläne schmieden, um ein Gleichgewicht zu finden zwischen dem Versuch, alles auf einmal zu tun, und dem Versuch, alles auf einmal zu tun. Aber es reicht nicht aus, einfach einen Software-Agenten anzuweisen, mit der Ausführung unserer Pläne zu beginnen. Wir müssen auch Mittel und Wege finden, um die Veränderungen, die wir später vornehmen könnten, einzuschränken - um zu verhindern, dass wir diese Plan-Agenten wieder ausschalten! Wenn wir unsere Meinung zu leichtfertig ändern, könnten wir nie wissen, was wir als Nächstes wollen. Wir würden nie viel erreichen, weil wir uns nie auf uns selbst verlassen könnten. |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Geist | Wilczek | Brockman I 66 Geist/Wilcek: Die Menschen versuchen zu verstehen, wie Gehirne funktionieren, indem sie untersuchen, wie Informationen in elektrischen und chemischen Signalen kodiert, durch physikalische Prozesse transformiert und zur Verhaltenskontrolle verwendet werden. Es hat sich nie als notwendig erwiesen, den Einfluss von Bewusstsein oder Kreativität von der Gehirnaktivität losgelöst zu berücksichtigen, um beobachtete Tatsachen der Psychophysik oder Neurobiologie zu erklären. Niemand ist jemals auf eine Geistesmacht gestoßen, die sich von herkömmlichen physikalischen Ereignissen in biologischen Organismen unterscheidet. Um [Phänomene] zu untersuchen, müssen Untersucher viele Vorkehrungen gegen die Kontamination durch "Störgeräusche" treffen. Aber es gibt eine bemerkenswerte Ausnahme: Sie haben es nie für notwendig gehalten, dem Aufmerksamkeit zu schenken, was die Menschen (...) denken. Keine "Gedankenwellen", getrennt von bekannten Brockman I 67 physikalischen Prozessen, die jedoch in der Lage sind, physikalische Ereignisse zu beeinflussen, scheinen zu existieren. Diese Schlussfolgerung, die für bare Münze genommen wird, hebt die Unterscheidung zwischen natürlicher und künstlicher Intelligenz auf. >Künstliche Intelligenz/Wilczek. Wilczek, F. “The Unity of Intelligence”, in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press. |
Brockman I John Brockman Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019 |
| Geist/ Geistzustand | Avramides | XI Avramides: These: pro einen subjektiven Begriff des Geistes, der mit Gricescher Reduktion inkompatibel ist. >Reduktion, >Reduktionismus, >Geist, >Paul Grice. I 109 Mentales/Nagel/Davidson: beide, Nagel und Davidson: die Unmöglichkeit des Zugangs liegt in der Methode! >Geist/Davidson, >Verstehen/Davidson, >Verstehen/Nagel. I 135 Objektiver Geist/(AvramidesVs): Die Vorstellung von einem objektiven Geist kommt von Descartes her. - Gleiche Zugänglichkeit für alle, keine Erste-Person-Perspektive - kein "Wie es ist" - keine Einzigartigkeit mehr. >Erste Person, >Geist/Descartes, >Denken/Descartes. |
Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 |
| Geist/ Geistzustand | Dennett | Rorty VI 144 Rorty: (Nach Wittgenstein: wie sähe es denn aus, wenn die Sonne sich um die Erde drehte? ((s) Nämlich genauso!): Qualia/Dennett:(wie Smart und Place): "Wie sähe es denn aus, wenn es tatsächlich nichts weiter wäre, als eine Verbindung elektrochemischer Prozesse in deinem Gehirn?" >Gehirne im Tank. Dennett I 274 Geist/Dennett: "PDP": Modell der parallelen, verteilten Verarbeitung. Davidson, wie Dennett: deshalb ist der Geist nicht sein eigener Aufenthaltsort. VsDescartes. >Geist/Davidson. Geist/Bedeutung/Dennett: es gab einmal eine Zeit, in der es beides nicht gab, auch keinen Irrtum, keine Funktion und keine Gründe. Sie sind auf dem Wege der winzigen Verbesserungen entstanden, die die Evolution mit sich brachte. (Endlicher Regress). I 274 ff Endliche Folge von Schritten, ohne jemals eine Grenze zu ziehen. Geist/Dennett: genau das ist Geist: kein Wunderapparat, sondern ein gewaltiges, halb gestaltetes, und sich selbst umgestaltendes Aggregat kleiner Apparate, von denen jeder seine eigene Gestaltungsgeschichte hat und eine eigene Rolle spielt. > Homunculi. I 283 Roboter/Dennett: aus der Tatsache, dass wir von Robotern abstammen (z.B. Hämoglobine usw.) folgt nicht, dass wir Roboter sind! Wir stammen von Bakterien ab, doch sind wir keine Bakterien, Wir sind auch keine Affen. Aber wir bestehen aus Robotern. I 525 8:Geist/Evolution/Dennett: jeder einzelne von uns ist heute in der Lage, Ideen zu verstehen, die für Genies aus der Generation unserer Großeltern undenkbar gewesen wären. II 183 Geist/Dennett: ein menschlicher Geist, ohne Papier und Bleistift, ohne Sprache zum Vergleich von Notizen und zum Anfertigen von Skizzen ist etwas, was uns noch nie begegnet ist. |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Geist/ Geistzustand | Locke | Dennett I 30 Geist/Locke: leere Schiefertafel. (Geht auf Platon zurück). Geist/Locke/Dennett: "Beweis" des Primats des Geistes bei Locke: Wenn es Ewiges gibt, muss es ein denkendes Wesen sein. Nichtdenkende Materie kann niemals ein denkendes Wesen hervorbringen. Ebenso wenig wie Materie aus Nichts hervorgehen kann. Die Materie kann nicht einmal aus sich heraus Bewegung erzeugen. Daher muss am Anfang Geist stehen. Euchner I 32 Geist/Locke: Fähigkeiten: 1. Unterscheiden - 2. Vergleichen - 3. Zusammensetzen - 4. Abstrahieren - das lässt immer komplexere Erkenntnisse zu. Unerlässlich: 1. Gedächtnis - 2. Sprache. >Denken/Locke, >Welt/Denken, >Sprache/Locke. |
Loc III J. Locke An Essay Concerning Human Understanding Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Loc I W. Euchner Locke zur Einführung Hamburg 1996 |
| Geist/ Geistzustand | Sellars | I XXIV Geist/Welt/Sellars: These: Physisches und Mentales stehen nicht in kausalem Verhältnis, sondern gehören verschiedenen Weltbildern an. Die Rahmen hängen durch ihre Struktur und nicht durch Inhalte zusammen. - Sinneseindrücke sind homogener als Weltbilder. >Modelle/Sellars, >Weltbilder, >Weltanschauung, >Sinneseindrücke, >Welt/Denken, >Physisch/Psychisch. |
Sellars I Wilfrid Sellars Der Empirismus und die Philosophie des Geistes Paderborn 1999 Sellars II Wilfred Sellars Science, Perception, and Reality, London 1963 In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 |
| Geisteswissenschaften | Dilthey | Gadamer I 12 Geisteswissenschaften/Geschichtsschreibung/Dilthey/Gadamer: Auch Dilthey, in dem sich der Einfluss der naturwissenschaftlichen Methode und des Empirismus der Millschen Logik sehr viel stärker geltend macht, hält dennoch das romantisch-idealistische Erbe im Begriff des Geistes fest. Vgl. >Geschichtsschreibung/Droysen. DiltheyVsEmpirismus: Dem englischen Empirismus hat er sich stets überlegen gefühlt, weil er in der lebendigen Anschauung dessen lebte, was die historische Schule gegenüber allem naturwissenschaftlichen und naturrechtlichen Denken auszeichnete. »Nur aus Deutschland kann das wirkliche empirische Verfahren an Stelle des vorurteilsvollen dogmatischen Empirismus kommen. DiltheyVsMill: Mill ist dogmatisch aus Mangel historischer Bildung« — das ist eine Notiz, die Dilthey in sein Exemplar der Millschen Logik geschrieben hat(2). In der Tat ist die ganze, jahrzehntelange, mühevolle Arbeit, die Dilthey der Grundlegung der Geisteswissenschaften gewidmet hat, eine beständige Auseinandersetzung mit der logischen Forderung, die Mills berühmtes Schlusskapitel(2) für die Geisteswissenschaften aufgestellt hatte. Methode/Dilthey/Gadamer: Gleichwohl hat sich Dilthey von dem Vorbild der Naturwissenschaften zutiefst bestimmen lassen, auch wenn er gerade die methodische Selbständigkeit der Geisteswissenschaften rechtfertigen wollte. Für Dilthey gehört zur wissenschaftlichen Erkenntnis die Auflösung der Lebensbindung, die Gewinnung einer Distanz zur eigenen Gadamer I 13 Geschichte, die allein ermöglicht, sie zum Objekte zu machen. >Methode/Dilthey. 1. W. Dilthey, Gesammelte Schriften Bd. V, S. LXXIV. 2. J. St. Mill, System der deduktiven und induktiven Logik, übertragen von Schiel, 1863, 6. Buch »Von der Logik der Geisteswissenschaften oder moralischen Wissenschaften«. Wright I 19 Geisteswissenschaften/Humanities/W. Dilthey/Wright, G. H.: Dilthey verwendete für den gesamten Bereich der Methode des Verstehens die Bezeichnung Geisteswissenschaften. Der deutsche Begriff „Geisteswissenschaften“ stammt aus der Übersetzung des englischen „moral science“. |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Geisteswissenschaften | Gadamer | I 9 Geisteswissenschaften/Tradition/Gadamer: Das Wort „Geisteswissenschaften« hat sich vor allem durch den Übersetzer von John Stuart Mills Logik eingebürgert. Mill sucht in seinem Werk anhangsweise die Möglichkeiten zu skizzieren, die die Anwendung der Induktionslogik auf die moral sciences besitze. Der Übersetzer sagt dafür Geisteswissenschaften(1). >Geisteswissenschaften/Mill. I 10 GadamerVsTradition/GadamerVsMill/GadamerVsHume/GadamerVsInduktion: Nun macht es aber das eigentliche Problem aus, das die Geisteswissenschaften dem Denken stellen, dass man das Wesen der Geisteswissenschaften nicht richtig erfasst hat, wenn man sie an dem Maßstab fortschreitender Erkenntnis von Gesetzmäßigkeit misst. Die Erfahrung der gesellschaftlich- geschichtlichen Welt lässt sich nicht mit dem induktiven Verfahren der Naturwissenschaften zur Wissenschaft erheben. Vgl. >Hermeneutik, >Verstehen, >Deutung, >Kulturelle Überlieferung. 1. J. St. Mill, System der deduktiven und induktiven Logik, übertragen von Schiel, 18632, 6. Buch »Von der Logik der Geisteswissenschaften Oder moralischen Wissen- schaften«. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Geistiges Eigentum | Benkler | Benkler I 38 Geistiges Eigentum/Eigentumsrechte/Benkler: [...] wenn neue Informationen gut sind oder Innovationen auf bestehenden Informationen aufbauen, dann erhöht die Stärkung der Rechte an geistigem Eigentum die Preise, die diejenigen, die heute in die Produktion von Informationen investieren, an diejenigen zahlen müssen, die dies gestern getan haben, zusätzlich zur Erhöhung von Belohnungen, die ein Informationsproduzent morgen erhalten kann. Angesichts der Nicht-Rivalität sind die heute geleisteten Zahlungen für die gestrigen Informationen aus heutiger Sicht alle ineffizient zu hoch. Sie liegen alle über den Grenzkosten - Null. Wenn wir ein Gesetz verabschieden, das die Informationsproduktion zu streng regelt und es seinen Begünstigten ermöglicht, den heutigen Innovatoren zu hohe Preise aufzuerlegen, dann werden wir heute nicht nur zu wenig Informationsverbrauch haben, sondern auch zu wenig Produktion neuer Informationen für morgen. >Information/Benkler, >Information/Arrow, >Informationsproduktion/Benkler, >Terminologie/Benkler. |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 |
| Geistiges Eigentum | Wirtschaftstheorien | Benkler I 38 Geistiges Eigentum/Eigentumsrechte/Wirtschaftstheorien/Benkler: [...] wenn neue Informationen gut sind oder Innovationen auf bestehenden Informationen aufbauen, dann erhöht die Stärkung der Rechte an geistigem Eigentum die Preise, die diejenigen, die heute in die Produktion von Informationen investieren, an diejenigen zahlen müssen, die dies gestern getan haben. Dies geschieht zusätzlich zu den Belohnungen, die ein Informationsproduzent morgen erhalten kann. Angesichts der Nicht-Rivalität sind die heute für die gestrigen Informationen geleisteten Zahlungen aus heutiger Sicht alle ineffizient zu hoch. Sie liegen alle über den Grenzkosten - Null. Die Effizienz der Regulierung von Information, Wissen und kultureller Produktion durch starkes Urheberrecht und Patent ist nicht nur theoretisch mehrdeutig, sondern auch ohne empirische Grundlage. Die empirische Arbeit, die versucht, die Auswirkungen des geistigen Eigentums auf die Innovation zu bewerten, konzentriert sich bisher auf Patente. Die Beweise liefern wenig Grundlage, um stärkere und zunehmend exklusive Benkler I 39 Rechte solcher Art, wie wir sie in den letzten zweieinhalb Jahrzehnten des zwanzigsten Jahrhunderts gesehen haben, zu unterstützen. Praktisch gesehen, zeigen keine Studien einen eindeutigen Nutzen für stärkere oder längere Patente(1). Benkler 41 Der Begriff "geistiges Eigentum" hat heute eine hohe kulturelle Sichtbarkeit. Auf der nationalen und internationalen Agenda der Informationspolitik stehen Hollywood, die Plattenindustrie und die Pharmazie im Mittelpunkt. Im Gesamtmix unseres Informations-, Wissens- und Kulturproduktionssystems ist das Gesamtgewicht dieser auf Exklusivität basierenden Marktakteure jedoch überraschend gering im Vergleich zur Kombination von Nichtmarktbereichen, staatlichen und gemeinnützigen sowie marktbasierten Akteuren, deren Geschäftsmodelle nicht von der proprietären Ausgrenzung von ihren Informationsausgaben abhängen. >Musikindustrie, >Kulturindustrie, >Internet, >Internetkultur. 1. Adam Jaffe, “The U.S. Patent System in Transition: Policy Innovation and the Innovation Process,” Research Policy 29 (2000): 531. |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 |
| Geld | Aristoteles | Mause I 28 Geld/Aristoteles: Aristoteles‘ Auffassung des Geldwertes ist erstaunlich modern: Er wird nicht auf den Stoff- bzw. Eigenwert des Geldes, sondern auf die bloße Übereinkunft der Geldverwender, d.h. die allgemeine Akzeptanz eines bestimmten Mediums als Tauschmittel, zurückgeführt. >Tausch, >Handel. Höffe I 56 Geld/Aristoteles/Höffe: Während für Platon das Geld suspekt war, nicht mehr als ein notwendiges Übel, legt Aristoteles im Zusammenhang der ordnenden Gerechtigkeit die erste je in Europa geschriebene Theorie des Geldes vor. In erstaunlicher Klarheit beschreibt er dessen Wesen und Funktion: Tausch: Indem Geld höchst unterschiedliche Waren und Dienstleistungen vergleichbar macht, ermöglicht es einer arbeitsteiligen Gesellschaft die vielfältigen Tauschprozesse: Marx: «Das Genie des Aristoteles», erkennt noch Marx an, «glänzt gerade darin, dass er im Wertausdruck der Waren ein Gleichheitsverhältnis entdeckt. MarxVsAristoteles: Nur die historische Schranke der Gesellschaft, worin er lebte, verhindert ihn herauszufinden, worin denn „in Wahrheit“ dies Gleichheitsverhältnis besteht».(1) Gebrauchswert/Aristoteles/Höffe: Dass Aristoteles nicht wie Marx sich an der menschlichen Arbeit, sondern am Gebrauchs- und Bedürfniswert orientiert, lässt sich aber auch als eine (vielleicht sogar modernere) Alternative verstehen. >Werttheorie, >K. Marx. 1. K. Marx, Das Kapital, Buch I, Kap. 1.3 |
Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Geld | Boyd | Rothbard II 164 Geld/Walter Boyd/Rothbard: In Anlehnung an Smith macht Walter Boyd(1) die Unterscheidung zwischen Geld, oder „fertigem Geld“, und anderen Vermögenswerten glasklar. >Geld/Adam Smith. Unter den Begriffen „Umlaufmittel“, „Umlaufmedium“ und „Währung“, die in diesem Brief fast als Synonyme verwendet werden, verstehe ich immer fertiges Geld, sei es in Form von Banknoten oder Spezies, im Gegensatz zu Bills of Exchange, Navy Bills, Exchequer Bills oder anderen begebbaren Papieren, die keinen Teil des Umlaufmediums bilden, wie ich diesen Begriff immer verstanden habe. Letztere sind das Umlaufmittel, erstere sind lediglich Objekte des Umlaufs. Walter BoydVsSmith, Adam: Nicht nur das: Boyd ging über Smith hinaus und war der erste, der die Sichteinlagen der Banken eindeutig als „fertiges Geld“ und Banknoten bezeichnete. Er drückte es so aus: „Guthaben in den Büchern der Banken ... können praktisch als Banknoten betrachtet werden, obwohl sie nicht wirklich im Umlauf sind ...“. Es wäre dem wirtschaftlichen Denken und der Entwicklung des Geld- und Bankwesens viel Kummer und Irrtum erspart geblieben, wenn die Währungsschule - die Nachfolger der Bullionisten in der Mitte des 19.Jahrhunderts. Geldmenge/Walter BoydVsSmith, Adam: Auch in einem anderen entscheidenden Punkt erwies sich Boyd Adam Smith als weit überlegen. Wie Cantillon und Turgot wandte sich Boyd gegen die unglückliche, von Hume und dann von Smith vertretene Doktrin, dass eine Erhöhung der Geldmenge zu einem äquiproportionalen Anstieg des „Preisniveaus“ führt. In Anbetracht des Kerns des Hume-Modells, der Annahme einer magisch großen Rothbard II 165 proportionalen Erhöhung der Geldmenge und bei der Erörterung der Folgen schließt sich Boyd eher Cantillon als Hume an: Wenn ... dieses Land durch übernatürliche Mittel die gleiche zusätzliche Währung in Gold und Silber innerhalb des gleichen Zeitraums erworben und in jeden Kanal der Zirkulation geworfen hätte, hätte dieser Zufluss, der in keinem Verhältnis zum Fortschritt der Industrie des Landes steht, innerhalb dieses Zeitraums nicht versäumt, einen sehr großen Anstieg des Preises jeder Art von Eigentum zu bewirken, nicht alle mit gleicher Schnelligkeit, sondern jedes mit verschiedenen Graden von Schnelligkeit, je nach der Häufigkeit oder Seltenheit seines natürlichen Kontakts mit Geld. >Geld/Adam Smith, >Goldstandard/Walter Boyd. Rothbard II 166 Boyd prangerte nicht konvertierbares oder „erzwungenes“ Papiergeld als „jene gefährliche Quacksalbermedizin an, die, weit davon entfernt, die Lebenskraft wiederherzustellen, nur eine vorübergehende künstliche Gesundheit verleiht, während sie insgeheim die Lebenskräfte des Landes untergräbt, das sie in Anspruch nimmt“. Boyd kam zu dem Schluss, dass die Wiederherstellung der nationalen Währung „in ihrer ursprünglichen Reinheit“ nicht nur angemessen und praktisch, sondern auch unabdingbar notwendig sei, um die zahllosen Katastrophen zu verhindern, die der unkontrollierte Umlauf von nicht in Bargeld konvertierbarem Papier unweigerlich hervorrufen müsse. 1. Walter Boyd. 1800. A Letter to the Rt. Hon. William Pitt published in 1801. |
Boyd I Richard Boyd The Philosophy of Science Cambridge 1991 Boyd W I Walter Boyd Letter to the Right Honourable William Pitt on the Influence of the Stoppage of Issues in Specie at the Bank of England on the Prices of Provisions and other Commodities London 1801 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Geld | Habermas | IV 255 Geld/Habermas: Das kapitalistische Wirtschaftssystem verdankt seine Entstehung einem neuen Mechanismus, dem Steuerungsmedium Geld. Dieses Medium ist auf die vom Staat abgegebene gesamtgesellschaftliche Funktion des Wirtschaftens spezialisiert und bildet die Grundlage für ein normativen Kontexten entwachsenes Subsystem. IV 256 Geld ist ein spezieller Austauschmechanismus, der Gebrauchswerte in Tauschwerte, den naturalwirtschaftlichen Güterverkehr in Warenverkehr transformiert. Erst mit dem Kapitalismus entsteht ein Wirtschaftssystem, das sowohl den internen Verkehr zwischen den Unternehmungen wie auch den Austausch mit den nicht-ökonomischen Umgebungen, den privaten Haushalten und dem Staat, über monetäre Kanäle abwickelt. Die Institutionalisierung der Lohnarbeit und des Steuerstaates ist für die neue Produktionsweise ebenso konstitutiv wie die Entstehung des kapitalistischen Betriebs. Erst wenn Geld zu einem intersystemischen Austauschmedium wird, erzeugt es strukturbildende Effekte. Und zwar in dem Maß, wie der Austausch mit den sozialen Umwelten über das Medium Geld geregelt wird. >Kommunikationsmedien, >Steuerungsmedien, >Systemtheorie, >Tausch, >Märkte, >Wirtschaft, >Wirtschaftssysteme. IV 397 Geld/Habermas: Geld ((s) von Habermas an dieser Stelle als Steuerungsmedium betrachtet) muss zirkulieren können ((s) d. h. es muss vorübergehend im Besitz eines einzelnen sein können). Habermas: Außerdem muss es deponiert werden können und nach dem Modell von Schumpeter investiert werden können. In einem monetarisierten Wirtschaftssystem bestehen grundsätzlich vier Optionen für einen Geldbesitz: horten (dem Kreislauf entziehen) oder ausgeben (für Güter), sparen ((s) Siehe auch Sparen/Rawls) oder anlegen ((s) in Produktionsmitteln). |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Geld | Hayek | Coyne I 33 Geld/Hayek/Coyne/Boettke: Aufbauend auf Mises' früherem Werk (Die Theorie des Geldes und des Kredits, 1912)(1), das als Grundlage für die österreichische Theorie des Konjunkturzyklus diente, arbeitete Hayek daran, sowohl das technische Verständnis der Kapitalkoordination als auch die institutionellen Details der Kreditpolitik zu verfeinern. Er veröffentlichte zwei Bücher (Monetary Theory and the Trade Cycle, 1929(2); und Prices and Production, 1931(3)), in denen er die Auswirkungen der Kreditexpansion auf die Kapitalstruktur der Wirtschaft analysierte. Hayek stellte diese Arbeiten in einer Reihe von Vorlesungen an der London School of Economics vor, wo er mit großem Beifall aufgenommen und 1932 zum Tooke Professor of Economics Science and Statistics ernannt wurde. Hayeks Ankunft in London löste die grundlegendste Debatte in der Geldpolitik des zwanzigsten Jahrhunderts aus - die Hayek-Keynes-Debatte. John Maynard Keynes hatte 1930 A Treatise on Money(4) veröffentlicht, worüber Hayek eine ausführliche und kritische zweiteilige Rezension schrieb. HayekVsKeynes: Das Hauptproblem mit Keynes' Position, so argumentierte Hayek, bestand darin, dass er nicht verstand, welche Rolle der Zinssatz bei der Koordinierung von Plänen und der Kapitalstruktur im Zeitablauf in einer Marktgesellschaft spielt. >Zinssätze. Konjunkturzyklus: Die Mises-Hayek-Theorie des Konjunkturzyklus bot eine Alternative, indem sie das „Fehlerbündel“, das während des Aufschwungs auftritt, verständlich machte, indem sie sich auf die Verzerrungen der relativen Preise und der Kapitalstruktur konzentrierte, die durch staatlich induzierte Kreditexpansionen entstehen. >Kreditexpansion, >Konjunktur/Mises. In dieser Hinsicht ist die Mises-Hayek-Theorie des Konjunkturzyklus eine Veranschaulichung der Dynamik des Interventionismus, bei der ein anfänglicher staatlicher Eingriff in den Markt eine Kette von unbeabsichtigten und unerwünschten Folgen in Gang setzt. Geld/Hayek/Mises: Im Mittelpunkt der Mises-Hayek-Theorie steht die Idee, dass Geld nicht neutral ist. Geld wäre neutral, wenn eine Geldmengenausweitung keine Auswirkungen auf die realen Preise hätte. Es wäre zum Beispiel neutral, wenn eine Verdoppelung der Geldmenge zu einer automatischen Verdoppelung aller Preise und Löhne führen würde, so dass der reale Wohlstand unverändert bliebe. >Geld/Mises, >Preis/Mises. Die Bankkonten der Menschen würden sich verdoppeln und damit auch die Preise, so dass ihre reale Kaufkraft gleich bliebe. Der Gedanke, dass Geld nicht neutral ist, unterstreicht dagegen, dass eine Geldmengenausweitung nicht alle Preise und Löhne sofort und im Gleichschritt ansteigen lässt. Stattdessen bahnt sich das Geld seinen Weg durch das Wirtschaftssystem, beginnend an der Stelle, an der es eingeführt wird, und verursacht Veränderungen der relativen Preise, während es das System durchdringt. Dieser Prozess kommt den ersten Empfängern des neu gedruckten Geldes zugute, auf Kosten derjenigen, die später dran sind. Kaufkraft: Diejenigen, die das neue Geld vor der vollständigen Preisanpassung erhalten, profitieren durch eine erhöhte Kaufkraft, die es ihnen ermöglicht, anderen, die nicht über die verbesserte Kaufkraft verfügen, Ressourcen abzunehmen. >Kaufkraft. Diejenigen, die das neue Geld als letzte erhalten, leiden unter einer geringeren Kaufkraft, da die Preise bereits nach oben angepasst wurden. Die durch die Kreditexpansion verursachten relativen Preisänderungen beeinflussen den Tausch- und Produktionsprozess, da die Unternehmer auf die von den Preisen ausgehenden Signale reagieren, wenn sie ihre Produktionspläne erstellen und überarbeiten. >Relative Preise. Produktion: Diese Produktionspläne bestimmen ihrerseits die Kapitalstruktur und letztlich die Produktion von Konsumgütern. >Konjunkturzyklus, >F. A. von Hayek, >Produktion. 1. Ludwig von Mises. 1912. The Theory of Money and Credit (Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, Translated by H.E. Batson in 1934; reprinted with “Monetary Reconstruction» (New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953). Reprinted by the Foundation for Economic Education, 1971; reprinted with an Introduction by Murray N. Rothbard, Liberty Press Liberty Classics, 1989. 2. F. A. Hayek. 1933.Monetary Theory and the Trade Cycle. New York: Harcourt Brace & Co. 3. F. A. Hayek, Prices and Production. 2nd ed. London: Routledge and Kegan Paul, 1935. Reprinted by Augustus M. Kelley, 1967. 4. John Maynard Keynes. 1930. A Treatis on Money, London: Macmillan |
Hayek I Friedrich A. Hayek The Road to Serfdom: Text and Documents--The Definitive Edition (The Collected Works of F. A. Hayek, Volume 2) Chicago 2007 Coyne I Christopher J. Coyne Peter J. Boettke The Essential Austrian Economics Vancouver 2020 |
| Geld | Helfferich | Rothbard IV 55 Geld/Helfferich/Rothbard: Im Jahr 1903 stellte der einflussreiche Geldökonom Karl Helfferich in seinem Werk „Geld“ eine Herausforderung für die Österreichische Schule dar. HelfferichVsÖsterreichische Schule: Er wies zu Recht darauf hin, dass die großen Österreicher, Menger, Böhm-Bawerk und ihre Nachfolger, trotz ihrer Fähigkeiten in der Analyse des Marktes und des Wertes von Waren und Dienstleistungen (was wir heute „Mikroökonomie“ nennen würden), das Problem des Geldes nicht lösen konnten. >Mikroökonomie, >Karl Menger, >Böhm-Bawerk, >Österreichische Schule. Grenznutzen: Die Grenznutzentheorie war nicht auf den Wert des Geldes ausgedehnt worden, der wie bei den englischen klassischen Ökonomen weiterhin in einer „Makro“-Box streng getrennt von Nutzen, Wert und relativen Preisen gehalten wurde. Selbst die besten monetären Analysen, wie die von Ricardo, der Currency School und Irving Fisher in den Vereinigten Staaten, wurden in Begriffen von „Preisniveaus“, „Geschwindigkeiten“ und anderen Aggregaten entwickelt, die in keiner Mikroanalyse der Handlungen von Individuen begründet waren. >Individuen/Österreichische Schule. Wirtschaftskreisläufe: Das Problem war folgendes: Bei direkt konsumierbaren Gütern lässt sich der Nutzen und damit die Nachfrage nach einem Produkt eindeutig bestimmen. Der Verbraucher sieht das Produkt, bewertet es und ordnet es auf seiner Werteskala ein. Diese Nutzen für den Verbraucher interagieren und bilden eine Marktnachfrage. Das Marktangebot wird durch die erwartete Nachfrage bestimmt, und die beiden interagieren, um den Marktpreis zu bestimmen. Geld/Nachfrage nach Geld/Helfferich: Ein besonderes Problem stellt jedoch der Nutzen von und die Nachfrage nach Geld dar. Denn Geld wird auf dem Markt nachgefragt und in der Kasse gehalten, nicht um seiner selbst willen, sondern ausschließlich für gegenwärtige oder zukünftige Käufe anderer Güter. Die Besonderheit des Geldes besteht darin, dass es nicht konsumiert wird, sondern nur als Tauschmittel verwendet wird, um den Austausch auf dem Markt zu erleichtern. Geld wird also nur deshalb auf dem Markt nachgefragt, weil es eine bereits bestehende Kaufkraft, einen Wert oder Preis auf dem Markt hat. Bei allen Konsumgütern und Dienstleistungen gehen also Wert und Nachfrage logischerweise dem Preis voraus und bestimmen ihn. Der Wert des Geldes wird zwar durch die Nachfrage bestimmt, geht ihr aber auch voraus; eine Nachfrage nach Geld setzt nämlich voraus, dass das Geld bereits einen Wert und einen Preis hat. Eine kausale Erklärung des Wertes des Geldes scheint in einem unvermeidlichen Zirkelschluss zu enden. Lösung/Mises: Im Jahr 1906, nachdem er seine Promotion abgeschlossen hatte, beschloss Mises, die Herausforderung Helfferichs anzunehmen und die Grenznutzentheorie auf das Geld anzuwenden (...). >Geld/Mises, >Geldmenge/Mises, >Konjunktur/Mises, >Inflation/Mises. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Geld | Mises | Parisi I 269 Geld/Institutionen/Mises: In Anlehnung an Mengers Erklärung für die Entstehung des Geldes versuchte Mises, die Entstehung von Rechtsnormen zu erklären. Mises vertrat die Ansicht, dass das Eigentumsrecht ursprünglich aus der Anerkennung des einfachen Besitzes und das Vertragsrecht aus primitiven Tauschvorgängen innerhalb örtlich begrenzter Gebiete entstanden ist. Während ersteres als Hauptmotiv die Vermeidung von Gewalt und die Schaffung friedlicher Verhältnisse gehabt haben mag, musste letzteres fast zwangsläufig unter Bedingungen des De-facto-Eigentums entstehen, um die Gewinne aus dem Austausch zu verfolgen. >Carl Menger. Aber letztlich hat die durch diese frühen Bemühungen geschaffene Welt Institutionen hervorgebracht, die als "eine Beilegung, ein Ende des Streits, eine Vermeidung des Streits" angesehen werden können, und daher besteht "ihr Ergebnis, ihre Funktion" darin, Frieden innerhalb einer Gemeinschaft zu schaffen (Mises, 1981/1922(1), S. 34). Mises baute auf dem Argument auf, das Adam Smith schon viel früher vorbrachte, obwohl Smiths Schwerpunkt nicht auf Gewalt, sondern auf Handel liegt. Für Smith haben Individuen eine natürliche Neigung zu "Truck, Tausch und Austausch".(Smith, 1981/1776(2), p. 15). >Ludwig von Mises. 1. Mises, L. v. (1981/1922). Socialism: An Economic and Sociological Analysis. Indianapolis, IN: Liberty Fund. 2. Smith, A. (1981/1776). An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, Vols. I–V. Indianapolis, IN: Liberty Fund. Rajagopalan, Shruti and Mario J. Rizzo “Austrian Perspectives on Law and Economics.” In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. Rothbard IV 13 Geld/Grenznutzen/Mises/Rothbard: Ludwig von Mises machte sich daran, [die] Trennung [zwischen Geld, „Preisniveau“, „Sozialprodukt“ und Ausgaben] zu reparieren und die Ökonomie des Geldes und seiner Kaufkraft (fälschlicherweise „Preisniveau“ genannt) auf die österreichische Analyse des Individuums und der Marktwirtschaft zu gründen: um zu einer großen integrierten Ökonomie zu gelangen, die alle Teile des Wirtschaftssystems erklären würde.(1) >Österreichische Schule. Rothbard IV 14 Individuen/MisesVsFisher, Irving: Endlich war die Ökonomie ein Ganzes, ein integriertes Analyseinstrument, das auf individuellem Handeln beruhte; es musste keine Trennung zwischen Geld und relativen Preisen, zwischen Mikro- und Makroebene geben. Die mechanistische Fishersche Auffassung von automatischen Beziehungen zwischen Geldmenge und Preisniveau, von „Umlaufgeschwindigkeiten“ und „Tauschgleichungen“ wurde von Mises ausdrücklich zugunsten einer integrierten Anwendung der Grenznutzentheorie auf das Geldangebot und die Geldnachfrage selbst aufgegeben. >Irving Fisher. Konkret zeigte Mises, dass der „Preis“ oder die Kaufkraft der Geldeinheit auf dem Markt auf die gleiche Weise bestimmt wird, wie der Preis jedes anderen Gutes durch die verfügbare Menge und die Intensität der Nachfrage der Verbraucher nach diesem Gut (auf der Grundlage seines Grenznutzens für die Verbraucher) bestimmt wird. Im Falle des Geldes ist seine Nachfrage eine Nachfrage nach der Haltung von Bargeld (in der Brieftasche oder auf der Bank, um es früher oder später für nützliche Güter und Dienstleistungen auszugeben). Der Grenznutzen der Geldeinheit (des Dollars, des Frankens oder der Goldunze) bestimmt die Intensität der Nachfrage nach Bargeldguthaben; und die Wechselwirkung zwischen der verfügbaren Geldmenge und der Nachfrage danach bestimmt den „Preis“ des Dollars (d. h. wie viel von anderen Gütern der Dollar im Austausch kaufen kann). Quantitätstheorie: Mises stimmte mit der klassischen „Quantitätstheorie“ überein, dass eine Zunahme des Angebots an Dollars oder Goldunzen zu einem Rückgang ihres Wertes oder „Preises“ führt (d. h. zu einem Anstieg der Preise anderer Waren und Dienstleistungen); aber er verfeinerte diesen groben Ansatz enorm und integrierte ihn in die allgemeine Wirtschaftsanalyse. >Quantitätstheorie. Rothbard IV 15 Grenznutzen/Mises: (...) [von Mises] hat gezeigt, dass diese Bewegung kaum proportional ist; eine Erhöhung des Geldangebots wird tendenziell seinen Wert senken, aber wie sehr, oder ob überhaupt, hängt davon ab, was mit dem Grenznutzen des Geldes geschieht und damit mit der Nachfrage der Öffentlichkeit, ihr Geld in Bargeldguthaben zu halten. Darüber hinaus zeigte Mises, dass die „Geldmenge“ nicht pauschal zunimmt: Die Erhöhung wird an einem Punkt des Wirtschaftssystems injiziert, und die Preise steigen erst, wenn sich das neue Geld in Wellen über die gesamte Wirtschaft ausbreitet. Wenn die Regierung neues Geld druckt und es z.B. für Büroklammern ausgibt, kommt es nicht zu einem einfachen Anstieg des „Preisniveaus“, wie nicht-österreichische Ökonomen sagen würden, sondern zuerst steigen die Einkommen und die Preise für Büroklammern, dann die Preise für die Zulieferer der Büroklammerindustrie und so weiter. Eine Erhöhung des Geldangebots verändert also zumindest vorübergehend die relativen Preise und kann auch zu einer dauerhaften Veränderung der relativen Einkommen führen. >Geldmenge/Mises. Rothbard IV 16 Grenznutzen/Geld/Mises/Rothbard: Bei der Anwendung des Grenznutzens auf Geld musste Mises ein Problem überwinden, das die meisten Ökonomen für unüberwindbar hielten: den so genannten „österreichischen Kreis“. Die Ökonomen sahen ein, dass die Preise von Eiern, Pferden oder Brot durch die jeweiligen Grenznutzen dieser Güter bestimmt werden konnten; aber im Gegensatz zu diesen Gütern, die nachgefragt werden, um konsumiert zu werden, wird Geld nachgefragt und in Geldguthaben gehalten, um für Güter ausgegeben zu werden. Niemand kann also Geld nachfragen (und einen Grenznutzen dafür haben), wenn es nicht bereits vorhanden ist und auf dem Markt einen Preis und eine Kaufkraft hat. Wie aber lässt sich der Preis des Geldes vollständig durch seinen Grenznutzen erklären, wenn das Geld einen bereits existierenden Preis (Wert) haben muss, um überhaupt nachgefragt zu werden? Regressionstheorem: In seinem „Regressionstheorem“ überwand Mises den „österreichischen Zirkel“ in einer seiner wichtigsten theoretischen Leistungen; denn er zeigte, dass man diese Zeitkomponente in der Geldnachfrage logisch bis zu dem alten Tag zurückschieben kann, an dem die Geldware kein Geld, sondern eine nützliche Tauschware an sich war; kurz, bis zu dem Tag, an dem die Geldware (z.B. Gold oder Silber) ausschließlich wegen ihrer Eigenschaften als konsumierbare und direkt verwendbare Ware nachgefragt wurde. >Regressionstheorem. Damit vervollständigte Mises nicht nur die logische Erklärung des Preises oder der Kaufkraft des Geldes, sondern seine Erkenntnisse hatten noch weitere wichtige Auswirkungen. Denn sie bedeutete, dass Geld nur auf eine Weise entstehen konnte: auf dem freien Markt und aus der direkten Nachfrage auf diesem Markt nach einer nützlichen Ware. Und das bedeutete, dass Geld nicht dadurch entstehen konnte, dass die Regierung etwas als Geld proklamierte oder durch eine Art einmaligen Gesellschaftsvertrag; es konnte sich nur aus einer allgemein nützlichen und wertvollen Ware entwickeln. Menger hatte schon früher gezeigt, dass Geld auf diese Weise entstehen kann; aber es war Mises, der die absolute Notwendigkeit dieses Marktursprungs des Geldes feststellte. Wert des Geldes/Rothbard: Dies hatte aber noch weitere Auswirkungen. Denn es bedeutete, im Gegensatz zu den Ansichten der meisten Ökonomen damals und heute, dass „Geld“ nicht einfach willkürliche Einheiten oder Papierstücke sind, wie sie von der Regierung definiert werden: „Dollar“, ‚Pfund‘, ‚Franken‘ usw. Geld muss als nützliche Ware entstanden sein: als Gold, Silber oder was auch immer. Die ursprüngliche Geldeinheit, die Einheit der Rechnung und des Austauschs, war nicht der „Franc“ oder die „Mark“, sondern das Goldgramm oder die Silberunze. Rothbard IV 17 Goldstandard/Zentralbanken/Mises/Rothbard: Diese Analyse, kombiniert mit Mises' Demonstration der unausweichlichen sozialen Übel der Erhöhung des Angebots an willkürlich produzierten „Dollars“ und „Francs“ durch die Regierung, weist den Weg für eine vollständige Trennung der Regierung vom Geldsystem. Denn es bedeutet, dass das Wesen des Geldes ein Gold- oder Silbergewicht ist, und es bedeutet, dass es durchaus möglich ist, zu einer Welt zurückzukehren, in der solche Gewichte wieder die Rechnungseinheit und das Medium des Geldaustausches sein werden. Ein Goldstandard, der weit davon entfernt ist, ein barbarischer Fetisch oder ein weiteres willkürliches Instrument der Regierung zu sein, ist in der Lage, ein Geld zu schaffen, das ausschließlich auf dem Markt produziert wird und nicht den inhärenten inflationären und umverteilenden Tendenzen einer Zwangsregierung unterliegt. Ein solides, nichtstaatliches Geld würde eine Welt bedeuten, in der die Preise und Kosten als Reaktion auf Produktivitätssteigerungen wieder sinken würden. >Goldstandard/Mises, >Grenznutzen/Österreichische Schule. 1. Ludwig von Mises. 1912. The Theory of Money and Credit (Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, Translated by H.E. Batson in 1934; reprinted with “Monetary Reconstruction» (New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953). Reprinted by the Foundation for Economic Education, 1971; reprinted with an Introduction by Murray N. Rothbard, Liberty Press Liberty Classics, 1989. |
EconMises I Ludwig von Mises Die Gemeinwirtschaft Jena 1922 Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Geld | Ricardo | Rothbard II 196 Geld/Währung/Ricardo/Rothbard: Der Wert des zirkulierenden Mediums eines jeden Landes steht in einem gewissen Verhältnis zum Wert der Waren, die es in Umlauf bringt... Keine Erhöhung oder Verringerung seiner Menge, ob sie nun aus Gold, Silber oder Papiergeld besteht, kann seinen Wert über oder unter dieses Verhältnis hinaus erhöhen oder verringern. Wenn die Minen aufhören, den jährlichen Verbrauch an Edelmetallen zu decken, wird das Geld wertvoller, und eine geringere Menge wird verwendet als zirkulierendes Medium. Die Verringerung der Menge wird im Verhältnis zur Erhöhung des Wertes stehen.(1) Der Wert von nicht konvertierbarem Papiergeld, erklärte Ricardo, wird auf dieselbe Weise bestimmt. Daher würde unter jeder Beschränkung der Spezieszahlung „jeder Überschuss an [Bank]-Scheinen den Wert des zirkulierenden Mediums im Verhältnis zum Überschuss abwerten. Wenn die Zirkulation Englands vor der Beschränkung zwanzig Millionen betragen hätte ... und wenn die Bank sie sukzessive auf fünfzig oder hundert Millionen erhöhen würde, würde die erhöhte Menge in die Zirkulation Englands aufgenommen, aber in allen Fällen auf den Wert der zwanzig Millionen abgewertet werden."(1) Rothbard: Bei nicht konvertierbarem Geld wird die strenge Proportionalität auf die Bestimmung der Wechselkurse übertragen. Wie Wheatley kam auch Ricardo zu dem Schluss, dass nur monetäre Faktoren den Wechselkurs bestimmen und dass daher die Abwertung des Wechselkurses genau das Ausmaß der monetären Inflation und der Überausgabe von Papiergeld messen muss. In gleicher Weise und in gleichem Maße spiegeln der Anstieg des Goldpreises und der Anstieg der Warenpreise die gleiche Überemission und Abwertung wider. >John Wheatley. 1. David Ricardo 1810. The High Price of Bullion. A Proof oft he Depreciation of Banknotes. |
EconRic I David Ricardo On the principles of political economy and taxation Indianapolis 2004 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Geld | Rothbard | Rothbard III 192 Geld/Rothbard: Die Etablierung eines Geldes auf dem Markt vergrößert den Spielraum für Spezialisierung und Arbeitsteilung enorm, vergrößert den Markt für jedes Produkt immens (...). Produktion: Komplizierte und entlegene Produktionsstufen sind nun möglich, und die Spezialisierung kann sich auf jeden Teil des Produktionsprozesses sowie auf die Art der produzierten Ware erstrecken. Direkter Austausch/Produktion/RothbardVsTradition: (...) es ist ein Fehler vieler Autoren, die die Lehren der modernen Ökonomie darlegen wollen, nur den direkten Austausch zu analysieren und dann das Geld irgendwo am Ende der Analyse einzufügen und die Aufgabe als erledigt zu betrachten. Rothbard III 193 Im Gegenteil, die Analyse des direkten Tauschs ist nur als einleitende Hilfe für die Analyse einer Gesellschaft des indirekten Tauschs nützlich; der direkte Tausch würde sehr wenig Raum für den Markt oder für die Produktion lassen. Markt: (...) fast alle Tauschvorgänge werden gegen Geld abgewickelt, und das Geld drückt dem gesamten Wirtschaftssystem seinen Stempel auf. Sowohl die Produzenten von Konsumgütern als auch die Eigentümer von langlebigen Konsumgütern, die Eigentümer von Kapitalgütern und die Verkäufer von Arbeitsleistungen verkaufen ihre Waren gegen Geld und kaufen mit Geld die Faktoren, die sie benötigen. >Produktionsfaktoren/Rothbard. Rothbard III 195 Geldeinheit: (...) jedes Gut ist „im Angebot“, wenn es in Einheiten unterteilt werden kann, von denen jede mit jeder anderen homogen ist. Die Geldware ist keine Ausnahme von dieser Regel. Sie ist die am häufigsten gehandelte Ware in der Gemeinschaft und wird immer in Gewichtseinheiten gekauft und verkauft. Es ist klar, dass die Größe der Einheit der Geldware, die für jede Transaktion gewählt wird, für die ökonomische Analyse irrelevant ist und lediglich eine Frage der Bequemlichkeit für die verschiedenen Parteien ist. Rothbard III 196 Vereinheitlichung: Die Namen der Geldeinheiten können die allgemein akzeptablen Gewichtseinheiten sein. Rothbard III 199 Freier Markt/Handel: Auf dem ungehinderten Markt einer Geldwirtschaft verkaufen die Produzenten von Gütern und Dienstleistungen ihre Waren für die Geldware und verwenden dann das erworbene Geld, um andere gewünschte Güter zu kaufen. Geldproduktion/Gold: Geld wird auf diese Weise von allen außer den Produzenten des ursprünglichen Goldes auf dem Markt erworben - denjenigen, die es abgebaut und vermarktet haben. Allerdings erfordert die Produktion der Geldware, wie bei allen anderen wertvollen Gütern auch, den Einsatz von Land, Arbeit und Kapitalgütern, die mit Geld bezahlt werden müssen. Der Goldgräber erhält also kein Geld geschenkt, sondern muss aktiv Gold finden und produzieren, um sein Geld zu erwerben. >Waren, >Konsumgüter/Rothbard >Investitionsgüter/Rothbard, >Investitionen/Rothbard, >Handel, >Tausch/Rothbard, >Tauschwirtschaft/Rothbard, >Freier Markt/Rothbard, >Dienstleistung/Rothbard. Rothbard III 203 Geld/Gesellschaft/Gemeinschaft: Nehmen wir zur Vereinfachung an, dass der Gesamtbestand der Geldware in der Gemeinschaft über den Zeitraum hinweg unverändert geblieben ist. (Dies ist keine unrealistische Annahme, da neu geschürftes Gold im Vergleich zum bestehenden Bestand gering ist.) Nun ist es offensichtlich, dass alles Geld, wie alle wertvollen Güter, zu jedem Zeitpunkt im Besitz von jemandem sein muss. Zu jedem Zeitpunkt ist die Summe der Bargeldbestände aller Individuen gleich dem Gesamtbestand an Geld in der Gemeinschaft. >Kassenbestand/Rothbard. Rothbard III 217 Grenznutzen/Geld: Der Grenznutzen des Geldeinkommens wird tendenziell abnehmen, wenn mehr Geld erworben wird, da Geld ein Gut ist. Soweit Geld für den Kauf von Konsumgütern begehrt wird, nimmt der Nutzen einer „Unze“ von Konsumgütern ebenfalls ab, wenn neue Unzen erworben werden. Rothbard III 235 Geld/Rothbard: Viele Autoren haben sich geirrt, indem sie glaubten, dass Geld irgendwie von der Bildung von Geldpreisen abstrahiert werden kann und dass die Analyse die Angelegenheiten genau beschreiben kann, „als ob“ der Austausch wirklich durch Tauschhandel stattfände. Da Geld und Geldpreise alle Tauschvorgänge durchdringen, kann bei der Analyse der Preisbildung in einer Wirtschaft des indirekten Tauschs nicht vom Geld abstrahiert werden. >Preis/Rothbard, >Indirekter Tausch/Rothbard. Markt: Wie im Falle des direkten Austauschs wird es auf dem Markt immer die Tendenz geben, dass sich für jedes Gut ein Geldpreis bildet. (...) die Determinanten sind die individuellen Wertmaßstäbe, ausgedrückt durch Nachfrage- und Angebotsschemata. Rothbard III 237 Kaufkraft/Rothbard: Für jedes Gut außer Geld ist also die Kaufkraft seiner Einheit identisch mit dem Geldpreis, den es auf dem Markt erzielen kann. Was ist die Kaufkraft der Geldeinheit? Offensichtlich kann die Kaufkraft z. B. einer Unze Gold nur im Verhältnis zu allen Gütern betrachtet werden, die mit dieser Unze gekauft werden können oder zu deren Kauf sie beitragen kann. Die Kaufkraft der Geldeinheit besteht aus der Gesamtheit der Güterpreise in der Gesellschaft in Bezug auf diese Einheit.(1) Es ist offensichtlich, dass die Geldware und die Determinanten ihrer Kaufkraft eine Komplikation in die Nachfrage- und Angebotspläne der Tauschbedingungen einführen, da die Nachfrage- und Angebotssituation für Geld eine einzigartige ist. >Preis/Rothbard, >Geldmenge, >Geldnachfrage/Rothbard, >Angebotsplan, >Nachfrageplan. Rothbard III 265 Geld/Rothbard: Z. B. Oppertunitätskosten: Es sollte beachtet werden, dass diese Kosten sich auf eine Entscheidung über eine Grenzeinheit beziehen, gleich welcher Größe, und dass dies auch die „Grenzkosten“ der Entscheidung sind. Diese Kosten sind subjektiv und werden auf der Werteskala des Einzelnen eingestuft. Rothbard III 267 Man könnte meinen, und viele Autoren haben dies angenommen, dass Geld hier die Funktion erfüllt hat, die Nutzen der verschiedenen Individuen zu messen und vergleichbar zu machen. Es hat jedoch nichts dergleichen getan. Der Grenznutzen von Geld unterscheidet sich von Person zu Person, genau wie der Grenznutzen jedes anderen Gutes. Die Tatsache, dass man mit einer Unze Geld verschiedene Güter auf dem Markt kaufen kann und dass solche Möglichkeiten allen offen stehen können, gibt uns keine Auskunft darüber, wie verschiedene Menschen diese verschiedenen Güterkombinationen einstufen werden. Es gibt keine Messung oder Vergleichbarkeit im Bereich der Werte oder Ränge. Geld ermöglicht nur die Vergleichbarkeit von Preisen, indem es Geldpreise für jedes Gut festlegt. Geldregression: Um den Preis eines Gutes zu bestimmen, analysieren wir den Marktnachfrageplan für das Gut; dieser hängt wiederum von den individuellen Nachfrageplänen ab; diese wiederum werden durch die Wertrangfolge der einzelnen Einheiten des Gutes und der Geldeinheiten bestimmt, die sich aus den verschiedenen alternativen Verwendungsmöglichkeiten des Geldes ergeben; letztere Alternativen hängen jedoch wiederum von gegebenen Preisen der anderen Güter ab. Rothbard III 268 Eine hypothetische Nachfrage nach Eiern muss einen bestimmten Geldpreis für Butter, Kleidung usw. als gegeben voraussetzen. Aber wie können dann Wertskalen und Nutzen verwendet werden, um die Bildung von Geldpreisen zu erklären, wenn diese Wertskalen und Nutzen selbst von der Existenz von Geldpreisen abhängen? Es ist offensichtlich, dass dieses äußerst wichtige Problem der Zirkularität (X hängt von Y ab, während Y von X abhängt) nicht nur in Bezug auf Entscheidungen der Verbraucher, sondern auch in Bezug auf jede Austauschentscheidung in der Geldwirtschaft besteht. (…) der Grenznutzen der Geldzugabe für den Verkäufer der Aktie beruht darauf, dass es sich bereits um Geld handelt und dass er über andere Güter verfügt, die der Verkäufer kaufen wird - Konsumgüter und Produktionsfaktoren gleichermaßen. Der Grenznutzen des Verkäufers hängt daher auch von der vorherigen Existenz von Geldpreisen für die verschiedenen Güter in der Wirtschaft ab. >Regressionstheorem. Ähnlich verhält es sich für den Arbeiter, Grundbesitzer, Investor oder Eigentümer eines Kapitalguts: Beim Verkauf seiner Dienstleistungen oder Waren hat Geld einen Grenznutzen der Addition, der eine notwendige Voraussetzung für seine Entscheidung zum Verkauf der Waren ist und daher seine Angebotskurve für das Gut gegen Geld bestimmt. Und doch hängt dieser Grenznutzen immer davon ab, dass es eine vorherige Reihe von Geldpreisen gibt. Rothbard III 269 Lösung/Mises/Rothbard: Die Lösung dieses entscheidenden Problems der Zirkularität wurde von Professor Ludwig von Mises in seiner bemerkenswerten Theorie der Geldregression bereitgestellt.(2) Die Theorie der Geldregression kann erklärt werden, indem man den Zeitraum untersucht, der in jedem Teil unserer Analyse berücksichtigt wird. Definieren wir einen „Tag“ als den Zeitraum, der gerade ausreicht, um die Marktpreise aller Güter in der Gesellschaft zu bestimmen. Am Tag X wird dann der Geldpreis jedes Gutes durch die Wechselwirkungen der Angebots- und Nachfragepläne von Geld und dem Gut durch die Käufer und Verkäufer an diesem Tag bestimmt. Jeder Käufer und Verkäufer bewertet Geld und das jeweilige Gut nach dem relativen Grenznutzen der beiden für ihn. Daher wird ein Geldpreis am Ende des Tages X durch die Grenznutzen des Geldes und des Gutes bestimmt, wie sie am Anfang des Tages X existierten. Aber der Grenznutzen des Geldes basiert (…) auf einer zuvor existierenden Reihe von Geldpreisen. Geld wird aufgrund seiner bereits existierenden Geldpreise nachgefragt und als nützlich erachtet. Daher wird der Preis eines Gutes am Tag X durch den Grenznutzen des Gutes am Tag X und den Grenznutzen des Geldes am Tag X bestimmt, der wiederum von den Preisen der Güter am Tag X – 1 abhängt. Die ökonomische Analyse der Geldpreise ist daher nicht zirkulär. >Zirkularität/Philosophie. Rothbard III 756 Geld/Rothbard: Geld ist eine Ware, die als allgemeines Tauschmittel dient; seine Tauschvorgänge durchdringen daher das Wirtschaftssystem. Wie alle Waren hat es eine Marktnachfrage und ein Marktangebot, obwohl seine besondere Situation ihm viele einzigartige Eigenschaften verleiht. „Preis“ des Geldes: (...) sein ‚Preis‘ hat keinen eindeutigen Ausdruck auf dem Markt. Andere Waren lassen sich alle in Geldeinheiten ausdrücken und haben daher eindeutig identifizierbare Preise. Die Geldware hingegen kann nur durch eine Reihe aller anderen Waren ausgedrückt werden, d. h. durch alle Waren und Dienstleistungen, die man mit Geld auf dem Markt kaufen kann. Messen: Diese Menge hat keine eindeutig ausdrückbare Einheit, und (...) Veränderungen in der Menge können nicht gemessen werden. Dennoch ist das Konzept des „Preises“ oder des „Wertes“ des Geldes oder der „Kaufkraft der Geldeinheit“ nicht weniger real und wichtig für all das. Tauschwert: Man muss sich einfach vor Augen halten, dass es (...) kein einheitliches „Preisniveau“ oder eine messbare Einheit gibt, mit der sich der Tauschwert des Geldes ausdrücken lässt. Diesem Tauschwert des Geldes kommt auch deshalb eine besondere Bedeutung zu, weil der Hauptzweck der Geldware im Gegensatz zu anderen Waren darin besteht, jetzt oder in Zukunft gegen unmittelbar konsumierbare oder produktive Waren getauscht zu werden. >Geldnachfrage/Rothbard, >Geldmenge/Rothbard, >Geldumlauf/Rothbard, >Kaufkraft/Rothbard. Rothbard III 817 Geld/Rothbard: (...) Geld kann niemals neutral sein. Eine Reihe von Bedingungen, die dazu neigen, die PPM zu erhöhen, kann niemals eine andere Reihe von Faktoren, die dazu neigen, sie zu senken, genau ausgleichen. >Kaufkraft/Rothbard, >Wirtschaft/Rothbard, >Geldmarkt/Rothbard. Nehmen wir also an, dass eine Erhöhung des Warenbestands die PPM (purchasing power per monetary unit; Kaufkraft) tendenziell erhöht, während eine Erhöhung der Geldmenge sie gleichzeitig tendenziell senkt. Die eine Veränderung kann die andere niemals ausgleichen; denn eine Veränderung wird eine Reihe von Preisen mehr als andere senken, während die andere eine andere Reihe von Preisen innerhalb der gesamten Preispalette erhöhen wird. >Preis/Rothbard. 1. Siehe Mises, Theory of Money and Credit. New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953 and 1957. Reprinted by Liberty Fund, 1995. Mises, Richard von. Probability, Statistics, and Truth, 2nd ed. New York: Macmillan, 1957. Reprinted by Dover Publications, 1981.S. 97-123, und Human Action, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949. Nachdruck Ludwig von Mises Institut, 1998. S. 405-08. Siehe auch Schumpeter, History of Economic Analysis, New York: Oxford University Press, [1954] 1996 S. 1090. Dieses Problem behinderte die Entwicklung der Wirtschaftswissenschaft, bis Mises die Lösung lieferte. Da es nicht gelöst werden konnte, verzweifelten viele Ökonomen daran, jemals eine zufriedenstellende ökonomische Analyse der Geldpreise zu erstellen. Sie sahen sich veranlasst, die fundamentale Analyse der Geldpreise aufzugeben und die Preise von Gütern vollständig von ihren Geldkomponenten zu trennen. In diesem Irrglauben nahmen sie an, dass die einzelnen Preise ganz wie im Tauschhandel ohne Geldkomponenten bestimmt werden, während das Angebot an und die Nachfrage nach Geld ein imaginäres Gebilde namens „allgemeines Preisniveau“ bestimmen. Die Ökonomen begannen, sich getrennt zu spezialisieren in eine „Preistheorie“, die vom Geld in seinen realen Funktionen völlig abstrahierte, und eine „Geldtheorie“, die von den einzelnen Preisen abstrahierte und sich ausschließlich mit einem mythischen „Preisniveau“ befasste. Erstere beschäftigte sich ausschließlich mit einem bestimmten Preis und seinen Determinanten, letztere ausschließlich mit der „Wirtschaft als Ganzes“ ohne Bezug zu den einzelnen Komponenten - „Mikroökonomie“ bzw. „Makroökonomie“ genannt. Tatsächlich führen solche falschen Prämissen unweigerlich zu falschen Schlussfolgerungen. Für die Wirtschaftswissenschaften ist es sicherlich legitim und notwendig, bei der Analyse der Wirklichkeit verschiedene Segmente zu isolieren, um sie im weiteren Verlauf der Analyse zu konzentrieren. Es ist jedoch nicht legitim, durch diese Trennung die Wirklichkeit zu verfälschen, so dass die abschließende Analyse kein richtiges Bild der einzelnen Teile und ihrer Wechselwirkungen ergibt. 2. Viele Autoren interpretieren die „Kaufkraft der Geldeinheit“ als eine Art „Preisniveau“, eine messbare Größe, die aus einer Art Durchschnitt „aller Güter zusammen“ besteht. Die großen klassischen Ökonomen haben diesen falschen Standpunkt nicht vertreten: Wenn sie ohne ausdrückliche Einschränkung vom Wert des Geldes oder vom Preisniveau sprechen, meinen sie das Preisgefüge, sowohl von Waren als auch von Dienstleistungen, in seiner ganzen Besonderheit und ohne bewusste Andeutung irgendeines statistischen Durchschnitts. (Jacob Viner, Studies in the Theory of International Trade [New York: Harper & Bros., 1937], S. 314) Vgl. auch Joseph A. Schumpeter, History of Economic Analysis (New York: Oxford University Press, 1954), S. 1094. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Geldmenge | Keynes | Landsburg I 28 Rezession/Geldmenge/Keynes/Keynesianismus: Die Keynesianer (diesmal einschließlich Keynes) glaubten, dass die Geldmenge während der 1930er Jahre weitgehend stabil gewesen sei, und führten dies als Beweis dafür an, dass eine stabile Geldmenge nichts gegen wirtschaftliche Katastrophen ausrichten könne. Nach Ansicht der Keynesianer wurde Geld geschaffen, und die Menschen hielten es einfach. >Rezession/Keynesianismus, >Geldmenge/Keynes, >Geldmenge/Keynesianismus. FriedmanVsKeynes/Landsburg: Das war schlichtweg falsch. Was tatsächlich geschah, war, dass man die Geldmenge dramatisch schrumpfen ließ, größtenteils aufgrund von Bankenzusammenbrüchen, die die Behörden kaum verhinderten oder gegensteuerten. ((...) „Geld“ umfasst Guthaben auf Girokonten, von denen die meisten von den Banken geschaffen werden, z. B. wenn Ihr Bankier Ihnen einen Kredit in Höhe von 10.000 Dollar gibt (...) . Wenn Banken zusammenbrechen, verschwinden diese Guthaben). >Quasigeld, >Banken, >Kredite, >Kassenbestand, >Darlehen, >Geldmenge. Landsburg I 29 FriedmanVsKeynes/FriedmanVsKeynesianismus/Landsburg: Wenn Geld verschwindet, versuchen die Menschen, mehr davon zu erwerben (genau das Gegenteil von dem, was passiert, wenn neues Geld geschaffen wird und die Menschen versuchen, es loszuwerden). Sie tun dies, indem sie keine Dinge kaufen. Langfristig ist die einzige Auswirkung ein Rückgang der Preise. Kurzfristig jedoch führt dies zu einem Rückgang der Wirtschaftstätigkeit. Wenn dieser Rückgang der Wirtschaftstätigkeit inmitten einer bestehenden Rezession stattfindet und zu weiteren Bankenzusammenbrüchen und einer weiteren Verringerung der Geldmenge führt, kann die katastrophale Kurzfristigkeit viele Jahre andauern. Die wichtigste Erkenntnis für die Wirtschaftspolitik ist also, dass sich diese Geschichte nicht wiederholen darf. Akademiker und politische Entscheidungsträger haben sich dies sehr zu Herzen genommen. Vor allem dank der von Friedman und Schwartz angeregten Politik erlebte Nordamerika eine 70-jährige Periode beispielloser wirtschaftlicher Stabilität, und viele glaubten, dass sich die häufigen schweren Rezessionen der Vergangenheit nie wiederholen würden. |
EconKeyn I John Maynard Keynes The Economic Consequences of the Peace New York 1920 Landsburg I Steven E. Landsburg The Essential Milton Friedman Vancouver: Fraser Institute 2019 |
| Geldmenge | Mill | Rothbard II 251 Geldmenge/Währung/John Stuart Mill/Rothbard: Wie so viele andere wurde Mill erst durch die Wirtschafts- und Finanzkrise von 1825-26 veranlasst, seine Aufmerksamkeit auf das Bankwesen und die Konjunkturzyklen zu richten. Doch im Gegensatz zu vielen anderen gab er seinen grundlegenden Ricardianismus in diesem Bereich auf, anstatt ihn zu erweitern.(1) Anstatt das neue Phänomen der Konjunkturzyklen als durch monetäre Störungen verursacht zu betrachten, sah er sie als Folge von „Spekulationswellen“, die vermutlich durch Überoptimismus ausgelöst wurden. Geld und Banken reagierten lediglich passiv auf Schwankungen in der Wirtschaft. Daraus zog er die Schlussfolgerung, dass Bewegungen in der Geldmenge, zumindest bei einem Goldstandard, keine Auswirkungen auf die Preise oder den Handel haben. Im Rahmen eines Goldstandards stiegen die Preise zunächst und zogen die Geldmenge nach oben, später fielen sie und zogen die Geldmenge nach unten. Rothbard: Wie konnte Mill diese seltsame Doktrin mit seinem allgemeinen Ricardianismus und seiner These vom Einfluss des Geldangebots auf seinen Wert in Einklang bringen? Er tat dies durch eine ausgeklügelte, wenn auch bizarre und falsche Theorie darüber, was das Geldangebot ausmacht. Das Geldangebot bestehe nicht nur aus Münzen, Banknoten und Sichteinlagen, so Mill, sondern auch aus der „Kreditwürdigkeit“ eines jeden Bürgers. Wenn eine Bank einem Mitglied der Öffentlichkeit Geld leiht, kann sie den Bestand an Banknoten oder Einlagen erhöhen, aber diese Erhöhung wird genau durch eine Verringerung der „Kreditwürdigkeit“ der kreditnehmenden Bürger kompensiert. Wenn die Banken also Geld an Privatpersonen und Unternehmen verleihen, erhöht sich die Geldmenge überhaupt nicht. Im Gegenteil, wenn die Banken Staatsanleihen kaufen oder das Staatsdefizit finanzieren, erhöhen sie die Gesamtgeldmenge direkt um den gleichen Betrag. Sie erhöhen die Geldmenge sogar noch, wenn sie Privatpersonen über das Maß ihrer tatsächlichen Kreditwürdigkeit hinaus Geld leihen. Rothbard: Wie soll diese „Kreditwürdigkeit“ bestimmt werden? Indem die Banken ihre Kredite auf solide Kreditnehmer und auf die Diskontierung von „echten Wechseln“ beschränken, die kurzfristig sind, denen Lagerbestände von in Arbeit befindlichen Gütern gegenüberstehen und die sich daher in kurzer Zeit selbst liquidieren. Der Bankkredit folgt dann munter den „Bedürfnissen des Handels“ nach oben oder unten und kann die Preise nicht erhöhen. Mills Theorie war zwar völlig abwegig, hatte aber zumindest das Verdienst, eine plausible, logische Erklärung für das Credo der Bankschule zu liefern - eine Erklärung, die von kaum einem seiner Kollegen erreicht wurde. Darüber hinaus lieferte Mills Doktrin einen guten Grund für sein Engagement für den Goldstandard und für seine Anprangerung des nicht konvertierbaren Fiat-Geldes durch die Bullionisten. >Bullionismus, >Goldstandard. 1. Morris Perlman hat darauf hingewiesen, dass James Mill in einer Buchbesprechung im Jahr 1808 eine extreme Version der Real-Bills-Bankenschule entwickelte. In diesem Fall war James Mill in diesem Bereich nie ein Ricardianer, und John Stuart Mill könnte seinen Filio-Pietismus ausgeübt haben, indem er die monetären Ansichten seines Vaters sowie den Ricardianismus in der übrigen Ökonomie zurückbrachte. Morris Perlman, 'Adam Smith and the Paternity of the Real Bills Doctrine', History of Political Economy, 21 (Spring 1989), pp. 88-90. |
Mill I John St. Mill Von Namen, aus: A System of Logic, London 1843 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Mill II J. St. Mill Utilitarianism: 1st (First) Edition Oxford 1998 Mill Ja I James Mill Commerce Defended: An Answer to the Arguments by which Mr. Spence, Mr. Cobbett, and Others, Have Attempted to Prove that Commerce is Not a Source of National Wealth 1808 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Geldmenge | Mises | Rothbard IV 15 Geldmenge/Mises/Rothbard: Mises konnte (…) zeigen(1), dass eine frühe und lange vergessene Einsicht von Ricardo und seinen unmittelbaren Nachfolgern eminent richtig war: dass, abgesehen von der industriellen oder konsumtiven Verwendung des Goldes, eine Erhöhung der Geldmenge keinerlei sozialen Nutzen bringt. Denn im Gegensatz zu Produktionsfaktoren wie Boden, Arbeit und Kapital, deren Vermehrung zu einer höheren Produktion und einem höheren Lebensstandard führt, kann eine Vermehrung der Geldmenge nur die Kaufkraft des Geldes verwässern, nicht aber die Produktion steigern. Wenn sich die Geldmenge in der Brieftasche oder auf dem Bankkonto eines jeden über Nacht auf magische Weise verdreifachen würde, würde sich die Gesellschaft nicht verbessern. Aber Mises zeigte, dass der große Reiz der „Inflation“ (eine Erhöhung der Geldmenge) gerade darin besteht, dass durch sie nicht Rothbard IV 16 jeder das neue Geld sofort und in gleichem Maße erhält; Stattdessen erhalten die Regierung und die von ihr begünstigten Empfänger von Käufen oder Subventionen das neue Geld als erste. Ihr Einkommen steigt, bevor viele Preise gestiegen sind; während die unglücklichen Mitglieder der Gesellschaft, die das neue Geld am Ende der Kette erhalten (oder, als Rentner, überhaupt nichts von dem neuen Geld erhalten), verlieren, weil die Preise der Dinge, die sie kaufen, steigen, bevor sie in den Genuss eines höheren Einkommens kommen. >Inflation/Mises, >Geld/Mises. Rothbard IV 57 Eine Erhöhung der Geldmenge dient nur dazu, die Tauschwirksamkeit jedes Frankens oder Dollars zu verwässern; sie bringt keinerlei sozialen Nutzen mit sich. Tatsächlich ist der Grund, warum die Regierung und das von ihr kontrollierte Bankensystem dazu neigen, die Geldmenge immer weiter aufzublähen, genau deshalb, weil die Erhöhung nicht allen gleichermaßen gewährt wird. Stattdessen ist der Knotenpunkt der anfänglichen Erhöhung die Regierung selbst und ihre Zentralbank; andere frühe Empfänger des neuen Geldes werden begünstigt, neue Rothbard IV 58 Kreditnehmer bei den Banken, Auftragnehmer der Regierung und die Regierungsbürokraten selbst. Diese frühen Empfänger des neuen Geldes, so Mises, profitieren auf Kosten derjenigen, die am Ende der Kette oder des Ripple-Effekts stehen und das neue Geld zuletzt erhalten, oder von Menschen mit festem Einkommen, die den neuen Geldstrom nie erhalten. In einem tiefgreifenden Sinne ist die Geldinflation also eine versteckte Form der Besteuerung oder Umverteilung von Reichtum zugunsten der Regierung und der von ihr begünstigten Gruppen und zulasten der übrigen Bevölkerung. Mises' Schlussfolgerung ist also, dass, sobald ein ausreichendes Angebot einer Ware vorhanden ist, um sich auf dem Markt als Geld zu etablieren, keine Notwendigkeit besteht, das Geldangebot jemals zu erhöhen. Das bedeutet, dass jedes beliebige Geldangebot „optimal“ ist; und jede Veränderung des Geldangebots, die von der Regierung angeregt wird, kann nur schädlich sein.(2) >Quantitätstheorie/Mises. 1. Ludwig von Mises. 1912. The Theory of Money and Credit (Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, Translated by H.E. Batson in 1934; reprinted with “Monetary Reconstruction» (New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953). Reprinted by the Foundation for Economic Education, 1971; reprinted with an Introduction by Murray N. Rothbard, Liberty Press Liberty Classics, 1989. 2. Wenn Gold oder eine andere nützliche Ware Geld ist, bringt eine Erhöhung des Goldbestandes einen sozialen Nutzen für die nichtmonetäre Verwendung mit sich; denn nun ist mehr Gold für Schmuck, für industrielle und zahnmedizinische Zwecke usw. verfügbar. Nur in Bezug auf die monetäre Verwendung ist jedes Goldangebot optimal. Ist dagegen Fiat-Papier der monetäre Standard, gibt es keine nicht-monetären Verwendungszwecke, die eine Erhöhung des Goldbestandes schmackhaft machen könnten. |
EconMises I Ludwig von Mises Die Gemeinwirtschaft Jena 1922 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Geldnachfrage | Keynesianismus | Rothbard III 790 Geldnachfrage/Keynesianismus/Rothbard: ... Das letzte keynesianische Schreckgespenst ist, dass die Menschen eine unbegrenzte Nachfrage nach Geld erwerben können, so dass die Horte unendlich wachsen werden. Dies wird als eine „unendliche“ Liquiditätspräferenz bezeichnet. >Liquiditätspräferenz/Keynesianismus. Vs „Unendliche“ Geldnachfrage siehe >Geldnachfrage/Rothbard. Und dies ist der einzige Fall, in dem Neo-Keynesianer wie Modigliani glauben, dass unfreiwillige Arbeitslosigkeit mit Preis- und Lohnfreiheit vereinbar sein kann. >Modigliani. Die Keynesianer befürchten, dass die Menschen aus Angst vor einem Preisverfall von Wertpapieren horten werden, anstatt Anleihen zu kaufen. >Hortung/Rotbhard. RothbardVsKeynesianismus: Übersetzt man dies in wichtigere „natürliche“ Begriffe, würde dies bedeuten, (...) nicht zu investieren, weil man einen bevorstehenden Anstieg des natürlichen Zinssatzes erwartet. Diese Erwartung wirkt jedoch nicht wie eine Blockade, sondern beschleunigt die darauf folgende Anpassung. Außerdem kann die Nachfrage nach Geld nicht unendlich sein, da die Menschen unabhängig von ihren Erwartungen immer weiter konsumieren müssen. Daher kann die Geldnachfrage zwangsläufig nicht unendlich sein. Das bestehende Konsumniveau wiederum erfordert ein gewisses Maß an Investitionen. Solange die produktiven Tätigkeiten fortgesetzt werden, gibt es keine Notwendigkeit oder Möglichkeit einer dauerhaften Arbeitslosigkeit, unabhängig vom Grad der Hortung.(1) >Arbeitslosigkeit/Rothbard. Ungewissheit: Eine Nachfrage nach Geld zum Halten ergibt sich aus der allgemeinen Unsicherheit des Marktes. Keynesianismus: Keynesianer führen die Liquiditätspräferenz jedoch nicht auf die allgemeine Ungewissheit, sondern auf die spezifische Ungewissheit künftiger Anleihekurse zurück. RothbardVs: Dies ist sicherlich eine sehr oberflächliche und einschränkende Sichtweise. Erstens könnte diese Ursache der Liquiditätspräferenz nur auf einem höchst unvollkommenen Wertpapiermarkt auftreten. >Risiken/Rothbard. LachmannVsKeynes: Wie Lachmann schon vor Jahren in einem vernachlässigten Artikel feststellte, konnte Keynes' Kausalmuster - „Baisse“ als Ursache für „Liquiditätspräferenz“ (Nachfrage nach Bargeld) und hohe Zinssätze - nur in Abwesenheit eines organisierten Termin- oder Futures-Marktes für Wertpapiere auftreten. Gäbe es einen solchen Markt, könnten sowohl Bären als auch Bullen auf dem Anleihemarkt „ihre Erwartungen durch Termingeschäfte zum Ausdruck bringen, für die kein Bargeld erforderlich ist. Wenn der Markt für Wertpapiere auf lange Sicht vollständig organisiert ist, hat der Besitzer von 4%igen Anleihen, der einen Zinsanstieg befürchtet, keinen Anreiz, diese gegen Bargeld einzutauschen, denn er kann sich jederzeit „absichern“, indem er sie auf Termin verkauft.(2) Rothbard III 792 Rothbard: Baissespekulationen würden zu einem Rückgang der Terminkurse von Anleihen führen, gefolgt von einem sofortigen Rückgang der Kassakurse. Somit würde spekulative Baisse natürlich zumindest einen vorübergehenden Anstieg des Zinssatzes verursachen, der jedoch nicht mit einem Anstieg der Nachfrage nach Bargeld einhergeht. Der Versuch, einen Zusammenhang zwischen der Liquiditätspräferenz bzw. der Bargeldnachfrage und dem Zinssatz herzustellen, scheitert also. >Zinsen/Keynesianismus, >Zinsen/Rothbard. 1. Hutt: „Wenn wir uns eine Situation mit unendlich elastischer Liquiditätspräferenz vorstellen können (und eine solche Situation hat es nie gegeben), dann „können wir uns vorstellen, dass die Preise schnell fallen und mit den Erwartungen von Preisänderungen Schritt halten, aber nie den Nullpunkt erreichen, wobei die volle Auslastung der Ressourcen den ganzen Weg über bestehen bleibt“. W.H. Hutt, "Significance of Price Flexibility," S. 394). 2. L.M. Lachmann, „Uncertainty and Liquidity Preference“, Economica, August 1937, S. 301. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Geltung | Habermas | III 22-24 Geltung/Methode/Bedeutung/Geltung/Sinn/Theorie/Metatheorie/Habermas: bei methodologischen Fragen geht es um Fragen des Sinnverstehens bei theoretische Fragen um Handlungen bei Fragen der Bedeutung geht es um verstandenen Sinn und bei Fragen der Geltung um implizierte Richtigkeit. >Geltungsansprüche, >Richtigkeit, >Normen, >Pflichten. III 375 Geltung/validity/Habermas: um zu einer Theorie verständigungsorientierten Handelns zu kommen, müssen wir den Begriff der Geltung verallgemeinern, und zwar über die Wahrheitsgeltung von Propositionen hinaus. Gültigkeitsbedingungen dürfen dann nicht mehr nur auf der semantischen Ebene für Sätze, sondern auf der pragmatischen Ebene für Äußerungen identifiziert werden. Dazu muss es einen Bruch mit der „Logos-Auszeichnung der Sprache“ (1) d.h. mit der Privilegierung ihrer Darstellungsfunktion geben. Das hat auch Folgen für die ontologischen Voraussetzungen der Sprachtheorie. >Sprache, >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas >Gesellschaft. 1.K.O. Apel, Zwei paradigmatische Antworten auf die Frage nach der Logosauszeichnung der Sprache, in: Festschrift für Perpeet, Bonn, 1980. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Geltungsansprüche | Parsons | Habermas IV 415 Geltungsansprüche/Parsons/HabermasVsParsons/Habermas: Parsons berücksichtigt nicht, und er kann auch im Rahmen seiner Handlungstheorie nicht berücksichtigen, dass sich der Begriff der Sanktionen auf Ja/Nein-Stellungnahmen zu kritisierbaren Geltungsansprüchen nicht anwenden lässt. Die Strategiepaare Anreiz/Abschreckung und Überzeugung/Ermahnung unterscheiden sich nämlich: im einen Fall ist Ego allein an den Konsequenzen seines Handelns orientiert, im anderen Fall muss er mit Alter sprechen und ihn über das Bestehen von Sachverhalten aufklären oder überzeugen. Habermas IV 416 Im ersten Fall geht es um erfolgsorientiertes Handeln, im zweiten Fall um verständigungsorientiertes Handeln. >Illokutionäre Akte, Perlokutionäre Akte. |
ParCh I Ch. Parsons Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014 ParTa I T. Parsons The Structure of Social Action, Vol. 1 1967 ParTe I Ter. Parsons Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Gemeingut | De Viti De Marco | Rothbard III 1030 Gemeingut/Kollektive Güter/De Viti De Marco/Rothbard: Es sind viele Versuche unternommen worden (...), das Konzept des „kollektiven“ Gutes zu retten, um eine scheinbar unumstößliche, wissenschaftliche Rechtfertigung für staatliche Maßnahmen zu liefern. De Viti De Marco: Antonio De Viti De Marco definierte „kollektive Bedürfnisse“ als zwei Kategorien: a) Bedürfnisse, die entstehen, wenn sich ein Individuum nicht in Isolation befindet, und b) Bedürfnisse, die mit einem Interessenkonflikt verbunden sind. RothbardVsDe Viti De Marco: Vs a) Die erste Kategorie ist jedoch so weit gefasst, dass sie die meisten Marktprodukte einschließt. Es hätte zum Beispiel keinen Sinn, Theaterstücke aufzuführen, wenn nicht eine bestimmte Anzahl von Menschen sie sehen würde, oder Zeitungen herauszugeben, wenn es nicht einen bestimmten breiten Markt gäbe. Müssen daher alle diese Branchen verstaatlicht und vom Staat monopolisiert werden? Vs b) Die zweite Kategorie soll vermutlich für die Verteidigung gelten. Dies ist jedoch nicht richtig. Die Verteidigung selbst spiegelt keinen Interessenkonflikt wider, sondern eine drohende Invasion, gegen die man sich verteidigen muss. Außerdem ist es kaum vernünftig, dasjenige Bedürfnis als „kollektiv“ zu bezeichnen, das am wenigsten einhellig sein dürfte, denn Räuber werden es kaum wünschen!(1) Immaterielle Güter/Dienstleistungen: Andere Ökonomen schreiben, als ob Verteidigung notwendigerweise kollektiv sei, weil es sich um eine immaterielle Dienstleistung handelt, während Brot, Autos usw. materiell teilbar sind und an Individuen verkauft werden können. RothbardVs: Aber „immaterielle“ Dienstleistungen für Einzelpersonen gibt es auf dem Markt im Überfluss. Müssen Konzertveranstaltungen vom Staat monopolisiert werden, weil ihre Dienstleistungen immateriell sind? 1. Antonio De Viti De Marco, First Principles of Public Finance (London: Jonathan Cape, 1936), S. 37-41. Ähnlich wie De Viti's erste Kategorie ist Baumol's Versuch eines Kriteriums für „gemeinsam“ finanzierte Güter, für eine Kritik daran siehe Rothbard, „Toward A Reconstruction of Utility and Welfare Economics“, S. 255-60. |
De Viti De Marco I Antonio De Viti De Marco La Politica Commerciale E Gl’interessi Dei Lavoratori Charleston, South Carolina 2010 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Gemeingut | Wirtschaftstheorien | Rothbard III 1030 Gemeingut/Kollektive Güter/Wirtschaftstheorien/Rothbard: Es sind viele Versuche unternommen worden (...), das Konzept des „kollektiven“ Gutes zu retten, um eine scheinbar unumstößliche, wissenschaftliche Rechtfertigung für staatliche Maßnahmen zu liefern. Molinari: Molinari zum Beispiel versuchte, die Verteidigung als kollektives Gut zu etablieren, und behauptete: „Eine Polizeitruppe dient allen Einwohnern des Bezirks, in dem sie tätig ist, aber die bloße Einrichtung einer Bäckerei stillt nicht ihren Hunger.“ RothbardVsMolinari: Aber im Gegenteil, es gibt keine absolute Notwendigkeit für eine Polizeitruppe, jeden Einwohner eines Gebietes zu verteidigen oder, mehr noch, jedem das gleiche Maß an Schutz zu gewähren. Außerdem würde sich ein absoluter Pazifist, ein Anhänger der totalen Gewaltlosigkeit, der in diesem Gebiet lebt, nicht als von der Polizei geschützt oder als von ihr verteidigt betrachten. Im Gegenteil, er würde jede Polizei in seinem Gebiet als nachteilig für ihn betrachten. Daher kann die Verteidigung nicht als „kollektives Gut“ oder „kollektives Bedürfnis“ betrachtet werden. Ähnlich verhält es sich mit Projekten wie Staudämmen, bei denen nicht einfach davon ausgegangen werden kann, dass sie allen in dem Gebiet zugute kommen.(1) De Viti De Marco: Antonio De Viti De Marco definierte „kollektive Bedürfnisse“ als zwei Kategorien: a) Bedürfnisse, die entstehen, wenn sich ein Individuum nicht in Isolation befindet, und b) Bedürfnisse, die mit einem Interessenkonflikt verbunden sind. RothbardVsDe Viti De Marco: Vs a) Die erste Kategorie ist jedoch so weit gefasst, dass sie die meisten Marktprodukte einschließt. Es hätte zum Beispiel keinen Sinn, Theaterstücke aufzuführen, wenn nicht eine bestimmte Anzahl von Menschen sie sehen würde, oder Zeitungen herauszugeben, wenn es nicht einen bestimmten breiten Markt gäbe. Müssen daher alle diese Branchen verstaatlicht und vom Staat monopolisiert werden? Vs b) Die zweite Kategorie soll vermutlich für die Verteidigung gelten. Dies ist jedoch nicht richtig. Die Verteidigung selbst spiegelt keinen Interessenkonflikt wider, sondern eine drohende Invasion, gegen die man sich verteidigen muss. Außerdem ist es kaum vernünftig, dasjenige Bedürfnis als „kollektiv“ zu bezeichnen, das am wenigsten einhellig sein dürfte, denn Räuber werden es kaum wünschen!(2) Immaterielle Güter/Dienstleistungen: Andere Ökonomen schreiben, als ob Verteidigung notwendigerweise kollektiv sei, weil es sich um eine immaterielle Dienstleistung handelt, während Brot, Autos usw. materiell teilbar sind und an Individuen verkauft werden können. RothbardVs: Aber „immaterielle“ Dienstleistungen für Einzelpersonen gibt es auf dem Markt im Überfluss. Müssen Konzertveranstaltungen vom Staat monopolisiert werden, weil ihre Dienstleistungen immateriell sind? Rothbard III 1031 Samuelson: In den letzten Jahren hat Professor Samuelson seine eigene Definition von „kollektiven Konsumgütern“ in einer sogenannten „reinen“ Theorie der Staatsausgaben angeboten. Def. kollektive Konsumgüter/Samuelson: Kollektive Konsumgüter sind nach Samuelson solche, „die alle gemeinsam in dem Sinne genießen, dass der Konsum eines jeden Individuums eines solchen Gutes zu keinem Abzug vom Konsum eines anderen Individuums dieses Gutes führt“. Aus irgendeinem Grund wird angenommen, dass dies die richtigen Güter (oder zumindest diese) sind, die der Staat und nicht der freie Markt bereitstellen sollte.(3) VsSamuelson: Samuelsons Kategorie ist mit gebührender Schärfe angegriffen worden. Professor Enke(4) wies beispielsweise darauf hin, dass die meisten staatlichen Dienstleistungen einfach nicht in Samuelsons Klassifizierung passen - darunter Autobahnen, Bibliotheken, Justizdienste, Polizei, Feuerwehr, Krankenhäuser und militärischer Schutz. Wir können sogar noch weiter gehen und behaupten, dass keine Güter jemals in Samuelsons Kategorie der „kollektiven Konsumgüter“ passen würden. Margolis: [Julius] Margolis(4) zum Beispiel, der Samuelson zwar kritisch gegenübersteht, räumt ein, dass die Landesverteidigung und Leuchttürme in diese Kategorie fallen. Aber die „Landesverteidigung“ ist sicherlich kein absolutes Gut mit nur einer Versorgungseinheit. Sie besteht aus spezifischen Ressourcen, die auf bestimmte und konkrete Weise eingesetzt werden - und diese Ressourcen sind notwendigerweise knapp. Ein Ring von Verteidigungsbasen um New York zum Beispiel verringert die Menge, die um San Francisco herum verfügbar ist. Außerdem leuchtet ein Leuchtturm nur in einem bestimmten Gebiet. Ein Schiff in diesem Gebiet verhindert nicht nur, dass andere zur gleichen Zeit in das Gebiet einlaufen, sondern auch der Bau eines Leuchtturms an einem Ort schränkt dessen Bau an anderer Stelle ein. Wenn ein Gut wirklich technologisch „kollektiv“ im Sinne von Samuelson ist, dann ist es überhaupt kein Gut, sondern eine natürliche Bedingung für das menschliche Wohlergehen, wie die Luft, die für alle im Überfluss vorhanden ist und daher niemandem gehört. In der Tat ist nicht der Leuchtturm, sondern der Ozean selbst - wenn die Ianes nicht überfüllt sind - das „kollektive Konsumgut“, das daher herrenlos bleibt. Es ist offensichtlich, dass weder die Regierung noch irgendjemand anderes normalerweise benötigt wird, um den Ozean zu produzieren oder zu verteilen.(4) Rothbard III 1032 Tiebout: Charles M. Tiebout(5) räumt ein, dass es keinen „reinen“ Weg zur Festlegung eines optimalen Niveaus der Staatsausgaben gibt, und versucht, eine solche Theorie speziell für die Kommunalverwaltung zu retten. Er ist sich bewusst, dass der Prozess der Besteuerung und sogar der Stimmabgabe die freiwillige Demonstration der Wahlfreiheit der Verbraucher im Bereich der Regierung ausschließt, und argumentiert, dass die Dezentralisierung und die Freiheit der Binnenwanderung die Ausgaben der lokalen Regierung mehr oder weniger optimal machen - so wie wir sagen können, dass die Ausgaben von Unternehmen auf dem freien Markt „optimal“ sind -, da die Einwohner nach Belieben zu- und abwandern können. Sicherlich ist es richtig, dass der Verbraucher besser gestellt ist, wenn er ohne weiteres aus einer Gemeinde mit hohen Steuern in eine Gemeinde mit niedrigen Steuern umziehen kann. Aber dies hilft dem Verbraucher nur bis zu einem gewissen Grad; es löst nicht das Problem der Staatsausgaben, das ansonsten dasselbe bleibt. Es gibt in der Tat noch andere Faktoren als den Staat, die bei der Wahl des Wohnsitzes eine Rolle spielen, und es kann sein, dass genügend Menschen aus dem einen oder anderen Grund an ein bestimmtes geografisches Gebiet gebunden sind, um ein hohes Maß an staatlicher Plünderung zuzulassen, bevor sie umziehen. Darüber hinaus besteht ein großes Problem darin, dass die gesamte Landfläche der Welt festgelegt ist und dass die Regierungen das gesamte Land für sich beansprucht haben und somit die Verbraucher allgemein belasten.(5) >Kollektive Güter/Rothbard, >Soziale Güter. 1. Gustave de Molinari, The Society ofTomorrow. New York: G.P. Putnam's Sons, 1904. Nachdruck Taylor & Francis, 1972 S. 63. Zum Trugschluss der kollektiven Güter siehe S.R., Ibid., S. 63. Zum Trugschluss der kollektiven Güter siehe S.R., „Spencer As His Own Critic“, Liberty, Juni 1904, und Merlin H. Hunter und Harry K. Allen, Principles of Public Finance (New York: Harpers, 1940), S. 22. Molinari hatte nicht immer an die Existenz von „Kollektivgütern“ geglaubt, wie aus seinem bemerkenswerten „De la production de la sécurité“, Journal des Economistes, 15. Februar 1849, und Molinari, „Onziéme soirée“ in Les soirées de la Rue Saint Lazare (Paris, 1849) hervorgeht. 2. Antonio De Viti De Marco, First Principles of Public Finance (London: Jonathan Cape, 1936), S. 37-41. Ähnlich wie De Viti's erste Kategorie ist Baumol's Versuch eines Kriteriums für „gemeinsam“ finanzierte Güter, für eine Kritik daran siehe Rothbard, „Toward A Reconstruction of Utility and Welfare Economics“, S. 255-60. 3. Paul A. Samuelson, „The Pure Theory of Public Expenditures“, Review ofEconomics and statistics, November 1954, S. 387-89. 4. Stephen Enke, „More on the Misuse of Mathematics in Economics: A Rejoinder,“ Review of Economics and statistics, May, 1955, pp. 131-33 ; Julius Margolis, ‚A Comment On the Pure Theory of Public Expenditures,‘ Review of Economics and statistics, November, 19 5 5, pp. 347-49. In seiner Antwort an die Kritiker beeilt sich Samuelson, jede mögliche Andeutung zu dementieren, dass er die Sphäre des Staates auf kollektive Güter beschränken wolle, und behauptet, dass seine Kategorie wirklich ein „polares“ Konzept sei. Die Güter in der realen Welt sollen nur Mischungen aus den „polaren Extremen“ der öffentlichen und privaten Güter sein. Aber diese Konzepte sind, selbst in Samuelsons eigenen Begriffen, entschieden nicht polar, sondern erschöpfend. Entweder verringert der Konsum eines Gutes durch A den möglichen Konsum von B, oder er tut es nicht: Diese beiden Alternativen schließen sich gegenseitig aus und erschöpfen die Möglichkeiten. In der Tat hat Samuelson seine Kategorie sowohl als theoretisches als auch als praktisches Instrument aufgegeben. Paul A. Samuelson, „Diagrammatic Exposition of a Theory of Public Expenditure“, Review of Economics and statistics, November 1955, S. 350-56. 5. Charles M. Tiebout, „A Pure Theory of Local Expenditures“, Journal of Political Economy, Oktober 1956, S. 416-24. An einer Stelle scheint Tiebout zuzugeben, dass seine Theorie nur dann gültig wäre, wenn jeder Mensch irgendwie „seine eigene Kommunalverwaltung“ sein könnte. Ibid., S. 421. Im Zuge einer scharfen Kritik an der Idee des Wettbewerbs in der Regierung schrieb der Colorado Springs Gazette-Telegraph wie folgt: „Wenn der Steuerzahler die Freiheit hätte, als Kunde zu handeln und nur die Dienstleistungen zu kaufen, die er für sich selbst als nützlich erachtet und die preislich in seinem Rahmen liegen, dann wäre dieser Wettbewerb zwischen den Regierungen eine wunderbare Sache. Aber weil der Steuerzahler kein Kunde ist, sondern nur der Regierte, kann er nicht frei wählen. Er ist nur gezwungen, zu zahlen.... Bei der Regierung gibt es keine Produzenten-Kunden-Beziehung. Es gibt nur die Beziehung, die immer zwischen denen besteht, die herrschen, und denen, die beherrscht werden. Die Beherrschten sind niemals frei, die Dienstleistungen der Produkte des Herrschers abzulehnen.... Anstatt zu versuchen, herauszufinden, welche Regierung den Beherrschten am besten dienen kann, begann jede Regierung, mit jeder anderen Regierung auf der Grundlage ihrer Steuereinnahmen zu konkurrieren.... Das Opfer dieses Wettbewerbs ist immer der Steuerzahler.... Der Steuerzahler wird nun von der Bundes-, Landes-, Schul-, Bezirks- und Stadtregierung bedrängt. Jeder von ihnen konkurriert um den letzten Dollar, den er hat.“ (Colorado Springs Gazette-Telegraph, 16. Juli 1958) |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Gemeinschaft | al-Farabi | Höffe I 125 Gemeinschaft/al-Farabi/Höffe: Das vollkommene Gemeinwesen, das in Weisheit und Tugendhaftigkeit gründet, bildet im Geist des Neuplatonismus zwischen dem Mikrokosmos, dem nach Vollkommenheit strebenden Menschen, und dem Makrokosmos, dem vollkommenen Universum, die vermittelnde und Einheit stiftende Instanz(1). Organisches Bild vom Staat: Al-Fārābī übernimmt ein organologisches Staatsdenken, nach dem das Gemeinwesen als ein menschlicher Körper zu verstehen ist. Dafür gibt es durchaus antike Vorbilder, z.B. Platon, der allerdings die Stände in Analogie zur Seele sieht. Daher ist hier eher an Livius’ Erzählung vom Aufstand des Magens gegen die Glieder, auch an Cicero zu denken. Für al-Fārābī Höffe I 126 gleicht das vortreffliche Gemeinwesen einem vollkommenen Körper, in dem durch das Zusammenwirken aller Gliedmaßen das Leben in einem Zustand vollkommen erhalten bleibt >Herrschaft/al-Farabi, >Staat/al-Farabi. 1. al-Farabi, Vortrefflicher Staat |
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| Gemeinschaft | Augustinus | Höffe I 105 Gemeinschaft/Augustinus/Höffe: Dem weltlichen, von Selbstliebe (amor sui) beherrschten irdischen Staat (civitas terrena) widersetzt sich das spirituell von Gottesliebe (amor dei) geprägte göttliche Gemeinwesen (civitas divina(1)). Weil schon die einer angeborenen Verderbnis, der Erbsünde, geschuldete Selbstliebe, nicht erst ihre zur Bosheit gesteigerte Gestalt den Teufel kennzeichnet, heißt die dem Gottesstaat entgegenstehende Gemeinschaft auch «Staat des Teufels» (civitas diaboli,(2)). Höffe: Auch wenn der Ausdruck «Gottesstaat» – gemäß dem Bild «Jerusalem» besser als «Gottesstadt» zu übersetzen – auf den Gegenbegriff, den weltlichen Staat, hinweist, genießt das göttliche Reich den alles überragenden Vorrang. Obwohl der Gottesstaat, die Gemeinschaft der von Gott Erwählten, den irdischen Staat ablöst, sind beide «in dieser Weltzeit gewissermaßen verflochten und miteinander vermischt». Jemand kann, weil getauft, äußerlich Mitglied der Kirche, in Wahrheit aber Glied Höffe I 106 des weltlichen Staates sein, während ein Feind der Kirche ein künftiger Mitbürger des Gottesstaates sein kann(3). Im Gottesstaat herrschen die ewige Seligkeit und ein immerwährender Sabbat, also Festtag. Vorgeschichte: Bevor das Christentum unter den römischen Kaisern zunächst toleriert, später als gleichberechtigt anerkannt wird und schließlich im 4. Jahrhundert zur Staatsreligion avanciert, drängt sich die für eine verfemte Minderheit typische Position auf: Man hebt wie der Kirchenlehrer Tertullian bei der Mehrheitsposition das Negative hervor, hier dass staatliche Herrschaft auf kriegerischer Gewalt gründet, und lehnt sie deshalb ab. >Staat/Augustinus, >Ordnung/Augustinus. 1. Augustinus, Der Gottesstaat, XIV, 28 2. Ebenda, XVI, 16 3. Ebenda, I, 35 |
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| Gemeinschaft | Gadamer | I 450 Gemeinschaft/Gadamer: Alle Formen menschlicher Lebensgemeinschaft sind Formen von Sprachgemeinschaft, ja mehr noch: sie bilden Sprache. In einer wirklichen Sprachgemeinschaft (...) kommen wir nicht erst überein, sondern sind immer schon übereingekommen, wie Aristoteles zeigte.(1) Es ist die Welt, die sich uns im gemeinsamen Leben darstellt, die alles umschließt, worüber Verständigung erzielt wird, und nicht etwa sind die sprachlichen Mittel für sich selbst Gegenstand derselben. >Sprachgemeinschaft, >Sprachgebrauch, >Kultur, >Hermeneutik, >Verstehen, >Deutung, >Kulturelle Überlieferung. 1. Aristoteles, Polit. A 2 |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Gemeinschaft | Parsons | Habermas IV 335 Gemeinschaft/Parsons/Habermas: „Gemeinschaft“ und „Gesellschaft“ bezeichnen Typen von Gesellschaftsstrukturen, denen auf der Ebene sozialer Handlungen typische Wertorientierungen entsprechen. Die Prozesse gesellschaftlicher Rationalisierung lassen sich demnach als fortschreitende Institutionalisierung der Wertorientierungen verstehen, die garantieren, dass die Aktoren ihrem Eigeninteresse folgen, eine gefühlsneutrale Einstellung einnehmen, universalistischen Regelungen den Vorzug geben, soziale Gegenspieler nach Maßgabe ihrer Funktionen beurteilen und Handlungssituationen zweckrational nach Mitteln und Bedingungen spezifizieren. Was Weber als die institutionalisierte Zweckrationalität des Wirtschafts- und Verwaltungshandelns begriffen hatte, kann Parsons mit Hilfe der pattern-variables reformulieren. >Terminologie/Parsons, >Entscheidungen/Parsons. |
ParCh I Ch. Parsons Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014 ParTa I T. Parsons The Structure of Social Action, Vol. 1 1967 ParTe I Ter. Parsons Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Gemeinschaft | Rawls | I 521 Soziale Gemeinschaft/Social Union/Rawls: Vorformen werden bei Hegel in der Rechtsphilosophie, §§ 182-187 diskutiert. >Rechtsphilosophie/Hegel, >G.W.F. Hegel. Rawls: Die Mitglieder einer privaten Gemeinschaft, seien es Individuen oder Zusammenschlüsse, haben ihre eigenen privaten Ziele die entweder konkurrieren oder unabhängig voneinander sind. Jedenfalls ergänzen sie sich nicht. Von Institutionen wird hier nicht angenommen, dass sie einen Wert haben, ihre Aktivitäten werden nicht als Gut sondern allenfalls als Last verstanden. Jede Person tritt also nur zur Verfolgung ihrer eigenen Ziele in die Gemeinschaft ein. Niemand nimmt Notiz vom Besitz oder den Gütern anderer, sondern bevorzugt das effizienteste Arrangement, das ihm die größten Vorteile verschafft. Öffentliche Güter bestehen vor allem aus den Rahmenbedingungen die der Staat zur Verfügung stellt. I 522 Die Gemeinschaftsmitglieder werden nicht von dem Bedürfnis angetrieben, sich gerecht zu verhalten, daher verlangt das System um zu funktionieren, den Einsatz von Sanktionierungen. Soziale Natur/Rawls: die soziale Natur des Menschen wird am besten als Gegenbild zu dem der oben skizzierten Privatgemeinschaft gesehen: Menschen haben tatsächlich gemeinschaftlich geteilte Ziele und sie schätzen die gemeinsam genutzten Institutionen und öffentliche Güter als etwas Gutes an sich. Wir brauchen einander als Partner I 523 in vielen Hinsichten des Lebens und die Erfolge und Erlebnisse anderer sind ein Teil unseres eigenen gesellschaftlichen Lebens. Siehe Aristotelisches Prinzip, Prinzipien/Rawls, >Gemeinschaft/Humboldt. Rawls: Wir können Humboldt folgen und sagen, dass es durch die soziale Gemeinschaft ermöglicht wird, dass jeder an der Gesamtheit der realisierten Möglichkeiten der anderen Mitglieder partizipieren kann. I 527 Gerechtigkeit/Gemeinschaft/Rawls: um zu verstehen, wie die Prinzipien der Gerechtigkeit mit der menschlichen Sozialisation verbunden sind, können wir uns eine wohlgeordnete Gesellschaft als eine soziale Gemeinschaft von sozialen Gemeinschaften vorstellen. Kollektive Intentionen erwachsen dann als Konsequenz daraus, dass alle erwarten, dass jeder (eingeschlossen er selbst) sich nach den Prinzipien der Gerechtigkeit verhalten. I 528 Die individuellen Leben der Einzelnen sind sozusagen Pläne innerhalb eines Gesamtplans der Gemeinschaft, wobei dieser Gesamtplan jedoch kein übergeordnetes Ziel vorgibt wie z.B. bei einer religiösen Vereinigung, geschweige denn irgendein nationales Prestige. Es geht vielmehr darum, dass die verfassungsmäßige Ordnung die Prinzipien der Gerechtigkeit realisiert. I 529 Arbeitsteilung: Arbeitsteilung wird in einer sozialen Gemeinschaft natürlich nicht abgeschafft. Es geht ja um die Möglichkeit für jedes Mitglied, seine individuellen Fähigkeiten einbringen zu können. Dabei ist es allerdings niemals möglich, dass jeder seine Fähigkeiten in uneingeschränktem Maße realisiert. >Arbeitsteilung. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Gemeinschaft | Smith | Otteson I 17 Gemeinschaft/Adam Smith/Otteson: Wenn eine Person einmal in die Gesellschaft integriert ist, beginnt der Prozess, der für die meisten von uns in der Kindheit beginnt und den Smith „die große Schule der Selbstbeherrschung“ nennt (TMS(1): 145). Intersubjektivität: Wenn wir von anderen beurteilt werden und die angenehme oder unangenehme (je nachdem) Erfahrung machen, dass wir Sympathie oder Antipathie für andere empfinden, beginnen wir, unser eigenes Verhalten bewusst so zu steuern, dass wir mehr von Ersterem und weniger von Letzterem haben. Erst dann beginnen wir, die Tugend zu entwickeln und zu üben, die Smith als „nicht nur selbst eine große Tugend, sondern von der alle anderen Tugenden ihren Hauptglanz abzuleiten scheinen“ (TMS(1): 241 ) - nämlich „Selbstbeherrschung“, d. h. unser Verhalten so zu kontrollieren, dass es mit den Erwartungen und Urteilen anderer übereinstimmt. Erst dann beginnt der lange Prozess, in dem wir zu vollwertigen moralischen Akteuren werden. Die Gesellschaft anderer ist also nicht nur deshalb notwendig, weil wir dadurch reich werden können - dazu später mehr -, sondern in erster Linie, weil wir dadurch moralisch werden können. Anerkennung/Liebe: Der zweite wichtige Aspekt von Smiths Darstellung bezieht sich auf das, was er unser Verlangen nennt, „nicht nur geliebt zu werden, sondern schön zu sein“, „das zu sein, was das natürliche und angemessene Objekt der Liebe ist“ (TMS(1): 113). Noch weitergehend argumentiert Smith, dass wir „sowohl wünschen, respektabel zu sein als auch respektiert zu werden“ (TMS(1): 62). >Anerkennung, >Sympathie/Adam Smith, >Urteil/Adam Smith, >Idealer Beobachter/Adam Smith, >Entwicklungsstufen/Adam Smith, >Verallgemeinerung/Adam Smith, >Verstehen/Adam Smith. 1. Smith, Adam (1982) [1759]. The Theory of Moral Sentiments. D. D. Raphael and A. L. Macfie, eds. Liberty Fund. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Genauigkeit | Funder | Corr II 212 Genauigkeit/Persönlichkeitsbeurteilung/Funder/Biesanz: Funder (1995)(1) argumentiert, dass ein ergänzendes Forschungsprogramm mit dem Schwerpunkt auf Genauigkeit erforderlich ist - wann und für wen sind Wahrnehmungen genauer? Der Schlüssel zum Verständnis dieses Arguments und dieser Perspektive liegt darin, dass Genauigkeit und Voreingenommenheit konzeptionell und empirisch in keinem Zusammenhang stehen können. Die Beseitigung von Vorurteilen kann die Genauigkeit nicht verändern, da sie nicht zwei Seiten derselben Medaille sind. (...) alle Kombinationen von hoher und niedriger Genauigkeit und Vorurteilen können koexistieren. Die bloße Existenz eines Vorurteils - oder deren Ausmaß - informiert uns nicht über die Existenz oder das Ausmaß der Genauigkeit, außer an den äußersten theoretischen Grenzen. Das Vorhandensein zuverlässiger und reproduzierbarer Vorurteile und Fehler in Urteilen und Eindrücken informiert uns daher nicht über die Richtigkeit unserer Eindrücke von anderen. Persönlichkeitspsychologen müssen den Grad der Genauigkeit der Eindrücke von Charakterzügen und -dimensionen systematisch untersuchen und dokumentieren. II 2013 (...) die konstruktivistische Perspektive untersucht Genauigkeit als eine soziale Konstruktion (z.B. Konsens unter Beobachtern), und die tatsächliche Persönlichkeit der betreffenden Person ist in gewisser Weise irrelevant. Wenn sich alle einig sind, dass Jack nervig ist, dann ist er wirklich und wahrhaftig nervig. Wenn Jack freundlich und gesellig wäre und es ein Vergnügen wäre, ihn um sich zu haben (...) [würden] diese alternativen und unbeobachteten Realitäten unter dieser Perspektive nicht berücksichtigt werden. Die pragmatische Perspektive definiert die Genauigkeit in Bezug darauf, wie gut Beurteilungen es einem ermöglichen, mit dieser Person auszukommen und erfolgreich mit ihr zu interagieren. Jacks Persönlichkeit ist in gewissem Sinne nicht relevant, da es nur darum geht, wie gut Beurteilungen von Jacks Persönlichkeit es einem erlauben, erfolgreich mit Jack zu interagieren. Im Gegensatz dazu definierte Funder realistische Genauigkeit als ein umfassenderes Konstrukt. >Realistic Accuracy Model/Funder. 1. Funder, D. C. (1995). On the accuracy of personality judgment: A realistic approach. Psychological Review, 102, 652–670. Biesanz, Jeremy C.: “Realistic Ratings of Personality Revisiting Funder (1995)”, In: Philip J. Corr (Ed.) 2018. Personality and Individual Differences. Revisiting the classical studies. Singapore, Washington DC, Melbourne: Sage, pp. 209-223. |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Gender | Antiessentialismus | Gaus I 284 Gender/Antiessentialismus/Mottier: Aus einer antiessentialistischen Perspektive ist die a-priori-Kategorisierung bestimmter Themen als geschlechtsrelevant - entweder Männer oder Frauen - in der Tat problematisch. Während ein antiessentialistisches Verständnis der Kategorie Frauen betont wird, hat sich die feministische politische Theorie bisweilen der Essentialisierung der Kategorie der Männer schuldig gemacht. Terrell Carver: Wie Carver (1996) feststellt, ist die Theoretisierung der Männlichkeit nicht nur für das Verständnis der Ursachen von Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die Identifizierung der Möglichkeiten für Veränderungen, die minimal wären, wenn wir bei der Vorstellung stehen blieben, dass Männer immer und notwendigerweise nur Unterdrücker sind. Feminismus: Feministische Autorinnen neigen dazu, den Bürger innerhalb der traditionellen politischen Theorie als gleichzeitig degeneriert und männlich zu konzeptualisieren. Obwohl Carver zustimmt, dass das Subjekt der traditionellen politischen Theorie sicherlich "keine Frau" ist, weist er darauf hin, dass das, was degeneriert ist, nicht gleichzeitig männlich sein kann. Ferner kritisiert er feministische Theoretikerinnen für ihre Inkonsequenz. In Bezug auf die weibliche Identität teilen Theoretiker wie Susan Mendus und Phillips seine antiessentialistische Sichtweise (im Gegensatz zu anderen wie Walby und den maternalistisch orientierten Denkern, die den weiblichen Körper als einen wesentlichen Bestandteil der geschlechtlichen Identität betrachten). Doch wenn es darum geht, Männlichkeit zu theoretisieren, so Carver, greifen selbst antiessentialistische feministische Theoretikerinnen auf eine "krypto-biologische" und homogenisierende essentialistische Perspektive zurück. Tatsächlich definieren sich Männer in erster Linie über ihre mangelnde Fähigkeit, Kinder zu gebären. Wie Carver hervorhebt, zeigen neuere Schriften über Männlichkeit, wie problematisch es ist, die dominanten und stereotypen Darstellungen von Männlichkeit als ein universelles Modell der Geschlechtsidentität zu behandeln. >Geschlechterrollen, >Feminismus, >Essentialismus, >Maternalismus, >Paternalismus. 1. Carver, Terrell (1996) Gender Is Not a Synonym for Women. Boulder, CO: Lynne Rienner. Véronique Mottier 2004. „Feminism and Gender Theory: The Return of the State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Gender | Carver | Gaus I 284 Gender/Carver/Mottier: Wie Carver (1996)(1) hervorhebt, ist die Theoretisierung der Männlichkeit nicht nur für das Verständnis der Ursachen von Ungleichheiten zwischen den Geschlechtern von entscheidender Bedeutung, sondern auch für die Identifizierung der Möglichkeiten für Veränderungen, die minimal wären, wenn wir bei der Vorstellung stehen bleiben, dass Männer immer und notwendigerweise nur Unterdrücker sind. Feminismus: Feministische Autorinnen neigen dazu, den Bürger innerhalb der traditionellen politischen Theorie als gleichzeitig degeneriert und männlich zu begreifen. Obwohl Carver zustimmt, dass das Subjekt der traditionellen politischen Theorie sicherlich "keine Frau" ist, weist er darauf hin, dass das, was degeneriert ist, nicht gleichzeitig männlich sein kann. Ferner kritisiert er feministische Theoretikerinnen für ihre Inkonsequenz. In Bezug auf die weibliche Identität teilen Theoretiker wie Susan Mendus und Phillips seine antiessentialistische Sichtweise (im Gegensatz zu anderen wie Walby und den maternalistisch orientierten Denkern, die den weiblichen Körper als einen wesentlichen Bestandteil der geschlechtlichen Identität betrachten). Doch wenn es darum geht, Männlichkeit zu theoretisieren, argumentiert Carver, greifen selbst antiessentialistische feministische Theoretikerinnen auf eine "kryptobiologische" und homogenisierende essentialistische Perspektive zurück. Tatsächlich definieren sich Männer in erster Linie über ihre mangelnde Fähigkeit, Kinder zu gebären. Wie Carver hervorhebt, zeigen jüngste Schriften über Männlichkeit, wie problematisch es ist, die dominanten und stereotypen Darstellungen von Männlichkeit als ein universelles Modell der Geschlechtsidentität zu behandeln. >Geschlechterrollen, >Feminismus, >Essentialismus, >Maternalismus, >Paternalismus. Geschlechtsidentität/Carver: Solche Schriften weisen auch auf die Notwendigkeit hin, die Konstruktion von Männlichkeit kritisch zu analysieren. Unter Berufung auf die postmodernen Theorien von Donna Haraway und Butler verteidigt Carver daher eine mehrdimensionale Theoretisierung von Geschlechtsidentitäten - sowohl der weiblichen als auch der männlichen. Eine adäquate Theoretisierung müsse die vielfältigen Bestandteile und Formen dieser Identitäten berücksichtigen, einschließlich jener Aspekte, die im Hinblick auf dominante geschlechtliche Identitätskonstruktionen (wie sexuelle Orientierung, Rasse oder Ethnizität) marginalisiert werden, argumentiert er. 1. Carver, Terrell (1996) Gender Is Not a Synonym for Women. Boulder, CO: Lynne Rienner. Véronique Mottier 2004. „Feminism and Gender Theory: The Return of the State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Genetische Algorithmen | Norvig | Norvig I 126 Genetische Algorithmen/Norvig/Russell: Ein genetischer Algorithmus (oder GA) ist eine Variante der stochastischen Strahlensuche, bei der Nachfolgezustände durch Kombination zweier Elternzustände (parent states) und nicht durch Modifikation eines einzelnen Zustands erzeugt werden. Die Analogie zur natürlichen Selektion ist die gleiche wie bei der stochastischen Strahlensuche, nur dass es sich jetzt um eine sexuelle und nicht um eine asexuelle Fortpflanzung handelt. Norvig I 127 Wie bei der Strahlensuche beginnen GAs mit einer Reihe von k zufällig erzeugten Zuständen, der sogenannten Population. Jeder Zustand oder jedes Individuum wird als Zeichenkette über einem endlichen Alphabet dargestellt - am häufigsten eine Zeichenkette von Nullen und Einsen. Norvig I 128 Wie die stochastische Strahlensuche kombinieren genetische Algorithmen eine uphill-Tendenz mit zufälliger Erkundung und Informationsaustausch zwischen parallelen Search Threads. Der primäre Vorteil genetischer Algorithmen liegt, wenn überhaupt, in der Crossover-Operation. Es lässt sich jedoch mathematisch nachweisen, dass, wenn die Positionen des genetischen Codes zunächst in zufälliger Reihenfolge vertauscht werden, das Crossover keinen Vorteil bietet. Norvig I 155 In den 1950er Jahren verwendeten mehrere Statistiker, darunter Box (1957)(1) und Friedman (1959)(2), evolutionäre Techniken zur Optimierung von Problemen, aber erst Rechenberg (1965)(3) führte Evolutionsstrategien zur Lösung von Optimierungsproblemen für Tragflächen ein, sodass der Ansatz an Popularität gewann. In den 1960er und 1970er Jahren setzte sich John Holland (1975)(4) für genetische Algorithmen ein, sowohl als nützliches Werkzeug als auch als Methode zur Erweiterung unseres Verständnisses von Anpassung, biologisch oder anderweitig (Holland, 1995)(5). Die künstliches Leben-Bewegung (Langton, 1995)(6) geht mit dieser Idee noch einen Schritt weiter und betrachtet die Produkte von genetischen Algorithmen als Organismen und nicht als Problemlösungen. VsGenetische Algorithmen: Die meisten Vergleiche von genetischen Algorithmen mit anderen Ansätzen (insbesondere stochastisches Bergsteigen) haben ergeben, dass die genetischen Algorithmen langsamer konvergieren (O'Reilly und Oppacher, 1994(7); Mitchell et al., 1996(8); Juels und Wattenberg, 1996(9); Baluja, 1997)(10). VsVs: Solche Erkenntnisse sind in der GA-Gemeinschaft nicht universell verbreitet, aber die jüngsten Versuche innerhalb dieser Gemeinschaft, die populationsbasierte Suche als eine ungefähre Form des Bayes'schen Lernens zu verstehen, könnten helfen, die Lücke zwischen dem Feld und seinen Kritikern zu schließen (Pelikan et al., 1999)(11). >Genetische Programmierung/Norvig. 1. Box, G. E. P. (1957). Evolutionary operation: A method of increasing industrial productivity. Applied Statistics, 6, 81–101. 2. Friedman, G. J. (1959). Digital simulation of an evolutionary process. General Systems Yearbook, 4, 171–184. 3. Rechenberg, I. (1965). Cybernetic solution path of an experimental problem. Library translation 1122, Royal Aircraft Establishment 4. Holland, J. H. (1975). Adaption in Natural and Artificial Systems. University of Michigan Press. 5. Holland, J. H. (1995). Hidden Order: How Adaptation Builds Complexity. Addison-Wesley. 6. Langton, C. (Ed.). (1995). Artificial Life. MIT Press. 7. O’Reilly, U.-M. and Oppacher, F. (1994). Program search with a hierarchical variable length representation: Genetic programming, simulated annealing and hill climbing. In Proc. Third Conference on Parallel Problem Solving from Nature, pp. 397–406 8. Mitchell, M., Holland, J. H., and Forrest, S. (1996). When will a genetic algorithm outperform hill climbing? In Cowan, J., Tesauro, G., and Alspector, J. (Eds.), NIPS 6. MIT Press. 9. Juels, A. and Wattenberg, M. (1996). Stochastic hill climbing as a baseline method for evaluating genetic algorithms. In Touretzky, D. S., Mozer, M. C., and Hasselmo, M. E. (Eds.), NIPS 8, pp. 430–6. MIT Press. 10. Baluja, S. (1997). Genetic algorithms and explicit search statistics. In Mozer, M. C., Jordan, M. I., and Petsche, T. (Eds.), NIPS 9, pp. 319–325. MIT Press 11. Pelikan, M., Goldberg, D. E., and Cantu-Paz, E. (1999). BOA: The Bayesian optimization algorithm. In GECCO-99: Proc. Genetic and Evolutionary Computation Conference, pp. 525–532. |
Norvig I Peter Norvig Stuart J. Russell Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010 |
| Genetische Algorithmen | Russell | Norvig I 126 Genetische Algorithmen/Norvig/Russell: Ein genetischer Algorithmus (oder GA) ist eine Variante der stochastischen Strahlensuche, bei der Nachfolgezustände durch Kombination zweier Elternzustände (parent states) und nicht durch Modifikation eines einzelnen Zustands erzeugt werden. Die Analogie zur natürlichen Selektion ist die gleiche wie bei der stochastischen Strahlensuche, nur dass es sich jetzt um eine sexuelle und nicht um eine asexuelle Fortpflanzung handelt. Norvig I 127 Wie bei der Strahlensuche beginnen GAs mit einer Reihe von k zufällig erzeugten Zuständen, der sogenannten Population. Jeder Zustand oder jedes Individuum wird als Zeichenkette über einem endlichen Alphabet dargestellt - am häufigsten eine Zeichenkette von Nullen und Einsen. Norvig I 128 Wie die stochastische Strahlensuche kombinieren genetische Algorithmen eine uphill-Tendenz mit zufälliger Erkundung und Informationsaustausch zwischen parallelen Search Threads. Der primäre Vorteil genetischer Algorithmen liegt, wenn überhaupt, in der Crossover-Operation. Es lässt sich jedoch mathematisch nachweisen, dass, wenn die Positionen des genetischen Codes zunächst in zufälliger Reihenfolge vertauscht werden, das Crossover keinen Vorteil bietet. Norvig I 155 In den 1950er Jahren verwendeten mehrere Statistiker, darunter Box (1957)(1) und Friedman (1959)(2), evolutionäre Techniken zur Optimierung von Problemen, aber erst Rechenberg (1965)(3) führte Evolutionsstrategien zur Lösung von Optimierungsproblemen für Tragflächen ein, sodass der Ansatz an Popularität gewann. In den 1960er und 1970er Jahren setzte sich John Holland (1975)(4) für genetische Algorithmen ein, sowohl als nützliches Werkzeug als auch als Methode zur Erweiterung unseres Verständnisses von Anpassung, biologisch oder anderweitig (Holland, 1995)(5). Die künstliches Leben-Bewegung (Langton, 1995)(6) geht mit dieser Idee noch einen Schritt weiter und betrachtet die Produkte von genetischen Algorithmen als Organismen und nicht als Problemlösungen. VsGenetische Algorithmen: Die meisten Vergleiche von genetischen Algorithmen mit anderen Ansätzen (insbesondere stochastisches Bergsteigen) haben ergeben, dass die genetischen Algorithmen langsamer konvergieren (O'Reilly und Oppacher, 1994(7); Mitchell et al., 1996(8); Juels und Wattenberg, 1996(9); Baluja, 1997)(10). VsVs: Solche Erkenntnisse sind in der GA-Gemeinschaft nicht universell verbreitet, aber die jüngsten Versuche innerhalb dieser Gemeinschaft, die populationsbasierte Suche als eine ungefähre Form des Bayes'schen Lernens zu verstehen, könnten helfen, die Lücke zwischen dem Feld und seinen Kritikern zu schließen (Pelikan et al., 1999)(11). >Genetische Programmierung/Norvig. 1. Box, G. E. P. (1957). Evolutionary operation: A method of increasing industrial productivity. Applied Statistics, 6, 81–101. 2. Friedman, G. J. (1959). Digital simulation of an evolutionary process. General Systems Yearbook, 4, 171–184. 3. Rechenberg, I. (1965). Cybernetic solution path of an experimental problem. Library translation 1122, Royal Aircraft Establishment 4. Holland, J. H. (1975). Adaption in Natural and Artificial Systems. University of Michigan Press. 5. Holland, J. H. (1995). Hidden Order: How Adaptation Builds Complexity. Addison-Wesley. 6. Langton, C. (Ed.). (1995). Artificial Life. MIT Press. 7. O’Reilly, U.-M. and Oppacher, F. (1994). Program search with a hierarchical variable length representation: Genetic programming, simulated annealing and hill climbing. In Proc. Third Conference on Parallel Problem Solving from Nature, pp. 397–406 8. Mitchell, M., Holland, J. H., and Forrest, S. (1996). When will a genetic algorithm outperform hill climbing? In Cowan, J., Tesauro, G., and Alspector, J. (Eds.), NIPS 6. MIT Press. 9. Juels, A. and Wattenberg, M. (1996). Stochastic hill climbing as a baseline method for evaluating genetic algorithms. In Touretzky, D. S., Mozer, M. C., and Hasselmo, M. E. (Eds.), NIPS 8, pp. 430–6. MIT Press. 10. Baluja, S. (1997). Genetic algorithms and explicit search statistics. In Mozer, M. C., Jordan, M. I., and Petsche, T. (Eds.), NIPS 9, pp. 319–325. MIT Press 11. Pelikan, M., Goldberg, D. E., and Cantu-Paz, E. (1999). BOA: The Bayesian optimization algorithm. In GECCO-99: Proc. Genetic and Evolutionary Computation Conference, pp. 525–532. |
Russell I B. Russell/A.N. Whitehead Principia Mathematica Frankfurt 1986 Russell II B. Russell Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989 Russell IV B. Russell Probleme der Philosophie Frankfurt 1967 Russell VI B. Russell Die Philosophie des logischen Atomismus In Eigennamen, U. Wolf (Hg) Frankfurt 1993 Russell VII B. Russell On the Nature of Truth and Falsehood, in: B. Russell, The Problems of Philosophy, Oxford 1912 - Dt. "Wahrheit und Falschheit" In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 Norvig I Peter Norvig Stuart J. Russell Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010 |
| Genie | Schleiermacher | Gadamer I 193 Genie/Verstehen/Schleiermacher/Gadamer: Verfahren bewirkten. Sofern [eine] Produktion mechanisch nach Gesetzen und Regeln erfolgt und nicht unbewusst-genial, wird die Komposition vom Ausleger bewusst nachvollzogen werden; sofern sie aber eine individuelle, im eigentlichen Sinne schöpferische Leistung aus Genie ist, kann es einen solchen Nachvollzug nach Regeln nicht geben. Das Genie ist selbst musterbildend und regelgebend. Es schafft neue Formen des Sprachgebrauchs, der literarischen Komposition usw. Diesem Unterschied trägt Schleiermacher durchaus Rechnung. Der genialen Produktion entspricht auf der Seite der Hermeneutik, dass es der Divination bedarf, des unmittelbaren Erratens, das letzten Endes eine Art Kongenialität voraussetzt. Wenn nun aber die Grenzen zwischen der kunstlosen und kunstvollen, der mechanischen und der genialischen Produktion fließend sind, sofern sich immer eine Individualität zum Ausdruck bringt und darin immer ein Moment der regelfreien Genialität wirksam Ist wie in den Kindern, die in eine Sprache hineinwachsen, so folgt daraus, dass auch der letzte Grund alles Verstehens immer ein divinatorischer Akt der Kongenialität sein muss, dessen Möglichkeit auf einer vorgängigen Verbundenheit aller Individualitäten beruht. >Individuum/Schleiermacher, >Hermeneutik/Schleiermacher. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Geometrie | Bigelow | I 360 Goldener Schnitt/Bigelow/Pargetter: Diese Relation ist nur allzu real. Dennoch ist sie kein Verhältnis in unserem Sinn. >Ontologie, >Existenz, >Relationen. Bsp wenn wir Strecken erzeugen, indem wir die Strecke DF aneinanderreihen werden wie niemals einen Übereinstimmungspunkt erhalten mit Vielfachen von DC. Logische Form/allgemein/Inkommensurabilität/Bigelow/Pargetter: n mal DF wird niemals = m mal DC sein. Das gilt auch für die Lösung von Wiener (s.o.). Proportion: ist hier 2 : (1 + √5), daher kann sie nicht als Verhältnis a : b für ganze Zahlen a und b dargestellt werden. Inkommensurabilität/Beweis: kann durch raa bewiesen werden: Angenommen, DF und DC wäre kommensurabel, d.h. es gibt einen Abstand d, der sowohl DF als auch DC teilt. Betrachten wir das Rechteck (in obiger Graphik) FDC, d teilt DF auf und DF entsprich EC. Diese teilt sowohl DC als auch EC. Daher muss sie auch DE aufteilen. Dann muss dieselbe Größe sowohl das größere als auch das kleinere Rechteck teilen, was nicht geht. d müsste dann auch die Seiten des dritten Rechtecks in der Zeichnung teilen usw. ad infinitum. Daher kann keine endliche Länge beide Seiten eines goldenen Rechtecks teilen. I 360 VsBigelow: Die Inkommensurabilität scheint gegen unsere Theorie zu sprechen. >Irrationale Zahlen. BigelowVsVs: Lösung: Wir definieren „Verhältnis“ etwas neu: wir brauchen eine dritte Relation: Def Inkommensurabilität/logische Form//Bigelow/Pargetter: wenn zwei Relationen R und S inkommensurabel sind, dann, wann immer x Rn y, folgt, dass nicht : x Sm y, für welche Werte von n und m auch immer. Wiederholung von n Anwendungen von R wird niemals mit m Anwendungen von S zu einer Übereinstimmung führen. Pointe: dennoch können wir feststellen, dass die Resultaten der wiederholten Anwendungen von R und S in einer bestimmten Relation zueinander stehen. Sie stehen in einer Reihenfolge unter der linearen Ordnung „<“ („kleiner“). D.h. es kann sein, für ein n und ein m Wenn x Rn y und x Sm z, dann y < z. Goldener Schnitt/Bigelow/Pargetter: ist eindeutig definiert durch die Liste der Zahlen n und m für die das obige Schema gilt. I 362 Allgemein: Jede Proportion zwischen zwei Relationen R und S kann eindeutig charakterisiert werden durch eine Liste natürlicher Zahlen n und m, für die das Schema gilt. >Proportionen. Proportion/Bigelow/Pargetter: Diese Theorie der Proportionen geht auf Eudoxos Beitrag zu Euklids Elementen (Buch 5 Def 5) zurück. Reelle Zahlen/Bigelow/Pargetter: Diese Theorie der Proportionen als Theorie der reellen Zahlen wurde Ende des 19. Jahrhundert von Dedekind und anderen entwickelt. >Reelle Zahlen. I 364 Geometrie/Bigelow/Pargetter: Geometrie hat mit räumlich instanziierten Universalien zu tun. >Universalien. Daher ist sie verwundbar durch empirische Entdeckungen über den Raum. Es könnte sein, dass wir entdecken, dass der Raum die geometrischen Formen gar nicht instanziiert, von denen wir bisher angenommen hatten, dass sie es würden. >Entdeckungen, >Raum. Aristoteles/Bigelow/Pargetter: Nach Aristoteles würden die Formen dann verworfen. Platon/Bigelow/Pargetter: Platon erlaubt erst die Annahme eines Nicht-Euklidischen Raums. I 365 Universalien/Platonismus/Bigelow/Pargetter: Eigentlich glaubt auch Platon nicht an uninstanziierte Universalien, sondern er wird welche finden (oder erfinden). Vor allem wird er sagen, dass reine Mathematik autonom ist. >Ideen/Platon. |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Geometrie | Kant | Genz II 19 Kant/Geometrie/Genz: Kant wusste noch nicht, dass die Winkelsumme des Dreiecks auf einer Kugeloberfläche > 180°. (Erst Gauß, einige Jahrzehnte später, hielt es für möglich. Sein Experiment ergab es aber nicht, die Krümmung ist zu klein.). II 20 Pointe: die Nicht-Euklidische Geometrie wird zur empirischen Wissenschaft, nicht a priori. >a priori, >Euclid/Kant. Thiel I 281 Raum/Geometrie/Thiel: Verwirrender ist der Bedeutungswandel der Begriffe "Raum" und "Geometrie". Kant ist hier immer der Gewährsmann der konservativen Euklidiker. Raum/Kant: Plural von Raum nur im Sinn von Teilen desselben Raums. Nichteuklidische Geometrie/Kant/Thiel: wenig bekannt ist, dass Kant 20 Jahre vor der Kritik der reinen Vernunft (Von der wahren Schätzung der lebendigen Kräfte) andere Ansätze für möglich hält: dass die physikalischen Körper anders als nach dem Newtonschen Gravitationsgesetz aufeinander wirken, dass der Raum eine andere Dimensionszahl habe als 3... I 282 "…eine Wissenschaft von diesen möglichen Raumesarten wäre die höchste Geometrie...solche Räume können unmöglich mit solchen in Verbindung stehen, die von ganz anderem Wesen sind, sie würden andere Welten aus machen müssen..". Die Möglichkeit der Koexistenz wird geleugnet, die Existenzmöglichkeit aber anerkannt. Dass das in der Kritik der reinen Vernunft nicht mehr auftaucht liegt daran, dass Kant nun die Bedingungen der Möglichkeit von lebensweltlicher und naturwissenschaftlicher Erfahrung auffinden will, und natürlich schließt die Einheit wirklicher Erfahrung die Koexistenz unterschiedlicher "möglicher Raumesarten" aus. I 283 Die Frage nach der "wahren" Geometrie hat im Hilbertschen Sinn überhaupt keinen Sinn, den die Axiome sind Aussagenschemata, und Schemata können nicht wahr oder falsch sein. >Axiome. I 284 Im 20. Jahrhundert gab es den Versuch, die Geometrieauffassung mit neuem Inhalt zu füllen. (Relativ banal: der Nachweis der Unbrauchbarkeit euklidischer Geometrie durch die Tatsache, dass in kosmischen Größenordnungen, bei gemessenen Lichtstrahlen, die für Geraden herhalten, die Winkelsumme größer als 180° ist). |
I. Kant I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994 Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls) Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03 Gz I H. Genz Gedankenexperimente Weinheim 1999 Gz II Henning Genz Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität München 2002 T I Chr. Thiel Philosophie und Mathematik Darmstadt 1995 |
| Georgismus | Rothbard | Rothbard III 934 Georgismus/Rothbard: Wo immer Steuern anfallen, verderben, behindern und verzerren sie die produktive Tätigkeit des Marktes. Es ist klar, dass eine Lohnsteuer die Verteilung der Arbeitsleistung verzerrt, eine Gewinnsteuer den Gewinn- und Verlustmotor der Wirtschaft lähmt, eine Zinssteuer dazu neigt, Kapital zu verbrauchen, usw. Henry George/Georgismus/Rothbard: Eine allgemein anerkannte Ausnahme von dieser Regel ist die Doktrin von Henry George, dass Bodeneigentümer keine produktive Funktion ausüben und dass die Regierung daher den Grundstückswert sicher besteuern kann, ohne das Angebot an produktiven Dienstleistungen auf dem Markt zu verringern. Rothbard: Dies ist die ökonomische und nicht die moralische Begründung für die berühmte „Einheitssteuer“. Unglücklicherweise haben nur sehr wenige Ökonomen diese Grundannahme in Frage gestellt, da der Vorschlag einer einzigen Steuer im Allgemeinen aus rein pragmatischen („es gibt in der Praxis keine Möglichkeit, den Wert des Grundstücks vom Wert der Verbesserungen zu unterscheiden“) oder konservativen („es wurde zu viel in das Grundstück investiert, um die Grundstückseigentümer jetzt zu enteignen“) Gründen abgelehnt wird.(1) RothbardVsGeorgge, Henry/RothbardVsGeorgismus: Doch diese zentrale georgistische Behauptung ist völlig unzutreffend. Der Eigentümer von Grund und Boden erbringt eine sehr wichtige produktive Leistung. Er findet Grundstücke, bringt sie in Gebrauch und vergibt sie dann an die wertvollsten Bieter. Wir dürfen uns nicht von der Tatsache täuschen lassen, dass der physische Bestand an Grund und Boden zu einem bestimmten Zeitpunkt festgelegt ist. Rothbard III 935 Besteuerung von Grund und Boden: Im Fall von Grund und Boden, wie bei anderen materiellen Gütern, ist es nicht nur das physische Gut, das verkauft wird, sondern ein ganzes Bündel von Dienstleistungen zusammen mit ihm - unter denen die Dienstleistung der Übertragung des Eigentums vom Verkäufer zum Käufer ist, und zwar auf effiziente Weise. Grund und Boden sind nicht einfach nur vorhanden; sie müssen dem Nutzer vom Eigentümer zur Verfügung gestellt werden (ein und derselbe Mann kann natürlich beide Funktionen erfüllen, wenn der Boden „vertikal integriert“ ist)(2) >Produktionsstruktur. Bodenrente: Der Grundeigentümer erzielt die höchsten Bodenrenten, indem er die Grundstücke den wertvollsten, d. h. den von den Verbrauchern am meisten gewünschten Nutzungen zuweist. Insbesondere darf nicht übersehen werden, welche Bedeutung der Standort und die produktive Leistung des Grundstückseigentümers für die Sicherstellung der produktivsten Standorte für die jeweilige Nutzung haben. Grundsteuer/Klassische Ökonomie/Rothbard: Die Ansicht, dass die Inanspruchnahme von Grundstücken und die Entscheidung über ihren Standort nicht wirklich „produktiv“ ist, ist ein Überbleibsel der alten klassischen Ansicht, dass eine Dienstleistung, die nicht greifbar etwas Physisches „schafft“, nicht „wirklich“ produktiv ist.(3) Die Produktivität: Tatsächlich ist diese Funktion genauso produktiv wie jede andere, und sie ist eine besonders wichtige Funktion. Diese Funktion zu behindern und zu zerstören, würde die Marktwirtschaft zerstören.(4) 1. So hat sogar ein so bedeutender Ökonom wie F.A. Hayek (...) geschrieben: „Dieses Schema [die Einheitssteuer] für die Vergesellschaftung des Bodens ist in seiner Logik wahrscheinlich das verführerischste und plausibelste aller sozialistischen Schemata. Wenn die faktischen Annahmen, auf denen es beruht, richtig wären, d.h. wenn es möglich wäre, klar zwischen dem Wert der „dauerhaften und unzerstörbaren Kräfte“ des Bodens ... und ... dem Wert aufgrund von ... Verbesserungen ... zu unterscheiden, wäre das Argument für seine Annahme sehr stark.“ (F.A. Hayek, The Constitution of Liberty. [Chicago: University of Chicago Press, 1960], S. 352-53) Siehe auch ein ähnliches Zugeständnis des österreichischen Ökonomen von Wieser. Friedrich Freiherr von Wieser, „The Theory of Urban Ground Rent“ in Louise Sommer, Hrsg., Essays in European Economic Thought (Princeton, N.J.: D. Van Nostrand, 1960), S. 78 ff. 2. Ich kenne niemanden, der die Produktivität von Grundbesitzern so deutlich herausgestellt hat wie Spencer Heath, ein Ex-Georgist. Siehe Spencer Heath, How Come That We Finance World Communism? (vervielfältigtes MS, New York: Science of Society Foundation, 1953); idem, Rejoinder to 'Vituperation Well Answered' by Mr. Mason Gaffney (New York: Science of Society Foundation, 1953); idem, Progress and Poverty Reviewed (New York: The Freeman, 1952). 3. Spencer Heath kommentiert Henry George wie folgt: „Wenn es um die Dienstleistungen der Landbesitzer geht, bleibt er bei seinem Diktum, dass alle Werte physisch sind ... In den Tauschleistungen, die [die Grundbesitzer] erbringen, in ihrer sozialen Verteilung von Grundstücken und Ressourcen, ist keine physische Produktion involviert; daher kann er nicht erkennen, dass sie Anspruch auf irgendeinen Anteil an der Verteilung von physischen Dingen haben und dass der Pachtzins, den sie erhalten, ... nur eine Entschädigung für ihre zwanglosen Verteilungs- oder Tauschleistungen ist.... Er schließt jegliche Wertschöpfung durch die bei der [Land-]Verteilung durch freien Vertrag und Austausch erbrachten Leistungen aus, was die einzige Alternative zu einer gewaltsamen und ungeordneten oder einer willkürlichen und tyrannischen Verteilung von Land ist. (Heath, Progress and Poverty Reviewed, S. 9-10) 4. Zu den Auswirkungen der „Einheitssteuer“ und zu anderen Kritikpunkten siehe Murray N. Rothbard, The Single Tax: Economic and Moral Implications (Irving-ton-on-Hudson, N.Y.: Foundation for Economic Education, 1957); Rothbard, „A Reply to Georgist Criticisms“ (vervielfältigtes MS., Foundation for Economic Education, 1957); und Frank H. Knight, „The Fallacies in the ‚Single Tax‘“, The Freeman, 10. August 1953, S. 810-11. Einer der amüsantesten Einwände ist der des Dekans der georgistischen Wirtschaftswissenschaftler, Dr. Harry Gunnison Brown. Obwohl die Georgisten einen Großteil ihrer ökonomischen Argumentation auf eine scharfe Unterscheidung zwischen dem Eigentum an Grund und Boden und dem Eigentum an Verbesserungen auf diesem Grund und Boden stützen, versucht Brown, die störenden ökonomischen Auswirkungen der Einheitssteuer zu widerlegen, indem er implizit davon ausgeht, dass Grund und Verbesserungen ohnehin denselben Personen gehören! In Wirklichkeit bleiben die störenden Auswirkungen natürlich bestehen; die vertikale Integration durch Einzelpersonen oder Unternehmen hebt das wirtschaftliche Prinzip nicht von einer der integrierten Produktionsstufen auf. Siehe Harry Gunnison Brown, „Foundations, Professors and 'Economic Education“, The American Journal of Economics and Sociology, Januar, 1958, S. 150-52. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Gerechtigkeit | Barry | Gaus I 294 Gerechtigkeit/internationale Beziehungen/Barry/Brown: Barrys(1) (...) Darstellung von 'Gerechtigkeit als Unparteilichkeit' hat erhebliche internationale Implikationen; >Gerechtigkeit/Internationale Politische Theorie. Unparteilichkeit/Barry: Unparteilichkeit erfordert, dass die vitalen Interessen eines jeden vor die nicht-vitalen Interessen eines jeden gestellt werden, was bedeutet, dass die bestehende Verteilung des Reichtums und die für den zeitgenössischen Kapitalismus charakteristische Umweltzerstörung als unvernünftig und ungerecht angesehen werden müssen. Die unausweichliche Schlussfolgerung ist, dass die fortgeschrittene industrielle Welt ihr Wachstum verlangsamen oder umkehren und Ressourcen über ein System "progressiver" globaler Besteuerung an die Armen transferieren sollte (Barry, 1994(2); 1998(3)). >Ungleichheit/Internationale Politische Theorie; vgl. >Besteuerung, >Steuerwettbewerb. BarryVsRawls: >Gerechtigkeit/Internationale Politische Theorie, Vgl. >Gerechtigkeit/Rawls, >Verteilungsgerechtigkeit/Rawls, >Gerechtigkeit/Beitz. 1. Barry, B. (1989) 'Humanity and justice in global perspective'. In B. Barry, Democracy, Power and Justice. Oxford: Clarendon. 2. Barry, B. (1994) Justice as Impartiality. Oxford: Oxford University Press. 3. Barry, B. (1998) 'International society from a cosmopolitan perspective'. In D. Mapel and T. Nardin, eds, International Society. Princeton, NJ: Princeton University Press, 144-63. Brown, Chris 2004. „Political Theory and International Relations“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
EconBarry I Brian Barry Sociologists,economists, and democracy Chicago 1970 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Gerechtigkeit | Beitz | Gaus I 294 Gerechtigkeit/Internationale Beziehungen/Beitz/Brown: BeitzVsRawls: Beitz nennt zwei Gründe, warum Rawls falsch liegt. Vgl. >Gerechtigkeit/Rawls, >Verteilungsgerechtigkeit/Rawls. 1) Selbst wenn wir akzeptieren, dass Staaten getrennte, in sich geschlossene Gesellschaften sind, würden ihre Vertreter auf einem umfassenderen Vertrag bestehen, als Rawls sich vorstellt. Aber, 2) da Staaten nicht in sich geschlossen sind, gibt es keinen Grund, nach einem zweiten Vertrag zwischen ihnen zu suchen; stattdessen sollte Rawls' vollständige Darstellung der Gerechtigkeit weltweit angewandt werden, einschließlich eines globalen "Differenzprinzips". >Differenzprinzip/Rawls. Ad 1) Das erste Argument von Beitz betrifft den Umgang mit "natürlichen" Ressourcen. Er argumentiert gegen Rawls, dass die Vertreter der Staaten, die sich in der zweiten ursprünglichen Position treffen, einer Regel nicht zustimmen würden, die bestätigt, dass natürliche Ressourcen den Staaten gehören, deren Territorium sie umfasst; risikoaverse Vertreter würden eine Regel einführen, die die Ressourcen der Welt gleichmäßig verteilt, und zwar über eine Art globale Vermögenssteuer. Dies ist auf den ersten Blick ein ziemlich starkes und breit abgestütztes Argument; (...) Barry plädiert ebenfalls für ein globales Steuersystem (>Gerechtigkeit/Barry), allerdings ohne den Schleier der Ignoranz oder eine zweite ursprüngliche Position zu verwenden, während Hillel Steiner (1999)(2) Gaus I 295 eine ähnliche Idee für einen umverteilenden globalen Fonds von libertären Stiftungen ableitet. (>Gerechtigkeit/Steiner). Das Hauptproblem dieser Vorschläge besteht darin, dass sie zu unbeabsichtigten und kontraintuitiven Ergebnissen führen könnten; wie Rawls (1999)(3) in seiner späteren Verteidigung seiner Position feststellt, ist der Reichtum eines Staates, wenn überhaupt, nur sehr lose mit seiner materiellen Ressourcenbasis korreliert. 2) Die zweite Position von Beitz ist, dass die Welt aufgrund der Interdependenz nun als eine einzige Gesellschaft behandelt werden muss, was bedeutet, dass Rawls' vollständige Darstellung der sozialen Gerechtigkeit gilt, ohne einen zweiten Vertrag zwischen Staatsvertretern. VsBeitz: Das Problem hier ist, dass die gegenwärtige Weltordnung, so interdependent sie auch sein mag, angesichts der krassen Ungleichheiten, die sie hervorruft, kaum als ein kooperatives Unternehmen zum gegenseitigen Vorteil gesehen werden kann. Die internationale Wirtschaft basiert sicherlich auf der Idee, dass alle vom wirtschaftlichen Austausch profitieren, aber es wäre ein besonders enthusiastischer Neoliberaler, der argumentierte, dass dies für alle Interaktionen zwischen Arm und Reich gilt. BeitzVsVs: Beitz hat nun die Stärke dieser Kritik anerkannt und in einem späteren Artikel einen Großteil der Rawls'schen Rechtfertigung für seinen Kosmopolitismus aufgegeben - nicht aber den Kosmopolitismus selbst, den er nun in einer kantischen Darstellung der moralischen Gleichheit der Menschen begründet (Beitz, 1983)(4). Bis zu einem gewissen Grad wird die ursprüngliche Position von Beitz von Thomas Pogge in seinem Werk "Realizing Rawls" (1989)(5) wieder aufgegriffen. >Internationale Beziehungen/Pogge. 1. Beitz, C. R. (2000) Political Theory and International Relations (1979), 2. Auflage, Princeton, NJ: Princeton University Press. 2. Steiner, H. (1999) 'Just taxation and international redistribution'. In I. Shapiro and L. Brilmayer, Hrsg., Global Justice: NOMOS XLI. New York: New York University Press, 171-91. 3. Rawls, J. (1999) The Law of Peoples. Cambridge, MA: Harvard University Press. 4. Beitz, C. R. (1983) 'Cosmopolitan ideas and national sovereignty'. Journal of Philosophy, 80: 591-600. 5. Pogge, T. (1989) Realizing Rawls. Ithaca, NY: Cornell University Press. Brown, Chris 2004. „Political Theory and International Relations“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Gerechtigkeit | Freud | Rawls I 539 Gerechtigkeit/Missgunst/Neid/Freud/RawlsVsFreud/Rawls: bei seiner Erklärung des Entstehens des Gerechtigkeitssinns verwechselt Freud Missgunst und Ressentiment (Siehe Ressentiment/Rawls). Gerechtigkeitssinn/Freud/Rawls: Freud bemerkt, dass der Gerechtigkeitssinn aus Neid und Missgunst entsteht. Während einige Mitglieder einer sozialen Gruppe eifersüchtig (jealously) darauf bedacht sind, ihre Vorteile zu sichern, versuchen die Benachteiligten durch Missgunst bewegt, ihnen diese Vorteile zu rauben. Am Ende stellen alle fest, dass sie sich nicht alle mit feindseligen Gefühlen verfolgen können, ohne sich selbst damit zu schädigen. Als Kompromiss einigen sie sich auf Gleichbehandlung. So ist die Bildung des Gerechtigkeitssinns eine Reaktion; eine Transformation aus Neid und Missgunst in ein soziales Gefühl. Freud nimmt an, dass dies im Kindergarten und anderen sozialen Umständen gelernt wird. RawlsVsFreud: das setzt voraus, dass die ursprünglichen Einstellungen richtig beschrieben sind. I 540 In der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft nehmen wir aber nicht an, dass die Mitglieder von Neid und Missgunst angetrieben werden. Wenn Kinder Gefühle wie Missgunst oder Neid zeigen, können wir auch annehmen, dass sie aus einem Ressentiment entstehen, d.h. aus dem Gefühl, das gegen ein Gerechtigkeitsprinzip verstoßen wurde. (Siehe Ressentiment/Rawls). (Vgl. J. N. Shklar, Men and Citizens, (Cambridge, 1969), p. 49.) Gerechtigkeit/Freud/Rawls: was Freud meint, ist, dass die Energie die zur Ausbildung des Gerechtigkeitssinns führt, aus der Energie von Neid und Missgunst stammt und dass ohne diese Energie es kein Bedürfnis nach dem Herstellen von Gerechtigkeit gäbe. |
Freud I S. Freud Vorlesungen zur Einführung in die Psychoanalyse Hamburg 2011 Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Gerechtigkeit | Internationale Politische Theorie | Gaus I 294 Gerechtigkeit/Internationale Politische Theorie/Brown: Die Wiederbelebung der Gerechtigkeitstheorien, die mit John Rawls' "A Theory of Justice"(1) begonnen haben (...) setzen die technischen Einzelheiten von Rawls' Schema als selbstverständlich voraus, und der Schwerpunkt liegt auf ihren internationalen Auswirkungen (Brown, 1997(2); 2002a(3); 2002b)(4). Internationale Gerechtigkeit/Brown: Die internationale Gesellschaft ist kein "kooperatives Unterfangen zum gegenseitigen Vorteil". Man geht davon aus, dass die einzelnen Gesellschaften begrenzt und autark sind, und daher gibt es nichts, was die Grundmaterialien für die Umverteilung liefern könnte, die der Begriff der internationalen Verteilungsgerechtigkeit erfordert. VsRawls: Dass eine Theorie der sozialen Gerechtigkeit nichts über die außerordentlichen Ungleichheiten zu sagen hat, die zwischen den Gesellschaften bestehen, erscheint pervers. Internationale Gerechtigkeit/BarryVsRawls: Brian Barry: Dies ist symptomatisch für weitergehende Probleme mit Rawls' Projekt. Die internationale Gerechtigkeit wirft strukturell ähnliche Probleme auf wie beispielsweise die intergenerationelle Gerechtigkeit und die Umweltgerechtigkeit; in jedem Fall kann der zentrale Begriff eines Vertrags, der zumindest teilweise auf der Suche nach gegenseitigem Vorteil durch die Vertragspartner beruht, nicht ohne weiteres auf die Interessen derer eingehen, die nicht als Vertragspartner anwesend sein können, zu dieser Kategorie gehören Ausländer. Darüber hinaus ist die Forderung, dass die Vereinbarungen in gewisser Weise auf Gegenseitigkeit beruhen müssen, ebenso einschränkend, wenn nicht sogar noch einschränkender (Barry, 1989)(5). >Gerechtigkeit/Barry, >Gerechtigkeit/Beitz, >Internationale Beziehungen/Pogge. Gaus I 295 Grenzen/Flüchtlinge: Da die bestehenden Grenzen eindeutig weder das Ergebnis irgendeines Vertrages sind - noch sind sie "natürlich" - was, wenn überhaupt, Rechtfertigung für die Norm gegeben wird, die den staatlichen Behörden das Recht zuerkennt, solche Grenzen zu kontrollieren, und somit Kategorien wie "politischer Flüchtling" und "Wirtschaftsmigrant" schafft. Pogge(5) schlägt keine vor, und die Mehrheit der kosmopolitischen Liberalen stimmt dem zu (Barry und Goodin, 1992(6); O'Neill, 1994(7)). Wie jedoch auch die meisten Kosmopoliten zustimmen, gibt es offensichtlich praktische Probleme mit einer solchen Position, und liberale Nationalisten wie Michael Walzer und David Miller argumentieren, dass Rawls im Wesentlichen Recht hatte, als er davon ausging, dass Verteilungsgerechtigkeit nur ein Merkmal begrenzter Gemeinschaften sein kann (Miller und Walzer, 1995(8)). Zu einer sozial gerechten Gesellschaft gehört die Umverteilung von Ressourcen, und die Bereitschaft der Bürger zur Umverteilung hängt entscheidend von der Existenz eines Gemeinschaftsgefühls ab (Miller, 1995)(9). Gleichheit/Ungleichheit/Gerechtigkeit/Brown: Problem: Eine Welt sozial gerechter Gemeinschaften könnte immer noch eine radikal ungleiche Welt sein. Kann ein solcher Zustand wirklich gerecht sein? Liberalismus/Brown: Hier gibt es eine Sackgasse, die symptomatisch für ein breiteres Spektrum von Problemen für den zeitgenössischen kosmopolitischen Liberalismus ist (Brown, 2000a)(3). Die Unterscheidung zwischen "Insidern" und "Outsidern" ist rational schwer zu rechtfertigen, aber eine Politik ohne diese Unterscheidung, eine Politik ohne Grenzen, ist in der Welt, wie sie ist, unerreichbar und unerwünscht, es sei denn, eine libertäre Konzeption des Liberalismus wird an ihre Grenzen gebracht, wie Hillel Steiner (1992)(10) befürwortet. >Hillel Steiner. 1. Rawls, John (1971) A Theory of Justice. Cambridge, MA: Harvard University Press 2. Brown, C. (1997) 'Review essay: theories of international justice'. British Journal of Political Science, 27:273—9. 3. Brown, C. (2000a) 'On the borders of (international) political theory'. In N. O'Sullivan, Hrsg., Political Theory in Transition. London: Routledge. 4. Brown, C. (2000b) 'Cultural diversity and international political theory'. Review of International Studies, 26: 199-213. 5. Pogge, T. (1989) Realizing Rawls. Ithaca, NY: Cornell University Press. 6. Barry, B. and R. E. Goodin, eds (1992) Free Movement. Hemel Hempstead: Harvester Wheatsheaf. 7. O'Neill, O. (1994) 'Justice and boundaries'. In C. Brown, Hrsg., Political Restructuring in Europe. London: Routledge, 69-88. 8. Miller, D. and M. Walzer, eds (1995) Pluralism, Justice and Equality. Oxford: Oxford University Press. 9. Miller, D. (1995) On Nationality. Oxford: Oxford University Press, 486—93. 10. Steiner, H. (1992) 'Libertarianism and the transnational migration of people'. In B. Barry and R. E. Goodin, Hrsg., Free Movement. Hemel Hempstead: Harvester Wheatsheaf. Brown, Chris 2004. „Political Theory and International Relations“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
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| Gerechtigkeit | Liberalismus | Gaus I 96 Gerechtigkeit/Liberalismus/Waldron: Wir sollten die Strategie der politischen Liberalen nicht als eine Strategie des Versuchs verstehen, jede Grundlage für Meinungsverschiedenheiten über Gerechtigkeit zu unterdrücken. Politische Liberale sollten über Gerechtigkeit als ein Thema nachdenken, das natürlich auch dann Uneinigkeit hervorruft, wenn der Einfluss rivalisierender umfassender Begriffe außer Acht gelassen wird. ((s) Für die Unterscheidung zwischen politischem und umfassendem Liberalismus siehe >Liberalismus/Waldron). Rechte/Gesetz/Gesellschaft/Waldron: Die Tatsache, dass eine Hauptquelle der Meinungsverschiedenheiten beseitigt ist, sollte uns nicht zu der Annahme verleiten - was viele politische Theoretiker fälschlicherweise in Bezug auf Rechte annehmen -, dass das, was gerecht und ungerecht ist, in einem Bereich von Prinzipien bestimmt werden kann, der jenseits der Politik liegt, in einem Bereich der philosophischen Auseinandersetzung, in dem politische Verfahren wie Wahlen nicht notwendig sein werden. Wie die individuellen Rechte bleibt auch die Gerechtigkeit ein heftig umkämpftes Thema, und obwohl die Anfechtung vermindert werden kann, wird sie durch die Strategien, die der oder die politische Liberale vorschlägt, nicht beseitigt. Überlappender Konsens/WaldronVsRawls: Soziale Gerechtigkeit wirft schließlich Bedenken auf, die mit der Strategie der Vagheit oder Ausflucht, die mit dem überlappendem Konsens verbunden ist, kaum zu bewältigen sind - indem man eine Reihe von Anodyne-Formeln aufstellt, die für alle Menschen alles bedeuten können. >Überlappender Konsens/Rawls, >Überlappender Konsens/Waldron. Gaus I 97 Gerechtigkeit/Waldron: Eine Theorie der Gerechtigkeit (...) ist nicht nur ein Satz esoterischer Formeln; sie soll etwas Öffentliches sein, etwas, das unter den Bürgern als gemeinsamer Bezugspunkt für ihre Debatten über die Verteilung von Rechten und Pflichten geteilt wird. Der politische Liberalismus hat also auch Auswirkungen darauf, worauf diese gemeinsame Vorstellung von Gerechtigkeit hinausläuft. Beispiel: (...) z.B. darf ein Linksliberaler wie ich ((s) Jeremy Waldron) zu einem Sozialdarwinisten nicht sagen, dass selbst der oder die Schwächste Anspruch auf unser Mitleid hat, weil er oder sie nach dem Bild Gottes geschaffen ist. Ich muss einen Weg finden, meinen Standpunkt zur Gleichheit zu formulieren, der auch von Menschen, die meine religiösen Überzeugungen nicht teilen, bejaht werden kann. Ebenso darf ein christlich-geprägter Konservativer Gesetze, die die Abtreibung einschränken, nicht mit der Begründung rechtfertigen, dass Föten Seelen haben, da auch dies in einer umfassenden Konzeption wurzelt, von der er nicht erwarten kann, dass andere sie teilen. Gaus I 98 (...) das dative Element (...) - dass die politische Rechtfertigung als Rechtfertigung gegenüber jedem Einzelnen verstanden wird - kann auf mehr als eine Weise verstanden werden. a) Es kann als Erfordernis verstanden werden, dass die Rechtfertigung politischer Arrangements auf das Wohl oder die Interessen jedes einzelnen, der diesen Arrangements unterworfen ist, ausgerichtet sein sollte. Ich werde dies die "interessengeleitete" Interpretation nennen. b) Oder es kann als Anforderung verstanden werden, dass die Rechtfertigung einer politischen Entscheidung plausibel und geeignet sein muss, alle, die den Vereinbarungen unterliegen, zu überzeugen. Ich werde dies die "prämissenbezogene" Interpretation nennen, weil sie "Rechtfertigung gegenüber X" als Rechtfertigung versteht, die versucht, an Prämissen anzuknüpfen, zu denen X bereits verpflichtet ist. Rawls/Waldron: Der politische Liberalismus von Rawls geht eindeutig von dem aus, was ich die "prämissenbezogene" Interpretation der Forderung genannt habe, dass politische Rechtfertigung eine Rechtfertigung gegenüber jedem Einzelnen sein muss. >Gerechtigkeit/Waldron. Waldron: Es ist jedoch auch wichtig zu sehen, dass das Interesse an der Interpretation der Rechtfertigung für alle aufrechterhalten werden kann, selbst wenn die Prämisse der Interpretation aufgegeben wird. >Liberalismus/Waldron. Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
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| Gerechtigkeit | Marxismus | Gaus I 78 Gerechtigkeit/Marxismus/Levine, Andrew: Orthodoxe Marxisten hatten immer geleugnet, dass Gerechtigkeit ein transhistorischer "kritischer" Begriff sei, ein Standard, an dem sozioökonomische Strukturen gemessen werden könnten. Sie vertraten die Ansicht, dass Gerechtigkeitsvorstellungen "überstrukturell" seien, dass das, was gerecht oder ungerecht ist, relativ zur bestehenden Produktionsweise ist. Ungerechtigkeiten können also innerhalb des Kapitalismus entstehen, aber der Kapitalismus selbst kann nicht ungerecht sein. Analytischer Marxismus: Zu den ersten analytischen marxistischen Unternehmungen gehörten Versuche, die orthodoxe Sichtweise als richtig zu beweisen oder, falls dies nicht gelang, zu zeigen, wie ein geeignetes transhistorisches Konzept von Gerechtigkeit in die größere theoretische Struktur integriert werden konnte, die Marx erdachte (siehe Buchanan, 1982(1); Lukes, 1985(2)). >Marxismus/Levine. Von Anfang an wurde also versucht, Marx und Rawls zusammenzubringen. Die Verbindung war nicht nur thematisch. Sie übertrug sich auch auf die Argumentationsstile. Der analytische Marxismus steckte ja noch in den Kinderschuhen. Die liberale politische Philosophie war eine ausgereifte intellektuelle Disziplin, die eine Renaissance erlebte. >J. Rawls, >K. Marx. 1. Buchanan, Allen E. (1982) Marx and Justice: The Radical Critique of Liberalism. Totawa, NJ: Rowman and Littlefield. 2. Lukes, Steven (1985) Marxism and Morality. Oxford: Oxford University Press. Levine, Andrew 2004. A future for Marxism?“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
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| Gerechtigkeit | Miller | Gaus I 416 Gerechtigkeit/Miller/Weinstein: Laut Miller ist Gerechtigkeit (1) pluralistisch, insofern als Verdienst, Not und Gleichheit ihre dreifachen Kriterien umfassen, und (2) kontextuell, insofern die Stärke dieser Kriterien je nach den Gütern und sozialen Praktiken, um die es geht, variiert. Miller verdankt Sidgwick viel in Bezug auf seine Rechtfertigungsstrategie und diese drei Kriterien, obwohl er sich auf Sidgwick bezieht, wenn es ich weitgehend um Rawls' reflexives Gleichgewicht handelt. >Utilitarismus/Sidgwick, >Sidgwick/Politische Philosophie. Miller hofft, "zeigen zu können, dass eine im Volksglauben verwurzelte Gerechtigkeitstheorie eine scharfe kritische Sichtweise behalten kann" (1999(1): xi). Wir versuchen zunächst, die Prinzipien der Gerechtigkeit zu entdecken, die in unseren alltäglichen Überzeugungen verankert sind. Dann verfeinern wir sie philosophisch, bevor wir sie als Leitfaden für die sozialen Verteilungsdilemmata, mit denen wir konfrontiert sind, wieder anwenden. Aber wir verzichten niemals auf die Verankerung der Gerechtigkeit des gesunden Menschenverstands, damit unsere Theorie nicht so abstrakt oder so kontrovers wird, dass sie sich als irrelevant erweist (...). Miller zieht Rawls' spätere Schriften vor, in denen die ursprüngliche Position kaum mehr als ein heuristisches Mittel zur unvoreingenommenen Systematisierung und Klärung unserer auf gesundem Menschenverstand beruhenden Vorstellungen von Gerechtigkeit wird. Folglich, Gaus I 417 ... hebt es lediglich seine bevorzugte Vorgehensweise hervor, die darin besteht, sich zwischen unseren besonderen Überzeugungen über Gerechtigkeit und den allgemeinen Prinzipien, die zu ihrer Systematisierung herangezogen werden könnten, hin und her zu bewegen, immer unter Berücksichtigung der Tatsache, dass diese Prinzipien ... öffentlich gerechtfertigt sein müssen". (1999(1): 58) Weinstein: Aber angesichts dieser Verschiebung hin zur öffentlichen Rechtfertigung hätte Rawls sensibler auf empirische Belege dafür achten müssen, wie wir Gerechtigkeit tatsächlich verstehen. Miller ruft also Sidgwick unversehens und die empirische Sozialwissenschaft auf, Rawls im Namen des egalitären Kommunitarismus zu rehabilitieren. >Egalitarismus/Miller. 1. Miller, David (1999) Social Justice. Cambridge, MA: Harvard University Press. Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
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| Gerechtigkeit | Platon | Höffe I 28 Gerechtigkeit/Platon/Höffe: Wegen der behaupteten Harmonie, einem politischen Eudaimonismus, zählt Platon die Gerechtigkeit (dikaiosynê) zu jener höchsten Klasse von Gütern (megista agatha)(1), die sowohl um ihrer selbst willen als auch wegen ihrer für den Handelnden nützlichen Folgen erstrebt wird.(2) Höffe I 29 Begründung: Nur Rechtschaffene leben in wechselseitigem Vertrauen miteinander(3) und finden, weil sie Unrecht lieber erleiden als verüben, sowohl Selbstachtung als auch die Achtung derer, an denen ihnen liegt. Der Ungerechte dagegen lebt sowohl in Zwietracht mit seinen Mitmenschen als auch, da in seinem Inneren sich widersprüchliche Begierden bekriegen, in Zwietracht mit sich selbst. Platon argumentiert hier nicht moralisierend, sondern entlarvt «egoistische» Glückserwartungen als Selbsttäuschung, als Illusion. Tyrannei: Der Extremgestalt des Ungerechten, dem Tyrannen, ergehe es allein in einer Hinsicht, der Lust, drei hoch zwei hoch drei, also 729-mal schlechter als dem Gerechten und noch «unendlich viel mehr hinsichtlich moralischer Lebensführung, Schönheit und Tugend».(4) >Gesetze/Platon, >Verfassung/Platon. Problem: Die Gerechtigkeit allein reicht für das Wohlergehen nicht aus. Wegen ausufernder Begehrlichkeit braucht es zusätzlich Besonnenheit (sôphrosynê), angesichts von Gefahren Tapferkeit (andreia) und zum Zweck der Wohlberatenheit Weisheit (sophia). Höffe I 30 (...)Platon [erkennt] das gewöhnliche Verständnis «jedem das Seine», später bekannt als «suum cuique», durchaus an, nämlich Gutes zu belohnen, Schlechtes zu bestrafen, Lasten und Vorteile fair zu verteilen. Idiopragie/Platon: [Platon] versteht die Formel aber in einem speziellen Sinn: Jeder soll das ihm Eigentümliche, das Seine (idion) tun (prattein), nämlich das, was seiner Naturanlage entspricht. Dank dieser sogenannten Idiopragieformel verhilft die Gerechtigkeit beim Einzelnen zu einer Harmonie der Antriebskräfte, also zur personalen Gerechtigkeit, und beim Gemeinwesen zur Harmonie der Berufsgruppen bzw. Stände: politische Gerechtigkeit. Isomorphie: Zwischen beiden herrscht eine Gleichförmigkeit, Isomorphie, weshalb die Ethik und die Politische Philosophie miteinander verzahnt werden. Höffe I 43 Im Dialog Phaidon (...) versucht Platon mit vier Argumenten («Beweisen»), die Unsterblichkeit der Seele glaubhaft zu machen. Der Jenseitsglaube ist Platon also vertraut. HöffeVsPlaton: Trotzdem lässt sich nicht leicht entscheiden, ob der Schlussmythos vom Totengericht für den eudaimonistischen Wert der Gerechtigkeit unverzichtbar ist oder ob er nur für das Jenseits bekräftigt, was schon für das Diesseits zutrifft: a) Ist es ein für die eudaimonistische Einschätzung des Diesseits entscheidendes Argument oder b) nur jene wichtige Ergänzung zum Diesseitsblick, die da zeigt, wie viel schlechter es dem superlativistisch Ungerechten, dem Tyrannen, als dem Gerechten ergeht? >Tyrannei/Platon. 1. Politeia, II 366e 2. II 357b–358c 3. I 351d; ausführlicher IX 575c–576a 4. IX 587e–588a Gaus I 310 Gerechtigkeit/Platon/Keyt/Miller: Die Herausforderung von Gyges' Ring besteht darin, zu zeigen, dass Gerechtigkeit sich auszahlt, dass sie kein notwendiges Übel, sondern ein intrinsisches Gut ist. >Gyges/Antike Philosophie. Soziale Gerechtigkeit: Die Antwort erfordert eine Definition von Gerechtigkeit in der Seele, oder psyché. Anstatt sie jedoch direkt zu definieren, definiert Sokrates zunächst soziale Gerechtigkeit und konstruiert dann, ausgehend von der Analogie von Polis und Psyche, eine entsprechende Definition von psychischer Gerechtigkeit. Die Definition der sozialen Gerechtigkeit ist, wie Sokrates selbst bemerkt (Rep. IV.433a), einfach das Prinzip der natürlichen Arbeitsteilung, das eingeführt wurde, um den Ursprung der Polis zu erklären. (Nach Sokrates ist es das gegenseitige Bedürfnis, das die Polis entstehen lässt, und nicht, wie Glaukon vermutete, die Angst vor Schaden). Keyt/Miller: Dies ist nicht das von Adam Smith und modernen Ökonomen verfochtene wirtschaftliche Prinzip, sondern eine implizit antidemokratische Affirmation der menschlichen Ungleichheit und Unformbarkeit. Polis: Die gerechte Polis ist diejenige, in der jeder Mensch die eine Arbeit verrichtet, für die er von Natur aus geeignet ist, und keine andere: Herrscher herrschen, Krieger verteidigen und Arbeiter stellen die Polis bereit (Rep. IV .432b-434c). Psyche: Sokrates schlussfolgert durch ein unabhängiges Argument, dass die Psyche drei Teile hat, analog zu den drei Teilen der gerechten Polis, und definiert dann, einem Prinzip der Isomorphie folgend, eine gerechte Psyche als eine Psyche mit der gleichen Struktur wie eine gerechte Polis. So bleibt in einer gerechten Psyche jedes der psychischen Elemente bei seiner eigenen Arbeit: Die Vernunft beherrscht die Psyche, der Geist oder Thymos verteidigt sie vor Beleidigung, und die Begierden sorgen für ihre körperliche Unterstützung (Rep. IV.441d-442b). Psychische Gerechtigkeit erweist sich als so etwas wie psychische Gesundheit, ein immanentes Gut, auf das niemand verzichten möchte, so dass die Herausforderung von Thrasymachus und Glaukon beantwortet wird (Rep. IV .444c-445b). Probleme: Es gibt jedoch eine anhaltende Kontroverse über die Stichhaltigkeit der Antwort von Sokrates. Denn es ist unklar, dass der platonisch "gerechte" Mensch gerecht im Sinne des Problems des Gyges'schen Rings ist. >Gyges/Antike Philosophie. Was hindert den platonisch "gerechten Menschen" daran, anderen zu schaden? (Die durch Sachs, 1963(1), angefachte Kontroverse hat eine enorme Literatur hervorgebracht. Dahl 1991(2) ist ein guter Vertreter des gegenwärtigen Stands der Debatte). 1. Sachs, David (1963) 'A fallacy in Plato's Republic'. Philosophical Review, 72: 141-58. 2. Dahl, Norman O. (1991) 'Plato's defense of justice'. Philosophy and Phenomenological Research, 51: 809-34. Keyt, David and Miller, Fred D. jr. 2004. „Ancient Greek Political Thought“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
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| Gerechtigkeit | Rawls | I 3 Gerechtigkeit/Rawls: Gerechtigkeit ist die erste Tugend sozialer Institutionen, wie Wahrheit dies für Gedankensysteme ist. So wie eine unwahre Theorie zurückgewiesen oder revidiert werden muss, müssen Gesetze und Institutionen reformiert oder abgeschafft werden, wenn sie ungerecht sind. >Ungerechtigkeit, >Gesetze. Jede Person besitzt eine Unverletzlichkeit, die auf Gerechtigkeit gründet, die nicht einmal durch das Wohlergehen einer Gesellschaft als Ganzes außer Kraft gesetzt werden kann. Daher kann ein Verlust der Freiheit einiger nicht durch ein größeres Gut außer Kragt gesetzt werden, das mehreren zuteil wird. (RawlsVsUtilitarismus, RawlsVsSinger, Peter). >Utilitarismus, >P. Singer. I 4 Die Rechte, die durch Gerechtigkeit verbürgt sind, sind kein Gegenstand politischen Aushandelns oder sozialer Interessen. Vgl.>Menschenrechte, >Grundrechte. So wie das Akzeptieren einer fehlerhaften Theorie nur durch die Abwesenheit einer besseren Theorie gerechtfertigt ist, so ist Ungerechtigkeit nur tolerierbar, wenn das notwendig ist, um größeres Unrecht zu vermeiden. Um zu untersuchen, ob diese allzu starken Behauptungen gerechtfertigt sind, müssen wir eine Theorie der Gerechtigkeit entwickeln. >Gesellschaft/Rawls. I 5 Gerechtigkeit/Gesellschaft/Rawls: Auch wenn die Menschen uneins sind darüber, welche Prinzipien zu akzeptieren sind, nehmen wir dennoch an, dass sie jeder eine Vorstellung von Gerechtigkeit haben. Das heißt, sie verstehen, dass solche Prinzipien nötig sind, um grundlegende Rechte und Pflichten zu bestimmen und ihre Verteilung zu überwachen. Daher scheint es vernünftig, einen Begriff der Gerechtigkeit verschiedenen Vorstellungen von Gerechtigkeit gegenüberzustellen. I 6 Gerechtigkeit/Rawls: Gerechtigkeit kann nicht bei Verteilungsgerechtigkeit stehen bleiben. Sie muss zu einem Merkmal sozialer Institutionen werden. I 54/55 Gerechtigkeit/Prinzipien/Rawls: Die Prinzipien der Gerechtigkeit unterscheiden sich stark, je nachdem sie für Individuen oder für Institutionen gelten sollen. >Prinzipien/Rawls. I 237 Natural justice/Rawls: Die Grundsätze des Naturrechts sollen die Integrität des Rechtsverfahrens sicherstellen.(1). >Naturrecht. I 310 Gerechtigkeit/Idealisierung/RawlsVsLeibniz/RawlsVsRoss, W.D./Rawls: Man sollte Gerechtigkeit nicht mit einem „idealen Glück“ gleichsetzen oder definieren zu versuchen. (Vgl: W.D. Ross, The Right and the Good(2)(3). >G.W. Leibniz. Die Theorie der Gerechtigkeit als Fairness weist solche Vorstellungen zurück. Ein solches Prinzip würde in der Anfangssituation nicht gewählt. Dort könnte man solche Kriterien gar nicht definieren. I 311 Wozu Menschen berechtigt sind, bemisst sich nicht aus einem intrinsischen Wert. Der moralische Wert hängt nicht von Angebot und Nachfrage ab. Wenn bestimmte Leistungen nicht mehr nachgefragt werden, nimmt der moralische Verdienst nicht gleichermaßen ab. I 312 Der Begriff des moralischen Werts liefert kein erstes Prinzip der Verteilungsgerechtigkeit. Der Moralische Wert kann definiert werden als ein Sinn für Gerechtigkeit, wenn die Prinzipien der Gerechtigkeit verfügbar sind. 1. Siehe L. A. Hart, The Concept of Law, Oxford, 1961, S. 156, 202. 2. Vgl. W. D. Ross, The Right and the Good (Oxford, 1930), S. 21,26-28,57f. 3. Leibniz, „On the Ultimate Origin of Things“ (1697) Hrsg. P.P. Wiener (New York, 1951), S. 353. Gaus I 94 Gerechtigkeit/Rawls/Waldron: Diversität/Inhomogenität/Gesellschaft/Rawls: "[W]ie ist es möglich", fragte Rawls, "dass es im Laufe der Zeit eine gerechte und stabile Gesellschaft freier und gleicher Bürger gibt, die durch vernünftige religiöse, philosophische und moralische Lehren tief gespalten bleiben?" (1993(2):4). Gaus I 95 Waldron: Der Schlüssel (...) besteht darin, darauf zu bestehen, dass eine akzeptable Gerechtigkeitstheorie T so beschaffen sein muss, dass unter den Gründen für die Ablehnung von T oder die Nichtübereinstimmung mit T keiner sich gegen die Verpflichtung von T auf eine bestimmte Wertvorstellung oder eine andere umfassende philosophische Konzeption wendet. >Individualismus/Rawls, >Rawls/Waldron. Probleme: (...) es gibt weitere Fragen, wie [ein] Schwellenwerttest zu verstehen ist. Eine Möglichkeit ist, daß T einen akzeptablen modus vivendi für die Anhänger der verschiedenen umfassenden Konzeptionen darstellt {C1 , C2 , ..., Cn }. Wie ein Vertrag, der den Konflikt zwischen ehemals verfeindeten Mächten beendet, kann T als das Beste dargestellt werden, was C1 im Sinne einer Gerechtigkeitstheorie erhoffen kann, da es mit C2, ..., Cn koexistieren muss, und das Beste, was C2 erhoffen kann, da es mit C1 , C3 ,..., Cn , und so weiter koexistieren muss. Rawls hält dies jedoch als Grundlage für ein Gerechtigkeitsverständnis für unbefriedigend. Es macht T verwundbar gegenüber demographischen Veränderungen oder anderen Veränderungen des Kräfteverhältnisses zwischen rivalisierenden Gesamtkonzepten - eine Verwundbarkeit, die ganz im Gegensatz zu der unerschütterlichen moralischen Kraft steht, die wir gewöhnlich mit Gerechtigkeit assoziieren (1993(1): 148). Lösung/Rawls: Stattdessen entwickelt Rawls die Idee, dass T einen überlappenden moralischen Konsens zwischen {C1, C2, ... , Cn } darstellen sollte. Damit meint er, dass T für die Anhänger von C1 aus moralischen Gründen akzeptabel und für die Anhänger von C2 aus moralischen Gründen akzeptabel gemacht werden könnte, und so weiter. Vielfalt/Toleranz/Locke/Kant/Rawls/Waldron: So kann zum Beispiel die Behauptung, dass religiöse Toleranz als eine Frage der Gerechtigkeit erforderlich ist, von Christen aus Locke'schen-Gründen, die mit der individualisierten Verantwortung eines jeden Menschen gegenüber Gott für seine eigenen religiösen Überzeugungen zu tun haben, von säkularen Locke-Anhängern aus Gründen der Unabänderlichkeit des Glaubens gegenüber Zwang, von Kantianern aus Gründen der hohen ethischen Gaus I 96 Bedeutung, die der Autonomie beigemessen wird, von Anhängern von John Stuart Mill auf der Grundlage der Bedeutung der Individualität und des freien Zusammenspiels von Ideen usw. bestätigt werden. >Toleranz/Locke. Waldron: Ob dies tatsächlich funktioniert, ist eine Frage, die wir in Betracht gezogen haben, als wir Ackermans Ansatz zur Neutralität diskutiert haben. >Neutralität/Waldron, >Überlappender Konsens/Rawls. 1. Rawls, John (1993) Political Liberalism. New York: Columbia University Press. Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Gerechtigkeit | Smith | Otteson I 20 Gerechtigkeit/Adam Smith/Otteson: In seiner Theorie der moralischen Gefühle von 1759(1) unterteilt Adam Smith moralische Tugenden in zwei große Kategorien: „Gerechtigkeit“ und ‚Wohltätigkeit‘. Smith beschreibt die „Gerechtigkeit“ als eine „negative“ Tugend, was bedeutet, dass wir, um sie zu erfüllen, lediglich davon absehen müssen, andere zu verletzen. Im Gegensatz dazu ist „Wohltätigkeit“ eine „positive“ Tugend, d. h., um sie zu erfüllen, müssen wir positive Maßnahmen ergreifen, um die Situation anderer zu verbessern. Wohltätigkeit beinhaltet für Smith Dinge wie Nächstenliebe, Großzügigkeit und Freundschaft, Dinge, die bei den Nutznießern unserer Handlungen Dankbarkeit hervorrufen. Gerechtigkeit hingegen verlangt, dass wir anderen nicht schaden oder sie verletzen; wenn wir gegen die Gerechtigkeit verstoßen, wecken wir bei denen, die wir verletzen, Ressentiments. Smith argumentiert, dass es nur drei Regeln der Gerechtigkeit gibt: (1) die Regel, „das Leben und die Leben und die Person unseres Nächsten“; (2) das Gebot, „das Eigentum und den Besitz [unseres Nächsten] zu schützen“; und (3) die Regel, „das zu schützen, was man die persönlichen Rechte [unseres Nächsten] nennt, oder das, was ihm was ihm aufgrund der Versprechen anderer zusteht“ (TMS(1): 84). Smith argumentiert, dass wir, wenn wir andere nicht töten, versklaven oder belästigen, wenn wir das Eigentum anderer nicht bestehlen, unbefugt betreten oder beschädigen und wenn wir freiwillige Verträge oder Versprechen, die wir gemacht haben, nicht brechen, dann haben wir anderen gegenüber gerecht gehandelt. Der Gerechte ist also derjenige, der, was auch immer er sonst tut, anderen keinen Schaden zufügt (...). Wie Smith es treffend formuliert: „Wir können oft alle Regeln der Gerechtigkeit erfüllen, indem wir stillsitzen und nichts tun“ (TMS(1): 82). >Wohltätigkeit/Adam Smith, >Moral/Adam Smith, >Gemeinschaft/Adam Smith. Otteson I 21 Regeln: Smith nennt die Regeln der Gerechtigkeit „heilig“, was ein seltsam starkes Wort für eine Darstellung sein mag die behauptet, dass moralische Tugenden auf der Grundlage von Erfahrungen und Interaktionen zwischen Individuen entstehen. Warum nennt er die Gerechtigkeit „heilig“? Die Antwort ist, dass Smith glaubt, dass sich die Regeln der Gerechtigkeit als notwendig für das Bestehen jeder Gesellschaft erweisen. Er nennt sie „das Fundament, das das Gebäude“, also die Gesellschaft, stützt, während er die Wohltätigkeit als „das Ornament, das die Gesellschaft verschönert“ bezeichnet (TMS(1): 86). Eine Gesellschaft, in der es Menschen gibt, die die Regeln der Gerechtigkeit perfekt erfüllen - die also anderen weder an ihrer Person noch an ihrem Eigentum noch an ihren Versprechungen Schaden zufügen -, die aber keine wohltätigen Handlungen aneinander vornehmen, ist vielleicht nicht die einladendste Gesellschaft, in der man leben kann. Aber sie kann überleben. >Gerechtigkeit/SingerVsSmith. Regierung/Lösung/Adam SmithVsSinger: (...) die Regierung mag die Aufgabe haben, Gerechtigkeit durchzusetzen, aber (...) das Handeln mit und die Durchsetzung von angemessener Wohltätigkeit muss Individuen und privaten Parteien überlassen werden. >Wohltätigkeit/Adam Smith, >Gerechtigkeit/Adam Smith. 1. Smith, Adam (1982) [1759]. The Theory of Moral Sentiments. D. D. Raphael and A. L. Macfie, eds. Liberty Fund. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Gerechtigkeit | Waldron | Gaus I 95 Gerechtigkeit/das Gute/Liberalismus/Waldron: Angenommen, wir können, wenn auch nur annähernd, die Menge der Konzeptionen des Guten definieren, die in der Herangehensweise untergebracht werden muss, die wir in der Gerechtigkeit und der Rechtfertigung der Grundstruktur einer liberalen Gesellschaft einschlagen. Wie soll dann die Beziehung zwischen der Menge der vernünftigen Begriffe und einer akzeptablen Theorie der Gerechtigkeit aussehen? >Rawls/Waldron, >Gerechtigkeit/Rawls. Waldron: Eine Möglichkeit ist, auf so etwas wie einem Einstimmigkeitserfordernis zu bestehen, d.h. wir könnten sagen, dass keine Gerechtigkeitstheorie akzeptabel ist, wenn Mitglieder einer bestimmten Konzeption des Guten geneigt sind, sie abzulehnen. Aber das ist viel zu stark, und zwar in einer Weise, die die Art der Schwierigkeit, die der politische Liberalismus anspricht, falsch versteht. Das Problem ist nicht, dass Gerechtigkeitstheorien umstritten sind; die kritische Reaktion, die Rawls dazu veranlasste, seinen Ansatz zum Thema Gerechtigkeit zu modifizieren, bestand nicht darin, dass Menschen (wie z.B. Nozick, 1974(1)) seinen Prinzipien aus Gründen der Gerechtigkeit widersprachen. Das Problem war, dass einige Leute eine besondere Art von Schwierigkeiten mit seiner Theorie haben würden (...). Waldron: Der Schlüssel liegt also darin, darauf zu bestehen, dass eine akzeptable Gerechtigkeitstheorie T so beschaffen sein muss, dass unter den Gründen für die Ablehnung von T oder für die Nichtübereinstimmung von T keine sich gegen die Verpflichtung von T auf eine bestimmte Wertvorstellung oder eine andere umfassende philosophische Konzeption wendet. Natürlich ist dies nur ein Schwellenwerttest: T mag in diesem Sinne akzeptabel sein, aber als Gerechtigkeitstheorie insgesamt immer noch inakzeptabel. Dies wäre jedoch aus gerechtigkeitsbezogenen Gründen, nicht wegen der Komplizenschaft von T mit einer bestimmten umfassenden Konzeption. Probleme: (...) es gibt weitere Fragen, wie dieser Schwellenwerttest zu verstehen ist. Eine Möglichkeit ist, dass T einen akzeptablen modus vivendi für die Anhänger der verschiedenen umfassenden Konzeptionen darstellt (...). >Gerechtigkeit/Rawls, >Überlappender Konsens/Rawls, >Überlappender Konsens/Waldron. Gaus I 97 Gerechtigkeit/Waldron: Eine Theorie der Gerechtigkeit (...) ist nicht nur ein Satz esoterischer Formeln; sie soll etwas Öffentliches sein, etwas, das von den Bürgern als gemeinsamer Bezugspunkt für ihre Debatten über die Verteilung von Rechten und Pflichten geteilt wird. 1. Nozick, Robert (1974) Anarchy, State and Utopia Oxford: Blackwell. Waldron, Jeremy 2004. „Liberalism, Political and Comprehensive“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Gerichtsverfahren | Sozialpsychologie | Parisi I 125 Gerichtsverfahren/Schiedsrichterentscheidungen/Sozialpsychologie/Nadler/Mueller: (...) jeder einzelne Geschworene hört die von den Anwälten vorgetragenen Beweise und Argumente sowie die Anweisungen des Richters. Geschichten-Modell: Nach dem "Story Model of Juror Decision-Making" (Bennett, 1978(1); Pennington und Hastie, 1981(2)) machen die Geschworenen den Sinn der Beweise in der Verhandlung aus, indem sie diese in einer narrativen Weise organisieren. Anstatt passiv die enorme Menge an komplexen Beweisen wortwörtlich aufzunehmen Parisi I 126 sowie mehrdeutige Informationen, die in einer Verhandlung gegeben werden, verarbeiten die Geschworenen die Informationen aktiv, indem sie den Rahmen ihres vorhandenen Wissens nutzen, um Lücken zu füllen und Geschichten aus den Beweisen zu konstruieren. Die Geschworenen erstellen eine Erzählung, die die verschiedenen zuverlässigen Beweise erklärt, und kommen dann zu einer Entscheidung, indem sie die am besten passende Geschichte den Urteilskategorien zuordnen. Kriterien/Evaluierung: Um konkurrierende Geschichten zu bewerten, verwenden Juroren mehrere Kriterien. Die am meisten bevorzugte Geschichte erklärt die größte Menge an Beweisen, ist in sich konsistent und lässt keine Lücken in der Kausalkette der Ereignisse, und ist plausibel im Lichte dessen, was der Juror über die Welt glaubt (Pennington und Hastie, 1981)(2). "Lautes Denken": Dieses Modell wurde durch Beobachtungen des "lauten Denkens" von Scheinjuroren (Pennington und Hastie, 1986)(3) sowie durch Experimente zur Untersuchung von Urteilen in Scheinstraf- und Scheinzivilprozessen (Huntley und Costanzo, 2003(4); Pennington und Hastie, 1992(5)) unterstützt. Entscheidungsprozesse: Neuere experimentelle Untersuchungen zum kohärenzbasierten Denken haben ergeben, dass der Prozess der Entscheidungsfindung oft bidirektional ist (Holyoak und Simon, 1999)(6). Die Entscheidungsaufgabe, mit der Juroren konfrontiert werden, ist kognitiv komplex, weil sie die Berücksichtigung von Informationen erfordert, die umfangreich, widersprüchlich und mehrdeutig sind (D. Simon, 2004)(7). Informationsverarbeitung: Um die große Menge an komplexen Informationen zu verarbeiten, die in einer Verhandlung präsentiert werden, rekonstruieren die Geschworenen die Informationen in einfachere mentale Repräsentationen, denen ihr kognitives System Kohärenz auferlegt (D. Simon, 2004)(7). Schemata/Glauben/Überzeugungen: (...) die Geschworenen bringen ihre Alltagsvorstellungen von rechtlichen Kategorien wie Unzurechnungsfähigkeit, Selbstverteidigung und Vorsatz mit in den Gerichtssaal, und diese bestehenden Schemata beeinflussen, wie die Geschworenen Beweise bewerten und rechtliche Urteile fällen (Finkel, 2005(8); Finkel und Groscup, 1997(9); Robinson und Darley, 1995(10)). Selbst nachdem sie Anweisungen über die Definitionen von Straftaten wie Einbruch oder Raub erhalten haben, lassen die Geschworenen ihre Alltagsvorstellungen von diesen Delikten in ihre Entscheidungen einfließen. Parisi I 127 Vorhersage: (...) (Kalven und Zeisel, 1966)(11) (...) fanden heraus, dass ein Mehrheitsvotum der Geschworenen im ersten Wahlgang das endgültige Urteil in über 90% der Fälle vorhersagte, und sie stellten die Hypothese auf, dass sich die Beratung oft darauf konzentrierte, die Mitglieder der Minderheit zu überzeugen, ihr Votum zu ändern. Nachfolgende Forschungen wollten die Beziehung zwischen der Präferenz vor der Beratung und dem endgültigen Urteil genauer untersuchen. Tatsächlich scheinen unmittelbare Abstimmungen vor der Beratung nur in einer kleinen Minderheit der Fälle aufzutreten (Devine et al., 2004(12); Diamond und Casper, 1992(13); Diamond et al., 2003(14); Hastie, Penrod, und Pennington, 1983(15); Sandys und Dillehay, 1995)(16). Wenn der erste Wahlgang stattfindet und jeder Geschworene seine Präferenz verbal äußert, können die frühen Präferenzen die späteren Abstimmungen beeinflussen (J. H. Davis et al., 1988)(17). Die Gewissheit und das Vertrauen der Geschworenen in ihre Ansichten kann schwach sein, bevor die Beratungen beginnen, so dass einige erst dann beginnen, sich stark zu einer Seite zu neigen, nachdem umfangreiche Beratungen stattgefunden haben (Hannaford-Agor et al., 2002)(18). Um den Einfluss des Jury-Beratungsprozesses zu verstehen, ist es daher wichtig, die Präferenzen der einzelnen Juroren vor der Beratung zu messen. >Verhandlungen/Sozialpsychologie. 1. Bennett, W. L. (1978). "Storytelling in Criminal Trials: A Model of Social Judgment." Quarterly Journa1 ofSpeech 64(1): 1-22. doi:10.1080/0033563 7809383408. 2. Pennington, N. and R. Hastie (1981). "Juror Decision-making Models: The Generalization Gap." Psychological Bulletin doi: 10.103 7 3-2909.89.2.246. 3. Pennington, N. and R. Hastie (1986). "Evidence Evaluation in Complex Decision Making." Journal of Personality and Social Psychology 51 (2):242-258. doi:10.1037/0022-3514.51.2.242. 4. Huntley, J. E. and M. Costanzo (2003). "Sexual Harassment Stories: Testing a Story-me- diated Model of Juror Decision-making in Civil Litigation." Law and Human Behavior 27(1): 29-51. 5. Pennington, N. and R. Hastie (1992). "Explaining the Evidence: Tests of the Story Model for Juror Decision Making." Journal of Personality and Social Psychology 62(2): 189—206. doi:10.1037/0022-3514.62.2.189. 6. Holyoak, K. J. and D. Simon (1999). "Bidirectional Reasoning in Decision Making by Constraint Satisfaction." Journal of Experimental Psychology: General 128(1): 3-31. doi:10.1037/0096-3445.128.1.3. 7. Simon, D. (2004). "A Third View of the Black Box: Cognitive Coherence in Legal Decision Making." University of Chicago Law Review 71(2): 511-586. 8. Finkel, N. J. (2005). Commonsense Justice: Jurors' Notions of the Law. Cambridge, MA: Harvard University Press. 9. Finkel, N. J. and J. L. Groscup (1997). "Crime Prototypes, Objective versus Subjective Culpability, and a Commonsense Balance." Law and Human Behavior 21 (2):209-230. 10. Robinson, P. H. and J. M. Darley (199 5).Justice, Liability, and Blame: Community Views and the Criminal Law. Boulder, CO: Westview Press. 11.Kalven, Harry, jr. And Hans Zeisel (1967). „The American Jury“. In: 24 Wash. & LeeL. Rev. 158 (1967),https://scholarlycommons.law.wlu.edu/wlulr/vol24/iss1/18 12. Devine, D. J., K. M. Olafson, L. L. Jarvis, J. P. Bott, L. D. Clayton, and J. M. T. Wolfe (2004). "Explaining Jury Verdicts: Is Leniency Bias for Real?" Journal of Applied social Psychology 34(10): 2069-2098. 13. Diamond, S. S. andJ. D. Casper (1992). "Blindfolding the Jury to Verdict Consequences: Damages, Experts, and the Civil Jury." Law and society Review 26(3): 513 - 563. doi:10.2307/3053737. 14. Diamond, S. S., N. Vidmar, M. Rose, and L. Ellis (2003). "Juror Discussions during Civil Trials: Studying an Arizona Innovation." Arizona Law Review 45: 1. 15. Hastie, R., S. Penrod, and N. Pennington (1983). Inside the Jury. Cambridge, MA: Harvard University Press. 16. Sandys, M. and C. Dillehay (1995). "First-ballot Votes, Predeliberation Dispositions, and Final Verdicts in Jury Trials." Law and Human Behavior 19(2): 175-195. doi:10.1007/ BF01499324. 17. Davis, J. H., M. F. Stasson, K. Ono, and S. Zimmerman (1988). "Effects of Straw Polls on Group Decision Making: Sequential Voting Pattern, Timing, and Local Majorities." Journal of Personality and Social Psychology 5 5(6): 918—926. doi:10.1037/0022-3514.55.6.918. 18. Hannaford-Agor, P., V. Hans, N. Mott, and T. Munsterman (2002). "Are HungJuries a Problem National Center for State Courts, available at https://www.ncjrs.gov/pdfilesl/ nij /grants/1993 72.pdf Nadler, Janice and Pam A. Mueller. „Social Psychology and the Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press Parisi I 131 Gerichtsverfahren/rassische Voreingenommenheit/Sozialpsychologie/Nadler/Mueller: (...) viele Anwälte versuchen, (...) Geschworene auf der Grundlage ihrer Annahmen auszuwählen, dass schwarze Geschworene weniger wahrscheinlich Angeklagte, insbesondere schwarze Angeklagte, für schuldig befinden (Bonazzoli, 1998(1); Kerr et al., 1995(2)). In der Tat bieten Verhaltensforschung und Neuroimaging eine gewisse Unterstützung für diese Intuitionen, indem sie nahelegen, dass wir eher in der Lage sind, uns einzufühlen oder die Perspektive von Personen einzunehmen, die uns ähnlich sind (Cialdini et al., 1997(3); M. H. Davis et al., 1996(4); N. Eisenberg und Mussen, 1989(5); J. P. Mitchell, Macrae und Banaji, 2006(6); siehe jedoch Batson et al., 2005(7) für einen alternativen Verhaltensmechanismus). Schwarzes-Schaf-Effekt: Es gibt jedoch Hinweise darauf, dass sich Menschen in manchen Situationen von Mitgliedern der "Ingroup", die schlechte Handlungen begangen haben, distanzieren wollen, das ist der "Schwarzes-Schaf-Effekt" (J. Marques et al., 1998(8); J. M. Marques, Yzerbyt und Leyens, 1988)(9). >Todesstrafe/Sozialpsychologie. 1. Bonazzoli, M. J. (1998). "Jury selection and Bias: Debunking Invidious Stereotypes through Science." Quinnapiac Law Review 18:247. 2. Kerr, N. L., R. W. Hymes, A. B. Anderson, and J. E. Weathers (1995). "Defendant-Juror Similarity and Mock Juror Judgments" Law and Human Behavior 19(6):545-567. doi:10.1007/BF01499374. 3. Cialdini, R. B., S. L. Brown, B. P. Lewis, C. Luce, and S. L. Neuberg (1997). "Reinterpreting the Empathy-Altruism Relationship: When One into One Equals Oneness." Journal of Personality and social Psychology 73(3): 481-494. doi:10.1037/0022-3514.73.3.481. 4. Davis, J. H. (1996). "Group Decision Making and Quantitative Judgments: A Consensus Model," in E. H. Witte and J. H. Davis, Hrsg., Understanding Group Behavior, Bd. 1: Consensual Action By Small Groups, 35—59. Hillsdale, NJ: Lawrence Erlbaum Associates, Inc. 5. Eisenberg, N. and P. H. Mussen (1989). The Roots of Prosocial Behavior in Children. Cambridge: Cambridge University Press. 6. Mitchell, J. P., C. N. Macrae, and M. R. Banaji (2006). "Dissociable Medial Prefrontal Contributions to Judgments of Similar and Dissimilar Others." Neuron 50(4): 655-663. doi:10.1016/j.neuron.2006.03.040. 7. Batson, C. D., D. A. Lishner, J. Cook, and S. Sawyer (2005). "Similarity and Nurturance: Two Possible Sources of Empathy for Strangers." Basic and Applied social Psychology 2 15-25. 8. Marques, J., D. Abrams, D. Paez, and C. Martinez-Taboada (1998). " The Role of Categorization and In-group Norms in Judgments of Groups and their Members." Journal of Personality and social Psychology doi:10.1037/0022-3514.75.4.976. 9. Marques, J. M., V. Y. Yzerbyt, andJ.-P. Leyens (1988). "The 'Black Sheep Effect': Extremity of Judgments Towards Ingroup Members as a Function of Group Identification." European Journal of Social Psychology 18(1): 1—16. doi:10.1002/ejsp.2420180102. Nadler, Janice and Pam A. Mueller. „Social Psychology and the Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Geschichte | Collingwood | Gadamer I 376 Geschichte/Collingwood/Gadamer: Collingwood These: In Wahrheit kann man einen Text nur verstehen, wenn man die Frage verstanden hat, auf die er eine Antwort ist. Nun liegt für Collingwood hier der Nerv aller historischen Erkenntnis. Die historische Methode verlangt, dass man die Logik von Frage und Antwort auf die geschichtliche Überlieferung anwendet. Man wird die geschichtlichen Ereignisse nur verstehen, wenn man die Frage rekonstruiert, auf die das geschichtliche Handeln der Person jeweils die Antwort war. Collingwood gibt das Beispiel der Schlacht von Trafalgar und des ihr zugrunde liegenden Nelsonschen Planes. Das Beispiel will zeigen, dass der Verlauf der Schlacht eben deshalb den wirklichen Plan Nelsons verständlich mache, weil dieser zur erfolgreichen Ausführung gekommen sei. Der Plan seines Gegners dagegen sei aus dem umgekehrten Grunde, weil er nämlich gescheitert sei, aus den Ereignissen nicht mehr rekonstruierbar. Das Verstehen des Verlaufs der Schlacht und das Verstehen des Plans, den Nelson damit zur Ausführung brachte, sind danach ein und derselbe Vorgang.(1) >Plan/Collingwood. GadamerVsCollingwood: >Plan/Gadamer. 1. Collingwood, Denken, S. 70. |
Coll I R. G. Collingwood Essays In Political Philosophy Oxford 1995 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Geschichte | Condorcet | Wilson I 29 Geschichte/Condorcet/Wilson, E. O.: (Condorcet, Esquisse d’un tableau historique des progrès de l’esprit humain, 1793). Wilson: sein Text enthält keinerlei Hinweise auf die Revolution. Condorcet schrieb, als sei die Geschichte unvermeidbar und als seien Kriege wie Revolutionen nur Europas Art, sich immer wieder einmal eine neue Ordnung zu geben. >Revolution. I 30 Kultur/Condorcet/Wilson: Seine gelassene Zuversicht erwuchs aus der Überzeugung, dass Kultur von ebenso exakten Gesetzen beherrscht wird wie die Physik. Wir müssten sie nur verstehen, um die Menschheit auf ihrem vorbestimmten Kurs zu einer besseren Gesellschaftsordnung zu halten, geregelt und bestimmt durch Wissenschaft und säkulare Philosophie. Alle diese Gesetze könnte aus dem Studium der Geschichte abgeleitet werden. >Fortschritt, >Kultur, >Szientismus, >Rationalismus. |
Condo I N. de Condorcet Tableau historique des progrès de l’ esprit humain Paris 2004 WilsonEO I E. O. Wilson Consilience: The Unity of Knowledge New York 1998 |
| Geschichte | Dilthey | Pfotenhauer IV 62 Geschichte/Verstehen/Vico/Dilthey: Dilthey wollte an Vicos Grundsatz von der prinzipiellen Verständlichkeit der historischen Phänomene festhalten. Dies sollte gegen die positivistische Indifferenz geltend gemacht werden, die Geschichte und Natur in gleicher Weise zu betrachten entschlossen war. (DiltheyVsComte). >A. Comte. Dilthey These: Dilthey schlug vor, das Geschehen unter dem Gesichtspunkt der Zwecksetzungen interessierter, wertorientierter Subjekt zu deuten.(1) >Zwecke, >Intentionen, >Absicht, >Handeln. Pfotenhauer IV 63 HeideggerVsDilthey/GadamerVsDilthey/Pfotenhauer: Von Heidegger(2) bis Gadamer(3) erhob sich der Vorwurf der historisch-ästhetischen Anmaßung; man wolle sich genussvoll und allesverstehend des Menschlichen bemächtigen. Der Beschränktheit lebensgeschichtlich vorgeprägter Perspektiven werde dabei methodisch nicht hinreichend Rechnung getragen. „Jeder ist sich selbst der Fernste“. >Verstehen, >Hermeneutik, >Selbstwissen. Nietzsches Diktum könnte für diese Einwand als eine zugespitzte Formulierung gelten. Pfotenhauer IV 97 Form/Inhalt/Kunst/Nietzsche/Pfotenhauer: (F. Nietzsche 1888(4)): Man ist um den Preis Künstler, dass man das, was alle Nichtkünstler ‚Form‘ nennen, als Inhalt, als die ‚Sache selbst‘ empfindet. Gehalt/Nietzsche/Pfotenhauer: Der Gehalt wäre die innere Stimmigkeit selbst, die innere Stimmigkeit der Gehalt. >Inhalt, >Gehalt, >Geschichtsschreibung. 1. M. Riedel Verstehen oder erklären? Stuttgart 1978, S. 19ff. 2. M. Heidegger, Sein und Zeit, Tübingen 1953, S. 397. 3. G. Gadamer, Wahrheit und Methode, Tübingen 1972, S. 205ff. 4. F. Nietzsche, Nachgel. Fragm. Nov. 1887-März 1888, KGW VIII,2 S. 251f. |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Pfot I Helmut Pfotenhauer Die Kunst als Physiologie. Nietzsches ästhetische Theorie und literarische Produktion. Stuttgart 1985 |
| Geschichte | Droysen | Pfotenhauer IV 60 Positivismus/Geschichte/DroysenVsBuckle/Droysen: (J. G. Droysen (1863)(1)). Seit Droysens Kritik an Buckles History of Civilization (H. Th. Buckle(2)) in England nahmen die Bemühungen zu, die historischen Wissenschaften und ihren Gegenstand als einen eigenen Bereich geistiger Betätigung auszuweisen. Buckles Werk konnte als repräsentativ gelten für den Versuch, ein positivistisches Programm für die verschiedenen Bereich geschichtlich-gesellschaftlichen Lebens zu erstellen. Im Anschluss an Comte(3) sollten die konstanten Beziehungen zwischen beobachtbaren Phänomenen festgehalten werden anstatt metaphysisch über „eigentliche“ Ursachen zu spekulieren. …Zur erkenntnisleitenden Voraussetzung der historischen Forschung würde dann die Annahme, alle geschichtlichen Erscheinungen seien kausal bestimmt. Diese Voraussetzung würde gemacht um des methodischen Ideals einer exakten, allzeit wiederholbaren, situationsunabhängigen Beobachtung und Analyse willen. 1. J. G. Droysen Erhebung der Geschichte zum Rang einer Wissenschaft, in HZG 9, (1863), S. 1-22. 2. H. Th. Buckle, History of Civilization in England, London 185ff. 3. A. Comte, Discours sur l‘Esprit positif, Paris 1844, dt. Hamburg 1956, S. 26ff. Gadamer I 216 Geschichte/Droysen/Gadamer: Droysen sieht die Doppelnatur der Geschichte begründet in dem »eigentümlichen“ Gadamer I 217 Charisma der so glücklich unvollkommenen Menschennatur, dass sie geistig und leiblich zugleich sich ethisch verhalten muss.«(1) Gadamer: Mit diesen, Wilhelm von Humboldt entlehnten Begriffen sucht Droysen gewiss nichts anderes zu sagen, als was Ranke mit der Betonung der Kraft im Auge hatte. Auch er sieht die Wirklichkeit der Geschichte nicht als reinen Geist. Sich ethisch verhalten schließt vielmehr ein, dass die Welt der Geschichte keine reine Ausprägung des Wollens in einem widerstandslos bildsamen Stoff kennt. Ihre Wirklichkeit besteht in einer immer neu vom Geist zu leistenden Erfassung und Gestaltung der „rastlos wechselnden Endlichkeiten“ denen jeder Handelnde angehört. Droysen gelingt es nun in ganz anderem Grade, aus dieser Doppelnatur der Geschichte Folgerungen für das historische Verhalten zu ziehen. DroysenVsRanke: Die Anlehnung an das Verhalten des Dichters, die Ranke genügte, kann ihm nicht mehr ausreichen. Vgl. >Verstehen/Ranke. Die Selbstentäußerung im Schauen oder Erzählen führt nicht an die geschichtliche Wirklichkeit heran. Denn die Dichter »dichten zu den Ereignissen eine psychologische Interpretation derselben. In den Wirklichkeiten aber wirken noch andere Momente als die Persönlichkeiten« (Historik § 41)(1). YGeschichtsschreibung. Die Dichter behandeln die geschichtliche Wirklichkeit so, als wäre sie von handelnden Personen so gewollt und geplant. Das ist aber gar nicht die Wirklichkeit der Geschichte, derart zu sein. Daher ist das wirkliche Wollen und Planen der handelnden Menschen gar nicht der eigentliche Gegenstand des historischen Verstehens. Die psychologische Interpretation der einzelnen Individuen kann die Sinndeutung der geschichtlichen Ereignisse selbst nicht erreichen. »Weder geht der Wollende ganz in diesem einen Sachverhalt auf, noch ist das, was wurde, nur durch dessen Willensstärke, dessen Intelligenz geworden; es ist weder der reine noch der ganze Ausdruck dieser Persönlichkeit.« (§ 41). >Sinn, >Interpretation, >Verstehen, >Hermeneutik. Psychologische Interpretation ist daher nur ein untergeordnetes Moment im historischen Verstehen, und das nicht nur deshalb, weil sie ihr Ziel nicht wirklich erreicht. Es ist nicht nur so, dass hier eine Schranke erfahren wird. Psychologie/Verstehen/Droysen: Die Innerlichkeit der Person, das Heiligtum des Gewissens ist für den Historiker nicht nur unerreichbar. Das, wohin nur Sympathie und Liebe dringen, ist vielmehr gar nicht das Ziel und der Gegenstand seiner Forschung. Er hat nicht in die Geheimnisse der individuellen Personen einzudringen. Was er erforscht, sind nicht die einzelnen als solche, sondern was sie als Momente in der Bewegung der sittlichen Mächte bedeuten. 1. J.G. Droysen, Grundriß der Historik, 1868. |
Droys I J. G. Droysen Grundriss der Historik Paderborn 2011 Pfot I Helmut Pfotenhauer Die Kunst als Physiologie. Nietzsches ästhetische Theorie und literarische Produktion. Stuttgart 1985 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Geschichte | Fukuyama | Brocker I 805 Geschichte/Fukuyama: Fukuyamas These vom „Ende der Geschichte“ bezieht sich auf den Zusammenbruch der Sowjetunion und das Ende des Ost-West-Konfliktes bzw. des Kalten Krieges. Dieser Endpunkt ist durch den Sieg eines liberal-marktwirtschaftlichen Brocker I 806 und demokratischen Systems westlicher Prägung über alternative Ordnungsmodelle gekennzeichnet. Der Titel speilt sowohl auf Hegels als auch auf Marx‘ gleichnamige These an. Geschichte/Hegel: Hegel sah in der Durchsetzung eines liberalen Staat4es das Ende der Geschichte Geschichte/MarxVsHegel/Marx: das Ende der Geschichte ist erst mit der weltweiten Durchsetzung des Kommunismus erreicht. FukuyamaVsMarx: Die Durchsetzung von Demokratie und Kapitalismus stehe am Ende der Geschichte. Demokratie/Kapitalismus/Fukuyama: beide haben sich durchgesetzt, weil sie zwei Grundbedürfnisse des Menschen am besten befriedigen: Kapitalismus/Fukuyama: ist das Wirtschaftssystem, das am besten eine effiziente Güterallokation unter den Bedingungen der Knappheit erreicht. Demokratie/Fukuyama: ist das Ordnungsmodell, das das menschliche Bedürfnis nach sozialer Anerkennung relativ gesehen besser befriedigt als andere Systeme. Fukuyama prophezeit keinen schnellen Sieg der Demokratie. Der Kampf um sie wird zwischen einer sogenannten post-historischen Welt (in den Industriestaaten des Globalen Nordens) und einer historischen Welt (in den sich industrialisierenden Staaten des Globalen Südens) weiterhin ausgetragen. Siehe >Demokratie/Fukuyama. Brocker I 811 VsFukuyama: Seine Thesen wurden als nicht besonders eigenständig rezipiert. Es wurde darauf hingewiesen, dass sie bereits bei Alexandre Kojève vorhanden sind. (1) Siehe auch >Herrschaft/Knechtschaft/Kojève. Vielen Kritikern schien Fukuyamas Buch insgesamt zu pessimistisch. VsFukuyama: 1. Die empirische Stichhaltigkeit seiner Geschichtsdarstellung wurde in Zweifel gezogen. Brocker I 812 FukuyamaVsVs: Seine These sei nicht deskriptiv sondern normativ zu Verstehen. 2. Fukuyamas Interpretation des geschichtlichen Prozesses als Fortschritt wurde kritisiert. 3. Die gleiche Empirie kann auch anders interpretiert werden als es durch Fukuyama geleistet wurde. 1. Shadia B. Drury, „The End of History and the New World Order“, in: International Journal 48/1, 1992/93, S. 80-99. Anja Jetschke, „Francis Fukuyama, Das Ende der Geschichte“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
PolFuku I Francis Fukuyama The End of History and the Last Man New York 1992 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Geschichte | Gadamer | I 204 Geschichte/Gadamer: Es gibt viele Formen, die Geschichte von einem ihr selber jenseitigen Maßstab her zu denken. Humboldt: Wilhelm von Humboldts Klassizismus sieht die Geschichte als Verlust und Verfall der Vollkommenheit des griechischen Lebens. Goethezeit: Die gnostische Geschichtstheologie der Goethezeit, deren Einfluss I 205 auf den jungen Ranke kürzlich dargestellt wurde(1) denkt die Zukunft als die Wiederherstellung einer verlorenen Vollkommenheit der Urzeit. >Geschichte/Winckelmann. Hegel: Hegel versöhnte die ästhetische Musterhaftigkeit des klassischen Altertums mit dem Selbstbewusstsein der Gegenwart, indem er die >Kunstreligion der Griechen als eine überwundene Gestalt des Geistes bezeichnete und im allgemeinen Selbstbewusstsein der Freiheit die Vollendung der Geschichte in der Gegenwart proklamierte. All das sind Formen, die Geschichte zu denken, die einen außerhalb der Geschichte liegenden Maßstab voraussetzen. >Geschichte/Hegel, >Weltgeschichte/Hegel, >Weltgeist/Hegel. GadamerVs: Indessen ist auch die Leugnung eines solchen apriorischen, ungeschichtlichen Maßstabs, die am Anfang der historischen Forschung des 19. Jahrhunderts steht, nicht so frei von metaphysischen Voraussetzungen, wie sie sich glaubt und wie sie behauptet, wenn sie sich als wissenschaftliche Forschung versteht. Das lässt sich an der Analyse der leitenden Begriffe dieser historischen Weltansicht zeigen. Zwar sind diese Begriffe ihrer eigenen Intention nach gerade darauf gerichtet, die Vorgreiflichkeit einer aprioristischen Geschichtskonstruktion zu korrigieren. Aber indem sie sich gegen den idealistischen Begriff des Geistes polemisch richten, bleiben sie doch auf ihn bezogen. >Geschichte/Dilthey, >Aufklärung/Herder. I 281 Geschichte/Gadamer: In Wahrheit gehört die Geschichte nicht uns, sondern wir gehören ihr. Lange bevor wir uns in der Rückbesinnung selber verstehen, verstehen wir uns auf selbstverständliche Weise in Familie, Gesellschaft und Staat, in denen wir leben. Der Fokus der Subjektivität ist ein Zerrspiegel. >Subjektivität Die Selbstbesinnung des Individuums ist nur ein Flackern im geschlossenen Stromkreis des geschichtlichen Lebens. Darum sind die Vorurteile des einzelnen weit mehr als seine Urteile die geschichtliche Wirklichkeit seines Seins. >Vorurteil/Gadamer, >Hermeneutik/Gadamer, >Verstehen/Gadamer. 1. C. Hinrichs, Ranke und die Geschichtstheologie der Goethezeit (1954). Vgl. meine Notiz in Philos. Rundschau 4, S. 123ff. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Geschichte | Gould | IV 43 Geschichte/Selektion/Darwinismus/Gould: Nach der traditionellen Sichtweise ist der Darwinismus zuerst und vor allem eine Theorie der natürlichen Selektion. >Selektion. Gould: Das ist sicher richtig, aber in Bezug auf Macht und Reichweite der Selektion sind wir übereifrig geworden, wenn wir versuchen, jede erdenkliche Form und Verhaltensweise ihrem direkten Einfluss zuzuschreiben. Ein weiteres oft vergessenes Prinzip verhindert jede optimale Anpassung: die seltsamen und doch zwingenden Wege der Geschichte! Organismen stehen unter Zwängen ererbter Formen, die ihre Evolution bremsen! Sie können nicht jedes Mal umgeformt werden, wenn sich ihre Umgebung ändert. IV 44 Geschichte/Gould: Eine Welt, die optimal an ihre aktuelle Umgebung angepasst wäre, wäre eine Welt ohne Geschichte, eine solche Welt hätte auch so erschaffen werden können, wie wir sie jetzt vorfinden. >Evolution, >Erklärung, >Darwinismus, >Selektion. |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Geschichte | Historismus | Gadamer I 205 Geschichte/Historismus/Gadamer: Die gemeinsame Grundannahme aller Vertreter dieser historischen Weltansicht, Rankes wie Droysens wie Diltheys, besteht darin, daß die Idee, das Wesen, die Freiheit in der geschichtlichen Wirklichkeit keinen vollständigen und adäquaten Ausdruck findet. Das ist nun nicht im Sinne eines bloßen Mangels oder Zurückbleibens zu verstehen. Vielmehr entdecken sie darin das konstitutive Prinzip der Geschichte selbst, dass die Idee in der Geschichte immer nur eine unvollkommene Repräsentation hat. Nur weil dem so ist, bedarf es statt der Philosophie der historischen Forschung, den Menschen über sich selbst und seine Stellung in der Welt zu belehren. Die Idee einer Geschichte, die reine Repräsentation der Idee wäre, bedeutete in einem den Verzicht auf sie als einen eigenen Wahrheitsweg. Gadamer: Indessen ist auch die Leugnung eines solchen apriorischen, ungeschichtlichen Maßstabs, die am Anfang der historischen Forschung des 19. Jahrhunderts steht, nicht so frei von metaphysischen Voraussetzungen, wie sie sich glaubt und wie sie behauptet, wenn sie sich als wissenschaftliche Forschung versteht. Das lässt sich an der Analyse der leitenden Begriffe dieser historischen Weltansicht zeigen. Zwar sind diese Begriffe ihrer eigenen Intention nach gerade darauf gerichtet, die Vorgreiflichkeit einer aprioristischen Geschichtskonstruktion zu korrigieren. Aber indem sie sich gegen den idealistischen Begriff des Geistes polemisch richten, bleiben sie doch auf ihn bezogen. >Geschichte/Dilthey. Historismus/Gadamer: Geschichtliche Wirklichkeit ist aber (...) nicht ein bloßes trübes Medium, geistwidriger Stoff, starre Notwendigkeit, an der sich der Geist bricht und in deren Fesseln er erstickt. Solche gnostisch-neuplatonische Einschätzung des Geschehens als des Hervorgangs in die äußere Erscheinungswelt wird dem metaphysischen Seinswert der Geschichte und damit dem Erkenntnisrang der historischen Wissenschaft ebenfalls nicht gerecht. Gerade die Entfaltung des menschlichen Wesens in der Zeit hat ihre eigene Gadamer I 206 Produktivität. Es ist die Fülle und Mannigfaltigkeit des Menschlichen, die sich in dem unendlichen Wechsel der menschlichen Geschicke zu steigender Wirklichkeit bringt. So etwa ließe sich die Grundannahme der historischen Schule formulieren. Ihr Zusammenhang mit dem Klassizismus der Goethezeit ist nicht zu übersehen. Was hier leitend ist, ist im Grunde ein humanistisches Ideal. Wilhelm von Humboldt hatte die spezifische Vollendung des Griechentums in dem Reichtum großer individueller Formen gesehen, den es aufweist. Nun sind die großen Historiker auf ein solches klassizistisches Ideal gewiss nicht einzuengen. Sie folgten vielmehr >Herder. Gadamer: Aber was tut die an Herder anknüpfende historische Weltansicht, die keinen Vorzug eines klassischen Zeitalters mehr kennt, anderes, als dass sie nun das Ganze der Weltgeschichte unter dem gleichen Maßstab sieht, den Wilhelm von Humboldt gebraucht hatte, um den Vorzug des klassischen Altertums zu begründen? Reichtum an individuellen Erscheinungen ist nicht nur die Auszeichnung des griechischen Lebens, es ist die Auszeichnung des geschichtlichen Lebens überhaupt, und das ist es, was den Wert und Sinn der Geschichte ausmacht. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Geschichte | Marx | Rothbard II 417 Geschichte/Ökonomie/Marx/Rothbard: (...) Marx war nicht besonders an erklärenden Gesetzen für die Funktionsweise des kapitalistischen Systems interessiert. Er war daran interessiert, zu dem vorzudringen, was er die 'Bewegungsgesetze' (ein entlarvender mechanistischer Begriff!) des kapitalistischen Systems nannte, d.h. an seinem Das heißt, an seinem unvermeidlichen Marsch zum Sieg des revolutionären Kommunismus, einem Marsch, der „mit der Unerbittlichkeit der Naturgesetze“ verlaufen würde. Wie und wohin sollte sich der Kapitalismus also bewegen? Ein entscheidender Aspekt des unausweichlichen Untergangs des Kapitalismus ist das unausweichliche Gesetz der sinkenden Profitrate. >Profitrate/Marx. Rothbard II 419 Akkumulation/Marx: Welchen Weg die Marxisten auch immer einschlagen, es ist für sie von entscheidender Bedeutung, die fortgesetzte Kapitalakkumulation zu retten, da es durch diese Akkumulation zu Produktivitätssteigerungen und insbesondere zu technologischen Innovationen kommt und diese in der Wirtschaft eingeführt werden. Und wir dürfen nicht vergessen, dass sich die Kapitalisten durch technologische Innovationen ihr eigenes Grab schaufeln, denn das kapitalistische System und die kapitalistischen Verhältnisse werden zu den Fesseln, die die technologische Entwicklung blockieren. Eine technologische Methode, die der Kapitalismus nicht erfassen kann und die Marx in seinem späten Leben für die Elektrizität hielt, würde den Funken, die notwendige und ausreichende Grundlage für den unvermeidlichen Umsturz des Kapitalismus und die Machtergreifung durch die „letzte“ historische Klasse, das Proletariat, liefern. Für Marx ergeben sich aus der angeblichen Tendenz zur Kapitalakkumulation und dem technischen Fortschritt zwangsläufig zwei Konsequenzen. Die erste ist die „Konzentration des Kapitals“, womit Marx die unaufhaltsame Tendenz jedes Unternehmens meinte, immer größer zu werden, die Produktionsskala zu erweitern.(1) Sicherlich gibt es in der modernen Welt eine große Ausweitung der Skala von Anlagen und Unternehmen. RothbardVsMarx: Auf der anderen Seite ist das Gesetz kaum apodiktisch. Warum kann sich die Kapitalakkumulation nicht in einem Wachstum der Zahl der Unternehmen widerspiegeln und nicht nur in einer Vergrößerung der einzelnen Unternehmen? 1. So schrieb Marx in Band I des Kapitals: „Es ist ein Gesetz, das sich aus dem technischen Charakter der Produktion ergibt, dass das Minimum des Kapitals, das der Kapitalist besitzen muss, immer mehr zunehmen muss“, und „die Entwicklung der kapitalistischen Produktion macht es notwendig, die Menge des in einem bestimmten industriellen Unternehmen angelegten Kapitals ständig zu erhöhen“. ((s) Rückübersetzt aus der Englischen Ausgabe von Rothbard). Vgl.. C David Conway, A Farewell to Marx: An Outline and Appraisal of His Theories (Harmondsworth, Mddx: Penguin Books, 198 7), pp. 126-7. Höffe I 368 Geschichte/Marx/Höffe: [Marx](1) beginnt mit der Analyse von Ware und Geld als den sachlichen Voraussetzungen und formalen Elementen. Er gesteht dem Kapital die welthistorische Aufgabe zu, alle Produktivkräfte der Arbeit zu entwickeln. Andererseits verhindere es aber, was für eine wahrhaft humane Wirtschaft unverzichtbar sei: dass die Arbeit bzw. der Arbeiter zum Subjekt der gesellschaftlichen Prozesse werde. Determinismus: In freier Anleihe bei Hegels Geschichtsphilosophie denkt Marx deterministisch. Denn seines Erachtens erfolgt die angeblich schwerlich zu leugnende «Verelendung der Massen» nach einem Mechanismus, der zwangsläufig in einer Selbstaufhebung des Kapitals mündet. Es komme nämlich zu einer wachsenden Konzentration des Kapitals, in dessen Verlauf mehr und mehr Kapitaleigner enteignet werden, was eine offensichtliche Folge haben soll: Mit zunehmendem Elend wächst die Empörung einer immer größeren organisierten Arbeiterschaft. >Geschichte/Hegel, >Weltgeschichte/Hegel, >Weltgeist/Hegel. 1. K. Marx Das Kapital Bd I 1867, Bd II u. II 1885 (= MEW 23-25) Gaus I 80 Geschichte/Marx/Levine, Andrew: Hegels Geschichtsphilosophie war natürlich die unmittelbare Inspiration für Marx' Versuch, die Geschichte als solche zu verstehen. Aber Marx brach mit Hegel und der gesamten Tradition, in der sein Werk gipfelte, indem er die Teleologie und damit das Projekt, herauszufinden, was historische Ereignisse bedeuten, ablehnte. Marx behielt Hegels Sinn für die Verständlichkeit der Geschichte bei; er versuchte, eine Darstellung der realen historischen Strukturen und der Richtung des historischen Wandels zu liefern. MarxVsHegel: Aber für Marx ist Geschichte so bedeutungslos wie die Natur. Wie auch die Natur hat sie Eigenschaften, die unabhängig von den Interessen der Forscher sind und die prinzipiell bekannt sein können. Die Geschichtsphilosophen, insbesondere Hegel, hatten Aspekte der realen Geschichte erfasst, aber durch die verzerrende Linse ihrer eigenen teleologischen Überzeugungen. Marx gab ihnen Recht, ohne dem Atheoretizismus der zeitgenössischen Historiker zu erliegen. >Geschichte/Hegel. Geschichte/MarxismusVsMarx: Bei allen Unterschieden waren sich die westlichen Marxisten einig, dass sie sich von der Marx'schen Geschichtstheorie distanzierten. Die historisch-materialistische Orthodoxie der Zweiten und Dritten Internationale war in den Augen der westlichen Marxisten zu fatalistisch, um die Musterung zu bestehen. Sie versäumte es, der menschlichen Handlungsweise die ihr gebührende Bedeutung beizumessen. Ihr Bekenntnis zur historischen Unvermeidbarkeit schien sogar die Idee der Politik selbst zu überflüssig zu machen. Wenn das Ende bereits gegeben ist, kann man vielleicht sein Kommen beschleunigen, aber nichts kann das Endergebnis grundlegend ändern. Dies, so schien es ihnen, war eine Formel für die Stille, für das passive Abwarten der Revolution. Aber der historische Materialismus, den die westlichen Marxisten bemängelten, war nicht gerade der historische Materialismus, den Cohen verteidigte. >Geschichte/Cohen. Levine, Andrew 2004. A future for Marxism?“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Marx I Karl Marx Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Geschichte | Vico | Gadamer I 226 Geschichte/Natur/Vico/Gadamer: Vico [hat] im Gegenschlag zu dem cartesianischen Zweifel und der durch ihn begründeten Gewissheit mathematischer Erkenntnis der Natur den erkenntnistheoretischen Primat der von den Menschen gemachten Welt der Geschichte behauptet (…). Gadamer I 231 Dilthey: Der alte Vorzug, den schon Vico den geschichtlichen Gegenständen zusprach, begründet nach Dilthey die Universalität, mit der das Verstehen sich der geschichtlichen Welt bemächtigt. Gadamer: Die Frage ist jedoch, ob auf dieser Basis der Übergang vom psychologischen zum hermeneutischen Standpunkt wirklich gelingt oder ob sich Dilthey dabei in Problemzusammenhänge verstrickt, die ihn in eine ungewollte und uneingestandene Nähe zum spekulativen Idealismus bringen. Gadamer I 235 GadamerVsVico: Ist Vicos oft genannte Formel [von der “erkenntnistheoretischen Erleichterung”] (…) überhaupt richtig? Überträgt sie nicht eine Erfahrung des menschlichen Kunstgeistes auf die geschichtliche Welt, in der man von „Machen“ d. h. von Planen und Ausführen angesichts des Laufs der Dinge überhaupt nicht reden kann? Wo soll hier die erkenntnistheoretische Erleichterung herkommen? Ist es nicht in Wahrheit eine Erschwerung? Muss nicht die geschichtliche Bedingtheit des Bewusstseins eine unüberwindliche Schranke dafür darstellen, dass es sich in geschichtlichem Wissen vollendet? Gadamer I 378 Historismus/Gadamer: Es ist die Verführung des Historismus, in [einer] Reduktion die Tugend der Wissenschaftlichkeit zu sehen und im Verstehen eine Art von Rekonstruktion zu erblicken, die die Entstehung des Textes gleichsam wiederholt, Er folgt damit dem uns aus der Naturerkenntnis Gadamer I 379 bekannten Erkenntnisideal, wonach wir einen Vorgang erst dann verstehen, wenn wir ihn künstlich herbeiführen können. GadamervsVico: der Satz von Vico ist [fragwürdig], demzufolge dieses Ideal seine reinste Erfüllung in der Geschichte findet, weil dort der Mensch seiner eigenen menschlich-geschichtlichen Wirklichkeit begegne. Wir haben dagegen betont, dass ein jeder Historiker und Philologe mit der grundsätzlichen Unabschließbarkeit des Sinnhorizontes rechnen muss. >Horizont/Gadamer, >Erfahrung/Gadamer. |
Vico I Giambattista Vico Prinzipien einer neuen Wissenschaft über die gemeinsame Natur der Völker Hamburg 2009 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Geschichtlichkeit | Heidegger | Gadamer I 266 Geschichtlichkeit/Heidegger/Gadamer: : (...) dass wir nur Historie treiben, sofern wir selber sind, bedeutet, dass die Geschichtlichkeit des menschlichen Daseins in ihrer ganzen Bewegtheit des Gewärtigens und des Vergessens die Bedingung dafür ist, dass wir Gewesenes überhaupt vergegenwärtigen. >Geschichte/Heidegger, >Dasein/Heidegger, >Zeit/Heidegger. Gadamer I 267 Gadamer: [es ist die ] Frage, ob aus der ontologischen Radikalisierung, die Heidegger gebracht hat, etwas für den Aufbau einer historischen Hermeneutik gewonnen werden kann. Heideggers Absicht selber war gewiss eine andere, und man muss sich hüten, aus seiner existenzialen Analyse der Geschichtlichkeit des Daseins voreilige Konsequenzen zu ziehen. Die existenziale Analytik des Daseins schließt nach Heidegger kein bestimmtes geschichtliches Existenzideal in sich. Insofern beansprucht sie selbst noch für eine theologische Aussage über den Menschen und seine Existenz im Glauben eine apriorisch-neutrale Geltung. Das mag für das Selbstverständnis des Glaubens ein problematischer Anspruch sein, wie etwa der Streit um Bultmann zeigt. >Bultmann/Gadamer, >Hermeneutik. Umgekehrt ist damit keineswegs ausgeschlossen, dass es für die christliche Theologie wie für die historischen Geisteswissenschaften inhaltlich bestimmte (existenzielle) Voraussetzungen gibt, unter denen sie stehen. Aber gerade deshalb wird man es gelten lassen müssen, dass die existenziale Analytik selber ihrer eigenen Absicht nach keine Idealbildung enthält und daher auch nicht als eine solche kritisierbar ist (so oft das auch versucht worden ist). Es ist ein bloßes Missverständnis, wenn man in der Zeitlichkeitsstruktur der Sorge ein bestimmtes Existenzideal erblickt, dem man erfreulichere Stimmungen (Bollnow)(1) etwa das Ideal der Sorglosigkeit, oder mit Nietzsche die naturhafte Unschuld der Tiere und Kinder entgegensetzen könnte. Man kann doch nicht leugnen, dass auch das ein Existenzideal ist. Damit aber gilt von ihm, dass seine Struktur die existenziale ist, wie sie Heidegger aufgewiesen hat. >Tiere/Heidegger. 1. O.F. Bollnow, Das Wesen der Stimmungen, Freiburg 1943. |
Hei III Martin Heidegger Sein und Zeit Tübingen 1993 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Geschichtsphilosophie | Marx | Mause I 69 Geschichtsphilosophie/Marx: Die grundlegende Geschichtsphilosophie von Marx, der historische Materialismus, findet sich nicht in seinem Hauptwerk, dem dreibändigen „Kapital“ (Marx 1867/1885/1894), sondern in verschiedenen anderen Schriften. Aus der Sicht von Marx stellt die Geschichte einen permanenten Klassenkampf dar, der durch die Spannungen zwischen „Produktivkräften“ (d. h. der jeweiligen Produktionstechnologie) und „Produktionsverhältnissen“ (d. h. den jeweiligen Eigentumsverhältnissen) vorangetrieben wird. Dabei gibt es eine begrenzte Anzahl klar definierter Stufen (kommunistische Urgesellschaft, antike Sklavenhaltergesellschaft, Feudalismus, Kapitalismus, kommunistisches Endstadium). >Sklaverei, >Feudalismus, >Kapitalismus, >Kommunismus, >Produktionsverhältnisse. Im Zentrum der ökonomischen Analyse von Marx stehen die Probleme und Widersprüche des Kapitalismus, der durch zunehmende Ungleichverteilung und sich verschärfende Konjunkturkrisen über kurz oder lang zusammenbrechen müsse. >Geschichte, >Geschichtsschreibung, >Geschichtsphilosophie. |
Marx I Karl Marx Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Geschichtsschreibung | Gadamer | I 10 Geschichtsschreibung/Wissenschaft/Gadamer: Was auch immer hier Wissenschaft bedeuten mag und wenn auch in aller historischen Erkenntnis die Anwendung allgemeiner Erfahrung auf den jeweiligen Forschungsgegenstand eingeschlossen ist - historische Erkenntnis erstrebt dennoch nicht, die konkrete Erscheinung als Fall einer allgemeinen Regel zu erfassen. Das Einzelne dient nicht einfach zur Bestätigung einer Gesetzmäßigkeit, von der aus in praktischer Umwendung Voraussagen möglich werden. Ihr Ideal ist vielmehr, die Erscheinung selber in ihrer einmaligen und geschichtlichen Konkretion zu verstehen. Dabei mag noch so viel allgemeine Erfahrung wirksam werden: das Ziel ist nicht, diese allgemeinen Erfahrungen zu bestätigen und zu erweitern, um zur Erkenntnis eines Gesetzes zu gelangen, etwa wie Menschen, Völker, Staaten überhaupt sich entwickeln, sondern zu verstehen, wie dieser Mensch, dieses Volk, dieser Staat ist, was er geworden ist — allgemein gesagt: wie es kommen konnte, dass es so ist. >Geisteswissenschaften/Gadamer, >Geisteswissenschaften/Dilthey, >Geschichtsschreibung/Droysen. I 340 Geschichtsschreibung/Gadamer: Der Historiker verhält sich zu überlieferten Texten insofern anders [als der Hermeneutiker], als er durch dieselben hindurch ein Stück Vergangenheit zu I 341 erkennen strebt. Er empfindet es geradezu als die Schwäche des Philologen, dass dieser seinen Text wie ein Kunstwerk ansieht. Ein Kunstwerk ist eine ganze Welt, die sich in sich selbst genügt. Aber das historische Interesse kennt solche Selbstgenügsamkeit nicht. DiltheyVsSchleiermacher: So empfand schon Dilthey gegen Schleiermacher: »Ein sich selbst abgerundetes Dasein möchte die Philologie überall sehen«.(1) Gadamer: Wenn eine überlieferte Dichtung auf den Historiker Eindruck macht, wird das für ihn gleichwohl keine hermeneutische Bedeutung haben. Er kann sich grundsätzlich nicht als den Adressaten des Textes verstehen und dem Anspruch eines Textes unterstellen. Er befragt seinen Text vielmehr auf etwas hin, was der Text von sich aus nicht hergeben will. I 400 Geschichtsschreibung/Gadamer: (...) der Historiker wählt in der Regel die Begriffe, mit denen er die historische Eigenart seiner Gegenstände beschreibt, ohne ausdrückliche Reflexion auf ihre Herkunft und ihre Berechtigung. Er folgt allein seinem Sachinteresse und gibt sich keine Rechenschaft davon, dass die deskriptive Eignung, die er in den von ihm gewählten Begriffen findet, für seine eigene Absicht höchst verhängnisvoll sein kann, sofern sie das historisch Fremde dem Vertrauten angleicht und so selbst bei unbefangenster Auffassung das Anderssein des Gegenstandes schon den eigenen Vorgriffen unterworfen hat. Sofern der Historiker sich diese seine Naivität nicht eingesteht, verfehlt er unzweifelhaft das von der Sache geforderte Reflexionsniveau. Seine Naivität wird aber wahrhaft abgründig, wenn er sich der Problematik derselben bewusst zu werden beginnt und etwa die Forderung stellt, man habe im historischen Verstehen die eigenen Begriffe beiseite zu lassen und nur in Begriffen der zu verstehenden Epoche zu denken. Diese Forderung, die wie eine konsequente Durchführung des historischen Bewusstseins klingt, enthüllt sich jedem denkenden Leser als eine naive Illusion. Die Forderung, die Begriffe der Gegenwart beiseite zu lassen, meint nicht eine naive Versetzung in die Vergangenheit. Sie ist vielmehr eine wesensmäßig relative Forderung, die nur in Bezug auf die eigenen Begriffe überhaupt einen Sinn hat. Das historische Bewusstsein verkennt sich selbst, wenn es, um zu verstehen, das aus- I 401 schließen möchte, was allein Verstehen möglich macht. >Bedeutungswandel, >Begriffe/Gadamer. Historisches Bewusstsein/Gadamer: Historisch denken heißt in Wahrheit, die Umsetzung vollziehen, die den Begriffen der Vergangenheit geschieht, wenn wir in ihnen zu denken suchen. Historisch denken enthält eben immer schon eine Vermittlung zwischen jenen Begriffen und dem eigenen Denken. Die eigenen Begriffe bei der Auslegung vermeiden zu wollen, ist nicht nur unmöglich, sondern offenbarer Widersinn. 1. Clara Misch: Der junge Dilthey. Ein Lebensbild in Briefen und Tagebüchern 1852–1870. Leipzig 1933; Stuttgart/Göttingen 1960, S. 94. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Gesellschaft | Constant | Gaus I 387 Gesellschaft/Constant/Plant: Constant erlebte die Französische Revolution aus erster Hand. Er lebte, um während der Hundert Tage Napoleons konstitutioneller Berater zu werden (nachdem er von Napoleon wegen seiner Kritik an seiner Machtausübung vor seinem Exil auf Elba mit Gefängnis bedroht worden war) (...) und er starb während des Sturzes der Orléanistischen Monarchie 1830. Er wurde zum Teil in Schottland an der Universität Edinburgh ausgebildet, wo er die Arbeiten sowohl von politischen Ökonomen wie Adam Smith als auch von Philosophen mit gesundem Menschenverstand wie Dugald Stewart studierte, eine Erfahrung, die in seiner Darstellung der Freiheit eine wichtige Rolle spielen sollte. Seine Vorstellungen von Freiheit spiegeln den Kontrast wider, den er zwischen der Freiheit der Alten und der Freiheit der Modernen zieht, dem Thema einer Rede, die er 1820 in Paris hielt. Obwohl sie in seinem letzten Jahrzehnt gehalten wurde, spiegelt sie in systematischerer Weise viele der Anliegen seines Lebens und seiner Erziehung wider. Die Betonung des Wortes "systematisch" sollte uns jedoch nicht in die Irre führen, da Constant kein Metaphysiker ist und seine Ansichten über die Freiheit auf praktischen Beobachtungen über das Wesen der alten Gesellschaften und der modernen Handelsgesellschaften beruhen. Sein Argument über die antike Freiheit ist einfach. Stadtstaat/Republik/Sklaverei: Die Größe des griechischen Stadtstaates, seine kulturelle Homogenität und die Tatsache, dass die Arbeit von Sklaven verrichtet wurde, bedeutete, dass jeder Bürger voll in das politische Leben der Gesellschaft einbezogen werden konnte. Freiheit: Freiheit wurde im Sinne dieser Teilnahme und Beteiligung verstanden. Sie hatte auch die Herabstufung der Bedeutung des Privatlebens und des privaten Geschmacks zum Preis. Privatsphäre: Aufgrund der (von den romantischen Denkern gepriesenen) Einheit der Gesellschaft wurde zwar die Souveränität gemeinsam gehalten, dennoch unterlag jedes Individuum einer sehr weitgehenden staatlichen Autorität. Von einer sakrosankten Privatsphäre war nichts zu spüren. >Freiheit. Arbeitsteilung: Die Arbeitsteilung hatte zu einer sehr viel stärkeren Differenzierung von Funktion und sozialer Erfahrung geführt, und Kultur und Geschmack sind heute von Individuum zu Individuum sehr viel vielfältiger. Es besteht daher die Forderung nach einer Privatsphäre, in der der Einzelne seinen eigenen Interessen folgen und seinem eigenen Geschmack frei von staatlichen Eingriffen frönen kann. >Arbeitsteilung. Jakobinismus: Die jakobinische Zeit der Französischen Revolution hatte Constant zufolge zu dem Versuch geführt, einige der Vorstellungen vom Stadtstaat als einer Tugendrepublik, in der alle Aspekte des Lebens unter politischer Gerichtsbarkeit stehen sollten und in der es eine direkte partizipatorische Demokratie geben sollte, wieder aufleben zu lassen. Terror: Der Terror, für Constant, war eine natürliche Folge dieses Versuchs politischer Nostalgie. Teil der Aufgabe des Verfassungsrechtlers und Denkers war es, Wege zu finden, wie sich diese anachronistische Form der Politik nicht durchsetzen konnte. Gleichzeitig war Constant aber auch klar, dass moderne Politikformen eine Art Krise der Repräsentation mit sich bringen. Repräsentation/Problem: Sofern es sich bei dem Vertreter um einen Delegierten einer politischen Gruppierung wie z.B. eines Wahlkreises handelt, werden politische Verhandlungen in einem Parlament oder einer Versammlung unmöglich, weil das Mandat dies verhindern wird; alternativ, wenn der Vertreter als autonom zu betrachten ist, dann kann es durchaus sein, dass dies realpolitisch wirksam ist, aber die repräsentative Funktion wird zum Fluchtpunkt geworden sein. Es gibt also ein grundlegendes Problem der repräsentativen Legitimität in der modernen Welt, und ein Teil der Lösung liegt natürlich darin, dass viele Lebensbereiche nicht der politischen Kontrolle und Einmischung unterliegen, so dass die Frage der Repräsentativität einen engen Bereich abdeckt. Dennoch stellte dies für Constant (1988)(1) eine der größten Herausforderungen der modernen Welt dar. >Politische Repräsentation. Gaus I 388 Gesellschaft: Constant glaubte auch, dass eine Politik der Freiheit durch eine Reihe von Werten untermauert werden müsse. Diese waren jedoch weder metaphysisch fundiert noch heroisch. Was er wollte, war ein Freiheitsregime, das den Menschen in einer kommerziellen Gesellschaft die Freiheit lässt, in ihrem Privatleben ihrem eigenen Geschmack und ihren eigenen Interessen zu folgen. >Werte, >Gesellschaft, >Freiheit. 1. Constant, B. (1988) Political Writings. Cambridge: Cambridge University Press. Plant, Raymond 2004. „European Political Thought in the Nineteenth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Gesellschaft | Fukuyama | Brocker I 809 Gesellschaft/FukuyamaVsLocke/FukuyamaVsHobbes/Fukuyama: der Anfang und der Kern einer liberalen Gesellschaft ist nicht die wechselseitige Anerkennung des Rechts auf Leben und Eigentum, sondern die wechselseitige Anerkennung der Würde des Anderen. >Anerkennung/Honneth). Staat/Fukuyama: Der liberale Staat ist historisch betrachtet die Staatsform, die diese miteinander in Wettbewerb stehenden Ansprüche am ehesten zum Ausgleich bringt, weil er auf dem Prinzip der Anerkennung beruht. Dieser liberale Staat ist als universeller Staat zu denken, in dem alle Menschen anerkannt sind, und er ist als homogener Staat zu denken, in dem soziale Unterschiede weitgehen eingeebnet sind. Mit seiner weitgehenden Durchsetzung endet die Möglichkeit eines universalgeschichtlichen Prozesses („end of history“). >Posthistoire/Fukuyama, Universalgeschichte/Fukuyama, Mensch/Fukuyama, Anerkennung/Fukuyama. Brocker I 810 Problem: das liberal-demokratische System muss zwei widerstrebenden Anforderungen genügen: a) Es muss die wechselseitige Anerkennung der Gleichwertigkeit aller verwirklichen (Universalismus) b) Es sieht sich mit dem permanenten Streben der Menschen Brocker I 811 konfrontiert, besser sein zu wollen als der Andere. Anja Jetschke, „Francis Fukuyama, Das Ende der Geschichte“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
PolFuku I Francis Fukuyama The End of History and the Last Man New York 1992 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Gesellschaft | Harris | Gaus I 216 Gesellschaft/David Harris/Moon: Da die Begriffe der positiven Rechte und der Chancengleichheit außerhalb spezifischer sozialer Kontexte nicht gut definiert sind, werden sie oft mit Argumenten kombiniert, die an die Ideale der Staatsbürgerschaft und der sozialen Solidarität appellieren. Das Grundargument ist, dass der Wohlfahrtsstaat die Einbeziehung aller Bürger als vollwertige Mitglieder einer demokratischen Gesellschaft garantieren sollte, was voraussetzt, dass ein umfassendes Spektrum an sozialen Rechten bereitgestellt wird. David Harris: Harris bietet eine kommunitaristische Version des Arguments der Solidarität. Er argumentiert, dass die "Vollmitgliedschaft" in einer Gesellschaft voraussetzt, dass jede Person in der Lage ist, "einen bestimmten Lebensstil" und "bestimmte Lebenschancen" zu genießen (1987(1): 147). Obwohl er anerkennt, dass moderne Gesellschaften eine Vielzahl verschiedener Gruppen umfassen, besteht er darauf, dass es mehr oder weniger gemeinsame Standards dafür gibt, was ein Individuum tun und wie es leben können muss, wenn es nicht ausgeschlossen oder sozial ausgegrenzt werden soll. Diese Standards bestimmen die Bedürfnisse der Mitglieder dieser Gesellschaft und sollten allen Bürgern als eine Frage des Rechts gleichermaßen zur Verfügung stehen, denn nur so kann der gleiche Status der Mitglieder anerkannt und respektiert werden (1987(1): 154-7). Moon: Diese Argumentationslinie unterstützt den institutionellen Wohlfahrtsstaat, in dem Dienstleistungen teilweise in Form von Sachleistungen erbracht werden, weil "die Bürgerinnen und Bürger ein Recht auf diese spezifische Ressource" haben, wie etwa "Bildung", und nicht ein Recht "auf Einkommen, das für Bildung ausgegeben werden kann oder nicht" (1987(1): 150). Darüber hinaus ist die universelle Bereitstellung bestimmter Dienstleistungen Ausdruck eines Gemeinschaftsgefühls und einer gleichberechtigten Staatsbürgerschaft und kann dazu beitragen. Schließlich kann die Bereitstellung von Sachleistungen eine Form von "gerechtfertigter Bevormundung" sein, insofern als "einige Personen unvorsichtig oder verschwenderisch sein mögen oder nicht in der Lage sind, angemessen mit Bargeld umzugehen" (1987(1): 150-1). Familie: Harris' Darstellung stützt sich auf eine Analogie zwischen der politischen Gesellschaft und der Familie: So wie wir Verpflichtungen gegenüber und Rechte gegen Mitglieder unserer Familie haben, unabhängig davon, was sie individuell für uns getan haben, so haben wir auch Verpflichtungen gegenüber und Rechte gegen unsere Mitbürger. Moon: Die Betonung der Pflichten ist entscheidend, denn die Möglichkeit, seine Rechte zu genießen, hängt von der bereitwilligen Unterstützung der Sozialpolitik seitens der Bürger ab, und um seine Rechte einzufordern, muss man bereit sein, das "System der Pflichten" zu erfüllen, das "der Struktur der Bürgerrechte zugrunde liegt" (1987(1): 160). Grundlegende Bedürfnisse: (...) Harris fährt fort zu argumentieren, dass die pragmatischen Schwierigkeiten bei der Bestimmung, ob die unerfüllten Bedürfnisse eines Menschen ein Ergebnis seiner eigenen Entscheidungen sind, so groß sind, dass wir davon ausgehen sollten, dass es solche Fälle nicht gibt, und uns auf ein "Pflichtgefühl oder Gemeinschaftsgefühl verlassen sollten, um den Missbrauch des Systems zu verhindern oder zu minimieren" (1987(1): 161). Gaus I 217 MoonVsHarris: 1) (...) Die Begründung von Rechten und Pflichten auf 'Mitgliedschaft' ist insofern zutiefst problematisch, als sie die Frage aufwirft, ob die Gesellschaftsordnung, der wir angehören sollen, gerecht ist. 2) (...) Ironischerweise haben Wohlfahrtsstaaten eine systematische Tendenz, genau die Gemeinschaftsgefühle und -beziehungen zu untergraben, die die Werte der Solidarität und Gleichheit unterstützen würden. Obwohl die Teilnahme an einem gemeinsamen Programm, wie z.B. einem nationalen Gesundheitsdienst oder einer medizinischen Versorgung, zu Gefühlen der Solidarität mit anderen führen kann, kann das, was Menschen tatsächlich erleben, oft ganz anders sein kann. In vielen Fällen ist es eher so, dass man auf den Status eines Klienten reduziert wird, der versucht, seine Bedürfnisse durch eine unpersönliche und nicht reagierende Bürokratie zu befriedigen. * 3) (...) das Bekenntnis zur Gleichheit kann manchmal mit dem Bekenntnis zur Demokratie unvereinbar sein. Nehmen wir zum Beispiel Albert Weales Argument für einkommensbezogene wohlfahrtsstaatliche Systeme, wie die soziale Sicherheit in den USA. Weale argumentiert, dass solche Systeme das Gesamtvolumen der staatlichen Transfers erhöhen und damit zu einer größeren "egalitären Wirksamkeit" führen. >Gleichheit/Weale, >Solidarität/Wohlfahrtsökonomik. *Dies ist ein wichtiges Thema in Wolfe's Analyse und Kritik der staatlichen Versorgung (vgl. 1989(2): insbesondere Kap. 4 und 5). 1. Harris, David (1987) Justifying State Welfare. Oxford: Blackwell. 2. Wolfe, Alan (1989) Whose Keeper? Social Science and Moral Obligation. Berkeley, CA: University of California Press. Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
LingHarris I Zellig S. Harris A Theory of Language and Information: A Mathematical Approach Oxford 1991 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Gesellschaft | Parsons | Habermas IV 211 Gesellschaft/Talcott Parsons/Habermas: „Gesellschaft“ wird von Parsons als die strukturelle Komponente verstanden, die über legitim geordnete interpersonale Habermas IV 212 Beziehungen den Status, d.h. die Rechte und Pflichten von Gruppenangehörigen festlegt, Kultur und Persönlichkeit werden lediglich als funktionale Ergänzungen zur „social community“ vorgestellt: die Kultur versorgt die Gesellschaft mit Werten, die institutionalisiert werden können; und die vergesellschafteten Individuen steuern Motivationen bei, die den normierten Verhaltenserwartungen angemessen sind. >Kultur, >Rechte, >Pflichten, >Person. Dagegen: Mead/Habermas: In der auf Mead zurückgehenden Tradition liegt der Gesellschaftstheorie ein Lebensweltkonzept zugrunde, das auf den Aspekt der Vergesellschaftung von Individuen verkürzt ist. >Lebenswelt. Vertreter des symbolischen Interaktionismus sind: H. Blumer, A.M. Rose, A. Strauss oder R. H. Turner. Habermas: In dieser Tradition schrumpft die Gesellschaftstheorie zur Sozialpsychologie. >Sozialpsychologie. Habermas IV 357/358 Gesellschaft/Systemtheorie/Parsons/Habermas: im Zuge seiner systemtheoretischen Wende definiert Parsons Gesellschaft als System in einer Umwelt, das durch die Fähigkeit der Selbststeuerung Autarkie oder Unabhängigkeit erreichen und für die Dauer seiner Existenz erhalten kann. (1) Zweitens definiert er sie als ein Handlungssystem, wobei Kultur und Sprache anstelle der wertorientierten Zwecktätigkeit die konstitutiven Bestimmungen hergeben. (2) In Handlungssystemen durchdringen sich über das Medium der Sprache die überlieferten kulturellen Muster mit der genetisch fortgepflanzten organischen Ausstattung der individuellen Gesellschaftsmitglieder. Kollektive, die sich aus vergesellschafteten Individuen zusammensetzen, sind die Träger der Handlungssysteme. Drittens ist jedes Handlungssystem eine Zone der Interaktion und der gegenseitigen Durchdringung von vier Subsystemen: Kultur, Gesellschaft, Persönlichkeit und Organismus. Jedes dieser Subsysteme ist auf eine Grundfunktion spezialisiert.(3) Habermas IV 359 Subsysteme: Da sie eine relative Selbständigkeit besitzen, stehen sie untereinander in kontingenten Beziehungen. Diese sind jedoch durch die Zugehörigkeit zum gemeinsamen Handlungssystem in gewisser Weise festgelegt. Die Teilsysteme bilden füreinander Umwelten. >Umwelt, >Subsysteme/Parsons. 1 T.Parsons, Societies, Englewood Cliffs, 1966, S. 7. 2. Ebenda S. 5. 3. Ebenda S. 7. |
ParCh I Ch. Parsons Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014 ParTa I T. Parsons The Structure of Social Action, Vol. 1 1967 ParTe I Ter. Parsons Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Gesellschaft | Rawls | I 4 Def Gesellschaft/Rawls: Nehmen wir an, eine Gesellschaft sei ein mehr oder weniger selbstgenügsamer Zusammenschluss von Personen, die gewissen Verhaltensregel anerkennen und meist in Einklang mit ihnen leben. Diese Regeln sollen ein System der Zusammenarbeit bilden, das den Teilnehmern Vorteile sichert. Dann ist die Gesellschaft typischerweise gekennzeichnet durch Konflikte sowie Interessengleichheit. >Konflikte, >Interessen. I 12 Gesellschaft/Rawls: Nach unserem Prinzip der Gerechtigkeit als Fairness nehmen wir an, die Parteien der Ausgangssituation seien rational und nicht an den Interessen der anderen interessiert. D.h. zum Beispiel dass sie zulassen, dass ihre religiösen Einstellungen differieren. >Prinzipien/Rawls, >Fairness/Rawls. I 13 Ungleichheit: z.B. an Wohlstand und Autorität: Ungleichheit ist nur gerechtfertigt, wenn sie dem öffentlichen Wohl und den schwächsten Mitgliedern der Gesellschaft dienen. Ungleiche Verteilung sollte so beschaffen sein, dass sie die Bereitschaft aller zur Kooperation fördert. >Ungleichheit. I 17 Ziele/Zwecke: Ziele und Zwecke sollen nicht in eine Rangfolgegebracht werden. I 118 Gesellschaft/Ausgangsposition/Rawls: Wie sieht die Ausgangsposition für eine zu errichtende Gesellschaft aus? I 119 Wir müssen zeigen, dass die beiden Prinzipien der Gerechtigkeit (Siehe Prinzipien/Rawls) aus einer rationalen Wahl der Individuen in der Anfangssituation zur Sicherung ihrer eigenen Vorteile hervorgegangen sind. Also dass sie z.B. eine Antwort auf ungebremsten Egoismus sind. Wenn Individuen deduktiv urteilen, wird sich ein Gleichgewicht ausbilden, wie z.B. in Märkten. I 120 Gleichgewicht: Gleichgewicht garantiert aber noch nicht, dass der Zustand gerecht ist. Es bedeutet nur, dass Menschen effektiv handeln, um ihre Position zu sichern. Anfangsposition: wird als Status Quo definiert, in dem alle erreichten Übereinstimmungen fair sind, in der die Beteiligten moralische Personen sind und das Ergebnis nicht durch zufällige Ungleichheiten bestimmt ist. Das ermöglicht es, von Anfang an reine Verfahrensgerechtigkeit anzunehmen. Natürlich ist die Anfangssituation eine gänzlich fiktive; sie kann nicht dazu dienen konkretes menschliches Handeln zu erklären. I 121 Psychologie/Rawls: Es geht auch nicht um psychologische Gesetze, die beim Aufbau einer Gesellschaft wirksam sein könnten. Wir setzen Psychologie lediglich in Bezug auf rationale Erwartungen im Zusammenhang mit den individuellen Interessen der Menschen voraus. Unser weiteres Vorgehen kann aber rein deduktiv sein. Dennoch ist mein Vorgehen durchgehend stark intuitiv. Anfangssituation/Rawls: lässt immer noch verschiedene Interpretationen zu in Bezug auf Einstellungen, Überzeugungen und verfügbare Alternativen für die beteiligten Parteien. I 123 Optimum: Leider haben wir keinerlei Möglichkeit, in der Anfangssituation auszumachen, welche Handlungsalternativen die besten für die Beteiligten sind. Wir begnügen uns mit einer kleinen Auswahl klassischer Möglichkeiten, von der wir annehmen, dass sie den Beteiligten zur Verfügung stehen: I 124 Bsp die Prinzipien der größten allgemeinen Gleichheit, des Durchschnittsnutzens, eines sozialen Minimums, Nützlichkeitsprinzip, Perfektionsprinzip, Intuitionistische Abwägung von Gesamtnutzen gegenüber Gleichverteilung, Durchschnittsnutzen gegen Abhilfeprinzip, Diktatur der Ersten Person, Trittbrettfahren, Solipsismus, Totale Freiheit für jedermann. >Soziales Minimum, >Durchschnittsnutzen, >Solipsismus, >Trittbrettfahrer. I 128 Umstände der Anfangssituation: Wir nehmen eine gewisse Knappheit an Ressourcen und ein Desinteresse der Personen am Einzelinteresse anderer, sowie ein Wissen darüber, dass diese Umstände bestehen. I 129 Das wechselseitige Desinteresse soll sicherstellen, dass die Gerechtigkeitsprinzipien nicht auf allzu starken Vorannahmen beruhen. Für die Grundlage einer Theorie ist es am besten, so wenig wie möglich vorauszusetzen. >Schleier des Nichtwissens. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Gesellschaft | Sen | Brocker I 892 Gesellschaft/Sen: Nicht einzelne, für sich existierende Privatrechtssubjekte konstituieren die Gesellschaft dadurch, dass sie einen ihren jeweiligen, separat von einander bestehenden Interessen förderlichen Sozialvertrag aushandeln. Es gilt das Gegenteil: Durch – immer auch umstrittene – soziale Rollen sowie eine dieselben jeweils neu adjustierende politische Deliberation finden Subjekte ihre persönliche Identität; erst im Zuge dessen, das heißt erst in und durch Gesellschaft, bestimmen sie ihre privaten Interessen. Im öffentlichen Raum und in der Auseinandersetzung über das Politisch-Allgemeine Brocker I 893 konstituiert sich das Privat-Individuelle.(1) Kurz: »Individuelle Freiheit ist im wesentlichen eine soziale Schöpfung«.(2) >Freiheit/Sen, vgl. >Individuen, >Rollen, >Demokratie, >Deliberative Demokratie, >Interessen. 1. Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen. Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft, München 2000, S. 44 2. Ebenda. Claus Dierksmeier, „Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen (1999)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
EconSen I Amartya Sen Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Gesellschaftsvertrag | Antike Philosophie | Gaus I 308 Gesellschaftsvertrag/Antike Philosophie/Keyt/Miller: Das griechische Wort für einen Vertrag oder ein Bündnis ist synthéké. Es gibt vier bei Platon, Aristoteles und Epikur verbreitete Passagen, in denen das Wort verwendet wird, um eine Auffassung auszudrücken, die als eine Art Gesellschaftsvertragslehre identifiziert werden kann. Crito/Platon: Im Crito stellt sich Sokrates vor, was ihm die Gesetze von Athen sagen könnten, wenn er versuchte, aus dem Gefängnis zu fliehen: Sie würden ihn an die Bündnisse (synthékas) und Vereinbarungen (homologias) erinnern, durch die er sich mit ihnen zusammenschloss, um als Bürger zu leben (Cr. 52d). Republik/Platon: In der Republik behauptet Glaucon, der sich als Anwalt des Teufels ausgibt, dass der Ursprung der Gerechtigkeit in Gesetzen und Bündnissen (synthékas) liegt (Rep. II.359a). >Gerechtigkeit/Platon. Politeia/Aristoteles: In der Politeia lehnt Aristoteles die mit dem Sophisten Lycophron verbundene Vorstellung ab, dass das Recht ein Bund (synthéké, "eine gegenseitige Bürgschaft für gerechte Handlungen") ist (Pol. III.9.1280a34-b12; zu Lycophron siehe Mulgan, 1979(1)). >Gerechtigkeit/Aristoteles. Epikur: (...) in seinen Schlüssellehren sagt Epikur, dass "es nie eine Gerechtigkeit an sich gab, sondern nur Gerechtigkeit im Umgang miteinander an welchen Orten auch immer, es gab immer einen Bund namens "synthéké" darüber, weder zu schaden noch geschädigt zu werden" (KD XXXl-XXXVD.L. X. 150-1). >Epikur. Literatur: Zu den Ursprüngen der Theorie des Sozialvertrags siehe Chroust (1946)(2) und Kahn (1981)(3). Die beiden geteilten Ideen stehen im Zusammenhang mit den grundlegenden Antithesen, die dem griechischen politischen Denken zugrunde liegen. 1) Die erste davon ist, dass Bündnisse von Menschen gemacht werden und keine Geschenke der Götter oder der Natur sind. 2) Die zweite ist, dass das Bündnis, als Bürger zu leben, auch ein Vertrag ist, um eines Sinnes zu sein (homonoein). Homonoia: Diese Idee taucht in einem Austausch zwischen Sokrates und dem Sophisten Hippias in Xenophons Memorabilien (IV.4) auf. Hippias fordert Sokrates auf zu sagen, was Gerechtigkeit ist, und Sokrates antwortet wie ein Vertragsnehmer, indem er den Gerechten mit dem Rechtmäßigen identifiziert (Mem. IV .4.12). Er fährt fort, Gehorsam gegenüber den Gesetzen mit Konkordanz oder Homonoia zu verbinden und stellt fest, dass eine solche Homonoia mit scharfen Meinungsverschiedenheiten in bestimmten Fragen einhergeht (Mem. IV .4.16). >Vertragstheorie/Antike Philosophie, >Vertragstheorie. 1. Mulgan, R. G. (1979) 'Lycophron and Greek theories of social contract'. Journal of the History of Ideas, 40: 121-8. 2. Chroust, Anton-Hermann (1946) 'The origin and meaning of the social compact doctrine'. Ethics, 57: 38-56. 3. Kahn, Charles H. (1981) 'The origins of social contract theory'. In G. B. Kerferd, Hrsg., The Sophists and Their Legacy: Proceedings of the Fourth International Colloquium on Ancient Philosophy. Wiesbaden: Steiner. Keyt, David and Miller, Fred D. jr. 2004. „Ancient Greek Political Thought“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Gesellschaftsvertrag | Rousseau | Höffe I 273 Gesellschaftsvertrag/Rousseau/Höffe: Im Unterschied zu seinen vertragstheoretischen Vorgängern Hobbes, Spinoza und Locke spielen Bezüge zum Alten und Neuen Testament keine Rolle mehr. Die Konfessionskriege sind lange beendet, allerdings herrscht immer noch Zensur. Staat: Das Gegenmodell, das [Rousseau] zu den entfremdeten Gesellschaften entwirft, besteht in der bürgerlichen Höffe I 274 Ordnung im Sinne eines Staatswesens, zu dem er keine Naturgeschichte entwickelt, sondern allein die Berechtigung untersucht.(1) Individualismus: Dabei folgt er dem legitimatorischen Individualismus seiner vertragstheoretischen Vorgänger. Die letzte Grundlage der Rechtfertigung eines doch zwangsbefugten Gemeinwesens liegt beim einzelnen Betroffenen: Jedes Individuum muss frei zustimmen (können). Naturzustand: RousseauVsHobbes/RousseauVsSpinoza: Im Gegensatz zu Hobbes und Spinoza, jedoch in Übereinstimmung mit Locke ist der Naturzustand für Rousseau kein Kriegszustand. Der Naturzustand verliert seine zentrale Bedeutung. >Staat/Rousseau, >Mensch/Rousseau. Höffe I 275 Weil [der] Grundvertrag einstimmig geschlossen wird, kann Rousseau trotz seiner ersten staatstheoretischen These, dass jeder Mensch frei und als Herr seiner selbst geboren ist,(>Freiheit/Rousseau) die vierte These von der Rechtmäßigkeit (>Rechtfertigung/Rousseau) eines zwangsbefugten Gemeinwesens aufstellen. Wegen der Einstimmigkeit darf der Gesellschaftsvertrag sogar als «der freieste Akt der Welt» gelten(2). >Freiheit/Rousseau. Höffe I 277 Rechtfertigung: Unter Rousseaus eigenem Prinzip, der Selbsterhaltung, ist der Gesellschaftsvertrag nur dann zustimmungswürdig, wenn er die (nicht nur physisch zu verstehende) Selbst- erhaltung gewährleistet, zumindest nicht gefährdet. >Rechtfertigung/Rousseau. 1. Rousseau, Vom Gesellschaftsvertrag oder Grundsätze des Staatsrechts (Du contrat social ou Principes du droit politique, 1762 Wilson I 24 Gesellschaftsvertrag/Rousseau/Wilson, E. O.: Rousseau hatte in seinem Gesellschaftsvertrag die Parole „Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit“ ausgegeben. E. O. WilsonVsRousseau: gleichzeitig hatte er die fatale Abstraktion es „Gemeinwillens“ erdacht, um diese Ziele durchzusetzen. Dieser Gemeinwille, schrieb er, formiere sich zu einer „sittlichen Gesetz, welches objektiv gerechtfertigt“ sei, da es das einzige Interesse des „vernünftigen Willens freier Individuen“ sei, dem Wohlergehen der Gesellschaft und jedes ihrer Mitglieder zu dienen. Dieser Gesellschaftsvertrag sollte “gleiche Bedingungen für alle“ schaffen. „Jeder von uns stellt gemeinschaftlich seine Person und seine ganze Kraft unter die oberste Leitung des allgemeinen Willens, und wir nehmen jedes Mitglied als untrennbaren Teil des Ganzen auf.“ Wilson: Wer sich diesem Gemeinwillen nicht fügen wollte, galt als Abweichler und musste sich der durch die Versammlung ausgeübten „notwendigen Gewalt“ stellen. >Allgemeininteresse, >Volonté Generale. |
Rousseau I J. J. Rousseau The Confessions 1953 WilsonEO I E. O. Wilson Consilience: The Unity of Knowledge New York 1998 |
| Gesetze | Davidson | Glüer II 103 "Umfassende, abgeschlossene Theorie"/Davidson/Glüer: a) Def umfassend: in der Terminologie der Theorie beschrieben b) Def geschlossen: unter ein Gesetz der Theorie subsummiert. II 105 Gesetz/Naturgesetz/Theorie/Davidson/Glüer: Nur die ideale Physik stellt ein solches abgeschlossenes System dar, in dem Gesetze möglich sind. Außerhalb ihrer kann es keine strikten Gesetze geben. >Anomaler Monismus. Ereignis/Kausalität/Gesetze/Beschreibung/Davidson/Glüer: Wenn zwei Ereignisse in kausaler Relation zueinander stehen, muss es Beschreibungen geben, anhand derer sie sich unter ein striktes Gesetz subsumieren lassen. D.h. sie müssen Tokens von Typen sein, für die es ein Kausalgesetz gibt. Es kann auch weitere Beschreibungen unabhängig davon geben. D.h. Es kann jede Menge wahrer singulärer Kausalaussagen geben, in denen x und y nicht als Instanziierungen eines Kausalgesetzes beschrieben sind. Gleichwohl wissen wir, dass es ein Gesetz geben muss, wenn die Aussage wahr ist. >Beschreibung/Davidson. Glüer II 137 Gesetze/Davidson: es gibt drei Arten: a) MM-Gesetze (intentionalistisches Vokabular) zwischen propositionalen Einstellungen und Handlungen - diese sind nicht möglich (keine Voraussage von Handlungen) b) MX-Gesetze: verbinden das intentionalistische mit einem physikalistischen Vokabular (diese sind möglich) c) physikalische Gesetze. |
Davidson I D. Davidson Der Mythos des Subjektiven Stuttgart 1993 Davidson I (a) Donald Davidson "Tho Conditions of Thoughts", in: Le Cahier du Collège de Philosophie, Paris 1989, pp. 163-171 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (b) Donald Davidson "What is Present to the Mind?" in: J. Brandl/W. Gombocz (eds) The MInd of Donald Davidson, Amsterdam 1989, pp. 3-18 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (c) Donald Davidson "Meaning, Truth and Evidence", in: R. Barrett/R. Gibson (eds.) Perspectives on Quine, Cambridge/MA 1990, pp. 68-79 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (d) Donald Davidson "Epistemology Externalized", Ms 1989 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (e) Donald Davidson "The Myth of the Subjective", in: M. Benedikt/R. Burger (eds.) Bewußtsein, Sprache und die Kunst, Wien 1988, pp. 45-54 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson II Donald Davidson "Reply to Foster" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Davidson III D. Davidson Handlung und Ereignis Frankfurt 1990 Davidson IV D. Davidson Wahrheit und Interpretation Frankfurt 1990 Davidson V Donald Davidson "Rational Animals", in: D. Davidson, Subjective, Intersubjective, Objective, Oxford 2001, pp. 95-105 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Gesetze | Duhem | I 23 Def Experimentalgesetz/Duhem: Zusammenfassung von experimentellen Erfahrungen, die Vorhersagen ermöglicht. ((s) Nur Vorhersagen über zukünftige Experimente, nicht über die Wirklichkeit). >Vorhersagen, >Realität, >Natur. I 24 Statt uns die verschiedenen vorkommenden Fälle der Lichtbrechung einzeln zu merken, können wir alle vorkommenden sofort nachbilden oder vorbilden. >Verallgemeinerung, >Experimente. I 26 Die experimentelle Physik liefert uns die Gesetze als ganze Gruppe, ungegliedert. Der Theoretiker klassifiziert die Buntheit, die dem Beobachter gegenübertritt. Überall wo Ordnung herrscht, herrscht auch Schönheit. I 187 Ziel jeder physikalischen Theorie ist die Darstellung experimenteller Gesetze. (Experimentalgesetz). I 189 Das physikalische Gesetz ist nicht nur der Inbegriff einer Unzahl von Experimenten. I 217 Gesetze/Duhem: In derselben Art wie die Gesetze des gewöhnlichen Verstandes auf der Beobachtung der Tatsachen durch die natürlichen Hilfsmittel des Menschen gegründet sind, beruhen die Gesetze der Physik auf den Resultaten der physikalischen Experimente. Fast alles, was wir über die Experimente gesagt haben, können wir auf die physikalischen Gesetze ausdehnen. Bsp Gesetz des gewöhnlichen Verstandes: Jeder Mensch ist sterblich. Dieses Gesetz verbindet sicherlich abstrakte Ausdrücke miteinander. Aber diese Abstraktionen sind keineswegs theoretische Symbole. >Symbole, >Theoretische Termini, >Beobachtungssprache, >Beobachtungssätze. I 219 Abstraktionen/Duhem: Bsp Abstraktion des gewöhnlichen Verstandes: Bevor man den Donner hört, sieht man den Blitz leuchten. Die Begriffe sind zwar abstrakt, aber das sinnliche Grollen und Zucken ist erkennbar. Bei den Gesetzen der Physik ist das nicht mehr der Fall. Bsp Bei konstanter Temperatur sind die von derselben Gasmasse eingenommenen Volumina umgekehrt proportional den Drucken, unter denen sie steht. Die Begriffe sind nicht nur abstrakt sondern obendrein symbolisch, und die Symbole erhalten nur dank der physikalischen Theorien einen Sinn. Die Beziehungen sind auch keineswegs unmittelbar, sie werden nur mit Hilfe von Instrumenten hergestellt. Nun gibt es Theorien, die sich in gewisser Weise ausschließen, bzw. Bestandteile, die in verschiedener Weise zugeordnet werden, je nach Theorie. I 221 Bsp Gesetz: Alle Gase komprimieren und dilatieren sich in derselben Weise. Nun fragen wir eine Physiker, ob der Joddampf diesem Gesetz folge oder nicht. Ein Physiker vertritt die Theorie, dass der Joddampf ein einfaches Gas ist. Die Dichte bezogen auf die Luft ist konstant. Das Experiment zeigt nun, dass die Dichte des Joddampfes bezogen auf Luft von der Temperatur und dem Druck abhängig ist. Er folgert nun, dass Joddampf dem angegebenen Gesetz nicht entspricht. Nach Meinung eines anderen Physikers ist Joddampf kein einfaches Gas, sondern die Mischung zweier Gase. Dann gilt das Gesetz nicht mehr, dass die Dichte bezogen auf die Luft konstant sei, sondern, dass sie mit Temperatur und Druck variiert. Unser zweiter Physiker schließt nun, dass Joddampf keine Ausnahme von der Regel bildet. I 222 So haben die beiden Physiker völlig verschiedene Meinung betreffs eines Gesetzes, das sie beide in der gleichen Form aussprechen. Sie sprechen dieselbe Wort aus und meine verschiedene Lehrsätze. Um diesen Ausdruck mit der Wirklichkeit zu vergleichen führen sie Rechnungen durch, die so verschieden sind, dass der eine finden kann, das Gesetz werde durch die Tatsachen bestätigt während der andere es für widerlegt hält. Def Physikalisches Gesetz/Duhem: eine symbolische Beziehung deren Anwendung auf die konkrete Wirklichkeit erfordert, dass man eine ganze Gruppe von Theorien kenne und akzeptiere. I 233 ...Man wird sagen, dass ein ursprüngliches Gesetz keineswegs durch die späteren Versuchen umgestoßen wurde, sondern die Versuche hätten lediglich gezeigt, dass das neue Gesetz hinzugefügt werden müsse. Aber diejenigen, die das sagen, müssen anerkennen, dass man das primitive Gesetz mit besonderen Verwahrungen aussprechen muss, damit es nicht zu schweren Irrtümern führt. Das alte Gesetz kann nicht mehr alleine stehen! Die physikalischen Gesetze sind daher alle provisorisch, da man für die Zukunft keine Revisionen ausschließen kann. I 234 Bsp Das Gravitationsgesetz wird durch Kapillarerscheinungen verletzt. Damit es nicht widerlegt wird, muss man es ändern. Man darf die Formel, nach der die Anziehung umgekehrt proportional dem Quadrat der Entfernung ist nicht als eine genaue, sondern nur als eine angenäherte betrachten. >Idealisierung. |
Duh I P. Duhem Ziel und Struktur der physikalischen Theorien Hamburg 1998 |
| Gesetze | Gould | IV 303 Gesetze/Biologie/Evolution/Gould: 1. Nichts in der Biologie oder Physik widerspricht den Gesetzen. 2. Die Gesetze der Physik und Chemie reichen nicht aus, um komplexe biologische Objekte zu erklären, weil als Ergebnis von Wechselwirkungen neue Eigenschaften entstehen. 3. Das Unvermögen der Physik und Chemie spiegelt keinen mystischen Überschuss. >Evolution, >Erklärung, >Darwinismus |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Gesetze | Holmes | Parisi I 466 Gesetze/Normen/Holmes/Carbonara: Rechtsnormen werden oft als Mittel zur Regulierung von Individuen gesehen, wenn Eigeninteresse nicht das gewünschte Verhalten, gemessen an Effizienz und Fairness, hervorbringt. Wie Oliver Wendell Holmes, Jr. (1897)(1) postulierte, sind Gesetze für den "schlechten Menschen", einen Menschen, "der sich nicht um eine ethische Regel kümmert, die von seinen Nachbarn geglaubt und praktiziert wird". Gesetze sollten dann von Bedeutung sein, wenn weder Eigeninteresse noch soziale Normen dem Einzelnen die richtigen Anreize bieten. Carbonara: Die letztgenannte Aussage ebnet den Weg für ein zweifaches Argument. Einerseits scheint sie darauf hinzudeuten, dass das Gesetz die Bereiche regeln sollte, in denen es keine sozialen Normen gibt, und Unterstützung und zusätzliche Durchsetzung in den Bereichen bieten sollte, in denen es soziale Normen gibt. Andererseits scheint die Effizienz und Fairness der bestehenden sozialen Normen nicht in Frage gestellt zu werden. >Soziale Normen, >Effizienz, >Fairness. 1. Holmes, Oliver W. (1897). “The Path of the Law.” Harvard Law Review 10: 457–478. Emanuela Carbonara. “Law and Social Norms”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
LawHolm I Oliver Wendell Holmes Jr. The Common Law Mineola, NY 1991 Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Gesetze | Locke | Höffe I 246 Gesetze/Locke/Höffe: Locke(1)[untersucht] in den (...) Versuchen über das Naturgesetz(1) (...) wie jene normativen Prinzipien erkannt werden können, die bei den Griechen physei dikaion und bei den Römern lex naturae, «Naturgesetz» bzw. «Naturrecht», heißen. Über deren Gehalt herrscht im 17. Jahrhundert weitgehend Einigkeit. Als fundamentale Verbindlichkeit gilt das genannte Schädigungsverbot (...). >Naturrecht. Wie erkennen wir die Gesetze? Wegen der inhaltlichen Einigkeit stellt sich für Locke im Wesentlichen nur die Frage der Erkennbarkeit. Gemäß seiner erkenntnistheoretischen Grundthese weist er die Ansicht zurück, es handele sich um ein angeborenes Wissen. Vielmehr liege zwar eine über alle geographischen und geschichtlichen Besonderheiten hinweg wahrnehmbare, für die gesamte Menschheit zutreffende Verbindlichkeit vor. Erkannt werde sie aber erst mithilfe des durch Sinneswahrnehmung und schlussfolgerndes Denken gebildeten natürlichen Lichts (lumen naturale). ((s) KantVsLocke: Das Sittengesetz ist übersinnlich). Lumen naturale/Locke: Dahinter stehe ein weiser und mächtiger Welturheber, dessen Existenz Höffe I 247 man aus der wunderbaren Ordnung der Welt erschließen könne. Locke beruft sich hier auf den sogenannten physiko-theologischen Gottesbeweis, der von der Beobachtung einer der Welt innewohnenden Ordnung auf einen Schöpfergott schließt. >Gottesbeweise. 1. J. Locke, Essays on the Law of Nature |
Loc III J. Locke An Essay Concerning Human Understanding |
| Gesetze | Platon | Höffe I 39 Gesetze/Platon/Höffe: In der griechischen Antike sind Gesetze starr vorgegebene Regeln, sodass sie, wie Platon kritisiert, unfähig sind, das im Einzelfall Beste zu erkennen und sich den sich verändernden Verhältnissen anzupassen. Vgl. >Zwang/Antike Philosophie, >Gehorsam/Antike Philosophie. Lösung: Nach Platons fraglos innovativer Forderung sollen Gesetze adressatenorientiert verfasst werden, außerdem revidierbar sein, was jedoch seines Erachtens jemanden voraussetzt, der über die entsprechende Einsicht, (...) die êpistemê politikê, verfügt. >Politik/Platon. Platon sieht in Gesetzen nur ein zweitbestes Instrument. Deren Allgemeinheit biete zwar eine willkommene Vereinfachung, da der Gesetzgeber nicht ständig neben jedem Bürger stehen und ihm das situativ Angemessene befehlen könne. Gesetze ermöglichen eine vorübergehende Abwesenheit des einsichtsgeleiteten Herrschers, in ihrer Starrheit und Unveränderlichkeit erlauben sie aber keine Einzelfallgerechtigkeit. Folglich bleibt die eigentliche Souveränität dem «königlichen, mit Einsicht begabten Mann» überlassen. Weil aber ein derartiges Gemeinwesen in der Realität höchst unwahrscheinlich ist, braucht es eine zweitbeste, gleichwohl gute Option, eben die Herrschaft von Gesetzen. Höffe I 40 Nomoi: Die Nomoi preisen das Gesetz als göttlich oder als einen Gott und erklären es zum «Herrn (despotês) über die Obrigkeiten», somit zum eigentlichen Souverän. Gesetzesherrschaft: Außerdem billigen sie der Gesetzesherrschaft jenes Heil (sôtêria)(1) zu, das die Politeia(2) für die Philosophenherrschaft reserviert. Auch unterwerfen die Nomoi die Gesetzesherrschaft einem absoluten, moralischen Zweck, den die Präambeln der Gesetze festhalten. Gott: Während sich die Politeia hinsichtlich der religiösen Implikationen des Zweckes, der Idee des Guten, zurückhält, erklären die Nomoi Gott ausdrücklich zum Maß aller Dinge. Die Widerlegung von drei Irrtümern über die Götter, eine der Dichterkritik der Politeia entsprechende Aufgabe, gehört zu den Hauptgeschäften der Gesetzgebung (Nomoi, Buch X). Im Übrigen erklärt auch die Politeia die Regelung des Kultes zur schönsten, freilich dem Delphischen Apoll überlassenen Gesetzgebung. 1. IV 715d 2. V 473c–e |
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| Gesetze | Savigny | Gadamer I 331 Gesetze/Sinn der Gesetze/Rechtsgeschichte/juristische Hermeneutik/Gesetze/ Savigny/Gadamer: Wie kommt es zur Wendung ins Historische? Einem geltenden Gesetze gegenüber lebt man doch in der natürlichen Vormeinung, dass sein rechtlicher Sinn eindeutig ist und dass die Rechtspraxis der Gegenwart dem ursprünglichen Sinn einfach folge, Wäre das immer so, dann wäre die Frage nach dem Sinn eines Gesetzes sowohl juristisch als auch historisch ein und dieselbe Frage. Auch für den Gadamer I 332 Juristen bestünde die hermeneutische Aufgabe dann in nichts anderem, als den ursprünglichen Sinn des Gesetzes festzustellen und als den richtigen anzuwenden. So hat noch Savigny im Jahre 1840 im „System des römischen Rechts“ die Aufgabe der juristischen Hermeneutik rein als eine historische betrachtet. Wie Schleiermacher kein Problem darin sah, dass der Interpret sich mit dem ursprünglichen Leser gleichsetzen muss, so ignoriert auch Savigny die Spannung zwischen dem ursprünglichen und dem gegenwärtigen juristischen Sinn.(1) >F. Schleiermacher. ForsthoffVsSavigny/Gadamer: Dass das eine juristisch unhaltbare Fiktion ist, ist im Laufe der Zeit deutlich genug zutage getreten. Ernst Forsthoff hat in einer wertvollen Untersuchung gezeigt, wie aus rein juristischen Gründen eine eigene Reflexion über den geschichtlichen Wandel der Dinge entstehen musste, durch den der ursprüngliche Sinngehalt eines Gesetzes und der in der juristischen Praxis angewandte zur Abhebung voneinander gelangen.(2) Jurisdiktion: Gewiss meint der Jurist stets das Gesetz selbst. Aber sein normativer Gehalt ist auf den gegebenen Fall hin zu bestimmen, auf den es angewandt werden soll. Um diesen genau zu ermitteln, bedarf es historischer Erkenntnis des ursprünglichen Sinnes, und nur um dessentwillen bezieht der juristische Ausleger den historischen Stellenwert mit ein, der dem Gesetz durch den Akt der Gesetzgebung zukommt. Nun kann er sich aber nicht an das binden, was ihn etwa die parlamentarischen Protokolle über die Intentionen derer lehren, die das Gesetz ausgearbeitet haben. Er hat sich vielmehr den eingetretenen Wandel der Verhältnisse einzugestehen und hat daher die normative Funktion des Gesetzes neu zu bestimmen. >Rechtsprechung. Rechtsgeschichte: Ganz anders der Rechtshistoriker. Er meint anscheinend nichts weiter als den ursprünglichen Sinn des Gesetzes, wie es gemeint war und galt, als es erlassen wurde. Aber wie kann er denselben erkennen? Gadamer I 333 Der Historiker muss die gleiche Reflexion leisten, die auch den Juristen leitet. [Jedoch]: der Historiker, der seinerseits keine juristische Aufgabe vor sich hat, sondern die geschichtliche Bedeutung dieses Gesetzes - wie Gadamer I 334 jeden anderen Inhalt geschichtlicher Überlieferung - ermitteln will, nicht davon absehen, dass es sich hier um eine Rechtsschöpfung handelt, die juristisch verstanden werden will. Er muss nicht nur historisch, sondern auch juristisch denken können. >Recht, >Gesetze. 1. Ist es Zufall, dass Schleiermachers Hermeneutik-Vorlesung gerade zwei Jahre vor Savignys Buch in der Nachlassausgabe erstmals erschienen war? Man müsste einmal die Entwicklung der hermeneutischen Theorie bei Savigny eigens prüfen, die Forsthoff in seiner Untersuchung ausgeklammert hat. (Vgl. zu Savigny zuletzt Franz Wieackers Bemerkung in „Gründer und Bewahrer“ S. 11. 2. E. Forsthoff, Recht und Sprache, Abh. Der Königsberger Gelehrten Gesellschaft 1940 |
Sav I E. von Savigny Grundkurs im logischen Schließen Göttingen 1993 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Gesetze | Thomas v. Aquin | Höffe I 148 Gesetze/Thomas/Höffe: Ebenso wenig wie einen Rechtsmoralismus vertritt Thomas einen Rechtspositivismus weltlichen oder theologischen Charakters. Ursprung der Gesetze: Nach [Thomas] gründen Gesetz und Recht nicht in Macht, weder in menschlicher noch in göttlicher Willkür. Vernunftrecht: Mag ihr Ursprung auch in Gott liegen, so bestehen Recht und Gesetz doch in Vernunftprinzipien, durch die das Naturrecht zu einem Vernunftrecht wird. Naturrecht: Die Befugnis des Gesetzgebers im Rahmen seiner Leitaufgabe, dem Dienst am Gemeinwohl, situationsgerechte Gesetze zu erlassen, kann man als ein gemäßigtes Naturrechtsdenken und zugleich als gemäßigten Rechtspositivismus ansehen. |
Aquin I Thomas von Aquin Über die Herrschaft des Fürsten Stuttgart 1971 |
| Gesetzgebung | Boudreaux | Boudreaux II 49 Gesetzgebung/Boudreaux: (...) zusätzlich zu den vielen Gesetzen, die nicht bewusst gestaltet sind, gehorchen wir auch vielen Regeln, die bewusst gestaltet sind. Bewusst von der Regierung entworfene Regeln sind „Gesetzgebung“. Vgl. >Lex mercatoria, >Gesetze, >Gesellschaft/Hayek, >Regeln. Wir befolgen die Gesetze aber nur, weil die Regierung uns mit einer Geldstrafe (...) belegt, wenn wir sie nicht befolgen. Und während wir die Autorität der Regierung respektieren mögen, respektieren und befolgen wir die Gesetzgebung nur, weil sie von der Regierung geschaffen und durchgesetzt wird. Im Gegensatz zum Gesetz sind die Handlungen, die durch die Gesetzgebung für falsch erklärt werden, nur deshalb falsch, weil die Regierung sie verbietet. Diese Handlungen sind malum prohibitum - sie sind nur deshalb falsch, weil die Regierung sie für falsch erklärt. >Strafen, >Ökonomie des Verbrechens, >Strafrecht. Boudreaux II 50 Gesellschaft: Die Bedeutung der Unterscheidung zwischen Recht und Gesetzgebung geht weit über die Semantik hinaus. Sie ist in zweierlei Hinsicht wichtig. 1) Erstens ermöglicht uns das Bewusstsein für diese Unterscheidung, besser zu erkennen, dass sozial nützliche Verhaltensregeln oft unabhängig vom Staat entstehen und durchgesetzt werden. Es ist ein Mythos zu glauben, dass das Recht notwendigerweise ein Produkt bewusster Gestaltung durch Inhaber übergeordneter Autorität ist. >Gesellschaft/Hayek. Boudreaux II 51 2) Zweitens: Unabhängig von den Vorzügen oder Nachteilen des expansiven Einsatzes von Gesetzen durch die Regierung sollte der Respekt, den wir von Natur aus für das Recht empfinden, nicht fraglos auf die Gesetzgebung ausgedehnt werden. Eine korrupte oder unkluge Regierung wird in vielerlei Hinsicht Gesetze erlassen, die für die Gesellschaft destruktiv sind. Wir sollten solche Regierungsbefehle nicht mit dem Gesetz verwechseln - oder der Gesetzgebung Respekt zollen, nur weil sie gemeinhin „Gesetz“ genannt wird. |
Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Gesetzgebung | Carbonara | Parisi I 474 Gesetzgebung/Soziale Normen/Verhalten/Soziale Bedeutung/Carbonara: Die Idee, dass Handlungen und Verhalten eine soziale Bedeutung zugeschrieben wird, ist besonders wichtig bei der so genannten "Top-down"-Gesetzgebung. >Soziale Normen/Carbonara, >Soziale Bedeutung, >Sanktionen/Lessig. (...) eine rechtliche Neuerung, die die gegenwärtige soziale Bedeutung offen in Frage stellt, könnte ein bestimmtes Verhalten eher verstärken als seine Verbreitung zu verringern. Die Manipulation der sozialen Bedeutung durch den Gesetzgeber muss daher eher subtil erfolgen, indem neue Anreize geschaffen werden, die denjenigen entgegenwirken, die von der ursprünglichen sozialen Bedeutung ausgehen. In diesem Sinne muss der Gesetzgeber als cleverer "Normunternehmer" agieren. Die Veränderung einer sozialen Bedeutung durch die Gesetzgebung ist ein paternalistischer Akt, den der Gesetzgeber manchmal vornehmen möchte, um Verdienstgüter zu schaffen. Häufiger wird sich ein Gesetzgeber dafür entscheiden, den bestehenden sozialen Sinn in ein Gesetz einzubetten, das damit zu einem zwingenden Ausdruck des sozialen Sinns wird. Wenn der soziale Sinn bereits existiert und in einer Gemeinschaft geteilt wird, warum müssen wir ihn dann auch noch per Gesetz ausdrücken? Mit anderen Worten, warum brauchen wir die Ausdruckskraft des Gesetzes? >Recht/Carbonara, >Gesetze/Carbonara, >Koordination/Carbonara, >Soziale Bedeutung. Emanuela Carbonara. “Law and Social Norms”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Gesetzgebung | Public Choice-Theorie | Parisi I 191 Gesetzgebung/Public-Choice-Theorie/Farber: (...) Frühe Versionen der Public-Choice-Theorie gingen davon aus, dass es das einzige Ziel der Gesetzgeber sei, wiedergewählt zu werden. Als vereinfachende Annahme mag dies einige Vorzüge gehabt haben. Schließlich können Gesetzgeber, die kein Interesse an einer Wiederwahl haben, ihre anderen Ziele nicht lange durchsetzen. Aber das Gehalt und die Nebenleistungen eines Abgeordneten scheinen nicht groß genug zu sein, um zu erklären, warum das Behalten des Jobs alle anderen Interessen außer Kraft setzen würde. Motivationen: Eine Reihe von anderen Motivationen sind plausibel. Zunächst einmal könnten Gesetzgeber ihre eigenen Ansichten über die öffentliche Politik verfolgen wollen, auch wenn sie dies manchmal auf Kosten eines höheren Risikos bei der nächsten Wahl tun müssen. Es erscheint auch rational für Wähler und Interessenvertretungen, Gesetzgeber zu unterstützen, die feste politische Ansichten haben, da ihre Handlungen besser vorhersehbar sein werden. Möglicherweise sind Gesetzgeber auch eher an ihrem nächsten Job interessiert als an ihrem jetzigen. Möglicherweise streben sie nach Prominenz als Sprungbrett zu einem höheren Amt, sei es ein gewähltes oder ein berufenes. Wiederwahl: Die Wiederwahltheorie der Motivation von Gesetzgebern legt nahe, dass die Stimmen der Gesetzgeber stark mit den lokalen wirtschaftlichen Interessen korrelieren sollten. Dies scheint der Fall zu sein, obwohl es kaum eine kontra-intuitive Vorhersage ist. Vs: Niemand würde erwarten, dass Gesetzgeber aus Kohlestaaten an der Spitze der Gesetzgebung zum Klimawandel stehen würden. Aber die Wiederwahl-These schreibt den Motiven der Wiederwahl einen viel größeren Einfluss zu und geht davon aus, dass die Gesetzgeber ausschließlich von ihrer Wiederwahl angetrieben werden. Empirische Probleme: 1) (...) einige bemerkenswerte empirische Studien haben herausgefunden, dass die Ideologie eines Gesetzgebers auch einen Einfluss auf sein Abstimmungsverhalten hat, obwohl sie wie die meisten empirischen Studien ihre Unvollkommenheiten haben (Farber und Frickey(1), 1991, S. 29-32). 2) VsReduktionismus: (...) ein großer Teil der Gesetzgebung scheint mit der reduktionistischen Theorie unvereinbar zu sein. Die Deregulierung ist ein Beispiel dafür, da sie diffusen Verbrauchergruppen Vorteile verschafft, indem sie die Wettbewerbsbeschränkungen aufhebt, von denen konzentrierte Gruppen von Unternehmen profitierten. Umweltrecht: Ein weiteres Beispiel ist das Umweltrecht. Bundesgesetze zur Umweltverschmutzung erlegen der Industrie hohe Kosten auf, während sie diffuse Gruppen wie große Stadtbevölkerungen oder Gemeinden, die in der Nähe von Flüssen und Seen leben, begünstigen. Natürlich glaubt niemand, dass Sonderinteressen in der Legislative machtlos sind, aber ihnen eine hegemoniale Kontrolle zuzuschreiben, ist unplausibel. >Föderalismus/Public-Choice-Theorie. Kirchturmpolitik: Eine andere Version der Wiederwahltheorie besagt, dass Gesetzgeber einen Anreiz haben, lokale "Kirchturmpolitik"-Projekte zu unterstützen, um lokale Wähler zu umwerben. Nur ein kleiner Teil der Steuergelder, die das Projekt finanzieren, kommt aus dem Distrikt, während der Parisi I 192 Nutzen der Projekte dorthin fließt, so dass diese Projekte wahrscheinlich ineffizient sind, da die nationalen Kosten den lokalen Nutzen übersteigen. (Beachten Sie jedoch, dass die Gesetzgeber angesichts begrenzter Mittel für "Kirchturmpolitik"-Projekte die effizientesten lokalen Projekte auswählen werden, da diese angesichts der verfügbaren Ressourcen den größten lokalen Nutzen bringen). >Korruption/Public-Choice-Theorie. 1. Farber, D. A. and P. P. Fricky (1991). Law and Public Choice: A Critical Introduction. Chicago: University of Chicago Press. Farber, Daniel A. “Public Choice Theory and Legal Institutions”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Gesten | Flusser | Rötzer I 70 Geste/Flusser: Gesten lassen sich (...) von Robotern und Maschinen besser und schöpferischer ausführen, als von Menschen. Die technisch und theoretisch hergestellten Bilder sind hochgradig redundant und liefern gewaltige Verhaltens- aber ziemlich armselige Erlebnismodelle. >Redundanz, >Roboter, >Künstliche Intelligenz, >Artificial General Intelligence, >Künstliches Bewusstsein, >Verstehen, >Bilder/Flusser. |
Fl I V. Flusser Kommunikologie Mannheim 1996 |
| Gesten | Habermas | IV 31 Gesten/Symbole/Regeln/HabermasVsMead/Habermas: Da es nicht genügt, übereinstimmende Interpretationen zuzuschreiben, sondern vielmehr identische Bedeutungen gefordert werden müssen um Fehldeutungen erkennen und erklären zu können, kommen wir zu einer Konstituierung regelgeleiteten Verhaltens, das in Begriffen der Orientierung an Bedeutungskonventionen erklärt werden kann. >Konventionen, >Zeichen, >Symbole, >Bedeutung, >Verstehen, >Verständigung, >Interpretation, >Kommmunikatives Handeln, >Kommmunikation, >Gemeinschaft. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Gewalt | Beauvoir | Brocker I 331 Gewalt/Beauvoir: Revolutionäre Marxisten denken im verbreiteten Stil des 19. Jahrhunderts, das zwar einerseits an Wissenschaft und Technik glaubte, diesen aber nicht so weit vertraute, dass es auf die Gewalt hätte verzichten wollen. Im Gegenteil: Krieg und Gewalt stellen die Mittel dar, derer sich der Fortschritt bedient. So bemerkt auch Simone de Beauvoir 1947: »Damit stehen wir vor dem Paradox, dass nichts für die Menschen getan werden kann, das sich nicht gleichzeitig gegen sie richtet« (de Beauvoir 1997, 147). Ihre existentialistische Ethik der Ambiguität lässt hier Spielräume, die Camus aus dem Geist der Revolte heraus zwar nicht völlig ablehnt, mit denen er sich aber nicht zufriedengeben kann. >Existentialismus. 1. Simone de Beauvoir, Soll man de Sade verbrennen? Drei Essays zur Moral des Existentialismus, Reinbek 1997, S. 147 Hans-Martin Schönherr-Mann, „Albert Camus, Der Mensch in der Revolte (1951)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018. |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Gewerkschaften | Rothbard | Rothbard III 565 Arbeit/Gewerkschaften/Rothbard: (...) es gibt keinen Unterschied in der Art zwischen „Arbeitern“ und „Management“. Der Vizepräsident eines Unternehmens, wenn er von den Eigentümern eingestellt wird, hat genau die gleiche Berechtigung oder Unberechtigung, einer Gewerkschaft beizutreten, wie ein angestellter Mechaniker. Gewerkschaften/Rothbard: Aus irgendeinem Grund halten selbst die eifrigsten Gewerkschaftsbefürworter die Idee einer gewerkschaftlichen Organisierung der Vizepräsidenten für absurd. Wenn es jedoch keine wirkliche Dichotomie gibt und alle Arbeitnehmer Arbeitskräfte sind, dann müssen wir unsere Ansichten über Gewerkschaften entsprechend ändern. Rothbard III 703 Gewerkschaften/Rothbard: Es könnte behauptet werden, dass die Gewerkschaften, indem sie auf dem freien Markt höhere Löhne fordern, identifizierbare Monopolpreise erzielen. >Monopolpreis/Wirtschaftstheorien. Denn hier gibt es zwei identifizierbare gegensätzliche Situationen: (a) wenn Individuen ihre Arbeitskraft selbst verkaufen; und (b) wenn sie Mitglieder von Gewerkschaften sind, die für sie über ihre Arbeitskraft verhandeln. Darüber hinaus ist klar, dass Kartelle, um erfolgreich zu sein, wirtschaftlich effizienter im Dienste des Verbrauchers sein müssen, während für Gewerkschaften keine derartige Rechtfertigung gefunden werden kann. >Kartelle/Rothbard. Produktivität: Da es immer der einzelne Arbeiter ist, der arbeitet, und da die Effizienz in der Organisation von dem für diese Aufgabe eingestellten Management kommt, verbessert die Bildung von Gewerkschaften niemals die Produktivität der Arbeit des Einzelnen. >Produktivität/Rothbard. Monopolpreis: Es ist richtig, dass eine Gewerkschaft eine identifizierbare Situation schafft. ((s) D. h., es ist ein erkennbarer Unterschied engetreten.) >Beobachtung/Rothbard. Es ist jedoch nicht wahr, dass ein gewerkschaftlicher Lohnsatz jemals als Monopol bezeichnet werden könnte. Denn das Merkmal des Monopolisten ist ja gerade, dass er einen Faktor oder eine Ware monopolisiert. Um einen Monopolpreis zu erzielen, verkauft er nur einen Teil seines Angebots und hält den anderen Teil zurück, denn der Verkauf einer geringeren Menge erhöht den Preis auf einer unelastischen Nachfragekurve. >Elastizität/Rothbard. Es ist jedoch die einzigartige Eigenschaft der Arbeit in einer freien Gesellschaft, dass sie nicht monopolisiert werden kann. >Arbeit. Jedes Individuum ist ein Selbsteigentümer und kann nicht von einem anderen Individuum oder einer Gruppe besessen werden. Auf dem Gebiet der Arbeit kann daher kein Mensch oder keine Gruppe das gesamte Angebot besitzen und einen Teil davon dem Markt vorenthalten. Jeder Mensch besitzt sich selbst. Vgl. >Person/Philosophie, >Monopolpreis/Rothbard. Rothbard III 705 Def Restriktiver Preis/Lohn/Rothbaard: Wenn eine Gewerkschaft auf die eine oder andere Weise einen höheren Preis [Lohn] erzielt, als ihre Mitglieder durch Einzelverkäufe erzielen könnten, wird ihr Handeln nicht durch den Einkommensverlust der „zurückgehaltenen“ Arbeiter eingeschränkt. Wenn eine Gewerkschaft einen höheren Lohn erzielt, verdienen einige Arbeiter einen höheren Preis, während andere vom Markt ausgeschlossen werden und die Einnahmen, die sie erzielt hätten, verlieren. Ein solcher höherer Preis (Lohn) wird als restriktiver Preis bezeichnet. Ein restriktionistischer Preis ist nach jedem vernünftigen Kriterium „schlechter“ als ein „Monopolpreis“. Da sich die restriktionistische Gewerkschaft nicht um die ausgeschlossenen Arbeitskräfte kümmern muss und keine Einnahmeverluste durch einen solchen Ausschluss erleidet, wird das restriktionistische Handeln nicht durch die Elastizität der Nachfragekurve nach Arbeit eingeschränkt. Denn die Gewerkschaften müssen nur das Nettoeinkommen der arbeitenden Mitglieder oder gar der Gewerkschaftsbürokratie selbst maximieren.(1) Rothbard IIII 707 Arbeitsmarkt/RothbardVsGewerkschaften: Folglich kann eine Gewerkschaft bestenfalls einen höheren, restriktiven Lohnsatz für ihre Mitglieder nur auf Kosten der Erhöhung der Lohnsätze aller anderen Arbeitnehmer in der Wirtschaft erreichen. Auch die Produktionsanstrengungen in der Wirtschaft werden verzerrt. Je weiter die gewerkschaftliche Tätigkeit und der Restriktionismus in der Wirtschaft ausgedehnt werden, desto schwieriger wird es für die Arbeitnehmer, ihren Standort und ihre Tätigkeit zu verlagern, um nicht gewerkschaftlich organisierte Arbeitsbereiche zu finden. Und die Tendenz wird immer mehr dahin gehen, daß die verdrängten Arbeitnehmer dauerhaft oder quasi dauerhaft arbeitslos bleiben, weil sie zwar arbeiten wollen, aber keine unbeschränkten Beschäftigungsmöglichkeiten finden können. Je mehr sich die Gewerkschaften ausbreiten, desto mehr wird sich eine dauerhafte Massenarbeitslosigkeit entwickeln. >Arbeitslosigkeit. Organisationsgrad: Die Gewerkschaften bemühen sich nach Kräften, alle „Schlupflöcher“ der Nichtorganisiertheit zu stopfen, alle Schlupflöcher zu schließen, durch die die enteigneten Arbeiter Arbeit finden können. Dies wird als „Beendigung des unlauteren Wettbewerbs der nicht gewerkschaftlich organisierten Niedriglohnarbeit“ bezeichnet. Rothbard: Eine universelle gewerkschaftliche Kontrolle und Restriktionspolitik würde eine permanente Massenarbeitslosigkeit bedeuten, die in dem Maße zunimmt, in dem die Gewerkschaft ihre Restriktionen durchsetzt (siehe unten). Rothbard III 708 Die Mitgliedschaft: Es ist ein weit verbreiteter Mythos, dass nur die „Handwerks“-Gewerkschaften alten Stils, die ihre Berufsgruppe bewusst auf hochqualifizierte Berufe mit relativ wenigen Mitgliedern beschränken, das Angebot an Arbeitskräften einschränken können. Sie halten oft strenge Normen für die Mitgliedschaft und zahlreiche Vorrichtungen aufrecht, um das Angebot an Arbeitskräften, die in das Gewerbe eintreten, zu verringern. Diese direkte Einschränkung des Angebots macht es zweifellos einfacher, höhere Löhne für die verbleibenden Arbeitnehmer zu erzielen. Arbeitskräfteangebot/Industriegewerkschaften: Es ist jedoch höchst irreführend zu glauben, dass die neueren „Industrie“-Gewerkschaften das Angebot nicht einschränken. Die Tatsache, dass sie so viele Mitglieder wie möglich in einer Branche begrüßen, verschleiert ihre restriktive Politik. Mindestlohn: Der entscheidende Punkt ist, dass die Gewerkschaften auf einem Mindestlohn bestehen, der höher ist als das, was für den gegebenen Arbeitsfaktor ohne die Gewerkschaft erreicht werden würde. Auf diese Weise (...) reduzieren sie notwendigerweise die Zahl der Männer, die der Arbeitgeber einstellen kann.(2,3) >Arbeitsmarkt/Keynes. Die Folge ihrer Politik ist also die Einschränkung des Arbeitskräfteangebots, während sie gleichzeitig hochtrabend behaupten können, sie seien integrativ und demokratisch, im Gegensatz zu den versnobten „Aristokraten“ der Handwerksgewerkschaften. Industriegewerkschaften/Mises/Rothbard: Die Folgen des Industriegewerkschaftswesens sind in der Tat verheerender als die des Handwerksgewerbes. Da die Handwerksgewerkschaften nur einen kleinen Bereich abdecken, verdrängen sie nur einige wenige Arbeitnehmer und senken deren Löhne. Die Industriegewerkschaften, die größer und umfassender sind, drücken die Löhne und verdrängen die Arbeitnehmer in großem Umfang und können, was noch wichtiger ist, dauerhafte Massenarbeitslosigkeit verursachen.(4) >Streiks/Rothbard, >Wirtschaftsethik/Rothbard, >Freier Markt/Rothbard. Rothbard III 713 Kosten/Produktionskosten/restriktiver Lohn: (...) ein restriktiver Lohn erhöht die Produktionskosten für die Firmen in der Industrie. Das bedeutet, dass die marginalen Firmen in der Industrie - diejenigen, deren Unternehmer nur eine bloße Miete verdienen - aus dem Geschäft verdrängt werden, da ihre Kosten über ihren profitabelsten Preis auf dem Markt gestiegen sind (den Preis, der bereits erreicht wurde). Produktivität: Ihre Verdrängung aus dem Markt und der allgemeine Anstieg der Durchschnittskosten in der Branche bedeuten einen allgemeinen Rückgang der Produktivität und der Produktion und damit einen Verlust für die Verbraucher.(5) Gewerkschaften/Rothbard: Gewerkschaften sind keine produzierenden Organisationen; sie arbeiten nicht für Kapitalisten, um die Produktion zu verbessern.(6) Vielmehr versuchen sie, die Arbeitnehmer davon zu überzeugen, dass sie ihr Los auf Kosten des Arbeitgebers verbessern können. Daher versuchen sie stets, so weit wie möglich Arbeitsregeln aufzustellen, die die Weisungen der Unternehmensleitung behindern. Diese Arbeitsregeln laufen darauf hinaus, die Unternehmensleitung daran zu hindern, Arbeitnehmer und Arbeitsmittel nach eigenem Gutdünken einzuteilen. Mit anderen Worten: Anstatt sich im Gegenzug für seinen Lohn den Arbeitsanweisungen der Unternehmensleitung zu unterwerfen, legt der Arbeitnehmer nun nicht nur Mindestlöhne fest, sondern auch Arbeitsregeln, ohne die er sich weigert zu arbeiten. Diese Regeln haben zur Folge, dass die Grenzproduktivität aller gewerkschaftlich organisierten Arbeitnehmer sinkt. Die Senkung der Grenzwert-Produkt-Schemata hat eine zweifache Folge: (1) Sie führt selbst eine restriktive Lohnskala mit ihren verschiedenen Folgen ein, denn das Grenzwertprodukt ist gesunken, während die Gewerkschaft darauf besteht, dass der Lohnsatz gleich bleibt; (2) die Verbraucher verlieren durch eine allgemeine Senkung der Produktivität und des Lebensstandards. Restriktive Arbeitsregelungen führen daher auch zu einem Rückgang der Produktion. All dies ist mit einer Gesellschaft der individuellen Souveränität durchaus vereinbar, vorausgesetzt, die Gewerkschaft wendet keine Gewalt an. Rothbard III 715 Löhne: Während die Lohnsätze auf dem nicht gewerkschaftlich organisierten Arbeitsmarkt immer in Richtung Gleichgewicht tendieren werden, lässt seine Ersetzung durch Tarifverhandlungen die Verhandlungsführer mit wenig oder gar keiner Steuerungsmöglichkeit zurück, mit wenig Anleitung, was die richtigen Lohnsätze sein werden. Selbst wenn beide Seiten versuchen, den Marktlohn zu finden, kann keine der Verhandlungsparteien sicher sein, dass ein bestimmter Lohn zu hoch, zu niedrig oder ungefähr richtig ist. >Beobachtung/Rothbard. Löhne/Gewerkschaften: Meist versucht (...) die Gewerkschaft nicht, den Marktlohn zu ermitteln, sondern verschiedene willkürliche „Grundsätze“ für die Lohnfestsetzung durchzusetzen, wie z. B. die „Anpassung an die Lebenshaltungskosten“, einen „existenzsichernden Lohn“, den „üblichen Satz“ für vergleichbare Arbeit in anderen Unternehmen oder Branchen, eine durchschnittliche jährliche „Produktivitätssteigerung“, ‘faire Differenzierungen“ usw.(7) 1. Ein restriktiver und nicht ein monopolistischer Preis kann erzielt werden, weil die Anzahl der Arbeitskräfte im Verhältnis zu den möglichen Schwankungen der Arbeitsstunden eines einzelnen Arbeiters so wichtig ist, dass letztere hier vernachlässigt werden können. Wenn jedoch das gesamte Arbeitsangebot ursprünglich auf einige wenige Personen beschränkt ist, dann wird ein auferlegter höherer Lohnsatz die Zahl der von den verbleibenden Arbeitern gekauften Stunden verringern, vielleicht so sehr, dass ein restriktiver Preis für sie unrentabel wird. In einem solchen Fall wäre es angemessener, von einem Monopolpreis zu sprechen. 2. Vgl. Mises, Human Action,New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949. Nachdruck Ludwig von Mises Institut, 1998. S. 764. 3. Siehe Charles E. Lindblom, Unions and Capitalism (New Haven: Yale University Press, 1949), S. 78 ff., 92-97, 108, 121, 131-32, 150-52, 155. Siehe auch Henry C. Simons, „Some Reflections on Syndicalism“ in Economic Policy for a Free Society (Chicago: University of Chicago Press, 1948), S. 131 f., 139 ff.; Martin Bronfenbrenner, „The Incidence of Collective Bargaining“, American Economic Review, Papers and Proceedings, May, 1954, S. 301-02; Fritz Machlup, „Monopolistic Wage Determination as a Part of the General Problem of Monopoly“ in Wage Determination and the Economics of Liberalism (Washington, D.C.: Chamber of Commerce of the United States, 1947), S. 64-65. 4. Vgl. Mises, Human Action, S. 764. 5. Siehe James Birks, Trade Unionism in Relation to Wages (London, 1897), S. 30. 6. Siehe James Birks, Trades' Unionism: A Criticism and a Warning (London, 1894), S. 22. 7. Zu Art und Folgen dieser verschiedenen Kriterien der Lohnfindung siehe Ford, Economics of Collective Bargaining, S. 85-110. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Gewinn und Verlust | Rothbard | Rothbard III 511 Gewinn und Verlust/Rothbard: Eine Vielzahl von Schriftstellern und Ökonomen begeht den schweren Fehler, in der Wirtschaft nur Gewinne zu berücksichtigen. Die Verluste werden fast nicht berücksichtigt. Die Wirtschaft sollte nicht als „Gewinnwirtschaft“, sondern als „Gewinn- und Verlustwirtschaft“ charakterisiert werden.(1) Verluste: Ein Verlust entsteht, wenn ein Unternehmer seine zukünftigen Verkaufspreise und Einnahmen falsch eingeschätzt hat. Er hat z. B. Faktoren für 1.000 Unzen gekauft, sie zu einem Produkt entwickelt und es dann für 900 Unzen verkauft. >Unternehmertum/Rothbard. Spekulation: Er hat den Fehler begangen, nicht zu erkennen, dass die Faktoren im Verhältnis zu ihren abgezinsten Grenzwertprodukten, d. h. zu den Preisen seiner Produktion, auf dem Markt überteuert und überkapitalisiert waren. >Produktionsfaktoren/Rothbard. Profit: Jeder Unternehmer investiert also in einen Prozess, weil er sich einen Gewinn verspricht, d. h. weil er glaubt, dass der Markt die Faktoren im Verhältnis zu ihren künftigen Erträgen unterbewertet und unterkapitalisiert hat. Wenn seine Überzeugung gerechtfertigt ist, macht er einen Gewinn. Ist seine Überzeugung unberechtigt und hat der Markt die Faktoren beispielsweise tatsächlich überbewertet, erleidet er Verluste. Die Art des Verlustes muss sorgfältig definiert werden. Nehmen wir an, ein Unternehmer kauft bei einem Marktzins von 5 Prozent Faktoren zu 1.000 und verkauft sie ein Jahr später für 1.020. Hat er einen „Verlust“ erlitten oder einen „Gewinn“ gemacht? Rothbard III 512 Auf den ersten Blick mag es so aussehen, als hätte er keinen Verlust erlitten. Schließlich hat er das Kapital plus zusätzliche 20 Unzen zurückgewonnen, was einer Nettorendite oder einem Gewinn von 2 Prozent entspricht. Bei näherer Betrachtung hätte er jedoch überall eine Nettorendite von 5 % auf sein Kapital erzielen können, da dies der übliche Zinssatz ist. >Zinsen. Er hätte sie z. B. durch Investitionen in ein beliebiges anderes Unternehmen oder durch Kreditvergabe an Verbraucher erzielen können. Bei diesem Unternehmen hat er nicht einmal den Zinsgewinn erwirtschaftet. Kosten: Die „Kosten“ seiner Investition bestanden also nicht nur aus seinen Ausgaben für die Faktoren - 1.000 -, sondern auch aus der entgangenen Möglichkeit, einen Zins von 5 Prozent zu verdienen, d. h. weitere 50. Er erlitt also einen Verlust von 30 Unzen. Rothbard III 514 Def Profit/Rothbard: (...) Profite sind ein Indiz dafür, dass Fehlentwicklungen von den profitierenden Unternehmern getroffen und bekämpft werden. Diese Fehlanpassungen sind die unvermeidlichen Begleiterscheinungen der realen Welt des Wandels. Unternehmer: Ein Mensch erzielt nur dann Gewinne, wenn er durch überlegene Voraussicht und Urteilsvermögen eine Fehlentwicklung aufgedeckt hat - nämlich eine Unterbewertung bestimmter Faktoren durch den Markt. Indem er sich in diese Situation begibt und den Gewinn erzielt, macht er alle auf diesen Missstand aufmerksam und setzt Kräfte in Bewegung, die ihn schließlich beseitigen. Wenn wir jemanden verurteilen müssen, dann nicht den gewinnorientierten Unternehmer, sondern denjenigen, der Verluste erlitten hat. Denn Verluste sind ein Zeichen dafür, dass er zu einer Fehlanpassung beigetragen hat (...) Rothbard III 515 Der Markt: Der Markt achtet nicht auf vergangene Lorbeeren, egal wie groß sie sind. Außerdem ist die Größe der Investition eines Menschen keine Garantie für einen großen Gewinn oder gegen schwere Verluste. Das Kapital „zeugt“ keinen Gewinn. >Unternehmertum/Mises. Rothbard III 812 Gewinne und Verluste/Rothbard: Wenn eine Änderung des Geldverhältnisses zu einem Anstieg der Preise führt, gewinnt derjenige, dessen Verkaufspreise vor seinen Einkaufspreisen steigen, und derjenige, dessen Einkaufspreise zuerst steigen, verliert. Derjenige, der am meisten von der Übergangsperiode profitiert, ist derjenige, dessen Verkaufspreise zuerst und dessen Ankaufspreise zuletzt steigen. Umgekehrt gewinnt bei fallenden Preisen derjenige, dessen Ankaufspreise vor seinen Verkaufspreisen fallen, und derjenige, dessen Verkaufspreise vor seinen Ankaufspreisen fallen, verliert. >Geldmarkt/Rothbard, >Geldmenge/Rothbard, >Geldnachfrage/Rothbard. Verursachung/Gewinne und Verluste: (...) Es gibt nichts an steigenden Preisen, das Gewinne verursacht, oder an fallenden Preisen, die Verluste verursachen. In beiden Situationen gewinnen und verlieren einige Menschen durch die Veränderung, wobei die Gewinner diejenigen sind, die die größte und längste positive Differenz zwischen ihren Verkaufs- und ihren Kaufpreisen haben, und die Verlierer diejenigen, die die größte und längste negative Differenz zwischen diesen Bewegungen haben. Welche Personen von einer bestimmten Veränderung profitieren und welche verlieren, ist eine empirische Frage, die von der Lage der Veränderungen in den Elementen der Geldbeziehung, den institutionellen Bedingungen, den Antizipationen, der Reaktionsgeschwindigkeit usw. abhängt. >Einkaufspreis/Rothbard, >Verkaufspreis/Rothbard, >Preis/Rothbard, >Kaufkraft/Rothbard. 1. „Eine Sache, die ich in der allgemeinen Diskussion auf diesem Gebiet vermisse, ist die Verwendung von Worten, die anerkennen, dass Gewinn Gewinn oder Verlust bedeutet und in der Tat genauso wahrscheinlich ein Verlust wie ein Gewinn ist.“ (Rückübersetzt aus der englischen Quelle). Frank H. Knight, „An Appraisal of Economic Change: Discussion,“ American Economic Review, Papers and Proceedings, Mai 1954, S. 63. Die großen Beiträge von Professor Knight zur Gewinntheorie stehen in scharfem Kontrast zu seinen Fehlern in der Kapital- und Zinstheorie. Siehe sein berühmtes Werk, Risk, Uncertainty, and Profit (3. Auflage; London: London School of Economics, 1940). Die vielleicht beste Darstellung der Gewinntheorie findet sich in Ludwig von Mises, „Profit and Loss“ in Planning for Freedom (South Holland, Ill.: Libertarian Press, 1952), S. 108-51. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Gewinnmaximierung | Alchian | Henderson I 90 Wirtschaftlicher Erfolg/Alchian/Henderson/Globerman: „Realisierte positive Gewinne, nicht maximale Gewinne, sind das Kennzeichen von Erfolg und Lebensfähigkeit. Es spielt keine Rolle, durch welchen Prozess der Argumentation oder Motivation ein solcher Erfolg erzielt wurde. Die Tatsache, dass er erzielt wurde, ist ausreichend. Dies ist das Kriterium, nach dem das Wirtschaftssystem die Überlebenden auswählt: Diejenigen, die positive Gewinne realisieren, sind die Überlebenden; diejenigen, die Verluste erleiden, verschwinden."(1) Beispiel: Sie und viele andere Menschen in einer Stadt - sagen wir Chicago - wollen Chicago mit dem Auto verlassen. Sie haben viele Routen zur Auswahl. Es stellt sich jedoch heraus, dass von allen Routen, die Sie und andere wählen könnten, nur eine Route über Tankstellen verfügt. Was wird passieren? Diejenigen, die diese eine Strecke nicht benutzen, werden nicht sehr weit kommen. Die einzigen Fahrer, die weit kommen werden, sind diejenigen, die die Route mit den Tankstellen wählen. Informationen: Alchian: In einem zu Recht berühmten Artikel mit dem Titel „Uncertainty, Evolution, and Economic Theory“(1) (Unsicherheit, Evolution und Wirtschaftstheorie) im Journal of Political Economy von 1950 verwendet Armen Alchian das Beispiel des Fahrens von Chicago, um zu erklären, warum Wirtschaftswissenschaftler das Verhalten von Menschen, die Unternehmen leiten, vorhersagen können, selbst wenn diese Menschen nicht über perfekte Informationen verfügen. Natürlich verfügen Unternehmen nicht über perfekte Informationen, und deshalb ist Alchians Argumentation wichtig. Maximaler Gewinn/wirtschaftliche Theorien: (...) [Es] gab in den 1940er Jahren eine hitzige Debatte in den wirtschaftswissenschaftlichen Fachzeitschriften darüber, ob es vernünftig sei, davon auszugehen, dass Unternehmen ihre Gewinne maximieren. a) Die Befürworter dieser Annahme argumentierten, dass die Unternehmen so handeln, als ob sie ihre Gewinne maximieren würden. b) Einige Kritiker dieser Annahme argumentierten, dass die Tatsache der Ungewissheit bedeute, dass sie ihre Gewinne nicht maximieren könnten. c) Alchian (...) argumentierte nicht, dass Unternehmen so handeln, als ob sie ihre Gewinne maximieren würden. Henderson I 91 Stellen Sie sich nun vor, dass kein Unternehmen anfänglich so reagiert wie im Lehrbuch beschrieben, sondern dass einige Unternehmen, aus welchen Gründen auch immer, mit einem niedrigeren Verhältnis von Arbeit zu Kapital arbeiten als andere Unternehmen. Nehmen wir an, dass alle Unternehmen mit den gleichen Kosten beginnen. Als Folge des Anstiegs der Lohnsätze werden nun die Unternehmen mit einem niedrigeren Verhältnis von Arbeit zu Kapital niedrigere Kosten haben als die anderen Unternehmen. Dies wiederum bedeutet, dass erstere eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit im Wettbewerbsprozess haben werden. Das Endergebnis ist, dass die überlebenden Unternehmen mit einem geringeren Verhältnis von Arbeit zu Kapital arbeiten werden, so wie es der Fall gewesen wäre, wenn die Manager absichtlich Kapital durch Arbeit ersetzt hätten, wie es in den Lehrbüchern für effizientes Managementverhalten beschrieben wird. Innovation/Alchian: Bis zu einem gewissen Grad lassen sich die Entscheidungsträger von „erfolgreichen“ Verhaltensweisen leiten, die sie um sich herum sehen, und übernehmen diese, soweit sie können. Neue Verhaltensweisen, die effizientere oder vorteilhaftere Ergebnisse als bestehende Verhaltensweisen hervorbringen, werden ebenfalls imitiert, ein Prozess, den Alchian als „adaptives Verhalten gegenüber Innovationen“ bezeichnet. Erfolg/Alchian: Aber selbst wenn die Unternehmensleiter ihre Entscheidungen nach dem Zufallsprinzip treffen würden, würde der Wettbewerbsprozess die Unternehmen ausmerzen, die im Nachhinein schlechte Entscheidungen treffen, und die Unternehmen, die im Nachhinein gute Entscheidungen treffen, würden mit größerer Wahrscheinlichkeit überleben. Lösung/Alchian: Ein Wirtschaftswissenschaftler muss nicht davon ausgehen, dass Unternehmen ihre Gewinne maximieren. Ökonomen sind in der Lage, das Verhalten von Unternehmen, die überleben, ohne die starke Annahme der Gewinnmaximierung vorherzusagen. >Behavioral Economics, >Verhaltensökonomik als Autor. 1. Armen Alchian (1950), "Uncertainty, Evolution, and Economic Theory. Journal of Political Economy 58 (June): 211-21. |
Alchian I Armen A. Alchian William R. Allen Exchange and Production: Competition, Coordination and Control Belmont, CA: Wadsworth 1977 Henderson I David R. Henderson Steven Globerman The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019 |
| Gewissenhaftigkeit | Neurobiologie | Corr I 335 Gewissenhaftigkeit/Neurobiologie: Gewissenhaftigkeit scheint die Tendenz widerzuspiegeln, die Motivation >Stabilität innerhalb des Einzelnen aufrechtzuerhalten, Pläne zu machen und diese organisiert und fleißig umzusetzen. Eine solche Kontrolle der Motivation von oben nach unten sollte nur bei Arten notwendig sein, die in der Lage sind, langfristige Ziele zu formulieren, die mit unmittelbareren Triebkräften in Konflikt stehen könnten. In Persönlichkeitsstudien anderer Arten wurde bisher nur beim Schimpansen, unserem nächsten evolutionären Nachbarn, ein Merkmal gefunden, das direkt der Gewissenhaftigkeit entspricht (Gosling und John 1999)(1). >Charakterzüge, >Tierversuche, >Tiermodell. Gewissenhaftigkeit kann die reinste Manifestation der Fähigkeit und Tendenz in der Persönlichkeit darstellen, unmittelbare Impulse zugunsten längerfristiger Ziele einzuschränken. Eine Faktoranalyse vieler Fragebogen-Messungen der Impulsivität (Whiteside und Lynam 2001)(2) ergab vier Faktoren, von denen nur zwei (bezeichnet als Mangel an Ausdauer und mangelnder Vorsatz) auf Gewissenhaftigkeit abgebildet wurden. Die beiden anderen, als Dringlichkeits- und Sensationssuche bezeichnet, wurden auf Neurotizismus bzw. Extraversion abgebildet und schienen starke Impulse im Zusammenhang mit Bestrafung und Belohnung zu beschreiben. In ähnlicher Weise argumentierten Depue and Collins (1999)(3), dass, obwohl Theoretiker die Impulsivität oft mit der Extraversion assoziiert haben, die Impulsivität besser als ein zusammengesetztes Merkmal verstanden werden könnte, das sich aus der Kombination von hoher Extraversion und niedriger Einschränkung oder Gewissenhaftigkeit ergibt. Corr I 336 Ein weiterer biologischer Faktor, der mit Gewissenhaftigkeit zusammenhängen kann, ist der Glukosestoffwechsel. Glukose stellt die grundlegende Energiequelle für das Gehirn dar, und eine Reihe von Studien deuten darauf hin, dass der Blutzuckerspiegel durch Selbstkontrollmaßnahmen erschöpft ist und dass das Ausmaß dieser Erschöpfung ein Versagen der Selbstkontrolle voraussagt (Gailliot, Baumeister, DeWall et al. 2007(4); Gailliot und Baumeister 2007)(5). >Selbstregulation, >Kontrollprozesse. 1. Gosling, S. D. and John, O. P. 1999. Personality dimensions in nonhuman animals: a cross-species review, Current Directions in Psychological Science 8: 69–75 2. Whiteside, S. P. and Lynam, R. W. 2001. The Five Factor Model and impulsivity: using a structural model of personality to understand impulsivity, Personality and Individual Differences 30: 669–89 3. Depue, R. A. and Collins, P. F. 1999. Neurobiology of the structure of personality: dopamine, facilitation of incentive motivation, and extraversion, Behavioural and Brain Sciences 22: 491–569 4. Gailliot, M. T., Baumeister, R. F., DeWall, C. N., Maner, J. K., Plant, E. A., Tice, D. M., Brewer, L. E. and Schmeichel, B. J. 2007. Self-control relies on glucose as a limited energy source: willpower is more than a metaphor, Journal of Personality and Social Psychology 92: 325–36 5. Gailliot, M. T. and Baumeister, R. F. 2007. The physiology of willpower: linking blood glucose to self-control, Personality and Social Psychology Review 11: 303–27 Colin G. DeYoung and Jeremy R. Gray, „ Personality neuroscience: explaining individual differences in affect, behaviour and cognition“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Geworfenheit | Heidegger | Gadamer I 268 Geworfenheit/Heidegger/Gadamer: Das sich auf sein Seinkönnen entwerfende Dasein ist immer schon „gewesen“. Das ist der Sinn des Existenzials der Geworfenheit. Dass alles freie Sichverhalten zu seinem Sein hinter die Faktizität dieses Seins nicht zurück kann, darin lag die Pointe der Hermeneutik der Faktizität und ihr Gegensatz zu der transzendentalen Gadamer I 269 Konstitutionsforschung der Husserlschen Phänomenologie. (HeideggerVsHusserl, >Konstitution/Husserl). >Existenz/Heidegger, >Sein/Heidegger, >Leben. Gadamer I 268 Verstehen/Dasein/Heidegger/Gadamer: Dass die Struktur des Daseins geworfener Entwurf ist, dass das Dasein seinem eigenen Seinsvollzug nach Verstehen ist, das muss auch für den Verstehensvollzug gelten, der in den Geisteswissenschaften geschieht. >Dasein/Heidegger. Die allgemeine Struktur des Verstehens erreicht im historischen Verstehen ihre Konkretion, indem konkrete Bindungen von Sitte und Überlieferung und ihnen entsprechende Möglichkeiten der eigenen Zukunft im Verstehen selber wirksam werden. >Verstehen. |
Hei III Martin Heidegger Sein und Zeit Tübingen 1993 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Glauben | Dummett | III (c) 124 Def Glauben/Dummett: Glauben erwächst aus der Lücke zwischen Wahrheitsbedingungen eines Satzes und den Bedingungen, unter denen etwas für wahr gehalten wird. >Wahrheitsbedingungen, >Verstehen. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Glauben | Fodor | IV 114 Bedeutungsholismus/BH/Glauben/Lewis/Fodor/Lepore: Wenn nach Lewis’ These Glauben den Primat vor der Zuschreibung des Intentionalen hat, dann muss Glauben selbst holistisch sein. >Glaubenszuschreibung. Wenn der Bedeutungsholismus folgen soll, müsste man z.B. folgendes annehmen: Def These vom Primat des Glaubens/Lewis: Die Bedingungen der intentionalen Zuschreibung beinhalten die Bedingungen für Glaubenszuschreibung. Daher, wenn das erstere holistisch ist, muss es auch das letztere sein. Semantischer Holismus/Fodor/Lepore: Wir gestehen zu, dass der semantische Holismus womöglich aus dieser These folgt. >Semantischer Holismus. IV 117 Glaubensholismus führt nicht zum Inhaltsholismus, weil Inhalte widersprüchlich sein können. IV 117 Glauben/Davidson: These: Zentralität des Glaubens: Es gibt keine propositionalen Einstellungen ohne einige Glaubenseinstellungen. FodorVsDavidson/LeporeVsDavidson: Man kann soundso wünschen ohne soundso zu glauben. Semantischer Holismus/SH: Der Semantische Holismus ist stärker: Nur semantisch bewertbare (wahre/falsche) Zustände können propositionale Einstellungen sein. >Propositionale Einstellungen. Glauben/Hume/Fodor/Lepore: Es gibt keine Verbindung zwischen Vorstellungsbildern (nicht w/f) und Semantik (w/f). Orthogonal: Glaubenseigenschaften haben Kraft. Lebendigkeit/Repräsentation: Die Eigenschaften der Lebendigkeit sind letztlich geometrisch. Also sind die Wahrheitsbedingungen von der kausalen Rolle völlig unabhängig. ((s) Geometrische Eigenschaften von Repräsentationen: > Peter Gärdenfors, The Geometry of Meaning, MIT Press 2014). |
F/L Jerry Fodor Ernest Lepore Holism. A Shoppers Guide Cambridge USA Oxford UK 1992 Fodor I Jerry Fodor "Special Sciences (or The Disunity of Science as a Working Hypothesis", Synthese 28 (1974), 97-115 In Kognitionswissenschaft, Dieter Münch Frankfurt/M. 1992 Fodor II Jerry Fodor Jerrold J. Katz Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Fodor III Jerry Fodor Jerrold J. Katz The availability of what we say in: Philosophical review, LXXII, 1963, pp.55-71 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 |
| Glauben | Loar | Schiffer I 19 Glauben/Loar: wird aufgefasst als Funktion, die Propositionen auf interne physikalische Zustände abbildet. >Gehirn/Gehirnzustand, >Mentaler Zustand, >Physisch/psychisch, >Propositionen, >Materialismus. Diese inneren physikalischen Zustände haben funktionale Rollen, die durch diese Propositionen angegeben werden. >Funktionale Rolle. I 286f Glauben/SchifferVsLoar: Problem: seine Realisation einer Theorie von Glauben/Wünschen - (als Funktion von Propositionen auf physikalische Zustände), deren funktionale Rollen von der Theorie festgelegt werden. - Problem: Eine Theorie zu finden, die jede Proposition mit einer einzigen funktionalen Rolle korreliert statt mit vielen. >Abbildung. Schiffer: das wird nicht gehen, daher ist das Quine-Field-Argument erledigt. . . . Quine-Field-Argument/Schiffer: Schiffer I 109 Def begriffliche Rolle/Field: (Field 1977)(1): die subjektive bedingte Wahrscheinlichkeitsfunktion eines Handelnden. Zwei mentale Repräsentation s1 und s2 haben dieselbe begriffliche Rolle für eine Person, gdw. ihre (der Person) subjektive bedingten Wahrscheinlichkeits-Funktion so ist, dass für jede mentale Repräsentation s, die subjektive Wahrscheinlichkeit von s1 gegeben s dieselbe ist wie die von s2 gegeben s. SchifferVs: das passiert nie - Field dito - Bsp Blinde haben sicher andere begriffliche Rollen von Flundern - dann wird auch keine Korrelation zu den Glaubensobjekten bestehen. 1. Hartry Field (1977).Logic, Meaning, and Conceptual Role. Journal of Philosophy 74 (7):378-409 . . . Schiffer I 286f Glauben/Glaubenssätze/Quine/Schiffer: für Quine sind Glaubenssätze nie wahr, auch wenn er zugesteht (Quine pro Brentano): man kann nicht aus dem intentionalen Vokabular ausbrechen. >Überzeugungen/Quine, >Intentionalität/Brentano. Aber: QuineVsBrentano: ins kanonische Schema gehören keine propositionalen Einstellungen, nur physikalische Konstitution und Verhalten von Organismen. >Propositionale Einstellungen. |
Loar I B. Loar Mind and Meaning Cambridge 1981 Loar II Brian Loar "Two Theories of Meaning" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Schi I St. Schiffer Remnants of Meaning Cambridge 1987 |
| Glauben | Ricoeur | I 41 Glauben/Ricoeur: Das Gegenteil des Zweifels ist, grob gesagt, der Glaube. (...) der Glaube des Hermeneutikers, der Glaube, der durch die Kritik hindurchgegangen ist, der post-kritische Glaube. Ich suche ihn in der Nachfolge der philosophischen Entscheidungen, die insgeheim eine Phänomenologie der Religion anregen und die sich bis in deren augenscheinlicher Neutralität verbergen. Es ist ein vernünftiger Glaube, da er interpretiert (>Interpretation/Ricoeur), aber doch Glaube, weil er mittels der Interpretation nach einer zweiten Naivität sucht. Für ihn ist die Phänomenologie das Instrument des Hörens, der Sammlung, der Wiederherstellung des Sinns. Glauben, um zu verstehen, und verstehen, um zu glauben - das ist seine Maxime, und seine Maxime, das ist der »hermeneutische Zirkel« des Glaubens und des Verstehens selbst. >Religiöser Glaube/Ricoeur. |
Ricoeur I Paul Ricoeur Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999 Ricoeur II Paul Ricoeur Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976 |
| Glauben | Rorty | VI 144 Glauben/Existenz/Dennett/Rorty: Manchmal muss man nicht die Existenz einer Entität annehmen, aber zugestehen, dass wir den Glauben an diese Entität haben müssen. - Bsp Glauben an Qualia und das Phänomenologische. >Ontologie. >Theoretische Entitäten. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Glaubensobjekte | Hintikka | II 45 (A) Glaubensobjekte/Wissensobjekte/Wissen/Frege/Hintikka: Frege ging es darum, welche Objekte wir annehmen müssen, um das logische Verhalten der Sprache zu verstehen, wenn es um Wissen geht. Lösung/Frege/Hintikka: (s.u.: Freges Wissensobjekte sind die Fregeschen Sinne, reifiziert, >intensionale Objekte). Hintikka: Mir geht es zunächst um die Individuen von denen wir in epistemischen Kontexten reden, erst in zweiter Linie geht es mir darum, ob wir sie „Wissensobjekte“ nennen können. Semantik möglicher Welten/HintikkaVsFrege: Seinem Ansatz können wir die Semantik möglicher Welten gegenüberstellen (Hintikka pro Semantik möglicher Welten). II 46 Idee: Die Anwendung von Wissen führt zur Elimination von möglichen Welten (Alternativen). Mögliche Welten/Hintikka: Der Ausdruck ist irreführend, weil zu global. >Mögliche Welten. Def Szenario/Hintikka: Ein Szenario ist alles, was mit dem Wissen eines Wissenden b kompatibel ist. Wir können sie auch b‘s Wissenswelten nennen. Menge aller Welten/Hintikka: Die Menge aller Welten können wir als illegitim bezeichnen. Wissensobjekt/Hintikka: Das können Gegenstände, Personen, Artefakte usw. sein. Referenz/Frege/Hintikka: Frege geht von einer vollständig referentiellen Sprache aus. D.h. alle unsere Ausdrücke stehen für irgendwelche Entitäten (Freges These). Diese können als Freges Wissensobjekte genommen werden. Identität/Substituierbarkeit/SI/Terminologie/Frege/Hintikka: SI sei die These von der Substituierbarkeit der Identität ((s) gilt nur eingeschränkt in intensionalen (opaken) Kontexten). >Opazität. II 47 (…) Bsp (1) …Ramses wusste dass der Morgenstern = der Morgenstern. Daraus kann man nicht schließen, dass Ramses wusste, dass Morgenstern = Abendstern (obwohl Morgenstern = Abendstern). II 48 Kontext/Frege/Hintikka: Frege unterscheidet zwei Arten von Kontext: Direkter Kontext/Frege/Hintikka: Der direkte Kontext ist extensional und transparent. Indirekter Kontext/Frege/Hintikka: Der indirekte Kontext ist intensional und opak. Bsp Kontexte mit „glaubt“ (Glaubenskontexte). ((s) Terminologie: „extensional“, „opak“ usw. stammt nicht von Frege). Frege/Hintikka: Nach Freges Bild: (4) Ausdruck > Sinn > Referenz. ((s) D.h. Nach Frege bestimmt die Intension die Extension. Intensionale Kontexte/Frege/Hintikka: Bei intensionalen Kontexten ist das Bild modifiziert: (5) Ausdruck ( > ) Sinn ( > Referenz). >Referenz, >Mögliche Welten, >Semantik Möglicher Welten. |
Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Gleichgewicht | Buchanan | Brocker I 565 Gleichgewicht/Buchanan: Erst wenn ein Zustand der „natürlichen Verteilung“(1) erreicht ist, kommt es zu Vertragsverhandlungen, in denen Eigentumsrechte (d.h. alle Arten individueller Verfügungsrechte) ausgehandelt werden. >Verträge, >Verträge/Buchanan. Die sogenannte „natürliche Verteilung“ entsteht folgendermaßen: 1. Es herrscht Güterknappheit 2. Der Verbrauch durch eine Person bedeutet einen negativen Effekt für jede andere Person (Rivalität) 3. Jede Person will möglichst viel in ihren Besitz bringen 4. Eigenschaften, die im Konkurrenzkampf förderlich sind, sind nicht gleichmäßig verteilt 5. Entsprechend wird sich eine ungleichmäßige Güterverteilung ergeben. Diese Situation stellt sich ein, wenn sich bei allen Beteiligten der Grenznutzen der Eroberungsaufwendungen und die Grenzkosten der Verteidigungsanstrengungen Brocker I 566 die Waage halten. Dieses „natürliche Gleichgewicht“ besitzt eine gewisse Stabilität. Die Beteiligten können ihre Position nur durch ein >Abrüstungsabkommen verbessern. Verhandlungen/Buchanan: Man verhandelt, um die unproduktiven Verteidigungskosten zu senken. Sowohl A als auch B erkennen, dass sie sich besser stehen, wenn sie die Verteidigungskosten sparen können. Wolfgang Kersting, „James M. Buchanan, Die Grenzen der Freiheit“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
EconBuchan I James M. Buchanan Politics as Public Choice Carmel, IN 2000 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Gleichgewicht | Gould | II 256ff Gleichgewicht/Evolution/Eldredge/Gould: Ich gehöre zu den Evolutionisten, die an Sprünge in der Evolution glauben. Zusammen mit Niles Eldredge: These: Theorie des ununterbrochenen Equilibriums: Sprünge müssen nicht Lücken in den Fossilfunden ausdrücken, sondern können die Vorhersagen der Evolutionstheorie bestätigen.(1) II 258 These: Tendenzen können nicht der graduellen Veränderung innerhalb der Geschlechter zugeschrieben werden, sondern müssen aus dem unterschiedlichen Erfolg gewisser Typen von Arten entstehen. Es ähnelt eher einer Treppe als einer schiefen Ebene. Übergangsformen fehlen im Allgemeinen auf der Ebene der Arten, sind aber zwischen größeren Gruppen in Fülle vorhanden. IV 186 Gleichgewicht/Theorie des unterbrochenen Gleichgewichts (punktuelles Gleichgewicht)/Gould: These: Es gibt eine unorthodoxe Theorie zur Erklärung des Fehlens erwartbarer Muster und Gesetzmäßigkeiten. (Zusammen mit Niles Eldredge). These: In normalen Zeiten tritt keine kontinuierliche adaptive Vervollkommnung innerhalb der Abstammungsgruppen ein. Eher bilden sich die Arten im Maßstab geologischer Zeiträume (also in einigen Tausend Jahren) recht schnell und bleiben dann in den folgenden Jahrmillionen außerordentlich stabil. IV 187 Evolution:/Gould: Evolution muss sich daher auf der Ebene der Arten und nicht im Sinne Darwins als Kampf der Individuen auswirken. >Punktuelles Gleichgewicht. Massenaussterben: Was in normalen Zeiten akkumuliert wurde, bricht zusammen, wird abgebaut und neu geordnet, bzw. neu begonnen und verbreitet. Wenn die Theorie des unterbrochenen Gleichgewichts stimmt, dann ist Massenaussterben noch viel katastrophaler, als bisher angenommen! Wenn es bis zu 90% aller Arten vernichten kann, dann verlieren wir durch einen unglücklichen Zufall einige Gruppen für immer, während andere in einer anderen Welt besser gerüstet sind. >Evolution, >Erklärung, >Darwinismus. 1. N. Eldredge, S. J. Gould: Punctuated equilibria: an alternative to phyletic gradualism. In: T. Schopf (Ed), Models in Paleobiology, 82-115, San Francisco, (1972). |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Gleichgewicht | Leijonhufvud | Henderson I 10 Gleichgewicht/LeijonhufvudVsKeynesianismus/Henderson/Globerman: Leijonhufvud hat in einer frühen Arbeit(1) argumentiert, dass die meisten Keynesianer John Maynard Keynes' Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes(2) falsch interpretiert haben. In Folgearbeiten argumentierten Leijonhufvud und Robert Clower, dass eine Wirtschaft über einen längeren Zeitraum im Ungleichgewicht bleiben kann, wenn die bestehenden Marktpreise, insbesondere die Löhne, erheblich von den Preisen abweichen, die ein Gleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage herstellen würden, und wenn es starke Reibungen gibt, die dieses Gleichgewicht kostspielig machen. Leijonhufvud hatte argumentiert, dass die Menschen Keynes' Erklärung des Gleichgewichts bei weniger als Vollbeschäftigung als ein Problem unzureichender Gesamtnachfrage und nicht als ein Problem unflexibler Preise fehlinterpretierten. >Angebot, >Nachfrage, >Keynesianismus. 1. Leijonhufvud, Axel (1968). On Keynesian Economics and the Economics of Keynes: A Study in Monetary Theory. Oxford University Press. 2. Keynes, J. M. (1936). The general theory of employment, interest and money. London. |
Leijonhufvud I Axel Leijonhufvud Information and Coordination: Essays in Macroeconomic Theory Oxford: Oxford University Press 1981 Henderson I David R. Henderson Steven Globerman The Essential UCLA School of Economics Vancouver: Fraser Institute. 2019 |
| Gleichgewicht | Pareto | Brocker I 99 Gleichgewicht/Pareto: Der Gleichgewichtszustand ist als eine variable und fluide Zustandsgröße zu verstehen. Er ist zugleich prekär und bestandserhaltend: Störungen, die in der Realität als Krisen oder nichtintendierte Effekte auftreten, führen nicht zum Systemzerfall und Chaos, sondern sie bewirken stets ein neues Gleichgewicht, das seinerseits wieder Dysfunktionen hervorbringt. Paretos Theorie ist somit von vornherein multidimensional und multikausal angelegt. >Gesellschaft. Maurizio Bach, Vilfredo Pareto, Allgemeine Soziologie (1916) in: Manfred Brocker (Hg). Geschichte des Politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018. |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Gleichgewicht | Rawls | I 456 Gleichgewicht/Rawls: Ich verwende den Begriff des Gleichgewichts intuitiv(1). Der Begriff der Stabilität, den ich dazu verwende, ist eigentlich einer der Quasi-Stabilität: wenn ein Gleichgewicht stabil ist, kehren alle Variablen nach einer Störung zu ihrem Gleichgewicht zurück. Bei der Quasistabilität sind es nur einige.(2) Quasi-stabile Gesellschaft: Eine quasi-stabile Gesellschaft ist eine wohlgeordnete Gesellschaft, die quasistabil ist in Bezug auf ihre Institutionen und den Gerechtigkeitssinn ihre Bürger. Wenn Institutionen durch gewisse Umstände nicht länger als gerecht zu betrachten sind, sollten sie beispielsweise so reformiert werden können, wie die Situation es erfordert, und die Gerechtigkeit ist wieder hergestellt. >Gerechtigkeit/Rawls. I 457 Drei Bedingungen müssen für eine Gesellschaft im Gleichgewicht erfüllt sein: 1. Das System ist zu identifizieren und innere und äußere Kräfte müssen unterschieden werden können. 2. Verschiedene Zustände des Systems und ihre charakteristischen Züge sind zu identifizieren. 3. Die Gesetze, die die verschiedenen Zustände verbinden, sind zu spezifizieren. Je nach Beschaffenheit haben einige Systeme keinen Gleichgewichtszustand, andere haben viele. I 458 Gerechtigkeitssinn: Der Gerechtigkeitssinn der Bürger in einer Gesellschaft spielt eine entscheidende Rolle. Moralisches Lernen/Tradition: Wir können zwei Hauptströmungen unterscheiden: 1. Die eine stammt von Hume bis Sidgwick und ist heue in sozialen Lerntheorien wiederzufinden. These: fehlende soziale Motive werden durch Lernen hinzugewonnen. >D. Hume, >H. Sidgwick. Eine Variante dieser These geht davon aus, dass moralische Standards vor jeglichem Verstehen erworben werden. >Moral, >Emotivismus. I 459 2. Die zweite traditionelle These stammt von Rousseau und Kant, sie ist rationalistisch und wird manchmal von J. St. Mill und neuerdings von J. Piaget vertreten: Moralisches Lernen ist demnach nicht so sehr eine Frage des Füllens von Lücken als vielmehr eine freie Entwicklung unserer angeborenen und intellektuellen Fähigkeiten nach natürlicher Veranlagung. >Moral/Rousseau, >Moral/Kant, >Moral/Mill, >Moral/Piaget, >Angeborenes. Siehe Fußnoten 3-7. 1. Siehe hierzu W.R. Ashby, Design for a Brain, 2. Ed. (London, 1960), Kap. 2-4, 19-29. 2. Siehe hierzu Harvey Leibenstein, Economic Backwardness and Economic Growth, (New York, 1957), S. 18. 3. Siehe J.-J. Rousseau, Emile (London, 1908) insb. S. 46-66 (in Buch II), 172-196 (in Buch. IV). 4. Siehe auch Kant, The Critique of Practical Reason, Pt. II, The Methodology of Pure Practical Reason. 5. Siehe auch J. Piaget, The Moral Judgment oft he Child (London, 1932). 6. Siehe auch Lawrence Kohlberg, „The Development of Moral Thought“, Vita Humana, Bd. 6 (1963). 7. Für VsPiaget siehe: M. L. Hoffman, „Moral Development“ (1970) S. 264-275, und für VsKohlberg: S. 276-281. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Gleichgewicht | Robinson | Harcourt I 22 Gleichgewicht/RobinsonVsNeoclassical Economics/Robinson/Harcourt: Das Konzept, wie es von Joan Robinson definiert wurde, [ist] ein Konzept, das sie stark von dem der „neoklassischen Ökonomen“ abhebt, dessen Konzept ihrer Ansicht nach ‚einen tiefgreifenden methodischen Fehler enthält, der den größten Teil der neoklassischen Lehre zunichte macht‘ (Robinson [1953-4](1), S. 84). Def. Gleichgewicht/Robinson: (...) eine Situation, in der die Erwartungen erfüllt werden, so dass eine bestimmte Gewinnrate seit langem herrscht und auch für die Zukunft erwartet wird, dass dies der Fall sein wird. Harcourt: Diese Definition überwindet die „Rätsel, die entstehen, weil zwischen der Investition von Geldkapital und dem Erhalt von Geldgewinnen eine zeitliche Lücke klafft [und] in dieser Lücke Ereignisse eintreten können, die den Wert des Geldes [auf unvorhersehbare Weise] verändern“. Idealisierung: In der Definition sind die Annahmen der vollkommenen Voraussicht und des Fehlens von Ungewissheit implizit enthalten, deren Wegfall nach Ansicht von Solow weitaus schwerwiegendere Folgen für die neoklassische Kapitaltheorie hat als alle Rätsel, die mit der Messung von „es“ oder „seinem“ Grenzprodukt verbunden sind (siehe Solow [1963a](2), S. 12-14). Harcourt I 23 Ungewissheit/Robinson: „Von der Ungewissheit zu abstrahieren bedeutet, zu postulieren, dass keine derartigen (unvorhergesehenen) Ereignisse eintreten, so dass die Ex-ante-Erwartungen, die die Handlungen des Menschen der Tat leiten, nie aus dem Gleichgewicht geraten mit der Ex-post-Erfahrung, die die Äußerungen des Menschen der Worte leitet. Wenn man sagt, dass ein Gleichgewicht besteht, bedeutet das, dass seit einiger Zeit keine derartigen Ereignisse eingetreten sind oder dass man annimmt, dass sie in Zukunft eintreten werden.“ (Robinson [1953-4](1), S. 84.) >Gleichgewicht/Neoklassische Wirtschaftstheorie. RobinsonVsNeoklassische Ökonomie: (...) eine Wirtschaft kann nicht in eine Gleichgewichtslage geraten - entweder sie ist im Gleichgewicht und das schon seit langem, oder sie ist es nicht.* Im Gleichgewicht hat ein bestimmtes Ausrüstungsgut den gleichen Wert, ob es nun zu seinem erwarteten künftigen Ertrag, der mit der geltenden Profitrate auf die Gegenwart zurückdiskontiert wird, oder als die zu seiner Herstellung geleistete Arbeit, die mit der geltenden Profitrate auf die Gegenwart kumuliert wird, bewertet wird (unter der Annahme, dass das Ausrüstungsgut allein durch Arbeit hergestellt wird). Profitrate/Kapital/Investitionen: Darüber hinaus (...) hat die Kapitalertragsrate eine eindeutige Bedeutung und ist gleich der erwarteten Gewinnrate aus Investitionen. Komplikation: Bei anspruchsvolleren Techniken, bei denen langlebige Investitionsgüter zur Herstellung von Investitionsgütern beitragen (und/oder zirkulierende Güter ebenfalls dazu beitragen), müssen wir ein komplizierteres Modell verwenden, bei dem es ausgeglichene Bestände an langlebigen Investitionsgütern gibt. Formalisierung: Gebrauchte Investitionsgüter werden als einjährige Güter {gemeinsam mit Konsumgütern produziert) behandelt, um das Rätsel der Rückverfolgung von Produktionsmitteln bis zum Garten Eden zu vermeiden. >Produktionsfunktion/Robinson, >Arbeitszeit/Robinson, >Aggregat-Produktionsfunktion/Robinson. * Diese Definition des Gleichgewichts schließt die Analyse in der Theorie des Wirtschaftswachstums ein, die mit dem Konzept des Goldenen Zeitalters verbunden ist, d. h. mit stabilen, langfristigen Wachstumspfaden im Gleichgewicht. Für eine ausführliche Darstellung dieses Zweigs der modernen Theorie des Wirtschaftswachstums siehe Hahn und Matthews [1964](3), Teil 1. 1. Robinson, Joan (1953-4). 'The Production Function and the Theory of Capital', Review of Economic Studies, xxi, pp. 81-106. 2. Solow, Robert M. [1963a] (Professor Dr. F. De Vries Lectures, 1963) Capital Theory and the Rate of Return (Amsterdam: North-Holland). 3. Hahn, F. H. and Matthews, R. C. O. [1964] 'The Theory of Economic Growth: A Survey', Economic Journal, LXXIV, pp. 779-902. |
EconRobin I James A. Robinson James A. Acemoglu Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 Robinson I Jan Robinson An Essay on Marxian Economics London 1947 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Gleichgewicht | Rothbard | Rothbard III 789 Gleichgewicht/Rothbard: Die Erwartung sinkender Faktorpreise beschleunigt die Bewegung zum Gleichgewicht und damit zum reinen Zinsverhältnis, das durch die Zeitpräferenz bestimmt wird.(1) >Produktionsfaktoren, >Faktormarkt, >Preis/Rothbard. Wenn z. B. die Gewerkschaften die Lohnsätze künstlich hoch halten, wird das „Horten“ zunehmen, da die Gewerkschaften die Lohnsätze immer höher halten als den Gleichgewichtswert, bei dem „Vollbeschäftigung“ aufrechterhalten werden kann. >Hortung/Rothbard, >Gewerkschaften/Rothbard. Diese induzierte Hortung senkt die Geldnachfrage nach Faktoren und erhöht die Arbeitslosigkeit noch weiter, aber nur wegen der starren Lohnsätze.(2) >Arbeitslosigkeit/Rothbard, >Geldnachfrage/Rothbard. Rothbard III 813 Gleichgewicht/Geldnachfrage/Geldmarkt/Rothbard: (...) ein Anstieg der Geldmenge führt zu einem Rückgang des PPM und ein Rückgang der Geldmenge führt zu einem Anstieg des PPM. Es gibt jedoch keinen einfachen und ereignislosen Anstieg und Fall des PPM. Denn eine Veränderung der Geldmenge ist nicht automatisch gleichzeitig. Wenn (...) die relativen Preise und Bewertungen für alle durchgängig gleich bleiben, ist das neue Gleichgewicht mit dem alten identisch, abgesehen von einer allgemeinen Preisänderung. In diesem Fall sind die Gewinne und Verluste vorübergehend und verschwinden mit dem Eintreten des neuen Gleichgewichts. Nachfrage/Zeit: Tatsächlich wird dies jedoch fast nie der Fall sein. Denn selbst wenn die Werte der Menschen eingefroren bleiben, verändert die Verschiebung des relativen Geldeinkommens während des Übergangs selbst die Struktur der Nachfrage. Präferenzen: Die Wohlstandsgewinner in der Übergangszeit werden eine andere Präferenz- und Nachfragestruktur haben als die Verlierer. Infolgedessen wird sich die Struktur der Nachfrage selbst verschieben, und das neue Gleichgewicht wird eine andere Reihe von relativen Preisen aufweisen. Zeitpräferenz: Auch für die Zeitpräferenzen wird die Veränderung wahrscheinlich nicht neutral sein. Die dauerhaften Gewinner werden zweifellos eine andere Struktur der Zeitpräferenzen haben als die dauerhaften Verlierer, und infolgedessen kann es zu einer dauerhaften Verschiebung der allgemeinen Zeitpräferenzen kommen. >Zeitpräferenz/Rothbard. Wirtschaft/Beobachtung: Was die Verschiebung sein wird oder in welche Richtung, kann die Wirtschaftswissenschaft natürlich nicht sagen. >Geldmarkt/Rothbard, >Beobachtung/Rothbard, >Messen/Rothbard. 1. W.H. Hutt kommt zu dem Schluss, dass das Gleichgewicht „gesichert ist, wenn alle Dienstleistungen und Produkte so bepreist sind, dass sie (i) in die Reichweite der Taschen der Menschen gebracht werden (d. h., dass sie mit dem vorhandenen Geldeinkommen gekauft werden können) oder (ii) in ein solches Verhältnis zu den vorhergesagten Preisen gebracht werden, dass kein Aufschub der Ausgaben für sie induziert wird. Zum Beispiel müssen die Produkte und Dienstleistungen, die bei der Herstellung von Investitionsgütern verwendet werden, so bepreist sein, dass die erwarteten zukünftigen Geldeinkommen in der Lage sind, die Dienstleistungen und die Abschreibung für neue Ausrüstungen oder Ersatz zu kaufen.“ (Hutt, "Significance of Price Flexibility," S. 394) 2. „Aufschiebungen (von Käufen) entstehen, weil man der Meinung ist, dass eine Senkung der Kosten (oder anderer Preise) geringer ist, als sie letztendlich stattfinden muss, oder weil die Kosten nicht schnell genug fallen.“ Ebd., S. 395. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Gleichgewicht | Samuelson | Harcourt I 20 Gleichgewicht/Modigliani/Samuelson/Swan: Kapital/Zinssatz/Wert/Messung/Robinson/Harcourt: (...) es ist unmöglich, sich eine Menge von „Kapital im Allgemeinen“ vorzustellen, deren Wert unabhängig von den Zinssätzen (oder ersatzweise von den Gewinnen, wenn man die gegenwärtigen Annahmen zugrunde legt) und den Löhnen ist. Eine solche Unabhängigkeit ist jedoch notwendig, wenn wir eine Iso-Produkt-Kurve konstruieren wollen, die die verschiedenen Mengen an „Kapital“ und Arbeit zeigt, die ein bestimmtes Niveau des nationalen Outputs produzieren, oder, wie es in der Theorie des Wirtschaftswachstums üblicher ist, wenn wir eine eindeutige Beziehung zwischen dem nationalen Output pro beschäftigter Person und dem „Kapital“ pro beschäftigter Person für ein beliebiges Niveau des gesamten nationalen Outputs konstruieren wollen. Das heißt, wenn wir die neoklassische Produktionsfunktion konstruieren (...). Die Steigung dieser Kurve spielt eine Schlüsselrolle bei der Bestimmung der relativen Faktorpreise und damit der Faktorentlohnung und -anteile. Problem: Die Kurve kann jedoch nicht konstruiert und ihre Steigung nicht gemessen werden, wenn die Preise, die sie bestimmen soll, nicht vorher bekannt sind; außerdem variieren der Wert desselben physischen Kapitals und die Steigung der Iso-Produkt-Kurve mit den gewählten Kursen, was die Konstruktion inakzeptabel macht. SwanVsRobinson/SamuelsonVsRobinson/ModiglianiVsRobinson: (...) Kritiker haben behauptet, dass diese spezielle Argumentationskette ein Unvermögen zeigt, sowohl die Natur der Lösung einer Reihe von simultanen Gleichungen zu verstehen, wie es zum Beispiel die wesentliche Natur des Walrasianischen allgemeinen Gleichgewichtssystems ist, als auch das Fehlen jeglicher notwendiger Verbindung zwischen den Variablen, in denen die Gleichgewichtswerte von Schlüsselgrößen ausgedrückt werden, einerseits und der Verursachung, oder Bestimmung, oder Erklärung, oder was auch immer man will, andererseits. Siehe z.B. Swan [1956](1), S. 348 n14; Samuelson und Modigliani [1966a](2), S. 290-1 n1. >Verursachung, >Gleichgewicht/Walras. RobinsonVsVs/Harcourt: Diese Kritik ist jedoch ungerecht. Wenn man zum Beispiel argumentiert, dass im Gleichgewicht der Lohnsatz gleich dem Grenzprodukt der Arbeit ist, bedeutet nicht, dass das eine die Ursache für das andere ist oder dass das eine das andere bestimmt. Außerdem geht aus der Art und Weise, wie Joan Robinsons Version der Produktionsfunktion abgeleitet wird (...), und aus den verwendeten Konstruktionen eindeutig hervor, dass dies nicht die strittigen Punkte sind. 1. Swan, T. W. [1956] 'Economic Growth and Capital Accumulation', Economic Record, xxxn, pp. 334-61. 2. Samuelson, P. A. and Modigliani, F. [1966a] 'The Pasinetti Paradox in Neoclassical and More General Models', Review of Economic Studies, xxxm, pp. 269-301. |
EconSamu I Paul A. Samuelson The foundations of economic analysis Cambridge 1947 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Gleichgewicht | Walras | Mause I 54 Gleichgewicht/Neoklassische Theorie: Vom Verhalten einzelner Haushalte und Unternehmen lassen sich die Nachfrage nach und das Angebot von verschiedenen Gütern sowie das entsprechende Marktgleichgewicht mit Gleichgewichtspreis und Gleichgewichtsmenge ableiten. Von zentraler Bedeutung für die Bewertung von Märkten und Marktgleichgewichten ist jedoch nicht diese Partialanalyse einzelner Märkte, sondern die Totalanalyse, d. h. die simultane Betrachtung aller Märkte einer Volkswirtschaft und der zwischen denselben bestehenden Interdependenzen (Allgemeine Gleichgewichtstheorie). Der Pionier der Totalanalyse war Léon Walras.(1) In ihrer modernen Form wurde sie geprägt von Kenneth J. Arrow und Gerard Debreu (Arrow 1951 (2); Arrow und Debreu 1954 (3)). In einem ersten Schritt lässt sich die Existenz eines allgemeinen Marktgleichgewichts beweisen. Dabei werden die relativen Preise aller Güter ausschließlich durch die realen ökonomischen Bedingungen (also z. B. die Produktionstechnik, die Ressourcenausstattung oder die Nachfragestruktur) determiniert; das Geld spielt nur insoweit eine Rolle als das Preisniveau (nach Maßgabe der Quantitätstheorie) von der Geldmenge abhängt; im Übrigen ist es neutral. Problem: Die für das Gleichgewicht notwendigen Bedingungen sind in der Realität niemals erfüllt. Lösung: In der Theorie wird die Existenz des Gleichgewichts bewiesen, nicht aber seine Stabilität. >Neoklassiker, >K. Arrow. 1. L. Walras, Eléments d’Economie Politique Pure. Teile I– III (1874), Teile IV–VI (1877). Lausanne 1874/ 1877. 2. K.J. Arrow, An extension of the basic theorems of classical welfare economics. In Proceedings of the second Berkeley symposium on mathematical statistics and probability, Hrsg. J. Neyman, Berkeley 1951 3. K. J. Arrow, G. Debreu Existence of equilibrium for a competitive economy. Econometrica 22: 82– 109. |
EconWalras I Léon Walras Eléments d’Economie Politique Pure Lausanne 1874 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Gleichgewichtstheorie | Neoklassiker | Mause I 54 Gleichgewicht/Neoklassische Theorie: Vom Verhalten einzelner Haushalte und Unternehmen lassen sich die Nachfrage nach und das Angebot von verschiedenen Gütern sowie das entsprechende Marktgleichgewicht mit Gleichgewichtspreis und Gleichgewichtsmenge ableiten. Von zentraler Bedeutung für die Bewertung von Märkten und Marktgleichgewichten ist jedoch nicht diese Partialanalyse einzelner Märkte, sondern die Totalanalyse, d. h. die simultane Betrachtung aller Märkte einer Volkswirtschaft und der zwischen denselben bestehenden Interdependenzen (Allgemeine Gleichgewichtstheorie). Der Pionier der Totalanalyse war Léon Walras.(1) In ihrer modernen Form wurde sie geprägt von Kenneth J. Arrow und Gerard Debreu (Arrow 1951(2); Arrow und Debreu 1954 (3)). In einem ersten Schritt lässt sich die Existenz eines allgemeinen Marktgleichgewichts beweisen. Dabei werden die relativen Preise aller Güter ausschließlich durch die realen ökonomischen Bedingungen (also z. B. die Produktionstechnik, die Ressourcenausstattung oder die Nachfragestruktur) determiniert; das Geld spielt nur insoweit eine Rolle als das Preisniveau (nach Maßgabe der Quantitätstheorie) von der Geldmenge abhängt; im Übrigen ist es neutral. Problem: Die für das Gleichgewicht notwendigen Bedingungen sind in der Realität niemals erfüllt. Lösung: In der Theorie wird die Existenz des Gleichgewichts bewiesen, nicht aber seine Stabilität. >K. Arrow. 1. L. Walras, Eléments d’Economie Politique Pure. Teile I–III (1874), Teile IV– VI (1877). Lausanne 1874/ 1877. 2. K.J. Arrow, An extension of the basic theorems of classical welfare economics. In Proceedings of the second Berkeley symposium on mathematical statistics and probability, Hrsg. J. Neyman, Berkeley 1951 3. K. J. Arrow, G. Debreu Existence of equilibrium for a competitive economy. Econometrica 22: 82–109. |
Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Gleichheit | Dummett | III (a) 7 Bedeutung von Richtung/Frege: aus Parallelität zu einer zweiten Geraden - analog: Wahrheitswert aus Gleichheit zweier Wahrheitswerte. >Definitionen, >Wahrheitswerte. III (c) 97ff Bedeutung/Dummett: Bedeutungsverstehen ist nicht aus Bedeutungsgleichheit zu erklären. Bedeutungstheorie/Dummett: muss die Funktionsweise der Sprache erklären - nicht Liste von Wortbedeutungen - letztlich Fähigkeit - dennoch Verstehen = Kennen der Bedeutungen aller Ausdrücke. >Verstehen, >Kompositionalität, >Frege-Prinzip. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Gleichheit | Fraser | Mause I 201f Gleichheit/Differenz/Diversität/Genderpolitik/Fraser: Empirisch lässt sich feststellen, dass im sozialstaatlichen Kontext beide Grundpositionen der feministischen Gerechtigkeitstheorie – Gleichheit und Differenz – aufgriffen und in sozialstaatliche Programmatiken übersetzt wurden. Bsp Auswahlverfahren (zwischen Männern und Frauen) folgen dem Gleichheitsansatz, spezifische Förderungsmaßnahmen folgen dem Diversitätsansatz (diversity, Differenztheorie). Problem: Die beiden Ansätze (Gleichheits- und Diversitätsansatz) werden nicht, wie in Frasers Entwurf, miteinander verknüpft, sondern stehen widersprüchlich nebeneinander. >Geschlechterrollen, >Gerechtigkeit, >Ungleichheit. |
PolFras I Nancy Fraser Mapping the feminist imagination. From redistribution to representation 2005 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Gleichheit | Neorepublikanismus | Gaus I 174 Gleichheit/Neorepublikanismus/Dagger: Das Bekenntnis zur Gleichheit ist kaum unterscheidbar vom Neorepublikanismus, denn es ist ein geteiltes Bekenntnis, wenn Dworkin (1977(1): 179-83) und Kymlicka (1990(2): 4-5 und passim) richtig sind, nach jeder plausiblen politischen Theorie. Das unterscheidet sie natürlich von ihren klassischen Vorfahren, deren Lob der Gleichheit der Bürger (isonomia) manchmal mit der Verteidigung der Sklaverei einherging. Was die neorepublikanische Position jedoch wirklich unverwechselbar macht, ist die Kombination des Glaubens an die moralische Gleichwertigkeit von Personen mit der traditionellen republikanischen Betonung der Bedeutung der politischen Gleichheit. Staatsbürgerschaft: Jeder sollte die Möglichkeit haben, Bürger zu werden, und jeder Bürger sollte rechtlich und in der politischen Arena gleichberechtigt mit jedem anderen Bürger stehen. Unabhängigkeit: Im traditionellen Idiom können diese Schritte notwendig sein, um einige Menschen aus der Abhängigkeit von anderen zu befreien. Eigentum: Sie können auch eine gewisse Umverteilung des Reichtums und Einschränkungen bei der Verwendung von Geld erfordern, um politischen Einfluss zu erlangen oder auszuüben. Dennoch vertreten Neorepublikaner typischerweise die aristotelische Auffassung von Eigentum - Privateigentum zum Wohle der Allgemeinheit - und sehen keinen Sinn in einer "materiellen Gleichmacherei" um ihrer selbst willen (Pettit, 1997(3): 161). Vgl. >Egalitarismus. 1. Dworkin, Ronald (1977) Taking Rights Seriously. Cambridge, MA: Harvard University Press. 2. Kymlicka, Will (1990) Contemporary Political Philosophy: An Introduction. Oxford: Clarendon. 3. Pettit, Philip (1997) Republicanism: A Theory of Freedom and Government. Oxford: Clarendon. Dagger, Richard 2004. „Communitarianism and Republicanism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Gleichheit | Singer | I IX Gleichheit/Equality/Tier/Mensch/Gleiche Rechte/Ethik/P. Singer: These: Mein Buch Practical Ethics(1) bekämpft die Einstellung, alle Mitglieder der menschlichen Spezies hätten höherrangige Rechte allein wegen ihrer Zugehörigkeit zu dieser Spezies. >Tiere, >Rechte. P. SingerVs: Es wäre unphilosophisch, jegliche Vergleiche über eine Spezies hinaus zu verbieten. Hierbei geht es um Unrecht, das wir Tieren und Schäden, die wir unserer Umwelt zufügen. I 16 Gleichheit/Equality/Ethik/P. Singer: Was bedeutet es eigentlich, wenn wir sagen, dass alle Menschen gleich sind? Problem: Je stärker wir Einzelfälle untersuchen, desto mehr schwindet der Glaube an die universelle Gültigkeit des Grundsatzes der Gleichheit. Bsp Intelligenz/Jensen/Eysenk/P. Singer: (Debatte in den 70er Jahren zwischen Arthur Jensen, Psychologe UC Berkeley und Hans Jürgen Eysenk, Psychologie an der Universität London): I 17 Frage: inwieweit Varianzen von Intelligenz von genetischen Differenzen abhängen. Dieser Streit wurde wieder aufgegriffen von Herrnstein/Murray 1994.(2) >Intelligenz, >A. Jensen, >J. Eysenck. Rassismus: Die Kritiker dieser Autoren sagen, deren Thesen würden, wenn sie begründet wären, Rassendiskriminierung rechtfertigen. Haben sie recht? Ähnliches Problem: War Larry Summers ein Sexist als er – damals Präsident der Harvard Universität – biologische Faktoren geltend machte im Zusammenhang mit Schwierigkeiten, mehr Frauen auf Lehrstühle in Mathematik und Wissenschaften zu berufen? Ähnliche Frage: Sollten benachteiligte Gruppen besondere eine bevorzugte Behandlung beim Zugang zu Arbeitsplätzen oder zur Universität bekommen? P. Singer: Unterschiede zwischen Geschlechtern und Unterschiede zwischen Begabungen bestehen auf jeden Fall. Bereichseigenschaft/range property/John Rawls (in Rawls, Theory of Justice)(3): Wenn man zu einem Bereich gehört, hat man einfach die Eigenschaft, zu diesem Bereich zu gehören und alle innerhalb des Bereichs haben diese Eigenschaft gleichermaßen. I 18 Gleichheit/Rawls/P. Singer: Rawls These: Eine moralische Einstellung ist die Grundlage für Gleichheit. >Moral, >Ethik. VsRawls: 1. Man könnte einwenden, dass das eine graduelle Angelegenheit ist. 2. Kleine Kinder sind nicht fähig dazu, eine moralische Persönlichkeit zu haben. Lösung/Rawls: Kleine Kinder sind potentiell moralische Persönlichkeiten. I 19 VsRawls: Rawls bietet keine Lösung für Personen mit irreparablen Beeinträchtigungen. I 20 Leiden/Interesse/Dritte Person/P. Singer: Problem: Wir müssen erklären, ob der Schmerz einer gewissen Person weniger unerwünscht ist als der einer anderen Person. >Leiden, >Schmerz. I 20 Interesse/P. Singer: Prinzip: Wenn es um Gleichheit geht, sollten wir Interessen als Interessen gewichten und nicht als Interessen von Personen, als meine oder jemand anderes Interessen. Wenn dann X mehr durch eine Handlung verliert als Y gewinnt, sollte die Handlung nicht ausgeführt werden. >Interessen. I 21 Dann spielt die Rasse keine Rolle mehr bei der Abwägung von Interessen. Das ist der Grund, warum die Nazis sich falsch verhielten: ihre Politik war nur auf den Interessen der arischen Rasse gegründet. >Rassismus, >Faschismus. 1. Peter Singer, Practical Ethics, 3rd ed. Cambridge University Press (2011). 2. Herrnstein, R. J., & Murray, C. The Bell Curve: Intelligence and Class Structure in American Life. New York, NJ: Free Press (1994). 3. John Rawls, A Theory of Justice: Original Edition. Belknap Press (1971). |
SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Gleichheit | Smith | Otteson I 41 Gleichheit/Adam Smith/Otteson: Werden die Menschen in einer Smithschen Gesellschaft reicher? Ja. Werden die Menschen gleichmäßig reicher? Nein. Obwohl alle reicher werden, werden einige schneller und in größerem Ausmaß reicher als andere. Ist das nicht moralisch problematisch? Smith selbst scheint sich dieses Problems bewusst zu sein, sogar im achtzehnten Jahrhundert. Er schreibt zum Beispiel: „Keine Gesellschaft kann blühend und glücklich sein, in der der weitaus größere Teil der Mitglieder arm und unglücklich ist. Außerdem ist es nur gerecht, dass diejenigen, die die Gesamtheit des Volkes ernähren, kleiden und beherbergen, einen solchen Anteil an den Erträgen ihrer eigenen Arbeit haben sollten, dass sie selbst einigermaßen gut ernährt, gekleidet und untergebracht sind“ (WN(1): 96). Otteson I 42 An anderer Stelle schreibt er: „Unter dem Notwendigen verstehe ich nicht nur die Güter, die für den Lebensunterhalt unentbehrlich sind, sondern alles, was die Sitte des Landes es für ehrbare Leute, selbst der niedrigsten Ordnung, unanständig macht, ohne es zu sein. (…) Unter Notwendigkeiten verstehe ich also nicht nur die Dinge, die die Natur, sondern auch die Dinge, die die etablierten Regeln des Anstands für den niedrigsten Rang der Menschen notwendig gemacht haben“ (WN(1): 869-70). Zusammengenommen bekräftigen diese Passagen nicht nur Smiths vorrangige Sorge um „den niedrigsten Stand der Menschen“, sondern bringen auch seinen moralischen Auftrag zum Ausdruck, dass mit dem allgemeinen Wohlstand der Gesellschaft auch der Lebensstandard der Geringsten unter uns steigen muss. >Ungleichheiten/Adam Smith. 1. Smith, Adam. (1776) The Wealth of Nations. London: W. Strahan and T. Cadell. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Gleichheit | Tawney | Gaus I 420 Gleichheit/Tawney/Weinstein: Tawneys "höherer" Sozialismus ahmt Hobsons "liberalen Sozialismus" nach und nimmt auch den zeitgenössischen egalitären Liberalismus wie den von [Ronald] Dworkin vorweg. >Gleichheit/Dworkin. Obwohl seiner Theorie die Strenge von Dworkin fehlt, geht sie ebenfalls von unserer gemeinsamen Würde aus und betrachtet Freiheit und Gleichheit als vereinbar (Tawney, 1964(1): 46-7). Freiheit/Tawney: Freiheit und Gleichheit sind völlig angemessen, insbesondere wenn größere wirtschaftliche Gleichheit alle Bürger vor unangemessenem wirtschaftlichen Zwang schützt. Größere wirtschaftliche Gleichheit ist "wesentlich" für größere Freiheit (1964(1): 168). Tawney folgt damit den neuen Liberalen, die darauf bestehen, dass extreme wirtschaftliche Ungleichheiten nicht weniger einschränkend sind als physische Bedrohungen. In der Ausgabe von "Equality" von 1952 stellt Tawney klar, warum Freiheit und Gleichheit miteinander vereinbar sind. Er besteht darauf, dass politische Freiheiten "grundlegender" sind als "sekundäre" wirtschaftliche Freiheiten. Während also die Umverteilungsgerechtigkeit die Freiheit, Eigentum zu erwerben und zu tauschen (eine "sekundäre" Freiheit), eindeutig beeinträchtigt, erweitert sie die politischen Freiheiten, indem sie sie für die Armen zu mehr als nur nominellen Freiheiten macht. Kurz gesagt, größere wirtschaftliche Gleichheit befreit uns, indem sie unsere politische "Bandbreite an Alternativen" öffnet und unsere "Fähigkeit" stärkt, zwischen ihnen zu wählen. Freiheit und Gleichheit "können als Freunde leben" (1964(1): 227-9). 1. Tawney, R. H. (1964 119521) Equality. London: Unwin. Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Gleichheitszeichen | Gleichheitszeichen: Symbol, das aussagt, dass die Ausdrücke, die links und rechts von ihm stehen, auf denselben Gegenstand referieren. Das Gleichheitszeichen ist zunächst für Zahlen definiert. Es muss neu definiert wenn Gegenstände aus anderen Bereichen verknüpft werden sollen. Siehe auch Identität, Gleichheit. |
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| Gleichheitszeichen | Quine | IX 9 Gleichheitszeichen/Quine: "=" ist ein zweistelliges Prädikat. IX 10 Zeichen/Zeichenvorrat/Theorie/Quine: jede Theorie hat ein Grundvokabular aus primitiven Prädikaten, vielleicht per definitionem eingeführt. Meist gibt es nur endlich viele, dann brauchen wir das Gleichheitszeichen "=" nicht dazuzuzählen. Denn wir können es dann mit Hilfe der übrigen definieren. ((s) "primitiv" heißt nicht "einstellig"). Gleichheitszeichen/Quine: Angenommen, das einzige Grundprädikat einer Theorie sei "φ". Dann können wir "=" durch die folgende Erklärung von "x = y" definieren: (1) ∀z[(φxz ‹› φyz) u (φzx ‹› φzy)]. Denn offensichtlich erweist sich "x= x" als einfaches Beispiel für ein gültiges Formelschema der Quantorenlogik. Dasselbe trifft für alle Spezialfälle von "(x = y u F) ›Fy", insofern sie Aussage sind, die außer"φ" kein weiteres Prädikat enthalten. Das sieht man so: man betrachte zunächst alle Ergebnisse, bei denen die von "Fx" und "Fy" dargestellten Aussagen sich nur an einer Stelle voneinander unterscheiden. der unmittelbare Kontext dieses einzigen Vorkommen muss dann entweder "φxv" und "φyv" oder "φvx" und "φvy" sein, wobei "v" irgendeine Variable bezeichnet, (vielleicht entweder x oder y). IX 23 Individuen/Elementbeziehung/Extensionalitätsaxiom/Quine: Vorschlag: "x ε y", wenn x ein Individuum ist, sei wahr oder falsch, je nachdem, b x = y oder x ≠ y. So verschwindet das Problem, das Extensionalitätsaxiom auf Individuen anzuwenden. "ε" von Individuen hat die Eigenschaft von "=". (Elementbeziehung von Individuen: Gleichheit! ( "ist Element von", "ist enthalten": wird zum Gleichheitszeichen vor Individuen). IX 26 Bis dahin ist das Gleichheitszeichen nur zwischen Klassenabstraktionstermen definiert. Zwischen Variablen brauchen wir weitere Hilfsmittel ...+... X 88 Logische Wahrheit/Struktur/Definition/Quine: unsere Definition der logischen Wahrheit bezog sich zwangsläufig auf die grammatische Struktur. Problem: diese Auffassung wird in Frage gestellt, wenn wir Identität (Identitätsprädikat „=“, Gleichheitszeichen) einführen. Identität/logische Wahrheit/Quine: die Zurückführung der logischen Wahrheit auf grammatische Struktur wird in Frage gestellt, wenn die Identität eingeführt wird, weil Bsp „x = x“ oder „x = y“ unter Umständen keine logische Wahrheit ist, weil man nicht alles einsetzen kann. ((s) >Intension: wegen ihr sind nicht alle Identitätssätze logische Wahrheiten. Quine: es geht darum, dass in einer logischen Wahrheit ein Prädikat durch ein anderes ersetzt werden können muss, aber das Gleichheitszeichen als Prädikat kann nicht durch andere Prädikate ersetzt werden. Identität/Logik/Quine: Wahrheiten der Identitätstheorie Bsp „x = x“, „Ey((x = y)“ oder „~(x = y . ~(y = x))“ ((s) Symmetrie der Identität) eignen sich nicht als logische Wahrheiten gemäß unseren Definitionen der logischen Wahrheit. Grund: sie können falsch werden, wenn man „=“ durch andere Prädikate ersetzt. Konsequenz. Sollen wir die Identität also nicht zur Logik rechnen, sondern zur Mathematik? Und zwar zusammen mit „ ›“ und „ε“? >Semantischer Aufstieg/Quine. III 268 Zwei verschiedene Bezeichnungen können für dasselbe Objekt stehen, wenn dazwischen das Gleichheitszeichen steht, ist die Gleichung wahr. Es wird damit nicht behauptet, dass die Bezeichnungen gleich seien! III 271 Gleichheitszeichen/Quine: „=“ ist ein gewöhnlicher relativer Term. Das Gleichheitszeichen wird nötig, weil zwei Variable sich auf dasselbe oder auf verschiedene Objekte beziehen können. Vom logischen Standpunkt aus ist der Gebrauch des Gleichheitszeichens zwischen Variablen fundamental, nicht der zwischen singulären Termini. III 293 Gleichheitszeichen/Ausdruckskraft/stärker/schwächer/Quine: wir gewinnen auch dadurch an Ausdruckskraft, dass das Gleichheitszeichen überflüssig wird ((s) wenn wir Klassen einführen). Statt „x = y“ sagen wir , dass x und y zu genau denselben Klassen gehören. D.h. (a)(x ε a . bik . y ε a) Identität/Mengen/Quine: die Identität von Klassen kann man gewissermaßen umgekehrt erklären: “a = b” bedeutet, daß a und b genau dieselben Elemente haben. Dann ist das Gleichheitszeichen einfach eine bequeme Abkürzung. Kennzeichnung/Gleichheitszeichen/Quine: wenn wir das Gleichheitszeichen haben, können wir uns den Luxus leisten, Kennzeichnungen einzuführen, ohne sie als primitive Grundbegriffe rechnen zu müssen. Denn mit dem Gleichheitszeichen können wir eine Kennzeichnung aus jedem Satz eliminieren. >Kennzeichnungen/Quine. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Glück | Nietzsche | Danto III 271 Glück/Glückseligkeit/Nietzsche/Danto: Aus Nietzsches Theorie des Willens zur Macht folgt, dass Glückseligkeit nicht das Ziel darstellt, um das wir in Wahrheit kämpfen. Nicht anders als dem Rest der Welt geht es den Menschen um Macht. Unverkennbar eignet den Menschen mehr Macht ((s) als anderen Lebewesen) und das hat nichts mit Glückseligkeit zu tun. Freude ist einfach die bewusste Reflexion unserer Überlegenheit in punkto Stärke. Der ‚letzte Mensch‘ der in Begriffen von ‚Frieden‘ und Glückseligkeit denkt, verwickelt sich dabei in Widersprüche. Ohne Kampf gibt es kein Glück.(1) Danto III 272 Nietzsche/Danto: Als Unlust erfahrene Hindernisse sind Stimuli für den Willen zur Macht und das Vorspiel zur Lust. Lust/Nietzsche/Danto: es gibt zwei einander entsprechende Arten der Lust – die Lust des Sieges und die Lust des Schlafes. Letzteres ist das Glück der nihilistischen Religionen und Philosophie. Die Reichen und Lebendigen wollen Siege, überwundene Gegner, Überströmen des Machtgefühls über weitere Bereiche als bisher.(2) DantoVsNietzsche: Nietzsche verwendet hier den Begriff der Lust (wie öfters) zugleich in einem engeren und einem weiteren Sinn. Es ist absurd, wenn auf die Absicht, Unlust zu vermeiden, mit der allgemeinen Aussagen entgegnet wird, das Leben sei Kampf und Unlust, sodass die fragliche Absicht dem Leben entgegenstehe.(3) Danto: Nicht zuletzt trug Nietzsches Unfähigkeit, diesen Trugschluss zu durchschauen, dazu bei, dass er hinsichtlich sozialer Reformen so wenig Weitblick bewies. >Leben/Nietzsche. 1.Vgl. F. Nietzsche, Nachlass, Berlin 1999, S. 750. 2. Ebenda S. 713. 3. (Vgl. F. Nietzsche, Jenseits von Gut und Böse, KGW VI. 2, S. 217.). |
Nie I Friedrich Nietzsche Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009 Nie V F. Nietzsche Beyond Good and Evil 2014 Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Gödel | Deutsch | I 221 Intuition/Penrose: Penrose behauptet, dass schon die Existenz einer Art offener mathematischer Intuition, sich nicht mit der bestehenden Struktur der Physik und insbesondere nicht mit dem Turingprinzip verträgt. Wenn das Turingprinzip wahr ist, können wir das Gehirn (wie jedes andre Objekt) als einen Computer auffassen, der ein bestimmtes Programm ausführt. Ein solches Programm verkörpert eine Menge von Hilbertschen Beweisregeln, die nach Gödels Satz nicht vollständig sein kann. Deshalb kann der Mathematiker, dessen Geist ein Computer ist, diese Aussage ebenfalls niemals als bewiesen anerkennen. Penrose schlägt dann vor, die Aussage diesem Mathematiker vorzulegen. Der Mathematiker versteht den Beweis. Er ist ja schließlich selbstverständlich gültig, und deshalb kann der Mathematiker vermutlich sehen, dass er gültig ist. Aber das würde Gödel Satz widersprechen. Hier muss also irgendwo ein Fehler stecken. Und das ist nach Penrose" Meinung das Turingprinzip. I 222 DeutschVsPenrose: Bsp Deutsch kann die Wahrheit diese Aussage nicht widerspruchsfrei beweisen. I 222 Das kann ich nicht, obwohl ich sehe dass sie wahr ist, oder nicht? Und ich verstehe den Satz auch. So ist es zumindest möglich, dass eine Aussage für einen Menschen unbegreiflich ist, für jeden anderen jedoch selbstverständlich wahr sein kann! Vgl. >Turingmaschine, >Beweise, >Verstehen. |
Deutsch I D. Deutsch Die Physik der Welterkenntnis München 2000 |
| Gödel | Vollmer | I 224 Gödel/Vollmer: Gödel hat angeblich gezeigt, dass kein System alle Wahrheiten über sich selbst beweisen kann. - Dass kein System sich selbst erkennen kann. - Dass kein System sich selbst erklären kann. - Dass kein System sich selbst verstehen kann. - Dass kein System sich selbst übersteigen kann. Vollmer: Es ist aber nicht wahr, dass diese Aussagen aus seinen Sätzen folgen. >K. Gödel, >Systeme, >Stufen/Ebenen. |
Vollmer I G. Vollmer Was können wir wissen? Bd. I Die Natur der Erkenntnis. Beiträge zur Evolutionären Erkenntnistheorie Stuttgart 1988 Vollmer II G. Vollmer Was können wir wissen? Bd II Die Erkenntnis der Natur. Beiträge zur modernen Naturphilosophie Stuttgart 1988 |
| Goethe | Spengler | Brocker I 115 Goethe/Spengler: Goethes Lehre vom »Urphänomen« alles Lebendigen hatte Spengler den Weg für die Erkenntnis bereitet, dass nicht nur Pflanzen, sondern auch, und zwar in großem Maßstab, historische Kulturen nach gleicher organischer Gesetzmäßigkeit entstehen, wachsen, sich entfalten und aufblühen, aber auch verwelken, am Ende langsam absterben und erstarren. >Geschichte/Spengler, >Geschichte, >Geschichtsschreibung, >Weltgeschichte, >Geschichtsphilosophie. Hans-Christof Klaus, Oswald Spengler, Der Untergang des Abendlandes (1918/1922) in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Spengler I Oswald Spengler Politische Schriften München 1932 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Gold | Rothbard | Rothbard III 272 Gold/Goldpreis/Geldnutzen/Wirtschaft/Rothbard: Der Nutzen des Geldes besteht aus zwei Hauptelementen: dem Nutzen des Geldes als Tauschmittel und dem Nutzen der Geldware in ihrer direkten Warenverwendung (wie die Verwendung von Gold für Ornamente). In der modernen Wirtschaft, nachdem sich die Geldware als Tauschmittel voll entwickelt hat, überwiegt ihre Verwendung als Medium bei weitem ihre direkte Verwendung im Konsum. Die Nachfrage nach Gold als Geld übersteigt bei weitem seine Nachfrage als Schmuck. Die Nachfrage nach Gold als Geld übersteigt bei weitem die Nachfrage nach Gold als Schmuck, wobei die letztgenannte Verwendung und Nachfrage weiterhin bestehen und einen gewissen Einfluss auf die Gesamtnachfrage nach der Geldware ausüben. Vgl. >Regressionstheorem/Rothbard, >Geld/Rothbard. Die Bestimmung der Geldpreise (Goldpreise) ist damit vollständig erklärt, ohne Zirkularität und ohne unendliche Regression. Die Goldnachfrage geht in jeden Goldpreis ein, und die heutige Goldnachfrage, sofern sie als Tauschmittel verwendet wird, hat eine zeitliche Komponente, da sie auf dem gestrigen Goldpreisgefüge beruht. Rothbard III 273 Diese Zeitkomponente regressiert bis zum letzten Tag des Tauschhandels, dem Tag, bevor Gold als Tauschmittel verwendet wurde. An diesem Tag hatte Gold keinen Nutzen für diese Verwendung; die Nachfrage nach Gold diente ausschließlich der direkten Verwendung, und folglich hatte die Bestimmung der Goldpreise für diesen Tag und für alle vorherigen Tage keinerlei zeitliche Komponente.(1)(2) Rothbard III 275 (...) Wenn Gold, nachdem es sich als Geld etabliert hat, plötzlich seinen Wert in Form von Ornamenten oder industriellen Verwendungen verlieren würde, würde es nicht notwendigerweise seinen Charakter als Geld verlieren. Sobald ein Tauschmittel als Geld etabliert ist, werden weiterhin Geldpreise festgelegt. Wenn Gold am Tag X seine direkten Verwendungszwecke verliert, gibt es immer noch vorher bestehende Geldpreise, die am Tag X - 1 festgelegt wurden, und diese Preise bilden die Grundlage für den Grenznutzen von Gold am Tag X. Ebenso bilden die so festgelegten Geldpreise am Tag X die Grundlage für den Grenznutzen von Geld am Tag X + 1. Ab X könnte Gold nur noch wegen seines Tauschwerts nachgefragt werden und gar nicht mehr wegen seines direkten Nutzens. Während es also absolut notwendig ist, dass ein Geld als Ware mit direktem Nutzen entsteht, ist es nicht absolut notwendig, dass der direkte Nutzen auch nach der Entstehung des Geldes bestehen bleibt. Rothbard III 766 Gold/Rothbard: Eines der wichtigsten ökonomischen Gesetze lautet(…) : Jedes Geldangebot wird immer bis zu seinem Maximum ausgenutzt, und daher kann kein gesellschaftlicher Nutzen durch eine Erhöhung des Geldangebots erzielt werden. >Geldmenge/David Hume. Gold/Rothbard: Einige Autoren haben aus diesem Gesetz gefolgert, dass alle Faktoren, die für die Goldförderung eingesetzt werden, unproduktiv sind, weil eine erhöhte Geldmenge keinen gesellschaftlichen Nutzen bringt. Sie leiten daraus ab, dass die Regierung den Umfang der Goldförderung einschränken sollte. RothbardVs: Diese Kritiker verkennen jedoch, dass Gold, die Geldware, nicht nur als Geld, sondern auch für nicht-monetäre Zwecke verwendet wird, entweder im Konsum oder in der Produktion. Daher bringt eine Erhöhung des Goldangebots zwar keinen monetären Nutzen, wohl aber einen sozialen Nutzen, indem es das Angebot an Gold für den direkten Gebrauch erhöht. >Geldmenge/Rothbard, >Geldnachfrage/Rothbard, >Geld/Rothbard. 1. In dem Maße, wie wir uns in der Zeit zurückbewegen und uns den ursprünglichen Tagen des Tauschhandels nähern, wird die Tauschverwendung in der Goldnachfrage im Vergleich zur direkten Verwendung von Gold relativ schwächer, bis sie schließlich am letzten Tag des Tauschhandels ganz ausstirbt, wobei die Zeitkomponente mit ihr ausstirbt. 2. Es sei darauf hingewiesen, dass der entscheidende Haltepunkt der Regression nicht die Einstellung der Verwendung von Gold als „Geld“ ist, sondern die Einstellung seiner Verwendung als Tauschmittel. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Goldene Regel | Hobbes | Höffe I 220 Goldene Regel/Hobbes/Höffe: Hobbes' zweites «Gesetz der Natur», eine Variante der Goldenen Regel, erklärt: «Jedermann soll freiwillig, wenn andere ebenfalls dazu bereit sind, auf sein [im Naturzustand bestehendes] Recht auf alles verzichten, so weit er dies um des Friedens und der Selbstverteidigung willen für notwendig hält» (Leviathan, Kap. 14). Mit der Fortsetzung dieses Gesetzes greift Hobbes Kants Prinzip der wechselseitigen Freiheitseinschränkung vor: «und er soll sich mit so viel Freiheit gegenüber anderen zufrieden geben, wie er anderen gegen sich selbst einräumen würde» (ebd.). >Frieden/Hobbes, >Vernunft/Hobbes, vgl. >Kategorischer Imperativ. |
Hobbes I Thomas Hobbes Leviathan: With selected variants from the Latin edition of 1668 Cambridge 1994 |
| Goldstandard | Mises | Rothbard IV 16 Goldstandard/Zentralbanken/Mises/Rothbard: (...) [Für von Mises] im Gegensatz zu den Ansichten der meisten Ökonomen damals und heute, dass „Geld“ nicht einfach willkürliche Einheiten oder Papierstücke sind, wie von der Regierung definiert: „Dollar“, ‚Pfund‘, ‚Francs‘, usw. Geld muss als nützliche Ware entstanden sein: als Gold, Silber oder was auch immer. Die ursprüngliche Geldeinheit, die Einheit der Rechnung und des Austauschs, war nicht der „Franc“ oder die „Mark“, sondern das Goldgramm oder die Silberunze. Rothbard IV 17 Diese Analyse, in Verbindung mit Mises' Beweis(1) für die unvermeidlichen sozialen Übel der staatlichen Erhöhung des Angebots an willkürlich produzierten „Dollars“ und „Francs“, weist den Weg für eine vollständige Trennung der Regierung vom Geldsystem. Denn es bedeutet, dass das Wesen des Geldes ein Gold- oder Silbergewicht ist, und es bedeutet, dass es durchaus möglich ist, zu einer Welt zurückzukehren, in der solche Gewichte wieder die Rechnungseinheit und das Medium des Geldaustausches sein werden. Ein Goldstandard, der weit davon entfernt ist, ein barbarischer Fetisch oder ein weiteres willkürliches Instrument der Regierung zu sein, ist in der Lage, ein Geld bereitzustellen, das ausschließlich auf dem Markt produziert wird und nicht den inhärenten inflationären und umverteilenden Tendenzen einer Zwangsregierung unterliegt. Ein gesundes, nicht-staatliches Geld würde eine Welt bedeuten, in der die Preise und Kosten als Reaktion auf Produktivitätssteigerungen wieder sinken würden. >Geld/Mises, >Geldmenge/Mises, >Grenznutzen/Mises. Zentralbanken/Geldmenge/Bankwesen/von Mises/Rothbard: Mises wies auch die Rolle des Bankwesens bei der Geldversorgung nach und zeigte, dass ein freies Bankwesen, d. h. ein Bankwesen, das frei von staatlicher Kontrolle und staatlichem Diktat ist, nicht zu einer wilden, inflationären Geldausweitung führen würde, sondern zu Banken, die durch Zahlungsforderungen zu einer soliden, nichtinflationären Politik des „harten Geldes“ gezwungen würden. Tradition: Die meisten Wirtschaftswissenschaftler haben das Rothbard IV 18 Zentralbankwesen (Kontrolle des Bankwesens durch eine staatliche Bank, wie das Federal Reserve System) als notwendig für die Regierung verteidigt, um die inflationären Tendenzen der privaten Banken einzudämmen. MisesVsTradition: Aber Mises hat gezeigt, dass die Rolle der Zentralbanken genau das Gegenteil war: die Banken von den strengen Beschränkungen des freien Marktes zu befreien und sie zu einer inflationären Ausweitung ihrer Kredite und Einlagen zu stimulieren und anzutreiben. Das Zentralbankwesen, das wussten seine ursprünglichen Befürworter ganz genau, ist und war immer ein inflationäres Mittel, um die Banken von den Beschränkungen des Marktes zu befreien. Rothbard IV 55 Der Artikel von Mises über den Goldstandard erwies sich als höchst umstritten. Er rief dazu auf, in Österreich-Ungarn de jure zur Goldeinlösung zurückzukehren, als logische Schlussfolgerung aus der bestehenden De-facto-Politik der Einlösbarkeit. Mises stieß nicht nur auf die Befürworter von Inflation, niedrigeren Zinssätzen und niedrigeren Wechselkursen, sondern auch auf den erbitterten Widerstand der österreichisch-ungarischen Zentralbank. >Geldmenge/Mises, >Quantitätstheorie/Mises. Rothbard IV 60 Zentralbanken/Inflation/Mises/Rothbard: Neben seiner Leistung, die Geldtheorie in die allgemeine Volkswirtschaftslehre zu integrieren und sie auf die Mikrofundamente des individuellen Handelns zu stellen, veränderte Mises in Geld und Kredit die bestehende Analyse des Bankwesens. Unter Rückgriff auf die Tradition der Ricardian-Currency School zeigte er, dass diese mit ihrem Wunsch nach Abschaffung des inflationären fraktionierten Reservekredits richtig lag. Mises unterschied zwei verschiedene Arten von Funktionen, die von Banken wahrgenommen werden: die Weiterleitung von Ersparnissen in produktive Kredite („Warenkredite“) und die Funktion eines Geldlagers, das Bargeld zur Aufbewahrung bereithält. Beides sind legitime und nicht-inflationäre Funktionen; das Problem entsteht, wenn die Geldhäuser gefälschte Lagerscheine ausgeben und verleihen. Das Problem entsteht, wenn die Geldhäuser gefälschte Lagerscheine (Banknoten oder Sichteinlagen) für Bargeld ausstellen und verleihen, das in den Tresoren der Bank nicht vorhanden ist („Treuhandkredit“). Diese von den Banken ausgegebenen „ungedeckten“ Nachfrageverbindlichkeiten erweitern die Geldmenge und führen zu den Problemen der Inflation. Mises sprach sich daher für den Ansatz der Currency School aus, wonach 100 Prozent der Nachfrageverbindlichkeiten mit Speziesreserven unterlegt werden sollten. Er wies darauf hin, dass Peels Gesetz von 1844, das in England nach den Prinzipien der Currency School eingeführt wurde, scheiterte und seine Autoren in Misskredit brachte, weil sie 100 Prozent Reserven nur auf Banknoten anwandten und nicht erkannten, dass Sichteinlagen auch ein Surrogat für Bargeld waren und daher als Teil der Geldmenge fungierten. Mises schrieb sein Buch zu einer Zeit, als ein Großteil der Wirtschaftswissenschaftler noch nicht sicher war, dass Sichteinlagen Teil der Geldmenge sind. 1. Ludwig von Mises. 1912. The Theory of Money and Credit (Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, Translated by H.E. Batson in 1934; reprinted with “Monetary Reconstruction» (New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953). Reprinted by the Foundation for Economic Education, 1971; reprinted with an Introduction by Murray N. Rothbard, Liberty Press Liberty Classics, 1989. |
EconMises I Ludwig von Mises Die Gemeinwirtschaft Jena 1922 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Gorgias | Taureck | I 15 Gorgias/Sophist/Taureck: (~ 485 Leontinoi, Sizilien - 376,Thessalien): kein Konflikt mit der Staatsmacht. Von dem Arzt und Philosophen Empedokles (~495 - 435) beeinflusst. Gorgias wurde 427 von seiner Vaterstadt mit einer Gesandtschaft nach Athen beauftragt. Er gewann die Volksversammlung für eine Unterstützung gegen Syrakus. Gorgias hatte großen Einfluss auf die Politiker Perikles, Alkibiades und Kritias, aber auch auf Thukydides. Zu seinen Schülern gehörte Isokrates, dessen Versuch einer auf allgemeinen Konsens gegründeten Ethik zeitweise bekannter war als die Philosophie Platons. >Veränderung/Gorgias, >Existenz/Gorgias, >Logos/Gorgias, >Wahrnehmung/Gorgias, >Verstehen/Gorgias. >Isokrates, >Sophisten. Ergänzende Literatur zu Gorgias: Scott Consigny (2001). Gorgias, Sophist and Artist. Columbia SC: University of South Carolina Press. Ergänzende Literatur zu den Sophisten: W. K C. Guthrie, The Sophists, Cambridge: Cambridge University Press 1971. A. Laks and G. W. Most, Early Greek Philosophy 2016. Richard Winton. "Herodotus, Thucydides, and the sophists" in: C.Rowe & M.Schofield, The Cambridge Companion to Greek and Roman Political Thought, Cambridge 2005. Hermann Diels & Rosamond Kent Sprague (eds.) The Older Sophists a Complete Translation by Several Hands of the Fragments in Die Fragmente der Vorsokratiker. With a New Ed. Of Antiphon and of Euthydemus. University of South Carolina Press 1972. John Dillon and Tania Gergel. The Greek Sophists. UK: Penguin Group 2003. |
Taureck I B. H.F. Taureck Die Sophisten Hamburg 1995 |
| Gott | Heidegger | Figal I 16 HeideggerVsHegel: Das Absolute, Gott, ist nur dem Individuum zugänglich. Figal I 141ff Gott/Heidegger: »Vorbehalt« der Zukunft Götter/Heidegger: »Verweigerung des Gewesenen«. >Absolutheit, >Verstehen, >Welt, >Welt/Denken, >Religiöser Glaube, >Religion, >Existenz/Heidegger. |
Hei III Martin Heidegger Sein und Zeit Tübingen 1993 Figal I Günter Figal Martin Heidegger zur Einführung Hamburg 2016 |
| Gott | Platon | Höffe I 40 Gott/Nomoi/Platon/Höffe: Während sich die Politeia hinsichtlich der religiösen Implikationen des Zweckes, der Idee des Guten, zurückhält, erklären die Nomoi Gott ausdrücklich zum Maß aller Dinge. Die Widerlegung von drei Irrtümern über die Götter, eine der Dichterkritik der Politeia entsprechende Aufgabe, gehört zu den Hauptgeschäften der Gesetzgebung (Nomoi, Buch X). Kult: Im Übrigen erklärt auch die Politeia die Regelung des Kultes zur schönsten, freilich dem Delphischen Apoll überlassenen Gesetzgebung. Und die Verehrung der klassischen griechischen Götter verstehe sich für den Gerechten von selbst.(1) >Religiöser Glaube/Antike Philosophie, >Religiöser Glaube /Sophisten. 1.Politeia IV, 443a. |
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| Gottesbeweise | Descartes | Danto I 189 Ontologischer Gottesbeweis/Descartes/Danto: Wenn Gott nicht existierte, könnte er nur von etwas außerhalb von der Existenz abgehalten werden. - Das widerspricht der These, dass Gott durch nichts begrenzt ist. I 191 Im Fall Gottes zieht das Verstehen der Idee schon Wissen über seine Existenz nach sich. Wir können nicht wissen was Gott ist und seine Existenz in Zweifel ziehen. >Wissen, >Existenz, >Verstehen, >Ideen, >Zweifel, >Gott, >Definitionen, >Definierbarkeit. Danto I 193 Rationalismus/ontologischer Gottesbeweis/Descartes/Danto: Rationalismus > Verstehen = Wissen von Existenz. Rationalismus/Danto: 1. Von Begriffen ausgehen 2. Davon ausgehend die Natur und Existenz der Welt auszudenken. KantVsRationalismus: Existenz ist keine Eigenschaft. >Eigenschaften, >Existenzprädikat, >Prädikation. |
Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Gottesbeweise | Hume | Fraassen I 212 Gottesbeweis/HumeVsThomas v. Aquin: Wir nehmen ein Universum statt Gott an. Wenn Gottes Wille entscheidend wäre, wie sollten wir dann diesen Willen verstehen? ((s) Gottes Wille müsste immer mit dem Tatsächlichen identisch sein, er wäre dann von nichts anderem zu unterscheiden.) --- Hoerster II 253 Kosmologischer Gottesbeweis: Für jedes Ding muss es eine Ursache und damit eine Erklärung seiner Existenz geben. Dies ist etwas notwendig Existierendes. >Ursache, >Bedingung, >Abhängigkeit, >Kausale Abhängigkeit, >Ontologische Abhängigkeit. HumeVs: Die Existenz Gottes wäre eine Tatsache. Tatsachen sind nie notwendig. >Tatsachen, >Notwendigkeit, >Kontingenz. Hume: Das notwendig Existierende könnte statt Gott auch das Universum sein. >Totalität, >Ganzes, >Universum. II 256 Teleologischer Gottesbeweis/Hume: Der teleologische Gottesbeweis ist der einzige den Hume ernst nimmt, weil er ohne apriorische Annahmen auskommt. >Teleologie. Hier: Variante: Die erstaunliche Abstimmung kann kein Zufall sein. Ein intelligenter Schöpfer ist notwendig. >"Uhrmacher", >Kosmischer Zufall. HumeVs: 1. Es fehlt die Wiederholung, die zur Verknüpfung notwendig ist. 2. Die Analogie zum Menschen ist fraglich. >Absolutheit, >Verknüpfung, >Distribution. II 257 3. Wenn doch, dann würde sie a) die Einheit Gottes und b) die Unkörperlichkeit und Unendlichkeit fraglich machen. >Einheit, >Unendlichkeit. II 259 4. Ordnung ist kein Beweis bewusster Planung, Bsp Tiere haben nicht weniger Ordnung als eine Uhr, werden aber nicht von einem Uhrmacher, sondern von Eltern gezeugt. >Ordnung, >Planung, >Evolution. II 260 Prinzip: Die Erzeugung von Pflanzen und Tieren ist immer pflanzlich oder tierisch. Bei menschlichen Erfindungen gibt es eine Kenntnis der Ursachen - nicht aber bei göttlichen. >Wissen, >Kausalität. 5. (Die Evolutionstheorie vorwegnehmend): Materie ist in ständiger Bewegung und erreicht irgendwann gewisse Stabilität. >Entropie, >Zweiter Hauptsatz der Wärmelehre. |
D. Hume I Gilles Delueze David Hume, Frankfurt 1997 (Frankreich 1953, 1988) II Norbert Hoerster, "Hume: Existenz und Eigenschaften Gottes" aus J. Speck(Hg) Grundprobleme der großen Philosophen der Neuzeit I Göttingen, 1997 Fr I B. van Fraassen The Scientific Image Oxford 1980 Hum II N. Hoerster Hume In Grundprobleme der großen Philosophen - Neuzeit I, J. Speck (Hg) Göttingen 1997 |
| Grammatik | Lyons | I 136 Grammatik/Antike/Lyons: griechisch: „Kunst des Schreibens. Später: gesamte Sprachwissenschaft. Heute: enger: fasst das zusammen, was in der Tradition unter „Flexion“ und „Syntax“ stand. Flexion/Lyons: behandelt die innere Wortstruktur Syntax/Lyons: behandelt die Weise, wie sich Wörter zu Sätzen verbinden. Grammatik/Lyons: enthält also Regeln für die Verbindung von Wörtern zu Sätzen. Grammatik/Moderne/Lyons: Grammatik wird heute häufig im Gegensatz zur traditionellen „inhaltsbezogenen“ Grammatik als „formal“ bezeichnet. ((s) Lager: Lyons pro formale Grammatik, teilweise VsChomsky). >Syntax. I 137 Zwischenposition: Einige Grammatiker gehen davon aus, dass es außersprachliche Kategorien gibt, die von den zufälligen Sachverhalten bestehender Sprachen unabhängig sind. Jespersen: These: Es gibt universale grammatische Kategorien (Tradition). Bsp „Redeteile“ (Teile der Rede), „Tempus“, „Modus“ usw. (Es ist die Frage, ob es diese überhaupt gibt). Formale Grammatik/Lyons: Formale Grammatik schließt nicht aus, dass es diese universellen grammatischen Kategorien gar nicht gibt. Die Struktur jeder Sprache soll individuell beschrieben werden. >Sprache, >Sprachen, >Alltagssprache. I 172 Grammatik/Tradition/Lyons: Grundeinheiten: Wort und Satz. Heute: Konstituentengrammatik: unterteilt feiner. >Wörter, >Sätze, >Morpheme, >Phoneme. I 182 Formale Grammatik/Lyons: pro: man darf nicht von vornherein annehmen, dass alle Sprachen festliegende Formen für Frage, Befehl, Ausruf oder Behauptung hat. Vgl. >Sprechakte, >Frage, >Befehl, >Antwort. „Universalgrammatik“/Tradition/Lyons: ging in Wirklichkeit von den Besonderheiten des Lateinischen und Griechischen aus. >Universalgrammatik, vgl. >Transformationsgrammatik, >Kategorialgrammatik. |
Ly II John Lyons Semantics Cambridge, MA 1977 Lyons I John Lyons Einführung in die moderne Linguistik München 1995 |
| Gravitation | Kanitscheider | I 142 Gravitation/Newton: Fernwirkungsgesetz/Fernwirkung: K = γ m1 m2/r². Das lässt sich in Form einer Gleichung für das Potential φ schreiben: Δφ = 4πγρ. Potential φ: Feldstärke der Gravitation. Differenzen des Potentials leisten Arbeit! Das Potential an einem Punkt bestimmt sich zu einem Integral für 0 – unendlich. Das entartet bei r > unendl. zu einem unbestimmten Ausdruck. Da wir aber klare Differenzen des Potentials (Feldstärke der Gravitation) beobachten, muss das Universum eine andere Struktur aufweisen. Das führt zum "Gravitationsparadox" der klassischen Kosmologie. Lösung: Annahme der kosmologischen Konstante λ. Dann wird die Poisson-Gleichung in Δφ = 4πγρ+λφ abgeändert. Problem: lokale Untestbarkeit: denn die dadurch bedingte Rückstoßkraft wäre nur in sehr fernen Bereichen messbar. Gravitation/Raum/Gleichgewicht/Kosmologie/Kanitscheider: nur in einem Universum ohne Zentrum und Rand können sich die Gravitationswirkungen aller Körper kompensieren! Bei einer Inselverteilung müsste bald eine Agglomeration von Materie eintreten, wobei die potentielle Gravitationsenergie in Strahlung umgewandelt wird. Um das zu vermeiden, müsste man den Körpern bzw. dem Galaxiengas stärkere Eigengeschwindigkeit zugestehen. Problem: durch die so starke Bewegung würden sich die Inseln bald auflösen. Es würde zur Verdampfung und Verödung des Universums führen. I 143 Gravitationsparadox/Olbers-Paradox/Charlier: raffinierte Lösung: hierarchische Anordnung aus stufenweise konzentrischen Aggregaten von Himmelskörpern, wobei die Systeme niedriger Ordnung stets die Elemente der höheren ausmachen. Das macht ein instabiles Kräftegleichgewicht überflüssig. Die Dichte ρ wird immer geringer. 1. Vs: infolge der Inhomogenität ist kein stichprobenartig herausgegriffenes Volumen groß genug, um typisch zu sein. Das kosmologische Prinzip, wonach ein endlicher Teil des unendlichen Universums in Bezug auf die großräumigen Strukturen repräsentabel ist, ist nicht anwendbar. 2. Vs: die hierarchische Konzeption verlangt eine asymptotisch flache Raumstruktur, die die Idee der Abhängigkeit der Raumzeit Metrik vom Materieinhalt verletzt. Unbefriedigend für relativistische Vorstellungen. 3. Vs: in Konflikt mit der beobachteten Hintergrundstrahlung. >Olbers-Paradox. I 174 Gravitation/Kanitscheider: Die lokale Simulierbarkeit der Gravitation durch Beschleunigung ist ein signifikanter Unterschied zum Elektromagnetismus. Massen sind neutral, Ladungen werden von einem äußeren entsprechend ihrer Ladung (positiv/negativ) beschleunigt. Gravitation/Einstein/Kanitscheider: Einsteins Theorie erfüllt nicht das Superpositionsprinzip, wonach die Gravitationswirkung zweier Körper sich additiv zusammensetzen lässt. Das metrische Feld mit seiner Krümmung besitzt nämlich ebenfalls Massenenergie! Diese sorgt für eine Selbstwechselwirkung der Gravitation! Das bedeutet, dass das Graviton "geladen" ist, während der Träger der elektromagnetischen Wechselwirkung, das Photon, elektrisch neutral ist. Raumkrümmung/Welle/Kanitscheider: auch eine Gravitationswelle hat, wenn sie sich von ihrer Quelle getrennt hat, Energie und Impuls, wirkt dementsprechend als Quelle und liefert einen Beitrag zur Raumkrümmung. I 182 Gravitation/Kosmologie/Kanitscheider: Gravitation ist im Gegensatz zum Elektromagnetismus nicht abschirmbar. Daher ist sie die einzige Wechselwirkung, die zur Erklärung des Universums herangezogen wird. >Raumkrümmung/Kanitscheider. |
Kanitsch I B. Kanitscheider Kosmologie Stuttgart 1991 Kanitsch II B. Kanitscheider Im Innern der Natur Darmstadt 1996 |
| Grenzen | Esfeld | I 147 Begriffsschema/Drittes Dogma/Schema/Inhalt/Davidson: Statt des Begriffschemas stellen wir eine unmittelbare Beziehung zur Welt her, dann gibt es keine Grenze für Verständigung. Keine fremden Begriffsschemata hindern uns, Zugang zu Überzeugungen anderer zu haben. >Two Dogmas, >Begriffsschemata, >Verstehen, >Fremdpsychisches. |
Es I M. Esfeld Holismus Frankfurt/M 2002 |
| Grenzen | Thiel | Thiel I 188/189 Grenze/Tradition/Thiel: Alt: Bei Aristoteles hat die Grenze stets eine um 1 kleinere Dimension als der Gegenstand selbst. Ein Punkt kann dann keine Grenze mehr haben! Daraus folgt, dass die Punkte einander nicht berühren, und infolgedessen kein Kontinuum bilden können! Für Aristoteles kann eine Gerade daher nicht aus Punkten bestehen. Sie ist keine Punktmenge im Sinn der voraristotelischen oder nachcantorschen Mathematik. Eine Gerade oder Strecke ist insofern ein Kontinuum, als sie beliebig oft teilbar ist, wobei aber die Teile und damit auch ihre Grenzen, die Punkte immer nur potentiell, "in" einem solchen Kontinuum vorhanden sind. Nur die beiden Endpunkte einer Strecke gehören ihr als "aktuelle" wirkliche Punkte an, alle übrigen nur "potentiell". I 190 Neu: Topologie: Ein Punkt p einer Menge M heißt ein Def Häufungspunkt von M, wenn in jeder Umgebung von p ein weiterer Punkt der Menge M liegt, und man bezeichnet die Menge M als Def abgeschlossen, wenn alle ihre Häufungspunkte in M selbst enthalten sind. Eine Menge M heißt Def zusammenhängend, wenn sie sich auf keine Weise in zwei Teile A und B so zerlegen lässt, dass diese zusammen M ergeben, aber keinen Punkt gemeinsam haben, und dabei keine einen Häufungspunkt der jeweils anderen enthält. Def Kontinuum: eine Menge die zugleich abgeschlossen und zusammenhängend ist, wird Kontinuum genannt. Def dicht: zu je zwei Punkten gibt es einen weiteren Punkt, der dazwischen liegt. I 191 Häufungspunkt: Wir kehren zum Intervall 0,1,zurück.... rechts von d kann kein Punkt von L mehr liegen. Dann können wir, da nach Definition des Häufungspunktes in jeder Umgebung von d ein Punkt von R liegt, eine so kleine Umgebung U wählen, dass ((s) ein bestimmter, gewählter Punkt) e nicht mehr in U liegt. Dennoch muss es in U einen Punkt p aus R geben und damit p < e gelten. Dies widerspricht aber der vorausgesetzten Eigenschaft der Zerlegung, dass jeder Punkt von L links von jedem Punkt von R liege und als ob e < p gelten muss. Das zeigt, dass dieser in L gelegene Häufungspunkt von R eindeutig bestimmt ist, weil von zwei verschiedenen Punkten mit dieser Eigenschaft einer rechts vom anderen liegen müsste, und da beide in L liegen sollen, der gleiche Widerspruch wie eben zwischen d und e entstünde. Der Punkt d ist also der "größte" d.h. der äußerste rechte Punkt von L. >Reelle Zahlen. |
T I Chr. Thiel Philosophie und Mathematik Darmstadt 1995 |
| Grenznutzen | Mises | Rothbard IV 13 Geld/Grenznutzen/Mises/Rothbard: Ludwig von Mises machte sich daran, [die] Trennung [zwischen Geld, „Preisniveau“, „Sozialprodukt“ und Ausgaben] zu reparieren und die Ökonomie des Geldes und seiner Kaufkraft (fälschlicherweise „Preisniveau“ genannt) auf die österreichische Analyse des Individuums und der Marktwirtschaft zu gründen: um zu einer großen integrierten Ökonomie zu gelangen, die alle Teile des Wirtschaftssystems erklären würde.(1) >Österreichische Schule. Rothbard IV 14 Individuen/MisesVsFisher, Irving: Endlich war die Ökonomie ein Ganzes, ein integriertes Analyseinstrument, das auf individuellem Handeln beruhte; es musste keine Trennung zwischen Geld und relativen Preisen, zwischen Mikro- und Makroebene geben. Die mechanistische Fishersche Auffassung von automatischen Beziehungen zwischen Geldmenge und Preisniveau, von „Umlaufgeschwindigkeiten“ und „Tauschgleichungen“ wurde von Mises ausdrücklich zugunsten einer integrierten Anwendung der Grenznutzentheorie auf das Geldangebot und die Geldnachfrage selbst aufgegeben. >Irving Fisher. Konkret zeigte Mises, dass der „Preis“ oder die Kaufkraft der Geldeinheit auf dem Markt auf die gleiche Weise bestimmt wird, wie der Preis jedes anderen Gutes durch die verfügbare Menge und die Intensität der Nachfrage der Verbraucher nach diesem Gut (auf der Grundlage seines Grenznutzens für die Verbraucher) bestimmt wird. Im Falle des Geldes ist seine Nachfrage eine Nachfrage nach der Haltung von Bargeld (in der Brieftasche oder auf der Bank, um es früher oder später für nützliche Güter und Dienstleistungen auszugeben). Der Grenznutzen der Geldeinheit (des Dollars, des Frankens oder der Goldunze) bestimmt die Intensität der Nachfrage nach Bargeldguthaben; und die Wechselwirkung zwischen der verfügbaren Geldmenge und der Nachfrage danach bestimmt den „Preis“ des Dollars (d. h. wie viel von anderen Gütern der Dollar im Austausch kaufen kann). Quantitätstheorie: Mises stimmte mit der klassischen „Quantitätstheorie“ überein, dass eine Zunahme des Angebots an Dollars oder Goldunzen zu einem Rückgang ihres Wertes oder „Preises“ führt (d. h. zu einem Anstieg der Preise anderer Waren und Dienstleistungen); aber er verfeinerte diesen groben Ansatz enorm und integrierte ihn in die allgemeine Wirtschaftsanalyse. >Quantitätstheorie. Rothbard IV 15 Grenznutzen/Mises: (...) [von Mises] hat gezeigt, dass diese Bewegung kaum proportional ist; eine Erhöhung des Geldangebots wird tendenziell seinen Wert senken, aber wie sehr, oder ob überhaupt, hängt davon ab, was mit dem Grenznutzen des Geldes geschieht und damit mit der Nachfrage der Öffentlichkeit, ihr Geld in Bargeldguthaben zu halten. Darüber hinaus zeigte Mises, dass die „Geldmenge“ nicht pauschal zunimmt: Die Erhöhung wird an einem Punkt des Wirtschaftssystems injiziert, und die Preise steigen erst, wenn sich das neue Geld in Wellen über die gesamte Wirtschaft ausbreitet. Wenn die Regierung neues Geld druckt und es z.B. für Büroklammern ausgibt, kommt es nicht zu einem einfachen Anstieg des „Preisniveaus“, wie nicht-österreichische Ökonomen sagen würden, sondern zuerst steigen die Einkommen und die Preise für Büroklammern, dann die Preise für die Zulieferer der Büroklammerindustrie und so weiter. Eine Erhöhung des Geldangebots verändert also zumindest vorübergehend die relativen Preise und kann auch zu einer dauerhaften Veränderung der relativen Einkommen führen. >Geldmenge/Mises. Rothbard IV 16 Grenznutzen/Geld/Mises/Rothbard: Bei der Anwendung des Grenznutzens auf Geld musste Mises ein Problem überwinden, das die meisten Ökonomen für unüberwindbar hielten: den so genannten „österreichischen Kreis“. Die Ökonomen sahen ein, dass die Preise von Eiern, Pferden oder Brot durch die jeweiligen Grenznutzen dieser Güter bestimmt werden konnten; aber im Gegensatz zu diesen Gütern, die nachgefragt werden, um konsumiert zu werden, wird Geld nachgefragt und in Geldguthaben gehalten, um für Güter ausgegeben zu werden. Niemand kann also Geld nachfragen (und einen Grenznutzen dafür haben), wenn es nicht bereits vorhanden ist und auf dem Markt einen Preis und eine Kaufkraft hat. Wie aber lässt sich der Preis des Geldes vollständig durch seinen Grenznutzen erklären, wenn das Geld einen bereits existierenden Preis (Wert) haben muss, um überhaupt nachgefragt zu werden? Regressionstheorem: In seinem „Regressionstheorem“ überwand Mises den „österreichischen Zirkel“ in einer seiner wichtigsten theoretischen Leistungen; denn er zeigte, dass man diese Zeitkomponente in der Geldnachfrage logisch bis zu dem alten Tag zurückschieben kann, an dem die Geldware kein Geld, sondern eine nützliche Tauschware an sich war; kurz, bis zu dem Tag, an dem die Geldware (z.B. Gold oder Silber) ausschließlich wegen ihrer Eigenschaften als konsumierbare und direkt verwendbare Ware nachgefragt wurde. >Regressionstheorem. Damit vervollständigte Mises nicht nur die logische Erklärung des Preises oder der Kaufkraft des Geldes, sondern seine Erkenntnisse hatten noch weitere wichtige Auswirkungen. Denn sie bedeutete, dass Geld nur auf eine Weise entstehen konnte: auf dem freien Markt und aus der direkten Nachfrage auf diesem Markt nach einer nützlichen Ware. Und das bedeutete, dass Geld nicht dadurch entstehen konnte, dass die Regierung etwas als Geld proklamierte oder durch eine Art einmaligen Gesellschaftsvertrag; es konnte sich nur aus einer allgemein nützlichen und wertvollen Ware entwickeln. Menger hatte schon früher gezeigt, dass Geld auf diese Weise entstehen kann; aber es war Mises, der die absolute Notwendigkeit dieses Marktursprungs des Geldes feststellte. Wert des Geldes/Rothbard: Dies hatte aber noch weitere Auswirkungen. Denn es bedeutete, im Gegensatz zu den Ansichten der meisten Ökonomen damals und heute, dass „Geld“ nicht einfach willkürliche Einheiten oder Papierstücke sind, wie sie von der Regierung definiert werden: „Dollar“, ‚Pfund‘, ‚Franken‘ usw. Geld muss als nützliche Ware entstanden sein: als Gold, Silber oder was auch immer. Die ursprüngliche Geldeinheit, die Einheit der Rechnung und des Austauschs, war nicht der „Franc“ oder die „Mark“, sondern das Goldgramm oder die Silberunze. Rothbard IV 17 Goldstandard/Zentralbanken/Mises/Rothbard: Diese Analyse, kombiniert mit Mises' Demonstration der unausweichlichen sozialen Übel der Erhöhung des Angebots an willkürlich produzierten „Dollars“ und „Francs“ durch die Regierung, weist den Weg für eine vollständige Trennung der Regierung vom Geldsystem. Denn es bedeutet, dass das Wesen des Geldes ein Gold- oder Silbergewicht ist, und es bedeutet, dass es durchaus möglich ist, zu einer Welt zurückzukehren, in der solche Gewichte wieder die Rechnungseinheit und das Medium des Geldaustausches sein werden. Ein Goldstandard, der weit davon entfernt ist, ein barbarischer Fetisch oder ein weiteres willkürliches Instrument der Regierung zu sein, ist in der Lage, ein Geld zu schaffen, das ausschließlich auf dem Markt produziert wird und nicht den inhärenten inflationären und umverteilenden Tendenzen einer Zwangsregierung unterliegt. Ein solides, nichtstaatliches Geld würde eine Welt bedeuten, in der die Preise und Kosten als Reaktion auf Produktivitätssteigerungen wieder sinken würden. >Goldstandard/Mises, >Grenznutzen/Österreichische Schule. Rothbard IV 19/20 Grenznutzen/Mises/Rothbard: Aufbauend auf den Erkenntnissen seines Kommilitonen am Böhm-Bawerk-Seminar, des Tschechen Franz Cuhel, widerlegte Mises auf erschütternde Weise die Vorstellung, dass der Grenznutzen in irgendeiner Weise messbar sei, und zeigte, dass der Grenznutzen eine strikt ordinale Rangfolge ist, in der das Individuum seine Werte nach Präferenzrängen auflistet („Ich ziehe A vor B und B vor C“), ohne irgendeine mythologische Einheit oder Größe des Nutzens anzunehmen. Rothbard IV 20 Wenn es keinen Sinn macht zu sagen, dass ein Individuum „seinen eigenen Nutzen messen“ kann, dann macht es noch weniger Sinn zu versuchen, den Nutzen zwischen Menschen in der Gesellschaft zu vergleichen. >Grenznutzen/Mises. Dennoch haben Statisten und Egalitaristen dieses Jahrhundert hindurch versucht, die Nutzentheorie auf diese Weise zu verwenden. Wenn man sagen kann, dass der Grenznutzen eines Dollars für jeden Menschen sinkt, wenn er mehr Geld anhäuft, kann man dann nicht auch sagen, dass die Regierung den „sozialen Nutzen“ erhöhen kann, indem sie einem reichen Mann, der ihn wenig wertschätzt, einen Dollar wegnimmt und ihn einem armen Mann gibt, der ihn hoch schätzt? Mises/Rothbard: Mises' Nachweis, dass der Nutzen nicht gemessen werden kann, macht den Grenznutzen für eine egalitäre Politik des Staates völlig überflüssig. Und dennoch, während Ökonomen im Allgemeinen Lippenbekenntnisse zu der Idee ablegen, dass Nutzen nicht zwischen Individuen verglichen werden kann, maßen sie sich an, weiterzumachen und zu versuchen, „soziale Vorteile“ und „soziale Kosten“ zu vergleichen und zu summieren. Rothbard IV 58 Wenn wir also den Nutzen eines Kartons mit einem Dutzend Eiern für den Verbraucher betrachten, ist es unzulässig, diesen Nutzen zu einer Art Rothbard IV 59 eines „Gesamtnutzens“ zu machen, der in irgendeiner mathematischen Beziehung zum „Grenznutzen eines Eies“ steht. Stattdessen haben wir es lediglich mit Grenznutzen von Einheiten unterschiedlicher Größe zu tun. Im einen Fall eine Dutzend-Eier-Packung, im anderen Fall ein einziges Ei. Das einzige, was wir über die beiden Grenznutzen sagen können, ist, dass der Grenznutzen eines Dutzend Eier mehr wert ist als der eines Eies. Punkt. Mises' Korrektur seiner Mentoren stand im Einklang mit der grundlegenden österreichischen Methodik, die sich stets auf die realen Handlungen von Individuen konzentriert und nicht in die Abhängigkeit von mechanistischen Aggregaten abgleitet.(2) >Individuen/Österreichische Schule. 1. Ludwig von Mises. 1912. The Theory of Money and Credit (Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, Translated by H.E. Batson in 1934; reprinted with “Monetary Reconstruction» (New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953). Reprinted by the Foundation for Economic Education, 1971; reprinted with an Introduction by Murray N. Rothbard, Liberty Press Liberty Classics, 1989. 2. Für eine Diskussion dieses Punktes, siehe Murray N. Rothbard, Toward a Reconstruction of Utility and Welfare Economics (New York: Center for Libertarian Studies, [1956] 19 77), pp. 9-15. Franz Cuhel's Beitrag in seinem Zur Lehre von den Bedürfnissen (Innsbruck, 1906), pp. 186ff. Böhm-Bawerk's Versuch, Cuhel zurückzuweisen, kann gefunden werden in Eugen von Böhm-Bawerk, Capital and Interest (South Holland, 111.: Libertarian Press, 1959), 111, pp. 124-36. |
EconMises I Ludwig von Mises Die Gemeinwirtschaft Jena 1922 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Grenznutzen des Geldes | Jevons | Rothbard III 304 Grenznutzen/Jevons/Rothbard: Jevons: „Nehmen wir an, s sei der gesamte Bestand einer Ware, und sie sei für zwei verschiedene Verwendungen geeignet. Man kann sich vorstellen, dass die Person nacheinander kleine Mengen der Ware verbraucht; es ist nun die unvermeidliche Tendenz der menschlichen Natur, den Weg zu wählen, der im Augenblick den größten Vorteil zu bieten scheint. Bleibt der Mensch mit der von ihm vorgenommenen Verteilung zufrieden, so folgt daraus, dass keine Änderung ihm mehr Vergnügen bereiten würde; was darauf hinausläuft zu sagen, dass ein Zuwachs an Ware bei einem Gebrauch genau so viel Nutzen bringen würde wie bei einem anderen. Δu1 und Δu2 seien die Nutzenzuwächse, die sich jeweils aus dem Konsum eines Warenzuwachses auf die beiden verschiedenen Arten ergeben könnten. Wenn die Verteilung abgeschlossen ist, müsste Δu1 = Δu2 sein... Dieselbe Überlegung gilt natürlich für zwei beliebige Verwendungen und somit für alle Verwendungen gleichzeitig, so dass wir eine Reihe von Gleichungen erhalten, die um eine Einheit kleiner sind als die Anzahl der Verwendungsmöglichkeiten der Ware. Das allgemeine Ergebnis ist, dass die Ware, wenn sie von einem vollkommen vernünftigen Wesen konsumiert wird, mit einer maximalen Nutzenproduktion konsumiert werden muss."(1) RothbardVsJevons: 1) Wenn nun ein Autor die Darstellung in Begriffen von stark teilbaren Gütern wie Butter und in Begriffen von kleinen Geldeinheiten wie Pfennigen formuliert, ist es leicht, unbedacht zu dem Schluss zu kommen, dass der Verbraucher für jedes Gut so handeln wird, dass der Grenznutzen der Geldsumme und der Grenznutzen des Gutes zum Marktpreis ausgeglichen werden. Es sollte jedoch klar sein, dass es niemals einen solchen „Ausgleich“ gibt. Selbst bei den am besten teilbaren Gütern gibt es immer noch einen Rangunterschied zwischen den beiden Nutzen, nicht aber eine Angleichung. Natürlich versucht der Verbraucher, sein Geld so auszugeben, dass sich die beiden Werte so weit wie möglich angleichen, aber sie können niemals gleich sein. Außerdem unterscheidet sich der Grenznutzen jedes einzelnen Gutes nach dem Kauf im Rang von dem jedes anderen. >Grenznutzen/Rothbard, >Grenznutzen des Geldes/Rothbard, >Kaufkraft/Rothbard. Nutzen/RothbardVsJevons: 2) Die Hauptfehler bestehen hier darin, den Nutzen als eine bestimmte Größe, als eine bestimmte Funktion eines Güterzuwachses zu begreifen und das Problem in unendlich kleinen Schritten zu behandeln. Beide Vorgehensweisen sind trügerisch. Nutzen sind keine Mengen, sondern Ränge, und die aufeinanderfolgenden Mengen eines Gutes, die verbraucht werden, sind immer diskrete Einheiten, nicht unendlich kleine. Wenn die Einheiten diskret sind, dann unterscheidet sich der Rang jeder Einheit von dem jeder anderen, und es kann keine Angleichung geben. 1. W. Stanley Jevons, The Theory of Political Economy (3rd ed.; London: Macmillan & Co., 1888), pp. 59–60. |
Jevons I William Stanley Jevons The Theory of Political Economy London 1871, 2015 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Grenznutzenschule | Österreichische Schule | Coyne I 4 Marginalismus/Österreichische Schule/Coyne/Boettke: Der Ursprung der Österreichischen Schule der Nationalökonomie liegt in der Veröffentlichung von Carl Mengers Principles of Economics im Jahr 1871. Der Österreicher Menger gilt zusammen mit William Stanley Jevons in England und Léon Walras in der Schweiz als Mitbegründer der „marginalen Revolution“ in der Wirtschaftswissenschaft. >Léon Walras, >Carl Menger, >Österreichische Schule. Die marginale Revolution war ein Paradigmenwechsel von der etablierten Arbeitswerttheorie zur Grenznutzentheorie des Wertes. >Werttheorie, >Grenznutzentheorie, >Nutzen. Die Arbeitswerttheorie besagt, dass der Wert einer Ware eine Funktion der für ihre Herstellung erforderlichen Arbeit ist. Die Grenzwertrevolutionäre hingegen vertraten die Ansicht, dass der Wert nicht auf der Menge der aufgewendeten Arbeit beruht, sondern vielmehr widerspiegelt, wie nützlich die Menschen die Ware für die Befriedigung ihrer Bedürfnisse erachten. Diese Revolution hatte radikale Auswirkungen auf die Art und Weise, wie Ökonomen die Welt verstehen. Beispiel: Ein Computer hat nicht deshalb einen hohen Preis, weil seine Herstellung eine bestimmte Anzahl von Stunden in Anspruch nimmt. Der hohe Preis ergibt sich vielmehr daraus, dass die Verbraucher den Computer wegen seines Nutzens für die Erreichung ihrer Ziele schätzen. Die Bewertung des fertigen Computers durch die Verbraucher wiederum bestimmt die Nachfrage nach den zu seiner Herstellung verwendeten Inputs - Arbeit und Ressourcen -. Die Wertschätzung der Verbraucher und nicht der Arbeitsaufwand bestimmt die Preise. >Wert, >Produktion, >Produktionstheorie. |
Coyne I Christopher J. Coyne Peter J. Boettke The Essential Austrian Economics Vancouver 2020 |
| Grenzprodukt | Sraffa | Harcourt I 179 Grenzprodukt/Sraffa/Harcourt: Die Sichtweise des Autors(1) hat die wichtige Konsequenz, dass durch den Ausschluss von Skalenvariationen und von „Faktoren“ auch das Grenzprodukt ausgeschlossen wird - „es wäre einfach nicht da, um gefunden zu werden“ (Vorwort, S. v)(1). >Messungen/Sraffa. Harcourt: Das ist richtig. Es ist jedoch anzumerken, dass sich die Preise in der marginalen Werttheorie auf fiktive augenblickliche Veränderungsraten beziehen, die als an den Rändern der Produktionsniveaus der hier untersuchten tatsächlichen Wirtschaftssysteme vorkommend angesehen werden können. Mit anderen Worten, es braucht kein tatsächliches Grenzprodukt zu geben, um ein bestimmtes Preissystem zu haben, das auf marginalistischen Vorstellungen beruht. Sraffa will damit vielleicht andeuten, dass die Annahme der mathematischen Kontinuität für die Analyse der Preisbildung in einem Wirtschaftssystem ungeeignet ist; das heißt, es ist unmöglich, das Instrument der fiktiven Bewegungen entlang eines Zeitplans zu verwenden, der eine Beziehung zwischen zwei wirtschaftlichen Variablen aufzeigt und der davon ausgeht, dass alles andere konstant bleibt. Der Grund dafür ist, dass die Tatsache des Wandels notwendigerweise impliziert, dass die Veränderungen in diesen anderen Dingen derart sind, dass nicht einfach angenommen werden kann, dass sie konstant bleiben. (Dies ist die Grundlage für seine Kritik an der Analyse von Angebot und Nachfrage in Sraffa [1926](2)). Man könnte ihn aber auch so interpretieren, dass es in einem realen Wirtschaftssystem nicht genügend Informationen gibt, um uns zu sagen, was das Grenzprodukt (im Gegensatz zum Durchschnittsprodukt) ist. Selbst wenn es ein gültiges Verfahren ist, ein Preissystem aus fiktiven Veränderungen abzuleiten, könnte es sein, dass die Preise, die mit den technischen Produktionsbedingungen und der Selbsterneuerung verbunden sind, grundlegender sind als die, die mit fiktiven Veränderungen verbunden sind. VsSraffa: Meek [1967](3), S. 161-78, dessen Übersichtsartikel den Titel „Mr. Sraffa's Rehabilitation of Classical Economies“ trägt, liefert eine interessante Erläuterung der Beweggründe für Sraffas Ansatz. Dazu heißt es, „Das wichtige Buch von Herrn Sraffa ... kann unter verschiedenen Gesichtspunkten betrachtet werden. Man kann es, wenn man will, einfach als ein unorthodoxes theoretisches Modell eines bestimmten Wirtschaftstyps betrachten, das darauf abzielt, das traditionelle Wertproblem auf eine neue Weise zu lösen. Es kann als impliziter Angriff auf die moderne Marginalanalyse betrachtet werden: Der Untertitel des Buches lautet „Prelude to a Critique of Economic Theory“, und Sraffa bringt in seinem Vorwort die Hoffnung zum Ausdruck, dass sich irgendwann einmal jemand daran machen wird, eine Kritik der Marginalanalyse auf seine Grundlagen zu stützen. Oder man kann sie als eine Art großartige Rehabilitierung des klassischen (und bis zu einem gewissen Grad auch des marxschen) Ansatzes in Bezug auf bestimmte entscheidende Probleme im Zusammenhang mit Wert und Verteilung betrachten. Harcourt I 180 Auf diesen dritten Aspekt des Buches möchte ich mich konzentrieren. Dabei möchte ich natürlich nicht behaupten, dass das Wesentliche von Sraffas Buch in dieser Rehabilitierung des klassischen Ansatzes liegt: Sraffas primäres Ziel ist es, ein Modell des zwanzigsten Jahrhunderts zu entwickeln, um mit Problemen des zwanzigsten Jahrhunderts umzugehen. Ich nähere mich seinem Buch vor allem deshalb auf diese Weise, weil ich glaube, dass dies die beste Methode ist, um sein grundlegendes Argument zu verstehen.“ (p. 161.)(3) 1. Sraffa, Piero [1960] Production of Commodities by Means of Commodities. Prelude to a Critique of Economic Theory (Cambridge: Cambridge University Press). 2. Sraffa, P. [1926] 'The Laws of Return under Competitive Conditions', Economic Journal, xxxvi, S. 535-50. [1962] 'Production of Commodities: A Comment', Economic Journal, Lxxn, S. 477-9. 3. Meek, R. L. [1967] Economics and Ideology and Other Essays. Studies in the Development of Economic Thought (London: Chapman and Hall). |
Sraffa I Piero Sraffa Production of Commodities by Means of Commodities. Prelude to a Critique of Economic Theory (Cambridge: Cambridge University Press). Cambridge 1960 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Grenzprodukt | Wirtschaftstheorien | Rothbard III 476 Grenzprodukt/Wirtschaftstheorien/Rothbard: Kritiker der Grenzproduktivitätsanalyse haben behauptet, dass in der „modernen komplexen Welt“ alle Faktoren bei der Herstellung eines Produkts zusammenarbeiten und es daher unmöglich ist, irgendeine Art von Zurechnung eines Teils des Produkts zu den verschiedenen kooperierenden Faktoren festzulegen. Daher sei die „Verteilung“ des Produkts auf die Faktoren von der Produktion trennbar und erfolge willkürlich gemäß der Verhandlungstheorie. RothbardVsVs: Sicherlich bestreitet niemand, dass viele Faktoren bei der Produktion von Gütern zusammenarbeiten. Aber die Tatsache, dass die meisten Faktoren (und alle Arbeitsfaktoren) unspezifisch sind, und dass es sehr selten mehr als einen rein spezifischen Faktor in einem Produktionsprozess gibt, ermöglicht es dem Markt, die Wertproduktivität zu isolieren und dazu zu neigen, jeden Faktor gemäß diesem Grenzprodukt zu bezahlen. Auf dem freien Markt wird der Preis eines jeden Faktors also nicht durch „willkürliche“ Verhandlungen bestimmt, sondern tendiert dazu, streng nach seinem diskontierten Grenzprodukt festgelegt zu werden. >Grenzprodukt/Rothbard, >Skalenerträge/Rothbard, >Produktionsfaktoren/Rothbard, >Faktormarkt/Rothbard. Rothbard III 477 Die Bedeutung dieses Marktprozesses wird umso größer, je spezialisierter und komplexer die Wirtschaft ist und je heikler die Anpassungen sind. Je mehr Verwendungen für einen Faktor entstehen und je mehr Arten von Faktoren auftauchen, desto wichtiger ist dieser Markt-„Zurechnungs“-Prozess im Vergleich zum einfachen Verhandeln. Denn es ist dieser Prozess, der die effektive Allokation der Faktoren und den Fluss der Produktion in Übereinstimmung mit den dringendsten Anforderungen der Verbraucher (einschließlich der nicht monetären Wünsche der Produzenten selbst) bewirkt. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Greshamsches Gesetz | Rothbard | Rothbard III 898 Greshamsches Gesetz/Rothbard: Relative Preise: Unsere Analyse der Auswirkungen der Preiskontrolle gilt auch, wie Mises brillant gezeigt hat, für die Kontrolle über den Preis („Wechselkurs“) eines Geldes in Bezug auf ein anderes.(1) >Preiskontrolle/Rothbard. Dies wurde teilweise im Gresham'schen Gesetz, einem der ersten entdeckten Wirtschaftsgesetze, gesehen. Nur wenige haben erkannt, dass dieses Gesetz nur ein spezielles Beispiel für die allgemeinen Folgen von Preiskontrollen ist. >Preiskontrollen/Rothbard. Vielleicht liegt dieses Versäumnis an der irreführenden Formulierung des Gresham'schen Gesetzes, die üblicherweise lautet: „Schlechtes Geld zieht gutes Geld aus dem Verkehr.“ Problem/Rothbard: Für bare Münze genommen, ist dies ein Paradoxon, das gegen die allgemeine Regel des Marktes verstößt, dass sich die besten Methoden zur Befriedigung der Verbraucher gegenüber den schlechteren durchsetzen. Münzprägung: Die Formulierung wurde selbst von denjenigen, die generell den freien Markt befürworten, fälschlicherweise verwendet, um ein staatliches Monopol für die Prägung von Gold und Silber zu rechtfertigen. Eigentlich müsste das Gresham'sche Gesetz lauten: „Vom Staat überbewertetes Geld wird vom Staat unterbewertetes Geld aus dem Verkehr ziehen.“ Preiskontrolle/relative Preise: Wann immer der Staat einen willkürlichen Wert oder Preis für ein Geld in Bezug auf ein anderes festlegt, führt er damit eine effektive Mindestpreiskontrolle für das eine Geld und eine Höchstpreiskontrolle für das andere Geld ein, wobei die „Preise“ in Bezug zueinander stehen. >Relativer Preis/Rothbard. Bimetallismus: Dies war zum Beispiel das Wesen des Bimetallismus. Im Bimetallismus erkannte eine Nation Gold und Silber als Zahlungsmittel an, legte aber einen willkürlichen Preis oder ein Tauschverhältnis zwischen ihnen fest. Wenn dieser willkürliche Preis vom Preis auf dem freien Markt abwich (was mit der Zeit immer wahrscheinlicher wurde, da sich der Preis auf dem freien Markt änderte, während der willkürliche Preis der Regierung derselbe blieb), wurde das eine Geld von der Regierung überbewertet und das andere unterbewertet. Nehmen wir also an, dass ein Land Gold und Silber als Geld verwendet und die Regierung das Verhältnis zwischen ihnen auf 16 Unzen Silber : 1 Unze Gold festlegt. Rothbard III 899 Der Marktpreis, vielleicht 16:1 zum Zeitpunkt der Preiskontrolle, ändert sich dann auf 15:1. Was ist das Ergebnis? Silber wird nun von der Regierung willkürlich unterbewertet und Gold willkürlich überbewertet. Mit anderen Worten: Silber wird billiger festgelegt, als es in Bezug auf Gold auf dem Markt tatsächlich ist, und Gold wird gezwungen, teurer zu sein, als es in Bezug auf Silber tatsächlich ist. Die Regierung hat ein Preismaximum für Silber und ein Preisminimum für Gold festgelegt, und zwar im Verhältnis zueinander. Daraus ergeben sich nun die gleichen Konsequenzen wie bei jeder wirksamen Preiskontrolle. Bei einem Höchstpreis für Silber übersteigt die Goldnachfrage nach Silber nun die Silbernachfrage nach Gold (umgekehrt ist bei einem Mindestpreis für Gold die Silbernachfrage nach Gold geringer als die Goldnachfrage nach Silber). 1. Mises, Human Action, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949. Nachdruck durch das Ludwig von Mises Institute, 1998. pp. 432 n., 447, 469, 776. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Grice | Cresswell | I 26 Grice/Cresswell: (Grice 1968)(1): Grice referiert überhaupt nicht auf Wahrheitsbedingungen und sagt auch nichts darüber, wie der Hörer die Bedeutungen neuer Sätze aufgrund seiner Sprachkompetenz (Kompetenz) vorhersagen kann. >Verstehen, >Kompetenz, >Sprecherbedeutung, >Sprecherintention, >Meinen, >Satzbedeutung, >Konventionen. 1. Grice, H.P. (1968). Utterer's meaning, sentence-meaning and word-meaning. Foundations of Language, Vol 4, pp. 225-242. |
Cr I M. J. Cresswell Semantical Essays (Possible worlds and their rivals) Dordrecht Boston 1988 Cr II M. J. Cresswell Structured Meanings Cambridge Mass. 1984 |
| Grice | Millikan | I 52 Sprache/Millikan: in diesem Kapitel: welche Relationen gibt es zwischen 1. der stabilisierenden Funktion eines Sprachmusters 2. ihren buchstäblichen Gebrauch 3. den Sprecherintentionen. Stabilisierungsfunktion/Millikan: nächstes Kapitel These: ein Aspekt der Wortbedeutung, der syntaktischen Form ist die fokussierte Stabilisierungsfunktion. >Terminologie/Millikan. buchstäblicher Gebrauch/Millikan: korrespondiert keiner Stabilisierungsfunktion (s.u.). Gricesche Intention/MillikanVsGrice/Millikan: These: die Griceschen Intentionen sind überhaupt nicht das, was Sprachgebrauch und Verstehen antreibt. >Grice. Stabilisierungsfunktion/Sprache/Millikan: wenn Sprachmuster wie Wörter oder syntaktische Formen Stabilisierungsfunktion haben, so sind diese direkte Eigenfunktionen von reproduktiv festgelegten Familien (rfF) 1. Stufe, von denen diese Muster auch Elemente sind. Funktionen: von Wörtern usw. sind historisch erworben indem sie sowohl Äußerungen als auch Reaktionen beim Hörer hervorriefen. Intention/Sprecherintention/Pointe: diese Funktionen hängen aber nicht von den Sprecherintentionen ab! Direkte Eigenfunktion: hat ein Wort-Token nämlich sogar dann, wenn es von einem Papagei hervorgebracht wird. Denn das Token ist Element einer rfF dadurch, dass es eine direkte Eigenfunktion hat. >Sprecher-Intention. Intention/Zweck: liefert eine abgeleitete Eigenfunktion. Abgeleitete Eigenfunktion: liegt aber über und jenseits der direkten oder stabilisierenden Funktion. Dabei kann sie dieselbe Funktion sein, wie die direkte, muss es aber nicht. Jedenfalls ist sie nicht die eigene Funktion des Sprachmusters, nicht seine Eigenfunktion. Stabilisierungsfunktion/Sprache/Millikan: obwohl aber die Stabilisierungsfunktion unabhängig von Zweck und Sprecherintention ist, ist sie nicht unabhängig von Zwecken, die Sprecher überhaupt ganz allgemein haben können. I 53 Hier wird es wieder eine „kritische Masse“ von Fällen des Gebrauchs geben. I 63 Imperativ/Millikan: nun ist es sicher so, dass ein Hörer, wenn er gefragt wird, ob der Sprecher intendiert habe, dass er dem Befehl gehorcht, sicher sofort „ja“ antworten wird. I 64 Aber das heißt nicht, dass er diese Überzeugung beim Gehorchen gebraucht hat. Gricesche Intentionen/MillikanVsGrice/Millikan: sind also überflüssig. Und sie helfen auch nicht, nichtnatürliche Bedeutung von weniger interessanten Dingen zu unterscheiden. Wir brauchen jedenfalls keine Griceschen Intentionen zu beachten, die nur potentiellen und nicht aktualen Modifikationen des Nervensystems unterliegen. >Intention/Grice. I 65 VsMillikan: man könnte einwenden, dass man Gründe für eine Handlung haben könnte, ohne dass diese Gründe in der Anatomie aktiviert sind. Millikan: wenn ich aufhöre, etwas zu glauben, werde ich entsprechende Handlungen unterlassen. Gricesche Intentionen/Millikan: die einzige interessante Frage ist, ob sie aktual innen verwirklicht sind, während man spricht. Bsp Millikan: der Sergeant sagt: „Wenn ich das nächste Mal „Halt“ sage, halte nicht an!“ Ein ähnliches Bsp gibt es von Bennett. Problem: das Training war so effektiv, dass der Soldat es nicht schafft, nicht anzuhalten. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Grice | Schiffer | Avr I 114 Grice/Schiffer: (= intentionsgestützter Ansatz) ist verpflichtet, logische Abhängigkeit von Bedeutung zu leugnen. - Statt dessen: Abhängigkeit von einer (kausalen) Tatsache (die nicht-semantisch spezifizierbar ist). >Intentionsbasierte Semantik, >Tatsachen, >Situationen, vgl. >Situations-Semantik. Schiffer I 13 Grice/Schiffer: Problem: die Bedeutung darf nicht den Inhalt bestimmen. - Weil semantisches Vokabular vermieden werden muss - daher VsRelationstheorie. - Die Glaubensobjekte müssten sprachunabhängig sein. >Relations-Theorie, >Glaubensobjekte. I 241 Intentions-basierte Semantik/IBS/Grice/Schiffer: kommt ohne Relationstheorie und ohne kompositionale Semantik aus. - Es geht um nicht-semantisch beschreibbare Tatsachen des Gebrauchs. SchifferVsGrice: Grice hat nicht genug zu sagen über die semantischen Eigenschaften sprachlicher Einheiten. I 242 Grice/Schiffer: (Grice, Meaning, 1957)(1): versucht, semantische Begriffe der öffentlichen Sprache in Begriffen von propositionalen Einstellungen (Glauben, Wünschen, Wollen) zu definieren. Damit wird nichts über Bedeutung selbst vorausgesetzt. I 242 Def Sprecher-Bedeutung/Grice: (1957)(1) Ist nichtzirkulär definierbar als eine Art Verhalten mit der Intention einen Glauben oder eine Handlung in jemand anderem auszulösen. Def Ausdrucks-Bedeutung/Grice: (1957)(1) d.h. die semantischen Merkmale von Ausdrücken der natürlichen Sprache. - Das ist nichtzirkulär definierbar als bestimmte Arten von Korrelationen zwischen Zeichen und Typen von Ausübung von Sprecher-Bedeutung. Äußerung/erweitert: jedes Verhalten, das irgendwas bedeutet. >Sprecherintention, >Sprecherbedeutung. Schiffer: damit werden Fragen nach Bedeutung reduziert auf Fragen nach propositionalen Einstellungen. I 243 Eine Zeichenkette muss dazu ein bestimmtes Merkmal haben, damit die Intention erkannt wird. >Intention. I 245 Grice/Schiffer: Problem: Fälschen von Beweisen ist keine Meinen. Problem: gemeinsames Wissen ist notwendig, doch immer durch Gegenbeispiele zu widerlegen. >Sprachgemeinschaft. Lösung: gemeinsames Wissen durch kontrafaktische Konditionale definieren. >Kontrafaktisches Konditional. Problem: Keine zwei Leute haben gemeinsames Wissen. SchifferVsGrice: Niemand hat eine Menge hinreichender Bedingungen für Sprecher-Bedeutung aufgestellt. Problem: Eine Person kann die Bedingungen von (S) erfüllen wenn er bloß meint, dass A es herbeiführen soll, dass A glaubt, dass p ((S) = Lügen). SchifferVsGrice: das ist hyperintellektuell, es setzt zu viel Absichten und Erwartungen voraus, die nie geteilt werden. - Der normale Sprecher weiß zu wenig, um nach Grice die Ausdrucks-Bedeutung zu verstehen. >Äußerungsbedeutung. I 247 Bsp Ich hoffe, dass Sie mir glauben, aber nicht auf der Basis meiner Intention - ((s) sondern aufgrund des Inhalts, bzw. der Wahrheit). Eine notwendige Bedingung etwas zu erzählen ist keine notwendig Bedingung, es auch zu meinen. 1. H. Paul Grice (1957). Meaning. Philosophical Review 66 (3):377-388 |
Schi I St. Schiffer Remnants of Meaning Cambridge 1987 |
| Grice | Tugendhat | I 269f TugendhatVsGrice: Der Sprecher möchte nicht bewirken, dass.., - sonst würde er sagen "ich möchte bewirken... - er meint nicht etwas, er behauptet etwas. Vs: Das berücksichtigt nicht Selbstgespräche. - Absurd: dass Selbstgespräche andere Wahrheitsbedingungen hätten. - Die Mitteilungsfunktion gehört nicht zur Bedeutung, sonst wären Selbstgespräche nicht möglich. >Paul Grice, >Meinen, >Selbstgespräche, >Kommunikation, >Bedeutung. Meinen/TugendhatVsGrice: zwei Möglichkeiten: a) korrelativ zum Verstehen: dann ist es falsch, dass das, was ein Sprecher mit »p« sagen will ist, dass er bewirken möchte...usw. das würde vielmehr sagen wollen, wenn er sagte "ich möchte bewirken usw." was er mit "p" sagen will, ist behaupten, dass p. b) wenn man Grice sozusagen seine Terminologie schenkt, dann muss man sagen, dass die Funktion eines assertorischen Satzes bzw. die Absicht, mit der er verwendet wird, nicht die ist, etwas zu meinen, sondern etwas zu behaupten. >Sprecherbedeutung, >Sprecherintention, >Behauptungen, >Absicht, >Intention, >Intentionalität, >Sprechen. |
Tu I E. Tugendhat Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976 Tu II E. Tugendhat Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992 |
| Größen/ Physik | Bigelow | I 74 Größe/Richtung/Bigelow/Pargetter: Bsp Eine zwei-stellige Relation zwischen Geschwindigkeiten Bsp Zwei Punkte auf der homogenen, sich drehenden Scheibe auf demselben Radius: I 75 Dann haben ihre instantanen Geschwindigkeiten dieselbe Richtung. Gleichzeitig unterscheiden sie sich in der Größe wegen des unterschiedlichen Abstands vom Zentrum. Gemeinsames/Lösung/Bigelow/Pargetter: Das gemeinsame ist eine Eigenschaft 2. Stufe (sic): Die Eigenschaft eine Geschwindigkeit zu haben mit der und der Richtung. Entsprechend umgekehrt für Punkte in einem Kreis um das Zentrum: Gemeinsamkeit: die Eigenschaft 2. Stufe, eine Geschwindigkeit mit der und der Größe zu haben. Vektoren/Bigelow/Pargetter: Vektoren haben also Eigenschaften 2. Grades (sic) d.h. Eigenschaften von Eigenschaften. Gleichheit/Vektor/Bigelow/Pargetter: Von Gleichheit können wir dann sprechen, wenn zwei Vektoren die eine von zwei Eigenschaften zweiten Grades teilen, sagen wir z.B. sie haben dieselbe Richtung oder dieselbe Größe. (Richtungsgleichheit, Größengleichheit). Identität/Vektor/Bigelow/Pargetter: zwei Vektoren sind identisch, wenn sie alle Eigenschaften 2. Grades teilen (hier: Größe und Richtung). Flux/Vektor: Durch diesen Begriff der Identität kann die Flux-Theorie Vektoren verstehen. >Flux/Bigelow. Universalien/Bigelow/Pargetter: Im Fall von Vektoren nehmen wir an, dass beides, Eigenschaften 2. Stufe und 2. Grades echte Universalien sind. Und zwar a posteriori-Universalien im Sinne Armstrongs. >Universalien, >Universalien/Armstrong. Denn das Gemeinsame der oben erwähnten Punkte auf der Scheibe ist nicht bloß ein linguistisches Phänomen. I 76 Unterschied/Bigelow/Pargetter: Damit können wir auch die Größe von Unterschieden angeben. >Unterscheidungen. Grade/Größe/Größenunterschiede/Unterschied/Frege/Whitehead/Wiener/Quine/Bigelow/Pargetter: (s.o. ähnlich wie bei den Quantitäten) (Lit. Frege 1893(1), Whitehead/Russell 1910(2) vol 3 S.6 „Quantity“, Quine 1941(3), Bigelow (1988a)(4). Lösung: Relationen zwischen Relationen. 1. Frege, G. (1893). Grundgesetze der Arithmetik. Jena: Hermann Pohle. 2. Whitehead, A.N. and Russel, B. (1910). Principia Mathematica, Vol I. Cambridge University Press. 3. Quine, W.V.O. (1941). Whitehead and teh rise of modern logic. In: The philosophy of Alfred North Whitehead (ed. P.A. Schilpp). pp.125-63. La Salle, Ill. Open Court. 4. Bigelow, J. (1988a). The reality of numbers: A physicalist's philosophy of mathematics. Oxford: Clarendon Press. |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Grundbegriffe | Tugendhat | I 205 Grundbegriff/Tugendhat: wenn man sich auf Gleichartigkeit als psychologische Grundlage beruft, dann ist das nur behavioristisch möglich - (ohne Vorstellungen). >Ähnlichkeit, >Gleichheit, >Behaviorismus, >Vorstellungen. I 519 Grundbegriff/Methode/Theorie/Tugendhat: These: "richtig" ist nicht weiter erklärbar und wird immer vorausgesetzt. >Richtigkeit. Andere Autoren/(s): Erfolg als Grundbegriff. >Erfolg. Verstehen/Tugendhat: Verstehen ist letztlich ungeklärt. >Verstehen. |
Tu I E. Tugendhat Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976 Tu II E. Tugendhat Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992 |
| Gründe | Habermas | III 169 Gründe/Habermas: Gründe sind aus einem solchen Stoff, dass sie sich in der Einstellung einer dritten Person, d.h. ohne eine entweder zustimmende, ablehnende oder enthaltsame Reaktion, gar nicht beschreiben lassen. Der Interpret hätte nicht verstanden, was ein „Grund“ ist, wenn er ihn nicht mit seinem Begründungsanspruch rekonstruieren (…) würde. Die Beschreibung von Gründen verlangt eo ipso eine Bewertung auch dann, wenn sich der, der die Beschreibung gibt, außerstande sieht, im Augenblick ihre Stichhaltigkeit zu beurteilen. Man kann Gründe nur in dem Maße verstehe, wie man... III 170 ...versteht, warum sie stichhaltig oder nicht stichhaltig sind. Der Interpret kann Gründe nicht deuten, ohne selbst Stellung zu nehmen. >Deutung, >Interpretation, >Fremdpsychisches, >Verhalten, >Verstehen, >Beschreibung, >Erste Person, >Zuschreibung, ">Fremdzuschreibung. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Gründe | Leibniz | Holz I 66 Satz vom zureichenden Grund/Prinzip/Leibniz: "nichts geschieht ohne zureichenden Grund, ohne das es dem, der die Dinge genügend kennt möglich wäre, einen Grund anzugeben, warum es so und nicht anders ist." Das ist ein Derivat des Identitätsprinzips. Seine Geltung ist logisch notwendig. >Notwendig/Leibniz. I 67 Grund/Leibniz: dass etwas einen Grund hat heißt, dass es nicht aus sich selbst, nicht isoliert per se existiert. Grund ist der Welt Grund, in den jedes Einzelne eingelassen ist (>Kette). I 75 Grund/Leibniz: kann nur durch das Durchlaufen der ganzen series rerum gefunden werden. Er ist nun aber deshalb nicht außerhalb der series rerum zu finden, sondern vollständig innerhalb, allerdings nicht am Anfang, sondern als die Reihe als Ganzes! >Ordnung/Leibniz, >Existenz/Leibniz. Unterschied: während der unendliche Verstand außerhalb des Ganzen stehen müsste (als Abbildender) (vielleicht auch ein "unbewegter Beweger" usw.) muss der Grund (als Totalität der Reihe) innerhalb der Reihe sein. Grund/Leibniz: Der universelle letzte Grund (Gesamtheit der Reihe der Dinge, Welt, ultima ratio) ist auch für den endlichen Verstand notwendig, weil es sonst überhaupt nichts gäbe! >Letztbegründung/Leibniz. |
Lei II G. W. Leibniz Philosophical Texts (Oxford Philosophical Texts) Oxford 1998 Holz I Hans Heinz Holz Leibniz Frankfurt 1992 Holz II Hans Heinz Holz Descartes Frankfurt/M. 1994 |
| Gruppendenken | Baron | Haslam I 193 Gruppendenken/Gruppendynamik/Baron: Robert S. Baron: Baron (2005)(1) argumentierte, dass Dynamiken im Gruppendenken, einschließlich Konformität, Unterdrückung von Meinungsverschiedenheiten, Polarisierung, Selbstzensur, Illusionen von Konsens und Intergruppenverzerrungen, eigentlich alltäglich sind - was bedeutet, dass sie für so ziemlich jede sinnvolle Gruppe allgegenwärtig sind. >Gruppendenken, >Gruppenverhalten, >Konformität. Baron (2005)(1) argumentierte weiter, dass das Versäumnis, starke oder konsistente Beweise für die vorherrschenden Bedingungen des Gruppendenkens zu finden, tatsächlich die Tatsache widerspiegeln kann, dass es so häufig ist. Mit anderen Worten, es gibt wenig Unterschiede zu erkennen, da die meisten Gruppen Symptome von Gruppendenken und fehlerhafte Entscheidungsprozesse aufweisen. Gruppendenken-Modell/Baron: Baron (2005) schlug ein Allgegenwartsmodell des Gruppendenken vor und argumentierte, dass viele der von Janis (1972(2), 1982(3)) identifizierten Symptome in Gruppen üblich sind und aus drei interaktiven (wiederum nicht additiven) Vorläuferfaktoren resultieren. 1) Mindestens ein minimaler Grad an sozialer Identifikation (definiert in Begriffen wie soziale Identität/Selbstkategorisierung) ist erforderlich. Die Identifikation mit der Gruppe ist zum Teil deshalb wichtig, weil sie sowohl den normativen sozialen Einfluss (d.h. Übereinstimmung) als auch den informationellen sozialen Einfluss (d.h. Internalisierung) erhöht. 2) Damit sozialer Einfluss auftreten kann und die Identifizierung von Symptomen von Gruppendenken hervorrufen kann, muss die Gruppe eine klare Norm oder einen Satz von Normen haben, denen Einzelpersonen folgen können. 3) Sozialer Einfluss ist eher in dem Maße gegeben, in dem einzelne Gruppenmitglieder eine geringe Selbstwirksamkeit oder Selbstvertrauen zeigen in Bezug auf ihre Fähigkeit zu verstehen oder einen eigenen Beitrag zur Entscheidungsfindung leisten. >Sozialer Einfluss, >Soziale Identität, >Entscheidungsprozesse. 1. Baron, R.S. (2005) ‘So right it’s wrong: Groupthink and the ubiquitous nature of polarized group decision-making’, Advances in Experimental Social Psychology, 37: 219–253. 2. Janis, I.L. (1972) Victims of Groupthink. Boston: Houghton Mifflin. 3. Janis, I.L. (1982) Groupthink: Psychological Studies of Policy Decisions and Fiascoes. Boston: Houghton Mifflin. Dominic J. Packer and Nick D. Ungson, „Group Decision-Making. Revisiting Janis’ groupthink studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Gruppendenken | Janis | Haslam I 182 Gruppendenken/Janis: Beispiel: Nach dem Scheitern der Invasion in der Schweinebucht 1961, die von einer Gruppe hochintelligenter Menschen geplant worden war, stellte sich die Frage, wie dieses Scheitern möglich gewesen sei. Janis These: Obwohl Janis zu dem Schluss kam, dass die fehlerhafte Planung der CIA und der Mangel an effektiver Kommunikation teilweise für das Fiasko in der Bay of Pigs verantwortlich war, diagnostizierte er das primäre Problem als Folge sozialpsychologischer Prozesse, die innerhalb der Kernberatungsgruppe des Präsidenten ablaufen. (Janis; 1972(1), 1982(2)). Psychologische Tradition: Anfang der 70er Jahre waren Theorie und Forschung zur Gruppen- und Organisationsentscheidung von der individualistischen subjektiven Nutzenlehre dominiert (Kramer, 1998)(3), wonach die subjektiven Bewertungen von Risiko und Ertrag einer einzelnen Person ihre Entscheidungsprozesse beeinflussen. JanisVsTradition: betonte die Gruppendynamik, die diesen Entscheidungen zugrunde liegt. Insbesondere theoretisierte er Haslam I 183 dass die Kohäsion der Gruppen ihre Mitglieder motivieren könnte, Gruppenharmonie und Einstimmigkeit über sorgfältige Überlegungen bei der Entscheidungsfindung zu stellen. Haslam I 184 Def Gruppendenken/Janis: "Gruppendenken" [ist] ein schneller und einfacher Weg, um auf eine Denkweise hinzuweisen, die Menschen anwenden, wenn sie tief in eine zusammenhängende Gruppe eingebunden sind, wenn das Streben der Mitglieder nach Einstimmigkeit ihre Motivation, alternative Handlungsoptionen realistisch zu bewerten, übertönt. (Janis, 1972(1): 9) Janis These: Eine bestimmte Reihe von Vorbedingungen kann die Mitglieder einer Gruppe dazu bringen, einen Konsens miteinander zu suchen, anstatt sich an sorgfältigen Entscheidungen zu beteiligen. Gruppendenken-Modell/Janis: (a) die vorhergehenden Bedingungen, von denen erwartet wird, dass sie diese konsensorientierte Psychologie hervorbringen, (b) eine Reihe von beobachtbaren Symptomen, die sich daraus ergeben sollten, was wiederum zu (c) einer Reihe von fehlerhaften Entscheidungsprozessen führt. Das Modell deutet darauf hin, dass diese fehlerhaften Prozesse in der Regel zu suboptimalen kollektiven Entscheidungen führen. Vorangestellte Bedingungen: hochrangige (z.B. charismatische oder autoritäre) Führungskräfte, begrenzte Informationssuche und Isolierung der Gruppe gegenüber Außenstehenden mit dem notwendigen Fachwissen, um fundierte Entscheidungen zu treffen. Besonders wichtig: ein starkes Gefühl der Gruppenkohäsion (d.h. eine starke kollektive Bindung) und ein Kontext mit hohem Stress oder Krisen, besonders wahrscheinlich bei komplexen und folgerichtigen Entscheidungen. Haslam I 185 Symptome für Gruppendenken: (Janis 1971)(3) Überschätzung des Gruppenwertes: 1. Illusion der Unverwundbarkeit 2. Glaube an die Moral der Gruppe Engstirnigkeit: 3. Kollektive Rationalisierung 4. Stereotype Ansichten von Outgroups Druck auf Gleichmäßigkeit: 5. Selbstzensur 6. Illusion der Einstimmigkeit 7. Druck auf Abweichende ausgeübt 8. Mindguarding Probleme: Entscheidungsziele werden unzureichend diskutiert, nur wenige alternative Haslam I 186 Lösungen werden unterhalten, ursprünglich bevorzugte Lösungen werden nicht kritisch geprüft, zunächst verworfene Lösungen werden nicht erneut geprüft, Experten werden nicht konsultiert, Ratschläge werden selektiv und voreingenommen eingeholt, und die Gruppe entwickelt keine Notfallpläne. Lösung/Janis: Gruppenleiter sollten alle Gruppenmitglieder ermutigen, "kritische Bewerter" zu sein, so dass sie in der Lage sind, Zweifel oder Einwände frei zu äußern. Darüber hinaus sollten Gruppenleiter vermeiden, ihre anfänglichen Präferenzen zu Beginn eines jeden Entscheidungsprozesses anzugeben (...). Janis plädierte für die Bildung mehrerer unabhängiger Gruppen, jede mit ihrem eigenen Gruppenführer, um das gleiche Problem zu lösen. (...) die Meinungen der Gruppenmitglieder sollten häufig in Frage gestellt werden, entweder indem man verschiedene externe Experten an den Sitzungen teilnehmen lässt oder indem man ausgewählte Mitglieder als vorübergehende "Advokaten des Teufels" benennt. Schließlich betonte Janis die Bedeutung von Treffen der "zweiten Chance", bei denen Gruppenentscheidungen ein letztes Mal überdacht werden könnten, bevor sie beschlossen oder veröffentlicht werden. Haslam I 187 Beispiele für Gruppendenken: die Invasion Nordkoreas, die Schweinebucht und die Eskalation des Vietnamkriegs. Beispiele, die kein Gruppendenken zeigen: der Marshall-Plan und die Kubakrise. Haslam I 189 Gruppen/Janis: These: Das einzige Ziel von Entscheidungsgruppen ist es, sich an einer maßvollen Beratung zu beteiligen, um genaue und logische Entscheidungen zu treffen. VsJanis: Gruppen können andere Ziele im Sinn haben, wie z.B. "Zufriedenheit mit und Verpflichtung zur Entscheidung", "verbesserte Umsetzung durch die Gruppenmitglieder" oder sogar "diffuse Verantwortung für schlechte Entscheidungen" (McCauley, 1998(4): 148). >Gruppendenken/Psychologische Theorien. KramerVsJanis: Roderick Kramer (1998)(5) schlug vor, dass zumindest einige von Janis' Fallbeispielen besser als fehlerhafte Entscheidungen verstanden werden, die sich aus politischem Denken und nicht aus Gruppendenken ergeben. Präsident Kennedy (...) versuchte, genaue Entscheidungen darüber zu treffen, was die beste politische Entscheidung war (z.B. würde sie im Inland populär sein), zum Nachteil der bestmöglichen militärischen Entscheidung. Mit anderen Worten, eine sorgfältige Bewertung der Entscheidungen. Haslam I 190 (d.h. Nicht-Gruppendenken-Symptome) in einem Bereich kann scheinbares Gruppendenken in einem anderen erzeugen. FullerVsJanis/AldagVsJanis: Sally Fuller und Ramon Aldag (1998)(6) argumentieren, dass die leichte Popularität des Modells Sozialpsychologen abgelenkt hat. Sie behaupten, dass sich die Forscher darauf konzentrierten, die ursprünglichen Parameter des Gruppendenken-Modells zu testen, auf Kosten der breiteren Fragen zur Gruppenentscheidung. (...) - ironischerweise ergeben sich einige der besten Beweise für das Gruppendenken-Modell aus der Untersuchung der Art und Weise, wie die Forschung zu Gruppendenken selbst durchgeführt wurde. >Gruppendenken/Psychologische Theorien. 1. Janis, I.L. (1972) Victims of Groupthink. Boston: Houghton Mifflin. 2. Janis, I.L. (1982) Groupthink: Psychological Studies of Policy Decisions and Fiascoes. Boston: Houghton Mifflin. 3. Janis, I.L. (1971) ‘Groupthink’, Psychology Today, November, 43–6: 74–6. 4. McCauley, C. (1998) ‘Group dynamics in Janis’ theory of groupthink: Backward and forward’, Organizational Behavior and Human Decision Processes, 73: 146–62. 5. Kramer, R.M. (1998) ‘Revisiting the Bay of Pigs and Vietnam decisions 25 years later: How well has the groupthink hypothesis stood the test of time?’, Organizational Behavior and Human Decision Processes, 73: 236–71. 6. Fuller, S.R. and Aldag, R.J. (1998) ‘Organizational Tonypandy: Lessons from a quarter century of the groupthink phenomenon’, Organizational Behavior and Human Decision Processes, 73: 163–84. Dominic J. Packer and Nick D. Ungson, „Group Decision-Making. Revisiting Janis’ groupthink studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Gruppenkohäsion | Psychologische Theorien | Haslam I 192 Gruppenkohäsion/Psychologische Theorien: [in] einem alten Experiment von Back (1951)(1), bei dem hohe (vs. niedrige) Kohäsionsgrade auf verschiedene Weise manipuliert wurden, erzeugten Forscher einen hohen Zusammenhalt, indem führende Teilnehmerpaare, die sich zum ersten Mal trafen, erwarteten, dass sie sich ähnlich waren und sich gegenseitig mögen würden. Die Teilnehmer mit dieser Voraussetzung zeigten die stärksten Hinweise auf Symptome des Gruppendenkens. Eine anschließende Meta-Analyse ähnlicher Laborstudien ergab ferner, dass Manipulationen der Gruppenkohäsion aufgrund der persönlichen Attraktivität (aber nicht aufgrund von Aufgabenbindung oder Gruppenstolz) mit schlechteren Gruppenentscheidungen verbunden waren (Mullen et al., 1994)(2). >Gruppendenken/Psychologische Theorien, >Gruppenverhalten/Psychologische Theorien, >Soziale Gruppen/Psychologische Theorien. Sowohl der Erhalt der sozialen Identität (Turner und Pratkanis, 1998a;(3) >Gruppendenken/Pratkanis) als auch der Ansatz der sozialen Unannehmlichkeiten (McCauley, 1998(4)) beinhalten Gruppenkohäsion als primären Vorläufer des Gruppendenkens. a) Turner und Pratkanis (1998a)(3) verfolgen einen Ansatz der sozialen Identität und definieren den Zusammenhalt in Form von Identifikation/Selbstkategorisierung der Mitglieder mit einer Gruppe. b) McCauley (1998)(4) hingegen stellt fest, dass ein Gefühl des Engagements oder Gruppenstolzes weniger wichtig ist als der Zusammenhalt, der auf angenehmen persönlichen Beziehungen zwischen den Mitgliedern beruht. Vergleich der Effekte: Michael Hogg und Sarah Hains (1998)(5) manipulierten Kohäsionsformen in Laborgruppen, je nachdem, ob sie auf persönlicher Attraktivität (z.B. vorrangiger Freundschaft) oder sozialer Attraktivität (z.B. auf einer gemeinsamen Gruppenidentität) beruhen. Sie erfassten auch Freundschaft und Gruppenidentifikation. VsMcCauley: Ihre Ergebnisse waren gemischt, aber das Gesamtmuster deutete - im Gegensatz zu McCauley (1998)(4); >Gruppendenken/McCauley) - darauf hin, dass der in persönlichen Beziehungen begründete Zusammenhalt mit weniger/schwächeren Symptomen des Gruppendenkens verbunden war, während der in der kollektiven Identität begründete Zusammenhalt mit mehr/stärkeren Symptomen verbunden war (siehe auch Haslam et al., 2006)(6). Unterschied zwischen den Studien von McCauley und Hogg/Hains: McCauley konzentrierte sich auf das erste Treffen von Menschen, während Hogg und Hains Gruppen von bestehenden Freunden untersuchten. Freundschaft: Sobald freundschaftliche Beziehungen bestehen und zumindest teilweise als selbstverständlich angesehen werden können, können Meinungsverschiedenheiten und Divergenzen eher zulässig werden (siehe auch McKelvey und Kerr, 1988)(7). >Freundschaft. 1. Back, K. (1951) ‘Influence through social communications’, Journal of Abnormal and Social Psychology, 46: 9–23. 2. Mullen, B., Anthony, T., Salas, E. and Driskell, J.E. (1994) ‘Group cohesiveness and quality of decision making: An integration of tests of the groupthink hypothesis’, Small Group Research, 25: 189–204. 3. Turner, M.E. and Pratkanis, A.R. (1998a) ‘A social identity maintenance model of groupthink’, Organizational Behavior and Human Decision Processes, 73: 210–35. 4. McCauley, C. (1998) ‘Group dynamics in Janis’ theory of groupthink: Backward and forward’, Organizational Behavior and Human Decision Processes, 73: 146–62. 5. Hogg, M.A. and Hains, S.C. (1998) ‘Friendship and group identification: A new look at the role of cohesiveness in groupthink’, European Journal of Social Psychology, 28: 323–41. 6. Haslam, S.A., Ryan, M.K., Postmes, T., Spears, R., Jetten, J. and Webley, P. (2006) ‘Sticking to our guns: Social identity as a basis for the maintenance of commitment to faltering organizational projects’, Journal of Organizational Behavior, 27: 607–28. 7. McKelvey, M. and Kerr, N.H. (1988) ‘Differences in conformity among friends and strangers’, Psychological Reports, 62: 759–62. Dominic J. Packer and Nick D. Ungson, „Group Decision-Making. Revisiting Janis’ groupthink studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Gruppenverhalten | Buchanan | Boudreaux I 7 Gruppenverhalten/Buchanan(1)/Boudreaux/Holcombe: (...) bei der Analyse der Gruppen, die Individuen bilden, wenn sie sich zusammenschließen, um kollektive Ergebnisse zu erzielen, bestand Buchanan darauf, dass den Einzelheiten, wie sich diese Individuen als Gruppe konstituieren, große Aufmerksamkeit geschenkt wird - und vor allem den Entscheidungsverfahren, die sie für ihre Gruppe wählen. Das Versäumnis von Ökonomen und Politikwissenschaftlern, die Details zu analysieren, wie kollektive Entscheidungsgruppen entstehen, funktionieren und sich verändern, nimmt diesen Wissenschaftlern die Möglichkeit, sowohl zu verstehen, wie die Individuen in den Gruppen handeln, als auch, warum die kollektiven Ergebnisse so sind, wie sie sind. >Methodologischer Individualismus, >Entscheidungsprozess, >Individuen/Buchanan. 1. Buchanan, James M. (1949). “The Pure Theory of Government Finance” in: Journal of Political Economy. |
EconBuchan I James M. Buchanan Politics as Public Choice Carmel, IN 2000 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Gruppenverhalten | Psychologische Theorien | Haslam I 154 Gruppenverhalten/Boys-Camp-Studien/Robbers Cave Experiment/Sherif/Psychologische Theorien: Die Studien (Sherif und Sherif, 1969(1) >Robbers Cave Experiment/Sherif, >Soziale Gruppen/Sherif) zeigten, dass Eindrücke, Einstellungen und Verhaltensweisen zwischen den Gruppen sowohl (a) Folgen von Intergruppenbeziehungen (im Gegensatz zu Ursachen) als auch (b) psychologisch sinnvoll für die Gruppenmitglieder sind. Insbesondere wurde in den Studien gezeigt, dass sich die gruppenübergreifenden Eindrücke (d.h. Stereotypen) sowohl inhaltlich als auch wertig stark unterscheiden, um Veränderungen in den Wettbewerbs- und Kooperationsbeziehungen zwischen den beiden Gruppen widerzuspiegeln. >Stereotype, >Wettbewerb, >Kooperation. Haslam I 155 Ergebnisse: [Die Studien] bieten einen klaren Weg, um einen breiteren sozialen Wandel zu verfolgen: Um negative Stereotypen abzubauen und positive Einstellungen zwischen den Gruppen zu fördern, muss man die realen Beziehungen zwischen realen Gruppen, aus denen sie entstehen, verändern. In diesem Zusammenhang kann der Versuch, die Harmonie zwischen den Gruppen zu fördern, indem man einfach Mitglieder der beiden Gruppen zusammenbringt, um zu zeigen, dass "sie alle nur normale, anständige Menschen sind", als gefährlich naiv angesehen werden. >Soziale Gruppen/Psychologische Theorien. Haslam I 159 Antagonismus innerhalb von Gruppen: (Sherif und Sherif 1969(1): 284): "Wenn sich zwei Gruppen unwiderruflich zu widersprüchlichen Zielen bekennen, macht es wenig Sinn, Bedingungen zu diskutieren, die der Konfliktreduzierung förderlich sind. Sie werden weiterhin die Schuld für den Zustand der Dinge aufeinander schieben. .... Kurz gesagt, es gibt sehr reale Konflikte von lebenswichtigem Interesse, die das Entstehen übergeordneter Ziele ausschließen." 1. Sherif, M. and Sherif, C.W. (1969) Social Psychology. New York: Harper & Row. Michael W. Platow and John A. Hunter, „ Intergroup Relations and Conflicts. Revisiting Sherif’s Boys’ Camp studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications Haslam I 173 Gruppenverhalten/Mimale Gruppen/Abhängigkeit/VsTajfel/Psychologische Theorien: Gaertner und Insko (2000)(1) baten die Teilnehmer, Belohnungen zu vergeben, variierten aber, ob der andere Zuteiler ein Gruppenmitglied der eigenen Gruppe oder ein Mitglied der anderen Gruppe (OutGroup) war und ob die Teilnehmer persönlich Belohnungen erhalten würden oder nicht. Die Teilnehmer bevorzugten ihre eigene Gruppe (InGroup) gegenüber der OutGroup, aber nur, wenn sie für ihre eigenen Ergebnisse auf ein InGroup-Mitglied angewiesen waren. Eine weitere Studie von Wolfgang Stroebe und Kollegen (2005)(2) manipulierte orthogonal die Abhängigkeit der Teilnehmer von der InGroup (ja, nein) und der OutGroup (ja, nein) als Belohnung. Wie in der Studie von Gaertner und Insko zeigte sich, dass InGroup-Förderstrategien deutlich am stärksten waren, wenn es eine Abhängigkeit von der InGroup und nicht von der OutGroup gab. >Gruppenverhalten/Tajfel, >Minimale Gruppe/Tajfel, >Soziale Identitätstheorie/Tajfel, >Egoismus/Tajfel. Haslam I 174 Reziprozität: Die Menschen neigen dazu, auf die Abhängigkeitsstruktur zu reagieren und sich dann mit Bevorzugung derjenigen zu revanchieren, von denen sie abhängig sind, aber dieser Effekt ist für die Abhängigkeit von der InGroup (also "begrenzt") wesentlich stärker (Yamagishi und Kiyonari, 2000)(3). Diese Idee wird auch durch immer wiederkehrende Beweise gestützt, dass die Menschen tatsächlich erwarten, dass die Gruppe ihre Kollegen mehr belohnt (Gaertner und Insko, 2000(1); Jetten et al., 1996(4); Stroebe et al., 2005(3)). >Reziprozität/Psychologische Theorien, >Minimale Gruppen/Psychologische Theorien. 1. Gaertner, L. and Insko, C.A. (2000) ‘Intergroup discrimination in the minimal group paradigm: Categorization, reciprocation or fear?’, Journal of Personality and Social Psychology, 79: 77–94. 2. Stroebe, K.E., Lodewijkx, H.F.M. and Spears, R. (2005) ‘Do unto others as they do unto you: Reciprocity and social identification as determinants of in-group favoritism’, Personality and Social Psychology Bulletin, 31: 831–46. 3. Yamagishi, T. and Kiyonari, T. (2000) ‘The group as container of generalized reciprocity’, Social Psychology Quarterly, 62: 116–32. 4. Jetten, J., Spears, R. and Manstead, A.S.R. (1996) ‘Intergroup norms and intergroup discrimination: Distinctive self-categorization and social identity effects’, Journal of Personality and Social Psychology, 71: 1222–33. Russell Spears and Sabine Otten,“Discrimination. Revisiting Tajfel’s minimal group studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications |
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| Gruppenverhalten | Sherif | Haslam I 146 Gruppenverhalten/Sherif: um Phänomene zwischen den Gruppen zu verstehen (d.h. die Art und Weise, wie sich Gruppen zueinander verhalten) glaubte [Sherif], dass es wichtig sei, einen gruppenübergreifenden Ansatz zu verfolgen. Als Psychologe betrachtete er die "Wahrnehmung der sozialen Welt" des Einzelnen, gepaart mit dem "Lernen darüber" des Einzelnen und der Beurteilung und Bewertung derselben, als einen Schwerpunkt seiner Analyse (Sherif und Sherif, 1969(1): 8). >Individuen/Sherif. Haslam I 147 Sherif: Der Fortschritt und das Muster des intergruppenspezifischen Verhaltens stellen ein normales sozialpsychologisches Funktionieren dar und sind weder "irrational" (Sherif und Sherif, 1969(1): 269) noch ein "Problem des abweichenden Verhaltens" (Sherif et al., 1961(2): 198). VsSherif: Es kann manchmal so aussehen, als ob Sherif einen sehr einseitigen Ansatz für die Beziehungen zwischen den Gruppen verfolgt hätte. SherifVsVs:/Platow/Hunter: [Sherif et al.] taten alles, was sie in ihren Jungen-Camp-Studien (>Robbers Camp Studien/Sherif) konnten, um zu zeigen, dass biologische und Persönlichkeitskonstrukte ihre Ergebnisse nicht erklären konnten. Um dies zu erreichen, arbeiteten sie hart daran, die Macht des sozialen Kontextes bei der Gestaltung sowohl gruppeninterner als auch gruppenübergreifender Einstellungen und Verhaltensweisen zu demonstrieren. Aber [ihr] Ziel war es nie, völlig andere potenzielle Faktoren zu vernachlässigen. >Robbers Camp Studien/Sherif. Haslam I 148 Intergruppenspezifische Beziehungen: [für Sherif et al.] wurden Intergruppenbeziehungen als "funktionale Beziehungen zwischen zwei oder mehr Gruppen... und ihren jeweiligen Mitgliedern" konzipiert (Sherif und Sherif, 1969(1): 223). Auch hier ist die Grundannahme, dass diese Beziehungen tatsächliche, materielle Interaktionen mit sich bringen. Darüber hinaus treten diese Beziehungen sowohl zwischen einzelnen Gruppenmitgliedern als auch zwischen den Gruppen als Einheiten auf. Interaktionen: a) zwischen Menschen innerhalb von mindestens zwei separaten Gruppen b) zwischen Gruppen. Methode/Sherif: drei experimentelle Phasen 1) innere Gruppenbildung 2) gruppenübergreifender Konflikt 3) Reduzierung des gruppenübergreifenden Konflikts. >Robbers Cave Experiment/Sherif. Haslam I 154 Gruppenverhalten/Boys-Camp-Studien/Robbers Cave Experiment/Sherif/Psychologische Theorien: Die Studien zeigten, dass gruppenübergreifende Eindrücke, Einstellungen und Verhaltensweisen sowohl (a) Folgen von gruppenübergreifenden Beziehungen (im Gegensatz zu Ursachen) als auch (b) psychologisch sinnvoll für Gruppenmitglieder sind. Insbesondere in den Studien wurde gezeigt, dass sich die gruppenübergreifenden Eindrücke (d.h. Stereotypen) sowohl inhaltlich als auch wertig stark unterscheiden, um Veränderungen in den Wettbewerbs- und Kooperationsbeziehungen zwischen den beiden Gruppen widerzuspiegeln. Haslam I 155 Ergebnisse: [Die Studien] bieten einen klaren Weg, um einen breiteren sozialen Wandel zu verfolgen: Um negative Stereotypen abzubauen und positive Einstellungen zwischen den Gruppen zu fördern, muss man die realen Beziehungen zwischen realen Gruppen, aus denen sie entstehen, verändern. In diesem Zusammenhang kann der Versuch, die Harmonie zwischen den Gruppen zu fördern, indem man einfach Mitglieder der beiden Gruppen zusammenbringt, um zu zeigen, dass "sie alle nur normale, anständige Menschen sind", als gefährlich naiv angesehen werden. 1. Sherif, M. and Sherif, C.W. (1969) Social Psychology. New York: Harper & Row. 2. Sherif, M., Harvey, O.J., White, B.J., Hood, W.R. and Sherif, C.W. (1961) Intergroup Conflict and Cooperation: The Robbers Cave Experiment. Norman, OK: Institute of Group Relations, University of Oklahoma. Michael W. Platow and John A. Hunter, „ Intergroup Relations and Conflicts. Revisiting Sherif’s Boys’ Camp studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Class studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Gruppenverhalten | Tajfel | Haslam I 165 Gruppenverhalten/Konflikte/Tajfel: Was sind die minimalen Bedingungen für Konflikte zwischen Gruppen? (Taifel et al. 1971(1): 153-4): 1) Keine persönliche Interaktion (innerhalb oder zwischen Gruppen). 2) Absolute Anonymität. 3) Kein Zusammenhang zwischen den Kriterien für die Kategorisierung in Gruppen und der Art der von den Teilnehmern angeforderten Antworten. 4) Die Befragten sollten aus ihren Antworten keinen (utilitaristischen) Wert ableiten (um Eigeninteressen auszuschließen). 5) Eine Strategie zur Unterscheidung zwischen Gruppen sollte in Konkurrenz zu rationalen/utilitaristischen Prinzipien stehen, um den größtmöglichen Nutzen für alle zu erzielen. Insbesondere sollte der Nutzen für die eigene Gruppe (die InGroup) mit einer Strategie kontrastiert werden, bei der die InGroup mehr gewinnt als die andere Gruppe (die OutGroup). Die Antworten sollten so wichtig und real wie möglich sein (d.h. konkrete Belohnungen und keine Form der Bewertung). >Minimale Gruppen, >Gruppenkohäsion, >Gruppendenken, >Soziales Verhalten, >Verhalten. 1. Tajfel, H., Flament, C., Billig, M.G. and Bundy, R.F. (1971) ‘Social categorization and intergroup behaviour’, European Journal of Social Psychology, 1: 149–77. Russell Spears and Sabine Otten,“Discrimination. Revisiting Tajfel’s minimal group studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications |
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| Gut/Das Gute | Moore | Stegmüller IV 181 Argument der offenen Frage/gut/Definition/Moore: Angenommen jemand behaupte, "gut" könne man definieren als "der Lebensfreude förderlich". Dann könnten wir trotzdem immer noch die Frage verstehen: "zugegeben, es fördert die Lebensfreude, aber ist es auch gut?". Fazit: "Gut" muss eine einfache, nichtanalysierbare, nichtnatürliche Qualität bedeuten. StegmüllerVsMoore: Das kann sich nur auf das sittliche Gutsein beziehen. Vgl. >Gut/Plato, >Definitionen, >Definierbarkeit. Stegmüller IV 182 Wir könnten immer noch vermuten, dass es in moralischen und nichtmoralischen Kontexten einen gemeinsamen Bedeutungskern gibt. >Moral, >Ethik, >Kognitivismus, >Normen, >Gemeinschaft, >Gesellschaft, >Diskurs. Stegmüller IV 186 "Gut"/Moore/offene Frage/Mackie/Stegmüller: Die Lösung von Moores Problem: diejenigen Erfordernisse, in Bezug auf die wir fragen ob x gut ist, sind nicht identisch mit denen, für die wir bereits zugestanden haben, dass x ihnen genügt. Vs: Manche meinen, nur die Annahme objektiver Werte könne dem Argument der offenen Frage widerstehen. Nur vom Standpunkt der "Gesamtwirklichkeit" seien alle Erfordernisse berücksichtigt. >Objektivität. MackieVs: Es ist eine trügerische Hoffnung, dass es etwas gäbe, das allen denkbaren Arten von Erfordernissen genügen könnte. |
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| Güter | Rothbard | Rothbard III 161 Güter/Waren//Austauschbare Güter/Tausch/Produktion/Lagerhaltung/Rothbard: Die Ökonomie, (...), ist keine Wissenschaft, die sich speziell mit „materiellen Gütern“ oder „materiellem Wohlstand“ beschäftigt. Sie befasst sich allgemein mit dem Handeln der Menschen zur Befriedigung ihrer Wünsche und speziell mit dem Prozess des Warenaustauschs als Mittel für jedes Individuum, die Befriedigung seiner Wünsche zu „produzieren“. Rothbard III 162 Diese Güter können materielle Waren oder immaterielle persönliche Dienstleistungen sein. Die Prinzipien von Angebot und Nachfrage, der Preisbestimmung, sind für jedes Gut genau die gleichen, egal ob es in die eine oder die andere Kategorie fällt. Die vorstehende Analyse ist auf alle Güter anwendbar. Die folgenden Arten von möglichen Tauschvorgängen wurden also von unserer Analyse erfasst: Eine Ware gegen eine Ware, z. B. Pferde gegen Fisch. Eine Ware gegen eine persönliche Dienstleistung, wie z. B. ärztlicher Rat gegen Butter oder Landwirtschaftliche Arbeit gegen Lebensmittel. Eine persönliche Dienstleistung für eine persönliche Dienstleistung, z. B. gegenseitiges Helfen durch zwei Siedler, medizinischer Rat für Gartenarbeit oder Unterricht für eine Musikaufführung. Rothbard III 163 Tausch/Handel: Ein offensichtlicher Grund für die Verwechslung des Tausches mit einem bloßen Handel mit materiellen Gegenständen ist die Tatsache, dass viele immaterielle Güter ihrer Natur nach nicht getauscht werden können. Ein Geiger kann seine musikalischen Fähigkeiten besitzen und Einheiten davon in Form von Dienstleistungen gegen die Dienste eines Arztes tauschen. Aber andere persönliche Eigenschaften, die nicht getauscht werden können, können als Güter begehrt werden. So könnte Brown ein gewünschtes Ziel haben: die echte Anerkennung von Smith zu erhalten. Dabei handelt es sich um ein besonderes Konsumgut, das er mit keinem anderen Gut kaufen kann, denn was er will, ist die echte Anerkennung und nicht eine käufliche Anerkennung. Unveräußerlichkeit: In Bezug auf den Tausch ist dieses immaterielle Gut ein unveräußerliches Eigentum von Smith, d. h. es kann nicht aufgegeben werden. Wird hingegen ein veräußerbares Gut übertragen, so geht es natürlich in das Eigentum - unter der alleinigen und ausschließlichen Zuständigkeit - der Person über, die es im Tausch erhalten hat, und kein späteres Bedauern des ursprünglichen Eigentümers kann irgendeinen Anspruch auf das Gut begründen. Rothbard III 165 Warenersatz: Nehmen wir an, dass Jones eine Ware (...) in einem Lagerhaus zur Aufbewahrung hinterlegt. Er behält das Eigentum an der Ware, überträgt aber ihren physischen Besitz an den Eigentümer des Lagerhauses, Green, zur Verwahrung. Green händigt Jones einen Lagerschein für die [Ware] aus, der bescheinigt, dass die [Ware] dort zur Verwahrung ist, und der dem Eigentümer des Lagerscheins einen Anspruch darauf gibt, die [Ware] zu erhalten, wenn er den Schein im Lager vorlegt. Auf einem ungehinderten Markt würde der Anspruch als absolut sicher angesehen und mit Sicherheit eingelöst werden, so dass Jones den Anspruch als Ersatz für den tatsächlichen physischen Austausch der [Ware] eintauschen könnte. >Lagerhaltung/Rothbard. Rothbard III 166 Anteile: (...) der Anteil ist ein Beweis für Teileigentum oder einen Anspruch auf Teileigentum an einer Ware. Dieses Eigentumsrecht an einem proportionalen Anteil an der Nutzung eines Gutes kann auch im Tausch verkauft oder gekauft werden. Kredit: Eine dritte Art von Anspruch ergibt sich aus einem Kredittausch (oder Kreditgeschäft). Bei einem Kreditgeschäft wird ein gegenwärtiges Gut gegen ein zukünftiges Gut oder vielmehr einen Anspruch auf ein zukünftiges Gut getauscht. Die Preise bei einem solchen Tausch werden wie beim Tausch von gegenwärtigen Gütern durch Wertmaßstäbe und das Zusammentreffen von Angebot und Nachfrage bestimmt. >Kredit/Rothbard. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Handelskriege | Alessandria | Alessandria I 21 Handelskriege/Zölle/Modell/Alessandria/Ding/Khan/Mix:. [In unserem Modell]* haben die Akteure perfekte Vorhersehbarkeit hinsichtlich der Dauerhaftigkeit der Zölle, der Vergeltungsmaßnahmen und der Verwendung der Zolleinnahmen für fiskalische Anpassungen, sobald die Zölle eingeführt sind. Wir berücksichtigen auch den neuen Steuersatz oder Investitionszuschusssatz sowie die Handels- und Zolleinnahmen als Anteil am BIP. Handel: Die Auswirkungen von Zöllen auf den Handel, den Export, die Gründung von Unternehmen und die Zolleinnahmen sind bei allen fiskalischen Strategien recht ähnlich. >Internationaler Handel. Zölle: Die Zölle verlagern die Ausgaben sofort auf inländische Waren. Im Laufe der Zeit verlassen Exporteure den Markt und neue inländische Unternehmen treten ein, sodass es zu einer kontinuierlichen schrittweisen Substitution kommt, die letztlich zu einem Anstieg der inländischen Ausgaben um etwas mehr als fünf Prozentpunkte führt. >Zölle. Zolleinnahmen: In allen Fällen steigen die Zolleinnahmen mit der Einführung der Zölle sprunghaft auf mindestens 2 Prozent des BIP, was deutlich über dem Niveau der letzten Jahrzehnte liegt. Sehr schnell danach sinken die Zolleinnahmen als Anteil am BIP jedoch trotz einer sich verschärfenden Kontraktion des BIP stark. >Zolleinnahmen. Substitution: Dieser Rückgang der Einnahmen spiegelt die anhaltende Substitution teurerer importierter Waren durch inländische Unternehmen und Haushalte wider. >Importsubstitution. Langfristig: Langfristig pendeln sich die Zolleinnahmen als Anteil am BIP bei etwa 1,3 Prozent ein, was etwa dem Doppelten ihres ursprünglichen Niveaus entspricht. Langfristig sind die Zolleinnahmen am höchsten, wenn sie zur Subventionierung von Investitionen oder zur Senkung der Kapitalsteuern verwendet werden, da diese Verwendungszwecke die höheren Kosten für importierte Investitionsgüter teilweise ausgleichen und damit die Substitution von Importen durch Haushalte und Unternehmen abschwächen. Alessandria I 22 Nachfrage: Da der Handel kapitalintensiv ist, haben die Subventionen angesichts der sich verändernden Zusammensetzung der Endnachfrage einen geringeren Einfluss auf den Handel. Die sinkenden Zolleinnahmen bedeuten, dass die Steuer- oder Subventionssätze im Laufe der Zeit angepasst werden müssen. Langfristig können die Zolleinnahmen eine Investitionssubvention von 12 Prozent, eine Senkung der Kapitalertragssteuer um fünf Prozent oder eine Senkung der Arbeitseinkommenssteuer um zwei Prozent finanzieren. Rückerstattung: Von den vier in Betracht gezogenen Verwendungszwecken für Zolleinnahmen führt eine pauschale Rückerstattung zu dem größten Rückgang der Beschäftigung und des BIP. Besteuerung: Durch Steuersenkungen oder Investitionssubventionen können Einnahmen dazu verwendet werden, Verzerrungen in anderen Bereichen der Wirtschaft zu verringern oder zusätzliche Investitionen zu fördern. Somit sinken das BIP, der Konsum, die Investitionen und die Beschäftigung weniger stark, wenn Zölle erstattet werden, um Steuern zu senken oder Investitionen zu subventionieren. >Besteuerung. Steuersenkung: Allerdings haben die verschiedenen Steuersenkungen und Subventionen alle einzigartige Auswirkungen auf die Wirtschaft. Die Senkung der Kapitalsteuern oder die Subventionierung von Investitionen haben beide starke positive Auswirkungen auf das BIP, nachdem der Zoll eingeführt wurde, bevor das BIP wieder sinkt. Dieser kurze Aufschwung ist auf die relativ hohen Zollerträge zurückzuführen, die kurzfristig im Vergleich zu langfristig erzielt werden. Wenn die Zollerträge sinken, stehen weniger Mittel für Steuersenkungen oder Subventionen zur Verfügung, und das BIP sinkt weiter. Markteintritt: Langfristig steigert der Eintritt neuer Unternehmen jedoch die inländische Kapazität, sodass wir das in diesen Modellen mit dynamischer Handelsanpassung und Unternehmenseintritt übliche Überschreiten des BIP beobachten können. >Markteintritt. Sowohl Investitionssubventionen als auch Kapitalstockreduzierungen führen zu einem starken Investitionsschub. Der Investitionsboom verdrängt den Konsum, der infolge dessen stark zurückgeht. Langfristig ist der Konsum jedoch bei Investitionssubventionen am höchsten, da der größere Kapitalstock die Kapazität der Wirtschaft erweitert. Löhne: Auch die Löhne sind langfristig bei Investitionssubventionen höher, da die Komplementarität zwischen Kapital- und Arbeitsproduktion die Nachfrage nach Arbeitskräften erhöht. >Löhne, >Arbeit. Die Senkung der Arbeitssteuern schwächt die üblichen Substitutionseffekte, die sich aus einem Zoll ergeben. Zölle sind eine Steuer auf Waren, sodass der Substitutionseffekt Haushalte im Allgemeinen dazu verleitet, mehr Freizeit zu genießen. Wenn jedoch die Arbeitssteuern sinken, behalten die Arbeitnehmer einen größeren Teil ihres Lohns, sodass Freizeit teurer wird. Während der Arbeitseffekt im Pauschalszenario bei der Einführung etwa neutral ist, steigt die Arbeit bei einer Senkung der Arbeitssteuern um fast 5 %. Auch hier ist der Effekt der Steuersenkung am größten, wenn die Zolleinnahmen am höchsten sind, obwohl die Arbeitskosten langfristig immer noch höher sind als bei jeder anderen Einnahmequelle. Die Subventionierung der Arbeit senkt auch die Kosten für den Markteintritt von Unternehmen, sodass eine Senkung der Arbeitssteuern zu einem höheren Wachstum der Anzahl von Unternehmen in der Wirtschaft führt. Höhere Arbeitskosten und eine größere Anzahl von Unternehmen tragen zu einer stärkeren langfristigen Reaktion des BIP bei als in der Wirtschaft mit Pauschalrabatt. >Zolleinnahmen. Alessandria I 24 Vorübergehender Handelskrieg: Wir gehen davon aus*, dass die Zölle vier Jahre lang gelten und dass alle Akteure die Entwicklung der Zölle mit perfekter Vorhersehbarkeit kennen. Wir nehmen an, dass beide Länder die Einnahmen auf die gleiche Weise verwenden. BIP: Die Reaktion der Zolleinnahmen als Anteil des BIP auf die Auswirkungen ist sehr ähnlich wie bei einem permanenten Handelskrieg. Tatsächlich ist die kurzfristige Zollelastizität in diesem Modell einfach γ, sodass wir in beiden Modellen ähnliche Reaktionen erwarten würden. Zolleinnahmen: Im Laufe der Zeit stellen wir jedoch fest, dass die Zolleinnahmen besser stabil bleiben, wenn die Zölle voraussichtlich vorübergehend sind. Diese Erkenntnis hängt mit der Dynamik der Handelsanpassung zusammen, die langsamer und in geringerem Umfang erfolgt als bei einem dauerhaften Handelskrieg. Der Grund für diese langsame Anpassung ist, dass Exporteure weniger Anreize haben, ihren Vorteil durch feste Exportkosten aufzugeben, indem sie den Markt verlassen, wenn sie davon ausgehen, dass die Zölle bald wieder abgeschafft werden. Alessandria I 25 Während die vorübergehenden Zölle zu einer eher allmählichen Reaktion bei den Zolleinnahmen und im Handel führen, verursachen sie bei anderen aggregierten Variablen deutlich stärkere Schwankungen. Wenn die Einnahmen nicht zur Subventionierung von Investitionen verwendet werden, sinken die Investitionen während der Dauer der Zölle sehr stark. Investitionsgüter: Da der Handel mit Investitionsgütern intensiv ist, wird der Preis von Investitionsgütern stärker von Zöllen beeinflusst. Wenn die Wirtschaftsakteure davon ausgehen, dass die Zölle bald wieder abgeschafft werden und sich der Preis für Investitionen wieder normalisieren wird, optimieren sie intertemporal, indem sie Kapitalinvestitionen aufschieben. Investitionen: Die einzige Ausnahme besteht darin, dass Zölle zur Subventionierung von Investitionen verwendet werden. Dann gleichen die Einnahmen den Anstieg der Investitionspreise aus und veranlassen die Akteure, ihre Investitionen während der Dauer der Zölle stark zu erhöhen. Für viele Variablen, darunter BIP, Konsum, Investitionen und Handel, scheint die einzige Verwendung der Einnahmen, die sich wesentlich von der pauschalen Rückerstattung unterscheidet, die Subventionierung von Investitionen zu sein. Arbeit: Eine Ausnahme bildet die Arbeit, wo eine Senkung der Arbeitssteuern zu einem starken Anstieg der Beschäftigung während der Dauer der Zölle führt. Der größte Teil dieser Arbeit scheint für die Gründung neuer Unternehmen verwendet zu werden, die ihren Höchststand bei 4 Prozent über dem Gleichgewichtsniveau erreichen, was weit über dem Höchststand der Pauschalrückerstattung liegt. * George A. Alessandria, Jiaxiaomei Ding, Shafaat Y. Khan, and Carter B. Mix. (2025) The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025 |
Alessandria I George A. Alessandria Jiaxiaomei Ding Shafaat Y. Khan, The Tariff Tax Cut: Tariffs as Revenue NBER Working Paper No. 33784 May 2025 Cambridge, MA 2025 |
| Handelskriege | Pape | Pape I 94 Handelskriege/Pape: Von einem Handelskrieg spricht man, wenn ein Staat damit droht, wirtschaftlichen Schaden anzurichten oder ihn tatsächlich anrichtet, um den Zielstaat dazu zu bewegen, Handelsbedingungen zuzustimmen, die für den zwingenden Staat günstiger sind.(1) Da Handelskriege darauf abzielen, den Verlauf laufender Handelsbeziehungen neu zu lenken, finden sie in der Regel zwischen etablierten Handelspartnern statt. Im Gegensatz zu Wirtschaftssanktionen zielen Handelskriege nicht darauf ab, das politische Verhalten des Zielstaates zu beeinflussen, sondern seine internationale Wirtschaftspolitik, und zwar nur in dem Maße, wie sie sich auf den Wohlstand des zwingenden Staates auswirkt. >Sanktionen. Wenn die Vereinigten Staaten China mit wirtschaftlicher Bestrafung drohen, wenn es die Menschenrechte nicht respektiert, ist das eine wirtschaftliche Sanktion; wenn eine Bestrafung wegen Urheberrechtsverletzungen angedroht wird, ist das ein Handelskrieg. Dementsprechend ist das wichtigste Maß für den Druck eines Handelskriegs die Veränderung des Preises, den der Zielstaat für eine betroffene Ware oder Dienstleistung erhält (oder zahlen muss). Die wirtschaftliche Kriegsführung zielt darauf ab, das wirtschaftliche Gesamtpotenzial eines Gegners zu schwächen, um seine militärischen Fähigkeiten zu schwächen, entweder in einem Wettrüsten in Friedenszeiten oder in einem laufenden Krieg. Diese Strategie geht davon aus, dass je größer die Gesamtproduktionskapazität eines Staates ist, desto größer ist auch seine Fähigkeit, technologisch hochentwickelte Waffen zu produzieren und Menschen und Reichtum für militärische Zwecke zu mobilisieren. Im Gegensatz zu den ersten beiden Strategien zielt die Wirtschaftskriegführung nicht darauf ab, das Ziel durch die Zufügung von wirtschaftlichem Schmerz zu zwingen. Soweit sie überhaupt Zwang ausübt, geschieht dies, indem sie den Zielstaat davon überzeugt, dass seine verringerte militärische Stärke bestimmte politische Ziele unerreichbar macht.(2) Folglich ist das wichtigste Maß für den Druck der wirtschaftlichen Kriegsführung die Veränderung der militärischen Produktion.(3) Pape I 96 Handelskriege sollten nicht als Beleg für die Behauptung gelten, dass mit Wirtschaftssanktionen ehrgeizigere politische Ziele erreicht werden können, weil die Entscheidungsgrundlage der Zielstaaten eine andere ist. Staaten, die in Handelskonflikte verwickelt sind, entscheiden, ob sie Zugeständnisse machen, je nachdem, von welcher Entscheidung sie erwarten, dass sie ihren Wohlstand maximieren. Zielstaaten von Wirtschaftssanktionen hingegen wissen, dass sie wirtschaftlich besser dastehen würden, wenn sie den Forderungen des Nötigers nachgeben, und treffen ihre Entscheidung danach, ob ihre politischen Ziele die wirtschaftlichen Kosten wert sind. Handelskriege sollten ebenfalls ausgeschlossen werden, da ihre Einbeziehung die Unterscheidung zwischen Zwecken, für die Wirtschaftssanktionen eine mögliche Alternative zur Anwendung von Gewalt darstellen, und solchen, für die Gewalt niemals in Frage käme, aufheben würde. Darüber hinaus würde die Berücksichtigung von Handelskriegen das Universum der Sanktionen auf praktisch alle internationalen Wirtschaftsverhandlungen jeglicher Art ausdehnen, ein Universum, das so groß ist, dass es praktisch nicht zu zählen ist. >Sanktionen, >Sanktionen-Kontroverse, >Sanktionsfolgen, >Sanktionsgeschichte, >Sanktionspolitik, >Sanktionswirksamkeit, >Sanktionsumgehung, >Sanktionentheorie, >Zahlungssysteme, >Handelskriege, >Handelssanktionen, >Finanzsanktionen. 1. Zur Definition von Handelskriegen siehe John C. Conybeare, Trade Wars: The Theory and Practice of International Commercial Rivalry (New York: Columbia University Press, 1987), S. 3-6, 21-28. 2. Zum Unterschied zwischen Zwang durch Bestrafung und Verweigerung, siehe Robert A. Pape, Bombing to Win: Air Power and Coercion in War (Ithaca, N.Y.: Cornell University Press, 1996), Chap. 3. Eine vierte Strategie, das strategische Embargo, ist ein Sonderfall der Wirtschaftskriegsführung. Anstatt die gesamte Wirtschaft des Ziellandes anzugreifen, werden einem Gegner durch ein strategisches Embargo bestimmte wichtige Güter vorenthalten, um Verbesserungen seiner militärischen Fähigkeiten zu verhindern oder zu verzögern. Für einen Vergleich zwischen Wirtschaftskrieg und strategischem Embargo, siehe Michael Mastanduno, Economic Containment: CoCom and the Politics of East-West Trade (Ithaca, N.Y.: Cornell University Press, 1992), S. 39-52. |
Pape I Robert A. Pape Why Economic Sanctions Do Not Work International Security, Volume 22, Issue 2 (Autumn, 1997), 90-136. 1997 |
| Handelspolitik | Politische Ökonomie | Feenstra I 9-1 Handelspolitik/Politische Ökonomie/Feenstra: Die Idee, dass nicht wettbewerbsfähige Märkte den Regierungen die Möglichkeit geben, von der Handelspolitik zu profitieren, ist ein wichtiger Forschungszweig. Letztlich ist man jedoch zu dem Schluss gekommen, dass diese Möglichkeiten für einen „strategischen“ Einsatz der Handelspolitik sehr begrenzt sind. Dies wirft die offensichtliche Frage auf, warum die Handelspolitik so häufig eingesetzt wird. Eine Antwort darauf ist, dass solche Maßnahmen politisch motiviert sind: Zölle werden als Reaktion auf Forderungen spezieller Interessengruppen wie Industrie und Gewerkschaften gewährt. Das Forschungsproblem besteht darin, zu verstehen, wie solche Forderungen durch den politischen Prozess vermittelt werden. Modelle: [Es gibt das Medianwählermodell von Mayer (1984)(1) und das Modell des „Schutzes für den Verkauf“ von Grossman und Helpman (1994)(2). >Medianwählermodell/Feenstra. Das Modell des „protection for sale“ ist in verschiedene Richtungen erweitert worden. Mitra (1999)(3) hat gezeigt, wie endogene Lobbys in diesen Rahmen eingeführt werden können, wie wir noch erörtern werden. >Protection for sale. Grossman und Helpman (1995a)(4) nutzen diesen Rahmen, um einen Zollkrieg zwischen zwei Ländern und die potenziellen Vorteile internationaler Abkommen zu analysieren. In diesem Sinne untersuchen Bagwell und Staiger (1997(5), 2002(6)) die wirtschaftlichen Gründe für die im Allgemeinen Handels- und Tarifabkommen (GATT) und in der Welthandelsorganisation (WTO) verankerten Handelsregeln. Zu diesen Regeln gehört der GATT-Grundsatz der „Gegenseitigkeit“, wonach jedes Land zustimmt, seine Handelsschranken im Gegenzug für eine Verringerung durch ein anderes Land zu reduzieren. Der Rahmen von Bagwell und Staiger ist allgemein genug, um sowohl das Medianwählermodell als auch das Modell des „protection for sale“ zu berücksichtigen (...). 1. Mayer, Wolfgang, 1984, “Endogenous Tariff Formation,” American Economic Review, December, 74(5), 970-985. 2. Grossman, Gene M. and Elhanan Helpman, 1994, “Protection for Sale,” American Economic Review, 84, 833-850. 3. Mitra, Devashish, 1999, “Endogenous Lobby Formation and Endogenous Protection: A long-Run Model of Trade Policy Determination,” American Economic Review, 89(5), December, 1116-1134. 4. Grossman, Gene M. and Elhanan Helpman, 1995a, “Trade Wars and Trade Talks,” Journal of Political Economy, 103(4), August, 675-708. 5. Bagwell, Kyle and Robert W. Staiger, 1997, “An Economic Theory of GATT”, American Economic Review, 89(1), March, 215-248. 6. Bagwell, Kyle and Robert W. Staiger, 2002, The Economics of the World Trading System. Cambridge: MIT Press. |
Feenstra I Robert C. Feenstra Advanced International Trade University of California, Davis and National Bureau of Economic Research 2002 |
| Handelspolitik | Wirtschaftstheorien | Krugman III 11 Handelspolitik/Wirtschaftstheorien/Kala Krishna/Kathleen Hogan/Phillip Swagel: Ein zentrales Thema der neueren Arbeiten* zur Handelspolitik für unvollkommene Wettbewerbsmärkte ist, dass Regierungen durch die Vorfestlegung von Zöllen oder Subventionen die strategische Position von Unternehmen beeinflussen und dadurch Gewinne zugunsten inländischer Unternehmen verlagern können.** >Unvollkommener Wettbewerb, >Internationaler Handel, >Interventionen, >Regierungspolitik, >Neue Handelstheorie. Optimale Handelspolitik: Eaton und Grossman (1986)(1) zeigen jedoch, dass die Form der optimalen Handelspolitik entscheidend von der Art des Wettbewerbs zwischen den Unternehmen abhängt.* Wenn solche Modelle zur Begründung einer aktiven Handelspolitik verwendet werden sollen, sind daher nicht nur Informationen über die Nachfrage- und Kostenbedingungen, sondern auch über die Art des Wettbewerbs zwischen konkurrierenden Unternehmen erforderlich. Ökonometrie/Modelle: In jüngster Zeit sind einige Erfolge bei der Umsetzung dieser Theorien mit Hilfe von Kalibrierungsmodellen zu verzeichnen. Dixit (1988)(2) wendet ein kalibriertes Modell auf den amerikanisch-japanischen Wettbewerb in der Autoindustrie an. >Ökonometrie, >Modelle, >Ökonomische Modelle. Variierte Annahmen/conjectural variations/CV: Er verwendet einen Ansatz der konjekturalen Variationen (CV), um die Interaktionen zwischen den Unternehmen zu erfassen, wobei die Konjekturen aus der Verwendung von an Marktdaten kalibrierten Gewinnmaximierungsgleichungen resultieren. >Profitmaximierung. Die CVs werden dann mit kalibrierten Schätzungen der Nachfrage kombiniert, um die optimale Handels- und Industriepolitik zu bestimmen. Diese Arbeit hat sowohl in politischen Kreisen als auch unter Wirtschaftswissenschaftlern für Aufregung gesorgt, da politische Empfehlungen selbst dann ausgesprochen werden können, wenn nur minimale Daten zur Verfügung stehen.** Krugman III 12 Richardson (1989)(5), Srinivasan (1989)(6) und Helpman und Krugman ( 1989)(7) geben einen Überblick über Arbeiten in diesem Bereich.*** Angewandte Ökonometriker betrachten diese Modelle jedoch mit erheblichem Misstrauen, da sie aus winzigen Datensätzen und oft schlecht bekannten Elastizitätsparametern politische Empfehlungen abzuleiten scheinen. >Elastizität. Die Sensitivitätsanalyse beschränkt sich in der Regel darauf, die Auswirkungen einer Änderung der bei der Kalibrierung verwendeten Parameter zu untersuchen. >Sensitivitätsanalyse, >Kalibrierung. *Siehe Dixit (1988)(2) für einen Überblick über diese Literatur. ** Die optimale Politik hängt natürlich davon ab, welche anderen Verzerrungen bestehen. Siehe Krishna und Thursby (1989)(4), die sich mit der optimalen Gesamtpolitik unter Verwendung eines zielgerichteten Ansatzes befassen. *** Weitere Beispiele für Arbeiten in diesem Bereich sind die von Baldwin und Krugman (1988)(3) und Venables und Smith (1986)(4). 1. Eaton, J., and G. Grossman. 1986. Optimal trade and industrial policy under oligopoly. Quarterly Journal of Economics 101:383-406. 2. Dixit, A. 1988. Optimal trade and industrial policies for the US automobile industry. In Empirical research in international trade, ed. R. Feenstra. Cambridge: MIT Press. 3. Baldwin, R., and P. Krugman. 1988. Market access and international competition: A simulation study of 16K RAM’S. In Empirical methods for international trade, ed. R. Feenstra. Cambridge: MIT Press. 4. Krishna, K., and M. Thursby. 1991. Optimal policies with strategic distortions. Journal of International Economics 3 1 (3/4): 29 1-308. 5. Richardson, J. David. 1989. Empirical research on trade liberalization with imperfect competition: A survey. OECD Economic Studies no. 12 (Spring): 7-50. 6. Srinivasan, T. N. 1989. Recent theories of imperfect competition and international trade: Any implications for development strategy? Indiun Economic Review 7. Helpman, E., and P. Krugman. 1989. Market structure and trade policy. Cambridge: MIT Press. Kala Krishna, Kathleen Hogan, and Phillip Swagel. „The Nonoptimality of Optimal Trade Policies: The U.S. Automobile Industry Revisited, 1979-1985.“ In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press. Benguria I 4 Handelspolitik/Ökonomische Theorien/Benguria/Saffie: (...) in letzter Zeit gab es viele Fortschritte beim Verständnis der makroökonomischen Auswirkungen der Handelspolitik [Barattieri et al., 2021(1), Jeanne, 2021(2), Bergin und Corsetti, 2023(3), Auray et al, 2024(4), Aguiar et al., 2025(5), Auclert et al., 2025(6), Auray et al., 2025(7), Bergin und Corsetti, 2025(8), Bianchi und Coulibaly, 2025(9), Cuba-Borda et al., 2025(10), Monacelli, 2025(11), Kalemli-Ozcan et al., 2025(12), Werning et al., 2025](13). Wir glauben, dass unsere Schätzung der Reaktion des Wechselkurses auf Zölle* ein wichtiger Input für diese Modelle ist. Tatsächlich zeigen Itskhoki und Mukhin [2025](14), dass die Frage, ob und inwieweit die Währung eines Landes, das Zölle erhebt, an Wert gewinnt, entscheidend dafür ist, ob der Zoll ein Handelsdefizit schließen kann. *Felipe Benguria Felipe Saffie.(2025) Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. 1. A. Barattieri, M. Cacciatore, and F. Ghironi. Protectionism and the business cycle. Journal of International Economics, 129:103417, 2021. 2. O. Jeanne. Currency wars, trade wars, and global demand. NBER Working Paper, 2021. 3. P. R. Bergin and G. Corsetti. The macroeconomic stabilization of tariff shocks: What is the optimal monetary response? Journal of International Economics, 143:103758, 2023. 4. S. Auray, M. B. Devereux, and A. Eyquem. Trade wars, nominal rigidities, and monetary policy. Review of Economic Studies, page rdae075, 2024. 5. M. A. Aguiar, M. Amador, and D. Fitzgerald. Tariff wars and net foreign assets. NBER Working Paper, 2025. 6. A. Auclert, M. Rognlie, and L. Straub. The macroeconomics of tariff shocks. NBER Working Paper, 2025. 7. S. Auray, M. B. Devereux, and A. Eyquem. Tariffs and retaliation: A brief macroeconomic analysis. NBER Working Paper, 2025. 8. P. Bergin and G. Corsetti. Monetary stabilization of sectoral tariffs. NBER Working Paper, 2025. 9. J. Bianchi and L. Coulibaly. The optimal monetary policy response to tariffs. NBER Working Paper, 2025. 10. P. Cuba-Borda, A. Queralto, R. Reyes-Heroles, and M. Scaramucci. Trade costs and inflation dynamics. Working Paper, 2025. 11. T. Monacelli. Tariffs and monetary policy. NBER Working Paper, 2025. 12. S. Kalemli-Ozcan, C. Soylu, and M. A. Yildirim. Global networks, monetary policy and trade. NBER Working Paper, 2025. 13. I. Werning, G. Lorenzoni, and V. Guerrieri. Tariffs as cost-push shocks: Implications for optimal monetary policy. NBER Working Paper, 2025. 14. O. Itskhoki and D. Mukhin. The optimal macro tariff. Working Paper, 2025. Ostry I 7 Handelspolitik/Wirtschaftstheorien/Furceri/Hannan/Ostry/Rose: Unser Papier* bezieht sich auf mehrere Stränge der Literatur über die Auswirkungen der Handelspolitik. Frühere Studien zeigen, dass es keine theoretischen Annahmen über die Auswirkungen von Zöllen auf die Produktion oder die Handelsbilanz gibt. Die Auswirkungen hängen von einer Vielzahl von Faktoren ab, darunter der Zeitpunkt und die erwartete Dauer des Zollschocks, das Verhalten der Reallöhne und Wechselkurse, die Werte verschiedener Elastizitäten und institutionelle Faktoren wie das Wechselkurssystem und der Grad der Kapitalmobilität (Ostry und Rose, 1992)(1). Neuere Arbeiten haben sich entweder auf das Verständnis der Auswirkungen der Handelsliberalisierung/Handelsoffenheit auf Währungsbewegungen und die Handelsbilanz (Santos-Paulino und Thirlwall, 2004(2); UNCTAD, 1999(3); Ju, Wu und Zeng, 2010(4); Li, 2004)(5) oder auf Produktivität und Produktion (Feyrer, 2009(6); Alcala und Ciccone, 2004(7)) konzentriert. Die Auswirkungen handelspolitischer Maßnahmen auf die Ungleichheit wurden im Rahmen von Debatten über die relative Bedeutung von Handel und Technologie für die Ungleichheit untersucht (Helpman, 2016) oder anhand von Daten auf Unternehmensebene, um die Auswirkungen der Handelspolitik auf die Lohnungleichheit zu verstehen (Artuc und McLaren, 2015(8); Klein, Moser und Urban, 2010(9)). Ostry I 8 In jüngerer Zeit wurden die Auswirkungen handelspolitischer Maßnahmen auf makroökonomische Schwankungen anhand von hochfrequenten handelspolitischen Daten über vorübergehende Handelshemmnisse untersucht (Barattieri, Cacciatore und Ghironi, 2018)(10). * Davide Furceri, Swarnali A. Hannan, Jonathan D. Ostry, and Andrew K. Rose. (2019). Macroeconomic Consequences of Tariffs. IMF Working Paper. WP/19/9. International Monetary Fund. 1. Ostry, Jonathan D., and Andrew K. Rose, 1992, “An Empirical Evaluation of the Macroeconomic Effects of Tariffs,” Journal of International Money and Finance, vol. 11, pp. 63-79. 2. Santos-Paulino, Amelia U., and A.P. Thirlwall, 2004, “The Impact of Trade Liberalisation on Exports, Imports, and the Balance of Payments of Developing Countries,” Economic Journal,vol. 114, pp. 50-72. 3. UNCTAD, 1999, Trade and Development Report (Geneva, UNCTAD). 4. Ju, Jiandong, Yi Wu and Li Zeng, 2010, “The Impact of Trade Liberalization on the Trade Balance in Developing Countries,” IMF Staff Papers, vol. 57(2), pp. 427-449. 5. Li, Xiangming, 2004, “Trade Liberalization and Real Exchange Rate Movement,” IMF Staff Papers, vol. 51(3), pp. 553-584. 6. Feyrer, J., 2009, “Distance, Trade, and Income - The 1967 to 1975 Closing of the Suez Canal as a Natural Experiment,” NBER Working Paper No. 15557. 7. Alcala, F., and A. Ciccone, 2004, “Trade and Productivity,” The Quarterly Journal of Economics, vol. 119(2), pp. 613-646. 8. Artuç, E., and McLaren, J. 2015. “Trade Policy and Wage Inequality: A Structural Analysis with Occupational and Sectoral Mobility,” Journal of International Economics, vol. 97(2), pp. 278-294. 9. Klein, M. W., Moser, C., and Urban, D. M., 2010. “The Contribution of Trade to Wage Inequality: The Role of Skill, Gender, and Nationality,” NBER Working Paper 15985. 10. Barattieri, Alessandro, Matteo Cacciatore, and Fabio Ghironi, 2018, “Protectionism and the Business Cycle,” NBER Working Paper No. 24353. |
EconKrug I Paul Krugman Volkswirtschaftslehre Stuttgart 2017 EconKrug II Paul Krugman Robin Wells Microeconomics New York 2014 Krugman III Paul Krugman Alasdair Smith Empirical Studies of Strategic Trade Policy Chicago: The University of Chicago Press 1994 Benguria I Felipe Benguria Felipe Saffie Rounding up the Effect of Tariffs on Financial Markets: Evidence from April 2, 2025. NBER Working Paper 34036 http://www.nber.org/papers/ 1050. Cambridge, MA 2025 Ostry I Jonathan D. Ostry Davide Furceri Andrew K. Rose, Macroeconomic Consequences of Tariffs. IMF Working Paper. WP/19/9.International Monetary Fund. Washington, D.C. 2019 |
| Handelssanktionen | Itskhoki | Itskhoki I 11 Handelssanktionen/Itskhoki/Ribakova: Es liegt nahe anzunehmen, dass ein Land, das sich in vollständiger wirtschaftlicher Autarkie befindet, völlig unempfindlich gegenüber internationalen Wirtschaftssanktionen ist. Die unmittelbarste Abkehr von der Autarkie ist ein ausgeglichener internationaler Handel mit einem geschlossenen Kapitalkonto. In der jüngeren Geschichte haben selbst die schurkischsten Regime nicht annähernd eine vollständige wirtschaftliche Autarkie erreicht, und im Grunde genommen nimmt jedes Land der Welt in irgendeiner Form am internationalen Handel teil, selbst wenn es von den internationalen Finanzmärkten abgeschirmt ist. Dies reicht aus, damit internationale Wirtschaftssanktionen nach der üblichen Handelstheorie eine klare und messbare Wirkung haben. Wir gehen bei unserer Analyse von den folgenden Grundprinzipien des internationalen Handels aus (siehe z. B. die Diskussion in Helpman 2011)(1): 1. Handel führt zu allgemeinen Wohlfahrtsgewinnen für beide Handelspartner. Diese Aussage erweist sich in einer Vielzahl von Modellierungsrahmen als robust, und die Abweichungen hiervon sind im Allgemeinen pathologischer Natur. Itskhoki I 12 2. Trotz der aggregierten Gewinne führt der Handel im Allgemeinen zu einem Verteilungskonflikt. Das heißt, es gibt in jedem Land Gewinner und Verlierer des Handels, aber der Überschuss der Gewinner reicht in der Regel aus, um die Verlierer auszugleichen, sofern Einkommenstransfers möglich sind. 3. Die Anpassung an Handelsschocks, seien sie positiv (wie Handelsliberalisierungen) oder negativ (wie Handelskriege und Sanktionen), ist mit einer kostspieligen Übergangsphase verbunden, in der ein Teil der Handelsgewinne zunichte gemacht oder die Verluste verstärkt werden. Handelssanktionen wirken über die Mechanismen #1 und #3, und „intelligente“ Handelssanktionen sollen auch den Mechanismus #2 in Gang setzen (siehe Fajgelbaum et al. 2020)(2). >Sanktionen, >Sanktionen-Kontroverse, >Sanktionsfolgen, >Sanktionsgeschichte, >Sanktionspolitik, >Sanktionswirksamkeit, >Sanktionsumgehung, >Sanktionentheorie, >Zahlungssysteme, >Handelskriege, >Handelssanktionen, >Finanzsanktionen. Wohlfahrtskosten von Sanktionen bei ausgewogenem Handel: Arkolakis et al. (2012(3); im Folgenden ACR) schlagen eine einfache Methode zur Quantifizierung der Wohlfahrtsgewinne aus dem Handel vor: (1) Gewinn aus dem Handel für Land i = 1 - λii 1/ε wobei λii der Anteil der Ausgaben für inländische Waren ist, 1-λii der Anteil der Ausgaben für Importe ist und ε die Handelselastizität ist. >Elastizität. Formel (1) gilt für eine Reihe von weit verbreiteten Modellen des internationalen Handels, die zu einer Gravitationsstruktur der internationalen Handelsströme führen, für die es umfangreiche empirische Belege gibt.* Intuitiv betont Formel (1) zwei Hauptkräfte - wie viel das Land handelt, 1-λii, und wie einfach es ist, die importierten Waren durch im Inland produzierte Waren zu ersetzen, ε. Die Auswirkungen eines Handelsschocks lassen sich daran messen, wie stark er den Anteil der Ausgaben für Importe beeinflusst: (2) Veränderung der Wohlfahrt von Land i = - 1 ε d log λii Man beachte, dass die Annahme einer Handelsbilanz dazu führt, dass der Importanteil eine ausreichende statistische Größe für die Wohlfahrt ist, ohne die Auswirkungen auf die Exporte zu berücksichtigen. Beachten Sie auch, dass Formel (2) gleichzeitig die Auswirkungen auf die Wohlfahrt, den realen Verbrauch und das reale BIP des Landes beschreibt, was das Hauptziel von Sanktionen sein kann oder auch nicht. Itskhoki I 13 Bei einem ausgeglichenen Handel entsprechen die Veränderungen des realen Verbrauchs auch den Veränderungen der realen Kaufkraft des Einkommens. Wenn also die Geldpolitik die lokalen Nominallöhne stabilisiert, entspricht sie auch dem Kehrwert der Verbraucherpreisinflation.** Die Formeln (1) und (2) können auf Volkswirtschaften mit mehreren Sektoren und auf Volkswirtschaften mit komplexen Input-Output-Verknüpfungen ausgedehnt werden (siehe Costinot und Rodríguez-Clare 2014(4) und Baqaee und Farhi 2024(5)), wobei die Fähigkeit zur Substitution verschiedener ausländischer Waren und Vorleistungen durch inländische hervorgehoben wird. Je einfacher die Substitution durch inländische Produktion ist, desto geringer sind die Gewinne aus dem Handel bzw. desto geringer sind die Verluste durch Handelssanktionen. >Sanktionsumgehung. Umgekehrt kann das Vorhandensein bestimmter Engpassgüter oder -industrien, die kaum substituierbar sind und zentral für die Produktion anderer Güter verwendet werden, zu extremen Fragmentierungsverlusten führen (Ossa 2015)(6). Messungen: Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass die Veränderung des aggregierten (oder sektoralen) Handelsanteils weitgehend eine ausreichende statistische Größe ist, um die Auswirkungen einer bestimmten Handelspolitik auf die aggregierte Wohlfahrt (sektorale Produktion) zu bewerten. Dies erleichtert die unmittelbare Bewertung der Auswirkungen politischer Maßnahmen anhand von Handelsdaten (sofern Schätzungen der Handelselastizitäten vorliegen), die im Allgemeinen leichter zu beschaffen sind als Makrodaten.** Umgehung von Sanktionen: Darüber hinaus verändern Substitutionen zwischen Außenhandelspartnern, die die Handelsanteile unverändert lassen (unter der Annahme ε > 1), weder die Wohlfahrt noch die Allokationen. Daher ist der aggregierte Handelsanteil und nicht der bilaterale Handelsanteil mit bestimmten Handelspartnern im Allgemeinen (aber nicht immer) am aussagekräftigsten. Die Möglichkeit, Waren und Vorleistungen aus der sanktionierenden Koalition in verbündete Länder und Länder der Dritten Welt zu verlagern, schränkt die Wirksamkeit von Sanktionen erheblich ein. Itskhoki I 14 Größe der Länder: Das Ausgangsresultat (1) hat eine klare Implikation über die Rolle der Größe der Länder, die Sanktionen verhängen und empfangen. Historisch gesehen ist die Annahme vertretbar, dass ein Land, gegen das Sanktionen verhängt werden, klein ist, so dass dem Absender keine Kosten entstehen. Im Allgemeinen verdeutlicht Formel (1) jedoch, dass die Kosten in beide Richtungen gehen und sich umgekehrt proportional zur Größe des Landes verhalten. >Lerner-Symmetrie-Theorem. * Die Schwerkraftgleichung im internationalen Handel sagt voraus, dass größere Länder durch größere Handelsströme verbunden sind und die Handelsströme mit der Entfernung zwischen den Ländern abnehmen. Formal zeigen die ACR, dass ε der Elastizität der Handelskosten (die üblicherweise mit der geografischen Entfernung und anderen Handelshemmnissen verknüpft sind) in der Gravitationsgleichung entspricht, nachdem andere wirtschaftliche Determinanten des Handels (wie die Größe der Länder und ihr Handelsnetz) kontrolliert wurden. Siehe Head und Mayer (2014(7)) sowie Costinot und Rodriguez-Clare (2014)(4). ** Bemerkenswert ist, dass Russland viele Quellen interner makroökonomischer und handelspolitischer Daten sofort klassifiziert hat. Dennoch war es möglich, den internationalen Handel mit Russland anhand der Daten seiner Handelspartner zu bewerten. 1. Helpman, Elhanan. 2011. Understanding Global Trade. Harvard University Press. https://doi.org/10.2307/j.ctt24hhh9. 2. Fajgelbaum, Pablo D, Pinelopi K Goldberg, Patrick J Kennedy, and Amit K Khandelwal. 2020. “The Return to Protectionism.” The Quarterly Journal of Economics 135 (1): 1–55. https://doi.org/10.1093/qje/qjz036. 3. Arkolakis, Costas, Arnaud Costinot, and Andrés Rodríguez-Clare. 2012. “New Trade Models, Same Old Gains?” American Economic Review 102 (1): 94–130. https://doi.org/10.1257/aer.102.1.94. 4. Costinot, Arnaud, and Andrés Rodríguez-Clare. 2014. “Chapter 4 - Trade Theory with Numbers: Quantifying the Consequences of Globalization.” In Handbook of International Economics, edited by Gita Gopinath, Elhanan Helpman, and Kenneth Rogoff, 4:197–261. 5. Baqaee, David Rezza, and Emmanuel Farhi. 2024. “Networks, Barriers, and Trade.” Econometrica 92 (2): 505–41. https://doi.org/10.3982/ECTA17513. 6. Ossa, Ralph. 2015. “Why Trade Matters after All.” Journal of International Economics 97 (2): 266–77. https://doi.org/10.1016/j.jinteco.2015.07.002. 7. Head, Keith, and Thierry Mayer. 2014. “Chapter 3 - Gravity Equations: Workhorse,Toolkit, and Cookbook.” In Handbook of International Economics, edited by Gita Gopinath, Elhanan Helpman, and Kenneth Rogoff, 4:131–95. Handbook of International Economics. Elsevier. https://doi.org/10.1016/B978-0-444-54314-1.00003-3. |
Itskhoki I Oleg Itskhoki Elina Ribakova The Economics of Sanctions: From Theory Into Practice. Brookings Papers on Economic Activity, Fall 2024. The Brookings Institution 2024 |
| Handelssanktionen | Ribakova | Itskhoki I 11 Handelssanktionen/Itskhoki/Ribakova: Es liegt nahe anzunehmen, dass ein Land, das sich in vollständiger wirtschaftlicher Autarkie befindet, völlig unempfindlich gegenüber internationalen Wirtschaftssanktionen ist. Die unmittelbarste Abkehr von der Autarkie ist ein ausgeglichener internationaler Handel mit einem geschlossenen Kapitalkonto. In der jüngeren Geschichte haben selbst die schurkischsten Regime nicht annähernd eine vollständige wirtschaftliche Autarkie erreicht, und im Grunde genommen nimmt jedes Land der Welt in irgendeiner Form am internationalen Handel teil, selbst wenn es von den internationalen Finanzmärkten abgeschirmt ist. Dies reicht aus, damit internationale Wirtschaftssanktionen nach der üblichen Handelstheorie eine klare und messbare Wirkung haben. Wir gehen bei unserer Analyse von den folgenden Grundprinzipien des internationalen Handels aus (siehe z. B. die Diskussion in Helpman 2011)(1): 1. Handel führt zu allgemeinen Wohlfahrtsgewinnen für beide Handelspartner. Diese Aussage erweist sich in einer Vielzahl von Modellierungsrahmen als robust, und die Abweichungen hiervon sind im Allgemeinen pathologischer Natur. Itskhoki I 12 2. Trotz der aggregierten Gewinne führt der Handel im Allgemeinen zu einem Verteilungskonflikt. Das heißt, es gibt in jedem Land Gewinner und Verlierer des Handels, aber der Überschuss der Gewinner reicht in der Regel aus, um die Verlierer auszugleichen, sofern Einkommenstransfers möglich sind. 3. Die Anpassung an Handelsschocks, seien sie positiv (wie Handelsliberalisierungen) oder negativ (wie Handelskriege und Sanktionen), ist mit einer kostspieligen Übergangsphase verbunden, in der ein Teil der Handelsgewinne zunichte gemacht oder die Verluste verstärkt werden. Handelssanktionen wirken über die Mechanismen #1 und #3, und „intelligente“ Handelssanktionen sollen auch den Mechanismus #2 in Gang setzen (siehe Fajgelbaum et al. 2020)(2). >Sanktionen, >Sanktionen-Kontroverse, >Sanktionsfolgen, >Sanktionsgeschichte, >Sanktionspolitik, >Sanktionswirksamkeit, >Sanktionsumgehung, >Sanktionentheorie, >Zahlungssysteme, >Handelskriege, >Handelssanktionen, >Finanzsanktionen. Wohlfahrtskosten von Sanktionen bei ausgewogenem Handel: Arkolakis et al. (2012(3); im Folgenden ACR) schlagen eine einfache Methode zur Quantifizierung der Wohlfahrtsgewinne aus dem Handel vor: (1) Gewinn aus dem Handel für Land i = 1 - λii 1/ε wobei λii der Anteil der Ausgaben für inländische Waren ist, 1-λii der Anteil der Ausgaben für Importe ist und ε die Handelselastizität ist. >Elastizität. Formel (1) gilt für eine Reihe von weit verbreiteten Modellen des internationalen Handels, die zu einer Gravitationsstruktur der internationalen Handelsströme führen, für die es umfangreiche empirische Belege gibt.* Intuitiv betont Formel (1) zwei Hauptkräfte - wie viel das Land handelt, 1-λii, und wie einfach es ist, die importierten Waren durch im Inland produzierte Waren zu ersetzen, ε. Die Auswirkungen eines Handelsschocks lassen sich daran messen, wie stark er den Anteil der Ausgaben für Importe beeinflusst: (2) Veränderung der Wohlfahrt von Land i = - 1 ε d log λii Man beachte, dass die Annahme einer Handelsbilanz dazu führt, dass der Importanteil eine ausreichende statistische Größe für die Wohlfahrt ist, ohne die Auswirkungen auf die Exporte zu berücksichtigen. Beachten Sie auch, dass Formel (2) gleichzeitig die Auswirkungen auf die Wohlfahrt, den realen Verbrauch und das reale BIP des Landes beschreibt, was das Hauptziel von Sanktionen sein kann oder auch nicht. Itskhoki I 13 Bei einem ausgeglichenen Handel entsprechen die Veränderungen des realen Verbrauchs auch den Veränderungen der realen Kaufkraft des Einkommens. Wenn also die Geldpolitik die lokalen Nominallöhne stabilisiert, entspricht sie auch dem Kehrwert der Verbraucherpreisinflation.** Die Formeln (1) und (2) können auf Volkswirtschaften mit mehreren Sektoren und auf Volkswirtschaften mit komplexen Input-Output-Verknüpfungen ausgedehnt werden (siehe Costinot und Rodríguez-Clare 2014(4) und Baqaee und Farhi 2024(5)), wobei die Fähigkeit zur Substitution verschiedener ausländischer Waren und Vorleistungen durch inländische hervorgehoben wird. Je einfacher die Substitution durch inländische Produktion ist, desto geringer sind die Gewinne aus dem Handel bzw. desto geringer sind die Verluste durch Handelssanktionen. >Sanktionsumgehung. Umgekehrt kann das Vorhandensein bestimmter Engpassgüter oder -industrien, die kaum substituierbar sind und zentral für die Produktion anderer Güter verwendet werden, zu extremen Fragmentierungsverlusten führen (Ossa 2015)(6). Messungen: Eine weitere wichtige Erkenntnis ist, dass die Veränderung des aggregierten (oder sektoralen) Handelsanteils weitgehend eine ausreichende statistische Größe ist, um die Auswirkungen einer bestimmten Handelspolitik auf die aggregierte Wohlfahrt (sektorale Produktion) zu bewerten. Dies erleichtert die unmittelbare Bewertung der Auswirkungen politischer Maßnahmen anhand von Handelsdaten (sofern Schätzungen der Handelselastizitäten vorliegen), die im Allgemeinen leichter zu beschaffen sind als Makrodaten.** Umgehung von Sanktionen: Darüber hinaus verändern Substitutionen zwischen Außenhandelspartnern, die die Handelsanteile unverändert lassen (unter der Annahme ε > 1), weder die Wohlfahrt noch die Allokationen. Daher ist der aggregierte Handelsanteil und nicht der bilaterale Handelsanteil mit bestimmten Handelspartnern im Allgemeinen (aber nicht immer) am aussagekräftigsten. Die Möglichkeit, Waren und Vorleistungen aus der sanktionierenden Koalition in verbündete Länder und Länder der Dritten Welt zu verlagern, schränkt die Wirksamkeit von Sanktionen erheblich ein. Itskhoki I 14 Größe der Länder Das Ausgangsresultat (1) hat eine klare Implikation über die Rolle der Größe der Länder, die Sanktionen verhängen und empfangen. Historisch gesehen ist die Annahme vertretbar, dass ein Land, gegen das Sanktionen verhängt werden, klein ist, so dass dem Absender keine Kosten entstehen. Im Allgemeinen verdeutlicht Formel (1) jedoch, dass die Kosten in beide Richtungen gehen und sich umgekehrt proportional zur Größe des Landes verhalten. >Lerner-Symmetrie-Theorem. *Die Schwerkraftgleichung im internationalen Handel sagt voraus, dass größere Länder durch größere Handelsströme verbunden sind und die Handelsströme mit der Entfernung zwischen den Ländern abnehmen. Formal zeigen die ACR, dass ε der Elastizität der Handelskosten (die üblicherweise mit der geografischen Entfernung und anderen Handelshemmnissen verknüpft sind) in der Gravitationsgleichung entspricht, nachdem andere wirtschaftliche Determinanten des Handels (wie die Größe der Länder und ihr Handelsnetz) kontrolliert wurden. Siehe Head und Mayer (2014(7)) sowie Costinot und Rodriguez-Clare (2014)(4). ** Bemerkenswert ist, dass Russland viele Quellen interner makroökonomischer und handelspolitischer Daten sofort klassifiziert hat. Dennoch war es möglich, den internationalen Handel mit Russland anhand der Daten seiner Handelspartner zu bewerten. 1. Helpman, Elhanan. 2011. Understanding Global Trade. Harvard University Press. https://doi.org/10.2307/j.ctt24hhh9. 2. Fajgelbaum, Pablo D, Pinelopi K Goldberg, Patrick J Kennedy, and Amit K Khandelwal. 2020. “The Return to Protectionism.” The Quarterly Journal of Economics 135 (1): 1–55. https://doi.org/10.1093/qje/qjz036. 3. Arkolakis, Costas, Arnaud Costinot, and Andrés Rodríguez-Clare. 2012. “New Trade Models, Same Old Gains?” American Economic Review 102 (1): 94–130. https://doi.org/10.1257/aer.102.1.94. 4. Costinot, Arnaud, and Andrés Rodríguez-Clare. 2014. “Chapter 4 - Trade Theory with Numbers: Quantifying the Consequences of Globalization.” In Handbook of International Economics, edited by Gita Gopinath, Elhanan Helpman, and Kenneth Rogoff, 4:197–261. 5. Baqaee, David Rezza, and Emmanuel Farhi. 2024. “Networks, Barriers, and Trade.” Econometrica 92 (2): 505–41. https://doi.org/10.3982/ECTA17513. 6. Ossa, Ralph. 2015. “Why Trade Matters after All.” Journal of International Economics 97 (2): 266–77. https://doi.org/10.1016/j.jinteco.2015.07.002. 7. Head, Keith, and Thierry Mayer. 2014. “Chapter 3 - Gravity Equations: Workhorse,Toolkit, and Cookbook.” In Handbook of International Economics, edited by Gita Gopinath, Elhanan Helpman, and Kenneth Rogoff, 4:131–95. Handbook of International Economics. Elsevier. https://doi.org/10.1016/B978-0-444-54314-1.00003-3. |
Itskhoki I Oleg Itskhoki Elina Ribakova The Economics of Sanctions: From Theory Into Practice. Brookings Papers on Economic Activity, Fall 2024. The Brookings Institution 2024 |
| Handlungen | Davidson | Glüer II 108 Handlung ist beschreibungsabhängig - Ereignisse sind beschreibungsunabhängig! >Ereignisse/Davidson. Bsp Mary schoss auf den Einbrecher und tötete ihren Vater. Handlung: ist nicht definierbar in der Sprache der propositionalen Einstellungen (Einbrecher-Bsp). - Stattdessen: Primärgrund und richtige Verursachung. Glüer II 109 f Davidson kann gerade auf der Basis der Anomalismusthese (vgl. >Anomaler Monismus) für einen Monismus argumentieren: Monismus ergibt sich aus der Kombination zweier weiterer Prämissen aus der Handlungstheorie: (KI) Prinzip kausaler Interaktion. Zumindest einige mentale Ereignisse interagieren kausal mit physischen Ereignissen. (unbestreitbar) (NK) Prinzip des nomologischen Charakters der Kausalität: Ereignisse, die in Ursache-Folge-Relation stehen, fallen unter strikte Gesetze. Brandom I 724 Handlung/Davidson: ist ein Akt, wenn es eine Beschreibung gibt, unter der er intentional ist - Brandom: zweierlei intentionale Erklärung: a) was versucht wurde - b) was gelungen ist. I 726 Erfolg/Problem: Nicole tötete das Tier (Kuh statt Hirsch) vor sich erfolgreich - beschreibungsabhängig - I 727 sie glaubte von einer Kuh (de re), ein Hirsch zu sein - falsch de dicto: sie glaubte "die Kuh ist ein Hirsch" ("dass die Kuh..") >de re, >de dicto. I 728 Referenz: Nicole hatte (ohne es zu realisieren) in Bezug auf die Kuh die Absicht, sie zu schießen. - Es geht um den Gehalt der Festlegung nicht um die Art der Festlegung. - Wie bei Überzeugungen. I 957 Akkordeoneffekt/Erfolg/Davidson: Bsp Auch wenn das Pulver nass war, gelang es, den Finger zu krümmen - so gibt es in jeder Handlung Erfolg. I 958 Bsp Bergsteiger: Lösung/Brandom: Berufung auf VURD (Verlässlich unterscheidende Reaktionsdispositionen): Es braucht nichts zu geben, was ich beabsichtigte und was mir auch gelang. >VURDs. I 729 Bsp ich greife nach dem Brot und verschütte den Wein. I 957 Absicht: heißt nicht zu wollen, dass ein Satz wahr werde (de dicto) - Absichten entsprechen nicht den eingegangenen sondern den anerkannten Festlegungen - Davidson: Muskelkontraktion braucht nicht Teil der Absicht zu sein - Brandom: aber intentional kann ich meine Muskeln nur in dieser Weise kontrahieren, indem ich nach dem Brot greife - man kann den Gehalt der Absicht damit de re angeben - damit kann man den Erfolg oder Misserfolg festlegen. Glüer II 92 Quine: seine Ontologie beinhaltet nur physikalische Objekte und Klassen. - Handlung ist kein Gegenstand. DavidsonVsQuine: Handlung ist Ereignis und Referenzobjekt. Glüer II 96 Handlung/Ereignis/adverbiale Analyse/Davidson/Glüer: Problem zwei Arten von Adverbien widersetzen sich: 1. Bsp "beinahe" getroffen: synkategorematisch, nicht eliminierbar - 2. Bsp "gut", "groß", "klein" kann evtl. weggelassen werden. MontagueVsDavidson: Ereignisse sind überflüssig, "Modifier-Theorie". KimVsDavidson: wir müssen Ereignisse nicht als individuierte Individuen auffassen, sondern mit Eigenschaften identifizieren - ((s) also umgekehrt). Glüer II 110 Handlung/Davidson: nicht definierbar in der Sprache der propositionalen Einstellungen (Einbrecher-Bsp). >Propositionale Einstellungen. Statt dessen: Primärgrund und richtige Verursachung - ((s) Weil z.B. eine abweichende Kausalkette eine Absicht überlagert und unwirksam macht. - Bsp Bergsteiger) - ((s) Etwas wird noch nicht Handlung, weil es gewollt ist, richtige Verursachung muss hinzukommen.) >Intentionen, >Erklärungen, >Bedeutung, >Sprache. |
Davidson I D. Davidson Der Mythos des Subjektiven Stuttgart 1993 Davidson I (a) Donald Davidson "Tho Conditions of Thoughts", in: Le Cahier du Collège de Philosophie, Paris 1989, pp. 163-171 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (b) Donald Davidson "What is Present to the Mind?" in: J. Brandl/W. Gombocz (eds) The MInd of Donald Davidson, Amsterdam 1989, pp. 3-18 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (c) Donald Davidson "Meaning, Truth and Evidence", in: R. Barrett/R. Gibson (eds.) Perspectives on Quine, Cambridge/MA 1990, pp. 68-79 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (d) Donald Davidson "Epistemology Externalized", Ms 1989 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (e) Donald Davidson "The Myth of the Subjective", in: M. Benedikt/R. Burger (eds.) Bewußtsein, Sprache und die Kunst, Wien 1988, pp. 45-54 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson II Donald Davidson "Reply to Foster" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Davidson III D. Davidson Handlung und Ereignis Frankfurt 1990 Davidson IV D. Davidson Wahrheit und Interpretation Frankfurt 1990 Davidson V Donald Davidson "Rational Animals", in: D. Davidson, Subjective, Intersubjective, Objective, Oxford 2001, pp. 95-105 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Handlungen | Dewey | Suhr I 135 Denken/Handeln/Dewey: Wer Denken als über dem Handeln stehend lobt, weil es so viele schlechte bedachte Handlungen gibt, hält nur die Art von Welt aufrecht, in der Handeln um enger, flüchtiger Zwecke vorkommt. >Denken, >Moral, >Ethik. |
Dew II J. Dewey Essays in Experimental Logic Minneola 2004 Suhr I Martin Suhr John Dewey zur Einführung Hamburg 1994 |
| Handlungen | Gärdenfors | I 15/16 Handlung/Bedeutung/Sprache/Gärdenfors: These: Handlungen, insbesondere ausgeübte Kräfte haben Einfluss auf Bedeutungen unserer sprachlichen Ausdrücke. Siehe hierzu: Johnson (1987)(1), Clark (1997)(2), Mandler (2004, insbesondere pp. 118-119)(3). I 91 Handlung/Gärdenfors: Sprechen und Zuhören werden traditionell als autonome Handlungen verstanden. H. Clark (1996, p. 19) (4) These: man sollte beides als partizipatorische Handlungen verstehen. Gärdenfors: Dabei geht es darum, den Geist der Teilnehmer zusammenzubringen. (>Meeting of Minds). Vorläufer dieser Auffassung: G. H. Mead (1934) (5). I 145 Handlungen/Linguistik/Gärdenfors: viele unserer kognitiven Repräsentationen betreffen dynamische Eigenschaften (im Gegensatz zu Eigenschaften, die von den meisten Substantiven und Adjektiven denotiert werden). (Siehe van Gelder, 1995; Port & van Gelder, 1995). Conceptual Space/Handlung/Gärdenfors: These der Handlungsbereich kann behandelt werden wie der Farbbereich oder der Formbereich. Handlung/Gärdenfors: These: Handlungen können als Kraftmuster beschrieben werden. (Siehe Raum/Lakoff). I 146 Handlungen/Sprache/Gärdenfors: viele unserer alltäglichen Begriffe stammen von Handlungen und Ereignissen her, viele Wörter für Artefakte – wie Stühle, Uhren usw. – werden nach ihren funktionalen Eigenschaften kategorisiert. (Siehe Nelson, 1996; Mandler, 2004).(7)(8) I 148 Handlung/Repräsentation/Gärdenfors: These: Eine Handlung wird durch die Karäftemuster repräsentiert, die sie hervorbringt. Pointe: eine Konsequenz dieser These ist, dass die Akteure nicht Teil der Repräsentation sind. Conceptual space: der Begriffsbereich für Handlungen ist daher ein konfigurationaler Bereich, der die Bewegungen z.B. von Körperteilen beinhaltet. Er gründet sich auf den Kräftebereich. Wie bei Formen gibt es auch bei Kräften eine meronomische (Teil-Ganzes-) Struktur. (Siehe Westera, 2008, >Robotersteuerung).(9) I 153 Handlung/Kategorien/Funktion/Gärdenfors: These über Handlungsbegriffe: ein Handlungsbegriff wird als eine konvexe Region des Handlungsbereichs repräsentiert. Konvex: kann man hier so interpretieren, dass ein linearer „Morph“ (Bsp Wandern, Rennen, Marschieren) zwischen zwei Handlungen innerhalb einer Region eines Handlungsbegriffs unter denselben Begriff fallen wird. I 198 Handlungen/Gärdenfors: Fazit: 1. Die Handlungsmodelle und die Modelle für Eigenschaftsänderungen ermöglichen es, Ähnlichkeiten von Verben und ihre über- und untergeordnete Hierarchie vorherzusagen. 2. Die Unterscheidung Handlungsweise/Ergebnis ergibt sich direkt aus der Annahme eines einzelnen Bereichs. 3. Die Rolle der Intentionalität in der Verbbedeutung wird unterstrichen. Viele Verben, die gegen die Annahme eines einzelnen Bereichs zu verstoßen scheinen, haben ein duales lexikalisches Potential. Verben: können damit ähnlich analysiert werden wie das Zeigen und ähnlich wie Substantive und Adjektive. Daher teile ich Verben nicht in Klassen auf. I 199 Pro-Verben/Gärdenfors: Verben wie „ist“, „gehen“, „machen“ sind oft Platzhalter für Verben der Handlungsweise oder Eigenschaftsänderung. Ich nenne sie „Pro-Verben“ analog zu Pronomina. 1. Johnson, M. (1987). The body in the mind: The bodily basis of cognition. Chicago: University of Chicago Press. 2. Clark, A. (1997). Being there: Putting brain, body, and world together again. Cambridge, MA: MIT Press. 3. Mandler, J. M. (2004). The foundations of mind: Origins of conceptual thought. New York: Oxford University Press. 4. Clark, H. (1996). Using Language. Cambridge: Cambridge University Press. 5. Mead, G. H. (1934). Mind, self, and society. Chicago: University of Chicago Press. 6. Port, R. F., & van Gelder, T. (Eds.). (1995). Mind as motion. Cambridge, MA: MIT Press. 7. Nelson, K. (1996). Language in cognitive development. Cambridge: Cambridge University Press. 8. Mandler, J. M. (2004). The foundations of mind: Origins of conceptual thought. New York: Oxford University Press. 9. Westera, M. (2008). Action representations and the semantics of verbs. Bachelor’s thesis. Cognitive Artificial Intelligence, Utrecht University. |
Gä I P. Gärdenfors The Geometry of Meaning Cambridge 2014 |
| Handlungen | Habermas | III 36 Handlung/Rationalität/Habermas: Aktoren verhalten sich rational, solange sie Prädikate so verwenden, dass andere Angehörige ihrer Lebenswelt unter diesen Beschreibungen ihre eigenen Reaktionen auf ähnliche Situationen wiedererkennen würden. >Rationalität, >Verstehen, >Verständlichkeit, >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas, III 144 Def Handlung/Habermas: Handlung nenne ich nur solche symbolischen Äußerungen, mit denen der Aktor, wie beim teleologischen, normenregulierten und dramaturgischen Handeln, einen Bezug zu mindestens einer Welt (der physikalischen, der bewusstseinsmäßigen oder der gedanklich geteilten Welt) aber stets auch zur objektiven Welt aufnimmt. Davon unterscheide ich Körperbewegungen und sekundäre Operationen. III 150 Das Modell des kommunikativen Handelns setzt Handeln nicht mit Kommunikation gleich. >Verhalten, >Sprachverhalten. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Handlungen | Lewis | IV 158 Handlung/Erklärung/unverwirklichte Möglichkeiten/possibilia/Lewis: Problem: Wie können unverwirklichte Möglichkeiten unsere Handlungen erklären? Lösung: Gehirnzustände werden durch Überzeugungen charakterisiert. Diese werden mit "Gedankenobjekten" assoziiert, d.h. mit Mengen, die zum Teil aus unaktualisierten Individuen bestehen. Sie stehen in diesen Relationen, weil sie diese Interpretationen tragen und sie tragen die Interpretationen durch die kausalen Kräfte (nicht umgekehrt). >Gedankenobjekte, >Glaubensobjekte/Lewis, >Possibilia. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Handlungen | Minsky | I 166 Aktionen/Kreuz-Ausschluss/Künstliche Intelligenz/Minsky: Wenn mehrere dringende Bedürfnisse auf einmal auftreten, muss es eine Möglichkeit geben, eines davon auszuwählen. (...) Kreuz-Ausschluss, (...) tritt in vielen Teilen des Gehirns auf. In einem solchen System ist jedes Mitglied einer Gruppe von Agenten so verdrahtet, dass es inhibitorische Signale an alle anderen Agenten dieser Gruppe sendet. >Software-Agenten/Minsky, >Society of Minds/Minsky. Kreuz-Ausschlussvereinbarungen könnten eine Grundlage für das Prinzip der Kompromisslosigkeit in Hirnregionen schaffen, in denen konkurrierende mentale Agenten nahe beieinander liegen. Gruppen mit gegenseitigem Ausschluss können auch zur Konstruktion von Kurzzeit-Gedächtniseinheiten verwendet werden. Wann immer wir einen Agenten einer solchen Gruppe auch nur für einen Augenblick in Aktivität zwingen, bleibt er aktiv (und die anderen bleiben unterdrückt), bis die Situation durch einen anderen starken äußeren Einfluss verändert wird. Schwächere Signale von außen werden aufgrund des Widerstands von innen kaum eine Wirkung haben. Warum sollte man dies als Kurzzeitgedächtnis bezeichnen, wenn es unbegrenzt fortbestehen kann? Weil, wenn es verändert wird, von seinem früheren Zustand keine Spur mehr übrig bleibt. >Motivation/Minsky. |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Handlungen | Österreichische Schule | Coyne I 7 Menschliches Handeln/Österreichische Schule/Coyne/Boettke: Der menschliche Wissenschaftler kann den untersuchten Phänomenen einen Zweck zuordnen. In der Tat muss er einen menschlichen Zweck zuweisen, wenn er die untersuchten Phänomene verständlich machen will. >Zweck, >Mittel und Zweck, >Verstehen. Wir können verstehen, dass Papier nicht einfach grundlos in Kartons gestopft wird, sondern dass der Briefträger die Post an Personen ausliefert, die an bestimmten Adressen wohnen. Dieses Verständnis ist möglich, weil der Humanwissenschaftler sich auf das Wissen von Idealtypen anderer Menschen stützen kann. Einige Menschen kennen wir aufgrund unserer täglichen persönlichen Beziehungen zu ihnen (...). Andere Menschen kennen wir durch die Funktionen, die sie ausüben, oder durch Überzeugungen, die sie angeblich vertreten (...). Die meisten anderen Menschen jedoch kennen wir einfach nur in der Anonymität als „Menschen“, d. h. als Wesen, die sich frei entscheiden und danach streben, ihre Ziele zu erreichen, indem sie die verfügbaren Mittel arrangieren und neu anordnen. Wir können das zielgerichtete Verhalten des „Anderen“ verstehen, weil wir selbst Menschen sind. >Intersubjektivität, >Objektivität. Dieses Wissen, das als „Wissen von innen“ bezeichnet wird, ist einzigartig in den Humanwissenschaften und führt zu grundlegenden Analyseproblemen, wenn es durch den Import der Methoden der Naturwissenschaften in die Sozialwissenschaften zur Schaffung einer „sozialen Physik“ eliminiert wird. >Soziologie. Coyne I 8 Für die österreichischen Ökonomen durchdringt die subjektive Natur des Menschen alle Aspekte der Ökonomie. Die „Fakten“ der Humanwissenschaften sind nicht objektiv, wie in den Naturwissenschaften, sondern bestehen vielmehr darin, wie Menschen die Welt wahrnehmen. Alle Phänomene werden durch den menschlichen Geist gefiltert. MengerVsWalras/MengerVsJevons: Dieses Verständnis unterscheidet Menger von seinen Mitrevolutionären (Jevons und Walras) in der marginalen Revolution. Alle drei Denker schätzten die Idee des Marginalismus und die Rolle des Grenznutzens. Menger betonte jedoch, dass die Bewertung der angestrebten Ziele sowie die Bestimmung der besten Mittel zur Erreichung dieser Ziele einzig und allein subjektiv sind. >Marginalismus, >Grenznutzen. |
Coyne I Christopher J. Coyne Peter J. Boettke The Essential Austrian Economics Vancouver 2020 |
| Handlungssysteme | Parsons | Habermas IV 322 Handlungssystem/Parsons/Habermas: Nachdem Parsons die Freudsche Persönlichkeitstheorie und die Kulturanthropologie von Malinowski kennengelernt hatte, verschob sich seine theoretische Perspektive: Handlungssysteme werden nicht mehr aus ihren Einheiten elementaristisch aufgebaut, sondern es wird mit ihnen begonnen. Ausgangspunkt wird für Parsons nun der Begriff der Kultur; Die Handlungssysteme Gesellschaft und Persönlichkeit werden als institutionelle Verkörperungen und motivationale Verankerungen von kulturellen Mustern erklärt. Elementare Einheiten sind nicht mehr Handlungseinheiten, sondern kulturelle Muster und symbolische Bedeutungen. Diese schließen sich zu Konfigurationen zusammen, zu überlieferungsfähigen kulturellen Wert- und Deutungssystemen. >S. Freud. Habermas IV 323 Problem: 1. Wie soll die kulturelle Determination von Handlungssysteme gedacht werden? 2. Wie lassen sich die drei Ordnungsbegriffe des Kultur-, Sozial- und Persönlichkeitssystems mit dem Handlungskonzept, aus dem sie nicht aufgebaut werden konnte, zusammenschließen? Habermas IV 326 Ad 1.: Lösung/Parsons: Wertstandards werden nicht mehr einzelnen Aktoren als subjektive Eigenschaften zugeschrieben; kulturell Wertmuster werden vielmehr von vornherein als intersubjektiver Besitz eingeführt. Allerdings gelten sie zunächst nur als Bestandteile der kulturellen Überlieferung und verfügen nicht schon von Haus aus über normative Verbindlichkeit. Habermas IV 327 Ad 2.: Aus der begrifflichen Perspektive verständigungsorientierten Handelns stellt sich die interpretative Aneignung überlieferter kulturelle Gehalte als der Akt dar, über den sich die kulturelle Determination des Handelns vollzieht. Habermas IV 328 HabermasVsParsons: diesen Weg der Analyse verbaut sich Parsons, weil er die Orientierung an Werten als eine Orientierung an Gegenständen auffasst. >Gegenstand/Parsons. Habermas IV 358 Handlungssystem/Gesellschaft/System/Parsons/Habermas: Parsons definiert ab Mitte der 60er Jahre des 20. Jahrhunderts Gesellschaft als ein Handlungssystem, wobei Kultur und Sprache anstelle der wertorientierten Zwecktätigkeit die konstitutiven Bestimmungen hergeben. (1) In Handlungssystemen durchdringen sich über das Medium der Sprache die überlieferten kulturellen Muster mit der genetisch fortgepflanzten organischen Ausstattung der individuellen Gesellschaftsmitglieder. Kollektive, die sich aus vergesellschafteten Individuen zusammensetzen, sind die Träger der Handlungssysteme. Außerdem ist jedes Handlungssystem eine Zone der Interaktion und der gegenseitigen Durchdringung von vier Subsystemen: Kultur, Gesellschaft, Persönlichkeit und Organismus. Jedes dieser Subsysteme ist auf eine Grundfunktion spezialisiert.(2) Habermas IV 359 Subsysteme: Da sie eine relative Selbständigkeit besitzen, stehen sie untereinander in kontingenten Beziehungen. Diese sind jedoch durch die Zugehörigkeit zum gemeinsamen Handlungssystem in gewisser Weise festgelegt. Die Teilsysteme bilden füreinander Umwelten. Kontrolle: für eine übergeordnete Kontrolle dieser Grundfunktionen postuliert Parsons eine Kontrollhierarchie.(3) Habermas IV 381 Am Ende seines komplexen Denkweges steht Parsons für das Handlungssystem das an Kant angelehnte epistemologische Modell des erkennenden Subjekts vor Augen. HabermasVsParsons: Für Zwecke der Grundlegung der Gesellschaftstheorie eignet sich das kommunikationstheoretische Modell des sprach- und handlungsfähigen Subjekts aber besser als das epistemologische. 1 T. Parsons, Societies, Englewood Cliffs, 1966, p. 5. 2. Ibid p. 7. 3. Ibid p. 28 |
ParCh I Ch. Parsons Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014 ParTa I T. Parsons The Structure of Social Action, Vol. 1 1967 ParTe I Ter. Parsons Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Handlungstheorie | Habermas | III 369 Handlungstheorie/Analytische Philosophie/Habermas: Die analytische Handlungstheorie ((s) im Anschluss an Grice, Austin) beschränkt sich auf das atomistische Handlungsmodell eines einsamen Aktors und vernachlässigt Mechanismen der Handlungskoordinierung, durch die interpersonale Beziehungen zustande kommen. >P. Grice, >J.L. Austin, >Handlungen. III 370 Sie findet daher kaum Anschluss an die sozialwissenschaftliche Begriffsbildung. Die von ihr erzeugten philosophischen Probleme sind für die Zwecke der Gesellschaftstheorie zu unspezifisch. >Soziologie, >Gesellschaftstheorie, >Methode. HabermasVsAnalytische Philosophie/HabermasVsAnalytische Handlungstheorie: Sie geht hinter Kant zurück, indem sie nach Kausalität, Intentionalität und nach dem logischen Status von Erklärungen fragt, ohne zu den Grundfragen einer soziologischen Handlungstheorie vorzudringen. >Kausalität, >Kausalerklärung, >Erklärung. Stattdessen sollte man von Fragen der Handlungskoordination ausgehen. (1) III 371 HabermasVsGrice/HabermasVsBennett/HabermasVsLewis, David/HabermasVsSchiffer: Die von diesen Autoren ausgearbeitete intentionale Semantik eignet sich nicht zur Aufklärung des Koordinierungsmechanismus sprachlich vermittelter Interaktionen, weil sie den Akt der Verständigung seinerseits nach dem Muster konsequenzorientierten Handelns analysiert. >Intentionale Semantik, >St. Schiffer, >D. Lewis, >J. Bennett. Intentionale Semantik/HabermasVsGrice: die intentionale Semantik stützt sich auf die kontraintuitive Vorstellung dass sich das Verstehen der Bedeutung eines symbolischen Ausdrucks auf die Absicht eines Sprechers, dem Hörer etwas zu verstehen zu geben, zurückführen lässt. III 373 Lösung/Habermas: Das Organonmodell von Karl Bühler (Siehe Sprache/Bühler), ((s) das zwischen Symbol, Signal und Symptom unterscheidet und sich auf Sender und Empfänger bezieht) führt in seiner bedeutungstheoretischen Ausgestaltung hin zum Begriff einer durch Verständigungsakte vermittelten Interaktion sprach- und handlungsfähiger Subjekte. >Interaktion, >Subjekte. III 384 Handlungstheorie/Habermas: HabermasVsWeber: Anders als Weber, der von einem monologischen Handlungsmodell ausgeht, berücksichtigt Habermas ein Modell, das die Koordinierung von mehreren Handlungssubjekten berücksichtigt. >M. Weber. Habermas unterscheidet Handlungstypen nach Situation und Orientierung: Handlungsorientierung: erfolgsorientiert – oder verständigungsorientiert Handlungssituation: sozial – oder nichtsozial Instrumentelles Handeln/Habermas: Instrumentelles Handeln ist dann erfolgsorientiert und nicht-sozial Strategisches Handeln: ist erfolgsorientiert und dabei sozial (es berücksichtigt das Handeln und die Interessen anderer). >Interesse. Kommunikatives Handeln: Kommunikatives Handeln ist sozial und verständigungsorientiert (ohne erfolgsorientiert zu sein). >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas, >Verständigung, >Erfolg. 1.S. Kanngiesser, Sprachliche Universalien und diachrone Prozesse, in: K. O. Apel (1976), 273ff. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Handlungstheorie | Wright | I 13 Handlungstheorie/Wright, G. H.: Es ist nicht korrekt, wenn man annimmt, es ginge mir darum, eine Auffassung zu verteidigen, nach der menschliche Handlungen keine Ursachen haben können. >Handlungen, >Ursachen, >Kausalität, vgl. >Handlungen/Davidson. Dabei unterscheide ich mich gar nicht notwendigerweise von früheren und zeitgenössischen Autoren, die die Ansicht vertreten, dass Handlungen verursacht sein können. Jene Autoren verwenden den Begriff der Ursache jedoch oft in einem viel weiteren Sinn als ich es tue, wenn ich dies bestreite. Oder sie verstehen unter dem Begriff der Handlung etwas anderes. >Gründe/Ursachen, >Ursachen, >Motive, >Akkordeoneffekt. |
WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Hard Pegs (Wirtschaft) | Congressional Research Service (CRS) | CRS I 4 Hard pegs/Marc Labonte/CRS: Die Alternative zu frei schwankenden Wechselkursen sind Wechselkursregime, die den Wert des Wechselkurses an den eines anderen Landes oder anderer Länder binden. Es gibt zwei große Arten fester Wechselkurse. CRS I 5 „Hard pegs“, Currency Boards und Währungsunionen, werden als erstes betrachtet, weil sie das deutlichste Beispiel für feste Wechselkurse sind. Die zweite Kategorie sind feste Wechselkurse, bei denen die Bindung an die andere(n) Währung(en) weniger direkt ist, so dass sie als „soft pegs“ bezeichnet werden. >Soft pegs. CRS I 5 Am anderen Ende des Spektrums der flexiblen Wechselkurse stehen Vereinbarungen, bei denen ein Land seine Wechselkurs- und Währungsfreiheit vollständig aufgibt, indem es sich an die Währung eines anderen Landes bindet, was der frühere stellvertretende IWF-Direktor Stanley Fischer als „hard pegs“ bezeichnet. Dies kann durch ein Currency Board oder eine Währungsunion geschehen.(1) >Currency Board, >Währungsunion. CRS I 6 Der primäre wirtschaftliche Vorteil einer festen Wechselkursanbindung besteht in der Intensivierung des Handels mit anderen Mitgliedern der Wechselkursvereinbarung. Die Volatilität frei schwankender Wechselkurse verursacht Kosten für die Export- und Importsektoren der Wirtschaft. Ein größerer Handel wird weithin als Wachstumsmotor angesehen, insbesondere in den Entwicklungsländern. In einer vollkommen wettbewerbsfähigen Weltwirtschaft ohne Transaktionskosten könnten die Kosten der Wechselkursvolatilität in der Tat sehr hoch sein. So mussten beispielsweise US-Exporteure und inländische Unternehmen, die mit Importeuren konkurrieren, im Jahr 2000 um ein Drittel höhere Preise zahlen als 1995, weil der (frei schwankende) Dollar gegenüber den wichtigsten Handelspartnern um ein Drittel aufgewertet wurde. Solange das inländische Preisniveau nicht um ein Drittel gesunken ist, wären die US-Produzenten nicht wettbewerbsfähig, wenn alles andere gleich bleibt. (Alles andere war nicht gleich - die Exporte stiegen in den 1990er Jahren trotz der Aufwertung des Dollars weiter an.) Unter einem System fester Wechselkurse wären die US-Exporteure nicht in diesen Preisnachteil geraten, wenn alle anderen Faktoren gleich wären. Zwischen kleinen Ländern soll eine feste Wechselkursanbindung auch effizientere und wettbewerbsfähigere Märkte durch niedrigere Eintrittsbarrieren und größere Größenvorteile fördern. Harte Wechselkursanbindungen fördern auch die internationalen Kapitalströme.(2) Die Förderung internationaler Kapitalströme kann den Wohlstand eines Landes in mehrfacher Hinsicht steigern. Erstens können dadurch mehr Investitionen in Bereichen getätigt werden, in denen Ersparnisse relativ knapp und die Renditen hoch sind, und Investitionen sind der Schlüssel zu nachhaltigem Wachstum. Dies ist sowohl für den Kreditnehmer als auch für den Investor von Vorteil; für den ersteren, weil mehr Investitionen und damit Wachstum möglich sind, als es sonst der Fall wäre, für den letzteren, weil er nun bei gegebenem Risiko höhere Renditen für seine Investitionen erzielen kann, als wenn er sich auf Investitionen im Inland beschränkt. Für Entwicklungsländer können diese Investitionsgewinne recht groß sein. CRS I 7 Andererseits können sich internationale Kapitalströme schnell in einer Weise ändern, die für Entwicklungsländer destabilisierend sein kann (...) >Entwicklungsländer, >Flexible Wechselkurse, >Feste Wechselkurse, >Währungspolitik, >Währung, >Abwertung. 1. Für weitere Informationen siehe CRS Report RL31093, A Currency Board as an Alternative to a Central Bank, von Marc Labonte und Gail E. Makinen. 2. Harte Wechselkursanbindungen fördern Auslandsinvestitionen aus etwas anderen Gründen als sie den Handel fördern. Beim Handel besteht bei einem schwankenden Wechselkurs die Gefahr, dass eine einmalige Aufwertung Ihre Exporteure wettbewerbsunfähig macht, bis sich die Inlandspreise anpassen. Da die Rendite von Auslandsinvestitionen in der Regel auf die ausländische Währung lautet, würde eine einmalige Abwertung des Wechselkurses die Rentabilität der zum Zeitpunkt der Abwertung gehaltenen Investition verringern. Sie hätte jedoch keine Auswirkungen auf die Rentabilität neuer Investitionen nach dem Ende der Abwertung. Congressional Research Service of the Library of congress (CRS) Marc Labonte Fixed Exchange Rates and Floating Exchange Rates: What Have We Learned? RL31204 (2007) https://www.congress.gov/crs-product/RL31204 |
CRS I Congressional Research Service (CRS) Marc Labonte Fixed Exchange Rates and Floating Exchange Rates: What Have We Learned? Washington: Congressional Research Service of the Library of Congress 2007 CRS II Congressional Research Service (CRS) Paul Tierno Marc Labonte, Banking and Cryptocurrency: Policy Issues. CRS Congressional research Service Report R48430. Washington, DC. 2025 CRS III Congressional Research Service (CRS) Corrie E. Clark Heather L. Greenley, Bitcoin, Blockchain, and the Energy Sector. Washington, DC. 2019 CRS IV Congressional Reserch Service (CRS) Paul Tierno Cryptocurrency: Selected Policy Issues Congressional Reserch Service CRS Report R47425 Washington, DC. 2023 |
| Heckscher-Ohlin-Modell | Feenstra | Feenstra I 1-1 Heckscher-Ohlin-Modell/Feenstra: (...) das Zwei-Güter-Zwei-Faktoren-Modell (...) bildet die Grundlage des Heckscher-Ohlin-Modells. Wir gehen davon aus, dass die beiden Güter auf internationalen Märkten gehandelt werden, lassen aber keine grenzüberschreitende Bewegung von Faktoren zu. Dies spiegelt die Tatsache wider, dass der grenzüberschreitende Verkehr von Arbeit und Kapital häufig Kontrollen an der Grenze unterliegt und im Allgemeinen weit weniger frei ist als der Warenverkehr. Vgl. >Ricardianisches Modell, >Ökonomische Modelle, >Zölle, >Internationaler Handel, >Importquoten, >Exportbeschränkungen. Feenstra I 2-1 Heckscher-Ohlin-Samuelson Modell (HOS)/Feenstra: Die Grundannahmen des HOS-Modells (...) [sind]: identische Technologien in allen Ländern; identische und homothetische Geschmäcker in allen Ländern; unterschiedliche Faktorausstattungen; und freier Handel mit Gütern (aber nicht mit Faktoren). In den meisten Fällen werden wir auch die Möglichkeit von Umkehrungen der Faktorintensität ausschließen. >Faktorsubstitution (FIR), >Faktorpreis, >Produktion. Unter der Voraussetzung, dass die Ausstattungen aller Länder innerhalb ihres „Diversifikationskegels“ liegen, bedeutet dies, dass die Faktorpreise zwischen den Ländern ausgeglichen sind. >Ausstattung, >Heckscher-Ohlin-Theorem. Wir beginnen mit der Annahme, dass es nur zwei Länder, zwei Sektoren und zwei Faktoren gibt, (...). Wir nehmen an, dass das Herkunftsland arbeitsintensiv ist, so dass L / K > L* / K * ist. Wir nehmen ferner an, dass das Gut 1 arbeitsintensiv ist. Die Länder treiben Freihandel, und wir nehmen an, dass der Handel ausgeglichen ist (Wert der Exporte = Wert der Importe). Dann stellt sich die Frage: Wie sieht der Warenverkehr zwischen den Ländern aus? Diese Frage wird beantwortet durch: Heckscher-Ohlin-Theorem: Jedes Land wird das Gut exportieren, das seinen reichlich vorhandenen Faktor intensiv nutzt. Unter unseren Annahmen wird also das Inland das Gut 1 und das Ausland das Gut 2 exportieren. Um dies zu beweisen, nehmen wir einen Sonderfall der Faktorausstattungsdifferenzen L / K > L* / K * an und nehmen an, dass die Arbeitsausstattung in beiden Ländern identisch ist, L* = L, während die ausländische Kapitalausstattung die inländische übersteigt, K* > K .* (...) Wir fahren fort, indem wir zunächst feststellen, wie der relative Produktpreis in jedem Land ohne Handel oder in Autarkie ist. Feenstra I 2-3 Wie wir sehen werden, kann das Muster der Autarkiepreise zur Vorhersage des Handelsmusters verwendet werden: Ein Land wird die Ware exportieren, deren Freihandelspreis höher ist als sein Autarkiepreis, und die andere Ware importieren. Nachfrage: Wir sind von einem repräsentativen Verbraucher mit homothetischem Geschmack ausgegangen, so dass wir Indifferenzkurven zur Darstellung der Nachfrage verwenden können. Feenstra I 2-6 Handel/Faktoren: Das HO-Modell legt nicht nur das Handelsmuster fest, sondern hat auch genaue Auswirkungen darauf, wer vom Handel profitiert und wer ihn verliert: Der reichlich vorhandene Faktor in jedem Land profitiert vom Handel, und der knappe Faktor verliert. Dieses Ergebnis folgt aus (...) dem Stolper-Samuelson-Theorem. >Stolper-Samuelson-Theorem. Faktoren: Wenn der relative Preis von Gut 1 im Inland steigt, gewinnt der Faktor, der für dieses Gut intensiv genutzt wird (Arbeit), real an Wert, und der andere Faktor (Kapital) verliert. Beachten Sie, dass der Faktor Arbeit im Inland im Überfluss vorhanden ist. Die Tatsache, dass L / K > L* / K * ist, bedeutet, dass der Faktor Arbeit im autarken Gleichgewicht im Inland weniger verdient hätte als im autarken Gleichgewicht im Ausland: Sein Grenzprodukt wäre im Inland (bei beiden Gütern) niedriger gewesen als im Ausland. Bei freiem Handel kann das Heimatland jedoch die Produktion auf das arbeitsintensive Gut verlagern und es exportieren, wodurch der reichlich vorhandene Faktor absorbiert wird, ohne dass sein Lohn gesenkt wird. Tatsächlich gleichen sich die Faktorpreise in den beiden Ländern nach dem Handel an, (...). Der reichlich vorhandene Faktor, dessen Faktorpreis in der Autarkie gesenkt wurde, wird also von der Öffnung des Handels profitieren, während der knappe Faktor in jedem Land verliert. Feenstra I 2-7 Beispiele: Die Vereinigten Staaten sind reich an Wissenschaftlern, also exportieren sie High-Tech-Güter; Kanada ist reich an Land, also exportiert es natürliche Ressourcen usw. VsHeckscher-Ohlin-Modell: (...) es hat sich herausgestellt, dass das HO-Modell die tatsächlichen Handelsmuster eher schlecht vorhersagt, was darauf hindeutet, dass seine Annahmen nicht realistisch sind. Es hat jedoch viele Jahre gedauert, um zu verstehen, warum dies der Fall ist, (...) wenn man die frühesten Ergebnisse von Leontief (1953)(1) betrachtet. >Leontief-Paradox. Feenstra I 2-15 Theorem von Leamer: Das Theorem von Leamer (1980)(2) besagt, dass, wenn das Land 1, wie dargestellt, arbeitsreich ist, das Verhältnis Kapital/Arbeit im Konsum das Verhältnis Kapital/Arbeit in der Produktion übersteigen muss. Das heißt, da der Konsumpunkt Adi auf der Diagonalen liegen muss, muss er über dem Ausstattungspunkt Vi liegen.** (...) Es ist zu beachten, dass dies in keiner Weise davon abhängt, ob der Handel ausgeglichen ist oder nicht. Wenn zum Beispiel Land 1 einen Handelsbilanzüberschuss hat (der Wert der Produktion übersteigt den des Konsums), dann sollten wir den Konsumpunkt Adi auf der Diagonale nach links verschieben. Dies hätte keinerlei Auswirkung auf das Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit, das im Konsum enthalten ist, und dem Verhältnis zwischen Kapital und Arbeit, das in der Produktion enthalten ist. * Aufgrund der Annahmen identischer homothetischer Geschmäcker und konstanter Skalenerträge bleibt das von uns ermittelte Ergebnis auch dann gültig, wenn sich die Arbeitsausstattungen der einzelnen Länder unterscheiden. ** Für die Grafiken siehe Feenstra 2002(3). 1. Leontief, Wassily, W., 1953, Domestic Production and Foreign Trade: The American Capital Position Re-examined,” Proceedings of the American Philosophical Society, 97, September, 332-349. Reprinted in Readings in International Economics, edited by Richard Caves and Harry. G. Johnson, Homewood, IL: Irwin, 1968. 2. Leamer, Edward E., 1980, “The Leontief Paradox, Reconsidered,” Journal of Political Economy, 88(3), 495-503. Reprinted in Edward E. Leamer, ed. 2001, International Economics, New York: Worth Publishers, 142-149. 3. Robert C. Feenstra. 2002. Advanced International Trade. University of California, Davis and National Bureau of Economic Research August 2002. Feenstra I 2-41 Heckscher-Ohlin-Modell/Feenstra: (...) die vollständigen Tests des HOV [Heckscher-Ohlin-Vanek]-Modells versagen leider unter den herkömmlichen Annahmen dieses Modells: identische homothetische Geschmäcker und identische Technologien mit FPE in allen Ländern. Wenn wir beginnen, diese Annahmen zu lockern, schneidet das Modell besser ab, und wenn wir unbegrenzte Unterschiede in den Faktorproduktivitäten zwischen den Ländern zulassen, wie in Trefler (1993)(1), dann gelten die resultierenden HOV-Gleichungen als Identität. Zwischen diesen beiden Extremen zeigt Trefler (1995)(2), dass eine sparsame Spezifikation der technologischen Unterschiede zwischen den Ländern - die einen einheitlichen Unterschied zu den USA zulässt - immer noch in der Lage ist, die Anpassung der HOV-Gleichung erheblich zu verbessern. Neuere Forschungsarbeiten wie die von Davis und Weinstein (2001a)(3), die wir im nächsten Kapitel besprechen, verallgemeinern diese technologischen Unterschiede und erklären weiter, wie wir die Unterschiede zwischen dem Faktorinhalt des Handels und der relativen Ausstattung erklären. Feenstra I 2-42 (...) wir können zwei Bereiche vorschlagen, die weitere Aufmerksamkeit verdienen. Erstens lohnt es sich, zwischen der Berücksichtigung des Welthandelsvolumens und dem Testen von Hypothesen im Zusammenhang mit dem Handel zu unterscheiden. Wenn wir versuchen, die rechte und die linke Seite der HOV-Gleichung anzugleichen, etwa durch die Einführung von Produktivitätsparametern, handelt es sich um eine Buchhaltung. Zweitens: Selbst wenn wir annehmen, dass die HOV-Gleichung perfekt passt, wenn wir ausreichende Unterschiede zwischen den Technologien der einzelnen Länder berücksichtigen, stellt sich die Frage: Woher kommen diese Technologieunterschiede? In der ursprünglichen Arbeit von Heckscher und Ohlin verwarfen sie die von Ricardo angenommenen technologischen Unterschiede zugunsten einer Welt, in der Wissen über Grenzen hinweg fließt. Inzwischen haben wir gelernt, dass diese Annahme der technologischen Ähnlichkeit zwischen den Ländern zum Zeitpunkt ihrer Abfassung empirisch falsch war (siehe Estevadeordal und Taylor, 2000(4), 2001(5)), ebenso wie in den letzten Jahren (Trefler, 1993(1), 1995(2); Davis und Weinstein, 2001a(3)). Wir befinden uns also wieder in der Welt von Ricardo, in der technologische Unterschiede eine wichtige Determinante der Handelsströme sind. Solche Unterschiede können jedoch kaum als exogen akzeptiert werden und müssen sicherlich durch die zugrundeliegenden Ursachen erklärt werden können. Feenstra I 2-43 Steigende Skalenerträge könnten eine Erklärung sein, und dies wurde von Antweiler und Trefler (2002)(6) in den HOV-Rahmen aufgenommen (...). Auf gesamtwirtschaftlich steigende Erträge weist auch die Literatur über „endogenes Wachstum“ hin (...). >Exogenes Wachstum, >Endogenes Wachstum. Darüber hinaus haben einige Autoren in jüngster Zeit argumentiert, dass Geographie/Klima (Sachs, 2001)(7) oder koloniale Institutionen (Acemoglu, et al, 2001)(8) oder soziales Kapital (Jones und Hall, 1999)(9) oder die Effizienz, mit der Arbeit eingesetzt wird (Clark und Feenstra, 2001)(10), eine wichtige Rolle spielen müssen. 1. Trefler, Daniel, 1993, “International Factor Price Differences: Leontief was Right!” Journal of Political Economy, December, 961-987. 2. Trefler, Daniel, 1995, “The Case of Missing Trade and Other Mysteries,” American Economic Review, December, 85(5), 1029-1046. Reprinted in Edward E. Leamer, ed. 2001, International Economics, New York: Worth Publishers, 151-175. 3. Davis, Donald R. and David E. Weinstein, 2001a, “An Account of Global Factor Trade, American Economic Review, 91(5), December, 1423-1453. 4. Estevadeordal, Antoni and Alan M. Taylor, 2000, “Testing Trade Theory inn Ohlin’s Time,” in R. Findlay, L. Jonung and M. Lundahl, eds. Bertil Ohlin: A Centennial Celebration, 1899-1999, Cambridge, MA: MIT Press, forthcoming. 5. Estevadeordal, Antoni and Alan M. Taylor, 2001, “A Century of Missing Trade?” American Economic Review, forthcoming. 6. Antweiler, Werner and Daniel Trefler, 2002, “Increasing Returns and All That: A View from Trade,” American Economic Review, 92(1), March, 93-119. 7. Sachs, Jeffrey D., 2001. “Tropical Underdevelopment,” NBER Working Paper no. 8119. 8. Acemoglu, Daron, Simon Johnson and James A. Robinson, 2001, “The Colonial Origins of Comparative Development: An Empirical Investigation,” American Economic Review, 91(5), December, 1369-1401. 9. Jones, Charles I. and Robert E. Hall, 1999, “Why Do Some Countries Produce So Much More Output Per Worker Than Others?” Quarterly Journal of Economics, 116(1), 83-116. 10. Clark, Gregory and Robert C. Feenstra, 2001, “Technology in the Great Divide,” NBER Working Paper no. 8596. |
Feenstra I Robert C. Feenstra Advanced International Trade University of California, Davis and National Bureau of Economic Research 2002 |
| Hegel | Heidegger | Gadamer I 274 Hegel/Heidegger/Gadamer: Heideggers Nachweis, dass im Begriff des Geistes bei Hegel und des Bewusstseins bei Descartes die griechische Substanzontologie fortherrscht, die das Sein auf das Gegenwärtig- und Anwesendsein hin auslegt, geht (... ) gewiss über das Selbstverständnis der neuzeitlichen Metaphysik hinaus, aber nicht willkürlich und beliebig, sondern von einer „Vorhabe“ (>Seinsfrage) aus, die diese Überlieferung eigentlich verständlich macht, indem sie die ontologischen Prämissen des Subjektivitätsbegriffs aufdeckt. >Subjektivität, >Bewusstsein, >Geist/Hegel, >Metaphysik. Verstehen/Heidegger: Es handelt sich also ganz und gar nicht darum, sich gegen die Überlieferung, die aus dem Text ihre Stimme erhebt, zu sichern, sondern im Gegenteil fernzuhalten, was einen hindern kann, sie von der Sache her zu verstehen. Es sind die undurchschauten Vorurteile, deren Herrschaft uns gegen die in der Überlieferung sprechende Sache taub macht. >Vorurteile. Kant/Heidegger: Umgekehrt entdeckt Heidegger in Kants Kritik an der „dogmatischen“ Metaphysik die Idee einer Metaphysik der Endlichkeit, an der sich sein eigener ontologischer Entwurf zu bewähren hat. >Verstehen/Heidegger, >I. Kant, >HeideggerVsHegel. |
Hei III Martin Heidegger Sein und Zeit Tübingen 1993 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Heiliges | Durkheim | Habermas IV 78 Heiliges/Holiness/Durkheim/Habermas: Def Heilig/Durkheim: das Sakrale (…) ist das Abgesonderte, vereinzelte. Jede Berührung mit anderem hat seine Profanierung zur Folge. Habermas IV 79 Das Sakrale und das Profane sind nicht auf derselben Ebene. Sie sind heterogen und inkommensurabel. (1) Das Heilige erweckt die gleiche ambivalente Haltung wie die moralische Autorität, denn das Heilige ist mit einer Aura umgeben, die gleichzeitig abschreckt und anzieht, terrorisiert und bezaubert. (2) Habermas IV 80 HabermasVsDurkheim: wo Durkheim versucht, die Herkunft des Sakralen deutlich zu machen, zeigt sich seine Bindung an die Tradition der Bewusstseinsphilosophie: Durkheim These: Religionen sollen aus Glaubensvorstellungen und rituellen Praktiken bestehen. Damit ist für Durkheim Religion Ausdruck eines kollektiven, überindividuellen Bewusstseins. Da Bewusstsein ein intentionales Objekt braucht, sucht Durkheim Habermas IV 81 nach dem Gegenstand der religiösen Vorstellungswelt. Für die Religion selbst ist dies natürlich das göttliche Wesen – für Durkheim verbirgt sich dahinter jedoch „die transfigurierte und symbolisch gedachte Gesellschaft“. Denn die Gesellschaft ist das Kollektiv, zu der sich die Gruppenangehörigen assoziieren, kurz „die kollektive Person“ ist so beschaffen, dass sie über das Bewusstsein der individuellen Personen hinausreicht und ich doch zugleich immanent ist. Zudem besitzt sie alle Merkmale einer Ehrfurcht gebietenden moralischen Autorität. (3) HabermasVsDurkheim: das ist zirkulär: das Moralische wird auf das Heilige zurückgeführt, dieses auf kollektive Vorstellungen von einer Entität, die ihrerseits aus einem System verpflichtender Normen bestehen soll. 1.E. Durkheim, Sociologie et philosophie, Paris 1951, German Frankfurt 1967, S.126f. 2.Ebenda S. 86. 3.Ebenda S. 104 |
Durkheim I E. Durkheim Die Regeln der soziologischen Methode Frankfurt/M. 1984 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Heiliges | Habermas | IV 136 Heiliges/Sozialisation/Sprache/Habermas: In der grammatischen Rede sind die illokutionären Bestandteile mit den propositionalen und expressiven so zusammengefügt, dass sich illokutionäre Kräfte mit allen Sprechhandlungen verbinden. Daran kann man sich klarmachen, was es bedeutet, wenn die sakral begründeten Institutionen nicht nur lenkend, präformierend und präjudizierend durch Verständigungsprozesse hindurch greifen, sondern über die intersubjektive Anerkennung der mit Sprechhandlungen erhobenen Geltungsansprüche. Den Sprechakten wächst damit eine eigenständige, von bestehenden normativen Kontexten unabhängige illokutionäre Kraft zu. Die Autorität des Heiligen, die hinter den Institutionen steht, gilt nicht mehr per se. Sie wird vielmehr von den Begründungsleistungen der religiösen Weltbilder abhängig. Das kulturelle Wissen übernimmt, indem es in die Situationsdeutungen (...) eingeht, Funktionen der Handlungskoordinierung. >Handlungskoordinierung, >Kommmunikatives Handeln, >Handlungstheorie, >Geltungsansprüche, >Sprechakte, >Illokutionäre Akte, >Perlokutionäre Akte, >Verstehen, >Verständigung, >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas, >Institutionen. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Hermeneutik | Dilthey | Gadamer I 180 Hermeneutik/Dilthey/Gadamer: [Zur theologischen, insbesondere lutherischen Bibelinterpretation]: (…) die reformatorische Theologie erscheint nicht (…) als konsequent. Indem sie schließlich die protestantischen Glaubensformeln als Leitfaden für das Verständnis der Einheit der Bibel in Anspruch nimmt, hebt auch sie das Schriftprinzip auf zugunsten einer allerdings kurzfristigen reformatorischen Tradition. So hat darüber nicht nur die gegenreformatorische Theologie, sondern auch Dilthey geurteilt(1). Er glossiert diese Widersprüche der protestantischen Hermeneutik aus dem vollen Selbstgefühl der historischen Geisteswissenschaften heraus. Entwicklung der Diltheyschen Hermeneutik: Erst einmal musste sich die Hermeneutik aus aller dogmatischen Beschränkung lösen und zu sich selbst befreien, um zu der universalen Bedeutung eines historischen Organon aufzusteigen. Das geschah im 18. Jahrhundert, als Männer wie Semler und Ernesti erkannten, dass ein adäquates Verständnis der Schrift die Anerkennung der Verschiedenheit ihrer Verfasser, also die Preisgabe der dogmatischen Einheit des Kanon voraussetzt. Mit dieser »Befreiung der Auslegung vom „Dogma« (Dilthey) rückte die Sammlung der Heiligen Schriften der Christenheit in die Rolle einer Sammlung historischer Quellen, die als Schrift- werke nicht nur einer grammatischen, sondern zugleich auch einer historischen Interpretation unterworfen werden mussten(2). DiltheyVsTradition: Der alte Auslegungsgrundsatz, das Einzelne aus dem Ganzen zu verstehen, war nun nicht mehr auf die dogmatische Einheit des Kanons bezogen und beschränkt, sondern ging auf das Umfassende der geschichtlichen Gadamer I 181 Wirklichkeit, zu deren Ganzheit das einzelne historische Dokument gehört. Gadamer: (…) wie es nunmehr keinen Unterschied mehr gibt zwischen der Interpretation heiliger oder profaner Schriften und damit nur eine Hermeneutik existiert, so ist diese Hermeneutik am Ende nicht nur eine propädeutische Funktion aller Historik als Kunst der rechten Auslegung schriftlicher Quellen, sondern übergreift noch das ganze Geschäft der Historik selbst. Denn was von den schriftlichen Quellen gilt, dass jeder Satz in ihnen nur aus dem Zusammenhang verstanden werden könne, das gilt auch von den Inhalten, die sie berichten. Auch deren Bedeutung steht nicht für sich fest. Der weltgeschichtliche Zusammenhang, in dem sich die Einzelgegenstände der historischen Forschung, große wie kleine, in ihrer wahren relativen Bedeutung zeigen, ist selbst ein Ganzes, von dem aus alles Einzelne in seinem Sinn erst voll verstanden wird und das umgekehrt erst von diesen Einzelheiten aus voll verstanden werden kann. Gadamer I 182 Tradition: An sich ist die Geschichte des Verstehens schon seit den Tagen der antiken Philologie von theoretischer Reflexion begleitet. Aber diese Reflexionen haben den Charakter einer „Kunstlehre“, d. h. sie wollen der Kunst des Verstehens dienen, wie etwa die Rhetorik der Redekunst, die Poetik der Dichtkunst und ihrer Beurteilung dienen wollen. In diesem Sinne war auch die theologische Hermeneutik der Patristik und die der Reformation eine Kunstlehre. DiltheyVsTradition/Gadamer: Jetzt aber wird das Verstehen als solches gemacht. ((s) VsDilthey: Vgl. >Hermeneutik/Schleiermacher.) Gadamer I 202 Hermeneutik/Dilthey/Gadamer: Die historische Interpretation vermag als Mittel zum Verständnis eines gegebenen Textes dienen, wenngleich sie in anderer Interessenwendung in ihm eine bloße Quelle sieht, die sich dem Ganzen der historischen Überlieferung eingliedert. In klarer methodischer Reflexion finden wir das freilich weder bei Ranke noch bei dem scharfen Methodologen Droysen ausgesprochen, sondern erst bei Dilthey, der die romantische Hermeneutik bewusst aufgreift und zu einer historischen Methodik, ja zu einer Erkenntnistheorie der Geisteswissenschaften ausweitet. Ditlhey: Nicht nur die Quellen begegnen als Texte, sondern die geschichtliche Wirklichkeit selbst ist ein zu verstehender Text. Mit dieser Übertragung der Hermeneutik auf die Historik ist Dilthey aber nur der Interpret der historischen Schule. Er formuliert das, was Ranke und Droysen selber im Grunde denken. Historische Schule/Dilthey/HegelVsHistorismus/Gadamer: Wir werden noch sehen, dass Hegels Philosophie der Weltgeschichte, gegen die sich die historische Schule auflehnte (DiltheyVsHegel), die Bedeutung der Geschichte für das Sein des Geistes und die Erkenntnis der Wahrheit ungleich tiefer erkannt hat als die großen Historiker, die ihre Abhängigkeit von ihm sich nicht eingestehen wollten. Gadamer I 245 Hermeneutik/Dilthey/Gadamer: Wie wir bei Schleiermacher sahen, ist das Vorbild seiner Hermeneutik das im Verhältnis vom Ich zum Du erreichbare kongeniale Verstehen.. Die Meinung des Autors ist aus seinem Text unmittelbar zu ersehen. Der Interpret ist mit seinem Autor absolut gleichzeitig. Das ist der Triumph der philologischen Methode, vergangenen Geist so als gegenwärtigen, fremden als vertrauten zu erfassen. Dilthey: Dilthey ist von diesem Triumph ganz und gar durchdrungen. Er gründet darauf die Ebenbürtigkeit der Geisteswissenschaften. Wie die naturwissenschaftliche Erkenntnis stets ein Gegenwärtiges aufeinen in ihm gelegenen Aufschluss befragt, so befragt der Geisteswissenschaftler Texte. Damit glaubte Dilthey den Auftrag zu erfüllen, den er als den seinen empfand, die Geisteswissenschaften erkenntnistheoretisch zu rechtfertigen, indem er die geschichtliche Welt wie einen zu entziffernden Text dachte. >Text/Dilthey. 1. Vgl. Dilthey II, 126 Anm. 3 die von Richard Simon an Flacius geübte Kritik. 2. Semler, der diese Forderung stellt, meint damit freilich noch dem Heilssinn der Bibel zu dienen, sofern der historisch Verstehende »nun auch imstande ist, von diesen Gegenständen auf eine solche Weise jetzt zu reden, als es die veränderte Zeit und andere Umstände der Menschen neben uns erfordern« (zitiert nach G. Ebeling, RGG3 Hermeneutik) also Historie im Dienste der applicatio. |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Hermeneutik | Gadamer | I 169 Hermeneutik/Gadamer: Hermeneutik müsste (…) derart umfassend verstanden werden, dass sie die ganze Sphäre der Kunst und ihre Fragestellung mit einbezöge. Wie jeder andere zu verstehende Text muss ein jegliches Kunstwerk nicht nur I 170 das literarische – verstanden werden. Damit erhält das hermeneutische Bewusstsein eine umfassende Weite, die diejenige des ästhetischen Bewusstseins noch übertrifft. Die Ästhetik muss in der Hermeneutik aufgehen. Vgl. >Ästhetisches Bewusstsein. Die heutige Aufgabe könnte sein, sich dem beherrschenden Einfluss der Diltheyschen Fragestellung und den Vorurteilen der durch ihn begründeten „Geistesgeschichte“ zu entziehen. >Hermeneutik/Dilthey. I 171 (…) die Kunst [ist] niemals nur vergangene (…), sondern [sie weiß] den Abstand der Zeiten durch ihre eigene Sinnpräsenz zu überwinden. Insofern zeigt sich am Beispiel der Kunst nach beiden Seiten hin ein ausgezeichneter Fall von Verstehen. Sie ist kein bloßer Gegenstand des historischen Bewusstseins, dennoch aber schließt ihr Verständnis schon historische Vermittlung mit ein. Wie bestimmt sich dann ihr gegenüber die Aufgabe der Hermeneutik? Vgl. >Hermeneutik/Schleiermacher, >Hermeneutik/Hegel. I 177 Hermeneutik/Gadamer: Auf zwei Wegen, dem theologischen wie dem philologischen, hatte sich die Kunstlehre des Verstehens und der Auslegung aus einem analogen Antrieb entwickelt: die theologische Hermeneutik, wie Dilthey schön gezeigt hat(1), aus der Selbstverteidigung des reformatorischen Bibelverständnisses gegen den Angriff der tridentinischen Theologen und ihre Berufung auf die Unentbehrlichkeit der Tradition die philologische Hermeneutik als ein Instrumentarium für den humanistischen Anspruch auf Wiederentdeckung der I 178 klassischen Literatur. Biblische Hermeneutik: ihre Voraussetzung ist das Schriftprinzip der Reformation. >Interpretation/Luther. I 280 Hermeneutik/Gadamer: Die grundsätzliche Diskreditierung aller Vorurteile, die das Erfahrungspathos der neuen Naturwissenschaft mit der Aufklärung verbindet, wird in der historischen Aufklärung universal und radikal. Eben hier liegt der Punkt, an dem der Versuch einer philosophischen Hermeneutik kritisch einzusetzen hat. Die Überwindung aller Vorurteile, diese Pauschalforderung der Aufklärung, wird sich selber als ein Vorurteil erweisen, dessen Revision erst den Weg für ein angemessenes Verständnis der Endlichkeit freimacht, die nicht nur unser Menschsein, sondern ebenso unser geschichtliches Bewusstsein beherrscht. Vgl. >Tradition/Romantik. Heißt in Überlieferungen stehen in erster Linie wirklich: Vorurteilen unterliegen und in seiner Freiheit begrenzt sein? Ist nicht vielmehr alle menschliche Existenz, auch die freieste, begrenzt und auf mannigfaltige Weise bedingt? Wenn das zutrifft, dann ist die Idee einer absoluten Vernunft überhaupt keine Möglichkeit des geschichtlichen Menschentums. Vernunft ist für uns nur als reale geschichtliche, d. h. schlechthin: Sie ist nicht ihrer selbst Herr, sondern bleibt stets auf die Gegebenheiten angewiesen, an denen I 281 sie sich betätigt. Das gilt nicht nur in dem Sinne, in dem Kant die Ansprüche des Rationalismus unter dem Einfluss der skeptischen Kritik Humes auf das apriorische Moment in der Naturerkenntnis eingeschränkt hat - es gilt viel entschiedener für das geschichtliche Bewusstsein und die Möglichkeit geschichtlicher Erkenntnis. Verstehen/Gadamer: Der Mensch ist sich selber und seinem geschichtlichen Schicksal in noch ganz anderer Weise fremd, als ihm die Natur fremd ist, die nicht von ihm weiß. Für das historische Verstehen siehe auch >Das Klassische/Gadamer. I 295 Hermeneutik/Gadamer: Das Verstehen selber ist nicht so sehr als eine Handlung der Subjektivität zu denken, sondern als Einrücken in ein Überlieferungsgeschehen, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart beständig vermitteln. Das ist es, was in der hermeneutischen Theorie zur Geltung kommen muss, die viel zu sehr von der Idee eines Verfahrens, einer Methode, beherrscht ist. I 300 [Eine Spannung] spielt zwischen Fremdheit und Vertrautheit, die die Überlieferung für uns hat, zwischen der historisch gemeinten, abständigen Gegenständlichkeit und der Zugehörigkeit zu einer Tradition. In diesem Zwischen ist der wahre Ort der Hermeneutik. I 313 Anwendung des Verstandenen: Die innere Verschmelzung von Verstehen und Auslegen führte (...) dazu, dass das dritte Moment am hermeneutischen Problem, die Applikation, ganz aus dem Zusammenhang der Hermeneutik herausgedrängt wurde. Bsp Die erbauliche Anwendung, die etwa der Heiligen Schrift in der christlichen Verkündigung und Predigt zuteil wird, schien etwas ganz anderes als das historische und theologische Verständnis derselben. Nun haben uns unsere Überlegungen zu der Einsicht geführt, dass im Verstehen immer so etwas wie eine Anwendung des zu verstehenden Textes auf die gegenwärtige Situation des Interpreten stattfindet. >Situation. Wir werden also gleichsam einen Schritt über die romantische Hermeneutik hinaus genötigt, indem wir nicht nur Verstehen und Auslegen, sondern dazu auch Anwenden als in einem einheitlichen Vorgang begriffen denken. >Juristische Hermeneutik/Gadamer, >Theologische Hermeneutik/Gadamer. I 334 Hermeneutik/Gadamer: Sofern der eigentliche Gegenstand des historischen Verstehens nicht Ereignisse sind, sondern ihre „Bedeutung“ ist solches Verstehen offenbar nicht richtig beschrieben, wenn man von einem an sich seienden Gegenstand und dem Zugehen des Subjekts auf diesen spricht. In Wahrheit liegt im historischen Verstehen immer schon darin, dass die auf uns kommende Überlieferung in die Gegenwart hineinspricht und in dieser Vermittlung - mehr noch: als diese Vermittlung - verstanden werden muss. I 391 Hermeneutik/Gadamer: So wie der Übersetzer als Dolmetsch die Verständigung im Gespräch nur dadurch ermöglicht, dass er an der verhandelten Sache teilnimmt, so ist auch gegenüber dem Text die unentbehrliche Voraussetzung für den Interpreten, dass er an seinem Sinn teilnimmt. Es ist also ganz berechtigt, von einem hermeneutischen Gespräch zu reden. Dann folgt daraus aber, dass das hermeneutische Gespräch sich wie das wirkliche Gespräch eine gemeinsame Sprache erarbeiten muss und dass diese Erarbeitung einer gemeinsamen Sprache ebenso wenig wie beim Gespräch die Bereitung eines Werkzeuges für die Zwecke der Verständigung ist, sondern mit dem Vollzug des Verstehens und der Verständigung selbst zusammenfällt. Auch zwischen den Partnern dieses „Gesprächs“ findet wie zwischen zwei Personen eine Kommunikation statt, die mehr ist als bloße Anpassung. Der Text bringt eine Sache zur Sprache, aber dass er das tut, ist am Ende die Leistung des Interpreten. Beide sind daran beteiligt. I 392 In diesem Sinne handelt es sich im Verstehen ganz gewiss nicht um ein „historisches Verständnis“ das die Entsprechung des Textes rekonstruierte. Vielmehr meint man den Text selbst zu verstehen. I 446 Hermeneutik/Humboldt/Gadamer: [Humboldts] Bedeutung für das Problem der Hermeneutik liegt (...) [darin]: in der Erweisung der Sprachansicht als Weltansicht. >Sprache/Humboldt, >Kultur/Humboldt. Er hat den lebendigen Vollzug des Sprechens, die sprachliche Energeia als das Wesen der Sprache erkannt und dadurch den Dogmatismus der Grammatiker gebrochen. Von dem Begriff der Kraft aus, der sein ganzes Denken über die Sprache leitet, hat er insbesondere auch die Frage nach dem Ursprung der Sprache zurechtgestellt, die durch theologische Rücksichten besonders belastet war. Ursprung der Sprache/Humboldt: [Humboldt] betont mit Recht, dass die Sprache von ihrem Anbeginn an menschlich ist.(2) I 479 Hermeneutik/Gadamer: Universalität der Hermeneutik: (...) sprachlich und damit verständlich ist das menschliche Weltverhältnis schlechthin und von Grund aus. Hermeneutik ist (...) insofern ein universaler Aspekt der Philosophie und nicht nur die methodische Basis der sogenannten Geisteswissenschaften. I 480 Kunst/Geschichte: (...) die Begriffe von „Kunst“ und „Geschichte“ (...) sind Auffassungsformen, die sich aus der universalen Seinsweise des hermeneutischen Seins als Formen der hermeneutischen Erfahrung erst ausgliedern. 1.2 Dilthey, Die Entstehung der Hermeneutik, Ges. Schriften Bd. V, 317 338. 2. W. von Humboldt, „Über die Verschiedenheit des menschlichen Sprachbaus ..“ (zuerst gedruckt 1836), § 9, S. 60 |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Hermeneutik | Giddens | Habermas III 162 Hermeneutik/Giddens/Habermas: Giddens These: in der Sozialwissenschaften stellt sich eine spezifische, nämlich ene doppelte hermeneutische Aufgabe. „The mediation of paradigms or widely discrepant theoretical schemes in science is a hermeneutic matter like that involved in the contacts between other types of meaning-frames. But sociology, unlike natural science, deals with a pre-interpreted world where the creation and reproduction of meaning-frames is a very condition of that which it seeks to analyse, namely human social conduct: this is why there is a double hermeneutics in the social sciences…”(1). >Hermeneutik, >Soziologie. Habermas: Giddens spricht von einer doppelten Hermeneutik, weil Verstehensprobleme in den Sozialwissenschaften schon bei der Gewinnung und nicht erst bei der theoretischen Beschreibung der Daten ergeben. >Verstehen. 1. A Giddens, New Rules of Sociological Method, London, 1976, p. 158. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Hermeneutik | Habermas | III 175 Hermeneutik/Soziologie/Habermas: Wenn der Sozialwissenschaftler an den Interaktionen, die er verstehen will, mindestens virtuell teilnehmen muss und das bedeutet, dass er zu den in den Interaktionen involvierten Geltungsansprüchen implizit Stellung nehmen muss, dann wir er seine eigenen Begriffe an die im Kontext vorgefundene Begrifflichkeit nicht anders anwenden (anschließen) können, als dies die Laien in ihrer kommunikativen Alltagspraxis selbst tun. >Verstehen, >Praxis, >Theorie, >Methode, >Geltungsansprüche, III 176 Dieselben Strukturen, die Verständigung ermöglichen, sorgen auch für die Möglichkeiten einer reflexiven Selbstkontrolle des Verständigungsvorgangs. >Verstehen/Soziologie/Schütz. III 194 Hermeneutik/Habermas: Der methodologische Ertrag der philosophischen Hermeneutik: - Dass der Interpret die Bedeutung einer symbolischen Äußerung nur als virtueller Teilnehmer an dem Verständigungsprozess der unmittelbar Beteiligten aufklären kann; - Dass ihn die performative Einstellung zwar an das Vorverständnis der hermeneutischen Ausgangssituation bindet; - Dass aber diese Bindung die Gültigkeit seiner Interpretation nicht beeinträchtigen muss - Weil er sich die rationale Binnenstruktur verständigungsorientieren Handelns zunutze machen und die Beurteilungskompetenz eines zurechnungsfähigen Kommunikationsteilnehmers reflexiv in Anspruch nehmen kann, um - die Lebenswelt des Autors und seiner Zeitgenossen systematisch mit der eigenen Lebenswelt in Beziehung zu setzen und - die Bedeutung des Interpretandums als den mindestens implizit beurteilten Sachgehalt einer kritisierbaren Äußerung zu rekonstruieren. III 195 HabermasVsGadamer: Diese Grundeinsicht gefährdet Gadamer, weil sich hinter dem von ihm bevorzugten Modell der geisteswissenschaftlichen Beschäftigung mit kanonisierten Texten der eigentlich problematische Fall der dogmatischen Auslegung sakraler Schriften verbirgt. >Hermeneutik/Gadamer, >H.-G. Gadamer. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Hermeneutik | Hegel | Gadamer I 171 Hermeneutik/Hegel/Gadamer: Am Anfang steht für Schleiermacher wie für Hegel das Bewusstsein eines Verlusts und einer Entfremdung gegenüber der Überlieferung, das ihre hermeneutische Besinnung herausfordert. Sie bestimmen dennoch die Aufgabe der Hermeneutik auf sehr verschiedene Weise. Vgl. >Hermeneutik/Schleiermacher. [Während] das geschichtliche Wissen nach Schleiermacher den Weg [öffnet], das Verlorene zu ersetzen und die Überlieferung wiederherzustellen, sofern es das Okkasionelle und Ursprüngliche zurückbringt, geht Hegel einen anderen Weg: Gadamer I 173 Hegel: „(…) es gibt nicht das wirkliche Leben ihres Daseins, nicht den Baum, der sie trug, nicht die Erde und die Elemente, die ihre Substanz, noch das Klima, das ihre Bestimmtheit ausmachte, oder den Wechsel der Jahreszeiten, die den Prozess ihres Werdens beherrschten. So gibt das Schicksal uns mit den Werken jener Kunst nicht ihre Welt, nicht den Frühling und Sommer des sittlichen Lebens, worin sie blühten und reiften, sondern allein die eingehüllte Erinnerung dieser Wirklichkeit“. Hegel nennt das Verhalten der Späteren zu den überlieferten Werken der Kunst ein „äußerliches Tun“, »das von diesen Früchten etwa Regentropfen oder Stäubchen abwischt und an die Stelle der inneren Elemente der umgebenden, erzeugenden und begeistenden [sic] des Sittlichen das weitläufige Gerüste der toten Elemente ihrer äußerlichen Existenz, der Sprache, des Geschichtlichen usf. errichtet, nicht um sich in sie hineinzuleben, sondern nur, um sie in sich vorzustellen“.(1) Die wahre Aufgabe des denkenden Geistes gegenüber der Geschichte, auch gegenüber der Geschichte der Kunst, wäre dagegen nach Hegel keine äußere, sofern der Geist sich selbst in ihr auf eine höhere Weise dargestellt sähe. >Geist/Hegel, >Geschichte/Hegel, >Kunst/Hegel. Gadamer I 174 HegelVsSchleiermacher/Gadamer: Hier weist Hegel über die ganze Dimension hinaus, in der sich das Problem des Verstehens bei Schleiermacher stellte. Hegel hebt es auf die Basis, auf der er die Philosophie als die höchste Gestalt des absoluten Geistes begründet hat. Im absoluten Wissen der Philosophie vollendet sich jenes Selbstbewusstsein des Geistes, der, wie der Text sagt, „auf eine höhere Weise“ auch die Wahrheit der Kunst in sich fasst. So ist es für Hegel die Philosophie, d. h. die geschichtliche Selbstdurchdringung des Geistes, welche die hermeneutische Aufgabe bewältigt. Sie ist die äußerste Gegenposition zur Selbstvergessenheit des historischen Bewusstseins. Ihr wandelt sich das historische Verhalten der Vorstellung in ein denkendes Verhalten zur Vergangenheit. Vgl. >Schleiermacher, >Wahrheit der Kunst. 1. Hegel, Phänomenologie des Geistes, ed. Hoffmeister, S. 524. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Hermeneutik | Heidegger | Gadamer I 259 Hermeneutik/Heidegger/Gadamer: Unter dem Stichwort einer „Hermeneutik der Faktizität“ stellte Heidegger der eidetischen Phänomenologie Husserls und der Unterscheidung von Tatsache und Wesen, auf der sie beruhte, eine paradoxe Forderung entgegen. Vgl. >Leben/Husserl. Heidegger: Die unbegründbare und unableitbare Faktizität des Daseins, die Existenz, und nicht das reine cogito als Wesensverfassung von typischer Allgemeinheit, sollte die ontologische Basis der phänomenologischen Fragestellung darstellen (...). Vorgeschichte/Gadamer: Die kritische Seite dieses Gedankens war gewiss nicht schlechthin neu. Sie war schon in der Weise einer Kritik am Idealismus von den Junghegelianern gedacht worden, und insofern ist es kein Zufall, dass der aus der geistigen Krise des Hegelianismus stammende Kierkegaard wie von anderen Kritikern des neukantianischen Idealismus so auch von Heidegger damals aufgegriffen wurde. Auf der anderen Seite sah sich aber diese Kritik am Idealismus damals wie heute dem umfassenden Anspruch der transzendentalen Fragestellung gegenüber. Sofern die transzendentale Reflexion kein mögliches Motiv des Gedankens in der Entfaltung des Inhalts des Geistes ungedacht lassen wollte - und das war seit Hegel der Anspruch der Transzendentalphilosophie -, hatte sie jeden möglichen Einwand in die totale Reflexion des Geistes immer schon einbezogen. HusserlVsHeidegger: (...) Husserl [konnte] das In-der-Welt-sein als ein Problem der Horizontintentionalität des transzendentalen Bewusstseins anerkennen, denn die absolute Historizität der transzendentalen Subjektivität musste auch den Sinn von Faktizität auszuweisen vermögen. Daher hatte Husserl in konsequentem Festhalten an seiner Leitidee des Ur-Ich sogleich gegen Heidegger einwenden können, dass der Sinn von Faktizität selber ein Eidos ist, also wesensmäßig der eidetischen Sphäre der Wesensallgemeinheiten angehöre.(1) Gadamer I 264 Verstehen/HeideggerVsDilthey/HeideggerVsHusserl: Verstehen (...) ist die ursprüngliche Vollzugsform des Daseins, das In-der-Weltsein (...). >Historismus/Heidegger. Gadamer I 267 Hermeneutik/Heidegger/Gadamer: [es ist die ] Frage, ob aus der ontologischen Radikalisierung, die Heidegger gebracht hat, etwas für den Aufbau einer historischen Hermeneutik gewonnen werden kann. Heideggers Absicht selber war gewiss eine andere, und man muss sich hüten, aus seiner existenzialen Analyse der Geschichtlichkeit des Daseins voreilige Konsequenzen zu ziehen. Die existenziale Analytik des Daseins schließt nach Heidegger kein bestimmtes geschichtliches Existenzideal in sich. Insofern beansprucht sie selbst noch für eine theologische Aussage über den Menschen und seine Existenz im Glauben eine apriorisch-neutrale Geltung. Gadamer I 268 Durch Heideggers transzendentale Interpretation des Verstehens gewinnt das Problem der Hermeneutik einen universalen Umriss, ja den Zuwachs einer neuen Dimension. Die Zugehörigkeit des Interpreten zu seinem Gegenstande, die in der Reflexion der historischen Schule keine rechte Legitimation zu finden vermochte (>Hermeneutik/Dilthey), erhält nun einen konkret aufweisbaren Sinn, und es ist die Aufgabe der Hermeneutik, die Aufweisung dieses Sinnes zu leisten. Dass die Struktur des Daseins geworfener Entwurf ist, dass das Dasein seinem eigenen Seinsvollzug nach Verstehen ist, das muss auch für den Verstehensvollzug gelten, der in den Geisteswissenschaften geschieht. Die allgemeine Struktur des Verstehens erreicht im historischen Verstehen ihre Konkretion, indem konkrete Bindungen von Sitte und Überlieferung und ihnen entsprechende Möglichkeiten der eigenen Zukunft im Verstehen selber wirksam werden. Das sich auf sein Seinkönnen entwerfende Dasein ist immer schon „gewesen“. Das ist der Sinn des Existenzials der Geworfenheit. Dass alles freie Sichverhalten zu seinem Sein hinter die Faktizität dieses Seins nicht zurück kann, darin lag die Pointe der Hermeneutik der Faktizität und ihr Gegensatz zu der transzendentalen Gadamer I 269 Konstitutionsforschung der Husserlschen Phänomenologie. (HeideggerVsHusserl, >Konstitution/Husserl). 1. Bemerkenswerterweise fehlt in allen bisherigen Husserliana fast ganz eine namentliche Auseinandersetzung mit Heidegger. Das hat gewiss nicht nur biographische Gründe. Vielmehr mochte sich Husserl immer wieder in die Zweideutigkeit verstrickt sehen, die ihm Heideggers Ansatz von „Sein und Zeit“ bald als transzendentale Phänomenologie und bald als Kritik derselben erscheinen ließ. Er konnte seine eigenen Gedanken darin wiedererkennen, und doch traten sie in ganz anderer Frontstellung, in seinen Augen in polemischer Verzerrung, auf. |
Hei III Martin Heidegger Sein und Zeit Tübingen 1993 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Hermeneutik | Ricoeur | I 39 Hermeneutik/Ricoeur: Die Problematik der Illusion (...), die Nietzsches „Auslegung“ innewohnt, führt uns zu der Hauptschwierigkeit, welche das Los der modernen Hermeneutik bestimmt. I 40 Problem: Es gibt keine allgemeine Hermeneutik, keinen universellen Kanon für die Exegese, sondern getrennte und einander entgegenstehende Theorien über die Regeln der Interpretation. Das hermeneutische Feld (...) ist in sich selbst zerspalten. A. Auf der einen Seite wird die Hermeneutik aufgefasst als die Manifestation und Wiederherstellung eines Sinns, der in der Art einer Botschaft, einer Verkündigung oder, wie es zuweilen heißt, eines Kerygma an gerichtet ist; B. Auf der anderen Seite wird sie verstanden als Entmystifizierung, als Illusionsabbau. Auf dieser Seite des Kampfes steht die Psychoanalyse, zumindest bei der ersten Lektüre. >Interpretation/Ricoeur, >Sinn/Ricoeur, >Traumdeutung/Ricoeur. I 43 Sorge um das Objekt/Ricoeur: Letztlich liegt dieser Sorge ein Vertrauen in die Sprache zugrunde, - der Glaube, dass die Sprache, die die Symbole trägt, weniger von den Menschen als zu den Menschen gesprochen wird, dass die Menschen inmitten der Sprache, im Licht des Logos geboren werden, (...). >Glauben/Ricoeur, >Religiöser Glaube/Ricoeur, >Interpretation/Ricoeur, >Epoché/Ricoeur. C. Hermeneutik im Zeichen des „Zweifels“/Ricoeur: diese andere Theorie der Interpretation beginnt gerade mit dem Zweifel, ob es ein solches Objekt gibt und ob dieses Objekt der Ort sein kann, wo die intentionale Absicht in Kerygma, Offenbarung und Verkündigung umschlägt. Deshalb ist diese Hermeneutik kein Herauslösen des Objekts, sondern ein Herunterreißen der Maske, eine die Verkleidungen reduzierende Interpretation. II 45 Hermeneutik/Symbol/Ricoeur: In meinen früheren Schriften, insbesondere der Symbolik des Bösen und Freud and Philosophy(1,2), habe ich die Hermeneutik direkt durch einen Gegenstand definiert, der sowohl so breit als auch so präzise wie möglich zu sein schien, ich meine das Symbol. Was das Symbol betrifft, so habe ich es wiederum durch seine semantische Struktur definiert, die eine doppelte Bedeutung hat. Heute bin ich mir weniger sicher, dass man das Problem so direkt angehen kann, ohne vorher die Linguistik in Betracht gezogen zu haben. Innerhalb des Symbols, so scheint es mir jetzt, gibt es sowohl etwas Nicht-Semantisches als auch etwas Semantisches (...). >Metapher/Ricoeur. 1. P. Ricoeur, The Symbolism of Evil, trans. Emerson Buchanan (New York: Harper & Row, 1967); 2. P. Ricoeur, Freud and Philosophy: An Essay on Interpretation, trans. Denis Savage (New Haven: Yale University Press, 1970). |
Ricoeur I Paul Ricoeur Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999 Ricoeur II Paul Ricoeur Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976 |
| Hermeneutik | Schelling | Bubner I 87 Platon/Schelling/Bubner: Der frühe Schelling selbst bezog völlig unbefangen Platons Kosmologie der Ideen auf die Versöhnungsinteressen des Frühidealismus zwischen Subjektivität und Welt. >Ideen/Platon, >Platon >Ideen, >Idealismus, >Idealismus als Autor, >Subjektivität, >Welt, >Welt/Denken. Platon/Idealismus/Bubner: Aus Gründen der Sparsamkeit bei der Einführung neuer Begriffe wurden hier auch platonische Ideen transzendentalphilosophisch umformuliert. >Metaphysik, vgl. >Konservativität. KantVsSchelling/Bubner: Kant entdeckt hier im Vorübergehen die hermeneutische Maxime, dass es gelte, einen Autor besser zu verstehen, als er sich selbst verstand. >Verstehen, >Bedeutungswandel, >Theorienwandel, vgl. >Interpretation/Rorty. |
Bu I R. Bubner Antike Themen und ihre moderne Verwandlung Frankfurt 1992 |
| Hermeneutik | Schleiermacher | Gadamer I 171 Hermeneutik/Schleiermacher/Gadamer: Am Anfang steht für Schleiermacher wie für Hegel das Bewusstsein eines Verlusts und einer Entfremdung gegenüber der Überlieferung, das ihre hermeneutische Besinnung herausfordert. Sie bestimmen dennoch die Aufgabe der Hermeneutik auf sehr verschiedene Weise. Schleiermacher (…) ist ganz darauf gerichtet, die ursprüngliche Bestimmung eines Werkes im Verständnis wiederherzustellen. Denn Kunst und Literatur, die uns aus der Vergangenheit überliefert sind, sind ihrer ursprünglichen Welt entrissen. So schreibt Schleiermacher, dass es schon nicht mehr das Natürliche und Ursprüngliche sei, »wenn Kunstwerke in den Verkehr kommen. Nämlich jedes hat einen Teil seiner Verständlichkeit aus seiner ursprünglichen Bestimmung. « »Daher das Kunstwerk, aus seinem ursprünglichen Zusammenhang gerissen, wenn dieser nicht geschichtlich aufbewahrt wird, von seiner Bedeutsamkeit verliert.« Er sagt geradezu: »So ist also eigentlich ein Kunstwerk auch eingewurzelt in seinen Grund und Boden, in seine Umgebung. Es verliert schon seine Bedeutung, wenn es aus dieser Umgebung herausgerissen wird und in den Verkehr übergeht, es ist wie etwas, das aus dem Feuer gerettet ist und nun Brandflecken trägt«(1). Gadamer I 172 Gadamer: Das geschichtliche Wissen öffnet nach Schleiermacher den Weg, das Verlorene zu ersetzen und die Überlieferung wiederherzustellen, sofern es das Okkasionelle und Ursprüngliche zurückbringt. So sucht das hermeneutische Bemühen den „Anknüpfungspunkt“ im Geiste des Künstlers wiederzugewinnen, der die Bedeutung eines Kunstwerks erst voll verständlich machen soll, genau wie es sonst Texten gegenüber verfährt, indem es die ursprüngliche Produktion des Verfassers zu reproduzieren strebt. ((s) Vgl. hierzu die Diskussion verschiedener philosophischer Theorien über >Bedeutungswandel.) GadamerVsSchleiermacher: (…) es fragt sich, ob das, was hier gewonnen wird, wirklich das ist, was wir als die Bedeutung des Kunstwerkes suchen, und ob das Verstehen richtig bestimmt wird, wenn wir in ihm eine Zweite Schöpfung, die Reproduktion der ursprünglichen Produktion, sehen. Am Ende Ist eine solche Bestimmung der Hermeneutik nicht minder widersinnig wie alle Restitution und Restauration vergangenen Lebens. Wiederherstellung ursprünglicher Bedingungen ist, wie alle Restauration, angesichts der Geschichtlichkeit unseres Seins ein ohnmächtiges Beginnen. Hegel/Gadamer: Hegel geht einen anderen Weg als Schleiermacher: >Hermeneutik/Hegel. Gadamer I 182 SchleiermacherVsDilthey/SchleiermacherVsTradition/Gadamer: Schleiermacher (…) sucht die Einheit der Hermeneutik nicht mehr in der inhaltlichen Einheit der Überlieferung, auf die das Verstehen angewendet werden soll, sondern abgelöst von aller inhaltlichen Besonderung in der Einheit eines Verfahrens, das nicht einmal durch die Art, wie die Gedanken überliefert sind, ob schriftlich oder mündlich, in fremder oder in der eigenen gleichzeitigen Sprache, differenziert wird. (Vgl. >Hermeneutik/Dilthey). Schleiermachers Idee einer universalen Hermeneutik bestimmt sich von Gadamer I 183 da aus. Sie ist aus der Vorstellung entstanden, dass die Erfahrung der Fremdheit und die Möglichkeit des Missverständnisses eine universelle ist. SchleiermacherVsTradition: (…) gerade die Ausweitung der hermeneutischen Aufgabe auf das „bedeutsame Gespräch“, die für Schleiermacher besonders charakteristisch ist, zeigt, wie sich der Sinn der Fremdheit, deren Überwindung die Hermeneutik leisten soll, gegenüber der bisherigen Aufgabenstellung der Hermeneutik grundsätzlich gewandelt hat. In einem neuen, universalen Sinn ist Fremdheit mit der Individualität des Du unauflöslich gegeben. Gadamer: Man darf den lebhaften, ja genialen Sinn für menschliche Individualität, der Schleiermacher auszeichnet, gleichwohl nicht als eine individuelle Besonderheit nehmen, die hier die Theorie beeinflusst. Vielmehr ist es die kritische Abwehr all dessen, das im Zeitalter der Aufklärung unter dem Titel „Vernünftige Gedanken“ als das gemeinsame Wesen der Humanität galt, was zu einer grundsätzlichen Neubestimmung des Verhältnisses zur Überlieferung nötigt(2). Gadamer I 188 Verstehen/SchleiermacherVsTradtion: (…) , anstelle eines „Aggregats von Observationen“ [gilt es] eine wirkliche Kunstlehre des Verstehens zu entwickeln Das bedeutet etwas grundsätzlich Neues. Denn nun rechnet man mit der Verständnisschwierigkeit und dem Missverständnis nicht mehr als gelegentlichen, sondern als integrierenden Momenten, um deren vorgängige Ausschaltung es geht. So definiert Schleiermacher geradezu: »Hermeneutik ist die Kunst, Missverstand zu vermeiden«. Sie erhebt sich über die pädagogische Okkasionalität der Auslegungs- Gadamer I 189 praxis zur Selbständigkeit einer Methode, sofern »das Missverstehen sich von selbst ergibt und das Verstehen auf jedem Punkt muss gewollt und gesucht werden«(3). Gadamer I 191 Die Hermeneutik umfasst grammatische und psychologische Auslegungskunst .Schleiermachers Eigenstes ist aber die psychologische Interpretation. Sie ist letzten Endes ein divinatorisches Verhalten, ein Sich-versetzen in die ganze Verfassung des Schriftstellers, eine Auffassung des "inneren Herganges" der Abfassung eines Werkes(4) schöpferischen Aktes. Verstehen also ist eine auf eine ursprüngliche Produktion bezogene Reproduktion, ein Erkennen des Erkannten (Boeckh)(5), eine Nachkonstruktion, die von dem lebendigen Moment der Konzeption, dem „Keimentschluss“ als dem Organisationspunkt der Komposition ausgeht(6). Gadamer: Eine solche isolierende Beschreibung des Verstehens bedeutet aber, dass das Gedankengebilde, das wir als Rede oder als Text verstehen wollen, nicht auf seinen sachlichen Inhalt hin, sondern als ein ästhetisches Gebilde verstanden wird, als Kunstwerk oder „künstlerisches Denken“. >Genie/Schleiermacher, >Verstehen/Schleiermacher. Verstehen/Schleiermacher: Schleiermacher [kommt] zu dem Satz, es gelte, einen Schriftsteller besser zu verstehen, als er sich selber verstanden habe - eine Formel, die seither immer wiederholt worden ist und in deren wechselnder Interpretation sich die gesamte Geschichte der neueren Hermeneutik abzeichnet. 1. Schleiermacher, Ästhetik, ed. R. Odebrecht, S. 84 ff. 2. Chr. Wolff und seine Schule rechneten die „allgemeine Auslegungskunst“ folgerichtig zur Philosophie, da »endlich alles dahin abziele, dass man anderer Wahrheiten erkennen und prüfen möge, wenn man ihre Rede verstanden« (J.Walch, Philosophisches Lexikon, (1726), S. 165). Ähnlich ist es für Bentley, wenn er vom Philologen fordert: » Seine einzigen Führer seien Vernunft das Licht der Gedanken des Verfassers und ihre zwingende Gewalt« (zitiert nach Wegner, Altertumskunde, S. 94). 3. Schleiermacher, Hermeneutik § 15 und 16, Werke I, 7, S. 29f. 4. Schleiermacher Werke I, 7, S. 83. 5. Schleiermacher Werke III, 3, S. 355, 358, 364. 6. Boeckh, Enzyklopädie und Methodologie der philologischen Wissenschaft, ed. Bratuschek, 2.Autfl. 1886, S. 10. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Hermeneutik | Strauss | Gadamer I 300 Hermeneutik/Code/Leo Strauss/Gadamer: Es gibt eine Ausnahme von [dem] Vorgriff der Vollkommenheit: den Fall des verstellten oder verschlüsselten Schreibens. Dieser Fall stellt die schwierigsten hermeneutischen Probleme.(1) Vgl. >Vorgriff der Vollkommenheit/Gadamer. Dieser Ausnahmefall des hermeneutischen Verhaltens ist insofern von exemplarischer Bedeutung, als hier die reine Sinnauslegung nach der gleichen Richtung Überschritten wird, wie wenn die historische Quellenkritik hinter die Überlieferung zurückgeht. Obwohl es sich hier um keine historische, sondern um eine hermeneutische Aufgabe handelt, wird diese nur lösbar, indem man ein sachliches Verständnis als Schlüssel verwendet. Nur dann lässt sich die Verstellung entschlüsseln - wie man ja auch im Gespräch Ironie in dem Grade versteht, in dem man in sachlichem Einverständnis mit dem anderen steht. Die scheinbare Ausnahme bestätigt also erst recht, dass Verstehen Einverständnis impliziert. GadamerVsStrauss: Ob Strauss mit der Durchführung seines Prinzips immer Recht hat, z. B. bei Spinoza, ist mir zweifelhaft. „Verstellung“ schließt ein Höchstmaß von Bewusstsein ein. Akkomodation, Konformismus usw. brauchen nicht bewusst zu geschehen. Das hat Strauss meines Erachtens nicht genug beachtet.(2) ((s) Vgl. >Radikale Interpretation). 1. Leo Strauss in: Persecution and the Art of Writing). 2. Vgl. a. a. O. , S. 223ff., sowie meine Arbeit „Hermeneutik und Historismus«, Bd. 2 der Ges. Werke, S. 387 ff. Inzwischen sind diese Probleme - wie mlr scheint, auf zu enger semantischer Basis, viel diskutlert worden. Vgl. D. Davidson, Inquiries into Truth and Interpretation, Oxford 1984. |
StraussDFr I David Friedrich Strauss Der alte und der neue Glaube Hamburg 2012 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Hermeneutischer Zirkel | Gadamer | I 296 Hermeneutischer Zirkel/Gadamer: Wie setzt denn die hermeneutische Bemühung ein? Was folgt für das Verstehen aus der hermeneutischen Bedingung der Zugehörigkeit zu einer Tradition? >Hermeneutik/Gadamer, >Tradition/Gadamer. Wir erinnern uns hier der hermeneutischen Regel, dass man das Ganze aus dem Einzelnen und das Einzelne aus dem Ganzen verstehen müsse. Sie stammt aus der antiken Rhetorik und ist durch die neuzeitliche Hermeneutik von der Redekunst auf die Kunst des Verstehens übertragen worden. Es ist ein zirkelhaftes Verhältnis, das hier wie dort vorliegt. Die Antizipation von Sinn, in der das Ganze gemeint ist, kommt dadurch zu explizitem Verständnis, dass die Teile, die sich vom Ganzen her bestimmen, ihrerseits auch dieses Ganze bestimmen. Die Aufgabe ist, in konzentrischen Kreisen die Einheit des verstandenen Sinnes zu erweitern. Einstimmung aller Einzelheiten zum Ganzen ist das jeweilige Kriterium für die Richtigkeit des Verstehens. >Hermeneutischer Zirkel/Schleiermacher. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Hermeneutischer Zirkel | Heidegger | Gadamer I 270 Hermeneutischer Zirkel/Heidegger/Gadamer: Heidegger schreibt: »Der Zirkel darf nicht zu einem vitiosum, und sei es auch zu einem geduldeten, herabgezogen werden. In ihm verbirgt sich eine positive Gadamer I 271 Möglichkeit ursprünglichsten Erkennens, die freilich in echter Weise nur dann ergriffen ist, wenn die Auslegung verstanden hat, dass ihre erste, ständige und letzte Aufgabe bleibt, sich jeweils Vorhabe, Vorsicht und Vorgriff nicht durch Einfälle und Volksbegriffe vorgeben zu lassen, sondern in deren Ausarbeitung aus den Sachen selbst her das wissenschaftliche Thema zu sichern.«(1) Gadamer: Was Heidegger hier sagt, ist zunächst nicht eine Forderung an die Praxis des Verstehens, sondern beschreibt die Vollzugsform des verstehenden Auslegens selbst. Heideggers hermeneutische Reflexion hat ihre Spitze nicht so sehr darin, nachzuweisen, das hier ein Zirkel vorliegt, als vielmehr darin, dass dieser Zirkel einen ontologisch positiven Sinn hat. Verstehen/Gadamer: Wer einen Text verstehen will, vollzieht immer ein Entwerfen, er wirft sich einen Sinn des Ganzen voraus, sobald sich ein erster Sinn im Text zeigt. Ein solcher zeigt sich wiederum nur, weil man den Text schon mit gewissen Erwartungen auf einen bestimmten Sinn hin liest. Im Ausarbeiten eines solchen Vorentwurfs, der freilich beständig von dem her revidiert wird, was sich bei weiterem Eindringen in den Sinn ergibt, besteht das Verstehen dessen, was dasteht. Heidegger/Gadamer: Dass jede Revision des Vorentwurfs in der Möglichkeit steht, einen neuen Entwurf von Sinn voraus zu werfen, dass sich rivalisierende Entwürfe zur Ausarbeitung Gadamer I 272 nebeneinander herbringen können, bis sich die Einheit des Sinnes eindeutiger festlegt; dass die Auslegung mit Vorbegriffen einsetzt, die durch angemessenere Begriffe ersetzt werden: eben dieses ständige Neu-Entwerfen, das die Sinnbewegung des Verstehens und Auslegens ausmacht, ist der Vorgang, den Heidegger beschreibt. Objektivität: Es gibt hier keine andere „Objektivität“ als die Bewährung, die eine Vormeinung durch ihre Ausarbeitung findet. Methode: Man muss sich diese grundsätzliche Forderung als die Radikalisierung eines Verfahrens denken, das wir in Wahrheit immer ausüben, wenn wir verstehen. Gadamer I 298 Hermeneutischer Zirkel/Heidegger/Gadamer: Schleiermacher (...) gelingt es (...) den Einklang mit dem Objektivitätsideal der Naturwissenschaften herzustellen, aber nur dadurch, dass [er] darauf verzichte[t], die Konkretion des historischen Bewusstseins in der hermeneutischen Theorie zur Geltung zu bringen. >Hermeneutischer Zirkel/Schleiermacher, >Hermeneutik/Schleiermacher. HeideggerVsSchleiermacher/Gadamer: Heideggers Beschreibung und existenziale Begründung des hermeneutischen Zirkels bedeutet demgegenüber eine entscheidende Wendung. [Schleiermachers Theorie gipfelte in der] Lehre von dem divinatorischen Akt, durch den man sich ganz in den Verfasser versetzt und von da aus alles Fremde und Befremdende des Textes zur Auflösung bringt. Heidegger: Demgegenüber beschreibt Heidegger den Zirkel so, dass das Verständnis des Textes von der vorgreifenden Bewegung des Vorverständnisses dauerhaft bestimmt bleibt. Der Zirkel von Ganzem und Teil wird im vollendeten Verstehen nicht zur Auflösung gebracht, sondern im Gegenteil am eigentlichsten vollzogen. Ontologie/Methode: Der Zirkel ist also nicht formaler Natur. Er ist weder subjektiv noch objektiv, sondern beschreibt das Verstehen als das Ineinanderspiel der Bewegung der Überlieferung und der Bewegung des Interpreten. Die Antizipation von Sinn, die unser Verständnis eines Textes leitet, ist nicht eine Handlung der Subjektivität, sondern bestimmt sich aus der Gemeinsamkeit, die uns mit der Überlieferung verbindet. Diese Gemeinsamkeit aber ist in unserem Verhältnis zur Überlieferung in beständiger Bildung begriffen. Sie ist nicht einfach eine Voraussetzung, unter der wir schon immer stehen, sondern wir erstellen sie selbst, sofern wir verstehen, am Überlieferungsgeschehen teilhaben und es dadurch selber weiter bestimmen. Der Zirkel Gadamer I 299 Verstehens ist also überhaupt nicht ein „methodischer“ Zirkel, sondern beschreibt ein ontologisches Strukturmoment des Verstehens. >Vollkommenheit/Gadamer. 1. Heidegger, Sein und Zeit, 312ff |
Hei III Martin Heidegger Sein und Zeit Tübingen 1993 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Hermeneutischer Zirkel | Schleiermacher | Gadamer I 193 Hermeneutischer Zirkel/Schleiermacher/Gadamer: Schleiermacher folgt Friedrich Ast und der gesamten hermeneutisch—rhetorischen Tradition, wenn er als einen wesentlichen Grundzug des Verstehens anerkennt, dass der Sinn des einzelnen sich immer nur aus dem Zusammenhang, mithin letztlich dem Gadamer I 194 Ganzen ergibt. Dieser Satz gilt in selbstverständlicher Weise für das grammatische Verständnis jeden Satzes bis zu der Einordnung desselben in den Zusammenhang des Ganzen eines Literatur-Werkes ja, bis zum Ganzen der Literatur bzw. der betreffenden literarischen Gattung Schleiermacher wendet ihn nun aber auf das psychologische Verständnis an, das ein jedes Gedankengebilde als einen Lebensmoment im Totalzusammenhang dieses Menschen verstehen muss. Dabei war von jeher klar, dass logisch gesehen hier ein Zirkel vorliegt, sofern das Ganze, von dem aus das einzelne verstanden werden soll, ja nicht vor dem einzelnen gegeben ist - es sei denn in der Weise eines dogmatischen Kanons (wie ihn das katholische und wie wir sahen, in gewissem Grade auch das reformatorische Schriftverständnjs leitet), oder eines ihm analogen Vorbegriffs vom Geiste einer Zeit (wie Ast den Geist des Altertums in der Weise der Ahndung voraussetzt). Lösung: Schleiermacher aber erklärt, dass solche dogmatische Leitfäden keine vorgängige Geltung beanspruchen können und daher nur relative Beschränkungen des Zirkels sind. Grundsätzlich gesehen ist Verstehen immer ein Sichbewegen in solchem Kreise, weshalb die wiederholte Rückkehr von dem Ganzen zu den Teilen und umgekehrt wesentlich ist. Dazu kommt, dass dieser Kreis sich ständig erweitert, indem der Begriff des Ganzen ein relativer ist und die Einordnung in immer größere Zusammenhänge immer auch das Verständnis des einzelnen berührt. Gadamer I 296 Hermeneutischer Zirkel/Schleiermacher/Gadamer: [Schleiermacher hat den] hermeneutischen Zirkel von Teil und Ganzem sowohl nach seiner objektiven wie nach seiner subjektiven Seite hin differenziert. Wie das einzelne Wort in den Zusammenhang des Satzes, so gehört der einzelne Text in den Zusammenhang des Werkes seines Schriftstellers und dieses in das Ganze der betreffenden literarischen Gattung bzw. der Literatur. Auf der anderen Seite gehört aber der gleiche Text als Manifestation eins schöpferischen Augenblicks in das Ganze des Seelenlebens seines Autors. Jeweils erst in solchem Ganzem objektiver und subjektiver Art kann sich Verstehen vollenden. Dilthey: Im Anschluss an diese Theorie spricht dann Dilthey von „Struktur“ und von der „Zentrierung in einem Mittelpunkt“, aus der sich das Verständnis des Ganzen ergibt. Er überträgt damit auf die geschichtliche Welt, was von jeher ein Grundsatz Gadamer I 297 aller Interpretation von Texten ist: dass man einen Text aus sich selbst verstehen muss. GadamerVsSchleiermacher: Es fragt sich aber, ob die Zirkelbewegung des Verstehens so angemessen verstanden ist. Hier ist auf das Ergebnis unserer Analyse der Schleiermacherschen Hermeneutik zurückzugreifen. (>Hermeneutik/Schleiermacher). Was Schleiermacher als subjektive Interpretation entwickelt hat, darf wohl ganz beiseite gesetzt werden. 1. GadamerVsSchleiermacher: Wenn wir einen Text zu verstehen suchen, versetzen wir uns nicht in die seelische Verfassung des Autors, sondern wenn man schon von Sichversetzen sprechen will, so versetzen wir uns in die Perspektive, unter der der andere seine Meinung gewonnen hat. Das heißt aber nichts anderes, als dass wir das sachliche Recht dessen, was der andere sagt, gelten zu lassen suchen. Wir werden sogar, wenn wir verstehen wollen, seine Argumente noch zu verstärken trachten. 2. GadamerVsSchleiermacher: (...) auch die objektive Seite dieses Zirkels, wie sie Schleiermacher beschreibt, trifft nicht den Kern der Sache (..): Das Ziel aller Verständigung und alles Verstehens ist das Einverständnis in der Sache. So hat die Hermeneutik von jeher die Aufgabe, ausbleibendes oder gestörtes Einverständnis herzustellen. Die Geschichte der Hermeneutik kann das bestätigen, wenn man z. B. an Augustin denkt, wo das Alte Testament mit der christlichen Botschaft vermittelt werden soll(1), oder an den frühen Protestantismus, dem das gleiche Problem gestellt war(2) oder endlich an das Zeitalter der Aufklärung, wo es freilich einem Verzicht auf Einverständnis nahe kommt, wenn der "vollkommene Verstand" eines Textes nur auf dem Wege historischer Interpretation erreicht werden soll. Es ist nun etwas qualitativ Neues, wenn die Romantik und Schleiermacher ein geschichtliches Bewusstsein von universalem Umfang begründen, indem sie die verbindliche Gestalt der Tradition, aus der sie kommen und in der sie stehen, nicht mehr als feste Grundlage für alle hermeneutische Bemühung gelten lassen. Gadamer I 298 Schleiermacher (...) gelingt es (...) den Einklang mit dem Objektivitätsideal der Naturwissenschaften herzustellen, aber nur dadurch, dass [er] darauf verzichte[t], die Konkretion des historischen Bewusstseins in der hermeneutischen Theorie zur Geltung zu bringen. HeideggerVsSchleiermacher/Gadamer: Heideggers Beschreibung und existenziale Begründung des hermeneutischen Zirkels bedeutet demgegenüber eine entscheidende Wendung. >Hermeneutischer Zirkel/Heidegger. 1. Vgl. dazu G. Ripanti, Agostino teoretico del' interpretazione. Brescia 1980 2. Vgl. M. Flacius; Clavis Scripturae sacrae seu de Sermone sacrarum literarum, lib.II, 1676 |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Herrschaft | Augustinus | Höffe I 96 Herrschaft/Staat/Augustinus/Höffe: „Was anders sind (König-)Reiche, sofern ihnen Gerechtigkeit fehlt, als große Räuberbanden? Sie sind Gruppen von Menschen, die unter der Leitung eines Anführers stehen, sich durch Verabredung zu einer Gemeinschaft zusammenschließen und ihre Beute nach vereinbartem Gesetz verteilen.“(1) Höffe I 100 Höffe: Im Verhältnis zum persönlichen, letztlich im Jenseits zu erwartenden Seelenheil erscheint (...) die Sorge um gerechte politische Institutionen der diesseitigen Welt als deutlich sekundär, als geradezu extrem nachrangig. Mehr noch: Unter Augustinischen Prämissen ist ein pragmatisch-realistisches politisches Denken so gut wie unmöglich. Höffe I 107 Augustinus votiert für eine veritable Theokratie, für eine Herrschaft Gottes, freilich nicht wie später Calvin in Genf für die weltliche Herrschaft einer Kirche. Sein Gottesstaat ist weder das Vorbild für ein irdisches Gemeinwesen noch enthält er ein Plädoyer für den Vorrang der kirchlichen vor der weltlichen Macht. Augustinus entkoppelt die Religion von der Politik. Schließlich bereitet er mit seinem sittlich-politischen Grundwerk nicht die neuzeitliche Trennung von Staat und Kirche vor. >Staat/Augustinus. 1. Augustinus, De civitate dei, Vom Gottesstaat, Buch IV, Kapitel 4 |
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| Herrschaft | Isokrates | Höffe I 48 Herrschaft/Isokrates/Höffe: Xenophons Zeitgenosse Isokrates (436–338 v. Chr.) lobt Alexanders Vater, den makedonischen König Philipp II., als Führer der Hellenen, also nicht einer einzelnen Stadtrepublik, sondern des gesamten Griechentums, und ruft die Griechen zur Eintracht auf. Griechentum: Im Panegyrikos, einer Festrede, singt er ein von Selbstkritik ungetrübtes Lob auf das Griechentum, des Näheren auf Athen als Wiege aller menschlichen Kultur. Frieden: In der Friedensrede überträgt Isokrates die bislang auf das Zusammensein der Bürger bezogene Eintracht auf den Zusammenhalt der griechischen Städte und hebt im Philippos den makedonischen König in den Rang eines «Vorstehers der Eintracht». IsokratesVsDemokratie: Im Areopagitikos - auf dem Areopag tagt Athens höchstes Gericht - kritisiert er wegen ihrer Vielgeschäftigkeit die radikale Demokratie. DemosthenesVsIsokrates siehe >Korruption/Demosthenes. |
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| Heterologie | Geach | I 84 Heterologisch/Heterologie/Geach: Bsp ""ist ein obszöner Ausdruck" ist heterologisch" - soll denselben Sinn (dieselbe Bedeutung, synonym) haben wie ""ist ein obszöner Ausdruck" ist nicht ein obszöner Ausdruck" (korrekt). - Problem: diese Definition würde ""ist heterologisch" ist heterologisch" synonym machen mit ""ist heterologisch" ist nicht heterologisch" - Widerspruch. I 88f Grellings Paradox/(s): der allgemeine Term "ist nicht anwendbar auf sich selbst" ist nicht anwendbar auf sich selbst. Nämlichkeits-Zusatz/namely rider/Ryle: (1) "heterologisch" fehlt die Eigenschaft, für die es steht, nämlich die des Fehlens der Eigenschaft für die es steht, nämlich...Regress. - Ryle: keine Eigenschaft wird überhaupt erwähnt. Geach: richtig: (2) "...fehlt die Eigenschaft, für die "heterologisch" steht". (1) ist eine Ausdehnung von "heterologisch", und gerade wahr von jenen Beiwörtern, von denen (2) nicht wahr ist. >Grellings Paradox. (1) ist gar nicht zweideutig - sonst müsste es stets auf dieselbe Eigenschaft in allen Vorkommnissen von (1) referieren, z.B. einsetzen: "französisch"... Lösung/Geach: "die Eigenschaft für die es steht" bezeichnet nie irgendeine spezifizierbare Eigenschaft. - Verschiedene heterologische Epitheta stehen für verschiedene Eigenschaften. |
Gea I P.T. Geach Logic Matters Oxford 1972 |
| Hierarchien | Minsky | Minsky I 34 Hierarchien/Künstliche Intelligenz/Minsky: (...) wir sollten nicht versuchen, die Analogie zwischen [Software-Agenten] und menschlichen Vorgesetzten und Arbeitern sehr weit auszudehnen. Außerdem (...) sind die Beziehungen zwischen mentalen Agenten nicht immer streng hierarchisch. Welche Agenten wählen welche anderen für welche Aufgaben aus? Wer entscheidet, welche Arbeiten überhaupt erledigt werden? Wer entscheidet, welche Anstrengungen aufzuwenden sind? Wie werden Konflikte gelöst? >Konflikte/Minsky. Minsky I 35 Heterarchien: (...) Hierarchien funktionieren nicht immer. Bedenken Sie, dass wenn zwei Agenten die Fähigkeiten des jeweils anderen nutzen müssen, dann kann keiner von beiden an der Spitze stehen. Später werden wir mehr querverbundene Ringe und Schleifen sehen - wenn wir gezwungen sind, den Bedarf an Speicher zu berücksichtigen. >Gedächtnis/Minsky. |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Hilfeverhalten | Gruppenpsychologie | Haslam I 212 - 13 Hilfeverhalten/Gruppenpsychologie: Das Verhalten in kollektiven Settings kann prosozial oder antisozial sein, je nachdem, welche Art von Identität hervorstechend ist und was der Inhalt dieser Identität tatsächlich ist (Postmes and Spears, 1998)(1). >Hilfeverhalten/Theorie der sozialen Identität, (vgl. Haslam 2004)(2); Taifel, 1978(3)), Tajfel and Turner 1979(4). Mark Levine und Simon Crowther (2008)(5) führten zwei miteinander verbundene Experimente durch, die sowohl die Hervorhebung sozialer Identitäten als auch die Anzahl der Beobachter manipulierten, die einen Angriff eines Mannes auf eine Frau miterlebten. Männliche und weibliche Teilnehmer wurden für die Teilnahme an einer Studie über Geschlecht und Gewalt rekrutiert. Insbesondere Frauen fühlen sich besser in der Lage zu intervenieren, wenn sie andere Frauen um sich haben, sind aber weniger geneigt, dies zu tun, wenn die anderen Umstehenden Männer sind. Männer sagen am ehesten, dass sie eingreifen werden, wenn sie die Minderheit in einer Gruppe sind (...). Wenn Männer in einer Gruppe mit anderen Männern sind, sind sie nicht daran gehindert, zu intervenieren, aber wenn sie von Frauen umgeben sind, scheint die Wahrscheinlichkeit einer Intervention erhöht zu sein. Es gab eine klare Interaktion zwischen Gruppengröße und Identität - sodass die Anwesenheit von mehr Zuschauern die Hilfe unter bestimmten Bedingungen behinderte, aber bei anderen erleichterte. Vgl. >Zuschauereffekt/Darley/Latané, >Zuschauereffekt/Psychologische Theorien. 1. Postmes, T. and Spears, R. (1998) ‘Deindividuation and anti-normative behaviour: A meta-analysis’, Psychological Bulletin, 123: 238–59. 2. Haslam, S.A. (2004) Psychology in Organizations: The Social Identity Approach, 2nd edn. Thousand Oaks, CA: Sage Publications. 3. Tajfel, H. (ed.) (1978) Differentiation Between Social Groups: Studies in the Social Psychology of Intergroup Relations. London: Academic Press. 4. Tajfel, H. and Turner, J.C. (1979) ‘An integrative theory of intergroup conflict’, in W.G. Austin and S. Worchel (eds), The Social Psychology of Intergroup Relations. Monterey, CA: Brooks/Cole. pp. 33–48. 5. Levine, M. and Crowther, S. (2008) ‘The responsive bystander: How social group membership and group size can encourage as well as inhibit bystander intervention’, Journal of Personality and Social Psychology, 95: 1429–39. Mark Levine, „ Helping in Emergencies. Revisiting Latané and Darley’s bystander studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Hilfeverhalten | Theorie der sozialen Identität | Haslam I 210 Zuschauereffekt/Hilfeverhalten/Soziale Identitätstheorie: Der Ansatz der sozialen Identität (Haslam 2004)(1) (vgl. Taifel, 1978(2), Tajfel und Turner 1979(3)) lehnt die Vorstellung ab, dass Gruppen einen negativen Einfluss auf die psychologische Funktionsfähigkeit haben. >Zuschauereffekt/Psychologische Theorien. These: Wenn sich Menschen als Mitglied einer bestimmten sozialen Gruppe definieren (...), dann bestimmen die Normen und Werte, die mit dieser sozialen Identität verbunden sind, wie sich der Mensch verhalten wird. Das Verhalten in kollektiven Settings kann prosozial oder unsozial sein, je nachdem, welche Art von Identität hervorsticht und was der Inhalt dieser Identität tatsächlich ist (Postmes and Spears, 1998)(4). Um zu wissen, wie sich der Einzelne in Gegenwart anderer verhält, muss man daher wissen - ob eine persönliche oder soziale Identität hervorsticht; - in welchem Ausmaß die herausragende Identität von den Anwesenden geteilt wird; und - welche Normen und Werte mit der herausragenden Identität verbunden sind. Haslam I 211 Levine et al. (2005)(5) zeigten, dass Hilfeverhalten davon beeinflusst wird, wie stark sich Menschen als Teil einer sich verändernden sozialen Identität fühlten. Levine: Dies ist noch keine Demonstration des Nutzens des Ansatzes der sozialen Identität als Grundlage für ein Überdenken des Zuschauereffekts selbst. Haslam I 212 Der wichtigste Test für den Ansatz würde darin bestehen, die Rolle der sozialen Identitäten in Notfällen, die sowohl Geschlecht als auch Gewalt betreffen, zu untersuchen (siehe Cherry, 1995)(6). Mark Levine und Simon Crowther (2008)(7) führten zwei miteinander verbundene Experimente durch, die sowohl die Hervorhebung sozialer Identitäten als auch die Anzahl der Zuschauer manipulierten, welche einen Angriff eines Mannes auf eine Frau miterlebten. Männliche und weibliche Teilnehmer wurden für die Teilnahme an einer Studie über Geschlecht und Gewalt rekrutiert. (…) Die Antworten auf den Fragebogen zeigten, dass Frauen eher sagen würden, dass sie intervenieren würden, wenn sie in einer Gruppe von drei Frauen saßen, als wenn sie allein säßen. Frauen deuteten jedoch an, dass sie viel weniger wahrscheinlich eingreifen würden, wenn sie in Anwesenheit von zwei Männern waren. Dies steht im Einklang mit dem traditionellen Zuschauereffekt, da die Anwesenheit anderer Menschen die Hilfe zu behindern scheint. Aus diesen Erkenntnissen geht jedoch hervor, dass die Anwesenheit anderer eine unterschiedliche Wirkung hat, die von der Hervorhebung bestimmter sozialer Identitäten für die Teilnehmer und ihrer Beziehung zu anderen Zuschauern abhängt. Konkret fühlen sich Frauen besser in der Lage zu intervenieren, wenn sie andere Frauen um sich haben, sind aber weniger geneigt, dies zu tun, wenn die anderen Zuschauer Männer sind. Männer sagen am ehesten, dass sie eingreifen werden, wenn sie die Minderheit in einer Gruppe sind (....). Wenn Männer in einer Gruppe mit anderen Männern sind, sind sie nicht daran gehindert, zu intervenieren, aber wenn sie von Frauen umgeben sind, scheint die Wahrscheinlichkeit einer Intervention erhöht zu sein. (....) Es ist wichtig anzuerkennen, dass die Teilnehmer dieser Studie lediglich die Bereitschaft zur Intervention zum Ausdruck bringen. (....) Es könnte eine signifikante Lücke zwischen Wort und Tat geben. >Einstellung und Verhalten. 1. Haslam, S.A. (2004) Psychology in Organizations: The Social Identity Approach, 2nd edn. Thousand Oaks, CA: Sage Publications. 2. Tajfel, H. (ed.) (1978) Differentiation Between Social Groups: Studies in the Social Psychology of Intergroup Relations. London: Academic Press. 3. Tajfel, H. and Turner, J.C. (1979) ‘An integrative theory of intergroup conflict’, in W.G. Austin and S. Worchel (eds), The Social Psychology of Intergroup Relations. Monterey, CA: Brooks/Cole. pp. 33-48. 4. Postmes, T. and Spears, R. (1998) ‘Deindividuation and anti-normative behaviour: A meta-analysis’, Psychological Bulletin, 123: 238-59. 5. Levine, M., Prosser, A., Evans, D. and Reicher, S. (2005) ‘Identity and emergency intervention: How social group membership and inclusiveness of group boundaries shape helping behaviour’, Personality and social Bulletin, 31: 443 - 53. 6. Cherry, F. (1995) The ‘Stubborn Particulars’ of Social Psychology. London: Routledge. 7. Levine, M. and Crowther, S. (2008) ‘The responsive bystander: How social group membership and group size can encourage as well as inhibit bystander intervention’, Journal of Personality and Social Psychology, 95: 1429-39. Mark Levine, „ Helping in Emergencies. Revisiting Latané and Darley’s bystander studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Hintergrund | Habermas | IV 191 Hintergrund/Habermas: Der Hintergrund ist ein Wissensvorrat aus unproblematischen gemeinsam als garantiert unterstellten Überzeugungen, aus dem sich jeweils der Kontext von Verständigungsprozessen bildet, in denen die Beteiligten bewährte Situationsdefinitionen benutzen oder neue aushandeln. >Konventionen, >Lebenswelt, >Kommunikatives Handeln/Habermas, >Kommunikationstheorie/Habermas, >Kommunikation/Habermas, >Kommunikative Praxis/Habermas, >Kommunikative Rationalität/Habermas. Die Kommunikationsteilnehmer finden den Zusammenhang zwischen objektiver, sozialer und subjektiver Welt, dem sie jeweils gegenüberstehen, bereits inhaltlich interpretiert vor. Wenn sie den Horizont einer gegebenen Situation überschreiben, könnten sie nicht ins Leere treten; sie finden sich sogleich in einem anderen, nun aktualisierten, jedoch vorinterpretierten Bereich des kulturell Selbstverständlichen wieder. Auch neue Situationen tauchen aus einer Lebenswelt auf, die aus einem immer schon vertrauten kulturellen Wissensvorrat aufgebaut ist. Dieser Lebenswelt gegenüber können die Handelnden ebenso wenig eine extramundane Stellung einnehmen wie gegenüber der Sprache als dem Medium der Verständigungsprozesse, durch die sich die Lebenswelt erhält. >Standpunkt, >Perspektive, >Beobachtung. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Historische Kontingenz | Acemoglu | Acemoglu I 110 Historische Kontingenz/Acemoglu/Robinson: Der Ausgang von Ereignissen bei kritischen Verzweigungspunkten wird durch das Gewicht der Geschichte geprägt, da die bestehenden wirtschaftlichen und politischen Institutionen das Kräfteverhältnis formen und das politisch Machbare abgrenzen. Das Ergebnis ist jedoch nicht historisch vorbestimmt, sondern kontingent. Der genaue Verlauf der institutionellen Entwicklung während dieser Zeiträume hängt davon ab, welche der gegnerischen Kräfte erfolgreich sein werden, welche Gruppen in der Lage sein werden, wirksame Koalitionen zu bilden, und welche Führungskräfte in der Lage sein werden, die Ereignisse zu ihrem Vorteil zu strukturieren. >Kritische Verzweigungspunkte/Acemoglu, >Institutionelle Drift/Acemoglu, >Pfadabhängigkeit. Die Rolle der Kontingenz lässt sich z.B. an den Ursprüngen integrativer politischer Institutionen in England veranschaulichen. Der Sieg der Gruppen, die in der glorreichen Revolution von 1688 um die Begrenzung der Macht der Krone und um pluralistischere Institutionen wetteiferten, war nicht nur nicht vorherbestimmt, sondern der gesamte Weg, der zu dieser politischen Revolution führte, war kontingenten Ereignissen ausgeliefert. Der Sieg der siegreichen Gruppen war untrennbar mit der kritischen Phase verbunden, die durch den Aufschwung des atlantischen Handels geschaffen wurde, der die Kaufleute, die sich der Krone widersetzten, bereicherte und ermutigte. Aber ein Jahrhundert zuvor war es bei weitem nicht offensichtlich, dass England in der Lage sein würde, die Meere zu beherrschen (...). Acemoglu I 111 Kritische Verzweigungspunkte: Es sollte nicht davon ausgegangen werden, dass ein kritischer Verzweigungspunkt zu einer erfolgreichen politischen Revolution oder zu einem Wandel zum Besseren führt. Acemoglu I 116 Es besteht die Tendenz, historische Ereignisse als die unvermeidlichen Folgen tief verwurzelter Kräfte zu betrachten. Während wir großen Wert darauf legen, wie die Geschichte der wirtschaftlichen und politischen Institutionen Teufelskreise und Tugendkreise schafft, kann Kontingenz, wie wir im Zusammenhang mit der Entwicklung der englischen Institutionen betont haben, immer ein Faktor sein. |
Acemoglu II James A. Acemoglu James A. Robinson Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006 Acemoglu I James A. Acemoglu James A. Robinson Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 |
| Historischer Materialismus | Mises | Rothbard II 373 Historischer Materialismus/Mises/Rothbard: Wir können die Marxsche Lehre folgendermaßen zusammenfassen: Am Anfang stehen die „materiellen Produktivkräfte“, d.h. die technische Ausrüstung der menschlichen Produktionsanstrengungen, die Werkzeuge und Maschinen. >Historischer Materialismus/Marx. Mises: Es ist keine Frage nach ihrem Ursprung erlaubt; sie sind, das ist alles; wir müssen annehmen, dass sie vom Himmel gefallen sind.(1) Rothbard: Und, so können wir hinzufügen, jede Veränderung in dieser Technologie muss daher ebenfalls vom Himmel fallen. Rothbard II 374 Wie von Mises außerdem gezeigt hat, ist in der Technik das Bewusstsein und nicht die Materie vorherrschend. Mises: Eine technische Erfindung ist nicht etwas Materielles. Sie ist das Produkt eines geistigen Prozesses, des Denkens und des Erdenkens neuer Ideen. Die Werkzeuge und Maschinen können als materiell bezeichnet werden, aber die Tätigkeit des Geistes, der sie geschaffen hat, ist sicherlich geistig. Der Marxsche Materialismus führt „überstrukturelle“ und „ideologische“ Phänomene nicht auf „materielle“ Wurzeln zurück. Er erklärt diese Phänomene als durch einen im Wesentlichen geistigen Prozess, nämlich die Erfindung, verursacht. (2) Rothbard: Maschinen sind verkörperte Ideen. Darüber hinaus erfordern technische Prozesse nicht nur Erfindungen. Sie müssen aus dem Erfindungsstadium herausgebracht und in konkreten Maschinen und Verfahren verkörpert werden. Das erfordert aber neben der Erfindung auch Ersparnisse und Kapitalinvestitionen. Wenn man diese Tatsache anerkennt, dann bestimmen die „Produktionsverhältnisse“, das Rechts- und Eigentumsrechtssystem in einer Gesellschaft, ob Sparen und Investitionen gefördert oder behindert werden. Noch einmal: Der richtige Kausalverlauf führt von Ideen, Prinzipien und dem rechtlichen und eigentumsrechtlichen „Überbau“ zur angeblichen „Basis“. Rothbard: In ähnlicher Weise wird nicht in Maschinen investiert, wenn es in einer Gesellschaft keine ausreichende Arbeitsteilung gibt. Noch einmal: Die gesellschaftlichen Verhältnisse, die kooperative Arbeitsteilung und der Austausch in der Gesellschaft, bestimmen das Ausmaß und die Entwicklung der Technik und nicht umgekehrt.(3) >Produktionsverhältnisse/Marx, >Technologie/Marx, >Historischer Materialismus/Marx. 1. Ludwig von Mises, Theory and History (1957, Auburn, Ala.: Mises Institute, 1985), pp. 111-2. 2. Ibid. pp. 109-110 3. In „Das Elend der Philosophie“ prangerte Marx Proudhon wütend an, weil dieser genau diesen Standpunkt vertrat, nämlich dass die Arbeitsteilung den Maschinen vorausging. |
EconMises I Ludwig von Mises Die Gemeinwirtschaft Jena 1922 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Historisches Bewusstsein | Dilthey | Gadamer I 233 Historisches Bewusstsein/Dilthey/Gadamer: Gibt es auch für Dilthey einen absoluten Geist? (...) [also] eine völlige Selbstdurchsichtigkeit, völlige Tilgung aller Fremdheit (...)? Für Dilthey ist es keine Frage, dass es das gibt und dass es das geschichtliche Bewusstsein ist, das diesem Ideal entspricht, und nicht die spekulative Philosophie. Es sieht alle Erscheinungen der menschlich-geschichtlichen Welt nur als Gegenstände, an denen der Geist sich selbst tiefer erkennt. Sofern es sie als Objektivationen des Geistes versteht, übersetzt es sie zurück »in die geistige Lebendigkeit, aus der sie hervorgegangen sind«(1). Die Gestaltungen des objektiven Geistes sind für das historische Bewusstsein also Gegenstände der Selbsterkenntnis dieses Geistes. Das historische Bewusstsein breitet sich ins Universelle aus, sofern es alle Gegebenheiten der Geschichte als Äußerung des Lebens versteht, dem sie entstammen; »Leben erfasst hier Leben«(2). Insofern wird die gesamte Überlieferung für das historische Bewusstsein zur Selbstbegegnung des menschlichen Geistes. Es zieht damit an sich, was den besonderen Schöpfungen von Kunst, Religion und Philosophie vorbehalten schien. Nicht im spekulativen Wissen des Begriffs, sondern im historischen Bewusstsein vollendet sich das Wissen des Geistes von sich Gadamer I 234 selbst. Es gewahrt in allem geschichtlichen Geist. Selbst die Philosophie gilt nur als Ausdruck des Lebens. Sofern sie sich dessen bewusst ist, gibt sie damit ihren alten Anspruch auf, Erkenntnis durch Begriffe zu sein. Sie wird Philosophie der Philosophie, eine philosophische Begründung dessen, dass es im Leben Philosophie - neben der Wissenschaft - gibt. Dilthey hat in seinen letzten Arbeiten eine solche Philosophie der Philosophie entworfen, in der er die Typen der Weltanschauung auf die Mehrseitigkeit des Lebens zurückführte, das sich in ihnen auslegt(3). Dilthey selbst hat darauf hingewiesen, dass wir nur geschichtlich erkennen, weil wir selber geschichtlich sind. Das sollte eine erkenntnistheoretische Erleichterung sein. Gadamer I 235 GadamerVsDilthey: Aber kann es das sein? Ist Vicos oft genannte Formel denn überhaupt richtig? Überträgt sie nicht eine Erfahrung des menschlichen Kunstgeistes auf die geschichtliche Welt, in der man von „Machen“ d. h. von Planen und Ausführen angesichts des Laufs der Dinge überhaupt nicht reden kann? Wo soll hier die erkenntnistheoretische Erleichterung herkommen? Ist es nicht in Wahrheit eine Erschwerung? Muss nicht die geschichtliche Bedingtheit des Bewusstseins eine unüberwindliche Schranke dafür darstellen, dass es sich in geschichtlichem Wissen vollendet? Hegel/Gadamer: Hegel mochte durch die Aufhebung der Geschichte im absoluten Wissen diese Schranke überwunden meinen. Aber wenn das Leben die unerschöpflich-schöpferische Realität ist, als die es Dilthey denkt, muss dann nicht die beständige Wandlung des Bedeutungszusammenhanges der Geschichte ein Wissen, das Objektivität erreicht, ausschließen? Ist also das geschichtliche Bewusstsein am Ende ein utopisches Ideal und enthält einen Widerspruch in sich? >Verstehen/Dilthey, >Bewusstsein/Dilthey. Gadamer I 238 Was ist die Auszeichnung des historischen Bewusstseins (...) dass seine eigene Bedingtheit den grundsätzlichen Anspruch objektiver Erkenntnis nicht aufheben soll? Wissen/Absolutes Wissen: Seine Auszeichnung kann nicht darin bestehen, dass es wirklich im Sinne Hegels „absolutes Wissen« wäre, das heißt, in einem gegenwärtigen Selbstbewusstsein das Ganze des Gewordenseins des Geistes vereinigte. Wahrheit: Der Anspruch des philosophischen Bewusstseins, die ganze Wahrheit der Geschichte des Geistes in sich zu enthalten, wird von der historischen Weltansicht ja gerade bestritten. Das ist vielmehr der Grund, weshalb es der geschichtlichen Erfahrung bedarf, dass das menschliche Bewusstsein kein unendlicher Intellekt ist, für den alles gleich-zeitig und gleich gegenwärtig ist. Absolute Identität von Bewusstsein und Gegenstand ist dem endlich-geschichtlichen Bewusstsein prinzipiell unerreichbar. Gadamer I 239 Dilthey/Gadamer: [man kann seine Sicht so zusammenfassen]: Historisches Bewusstsein ist nicht so sehr Selbstauslöschung ((s) wie bei Hegel) als ein gesteigerter Besitz seiner selbst, der es gegenüber allen anderen Gestalten des Geistes auszeichnet. Es legt nicht mehr die Maße seines eigenen Lebensverständnissses an die Überlieferung, in der es steht, einfach an und bildet so in naiver Aneignung der Überlieferung die Tradition weiter. Es weiß sich vielmehr zu sich selbst und zu der Tradition, in der es steht, in einem reflektierten Verhältnis. Es versteht sich selber aus seiner Geschichte. Historisches Bewusstsein ist eine Weise der Selbsterkenntnis. >Leben/Dilthey. 1. Ges. Schr. Vll V, 265 2. Ges. Schr. Vll VII, 136 3. Ges. Schriften V, 339ff u. Vlll. |
Dilth I W. Dilthey Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Historisches Bewusstsein | Gadamer | I 365 Historisches Bewusstsein/Gadamer: [Gadamer stellt das historische Bewusstsein in einen Zusammenhang mit dem >Ich-Du-Verhältnis]: Das Ich-Du-Verhältnis ist ja kein unmittelbares, sondern ein Reflexionsverhältnis. Allem Anspruch entspricht ein Gegenanspruch. Darin entspringt die Möglichkeit, dass jeder der Partner des Verhältnisses den anderen reflektierend überspielt. Er beansprucht den Anspruch des anderen von sich aus zu kennen, ja sogar ihn besser zu verstehen, als er sich selbst versteht. Damit verliert das Du die Unmittelbarkeit, mit der es seinen Anspruch an einen richtet. Es wird verstanden, d, h. aber vom Standpunkt des anderen aus antizipiert und reflektierend abgefangen. I 366 Im hermeneutischen Bereich entspricht nun solcher Erfahrung des Du, was man im allgemeinen das historische Bewusstsein nennt. Das historische Bewusstsein weiß um die Andersheit des Anderen, um die Vergangenheit in ihrer Andersheit so gut, wie das Verstehen des Du dasselbe als Person weiß. Es sucht im Anderen der Vergangenheit nicht den Fall einer allgemeinen Gesetzmäßigkeit, sondern ein historisch Einmaliges. Indem es sich im Anerkennen desselben über alle eigene Bedingtheit ganz zu erheben beansprucht, ist es jedoch in einem dialektischen Schein befangen, da es in Wahrheit der Vergangenheit gleichsam Herr zu werden sucht. Das braucht nicht mit dem spekulativen Anspruch einer Philosophie der Weltgeschichte zu geschehen - es kann auch als ein Ideal der vollendeten Aufklärung dem Erfahrungsgange der historischen Wissenschaften voranleuchten, wie wir das etwa an Dilthey erkannten. >Historisches Bewusstsein/Dilthey. Wir haben den dialektischen Schein, den das historische Bewusstsein erzeugt und der dem dialektischen Schein der im Wissen vollendeten Erfahrung entspricht, in unserer Analyse des hermeneutischen Bewusstseins insoweit aufgedeckt, als das Ideal der historischen Aufklärung etwas Unvollziehbares ist. Wer seiner Vorurteilslosigkeit gewiss zu sein meint, indem er sich auf die Objektivität seines Verfahrens stützt und seine eigene geschichtliche Bedingtheit verleugnet, der erfährt die Gewalt der Vorurteile, die ihn unkontrolliert beherrschen, als eine vis a tergo. Wer die ihn beherrschenden Urteile nicht wahrhaben will, wird das verkennen, was sich in ihrem Lichte zeigt. Es ist wie im Verhältnis zwischen Ich und Du. >Objektivismus/Gadamer, >Vorurteil/Gadamer, >Methode/Gadamer. Lösung/Gadamer: Tradition, Überlieferung: In Überlieferungen I 367 stehen (...) schränkt nicht die Freiheit des Erkennens ein, sondern macht sie möglich. Offenheit: Diese Erkenntnis und Anerkennung nun ist es, die eine dritte, die höchste Weise hermeneutischer Erfahrung ausmacht: die Offenheit für die Überlieferung, die das wirkungsgeschichtliche Bewusstsein besitzt. Auch sie hat eine echte Entsprechung zu der Erfahrung des Du. Im mitmenschlichen Verhalten kommt es darauf an, wie wir sahen, das Du als Du wirklich zu erfahren, d. h, seinen Anspruch nicht zu überhören und sich etwas von ihm sagen zu lassen. Vgl. >Kritik/Schlegel. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Historismus | Gadamer | I 202 Historismus/Historische Schule/Dilthey/Gadamer: Mit [der] Übertragung der Hermeneutik auf die Historik ist Dilthey (...) nur der Interpret der historischen Schule. Er formuliert das, was Ranke und Droysen selber im Grunde denken. So war also die romantische Hermeneutik und ihr Hintergrund, die pantheistische Metaphysik der Individualität, für die theoretische Besinnung der Geschichtsforschung des 19. Jahrhunderts bestimmend. Gadamer: Das ist für das Schicksal der Geisteswissenschaften und die Weltansicht der historischen Schule verhängnisvoll geworden. Vgl. >Geschichte/Hegel, >Geschichtsschreibung/Dilthey, >L. v. Ranke, >J.G. Droysen. Der Widerstand gegen die Philosophie der Weltgeschichte trieb [die Historische Schule] so in das Fahrwasser der Philologie. Es war ihr Stolz, dass sie den Zusammenhang Gadamer I 203 der Weltgeschichte nicht teleologisch, nicht im Stile der vorromantischen oder nachromantischen Aufklärung von einem Endzustande her dachte, der gleichsam das Ende der Geschichte, ein jüngster Tag der Weltgeschichte wäre. Vielmehr gibt es für sie kein Ende und Außerhalb der Geschichte. Das Verständnis des gesamten Verlaufs der Universalgeschichte kann daher nur aus der geschichtlichen Überlieferung selbst gewonnen werden. Eben das aber ist der Anspruch der philologischen Hermeneutik, dass der Sinn eines Textes aus ihm selbst verstanden werden kann. Die Grundlage der Historik ist also die Hermeneutik. GadamerVsDilthey: So weit vermag die hermeneutische Grundlage zu tragen. Aber weder kann diese Abgehobenheit des Gegenstandes von seinem Interpreten, noch auch die inhaltliche Abgeschlossenheit eines Sinnganzen die eigentlichste Aufgabe des Historikers, die Universalgeschichte, mittragen. Denn die Geschichte ist nicht nur nicht am Ende - wir stehen als die Verstehenden selbst in ihr, als ein bedingtes und endliches Glied einer fortrollenden Kette. GadamerVsHistorismusd/GadamerVsHistorische Schule: Auch die „historische Schule« wusste, dass es im Grunde keine andere Geschichte als Universalgeschichte geben kann, weil sich nur vom Ganzen aus das Einzelne in seiner Einzelbedeutung bestimmt. Wie soll der empirische Forscher, dem niemals das Ganze gegeben sein kann, sich da helfen, ohne sein Recht an den Philosophen und seine aprioristische Willkür zu verlieren? Vgl. >Geschichte/Hegel. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Historismus | Heidegger | Gadamer I 264 Historismus/Heidegger/Gadamer: Verstehen (...) ist die ursprüngliche Vollzugsform des Daseins, das In.der-Weltsein (...). Indem Heidegger die Seinsfrage neu erweckte und damit die bisherige Metaphysik im ganzen - und nicht nur ihre Zuspitzung im Cartesianismus der neuzeitlichen Wissenschaft und der Transzendentalphilosophie - überstieg, gewann er gegenüber den Aporien des Historismus eine grundsätzlich neue Stellung. HeideggerVsDroysen/HeideggerVsDilthey: Der Begriff des Verstehens ist nicht mehr ein Methodenbegriff, wie bei Droysen. Verstehen ist auch nicht, wie in Diltheys Versuch einer hermeneutischen Grundlegung der Geisteswissenschaften, eine dem Zug des Lebens zur Idealität erst nachfolgende inverse Operation. Verstehen ist der ursprüngliche Seinscharakter des menschlichen Lebens selber. >Verstehen/Heidegger, >Erkennen/Heidegger. |
Hei III Martin Heidegger Sein und Zeit Tübingen 1993 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Hobbes | Lilla | Lilla I 75 Hobbes/Lilla: [Hobbes] große Abhandlung Leviathan (1651)(1) enthält den verheerendsten Angriff auf die christliche politische Theologie, der je unternommen wurde, und war das Mittel, mit dem spätere moderne Denker ihr entkommen konnten. Vor Hobbes wurden diejenigen, die versuchten, diese politische Theologie zu widerlegen, immer tiefer in sie hineingetrieben, als sie versuchten, die vielen Rätsel von Gott, Mensch und Welt zu lösen. Hobbes zeigte den Ausweg, indem er etwas Geniales tat: Er wechselte das Thema. >Epikureismus/Lilla. Leviathan: Das Ziel des Leviathan ist es, die gesamte Tradition der christlichen politischen Theologie anzugreifen und zu zerstören, was Hobbes das „Reich der Finsternis“ nannte. Doch die Abhandlung beginnt nicht mit Theologie oder Politik, Gott oder Königen, sondern mit Physiologie. Genauer gesagt beginnt sie mit einer Untersuchung des menschlichen Auges und der Art und Weise, wie es die Welt wahrnimmt. Gleich auf der ersten Seite seines Werks legt Hobbes ein implizites Glaubensbekenntnis ab: Um Religion und Politik zu verstehen, brauchen wir nichts über Gott zu wissen; wir müssen nur den Menschen so verstehen, wie wir ihn vorfinden, als einen Körper, der allein in der Welt ist. Hobbes stellt unser geistiges Leben als das Ergebnis eines Zusammenstoßes physischer Kräfte dar. Von außen wird der Mensch mit Bildern bombardiert, die einen „Druck“ auf sein Auge ausüben und Sinneseindrücke hervorrufen, die dann im Gedächtnis gespeichert werden. Lilla I 76 In jedem Augenblick unseres wachen Lebens empfangen wir diese Sinneseindrücke, aber der größte Teil unserer geistigen Aktivität beruht auf Erinnerungen an sie, die wir in dem, was Hobbes Einbildung nennt, zusammenfassen. Um die Sache noch komplizierter zu machen, sind unsere Vorstellungen stumm; solange wir ihnen keine Ideen zuordnen und ihnen keine Namen geben, können sie nicht verwendet werden. Es scheint also, dass wir, wenn wir schlussfolgern, an mehreren Stellen von der tatsächlichen Erfahrung entfernt schlussfolgern: wir kombinieren Namen, die für Ideen stehen, die für Vorstellungen stehen, die für Erinnerungen stehen, die für alte Wahrnehmungen stehen, die für die äußeren Objekte selbst stehen. Der Mensch ist aber nicht nur ein passives Wesen, das seine Eindrücke ordnungsgemäß aufnimmt und im Gedächtnis abspeichert. Er ist aktiv, er strebt, er „bemüht sich“, um es mit Hobbes' Worten zu sagen. Die Welt drängt auf seinen Geist ein, aber er wehrt sich. 1. Thomas Hobbes, Leviathan, ed. Edwin Curley (Indianapolis, 1995). |
Lilla I Mark Lilla The Stillborn God. Religion, Politics, and the Modern West New York: Random House. 2007 |
| Holismus | Avramides | I 86 Radikale Interpretation/RI/Holismus/Davidson: Bsp "Da ist ein Wal" ist nicht unabhängig von "Da ist ein Säugetier" zu interpretieren. - Es ist auch nirgends eine Grenze zu ziehen, wo man Schluss macht. - Daher gibt es auch keine Unterscheidung einfach/zusammengesetzt (komplex). >Radikale Interpretation, >Komplexität, >Einfachheit, >Kompositionalität. I 87 Daher kann die Radikale Interpretation nicht schrittweise vorgehen. Dummett: Eine Klasse von Sätzen soll das fragliche Wort enthalten. >Verstehen/Dummett. DavidsonVsDummett: Diese Klasse weitet sich automatisch zur gesamten Sprache aus. >Verstehen/Davidson. DavidsonVsDummett: Wir können ein Korpus von Sätzen über Situationen identifizieren. >Situation. |
Avr I A. Avramides Meaning and Mind Boston 1989 |
| Holismus | Churchland | Fodor IV 10 Holismus/Sprache/Fodor/Lepore: Der Holismus ist auch ein Revisionismus: er könnte HolismusVsDummett: antworten: "umso schlimmer für unser konventionelles Verstehen davon, wie Sprachen und Theorien gelernt und vermittelt werden". Quine, Dennett, Stich, die Churchlands und viele andere sind stark versucht von dieser revisionistischen Richtung. |
Churla I Paul M. Churchland Matter and Consciousness Cambridge 2013 Churli I Patricia S. Churchland Touching a Nerve: Our Brains, Our Brains New York 2014 Churli II Patricia S. Churchland "Can Neurobiology Teach Us Anything about Consciousness?" in: The Nature of Consciousness: Philosophical Debates ed. Block, Flanagan, Güzeldere pp. 127-140 In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 F/L Jerry Fodor Ernest Lepore Holism. A Shoppers Guide Cambridge USA Oxford UK 1992 Fodor I Jerry Fodor "Special Sciences (or The Disunity of Science as a Working Hypothesis", Synthese 28 (1974), 97-115 In Kognitionswissenschaft, Dieter Münch Frankfurt/M. 1992 Fodor II Jerry Fodor Jerrold J. Katz Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Fodor III Jerry Fodor Jerrold J. Katz The availability of what we say in: Philosophical review, LXXII, 1963, pp.55-71 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 |
| Holismus | Davidson | McDowell I 188 DavidsonVsQuine: Wenn die "empirische Bedeutung" auch nicht Satz für Satz unter die einzelnen Sätze aufgeteilt werden kann, so zeigt das keineswegs, dass rationale Verantwortlichkeit gegenüber der Erfahrung nicht Satz für Satz unter einzelne Sätze aufgeteilt werden könnte. Dafür muss die Erfahrung aber wirklich als Tribunal aufgefasst werden. >Tribunal der Erfahrung. Davidson I 113 Holismus/Davidson: Die der rein sprachlichen Bedeutung und die rein den Überzeugungen des Sprechers zuzuschreibenden Elemente seiner Äußerungen lassen sich nicht säuberlich auseinander halten. Glüer II 75 Bedeutung/Davidson/Glüer: bedeutungskonstitutiv ist immer auch eine Anzahl logischer Relationen - sonst könnten wir nie über denselben Gegenstand reden. Glüer II 78 Aber Begründungsrelationen zwischen Überzeugungen sind nicht rein formallogisch fassbar - die wenigsten Überzeugungen ergeben sich als logische Wahrheiten aus anderen Überzeugungen. Horwich I 463 Wahrheit/Holismus/DavidsonVsDummett: Wahrheit geht für den Holismus immer über die Belege hinaus - dann zeigt sich Verstehen niemals in den Manifestationen, die Dummett meint. Richard Rorty (1986), "Pragmatism, Davidson and Truth" in E. Lepore (Ed.) Truth and Interpretation. Perspectives on the philosophy of Donald Davidson, Oxford, pp. 333-55. Reprinted in: Paul Horwich (Ed.) Theories of truth, Dartmouth, England USA 1994 |
Davidson I D. Davidson Der Mythos des Subjektiven Stuttgart 1993 Davidson I (a) Donald Davidson "Tho Conditions of Thoughts", in: Le Cahier du Collège de Philosophie, Paris 1989, pp. 163-171 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (b) Donald Davidson "What is Present to the Mind?" in: J. Brandl/W. Gombocz (eds) The MInd of Donald Davidson, Amsterdam 1989, pp. 3-18 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (c) Donald Davidson "Meaning, Truth and Evidence", in: R. Barrett/R. Gibson (eds.) Perspectives on Quine, Cambridge/MA 1990, pp. 68-79 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (d) Donald Davidson "Epistemology Externalized", Ms 1989 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (e) Donald Davidson "The Myth of the Subjective", in: M. Benedikt/R. Burger (eds.) Bewußtsein, Sprache und die Kunst, Wien 1988, pp. 45-54 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson II Donald Davidson "Reply to Foster" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Davidson III D. Davidson Handlung und Ereignis Frankfurt 1990 Davidson IV D. Davidson Wahrheit und Interpretation Frankfurt 1990 Davidson V Donald Davidson "Rational Animals", in: D. Davidson, Subjective, Intersubjective, Objective, Oxford 2001, pp. 95-105 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Horwich I P. Horwich (Ed.) Theories of Truth Aldershot 1994 |
| Holismus | Millikan | I 11 Holismus/MillikanVsHolismus: versuchen wir zu umgehen. Dann werden wir verstehen, warum wir trotz allem immer noch etwas von der Welt wissen können. Realismus/Millikan: ich bleibe nahe am Aristotelischen Realismus. Eigenschaften/Art/Millikan: gibt es nur in der aktualen Welt (unserer wirklichen Welt). MillikanVsNominalismus. >Realismus/Millikan, >Nominalismus. I 318 Holismus/Theorie/Beobachtung/Begriff/Abhängigkeit/MillikanVsHolismus/Millikan: die Auffassung, dass wir die meisten Dinge die wir beobachten nur durch Beobachtung indirekter Effekte beobachten, ist falsch. >Beobachtung. Wir beobachten sowieso nur Effekte von Dingen, nämlich auf unsere Sinnesorgane. >Wirkung, >Kausalität. I 319 Unterschied: es geht um den Unterschied zwischen Informationserwerb durch Wissen von Effekten auf andere beobachtete Dinge und dem Informationserwerb ohne solches zwischengeschaltetes Wissen von anderen Dingen. Problem: hier entsteht leicht ein Irrtum: dieses Wissen muss überhaupt nicht eingesetzt werden. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Holismus | Schurz | I 190 Überprüfungsholismus/Holismus/Schurz: deduktionslogischer Hintergrund: wenn die Prämissenmenge (H1...Hn) die Prognose P logisch impliziert, dann impliziert (per modus tollens) die Negation der Prognose, ~P die Negation der Konjunktion aller Prämissen, also ~(H1,...Hn). Letztere ist logisch äquivalent mit der Disjunktion aller negierten Prämissen, also ~H1 v ...v ~Hn d.h. mindestens eine der Prämissen Hi ist falsch. ((s) „i“ statt „n“, weil n bloß die letzte Hypothese wäre). Theorienetz/Schurz: besteht aus unterschiedlichen Theorieverbänden. Zwischen den Theorieelementen eines Theoriennetzes bestehen mindestens 3 Arten von Relationen: 1. Durch die Relation der Spezialisierung: entstehen hierarchische Theorienverbände 2. Die Relation der Vortheoretizität: kann sowohl innerhalb als auch zwischen Theorieverbänden bestehen. Diese beiden Relationen verbinden nur theoretisch homogene Theorieelemente miteinander. Ausdrucksgleiche Begriffe werden miteinander identifiziert. So verbundene Elemente können nie konkurrieren. Anders: 3. Zwischen verschiedenen Theorieverbänden gibt es intertheoretische Querverbindungen: a) einfachster Fall: wiederum Identitätsverbindungen. I 191 Bsp elektrostatische Kraft innerhalb eines mechanischen Modells. b) Brückenprinzipien: Bsp zwischen phänomenologischer Thermodynamik und statistischer Mechanik, der zufolge Temperatur proportional zur mittleren kinetischen Energie der Moleküle ist. c) approximative Theorienreduktion. Bsp Newtonsche Mechanik, Relativitätstheorie. >Theorien, >Relativitätstheorie, >Brückengesetze, >Naturgesetze, >Gesetze. |
Schu I G. Schurz Einführung in die Wissenschaftstheorie Darmstadt 2006 |
| Homogenisierung | Klimatologie | Edwards I 401 Homogenisierung/Klimatologie/Edwards: (...) Beobachtungssysteme und Standards änderten sich im Laufe der Zeit oft und schnell, was zu zeitlichen Diskontinuitäten und Inkonsistenzen führte. Diese "Inhomogenitäten", wie Meteorologen sie nennen, machten große Mengen an Wetterdaten für klimatologische Zwecke unbrauchbar. Doch in den letzten Jahrzehnten haben Vorhersage und Klimatologie mit der schnellen und qualitativ hochwertigen 4-D-Datenassimilation begonnen, sich anzunähern. Die Reanalyse globaler Wetterdaten produziert - zum ersten Mal - konsistente, gerasterte Daten über die planetarische Zirkulation, über Zeiträume von 50 Jahren oder mehr, mit einer viel höheren Auflösung als die, die mit traditionellen klimatologischen Datensätzen erreicht wird. Die Reanalyse wird möglicherweise niemals die traditionellen Klimadaten ersetzen, da ernsthafte Bedenken bestehen, wie Assimilationsmodelle die Daten "verzerren", wenn sie über sehr lange Zeiträume integriert werden. >Reanalyse/Klimatologie. Edwards I 402 Nichtsdestotrotz sind die Wetter- und Klimadateninfrastrukturen nun untrennbar durch die "Datenmodelle" verbunden, die jede dieser Infrastrukturen benötigt, um die Zukunft der Atmosphäre zu projizieren und ihre Vergangenheit zu kennen. >Modelle/Metereologie, >Wetterdaten/Metereologie. Edwards I 406 Reanalyse: Die Reanalyse ermöglicht eine echte vierdimensionale Assimilation, bei der sowohl zukünftige als auch vergangene Beobachtungen den Zustand der Analyse zu jedem Zeitpunkt beeinflussen können(1). Edwards I 415 Inhomogenitäten: Die meisten Inhomogenitäten in Klimadaten haben wenig politische Valenz, aber es gibt wichtige Ausnahmen. Wie wir in Kapitel 8 gesehen haben, hielt die Sowjetunion während des Kalten Krieges einige Daten zurück, während die Volksrepublik China praktisch alle Daten zurückhielt. Diese Daten waren bis Mitte der 1980er Jahre in keinem westlichen Klimadatensatz enthalten(2). Einige neuere Arbeiten deuten darauf hin, dass systematische Fehler weiter verbreitet sein könnten, als bisher angenommen wurde. Zum Beispiel brachten Meteorologen im 19. Jahrhundert in den Alpen Niederschlagsmesser auf den Dächern und Thermometer auf dem Dach an. Edwards I 416 Später verlegten sie die Niederschlagsmesser auf den Boden und montierten die Thermometer in Abschirmvorrichtungen, die in offenen Bereichen platziert wurden (wodurch die artefaktischen Effekte von Gebäuden und Straßenbelägen reduziert wurden). Obwohl die Stationen ihre Geräteplatzierung zu verschiedenen Zeiten änderten, waren die Niederschlagsmessungen systematisch höher und die Temperaturmessungen niedriger, nachdem die Geräteplatzierung geändert wurde(3). Satellitendaten: Ein anderes und viel problematischeres Problem ergibt sich bei Satellitendaten. (...) die meisten rohen Sensormesswerte von Satelliten erfordern eine Art von Verarbeitung, um sie in meteorologische Informationen umzuwandeln. Dies kann ein komplexer Modellierungsprozess sein, wie z.B. bei der Inversion von Mikrowellenstrahlung, aber es kann auch ein viel einfacherer Prozess der Datenreduktion sein. >Reanalyse/Klimatologie, >Model Bias/Klimatologie. 1. K. E. Trenberth, “Atmospheric Circulation Climate Changes,” Climatic Change 31, no. 2 (1995), 306. 2. 15. P. D. Jones et al., A Gridpoint Surface Air Temperature Data Set for the Northern Hemisphere (US Department of Energy, Carbon Dioxide Research Division, 1985), 1. 3. R. Boehm et al., “Regional Temperature Variability in the European Alps: 1760–8 From Homogenized Instrumental Time Series,” International Journal of Climatology 21, no. 14 (2001): 1779–; Auer et al., “Metadata and Their Role in Homogenising.” |
Edwards I Paul N. Edwards A Vast Machine: Computer Models, Climate Data, and the Politics of Global Warming Cambridge 2013 |
| Homophonie | Field | II 126 Inflationismus/Field: Der Inflationismus geht (anders als der Deflationismus) von Tatsachen aus - insbesondere Tatsachen über den Gebrauch einer Sprache. >Fakten, >Semantische Tatsachen, >Inflationismus, >Deflationismus, >Nonfaktualismus. FieldVs: Was für Tatsachen sollen das sein? Deflationismus: Die Homophonie-Bedingung ist hinreichend um auszuschließen, dass wir keine Sprache mit abweichender Referenz gebrauchen - weitere Tatsachen gibt es nicht.> >Referenz. II 133 Bedeutung/Synonymie/Deflationismus/Field: Ein vollentwickelter Deflationismus sollte sich nicht auf inter-personelle Synonymie berufen, geschweige denn inter-personell zuschreibbare Bedeutungen. (s) Stattdessen berufen wir uns auf Homophonie und wie-ich-es-verstehe.) >Synonmie. II 134 Dann sind die Wahrheitsbedingungen nicht semantisch. >Wahrheitsbedingungen. II 359 Homophonie/Field: Homophonie ist auch erfüllt, wenn es eine 1:1-Funktion (eindeutige Zuordnung) gibt. |
Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Hören | Gadamer | I 466 Hören/Gadamer: Wenn wir den Begriff der Zugehörigkeit, auf den es hier [für die Hermeneutik] ankommt, richtig bestimmen wollen, müssen wir (...) die eigentümliche Dialektik beachten, die im Hören gelegen ist. Nicht nur, dass, wer hört, sozusagen angeredet wird. Vielmehr liegt darin auch dies, dass, wer angeredet wird, hören muss, ob er will Oder nicht. Dieser Unterschied von Sehen und Hören ist für uns deshalb wichtig, weil der Vorrang des Hörens dem hermeneutischen Phänomen zugrunde liegt, wie schon Aristoteles erkannt hat.(1) >Hermeneutik, >Hermeneutik/Gadamer, >Sprechen. Gadamer: Während alle anderen Sinne an der Universalität der sprachlichen Welterfahrung keinen unmittelbaren Anteil haben, sondern nur ihre spezifischen Felder erschließen, ist das Hören ein Weg zum Ganzen, weil es auf den Logos zu hören vermag. >Logos, >Sprache, >Verstehen. I 467 Überlieferung/Tradition:[Es] ist von jeher schon, vor allem Schriftgebrauch, das wahre Wesen des Hörens, dass der Hörende auf die Sage, den Mythos, die Wahrheit der Alten zu hören vermag, Die literarische Übermittlung der Überlieferung, wie wir sie kennen, bedeutet demgegenüber nichts Neues, sondern verändert nur die Form und erschwert die Aufgabe des wirklichen Hörens. Zugehörigkeit: die Wahrheit der Überlieferung ist die Gegenwart, die den Sinnen unmittelbar offenliegt. Vgl. >Sehen, >Sinneseindrücke. 1. Aristoteles De sensu 473 a, 3 und dazu Met. 980 b 23—25. Der Vorrang des Hörens vor dem Sehen ist ein durch die Universalität des Logos vermittelter, der dem spezifischen Vorrang des Sehens vor allen anderen Sinnen, den Aristoteles (Met. A 1 und öfters) betont, nicht widerspricht. (Vgl. „Sehen, Hören, Lesen“ FS Sühnel, Heidelberg 1984.) |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Horizont | Gadamer | I 307 Horizont/Gadamer: Alle endliche Gegenwart hat ihre Schranken. Wir bestimmen den Begriff der Situation eben dadurch, dass sie einen Standort darstellt, der die Möglichkeiten des Sehens beschränkt. Zum Begriff der Situation gehört daher wesenhaft der Begriff des Horizontes. Horizont ist der Gesichtskreis, der all das umfasst und umschließt, was von einem Punkt aus sichtbar ist. In der Anwendung auf das denkende Bewusstsein reden wir dann von Enge des Horizontes, von möglicher Erweiterung des Horizontes, von Erschließung neuer Horizonte usw. Insbesondere hat der philosophische Sprachgebrauch seit Nietzsche und Husserl(1) das Wort verwendet, um die Gebundenheit des Denkens an seine endliche Bestimmtheit und das Schrittgesetz der Erweiterung des Gesichtskreises dadurch zu charakterisieren. Wer keinen Horizont hat, ist ein Mensch, der nicht weit genug sieht und deshalb das ihm Naheliegende überschätzt. >Horizont/Husserl, >Wirkungsgeschichte/Gadamer, vgl. >Situation/Gadamer, >Situation. I 309 Gibt es (...) zwei voneinander verschiedene Horizonte, den Horizont, in dem der Verstehende lebt, und den jeweiligen historischen Horizont, in den er sich versetzt? Ist die Kunst des historischen Verstehens dadurch richtig und zureichend beschrieben, dass man lerne, sich in fremde Horizonte zu versetzen? Gibt es überhaupt in diesem Sinne geschlossene Horizonte? Lösung/Gadamer: Der Horizont ist vielmehr etwas, in das wir hineinwandern und das mit uns mitwandert. Dem Beweglichen verschieben sich die Horizonte. So ist auch der Vergangenheitshorizont, aus dem alles menschliche Leben lebt und der in der Weise der Überlieferung da ist, immer schon in Bewegung. Es ist nicht erst das historische Bewusstsein, das den umschließenden Horizont in Bewegung bringt. In ihm ist sich diese Bewegung nur ihrer selbst bewusst geworden. Wenn sich unser historisches Bewusstsein in historische Horizonte versetzt, so bedeutet das nicht eine Entrückung in fremde Welten, die nichts mit unserer eigenen verbindet, sondern sie insgesamt bilden den einen großen, von Innen her beweglichen Horizont, der über die Grenzen des Gegenwärtigen hinaus die Geschichtstiefe unseres Selbstbewusstseins umfasst. In Wahrheit ist es also ein einziger Horizont, der all das umschließt, was das geschichtliche Bewusstsein in sich enthält. >Geschichte, >Geschichtsschreibung. I 311 Verstehen: Es gibt so wenig einen Gegenwartshorizont für sich, wie es historische Horizonte gibt, die man zu gewinnen hätte. Vielmehr ist Verstehen immer der Vorgang der Verschmelzung solcher vermeintlich für sich seiender Horizonte. >Verstehen. I 392 Horizont/Gadamer: Def Horizontverschmelzung: [Es] handelt (...) sich im Verstehen ganz gewiss nicht um ein „historisches Verständnis“ das die Entsprechung des Textes rekonstruierte. Vielmehr meint man den Text selbst zu verstehen. Das bedeutet aber, dass die eigenen Gedanken des Interpreten in die Wiedererweckung des Textsinnes immer schon mit eingegangen sind. Insofern ist der eigene Horizont des Interpreten bestimmend, aber auch er nicht wie ein eigener Standpunkt, den man festhält oder durchsetzt, sondern mehr wie eine Meinung und Möglichkeit, die man ins Spiel bringt und aufs Spiel setzt und die mit dazu hilft, sich wahrhaft anzueignen, was in dem Texte gesagt ist. >Text. 1. Darauf hat ehedem H. Kuhn bereits hingewiesen. Vgl. „The Phenomenological Concept of „Horizon«“ (Philosophical Essays in Memory of Husserl, ed. M. Faber) Cambrigde 1940, S. 106—123. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Humankapital | Mincer | Mause I 512 Humankapital/Mincer: Mincer entwickelte die Humankapitaltheorie fort.(1) Er ergänzte die bis dahin bestehende Regressionsanalyse zur Beziehung zwischen Einkommen und schulischer Bildung durch seinen Indikator für die praktische Berufsausbildung die die Erfahrungen nach Schulabschluss. Das ermöglichte, Daten für die Verzinsung von Schul- und Berufsausbildungen zu sammeln. So konnte die Schiefe der Einkommensverteilung in den verschiedenen Ländern auf Unterschiede in der Begabung, im familiären Hintergrund, in Erbschaften und anderen Vermögen zurückgeführt werden (Becker und Tomes 1986)(2). Einkommensdifferenzen konnten durch Abweichungen in Schul- und Berufsausbildung (Mincer 1974) erklärt werden und die „Geschlechterlücke“ im Einkommen konnte dadurch erklärt werden, dass Frauen eine höhere Teilzeitbeschäftigungsquote aufweisen als Männer und darüber hinaus häufiger ihre Beschäftigung zugunsten ihrer Kinder unterbrechen. >Bildung, >Bildungspolitik, >Einkommen. 1. Mincer, Jacob, Schooling, experience, and earnings. New York 1974. 2. Becker, Gary S., und Nigel Tomes. 1986. Human capital and the rise and fall of families. Journal of Labor Economics 4: 1– 39. |
EconMinc I Jacob Mincer On-the-job training: costs, returns and some implications 1962 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Humboldt, Wilhelm von | Gadamer | I 347 Humboldt/Historismus/Gadamer: In letzter Konsequenz ist es doch die Position Hegels, in [der Historismus des 19. Jahrhunderts] seine Legitimation findet, auch wenn die Historiker, die das Pathos der Erfahrung beseelte, sich statt dessen lieber auf Schleiermacher und auf Wilhelm von Humboldt beriefen. >Historismus, >G.W.F. Hegel, >W.v. Humboldt als Autor. GadamerVsSchleiermacher/GadamerVsHumboldt: Weder Schleiermacher noch Humboldt haben aber ihre Position wirklich zu Ende gedacht. Sie mögen die Individualität, die Schranke der Fremdheit, die unser Verstehen zu überwinden hat, noch so sehr betonen, am Ende findet doch lediglich in einem unendlichen Bewusstsein das Verstehen seine Vollendung und der Gedanke der Individualität seine Begründung. Hegel/Gadamer: Es ist die pantheistische Eingeschlossenheit aller Individualität ins Absolute, die das Wunder des Verstehens ermöglicht. So durchdringen sich auch hier Sein und Wissen im I 348 Absoluten. >Absolutheit/Hegel, >Pantheismus. 1. Der Ausdruck Reflexionsphilosophie( ist von Hegel gegen Jacobi, Kant und Fichte geprägt worden. Schon im Titel von „Glauben und Wissen“ aber als eine „Reflexionsphilosophie der Subjektivität“. Hegel selbst setzt ihr die Reflexion der Vernunft entgegen. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Humesche Welt | Bigelow | I 243 Humesche Welt/slippery slope-Argument/Jackson/Bigelow/Pargetter: (Jackson 1977a)(1) pro Humesche Welt: "schlüpfriger Abhang"). Bsp Eine Welt in der Gesetze 1. Stufe nicht nur nicht notwendig sind, sondern auch Ausnahmen haben. >Gesetze, >Naturgesetze, >Kausalität, >Determinismus. Bsp Angenommen, es sei reiner Zufall, ob ein F ein G ist, oder nicht. Jedes Nicht-G wäre ein kontingentes Ding, das nicht existiert haben müsste. Wenn es existiert, wirkt es sich nicht auf irgendein F aus. Dann gibt es eine Welt, in der es auch Zufall ist, ob ein F ein G ist, aber in der es ein F weniger gibt, das ein Nicht-G ist. >Mögliche Welten, >Zufall. Aus dieser Welt können wir die Existenz einer weiteren Welt schließen, die noch ein F weniger hat, das ein Nicht-G ist, usw. Am Ende beweist das, dass es eine Welt gibt, in der jedes F eine Chance von 0,5 hat, ein G zu sein, und dennoch alle Fs Gs sind! Das stimmt völlig mit einer Theorie der Wahrscheinlichkeits-Theorie überein. Daraus schließen wir, dass es gut möglich ist, dass es für jede mögliche Welt eine Humesche Welt gibt. Humesche Welt/Bigelow/Pargetter: Ein Humesche Welt ist einfach zu definieren, wenn wir es mit Gesetzen in Form einfacher Sätze (die Regularitäten beschreiben) zu tun haben. >Regularität. Schwieriger ist es bei komplexeren Formen. Zugänglichkeit/Bigelow/Pargetter: Die Humesche Welt verpflichtet uns zu einer Zugänglichkeitsrelation, die nicht auf Eigenschaften 1. Stufe und Relationen superveniert. >Zugänglichkeit, >Supervenienz. I 245 Kontrafaktisches Konditional: Kontrafaktische Konditionale, die die in der aktualen Welt für Gesetze gelten, schlagen in der Humeschen Welt fehl. >Kontrafaktisches Konditional. Daher würde die Humesche Welt in ihrer Zugänglichkeit von der aktualen Welt differieren, ohne in ihren Eigenschaften 1. Stufe zu differieren. >Wirkliche Welt. Zugänglichkeit/Bigelow/Pargetter: Dennoch gibt es starke Gründe, an eine Supervenienz der Zugänglichkeitsrelation auf den Inhalten der Welt zu glauben. Das lässt uns annehmen, dass die Inhalte 1. Stufe nicht alle Inhalte der Welt ausschöpfen. >Modale Eigenschaften. Kombinatoriale Theorien: Kombinatoriale Theorien Müssen daher Universalien höherer Stufe annehmen und daher auch die Eigenschaftstheorie der Welteigenschaften. >Universalien. I 279 Kausale Welt/Bigelow/Pargetter: Eine kausale Welt sei eine Welt, in der einige Dinge einige andere verursachen. Wie viele solcher Welten mag es geben? Manche Autoren: Alle Welten sind kausale Welten. Und zwar aus Überlegungen zur Individualität: Individuum/manche Autoren/Bigelow/Pargetter: Nach einigen Theorien sind Individuen nur „Bündel von Eigenschaften“. >Individuen. Frage: Was hält sie zusammen? These: Eigenschaften werden kausal zusammengehalten. Kausale Welt/manche Autoren/Bigelow/Pargetter: Manche Autoren sagen, jede Welt sei kausal, weil keine mögliche Welt zeitlos ist. >Zeit, >Zeitloses, >Unmögliche Welt. Zeit/Bigelow/Pargetter: Wir glauben an die kausale Theorie des Zeitpfeils und an die Asymmetrie von Vergangenheit und Zukunft, aber nicht an eine kausale Theorie der Zeit selbst. >Zeitpfeil, >Vergangenheit, >Gegenwart, >Zukunft. Daher glauben wir auch nicht, dass alle Welten kausal sind. Wir glauben, dass es Humesche Welten und Heimson-Welten gibt. Was wir jetzt brauchen, ist eine Humesche Welt. Vgl. >Heimson-Beispiel. Humesche Welt/Bigelow/Pargetter: Es spielt keine Rolle, ob sie zugänglich ist oder nicht. Nur ihre Existenz zählt. Wir müssen ihre logische Möglichkeit zeigen. (D.h. die Möglichkeit einer Welt die wie unsere ist, in Bezug auf Regularitäten 1. Stufe, aber ohne Ursachen und ohne Gesetze). I 280 Modalität: Der Unterschied zwischen der aktualen Welt und einer Humeschen Welt kann nicht bloß modal sein. Die modalen Unterschiede müssen auf Unterschieden des Inhalts der Welten beruhen. Sie können nicht identisch sein in Bezug auf ihren Inhalt und sich dennoch modal unterscheiden. Es muss etwas geben, das in kausalen Welt präsent ist, und abwesend in nichtkausalen. >Inhalt. Def Humesche Welt/Bigelow/Pargetter: Eine Humesche Welt kann daher nicht durch die Abwesenheit von Kausalität definiert werden. Wir definieren sie als eine Welt, die auf der 1. Stufe von Eigenschaften und Relationen mit unserer übereinstimmt. Aber beide Welten unterscheiden sich in Bezug auf Relationen zwischen Eigenschaften und Relationen von Relationen. >Eigenschaften, >Relationen. Sie unterscheiden sich in Bezug auf Universalien höherer Stufe. Einige von diesen werden nämlich nicht auf solchen 1.Stufe supervenieren. Def Verursachung/Bigelow/Pargetter: Verursachung ist eine Relation 2. Stufe zwischen Ereignissen.(Relation zwischen Eigenschaften). Sie superveniert nicht auf intrinsischen Eigenschaften 1. Stufe von Ereignissen. >Ereignisse. Die Relationen 2. Stufe gelten kontingenterweise, wenn wir Humesche Welten zulassen. >Kontingenz. D.h. Wirkung und Ursache könnten auch vorkommen, mit denselben Eigenschaften 1. Stufe, wenn sie nicht in den relevanten Relationen 2. Stufe stehen. Diese sind extern. >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen Ereignisse: können dieselben Eigenschaften 1. Stufe haben und sich dennoch in Eigenschaften 2. Stufe unterscheiden. Deshalb kann die Humesche Welt der aktualen gleichen. I 281 Wenn sie dagegen in derselben Welt vorkommen, werden sie sich auf beiden Stufen gleichen. (Weil wir sie als Universalien behandeln). Grad/Stufe/Ordnung/Terminologie/Bigelow/Pargetter: daher impliziert eine Übereinstimmung auf der 1. Stufe eine Übereinstimmung 2. Grades (sic) für alle Ereignispaare in derselben Welt. >Grad/Graduelles. Für die Unterscheidung Grad/Stufe vgl. >Größen/Bigelow. Grad/Eigenschaften: (s.o. I 53) Eigenschaften 2. Grades: das Gemeinsame von Eigenschaften. Bsp Grün umfasst alle Schattierungen von Grün). Verursachung: Aber wegen ihres lokalen Charakters (s.o.) kann es sein, dass die Ereignispaare sich kausal unterscheiden! D.h. dass Verursachung eine Relation 2. Stufe ist, die nicht superveniert, weder auf Eigenschaften 1. Stufe noch 2. Grades und Relationen. Pointe: Verursachung verbindet nicht nur Universalien, sondern Strukturen, die beides involvieren, Universalien höherer Stufe und Einzeldinge. Kausalrelation/Bigelow/Pargetter: Die Kausalrelation muss daher selbst höherer Stufe sein. Frage: Welche Eigenschaften und Relationen konstituieren sie? Dazu betrachten wir einen weiteren Unterschied zwischen der Humeschen Welt und der aktualen Welt. Def Berkeley-Welt/Bigelow/Pargetter: Eine Berkeley-Welt sei eine, in der Verursachung ein Willensakt (Gottes) ist. Bsp Berkeley dachte, dass die fernen Planeten unmöglich eine Kraft auf die Sonne ausübe konnten. So war es Gott, der bewirkte, dass die Sonne ein kleines Stücke von ihrem Platz weggerückt wurde. Hume: entfernte den Willensakt aus der Berkeley-Welt und so wurde seine Welt zur Welt ohne Verursachung. Humesche Welt/Bigelow/Pargetter: Eine Humesche Welt ist zuerst und vor allem eine Welt ohne Kräfte. >Kräfte. 1. Jackson, F. (1977a) A causal theory of counterfactuals. Australasian Journal of Philosphy 55, pp.3-21 |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Humesche Welt | Lewis | V IX Humesche Supervenienz/Lewis: These: Alles in der Welt ist ein großes Mosaik lokaler Tatsachen. Es gibt eine Geometrie: ein System externer Relationen raumzeitlicher Abstände zwischen Punkten. An den Punkten haben wir lokale Qualitäten, vollkommen natürliche intrinsische Eigenschaften. Alles ist ein Arrangement von Qualitäten (AvQ) und darauf superveniert alles. Vgl. >Kausalität/Hume. Pointe: Es gibt keine Unterscheidung ohne Unterschied, d.h. aber nicht, dass sich zwei mögliche Welten nicht unterscheiden könnten ohne einen Unterschied im Arrangement von Qualitäten, Bsp: 1. Welt mit Humescher Supervenienz, 2. Welt ohne Humesche Supervenienz. Lewis: Für unsere innere Sphäre von Möglichkeiten gibt es keine solche Unterscheidung. V VII Zeitpfeil: Dieser zeigt nur in eine Richtung. Die Humesche Supervenienz muss diese Asymmetrie berücksichtigen. Humesche Supervenienz/(s): Humesche Supervenienz bedeutet hier nicht, dass Kausalität geleugnet wird. V X Materialismus/Humesche Supervenienz/Lewis: Materialismus ist eine Metaphysik, die die Wahrheit der bekannten Physik bestätigen soll. Humesche Supervenienz: Es kann sein, dass die Humesche Supervenienz wahr ist und unsere ganze Physik falsch. V 111 Humesche Supervenienz/Zufall/Lewis: Wenn die Humesche Supervenienz falsch ist, gibt es ein fatales Gegen-Bsp, das durch Zufälle gebildet wird. Dann supervenieren Zufälle und Zufalls-Theorien nicht auf Tatsachen. Problem: Eine Theorie des Zufalls ist nicht etwas, das selbst bloß eine gewisse Chance haben kann (das sagt auch das Principal Principle). Ein gleichwahrscheinliches abweichendes Muster würde eine ganz andere Theorie des Zufalls zur Folge haben. Richtig: Chancen sind kontingent, weil sie von kontingenten Tatsachen abhängen, aber nicht, weil sie von einer Theorie des Zufalls abhingen. Dann ist die Humesche Supervenienz gewahrt. --- Schwarz I 112 Humesche Supervenienz/Lewis/Schwarz: Aus Beschreibungen, welche Eigenschaft an Punkt X und welche an Punkt Y bestehen, erfahren wir, welche Eigenschaften das sind und damit, welche Naturgesetze gelten. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 Schw I W. Schwarz David Lewis Bielefeld 2005 |
| Ibn Chaldun | Höffe | Höffe I 133 Ibn Chaldun/Höffe: [Ibn Chalduns] Buch der Beispiele (Kitab al-lbar) analysiert (...) den Aufstieg und Zerfall von Gemeinwesen. In [seinen] «Prolegomena zur Geschichte», dem wohl bedeutendsten arabischen Beitrag zur Geschichts-, Sozial- und Kulturtheorie, entwickelt Ibn Khaldun seine «neue Wissenschaft», eine Theorie der Kultur, die dem Historiker die inneren Ursachen geschichtlicher Dynamik entdeckt. >Geschichte, >Geschichtsschreibung. Höffe I 134 Den Kern bildet die Asabiyya, der Inbegriff von gemeinschaftsförderlichen Lebensenergien. Mensch/Gemeinschaft: Ibn Khaldun hält ausdrücklich mit Aristoteles den Menschen für ein auf Politik und Herrschaft angelegtes Wesen. Er sieht den Anfang in ländlichen, von Stammessolidarität geprägten und bescheiden lebenden Gemeinschaften. Städte: Im Kontrast dazu stehen die städtischen Gesellschaften, deren kultureller Reichtum einen Fortschritt bedeutet. >Gesellschaft, >Gemeinschaft, >Aristoteles. |
Höffe I Otfried Höffe Geschichte des politischen Denkens München 2016 |
| Ich | Brandom | I 645 Ich/du/Brandom: sind systematisch, nicht anaphorisch verknüpft - eins tritt oft an die Stelle des anderen. I 646 "Es" kann nicht immer symmetrisch eingesetzt werden: Bsp Hegel hat Kants Argument verstanden, aber er hat es nicht widerlegt. - Es ist aber nicht das eigentliche Tokening, das er widerlegt hat - von diesem Tokening hat er nie gehört. I 766f Ich/Brandom: nicht ersetzbar, weil bei jedem anderen Ausdruck [t] Umstände denkbar sind, dass t eine bestimmte Eigenschaft hat und nicht ich. - Bsp Zuckerspur im Supermarkt. I 767 Unterschied "ich werd" " - "t sollte" - Pointe: ich/Brandom: kann nicht nur gebraucht werden, um eine Festlegung zuzuweisen. I 770 Ich/Anscombe: kein Raum für die Frage, wer derjenige ist, von dem ich das weiß (nämlich ich). I 779 Niemand anderes kann den Satz "Ich werde von einem Bären bedroht" äußern, aber jeder kann ihn verstehen. |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Ich | Chisholm | I 23 Ich/Chisholm: Ich-sein ist keine Eigenschaft! - daraus folgt: falsch: "x hat notwendig die Eigenschaft, mit x identisch zu sein" - stattdessen: "notwendig gilt für jedes x...". - Es gibt keine Eigenschaft "mit x identisch zu sein". >Ontologie, >Eigenschaften. I 41 Ich/Anscombe: das Ding, von deren Handlung diese Vorstellung einer Handlung eine Vorstellung ist usw. - ChisholmVsAnscombe: Anscombe erklärt Ich durch Demonstrativum. I 43 Ich/CastanedaVsChisholm: pro Propositionen der ersten Person als konkrete Dinge mit endlicher Existenz - nie möglich, fremde Ich-Propositionen auszudrücken oder zu erfassen. >Propositionen, >Intensionen. I 46f Ich/Selbst/Chisholm: Es ist nicht sicher, dass jede Person ihr eigenes individuelles Wesen erfassen kann. Emphatisches Reflexivum:/Chisholm: "er selbst" - die nichtemphatischen sind ein Sonderfall der emphatischen. - Bsp Es ist egal ob der Motor den Motor kontrolliert, oder der Motor sich selbst - hier keine nichtemphatischen Reflexiva möglich. - Aber Unterschied: Bsp Ob der Doktor den Doktor behandelt oder der Doktor sich selbst - Unterschied, ob psychologische oder nichtpsychologische Prädikate anwendbar - wenn überhaupt psychologische möglich sind, dann nicht den "er-selbst"-Ausdruck als Sonderfall des gewöhnlichen Ausdrucks de re verstehen, sondern umgekehrt. >Er selbst. I 73 Ich/Russell/Chisholm: Die Biographie, zu der dieses gehört - Jetzt: die Zeit von diesem - hier: der Platz von diesem. Jetzt/Chisholm: greift keine identifizierende Eigenschaft heraus; welche sollte das sein? - Um auszudrücken, dass Gegenwart die einzige bestehende Zeit ist, braucht man "jetzt" oder ein Synonym - Zeit: Konjunktion von Ereignissen oder Sachverhalten. >Zeit. I 74 Ich/ChisholmVsAnscombe: versucht, ihren Gebrauch von "ich" durch ihren Gebrauch von "dieses" zu erklären ("Ich bin dieses Ding"). - Vs: damit kann sie aber meinen Gebrauch von "ich" nicht erklären - ChisholmVsAnscombe: wir brauchen keine Demonstrativa (wie Brentano: keine identifizierenden Eigenschaften) I 78 "Wir sind F"/Chisholm: nicht immer Konjunktion "ich bin F und Du bist F". I 184 Ich/Eigenschaften/Chisholm: selbst wenn ich kein individuelles Wesen habe, sind einige meiner Eigenschaft für mich wesentlich: vielleicht mein Personsein. >Person. |
Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |
| Ich | Evans | Frank I 24 Ich/EvansVsDescartes: ist der Körper! - Der ich-zentrierte Raum wird zu einem objektiven Welt-Ort erst, wenn das Subjekt ihn auf eine öffentliche Landkarte übertragen kann und wiedererkennen kann. - Die Konvertibilität der demonstrativ bezeichneten Sprecherperspektive verlangt einen unabhängigen Raum. >Körper. Frank I 485f Ich/Evans: 1. kriterienlos, 2. begrenzt zugänglich (nicht jedermann, jederzeit) - 3. Die Gegebenheitsweise ist existenzabhängig: ich muss am Ort sein, um "hier" zu sagen, aber Wechseln ist möglich ("neuer Sinn, alte Bedeutung"). >Kriterien. I 488 Ich-Gedanken sind de re. (Sie brauchen Information). >de re. I 503 Ich/GeachVsDescartes: anstatt "ich gerate in eine schreckliche Verwirrung!" kann ich auch sagen: "Das ist wirklich eine schreckliche Verwirrung" - Strawson: auch "Es gibt einen Schmerz" statt "Ich habe Schmerzen" - EvansVsGeach/EvansVsStrawson: zur Referenz gehört es, sein Publikum zu etwas zu bringen. I 504 Ich/Evans: unsere Auffassung von uns selbst ist nicht idealistisch: wir können folgendes verstehen, ohne es begründen oder entscheiden zu können: Bsp "Ich wurde gestillt" - "Ich werde sterben". I 545 "Hier"/"Ich"/Evans: sind gleichrangig, beides nicht ohne das andere möglich. >Indexwörter. Gareth Evans(1982b): Self-Identification, in: Evans (1982a) The Varieties of Reference, ed. by John McDowell, Oxford/New York 1982, 204-266 |
EMD II G. Evans/J. McDowell Truth and Meaning Oxford 1977 Evans I Gareth Evans "The Causal Theory of Names", in: Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol. 47 (1973) 187-208 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Evans II Gareth Evans "Semantic Structure and Logical Form" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Evans III G. Evans The Varieties of Reference (Clarendon Paperbacks) Oxford 1989 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Ich | McGinn | I 79 f Ich/McGinn: kann als dasjenige begriffen werden, das den Bewusstseinszuständen Einheit verleiht. Vgl. >Apprehension. Frage: was ist das Wesen dieser Einheit, wodurch werden meine Bewusstseinszustände zu meinen und deine zu deinen? Das philosophische Problem ist, dass wir nicht angeben können, was eigentlich ein Selbst ist. >Selbst. I 81f Ich/Selbst/McGinn: ist durch den engen Zusammenhang mit dem Bewusstsein aus dem Bereich der unkomplizierten Raumausfüllung herausgehoben. Dadurch wird das Verhältnis zum Leib problematisch. Selbst/Ich/McGinn: wir verfügen über kein Empfindungsvermögen, mit Bezug auf das sich die Selbste (unmittelbar) als voneinander individuell gesondert darbieten. Bsp Ich kann zwar sehen, dass dein Körper von dem des anderen verschieden ist, aber nicht in der gleichen Weise sehen, dass du von ihm verschieden bist Selbstbewusstsein/Ich/McGinn: weitere Schwierigkeit: das Ich ist auch in den Akten des Selbstbewusstseins systematisch transzendent. Die denkende Instanz wirkt als Subjekt und kann niemals bloß zum Objekt werden. Also selbst wenn das reflektierende Ich und das reflektierte Ich identisch sind, kann ich niemals zurücktreten. Doch gerade in meinem Subjektsein liegt mein Wesen. Es gibt auch keine Gewähr, dass das Subjekt seine wesentlichen Eigenschaften behält, wenn es Objekt wird. ...daher können wir es auch nicht als etwas auffassen, das dem gleichen Bereich angehört wie die (mereologische) Summe der Teile des Körpers, so als wäre es in verständlicher Weise aus dem gleichen Stoff zusammengesetzt, wie der Körper. (KAGA: kombinatorischer Atomismus mit gesetzesartiger Verknüpfung). >Terminologie/McGinn. I 96f Ich/McGinn: Das Ich ist nicht aus seinen geistigen Zuständen zusammengesetzt! In irgendeiner Weise transzendiert das Ich seine eigenen geistigen Zustände. >Bewusstsein, >Geist, >Mentale Zustände. Aber dann muss es auch etwas geben, das diesen ontologischen Übergang auslöst! Also müssen in den Genen Anweisungen verschlüsselt sein, für die Erzeugung des ich aus lebendem Zellgewebe. Es mag zwar sein, dass unser Begriff der Person ein in analytischer Hinsicht undefinierbarer Grundbegriff ist, doch die Dinge selbst brauchen so etwas wie einen inneren natürlichen Aufbau und eine Konstruktionsweise. Denn es kann, was die Personenhaftigkeit angeht, keinen Unterschied geben, dem keine physische Differenz zugrunde läge. I 104 Ich/Bewusstsein/Meinen/McGinn: sind nach einer respekteinflössenden Tradition unauflöslich miteinander verknüpft. das Selbst gilt als Ursprung des Meinens, die Zustände des Bewusstseins als die wichtigsten Vehikel des Meinens. McGinnVsTradition: aber um einzusehen, dass Zusammenhänge bestehen, muss man keine unauflösliche Verbindung annehmen. II 181 Ich/Selbst/McGinn: Bsp Angenommen, Außerirdische verändern unsere Wesen und machen uns zu Sofahockern, denen der Planet egal ist. Wir haben nur noch eine Vorliebe für Seifenopern. Frage: kann man sicher sein, noch man selbst zu sein? Haben die Außerirdischen Sie nicht einfach durch sich selbst ersetzt? Frage: wann wird ein Zellhaufen überhaupt ein Ich? >Psychologische Theorien über Persönichkeit. |
McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Ich | Nagel | Frank I 506ff Ich/Nagel: Die Identifikation einer objektiven Person als mich selbst fügt der Welt keine Tatsache hinzu. Daher sind solche Identitätsaussagen für uns nicht verständlich! >Selbstidentifikation, >Selbstwissen, >Tatsachen, >Nonfaktualismus. Bsp Ob ich mir vorstelle, mein Haus brennt ab und dabei zugegen bin oder nicht, macht keinen Unterschied, was man sich als der Fall seiend vorstellt. EvansVs: Eine Identitätsaussage muss für eine raumzeitliche Karte der Welt keinen Unterschied machen, wohl aber für die Art, wie die unmittelbare Umgebung betrachtet wird. >Identität, >Aussage, >Realität, >Abbildung. Gareth Evans(1982): Self-Identification, in: G.Evans The Varieties of Reference, ed. by John McDowell, Oxford/NewYork 1982, 204-266 Nagel III 31 Ich/Objektivismus/Nagel: Problem eines liberalen realistischen Weltbilds: Jeder muss für sich zugestehen, dass in der zentrumslosen Welt eine Person ist, die kein anderer als er selbst ist. Vgl. >Zentrierte Welten. III 33 Unterscheidung Ich/Person/Nagel: Die Unterscheidung erlaubt zu fragen: wie kann ich diese spezifische Person sein? - Was ist das für eine Tatsache? >Person, >Selbst. Das ist ein Problem in der zentrumslosen Welt. Lösung: "objektives Selbst", das wir mit dem "Ich" identifizieren. Das "Selbst" hat die Fähigkeit, eine Auffassung von der Person in der Welt zu bilden - es sieht hierbei von dem Standpunkt des "ich bin" ab - das eigentliche Selbst schließt die kontingente Person Thomas Nagel und seine Perspektive als Inhalt in seine Weltauffassung ein. >Selbst. |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Ich | Russell | McGinn I 86f Ich/Russell: Russell charakterisiert das als "Ich als eine Reihe von Klassen geistiger Einzeldinge" (im Gegensatz zum "Nadelspitzen-Ich"). Die zeitliche Identität läuft dann darauf hinaus, dass zwischen den geistigen Eigenschaften des Ich bestimmte Beziehungen bestehen. Die einzelnen Zustände einer Person sind durch etwas wie Erinnerung, kausale Kontinuität, psychische Ähnlichkeit usw. verbunden. >Zeitliche Identität, >Erinnerung, vgl. >Apperzeption/Kant, >Apprehension/Kant. |
Russell I B. Russell/A.N. Whitehead Principia Mathematica Frankfurt 1986 Russell II B. Russell Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989 Russell IV B. Russell Probleme der Philosophie Frankfurt 1967 Russell VI B. Russell Die Philosophie des logischen Atomismus In Eigennamen, U. Wolf (Hg) Frankfurt 1993 Russell VII B. Russell On the Nature of Truth and Falsehood, in: B. Russell, The Problems of Philosophy, Oxford 1912 - Dt. "Wahrheit und Falschheit" In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 McGinn I Colin McGinn Die Grenzen vernünftigen Fragens Stuttgart 1996 McGinn II C. McGinn Wie kommt der Geist in die Materie? München 2001 |
| Ich-Du-Verhältnis | Gadamer | I 363 Ich-Du-Verhältnis/Gadamer: Überlieferung ist (...) nicht einfach ein Geschehen, das man durch Erfahrung erkennt und beherrschen lernt, son- I 364 dern sie ist Sprache, d. h. sie spricht von sich aus so wie ein Du. Ein Du ist nicht Gegenstand, sondern verhält sich zu einem. Erfahrung: A. Dass die Erfahrung des Du eine spezifische sein muss, sofern das Du kein Gegenstand ist, sondern sich selbst zu einem verhält, ist klar. Insofern werden die von uns hervorgehobenen Strukturmomente von Erfahrung hier eine Abwandlung finden. >Erfahrung. Da hier der Gegenstand der Erfahrung selbst den Charakter der Person hat, ist solche Erfahrung ein moralisches Phänomen und das durch die Erfahrung erworbene Wissen, das Verstehen des anderen, ebenfalls. Nun gibt es eine Erfahrung des Du, die aus dem Verhalten des Mitmenschen Typisches heraussieht und auf Grund der Erfahrung Voraussicht des anderen gewinnt. Wir nennen das Menschenkenntnis. Moralisch gesehen bedeutet solches Verhalten zum Du die reine Selbstbezüglichkeit und widerstreitet der moralischen Bestimmung des Menschen. >Intersubjektivität, >Subjektivität, >Kommunikation, >Dialog, >Selbstwissen, >Selbstbewusstsein. I 365 B. Eine zweite Weise der Erfahrung des Du und des Verstehens des Du besteht darin, dass das Du als Person anerkannt wird, das aber der Einbeziehung der Person in die Erfahrung des Du zum Trotz das Verstehen des Du eine Weise der Ichbezogenheit ist. Solche Selbstbezüglichkeit entspringt dem dialektischen Schein, den die Dialektik des Ich-Du-Verhältnisses mit sich führt. Das Ich-Du-Verhältnis ist ja kein unmittelbares, sondern ein Reflexionsverhältnis. Allem Anspruch entspricht ein Gegenanspruch. Darin entspringt die Möglichkeit, dass jeder der Partner des Verhältnisses den anderen reflektierend überspielt. Er beansprucht den Anspruch des anderen von sich aus zu kennen, ja sogar ihn besser zu verstehen, als er sich selbst versteht. Damit verliert das Du die Unmittelbarkeit, mit der es seinen Anspruch an einen richtet. Es wird verstanden, d, h. aber vom Standpunkt des anderen aus antizipiert und reflektierend abgefangen. Geschichtlichkeit: Die innere Geschichtlichkeit aller Lebensverhältnisse zwischen Menschen besteht darin, dass die gegenseitige Anerkennung ständig umkämpft ist. Sie kann sehr verschiedene Grade der Spannung annehmen, bis zur völligen Beherrschung des einen Ichs durch das andere Ich. >Anerkennung. Aber selbst die extremsten Formen von Herrschaft und Knechtschaft sind ein echtes dialektisches Verhältnis von der Struktur, die Hegel herausgearbeitet hat.(1) >Herrschaft und Knechtschaft. Bewusstsein/Selbstbewusstsein: Die Erfahrung des Du, die hier erworben wird, ist sachlich angemessener als die Menschenkenntnis, die den anderen nur zu berechnen sucht. Es ist eine Illusion, im anderen ein schlechthin übersehbares und beherrschbares Werkzeug zu sehen. Selbst im Knecht ist noch der Wille zur Macht, der sich gegen den Herrn kehrt, wie Nietzsche richtig gesagt hat.(2) Diese Dialektik der Gegenseitigkeit, die alle Ich-Du-Verhältnisse beherrscht, ist aber dem Bewusstsein des einzelnen notwendig verdeckt. Der Diener, der seinen Herrn durch Dienen tyrannisiert, glaubt durchaus nicht, sich selbst darin zu wollen. Ja, das eigene Selbstbewusstsein besteht geradezu darin, sich der I 366 Dialektik dieser Gegenseitigkeit zu entziehen, sich selber aus der Beziehung zum anderen herauszureflektieren und dadurch von ihm unerreichbar zu werden. Indem man den anderen versteht, ihn zu kennen beansprucht, nimmt man ihm jede Legitimation seiner eigenen Ansprüche. Insbesondere die Dialektik der Fürsorge macht sich auf diese Weise geltend, indem sie alle mitmenschlichen Verhältnisse als eine reflektierte Form des Herrschaftsstrebens durchdringt. >Dialektik. 1. Vgl. die ausgezeichnete Analyse dieser Reflexionsdialektik von Ich und Du bei Karl Löwith, Das Individuum in der Rolle des Mitmenschen (1928) und meine Rezension Logos X V 111 (1929), S. 436-440 Bd. 4 der Ges. Werke. 2. Also sprach Zarathustra Il (Von der Selbstüberwindung) |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Icons | Deacon | I 71 Icon/Index/Symbol/Deacon: Wenn wir sagen, etwas sei ikonisch meinen wir, dass es uns an etwas erinnert, Bsp Landschaften, Portraits usw. Dagegen: Index/Indikator: Hier gibt es eine physische Verbindung zu etwas anderem, Bsp Thermometer, Wetterfahne, usw. >Indexikalität. Symbole: Hier geht es um soziale Konvention, Bsp Ehering. Zusammengenommen symbolisieren die Wörter eines Satzes eine bestimmte Idee oder eine Menge von Ideen. >Symbole/Deacon. Kein Objekt ist intrinsisch ein Icon, ein Index oder ein Symbol. Wenn wir etwas ein Icon oder einen Index nennen, sprechen wir über die Intention seiner Verwendung. VsIkonizität: Viele sagen, dass alles ein Ikon für alles Mögliche sein kann. Deacon: Das kann man auch über die beiden anderen Fälle sagen. I 72 Man streitet sich z.B. darüber, ob gewisse Zeichensprachen wie die American Sign Language (ASL) symbolisch oder ikonisch sind. Interpretation/Interpretierbarkeit: Es ist auch die Frage, ob interpretative Fähigkeiten gebraucht werden bzw. im Laufe der Zeit verloren gehen und neu gewonnen werden. >Zeichen, >Lernen, >Interpretation. I 73 Symbol/Icon/Tiersprache/Deacon: Bsp Gelächter/Humor: wahrscheinlich steckt im Begriff Humors ein symbolisches Element, für das Tiere - im Gegensatz zu Gelächter – nicht empfänglich sind. Tiere sind auch nicht empfänglich dafür, die soziale Komponente einfacher Signale zu verstehen, selbst wenn sie in diesem Prozess involviert sind. Interpretation/Peirce/Deacon: Peirce unterscheidet zwischen verschiedenen Arten der Referenz und erklärt sie mit verschiedenen Ebenen der Interpretation: Tierrufe: Im Gegensatz zum Tier kann der Mensch Assoziationen höherer Stufe unterscheiden. Dabei geht es um mehr als bloß zunehmende Komplexität. I 74 Pointe: Wenn ich die symbolische Referenz nicht erkenne, kann ich dasselbe immer noch als Icon auffassen, d.h. ich kann seine Ähnlichkeit mit etwas anderem erkennen. >Symbolische Referenz, vgl. >Symbolisches Lernen. Man könnte annehmen, dass es eine Hierarchie der Referenz von ikonischer über indexhafte bis hin zu symbolischer Referenz gäbe, aber so einfach ist es nicht. Pointe. Es ist nicht die Ähnlichkeit, die die Ikonizität schafft! Erst nach dem Erkennen der ikonischen Relation beurteilen wir die Ähnlichkeit des Zeichens mit dem Objekt. >Ähnlichkeit. Die Interpretation ist dabei etwas, das wir eben nicht tun! Es ist ein Akt, eine Unterscheidung nicht zu machen! I 75 Bsp Mimikry: ob sie funktioniert hängt von Kleinigkeiten wie der Aufmerksamkeit oder Unaufmerksamkeit des Fressfeindes ab. Von diesen Umständen hängt nun ab, ob wir die Färbung des Tiers als ikonisch oder als indexhaft interpretieren. >Mimikry. I 76 Ähnlichkeit/Interpretation: Ähnlichkeit, die im Interpretationsvorgang aufgrund externer Einflüsse festgestellt wird, entscheidet also darüber, ob wir etwas als Icon oder als Index auffassen. Interpretation: Interpretation ist im Fall von Skulpturen oder Schwärzungen des Papiers nicht anders. I 77 Icons/Deacon: These: Icons entstehen aus dem Fehlschlagen des Versuchs differenzierende Indizes für die Unterscheidung von Dingen aufzustellen. >Symptome. |
Dea I T. W. Deacon The Symbolic Species: The Co-evolution of language and the Brain New York 1998 Dea II Terrence W. Deacon Incomplete Nature: How Mind Emerged from Matter New York 2013 |
| Icons | Peirce | Berka I 29 Icon/Ikon/Peirce: ausgeartete Relation zwischen Zeichen und Objekt: bloße Ähnlichkeit. Berka I 30 Schlussfolgerung/Peirce: braucht zusätzlich zu Symbol (für Wahrheit) und Index (beide zusammen zur Satzbildung) noch das 3. Zeichen: Icon: denn Folgerung besteht in der Beobachtung, dass dort, wo gewisse Relationen bestehen, gewisse andere Relationen gefunden werden können. - Diese Relationen müssen durch ein Icon dargestellt werden. - Bsp Der Mittelbegriff des Syllogismus muss tatsächlich in beiden Prämissen auftreten.(1) Berka I 35f Icon/Logik/Peirce: Icons der Logik: 1. Identitätsformel: x > y (Implikation) - 2. Prämissenumstellung (Antezedentenumstellung) - 3. Transitivität der Kopula (= modus barbara) - >Abbild einer Schlusskette - ((s) Icons/Peirce/(s): haben immer mit Darstellung bzw. Beobachtbarkeit von Ähnlichkeit zu tun.) Berka I 37 Icons/Logik/Peirce: 4. Icon: Negation: es sei b so, dass wir schreiben können, b > x was immer x sein mag, dann ist b falsch ((s) EFQ) - ..wenn aus der Wahrheit von x die Falschheit von y folgt, dann auch umgekehrt aus der Wahrheit von y die Falschheit von x - 5. Icon: Satz vom ausgeschlossenen Dritten. Berka I 48 Icons/Logik/Peirce: 9. Icon: jedes Individuum kann als Einerklasse betrachtet werden - 10. Icon: Komplement - 11. Icon: Vereinigung - 12. Zwei unterschiedliche Klassen müssen sich in mindestens einem Element unterscheiden.(1) >Symbol/Peirce, >Zeichen/Peirce, >Index/Peirce. 1. Ch. S. Peirce, On the algebra of logic. A contribution to the philosophy of notation. American Journal of Mathematics 7 (1885), pp. 180-202 – Neudruck in: Peirce, Ch. S., Collected Papers ed. C. Hartstone/P. Weiss/A. W. Burks, Cambridge/MA 1931-1958, Vol. III, pp. 210-249 |
Peir I Ch. S. Peirce Philosophical Writings 2011 Berka I Karel Berka Lothar Kreiser Logik Texte Berlin 1983 |
| Ideen | Foucault | II 193ff Ideengeschichte/Foucault: Man kann jetzt (nach der Untersuchung des Diskurses) das Vorgehen umkehren. >Diskurs/Foucault. Man kann talwärts schreiten. Die allgemeine Theorie ist skizziert, jetzt können wir zu den möglichen Anwendungsgebieten gelangen. Es geht darum, sich von ihr zu trennen. Stattdessen: Archäologie. FoucaultVsIdeengeschichte: unbestimmtes Objekt, schlecht gezogene Grenzen, Geschichte der Nebenpositionen. Eher die Geschichte der Alchimie als der Chemie. Analyse der Meinungen mehr als des Wissens, der Irrtümer mehr als der Wahrheit, nicht der Gedankenformen, sondern der Mentalitätstypen. Auch Analyse des stummen Entstehens, der entfernten Entsprechungen, der Permanenzen. Archäologie/Foucault: der Versuch, eine ganz andere Geschichte zu schreiben: vier Unterschiede: 1. Hinsichtlich der Bestimmung der Neuheit 2. Der Analyse der Widersprüche 3. Der komparativen Beschreibungen 4. Des Auffindens der Transformationen. Archäologie: 1.versucht nicht, die Gedanken, Vorstellungen, Bilder, Themen zu definieren die sich in den Diskursen verbergen oder manifestieren. Sondern jene Diskurse selbst! Diskurs nicht als Zeichen für etwas anderes sondern als Monument. Keine interpretative Disziplin, sie sucht nicht einen »anderen Diskurs«. Sie ist nicht »allegorisch«! 2. Die Archäologie sucht nicht den kontinuierlichen Übergang aufzufinden. 3. Sie ist nicht nach der souveränen Gestalt des Werkes geordnet. Die Instanz des schöpferischen Subjekts als Prinzip seiner Einheit ist ihr fremd. 4. Sie sucht nicht nach der Wiederherstellung dessen, was die Menschen gedacht, gewollt, verspürt, gewünscht haben können. Sie sucht nicht jenen flüchtigen Kern. Archäologie: erstellt den Stammbaum eines Diskurses. Bsp den der Naturgeschichte: 1. Als leitende Aussagen wird sie diejenigen Aussagen setzen, die die Definition der beobachtbaren Strukturen und des Feldes mögliche Gegenstände betreffen. 2. Diejenigen, die die Formen der Beschreibung vorschreiben. 3. Diejenigen die die allgemeinsten Charakterisierungsmöglichkeiten erscheinen lassen, und damit ein ganzes Gebiet von Begriffen eröffnen. 4. Diejenigen, die, indem sie eine strategische Wahl konstituieren, einer sehr großen Zahl späterer Optionen Raum lassen. Das ist keine Deduktion von Axiomen her. Auch keine allgemeine Idee oder ein philosophischer Kern. |
Foucault I M. Foucault Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften Frankfurt/M. 1994 Foucault II Michel Foucault Archäologie des Wissens Frankfurt/M. 1981 |
| Ideen | Locke | Euchner I 19 Ideen/Locke: Die Sinneseindrücke und ihre Verarbeitung bewirken in unserem Geist "einfache Vorstellungen" (simple ideas), z.B. von Hitze, Licht, hart, weich, bestimmten Farben und Geschmäcken (diese sind unverwechselbar) - die "ersten Objekte unseres Verstehens". >Farbe, >Sinneseindruck, >Idee/Locke, >Vorstellung. Dinge/Gegenstände/Locke: werden von uns nicht mit einer einzigen, sondern nur mit einem Bündel vieler "einfacher Vorstellungen" erfasst: "komplexe Ideen" - diese entsprechen den Gegenständen. I 27 Idee/Locke: Jedes Objekt des Verstandes (understanding) - Begriff, Vorstellung, kann auch Trugbild sein - jeder beliebige Bewusstseinsinhalt. >Täuschung. I 33 Ideen/Locke: Modi: Ideen die Zustände oder Eigenschaften anderer Ideen oder Konstrukte aus Ideen darstellen - einfache Ideen: durch einen Sinn bewirkt: Bsp Farben, Licht, Töne. I 38 Diese sind selbst weder wahr noch falsch, sondern Instrumente. I 42 LockeVsAristoteles: Vernunft kann ohne klappernde Syllogismen der "natürlichen Ordnung der verbindenden Ideen" nachspüren I 35 Komplexe Ideen/Locke: Hier ist der Geist aktiv Einfache Ideen: bei den einfachen Ideen ist der Geist passiv. >Geist/Locke. I 36 Bsp Lüge - Bsp Substanz(!) >Substanz/Locke. I 35 Einfache Idee/Locke. Bsp Raum Modi: Distanz, Unendlichkeit, Gestalt Einfache Idee: Bsp Schmerz, Freude Modi: Liebe Hoffnung, Furcht, Neid. Holz I 45/46 Ideen/Wahrnehmung/Locke: Es gibt "Ideen", die durch mehr als einen Sinn vermittelt werden: z.B. die Ideen Ausdehnung, Gestalt, Bewegung usw. Ideen/Wahrnehmung/LeibnizVsLocke: Diese "Ideen" (Ausdehnung, Dauer, Gestalt usw.) stammen aus dem Geist, nicht aus der Wahrnehmung. Sie sind die "Ideen des reinen Verstandes". Sie haben aber einen Bezug zur Außenwelt und sind so der Definition und des Beweises fähig. |
Loc III J. Locke An Essay Concerning Human Understanding Loc I W. Euchner Locke zur Einführung Hamburg 1996 Holz I Hans Heinz Holz Leibniz Frankfurt 1992 Holz II Hans Heinz Holz Descartes Frankfurt/M. 1994 |
| Ideen | Searle | VIII 430 Urteil/Idee/SearleVsEmpiristen: Was macht die Ideen im Geist zum Urteil? Dilemma: a) Wenn das Verstehen von Ideen ein Urteil ist, dann ist das zirkulär. >Urteile. b) Wenn Ideen in Form eines Urteils kommen, dann ist im Geist nur eine Folge von Vorstellungen, keine Sätze (das ist inadäquat). >Vorstellungen. SearleVsChomsky: gleiches Dilemma: a) Wenn verschiedene Lesarten eines Satzes nur Paraphrasen sind, dann ist es zirkulär: Kompetenz zum Verstehen von Paraphrasen setzt voraus, was sie erklären will. b) Wenn Lesarten nur Listen von Elementen sind, dann ist die Erklärung inadäquat. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Identifikation | Strawson | I 57 Identifikation/Strawson: Wenn Identifikation direkt aufgrund von Lokalisation möglich ist, dann ohne Erwähnung anderer Einzeldinge. Bsp Tod ist abhängig von Lebewesen. Bsp Blitz ist nicht abhängig von etwas Blitzendem. >Abhängigkeit. I 64 Identifikation/Strawson: Beobachtbare Einzeldinge können auch ohne Erwähnung ihrer Ursachen oder der Dinge, von denen sie abhängig sind, identifiziert werden. Begriffliche Abhängigkeit spielt keine Rolle. - Aber man kann nicht grundsätzlich Geburten identifizieren, ohne sie als Geburt eines Lebewesens zu identifizieren. I 65 Asymmetrie: Wir brauchen in der Sprache nicht unbedingt Termini für Geburten als Einzeldinge - wohl aber für Lebewesen, weil wir selbst welche sind. >Continuant, >Person, >Subjekt. I 66 Identifizierbarkeit/Einzelding/Strawson: Minimalbedingung: Einzeldinge dürfen weder privat noch unbeobachtbar sein. >Einzeldinge/Strawson, >Sprachgemeinschaft, vgl. >Privatsprache, >Verstehen, >Kommunikation. I 87 Identifikation/Strawson: Wir könnten nicht über Privates sprechen, wenn wir nicht über Öffentliches sprechen könnten I 153 Identifikation/StrawsonVsLeibniz: Identifikation verlangt ein demonstratives Element: das widerspricht Leibniz’ Monaden, für die es Beschreibungen allein in allgemeinen Termini geben soll! >Allgemeiner Term. Dann ist nach Leibniz die Identifikation (Individuation) nur Gott möglich: Der "vollständige Begriff" eines Individuums. - Das ist zugleich eine Beschreibung des gesamten Universums (von einem bestimmten Punkt aus, das garantiert die Eindeutigkeit). >Vollständiger Begriff. I 245 Identifikation/Universale/Namen/Einzeldinge/Strawson: Sprecher/Hörer müssen jeder eine kennzeichnende Tatsache über Sokrates kennen - es muss aber nicht dieselbe sein. - Bsp "Dieser Mann dort kann dich führen"- entscheidend: dass da jemand steht. Pointe: Kein Teil führt ein Einzelding ein, aber die Aussage als ganzes präsentiert es. >Einzeldinge/Strawson, >Einführung/Strawson. VII 124 Identifikation/Referenz/Strawson: Bsp "Der Mann dort hat den Kanal zweimal durchschwommen". - Es hat den (falschen!) Anschein, dass man "zweimal referiert", a) einmal indem man nichts aussagt und folglich keine Aussage macht, oder b) die Person mit sich selbst identifiziert und eine triviale Identität feststellt. StrawsonVs: Das ist der gleiche Fehler wie zu glauben, dass der Gegenstand die Bedeutung des Ausdrucks wäre. - Bsp "Scott ist Scott". >Waverley-Beispiel. Tugendhat I 400-403 Identifikation/Strawson: a) Zeigen - b) Beschreibung, Raumzeit-Stellen. TugendhatVsStrawson: Weil Strawson Russells Theorie der direkten Relation unbewusst akzeptiert hatte, sah er nicht, dass es gar keine zwei Stufen gibt. Tugendhat wie Brandom: Demonstrative Identifikation setzt die raumzeitliche, nicht-demonstrative voraus - ((s) > Brandom: Deixis setzt Anapher voraus) - Unterschied: Spezifikation/Tugendhat: "welches von allen?" Identifikation: Hier geht es um eine einzige Art; identifiziert durch Raumzeit-Stellen. |
Strawson I Peter F. Strawson Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972 Strawson II Peter F. Strawson "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit", In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Strawson III Peter F. Strawson "On Understanding the Structure of One’s Language" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Strawson IV Peter F. Strawson Analyse und Metaphysik München 1994 Strawson V P.F. Strawson Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981 Strawson VI Peter F Strawson Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Strawson VII Peter F Strawson "On Referring", in: Mind 59 (1950) In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Tu I E. Tugendhat Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976 Tu II E. Tugendhat Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992 |
| Identifikation | Tugendhat | I 395 Identifizierung/TugendhatVsStrawson: Strawson verwendet Identifizierung im engeren Sinn. >Peter F. Strawson. Tugendhat: Mein eigener Begriff "Spezifikation" (welcher von allen Gegenständen ist gemeint) ist diesem Begriff überlegen. >Spezifikation. "Herausgreifen" (to pick out) ist Strawsons Ausdruck - (von Searle übernommen). - (Quine: "to specify"). I 400ff Identifizierung/Identifikation/Tugendhat: Raumzeit-Stelle: dieser eine Gegenstand. Spezifizierung/Tugendhat: Bezug, stehen für (weiterer Begriff) (vor Hintergrund aller anderen Gegenstände). >Referenz, >Hintergrund. I 415 Identifikation/Einzeldinge/TugendhatVsStrawson: Die Raumzeit-Relation ist nicht nur perzeptiv verankert, sondern auch ein System möglicher Wahrnehmungspositionen - damit ist sie ein System demonstrativer Spezifizierung (vor einem Hintergrund). >Raum, >Raumzeit. I 417 Durch raumzeitliche Kennzeichnung wird der wahrnehmbare Gegenstand als wahrnehmbarer spezifiziert. - Ein wesensmäßig wahrnehmbarer Gegenstand kann vorher noch nicht der Gegenstand sein, der er ist. Referenz heißt dann, eine Verifikationssituation zu spezifizieren. >Verifikation. I 422 Unterscheidung von Gegenständen ist überhaupt nur aus mannigfachen Verwendungssituationen von Wahrnehmungsprädikaten möglich. I 426 Einzelding/Identifikation/TugendhatVsStrawson: "hier", "Jetzt" genügen als Gegenstände und Raumzeit-Stellen existent zu machen. >Demonstrativa, >Indexwörter, >Indexikalität. Raumzeit-Stellen sind die elementarsten Gegenstände. - Es muss dort aber auch etwas geben - wenigstens hypothetisch - dann liefert die entsprechende Frage der Verifikation, für welchen Gegenstand der singuläre Term steht. >Singuläre Termini, >Gegenstände. Top-down: Die Verwendung aller singulären Termini verweist auf demonstrative Ausdrücke. Bottom-up: Wenn durch die Demonstrativa die Verfikationssituation für das Zutreffen des Prädikats bezeichnet wird I 436 Lokalisation/Identifikation/Tugendhat: nur durch mehrere Sprecher - kein Nullpunkt, sondern Menge umgebender Gegenstände. - Subjektiver Nullpunkt ist vielleicht die eigene Position. >Subjektivität. I 462 Identifikation/Tugendhat: räumliche und zeitliche Relation zwischen Gegenständen ist nicht hinreichend. - Es gibt unendlich viele Raumzeit-Stellen, endlich viele Gegenstände. - Das Raumzeit-System wird vorausgesetzt. - Referenz auf Raumzeit-Stellen kann nicht scheitern. Die Rede von Existenz ohne Ort ist sinnlos - Identifikation nur durch gleichzeitigen Verweis auf alle anderen (möglichen) Gegenstände - daher sind Existenzsätze allgemein. >Existenz, >Existenzsätze. |
Tu I E. Tugendhat Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976 Tu II E. Tugendhat Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992 |
| Identität | Butler | Brocker I 741 Identität/Subjekt/Selbst/Butler: Butlers Buch(1) stellt eine grundlegende Kritik am Identitätsdenken und der Natur/Kultur-Unterscheidung vor, die Butler in ihrer Philosophie des politischen und ethischen Subjekts weiterführt. >Natur, >Kultur. Diese (Butlers) Theorie konzipiert Subjekthaftigkeit und die Möglichkeit politischen Handelns als Balanceakt des Selbst in intersubjektiven und politischen Beziehungen. >Selbst, >Intersubjektivität, >Gesellschaft, >Öffentlichkeit. Brocker I 744 Dekonstruktion der Identität/Butler: These: Identitätspolitik ist kein geeigneter Weg, Machtstrukturen auszuhebeln. „Die Dekonstruktion der Identität beinhaltet keine Dekonstruktion der Politik, vielmehr stellt sie gerade jene Termini, in denen sich die Identität artikuliert, als politisch dar. Damit stellt diese Kritik den fundamentalistischen Rahmen in Frage, in dem der Feminismus als Identitätspolitik artikuliert wurde. >Dekonstruktion. (…) Würden die Identitäten nicht länger als Prämissen eines politischen Syllogismus fixiert und die Politik nicht mehr als Satz von Verfahren verstanden, die aus den angeblichen Interessen vorgefertigter Subjekte abgeleitet werden, so könnte aus dem Niedergang der alten eine neue Konfiguration der Politik entstehen. Die kulturellen Konfigurationen von Geschlecht und Geschlechtsidentität könnten sich vermehren, (…) indem man die Geschlechter-Binarität in Verwirrung bringt und ihre grundlegende Unnatürlichkeit enthüllt.(2) >Gender/Butler. 1. Judith Butler, Gender Trouble. Feminism and the Subversion of Identity, New York/London 1999 (zuerst 1990); Dt. Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter, Frankfurt/M. 1991. 2.Ebenda S. 218. Christine Hauskeller, “Judith Butler, Das Unbehagen der Geschlechter“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Identität | Entwicklungspsychologie | Upton I 118 Identität/Entwicklungspsychologie/Upton: Aspekte der Identität: - Berufliche Identität: Berufswahl und -wünsche; derzeitige oder beabsichtigte Tätigkeit - Intellektuelle Identität: Akademische Bestrebungen und Leistungen - Politische Ideologie: Politische Überzeugungen, Werte und Ideale; kann die Mitgliedschaft in politischen Gruppen einschließen. -Spirituelle/religiöse Identität: Religiöse Überzeugungen, Einstellungen zu Religion und Spiritualität; religiöse Praktiken und Verhaltensweisen; können sich auf einen bestimmten moralischen und ethischen Kodex beziehen. - Identität der Beziehung: Dies kann sich auf intime Beziehungen beziehen und sich darauf beziehen, ob jemand alleinstehend, verheiratet, geschieden usw. sind; oder auf soziale Beziehungen wie Freund, Kollege usw.; oder auf familiäre Beziehungen - Mutter, Tochter usw. - Sexuelle Identität: Sexuelle Orientierung - heterosexuell, homosexuell, bisexuell etc. - Kulturelle Identität: Wo eine Person geboren und/oder aufgewachsen ist und wie intensiv sie sich mit dem kulturellen Erbe/den Praktiken in diesem Teil der Welt identifiziert; kann auch Sprachpräferenzen beinhalten. - Ethnische Identität: Das Ausmaß, in dem eine Person das Gefühl hat, zu einer bestimmten ethnischen Gruppe zu gehören; die ethnische Gruppe ist in der Regel eine Gruppe, auf die man Anspruch erheben kann, und die Überzeugungen der Gruppe können das Denken, die Wahrnehmungen, die Gefühle und das Verhalten einer Person beeinflussen. - Physische Identität: Körperbild und Überzeugungen über das eigene Aussehen - Persönlichkeit: Merkmale, die Verhaltensmuster definieren, wie z.B. Schüchternheit, Freundlichkeit, Geselligkeit, Angst usw. Entwicklungsstufen: Nach Marcia (1993)(1) werden junge Heranwachsende in der Regel durch einen der ersten drei Status beschrieben. 1) Identitätsdiffusion bezieht sich auf das Individuum, welches noch keine Krise erlebt oder Verpflichtungen eingegangen ist. Es ist unentschlossen über zukünftige Rollen und hat kein Interesse an solchen Themen gezeigt. 2) Identitätsabschottung beschreibt Individuen, die sich zu einer Identität verpflichtet haben, ohne eine Krise zu erleben. Sie können zum Beispiel einfach den Ideologien und Wünschen ihrer Eltern gefolgt sein. 3) Identitätsmoratorium ist der Begriff für Individuen, die sich in einer Identitätskrise befinden und deren Verpflichtungen noch nicht fest definiert sind. 4) Identitätserfolg ist erreicht, wenn Individuen eine Krise durchlebt haben und sich zu ihrer Identität bekennen. Nach Marcia (1993)(1) werden junge Heranwachsende in der Regel durch einen der ersten drei Status beschrieben. Es gibt jedoch immer mehr Hinweise darauf, dass Identitätsentwicklung nicht nur eine Aufgabe der Adoleszenz ist. Tatsächlich sind einige Aspekte der Identität bereits auf dem besten Weg, sich vor der Pubertät zu etablieren. Gender zum Beispiel ist ein Identitätsaspekt, der ein Schlüsselaspekt der Entwicklung in jungen Jahren ist, aber weiterhin darauf aufbaut, da komplexere Positionen darüber verhandelt werden, was es bedeutet, männlich oder weiblich zu sein. Ebenso treten einige der wichtigsten Identitätsveränderungen nach der Adoleszenz auf, die im frühen Erwachsenenalter stattfinden (Waterman, 1992)(2). >Soziale Identität, >Sozialisation, >Identität/Henrich. 1. Marcia, JE (1993) The status of the statuses: research review, in Marcia, JE Waterman, AS Matteson, DR Archer, SL and Orlofsky, JL (eds) Identity: A handbook for psychosociogical research (pp 22-41). New York: Springer-Verlag. 2. Waterman, AS (1992) Identity as an aspect of optimal psychological functioning, in Adams, GR Gullotta, TP and Montemayor, R (eds) Adolescent ldentity Formation (50-72). Newbury Park, CA: Sage. |
Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| Identität | Erikson | Upton I 117 Identität/Erikson/Upton: Laut Erikson (1950)(1) stehen junge Menschen in der Pubertät vor einer überwältigenden Anzahl von Entscheidungen, wer sie sind und wohin sie im Leben gehen. Für Erikson ist dies die Krise, die in dieser Entwicklungsphase gelöst werden muss; wenn Jugendliche nicht in der Lage sind, diese Frage angemessen zu beantworten, werden sie unter Identitätsverwirrung leiden, die ihre Entwicklung in den späteren Lebensabschnitten verzögert. Die Suche nach Identität wird durch das, was Erikson ein psychosoziales Moratorium nennt, unterstützt. Was er meint, ist, dass Jugendliche relativ verantwortungslos sind, was ihnen den Raum gibt, verschiedene Identitäten auszuprobieren (und zu verwerfen). Sie sind in der Lage, mit verschiedenen Rollen und Persönlichkeiten zu experimentieren, bis sie diejenige finden, die am besten zu ihnen passt. >Identität/Entwicklungspsychologie. 1. Erikson. EH (1950) Childhood and Society, New York: WW Norton. |
Upton I Penney Upton Developmental Psychology 2011 |
| Identität | Frege | II 65 Identität/Frege: Bsp a = b: Die Bedeutung von "a" ist dieselbe wie die von "b". Aber der Sinn von "b" ist verschieden von dem von "a". >Urteil/Frege. Dummett III 70f Identität/VsFrege/Dummett: (informativ/uninformativ) Bsp a = b: manche: um das zu verstehen, muss man - wenn es wahr ist - wissen, dass es wahr ist. Pointe: Dann liefert es keine Information. FregeVs: Man muss nicht wissen, ob zwei Ausdrücke denselben Gegenstand bezeichnen, wenn man die Ausdrücke versteht. >Weise des Gegebenseins, >Intension. Frege II 40 Identität/Aussage/Identitätsbehauptung/Identitätsaussage/Frege: Bsp a = b: sagt nicht von Zeichen etwas aus, sondern von Gegenständen. Sonst würde gar keine Erkenntnis damit ausgedrückt, weil Zeichen sowieso willkürlich sind. Es geht also nicht darum, dass "a" und "b" dasselbe bedeuten. Das wäre eine Aussage über Zeichen. ((s) Stattdessen: dass es verschiedene Gegebenheitsweisen desselben Gegenstands sind (Weise des Gegebenseins/(s): ist nicht das Zeichen). II 65 Identität/Frege: a = b: Die Bedeutung von "a" ist dieselbe wie die von "b". Aber der Sinn von "b" ist verschieden von dem von "a". Identität/Frege: Identität hat dieselbe Bedeutung, aber einen anderen Sinn. Gedanke: Daher ist der durch "a = a" ausgedrückte Gedanke verschieden von dem durch "a = b" ausgedrückten Gedanken. >Gedanken, >Gleichheitszeichen, >Kopula. |
F I G. Frege Die Grundlagen der Arithmetik Stuttgart 1987 F II G. Frege Funktion, Begriff, Bedeutung Göttingen 1994 F IV G. Frege Logische Untersuchungen Göttingen 1993 Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Identität | Kripke | I 53 Identität: (Identitäts-) Kriterien sind willkürlich (nur für Mathematik sind sie notwendig). Es gibt keine Kriterien für Gegenstände oder Menschen. >Kriterien. Identität über die Zeit hinweg: Handelt es sich noch um denselben Gegenstand, wenn verschiedene Teile eines Tisches ersetzt werden? Hier besteht eine gewisse Vagheit. Wo die Identitätsrelation vage ist, könnte sie intransitiv erscheinen. I 62 Eine Art von "Gegenstück"-Begriff könnte hier von Nutzen sein. (Allerdings ohne Lewis' Welten, die wie fremde Länder sind, usw.) Man könnte sagen, dass strenge Identitäten nur auf die Einzeldinge (die Moleküle) Anwendung hat und die Gegenstück-Relation auf diejenigen Einzeldinge, die aus ihnen "zusammengesetzt" sind, die Tische. >Gegenstücktheorie, >Gegenstücke, >Gegenstückrelation, >Mögliche Welt/Kripke, >Mögliche Welt/Lewis, >Identität zwischen Welten. I 63f Unserer Identitätsbegriff, mit dem wir es hier versuchen, befasst sich mit Identitätskriterien von Einzelgegenständen in Begriffen anderer Einzelgegenstände, und nicht in Begriffen von Qualitäten. Identität: Durch die Verwendung von Beschreibungen kann man kontingente Identitätsaussagen machen. I 116 Kripke (VsTradidion): Molekülbewegung: Molekülbewegung ist notwendig mit Wärme identisch! Wir haben es entdeckt, aber es hätte nicht anders sein können. Physikalische Wahrheiten sind notwendig: Bsp Wärme = Molekülbewegung - aber dies ist keine Analogie zu Geist-Gehirn-Identitäten. >Identitätstheorie/Kripke. I 117 Ruth Barcan Markus: These: Identitäten zwischen Namen sind notwendig. ("mere tags"). QuineVsMarkus: Wir könnten den Planeten Venus an einem schönen Abend mit dem Eigennamen "Hesperus" etikettieren. Wir könnten denselben Planeten, an einem Tag vor Sonnenaufgang, nochmals etikettieren, diesmal mit dem Eigennamen "Phosphorus". Wenn wir entdecken, dass es zweimal derselbe Planet war, dann ist unsere Entdeckung eine empirische. Und nicht deswegen, weil die Eigennamen Beschreibungen waren. I 120f Benennen schafft keine Identität: Es ist die gleiche epistemische Situation, Phosphorus/Hesperus sind nur als verschiedene Himmelskörper benannt. Dies ist durchaus möglich und daher kontingent, aber es betrifft nicht die tatsächliche Identität - wir verwenden sie als Namen in allen möglichen Welten. >Mögliche Welt, >Benennen. I 124 Identität: Ein Mathematiker schreibt, dass x = y nur dann identisch sind wenn sie Namen für denselben Gegenstand sind. Kripke: Das sind keine Namen, sondern Variablen. >Eigennamen, >Variablen. I 125 Def "Schmidentität": Diese künstliche Relation soll nur zwischen einem Gegenstand und ihm selbst bestehen. Es ist eine künstliche Identität zwischen dem Gegenstand und ihm selbst. Kripke: Sie ist ganz nützlich. I 175 Dass die bloße Erschaffung der molekularen Bewegung für Gott immer noch die zusätzliche Aufgabe übrig lässt, diese Bewegung zu Wärme zu machen? Dieses Gefühl beruht tatsächlich auf einer Täuschung, aber was Gott wirklich machen muss, ist diese molekulare Bewegung zu etwas zu machen, was als Wärme empfunden wird! >Empfindung/Kripke, >Schmerz/Kripke, >Kontingenz/Kripke. --- Frank I 114 Identität/Kripke: Wenn eine Identitätsaussage wahr ist, ist sie immer notwendig wahr, Bsp Wärme/Molekülbewegung, Cicero/Tullius, Wasser/H20 - diese sind vereinbar damit, dass sie Wahrheiten a posteriori sind. Aber nach Leibniz ist es nicht vorstellbar, dass eins ohne das andere vorkommt. Frank I 125 Identität/Körper/Kripke: "A" sei der (starre) Name für den Körper von Descartes - dieser überlebte den Körper - also: M(Descartes ungleich A). Das ist kein modaler Fehlschluss, weil A starr ist. Analog: Eine Statue ist ungleich einer Molekülansammlung. >Starrheit. Saul A. Kripke (1972): Naming and Necessity, in: Davidson/Harmann (eds.) (1972), 253-355 |
Kripke I S.A. Kripke Name und Notwendigkeit Frankfurt 1981 Kripke II Saul A. Kripke "Speaker’s Reference and Semantic Reference", in: Midwest Studies in Philosophy 2 (1977) 255-276 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Kripke III Saul A. Kripke Is there a problem with substitutional quantification? In Truth and Meaning, G. Evans/J McDowell Oxford 1976 Kripke IV S. A. Kripke Outline of a Theory of Truth (1975) In Recent Essays on Truth and the Liar Paradox, R. L. Martin (Hg) Oxford/NY 1984 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Identität | Parfit | Lewis IV 57 Identität/Kontinuität/Überleben/Person/Parfit: Wenn es um das Überleben geht, können nicht beide Antworten (Kontinuität und Identität) richtig sein, daher müssen wir wählen. a) Identität: ist eine Relation mit einem bestimmten formalen Charakter: sie ist eins zu eins und kann nicht graduell sein. b) Kontinuität: (und Verbundenheit) (z.B. in Bezug auf Mentales) kann eins zu vielen oder vieles zu eins sowie graduell sein. >Kontinuität. Parfit: Deswegen ist es die Kontinuität und Verbundenheit, die bei der personalen (temporalen) Identität (Überleben) relevant ist. >Temporale Identität, >Personale Identität, >Person. c) was beim Überleben wichtig ist, ist also nicht Identität! Höchstens eine Relation die soweit mit Identität zusammenfällt, dass Problemfälle nicht auftreten. >Relationen, >Identität/Lewis, >Gegenstückrelation/Lewis, >Individuation/Lewis. LewisVsParfit: Jemand anderes könnte das Argument genauso gut in der anderen Richtung vertreten, und Identität als relevant hinstellen. Und natürlich ist die Identität das, worauf es letztlich ankommt! Daher muss man die Divergenz zwischen a) und b) beseitigt werden! Ich stimme mit Parfit überein, dass Kontinuität und Verbundenheit ausschlaggebend ist, aber sie ist eben nicht als Alternative zur Identität zu sehen. Grenzfall/Parfit: Problem: Grenzfälle müssen irgendwie willkürlich entschieden werden. Identität/Kontinuität/Überleben/Person/LewisVsParfit: Die Opposition zwischen Identität und Kontinuität ist falsch. Intuitiv geht es auf jeden Fall um Identität. Und zwar um buchstäbliche! IV 58 Def R-Relation/Identität/Kontinuität/Person/Lewis: eine bestimmte Relation und Verbundenheit unter Person Zuständen. Def I-Relation/Lewis: Frage: welche der dauerhaften Personen sind identisch mit den früheren? IV 59 I-Relation/R-Relation/Lewis: These: Die beiden sind identisch, weil sie koextensiv sind! >Koextension. IV. 61 Identität/Fusion/Spaltung/Person/Zustand/Lewis: ist eins zu eins, in dem Sinn, dass ein Ding niemals identisch mit mehreren Dingen ist. Das aber gilt nicht für die I Relation und die R Relation. Viele Ihrer anderen Zustände sind Zustände der selben Person und auf diese und auch aufeinander bezogen. Aber das meint Parfit nicht, wenn er sagt, dass R Relationen eins viele sind. Parfit: meint, dass es mehrere Zustände geben kann auf die ein Zustand bezogen ist, die aber untereinander nicht bezogen sind. (Fusion und Spaltung der Person). D.h. die R Relation wäre dann nicht transitiv. Spaltung: die vorwärtsbezogene R-Relation ist eins viele, rückwärts: viele eins, simpliciter: transitiv. IV 65 Methusalem Bsp/Person/Identität/Lewis: (Originalstelle): Verbundenheit/mentale Zustände/Parfit: These: Die Verbindung mentaler Zustände schwindet mit der Zeit. IV 67 Person/Fusion/Parfit: Bsp wenn Sie mit jemand sehr verschiedenem fusionieren ist die Frage, wer überlebt. Aber da gibt es keine bestimmte, verborgene Antwort. Vielmehr ist das, worauf es ankommt, die R-Relation nur zu einem sehr geringen Grad vorhanden. IV 73 ParfitVsLewis: man sollte unsere gemeinsamen Ansichten nicht mit dem common sense kreuzen. D.h. es geht um einen anderen Sinn von Überleben. IV 74 Lewis: Ich hatte geschrieben, worauf es ankommt, ist die Identität beim Überleben. Dann ist für den kurz lebenden C1 das Stadium S zu t0 tatsächlich Ir zu Zuständen in der fernen Zukunft wie z.B. S2, nämlich über den lang lebenden C2! ParfitVsLewis: "Aber ist das nicht die falsche Person?" Lewis: tatsächlich, wenn C1 wirklich den Wunsch hat, dass er selbst (C1) überlebt, dann ist dieser Wunsch nicht erfüllt. LewisVsParfit: aber ich glaube, er kann diesen Wunsch gar nicht haben! es gibt eine Grenze für alltagspsychologische Wünsche unter Bedingungen geteilter Zustände. Der geteilte Zustand S denkt für beide. Jeder Gedanke, den er hat, muss geteilt werden. Er kann nicht eine Sache im Namen von C1 und eine Sache im Namen von C2 denken. Wenn andererseits C1 und C2 alltagsverständlich etwas teilen sollen, dann muss es ein "pluraler" Wunsch sein, "Lass uns überleben". IV 75 Person/Überleben/Identität/LewisVsParfit: Bsp bis jetzt hatten wir angenommen, dass beide vor der Spaltung wissen, dass es zur Spaltung kommen wird. Jetzt Variante: beide wissen nicht von der kommenden Spaltung. Frage: können wie dann nicht doch perfekt den Wunsch teilen: "Lass mich überleben!"?. Problem: dass C1 und C2 den Wunsch teilen beruht auf der falschen Präsupposition, dass sie eine Person sind. D.h. das "mich" ist eine falsche Kennzeichnung. Es kann sich nicht auf C1 in C1' Gedanken und nicht auf C2 in dessen Gedanken beziehen. Denn diese Gedanken sind ein und derselbe. Vs: aber ihr Wunsch zu überleben ist erfüllt! Zumindest der von C2 und der von C1 ist ja nicht unterschieden. Dann kann ihr Wunsch nicht nur in dem unerfüllbaren singulären Wunsch bestehen. Sie müssen beide auch den schwachen pluralen Wunsch haben, auch wenn sie die Spaltung nicht vorher wissen. |
Parf I D. Parfit Reasons and Persons Oxford 1986 Parf II Derekt Parfit On what matters Oxford 2011 Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Identität | Pauen | I 161 Identität/Kripke/Pauen: These: Identität muss notwendig sein, wenn sie überhaupt Identität sein soll. Vgl. >Identität/Kripke. Bsp Entweder, es gilt in allen Welten, dass C-Faser-Reizung mit Schmerz identisch ist oder es gilt in keiner - Sie sind dann nicht identisch. >Mögliche Welten, >Notwendigkeit, >Schmerz, >Identitätstheorie. I 162 VsKripke/Pauen: Dagegen scheint es ein Argument zu geben: Wärme ist auch starrer Bezeichnungsausdruck (kinetische Energie) dennoch können wir uns eine Welt vorstellen, in der wir Wärmeempfindung ohne Molekülbewegung haben. >Starrheit, >Vorstellbarkeit. KripkeVsVs: Dann ist von Wärmeempfindung die Rede, nicht von Wärme. Vorstellbarkeit/Pauen: Vorstellbarkeit ist für Kripke entscheidend! - Die Vorstellbarkeit von Schmerzen, die keine gereizten C-Fasern sind, schließt die Identität aus. Heute ist weitgehend akzeptiert, dass psychophysische Identität, wenn überhaupt bestehend, notwendig sein muss. |
Pauen I M. Pauen Grundprobleme der Philosophie des Geistes Frankfurt 2001 |
| Identität | Postmoderne | Gaus I 47 Identität/Postmoderne/Bennett: Viel genealogische Arbeit, (...) beharrt auf der materiellen Widerspenstigkeit kultureller Produkte. Geschlecht, Sexualität, Rasse und persönliche Identität werden als erstarrte Reaktionen auf kontingente Sätze historischer Umstände betrachtet, und doch bedeutet die bloße Tatsache, dass es sich um menschliche Artefakte handelt, nicht, dass sie dem menschlichen Verständnis oder der menschlichen Kontrolle leicht nachgeben (Gatens, 1996)(1). >Identitätspolitik, >Gender, >Geschlecht. Eine persönliche Identität zum Beispiel ist eine Konstruktion, aber eine, die in körperlichen Bewegungen, instinktiven Tendenzen, sprachlichen Routinen und institutionellen Formen sedimentiert ist, die sich menschlichen Versuchen, sie umzuleiten oder zu revidieren, widersetzen. Vgl. >S. de Beauvoir. Alles ist akkulturiert, aber kulturelle Formen sind selbst materielle Assemblagen natürlicher Körper. >Kultur, >Kulturelle Überlieferung, >Kulturelle Werte, >Kulturrelativismus. Die postmoderne Theorie erkennt die Künstlichkeit des Natürlichen und die Materialität des Kulturellen an. >Postmoderne. Unterschied/Spezifität: Es gibt immer - in Worten, Dingen, Körpern, Gedanken, Artefakten, Lebensformen - das, was sich hartnäckig gegen theoretische Vereinnahmung oder überhaupt gegen jede feste Form wehrt. Diese unbestimmte und nie vollständig bestimmbare Dimension der Dinge ist als Differenz oder différance (Jacques Derrida), das Virtuelle (Gilles Deleuze), die Nicht-Identität (Theodor Adorno), das Unsichtbare (Maurice Merleau-Ponty), das Immanente (William Connolly), das Semiotische (Julia Kristeva), die sexuelle Differenz (Luce Irigaray), das Reale (Jacques Lacan), das Leben (Friedrich Nietzsche) oder die Negativität (Diana Coole) beschrieben worden. >Theodor W. Adorno, >F. Nietzsche, >J. Lacan, >M. Merleau-Ponty, >G. Deleuze, >J. Derrida, >W. Connolly. Jean-François Lyotard nennt es "das, was über jede Formgebung oder jeden Gegenstand hinausgeht, ohne irgendwo anders als in ihnen zu sein" (1997(2): 29). Die postmoderne politische Theorie versucht, diesen Widerstand anzuerkennen und dem Drang zu widerstehen, diese störende Kraft aus der Politik zu vertreiben (Honig, 1993)(3). >J.-F. Lyotard. 1. Gatens, Moira (1996) Imaginary Bodies: Ethics, Power and Corporeality. New York: Routledge. 2. Lyotard, Jean-François (1997) Postmodern Fables, trans. Georges van den Abbeele. Minneapolis: University of Minnesota Press. 3. Honig, Bonnie (1993) Political Theory and the Displacement of Politics. Ithaca, NY: Cornell University Press. Jane Bennett, 2004. „Postmodern Approaches to Political Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Identität | Simons | Chisholm II 171 Identität/Simons: These: Unterschiedene Objekte können durchaus alle Teile gemeinsam haben: Bsp Ich und mein Körper (ChisholmVs). >Teile, >Teil-von-Relation. Simons I 113 Identität/Individuum/Ganze/Ganzes/Teil/extensionale Mereologie/RescherVsExtensionalität: (Rescher 1955): Die extensionale Eigenschaft, die beinhaltet, dass Ganze identisch sind, wenn sie dieselben Teile besitzen, schließt jene Teil-Ganzes-Relationen aus, in denen die Organisation (Organisiertheit) involviert ist. Bsp Verschiedene Sätze können aus denselben Sätzen bestehen. Zwei Individuen müssen nicht identisch sein, wenn sie dieselben Teile haben: Bsp Gebäude-Komitee = Personal-Komitee, Bsp Famile Robinson = Basketball-Team Robinson, Bsp Person/ihr Körper. Pointe: Es geht nicht um die Relation der Teile untereinander. I 180 Def Koinzidenz/Continuants/Simons: Koinzidenz-Prädikat: CTD5 a < >Mereologie, >Inklusion. |
Simons I P. Simons Parts. A Study in Ontology Oxford New York 1987 Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |
| Identität | Stalnaker | I 14 Vage Identität/Stalnaker: Vage Identität kann höchstens bei Identitätsaussagen mit vagen Termini auftreten. >Vagheit. Lösung/Gegenstücktheorie/Stalnaker: Wenn Querweltein-Relationen zwischen Klassen von Stellvertretern bestehen und nicht zwischen Individuen selbst, dann muss die Relation nicht die der Identität sein, und diese andere Relation kann vage sein. >Gegenstücke, >Gegenstücktheorie, >Querweltein-Identität, >Mögliche Welten. I 126 Kontingente Identität/Stalnaker: Es ist natürlich nicht so, dass der Aktualismus kontingente Identität erfordert, die obigen Beispiele können auch wegerklärt werden. Man kann die Möglichkeit bloß nicht einfach auf Basis der Semantik und Identitätslogik zurückweisen. >Aktualismus. Notwendige Identität: Notwendige Identität entspricht der These, alle Identität sei notwendig eine metaphysische These. >Identität/Kripke. I 131 Identität/notwendig/kontingent/Stalnaker: Nach der modalen Quantorentheorie ist alle Identität notwendig. Das wollen wir nicht; Bsp Ein Ding kann mehrere Gegenstücke in anderen Welten haben. I 132 Lösung: Es gibt verschiedene Weisen des Herausgreifens. I 133 Vage Identität/Stalnaker/Nathan SalmonVsVage Identität: (Salmon 1981(1), p. 243) nach ihm kann Identität nicht vage sein: Bsp angenommen, es gibt ein Paar von Entitäten x und y sodass es vage ist, ob sie ein und dasselbe Ding sind, dann ist das Paar ganz sicher nicht dasselbe Paar wie das Paar, bei dem das definitiv wahr ist, dass x dasselbe Ding ist wie es selbst. Dann ist es jedoch nicht vage, ob die beiden Paare identisch oder unterschieden sind. I 134 Vage Identität/Identitätsaussage/vage Gegenstände/Stalnaker: Bsp M sei ein bestimmtes Stück Land innerhalb des unbestimmten Mt. Rainier. a) Mt. Rainier ist ein unbestimmtes Objekt: dann ist es falsch zu sagen, dass M = Mt Rainier. b) Wenn es um eine Aussage statt um ein Objekt geht: dann ist sie unbestimmt. I 135f Vage Identität/Stalnaker: Bsp Es gibt zwei Fischrestaurants Bookbinder’s, aber nur eins kann mit dem ursprünglichen identisch sein. Endurantismus: Problem: "B0" (das ursprüngliche) ist dann eine mehrdeutige Bezeichnung. Perdurantismus: Hier ist es eindeutig. >Perdurantismus, >Endurantismus. I 138 Vage Identität/SalmonVsVage Identität/Unbestimmtheit/Stalnaker: Salmons Argument zeigt, dass wenn wir es schaffen, zwei Entitäten a und b herauszugreifen, dass es dann eine Tatsache geben muss, ob die beiden ein Ding sind oder zwei (Stalnaker pro Salmon, Nathan). Umgekehrt: Wenn es unbestimmt ist, ob a = b, dann ist es unbestimmt, worauf "a" referiert oder worauf "b" referiert. Aber das gibt uns keinen Grund anzunehmen, dass Tatsachen zusammen mit Begriffen das entscheiden müssen. Salmon zeigt nur, dass wenn Tatsachen und Begriffe nicht entscheiden, dass es dann unbestimmt ist. I 140 StalnakerVsSalmon: Salmon's Vagheit ist eine Vagheit der Referenz. I 139 Identität/unbestimmt/Kripke: (1971(2), 50-1) Bsp wäre der Tisch T in der wirklichen Welt derselbe, wenn in der Vergangenheit die ihn konstituierenden Moleküle ein wenig anders verteilt gewesen wären? Hier kann die Antwort unbestimmt sein. I 148 Identität/ein-stellige Prädikate/Stalnaker: Man kann nicht allgemein Sätze als Prädikationen behandeln. >Prädikation, >Sätze. Bsp x^(Hx u Gx) ist eine Instanz der Form Fs, aber "(Hs u Gs)" nicht. Daher ist unser Identitätsschema beschränkter als Leibniz’ Gesetz normalerweise formuliert wird. >Leibniz-Prinzip. I 154f Def wesentliche Identität/Stalnaker: Alle Dinge x und y, die identisch sind, sind wesentlich identisch, d.h. identisch in allen möglichen Welten, in denen das Ding existiert. ((s) D.h. die Existenz wird zur Voraussetzung für die Identität gemacht, nicht die Identität für die Existenz.) Notwendige Identität/Stalnaker/(s): Bei der notwendigen Identität ist es umgekehrt: Wenn x und y notwendig identisch sind, müssen sie in allen möglichen Welten existieren bzw. wenn ein Ding in einer mögliche Welt nicht existiert, kann es in den möglichen Welten in denen es existiert, nicht notwendig identisch sein. Notwendige Identität/logische Form: x^(x = y) > N(x = y) schlägt in der Standardsemantik und in der Gegenstücktheorie fehl, weil ein Ding kontingent existieren kann und Selbst-Identität Existenz beinhaltet. >Gegenstücktheorie. Zwei verschiedene Dinge können identisch sein, ohne wesentlich identisch zu sein, Bsp zwei mögliche Welten a und b, jede möglich für die jeweils andere, und zwei unterschiedene Dinge haben dasselbe Gegenstück in b, nämlich 3. Dann erfüllt das Paar die Identitätsrelation in b, aber weil 1 in Welt a existiert und von 2 verschieden ist, erfüllt das Paar nicht N(Ex > x = y) in b. >Querweltein-Identität. 1. Salmon, Wesley C. 1981. Rational prediction. British Journal for the Philosophy of Science 32 (2):115-125 2. Kripke, Saul S. Identity and NEcessity. In Milton Karl Munitz (ed.), Identity and Individuation. New York: New York University Press. pp. 135-164 (1971) |
Stalnaker I R. Stalnaker Ways a World may be Oxford New York 2003 |
| Identität | Wessel | I 220 Identität/Wessel: Identitätsaussage: Abkürzung einer Aussage über die Bedeutungsgleichheit zweier Termini: wechselseitiger Bedeutungseinschluss - ta tb = def (ta >tb) u (tb > ta) - das ist aber nur für individuelle Subjekttermini korrekt. >Singuläre Termini, >Aussagen, >Stufen/Ebenen, >Beschreibungsebenen. I 220f Identität/Hegel: a = a: Bsp Sokrates ist Sokrates : verlangt, dass Sokrates in der Zeit keine Veränderungen durchmacht! >G.W.F. Hegel. WesselVsHegel: Das ist eine Verwechslung von Wort und Gegenstand - Identität und Verschiedenheit sind zweistellige Prädikate (Relation) - nicht einstelliges Prädikat. - x = y ist existentiell belastet. ((s) D.h. es muss etwas existieren, damit die Aussage einen Wahrheitswert erhält. I 221 Identität/WesselVsLeibniz: Leibniz legt einen falschen Vergleich getrennter Gegenstände nahe. >Identität/Leibniz, >Leibniz-Prinzip. I 227 Identität/Logik/Wessel: x = x: is existentiell belastet : nur wahr, wenn ein Ding x existiert - nicht logisch wahr, keine Tautologie, empirische Tatsache. >Identität/Russell. I 335 Def Identität/Wessel: i1 = i2 =def S(i1,ti2). ((s) S: der Sachverhalt, dass i1 mit dem Namen i2 bezeichnet wird ? - dass a mit dem Namen b bezeichnet wird ? "b" steht für "a".) Def Verschiedenheit/Wessel: -i (i1 = i2) =def E(i1) u E(i2) u ~(i1 = i2). ((s) Es gibt zwei Ausdrücke i1 und i2, die nicht für denselben Gegenstand stehen.) Identität/Wessel: Wir setzen das Axiom: l- i1 = i2 > ti1 ti2. < ((s) wenn die Gegenstände identisch sind, folgt, dass die entsprechenden Ausdrücke bedeutungsgleich sind.) I 379f Identität/Wissenschaftslogik/Wessel: 1) zu einer beliebigen Zeit ist der Gegenstand a mit dem Gegenstand b in einer beliebigen räumlichen Ordnung bezüglich eines beliebigen Verfahrens zur Feststellung der Ordnung identisch 2) immer, wenn einer von a und b existiert, existiert der andere auch. Struktur muss die Beziehungen der Gegenstände berücksichtigen. - Es gibt nichts in der Natur, was die Bevorzugung der einen oder anderen Relation rechtfertigt (es gibt hier keine Tatsache). Identität in der Zeit/Wissenschaftslogik/Wessel: Wenn t2 nach t1, kann man nicht mehr von Identität sprechen! - t1 und t2 sind dann nur Repräsentanten derselben Klasse von Gegenständen a, wenn die Gegenstände unter Verwendung von Zeit definiert wurden. >Temporale Identität. |
Wessel I H. Wessel Logik Berlin 1999 |
| Identität | Wiggins | II 289f Identität/Wiggins: Problem: aus (1) (x)(y)(x = y) > (Fx ↔ Fy)), (2) (x)(y) [(x = y) > (N(x = x) ↔ N(y = x))] und dem überflüssigen (3) N(x = x) soll folgen: (4) (x)(y) [(x = y) > N(y = x)]. II 292 Problem: (4) geht nicht in opaken Kontexten Bsp für Jekyll gehalten zu werden nicht gleich für Hyde gehalten zu werden, auch wenn Jekyll = Hyde. >Opazität. II 292 Identität/Mögliche Welten/Kripke: Bsp Angenommen, Hesperus wäre nicht Phosphorus. Na gut, aber Phosphorus ist Phosphorus. Und außerdem ist Hesperus Phosphorus. Also wenn H nicht P wäre, wäre P nicht P. WigginsVsKripke: Ja aber doch sicher nicht, wenn H nicht P wäre? Das geht nicht so leicht wie Kripke möchte. >Mögliche Welten, >Saul A. Kripke. Simons I 115 Identität/Extensionalität/Wiggins: Bsp Tibbles ganze Katze, bestehend aus Tib(Körper) und Tail (Schwanz). >Tibbles-Beispiel. Pointe: wenn kein Unfall passiert, muss man dennoch Ganzes (Individuum Katze) von Summe (Tib + Tail) unterscheiden - obwohl sie aus denselben Teilen bestehen! Summe: kann sich aufspalten. Prozess: kann sich nicht aufspalten. Es gibt einen Unterschied in Modalität de re. - Trotz Zusammenfallens als vierdimensionales Objekt. - Daher QuineVsModalität de re. >Modalitäten, >de re, >Vierdimensionalismus. Hier unterscheiden sich Summe und Prozess, obwohl als vierdimensionale Objekte zusammenfallend. >Mereologische Summe. |
Wiggins I D. Wiggins Essays on Identity and Substance Oxford 2016 Wiggins II David Wiggins "The De Re ’Must’: A Note on the Logical Form of Essentialist Claims" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Simons I P. Simons Parts. A Study in Ontology Oxford New York 1987 |
| Identität | Wittgenstein | Hintikka I 22 Def Sinn des Satzes/Tractatus: (4.2:) Seine Übereinstimmung und Nichtübereinstimmung mit den Möglichkeiten des Bestehens und Nichtbestehens der Sachverhalte. >Sinn, >Satzsinn, >Korrespondenztheorie, >Sachverhalte. Hintikka: daraus ergibt sich, dass die Identität der Bedeutung zweier Ausdrücke sprachlich nicht behauptet werden kann. (6.2322) I 140 Anmerkung Hintikka: ...für Wittgenstein geht es hier um die Entbehrlichkeit des Identitätsbegriffs. Er hätte auch sagen können, dass dieser Begriff in den anderen Elementarsätzen bereits vorhanden ist. I 364 Erlebnis/Empfindung/Identität/Wittgenstein: Der Vergleich zwischen Erlebnissen im Hinblick auf ihre Identität gehört nicht zu den primären, sondern zu den sekundären Sprachspielen. In einem bestimmten sekundären Sprachspiel kann die Beziehung z.T. durch das mögliche Belegmaterial geprägt sein. II 338 Identität/Relation/Notation/WittgensteinVsRussell: Russells Schreibweise löst Verwirrung aus, weil sie den Eindruck erweckt, die Identität sei eine Beziehungen zwischen zwei Dingen. Diese Verwendung des Gleichheitszeichens müssen wir von seiner Verwendung in der Arithmetik unterscheiden, wo wir es als Teil einer Ersetzungsregel auffassen können. WittgensteinVsRussell: Seine Schreibweise erweckt fälschlich den Eindruck, es gebe einen Satz wie x = y oder x = x. Man kann das Identitätszeichen aber abschaffen. >Sätze. II 338/339 Identität/logische Form/Satz/Wittgenstein: in meiner Schreibweise ist weder (Ex,y) x=y, noch (Ex) x=x ein Satz. Falls es ein Ding gibt, warum soll man das dann durch eine Aussage über ein Ding zum Ausdruck bringen? >Ausdruck, >Darstellung, >Abbildung, >Zirkularität. Was verlockt uns zu der Annahme, es sei eine fundamentale Wahrheit, dass ein Ding mit sich selbst identisch ist? Dem Satz der Identität bin ich damit eigentlich noch nicht gerecht geworden. II 416 WittgensteinVsRussell: er war darauf aus, neben der Liste noch eine weitere "Entität" zu erhalten, also lieferte er eine Funktion, die die Identität verwendet, um diese Entität zu definieren. II 418 Identität/Substitution/Gleichheitszeichen Wittgenstein: Bsp "a = a": hier hat das Gleichheitszeichen einen speziellen Sinn - denn man würde ja nicht sagen, dass a durch a ersetzt werden kann. Gleichheitszeichen: sein Gebrauch ist auf Fälle beschränkt, in denen eine gebundene Variable vorkommt. >Gleichheitszeichen. IV 103 Identität/Bedeutung/Sinn/WittgensteinVsFrege/Tractatus: 6.232 das Wesentliche an der Gleichung ist nicht, dass die Seiten verschiedenen Sinn aber gleiche Bedeutung haben. - Sondern dass man das schon an den beiden Seiten sieht. >Gleichungen. VI 179 Identität/Wittgenstein/Schulte: Bei sich überschneidenden Schattenbildern ist die Frage sinnlos, welches nach der Trennung A bzw. B sei. VI 183 Schmerz/Identität/Kriterien/Wittgenstein/Schulte: Welches Kriterium gibt es für Identität? Nun, einfach, der der dort sitzt oder eine beliebige Beschreibung. >Beschreibung. Aber für meine Schmerzen? Kein Kriterium! >Schmerz, >Kriterien. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Identität | Wright | I 228 Identifikation/WrightVsDummett: Es ist schlicht unklar, was die "Identifizierung" eines Objekts bedeuten soll, wenn das Erkennen der Wahrheit einer Identitätsaussage, die einen Term für das Objekt enthält, nicht ausreichen soll! >Identifikation, >Referenz, >Prädikation. Es ist auch nicht strittig, dass wir abstrakte singuläre Termini in einer verständigen Weise gebrauchen. >Abstrakheit, >Singuläre Termini, >Verstehen. |
WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Identitätstheorie | Quine | II 209f KripkeVsIdentitätstheorie: vorstellbar: Schmerz ohne Gehirnzustand - für Materialisten ist das schwierig auszuschließen. - QuineVsKripke: es ist nur schwierig, wenn der Materialist an metaphysische Notwendigkeit glaubt. X 88 Identitätstheorie der Logik: Identität/Logik/Quine: Wahrheiten der Identitätstheorie Bsp „x = x“, „Ey((x = y)“ oder „~(x = y . ~(y = x))“ ((s) Symmetrie der Identität) eignen sich nicht als logische Wahrheiten gemäß unseren Definitionen der logischen Wahrheit. Grund: sie können falsch werden, wenn man „=“ durch andere Prädikate ersetzt. Konsequenz. Sollen wir die Identität also nicht zur Logik rechnen, sondern zur Mathematik? Und zwar zusammen mit „>“ und „ε“? >Gleichheitszeichen. Identität/Logik/Quine: wegen der logischen Wahrheit möchte man die Identität nicht zur Logik rechnen, aber es gibt auch Gründe dafür, sie doch dazuzurechnen: X 89 Die Identitätstheorie ist vollständig, es gibt vollständige Beweisverfahren für die Quantorenlogik mit Identität. Identitätstheorie/Axiome/Gödel: fügt man das Axiom (1) x = x und das Axiomenschema (2) ~(x = y . Fx . ~Fy) einem vollständigen Beweisverfahren für die Quantorenlogik hinzu, so ergibt sich ein vollständiges Beweisverfahren für die Quantorenlogik mit Identität. Universalität: diese Eigenschaft der Identitätstheorie lässt sie ebenfalls der Logik näher stehen als der Mathematik: sie behandelt alle Gegenstände unvoreingenommen. Das deutet darauf hin, dass die Identitätstheorie wie die Quantorenlogik besonders grundlegend ist. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Identitätstheorie | Rorty | Frank I 579 Identitätstheorie/Rorty: nicht strikte Identität sondern Beziehung der Art, wie sie zwischen bestehenden und nichtbestehenden Entitäten besteht. - Seine "Verschwindensversion" (Foucault) soll die "Übersetzungstheorie" (Smart, Armstrong) ablösen. Letztlich ist die Sprachpraxis entscheidend. >Sprachgebrauch, >Sprachverhalten, vgl. >Intentionalität/Armstrong, >J.C.Smart. Richard Rorty (I970b) : Incorrigibility as the Mark of the Mental, in: The Journal of Philosophy 67 (1970), 399-424 Dt.: Unkorrigierbarkeit als das Merkmal des Mentalen, in : Peter Bieri (Ed.) (1981): Analytische Philosophie des Geistes,Königstein 1981 (Philosophie, Analyse und Grundlegung; Bd. 6) Rorty I 136 Identitätstheorie/Rorty: RortyVsIdentitätstheorie: auch VsIdentität von Leib und Seele. Lösung: Materialismus ohne Identitätstheorie. >Materialismus, >Leib-Seele-Problem. |
Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Illusorische Korrelation | McGarty | Haslam I 238 Illusorische Korrelation/McGarty: McGarty et al. (1993)(1) fragten sich, ob der Effekt der illusorischen Korrelation mehr als nur ein Nebenprodukt der passiven Informationsverarbeitung sei, sondern vielmehr einen aktiven Prozess des Versuchs, die Reize zu verstehen, reflektieren könnte. Der Ansatz basiert auf den Ideen von Fiedler (>Illusorische Korrelation/Fiedler; Fiedler (1991)(2)) und Smith (>Illusorische Korrelation/Smith; Smith (1991(3)). McGarty: Frage: Gibt es Möglichkeiten, die den Teilnehmern präsentierten Informationen so zu interpretieren, dass die sogenannte illusorische Korrelation eigentlich keine Verzerrung der Realität war, sondern eine faire Antwort auf die den Teilnehmern präsentierten Informationen? Vgl. >Experiment/Gifford/Hamilton. These: Wenn ihnen zwei Gruppen präsentiert werden, über die vor dem Experiment nichts bekannt war, würden die Teilnehmer davon ausgehen, dass es einen Unterschied zwischen diesen Gruppen geben muss und dass sie motiviert sein würden, herauszufinden, was dieser Unterschied ist. Das heißt, da es in Ermangelung vorheriger Informationen keinen Unterschied zwischen den Gruppen gab, erwarteten wir, dass die Teilnehmer nach einer sinnvollen Möglichkeit suchen würden, die Gruppen als in irgendeiner Weise unterschiedlich zu betrachten. >Soziale Welt/McGarty, >Soziale Welt/Brunner, >Soziale Welt/James. Haslam I 239 Fiedler/Smith: Wenn die Wahrnehmenden die Hypothese vertreten, dass Gruppe A positiver als negativ ist, dann haben sie zehn Beweise, die diese Hypothese stützen (d.h. 18 - 8), aber nur fünf Haslam I 240 Beweise (d.h. 9 - 4), die die alternative Hypothese stützen, dass Gruppe B eher positiv als negativ ist. (Vgl. Fielder (1991)(2) und Smith (1991)(3); >Illusorische Korrelation/Fiedler, >Illusorische Korrelation/Smith). McGartyVsFiedler/McGartyVsSmith: These (McGarty und Turner(1992)(1): Anstatt diese Informationen einfach zu kodieren (oder zu verlieren), gehen die Wahrnehmenden über die gegebenen Informationen hinaus, um den Kontrast zwischen den beiden Gruppen zu verfeinern und zu schärfen. Test: Wenn die Leute erwarteten, dass die Gruppen, die sie sahen, unterschiedlich waren, dann bestand ihre Aufgabe darin, nach plausiblen Wegen zu suchen, um zwischen den Gruppen zu unterscheiden. Wenn dies der Fall wäre, dann sollten wir faszinierenderweise erwarten, dass wir eine Differenzierung finden, wenn es Erwartungen gibt, auch wenn es überhaupt keine Stimulusinformationen gibt. Wir haben diese Idee getestet, indem wir den Teilnehmern (a) erzählt haben, dass es doppelt so viele Aussagen über Gruppe A wie über Gruppe B gab und (b) dass es doppelt so viele positive wie negative Aussagen gab. Ergebnis: Als sie antworteten, indem sie angaben, welches Verhalten der Gruppenmitglieder sie erwarteten, gab es in fünf von sechs Tests Hinweise auf signifikante Level der illusorischen Korrelation (so dass Gruppe B negativer dargestellt wurde als Gruppe A). Wir argumentierten [in einer zweiten Studie], dass, wenn der Effekt der illusorischen Korrelation dadurch erzeugt wurde, dass die ursprünglichen Erwartungen, dass es Unterschiede zwischen den beiden Gruppen geben sollte, verstärkt wurden, wir in der Lage sein sollten, den Effekt zu eliminieren, indem wir die Motivation, solche Unterschiede zu erkennen, reduzieren. Um diese Idee zu untersuchen, haben wir Hamilton und Giffords erste Studie (>Experiment/Gifford/Hamilton) repliziert, aber den Teilnehmern gesagt, dass die große Gruppe (A) aus Rechtshändern und die kleine Gruppe (B) aus Linkshändern besteht. Wie vorhergesagt, zeigten die nachfolgenden Antworten der Teilnehmer keine Hinweise auf wahrgenommene Unterschiede zwischen den beiden Gruppen (d.h. keine Hinweise auf illusorische Korrelationen) - vermutlich weil sie nicht nach Unterschieden suchten. 1. McGarty, C., Haslam, S.A., Turner, J.C. and Oakes, P.J. (1993) ‘Illusory correlation as accentuation of actual intercategory difference: Evidence for the effect with minimal stimulus information’, European Journal of Social Psychology, 23: 391–410. 2. Fiedler, K. (1991) ‘The tricky nature of skewed frequency tables: An information loss account of distinctiveness-based illusory correlations’, Journal of Personality and Social Psychology, 60: 24–36. 3. Smith, E.R. (1991) ‘Illusory correlation in a simulated exemplar-based memory’, Journal of Experimental Social Psychology, 27: 107–23. Craig McGarty, „Stereotype Formation. Revisiting Hamilton and Gifford’s illusory correlation studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Illusorische Korrelation | Sozialpsychologie | Haslam I 236 Illusorische Korrelation/Sozialpsychologie: Ein Teil der Anziehungskraft für viele Sozialpsychologen muss darin bestehen, dass sie es uns ermöglicht, Erklärungsprinzipien aus anderen Disziplinen wie Soziologie, Politikwissenschaft und Geschichte zu vermeiden. Dennoch gab es viele Abnehmer für diese Idee (genau wie es eine Generation zuvor ein empfängliches Publikum für die Idee gegeben hatte, dass der Faschismus das Produkt eines Persönlichkeitstyps ist, der aus der Erziehungspraxis in bestimmten Kulturen stammt; nach Adorno et al., 1950)(1). Stereotypbildung / Sozialpsychologie: In den 1970er Jahren war die Sozialpsychologie bereit für eine kognitive Revolution, welche die Komplexität alternativer Beschreibungen, die hinsichtlich Sozialstruktur und laufender sozialer Beziehungen ausgearbeitet worden waren, durchbrechen würde. >Stereotype/Sozialpsychologie, >Illusorische Korrelation/Psychologische Theorien. Illusorischer Korrelationseffekt: Es wurde gezeigt, dass der Effekt sehr robust ist: Mullen und Johnson (1990)(2) zeigten, dass der Effekt signifikant, aber von geringer Größe war. Entscheidend ist, dass es sich um einen scheinbar einfachen Effekt handelt, der leicht zu erklären und zu verstehen ist und der im Labor oder Klassenzimmer leicht reproduziert werden kann. Kurz gesagt, die Studie (Hamilton und Gifford 1976(3)) enthält alle Bestandteile einer klassischen Studie. >Experiment/Gifford/Hamilton. Stereotypbildung /sGifford/VsHamilton: Es gab gute Gründe, vorsichtig zu sein, was die auf Unterscheidungskraft basierende illusorische Korrelation als Darstellung der Stereotypbildung betrifft. Haslam I 237 Illusorische Korrelation/KlausVsGifford/KlausVsHamilton/FiedlerVsGifford/FiedlerVsHamilton: (Klaus Fiedler 1991(4), und Smith (1991(5): schlugen zwei neue Darstellungen der illusorischen Korrelation vor: Keines der Modelle legte eine besondere Bedeutung für gepaartete oder doppelt unterscheidungskräftige Informationen fest. >Illusorische Korrelation/Smith, >Illusorische Korrelation/Fiedler. 1. Adorno, T.W., Frenkel-Brunswik, E., Levinson, D.J. and Sanford, R.N. (1950) The Authoritarian Personality. New York: Harper. 2. Mullen, B. and Johnson, C. (1990) ‘Distinctiveness-based illusory correlations and stereotyping: A meta-analytic integration’, British Journal of Social Psychology, 29: 11–28. 3. Hamilton, D.L. and Gifford, R.K. (1976) ‘Illusory correlation in intergroup perception: A cognitive basis of stereotypic judgments’, Journal of Experimental Social Psychology, 12: 392–407. 4. Fiedler, K. (1991) ‘The tricky nature of skewed frequency tables: An information loss account of distinctiveness-based illusory correlations’, Journal of Personality and Social Psychology, 60: 24–36. 5. Smith, E.R. (1991) ‘Illusory correlation in a simulated exemplar-based memory’, Journal of Experimental Social Psychology, 27: 107–23. Craig McGarty, „Stereotype Formation. Revisiting Hamilton and Gifford’s illusory correlation studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Imitation | Deutsch | Brockman I 115 Imitation/Deutsch: (...) unsere Vorfahren waren kaum menschlich. Dies war nicht auf eine Unzulänglichkeit in ihrem Gehirn zurückzuführen. Im Gegenteil, noch vor der Entstehung unserer anatomisch modernen menschlichen Unterart stellten sie Dinge wie Kleidung und Lagerfeuer her und nutzten dabei Wissen, das nicht in ihren Genen lag. Es wurde in ihrem Gehirn durch Denken erschaffen und von Individuen jeder Generation bewahrt, indem sie ihre Ältesten nachahmten. Darüber hinaus muss es sich um Wissen im Sinne des Verstehens gehandelt haben, denn es ist unmöglich, neue komplexe Verhaltensweisen wie diese nachzuahmen, ohne zu verstehen, wofür die Verhaltensweisen der Komponenten gedacht sind(1). Eine solche sachkundige Nachahmung hängt davon ab, dass man erfolgreich Erklärungen, ob verbal oder nicht, was die andere Person zu erreichen versucht und wie jede ihrer Handlungen dazu beiträgt, vermutet (...) Kein nichtmenschlicher Affe hat heute diese Fähigkeit, neue komplexe Verhaltensweisen nachzuahmen. Auch die heutige künstliche Intelligenz nicht. Aber unsere Vorfahren vor Sapiens taten es. >Lernen/Deutsch. 1. "Aping" ("nachäffen", das Nachahmen bestimmter Verhaltensweisen ohne Verständnis) verwendet angeborene Hacks wie z.B. das Spiegel-Neuronensystem. Aber Verhaltensweisen, die auf diese Weise imitiert werden, sind in ihrer Komplexität drastisch eingeschränkt. Siehe Richard Byrne, "Imitation as Behaviour Parsing", Philosophical Transactions of the Royal Society B 358, no. 1431 (2003): 529—36. Deutsch, D. “Beyond Reward and Punishment” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press. |
Deutsch I D. Deutsch Die Physik der Welterkenntnis München 2000 Brockman I John Brockman Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019 |
| Imitation | Girard | Krastev I 11 Imitation/Girard/Krastev: (...) Girard argumentierte (...), dass die zentrale Bedeutung der Imitation für die conditio humana von Historikern und Sozialwissenschaftlern in irreführender und gefährlicher Weise vernachlässigt worden sei. >Geschichtsschreibung, >Geschichte, >Psychologie. Er widmete seine Karriere der Frage, wie Imitation psychologische Traumata und soziale Konflikte hervorrufen kann. Dies geschieht, behauptete er, wenn das imitierte Modell zu einem Hindernis für das Selbstwertgefühl und die Selbstverwirklichung des Nachahmers wird(1). Vgl. >Imitation/Psychologie. Die Form der Imitation, die am ehesten Ressentiments und Konflikte erzeugen kann, ist nach Girard die Imitation von Wünschen. Wir imitieren nicht nur Mittel, sondern auch Ziele, nicht nur technische Instrumente, sondern auch Vorgaben, Ziele, Zielsetzungen und Lebensweisen. Dies ist seiner Meinung nach die inhärent belastende und umstrittene Form des Imitierens, die dazu beigetragen hat, den gegenwärtigen durchschlagenden antiliberalen Aufstand auszulösen. Girard zufolge wollen Menschen etwas nicht, weil es von Natur aus attraktiv oder wünschenswert ist, sondern nur, weil jemand anderes es will, eine Beobachtung, die das Ideal der menschlichen Autonomie illusorisch erscheinen lässt. >Autonomie. Die Nachahmung der Ziele anderer sei auch mit Rivalität, Ressentiments und Bedrohungen der persönlichen Identität verbunden, argumentiert Girard. >Ziele, >Ressentiment. Politik/postkommunistische Welt/Krastev: Girards Einsicht in die anhaltende Tendenz der Imitation, Ressentiments zu schüren, basiert zwar fast ausschließlich auf der Analyse literarischer Texte, ist aber dennoch von großer Relevanz, um zu verstehen, warum in der postkommunistischen Welt ein sich ausbreitender Aufstand gegen die liberale Demokratie begann. Vgl. >Dostojewski/Girard. 1. René Girard, Deceit, Desire, and the Novel: Self and Other in Literary Structure (Johns Hopkins University Press, 1976); Battling to the End: Conversations with Benoît Chantre (Michigan State University Press, 2009). |
Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Imitation | Holmes | Krastev I 8 Imitation/Krastev/Holmes: (...) Wir sollten die Imitation von Mitteln von der Imitation von Zielen trennen. Die Entlehnung technischer Mittel beeinträchtigt die Identität nicht, zumindest nicht kurzfristig, während die Imitation moralischer Ziele tiefer geht und einen viel radikaleren Transformationsprozess in Gang setzen kann, der einer "Bekehrungserfahrung" nahe kommt. Beim Wiederaufbau ihrer Gesellschaften nach 1989 waren die Mitteleuropäer bestrebt, die Lebensstile und moralischen Einstellungen zu replizieren, die sie im Westen beobachteten. Die Chinesen hingegen haben einen Weg eingeschlagen, der dem von >Veblen nicht unähnlich ist, indem sie westliche Technologien übernehmen, um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben und das Ansehen der Kommunistischen Partei zu stärken, mit dem ausdrücklichen Ziel, dem Sirenengesang des Westens zu widerstehen. Die Imitation moralischer Ideale lässt einen im Gegensatz zur Entlehnung von Technologien dem ähneln, den man bewundern. Es lässt einen aber gleichzeitig weniger wie sich selbst aussehen in einer Zeit, in der Einzigartigkeit und das Festhalten an einer Gruppe im Mittelpunkt des Kampfes um Würde und Anerkennung stehen. Krastev I 10 Ein wichtiger Grund, warum kosmetisch imitierendes Verhalten im politischen Leben so verbreitet ist, liegt darin, dass es den Schwachen hilft, stärker zu erscheinen, als sie sind - dies ist eine nützliche Form der Imitation, um in feindseliger Umgebung zu überleben. Es lässt die Nachahmer auch für diejenigen lesbar erscheinen, die ihnen sonst helfen, sie verletzen oder an den Rand drängen könnten. In der Welt nach dem Kalten Krieg ermöglichen "Englisch lernen, Kopien der föderalistischen Papiere auslegen, Armani-Anzüge tragen, Wahlen abhalten" - und, um an Jowitts Lieblingsbeispiel zu erinnern, "Golf spielen"(1) - den nicht-westlichen Eliten nicht nur, ihre mächtigen westlichen Gesprächspartner zu beruhigen, sondern auch wirtschaftliche, politische und militärische Ansprüche an sie zu stellen. Krastev I 11 Russland: In Moskau war die Situation natürlich anders. Dort wurde der Kommunismus nie als Fremdherrschaft erlebt, und so konnte die Imitation des Westens nicht plausibel als Wiederherstellung der authentischen nationalen Identität des Landes dargestellt werden. Krastev I 25 Da die mitteleuropäischen Eliten in der Imitation des Westens einen weit zurückgelegten Weg zur "Normalität" sahen (>Revolution/Michnik, >Revolution/Krastev, >Kommunismus/Havel), war ihre Akzeptanz des Imperativs zur Imitation des Kalten Krieges nach dem Kalten Krieg völlig spontan, freiwillig und aufrichtig. >Normalität/Krastev. Krastev I 73 Imitation/Postkommunistische Länder/Krastev: Da Nachahmernationen gesetzlich autorisierte Plagiatoren sind, müssen sie regelmäßig den Segen und die Zustimmung derjenigen einholen, die das Urheberrecht an den politischen und wirtschaftlichen Rezepten besitzen, die ausgeliehen und aus zweiter Hand verwendet werden. Sie müssen auch unwidersprochen das Recht der Menschen im Westen akzeptieren, ihren Erfolg oder Misserfolg bei der Erfüllung westlicher Standards zu bewerten. Die überraschende Passivität Brüssels angesichts der ungeheuerlichen Verletzungen der richterlichen und presserechtlichen Unabhängigkeit sowohl in Polen als auch in Ungarn bedeutet, dass dies kein praktisches, sondern ein symbolisches Problem ist. 1. Ken Jowitt, ‘Communism, Democracy, and Golf’, Hoover Digest (30 January 2001). |
LawHolm I Oliver Wendell Holmes Jr. The Common Law Mineola, NY 1991 Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Imitation | Krastev | Krastev I 8 Imitation/Krastev: (...) Wir sollten die Imitation von Mitteln von der Imitation von Zielen trennen. Die Entlehnung technischer Mittel beeinträchtigt die Identität nicht, zumindest nicht kurzfristig, während die Imitation moralischer Ziele tiefer geht und einen viel radikaleren Transformationsprozess in Gang setzen kann, der einer "Bekehrungserfahrung" nahe kommt. Beim Wiederaufbau ihrer Gesellschaften nach 1989 waren die Mitteleuropäer bestrebt, die Lebensstile und moralischen Einstellungen zu replizieren, die sie im Westen beobachteten. Die Chinesen hingegen haben einen Weg eingeschlagen, der dem von >Veblen nicht unähnlich ist, indem sie westliche Technologien übernehmen, um das Wirtschaftswachstum voranzutreiben und das Ansehen der Kommunistischen Partei zu stärken, mit dem ausdrücklichen Ziel, dem Sirenengesang des Westens zu widerstehen. Die Imitation moralischer Ideale lässt einen im Gegensatz zur Entlehnung von Technologien dem ähneln, den man bewundern. Es lässt einen aber gleichzeitig weniger wie sich selbst aussehen in einer Zeit, in der Einzigartigkeit und das Festhalten an einer Gruppe im Mittelpunkt des Kampfes um Würde und Anerkennung stehen. Krastev I 10 Ein wichtiger Grund, warum kosmetisch imitierendes Verhalten im politischen Leben so verbreitet ist, liegt darin, dass es den Schwachen hilft, stärker zu erscheinen, als sie sind - dies ist eine nützliche Form der Imitation, um in feindseliger Umgebung zu überleben. Es lässt die Nachahmer auch für diejenigen lesbar erscheinen, die ihnen sonst helfen, sie verletzen oder an den Rand drängen könnten. In der Welt nach dem Kalten Krieg ermöglichen "Englisch lernen, Kopien der föderalistischen Papiere auslegen, Armani-Anzüge tragen, Wahlen abhalten" - und, um an Jowitts Lieblingsbeispiel zu erinnern, "Golf spielen"(1) - den nicht-westlichen Eliten nicht nur, ihre mächtigen westlichen Gesprächspartner zu beruhigen, sondern auch wirtschaftliche, politische und militärische Ansprüche an sie zu stellen. Krastev I 11 Russland: In Moskau war die Situation natürlich anders. Dort wurde der Kommunismus nie als Fremdherrschaft erlebt, und so konnte die Imitation des Westens nicht plausibel als Wiederherstellung der authentischen nationalen Identität des Landes dargestellt werden. Krastev I 25 Da die mitteleuropäischen Eliten in der Imitation des Westens einen weit zurückgelegten Weg zur "Normalität" sahen (>Revolution/Michnik, >Revolution/Krastev, >Kommunismus/Havel), war ihre Akzeptanz des Imperativs zur Imitation des Kalten Krieges nach dem Kalten Krieg völlig spontan, freiwillig und aufrichtig. >Normalität/Krastev. Krastev I 73 Imitation/Postkommunistische Länder/Krastev: Da Nachahmernationen gesetzlich autorisierte Plagiatoren sind, müssen sie regelmäßig den Segen und die Zustimmung derjenigen einholen, die das Urheberrecht an den politischen und wirtschaftlichen Rezepten besitzen, die ausgeliehen und aus zweiter Hand verwendet werden. Sie müssen auch unwidersprochen das Recht der Menschen im Westen akzeptieren, ihren Erfolg oder Misserfolg bei der Erfüllung westlicher Standards zu bewerten. Die überraschende Passivität Brüssels angesichts der ungeheuerlichen Verletzungen der richterlichen und presserechtlichen Unabhängigkeit sowohl in Polen als auch in Ungarn bedeutet, dass dies kein praktisches, sondern ein symbolisches Problem ist. 1. Ken Jowitt, ‘Communism, Democracy, and Golf’, Hoover Digest (30 January 2001). |
Krastev I Ivan Krastev Stephen Holmes The Light that Failed: A Reckoning London 2019 |
| Imperative | Geach | I 275f Befehl/Moral/Logik/Geach: ein Behauptungsstrich kann nicht in einem Wenn-Satz stehen. - "Wenn du möchtest..." das sind echte Imperative, nur grammatisch ein hypothetischer Satz. - Der Wunsch selbst hat mit den Wahrheitsbedingungen überhaupt nicht zu tun. - Aber eine Äußerung wird nicht leer qua Imperativ, bloß weil er nicht erfüllt werden kann. I 282 Imperative/Logik/Geach: schwierige Probleme: "Tu x oder tu y!" kann nicht interpretiert werden als "Ich befehle x oder ich befehle y" - Analog zu Behauptungen: l- p v q kann nicht interpretiert werden als l-p oder l-q. (Zeichenerklärung: l-: Behauptungsstrich). Lösung/Hare/Geach: Unterscheidung Neustikon/Phrastikon (> Hare, R. M.) - Bsp >Phrastikon: ist identisch in "Tu x oder tu y" und "Du wirst x tun oder du wirst y tun". - Phrastikon: "Dein zukünftiges Tun von entweder x oder y" - >Neustikon: "Bitte!" oder "Ja". (assertorisch). Disjunktion/Geach: sie gehört zum Phrastikon (tropic) - Neustikon/neustic: wird zum Phrastikon als Ganzem hinzugefügt, nicht dem einen oder anderen Disjunkt. Zoglauer I 23 Def Phrastikon/tropic/Hare: deskriptiver Bestandteil eines Normsatzes Def Neustikon/neustic/Hare: präskriptiver Bestandteil eines Normsatzes. |
Gea I P.T. Geach Logic Matters Oxford 1972 |
| Imperative | Habermas | III 404 Imperative/Kommunikatives Handeln/Habermas: für den Fall von Imperativen, die einen Machtanspruch des Sprechers involvieren, d.h. eine mögliche Sanktionierung beinhalten, müssen wir die Sanktionsbedingungen kennen. >Verstehen/Habermas, >Akzeptierbarkeit/Habermas. Ein Hörer versteht die Aufforderung, das Rauchen einzustellen, wenn er (a) die Bedingungen kennt unter denen er den erwünschten Zustand herbeiführen kann, und (b) die Bedingungen kennt, unter denen der Sprecher gute Gründe hat zu erwarten, dass der Hörer sich gezwungen sieht, sich dem Willen des Sprechers zu fügen. Dann weiß er, was die Äußerung akzeptabel macht. >Akzetierbarkeit, >Verstehen, >Verständigung. III 405 Innerhalb eines normenregulierten Rahmens erweitern sich die Bedingungen auf die Kenntnis der relevanten Normen und ihrer aktuellen Geltung sowie die Kenntnis der Konsequenzen, die eine Nichtbeachtung nach sich zieht. IV 51 Imperative/Habermas: Mit Imperativen wie mit Ankündigungen will der Sprecher keinen Konsens erzielen, sondern auf Handlungssituationen Einfluss nehmen. Imperative bringen nur die Absichten eines an Konsequenzen orientierten Sprechers zum Ausdruck. >Absicht, >Intentionen. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Implikation | Stalnaker | I 34 Def Implikation/Proposition/Stalnaker: (hier): A impliziert B gdw. eine Menge bestehend aus A und einer Kontradiktion von B nicht konsistent ist. >Konsistenz/Widerspruchsfreiheit. |
Stalnaker I R. Stalnaker Ways a World may be Oxford New York 2003 |
| Indexikalität | Husserl | Chisholm II 140 Indexikalität/Husserl: Verstehen erfolgt über Namen. Indexikalität involviert zwei verschiedene Akte: 1. bedeutungsverleihend und 2. Wahrnehmungsakte. >Wahrnehmung, >Bedeutung, >Benennen, >Indexwörter, >Intentionalität. |
E. Husserl I Peter Prechtl Husserl zur Einführung, Hamburg 1991 (Junius) II "Husserl" in: Eva Picardi et al., Interpretationen - Hauptwerke der Philosophie: 20. Jahrhundert, Stuttgart 1992 Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |
| Indexwörter | Burge | Frank I 684 Indexwörter/indexikalische Spezifikation/mentale Zustände/Zwillingserde/Burge/Bruns: a) Die mentalen Zustände werden mit indexikalischen Ausdrücken identifiziert: Bsp "Dies ist Wasser". (Individuation). b) Sie werden nichtindexikalisch identifiziert: Bsp "Wasser ist eine Flüssigkeit". Fazit: Wenn nichtindexikalisch, dann können sie nicht zur Verhaltenserklärung benutzt werden, weil sie ihren Inhalt nicht individuieren. BurgeVsPutnam: zwar behandelt er keine Glaubenszustände, sein Argument funktioniert aber nur, weil er Terme, die natürliche Arten ausdrücken, wie indexikalische Terme analysiert. Frank I 685 Burge These: Auch bei der Individuation nichtindexikalischer mentaler Zustände muss auf externe Gegenstände Bezug genommen werden. "Antiindividualismus" (= Externalismus). Enge Inhalte genügen nicht zur Individuation sie müssen vielmehr selbst durch "weite Inhalte" individuiert werden. >Individuation, >Enger/weiter Inhalt. Inhalt/Zwillingserde/Burge/Bruns: Wenn es auf der Zwillingserde kein Aluminium gibt, hat Hermanns Überzeugung, dass Aluminium ein Metall ist, einen anderen Inhalt. (DavidsonVs: Man kann "Mond" auch verstehen, ohne ihn jemals gesehen zu haben). Weder er noch sein Doppelgänger kennen die atomare Struktur von Aluminium bzw. Zwillingserden-Aluminium. >Zwillingserde. Burges Argument hängt nun ganz davon ab, ob wir bereit sind, den beiden dennoch Überzeugungen über die entsprechenden Leichtmetalle zuzuschreiben. Frank I 707 "hier"/Zwillingserde/Burge: Bsp ich weiß, dass ich hier (anders: auf der Erde!) bin. Mein Wissen beinhaltet mehr als das bloße Wissen, dass ich weiß, dass ich da bin, wo ich bin. Ich habe die normale Fähigkeit, über meine Umgebung nachzudenken. Und ich habe dieses Wissen, weil ich meine - und nicht andere vorstellbare Umgebungen wahrnehme. Tyler Burge (1988a): Individualism and Self-Knowledge, in: The Journal of Philosophy 85 (1988), 649-663 |
Burge I T. Burge Origins of Objectivity Oxford 2010 Burge II Tyler Burge "Two Kinds of Consciousness" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Indexwörter | Peirce | Berka I 29 Index/Indikator/Peirce: Bsp Ausgestreckter Zeigefinger. - Physikalisches Anzeichen: sagt nicht aus, sagt nur "da!" >Indexikalität, >Ostension, >Zeigen, >Hinweisende Definition. I 30 Schlussfolgerung/Peirce: Schlussfolgerung braucht zusätzlich zu Symbol (für Wahrheit) und Index (beide zusammen zur Satzbildung) noch das 3. Zeichen: Icon: denn Folgerung besteht in der Beobachtung, dass dort, wo gewisse Relationen bestehen, gewisse andere Relationen gefunden werden können. >Schlussfolgerung, >Symbol, >Icons, >Relationen. Diese Relationen müssen durch ein Icon dargestellt werden. - Bsp Der Mittelbegriff des Syllogismus muss tatsächlich in beiden Prämissen auftreten.(1) >Syllogismen, >Prämissen. I 31 Bsp Die Leerstellen, die mit Symbolen (x,y...) gefüllt werden müssen, sind Indices von Symbolen.(1) >Variablen, >Konstanten, Individuenvariablen, >Individuenkonstanten, >Logische Verknüpfungen, >Logische Formeln. 1. Ch. S. Peirce, On the algebra of logic. A contribution to the philosophy of notation. American Journal of Mathematics 7 (1885), pp. 180-202 – Neudruck in: Peirce, Ch. S., Collected Papers ed. C. Hartstone/P. Weiss/A. W. Burks, Cambridge/MA 1931-1958, Vol. III, pp. 210-249 |
Peir I Ch. S. Peirce Philosophical Writings 2011 Berka I Karel Berka Lothar Kreiser Logik Texte Berlin 1983 |
| Indexwörter | Perry | Frank I 22 PerryVsFrege: "heute" ist kein komplettierender oder "sättigender" Sinn, er ist überhaupt kein Sinn, sondern ein Bezugsgegenstand. - Die Bedeutung bleibt, die Referenz variiert. >Indexikalität, >Bedeutung, >Referenz, >Sinn, >Kontextabhängigkeit. Frank I 393f Index-Wörter/Perry: Index-Wörter haben keine Zeigekomponente. Demonstrativa: haben eine Zeigekomponente. >Demonstrativa. Bedeutung von Index-Wörtern: ihre Rolle. - Diese entspricht dem Verfahren zur Bestimmung des Gegenstands. >Rollen, >Verifikation, >Identifikation, >Individuation. I 394f Heute/Bedeutung: Die Bedeutung ist konstant, der Wahrheitswert mit Indexwort "heute ist es schön": ist nicht konstant, also ist der Sinn wechselnd - wenn Verstehen das Kennen des Wahrheitswerts ist. >Wahrheitswert, >Verstehen, vgl. >Wahrheitsbedingungen, >Verstehen/Dummett. Perry: Die Rolle (das Bestimmungsverfahren) wechselt, die Bedeutung ist konstant. - Dann kann die Bedeutung kein Bestandteil des Gedankens sein! >Bedeutung, >Gedanken. Was der Sprecher glaubt, ist für die Bedeutung des Index-Worts irrelevant. >Glauben, >Selbstidentifikation, >Selbstwissen. Hector-Neri Castaneda (1987b): Self-Consciousness, Demonstrative Reference, and the Self-Ascription View of Believing, in: James E. Tomberlin (ed) (1987a): Critical Review of Myles Brand's "Intending and Acting", in: Nous 21 (1987), 45-55 James E. Tomberlin (ed.) (1986): Hector-Neri.Castaneda, (Profiles: An International Series on Contemporary Philosophers and Logicians, Vol. 6), Dordrecht 1986 Frank I 419 Indexwörter/Perry: wahr-falsch-Prüfung hilft nicht! - Bsp Zwei verirrte Wanderer: dass der Berg Tatzmann höher als der Berg die Gretchenspitze ist, wird von allen bejaht. - ((s) Das setzt voraus, dass die beiden nicht in Sichtweite nebeneinander stehen.) Perry: Es gibt keinen Berg, den alle für den Tatzmann halten, keinen Kunden, von dem alle glauben, dass er die Schweinerei gemacht hat - keinen Professor, der sich nicht schuldig fühlt (weil er nicht weiß, wieviel Uhr es ist). - Was die Leute hier gemeinsam haben, ist nicht, was sie glauben! >Wanderer-Beispiel. Frank I 394ff Sinn/Perry: Sinn wird oft als Begriff verstanden. - Dann ist die Frage: ist der Sinn von Index-Wörtern mit einem Individual-Begriff oder einem allgemeinen Term gleichzusetzen? >Sinn, >Begriffe, >Allgemeine Termini, >Singuläre Termini. |
Perr I J. R. Perry Identity, Personal Identity, and the Self 2002 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Indirekte Rede | Frege | Dummett III 7 Teilsatz/indirekte Rede/Frege: Hier stehen singulare Terme nicht für den Gegenstand, sondern für ihren Sinn. Dies ist der einzige Fall, wo der (Teil-)Satz für die Proposition steht. Tradition: Teilsätze sind nicht wahrheitsfunktional. (FregeVs). >Singuläre Termini, >Gegenstände, >Sinn, >Gedanke, >Fregescher Sinn, >Teilsätze, >Wahrheitsfunktionen, >Propositionen, >Dass-Sätze. |
F I G. Frege Die Grundlagen der Arithmetik Stuttgart 1987 F II G. Frege Funktion, Begriff, Bedeutung Göttingen 1994 F IV G. Frege Logische Untersuchungen Göttingen 1993 Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Indirekte Rede | Lyons | I 177 Indirekte Rede/Lyons: In der Antike (Latein) kam es durchaus vor, dass eine ganze Rede als indirekt widergegeben wurde, wobei jeder Abschnitt nach traditioneller Auffassung als getrennt aufgefasst werden muss. Alle sind einzeln abhängig von einem „Verb des Sagens“. I 257 Indirekte Rede/Tradition/Lyons: Bsp Dico te venisse (Ich sage, dass du kamst) kann in zwei Stufen erzeugt werden: 1. Direkte Form: Tu venisti 2. Indirekte Form durch „dico“. Chomsky: Es ist nicht der Satz selbst, sondern die (Tu) venisti zugrundeliegende Tiefenstruktur, die als Objekt zu dico “eingebettet” wird. >Einbettung, >Tiefenstruktur. Einbettung/indirekte Rede/Latein/Tradition/Mehrdeutigkeit/Lyons: Es ist bekannt, dass die Einbettung in indirekte Rede zu einer Mehrdeutigkeit führen kann: Bsp Dico Clodiam amare Catullum. ((s) Jeder kann sowohl Subjekt als auch Objekt sein). Neutralisierung/Problem: Beide Nomina stehen hier im Akkusativ. Vgl. >Zitate. |
Ly II John Lyons Semantics Cambridge, MA 1977 Lyons I John Lyons Einführung in die moderne Linguistik München 1995 |
| Individuation | Lewis | IV 58 Relation/Individuation/Lewis: Relationen werden gewöhnlich durch Koextension individuiert. I-Relation/R-Relation/Lewis: These: Die beiden Relationen sind identisch, weil sie koextensiv sind. Erklärung: Def R-Relation/Identität/Kontinuität/Person/Lewis: Eine R-Relation ist eine bestimmte Relation und Verbundenheit unter Person-Zuständen. Frage: Welche Zustände werden den Zustand überleben, in dem Sie sich diese Frage stellen? Bsp Wenn sie aus einem Duplikator herausspaziert kommen, wer werden Sie sein, der, der aus der rechten oder aus der linken Tür herauskommt, oder beide? IV 58/59 Der Alltagsverstand sagt allerdings etwas anderes: Er fragt sich, ob die dauerhafte Person, die aus den gegenwärtigen Zuständen zusammen mit vielen anderen Zuständen besteht, nach dem Kampf fortbestehen werden. Wird man mit jemand identisch sein, der nach dem Kampf lebt? So gesehen scheinen Kontinuität und Identität nicht miteinander zu versöhnen. Lösung: Wir dürfen nicht den formalen Charakter der Identität selbst mit dem formalen Charakter der Relation R vergleichen. Natürlich ist die Relation nicht dasselbe wie die Identität. Wir müssen statt dessen die I-Relation mit der R-Relation vergleichen. Def I-Relation/Lewis: Frage: Welche der dauerhaften Personen sind identisch mit den früheren? Aber genauso gibt es natürlich auch I-Relationen zwischen den einzelnen Zuständen! (s.u. I-Relationen bestehen auch zwischen mehreren Dingen (anders als Identität). These: Jeder Zustand (einer Person) ist I-relativ und R-relativ zu genau denselben Zuständen. Und zwar auch für alle möglichen Problemfälle. >Identität, >Identifikation, >Identitätsbedingungen. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 |
| Individuation | Perry | Frank I 406 Wahrheitswert/Wahrheitsbedingung: gleicher Wahrheitswert reicht nicht zur Individuation von Überzeugungen oder von Propositionen: Bsp Milch ist weiß, See ist salzig: hier haben wir gleiche Wahrheitswerte, aber verschiedene Wahrheitsbedingungen. >Wahrheitswert, >Wahrheitsbedingungen, >Überzeugungen, >Propositionen, >Verstehen, >Wissen. John Perry (1979): The Problem of the Essential Indexicals, in : Nous 13 (1979), 3-21 |
Perr I J. R. Perry Identity, Personal Identity, and the Self 2002 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Individuation | Simons | I 129 Individuation/Ontologie/Simons: Bloße Bindestrich-Wörter begründen keine neue Ontologie, weil diese nicht ohne die Teile individuiert werden können. >Epistemisch/ontologisch, >Definitionen, >Definierbarkeit, >Ontologie. I 186 Individuation/Mereologie/Simons: Für die Individuation sind mereologische Begriffe wichtig. Bsp Um zu erfahren, was Fido ist, müssen wir entscheiden können, was zu einer bestimmten Zeit ein Teil von ihm ist, was mit ihm überlappt und was von ihm getrennt ist. >Mereologie, >Teile. Problem: Fido selbst ist nicht mereologisch konstant. Lösung: Wir müssen wissen, innerhalb welcher Grenzen Stoffwechsel (Metabolismus) zulässig ist. Art: Die Art legt nicht fest, welche bestimmten Teile das Ding hat, aber welchen Typ Teile es normalerweise hat und in welchen Relationen diese normalerweise zueinander stehen. >Type/Token. |
Simons I P. Simons Parts. A Study in Ontology Oxford New York 1987 |
| Individuen | Bigelow | I 40 Individuum/Einzelding//Bigelow/Pargetter: Ein Einzelding ist etwas, das per definitionem niemals instanziiert wird. >Instanziierung. Dagegen: Eigenschaft/Bigelow/Pargetter: Eine Eigenschaft ist etwas, das per definitionem instanziiert wird und zwar von Dingen, die ihrerseits niemals instanziiert werden (von Individuen). I 48 Individuum/Bigelow/Pargetter: Zu den Individuen gehören auch Messentermini wie Bsp Plutonium. Vgl. >Natürliche Art. I 209 Individuen/Mögliche Welt /Variante/Bigelow/Pargetter: wir könnten auch Individuen dadurch spezifizieren, dass wir ihre Position im Verlauf ihrer Existenz beschreiben. >Mögliche Welten. Durch eine (unendliche) Folge von Quadrupeln. >Vierdimensionalismus. Es gibt viele Varianten, darunter auch ökonomischere. Wir können alle Positionen eines Teilchens in einer Funktion zusammenfassen. Das geht auch für andere Eigenschaften, die wir einem Teilchen zuschreiben. So können wir ein Teilchen nicht nur mit Zahlen kombinieren, sondern auch mit ganzen Funktionen. Funktion: Diese Funktionen könnten die Veränderungen des Teilchens beschreiben. >Funktionen. Ein Buch für eine so beschriebene Welt könnte ein Hilbert-Raum sein. Aber ein Buch ist noch keine Welt! Ein Buch für die aktuale Welt bestünde aus zwei Komponenten: 1. einer Welt-Eigenschaft, bzw. einem maximal spezifische strukturellen Universale 2. zu etwas, das dieses Universale instanziiert, das ist die Welt selbst. Das gilt für die aktuale Welt! Andere mögliche Welten korrespondieren einem Universale, aber dieses ist nicht instanziiert, so dass es hier keine Welt gibt. Repräsentation/Bigelow/Pargetter: nun könnten die Zahlen, die diese Welteigenschaften repräsentieren, als allzu abstrakt erscheinen. I 210 Sie sind es aber nicht! Denn sie repräsentieren die Proportionen, in denen die Eigenschaften der Teile zueinander stehen, die wir als Einheiten gewählt haben. >Proportionen. |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Individuen | Idealismus | Adorno XIII 128 Erfahrung/Individuum/Kant/Hegel/Idealismus/Adorno: Ende der der neunziger Jahre des 18. Jahrhunderts und im Werk des reifen Hegel tritt ein Geistbegriff auf, den wir als geistige Erfahrung umschreiben können. Ein solcher Begriff hätte bei Kant keine Stätte gehabt. >Geist, >Geist/Kant, >Geist/Hegel, >Subjekt/Kant, >Subjekt/Hegel. Individuum/Kant/Adorno: Der Begriff des Individuums als eines Inkommensurablen hat zumindest theoretisch im 18. Jahrhundert noch nicht existiert. Individuum/Hegel/Adorno: Wo Hegel eine antiindividualistische Wendung vollzieht, ist sie eher als reaktiv gegen die Romantik als ein Protest gegen die Überwertigkeit jener Inkommensurabilität des Individuellen zu verstehen. >Ich/Kant, >Subjekt/Kant, >Individuum/Hegel, >Ich/Fichte. |
A I Th. W. Adorno Max Horkheimer Dialektik der Aufklärung Frankfurt 1978 A II Theodor W. Adorno Negative Dialektik Frankfurt/M. 2000 A III Theodor W. Adorno Ästhetische Theorie Frankfurt/M. 1973 A IV Theodor W. Adorno Minima Moralia Frankfurt/M. 2003 A V Theodor W. Adorno Philosophie der neuen Musik Frankfurt/M. 1995 A VI Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften, Band 5: Zur Metakritik der Erkenntnistheorie. Drei Studien zu Hegel Frankfurt/M. 1071 A VII Theodor W. Adorno Noten zur Literatur (I - IV) Frankfurt/M. 2002 A VIII Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 2: Kierkegaard. Konstruktion des Ästhetischen Frankfurt/M. 2003 A IX Theodor W. Adorno Gesammelte Schriften in 20 Bänden: Band 8: Soziologische Schriften I Frankfurt/M. 2003 A XI Theodor W. Adorno Über Walter Benjamin Frankfurt/M. 1990 A XII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 1 Frankfurt/M. 1973 A XIII Theodor W. Adorno Philosophische Terminologie Bd. 2 Frankfurt/M. 1974 |
| Individuen | Liberalismus | Gaus I 116 Individuen/traditioneller Liberalismus/Gaus/Mack: Die Freiheitstradition ist normativ individualistisch, indem sie den getrennten Wert jedes Individuums bejaht. Dieser normative Individualismus liegt einem Beharren auf der Illegitimität von Handlungen und Politiken zugrunde, die einigen Individuen Verluste auferlegen für die Bereitstellung umfassenderer Vorteile für andere (Nozick, 1974(1): 28-35). UtilitarismusVsLiberalismus: Es mag den Anschein haben, dass utilitaristische Mitglieder der Tradition dem entgegenstehen: Utilitaristen bestehen darauf, dass nur das größte Gesamtglück wertvoll ist, und so scheint es, dass Individuen normativ nur als Mittel zur Aggregatszufriedenheit wichtig sind. LiberalismusVsVs: Dies mag zwar in der Moraltheorie die Crux des Utilitarismus sein, aber nicht in der Tradition der Freiheit. Ontologischer Individualismus: Darüber hinaus ist die Freiheitstradition insofern ontologisch individualistisch, als sie Individuen, nicht Klassen, Rassen oder Nationen, braucht, um letztlich die einzigen Orte des Wertes, die einzigen wirklichen Akteure, die einzig wahren Träger von Rechten und Pflichten zu sein (vgl. Bentham, 1987(2): Kap. 1, S. 4; Buchanan und Tullock, 1965(3): 11-12). Nur Individuen treffen Entscheidungen; es gibt buchstäblich keine "soziale Wahl" (de Jasay, 1991(4): 57-9). Man geht davon aus, dass normativer Individualismus - die getrennte Bedeutung des Lebens, des Wohlbefindens oder der Präferenzzufriedenheit eines jeden Individuums - durchsetzbare moralische Ansprüche aller Individuen gegen Eingriffe unterstützt, die ihr Leben, ihr Wohlbefinden oder ihre Präferenzzufriedenheit beeinträchtigen. Ein moralischer Anspruch gegen Einmischungen durch andere ist grundlegend für die Freiheitstradition (Nozick, 1974(1): 30ff; Machan, 1989(5): 7ff). Rechtlicher Individualismus: Die Freiheitstradition betrachtet die individuelle Freiheit als die zentrale politische oder rechtliche Norm (Robbins, 1961(6): 104). Individuelle Freiheit ist das, was jedes Individuum legitimerweise von jedem anderen Individuum verlangen kann. >Eigentum/Liberalismus. 1. Nozick, Robert (1974) Anarchy, State and Utopia. New York: Basic. 2. Bentham, Jeremy (1987) Introduction to the Principles of Morals and Legislation. In Utilitarianism and Other Essays, ed. Alan Ryan. Harmondsworth: Penguin. 3. Buchanan, James M. and Gordon Tullock (1965) The Calculus of Consent: Logical Foundations of Constitutional Democracy. Ann Arbor, MI: University of Michigan Press. 4. De Jasay, Anthony (1991) Choice, Contract and Consent: A Restatement of Liberalism. London: Institute of Economic Affairs. 5. Machan, Tibor (1989) Individuals and Their Rights. La Salle, IL: Open Court. 6. Robbins, Lord (1961) The Theory of Economic Policy in Classical English Political Economy. London: Macmillan. Mack, Eric and Gaus, Gerald F. 2004. „Classical Liberalism and Libertarianism: The Liberty Tradition.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. Brocker I 683 Individuen/Liberalismus/Barber: Barber These: Kern des Liberalismus sei ein instrumentelles Demokratieverständnis. Politik sei danach dazu da, die Individuen gegen äußere Eingriffe zu schützen und diesen Schutz so zu bewerkstelligen, dass dies mit den vermeintlich unveränderlichen Eigenschaften der Individuen verträglich ist. Hierbei fasse der Liberalismus die Eigenschaften der Individuen tendenziell in pessimistischen Beschreibungen. Demokratie werde dann zum Mittel zu liberalen Zwecken, das heißt zu Zwecken von homines oeconomici, und je nach Zweckdienlichkeit akzeptiert. (1) Siehe Liberalismus/Barber. 1. Benjamin Barber, Strong Democary, Participatory Politics for a New Age, Berkeley CA, 1984, Dt. Benjamin Barber, Starke Demokratie. Über die Teilhabe am Politischen, Hamburg 1994, S. 56. Michael Haus, „Benjamin Barber, Starke Demokratie“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Individuen | Mayr | I 205 Entstehen von Individuen/Biologie/Mayr: Def Parthenogenese: Asexualität: Bei manchen Organismen entwickeln sich Individuen von selbst aus den Eiern, eine Befruchtung ist nicht nötig. Bsp Blattläuse, Planktonkrustentiere: hier wechseln sich sexuelle und asexuelle Generationen ab. I 206 Sexualität: steigert Vielfalt und damit Abwehr gegen Krankheiten. I 207 Pangenesistheorie: (alt) Theorie, nach der jede Körperzelle Erbmaterial beisteuert. Diese Theorie herrschte von Aristoteles bis zum 19. Jahrhundert. PräformationVsEpigenesis: Schon bei Aristoteles, dann bis zum 19. Jahrhundert. (s.u.) I 208 VsAristoteles: Aristoteles glaubte fälschlich, nur weibliche Organismen könnten Eier besitzen. >Aristoteles. i 209 Ei: Das eigentliche Säugetierei wurde erst 1828 von Karl Ernst von Baer(1) entdeckt. Man erkannte, dass der Eierstock das Gegenstück zum Hoden darstellt. DNA: Die DNA wurde entdeckt von Johann Friedrich Miescher (19. Jahrhundert). I 211 Def Präformation: Eier bringen Individuen derselben Art hervor. Daher schloss man, dass Ei oder Spermium bereits eine Miniaturausgabe des zukünftigen Organismus sei. Logische Folge: In diesem Organismus müssten wiederum alle zukünftigen Nachkommen in Miniaturausgabe enthalten sein. (Verschachtelung). Zahlreiche zeitgenössische Abbildungen zeigten solche kleinen Miniaturmenschen (Homunculi) im Spermatozoon. I 212 Def Epigenesis: Man glaubte, die Entwicklung entstehe aus einer gänzlich ungeformten Masse:"vis essentialis". Jede Art habe ihre eigene eigentümliche "wesentliche Kraft". Das stand den von den Physikalisten beschriebenen einheitlichen Kräften wie z.B. der Schwerkraft völlig entgegen. Def Epigenese: Entwicklung während der Lebensgeschichte des Individuums, im Gegensatz zur Ontogenese und Phylogenese (Stammesgeschichte). >Epigenese. Dennoch setze sich die Epigenesis in der Kontroverse durch. Lösung erst im 20. Jahrhundert: Unterschied zwischen Def Genotyp (genetische Konstitution des Individuums) und Def Phänotyp (Gesamtheit der wahrnehmbaren Merkmale). Zelle: Wie kommt es, dass sich die Nervenzelle so vollkommen anders entwickelt, als eine Zelle des Verdauungstraktes? I 214 Zellteilung : Wilhelm Roux (1883)(2) schließt auf komplexe Innendifferenzierung der Zelle: Lösung: Partikel müssten auf einem Faden aufgereiht sein, und dieser geteilt! Das wurde später bestätigt. Zelle: Die Zelle durchläuft einen Differenzierungsprozess, stets ist nur eine kleiner Teil der Gene im Kern aktiv. Zellentwicklung: Bei Taxa mit Regulationsentwicklung (z.B. Wirbeltieren) gibt es keine festgelegten frühen Zelllinien, sondern ausgedehnte Zellwanderung. Induktion (Einfluss schon bestehender Gewebe auf die Entwicklung anderer Gewebe) bestimmt größtenteils die Spezifizierung der Zellen. Zellwanderung: Pigment- und Nervenzellen machen ausgedehnte Wanderungen durch den Organismus durch. Oft folgen sie eindeutigen chemischen Reizen. 1. E. v. Baer (1828). Entwickelungsgeschichte der Thiere: Beobachtung und Reflexion. Königsberg: Bornträger. 2. W. Roux (1883). Über die Bedeutung der Kerntheilungsfiguren. Leipzig: Engelmann. |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Individuen | Schleiermacher | Gadamer I 193 Individuum/Autorschaft/Verstehen/Hermeneutik/Schleiermacher/Gadamer: [Es ist] Schleiermachers Voraussetzung, dass jede Individualität eine Manifestation des Allebens ist und daher »jeder von jedem ein Minimum in sich trägt und die Divination wird sonach aufgeregt durch Vergleichung mit sich selbt« . So kann er sagen, dass die Individualität des Verfassers unmittelbar aufzufassen ist, »indem man sich selbst gleichsam in den anderen verwandelt«. Indem Schleiermacher dergestalt das Verstehen auf das Problem der Individualität zuspitzt, stellt sich ihm die Aufgabe einer Hermeneutik als eine universelle dar. Denn die beiden Extreme der Fremdheit und der Vertrautheit sind mit der relativen Differenz aller Individualität gegeben. Die „Methode“ des Verstehens wird ebenso sehr das Gemeinsame durch Vergleichen wie das Eigentümliche durch Erraten im Auge haben, das heißt, sie wird sowohl komparativ als auch divinatorisch sein. Sie bleibt aber in beiden Hinsichten „Kunst“, weil sie nicht als Anwendung von Regeln mechanisiert werden kann. Das Divinatorische bleibt unentbehrlich(1). >Genie/Schleiermacher, >Hermeneutik/Schleiermacher. 1. Schleiermacher, Werke I, 7, 146f. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Individuenkonstanten | Individuenkonstanten: Symbole, die für ein einzelnes Objekt stehen im Gegensatz zu Individuenvariablen. Individuenkonstanten erlauben beim wiederholten Auftreten innerhalb einer Formel oder einer Inferenz das Einsetzen eines Namens für das Objekt. Für Individuenkonstanten werden oft a, b, c… gebraucht, während x, y, z Individuenvariablen sind. Individuenvariablen stellen nicht sicher, dass beim wiederholten Gebrauch dasselbe Objekt gemeint ist. |
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| Induced Value Theory | Wirtschaftstheorien | Parisi I 82 Induced Value Theory/Wirtschaftstheorien/Sullivan/Holt: Die experimentelle Kontrolle über die Präferenzen der Versuchspersonen ist in diesem abstrakten und kleinräumigen Kontext besonders wichtig. Ob bei der Untersuchung von Angebot und Nachfrage, bei Verhandlungen oder bei verschiedenen spieltheoretischen Verhaltensweisen ist es im Allgemeinen praktisch und oft notwendig, dass der Forscher etwas über die Präferenzprimitive der Versuchspersonen weiß, um die Ergebnisse des Experiments im Vergleich zu den theoretischen Vorhersagen zu verstehen. Die Theorie der induzierten Bewertung ist das Werkzeug, das experimentelle Ökonomen verwenden, um Kontrolle über die Präferenzen der Versuchspersonen zu erlangen (siehe Smith, 1976)(1).* >Präferenzen. Vereinfacht ausgedrückt ist die Idee, dass ein menschliches Subjekt mit nicht-sättigbaren Präferenzen für eine wertvolle Ressource (normalerweise Geld) dazu gebracht werden kann, in einem Experiment nahezu jede Präferenzordnung zu zeigen, indem die Form einer anwendbaren Auszahlungsfunktion variiert wird. Probleme/kollaterale Präferenzen: (...) experimentelle Ökonomen sind nicht naiv gegenüber den manchmal unkontrollierbaren kollateralen Präferenzen der Versuchspersonen. Universelle Erfahrungen wie z.B. Langeweile und Anstrengungsvermeidung gelten in ökonomischen Experimenten genauso wie überall sonst auch. Bis zu einem gewissen Grad können diese Präferenzen kontrolliert werden, indem die mit den experimentellen Entscheidungen verbundenen Auszahlungen erhöht werden. Aber Präferenzen über soziale Stigmatisierung oder wahrgenommene Erniedrigung sind ernsthaftere Hindernisse, die in vielen Experimenten nicht kontrollierbar sein könnten. Lösung: Wie solche unkontrollierten Präferenzen berücksichtigt werden können, ist eine komplizierte Frage, die am besten von Anwendung zu Anwendung behandelt wird. >Vernon L. Smith, >Methode, >Experimente. * Für eine zusätzliche Diskussion der Präferenzinduktion siehe Friedman und Sunder (1994(2), S 2.3), Davis und Holt (1993(3), S. 24), und Holt (2007(4), S. 10-11). 1. Smith, V. L. (1976). “Experimental economics: Induced value theory.” American Economic Review 66(2): 274–279. 2. Friedman, D. and S. Sunder (1994). Experimental Methods: A Primer for Economists. New York: Cambridge University Press. 3. Davis, D. D. and C. A. Holt (1993). Experimental Economics. Princeton, NJ: Princeton University Press. 4. Holt, C. A. (2007). Markets, Games, & Strategic Behavior. Boston, MA: Pearson Education, Inc. Sullivan, Sean P. and Charles A. Holt. „Experimental Economics and the Law“ In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Induktion | Bacon | Gadamer I 354 Induktion/Francis Bacon/Gadamer: Es ist die besondere Leistung von Bacon (...), dass er sich nicht mit der immanenten logischen Aufgabe begnügt, die Theorie der Erfahrung als die Theorie einer wahren Induktion zu entwickeln, sondern dass er die ganze moralische Schwierigkeit und anthropologische Fragwürdigkeit einer solchen Erfahrungsleistung erörtert hat. Seine Methode der Induktion will sich über die regellose und zufällige Art erheben, in der die tägliche Erfahrung zustande kommt und erst recht über deren dialektischen Gebrauch. Er hat in diesem Zusammenhang in einer das neue Zeitalter der methodischen Forschung ankündigenden Weise die in der humanistischen Scholastik noch vertretene Theorie der Induktion aufgrund der enumeratio simplex aus den Angeln gehoben. Induktion: Der Begriff der Induktion macht davon Gebrauch, dass das Verallgemeinern aufgrund zufälliger Beobachtung erfolgt und, solange keine Gegeninstanz begegnet, Geltung beansprucht. Bacon stellt bekanntlich der anticipatio, dieser voreiligen Verallgemeinerung der täglichen Erfahrung, die interpretatio naturae, die kundige Auslegung des wahren Seins der Natur entgegen.(1) Interpretation: Sie soll durch methodisch veranstaltete Experimente den schrittweisen Aufstieg zu den wahren, haltbaren Allgemeinheiten, den einfachen Formen der Natur erlauben. Diese wahre Methode ist dadurch charakterisiert, dass der Geist dort nicht sich selbst überlassen ist.(2) Er darf nicht so, wie er möchte, fliegen. Vielmehr ist die Forderung die, gradatim (schrittweise) von dem Besonderen zu dem Allgemeinen aufzusteigen, um eme geordnete, alle Voreiligkeit vermeidende Erfahrung zu erwerben.(3) Experiment: Die Methode, die Bacon fordert, nennt er selbst eine experimentelle.(4) Dabei ist aber zu bedenken, dass das Experiment bei Bacon nicht immer nur die technische Veranstaltung des Naturforschers meint, der unter Isolierenden Bedingungen Abläufe künstlich herbeiführt und meßbar macht. Experiment ist vielmehr auch und vor allem die kunstvolle Leitung unseres Geistes, der verhindert wird, sich voreiligen Verallgemeinerungen zu überlassen, und der bewusst die Beobachtungen, die er an der Natur anstellt, zu variieren, bewusst die entlegensten, scheinbar am meisten voneinander abstehenden Fälle zu konfrontieren, und so schrittweise und kontinuierlich auf dem Wege eines Ausschließungsverfahrens zu den Axiomata zu gelangen lernt.(5) ((s) Vgl. >Gedankenexperimente). GadamerVsBacon: >Francis Bacon/Gadamer. 1. F. Bacon, Nov. Org. I, 26ff. 2. A.a.O. 1, 20f; 104. 3. A.a.O. l, 19ff. 4. A. a. O. vgl. insbesondere die „distributio operis«. 5. A.a.O. 1,22, 08 |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Induktion | Genz | II 303 Gleichförmigkeit/Hume: Wir unterstellen eine Gleichförmigkeit von Vergangenheit und Zukunft. >Regularität, >David Hume. Physik/Theorie/Erklärung/Genz: Wir nehmen aber mehr als bloße Gleichförmigkeit an, wenn wir Warum-Erklärungen geben. >Warum-Fragen. Die Physik hofft auch auf einen bestimmten Ausgang von Experimenten, die noch nie angestellt wurden. Bloße Gleichförmigkeit reicht da nicht. Erwartung/Genz: Erwartung wird durch Verständnis der Vergangenheit begründet. Besser als durch Regelmäßigkeiten. Daher gibt es auch kein "Problem der Induktion". >Vorhersage. II 304 Induktion/GenzVsPopper: Es gibt kein „Problem der Induktion“, Verständnis ist die Lösung statt der Annahme von Regularitäten. >Induktion/Goodman. Prinzip/Genz: Die verschleierte Realität der Naturgesetze ist so beschaffen, dass wir sie durch Prinzipien verstehen können. >Naturgesetze, >Gesetze, >Prinzipien. |
Gz I H. Genz Gedankenexperimente Weinheim 1999 Gz II Henning Genz Wie die Naturgesetze Wirklichkeit schaffen. Über Physik und Realität München 2002 |
| Induktion | Mayr | I 78 Induktion/Francis Bacon/Mayr: Bacon bewirkte eine große Rehabilitation (und eigentlich erstmalige Einführung) der Induktion. Das war für zwei Jahrhunderte maßgeblich. >F. Bacon. Justus von LiebigVsBacon: 1863 gab es durch Liebig eine erstmalige Ablehnung Bacons. "Die Induktion allein kann keine neuen Theorien hervorbringen". Biologie: Für die Biologie gelten praktisch keine der universalen Gesetze der Physik. Daher fiel sie weitgehend aus der Wissenschaftsphilosophie heraus. >Naturgesetze, >Physik. I 80 MayrVsPopper: Es ist oft sehr schwierig, wenn nicht unmöglich, eine unbrauchbare Theorie überzeugend zu falsifizieren. Die kategorische Aussage, dass bei einer einmaligen Falsifikation die gesamte Theorie falle, trifft auf die Evolutionsbiologie nicht zu. >Falsifikation, >K. Popper, >Theorien. I 219 Def Induktion/Biologie/Mayr: Einfluss schon bestehender Gewebe auf die Entwicklung anderer Gewebe. Durch Proteine. Das hat bei fast allen Organismen große Bedeutung. 1. J. v. Liebig (1863). The natural laws of husbandry. Boston: D. Appleton and company. |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Industrialisierung | Acemoglu | Acemoglu I 298 Industrialisierung/Acemoglu/Robinson: Acemoglu-These: Ob ein Land tatsächlich in die Industrialisierung einstieg, hing weitgehend von seinen Institutionen ab. (>Terminologie/Acemoglu, >Institutionen/Acemoglu). Die Vereinigten Staaten, die eine ähnliche Transformation wie die englische Glorreiche Revolution durchmachten, hatten bereits Ende des 18. Jahrhunderts ihre eigene Marke von inklusiven politischen und wirtschaftlichen Institutionen entwickelt. Damit würden sie die erste Nation sein, die die von den Britischen Inseln kommenden neuen Technologien nutzte. Bald sollten sie Großbritannien übertreffen und zum Vorreiter der Industrialisierung und des technologischen Wandels werden. Australien verfolgte einen ähnlichen Weg zu integrativen Institutionen, wenn auch etwas später und etwas weniger beachtet. Wie in England und den Vereinigten Staaten mussten ihre Bürger für integrative Institutionen kämpfen. Sobald diese vorhanden waren, würde Australien seinen eigenen Prozess des Wirtschaftswachstums einleiten. Australien und die Vereinigten Staaten konnten sich industrialisieren und schnell wachsen, weil ihre relativ integrativen Institutionen neue Technologien, Innovationen oder kreative Zerstörung nicht blockierten. Nicht so in den meisten anderen europäischen Kolonien. Ihre Dynamik wäre das genaue Gegenteil von der in Australien und den Vereinigten Staaten. Das Fehlen einer einheimischen Bevölkerung oder von Ressourcen, die abgebaut werden müssten, machte den Kolonialismus in Australien und den Vereinigten Staaten zu einer ganz anderen Art von Angelegenheit, selbst wenn ihre Bürger hart für ihre politischen Rechte und für integrative Institutionen kämpfen mussten. Kolonien: An vielen dieser Orte setzten sie eine Reihe von institutionellen Veränderungen in Gang, die das Entstehen von inklusiven Institutionen sehr unwahrscheinlich machten. An einigen dieser Orte wurden alle aufkeimenden Industriezweige oder integrativen Wirtschaftsinstitutionen deutlich ausgemerzt. Die meisten dieser Orte wären nicht in der Lage, von der Industrialisierung im neunzehnten oder gar im zwanzigsten Jahrhundert zu profitieren. Europa: Die Dynamik im übrigen Europa unterschied sich ebenfalls deutlich von der in Australien und den Vereinigten Staaten. (...) Die meisten europäischen Länder wurden Acemoglu I 299 von absolutistischen Regimen regiert (...). (...) die institutionellen Übergänge in Großbritannien und die industrielle Revolution schufen neue Chancen und Herausforderungen für die europäischen Staaten. (...) die Situation in Osteuropa, im Osmanischen Reich und in China war ganz anders. Diese Unterschiede waren für die Verbreitung der Industrialisierung von Bedeutung. Wie der Schwarze Tod oder der Aufschwung des atlantischen Handels verschärfte die durch die Industrialisierung geschaffene kritische Phase den allgegenwärtigen Konflikt um die Institutionen in vielen Acemoglu I 301 Europäische Nationen. Ungleichheiten: Die institutionelle Dynamik (...) bestimmte, welche Länder die großen Chancen, die sich im 19. Jahrhundert boten, nutzten und welche nicht. Die Wurzeln der Ungleichheit in der Welt, die wir heute beobachten, sind in dieser Divergenz zu suchen. Von wenigen Ausnahmen abgesehen, sind die reichen Länder von heute diejenigen, die den Prozess der Industrialisierung und des technologischen Wandels ab dem neunzehnten Jahrhundert eingeleitet haben, und die armen Länder diejenigen, die dies nicht getan haben. |
Acemoglu II James A. Acemoglu James A. Robinson Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006 Acemoglu I James A. Acemoglu James A. Robinson Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 |
| Industrielle Revolution | Acemoglu | Acemoglu I 197 Industrielle Revolution/Institutionen/Acemoglu/Robinson: Die industrielle Revolution manifestierte sich in jedem Aspekt der englischen Wirtschaft. Es gab bedeutende Verbesserungen in den Bereichen Transport, Metallurgie und Dampfkraft. Der bedeutendste Bereich der Innovation war jedoch die Mechanisierung der Textilproduktion und die Entwicklung von Fabriken zur Herstellung dieser Textilien. Dieser dynamische Prozess wurde durch die institutionellen Veränderungen, die sich aus der Glorreichen Revolution ergaben, entfesselt. Dabei ging es nicht nur um die Abschaffung der inländischen Monopole, die bis 1640 erreicht worden war, oder um unterschiedliche Steuern oder den Zugang zu Finanzmitteln. Es ging um eine grundlegende Reorganisation der Wirtschaftsinstitutionen zugunsten von Innovatoren und Unternehmern, die auf dem Entstehen sichererer und effizienterer Eigentumsrechte basierte. Acemolgu I 198 Eigentum: Der Revolution im Transportwesen und ganz allgemein der Neuordnung des Bodens im achtzehnten Jahrhundert lagen parlamentarische Akte zugrunde, die die Natur des Besitzens veränderten. Grundbesitz: Gemeindeland konnte oft traditionell genutzt werden. Es gab enorme Hindernisse, Land in einer Weise zu nutzen, die wirtschaftlich wünschenswert wäre. Das Parlament begann, dies zu ändern, indem es Gruppen von Menschen erlaubte, dem Parlament eine Petition zur Vereinfachung und Neuordnung der Eigentumsrechte vorzulegen. Es handelte sich dabei um Änderungen, die in der Folge in Hunderten von Parlamentsakten verankert wurden. Diese Reorganisation der wirtschaftlichen Institutionen manifestierte sich auch in der Entstehung einer Agenda zum Schutz der einheimischen Textilproduktion vor ausländischen Importen. Acemolgu I 202 Innovationen/Technologie: Um 1760 begann die Kombination all dieser Faktoren (dies umfasste: verbesserte und neue Eigentumsrechte, eine verbesserte Infrastruktur, ein verändertes Steuersystem, ein besserer Zugang zu Finanzmitteln und ein aggressiver Schutz von Händlern und Herstellern) ihre Wirkung zu entfalten. Nach diesem Datum stieg die Zahl der patentierten Erfindungen sprunghaft an, und die große Blüte des technologischen Wandels, der im Mittelpunkt der industriellen Revolution stehen sollte, begann sich abzuzeichnen. Acemoglu I 207 Institutionen: Es war der integrative Charakter (>Terminologie/Acemoglu) der englischen Institutionen, der diesen Prozess ermöglichte. Diejenigen, die unter der kreativen Zerstörung litten und sie fürchteten, konnten sie nicht mehr aufhalten. Geografische Faktoren: Warum [geschah die Revolution] in England? Die Industrielle Revolution begann und machte ihre größten Fortschritte in England wegen seiner einzigartig integrativen Wirtschaftsinstitutionen. Diese wiederum bauten auf den Fundamenten auf, die von den integrativen politischen Institutionen der Glorreichen Revolution gelegt wurden. Acemoglu I 208 Es war die Glorreiche Revolution, die die Eigentumsrechte stärkte und rationalisierte, die Finanzmärkte verbesserte, die staatlich sanktionierten Monopole im Außenhandel untergrub und die Hindernisse für die Expansion der Industrie beseitigte. Dieses Ergebnis war eine Folge des Abdriftens der englischen Institutionen und der Art und Weise, wie sie mit kritischen Punkten interagierten. >Institutionelle Drift/Acemoglu, >Kritische Verzweigungspunkte/Acemoglu. Unser Überblick zur Indutriellen Revolution beruht auf Mantoux (1961)(1). Unsere Argumentation über die Ursachen der industriellen Revolution wird in hohem Maße von den Argumenten beeinflusst, die in North and Thomas (1973)(2), North and Weingast (1989)(3), Brenner (1993)(4), Pincus (2009)(5), and Pincus and Robinson (2010)(6) gemacht wurden. Diese Gelehrten wiederum ließen sich von früheren marxistischen Interpretationen des britischen institutionellen Wandels und der Entstehung des Kapitalismus inspirieren; see Dobb (1963)(7) und Hill (1961(8), 1980(9)). 1.Mantoux, Paul (1961). The Industrial Revolution in the Eighteenth Century. Rev. ed. New York: Harper and Row. 2.North, Douglass C. and Robert P. Thomas (1973). The Rise of the Western World: A New Economic History. New York: Cambridge University Press. 3.North, Douglass C., and Barry R. Weingast (1989). “Constitutions and Commitment: Evolution of Institutions Governing Public Choice in 17th Century England.” Journal of Economic History 49: 803–32. 4.Brenner, Robert (1993). Merchants and Revolution. Princeton, N.J.: Princeton University Press. 5.Pincus, Steven C. A. (2009). 1688: The First Modern Revolution. New Haven, Conn.: Yale University Press. 6. Pincus, Steven C. A., and James A. Robinson (2010). “What Really Happened During the Glorious Revolution?” Unpublished. http://scholar.harvard.edu/jrobinson. 7.Dobb, Maurice (1963). Studies in the Development of Capitalism. Rev. ed. New York: International Publishers. 8.Hill, Christopher (1961). The Century of Revolution, 1603–1714. New York: W. W. Norton and Co. 9. - (1980). “A Bourgeois Revolution?” In Lawrence Stone, ed. The British Revolutions: 1641, 1688, 1776. Princeton, N.J.: Princeton University Press. |
Acemoglu II James A. Acemoglu James A. Robinson Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006 Acemoglu I James A. Acemoglu James A. Robinson Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 |
| Industriepolitik | Harris | Krugman III 155 Industriepolitik/Richard G. Harris: Politiken, die neue Industrien gegenüber alten begünstigen, sind der Kernpunkt der Debatte über Industriepolitik in vielen Ländern. >Markteintritt, >Subventionen, >Interventionen, >Regierungspolitik. Die Stahlindustrie ist ein interessantes Beispiel für einen Industriezweig, der sowohl schrumpfende als auch expandierende Teilsektoren umfasst, die beide kurzfristig mit Importen um denselben Markt konkurrieren. In diesem Papier(1) wird darauf hingewiesen, dass die Antwort auf die Frage, in welche Richtung die Branche gedrängt werden sollte, von der Marktstruktur, den Kosten und den Nachfragebedingungen abhängt. Im Falle der US-Stahlindustrie ist die bestehende Industriestruktur ineffizient, wenn man die Höhe der Einfuhren als relevante Beschränkung betrachtet, aber Kostenschätzungen sind entscheidend für die Entscheidung, in welche Richtung die Industrie gefördert werden sollte. Nimmt man die bestehende Industriestruktur als gegeben an, so können sich kleine Änderungen in der Handels- und Industriepolitik auf die Wohlfahrt auswirken, aber die Schlußfolgerungen sind sehr empfindlich gegenüber der Verteilung der Renten, die durch die VER-Programme geschaffen werden. >Freiwillige Exportbeschränkung/VER, >Sensitivitätsanalyse. Angesichts des unvollkommenen Wettbewerbs in der Stahlindustrie ist es durchaus möglich, dass eine Importbeschränkung wohlfahrtssteigernd wirkt. 1. Richard G. Harris. „Trade and Industrial Policy for a “Declining” Industry: The Case of the U.S. Steel Industry.“ In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press. Richard G. Harris. „Trade and Industrial Policy for a “Declining” Industry: The Case of the U.S. Steel Industry.“ In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press. |
LingHarris I Zellig S. Harris A Theory of Language and Information: A Mathematical Approach Oxford 1991 EconKrug I Paul Krugman Volkswirtschaftslehre Stuttgart 2017 EconKrug II Paul Krugman Robin Wells Microeconomics New York 2014 Krugman III Paul Krugman Alasdair Smith Empirical Studies of Strategic Trade Policy Chicago: The University of Chicago Press 1994 |
| Industriepolitik | Rodrik | Krugman III 207 Industriepolitik/Rodrik: Nichts von dem, was hier(1) gesagt wurde, sollte als Befürwortung einer Industriepolitik verstanden werden, die aktiv die Konzentration verfolgt. >Interventionen, >Interventionismus, >Regierungspolitik, >Internationaler Handel, >Neue Handelstheorie, >Handelspolitik, >Strategische Handelspolitik. Bevor wir von der positiven Analyse zu Politikempfehlungen übergehen können, brauchen wir eine vollständigere Wohlfahrtsanalyse und ein vollständigeres Modell, in dem wir sie durchführen können. Abgesehen von der offensichtlichen Besorgnis der politischen Entscheidungsträger über die Qualitätsverbesserung gibt es mindestens zwei Gründe für die Vermutung, dass die vorliegenden Ergebnisse normative Bedeutung haben. 1) Erstens können Produkte mit höherer Qualität Preisaufschläge mit sich bringen, die die zusätzlichen Kosten für ihre Herstellung übersteigen, da überschüssige Gewinne als Zuckerbrot dienen, um das Qualitätsniveau aufrechtzuerhalten (Shapiro 1983)(2). Staatliche Maßnahmen zur Erzielung solcher Übergewinne können die Wohlfahrt potenziell verbessern. 2) Zweitens können in Ländern, die sich im Qualitätsspektrum nach oben bewegen, beträchtliche Qualifikationen entstehen, die wiederum erhebliche positive externe Effekte für die übrige Wirtschaft haben können. 1. Dani Rodrik. „Industrial Organization and Product Quality: Evidence from South Korean and Taiwanese Exports.“ In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press. 2. Shapiro, Carl. 1983. Premiums for high quality products as returns to reputation. Quarterly Journal of Economics 98 (November): 659-79. Dani Rodrik. „Industrial Organization and Product Quality: Evidence from South Korean and Taiwanese Exports.“ In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press. |
EconRodrik I Dani Rodrik When ideas trump interests. Preferences, worldviews, and policy innovations 2014 EconKrug I Paul Krugman Volkswirtschaftslehre Stuttgart 2017 EconKrug II Paul Krugman Robin Wells Microeconomics New York 2014 Krugman III Paul Krugman Alasdair Smith Empirical Studies of Strategic Trade Policy Chicago: The University of Chicago Press 1994 |
| Industrieproduktion | Sowjetunion | Acemoglu I 129 Industrieproduktion/Politik der Sowjetunion/Acemoglu/Robinson: Innovationen/Motivation/Anreize/Produktionsziele: (...) Die Zahlung von (...) Boni schaffte alle möglichen Negativanreize für technologische Veränderungen. Zum einen bestand bei Innovationen, die der laufenden Produktion Ressourcen entzogen, die Gefahr, dass die Produktionsziele nicht erreicht und die Boni nicht ausgezahlt wurden. Zum anderen basierten die Produktionsziele in der Regel auf vorherigen Acemoglu I 130 Produktionsniveaus. Dies schuf einen enormen Anreiz, die Produktion niemals auszuweiten, da dies nur bedeutete, in Zukunft mehr produzieren zu müssen und künftige Ziele "nach oben verrissen" würden. Unterdurchschnittliche Leistungen waren immer der beste Weg, Ziele zu erreichen und den Bonus zu erhalten. Zentrale Planung: Probleme: Als der Plan z.B. in Tonnen von Stahlblech formuliert wurde, wurde das Blech zu schwer gemacht. Wenn der Plan in Bezug auf die Fläche des Stahlblechs formuliert wurde, wurde das Blech zu dünn gemacht. Anreize/Boni: Probleme: (...) ein "Gewinnmotiv" war nicht stärker innovationsfördernd als ein auf Output-Zielen basierendes. Preise: Das Preissystem, das zur Berechnung der Gewinne verwendet wurde, war fast völlig unabhängig vom Wert der neuen Innovationen oder Technologien. Anders als in einer Marktwirtschaft wurden die Preise in der Sowjetunion von der Regierung festgelegt und standen daher kaum in Beziehung zum Wert. Innovationen: Um gezielter Anreize für Innovationen zu schaffen, führte die Sowjetunion 1946 explizite Innovationsboni ein. Bereits 1918 war das Prinzip anerkannt worden, dass ein Innovator für seine Innovation eine monetäre Belohnung erhalten sollte, aber die festgelegten Belohnungen waren gering und standen in keinem Verhältnis zum Wert der neuen Technologie. Dies änderte sich erst 1956, als festgelegt wurde, dass der Bonus proportional zur Produktivität der Innovation sein sollte. Acemoglu/Robinson: Da die Produktivität jedoch anhand des wirtschaftlichen Nutzens berechnet wurde, der anhand des bestehenden Preissystems gemessen wurde, war dies wiederum kein großer Anreiz zur Innovation. Acemoglu I 131 Anreize: Die Tatsache, dass in der zentralen Planwirtschaft keine wirklich wirksamen Anreize eingeführt werden konnten, war nicht auf technische Fehler bei der Gestaltung der Bonussysteme zurückzuführen. Sie war der gesamten Methode, mit der das extraktive Wachstum erreicht worden war, immanent. (Extraktive Institutionen: >Terminologie Acemoglu). Institutionen: (...) Als Michail Gorbatschow nach 1987 begann, sich von den Institutionen der extraktiven Wirtschaft zu entfernen, zerfiel die Macht der Kommunistischen Partei und mit ihr die Sowjetunion. |
Acemoglu II James A. Acemoglu James A. Robinson Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006 Acemoglu I James A. Acemoglu James A. Robinson Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 |
| Inferentialismus | Brandom | I 205 Inferentialismus/BrandomVs: folgende Spielarten: 1. Gehalt nur als Repräsentation aufgefasst - 2. Güte der Inferenz nur formal - 3. Rationalität nur Instrumente (Zweck-Mittel-Begründen). Brandom: These: pro starker Inferentialismus, VsHyperinferentialismus: nach dem die inferentielle Gliederung stets für den Gehalt hinreichend ist. II 45 Inferentialismus/Brandom: Def schwacher Inferentialismus: Inferentielle Gliederung stellt ein notwendiges Element zur Abgrenzung des Begrifflichen dar. Def starker Inferentialismus: Eine weit gefasste inferentielle Gliederung ist hinreichend, um den begrifflichen Gehalt zu erklären. Def Hyperinferentialismus : eine eng verstandene inferentielle Gliederung ist hinreichend - Def weit: (Berücksichtigung der Umstände, nicht nur Subjekt). - These: Hier wird ein starker Inferentialismus vertreten - näher am Holismus als am Atomismus. Vgl. >Holismus, >Atomismus. Newen I 165 VsBrandom/Newen/Schrenk: A. Wie kann der Inferentialismus die Kompositionalität erklären? - Er ist auf ganze Sätze festgelegt, weil zwischen diesen Inferenzen bestehen. Lösung/Brandom: Unterscheidung singulärer Term/Prädikat. >Singuläre Termini/Brandom, >Prädikate/Brandom. B. Wie erklärt er Referenz und Wahrheit? I 166 ad B: Referenz/Brandom: Bildung von Äquivalenzklassen von Sätzen, deren Position im Netz von Inferenzen erhalten bleibt, wenn Terme durch koreferentielle Terme ausgetauscht werden. - Wahrheit/Brandom: Brandom biegt die Definition so um, dass Wahrheit den Folgerungsbegriff charakterisiert. - Dazu betrachtet er die Stellung von Sätzen, die mit "Es ist wahr" beginnen, in unserem Netz von Inferenzen. |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 New II Albert Newen Analytische Philosophie zur Einführung Hamburg 2005 Newen I Albert Newen Markus Schrenk Einführung in die Sprachphilosophie Darmstadt 2008 |
| Inferentieller Gehalt | Brandom | I 496 Inferentieller Gehalt/Brandom: weit verstanden: zwei Begriffe: a) Inferentielles Potential, sentential, freistehend, Prämissen und Konklusionen b) Gehalt als Beitrag eines Satzes zum inferentiellen Gehalt ihn enthaltender zusammengesetzter Sätze (also nicht Inferenzen). I 497 Beides liefert keine ja/nein-Eigenschaften sondern unter Umständen unendliche viele Werte. Vgl. >Gehalt. |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Inferenz | Brandom | I 255 Inferentielle Gliederung/Brandom: drei Dimensionen: 1. Festlegung und Berechtigung zu Festlegungen. I 256 2. Unterscheidung von begleitender und kommunikativer Vererbung deontischer Status. I 257 3. Inferentielle Gliederung im weiteren Sinn: Autorität, Verantwortung, Autorisierung. I 284 Brandom: Schlüsselbegriff: Folgern - verbindet semantischen Gehalt und pragmatische Signifikanz. I 496 Inferenz/Brandom: Prämissen und Konklusionen: sind immer ganze Sätze! ("freistehend"). - Gegensatz: Konditional: Antezedens und Konsequens: sind subsententiale Ausdrücke ("eingebunden"). >Subsententiales. I 650 Inferenz/Brandom: semantische Signifikanz von Typen - Anapher: semantische Signifikanz von Tokenings - Inferenz: berichtende Verwendung von Sätzen - Anapher: deiktische Verwendung sing Termini - begriffliche Gliederung ist in erster Linie inferentielle Gliederung - der Gebrauch eines Demonstrativums bezieht sich auf einen Gegenstand und wird dadurch zu einem singulären Term. - (Anders als der Schrei "Au") und kann dann auch eine anaphorische Rolle spielen. >Singuläre Termini, >Anapher. II 9 Inferenz/Brandom: Vorrang vor Referenz. II 35 Nichtinferentiell/Brandom: Bsp Wahrnehmungsumstände. II 70 Inferenz/Brandom: sogar nicht-inferentielle Berichte (Wahrnehmungsberichte) müssen inferentiell gegliedert sein (Sellars und Hegel) - sonst nicht von VURDs (Automaten) zu unterscheiden - Papagei: versteht seine eigenen Reaktionen nicht - nicht-inferentieller Begriff: Bsp rot - aber: genau wie man Begriffe durch das Beherrschen anderer Begriffe erwirbt, so braucht man inferentielle Begriffe, um zu nicht-inferentiellen zu gelangen. Newen I 164 Rnferentielle Rollen/Brandom/Newen/Schrenk: a) Sprachaustrittsregel: Handlungen werden als adäquate praktische Folgerungen bezeichnet Bsp "Der Topf kocht über" > drängt zur Handlung, ihn von der Platte zu nehmen - b) Eintrittsregel: involviert Wahrnehmungen sowohl der Umwelt als auch der eigenen Körperzustände. Das führt zu Wahrnehmungsberichten. >Inferentielle Rolle. |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 New II Albert Newen Analytische Philosophie zur Einführung Hamburg 2005 Newen I Albert Newen Markus Schrenk Einführung in die Sprachphilosophie Darmstadt 2008 |
| Infinitesimalrechnung | Thiel | Thiel I 171 Infinitesimalrechnung/Vorgeschichte/Thiel: Cavallieri (gest 1647, Schüler Galileis) Lehre von den Def "Indivisibilien"/Cavalieri: Solche "Unteilbare" sind bei Strecken die Punkte, bei Flächen die Schnittgeraden und bei Körpern die Schnittebenen, die nicht als Teile derselben aufgefasst werden dürfen, da sie jeweils eine Dimension weniger haben, können sie nicht deren Bausteine sein! Die fehlende Dimension kommt erst durch die Richtung der Bewegung hinzu. Durch ihre Bewegung kann man sich die entsprechenden Gebilde (z.B. Schnittebene Körper) erzeugt vorstellen. Die "Indivisibilien" sind die Vorläufer der "unendlich kleinen Größen", die Leibniz, Newton und L'Hopital auf je unterschiedliche Weise eingeführt haben. >Differentialrechnung. Thiel I 174 Infinitesimalrechnung: Für die infinitesimale Betrachtungsweise verschwindet der Unterschied, wenn die Basis zu dx "unendlich klein" wird. Kein Zweifel, das ist eine Mogelei. Eine strenge Begründung solcher Flächenbetrachtungen durch korrekte Infinitesimalbetrachtungen, geht nicht von fiktiven unendlich kleinen Basen dx aus, sondern von einer Einteilung der gesamten Flächenbasis in sehr kleine, aber endliche Strecken Dx. I 175/176 Leibniz: eine Strecke wird durch Hinzufügen von dx nicht verlängert. Er durchschaute das als Fiktion, rechtfertigte sie aber eher durch Analogien als sie zu eliminieren. Cantor rechnete sich als Verdienst an, die Vorstellung von den "unendlich kleinen Größen" endgültig widerlegt zu haben. Seine Überlegungen zeigen freilich nicht ganz, was sie zeigen sollten. Def "unendlich klein": bedeutet, dass das Produkt einer Größe a mit dieser Eigenschaft und einer Grundzahl n, sei diese auch noch so groß, nicht größer als irgendeine vorgegebene Zahl x werden kann. Tatsächlich zeigt das nur, dass ein Bereich, in dem unendlich kleine Größen dieser Art vorkommen, kein "stetiger" Bereich sein kann, aber nicht, dass solche (heute als "nicht archimedisch" bezeichneten) Bereiche widerspruchsvoll wären. I 176/177 Solche "nicht archimedischen" Bereiche haben nach Meinung einiger heutiger Autoren zur nachträglichen Rechtfertigung der "unendlich kleinen Größen" geführt. Ende des 19. Jahrhunderts hatte man es als Fortschritt angesehen, dass durch die skizzierte "Arithmetisierung der Analysis" sich Aussagen über "unendlich kleine Größen" als Aussagen verstehen ließen, die gültig bleiben, wie klein man auch ihre Größe wählen mag, ohne dass man also gezwungen wäre, Entitäten anzunehmen, die unendlich klein und dennoch Größen waren, oder unendlich klein werden. (Später auch >"Nichtstandard-Methoden"/Mathematik; weitere Nicht-Standard-Methoden). |
T I Chr. Thiel Philosophie und Mathematik Darmstadt 1995 |
| Inflation | Friedman | Landsburg I 16 Inflation/Friedman/Landsburg: Inflation wird immer dadurch verursacht, dass die Menschen versuchen, Geld loszuwerden, und zwar nicht auf einmal, sondern kontinuierlich über einen längeren Zeitraum hinweg. Dies ist die Analyse, die zu Milton Friedmans berühmter Erklärung führte, dass "Inflation immer und überall ein monetäres Phänomen ist". Tradition: Vor Friedman war dies umstritten. In jenen dunklen Tagen hörte man häufig die Rede von „cost-push inflation“, bei der beispielsweise steigende Lohnforderungen der Arbeitnehmer zu steigenden Preisen für Konsumgüter führen, was wiederum zu steigenden Lohnforderungen der Arbeitnehmer führt, und so weiter, ein Teufelskreis. FriedmanVsTradition: Friedman bestand darauf - und überzeugte erfolgreich die meisten Ökonomen -, dass diese oberflächlich betrachtet plausible Geschichte keinen Sinn ergibt. Auf die eine oder andere Weise muss die nachgefragte Geldmenge der angebotenen Geldmenge entsprechen. Gleichgewicht/Lösung/Friedman: Die Preise müssen sich anpassen, bis dieses Gleichgewicht erreicht ist. Dies lässt keinen Raum für andere Faktoren, die das Preisniveau beeinflussen könnten. Die nächste naheliegende Frage lautet: Warum sollten wir uns überhaupt um das Preisniveau und die Inflation kümmern, und welche Ergebnisse sollten die Währungsbehörden anstreben?* >Preisniveau, >Gleichgewicht, >Preis. Landsburg I 20 Wenn Bob weiß, dass er in einer Welt lebt, in der die Preise manchmal sprunghaft ansteigen, kann er immer auf Ioan-Verträgen mit automatischen Anpassungsklauseln bestehen, so dass Alice immer genug Dollar zurückzahlen muss, um zwei Hamburger zu kaufen, unabhängig davon, wie viele Dollar das sein mögen. Preisniveau: Und selbst wenn Bobs Voraussicht ihn im Stich lässt, so dass er diese Bedingung nicht einbezieht und bei einer Verdoppelung des Preisniveaus einen großen Verlust erleidet, ist dies nicht die Art von Verlust, über die sich Ökonomen normalerweise große Sorgen machen. Das liegt daran, dass der Verlust von Bob der Gewinn von Alice ist, so dass die Bevölkerung insgesamt (zu der sowohl Alice als auch Bob gehören) nicht besser oder schlechter gestellt ist als zuvor. Ein einmaliger Anstieg des Preisniveaus ist also, zumindest in sehr guter Näherung, kein Grund zur Sorge. Inflation: Man könnte versucht sein, den Schluss zu ziehen, dass auch die Inflation kein Grund zur Sorge ist. Schließlich ist die Inflation nur eine fortlaufende Serie von Sprüngen des Preisniveaus, nicht wahr? Dem ist nicht so! >Inflation/Rothbard, >Inflation/Mises. Denken wir das Ganze noch einmal von Anfang an durch. Am Montagmorgen hat Alice, die Durchschnittsbürgerin, das Einkommen von 10 Wochen in ihrem Portemonnaie und auf ihrem Girokonto. a) Am Montagmittag verdoppelt sich die Geldmenge, und Alice hat jetzt ein Einkommen von 20 Wochen in der Hand. Sie will aber nur 10 Wocheneinkommen haben und versucht daher, Geld loszuwerden, indem sie Dinge kauft. Schließlich steigen die Preise auf das Doppelte des Niveaus von heute Morgen, und Alice ist nun glücklich, ihren Anteil am neuen Geld zu besitzen, der dem Einkommen von 10 Wochen entspricht - ihr Ziel, das sie die ganze Zeit verfolgt hat. b) Ändern Sie nun die Geschichte ab: Am Montagmittag verdoppelt die Regierung die Geldmenge und kündigt an, sie jeden Tag um 12 Uhr erneut zu verdoppeln. Infolgedessen beschließt Alice, dass sie in Zukunft nur noch das Einkommen von 8 Wochen halten möchte, nicht von 10. Warum? Weil sie nun mit einer anhaltenden Inflation rechnet - das heißt, sie erwartet, dass das Geld in ihrer Tasche und auf ihrem Girokonto über Nacht an Wert verliert. Diese Aussicht macht das Halten von Geld weniger attraktiv. Am Montagnachmittag versucht Alice also (wie viele andere auch), ihr Geld durch den Kauf von Dingen loszuwerden. Schließlich steigen die Preise auf das Doppelte des Preises von heute Morgen, so dass Alice noch das Einkommen von 10 Wochen zur Verfügung hat, was immer noch mehr ist, als sie braucht. Deshalb versucht sie weiterhin, Dinge zu kaufen, was die Preise noch weiter in die Höhe treibt. Landsburg I 21 Geldmenge: Wenn sich die Geldmenge am Montag verdoppelt und weitere Steigerungen am Dienstag, Mittwoch, Donnerstag und Freitag zu erwarten sind, dann muss sich das Preisniveau am Montag mehr als verdoppeln. Preisniveau/Inflation: Zu einem bestimmten Zeitpunkt während des Einsetzens einer Inflation muss das Preisniveau schneller steigen als die Geldmenge. Friedman bezeichnete dieses Phänomen als Überschießen, was vielleicht eine unglückliche Wortwahl war, weil es den Anschein erweckt, dass jemand einen Fehler gemacht oder ein Ziel verfehlt hat. Problem: Nichts dergleichen ist wahr; Alice möchte den realen Wert ihrer Geldbestände reduzieren - die Anzahl der Hamburger, die sie mit ihrem Kleingeld kaufen kann, und die Anzahl der Hausreparaturen, die ihr Girokonto abdecken kann - und am Ende des Tages hat sie genau das getan. *SolowVsFriedman: Robert Solows Bemerkung, in der er die Besessenheit von Milton Friedman mit seiner eigenen vergleicht, erscheint in seinem Beitrag zu dem von George Shultz und Robert Aliber herausgegebenen Aufsatzband Guidelines, Informal Controls, and the Marketplace, der 1966 von der University of Chicago Press veröffentlicht wurde.(1) Geldnachfrage/Geldangebot/Friedman: Friedmans Analyse der Geldnachfrage und des Geldangebots sowie die Schlussfolgerung, dass „Inflation immer und überall ein monetäres Phänomen ist“, und die daraus resultierenden Konsequenzen für die Geldpolitik sind über viele Artikel und Aufsätze Friedmans verteilt, von denen viele in einem Band mit dem Titel The Optimum Quantity of Money and Other Essays (Die optimale Geldmenge und andere Aufsätze) zusammengefasst sind, der 1969 von Aldine(2) veröffentlicht wurde. Viele dieser Aufsätze sind recht technisch, aber Friedman lieferte einen guten und weitgehend untechnischen Überblick in einem 14-seitigen Aufsatz mit dem Titel The Counter-Revolution in Monetary Theory, der 1970 vom Institute for Economic Affairs veröffentlicht wurde.(2) 1. Solow, R. (1966). In: Guidelines, Informal Controls, and the Marketplace. George Shultz and Robert Aliber (eds). University of Chicago Press. 2. Friedman, M. (1969). The Optimum Quantity of Money and Other Essays. Aldine. 3. Friedman, M. (1970). The Counter-Revolution in Monetary Theory. Institute for Economic Affairs. |
Econ Fried I Milton Friedman The role of monetary policy 1968 Landsburg I Steven E. Landsburg The Essential Milton Friedman Vancouver: Fraser Institute 2019 |
| Inflation | Hayek | Boudreaux II 73 Inflation/Hayek/Boudreaux:“ Selbst ein sehr moderates Maß an Inflation ist gefährlich, weil es den politisch Verantwortlichen die Hände bindet, indem es eine Situation schafft, in der jedes Mal, wenn ein Problem auftaucht, ein wenig mehr Inflation der einzige einfache Ausweg zu sein scheint."(1) >Geldpolitik/Hayek. Kaufkraft: Wenn eine Geldeinheit (z. B. ein Dollar) an Kaufkraft verliert, bedeutet dies, dass sie an Wert verliert. Und wenn eine Geldeinheit an Wert verliert, braucht man mehr Einheiten dieses Geldes, um Waren und Dienstleistungen zu kaufen. Mit anderen Worten: Die Preise für Waren und Dienstleistungen, die mit diesem Geld gekauft werden, steigen. Geldmenge: Die bei weitem häufigste Ursache für Inflation ist ein Anstieg des Geldangebots. Die Lösung: Die Ursache der Inflation ist also ganz einfach: ein übermäßiges Wachstum des Geldangebots. Problem: Die Inflation zu stoppen ist ebenso einfach: Hören Sie auf, neu geschaffenes Geld in die Wirtschaft zu pumpen. >Zeit/Hayek. Geldpolitik/Zeit/Hayek: Doch während es im Prinzip einfach ist, die Inflation zu stoppen (es müssen keine komplexen Theorien beherrscht und keine komplizierten mathematischen Probleme gelöst werden), ist es in der Praxis oft sehr schwierig, sie zu stoppen. Der Grund dafür ist, dass die Kontrolle über die Geldmenge in den Händen von Regierungsbeamten liegt. Das Stoppen der Inflation wird durch die Politik erschwert, nicht zuletzt deshalb, weil die Politik in der Regel die Schuld daran trägt, dass die Inflation überhaupt erst entsteht. >Geldpolitik/Hayek, >Fiatgeld, >Goldstandard. Boudreaux II 74 Überschüssige Kapazitäten: Probleme entstehen, wenn die Wahrheit ans Licht kommt, dass diese Industrien übermäßig expandiert haben. Wenn diese Enthüllung eintritt, beginnen Investoren und Unternehmer damit, das zu beseitigen, was sie nun als Überkapazität in diesen überdehnten Industrien ansehen. Die Bemühungen, diese überdehnten Industrien zu verkleinern, führen jedoch unweigerlich zu Schwierigkeiten. Vor allem steigt die Arbeitslosigkeit, da die Arbeitnehmer in diesen Industrien entlassen werden. >Produktion. Arbeitslosigkeit/Politik: Während der Zeit, in der die Arbeitslosigkeit ungewöhnlich hoch ist - während der Zeit, die diese entlassenen Arbeitnehmer brauchen, um einen neuen Arbeitsplatz zu finden - ist der politische Druck auf die Regierung groß, „etwas“ gegen diese Arbeitslosigkeit zu unternehmen. Regierungspolitik: Eines der einfachsten „Dinge“, die die Regierung tun kann, ist, die Inflation am Laufen zu halten. Geldmenge: Indem die Regierung weiterhin neues Geld in die Wirtschaft pumpt, kann sie die Preise in den Branchen, die als erste das neue Geld erhalten, noch ein wenig länger hochhalten. Kurz gesagt: Indem die Regierung die Geldmenge weiter aufbläht, kann sie die Entdeckung durch Unternehmer und Investoren hinauszögern, dass die Branchen, die zu den ersten gehören, die das neue Geld erhalten, in Wirklichkeit übermäßig expandiert und mit überschüssigen Produktionskapazitäten belastet sind. Geldpolitik/Politik: Der Vorteil für die Politiker, die Geldmenge weiter aufzublähen, besteht darin, dass sie die Entdeckung der Notwendigkeit, übermäßig expandierte Industrien abzubauen, hinauszögern und so die Wirtschaft noch eine Weile gesünder erscheinen lassen, als sie tatsächlich ist. Diese Politiker laufen daher weniger Gefahr, bei der nächsten Wahl ihren Arbeitsplatz zu verlieren. Boudreaux II 75 Fehlinformation: Damit die Preise in den übermäßig expandierten Branchen von Investoren und Unternehmern weiterhin als Zeichen dafür gewertet werden, dass die erhöhten Investitionen in diesen Branchen wirklich nicht übermäßig sind, müssen die Preise in diesen Branchen noch schneller steigen als bisher. Die Preise in diesen Industrien müssen schneller steigen als die erwartete Inflationsrate. Zentralbanken: Um zu bewirken, dass die Preise in diesen Branchen schneller steigen als die allgemeine Inflationsrate der Wirtschaft, muss die Zentralbank das Tempo beschleunigen, mit dem sie der Wirtschaft neues Geld zuführt. Wenn die Zentralbank dies tut, werden die Preise in den Branchen, die als erste neu geschaffenes Geld erhalten, im Vergleich zu den Preisen in anderen Branchen höher bleiben, als sie sein „sollten“. Wirtschaft: Unternehmer und Investoren könnten dann vorerst weiterhin glauben, dass ihre verstärkten Investitionen in diesen „erstrangigen“ Branchen gerechtfertigt sind. Bemühungen, diese Industrien zurückzufahren, werden aufgeschoben. Boudreaux II 76 Inflation: Letztendlich führt die schnellere Geldschöpfung jedoch zwangsläufig zu einer schnelleren Inflation in der gesamten Wirtschaft. Die Preise in der gesamten Wirtschaft steigen nun so schnell, dass sie mit den steigenden Preisen in den Branchen, die als erste das neu geschaffene Geld erhalten, gleichziehen. Informationen: Infolgedessen hören die Preise in diesen Branchen, die als erste an der Reihe sind, auf, Fehlinformationen auszusenden. Diese Preise beginnen die Tatsache zu enthüllen, dass die Investitionen in diesen Industrien tatsächlich zu hoch sind - dass die Produktionskapazität in diesen Industrien zu groß ist. Falsche Lösung: Die einzige Möglichkeit für die Währungsbehörde, die Investoren daran zu hindern, ihre Investitionen in diesen Branchen zurückzufahren und Arbeitnehmer zu entlassen, besteht darin, die Geldmengenausweitung noch weiter zu erhöhen. Geldpolitik: Die Währungsbehörde gerät bald in eine schwierige Lage. Wenn sie die Geldmenge nicht mehr aufbläht (ja, selbst wenn sie das Wachstum der Geldmenge einfach nicht beschleunigt), werden die Branchen, die aufgrund früherer Geldspritzen übermäßig expandiert haben, schrumpfen. Arbeitslosigkeit: Der daraus resultierende Anstieg der Arbeitslosigkeit erzeugt politischen Druck auf die Regierung, „etwas zu tun“, um die Beschäftigung zu erhöhen - etwas anderes, als der Öffentlichkeit zu raten, geduldig zu warten, während die Industrien umstrukturiert werden, um wirtschaftlich nachhaltiger zu sein. Die Beschleunigung der Inflationsrate ist ein Manöver, das die Regierung ergreifen kann, um die Beschäftigung vorläufig hoch zu halten. Boudreaux II 77 Zeit/Information: (...) da die Geldmengenausweitung nicht dazu führt, dass alle Preise im Gleichschritt steigen, wird das Muster der relativen Preise in der gesamten Wirtschaft umso stärker verzerrt, je höher die Inflationsrate ist. >Relative Preise. Informationen: Je mehr die einzelnen Preise im Verhältnis zueinander aus dem Gleichgewicht geraten, desto weniger zuverlässig leiten diese Preise Unternehmer, Investoren und Verbraucher zu korrekten wirtschaftlichen Entscheidungen. Höhere Inflationsraten führen daher zu einer stärkeren Fehlverwendung (größeren „Fehlallokation“) von Ressourcen. >Allokation. Zeit: Um dieses Problem zu lösen, muss die Währungsbehörde lediglich die Zufuhr von neuem Geld in die Wirtschaft einstellen. Aber die Heilung erfolgt nicht sofort. Es dauert nicht nur eine gewisse Zeit, bis die Menschen nicht mehr mit einer künftigen Inflation rechnen, sondern auch, bis sich Arbeitskräfte und Ressourcen von den Branchen, die aufgrund der Inflation übermäßig expandiert haben, auf Branchen verlagern, in denen diese Arbeitskräfte und Ressourcen nachhaltiger beschäftigt werden können. Boudreaux II 79 Geldpolitik/Problem: Die negativen Auswirkungen der heutigen Inflation werden sich erst in der Zukunft bemerkbar machen, wenn viele der heutigen Beamten nicht mehr im Amt sein werden. Die heute im Amt befindlichen Beamten können also durch die Aufrechterhaltung des Geldmengenwachstums die Wirtschaft gesünder erscheinen lassen, als sie tatsächlich ist, während die Kosten für die Schaffung dieser Illusion erst in der Zukunft von meist anderen Beamten getragen werden. 1. Friedrich Hayek (1960). The Constitution of Liberty. In Ronald Hamowy (ed.), The Constitution of Liberty, XVII (Liberty Fund Library, 2011): 465. |
Hayek I Friedrich A. Hayek The Road to Serfdom: Text and Documents--The Definitive Edition (The Collected Works of F. A. Hayek, Volume 2) Chicago 2007 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Inflation | Mises | Rothbard IV 16 Inflation/Mises/Rothbard: (...) der Reiz der Inflation besteht darin, dass die Regierung und andere Gruppen in der Wirtschaft stillschweigend, aber effektiv auf Kosten von Bevölkerungsgruppen profitieren können, denen es an politischer Macht fehlt. Inflation - eine Ausweitung der Geldmenge - ist, wie Mises zeigte, ein Prozess der Besteuerung und Umverteilung von Reichtum. In einer sich entwickelnden freien Marktwirtschaft, die nicht durch eine staatlich veranlasste Ausweitung der Geldmenge behindert wird, sinken die Preise im Allgemeinen, wenn das Angebot an Waren und Dienstleistungen zunimmt. Und fallende Preise und Kosten waren in der Tat das willkommene Kennzeichen der industriellen Expansion während des größten Teils des neunzehnten Jahrhunderts. >Geld/Mises, >Geldmenge/Mises, >Grenznutzen/Mises. Rothbard IV 55 (...) Mises kam zu der Überzeugung, dass entgegen der vorherrschenden Meinung die monetäre Inflation die Ursache für die Zahlungsbilanzdefizite war und nicht umgekehrt, und dass der Bankkredit nicht „elastisch“ sein sollte, um die angeblichen Bedürfnisse des Handels zu erfüllen. >Kedit/Mises. Rothbard IV 61 Zentralbanken/Inflation/Mises/Rothbard: Neben seiner Leistung, die Geldtheorie in die allgemeine Volkswirtschaftslehre zu integrieren und sie auf die Mikrofundamente des individuellen Handelns zu stellen, veränderte Mises in Geld und Kredit(1) die bestehende Analyse des Bankwesens. Unter Rückgriff auf die Tradition der Ricardian-Currency School zeigte er, dass diese mit ihrem Wunsch nach Abschaffung des inflationären fraktionierten Reservekredits richtig lag. Mises unterschied zwei verschiedene Arten von Funktionen, die von Banken wahrgenommen werden: die Weiterleitung von Ersparnissen in produktive Kredite („Warenkredite“) und die Funktion eines Geldlagers, das Bargeld zur Aufbewahrung bereithält. Beides sind legitime und nicht-inflationäre Funktionen; das Problem entsteht, wenn die Geldhäuser gefälschte Lagerscheine ausgeben und verleihen. Das Problem entsteht, wenn die Geldhäuser gefälschte Lagerscheine (Banknoten oder Sichteinlagen) für Bargeld ausstellen und verleihen, das in den Tresoren der Bank nicht vorhanden ist („Treuhandkredit“). Diese von den Banken ausgegebenen „ungedeckten“ Nachfrageverbindlichkeiten erweitern die Geldmenge und führen zu den Problemen der Inflation. Mises sprach sich daher für den Ansatz der Currency School aus, wonach 100 Prozent der Nachfrageverbindlichkeiten mit Speziesreserven unterlegt werden sollten. Er wies darauf hin, dass Peels Gesetz von 1844, das in England nach den Prinzipien der Currency School eingeführt wurde, scheiterte und seine Autoren in Misskredit brachte, weil sie 100 Prozent Reserven nur auf Banknoten anwandten und nicht erkannten, dass Sichteinlagen auch ein Surrogat für Bargeld waren und daher als Teil der Geldmenge fungierten. Mises schrieb sein Buch zu einer Zeit, als ein Großteil der Wirtschaftswissenschaftler noch nicht sicher war, dass Sichteinlagen Teil der Geldmenge sind. >Geld/Mises, >Regressionstheorem/Mises. 1. Ludwig von Mises. 1912. The Theory of Money and Credit (Theorie des Geldes und der Umlaufsmittel, Translated by H.E. Batson in 1934; reprinted with “Monetary Reconstruction» (New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953). Reprinted by the Foundation for Economic Education, 1971; reprinted with an Introduction by Murray N. Rothbard, Liberty Press Liberty Classics, 1989. |
EconMises I Ludwig von Mises Die Gemeinwirtschaft Jena 1922 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Inflation | Rothbard | II 160 Inflation/Rothbard: Großbritannien setzte die Spekulationszahlungen auf unbestimmte Zeit aus, um es der Bank of England und dem Bankensystem insgesamt zu ermöglichen, das zuvor aufgeblähte System des fraktionierten Reserve-Bankwesens beizubehalten und stark auszuweiten. Dementsprechend konnte die Bank den Kredit und die Geldmenge an Banknoten und Einlagen stark aufblähen. >Goldstandard/Rothbard, >Zentralbanken/Rothbard, >Bullionismus/Rothbard. Rothbard III 990 Def Inflation/Rothbard: Der Prozess der Ausgabe von Pseudo-Lagerscheinen oder, genauer gesagt, der Prozess der Ausgabe von Geld über jede Erhöhung des Spezies-Bestandes hinaus, kann als Inflation bezeichnet werden.(1) Def Deflation/Rothbard: Eine Schrumpfung der ausstehenden Geldmenge über einen beliebigen Zeitraum hinweg (abgesehen von einer möglichen Nettoabnahme der Spezies) kann als Deflation bezeichnet werden. Es ist klar, dass die Inflation das wichtigste Ereignis und der wichtigste Zweck der monetären Intervention ist. Es kann keine Deflation geben, ohne dass in einem früheren Zeitraum eine Inflation stattgefunden hat. Interventionen: A priori werden fast alle Interventionen inflationär sein. Denn nicht nur muss jede geldpolitische Intervention mit einer Inflation beginnen; der große Gewinn, der sich aus der Inflation ergibt, besteht darin, dass der Emittent neues Geld in Umlauf bringt. >Quasi-Geld/Rothbard, >Geld/Rothbard, >Geldsubstitute/Rothbard. Geldmenge: Die zunehmende Geldmenge ist nur eine soziale Verschwendung und kann nur einige auf Kosten anderer begünstigen. Und die Verteilung von Nutzen und Lasten ist so, wie eben beschrieben: Die Frühaufsteher profitieren auf Kosten der Spätaufsteher. Kreditausweitung/Rothbard: Wenn Inflation eine Erhöhung des Geldangebots ist, die nicht durch eine Erhöhung des verfügbaren Gold- oder Silberbestands ausgeglichen wird, dann wird die soeben beschriebene Methode der Inflation als Kreditexpansion bezeichnet - die Schaffung neuer Geldsubstitute, die auf dem Kreditmarkt in die Wirtschaft gelangen. Wie wir weiter unten sehen werden, erscheint die Kreditausweitung durch eine Bank zwar weitaus nüchterner und seriöser als die Ausgabe neuen Geldes, hat aber in Wirklichkeit weitaus schwerwiegendere Folgen für das Wirtschaftssystem, Folgen, die die meisten Menschen als besonders unerwünscht empfinden würden. Dieser inflationäre Kredit wird als zirkulierender Kredit bezeichnet, im Gegensatz zum Verleihen von gesparten Geldern, dem sogenannten Warenkredit. Rothbard III 991 Preise/Neues Gleichgewicht: (...) die Preise werden im neuen Gleichgewicht nicht gleichmäßig gestiegen sein; die Kaufkraft der Geldeinheit ist gesunken, aber nicht äquiproportional über die gesamte Palette der Tauschwerte. Da einige Preise stärker gestiegen sind als andere, werden also einige Menschen dauerhaft von der Inflation profitieren und andere dauerhaft verlieren.(1) Opfer der Inflation: Besonders hart von einer Inflation betroffen sind natürlich die relativ „festen“ Einkommensgruppen, die ihre Verluste erst nach einem langen Zeitraum oder gar nicht beenden. Rentner und Pensionäre, die ein festes Geldeinkommen vereinbart haben, sind Beispiele für dauerhafte, aber auch kurzfristige Verlierer. Lebensversicherungsleistungen werden dauerhaft gekürzt.(2) Rothbard III 992 Investition/Konsum: Die Inflation verändert auch das Verhältnis von Konsum und Investitionen auf dem Markt. Oberflächlich betrachtet scheint es, dass die Kreditausweitung das Kapital stark erhöht, denn das neue Geld kommt auf den Markt als Äquivalent zu neuen Ersparnissen für die Kreditvergabe. Da das neue „Bankgeld“ anscheinend dem Angebot an Ersparnissen auf dem Kreditmarkt hinzugefügt wird, können die Unternehmen nun zu einem niedrigeren Zinssatz Kredite aufnehmen; daher scheint die inflationäre Kreditexpansion die ideale Flucht aus der Zeitpräferenz sowie eine unerschöpfliche Quelle zusätzlichen Kapitals zu bieten. In Wirklichkeit ist dieser Effekt illusorisch. Im Gegenteil, die Inflation verringert das Sparen und die Investitionen und senkt damit den Lebensstandard der Gesellschaft. Sie kann sogar zu einem massiven Kapitalverzehr führen. 1) Erstens werden, wie wir gerade gesehen haben, die bestehenden Gläubiger geschädigt. Dies wird dazu führen, dass die Kreditvergabe in der Zukunft erschwert wird, was wiederum die Sparinvestitionen hemmt. 2) Zweitens (...) bringt der Inflationsprozess dem Unternehmer von Natur aus einen Kaufkraftgewinn, da er Faktoren kauft und sie zu einem späteren Zeitpunkt, wenn alle Preise höher sind, wieder verkauft. Der Unternehmer kann also mit dem Preisanstieg Schritt halten (wir nehmen hier die Komponente der Terms of Trade von den Schwankungen der Preiserhöhungen aus), ohne von der Inflation zu verlieren oder zu profitieren. Aber die Buchhaltung der Unternehmen ist traditionell auf eine Welt ausgerichtet, in der der Wert der Geldeinheit stabil ist. Rothbard III 993 Investitionsgüter: Gekaufte Investitionsgüter werden in der Aktiva-Spalte „zu Anschaffungskosten“ verbucht, d. h. zu dem für sie gezahlten Preis. Wenn das Unternehmen das Produkt später verkauft, ist der zusätzliche Inflationsgewinn nicht wirklich ein Gewinn; denn er muss durch den Kauf des ersetzten Investitionsgutes zu einem höheren Preis absorbiert werden. Die Inflation führt den Unternehmer also in die Irre: Sie zerstört einen seiner wichtigsten Wegweiser und lässt ihn glauben, dass er zusätzliche Gewinne erzielt hat, obwohl er nur Kapital ersetzen kann. Buchungsfehler: Der auf die Inflation zurückzuführende Buchungsfehler hat (...) wirtschaftliche Folgen. Die Unternehmen mit den größten Fehlern sind diejenigen, deren Investitionsgüter überwiegend zu Zeiten niedriger Preise gekauft wurden. Wenn die Inflation schon eine Weile anhält, werden dies die Unternehmen mit den ältesten Anlagen sein. Ihre scheinbar hohen Gewinne werden andere Unternehmen in diesen Bereich locken, und es wird zu einer völlig ungerechtfertigten Ausweitung der Investitionen in einem scheinbar hochprofitablen Bereich kommen. Umgekehrt wird es in anderen Bereichen zu einem Mangel an Investitionen kommen. Allokation: Der Fehler verzerrt also das System der Ressourcenallokation auf dem Markt und mindert dessen Effizienz bei der Befriedigung der Verbraucher. Der Fehler wird auch bei den Unternehmen am größten sein, die einen größeren Anteil an Kapitalausrüstung im Verhältnis zum Produkt haben, und ähnliche verzerrende Effekte werden durch übermäßige Investitionen in stark „kapitalisierten“ Branchen auftreten, die durch Unterinvestitionen in anderen Bereichen ausgeglichen werden.(3) >Kreditausweitung/Rothbard, >Zeitpräferenz/Rothbard, >Geldmenge/Rothbard. Rothbard III 1018 Inflation/Rothbard: Wenn die Regierung und das Bankensystem mit der Inflationierung beginnen, unterstützt die Öffentlichkeit sie in der Regel unwissentlich bei dieser Aufgabe. Die Öffentlichkeit, die sich der wahren Natur des Prozesses nicht bewusst ist, glaubt, dass der Anstieg der Preise vorübergehend ist und dass die Preise bald wieder „normal“ werden. Horten: (...) die Menschen werden daher mehr Geld horten, d. h. einen größeren Teil ihres Einkommens in Form von Bargeldguthaben aufbewahren. >Hortung/Rothbard, >Kassenbestand/Rothbard. Geldnachfrage/Preise: Die gesellschaftliche Nachfrage nach Geld, kurz gesagt, steigt. Infolgedessen steigen die Preise tendenziell weniger als proportional zum Anstieg der Geldmenge. Staat: Der Staat erhält mehr reale Ressourcen von der Öffentlichkeit als erwartet, da die Nachfrage der Öffentlichkeit nach diesen Ressourcen gesunken ist. Schließlich beginnt die Öffentlichkeit zu erkennen, was vor sich geht. Regierung: Es scheint, dass die Regierung versucht, die Inflation als eine permanente Form der Besteuerung zu nutzen. Aber die Öffentlichkeit hat eine Waffe, um diesen Raubbau zu bekämpfen. Konsum: Sobald die Menschen erkennen, dass die Regierung die Inflation fortsetzen und somit die Preise weiter steigen werden, werden sie ihre Warenkäufe verstärken. Denn sie werden erkennen, dass sie gewinnen, wenn sie jetzt kaufen, anstatt bis zu einem zukünftigen Zeitpunkt zu warten, wenn der Wert der Geldeinheit niedriger und die Preise höher sein werden. Mit anderen Worten: Die gesellschaftliche Nachfrage nach Geld sinkt, und die Preise beginnen nun schneller zu steigen als das Geldangebot zunimmt. Hyperinflation: In diesem Fall ist die Konfiszierung durch die Regierung oder der „Besteuerungseffekt“ der Inflation geringer, als die Regierung erwartet hatte, da die Kaufkraft des vermehrten Geldes durch den stärkeren Anstieg der Preise verringert wird. Dieses Stadium der Inflation ist der Beginn der Hyperinflation, des ausufernden Booms.(3) Geldnachfrage: Die geringere Nachfrage nach Geld ermöglicht es der Regierung, weniger Ressourcen zu entnehmen, aber die Regierung kann sich immer noch Ressourcen beschaffen, solange der Markt das Geld verwendet. Preise: Der beschleunigte Preisanstieg wird in der Tat zu Klagen über eine „Geldknappheit“ führen und die Regierung zu größeren Inflationsanstrengungen anregen, was zu einem noch schnelleren Preisanstieg führt. Flucht aus dem Geld: Dieser Prozess wird jedoch nicht lange anhalten. Wenn der Preisanstieg anhält, beginnt die Öffentlichkeit eine „Flucht aus dem Geld“, indem sie das Geld so schnell wie möglich loswird, um in reale Güter - fast alle realen Güter - als Wertaufbewahrungsmittel für die Zukunft zu investieren. Preise: Diese verrückte Flucht aus dem Geld, die die Nachfrage nach Geld praktisch auf Null sinken lässt, lässt die Preise in astronomischem Ausmaß steigen. Der Wert der Geldeinheit sinkt praktisch auf Null. Die Verheerungen und Verwüstungen, die dieser unkontrollierte Boom in der Bevölkerung anrichtet, sind enorm. Gesellschaft: Die relativ einkommensschwachen Gruppen werden ausgelöscht. Die Produktion geht drastisch zurück (was die Preise weiter in die Höhe treibt), da die Menschen den Anreiz zur Arbeit verlieren - da sie einen Großteil ihrer Zeit damit verbringen müssen, Geld loszuwerden. Das Hauptbedürfnis besteht darin, an reale Güter zu gelangen, was auch immer das sein mag, und das Geld so schnell wie möglich auszugeben. Markt: Wenn dieses Stadium erreicht ist, bricht die Wirtschaft faktisch zusammen, der Markt wird praktisch abgeschafft, und die Gesellschaft fällt in einen Zustand des virtuellen Tauschhandels und der völligen Verarmung zurück.(4) Langsam werden dann Waren als Tauschmittel aufgebaut. Die Öffentlichkeit hat sich von der Last der Inflation durch ihre ultimative Waffe befreit: Sie hat die Nachfrage nach Geld so weit gesenkt, dass das Geld der Regierung wertlos geworden ist. Wenn alle anderen Grenzen und Formen der Überzeugung versagen, ist dies der einzige Weg - durch Chaos und wirtschaftlichen Zusammenbruch - für das Volk, eine Rückkehr zum „harten“ Warengeld des freien Marktes zu erzwingen. Rothbard III 1021 Interventionen: Bewegungen im Warenangebot und in der Geldnachfrage sind allesamt das Ergebnis freiwilliger Änderungen der Präferenzen auf dem Markt. Dasselbe gilt für Erhöhungen des Angebots von Gold oder Silber. Erhöhungen der fiduziarischen oder Fiat-Medien sind jedoch ein betrügerischer Eingriff in den Markt, der die freiwilligen Präferenzen und die freiwillig festgelegten Einkommens- und Vermögensstrukturen verzerrt. Def Inflation/Rothbard: Die zweckmäßigste Definition von „Inflation“ ist daher: eine Erhöhung des Geldangebots, die über eine Erhöhung der Spezies hinausgeht.(5) Rothbard III 1022 RothbrdVsRegierungspolitik: Die Absurdität der verschiedenen Regierungsprogramme zur „Inflationsbekämpfung“ wird nun offensichtlich. Die meisten Menschen glauben, dass die Regierungsbeamten ständig die Wälle abschreiten müssen, bewaffnet mit einer großen Vielfalt von „Kontroll“-Programmen, die den Inflationsfeind bekämpfen sollen. Dabei ist es eigentlich nur notwendig, dass die Regierung und die Banken (...) die Inflation stoppen.(6) Inflationsdruck: Auch die Absurdität des Begriffs „Inflationsdruck“ wird deutlich. Entweder die Regierung und die Banken inflationieren oder sie tun es nicht; so etwas wie „Inflationsdruck“ gibt es nicht.(7) 1. Vgl. Mises, Theory of Money and Credit. New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953 und 1957 Nachdruck durch Liberty Fund, 1995. S. 140-42. 2. 1081 Das erklärte Ziel von Keynes' inflationistischem Programm war die „Euthanasie des Rentiers“. War sich Keynes darüber im Klaren, dass er die nicht ganz so barmherzige Vernichtung einiger der arbeitsunfähigsten Gruppen der gesamten Bevölkerung befürwortete - Gruppen, deren Grenzwertproduktivität fast ausschließlich in ihren Ersparnissen bestand? Keynes, Die Allgemeine Theorie der Beschäftigung, des Zinses und des Geldes. New York: Harcourt, Brace & Co., 1936. Nachgedruckt von Prometheus Books, 1997. S. 376. Eine interessante Diskussion einiger Aspekte des Buchhaltungsfehlers findet sich in W.T. Baxter, „The Accountant's Contribution to the Trade Cycle“, Economica, Mai 195 5 , S. 99-112. Siehe auch Mises, Theory of Money and Credit, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953 und 1957. Nachgedruckt vom Liberty Fund, 1995. S. 202-04; und Human Action, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949. Nachdruck durch das Ludwig von Mises Institute, 1998. S. 546 f. 3. Vgl. die Analyse von John Maynard Keynes in seinem A Tract on Monetary Reform (London: Macmillan & Co., 1923), Kap. ii, Abschnitt 1. 4. Zur galoppierenden Inflation siehe Mises, Theory of Money and Credit, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953 und 1957. Nachgedruckt vom Liberty Fund, 1995. Mises, Richard von. Probability, Statistics, and Truth, 2. Aufl., New York: Macmillan, 1957. Neu aufgelegt von Dover Publications, 1981. S. 227-31. 5. Inflation wird hier definiert als jede Zunahme der Geldmenge, die größer ist als die Zunahme der Spezies, nicht als eine große Veränderung dieser Menge. So wie hier definiert, sind die Begriffe „Inflation“ und „Deflation“ also praxeologische Kategorien. Siehe Mises, Human Action, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949. Nachdruck durch das Ludwig von Mises Institute, 1998. pp. 419-20. Siehe aber auch Mises' Ausführungen in Aaron Director, Hrsg., Defense, Controls, and Inflation (Chicago: University of Chicago Press, 1952), S. 3 n. 6. Siehe George Ferdinand, „Review of Albert G. Hart, Defense without Inflation,“ Christian Economics, Vol. III, No. 19 (23. Oktober 1951). 7. Siehe Mises in Director, Defense, Controls, and Inflation, S. 334. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Inflation Targeting | Taylor | Taylor III Inflation Targeting/Zinsen/Zentralbank/Löhne/Wirtschaft/TaylorVsSummers/TaylorVsStansbury/Lance Taylor: Was die Inflation betrifft, so ignorieren sowohl die Zentralbanken als auch [Summers und Stansbury] die Fakten, dass die Inflation ein kumulativer Prozess ist, der von widersprüchlichen Ansprüchen auf Einkommen und Vermögen getrieben wird, und dass in den letzten fünf Jahrzehnten Gewinne fast alle Forderungen erfasst haben. Inflation Targeting/Summers: Betrachten Sie den realen "Produktlohn", den Nominal- oder Geldlohn geteilt durch einen Erzeugerpreisindex (PPI), um die Kosteninflation zu korrigieren, mit der die Unternehmen konfrontiert sind. Einige Berechnungen (...) zeigen, dass der Arbeits- oder Lohnanteil der Produktion, der den realen "Lohnstückkosten" entspricht, gleich dem Reallohn geteilt durch die Produktivität oder dem Output-/Arbeitsverhältnis ist. Die Gewinnbeteiligung entspricht eins minus dem Lohnanteil. (...) der Gewinnanteil und die Wachstumsraten der Reallöhne und der Produktivität haben sich im Laufe der Zeit verändert (...). Die Wachstumsrate der nominalen Lohnstückkosten ist die Differenz zwischen dem Wachstum der Lohn- und Produktivitätsraten. Wie bei den anderen Arbeitsmarktindikatoren hat sich das Kostenwachstum nach 2000 verlangsamt. Um die Dynamik zu entwirren, brauchen wir eine Theorie der Inflation. Um die Jahrhundertwende wies der schwedische Ökonom Knut Wicksell darauf hin, dass die Inflation ein "kumulativer Prozess" ist, der eine Rückkopplung zwischen Preis- und Lohninflationsraten beinhaltet. Auch nach ihrem langen Rückgang zeigt [sich], dass die Arbeitszahlungen immer noch 55 % der Produktionskosten ausmachen und mit in die Inflationsrechnung einfließen müssen. Der "reale Gleichgewichtseffekt" (oder die "Inflationssteuer" in einer dynamischen Version) besagt, dass ein Anstieg des Preisniveaus den realen Wert von Vermögenswerten mit nominal festgelegten Preisen verringert - Geld ist das übliche Beispiel. Der Wohlstand sinkt und die Haushalte sollen in der Folge mehr sparen. Neben einer Lohnverzögerung ist der Realgleichgewichtseffekt der wichtigste Anpassungsmechanismus in Milton Friedmans (1968) "Inflation"-Modell, das der heutigen Geldpolitik noch immer zugrunde liegt. "Zwangssparen" entsteht, wenn ein Preissprung gegen einen konstanten Geldlohn die realen Zahlungen an die Lohnempfänger reduziert. Wenn ihre Kreditkapazität begrenzt ist, müssen sie den Konsum senken und die Nachfragekurve nach unten verschieben. Wenn ein expansives Paket das Preisniveau in die Höhe treibt, wären die Haushalte der Mittelschicht und der unteren Einkommensschichten, die auf Löhne angewiesen sind, diejenigen, die leiden würden. Konflikte entstehen, weil Preiserhöhungen von der Wirtschaft kontrolliert werden, während der Geldlohn Gegenstand von Verhandlungen zwischen Wirtschaft und Arbeit ist. Beide Seiten versuchen, den Arbeitsanteil als wichtigen Verteilungsindikator zu manipulieren. In einem inflationären Gesamtumfeld kann die Wirtschaft sofort auf einen Anstieg des Lohnanteils oder der Produktion reagieren, indem sie die Preissteigerungsrate der Phillips-Kurve entlang des "Inflation"-Zeitplans nach oben treibt (...). Geldlöhne hingegen werden nicht sofort an die Preisinflation gekoppelt, so dass sie mit Verzögerung folgen werden. Die Arbeit wird auf eine schnellere Lohninflation drängen, wenn der Lohnanteil niedrig ist. Angenommen, es gibt ein anfängliches Inflationsgleichgewicht (...). Der Vorschlag von [Summers und Stansbury], die Fiskalpolitik zur Stimulierung der Gesamtnachfrage zu nutzen, würde die Inflationskurve nach oben treiben (...) mit einer schnelleren Inflation und einem etwas niedrigeren Lohnanteil im Makrogleichgewicht (...) entlang des stabilen Aktienplans. Angesichts des Verschwindens von NAIRU [Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment] in den letzten zwei Jahrzehnten ist nicht klar, wie stark diese Aufwärtsbewegung sein könnte. Die Art und Weise, wie sich expansive Politik im Hinblick auf Ungleichheit und (möglicherweise) schnellere Inflation auszahlen könnte, wäre eine Aufwärtsbewegung im stabilen Aktienplan, wenn sich der Arbeitsmarkt strafft, was zu mehr Verhandlungsmacht für die Arbeit führt. Die neuen keynesianischen Erfinder sind nun die regierenden Ältesten der Makroökonomie, die ihre Meinung wahrscheinlich nicht ändern werden. (...) [Summers und Stansbury] erinnern sich vielleicht mit Max Planck daran, dass die Wissenschaft eine Beerdigung nach der anderen vorantreibt. Sie haben sicherlich Recht, wenn sie sagen, dass "die Rolle bestimmter Reibungen und Rigiditäten bei der Untermauerung von Konjunkturschwankungen im Vergleich zu einem grundlegenderen Mangel an der Gesamtnachfrage heruntergespielt werden sollte". (...) Viele der richtigen Beobachtungen, die [Summers und Stansbury] über die wahrscheinliche Ineffektivität von Zinsänderungen machen, wurde vor fast 90 Jahren von Keynes' Kollege Piero Sraffa (1932a (1), 1932b (2)) in einer Kontroverse mit Friedrich von Hayek angesprochen. Sraffas Hauptaugenmerk lag auf der Nichtanwendbarkeit eines "natürlichen Zinssatzes", ein Punkt, der durch Keynes in der Allgemeinen Theorie verstärkt wurde. Der natürliche Zinssatz bleibt jedoch ein Thema, das für linksgerichtete Keynesianer von großem Interesse ist. Wie sie diese Idee mit der faschistischen keynesianischen Perspektive von [Summers und Stansbury] in Einklang bringen, bleibt abzuwarten. >Zentralbank/Summers. 1. Sraffa, Piero (1932a) “Dr. Hayek on Money and Capital,” Economic Journal, 42: 42-53. 2. Sraffa, Piero (1932b) “Money and Capital: A Rejoinder,” Economic Journal, 42: 249-25. Taylor, Lance: Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession |
EconTayl I John Brian Taylor Discretion Versus Policy Rules in Practice In Carnegie-Rochester Conference Series on Public Pol, 1993 Taylor III Lance Taylor Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession 9/3/2019 TaylorB II Barry Taylor "States of Affairs" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 TaylorCh I Charles Taylor The Language Animal: The Full Shape of the Human Linguistic Capacity Cambridge 2016 |
| Information | Benkler | Benkler I 36 Information/Arrow/Benkler: Kenneth Arrow schrieb 1962, "gerade in dem Maße, wie [Eigentum] wirksam ist, gibt es eine Unterauslastung der Informationen". (1) Benkler: Da die Wohlfahrtsökonomie einen Markt so definiert, dass er ein Gut nur dann effizient produziert, wenn er es zu seinen Grenzkosten bewertet, ist ein Gut wie Information (und Kultur und Wissen sind aus ökonomischen Gründen Informationsformen), die niemals sowohl zu einem positiven (größer als Null) Preis als auch zu seinen Grenzkosten verkauft werden kann, grundsätzlich ein Kandidat für eine substanzielle Nichtmarktproduktion. I 37 Aus der Perspektive des allgemeinen Wohlergehens einer Gesellschaft wäre es am effizientesten, wenn diejenigen, die Informationen besitzen, diese kostenlos oder besser gesagt, zu den Kosten der Kommunikation weitergeben würden und nicht mehr. Nicht-Rivalität ist übrigens nicht das einzige eigenartige Merkmal der Informationsproduktion als wirtschaftliches Phänomen. Die andere entscheidende Besonderheit ist, dass Informationen sowohl Input als auch Output des eigenen Produktionsprozesses sind. Um den heutigen akademischen oder persönlichen Artikel zu schreiben, brauche ich Zugang zu den Artikeln und Berichten von gestern. Benkler I 311 Informationen in Industrieländern/Informationsgüter/Information/Benkler: Man kann drei Arten von informationsbasierten Vorteilen idealisieren, die Industrieländer haben und die den Entwicklungs- und weniger entwickelten Volkswirtschaften zur Verfügung stehen müssten, wenn das Ziel die Verbesserung der Bedingungen in diesen Volkswirtschaften und die Möglichkeiten für Innovationen in ihnen wäre. 1. Informationsintegrierte (engl. information-embedded) Güter: Dies sind Güter, die nicht selbst in Formation sind, sondern die besser, reichhaltiger oder billiger sind, weil ein technologischer Fortschritt in sie eingebettet oder mit ihrer Produktion verbunden ist. Pharmazeutika und landwirtschaftliche Produkte sind die offensichtlichsten Beispiele in den Bereichen Gesundheit und Ernährungssicherheit. Während es andere Einschränkungen für den Zugang zu innovativen Produkten in diesen Bereichen gibt - regulatorischer und politischer Natur - ist eine dauerhafte Barriere kostspielig. I 312 2. Informationsintegrierte Tools: Eine Ebene tiefer als die eigentlichen nützlichen materiellen Dinge, die man zur Verbesserung des Wohlbefindens benötigen würde, sind Werkzeuge, die für die Innovation selbst notwendig sind. In den Bereichen landwirtschaftliche Biotechnologie und Arzneimittel gehören dazu sowohl Basistechnologien für die Spitzenforschung als auch der Zugang zu Materialien und bestehenden Verbindungen für Experimente. Der Zugang zu diesen ist vielleicht am weitesten verbreitet, um Probleme im Patentsystem der entwickelten Welt zu schaffen, ebenso wie für die Entwicklungsländer - ein Bewusstsein, das sich meist unter Michael Hellers gelungenem Satz "Anti-Commons" oder Carl Shapiros "Patentdickicht" kristallisiert hat. I 313 3. Informationen: Die Unterscheidung zwischen Information und Wissen ist eine knifflige Angelegenheit. [Benkler] verwendet hier umgangssprachlich "Informationen", um sich auf Rohdaten, wissenschaftliche Berichte über die Ergebnisse wissenschaftlicher Entdeckungen, Nachrichten und Sachberichte zu beziehen. Er benutzt "Wissen", um sich auf die Reihe von kulturellen Praktiken und Kapazitäten zu beziehen, die für die Verarbeitung der Informationen zu neuen Aussagen im Informationsaustausch notwendig sind, oder, was in unserem Kontext wichtiger ist, für die praktische Nutzung der Informationen in geeigneter Weise, um wünschenswertere Ergebnisse aus Aktionen zu erzielen. Drei Arten von Informationen, die sich für die Entwicklung als wichtig erweisen, sind wissenschaftliche Veröffentlichungen, wissenschaftliche und wirtschaftliche Daten sowie Nachrichten und Sachberichte. >Information/Arrow, >Terminologie/Benkler. I 314 4. Wissen: In diesem Zusammenhang beziehe ich mich vor allem auf zwei Arten von Bedenken. Die erste ist die Möglichkeit des Transfers von implizitem Wissen, das sich der Kodifizierung widersetzt, in das, was hier als "Information" behandelt würde - zum Beispiel Trainingshandbücher. Der primäre Mechanismus für den Wissenstransfer dieser Art ist das Learning by Doing, und der Wissenstransfer dieser Form kann nur durch Möglichkeiten der lokalen Praxis des Wissens erfolgen. Die zweite Art der Wissensvermittlung, die hier von Bedeutung ist, ist der formale Unterricht im Bildungskontext (im Vergleich zur Verbreitung kodifizierter Ergebnisse für das Selbststudium). I 315 Hier gibt es eine echte Einschränkung der Kapazität der vernetzten Informationswirtschaft zur Verbesserung des Zugangs zu Wissen. Individueller, persönlicher Unterricht erstreckt sich nicht über Teilnehmer, Zeit und Entfernung. Einige Komponenten der Bildung auf allen Ebenen sind jedoch aufgrund der Zunahme nichtmarktwirtschaftlicher und radikal dezentraler Produktionsprozesse verbesserungsfähig. >Terminologie/Benkler. 1. Kenneth Arrow, “Economic Welfare and the Allocation of Resources for Invention,” in Rate and Direction of Inventive Activity: Economic and Social Factors, ed. Richard R. Nelson (Princeton, NJ: Princeton University Press, 1962), 616-617. |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 |
| Information | Coase | Kiesling I 24 Information/Gerichtsverfahren/Coase/Kiesling: Die Gerichte haben jedoch ein Informationsproblem: Sie verfügen möglicherweise nicht über das gesamte Wissen, das sie benötigen, um zu erkennen, welche Partei den Schaden am kostengünstigsten vermeiden kann, was ein Grund dafür ist, dass die Transaktionskosten die Ergebnisse beeinflussen. >Transaktionskosten/Coase, >Externalitäten/Coase, >Recht/Coase. Niedrige Transaktionskosten: In einem Umfeld mit niedrigen Transaktionskosten können die Parteien über den Austausch von Rechten verhandeln, um sie neu zu ordnen, wenn die gerichtliche Zuweisung nicht die bestmögliche Zuweisung von Rechten und Verbindlichkeiten widerspiegelt („contracting around the law“ in Coases Worten). Hohe Transaktionskosten: Wenn Gerichte bei positiven (und ausreichend hohen) Transaktionskosten Rechte und Verbindlichkeiten zuweisen, könnte diese Zuweisung die Parteien jedoch daran hindern, ein effizientes Ergebnis zu erzielen, da die Transaktionskosten die Parteien daran hindern, über den Austausch dieser Rechte und Verbindlichkeiten zu verhandeln (Pennington, 2015(1): 97). Im Szenario Landwirt-Eisenbahn würde das effiziente Ergebnis darin bestehen, dass die Landwirte die Eisenbahn für die Verringerung der Funkenbildung bezahlen, wenn das Gericht das Recht auf Funkenbildung an die Eisenbahn abtreten würde und die Kosten der Funkenbildung für die Landwirte höher wären als der Nutzen für die Eisenbahn. Die hohen Transaktionskosten für die Organisation der Landwirte, um herauszufinden, wie hoch ihre Kosten sind und um mit der Eisenbahn zu verhandeln, könnten jedoch die Übertragung von Rechten zur Lösung des Konflikts verhindern. Vgl. >Externalitäten/Pigou, >Coase-Theorem/Stigler, >Recht und Wirtschaft. 1. Pennington, Mark (2015). Coase on Property Rights and the Political Economy of Environmental Protection. In Cento G. Veljanovski (ed.), Forever Contemporary: The Economics of Ronald Coase. Institute of Economic Affairs. |
Kiesling I L. Lynne Kiesling The Essential Ronald Coase Vancouver: Fraser Institute. 2021 |
| Information | Dari-Mattiacci | Parisi I 445 Information/Anreize/Zuckerbrot/Peitsche/Belohung/Strafe/Dari-Mattiacci/De Geest: (...) dass Belohnung nur dann besser ist, wenn die Mehrheit der Agent die Regel im Gleichgewicht verletzt[,] (...) wirft die Frage auf, warum dies in einem Rational-Choice-Rahmen überhaupt der Fall sein sollte. Wenn ein Vertreter rational gegen eine Regel verstößt, bedeutet dies, dass das Zuckerbrot oder die Peitsche nicht hoch genug ist. Aber warum erhöht der Prinzipal in diesem Fall nicht einfach das Zuckerbrot oder die Peitsche, bis sich alle Agenten daran halten? Der Grund dafür ist, dass der Prinzipal nicht genügend Informationen über die individuellen Aufwandskosten aller Agenten hat, um zu bestimmen, welche von ihnen die Regel befolgen sollten. In der realen Welt kann es jedoch schwierig sein, die individuellen Aufwandskosten zu überprüfen. >Grenzkosten, >Transaktionskosten. Dies deutet darauf hin, dass Zuckerbrot wünschenswert sein kann, wenn der Auftraggeber Probleme mit der Spezifikation hat, d. h. wenn der Auftraggeber nicht weiß, was vernünftigerweise vom Agenten erwartet werden kann. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum in einer zunehmend komplexen Gesellschaft Zuckerbrot und Peitsche immer häufiger eingesetzt werden (De Geest and Dari-Mattiacci, 2013)(1). Freiwilligendilemma: Ein Extremfall der Durchsetzung mit Informationsproblemen ist das Freiwilligendilemma: Es ist für die Gesellschaft optimal, wenn nur einer der Umstehenden (idealerweise derjenige mit den geringsten Aufwandskosten) ins Wasser springt, um eine ertrinkende Person zu retten. In diesem Fall zeigen Leshem und Tabbach (2016)(2), dass Zuckerbrot und Peitsche besser sind als Peitsche, da sie die zu leistenden Transfers minimieren. >Freiwilligendilemma. 1. De Geest, Gerrit and Giuseppe Dari-Mattiacci (2013). “The Rise of Carrots and the Decline of Sticks.” University of Chicago Law Review 80: 341–392. 2. Leshem, Shmuel and Avraham Tabbach (2016). “Solving the Volunteer’s Dilemma: The Superiority of Rewards over Punishments.” American Law and Economics Review 18: 1–32. Giuseppe Dari-Mattiacci and Gerrit de Geest. “Carrots vs. Sticks”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Information | Dawkins | I 102/103 Information/Rückkopplung/Reaktion/Verstehen/Dawkins: Bsp Science fiction Roman "A wie Andromeda", Fred Hoyle(1): Die Bewohner von Andromeda schicken Signale zur Erde, die die Menschen veranlassen, einen Computer zu konstruieren, der sie unterdrücken soll. Als sie es merken, zerstören sie den Computer noch rechtzeitig. Frage: In welchem Sinne kann man behaupten, die Bewohner von Andromeda hätten die Ereignisse auf der Erde manipuliert? Sie konnten nicht einmal wissen, dass der Computer gebaut war, denn die Signale waren 200 Jahre unterwegs. So bauten sie einen Computer, der die Entscheidungen für sie traf. Analogie: Genauso müssen Gene ein Gehirn bauen. >Kausalität, >Wirkung, >Ursache, >Manipulation, >Feedback. 1. Fred Hoyle, John Elliot, A for Andromeda, 1962. |
Da I R. Dawkins Das egoistische Gen, Hamburg 1996 Da II M. St. Dawkins Die Entdeckung des tierischen Bewusstseins Hamburg 1993 |
| Information | De Geest | Parisi I 445 Information/Anreize/Zuckerbrot/Peitsche/Belohung/Strafe/Dari-Mattiacci/De Geest: (...) dass Belohnung nur dann besser ist, wenn die Mehrheit der Agent die Regel im Gleichgewicht verletzt[,] (...) wirft die Frage auf, warum dies in einem Rational-Choice-Rahmen überhaupt der Fall sein sollte. Wenn ein Vertreter rational gegen eine Regel verstößt, bedeutet dies, dass das Zuckerbrot oder die Peitsche nicht hoch genug ist. Aber warum erhöht der Prinzipal in diesem Fall nicht einfach das Zuckerbrot oder die Peitsche, bis sich alle Agenten daran halten? Der Grund dafür ist, dass der Prinzipal nicht genügend Informationen über die individuellen Aufwandskosten aller Agenten hat, um zu bestimmen, welche von ihnen die Regel befolgen sollten. In der realen Welt kann es jedoch schwierig sein, die individuellen Aufwandskosten zu überprüfen. >Grenzkosten, >Transaktionskosten. Dies deutet darauf hin, dass Zuckerbrot wünschenswert sein kann, wenn der Auftraggeber Probleme mit der Spezifikation hat, d. h. wenn der Auftraggeber nicht weiß, was vernünftigerweise vom Agenten erwartet werden kann. Dies könnte eine Erklärung dafür sein, warum in einer zunehmend komplexen Gesellschaft Belohnungen immer häufiger eingesetzt werden (De Geest and Dari-Mattiacci, 2013)(1). Freiwilligendilemma: Ein Extremfall der Durchsetzung mit Informationsproblemen ist das Freiwilligendilemma: Es ist für die Gesellschaft optimal, wenn nur einer der Umstehenden (idealerweise derjenige mit den geringsten Aufwandskosten) ins Wasser springt, um eine ertrinkende Person zu retten. In diesem Fall zeigen Leshem und Tabbach (2016)(2), dass Belohnungen besser sind als Peitsche, da sie die zu leistenden Transfers minimieren. >Freiwilligendilemma. 1. De Geest, Gerrit and Giuseppe Dari-Mattiacci (2013). “The Rise of Carrots and the Decline of Sticks.” University of Chicago Law Review 80: 341–392. 2. Leshem, Shmuel and Avraham Tabbach (2016). “Solving the Volunteer’s Dilemma: The Superiority of Rewards over Punishments.” American Law and Economics Review 18: 1–32. Giuseppe Dari-Mattiacci and Gerrit de Geest. “Carrots vs. Sticks”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Information | Dennett | I 268 Information/Kode/Dennett: Die Tatsache, dass ein eindimensionaler Code für eine dreidimensionale Struktur stehen kann, ist ein Zugewinn an Information. Eigentlich kommt "Wert" hinzu! (Beitrag zur Funktionsfähigkeit). >Funktionen, >Funktionale Erklärung, >Code. II 35 Information/Handlung/Virus/Dennett: Das Virus muss für die Proliferation seiner Information "sorgen". Zum Erreichen seiner Ziele bringt es ein Enzym hervor, dem ein "Losungswort" vorgezeigt wird, und das daraufhin andere Moleküle "unangetastet lässt". II 39 Information/Leben/Dennett: Lange bevor es in Organismen Nervensysteme gab, benutzten Lebewesen einen primitiven Post-Dienst: den Kreislauf und Stoffwechsel zur Übertragung von Information. II 94 Informationsverarbeitung/DennettVsFunktionalismus: Eines war immer klar: sobald es in einem Informationssystem Wandler und Effektoren gibt, verschwindet seine "Medienneutralität" oder multiple Realisation. (VsPutnam, VsTuring). II 100 Verkörperte Information/Dennett: Die Evolution lässt in jedem Teil jedes Lebewesens Informationen körperlich werden. Bsp Die Barten des Wals verkörpern Information über die Nahrung. Bsp Die Flügel des Vogels verkörpern Information über das Medium der Luft. Bsp Die Haut des Chamäleons trägt Information über die Umgebung. Diese Informationen brauchen keineswegs als Kopien ins Gehirn zu gelangen! |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Information | Hayek | Sunstein I 14 Information/Preise/Märkte/Hayek/Sunstein: Bei der Lösung des Problems, wie bei Gruppendiskussionen (impliziter) Druck ausgeübt wird, möglicherweise entscheidende Informationen zurückzuhalten, kann ein Preissystem helfen, wie es Friedrich August von Hayek vorgeschlagen hatte. Dieses hat eine ausgesprochene Wirkung auf das Sammeln von Information. Märkte/Hayek: Märkte schaffen Preise für Güter auf eine Weise, die verstreute Informationen verarbeitet, die unter ganz verschiedene Personen verteilt sind. In Märkten haben die Teilnehmer einen extremen Anreiz, Recht zu behalten. >Informationsmärkte. Einige Information mag „versteckt“ bleiben, aber wenn es darum geht, einen Profit zu realisieren, wird diese Information für Kunden und Investoren nicht lange verborgen bleiben. Aus diesem Grund reflektieren Marktpreise einen hohen Grad an Information.(1) Sunstein: Man könnte sagen, Märkte schaffen so etwas wie ein „Daily Us“: ((s) Siehe Filterblasen/Sunstein). SunsteinVsHayek: Hayeks Argumentation hatte allerdings einen blinden Fleck. Märkte können auch falsche Informationen verarbeiten. Moden können zu inflationären Preisen führen. Das kann sich auch auf Grundstücks- und Immobilienpreise auswirken. >Märkte/Sunstein, >Märkte/Hayek. I 132 Vorhersagemärkte/Prognosemärkte/prediction markets/Sunstein: Beispiele, in denen Informationsmärkte effizient sind: Bsp Tendenzen von Luftverschmutzung erkennen, Bsp Defizite in öffentlichen Haushalten zu beobachten (2). Bsp Ausbrüche von Krankheiten zu verfolgen und ihre Ausbreitung vorherzusagen, Bsp die Zahlungsfähigkeit von Institutionen zu beobachten. (3) I 137 Manipulation: Anhänger des Kandidaten Pat Buchanan kauften 2000 große Mengen von Anteilen am IEM (Iowa Electronic Market, einem Vorhersagemarkt für Wahlen) um die Prognosen zu manipulieren. Besser Informierte Anleger nutzten dies jedoch anschließend zu ihrem Vorteil aus. 1. Friedrich Hayek, Law, Legislation, and Liberty, vol. 1: Rules and Order (Chicago: University of Chicago Press, 1973) p. 13. 2. See Abramowicz, “Prediction Markets, Administrative Decisionmaking, and Predictive Cost-Benefit Analysis,” pp. 990–92. 3. ibid. pp. 987-90. Boudreaux II 26 Preis/Information/Hayek/Boudreaux:“ Wir müssen das Preissystem als einen solchen Mechanismus der Informationsvermittlung betrachten, wenn wir seine wirkliche Funktion verstehen wollen ... Das Wichtigste an diesem System ist die Ökonomie, mit der es funktioniert, oder wie wenig die einzelnen Teilnehmer wissen müssen, um richtig handeln zu können."(1) >Information, >Wissen/Hayek. Boudreaux II 32 Individuelles Handeln/Hayek/Boudreaux: Jeder Besitzer von Privateigentum hat Anreize, sein Eigentum so zu nutzen, dass es den größten Nutzen bringt (...). Spontane Ordnung/Hayek: Das Gleiche gilt für den einzelnen Arbeitnehmer, der nur seine eigenen Arbeitsleistungen besitzt. Er wird seine Arbeitskraft mit der Arbeitskraft und dem Vermögen derjenigen anderen Privateigentümer kombinieren, die ihm den größten Ertrag für seine Arbeitsleistung versprechen - das heißt, die ihm den höchsten Lohn versprechen. Da jeder Eigentümer von Privateigentum nur die höchsten Erträge aus der Nutzung seines Eigentums anstrebt, wird eine allgemeine Wirtschaftsordnung geschaffen, indem jeder Eigentümer sein Eigentum auf die Nutzungen ausrichtet, die die höchsten Preise erzielen. In ähnlicher Weise meiden Verbraucher, die mit ihrem Einkommen so viel Zufriedenheit wie möglich erreichen wollen, ineffiziente Anbieter (deren Preise relativ hoch sind) und bevorzugen effizientere Anbieter (deren Preise relativ niedrig sind). Effizienz: Ineffiziente Anbieter steigern entweder ihre Effizienz oder wechseln zu anderen Produktionszweigen. Die Effizienz wird verbessert und ein komplexes Muster der produktiven Nutzung von Ressourcen entsteht (wie Hayek sagte) spontan. Diese Ordnung - dieses Gesamtergebnis - ist von niemandem beabsichtigt. Es ist spontan. Boudreaux II 66 Information/Preis/Wirtschaftskreislauf/Hayek/Boudreaux: Wirtschaftskreisläufe: Anpassungen der Produktionstätigkeit (...) erfolgen nicht sofort. Sie brauchen Zeit. >Relative Preise, >Preis, >Wirtschaftskreislauf, >Rezession, >Depression. Arbeitslosigkeit: In der Zeit, in der diese Anpassungen vorgenommen werden, steigt die Arbeitslosigkeit an. Arbeitnehmer in Branchen mit unverkauften Lagerbeständen werden entlassen, und es dauert eine Weile, bis sie eine andere Beschäftigung finden. Selbst Industrien, die als Reaktion auf genauere Preise expandieren, benötigen in der Regel eine gewisse Zeit, um ihre Produktionspläne und Anlagen umzustellen, damit sich die Einstellung neuer Arbeitskräfte lohnt. Die Zeit, die die Unternehmen brauchen, um sich von den Produktionsplänen zu lösen, die sie gemacht haben, als die Preise ungenau waren, ist eine Zeit, in der ungewöhnlich viele Arbeitnehmer arbeitslos sind. Arbeitslosigkeit: Eine solche Arbeitslosigkeit wird nicht durch eine zu geringe gesamtwirtschaftliche Nachfrage verursacht. Daher kann eine solche Arbeitslosigkeit nicht durch mehr Staatsausgaben oder andere Bemühungen zur Steigerung der Gesamtnachfrage geheilt werden. Vielmehr ist die Arbeitslosigkeit darauf zurückzuführen, dass die individuellen Preise den Unternehmern und Investoren keine genauen Informationen darüber vermitteln, welche Produkte sie produzieren sollten und wie sie diese Produkte am besten herstellen. Die einzige Möglichkeit, diese Fehlinvestitionen zu beheben, besteht darin, die Preise so anzupassen, dass sie die Wünsche der Verbraucher und die realen Gegebenheiten der verfügbaren Ressourcen besser widerspiegeln. Diese Heilung erfordert wiederum Zeit - Zeit, in der sich die Preise anpassen und in der die Arbeitnehmer Arbeitsplätze finden und wechseln können, die wirtschaftlich nachhaltiger sind. >Geldpolitik/Hayek. 1. Friedrich Hayek (1945). The Use of Knowledge in Society. In Bruce Caldwell (ed.), The Market and Other Orders, XV (Liberty Fund Library, 2014): 100. |
Hayek I Friedrich A. Hayek The Road to Serfdom: Text and Documents--The Definitive Edition (The Collected Works of F. A. Hayek, Volume 2) Chicago 2007 Sunstein I Cass R. Sunstein Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge Oxford 2008 Sunstein II Cass R. Sunstein #Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media Princeton 2017 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Information | Kauffman | I 111 Ordnung/Leben/Mensch/Kauffman: Der Mensch ist das Produkt von zwei Quellen der Ordnung, nicht von einer. >Ordnung/Kauffman, >Leben/Kauffman, >Menschen. I 112 Information/Ordnung/Leben/Entstehung/Kauffman: Die meisten Autoren gehen davon aus, dass DNS und RNS stabile Speicher von genetischer Information sind. Wenn das Leben jedoch mit kollektiver Autokatalyse begann und erst später lernte, die DNS und den genetischen Code in sich aufzunehmen, müssen wir erklären, wie diese Verbände erblicher Variation und natürlicher Selektion unterworfen sein konnten, obwohl sie noch kein Genom enthielten! >Gene, >Selektion. Einerseits kann die Evolution nicht ohne die Matritzenkopier-Mechanismen ablaufen, andererseits bastelt erst sie die Mechanismen zusammen. >Evolution. Könnte ein autokatalytischer Verband auch ohne sie evolvieren? Lösung: Räumliche Kompartiments (durch Membranen abgeteilter Räume), die sich aufspalten, sind zur Variation und Evolution fähig! Lösung: Vermutung: Hin und wieder laufen zufällige, unkatalysierte Reaktionen ab und erzeugen neuartige Moleküle. Der Metabolismus (Verwandlung, Stoffwechsel) würde um eine Reaktionsschleife erweitert. Evolution ohne Genom, keine DNS-ähnliche Struktur als Träger von Information. >Leben/Kauffman. I 114 Katalyse/Autokatalyse/Kauffman: Bei autokatalytischen Verbänden gibt es keinen Unterschied zwischen Genotyp und Phänotyp. >Genotyp, >Phänotyp. Leben/Entstehung/Kauffman: So bildet sich zwangsläufig ein komplexes Ökosystem. Moleküle, die in einer Urzelle erzeugt wurden, können in andere Urzellen befördert werden und dort Reaktionen beeinflussen. Das auf Stoffwechsel basierende Leben entsteht nicht als Ganzheit oder komplexe Struktur, sondern das gesamte Spektrum von Mutualismus und Konkurrenz, ist von Anfang an vorhanden. Nicht nur Evolution, sondern auch Koevolution. >Koevolution. I 115 Ordnung/Leben/Entstehung/Kauffmann: Die autokatalytischen Verbände müssen das Verhalten von mehreren tausend Molekülen koordinieren. Das potentielle Chaos übersteigt jegliches Vorstellungsvermögen. Es muss also noch eine weitere Quelle molekularer Ordnung entdeckt werden, der fundamentalen inneren Homöostase (Gleichgewicht). Dafür genügen verblüffend einfache Randbedingungen. >Anfang. I 148 Information/Gene/Kauffman: Frage: welcher Mechanismus steuert die Umsetzung und Unterdrückung bestimmter genetischer Information? Und woher wissen die verschiedenen Zelltypen, welche Gene sie wann umsetzen sollen? J. Monod/Francois Jacob: Mitte der 60er: Entdeckung eines Operators, der erst zu einem bestimmten Zeitpunkt eine Reaktion freisetzt. >J. Monod. I 149 Auch Repressor: Ein kleines Molekül kann ein Gen "einschalten". I 150 Im einfachsten Fall können zwei Gene sich gegenseitig unterdrücken. Zwei mögliche Muster. >Gene. Gen 1 ist aktiv und unterdrückt Gen 2 oder umgekehrt. Beide Zelltypen hätten dann zwar denselben "Genotyp", dasselbe Genom, könnten aber verschiedene Gensätze realisieren. Neuer Erkenntnishorizont: Unerwartete und weitreichende Freiheit auf molekularer Ebene. Durch Anlagerung des Repressors an den Operator an verschiedenen Stellen ergibt sich unterschiedliche Empfänglichkeit für den Operator auf der DNS. Regulation. I 151 Dieser Steuerungsmechanismus durch Anlagerung an zwei verschiedenen Stellen bedeutet völlige Freiheit für die Moleküle, genetische Schaltkreise beliebiger Logik und Komplexität zu erzeugen. Solche Systeme müssen wir erst lernen zu verstehen. |
Kau II Stuart Kauffman At Home in the Universe: The Search for the Laws of Self-Organization and Complexity New York 1995 Kauffman I St. Kauffman Der Öltropfen im Wasser. Chaos, Komplexität, Selbstorganisation in Natur und Gesellschaft München 1998 |
| Information | Lakoff | Morozov I 87 Information/Lakoff/Morozov: ….ein weiterer kritischer Irrtum, der den Informationsreduktionismus untermauert, ist der Glaube, dass eine Information eigenständig, völlig autonom und unabhängig entstehen kann, ohne dass zuvor ein Akt menschlicher Interpretation vorliegt. Lakoff: Wie der Linguist George Lakoff vor langer Zeit argumentierte, setzt Information ein zielgerichtetes Thema voraus. (1) >Kontext, >Text, >Intention, >Mitteilung, >Kommunikation. 1. George Lakoff argued: quoted in Tsoukas, “The Tyranny of Light,” argued: quoted in Tsoukas, “The Tyranny of Light,” The Temptations and the Paradoxes of the Information Society,” Futures 29, no. 9 (November 1997): 827– 843, p. 830. |
Lako I G. Lakoff Where Mathematics Come From: How The Embodied Mind Brings Mathematics Into Being 2001 Lako II George Lakoff On generative semantics Bloomington 1969 Morozov I Evgeny Morozov To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism New York 2014 |
| Information | Luhmann | Reese-Schäfer II 31 Def Information/Luhmann/Reese-Schäfer: Information ist nichts anderes als ein Ereignis, das eine Verknüpfung von Differenzen bewirkt. Reese-Schäfer II 38 Def Information/Luhmann/Reese-Schäfer: Ereignis, das Systemzustände auswählt. Informationen behält in der Wiederholung ihren Sinn, verliert aber den Informationswert. - Das Ereignis verschwindet. >Ereignis/Luhmann, >Kommunikation/Luhmann. AU Kass 6 Information/Luhmann: Es gibt keine "genetische Information" - weil die Gene nur Strukturen enthalten, keine Ereignisse. Information/Luhmann: ist eine Auswahl aus Alternativen. - Das setzt voraus, dass man einen Möglichkeitsbereich gegen andere abgrenzt. Information gibt es nur innerhalb von Systemen. Auch die Möglichkeiten gibt es nur im System, nicht in der Umwelt. >System/Luhmann, >Umwelt/Parsons. Zeit/Information: Zeit spielt eine Rolle, weil die Information bei Bekanntschaft verschwindet. - Information wird nicht übertragen! - ((s) Weil sie ein Ereignis ist.) AU Kass 13 Def Information/Maturana/Luhmann: Vs "genetische Information": Information ist immer Moment einer Kommunikation, immer nur innerhalb eines Systems. Sie funktioniert als Information wenn es darum geht, die nächste Operation zu finden. ((s) Das ist nicht zirkulär: "A funktioniert als A, wenn...". Informationen: sind keine "Daten" - das wäre "Übertragungstheorie". Zwei Aspekte: 1. Woraus wird ausgewählt 2. Dies und nicht anderes wird gewählt. Das ist nur innerhalb eines Systems möglich. Das System bestimmt, was Information ist. Bsp Information in der sozialistischen Planwirtschaft: nur Erfüllung ist hier Information. Kapitalistische Wirtschaft: Arbeitslosenzahlen sind hier keine Information. Keine Information ohne Mitteilung - aber Mitteilung kann sich wiederholen, Information nicht. Verstehen: gibt es nicht außerhalb von Kommunikation. >Verstehen, >Kommunikation/Luhmann, >System/Luhmann, >Operation/Beobachtung/Luhmann. |
AU I N. Luhmann Einführung in die Systemtheorie Heidelberg 1992 Lu I N. Luhmann Die Kunst der Gesellschaft Frankfurt 1997 |
| Information | Österreichische Schule | Coyne I 23 Information/Österreichische Schule/Coyne/Boettke: Die österreichische Konzeption des Marktes als Entdeckungsprozess steht in krassem Gegensatz zum Standardmodell des vollkommenen Wettbewerbs, das sich auf Gleichgewichtsendzustände konzentriert und nicht auf den Prozess, durch den menschliche Entscheidungsträger mit Unsicherheit und unvollkommenem Wissen über die künftige Verbrauchernachfrage und die besten Wege zur Befriedigung dieser Nachfrage zurechtkommen. >Perfekter Wettbewerb, >Märkte/Österreichische Schule, >Gleichgewicht. Wissen/Information/Ökonomie: Der Marktprozess ist ein kontinuierlicher Prozess, der ständige Entdeckungen und Umschichtungen von Ressourcen als Reaktion auf diese Entdeckungen beinhaltet. Die Wirtschaftsakteure erwerben Wissen im Zuge des Wettbewerbs, da sie versuchen, ihre Konkurrenten auszustechen, indem sie ein besseres Produkt zu einem niedrigeren Preis anbieten. Hayek: Wie F.A. Hayek es ausdrückte, ist der Marktwettbewerb am besten als ein Entdeckungsverfahren zu verstehen, durch das die Menschen am besten lernen, Fehler korrigieren und neue und bessere Wege zur Organisation der Wirtschaftstätigkeit entdecken können, um ihre Bedürfnisse besser zu befriedigen. Diese Sichtweise unterscheidet sich von der Annahme des perfekten Wissens, die den neoklassischen Marktmodellen zugrunde liegt. Für österreichische Ökonomen besteht die zentrale Funktion der Märkte darin, das relevante ökonomische Wissen zu produzieren, um menschliches Handeln in einer Welt der Ungewissheit und des ständigen Wandels so zu koordinieren, dass die Menschen ihre Ziele in geordneter Weise erreichen können. |
Coyne I Christopher J. Coyne Peter J. Boettke The Essential Austrian Economics Vancouver 2020 |
| Information Retrieval | Norvig | Norvig I 867 Information Retrieval/IR/Norvig/Russell: Information Retrieval (IR) ist die Aufgabe, Dokumente zu finden, die für den Informationsbedarf eines Benutzers relevant sind. Ein Information-Retrieval-System (IR-System) kann charakterisiert werden durch: 1. einen Korpus von Dokumenten. Jedes System muss entscheiden, was es als Dokument behandeln will: einen Absatz, eine Seite oder einen mehrseitigen Text. 2. Suchanfragen, die in einer Anfragesprache gestellt werden. Eine Suchanfrage gibt an, was der Benutzer wissen möchte. Die Anfragesprache kann einfach eine Liste von Wörtern sein, wie z.B. [KI-Buch] oder sie kann eine Phrase von Wörtern angeben, die nebeneinander stehen müssen, wie z.B. ["KI-Buch"], sie kann Boolesche Operatoren enthalten, wie z.B. [KI UND Buch]; sie kann nicht-boolesche Operatoren enthalten, wie z.B. [KI-NÄHE Buch] oder [KI-Buch-Webseite: www.aaai.org]. 3. eine Ergebnismenge. Dies ist die Teilmenge von Dokumenten, die das IR-System als relevant für die Anfrage erachtet. Mit "relevant" meinen wir, dass sie für die Anfrage stellende Person, für den in der Anfrage ausgedrückten besonderen Informationsbedarf wahrscheinlich von Nutzen sind. 4. eine Präsentation der Ergebnismenge. Diese kann so einfach wie eine Rangliste von Dokumententiteln oder so komplex wie eine rotierende Farbkarte der Ergebnismenge sein, die auf einen dreidimensionalen Raum projiziert und als zweidimensionale Anzeige dargestellt wird. Die frühesten IR-Systeme arbeiteten mit einem booleschen Schlüsselwortmodell. Jedes Wort in der Dokumentensammlung wird als boolesches Merkmal behandelt, das "wahr" ist, wenn es im Dokument auftaucht und "falsch" wenn das Wort im Dokument nicht vorkommt. Norvig I 868 VsBoolean-Modell: Probleme: Erstens ist der Grad der Relevanz eines Dokuments ein einziges Bit, so dass es keine Anleitung gibt, wie man die relevanten Dokumente für die Präsentation anordnet. Zweitens sind boolesche Ausdrücke für Benutzer, die keine Programmierer oder Logiker sind, unbekannt. Drittens kann es selbst für einen geübten Benutzer schwierig sein, eine geeignete Suchanfrage zu formulieren. Die Lösung: Die meisten IR-Systeme haben das Boolesche Modell aufgegeben und verwenden Modelle, die auf der Statistik der Wortzahlen basieren. Eine Bewertungsfunktion verarbeitet ein Dokument und eine Anfrage und gibt dafür eine numerische Punktzahl zurück; die relevantesten Dokumente haben die höchsten Punktzahlen. Relevanz/Gewicht: Drei Faktoren beeinflussen das Gewicht eines Suchbegriffs: Erstens die Häufigkeit, mit der ein Suchbegriff in einem Dokument erscheint (auch bekannt als TF für Term-Frequency, dt. Häufigkeit). Für die Suchanfrage [Landwirtschaft in Kansas] erhalten Dokumente, die "Landwirtschaft" häufig erwähnen, höhere Punktzahlen. Zweitens, die inverse Dokumenthäufigkeit des Begriffs oder IDF. Das Wort "in" taucht in fast jedem Dokument auf, hat also eine hohe Dokumenthäufigkeit und damit eine niedrige inverse Dokumenthäufigkeit und ist daher für die Abfrage nicht so wichtig wie "Landwirtschaft" oder "Kansas". Drittens, die Länge des Dokuments. In einem Dokument mit einer Million Wörtern werden wahrscheinlich alle Wörter der Suchanfrage erwähnt, aber möglicherweise geht es nicht wirklich um die eigentliche Suchanfrage. Ein kurzes Dokument, in dem alle Wörter erwähnt werden, ist ein viel zuverlässigerer Kandidat. Norvig I 870 Verfeinerungen des IR: Eine übliche Verfeinerung ist ein besseres Modell für die Auswirkung der Dokumentlänge auf die Relevanz. Singhal et al. (1996)(1) stellten fest, dass einfache Schemata zur Normalisierung der Dokumentlänge dazu neigen, kurze Dokumente zu sehr und lange Dokumente nicht genug zu bevorzugen. Sie schlagen ein Pivot-Schema zur Normalisierung der Dokumentlänge vor; die Idee ist, dass der Pivot die Dokumentlänge ist, bei der die Normalisierung im alten Stil korrekt ist; Dokumente, die kürzer als diese sind, erhalten einen "Boost" und längere Dokumente eine Strafe. Stemming-Algorithmen (dt. Eindämmung): Die meisten IR-Systeme schreiben "COUCH" zu "couch" um. Dazu verwenden einige einen Stemming-Algorithmus, um "Couches" sowohl in der Suchanfrage als auch in den Dokumenten auf die Stammform "Couch" zu reduzieren. Dies führt in der Regel zu einem geringen Anstieg im Abruf (in der Größenordnung von 2% für Englisch). Es kann jedoch der Präzision schaden. Zum Beispiel wird die Verkürzung von "stocking" zu "stock" tendenziell die Präzision bei Fragen zu Fußbedeckungen oder Finanzinstrumenten verringern, obwohl sie die Abrufbarkeit bei Fragen zur Lagerhaltung verbessern könnte. Auf Regeln basierende Stemming-Algorithmen (z.B. "-ing" entfernen) können dieses Problem nicht vermeiden, aber auf Wörterbüchern basierende Algorithmen (Nichtentfernen von "-ing", wenn das Wort bereits im Wörterbuch aufgeführt ist) schon. Während "stemming" im Englischen einen kleinen Effekt hat, ist es in anderen Sprachen wichtiger. Synomyme: Der nächste Schritt besteht darin, Synonyme zu erkennen, wie z.B. "Sofa" für "Couch". Wie beim "stemming" hat dies das Potenzial mehr Treffer in der Abrufaktion zu erzielen, kann aber die Präzision beeinträchtigen. Das Problem ist, dass "Sprachen absolute Synonyme verabscheuen, so wie die Natur ein Vakuum verabscheut" (Cruse, 1986)(2). ((s) Vgl. >Synonymie/Philosophische Theorien). Metadaten: Als letzte Verfeinerung kann das IR verbessert werden, indem Metadaten berücksichtigt werden, d.h. Daten außerhalb des Textes des Dokumentes. Beispiele hierfür sind vom Menschen zur Verfügung gestellte Schlüsselwörter und Publikationsdaten. Im Web sind Hypertext-Links zwischen Dokumenten eine entscheidende Informationsquelle. Norvig I 884 Geschichte: Der Bereich des Information Retrieval erfährt ein erneutes wachsendes Interesse, das durch die breite Nutzung der Internetsuche ausgelöst wurde. Robertson (1977)(3) gibt einen frühen Überblick und führt das Wahrscheinlichkeitsranking-Prinzip ein. Von Croft et al. (2009)(4) und Manning et al. (2008)(5) stammen die ersten Lehrbücher, die sowohl die webbasierte Suche als auch das traditionelle IR abdecken. Hearst (2009)(6) behandelt Benutzeroberflächen für die Websuche. Die TREC-Konferenz, die vom National Institute of Standards and Technology (NIST) der US-Regierung organisiert wird, veranstaltet einen jährlichen Wettbewerb für IR-Systeme und veröffentlicht einen Tagungsband mit den Ergebnissen. In den ersten sieben Jahren des Wettbewerbs verdoppelte sich die Leistung des IR ungefähr. Das beliebteste Modell für IR ist das Vektorraummodell (Salton et al., 1975)(7). Saltons Arbeit dominierte die frühen Jahre des Fachgebiets. Es gibt zwei alternative probabilistische Modelle, eines von Ponte und Croft (1998)(8) und eines von Maron und Kuhns (1960)(9) und Robertson und Sparck Jones (1976)(10). Lafferty und Zhai (2001)(11) zeigen, dass die Modelle auf derselben gemeinsamen Wahrscheinlichkeitsverteilung basieren, dass aber die Wahl des Modells Auswirkungen auf das Training der Parameter hat. Craswell et al. (2005)(12) beschreiben die BM25-Scoringfunktion. Svore und Burges (2009)(13) beschreiben hingegen, wie BM25 mit einem maschinellen Lernansatz verbessert werden kann, der Klickdaten - Beispiele früherer Suchanfragen und die Ergebnisse, auf die geklickt wurde - einbezieht. Brin und Page (1998)(14) beschreiben den PageRank-Algorithmus und die Implementierung einer Web-Suchmaschine. Kleinberg (1999)(15) beschreibt den HITS-Algorithmus. Silverstein et al. (1998)(16) untersuchen ein Protokoll von einer Milliarde Web-Suchanfragen. Die Zeitschrift Information Retrieval und die Vorgänge der jährlichen SIGIR-Konferenz behandeln die jüngsten Entwicklungen auf diesem Gebiet. 1. Singhal, A., Buckley, C., and Mitra, M. (1996). Pivoted document length normalization. In SIGIR-96, pp. 21–29. 2. Cruse, D. A. (1986). Lexical Semantics. Cambridge University Press. 3. Robertson, S. E. (1977). The probability ranking principle in IR. J. Documentation, 33, 294–304. 4. Croft, B., Metzler, D., and Stroham, T. (2009). Search Engines: Information retrieval in Practice. Addison Wesley. 5. Manning, C., Raghavan, P., and Schütze, H. (2008). Introduction to Information Retrieval. Cambridge University Press. 6. Hearst,M. A. (2009). Search User Interfaces. Cambridge University Press. 7. Salton, G., Wong, A., and Yang, C. S. (1975). A vector space model for automatic indexing. CACM, 18(11), 613–620. 8. Ponte, J. and Croft, W. B. (1998). A language modeling approach to information retrieval. In SIGIR-98, pp. 275–281. 9. Maron, M. E. and Kuhns, J.-L. (1960). On relevance, probabilistic indexing and information retrieval. CACM, 7, 219–244. 10. Robertson, S. E. and Sparck Jones, K. (1976). Relevance weighting of search terms. J. American Society for Information Science, 27, 129–146. 11. Lafferty, J. and Zhai, C. (2001). Probabilistic relevance models based on document and query generation. In Proc. Workshop on Language Modeling and Information Retrieval. 12. Craswell, N., Zaragoza, H., and Robertson, S. E. (2005). Microsoft Cambridge at trec-14: Enterprise track. In Proc. Fourteenth Text Retrieval Conference. 13. Svore, K. and Burges, C. (2009). A machine learning approach for improved bm25 retrieval. In Proc. Conference on Information Knowledge Management. 14. Brin, S. and Page, L. (1998). The anatomy of a large-scale hypertextual web search engine. In Proc. Seventh World Wide Web Conference. 15. Kleinberg, J. M. (1999). Authoritative sources in a hyperlinked environment. JACM, 46(5), 604–632. 16. Silverstein, C., Henzinger, M., Marais, H., and Moricz,M. (1998). Analysis of a very large altavista query log. Tech. rep. 1998-014, Digital Systems Research Center. |
Norvig I Peter Norvig Stuart J. Russell Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010 |
| Information Retrieval | Russell | Norvig I 867 Information Retrieval/IR/Norvig/Russell: Information Retrieval (IR) ist die Aufgabe, Dokumente zu finden, die für den Informationsbedarf eines Benutzers relevant sind. Ein Information-Retrieval-System (IR-System) kann charakterisiert werden durch: 1. einen Korpus von Dokumenten. Jedes System muss entscheiden, was es als Dokument behandeln will: einen Absatz, eine Seite oder einen mehrseitigen Text. 2. Suchanfragen, die in einer Anfragesprache gestellt werden. Eine Suchanfrage gibt an, was der Benutzer wissen möchte. Die Anfragesprache kann einfach eine Liste von Wörtern sein, wie z.B. [KI-Buch] oder sie kann eine Phrase von Wörtern angeben, die nebeneinander stehen müssen, wie z.B. ["KI-Buch"], sie kann Boolesche Operatoren enthalten, wie z.B. [KI UND Buch]; sie kann nicht-boolesche Operatoren enthalten, wie z.B. [KI-NÄHE Buch] oder [KI-Buch-Webseite: www.aaai.org]. 3. eine Ergebnismenge. Dies ist die Teilmenge von Dokumenten, die das IR-System als relevant für die Anfrage erachtet. Mit "relevant" meinen wir, dass sie für die Anfrage stellende Person, für den in der Anfrage ausgedrückten besonderen Informationsbedarf wahrscheinlich von Nutzen sind. 4. eine Präsentation der Ergebnismenge. Diese kann so einfach wie eine Rangliste von Dokumententiteln oder so komplex wie eine rotierende Farbkarte der Ergebnismenge sein, die auf einen dreidimensionalen Raum projiziert und als zweidimensionale Anzeige dargestellt wird. Die frühesten IR-Systeme arbeiteten mit einem booleschen Schlüsselwortmodell. Jedes Wort in der Dokumentensammlung wird als boolesches Merkmal behandelt, das "wahr" ist, wenn es im Dokument auftaucht und "falsch" wenn das Wort im Dokument nicht vorkommt. Norvig I 868 VsBoolean-Modell: Probleme: Erstens ist der Grad der Relevanz eines Dokuments ein einziges Bit, so dass es keine Anleitung gibt, wie man die relevanten Dokumente für die Präsentation anordnet. Zweitens sind boolesche Ausdrücke für Benutzer, die keine Programmierer oder Logiker sind, unbekannt. Drittens kann es selbst für einen geübten Benutzer schwierig sein, eine geeignete Suchanfrage zu formulieren. Die Lösung: Die meisten IR-Systeme haben das Boolesche Modell aufgegeben und verwenden Modelle, die auf der Statistik der Wortzahlen basieren. Eine Bewertungsfunktion verarbeitet ein Dokument und eine Anfrage und gibt dafür eine numerische Punktzahl zurück; die relevantesten Dokumente haben die höchsten Punktzahlen. Relevanz/Gewicht: Drei Faktoren beeinflussen das Gewicht eines Suchbegriffs: Erstens die Häufigkeit, mit der ein Suchbegriff in einem Dokument erscheint (auch bekannt als TF für Term-Frequency, dt. Häufigkeit). Für die Suchanfrage [Landwirtschaft in Kansas] erhalten Dokumente, die "Landwirtschaft" häufig erwähnen, höhere Punktzahlen. Zweitens, die inverse Dokumenthäufigkeit des Begriffs oder IDF. Das Wort "in" taucht in fast jedem Dokument auf, hat also eine hohe Dokumenthäufigkeit und damit eine niedrige inverse Dokumenthäufigkeit und ist daher für die Abfrage nicht so wichtig wie "Landwirtschaft" oder "Kansas". Drittens, die Länge des Dokuments. In einem Dokument mit einer Million Wörtern werden wahrscheinlich alle Wörter der Suchanfrage erwähnt, aber möglicherweise geht es nicht wirklich um die eigentliche Suchanfrage. Ein kurzes Dokument, in dem alle Wörter erwähnt werden, ist ein viel zuverlässigerer Kandidat. Norvig I 870 Verfeinerungen des IR: Eine übliche Verfeinerung ist ein besseres Modell für die Auswirkung der Dokumentlänge auf die Relevanz. Singhal et al. (1996)(1) stellten fest, dass einfache Schemata zur Normalisierung der Dokumentlänge dazu neigen, kurze Dokumente zu sehr und lange Dokumente nicht genug zu bevorzugen. Sie schlagen ein Pivot-Schema zur Normalisierung der Dokumentlänge vor; die Idee ist, dass der Pivot die Dokumentlänge ist, bei der die Normalisierung im alten Stil korrekt ist; Dokumente, die kürzer als diese sind, erhalten einen "Boost" und längere Dokumente eine Strafe. Stemming-Algorithmen (dt. Eindämmung): Die meisten IR-Systeme schreiben "COUCH" zu "couch" um. Dazu verwenden einige einen Stemming-Algorithmus, um "Couches" sowohl in der Suchanfrage als auch in den Dokumenten auf die Stammform "Couch" zu reduzieren. Dies führt in der Regel zu einem geringen Anstieg im Abruf (in der Größenordnung von 2% für Englisch). Es kann jedoch der Präzision schaden. Zum Beispiel wird die Verkürzung von "stocking" zu "stock" tendenziell die Präzision bei Fragen zu Fußbedeckungen oder Finanzinstrumenten verringern, obwohl sie die Abrufbarkeit bei Fragen zur Lagerhaltung verbessern könnte. Auf Regeln basierende Stemming-Algorithmen (z.B. "-ing" entfernen) können dieses Problem nicht vermeiden, aber auf Wörterbüchern basierende Algorithmen (Nichtentfernen von "-ing", wenn das Wort bereits im Wörterbuch aufgeführt ist) schon. Während "stemming" im Englischen einen kleinen Effekt hat, ist es in anderen Sprachen wichtiger. Synomyme: Der nächste Schritt besteht darin, Synonyme zu erkennen, wie z.B. "Sofa" für "Couch". Wie beim "stemming" hat dies das Potenzial mehr Treffer in der Abrufaktion zu erzielen, kann aber die Präzision beeinträchtigen. Das Problem ist, dass "Sprachen absolute Synonyme verabscheuen, so wie die Natur ein Vakuum verabscheut" (Cruse, 1986)(2). Vgl. >Synonymie/Philosophische Theorien. Metadaten: Als letzte Verfeinerung kann das IR verbessert werden, indem Metadaten berücksichtigt werden, d.h. Daten außerhalb des Textes des Dokumentes. Beispiele hierfür sind vom Menschen zur Verfügung gestellte Schlüsselwörter und Publikationsdaten. Im Web sind Hypertext-Links zwischen Dokumenten eine entscheidende Informationsquelle. Norvig I 884 Geschichte: Der Bereich des Information Retrieval erfährt ein erneutes wachsendes Interesse, das durch die breite Nutzung der Internetsuche ausgelöst wurde. Robertson (1977)(3) gibt einen frühen Überblick und führt das Wahrscheinlichkeitsranking-Prinzip ein. Von Croft et al. (2009)(4) und Manning et al. (2008)(5) stammen die ersten Lehrbücher, die sowohl die webbasierte Suche als auch das traditionelle IR abdecken. Hearst (2009)(6) behandelt Benutzeroberflächen für die Websuche. Die TREC-Konferenz, die vom National Institute of Standards and Technology (NIST) der US-Regierung organisiert wird, veranstaltet einen jährlichen Wettbewerb für IR-Systeme und veröffentlicht einen Tagungsband mit den Ergebnissen. In den ersten sieben Jahren des Wettbewerbs verdoppelte sich die Leistung des IR ungefähr. Das beliebteste Modell für IR ist das Vektorraummodell (Salton et al., 1975)(7). Saltons Arbeit dominierte die frühen Jahre des Fachgebiets. Es gibt zwei alternative probabilistische Modelle, eines von Ponte und Croft (1998)(8) und eines von Maron und Kuhns (1960)(9) und Robertson und Sparck Jones (1976)(10). Lafferty und Zhai (2001)(11) zeigen, dass die Modelle auf derselben gemeinsamen Wahrscheinlichkeitsverteilung basieren, dass aber die Wahl des Modells Auswirkungen auf das Training der Parameter hat. Craswell et al. (2005)(12) beschreiben die BM25-Scoringfunktion. Svore und Burges (2009)(13) beschreiben hingegen, wie BM25 mit einem maschinellen Lernansatz verbessert werden kann, der Klickdaten - Beispiele früherer Suchanfragen und die Ergebnisse, auf die geklickt wurde - einbezieht. Brin und Page (1998)(14) beschreiben den PageRank-Algorithmus und die Implementierung einer Web-Suchmaschine. Kleinberg (1999)(15) beschreibt den HITS-Algorithmus. Silverstein et al. (1998)(16) untersuchen ein Protokoll von einer Milliarde Web-Suchanfragen. Die Zeitschrift Information Retrieval und die Vorgänge der jährlichen SIGIR-Konferenz behandeln die jüngsten Entwicklungen auf diesem Gebiet. 1. Singhal, A., Buckley, C., and Mitra, M. (1996). Pivoted document length normalization. In SIGIR-96, pp. 21–29. 2. Cruse, D. A. (1986). Lexical Semantics. Cambridge University Press. 3. Robertson, S. E. (1977). The probability ranking principle in IR. J. Documentation, 33, 294–304. 4. Croft, B., Metzler, D., and Stroham, T. (2009). Search Engines: Information retrieval in Practice. Addison Wesley. 5. Manning, C., Raghavan, P., and Schütze, H. (2008). Introduction to Information Retrieval. Cambridge University Press. 6. Hearst,M. A. (2009). Search User Interfaces. Cambridge University Press. 7. Salton, G., Wong, A., and Yang, C. S. (1975). A vector space model for automatic indexing. CACM, 18(11), 613–620. 8. Ponte, J. and Croft, W. B. (1998). A language modeling approach to information retrieval. In SIGIR-98, pp. 275–281. 9. Maron, M. E. and Kuhns, J.-L. (1960). On relevance, probabilistic indexing and information retrieval. CACM, 7, 219–244. 10. Robertson, S. E. and Sparck Jones, K. (1976). Relevance weighting of search terms. J. American Society for Information Science, 27, 129–146. 11. Lafferty, J. and Zhai, C. (2001). Probabilistic relevance models based on document and query generation. In Proc. Workshop on Language Modeling and Information Retrieval. 12. Craswell, N., Zaragoza, H., and Robertson, S. E. (2005). Microsoft Cambridge at trec-14: Enterprise track. In Proc. Fourteenth Text Retrieval Conference. 13. Svore, K. and Burges, C. (2009). A machine learning approach for improved bm25 retrieval. In Proc. Conference on Information Knowledge Management. 14. Brin, S. and Page, L. (1998). The anatomy of a large-scale hypertextual web search engine. In Proc. Seventh World Wide Web Conference. 15. Kleinberg, J. M. (1999). Authoritative sources in a hyperlinked environment. JACM, 46(5), 604–632. 16. Silverstein, C., Henzinger, M., Marais, H., and Moricz,M. (1998). Analysis of a very large altavista query log. Tech. rep. 1998-014, Digital Systems Research Center. |
Russell I B. Russell/A.N. Whitehead Principia Mathematica Frankfurt 1986 Russell II B. Russell Das ABC der Relativitätstheorie Frankfurt 1989 Russell IV B. Russell Probleme der Philosophie Frankfurt 1967 Russell VI B. Russell Die Philosophie des logischen Atomismus In Eigennamen, U. Wolf (Hg) Frankfurt 1993 Russell VII B. Russell On the Nature of Truth and Falsehood, in: B. Russell, The Problems of Philosophy, Oxford 1912 - Dt. "Wahrheit und Falschheit" In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 Norvig I Peter Norvig Stuart J. Russell Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010 |
| Informationsextraktion | KI-Forschung | Norvig I 873 Informationsextraktion/KI-Forschung/Norvig/Russell: Informationsextraktion ist der Prozess des Wissenserwerbs durch Überfliegen eines Textes und der Suche nach dem Vorkommen einer bestimmten Objektklasse und nach Beziehungen zwischen Objekten. Eine typische Aufgabe besteht darin, Instanzen von Adressen aus Webseiten mit Datenbankfeldern für Straße, Stadt, Bundesland und Postleitzahl zu extrahieren; (...) in einem begrenzten Bereich kann dies mit hoher Genauigkeit erfolgen. Da das Gebiet immer allgemeiner wird, sind komplexere linguistische Modelle und komplexere Lerntechniken erforderlich. Norvig I 874 A. Finite-State Template-basierte Informationsextraktion: Attribut-basiertes Extraktionssystem: (...) geht davon aus, dass sich der gesamte Text auf ein einziges Objekt bezieht und die Aufgabe darin besteht, Attribute dieses Objekts zu extrahieren. Z.B. Hersteller, Produkt, Preis. Relationale Extraktionssysteme: befassen sich mit mehreren Objekten und den Beziehungen zwischen ihnen. Norvig I 875 Ein relationales Extraktionssystem kann als eine Reihe von kaskadierten Finite-States-Wandlern aufgebaut werden. FASTUS z.B. besteht aus fünf Stufen: 1. Tokenisierung, 2. komplexe Wortbehandlung, 3. grundlegende Gruppenbehandlung, 4. Handhabung komplexer Phrasen, 5. Zusammenführen von Strukturen. Norvig I 876 B. Probabilistische Modelle zur Informationsextraktion: Wenn die Informationsextraktion aus gestörten oder variierten Eingaben versucht werden muss, (...) ist es besser, ein probabilistisches Modell als ein regelbasiertes Modell zu verwenden. Das einfachste probabilistische Modell für Sequenzen mit verborgenem Zustand ist das verborgene Markov-Modell oder HMM. (Vgl. >Bayesianische Netzwerke, >Statistisches Lernen.) (...) Ein HMM modelliert eine Progression durch eine Sequenz von verborgenen Zuständen, "xt", mit einer Beobachtung "et" bei jedem Schritt. Um HMMs auf die Informationsextraktion anzuwenden, kann [man] entweder ein großes HMM für alle Attribute oder ein separates HMM für jedes Attribut erstellen. HMMs sind probabilistisch und daher tolerant gegenüber Rauschen. (...) mit HMMs gibt es eine elegante Degradierung mit fehlenden Zeichen/Wörtern und [man] erhält eine Wahrscheinlichkeit, die den Grad der Übereinstimmung angibt und nicht nur eine boolesche Übereinstimmung/Fehlschlag. Norvig I 877 (...) HMMs können anhand von Daten trainiert werden; sie erfordern keine mühsame Konstruktion von Vorlagen und können daher leichter auf dem neuesten Stand gehalten werden, wenn sich der Text im Laufe der Zeit ändert. Norvig I 878 VsHMMs: Problem: Ein Problem bei HMMs für die Aufgabe der Informationsextraktion ist, dass sie eine Menge Wahrscheinlichkeiten modellieren, die wir nicht wirklich brauchen. Ein HMM ist ein generatives Modell; es modelliert die volle gemeinsame Wahrscheinlichkeit von Beobachtungen und verborgenen Zuständen und kann daher zur Erzeugung von Stichproben verwendet werden. Das heißt, wir können das HMM-Modell nicht nur verwenden, um einen Text zu parsen und den Sprecher und das Datum wiederherzustellen, sondern auch, um eine zufällige Instanz eines Textes zu erzeugen, der einen Sprecher und ein Datum enthält. Lösung: Alles, was wir brauchen, um einen Text zu verstehen, ist ein unterscheidendes Modell, eines, das die bedingte Wahrscheinlichkeit der verborgenen Attribute angesichts der Beobachtungen (des Textes) modelliert. Bedingtes Zufallsfeld: Wir brauchen nicht die Unabhängigkeitsannahmen des Markov-Modells - wir können ein "xt" haben, das von "x1" abhängig ist. Ein Rahmen für diese Art von Modell ist das bedingte Zufallsfeld oder CRF, das eine bedingte Wahrscheinlichkeitsverteilung eines Satzes von Zielvariablen modelliert, denen ein Satz von Beobachtungsvariablen gegeben ist. Wie Bayessche Netzwerke können CRFs viele verschiedene Strukturen von Abhängigkeiten zwischen den Variablen darstellen. Norvig I 879 Ontologische Extraktion: [ist zu unterscheiden von] Informationsextraktion, da das Auffinden einer bestimmten Menge von Beziehungen (z.B. Sprecher, Zeit, Ort) in einem bestimmten Text (z.B. einer Vortragsankündigung) (...) [Ontologie-Extraktion] den Aufbau einer großen Wissensbasis oder Ontologie von Fakten aus einem Korpus darstellt. Dies unterscheidet sich in dreierlei Hinsicht: Erstens ist das Ende offen - wir wollen Fakten über alle Arten von Bereichen erfassen, nicht nur über einen bestimmten Bereich. Zweitens ist diese Aufgabe bei einem großen Korpus von Präzision und nicht durch Abruf geprägt - genau wie bei der >Question Answering im Internet (...). Drittens können die Ergebnisse statistische Aggregate sein, die aus mehreren Quellen zusammengetragen werden, anstatt aus einem bestimmten Text extrahiert zu werden. So befasste sich z.B. Hearst (1992)(1) mit dem Problem des Erlernens einer Ontologie von Begriffskategorien und Unterkategorien aus einem großen Korpus. Die Arbeit konzentrierte sich auf Templates, die sehr allgemein sind (nicht an einen bestimmten Bereich gebunden) und eine hohe Präzision aufweisen (sind Norvig I 880 fast immer korrekt, wenn sie übereinstimmen), jedoch nicht so leistungsfähig im Abruf (stimmen nicht immer überein) sind. Hier ist eine der produktivsten Templates: NP wie NP (, NP)* (,)? ((und | oder) NP)? . Hier müssen ["wie", "und", "oder"] und Kommas wörtlich im Text erscheinen, die Klammern dienen jedoch der Gruppierung, das Sternchen bedeutet Wiederholung von Null oder mehr und das Fragezeichen bedeutet optional. Probleme: Die größte Schwäche dieses Ansatzes ist die Empfindlichkeit für Rauschen. Wenn eine der ersten wenigen Templates falsch ist, können sich Fehler schnell ausbreiten. Eine Möglichkeit, dieses Problem einzugrenzen, besteht darin, ein neues Beispiel nicht zu akzeptieren, es sei denn, es wird durch mehrere Vorlagen verifiziert. [Eine andere Möglichkeit ist] eine neue Vorlage nicht zu akzeptieren, es sei denn, es werden mehrere Beispiele entdeckt, die auch von anderen Vorlagen gefunden werden. Maschinelles Lesen: (...) ein System, das selbständig lesen und eine eigene Datenbank aufbauen könnte. Ein solches System wäre relations-unabhängig und würde für jede Relation funktionieren. In der Praxis arbeiten diese Systeme aufgrund der Eingabe/Ausgabe-Anforderungen großer Korpora auf allen Relationen parallel. Sie verhalten sich weniger wie ein traditionelles Informationsextraktionssystem, das auf einige wenige Relationen abzielt, sondern eher wie ein menschlicher Leser, der aus dem Text selbst lernt; aus diesem Grund wurde das Gebiet als maschinelles Lesen bezeichnet. Ein repräsentatives maschinelles Lesesystem ist TEXTRUNNER (Banko und Etzioni, 2008)(2). TEXTRUNNER nutzt Co-Training, um seine Leistung zu steigern, aber es braucht etwas, von dem es bootstrapen kann. Im Fall von Hearst (1992)(1) lieferten bestimmte Muster (z.B. wie) den Bootstrap, und bei Brin (1998)(3) handelte es sich um einen Satz von fünf Autor-Titel-Paaren. Norvig I 884 Zu den frühen Programmen der Informationsextraktion gehören GUS (Bobrow et al., 1977)(4) und FRUMP (DeJong, 1982)(5). Die jüngste Informationsbeschaffung wurde durch die jährlichen, von der US-Regierung geförderten Message Understand Conferences (MUC) vorangetrieben. Das FASTUS-Finite-State-System wurde von Hobbs et al. (1997)(6) entwickelt. Es basierte zum Teil auf der Idee von Pereira und Wright (1991)(7), FSAs als Annäherungen an Phrasenstrukturgrammatiken zu verwenden. Überblicke über template-basierte Systeme werden von Roche und Schabes (1997)(8) und Appelt (1999)(9) gegeben, Norvig I 885 Freitag und McCallum (2000)(10) besprechen HMMs zur Informationsextraktion. CRFs wurden von Lafferty et al. (2001)(11) eingeführt; ein Beispiel für ihre Verwendung zur Informationsextraktion wird in (McCallum, 2003)(12) beschrieben und ein Tutorium mit praktischer Anleitung wird von (Sutton und McCallum, 2007)(13) gegeben. Sarawagi (2007)(14) gibt einen umfassenden Überblick. 1. Hearst, M. A. (1992). Automatic acquisition of hyponyms from large text corpora. In COLING-92. 2. Banko, M. and Etzioni, O. (2008). The tradeoffs between open and traditional relation extraction. In ACL-08, pp. 28–36. 3. Brin, D. (1998). The Transparent Society. Perseus 4. Bobrow, D. G.,Kaplan, R.,Kay,M.,Norman, D. A., Thompson, H., and Winograd, T. (1977). GUS, a frame driven dialog system. AIJ, 8, 155–173. 5. DeJong, G. (1982). An overview of the FRUMP system. In Lehnert,W. and Ringle,M. (Eds.), Strategies for Natural Language Processing, pp. 149–176. Lawrence Erlbaum. 6. Hobbs, J. R., Appelt, D., Bear, J., Israel, D., Kameyama, M., Stickel, M. E., and Tyson, M. (1997). FASTUS: A cascaded finite-state transducer for extracting information from natural-language text. In Roche, E. and Schabes, Y. (Eds.), Finite- State Devices for Natural Language Processing, pp. 383–406. MIT Press. 7. Pereira, F. and Wright, R. N. (1991). Finite-state approximation of phrase structure grammars. In ACL-91, pp. 246–255. 8. Roche, E. and Schabes, Y. (1997). Finite-State Language Processing (Language, Speech and Communication). Bradford Books. 9. Appelt, D. (1999). Introduction to information extraction. CACM, 12(3), 161–172. 10. Freitag, D. and McCallum, A. (2000). Information extraction with hmm structures learned by stochastic optimization. In AAAI-00. 11. Lafferty, J., McCallum, A., and Pereira, F. (2001). Conditional random fields: Probabilistic models for segmenting and labeling sequence data. In ICML-01. 12. McCallum, A. (2003). Efficiently inducing features of conditional random fields. In UAI-03. 13. Sutton, C. and McCallum, A. (2007). An introduction to conditional random fields for relational learning. In Getoor, L. and Taskar, B. (Eds.), Introduction to Statistical Relational Learning. MIT Press. 14. Sarawagi, S. (2007). Information extraction. Foundations and Trends in Databases, 1(3), 261–377. |
Norvig I Peter Norvig Stuart J. Russell Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010 |
| Informationsverarbeitung | Matthews | Corr I 418 Informationsverarbeitung/Kognitionspsychologie/Charakterzüge/Matthews: Die kognitiven Musterungen von Charakterzügen (d.h. Verzerrungen in mehreren, unabhängigen, verarbeitenden Komponenten) unterstützen Theorien, die Merkmale mit individuellen Unterschieden in der Informationsverarbeitung verbinden. Die produktiveren Forschungsbereiche zeigen eine Progression in drei Schritten. 1) Der erste Schritt besteht einfach darin, zu zeigen, dass ein weit gefasster Effekt vorliegt, wie z.B. eine Beeinträchtigung des Arbeitsgedächtnisses oder eine selektive Aufmerksamkeitsverzerrung. >Arbeitsgedächtnis, >Selektive Aufmerksamkeit. 2) Der zweite Schritt ist, eine umfassende Theorie zu skizzieren, die einige allgemeine Vorhersagen macht. Zum Beispiel führt die Theorie, dass Verzerrungen in der Angst präventiv wirken, zu der Vorhersage, dass sie auch dann offensichtlich sein sollten, wenn Reize unterbewusst präsentiert werden. 3) Der dritte Schritt ist die Entwicklung eines detaillierten Rechenmodells, wie z.B. der Aufbau eines konnektionistischen Netzwerks, das das Phänomen im Detail simuliert (Matthews und Harley 1996(1); Mathews und Mackintosh 1998(2)). >Konnektionismus, >Neuronale Netze. Probleme: Die Berichte der Informationsverarbeitung sind unvollständig. Manchmal sind Persönlichkeitseffekte strategischer Natur, d.h. es kann keinen Persönlichkeitseffekt auf die Parameter der Informationsverarbeitung geben, aber verschiedene Individuen nutzen die Funktionalität der kognitiven Architektur, um unterschiedliche Aufgabenziele zu verfolgen, z.B. in Bezug auf die Bewertung von Geschwindigkeit über Genauigkeit. Um zu verstehen, wie sich Persönlichkeit auf die freiwillige Wahl der Strategie auswirkt, müssen wir uns mit der Selbstregulierung auf hoher Ebene und der Selbstkenntnis, die sie unterstützt, befassen. >Selbstregulation. Corr I 420 Charakterzüge: Die informationsverarbeitenden Attribute einer bestimmten Eigenschaft stellen eine Plattform dar, auf der der Einzelne die Fähigkeiten aufbaut, die seine adaptive Spezialisierung unterstützen. >Charakterzüge. 1. Matthews, G., & Harley, T. A. 1996. Connectionist models of emotional distress and attentional bias, Cognition and Emotion 10: 561–600 2. Mathews, A. and Mackintosh, B. 1998. A cognitive model of selective processing in anxiety, Cognitive Therapy and Research 22: 539–60 Gerald Matthews, „ Personality and performance: cognitive processes and models“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Informationswirtschaft | Benkler | Benkler I 32 Informationswirtschaft/Benkler: Die hohen Kapitalkosten, die Voraussetzung für das Sammeln, Arbeiten und Kommunizieren von Informationen, Wissen und Kultur waren, sind inzwischen in der Gesellschaft weit verbreitet. Die von ihnen gestellte Eintrittsbarriere bietet keinen Kondensationspunkt mehr für die großen Unternehmen, die einst die Informationsumgebung dominierten. Stattdessen entstehende Modelle der Informations- und Kulturproduktion, die radikal dezentralisiert sind und auf der Grundlage von I 33 entstehenden Mustern der Zusammenarbeit und des Austauschs, aber auch des einfachen koordinierten Zusammenlebens, beginnen eine immer größere Rolle bei der Erzeugung von Bedeutung - Information, Wissen und Kultur - in der vernetzten Informationswirtschaft zu übernehmen. I 130 Die vernetzte Informationswirtschaft ermöglicht dem Einzelnen besser Dinge selbst und für sich zu tun, und macht ihn oder sie weniger anfällig für Manipulationen durch andere als in der Massenmedienkultur. >Massenmedien/Benkler. |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 |
| Infrastruktur | Edwards | I 40 Infrastruktur/Star/Ruhleder/Edwards: Infrastruktur weist (...) die folgenden Merkmale auf, (...) zusammengefasst von Susan Leigh Star und Karen Ruhleder: - Infrastruktur ist eingebettet: Die Infrastruktur ist in andere Strukturen, soziale Arrangements und Technologien eingebettet. - Infrastruktur weist Transparenz auf: Infrastruktur muss nicht jedes Mal neu erfunden oder für jede Aufgabe aufgebaut werden, sondern unterstützt diese Aufgaben unsichtbar. - Infrastruktur hat Reichweite oder Umfang über ein einzelnes Ereignis oder eine lokale Praxis hinaus. - Infrastruktur ist als Teil der Mitgliedschaft gelernt: Die Selbstverständlichkeit von Artefakten und organisatorischen Arrangements ist eine conditio sine qua non der Mitgliedschaft in einer Community of Practice. Fremde und Außenstehende begegnen der Infrastruktur als einem Zielobjekt, über das man etwas lernen kann. Neue Teilnehmer erwerben eine eingebürgerte Vertrautheit mit ihren Objekten, wenn sie Mitglieder werden. I 41 - Infrastruktur weist Verbindungen mit Konventionen der Praxis auf: Infrastruktur formt und wird geformt durch die Konventionen einer Community of Practice. - Infrastruktur verkörpert Standards: Die Infrastruktur wird transparent, indem sie sich standardisiert in andere Infrastrukturen und Tools einfügt. - Infrastruktur baut auf einer installierten Basis auf: Die Infrastruktur kämpft mit der Trägheit der installierten Basis und erbt deren Stärken und Einschränkungen. - Infrastruktur wird bei einem Ausfall sichtbar: Die normalerweise unsichtbare Qualität einer funktionierenden Infrastruktur wird sichtbar, wenn sie kaputt geht: Der Server fällt aus, die Brücke wird überspült, es gibt einen Stromausfall. -Infrastruktur wird in modularen Schritten behoben, nicht alles auf einmal oder global. Weil Infrastruktur groß, vielschichtig und komplex ist und weil sie lokal unterschiedliche Dinge bedeutet, wird sie nie von oben herab geändert. Änderungen erfordern Zeit, Verhandlungen und die Abstimmung mit anderen Aspekten der beteiligten Systeme. Adapted from S. L. Star and K. Ruhleder, “Steps Toward an Ecology of Infrastructure: Design and Access for Large Information Spaces,” Information Systems Research 7, no. 1 (1996): 111–. |
Edwards I Paul N. Edwards A Vast Machine: Computer Models, Climate Data, and the Politics of Global Warming Cambridge 2013 |
| Inhalt | Block | Fodor IV 172 Enger Inhalt/Fodor/Lepore VsBlock: Die Idee, dass enge Bedeutungen begriffliche Rollen sind, wirft kein Licht auf die Unterscheidung Bedeutung/Referenz. Eine semantische Theorie sollte nicht nur die Identität von Bedeutung feststellen können, sondern auch eine kanonische Form bereitstellen, die Fragen nach der Bedeutung von Ausdrücken beantworten kann. Wenn letzteres gelingt, ist nicht ganz klar, ob auch das erste gelingen muss. Kategorien/Block: Er selbst sagt, dass die meisten empirischen Taxonomien keine hinreichenden und notwendigen Bedingungen für die Anwendung ihrer eigenen Kategorien liefern. Enger Inhalt/Kategorien/Zwillingserde/Block/Fodor/LeporeVsBlock: Problem: wie enge Inhalte ausgedrückt werden können. Bsp Wenn die mentalen Zustände der Zwillinge ipso facto ihre Inhalte teilen, was ist denn dann der Inhalt, den sie teilen? Er kann nicht durch das bestimmt werden, was beide teilen, nämlich der Gebrauch von "Wasser ist nass": denn das drückt die enge Proposition aus, das Wasser nass ist. Was sind denn dann die Wahrheitsbedingungen? IV 173 Weite Bedeutung/Block: mag besser sein, um Verhalten zu erklären. ((s) nicht nur Bedeutung im Kopf sondern auch die Umstände). >Umstände. ((s) Umstände/Zwillingserde/weiter Inhalt/(s): Problem: wenn die Umstände darin bestehen, dass einmal H2O und einmal XYZ wirksam ist, dann sind die Umstände etwas, das das Individuum außerstande ist, zu erkennen. D.h. man weiß nicht, in welchen Umständen man sich befindet oder welche Umstände gegeben sind, da man nicht beide Situationen nebeneinanderhalten kann.) >Zwillingserde. Fodor/Lepore: ...aber nur, soweit es nomologische Relationen zwischen Welt und Glauben gibt. psychologische Gesetze: wenn es psychologische Gesetze gibt, dann gibt es ipso facto Verallgemeinerungen die über weiten, aber nicht engen Inhalt gehen. Fodor/Lepore pro. Fodor/LeporeVsBlock: es verfehlt aber den Hauptpunkt: einige dieser psychologischen Gesetze wären dann im Hinblick auf intentionalen Inhalt fixiert: IV 174 "ceteris paribus, wenn jemand das und das glaubt und dies und das will, dann wird er soundso handeln". Problem: Es wird dann an diese intentionalen Gesetze appelliert - und nicht an die nichtkontingenten Verbindungen zwischen Geist und Verhalten, die die funktionalen Definitionen des Inhalts angeblich definieren sollen. Und diese intentionalen Gesetze sollen die psychologischen Erklärungen dann stützen. >Verhalten. |
Block I N. Block Consciousness, Function, and Representation: Collected Papers, Volume 1 (Bradford Books) Cambridge 2007 Block II Ned Block "On a confusion about a function of consciousness" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 F/L Jerry Fodor Ernest Lepore Holism. A Shoppers Guide Cambridge USA Oxford UK 1992 Fodor I Jerry Fodor "Special Sciences (or The Disunity of Science as a Working Hypothesis", Synthese 28 (1974), 97-115 In Kognitionswissenschaft, Dieter Münch Frankfurt/M. 1992 Fodor II Jerry Fodor Jerrold J. Katz Sprachphilosophie und Sprachwissenschaft In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Fodor III Jerry Fodor Jerrold J. Katz The availability of what we say in: Philosophical review, LXXII, 1963, pp.55-71 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 |
| Inhalt | Davidson | Rorty VI 217 Inhalt/Brandom/Davidson/SellarsVs: "Inhalt" ist ein unverständlicher Begriff. Man braucht nichts weiter, als dass ein Begriff als Knoten eines Folgerungsmusters fungiert. So stehen alle systematisch in Umlauf gebrachten Wörter auf gleicher Stufe, egal ob sie von Abergläubischen oder Höhlenmenschen stammen. (VsMcDowell) Davidson I (b) 19 Maisbrot-Bsp: (Johanna kennt ein Rezept für Maisbrot, das sie für einfach hält): Der Gedanken-Inhalt muss bekannt sein, um ihn einfach oder schwer zu finden. Davidson I (e) 96/7 Inhalt/Überzeugung/Davidson: Die Sinneserfahrung spielt zwar eine Hauptrolle bei dem kausalen Vorgang durch den Überzeugungen mit der Welt verbunden werden, doch es ist ein Fehler zu glauben, dass sie bei der Bestimmung des Inhalts dieser Überzeugungen eine erkenntnistheoretische Rolle spielt! - ((s) Der Inhalt ist schon vorher beim Lernen festgelegt, sonst gäbe es gar keinen Vergleich von Überzeugungen und Welt, weil sie sich immer parallel verhielten.) >Sinneseindrücke, >Wahrnehmung, >Kausaltheorie des Wissens; vgl. >Begrifflicher Gehalt, >Propositionaler Gehalt. |
Davidson I D. Davidson Der Mythos des Subjektiven Stuttgart 1993 Davidson I (a) Donald Davidson "Tho Conditions of Thoughts", in: Le Cahier du Collège de Philosophie, Paris 1989, pp. 163-171 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (b) Donald Davidson "What is Present to the Mind?" in: J. Brandl/W. Gombocz (eds) The MInd of Donald Davidson, Amsterdam 1989, pp. 3-18 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (c) Donald Davidson "Meaning, Truth and Evidence", in: R. Barrett/R. Gibson (eds.) Perspectives on Quine, Cambridge/MA 1990, pp. 68-79 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (d) Donald Davidson "Epistemology Externalized", Ms 1989 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (e) Donald Davidson "The Myth of the Subjective", in: M. Benedikt/R. Burger (eds.) Bewußtsein, Sprache und die Kunst, Wien 1988, pp. 45-54 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson II Donald Davidson "Reply to Foster" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Davidson III D. Davidson Handlung und Ereignis Frankfurt 1990 Davidson IV D. Davidson Wahrheit und Interpretation Frankfurt 1990 Davidson V Donald Davidson "Rational Animals", in: D. Davidson, Subjective, Intersubjective, Objective, Oxford 2001, pp. 95-105 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Inhalt | Dennett | McDowell I 77 Inhalt/Dennett/McDowell: Dennett schlägt vor, die Rolle des Inhalts auf der personalen Ebene zu einem Teil als Rolle des Inhalts auf der sub-personalen Ebene zu verstehen. ((s) "Vorgefühl", kommt allerdings nicht isoliert vor). >Intentionalität/Dennett. McDowellVsDennett. |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell |
| Inhalt | Dummett | Brandom I 509 Inhalt/Dummett/Zufall: Dummett unterscheidet zwischen freistehenden und eingebetteten Inhalten. Wahrheitswert - Bestimmtheit - freistehender Inhalt. >Subsententiales, >Wortbedeutung, >Satzbedeutung. Mehrfachwert: eingebetteter Inhalt. >Termminologie/Brandom. III (a) 42 Inhalt/Dummett: These: Inhalt wird durch das charakterisiert, was eine Behauptung als verfehlt erscheinen lassen würde, nicht durch das, was sie als richtig erweisen würde. Jemand, der ein Konditional behauptet, wird die Falschheit des Antezedens gerade nicht ausschließen. - Unsere Begriffe von richtig und falsch sind asymmetrisch. III (a) 43 Konsequenz der Falschheit: Zurückziehen der Behauptung - keine eindeutige Konsequenz für Richtigkeit. >Richtigkeit, >Korrektheit. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Inhalt | Frege | Berka I 85 Inhalt/Frege: Der Inhalt ist die Funktion eines Arguments und er ist begriffsbildend. Das Subjekt ist das Argument. Das Prädikat ist die Funktion. >Subjekt, >Prädikat, >Funktion. Berka I 86 Nicht jeder Inhalt ist beurteilbar: Bsp die Vorstellung Haus. >Urteil, >Vorstellung. Berka I 87 Bejahung/Frege: Die Bejahung bezieht sich auf das Ganze von Inhalt und Urteil. I 88 Dagegen: Die Negation/Verneinung gehört zum Inhalt, nicht zum Urteil. >Negation. Berka I 87 Def begrifflicher Inhalt/Frege/(s): Der begriffliche Inhalt ist, was Aktiv und Passiv gemeinsam ist. - ((s) Woraus dieselbe Menge von Folgerungen gezogen werden kann. Das hat mit der Unterscheidung Funktion/Argument nichts zu tun.) Berka I 96 Inhaltsgleichheit/IG/Frege: Die Inhaltsgleichheit unterscheidet sich von der Bedingtheit (Implikation) darin, dass sie sich auf Namen, nicht auf Inhalte bezieht. Zwei Namen haben den gleichen Inhalt. >Namen. Problem: Zeichen können manchmal für sich selbst, manchmal für einen Inhalt stehen. Bsp In der Geometrie kann derselbe Punkt verschiedene Bedeutungen haben. Daher muss man zuerst zwei verschiedene Namen gebrauchen, um das später zu zeigen. Verschiedene Namen sind keine bloße Formsache. Schreibweise: Dreistrich ≡. Dieser bezieht sich auf begrifflichen Inhalt. Auch Inhaltsgleichheit braucht ein eigenes Zeichen, weil derselbe Inhalt verschieden bestimmt werden kann.(1) 1. G. Frege, Begriffsschrift, eine der arithmetischen nachgebildete Formelsprache des reinen Denkens, Halle 1879, Neudruck in: Ders. Begriffsschrift und andere Aufsätze, hrsg. v. J. Agnelli, Hildesheim 1964 Stuhlmann-Laeisz II 47 Inhalt/Frege: Der Inhalt ist die Intension, Weise des Gegebenseins. >Intension, >Gegebenheitsweise. II 57ff Inhalt/Satz/Frege: Der Inhalt kann wahr oder falsch sein. >Sinn. |
F I G. Frege Die Grundlagen der Arithmetik Stuttgart 1987 F II G. Frege Funktion, Begriff, Bedeutung Göttingen 1994 F IV G. Frege Logische Untersuchungen Göttingen 1993 Berka I Karel Berka Lothar Kreiser Logik Texte Berlin 1983 SL I R. Stuhlmann Laeisz Philosophische Logik Paderborn 2002 Stuhlmann II R. Stuhlmann-Laeisz Freges Logische Untersuchungen Darmstadt 1995 |
| Inhalt | Wittgenstein | Wright I 278 Gehalt/Inhalt/Wittgenstein: Alles Inhaltliche ist weich geworden. Es gibt keine einschlägigen Tatsachen. >Tatsachen, >Sachverhalte. Hintikka I 204 Inhalt/Logik/Wittgenstein/Hintikka: Der Satz "Kein Gegenstand ist rot und grün zugleich" ist aus logischen Gründen wahr - nicht aus inhaltlichen. IV 20 Innen/außen/Tractatus: 3.13 Zum Satz gehört alles, was zur Projektion gehört, aber nicht das Projizierte. >Grenzen, >Zirkularität, >Sätze. IV 21 Also die Möglichkeit des Projizierten, nicht dieses selbst. Im Satz ist also sein Sinn noch nicht enthalten, wohl aber die Möglichkeit, ihn auszudrücken. Im Satz ist die Form seines Sinnes enthalten, aber nicht dessen Inhalt. VI 213 Wir ziehen allzu leicht den Schluss, dass Sätze, die unbezweifelbar feststehen, zugleich Sätze sind, deren Inhalt man weiß. Bsp 1 + 1 = 2 kann man wirklich sagen, man "wisse" dergleichen? >Wissen, >Gewissheit. These: Wenn Zweifel ausgeschlossen sind, ist der Gebrauch des Begriffs "Wissen" nicht angebracht. >Zweifel. VII 85 Welt/Subjekt/Stellung/Standpunkt/Mach/Tetens: sinngemäß: Ich kann mir beim Betrachten der Welt nicht selbst über die Schulter sehen. Ich als das Subjekt meiner Wahrnehmung komme nicht vor als Teil der Welt, die ich wahrnehme. Ich als Subjekt bin nicht Inhalt, nicht Gegenstand der Wahrnehmung. >Subjekte, >Wahrnehmung. VII 86 Subjekt/Tetens: Ich kann mich niemals als Subjekt vollständig einholen und objektivieren. Ich falle als Subjekt aus den Inhalten heraus. >Objektivität. VII 91 Subjekt: Das Subjekt schrumpft auf das, was den Gedanken hat – aber nicht als Teil des Inhalts des Gedankens. >Gedanken. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Inkommensurabilität | Feyerabend | I 353 Inkommensurabilität/Feyerabend: Bsp Prinzip: Es gibt eine Gewohnheit, einen Gegenstand immer dann als gegeben zu betrachten, wenn die Liste seiner Teile vollständig aufgeführt ist (Das ist archaisches Denken). Diese Gewohnheit wird aufgehoben (aber ohne dass einem Prinzip widersprochen wurde) durch die Vermutung, dass auch die vollständigste Liste einen Gegenstand nicht vollständig beschreibt! Daher kann man Inkommensurabilität nicht durch Rückgriff auf Aussagen definieren. Begründung: Wird die Gewohnheit außer Kraft gesetzt, dann sind damit auch die Gegenstände der Welt A außer Kraft gesetzt. Man kann die A-Gegenstände nicht mit einer Methode der Vermutungen untersuchen, die kein Ende kennt. >Bedeutungswandel. I 354 Inkommensurabilität/Feyerabend: Aus dem Gesagten geht hervor, dass man nicht die Inhalte von A und B vergleichen kann. Entsprechende Tatsachen lassen sich nicht nebeneinander stellen, nicht einmal in Gedanken: Wenn man sich B-Tatsachen vorstellt, dann bedeutet das, dass Prinzipien außer Kraft gesetzt werden, die in die Konstruktion von A-Tatsachen eingingen. Man kann lediglich B-Bilder von A-Tatsachen in B-zeichnen oder B-Aussagen über A-Tatsachen in B machen. Man kann keine A-Aussagen über A-Tatsachen in B machen. Übersetzung/Feyerabend: Man kann auch nicht die Sprache A in die Sprache B übersetzen. Das bedeutet nicht, dass man die beiden Auffassungen nicht diskutieren könnte, aber die Diskussion kann sich nicht auf logische Beziehungen zwischen den Bestandteilen von A und B gründen. I 355 Inkommensurabilität/FeyerabendVsKritiker: Inkommensurabilität gilt nicht für alle konkurrierenden Theorien und es gilt für Theorien nur dann, wenn sie auf bestimmte Weise interpretiert werden, z. B. ohne Bezug auf eine »unabhängige Beobachtungssprache«! Diese Einschränkung wurde von den meisten Kritikern übersehen. Ich behaupte nicht die Inkommensurabilität aller Theorien! Nur allgemeine und nicht instanzengebundene Theorien können inkommensurabel sein und auch diese nur dann, wenn man sie in bestimmter Weise interpretiert. (Die Bedingungen "nicht instanzengebunden" schließt "Theorien" wie "Alle Raben sind schwarz" aus). I 358 Inkommensurabilität/Feyerabend: Es gibt auch keine gemischten Aussagen zwischen klassischen und relativistischen Formulierungen. Man verwendet gewisse universelle Prinzipien und setzt sie gleichzeitig außer Kraft. Inkommensurabilität/Feyerabend: Bsp "Impetus" wird von Galilei und Newton außer Kraft gesetzt und ist daher kein Prinzip für die Konstituierung von Tatsachen mehr. I 360 Inkommensurabilität/Feyerabend: Die Frage, ob zwei Theorien inkommensurabel sein, ist eine unvollständige Frage! Theorien lassen sich verschieden interpretieren! Nach einer Interpretation sind sie kommensurabel, nach der anderen nicht! >Interpretation, >Theorien. I 361/362 Bsp Der Instrumentalismus macht alle Theorien kommensurabel, die mit der gleichen Beobachtungssprache zusammenhängen. Der Realismus dagegen möchte Beobachtbares und Nichtbeobachtbares auf die gleiche Weise darstellen (und kommensurabel machen). I 367 Inkommensurabilität/Feyerabend: Inkommensurabilität entsteht nur bei der Betrachtung umfassender kosmologischer Theorien! Beschränkte Theorien führen nur selten zu begrifflichen Revisionen. I 372 Inkommensurabilität/Sprache/Feyerabend: Man sagt heute nicht mehr, die Natur scheut das Vakuum. Das ist eine Änderung des Jargons, nicht der Tatsachen. I 375 FeyerabendVsKuhn/Inkommensurabilität: seine Ideen neigen mehr in Richtung Psychologie und legen nahe, dass jede wissenschaftliche Veränderung a) zu einer Verschiebung des Sinns und daher b) zur Inkommensurabilität führt. Feyerabend: meiner Ansicht nach sind Änderungen der Wahrnehmungswelt durch die Forschung festzustellen, sie sind keine Selbstverständlichkeit. Kuhn: ein Verständnis zwischen verschiedenen Paradigmen ist nicht möglich. FeyerabendVsKuhn: Wissenschaftler aus verschiedenen Paradigmen können sich sehr gut verstehen. II 16 Inkommensurabilität/Feyerabend: zeigt, dass eine Methodologie der Gehaltsvermehrung oder Wahrheitsnähe nicht überall auf die Wissenschaften passt. >Verstehen. |
Feyerabend I Paul Feyerabend Wider den Methodenzwang Frankfurt 1997 Feyerabend II P. Feyerabend Erkenntnis für freie Menschen Frankfurt 1979 |
| Inkommensurabilität | Kuhn | I 210 Theorie/Inkommensurabilität/Theorienwahl/Kuhn: letztlich werden Theorien aus persönlichen und subjektiven Gründen gewählt, nicht durch Berufung auf gute Gründe, da die Gründe inkommensurabel sind. ((s) Inkommensurabilität, Unvergleichbarkeit entsteht laut Kuhn aus historisch sich verändernden Rahmenbedingungen, die Sprache, Interesse und Problemstellungen betreffen.) I 209 Bedeutungsänderung/Begriffswandel/Kuhn: da die Vokabulare der Diskussionen um neue Theorien vorwiegend aus denselben Ausdrücken bestehen, müssen einige dieser Ausdrücke verschieden auf die Natur angewendet werden. - Folglich ist die Überlegenheit einer Theorie über eine andere in der Diskussion nicht nachzuweisen. >Beobachtungssprache/Kuhn, >Bedeutungswandel/Kuhn, >Interpretation, >Kritik an Thomas Kuhn; Siehe auch >Interessen. |
Kuhn I Th. Kuhn Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Frankfurt 1973 |
| Inkommensurabilität | Politische Theorien | Gaus I 240 Inkommensurabilität/Pluralismus/Politische Philosophie/D'Agostino: Der Begriff der Inkommensurabilität ist (...) in der Debatte zwischen Monisten und Pluralisten von entscheidender Bedeutung (siehe insbesondere Chang, 1997(1); Raz, 1986(2): Kap. 13). Pluralisten müssen natürlich nicht auf einer pauschalen Inkommensurabilität bestehen. >Pluralismus. Wie Barry bereits 1965 mit seiner Verwendung der "Indifferenzkurven" der Ökonomen (1990(3): Kap. I, S. 2) argumentierte und wie James Griffin (1986(4): 89-90) und andere später noch einmal bekräftigt haben, ist eine einzige, eindeutige Rangfolge von Optionen auch bei mehreren zugrunde liegenden Bewertungsgrundlagen möglich, solange diese Werte gegeneinander "abgewogen werden". Tatsächlich sind Pluralismus und Inkommensurabilität logisch unabhängig voneinander; selbst ein Pluralist, der glaubt, dass Kompromisse immer möglich sind, wird dadurch nicht zum Monisten (siehe Dancy, 1993(5): 121). Sie oder er hat zum Beispiel eine Grundlage, die dem echten Monisten zu fehlen scheint, um das Bedauern zu konzeptualisieren, das wir häufig erleben, selbst wenn wir die beste Option wählen (vgl. Stocker, 1997(6): 199). Rhetorisch ist es dennoch verständlich, dass die Pluralisten dazu tendieren, sich auf Fälle zu konzentrieren, in denen die Inkommensurabilität offensichtlich ist, weil Kompromisse unmöglich oder unangemessen erscheinen. Denn Pluralisten sehen ihre Position zumindest teilweise im Gegensatz zum Monismus, und Inkommensurabilität ist mit einem Vollblutmonismus unvereinbar. (Dies ist die Bedeutung der Debatte über die "zwischenmenschliche Vergleichbarkeit" von Wohlfahrt für den Utilitarismus. Vergleichbarkeit: Ohne eine solche Vergleichbarkeit wird der Utilitarismus zu einem pluralistischen Ansatz, dem der einzige übergreifende normative Standard fehlt, dessen Bedeutung Mill betonte. Siehe z.B. Elster und Roemer, 1991(7)). 1. Chang, Ruth, Hrsg. (1997) Incommensurability, Incomparability, and Practical Reason. Cambridge, MA: Harvard University Press. 2. Raz, Joseph (1986) The Morality of Fæedom. Oxford: Clarendon. 3. Barry, Brian (1990) Political Argument: A Reissue with a New Introduction. Berkeley, CA: University of California Press. 4. Griffin, James (1986) Well-Being. Oxford: Clarendon. 5. Dancy, Jonathan (1993) Moral Reasons. Oxford: Blackwell. 6. Stocker, Michael (1997) 'Abstract and concrete value: plurality, conflict, and maximization'. In Ruth Chang, Hrsg., Incommensurability, Incomparability, and Practical Reason. Cambridge, MA: Harvard University Press. 7. Elster, Jon and John Roemer, Hrsg. (1991) Interpersonal Comparisons of Well-Being. Cambridge: Cambridge University Press. D’Agostino, Fred 2004. „Pluralism and Liberalism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Inkommensurabilität | Putnam | III 161f Inkommensurabilität/Putnam: Inkommensurabilität gab es schon vor Kuhn bei Saussure: Grundeinheiten der Sprache können nicht aus den Lauten ermittelt werden. Whorf: Wenn einzelne Sprachen ganz verschieden viele Farbprädikate haben, dann ist Bedeutung den Einzelsprachen vorbehalten. >Idiolekt. DerridaVsWhorf: Die Bedeutungen sind nicht nur einzelnen Sprachen sondern den einzelnen Texten vorbehalten. >Dekonstruktion. DerridaVsSaussure: Den Begriff des Zeichens kann man ganz fallen lassen. PutnamVsDerrida: Derrida missversteht Saussures Projekt einer Bedeutungstheorie. >Zeichen/Derrida, >Zeichen/Saussure. III 165 Lösung/Putnam: Wir behalten den Begriff der Bedeutungsgleichheit bei, aber sehen ein, dass er nicht im Sinn von Selbstidentität von Gegenständen und Signifikaten verstanden werden darf. PutnamVsDerrida (wie VsFodor): "Bedeutungsgleichheit" ist interessenrelativ, und setzt ein normatives Urteil über Vernünftigkeit in einer Situation voraus. --- V 157 Inkommensurabilität/PutnamVsFeyerabend: Es ist widersprüchlich, zu behaupten, Galileis Begriffe seien inkommensurabel und sie anschließend ausführlich zu schildern. Man muss die alte Sprache auch verstehen um sagen zu können, dass die Vorhersagen gleich sind. >Bedeutungswandel. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 |
| Inkommensurabilität | Schurz | I 216 Inkommensurabilität/Inkommensurabilitätsproblem/Kuhn/Ramsey Satz/Carnap Satz/Schurz: Ramseysatz und Carnapsatz zusammen lösen auch das Inkommensurabilitäts Problem: das besagt, dass Theoretische Termini verschiedener Theorien semantisch unvergleichbar seien, auch wenn sie wortgleich sind. >Theoretische Termini, >Carnap-Satz/Schurz, >Ramsey-Satz/Schurz. Lösung: Wenn die Vertreter konkurrierender Theorien wenigstens die empirischen bzw. vortheoretischen Begriffe teilen, können sie den Ramsey Satz der jeweils anderen Theorie in ihrer gemeinsamen Sprache formulieren, verstehen und empirisch überprüfen. |
Schu I G. Schurz Einführung in die Wissenschaftstheorie Darmstadt 2006 |
| Innovation | Aghion | Aghion I 323 Wirtschaftswachstum/Innovation/These/Aghion/Howitt: Sowohl die durchschnittliche Wachstumsrate als auch die Varianz der Wachstumsrate sind steigende Funktionen der Größe der Innovationen, der Größe der qualifizierten Arbeitskräfte und der Produktivität der Forschung, gemessen anhand eines Parameters, der den Einfluss der Forschung auf die Poisson-Ankunftsrate von Innovationen angibt; und fallende Funktionen der Zeitpräferenzrate des repräsentativen Individuums. >Forschung und Entwicklung, >Qualifizierte Arbeitskräfte, >Produktivität, >Zeitpräferenz. Unter Laissez-faire-Bedingungen kann die Wachstumsrate der Wirtschaft mehr oder weniger als optimal sein, da das Modell zusätzlich zu den Aneignungs- und intertemporalen Spillover-Effekten anderer endogener Wachstumsmodelle, die das Wachstum tendenziell langsamer als optimal machen, auch Effekte hat, die in die entgegengesetzte Richtung wirken. >Laissez-faire, >Wissensspillover, >Endogenes Wachstum, vgl. >Exogenes Wachstum. Insbesondere die Tatsache, dass private Forschungsunternehmen die Zerstörung der durch ihre Innovationen generierten Renten nicht internalisieren, führt zu einem Geschäftsentzugseffekt, der dem in der Literatur zum partiellen Gleichgewicht im Patentwettbewerb ähnelt. >Patente, >Gleichgewicht, >Copyright, >Renten, >Einnahmen, >Geistiges Eigentum. Wenn wir die Größe von Innovationen endogenisieren, stellen wir fest, dass Geschäftsdiebstahl auch dazu führt, dass Innovationen zu klein sind. >Endogenes Wachstum/Aghion/Howitt. Aghion I 324 Innovation/Aghion/Howitt: (…) [Unser] Modell* geht in Anlehnung an Schumpeter davon aus, dass einzelne Innovationen ausreichend wichtig sind, um die gesamte Wirtschaft zu beeinflussen. >Innovation/Schumpeter. Methode: Ein Zeitraum ist die Zeit zwischen zwei aufeinanderfolgenden Innovationen. Die Länge jedes Zeitraums ist aufgrund der stochastischen Natur des Innovationsprozesses zufällig, aber die Beziehung zwischen dem Forschungsaufwand in zwei aufeinanderfolgenden Zeiträumen kann als deterministisch modelliert werden. Der Forschungsaufwand in diesem Zeitraum hängt durch zwei Effekte negativ vom erwarteten Aufwand im nächsten Zeitraum ab. 1) Der erste Effekt ist der der kreativen Zerstörung. Der Ertrag aus der Forschung in dieser Periode ist die Aussicht auf Monopoleinkünfte in der nächsten Periode. Diese Einkünfte bestehen nur so lange, bis die nächste Innovation eintritt, wodurch das diesen Einkünften zugrunde liegende Wissen obsolet wird. Daher hängt der erwartete Barwert der Einkünfte negativ von der Poisson-Ankunftsrate der nächsten Innovation ab. Die Erwartung von mehr Forschung in der nächsten Periode erhöht diese Ankunftsrate und schreckt somit von Forschung in dieser Periode ab. >Kreative Zerstörung. 2) Der zweite Effekt ist ein allgemeiner Gleichgewichtseffekt, der über die Löhne für qualifizierte Arbeitskräfte wirkt, die entweder in der Forschung oder in der Produktion eingesetzt werden können. Um mit den Bedingungen für ein Gleichgewicht auf dem Arbeitsmarkt vereinbar zu sein, muss die Erwartung einer verstärkten Forschungstätigkeit im nächsten Zeitraum mit der Erwartung einer höheren Nachfrage nach qualifizierten Arbeitskräften in der Forschung im nächsten Zeitraum einhergehen, was wiederum die Erwartung höherer Reallöhne für qualifizierte Arbeitskräfte impliziert. Höhere Löhne in der nächsten Periode verringern die Monopoleinkünfte, die durch exklusives Wissen über die Herstellung der besten Produkte erzielt werden können. Somit wird die Erwartung von mehr Forschung in der nächsten Periode die Forschung in dieser Periode behindern, da sie den Fluss der Einkünfte verringert, die ein erfolgreicher Innovator voraussichtlich erzielen wird. >Qualifizierte Arbeitskräfte, >Gleichgewicht, >Löhne, >Reallohn. Diese funktionale Beziehung zwischen Forschung in zwei aufeinanderfolgenden Perioden hat einen einzigartigen Fixpunkt, der ein stationäres Gleichgewicht definiert. >Fixpunkte. Das stationäre Gleichgewicht weist ein ausgewogenes Wachstum auf, in dem Sinne, dass die Verteilung der Fachkräfte zwischen Forschung und Produktion bei jeder Innovation unverändert bleibt. Aghion I 325 Das Logarithmus des BSP folgt einem Zufallsweg mit Drift. Dies ist jedoch nicht immer das einzige Gleichgewicht im Modell. >Bruttoinlandsprodukt (BIP). Wie in der Literatur zu überlappenden Generationen kann die funktionale Beziehung auch durch zyklische Verläufe erfüllt werden. Wachstum: Eine bemerkenswerte Auswirkung der negativen Abhängigkeit der aktuellen Forschung von der zukünftigen Forschung ist die mögliche Existenz einer sogenannten „No-Growth-Falle”, einem zyklischen Gleichgewicht, in dem das Forschungsniveau deterministisch zwischen zwei Niveaus pro Periode schwankt und das niedrigere dieser beiden Niveaus Null ist. Eine Wirtschaft in einem solchen Gleichgewicht würde in endlicher Zeit aufhören zu wachsen, da es ohne Forschung keine Innovation gäbe und somit die Periode ohne Forschung niemals enden würde. Die (rationale) Erwartung, dass auf die nächste Innovation ein sehr hohes Forschungsniveau folgen würde, würde jeden davon abhalten, diese Innovation zu verwirklichen. >Wirtschaftswachstum, >Endogenes Wachstum, vgl. >Exogenes Wachstum, >Neue Wachstumstheorie, >Wirtschaftliche Erwartungen, >Forschung/Aghion/Howitt. * Philippe Aghion and Peter Howitt. (1992). A Model of Growth Through Creative Destruction Econometrica, Vol. 60, No. 2 (Mar., 1992), pp. 323-351 |
Aghion I Philippe Aghion Peter W. Howitt A Model of Growth Through Creative Destruction Econometrica, Vol. 60, No. 2 (Mar., 1992), pp. 323-351 1992 |
| Innovation | Habermas | III 36/37 Innovation/Rationalität/Habermas: Unter (…) privaten Bewertungen mögen einige sein, die einen innovativen Charakter haben. Diese zeichnen sich freilich durch einen authentischen Ausdruck aus, z. B. durch die sinnfällige, d.h. ästhetische Form eines Kunstwerkes. Hingegen folgen idiosynkratrische Äußerungen rigiden Mustern; ihr Bedeutungsgehalt wird nicht durch die Kraft poetischer Rede oder kreativer Gestaltung zugänglich und hat nur einen privaten Charakter. >Verstehen, >Kommunikation, >Kreativität, >Kunst, >Verständlichkeit, >Fortschritt. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Innovation | Schumpeter | Rothbard III 856 Innovation/Schumpeter/Rothbard : [In seiner Theorie der Konjunkturzyklen] wandte sich Schumpeter einem vierten Element zu, das für ihn der Motor allen Wachstums und auch der Konjunkturzyklen war - der Innovation in den Produktionstechniken. >Konjunkturzyklen/Schumpeter. Innovationen/RothbardVsSchumpeter: (...) Innovationen können nicht als die treibende Kraft der Wirtschaft angesehen werden, da Innovationen ihre Wirkung nur durch Sparen und Investitionen entfalten können und da es immer eine große Anzahl von Investitionen gibt, die die Techniken im Rahmen des vorhandenen Wissens verbessern könnten, die aber mangels ausreichender Ersparnisse nicht getätigt werden. Allein diese Überlegung reicht aus, um die Schumpetersche Konjunkturtheorie zu entkräften. >Innovationen/Rothbard. Cluster von Innovationen: Schließlich setzt Schumpeters Erklärung der Innovationen als Auslöser des Konjunkturzyklus notwendigerweise voraus, dass es eine wiederkehrende Häufung von Innovationen gibt, die in jeder Boom-Periode stattfindet. RothbardVs: Warum sollte es eine solche Häufung von Innovationen geben? Warum sind Innovationen nicht mehr oder weniger kontinuierlich, wie wir es erwarten würden? Schumpeter kann diese Frage nicht zufriedenstellend beantworten. Die Tatsache, dass einige wenige Mutige mit der Innovation beginnen und ihnen Nachahmer folgen, führt nicht zu einer Anhäufung von Innovationen, denn dieser Prozess könnte auch kontinuierlich verlaufen, wenn neue Innovatoren auf den Plan treten. Schumpeter bietet zwei Erklärungen für die Abschwächung der Innovationstätigkeit gegen Ende des Booms (eine Abschwächung, die für seine Theorie wesentlich ist). Einerseits führt die Einführung neuer Produkte, die aus den neuen Investitionen resultieren, zu Schwierigkeiten für die alten Produzenten und zu einer Periode der Unsicherheit und des Bedürfnisses nach „Ruhe“. Hansen-Stagnationsthese: Schumpeters zweite Erklärung lautet, dass sich Innovationen in nur einer oder wenigen Branchen häufen und dass diese Innovationsmöglichkeiten daher begrenzt sind. Nach einer gewissen Zeit sind sie erschöpft, und die Häufung von Innovationen hört auf. Dies hängt offensichtlich mit der Hansenschen Stagnationsthese zusammen, in dem Sinne, dass es angeblich immer nur eine bestimmte Anzahl von „Investitionsmöglichkeiten“ - hier Innovationsmöglichkeiten - gibt, und dass, wenn diese erschöpft sind, vorübergehend kein Platz mehr für Investitionen oder Innovationen ist. Opportunität/RothbardVsSchumpeter: Der gesamte Begriff der „Chance“ ist in diesem Zusammenhang jedoch sinnlos. Es gibt keine Begrenzung der „Chance“, solange die Bedürfnisse unerfüllt bleiben. Die einzige andere Grenze für Investitionen oder Innovationen ist das eingesparte Kapital, das zur Verfügung steht, um die Projekte in Angriff zu nehmen. Dies hat jedoch nichts mit vage vorhandenen Möglichkeiten zu tun, die „erschöpft“ werden; das Vorhandensein von angespartem Kapital ist ein kontinuierlicher Faktor. Was die Innovationen betrifft, so gibt es keinen Grund, warum Innovationen nicht kontinuierlich sein oder in vielen Branchen stattfinden können oder warum das Innovationstempo nachlassen muss. KuznetsVsSchumpeter: Wie Kuznets gezeigt hat, muss ein Cluster von Innovationen auch ein Cluster von unternehmerischen Fähigkeiten voraussetzen, und das ist eindeutig nicht gerechtfertigt. VsVs: Clemence und Doody, Jünger Schumpeters, entgegneten, dass sich die unternehmerische Fähigkeit in der Gründung eines neuen Unternehmens erschöpft.(1) Aber Unternehmertum einfach als die Gründung neuer Unternehmen zu betrachten, ist völlig unzutreffend. Unternehmertum ist nicht nur die Gründung neuer Unternehmen, es ist nicht nur Innovation; es ist Anpassung: Anpassung an die unsicheren, sich verändernden Bedingungen der Zukunft.(2) Diese Anpassung findet zwangsläufig ständig statt und erschöpft sich nicht in einem einzigen Investitionsakt. 1. S.S. Kuznets, „Schumpeter's Business Cycles“, American Economic Review, Juni 1940, S. 262- 63; und Richard V. Clemence und Francis S. Doody, The Schumpeterian System (Cambridge: Addison-Wesley Press, 1950), S. 52 ff 2. Insofern Innovation ein regulierter Geschäftsvorgang der Forschung und Entwicklung ist, fließen die Renten aus Innovationen eher den Forschungs- und Entwicklungsmitarbeitern in den Unternehmen zu als den unternehmerischen Gewinnen. Vgl. Carolyn Shaw Solo, "Innovation in the Capitalist Process: A Critique of the Schumpeterian Theory“, Quarterly Journal of Economics, August, 1951, S. 417-28. Sobel I 9 Erfindung/Innovation/Schumpeter/Sobel/Clemens: Während Erfindung die Schaffung oder Entdeckung eines neuen Produkts oder Verfahrens ist, ist Innovation die erfolgreiche Einführung und Übernahme eines neuen Produkts oder Verfahrens auf dem Markt. Innovation ist im Grunde die wirtschaftliche Anwendung von Erfindungen. Henry Ford hat zwar das Automobil nicht erfunden, aber seine Innovation war der Einsatz des Fließbandes und der Großserienfertigung, die den Preis des Automobils für die Durchschnittsfamilie erschwinglich machte. In jedem dieser Fälle unterscheidet sich der Innovator vom Erfinder, und es ist die Rolle des Innovators, um die es Schumpeter geht. Ein vielleicht noch wichtigerer Faktor bei der Unterscheidung zwischen Erfindung und Innovation ist, dass die meisten Erfindungen nie zu Innovationen werden - das heißt, nicht alle Erfindungen sind profitable Geschäftsideen. Anreize/Schumpeter: In seinem späteren und vielleicht berühmtesten Buch Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (CSD)(1) schreibt Schumpeter: „[i]n einigen Fällen ist sie jedoch so erfolgreich, dass sie Gewinne abwirft, die weit über das hinausgehen, was notwendig ist, um die entsprechenden Investitionen zu veranlassen. Diese Fälle liefern dann die Köder, die das Kapital auf unerprobte Pfade locken“ (CSD(1): 90). Das heißt, die Verlockung von Gewinnen ist der Anreiz für unternehmerische Entdeckungen und Kapitalinvestitionen. Dies ist ein Grund dafür, dass staatliche Maßnahmen, die die Gewinne aus Innovationen schmälern, für Wirtschaftswachstum und Wohlstand schädlich sein können. Besteuerung/Innovation/Schumpeter: Wenn Vorschriften oder Steuern die potenzielle Rentabilität künftiger Innovationen verringern, werden weniger Versuche unternommen, sie zu entdecken. Wie Schumpeter in seinem Buch The Economics of Sociology and Capitalism (ESC)(2) feststellt: Der eigentliche unternehmerische Gewinn ... entsteht in der kapitalistischen Wirtschaft immer dann, wenn eine neue Produktionsmethode, eine neue Handelskombination oder eine neue Form oder Organisation erfolgreich eingeführt wird. Er ist die Prämie, die der Kapitalismus der Innovation zuschreibt ... Würde dieser Gewinn besteuert, würde jenes Element des Wirtschaftsprozesses fehlen, das gegenwärtig das bei weitem wichtigste individuelle Motiv für die Arbeit am industriellen Fortschritt ist. Sobel I 10 Selbst wenn die Besteuerung diesen Gewinn nur erheblich reduzieren würde, würde die industrielle Entwicklung wesentlich langsamer verlaufen, wie das Schicksal Österreichs deutlich zeigt ... Es gibt eine Grenze für die Besteuerung des unternehmerischen Gewinns, über die der Steuerdruck nicht hinausgehen kann, ohne das Steuerobjekt zunächst zu schädigen und dann zu zerstören. (ESC(2): 113-114) Sobel I 11 Innovation/Wirtschaftspolitik/Sobel/Clemens: Eine wachsende, lebendige Wirtschaft hängt nicht nur davon ab, dass Unternehmer Möglichkeiten zur Schaffung neuer Güter und Dienstleistungen entdecken, bewerten und nutzen, sondern auch davon, wie schnell Ideen vom Gewinn- und Verlustsystem als Erfolg oder Misserfolg eingestuft werden. >Unternehmensversagen/Schumpeter. Innovation/Schumpeter: „Innovationen im Wirtschaftssystem vollziehen sich aber in der Regel nicht so, dass erst neue Bedürfnisse bei den Konsumenten spontan entstehen und dann der Produktionsapparat durch ihren Druck umschlägt. Wir leugnen das Vorhandensein dieses Nexus nicht. Es ist jedoch der Produzent, der in der Regel den wirtschaftlichen Wandel einleitet, und die Konsumenten werden von ihm gegebenenfalls erzogen; sie werden sozusagen gelehrt, neue Dinge zu wollen, oder Dinge, die sich in irgendeiner Hinsicht von denen unterscheiden, die sie bisher zu benutzen gewohnt waren.“ (TED(3): 65) „Produzieren heißt, Material und Kräfte, die uns zur Verfügung stehen, zu kombinieren ... Anderes oder dasselbe mit einer anderen Methode zu produzieren, heißt, diese Materialien und Kräfte anders zu kombinieren. Insofern die „neue Kombination“ mit der Zeit durch kontinuierliche Anpassung in kleinen Schritten aus der alten herauswachsen kann, liegt zwar eine Veränderung, möglicherweise ein Wachstum vor, aber weder eine neue Erscheinung noch eine Entwicklung in unserem Sinne. Soweit dies nicht der Fall ist und die neuen Kombinationen diskontinuierlich auftreten, entsteht das für Entwicklung charakteristische Phänomen. Der Einfachheit halber werden wir im Folgenden nur noch den letzteren Fall meinen, wenn wir von neuen Kombinationen von Produktionsmitteln sprechen. Entwicklung in unserem Sinne ist dann durch die Durchführung neuer Kombinationen definiert.“ (TED(3): 65-66) 1. Schumpeter, Joseph A. (1942). Capitalism, Socialism, and Democracy [CSD]. Harper & Brothers. 2. Schumpeter, Joseph A. (1991). The Economics of Sociology and Capitalism [ECS]. Edited by Richard Swedberg. Princeton University Press. 3. Schumpeter, Joseph A. (1934). The Theory of Economic Development [TED]. Harvard University Press. |
EconSchum I Joseph A. Schumpeter Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 Sobel I Russell S. Sobel Jason Clemens The Essential Joseph Schumpeter Vancouver 2020 |
| Innovation | Weber | Habermas III 270 Innovationen/Weber/Habermas: In traditionalen Gesellschaften entstehen laut Weber Innovationen nur von außen, durch Änderung der äußeren Lebensbedingungen. Anstoß dazu sind „Eingebungen“ charismatisch wirksamer Figuren. Die großen Weltreligionen gehen ausnahmslos auf Stifterfiguren zurück.(1) >Religion, >Religiöser Glaube, >Fortschritt, >Technologie, >Entdeckungen, >Wirtschaft, >Gesellschaft, >Gemeinschaft. 1.M.Weber, Gesammelte Aufsätze zur Religionssoziologie, Bd. I Tübingen, 1963, S. 537. |
Weber I M. Weber Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Insolvenz | Wittman | Parisi I 436 Insolvenz/zeitliche Abfolge/ex ante/ex post/Wittman: (…) Betrachten wir eine Situation, in der die Aktionen identisch sind, außer dass sie zeitlich nacheinander stattfinden. Manchmal sind besicherte Schulden Eigentum zweier unterschiedlicher Unternehmen. Beispielsweise könnte ein Hausbesitzer im Jahr 2003 100.000 US-Dollar von Kreditgeber A und im Jahr 2006 100.000 US-Dollar von Kreditgeber B geliehen haben. Der Hausbesitzer könnte sein Haus für 250.000 US-Dollar als Sicherheit verwendet haben. Wenn das Haus zum Zeitpunkt der Insolvenz im Jahr 2011 mindestens 200.000 US-Dollar wert wäre, gäbe es kein Problem. Aber was wäre, wenn die Immobilienpreise so stark sinken würden, dass das Haus nur noch 150.000 US-Dollar wert wäre, als der Hausbesitzer Insolvenz anmeldete? Drei Prioritätsschemata sind möglich: (1) Der erste Kreditgeber hat Vorrang; Das heißt, Kreditgeber A erhält 100.000 US-Dollar und Kreditgeber B erhält 50.000 US-Dollar. (2) Der zweite Kreditgeber hat Vorrang; Kreditgeber A erhält 50.000 US-Dollar und Kreditgeber B erhält 100.000 US-Dollar. (3) Keines von beiden hat Vorrang; Jeder erhält 75.000 US-Dollar. Das Insolvenzrecht hat das erste Schema umgesetzt. Dies verringert den Überwachungsbedarf für den ersten Gläubiger, erhöht ihn jedoch für den zweiten Gläubiger, der bei der Überwachung einen komparativen Vorteil haben sollte, da er aktuellere Immobilienpreise und Gehälter des Kreditnehmers sehen und das damit verbundene Risikomaß aktualisieren kann. Am wichtigsten ist, dass der zweite Kreditgeber von der Existenz des ersten Kredits weiß, über die Existenz und Art eines zweiten Kredits kann der erste Kreditgeber jedoch nur spekulieren. Wenn dem ersten Gläubiger zunächst die Rechte an dem Vermögenswert übertragen werden, bedeutet dies, dass spätere Gläubiger und der Schuldner den Wert der besicherten Schuld gegenüber dem ersten Gläubiger nachträglich nicht ändern können. Wenn der erste Gläubiger geteilt würde, anstatt Vorrang zu haben (oder an zweiter Stelle zu stehen), würde der erste Gläubiger wahrscheinlich auf einem neuen Vertrag bestehen, wann immer der Vermögenswert einen zweiten Gläubiger hätte. Dies würde die Transaktionskosten erhöhen. Wenn der zweite Gläubiger an zweiter Stelle steht, weiß er immer, was das Geschäft ist, wenn er darauf eingeht(see Jackson and Kronman, 1979)(1). (…) Es ist nicht verwunderlich, dass unbesicherte Schulden nicht nach Zeit, sondern nach anderen Kriterien priorisiert werden (Manager wissen, dass das Unternehmen in Konkurs geht, bevor die Arbeitnehmer es wissen, und letztere haben daher Vorrang) und dass alle Mitglieder einer Klasse gleichermaßen behandelt werden . Zeitlicher Ablauf: Es ist zu beachten, dass die Priorität nicht davon abhängt, wann eine Partei die Zahlung verlangt hat. Sich zu beeilen, um der Erste zu sein, ist hier also kein Problem. >Zeit/Wittman. 1. Jackson, Thomas H. and Anthony T. Kronman (1979). “Secured Financing and Priority among Creditors.” Yale Law Journal 88: 1143–1182. Donald Wittman. “Ex ante vs. ex post”. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Institutionalisierung | Habermas | IV 407 Institutionalisierung/Geld/Macht/Medien/Habermas: These: Bedingungen für eine optimale Institutionalisierung von Medien (hier: Geld und Macht): Realwerte und Deckungsreserven müssen so beschaffen sein, dass sie eine empirisch motivierende Kraft haben. Die physische Kontrolle von Deckungsreserven muss möglich sein. Die Medien müssen gemessen, entäußert und deponiert werden können. Durch die normative Verankerung der Medien darf kein neuer Kommunikationsaufwand entstehen und keine weiteren Dissensrisiken verursacht werden. >Medien/Habermas. Problem: Das stößt auf der Ebene des sozialen Systems an Grenzen: es lassen sich immer neue Namen für Medien finden, aber das sind zunächst nur Postulate, die sich als nützlich erweisen müssen. IV 410 Weitere Bedingung für eine Institutionalisierung von Medien ist ihre Kalkulierbarkeit: Diese ist im Falle von Wertbindung und Einfluss als Medien (wie von Talcott Parsons vorgeschlagen) nicht oder kaum gegeben. Ebenso wenig eine Deponierbarkeit. Eine Ausnahme bildet das Wissenschaftssystem mit einer erkennbaren Abstufung von Reputation. >Wissenschaft, >Reputation, >Anerkennung. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Institutionen | Acemoglu | Acemoglu I 74 Institutionen/Acemoglu/Robinson: A. Def integrative Institutionen: (...) wie z.B. in Südkorea oder in den Vereinigten Staaten, sind diese diejenigen, die der Mehrheit der Menschen die Teilnahme an wirtschaftlichen Aktivitäten ermöglichen und fördern, die ihre Talente und Fähigkeiten am besten nutzen und die den Einzelnen in die Lage versetzen, die von ihm gewünschten Entscheidungen zu treffen. Um integrativ zu sein, müssen die Wirtschaftsinstitutionen über sicheres Privateigentum, ein unparteiisches Rechtssystem und ein Angebot an öffentlichen Dienstleistungen verfügen, das gleiche Wettbewerbsbedingungen für Austausch und Vertragsabschlüsse bietet; es muss auch den Eintritt neuer Unternehmen ermöglichen und den Menschen die Wahl ihrer Laufbahn ermöglichen. Eigentum: Sichere private Eigentumsrechte sind von zentraler Bedeutung, da nur diejenigen mit solchen Rechten bereit sein werden, zu investieren und die Produktivität zu steigern. Acemoglu I 75 Die Sicherung der Eigentumsrechte, des Rechts, der öffentlichen Dienstleistungen und der Vertrags- und Tauschfreiheit hängt vom Staat ab. Dieser ist eine Institution mit der Zwangsbefugnis, Ordnung zu schaffen, Diebstahl und Betrug zu verhindern und Verträge zwischen privaten Parteien durchzusetzen. Die Infrastruktur: Um gut zu funktionieren, braucht die Gesellschaft auch andere öffentliche Dienste: Straßen und ein Verkehrsnetz, damit Güter transportiert werden können; eine öffentliche Infrastruktur, damit die Wirtschaftstätigkeit florieren kann; und eine Art Basisregelung, um Betrug und Fehlverhalten zu verhindern. Staat: Der Staat ist somit als Vollstrecker von Recht und Ordnung, Privateigentum und Verträgen und oft auch als wichtiger Anbieter öffentlicher Dienstleistungen untrennbar mit den wirtschaftlichen Institutionen verflochten. Integrative Wirtschaftsinstitutionen brauchen und nutzen den Staat. B. Def extraktive Institutionen/Acemoglu/Robinson: (...) Solche Institutionen sind dazu bestimmt, Einkommen und Reichtum aus einer Teilmenge der Gesellschaft zu extrahieren, um einer anderen Teilmenge zugute zu kommen. Vgl. >Pluralismus/Acemoglu. Acemoglu I 80 Es besteht eine starke Synergie zwischen wirtschaftlichen und politischen Institutionen. Extraktive politische Institutionen konzentrieren die Macht in den Händen einer schmalen Elite und setzen der Ausübung dieser Macht wenig Grenzen. Wirtschaftliche Institutionen werden dann oft von dieser Elite strukturiert, um dem Rest der Gesellschaft Ressourcen zu entziehen. Acemoglu I 81 [Die] synergistische Beziehung zwischen extraktiven wirtschaftlichen und politischen Institutionen führt eine starke Rückkopplungsschleife ein: Politische Institutionen ermöglichen es den Eliten, die die politische Macht kontrollieren, wirtschaftliche Institutionen mit wenigen Einschränkungen oder Gegenkräften zu wählen. Wenn die bestehenden Eliten unter extraktiven politischen Institutionen herausgefordert werden und die Neuankömmlinge Erfolge erzielen, sind auch die Neuankömmlinge nur wenigen Zwängen unterworfen. Institutionen der Integration: integrative Wirtschaftsinstitutionen wiederum werden auf dem Fundament integrativer politischer Institutionen geschmiedet, die die Macht in der Gesellschaft breit streuen und ihre willkürliche Ausübung einschränken. Solche politischen Institutionen erschweren es auch anderen, die Macht an sich zu reißen, und untergraben die Grundlagen integrativer Institutionen. Diejenigen, die die politische Macht kontrollieren, können sie nicht ohne weiteres dazu nutzen, extraktive wirtschaftliche Institutionen zu ihrem eigenen Vorteil zu errichten. Integrative Wirtschaftsinstitutionen wiederum schaffen eine gerechtere Verteilung der Ressourcen und erleichtern das Fortbestehen integrativer politischer Institutionen. Acemoglu I 82 (...) integrative Wirtschaftsinstitutionen werden weder extraktive politische Institutionen unterstützen noch von ihnen unterstützt werden. Entweder werden sie zum Nutzen der engen Interessen, die an der Macht sind, in extraktive Wirtschaftsinstitutionen umgewandelt, oder die wirtschaftliche Dynamik, die sie schaffen, wird die extraktiven politischen Institutionen destabilisieren und den Weg für die Entstehung integrativer politischer Institutionen öffnen. Acemoglu I 92 Extraktive Institutionen: Es gibt zwei verschiedene, aber komplementäre Wege, auf denen Wachstum ((e) sogar) unter extraktiven politischen Institutionen entstehen kann. Vgl. >Wirtschaftswachstum/Acemoglu. Acemoglu I 328 Integrative Institutionen/Acemoglu/Robinson: Integrative politische Institutionen kontrollieren nicht nur größere Abweichungen von integrativen wirtschaftlichen Institutionen, sondern wehren sich auch gegen Versuche, ihren eigenen Fortbestand zu untergraben. So lag es z.B. im unmittelbaren Interesse des Demokratischen Kongresses und des Senats, das Gericht zu "packen" und sicherzustellen, dass alle Gesetze des New Deal überlebten. Auf die gleiche Weise verstanden britische Eliten im frühen 18. Jahrhundert, dass die Aussetzung der Rechtsstaatlichkeit ihre Errungenschaften, die sie der Monarchie abgerungen hatten, gefährden würde. Die Kongressabgeordneten und Senatoren verstanden auch, dass, wenn der Präsident die Unabhängigkeit der Justiz untergraben könnte, dies das Kräftegleichgewicht im System untergraben würde, das sie vor dem Präsidenten schützte und die Kontinuität pluralistischer politischer Institutionen sicherte. Acemoglu I 365 Extraktive Institutionen/Teufelskreis: Politische extraktive Institutionen schaffen wenig Einschränkungen bei der Machtausübung, so dass es im Wesentlichen keine Institutionen gibt, die den Gebrauch und Missbrauch von Macht durch diejenigen einschränken, die frühere Diktatoren stürzen und die Kontrolle über den Staat übernehmen. Extraktive Institutionen implizieren, dass allein durch die Kontrolle der Macht, die Enteignung des Vermögens anderer und die Errichtung von Monopolen große Gewinne und Reichtümer erzielt werden können. Acemoglu I 366 Reproduktion von extraktiven Institutionen: Wenn mineralgewinnende Institutionen enorme Ungleichheiten in der Gesellschaft und großen Reichtum und unkontrollierte Macht für die Herrschenden schaffen, wird es viele geben, die um die Kontrolle des Staates und der Institutionen kämpfen. Extraktive Institutionen ebnen dann nicht nur den Weg für das nächste Regime, das noch extraktiver sein wird, sondern sie führen auch zu ständigen Machtkämpfen und Bürgerkriegen. Acemogu I 372 Nationen scheitern heute, weil ihre extraktiven Wirtschaftsinstitutionen nicht die Anreize schaffen, die die Menschen brauchen, um zu sparen, zu investieren und innovativ zu sein. Die politischen extraktiven Institutionen unterstützen diese wirtschaftlichen Institutionen, indem sie die Macht derer zementieren, die von der Förderung profitieren. Acemoglu I 463 Literatur: Der Begriff der extraktiven Institutionen geht auf Acemoglu, Johnson und Robinson (2001)(1) zurück. Die Terminologie der inklusiven Institutionen wurde uns von Tim Besley vorgeschlagen. Die Terminologie der wirtschaftlichen Verlierer und die Unterscheidung zwischen ihnen und politischen Verlierern stammt von Acemoglu und Robinson (2000b)(2). In der sozialwissenschaftlichen Literatur gibt es eine Vielzahl von Untersuchungen zu unserer Theorie und unserer Argumentation. Siehe Acemoglu, Johnson, and Robinson (2005b)(3) für einen Überblick über diese Literatur und unseren Beitrag zu ihr. Die institutionelle Sicht der vergleichenden Entwicklung baut auf einer Reihe wichtiger Werke auf. Besonders hervorzuheben ist die Arbeit von North; siehe North und Thomas (1973)(4), North (1982)(5), North und Weingast (1989)(6) und North, Wallis und Weingast (2009)(7). 1. Acemoglu, Daron, Simon Johnson, and James A. Robinson (2001). “The Colonial Origins of Comparative Develo 2.Acemoglu, Daron and Robinson, James A. (2000b). “Political Losers as Barriers to Economic Development.” American Economic Review 90: 126–30. 3.Acemoglu, Daron, Simon Johnson, and James A. Robinson (2005b). “Institutions as the Fundamental Cause of Long-Run Growth.” In Philippe Aghion and Steven Durlauf, eds. Handbook of Economic Growth. Amsterdam: North-Holland. 4. North, Douglass C. and Robert P. Thomas (1973). The Rise of the Western World: A New Economic History. New York: Cambridge University Press. 5.North, Douglass C. (1982). Structure and Change in Economic History. New York: W. W. Norton and Co. 6.North, Douglass C., and Barry R. Weingast (1989). “Constitutions and Commitment: Evolution of Institutions Governing Public Choice in 17th Century England.” Journal of Economic History 49: 803–32. 7.North, Douglass C., John J. Wallis, and Barry R. Weingast (1989). Violence and Social Orders: A Conceptual Framework for Interpreting Recorded Human History. Princeton, N.J.: Princeton University Press. Mause I 107f Institutionen/Robinson/Acemoglu: ab der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre hat sich eine ökonomische Denkrichtung etabliert, die sich aus einer Makroperspektive mit Institutionen als Determinanten von Wachstum und Entwicklung beschäftigt. Robinson und Acemoglu unterscheiden zwischen „extraktiven“ und „integrativen“ Ordnungen. Der entscheidende Punkt lautet dabei: Dort, wo politische Herrschaft monopolisiert ist, liegt es regelmäßig im Interesse der Herrscher, Innovationen gezielt zu unterdrücken, weil die damit verbundene „kreative Zerstörung“ (Schumpeter) nicht nur wirtschaftliche Pfründe, sondern auch die Herrschaft der politischen Elite destabilisieren könnte. (1) 1. Acemoglu, James A. und James A. Robinson, Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty. New York 2012. |
Acemoglu II James A. Acemoglu James A. Robinson Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006 Acemoglu I James A. Acemoglu James A. Robinson Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Institutionen | Coase | Kiesling I 5 Institutionen/Coase/Kiesling: Coase betonte in all seinen Arbeiten die Bedeutung der Einbeziehung von Institutionen in die ökonomische Theorie und die empirische Wirtschaftsforschung. Institutionen sind die Vereinbarungen, die „Spielregeln“, die soziale Interaktionen strukturieren. Sie reichen von informellen sozialen Normen über akzeptables Verhalten bis hin zu formalem Recht, das in Präzedenzfällen oder Gesetzen verankert ist. Institutionen strukturieren soziale Interaktionen in dem Sinne, dass sie die Anreize formen, mit denen Individuen konfrontiert sind, wenn sie Entscheidungen treffen, Entscheidungen, die ihre eigenen Ergebnisse und die Ergebnisse anderer Menschen beeinflussen können. >Eigentumsrechte/Coase. Kiesling I 7 Institutionen/Coase/Kiesling: [Der] institutionelle Rahmen ist eine Kombination aus rechtlichen Institutionen, einem Rahmen für Eigentumsrechte und Marktinstitutionen innerhalb eines Kontextes informeller sozialer Normen und Konventionen. Der institutionelle Rahmen einer Gesellschaft bestimmt die Transaktionskosten, die die Bürger zu tragen haben. Diese Kosten wiederum sind ein wichtiger Bestandteil der Anreize, die der Einzelne bei seiner wirtschaftlichen Tätigkeit hat. Ob als Produzent oder Konsument, wir können uns diese Ergebnisse als Nettowert vorstellen, der aus einer Transaktion resultiert. In diesem Sinne sind Institutionen wichtig für die Gestaltung der Transaktionskosten und Anreize, die zu bestimmten Ergebnissen führen. >Transaktionskosten/Coase. Kiesling I 8 Institutionelle Rahmenbedingungen führen nicht immer zu vorteilhaften Ergebnissen; oft können die Menschen versuchen, die erzielten Ergebnisse zu verbessern, indem sie mit anderen Maßnahmen oder Regeln experimentieren. Im Laufe der Zeit kommt es zu Rückkopplungseffekten durch die erzielten Gewinne und Verluste. Wenn ein institutionelles Arrangement hohe Transaktionskosten verursacht, die potenzielle Gewinne verhindern, können die Menschen diese Rückkopplung nutzen, um das institutionelle Arrangement so zu ändern, dass es der Schaffung von Wohlstand förderlicher ist. In vielen Fällen findet diese Reform nicht statt, und es ist wichtig, diese Fälle zu untersuchen und zu verstehen. >Firmen/Coase. |
Kiesling I L. Lynne Kiesling The Essential Ronald Coase Vancouver: Fraser Institute. 2021 |
| Institutionen | Demsetz | Parisi I Institutionen/Recht/Rechtsgeschichte/Demsetz/Wangenheim: Initiiert durch Harold Demsetz' bahnbrechenden Aufsatz (1967)(1), betrachten neo-institutionelle Untersuchungen der Rechtsentwicklung typischerweise spezifische Veränderungen von Eigentumsrechtsregimen. Alchian: Die Grundidee ist eng verwandt mit Alchians (1950)(2) optimistischer Darstellung der Verhaltensevolution: Gesellschaften neigen dazu, Institutionen zu haben, die die aktuellen Bedürfnisse dieser Gesellschaft unter Berücksichtigung ihrer Umwelt und ihrer Präferenzen widerspiegeln und an diese angepasst sind. Eigentumsrechte/Demsetz: Die Labrador-Indianer wechselten von frei zugänglichen Eigentumsrechtsregimen zu Privateigentum Parisi I 163 als der Pelzhandel die Biberjagd für jeden Jäger wertvoller machte, so dass die natürliche Umgebung die radikal gestiegene Belastung durch die folglich erhöhten Jagdaktivitäten nicht mehr tragen konnte. Bedingungen/Demsetz: In seiner Aufarbeitung fünfunddreißig Jahre später stützt Demsetz (2002)(3) seine Argumentation auf eine Reihe von Bedingungen, die erfüllt sein müssen, damit Umweltveränderungen optimale institutionelle Anpassungen induzieren. Im Einzelnen berücksichtigte er (1) die Anzahl und Nähe der beteiligten Personen, (2) ihre Produktivität bei der Lösung von Ressourcenallokationsproblemen, und (3) die Komplexität des Problems als relevante Bedingungen. Wenn sie sich ändern, meist aufgrund neuer Spezialisierungsgrade in der Produktion, passen sich die beobachtbaren Eigentumsrechtsregime an, um die dann vorherrschenden Externalitätsprobleme besser zu lösen, so argumentiert Demsetz (2002)(4). >Externalitäten. North: Die Idee, dass sich Institutionen in Richtung Effizienz entwickeln, steht auch im Zentrum der früheren Schriften von Douglas North (z.B. 1981)(4), der seine Darstellung der Wirtschaftsgeschichte auf dieses Argument stützt. >Effizienz. WangenheimVsDemsetz: Unabhängig davon, ob man diesen funktionalistischen Demsetz'schen Ansatz als wirklich evolutionär bezeichnen will oder nicht, fehlt dem Argument jede kausale Erklärung, warum sich die Institutionen verändern. Es gibt weder eine Diskussion darüber, wie Regeln in archaischen Gesellschaften zustande kommen, noch gibt es einen Hinweis auf die Anreize der Gesetzgeber, wenn komplexere Gesellschaften diskutiert werden (hauptsächlich in der Arbeit von 2002). WittVsDemsetz: Viele Autoren wie Witt (1987)(5), Banner (2002)(6), Eggertson (1990(7), S. 247-280) und Anderson und Hill (1975(8), 2002(9)) haben auf diesen Fallstrick von Demsetz' Ansatz hingewiesen. Die Idee wurde von Wissenschaftlern wie Umbeck (1977a(10), 1977b(11)), Ellickson (1991(12), 1994(13)) und Anderson und Hill (1975(8), 2002(9)) aufgegriffen, die argumentiert haben, dass Gesellschaften sich selbst organisieren und Eigentumsrechte entwickeln, wenn das Recht nicht existiert oder nicht durchgesetzt wird (prominente Beispiele sind Konflikte zwischen Farmern und Ranchern in Shasta County, Bergbauansprüche während des kalifornischen Goldrausches, Hummerfanggebiete in Maine und Weidegebiete an der amerikanischen Westgrenze in der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts) Kausalität: (...) die Autoren bieten eine kausale Ergänzung zu Demsetz' teleologischer Hypothese: Sie identifizieren einige Individuen, die es privat lohnend finden, Eigentumsrechte gegen verletzende Gruppenmitglieder oder Außenstehende zu gestalten und durchzusetzen. VsUmbeck: Nicht alle Beispiele sind unumstritten geblieben. Clay und Wright (2005)(14) zum Beispiel stellen Umbecks Beobachtungen zu den Ordnung schaffenden Bergbaubezirksordnungen in Frage. Sie argumentieren, dass die Kodizes der Bergbaureviere den Rechten von denen, die widerrechtlich Grubenanteile beanspruchten, die gleiche Aufmerksamkeit schenkten wie denen, denen die Gruben wirklich gehörten, was zu chronischer Unsicherheit und Rechtsstreitigkeiten führte. 1. Demsetz, H. (1967). "Toward a Theory of Property Rights." American Economic Review, P&P 57: 347-359. 2. Alchian, A. (1950). "Uncertainty, Evolution and Economic Theory." Journal of Political Economy 58: 211—221. 3.Demsetz, H. (2002). "Toward a Theory of Property Rights Il: The Competition Between Private and Collective Ownership." Journal of Legal studies 31: S653—S672. 4. North, D. C. (1981). Structure and Change in Economic History. New York: Norton. 5. Witt, U. (1987). "How Transaction Rights Are Shaped to Channel Innovativeness." Journal of Institutional and Theoretical Economics 143: 180—195. 6. Banner, S. (2002). "Transitions Between Property Regimes." Journal of Legal studies 31: S359-S371. 7. Eggertson, T. (1990). Economic Behavior and Institutions. Cambridge: Cambridge University Press. 8. Anderson, T. L. and P. J. Hill (1975). "The Evolution of Property Rights: A Study of the American West." Journal of Law and Economics 18: 163—179. 9. Anderson, T. L. and P. J. Hill (2002). "Cowboys and Contracts." Journal of Legal studies 31: S489-S514. 10. Umbeck, J. (1977a). "The California Gold Rush: A Study of Emerging Property Rights." Explorations in Economic History 14: 197—226. 11. Umbeck, J. (1977b). "A Theory of Contract Choice and the California Gold Rush." Journal of Law and Economics 20: 421—437. 12. Ellickson, R. (1991). Order Without Law: How Neighbors Settle Disputes. Cambridge, MA: Harvard University Press. 13. Ellickson, R. (1994). "The Aim of Order without Law." Journal of Institutional and Theoretical Economics 150: 97—100. 14. Clay, K. and G. Wright (2005). "Order without law? Property Rights during the California Gold Rush." Explorations in Economic History 42: 155—183. Wangenheim, Georg von. „Evolutionary Law and Economics.” In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press |
EconDems I Harold Demsetz Toward a theory of property rights 1967 Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Institutionen | Lachmann | Parisi I 273 Institutionen/Information/Wissen/Lachmann: Bei statischen und dynamischen Wissensproblemen sind rechtliche Institutionen wichtig für die Koordinierung verschiedener Individuen zu einem bestimmten Zeitpunkt und über einen bestimmten Zeitraum hinweg. Bevor wir verstehen können, wie Eigentums- und Vertragsrecht die Lösung von Wissensproblemen erleichtern, müssen wir verstehen, wie wichtig es ist, endogene Unsicherheit zu vermeiden, die durch das Recht selbst erzeugt wird. Lachmann argumentiert, dass inkrementelle Änderungen von Regeln, insbesondere bei ihrer Anwendung auf bestimmte neue Konflikte, die vorhersehbare Natur von Rechtsregeln nicht verändern dürfen. "Wenn Institutionen uns als feste Orientierungspunkte dienen sollen, muss ihre Position am sozialen Firmament fixiert sein. Die Wegweiser dürfen nicht verschoben werden. (Lachmann, 1971, p. 50)(1). >Information/Wirtschaftstheorien, >Informationsökonomik, >Wissen/Wirtschaftstheorien. Hayek: Das heißt aber nicht, dass sich eine bestimmte Rechtsnorm nicht ändern kann oder soll. Es bedeutet nur, dass das System der Regeln vorhersehbar sein muss. Bei Lachmanns unveränderlichen Wegweisern geht es um die Stabilität des Systems und nicht um die Stabilität der einzelnen Regeln. Dies ist ein Echo auf Hayeks Argument, dass Gesetze "lediglich als Instrument zur Verfolgung der verschiedenen individuellen Ziele der Menschen gedacht sind. Man könnte sie fast als eine Art Produktionsinstrument bezeichnen, das den Menschen hilft, das Verhalten derjenigen vorherzusagen, mit denen sie zusammenarbeiten müssen, und nicht als Bemühungen um die Befriedigung bestimmter Bedürfnisse. (Hayek, 1944(2), pp. 72–73). Simon: Die Aufrechterhaltung der Stabilität des Systems bei gleichzeitiger Möglichkeit der marginalen Anpassung der Regeln an neue wirtschaftliche Gegebenheiten erfordert die "Zersetzbarkeit" des Regelsystems (Simon, 1969)(3). 1. Lachmann, L. M. (1971). The Legacy of Max Weber. Berkeley: The Glendessary Press. 2. Hayek, F. A. (1944) The Road to Serfdom. Chicago: University of Chicago Press. 3. Simon, H. A. (1969). The sciences of the artificial. Cambridge, MA MIT Press. Rajagopalan, Shruti and Mario J. Rizzo “Austrian Perspectives on Law and Economics.” In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Institutionen | Menger | Parisi I 268 Institutionen/Geld/Menger: Carl Menger, der Begründer der österreichischen Schule, stellte fest, dass die Sozialwissenschaftler erklären müssen, "wie es sein kann, dass Institutionen, die dem Gemeinwohl dienen und für seine Entwicklung äußerst bedeutsam sind, ohne einen auf ihre Errichtung gerichteten gemeinsamen Willen entstehen" (Menger, 1963/1883(1), p146). Parisi I 269 Mengers Frage stellt eine Verbindung zwischen dem österreichischen Ansatz und den Gelehrten der schottischen Aufklärung her, die die spontanen Ordnungen als "das Ergebnis menschlichen Handelns, aber nicht die Ausführung eines menschlichen Plans" erklärten.(Ferguson, 1782/1767(2), p. III, S.2). Menger vertrat die Auffassung, dass die Entstehung des Geldes ein solches Beispiel für die spontane Entwicklung von Institutionen ist. Um das Problem des doppelten Zusammentreffens von Bedürfnissen zu lösen, finden Individuen höherwertige Güter, die sie tauschen können, und fügen daher dem Gebrauchswert dieser Güter einen Tauschwert hinzu, wodurch die Nachfrage steigt. Je mehr Individuen sich an einem solchen Tausch beteiligen, desto mehr nähern sie sich einem oder zwei allgemein akzeptierten Tauschmitteln an, die wir Geld nennen (Menger, 1892)(3). >Carl Menger. 1. Menger, C. (1963/1883). Problems of Economics and Sociology. Urbana, IL: University of Illinois Press. 2. Ferguson, A. (1782/1767). An Essay on the History of Civil Society. 5th edition. London: T. Cadell. 3. Menger, C. (1892). “On the origin of money.” The Economic Journal 2(6): 239–255. Rajagopalan, Shruti and Mario J. Rizzo “Austrian Perspectives on Law and Economics.” In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Meng I K. Menger Selected Papers in Logic and Foundations, Didactics, Economics (Vienna Circle Collection) 1979 Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Institutionen | Mises | Parisi I 269 Geld/Institutionen/Mises: In Anlehnung an Mengers Erklärung für die Entstehung des Geldes versuchte Mises, die Entstehung von Rechtsnormen zu erklären. Mises vertrat die Ansicht, dass das Eigentumsrecht ursprünglich aus der Anerkennung des einfachen Besitzes und das Vertragsrecht aus primitiven Tauschvorgängen innerhalb örtlich begrenzter Gebiete entstanden ist. Während ersteres als Hauptmotiv die Vermeidung von Gewalt und die Schaffung friedlicher Verhältnisse gehabt haben mag, musste letzteres fast zwangsläufig unter Bedingungen des De-facto-Eigentums entstehen, um die Gewinne aus dem Austausch zu verfolgen. >Carl Menger. Aber letztlich hat die durch diese frühen Bemühungen geschaffene Welt Institutionen hervorgebracht, die als "eine Beilegung, ein Ende des Streits, eine Vermeidung des Streits" angesehen werden können, und daher besteht "ihr Ergebnis, ihre Funktion" darin, Frieden innerhalb einer Gemeinschaft zu schaffen (Mises, 1981/1922(1), S. 34). Mises baute auf dem Argument auf, das Adam Smith schon viel früher vorbrachte, obwohl Smiths Schwerpunkt nicht auf Gewalt, sondern auf Handel liegt. Für Smith haben Individuen eine natürliche Neigung zu "Truck, Tausch und Austausch".(Smith, 1981/1776(2), p. 15). >Ludwig von Mises. 1. Mises, L. v. (1981/1922). Socialism: An Economic and Sociological Analysis. Indianapolis, IN: Liberty Fund. 2. Smith, A. (1981/1776). An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, Vols. I–V. Indianapolis, IN: Liberty Fund. Rajagopalan, Shruti and Mario J. Rizzo “Austrian Perspectives on Law and Economics.” In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
EconMises I Ludwig von Mises Die Gemeinwirtschaft Jena 1922 Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Institutionen | Morozov | I 117 Institutionen/Morozov: Die meisten öffentlichen Institutionen sollten nicht mit den Maßstäben ihrer privaten Gegenstücke gemessen werden, einfach deshalb, weil es ihre Aufgabe ist, Güter und Dienstleistungen zur Verfügung zu stellen, die Märkte nicht zur Verfügung stellen können, oder es nicht sollten. Die Einstellung von Bürgern die dem Staat als Konsumenten gegenüberstehen, wird von Catherine Needham charakterisiert: Needham: "Die grundlegende Gefahr besteht darin, dass der Konsumismus privatisierte und verärgerte Bürger, deren Erwartungen an die Regierung niemals erfüllt werden können, fördert und die Sorge um das Gemeinwohl, das die Grundlage für demokratisches Engagement und die Unterstützung öffentlicher Dienstleistungen sein muss, nicht entwickeln kann.“(1) >Öffentliche Güter, >Öffentlichkeit, >Gesellschaft, >Gemeinschaft, >Staat. 1. Catherine Needham, Citizen Consumers, 2003, quoted in Matthew Flinders, Defending Politics (Oxford: Oxford University Press, 2012), 83. |
Morozov I Evgeny Morozov To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism New York 2014 |
| Institutionen | Ostrom | Brocker I 735 Institutionen/Ostrom: Frage: wie entstehen Institutionen in Gruppen und wie verändern sie sich? Bsp Grundwasserbewirtschaftung im Großraum Los Angeles. Institutionentheorie/Tradition: nimmt typischerweise als Ausgangssituation einen Hobbes’schen Naturzustand ohne Verträge und Regeln an. OstromVsTradition: 1. Dieses Bild ist unzutreffend, wo Menschen regelmäßig aufeinander treffen. 2. Regelfreizügigkeit darf nicht mit Abwesenheit von Regeln verwechselt werden. 3. Wenn man von einem Zustand ohne jegliche Regeln ausgeht, entsteht ein methodisches Problem, dass man die eigentliche Entstehung von Institutionen als besonderen Vorgang untersuchen muss. Dies würde den Blick auf Lösungen verstellen. Brocker I 736 Lösung/Ostrom: am Beispiel der Gefährdung der Süßwasserversorgung von Los Angeles durch Übernutzung und Absenkung des Grundwasserspiegels zeigt Ostrom, wie über einen Zeitraum von 30 Jahren durch Gerichtsurteile und Schaffung neuer Verwaltungsinstitutionen der Konflikt zwischen den Nutzern strukturiert wird. Dabei finden sich die Beteiligten keineswegs mit ihrem „Dilemma“ ab (OstromVsHardin, siehe Soziale Güter/Hardin), sondern bemühen sich um eine Weiterentwicklung allzu freizügiger Regeln. Ebenen/Verwaltung: hier zeigt es sich wiederum, wie bei der von Ostrom untersuchten Selbstorganisation (siehe Selbstorganisation/Ostrom), dass das Zusammenspiel mehrerer Ebenen entscheidend ist für die Frage der Institutionenbeschaffung. Ostrom: Die Wasserreservoire (Becken) werden von niemand besessen, sie werden durch eine polyzentrische Gruppe zweckgebundener öffentlicher Unternehmen bewirtschaftet, an deren Leitung private Wassergesellschaften und freiwillige Produzentenvereinigungen beteiligt sind. (…) Offensichtlich erforderte die Lösung der Probleme weder eine zentrale Regulierungsinstanz, noch ein System von Privateigentum. (…) Alle Parteien werden von einem gerichtlich bestellten Wasserinspektor mit den relevanten Informationen versorgt.(…) Die informellen Sanktionen waren bescheiden. Regelmäßige Treffen der Beteiligten bieten Mechanismen zur Konfliktlösung. Die Organisationseinheiten waren in größere Einheiten eingebettet. (1) Brocker I 737 Fazit: Institutionenbeschaffung und –Veränderung findet statt in einem Prozess der Sammlung und des Austausches von Erfahrungen („Akkumulation institutionellen Kapitals“) (2) Die Form dieser Prozesse ist sehr individuell und von der Problemstruktur abhängig. Gemeinsamkeiten zwischen erfolgreichen Allmende-Managementsystemen (siehe Soziale Güter/Ostrom) bestehen in den Bauprinzipien. >Selbstorganisation/Ostrom. 1. Elinor Ostrom, Governing the Commons. The Evolution of Institutions for Collective Action, Cambridge 1990. Dt.: Elinor Ostrom, Die Verfassung der Allmende. Jenseits von Staat und Merkt, Tübingen 1999, S. 178f 2.Ebenda S. 246. Markus Hanisch, „Elinor Ostrom Die Verfassung der Allmende“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
EconOstr I Elinor Ostrom Governing the commons: The evolution of institutions for collective action Cambridge 1990 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Institutionen | Public Choice-Theorie | Parisi I 197 Institutionen/Public-Choice-Theorie/Farber: Interaktionen zwischen verschiedenen Zweigen der Regierung: Die Public-Choice-Theorie geht davon aus, dass Akteure strategisch handeln (Cooter, 2002)(1) - das heißt, sie berücksichtigen, wie andere Akteure auf ihre eigenen Handlungen reagieren werden und passen ihre Entscheidungen entsprechend an. Dies erlaubt der Public-Choice-Theorie, die Werkzeuge der Spieltheorie zu nutzen, um politisches Verhalten zu untersuchen. Beispiel/USA: (...) die komplexen Interaktionen zwischen Kongress, Behörden und Gerichten bei der Gesetzesauslegung. Der Kongress muss entscheiden, wie viel Ermessensspielraum er den Behörden einräumen will. Bei dieser Entscheidung muss der Kongress berücksichtigen, wie die Behörden diesen Ermessensspielraum ausüben werden und wie die Gerichte auf die Maßnahmen der Behörden reagieren werden. Die Behörden wiederum müssen berücksichtigen, ob die Gerichte ihre Entscheidungen bestätigen werden und wie der Kongress auf ihre Ermessensausübung reagieren wird (z.B. bei der Festlegung ihrer Budgets). Wenn sie ergebnisorientiert sind, wie Public Choice annimmt, müssen die Richter auch berücksichtigen, wie ihre Entscheidungen künftige Maßnahmen der Behörde beeinflussen werden, ob ihre Entscheidungen vom Kongress außer Kraft gesetzt werden, und möglicherweise, wie richterliche Strategien die Bereitschaft des Kongresses beeinflussen könnten, den Behörden Ermessensspielraum zu geben. Der Kongress selbst ist ein komplexes Gebilde, bestehend aus zwei Parisi I 198 Zweigen (und, je nach Komplexität des Modells, aus Gatekeeper-Ausschüssen). Jeder Akteur wird durch seine Erwartungen darüber beeinflusst, wie sich alle anderen Akteure verhalten werden. Public Choice: (...) mit Hilfe der Spieltheorie lassen sich Gleichgewichtsmuster aufstellen, bei denen die Erwartungen aller Akteure mit ihren Strategien übereinstimmen. Doch angesichts der Komplexität der Interaktionen (Jacobi, 2010(2), S. 242) sollte es nicht überraschen, dass die Lösungen in hohem Maße von den genauen Annahmen abhängen und die empirische Unterstützung spärlich ist (Mashaw, 2010(3), S. 40-41; Stephenson, 2010(4), S. 315). Daher sind die Arbeiten in diesem Bereich zwar sehr interessant, aber die Schlussfolgerungen sind alles andere als robust. >Staatliche Strukturen/Public Choice-Theorie, >Verfassungsstrukturen/Public Choice-Theorie. 1. Cooter, R. D. (2002). The Strategic constitution. Princeton, NJ: Princeton University Press. 2. Jacobi, T. (2010). "The Judiciary," in D. A. Farber and A. J. O'Connell, Hrsg., Research Handbook on Public Choice and Public Law, 234—259. Northampton, MA: Edward Elgar. 3. Mashaw, J. (2010). "Public Law and Public Choice: Critique and Rapprochement," in D. A. Farber and A. J. O'Connell, eds., Research Handbook on Public Choice and Public Law, 19-48. Northampton, MA: Edward Elgar. 4. Stephenson, M. C. (2010). "Statutory Interpretation by Agencies," in D. A. Farber and A. J. O'Connell, Hrsg., Research Handbook on Public Choice and Public Law, 19—48. Northampton, MA: Edward Elgar. Farber, Daniel A. “Public Choice Theory and Legal Institutions”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Institutionen | Rizzo | Parisi I 274 Entscheidungsprozesse/Institutionen/Rizzo: Rizzo (1980)(1) vergleicht die Regelung der verschuldensunabhängigen Haftung mit der der Fahrlässigkeit unter dem Gesichtspunkt des für rechtliche Entscheidungen erforderlichen Wissens und der "institutionellen" Effizienz. Er kommt zu dem Schluss, dass ein System der verschuldensunabhängigen Haftung mit entsprechenden Einreden und Entschuldigungen weniger Wissen erfordert als ein auf Effizienz basierendes Fahrlässigkeitssystem. >Haftung, >Fahrlässigkeit. Die anspruchsvolleren Wissensanforderungen der letzteren machen die gerichtliche Entscheidungsfindung anfälliger für Fehler und Unsicherheit aus der Sicht der Personen, die den Regeln unterworfene Entscheidungen treffen. Die Unfähigkeit des Nachlässigkeitssystems, ausreichend genaues Wissen zu generieren, erhöht die endogene Rechtsunsicherheit. Allgemeiner ausgedrückt: Wenn man im Bereich der öffentlichen Politik einfach davon ausgeht, dass der politische Entscheidungsträger, der Paternalist oder der zentrale Planer über das relevante Wissen verfügt, um seine erklärten Ziele zu erreichen, dann ist das Wissensproblem verschwunden (e.g. Rizzo and Whitman, 2009(2), p. 905). >Paternalismus. Die Aufgabe ist eigentlich das Gegenteil - das Problem des dezentralisierten Wissens zu lösen. Wenn politische Entscheidungsträger auf der Grundlage eines vorgetäuschten Wissens handeln, zu dem sie keinen Zugang haben, erhöhen sie die Unsicherheit in Bezug auf die Verwirklichung der Ziele des Einzelnen. Institutionen/Rizzo: Rechtliche Institutionen können ein Zusammentreffen von gegenseitigem Wissen und Erwartungen ermöglichen, das dem für das Marktgleichgewicht erforderlichen gegenseitigen Wissen völlig analog ist (Kirzner, 1992(3), S. 171). Die genaue Eigenschaft dieser Institutionen, durch die sie die Vorhersagbarkeit erhöhen, besteht darin, dass sie Beschränkungen für Individuen schaffen - nicht anders als die Preise auf Märkten. "Nichtpreisliche Zwänge sind ebenso Teil der dezentralisierten Wirtschaft wie die Preise, die sie zu erzeugen helfen. Diese Zwänge sind Bezugsrahmen und -punkte, anhand derer die Akteure Erwartungen bilden. Preise werden auf Märkten gebildet, die aus Verträgen, Regeln und Bräuchen bestehen, die Teil der Zwänge und Grundlage für das beobachtete Verhalten sind" (O'Driscoll und Rizzo, 1996(4), S. 106). 1. Rizzo, M. J. (1980). “Law Amid Flux: The Economics of Negligence and Strict Liability in Tort.” Journal of Legal Studies 9: 291–318. 2. Rizzo, M. J., & Whitman, D. G. (2009). Little brother is watching you: New paternalism on the slippery slopes. Arizona Law Review, 51: 685–739. 3. Kirzner, I. M. (1992). The Meaning of Market Process: Essays in the development of modern Austrian economics. New York, Routledge Press. 4. O’Driscoll, G. P. and M. J. Rizzo (1996). The Economics of Time and Ignorance. New York: Routledge Press. Rajagopalan, Shruti and Mario J. Rizzo “Austrian Perspectives on Law and Economics.” In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Institutionen | Robinson | Acemoglu I 74 Institutionen/Acemoglu/Robinson: A. Def integrative Institutionen: (...) wie z.B. in Südkorea oder in den Vereinigten Staaten, sind diese diejenigen, die der Mehrheit der Menschen die Teilnahme an wirtschaftlichen Aktivitäten ermöglichen und fördern, die ihre Talente und Fähigkeiten am besten nutzen und die den Einzelnen in die Lage versetzen, die von ihm gewünschten Entscheidungen zu treffen. Um integrativ zu sein, müssen die Wirtschaftsinstitutionen über sicheres Privateigentum, ein unparteiisches Rechtssystem und ein Angebot an öffentlichen Dienstleistungen verfügen, das gleiche Wettbewerbsbedingungen für Austausch und Vertragsabschlüsse bietet; es muss auch den Eintritt neuer Unternehmen ermöglichen und den Menschen die Wahl ihrer Laufbahn ermöglichen. Eigentum: Sichere private Eigentumsrechte sind von zentraler Bedeutung, da nur diejenigen mit solchen Rechten bereit sein werden, zu investieren und die Produktivität zu steigern. Acemoglu I 75 Die Sicherung der Eigentumsrechte, des Rechts, der öffentlichen Dienstleistungen und der Vertrags- und Tauschfreiheit hängt vom Staat ab. Dieser ist eine Institution mit der Zwangsbefugnis, Ordnung zu schaffen, Diebstahl und Betrug zu verhindern und Verträge zwischen privaten Parteien durchzusetzen. Die Infrastruktur: Um gut zu funktionieren, braucht die Gesellschaft auch andere öffentliche Dienste: Straßen und ein Verkehrsnetz, damit Güter transportiert werden können; eine öffentliche Infrastruktur, damit die Wirtschaftstätigkeit florieren kann; und eine Art Basisregelung, um Betrug und Fehlverhalten zu verhindern. Staat: Der Staat ist somit als Vollstrecker von Recht und Ordnung, Privateigentum und Verträgen und oft auch als wichtiger Anbieter öffentlicher Dienstleistungen untrennbar mit den wirtschaftlichen Institutionen verflochten. Integrative Wirtschaftsinstitutionen brauchen und nutzen den Staat. B. Def extraktive Institutionen/Acemoglu/Robinson: (...) Solche Institutionen sind dazu bestimmt, Einkommen und Reichtum aus einer Teilmenge der Gesellschaft zu extrahieren, um einer anderen Teilmenge zugute zu kommen. Vgl. >Pluralismus/Acemoglu. Acemoglu I 80 Es besteht eine starke Synergie zwischen wirtschaftlichen und politischen Institutionen. Extraktive politische Institutionen konzentrieren die Macht in den Händen einer schmalen Elite und setzen der Ausübung dieser Macht wenig Grenzen. Wirtschaftliche Institutionen werden dann oft von dieser Elite strukturiert, um dem Rest der Gesellschaft Ressourcen zu entziehen. Acemoglu I 81 [Die] synergistische Beziehung zwischen extraktiven wirtschaftlichen und politischen Institutionen führt eine starke Rückkopplungsschleife ein: Politische Institutionen ermöglichen es den Eliten, die die politische Macht kontrollieren, wirtschaftliche Institutionen mit wenigen Einschränkungen oder Gegenkräften zu wählen. Wenn die bestehenden Eliten unter extraktiven politischen Institutionen herausgefordert werden und die Neuankömmlinge Erfolge erzielen, sind auch die Neuankömmlinge nur wenigen Zwängen unterworfen. Institutionen der Integration: integrative Wirtschaftsinstitutionen wiederum werden auf dem Fundament integrativer politischer Institutionen geschmiedet, die die Macht in der Gesellschaft breit streuen und ihre willkürliche Ausübung einschränken. Solche politischen Institutionen erschweren es auch anderen, die Macht an sich zu reißen, und untergraben die Grundlagen integrativer Institutionen. Diejenigen, die die politische Macht kontrollieren, können sie nicht ohne weiteres dazu nutzen, extraktive wirtschaftliche Institutionen zu ihrem eigenen Vorteil zu errichten. Integrative Wirtschaftsinstitutionen wiederum schaffen eine gerechtere Verteilung der Ressourcen und erleichtern das Fortbestehen integrativer politischer Institutionen. Acemoglu I 82 (...) integrative Wirtschaftsinstitutionen werden weder extraktive politische Institutionen unterstützen noch von ihnen unterstützt werden. Entweder werden sie zum Nutzen der engen Interessen, die an der Macht sind, in extraktive Wirtschaftsinstitutionen umgewandelt, oder die wirtschaftliche Dynamik, die sie schaffen, wird die extraktiven politischen Institutionen destabilisieren und den Weg für die Entstehung integrativer politischer Institutionen öffnen. Acemoglu I 92 Extraktive Institutionen: Es gibt zwei verschiedene, aber komplementäre Wege, auf denen Wachstum ((e) sogar) unter extraktiven politischen Institutionen entstehen kann vgl. >Wirtschaftswachstum/Acemoglu. Acemoglu I 328 Integrative Institutionen/Acemoglu/Robinson: Integrative politische Institutionen kontrollieren nicht nur größere Abweichungen von integrativen wirtschaftlichen Institutionen, sondern wehren sich auch gegen Versuche, ihren eigenen Fortbestand zu untergraben. So lag es z.B. im unmittelbaren Interesse des Demokratischen Kongresses und des Senats, das Gericht zu "packen" und sicherzustellen, dass alle Gesetze des New Deal überlebten. Auf die gleiche Weise verstanden britische Eliten im frühen 18. Jahrhundert, dass die Aussetzung der Rechtsstaatlichkeit ihre Errungenschaften, die sie der Monarchie abgerungen hatten, gefährden würde. Die Kongressabgeordneten und Senatoren verstanden auch, dass, wenn der Präsident die Unabhängigkeit der Justiz untergraben könnte, dies das Kräftegleichgewicht im System untergraben würde, das sie vor dem Präsidenten schützte und die Kontinuität pluralistischer politischer Institutionen sicherte. Acemoglu I 365 Extraktive Institutionen/Teufelskreis: Politische extraktive Institutionen schaffen wenig Einschränkungen bei der Machtausübung, so dass es im Wesentlichen keine Institutionen gibt, die den Gebrauch und Missbrauch von Macht durch diejenigen einschränken, die frühere Diktatoren stürzen und die Kontrolle über den Staat übernehmen. Extraktive Institutionen implizieren, dass allein durch die Kontrolle der Macht, die Enteignung des Vermögens anderer und die Errichtung von Monopolen große Gewinne und Reichtümer erzielt werden können. Acemoglu I 366 Reproduktion von extraktiven Institutionen: Wenn mineralgewinnende Institutionen enorme Ungleichheiten in der Gesellschaft und großen Reichtum und unkontrollierte Macht für die Herrschenden schaffen, wird es viele geben, die um die Kontrolle des Staates und der Institutionen kämpfen. Extraktive Institutionen ebnen dann nicht nur den Weg für das nächste Regime, das noch extraktiver sein wird, sondern sie führen auch zu ständigen Machtkämpfen und Bürgerkriegen. Acemogu I 372 Nationen scheitern heute, weil ihre extraktiven Wirtschaftsinstitutionen nicht die Anreize schaffen, die die Menschen brauchen, um zu sparen, zu investieren und innovativ zu sein. Die politischen extraktiven Institutionen unterstützen diese wirtschaftlichen Institutionen, indem sie die Macht derer zementieren, die von der Förderung profitieren. Acemoglu I 463 Literatur: Der Begriff der extraktiven Institutionen geht auf Acemoglu, Johnson und Robinson (2001)(1) zurück. Die Terminologie der inklusiven Institutionen wurde uns von Tim Besley vorgeschlagen. Die Terminologie der wirtschaftlichen Verlierer und die Unterscheidung zwischen ihnen und politischen Verlierern stammt von Acemoglu und Robinson (2000b)(2). In der sozialwissenschaftlichen Literatur gibt es eine Vielzahl von Untersuchungen zu unserer Theorie und unserer Argumentation. Siehe Acemoglu, Johnson, and Robinson (2005b)(3) für einen Überblick über diese Literatur und unseren Beitrag zu ihr. Die institutionelle Sicht der vergleichenden Entwicklung baut auf einer Reihe wichtiger Werke auf. Besonders hervorzuheben ist die Arbeit von North; siehe North und Thomas (1973)(4), North (1982)(5), North und Weingast (1989)(6) und North, Wallis und Weingast (2009)(7). 1. Acemoglu, Daron, Simon Johnson, and James A. Robinson (2001). “The Colonial Origins of Comparative Develo 2.Acemoglu, Daron and Robinson, James A. (2000b). “Political Losers as Barriers to Economic Development.” American Economic Review 90: 126–30. 3.Acemoglu, Daron, Simon Johnson, and James A. Robinson (2005b). “Institutions as the Fundamental Cause of Long-Run Growth.” In Philippe Aghion and Steven Durlauf, eds. Handbook of Economic Growth. Amsterdam: North-Holland. 4. North, Douglass C. and Robert P. Thomas (1973). The Rise of the Western World: A New Economic History. New York: Cambridge University Press. 5.North, Douglass C. (1982). Structure and Change in Economic History. New York: W. W. Norton and Co. 6.North, Douglass C., and Barry R. Weingast (1989). “Constitutions and Commitment: Evolution of Institutions Governing Public Choice in 17th Century England.” Journal of Economic History 49: 803–32. 7.North, Douglass C., John J. Wallis, and Barry R. Weingast (1989). Violence and Social Orders: A Conceptual Framework for Interpreting Recorded Human History. Princeton, N.J.: Princeton University Press. Mause I 107f Institutionen/Robinson/Acemoglu: ab der zweiten Hälfte der 1990er-Jahre hat sich eine ökonomische Denkrichtung etabliert, die sich aus einer Makroperspektive mit Institutionen als Determinanten von Wachstum und Entwicklung beschäftigt. Robinson und Acemoglu unterscheiden zwischen „extraktiven“ und „integrativen“ Ordnungen. Der entscheidende Punkt lautet dabei: Dort, wo politische Herrschaft monopolisiert ist, liegt es regelmäßig im Interesse der Herrscher, Innovationen gezielt zu unterdrücken, weil die damit verbundene „kreative Zerstörung“ (Schumpeter) nicht nur wirtschaftliche Pfründe, sondern auch die Herrschaft der politischen Elite destabilisieren könnte.(1) 1. Acemoglu, James A. und James A. Robinson, Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty. New York 2012. |
EconRobin I James A. Robinson James A. Acemoglu Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 Robinson I Jan Robinson An Essay on Marxian Economics London 1947 Acemoglu II James A. Acemoglu James A. Robinson Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006 Acemoglu I James A. Acemoglu James A. Robinson Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Institutionen | Smith | Parisi I 269 Institutionen/Adam Smith: Für Smith haben Individuen eine natürliche Neigung zum „Truck, Tausch und Austausch“ (Smith, 1981/1776(1), S. 15). Das Wachstum der Tauschmöglichkeiten ist das Wachstum der Märkte. Durch das Streben nach Austausch schafft der Einzelne also ungewollt einen größeren Spielraum für die Arbeitsteilung und eine allgemeinere Spezialisierung sowohl innerhalb als auch zwischen Unternehmen (Smith, 1981/1776(1), S. 31). All dies wäre jedoch ohne die Ausweitung und Formalisierung des Eigentums- und Vertragsrechts nicht möglich. >Eigentum, >Vertragsrecht, >Tausch, >Arbeitsteilung. Im Umgang mit Fremden in vielleicht weit entfernten Gebieten müssen die Regeln möglicherweise detaillierter und eindeutiger werden. Diese Ausweitung des Handels schafft Anreize, bestehende Regeln zu ändern und in neue Rechtsformen zu überführen. Kaufleute werden regelähnliche Vereinbarungen treffen, um ihre Handelstätigkeit zu erleichtern (Benson, 1989)(2). Daher kann der individuelle Parisi I 270 Wunsch des Einzelnen, aus dem Austausch Nutzen zu ziehen, als Anstoß für die Entwicklung des Eigentums- und Vertragsrechts angesehen werden. Das Recht ist also die spontane oder unbeabsichtigte Folge des Tauschs. >A. Smith. 1. Smith, A. (1981/1776). An Inquiry into the Nature and Causes of the Wealth of Nations, Vols. I–V. Indianapolis, IN: Liberty Fund. 2. Benson, B. (1989). “The Spontaneous Evolution of Commercial Law.” Southern Economic Journal 55: 644–661 Rajagopalan, Shruti and Mario J. Rizzo “Austrian Perspectives on Law and Economics.” In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Institutionen | Tocqueville | Gaus I 64 Institutionen/Tocqueville/Forbes: (...) politische Institutionen haben offensichtlich wirtschaftliche Funktionen, aber sie erheben auch den Anspruch, Gerechtigkeit und das gute Leben zu fördern, und ihre verschiedenen Arten, diese Ziele zu verstehen und zu verfolgen, werfen sachliche und interpretative Fragen auf, die zur Untersuchung einladen. Alexis de Tocquevilles "Demokratie in Amerika" (1835, S. 1840(1)), insbesondere sein erster Band, ist ein herausragendes Beispiel für eine solche Untersuchung. (...) er wollte im Detail die Affinität zwischen den Institutionen einer stabilen Demokratie und der Kultur oder Psychologie - dem 'sozialen Zustand' - ihrer Bürger aufzeigen. Die politischen Institutionen Amerikas, so dachte er, drücken die Überzeugungen eines Volkes aus, dem es an hohen aristokratischen Ambitionen mangelt, und sie ermutigen diejenigen, die unter ihrer Autorität stehen, praktische wirtschaftliche Ziele zu verfolgen. >Ziele/Politische Philosophie. 1. Tocqueville, Alexis de (1966) Democracy in America (1835, 1840), trans. George Lawrence, ed. J. P. Mayer. New York: Harper and Row. Forbes, H. Donald 2004. „Positive Political Theory“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Intelligenz | Minsky | Minsky I 71 Intelligenz/Minsky: Unser Verstand macht es uns durch Prozesse möglich, Probleme zu lösen, die wir für schwierig halten. Intelligenz ist unser Name für alle diese Prozesse, die wir noch nicht verstehen. Warum sind Ströme und Pflanzen nicht intelligent? (z.B. Korallenbänke) - Es scheint keine gute Idee zu sein, ein und dasselbe Wort für verschiedene Dinge zu verwenden, es sei denn, man hat wichtige Aspekte im Sinn, in denen sie gleich sind. Pflanzen und Ströme scheinen nicht sehr gut darin zu sein, die Art von Problemen zu lösen, die unserer Meinung nach Intelligenz erfordern. Problemlösung: (...) es ist nur eine Illusion, dass Tiere (...) Probleme lösen können! Kein einzelner Vogel entdeckt einen Weg zu fliegen. Stattdessen nutzt jeder Vogel eine Lösung, die sich aus unzähligen Jahren der Evolution der Reptilien entwickelt hat. >Tiersprache, >Tiere. Ist die Evolution intelligent? - Das Tempo der Evolution ist so langsam, dass wir sie nicht als intelligent ansehen, obwohl sie schließlich wunderbare Dinge hervorbringt, die wir selbst noch nicht herstellen können. >Evolution, vgl. >Künstliche Intelligenz. |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Intelligenz | Tipler | Gould IV 323 Intelligenz/Fremde Intelligenzen/Tipler: These: Mit einer "Von-Neumann-Maschine" (selbstreproduzierend) könnte Intelligenz das ganze Universum schnell bevölkern und umgestalten (in 300 Mio Jahren). Sie könnte auch künstlich Fleisch und Blut herstellen.(1) IV 324 GouldVsTipler: Ich habe schon Schwierigkeiten, das Verhalten von Menschen vorauszusehen, die mir nahestehen, viel weniger noch kann ich es bei fremden Intelligenzen. Tipler bringt zwei sehr verschiedene Gesichtspunkte durcheinander: 1. Die Möglichkeit einer detaillierten Wiederholung jeder auch noch so kleinen Evolutionssequenz, also Organismen, die uns irgendwie ähnlich sehen, 2. Die allgemeine Überlegung, die fragt, ob Intelligenz in Wesen, die uns ähnlich sind, (klumpig, bänderartig, knorpelig) sich ausbilden müsste, oder in Formen, die wir uns überhaupt nicht vorstellen können. Gould: Bsp: Wenn wir die "Evolutionstheorie" dazu benutzen, die Möglichkeit extraterrestrischer Intelligenz abzulehnen, begehen wir den klassischen Trugschluss. >Evolution, >Darwinismus. Das Besondere (individuelle Wiederholbarkeit, diese ist extrem unwahrscheinlich) durch das Allgemeine (Möglichkeit von Intelligenz überhaupt) zu ersetzen. Intelligentes Leben/Gould: Die Frage, ob es humanoide Intelligenz gibt, ist zu speziell. Es könnte Intelligenz in Formen geben, die wir uns gar nicht vorstellen können. Wenn der Tod der Dinosaurier ihnen nicht die ganz große Chance gegeben hätte, wären die Säugetiere heute immer noch kleine unscheinbare Wesen (vielleicht wie Ratten). Wir Menschen wären nicht da. IV 329 Intelligentes Leben/Simpson: (Gould pro): Selbst wenn wir unterstellen, dass es auf Milliarden von Planeten Leben gibt, ist es höchst unwahrscheinlich, dass unsere Lebensform sich irgendwo wiederholt.(2) Gould: Dennoch, warum sollte es nicht andere Formen von Intelligenz geben? (Auch kommunikationsfähige.) 1. Frank J. Tipler. 1982. We are alone in our galaxy. New Scientist 96 (Oct. 7), pp. 33-35 2. Simpson, G.G.: The nonprevalence of humanoids. In: This way of life, Essay 13, pp. 253-71 New York: Harcourt, Brace and World, 1964. |
Tipler Frank J. Tipler The Physics of Immortality New York 1995 Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Intelligenz | Wallace | Gould I 140 Intelligenz/Wallace/Gould: Bsp Alfred Russel Wallace These: Die menschliche Intelligenz sei von Gott gesondert erschaffen worden. (Ansonsten vertrat er zeitgleich mit Darwin als erster den Gedanken der Evolution durch Selektion). (1) >Evolution, >Selektion, >Darwinismus. Gould IV 313 Intelligenz/Evolution/Alfred Russell Wallace/Gould: Wallace These: Wenn jeder Teil des Universums auch nur ein winziges bisschen anders ausgefallen wäre, hätte niemals bewusstes Leben entstehen können. Folgerung: Daher musste eine Intelligenz das Universum wenigstens in dem Teil geschaffen haben, in dem das Leben entstand.(2) 1. A. R. Wallace (1895). Natural Selection and Tropical Nature. London: MacMillan. 2. A. R. Wallace (1903). A Man's place in the univers: A study of the results of scientific research in relation to the unity or plurality of worlds. New York: McClure Philips and Company. |
WallaceAR I Alfred Russell Wallace The Malay Archipelago London 2016 Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Intensionen | Carnap | VII 146 Extension/Carnap: Bsp Klasse aller blauen Gegenstände - Bsp Intension von "blau" im Deutschen: die Eigenschaft, blau zu sein - Intension, nicht Extension lässt uns Aussagen verstehen. VII 149 Intension/Carnap: Die Analyse der Intension für eine natürliche Sprache ist genauso zuverlässig wie die der Extension! QuineVs: Pragmatische Intensionsbegriffe sind unklar und rätselhaft. VII 150 Quine: Das ist prinzipiell, es geht nicht bloß um die allgemein anerkannte technische Schwierigkeit der Bestimmung. Carnap: Frage: Angenommen, der Linguist kann die Extension bestimmen, wie kann er darüber hinaus auch die Intension bestimmen? Auf jeden Fall ist das ein ganz neuer Schritt: Bsp Angenommen, zwei Feldlinguisten haben hinsichtlich der Extensionen der Eingeborenen völlige Übereinstimmung erzielt. Jetzt ist es immer noch möglich, den so extensional fixierten Prädikaten verschiedene Intensionen zuzuschreiben! Denn es gibt mehr als eine und möglicherweise unendlich viele verschiedene Eigenschaften, deren Extension im gegebenen Bereich gerade die Extension ist, für die das fragliche Prädikat bestimmt worden ist! ((s) Bsp Wenn alle betrachteten Hunde braun sind, ist es nicht klar, ob die Farbe oder die Hunde herausgegriffen wurden.) Carnap: Außerdem könnte Vierfüßigkeit gemeint sein, wenn das bezeichnende Wort unbekannt ist. Dabei wäre auch die gesamte Extension abgedeckt. VII 151 Intensionalistische These der Pragmatik/CarnapVsQuine: Die Bestimmung der Intension ist eine empirische Hypothese, die durch Beobachtung der Sprachgewohnheiten überprüft werden kann. Extensionalistische These/QuineVsCarnap: Die Bestimmung der Intension ist letztlich eine Geschmacksfrage, der Linguist ist frei, weil es nicht überprüft werden kann. Dann stellt sich aber auch nicht die Frage nach der Wahrheit und Falschheit. Quine: Das fertiggestellte Lexikon ist ex pede Herculem d.h. wir riskieren einen Irrtum, wenn wir am Fußende beginnen. Aber wir können daraus einen Vorteil ziehen! Wenn wir im Fall des Lexikons hingegen eine Definition der Synonymität hinauszögern, taucht kein Problem auf, also nichts für Lexikographen, das wahr oder falsch wäre. Intensionalistische These/Carnap: pro: Bsp Übersetzungshandbuch: der Linguist beginnt: (1) Pferd, horse ein anderer Linguist trägt ein: (2) Pferd, horse or unicorn Da es kein Einhorn gibt, haben die beiden Intensionen dieselbe Extension! Extensionalistische These/Quine: Wenn sie richtig ist, gibt es hier keinen Weg zur empirischen Entscheidung zwischen (1) und (2). VII 152 Lösung/CarnapVsQuine: Der Linguist muss nicht nur die wirklichen Fälle in Rechnung stellen, sondern auch die möglichen. ((s) David Lewis: wendet Modalität nicht auf Gegenstände, sondern auf Intensionen an, z.B. Sachverhalte oder Eigenschaften!). Mehrdeutigkeit/Intensionen/Carnap: Mehrdeutigkeit kann durch Bereitstellung geeigneter Erklärungen und Beispiele überwunden werden. Für mich gibt es keine Einwände gegen Modalität. Aber sie ist auch nicht notwendig: Bsp Der Linguist könnte dem Eingeborenen einfach Fälle beschreiben, von denen er weiß, dass sie möglich sind und offen lassen, ob es etwas gibt, das die Beschreibungen erfüllt. (Also z.B. ein Einhorn beschreiben, oder auf ein entsprechendes Bild zeigen, usw.). Die bejahende oder verneinende Antwort wird einen bestätigenden Fall für (1) oder (2) bilden. Daran zeigt sich, dass (1) und (2) verschiedene empirische Hypothesen sind. ((s)Schlüsselstelle). Intension/Carnap: Alle logisch möglichen Fälle der Bestimmung kommen in Betracht. Auch kausal unmögliche! (>Einhorn->Beispiel). VII 158 Intension/Carnap: Spielraum eines Prädikats, >Wahrheitsbedingungen! Damit der Sprecher das Prädikat zuschreibt - Def analytisch: Wenn die Intension alle möglichen Fälle für den Sprecher einschließt. Def synonym: Zwei Ausdrücke mit derselben Intension für einen Sprecher. Def Sprache: System von verbundenen Dispositionen. Newen I 120 Def Intension/Carnap: = Wahrheitsbedingungen - Def Extension/Carnap: = Wahrheitswert. >Wahrheitsbedingungen, >Wahrheitswert. |
Ca I R. Carnap Die alte und die neue Logik In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 Ca II R. Carnap Philosophie als logische Syntax In Philosophie im 20.Jahrhundert, Bd II, A. Hügli/P.Lübcke (Hg) Reinbek 1993 Ca IV R. Carnap Mein Weg in die Philosophie Stuttgart 1992 Ca IX Rudolf Carnap Wahrheit und Bewährung. Actes du Congrès International de Philosophie Scientifique fasc. 4, Induction et Probabilité, Paris, 1936 In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Ca VI R. Carnap Der Logische Aufbau der Welt Hamburg 1998 CA VII = PiS R. Carnap Sinn und Synonymität in natürlichen Sprachen In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Ca VIII (= PiS) R. Carnap Über einige Begriffe der Pragmatik In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 New II Albert Newen Analytische Philosophie zur Einführung Hamburg 2005 Newen I Albert Newen Markus Schrenk Einführung in die Sprachphilosophie Darmstadt 2008 |
| Intensionen | Putnam | V 47 Sinn/Frege: Der Sinn ist eine außergeistige Entität ("alte" Intension). Der Gedankeninhalt, der erfasst wird ist dagegen eine neue Intension. PutnamVsFrege: Es gibt Bedeutungsunterschiede, die der Intension entgehen, also Verstehen geschieht nicht ausschließlich durch Verknüpfung mit Intension. VsFrege: Erfassen erfolgt nur durch Repräsentation, nicht durch den 6. Sinn. Repräsentation wird durch die Umwelt bestimmt (> Zwillingserde/Putnam). V 48f Einklammerung/Husserl: Einklammerung heißt, darüber reden, was in jemandes Kopf vorgeht, ohne Voraussetzung hinsichtlich der tatsächlichen Beschaffenheit der Gegenstände. Zwillingserde Bsp: "Glauben, dass ein Glas Wasser vor ihm steht (und zwar für den Glaubenden selbst im vollen, uneingeklammerten Sinn). V 49 "Notionale Welt"/Dennett: Die "notionale Welt" ist die Gesamtheit der eingeklammerten Überzeugungen eines Subjekts. Referenz: Die Referenz ist natürlich der tatsächliche Stoff (> Weitere Autoren zu Zwillingserde). Intension/Tradition: Die notionale Welt bestimmt die Intension. PutnamVs: Das ist falsch, daher haben wir heute keinen einheitlichen Begriff von Bedeutung mehr. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 |
| Intensionen | Quine | I 294 In Sätzen der propositionalen Einstellung fasse ich nur jeden der undurchsichtig eingeschlossenen Bestandteile insgesamt als Bezeichnung einer Intension auf. Nicht die einzelnen Teile sind Bezeichnungen von Intensionen. I 379 Chisholm (laut Quine): Intensionales Vokabular ("Bedeutung", "denotieren", "synonym") ist nicht einfach durch andere Begriffe zu eliminieren. - Gavagai: Zustimmung nicht durch Kaninchen,sondern durch Glauben an Kaninchen (intensional!). QuineVsChisholm: Reize, nicht Glauben, (Reize sind nicht intensional). I 381 Brentano: intensionale Ausdrücke sind nicht reduzierbar. (Quine dito) > Unbestimmtheit/Quine. Man kann Brentanos These aber so verstehen, dass sie die Gehaltlosigkeit einer Wissenschaft von den Intensionen zeigt: Den intensionalen Sprachgebrauch für bare Münze zu nehmen, heißt, Übersetzungsrelationen als objektiv gültig zu postulieren, obwohl sie prinzipiell unbestimmt sind. Aber so gehts nicht. I 382 Wir geben nicht den Alltagsgebrauch auf sondern legen unsere kanonische Notation fest: Kanonische Notation: keine Zitierung außer der direkten Rede keine propositionalen Einstellungen außer der physischen Konstitution und dem physischen Verhalten von Organismen. V 187 Problem: für das ganze Reich der Intensionen, Attribute, Satzbedeutungen, nicht verwirklichter möglicher Gegenstände brauchen wir Grundsätze der Individuation, die bei Intensionen völlig fehlen. Also weg mit den Intensionen. Siehe auch >Individuation/Quine, >Possibilia. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Intentionale Semantik | Habermas | III 369 Intentionale Semantik/Handlungstheorie/Habermas: Die analytische Handlungstheorie ((s) im Anschluss an Grice, Austin) beschränkt sich auf das atomistische Handlungsmodell eines einsamen Aktors und vernachlässigt Mechanismen der Handlungskoordinierung, durch die interpersonale Beziehungen zustande kommen. >P. Grice, >J.L. Austin. III 370 Sie findet daher kaum Anschluss an die sozialwissenschaftliche Begriffsbildung. Die von ihr erzeugten philosophischen Probleme sind für die Zwecke der Gesellschaftstheorie zu unspezifisch. HabermasVsAnalytische Philosophie/HabermasVsAnalytische Handlungstheorie: Die Analytische Handlungstheorie geht hinter Kant zurück, indem sie nach Kausalität, Intentionalität und nach dem logischen Status von Erklärungen fragt, ohne zu den Grundfragen einer soziologischen Handlungstheorie vorzudringen. Stattdessen sollte man von Fragen der Handlungskoordination ausgehen.(1) >Kausalität, >Intentionalität, >Erklärung, >Kausalerklärung. III 371 HabermasVsGrice/HabermasVsBennett/HabermasVsLewis, David/HabermasVsSchiffer: die von diesen Autoren ausgearbeitete intentionale Semantik eignet sich nicht zur Aufklärung des Koordinierungsmechanismus sprachlich vermittelter Interaktionen, weil sie den Akt der Verständigung seinerseits nach dem Muster konsequenzorientierten Handelns analysiert. >St. Schiffer, >D. Lewis, >Semantik. Intentionale Semantik/HabermasVsGrice: Die intentionale Semantik stützt sich auf die kontraintuitive Vorstellung dass sich das Verstehen der Bedeutung eines symbolischen Ausdrucks auf die Absicht eines Sprechers, dem Hörer etwas zu verstehen zu geben, zurückführen lässt. III 373 Lösung/Habermas: Das Organonmodell von Karl Bühler (Siehe Sprache/Bühler), ((s) das zwischen Symbol, Signal und Symptom unterscheidet und sich auf Sender und Empfänger bezieht) führt in seiner bedeutungstheoretischen Ausgestaltung hin zum Begriff einer durch Verständigungsakte vermittelten Interaktion sprach- und handlungsfähiger Subjekte. 1.S. Kanngiesser, Sprachliche Universalien und diachrone Prozesse, in: K. O. Apel (1976), 273ff. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Intentionalität | Boer | I 4 Def Semantische Intentionalität/Boer: schwächer: kann man durch Erfüllungsbedingungen mit quasi-semantischen Merkmalen definieren. Erfüllungsbedingungen/EB: werden von Gedankeninhalten (GI) asymmetrisch bestimmt. Pointe: daher sind alle kognitiven intentionalen Zustände semantisch intentional, aber nicht umgekehrt. Bsp einen GI zu haben heißt, bestimmte Begriffe zu haben, aber nicht umgekehrt. Tier/Denken/Begriffe/Boer/(s): These: wir könnten Tieren gewisse Begriffe zubilligen, aber nicht den vollen Umgang mit ihnen. Und zwar eher in zugeschriebenen ganzen Sätzen, nicht allein stehend. Wahrnehmung/Semantik/Kognition/Peacocke/Boer: These: einige Wahrnehmungszustände sind semantisch aber nicht kognitiv intentional. Boer: das ist umstritten. ((s) Ob Wahrnehmung auch nicht-begrifflich sein kann). I 6 Def Schwache metaphysische Intentionalität/Boer: die Tatsache, dass eine Relation partizipations-unabhängig ist, oder ein Zustand, der so ist, dass sein Bestehen eine partizipations-unabhängige Relation zu etwas beinhaltet (entails). Intentionalität/Boer: einige Autoren haben aber etwas Stärkeres im Sinn: I 7 Existenz-Unabhängigkeit/Begriffs-Abhängigkeit/Intentionalität /Smith/McIntyre/Boer: (Smith, McIntyre, 1982)(1): BoerVs: Problem: das entfernt sich viel stärker vom Aktualismus. >Abhängigkeit I 10 Def metaphysisch stark intentional/Boer: ist eine Relation R gdw. Sie sowohl existenz-unabhängig im Sinn von (D3sub) und begriffs-abhängig im Sinn von (D4sub) ist. Hinreichende Bedingung dafür: (4) (ER){Dass ein Subjekt a in s ist, beinhaltet (entails) [(∑w)aRw & M[∑x)(∑y)x existiert und xRy aber y existiert nicht und M(∑x)(∑y)(∑z)(y = z & xRy & ~xRz)]}. (D4sub) R ist eine begriffs-abhängige Relation = es ist möglich, dass (∑x)(∑y (∑z)(y = z & x hat R zu y & ~(x hat R zu z)). Bsp Ödipus will Iokaste heiraten, aber nicht seine Mutter. Bsp glauben, dass … existiert. (Aber … existiert nicht) I 11 Boer: These: das kann eine echte Relation sein. (In substitutionaler Quantifikation/sQ). I 20 Def starke metaphysische Intentionalität/Boer: ist eine Relation zwischen Termen kraft ihrer gleichzeitigen Existenz-Unabhängigkeit imn Sinn von (D3NA) und Begriffs-Abhängigkeit. Im Sinn von (D5). Def stark metaphysisch intentionaler Zustand/Boer: liegt vor, wenn in diesem Zustand zu sein beinhaltet, da man in wenigstens einer stark metaphysisch intentionalen Relation zu einem Seienden steht. 1. Smith, D. W. & McIntyre, R. (1982) Husserl and Intentionality. Dordrecht: Reidel Publishing Co. |
Boer I Steven E. Boer Thought-Contents: On the Ontology of Belief and the Semantics of Belief Attribution (Philosophical Studies Series) New York 2010 Boer II Steven E. Boer Knowing Who Cambridge 1986 |
| Intentionalität | Brentano | Pauen I 22 Intentionalität/Brentano/Pauen: hier geht es nicht um alltagssprachliche "Absicht", sondern das notwendige Handeln "von" etwas. >"Über etwas sein". I 23 Als Kennzeichen des Mentalen ist Intentionalität ungeeignet, da nicht alle Bewusstseinszustände intentionalen Charakter haben - Bsp Schmerzen. >Schmerz. Field II 69 Intentionalität/Glauben/Brentano/Lewis/Field: (Lewis, späte 1970er): vergleicht das Problem mit folgendem über Zahlen. Bsp „Viele anscheinend physikalische Eigenschaften scheinen physikalische mit nicht-physikalischen Dingen - genannt Zahlen - zu verbinden“. Bsp welche Art von physischer Relation kann ein 7 Gramm schwerer Stein zu der Zahl 7 haben?“. (Ähnlich Churchland 1979(1), Dennett 1982(2), Stalnaker 1984(3)). FieldVs: der Vergleich bringt nicht viel. Nominalismus: ist hier eine Lösung: buchstäblich gibt es keine Zahlen, und dann auch keine Relationen (Field 1980). Das erlaubt die Rede von Zahlen als nützliche Fiktion. >Nominalismus, >Fiktionen. FieldVs: so betrachtet gibt es keinen Druck, Brentanos Problem zu lösen. Field II 71 Intentionalität/Glauben/Brentano/Horwich/FieldVsHorwich: (Horwich (1998)(4) zeigt, wie man das Problem noch weiter verfehlen kann: These nach ihm stehen „bedeutet“ und „glaubt“ für echte Relationen zwischen Personen und Propositionen. Horwich: aber es gibt keinen Grund anzunehmen, dass ein physikalistischer Zugang diesen relationalen Status erhält: Def Fehlschluss der Konstitution/Horwich/Field: die (falsche) Annahme, dass das, was relationale Tatsachen konstituiert, selbst relational sein müsste. Field II 72 Intentionalität/Brentanos Problem/Field: sein Problem lautet, umformuliert in unserem Zusammenhang: wie könnte das Haben von Wahrheitsbedingungen (bei Repräsentationen) naturalistisch erklärt werden? II 259 Referenz/Unbestimmtheit/FieldVsBrentano: wenn Referenz unbestimmt ist, können wir nur eine naturalistische Antwort akzeptieren, keine Brentanosche einer irreduziblen mentalen Verbindung. 1. Paul Churchland, Scientific Realism and the Plasticity of Mind, Cambridge 1979 2. D. Dennett, "Beyond Belief" in: A: Woodfield (ed.), Truth and Object, Clarendon Press, 1-95 3. R. Stalnaker, Inquiry, Cambridge 1984 1. P. Horwich, Meaning, Oxford 1989 Prior I 123 Intentionalität/Brentano: einmalige logische Kategorie. Relationsähnlich ohne eine wirkliche Relation zu sein. |
Brent I F. Brentano Psychology from An Empirical Standpoint (Routledge Classics) London 2014 Pauen I M. Pauen Grundprobleme der Philosophie des Geistes Frankfurt 2001 Field I H. Field Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989 Field II H. Field Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001 Field III H. Field Science without numbers Princeton New Jersey 1980 Field IV Hartry Field "Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 Pri I A. Prior Objects of thought Oxford 1971 Pri II Arthur N. Prior Papers on Time and Tense 2nd Edition Oxford 2003 |
| Intentionalität | Chisholm | I 15 Chisholm These: Vorrang der Intentionalität vor der Sprache. >Sprache und Denken. II 115 Intentionalität/Brandl: erklärt nicht die attributive Verwendung ("wer immer es ist"). - Stattdessen wird die Verwendung durch unsere Sprachkenntnis erklärt, daher ist der Primat der Intentionalität fraglich. Brandl, Johannes. Gegen den Primat des Intentionalen. In: M.David/L. Stubenberg (Hg) Philosophische Aufsätze zu Ehren von R.M. Chisholm Graz 1986 II 218 Primat des Intentionalen/Chisholm: Referenz der Sprache durch Bezug auf die Referenz des Denkens zu verstehen. >Referenz, >Denken. Wittgenstein: Vs, aber nicht eindeutig. II 219 Linguistic turn: verschiebt nur das Problem. Intentionalität/Wittgenstein: dieser hat solche Aspekte auch in seinem Denken. Marek, Johann Christian. Zum Programm einer Deskriptiven Psychologie. In: Philosophische Ausätze zu Ehren Roderick M. Chisholm Marian David/ Leopold Stubenberg (Hg), Amsterdam 1986 |
Chisholm I R. Chisholm Die erste Person Frankfurt 1992 Chisholm II Roderick Chisholm In Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986 Chisholm III Roderick M. Chisholm Erkenntnistheorie Graz 2004 |
| Intentionalität | Wright | I 20 Intentionalität/Verstehen/Wright, G. H.: Ein Unterschied des Verstehens zum Erklären liegt auch in der Intentionalität, die für das verstehen wichtig ist in einem Maße, in der sie es für das erklären nicht ist. >Erklärungen, >Verstehen. Man versteht die Ziele und Absichten eines Handelnden, die Bedeutung eines Zeichens und den tieferen Sinn einer sozialen Institution oder eines religiösen Ritus. >Zeichen, >Absicht, >Handlung, >Ziele, >Sinn. |
WrightCr I Crispin Wright Wahrheit und Objektivität Frankfurt 2001 WrightCr II Crispin Wright "Language-Mastery and Sorites Paradox" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 WrightGH I Georg Henrik von Wright Erklären und Verstehen Hamburg 2008 |
| Interesse | Weber | Habermas III 264 Interesse/Weber/Habermas: Die Umsetzung von kulturell gespeichertem Wissen in die Lebensführung von Individuen und Gruppen, in soziale Lebensformen stellt sich Weber als einen Transfer zwischen Ideen und Interessen vor. Materielle und ideelle Interessen entsprechen Bedürfnissen und Sinnzusammenhängen, in denen die „Kulturmenschen“ stehen. >Ideen, >Interesse, >Kultur, >Kulturelle Überlieferung, >Wertewandel, >Gesellschaft, >Gemeinschaft. III 265 Talcott Parsons/Habermas: Parsons setzt das später fort: soziale Handlungssysteme oder „Lebensordnungen“ integrieren beides, Ideen und Interessen, in der Weise, das sie legitime Chancen der Befriedigung materieller und ideeller Interessen ordnen. >Handlungssysteme. Habermas: Die Durchdringung von Ideen und Interessen dient dazu, die Aneignung materieller und ideeller Güter zu regeln und diese Regelung in den Motiven und den Wertorientierungen der Betroffenen so zu verankern, dass eine hinreichende Chance für die durchschnittliche Befolgung der betreffenden Normen besteht. >Normen. |
Weber I M. Weber Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Interessenvertretungen | Public Choice-Theorie | Parisi I 184 Interessenvertretungen/Public-Choice-Theorie/Farber: Das Problem der selektiven Teilnahme ist ein besonderer Schwerpunkt der Public-Choice-Theorie. Um das Problem zu veranschaulichen, betrachten Sie die Situation eines regulierten Monopols. Monopole: Der Monopolist muss kein >kollektives Handlungsproblem überwinden, um politisch tätig zu werden, da ein einziges Unternehmen eine ganze Branche umfasst. Aber seine Verbraucher können es aufgrund des Trittbrettfahrerproblems schwierig finden, sich zu organisieren, um eine effektive politische Stimme zu erhalten. Minderheiten/Mehrheiten: So können Probleme des kollektiven Handelns es konzentrierten Minderheitenvertretern wie Monopolisten ermöglichen, diffuse Mehrheiten auszunutzen. Die Theorien über Interessenvertretungen sind älter als die Public-Choice-Theorien, bilden aber einen Schwerpunkt der Public-Choice-Forschung (Eskridge, Frickey und Garrett, 2006(1), S. 85-9). Frühe Public-Choice-Theoretiker erzählten eine einfache und sehr plausible Geschichte über die unterschiedliche politische Macht von Gruppen (Mashaw, 2010(2)). Transaktionskosten: Die Organisation einer Gruppe ist mit Transaktionskosten verbunden, einschließlich der Notwendigkeit, die Teilnahme angesichts der Anreize zur Trittbrettfahrerei zu motivieren. Es scheint sehr vernünftig, zu postulieren, dass diese Kosten mit der Größe der Gruppe zunehmen, wenn alles andere gleich bleibt. Es ist offensichtlich einfacher, eine Person mit einem Einsatz von 1.000 Dollar dazu zu bringen, einer Organisation beizutreten und aktiv zu werden, als tausend Personen mit einem Einsatz von 1 Dollar dazu zu bewegen (Stearns und Zywicki, 2009(3), S. 55-62). Kleine Gruppen: Frühe Public-Choice-Theoretiker kamen damals zu dem Schluss, dass die Politik von kleineren, leicht zu organisierenden Sondervertretern auf Kosten der Öffentlichkeit als Ganzes dominiert würde (Stigler, 1971)(4). Die Regierung sollte also hauptsächlich als Mechanismus für den Transfer von Wohlstand von der Öffentlichkeit zu speziellen Interessengruppen verschiedener Art funktionieren (Mashaw, 2010)(2). Vs: Dies ist ein verführerisches Argument, aber es stellt sich heraus, dass es viel zu oberflächlich ist und im Widerspruch zu vielen neueren Erkenntnissen über kollektives Handeln steht (Ginsburg, 2002(5), S. 1144-1149). Umweltverbände: Es wird z.B. suggeriert, dass sich Umweltverbände überhaupt nicht bilden sollten und dass es keine Umweltgesetzgebung geben sollte. Doch Gruppen wie der Sierra Club sind sehr lebendig, und die Industrie beschwert sich ständig über die Belastungen, die durch die Umweltgesetzgebung entstehen (Mashaw, 2010(2), S. 28-31; Croley, 2010, S. 52-53). Bei näherer Betrachtung hat die Geschichte der Dominanz von Sonderinteressen viele Löcher (Croley, 2010)(6). Kleine Gruppen haben zwar Vorteile, aber auch große: Insbesondere repräsentieren große Gruppen viele Wähler, deren Unterstützung von Politikern benötigt wird. Die Frage, wie Organisationen politische Ergebnisse beeinflussen, bleibt unbeantwortet: Sieht man von offener Bestechung ab, profitieren sie vermutlich von Politikern, indem sie deren Wiederwahl unterstützen, aber wir brauchen eine Erklärung dafür, wie sie dies als Organisationen effektiver tun können, als es ihre einzelnen Mitglieder alleine tun könnten (Croley, 2010(6), S. 58). Die Theorie ist auch nicht gut darin, die Existenz selbst relativ kleiner Gruppen zu erklären: Genügend individuelle Mitglieder der Gruppe haben immer noch genügend Anreize zum Trittbrettfahren, um die Realisierbarkeit der Gruppe fragwürdig erscheinen zu lassen. Schließlich können kleine Gruppen manchmal als Stellvertreter Parisi I 185 für das breitere öffentliche Interesse fungieren, so dass die Aktivitäten dieser kleinen Gruppen tatsächlich die soziale Wohlfahrt verbessern können. Zum Beispiel können Erzeugergruppen Handelsbarrieren befürworten, jedoch haben große Einzelhändler wie Walmart ein Interesse daran, diese Barrieren zu bekämpfen, was oft mit den Interessen ihrer Verbraucher übereinstimmt. >Politische Wahlen/Public-Choice-Theorie. 1. Eskridge, W. N., P. P. Frickey, and E. Garrett (2006). Legislation and Statutory Interpretation. 2. Edition. St. Paul, MN: Foundation Press. 2. Mashaw, J. (2010). "Public Law and Public Choice: Critique and Rapprochement," in D. A. Farber and A. J. O'Connell, Hrsg., Research Handbook on Public Choice and Public Law, 19-48. Northampton, MA: Edward Elgar. 3. Stearns, M. L. and T. J. Zywicki (2009). Public Choice Concepts and Applications in Law. St. Paul, MN: Thomas Reuters. 4. Stigler, G. J. (1971). "The Theory of Economic Regulation." Bell Journal of Economics and Management Science 2(1):3-21. 5. Ginsburg, T. (2002). "Ways of Criticizing Public Choice: The Uses of Empiricisms and the Theory in Legal Scholarship." University of Illinois Law Review 4: 1 139-1166. 6. Croley, S. (2010). "Interest Groups and Public Choice," in D. A. Farber and A. J. O'Connell, Hrsg., Research Handbook on Public Choice and Public Law, 49—86. Northampton, MA: Edward Elgar. Farber, Daniel A. “Public Choice Theory and Legal Institutions”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Interkulturelle Kommunikation | Benkler | Benkler I 293 Kulturelle Konversation/Kultur/Freiheit/Benkler: Meine Behauptung ist, dass das Entstehen eines substanziellen nicht-marktwirtschaftlichen alternativen Weges für kulturelle Gespräche die Freiheitsgrade erhöht, die Einzelpersonen und Gruppen für die kulturelle Produktion und den kulturellen Austausch zur Verfügung stehen, und dass dies die Transparenz der Kultur für ihre Bewohner erhöht. (...) der Grad des Selbstbewusstseins, der mit einer offenen, gesprächsbasierten Definition von Kultur möglich ist (...), wird selbst transparenter gemacht. (...) zweitens,[gibt es] den Grad, in dem die Kultur beschreibbar ist, den Grad zu dem Individuen daran teilnehmen können, sich zu vermischen und anzupassen und ihre eigenen Schwerpunkte für sich selbst und für andere auf die bestehenden Symbole zu setzen. I 294 Die Flexibilität, mit der kulturelle Artefakte - also bedeutungtragende Objekte - erbracht, bewahrt und von unterschiedlichen Kontexten und Diskussionen umgeben werden können, macht es jedem leicht, überall und jederzeit eine selbstbewusste Aussage über Kultur zu treffen. Sie ermöglichen das, was Balkin als "glomming on" bezeichnet hat - das, was eine gemeinsame kulturelle Repräsentation ist, zu nehmen und es in einem kulturellen Gespräch in eine eigene Bewegung zu überführen(1). (...) wie bei anderen, zielgerichtet von Peer-produzierten Projekten wie Wikipedia haben es die grundlegenden Merkmale des Internets im Allgemeinen und des World Wide Web im Besonderen jedem Menschen ermöglicht, überall und aus irgendeinem Grund zu einer Anhäufung von Gesprächen über wohldefinierte Kulturgüter oder über kulturelle Trends und Merkmale im Allgemeinen beizutragen. Diese Gespräche können über die Zeit andauern und über Distanz bestehen und stehen vielen Menschen an vielen Orten sowohl für die aktive Teilnahme als auch für das passive Lesen zur Verfügung. Das Ergebnis ist, wie wir es bereits sehen, die Entstehung eines allgemein zugänglichen, selbstbewussten Gesprächs über die Bedeutung der zeitgenössischen Kultur durch die, die sie bevölkern. >Bedeutung/Benkler, >Kulturelle Freiheit/Benkler. 1. Jack Balkin, “Digital Speech and Democratic Culture: A Theory of Freedom of Expression for the Information Society,” New York University Law Review 79 (2004): 1. |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 |
| Internalismus | Putnam | V 103f Ähnlichkeit/Täuschung/Irrtum/Internalismus/Putnam: Ein Außenstehender wird einen anderen Ähnlichkeitsbegriff haben als wir. Dann können wir uns nicht "in Wirklichkeit" immer irren! Der Grund dafür ist, dass es einfach keine externen Maßstäbe gibt. >Ähnlichkeit/Putnam. V 104f Internalismus/Übersetzung/Wahrheit/Theorie/Referenz/Putnam: Metaphysisch unvereinbare Theorien (Bsp Nahwirkung/Fernwirkung) lassen sich ineinander übersetzen. Wenn es nur um abstrakte Entsprechung ginge, könnten unvereinbare Theorien beide wahr sein. Internalismus: Internalismus hat nichts dagegen, warum nicht gleichermaßen kohärente, aber unverträgliche Begriffsschemata? Vgl. >Externalismus, >Begriffsschema. V 106 Pointe: Um eine Entsprechung zwischen zwei Bereichen herauszugreifen, braucht man einen unabhängigen Zugang zu beiden - das hat man 2000 Jahre lang nicht gesehen. >Theorie/Putnam. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 |
| Internationale Beziehungen | Carr | Gaus I 290 Internationale Beziehungen/Carr/Brown: (...) für E. H. Carr (2001 [1939])(1), den einflussreichsten britischen Realisten, werden die Dilemmata der internationalen Beziehungen durch die conditio humana und nicht durch die menschliche Natur geschaffen. CarrVsNiebuhr: Knappheit, nicht Sünde, ist die Wurzel des Realismus; es gibt nicht genug von den guten Dingen, um sie zu umgehen, und daher ist die Annahme des liberalen Internationalisten, dass eine natürliche Harmonie der Interessen besteht, falsch. >Internationale Beziehungen/Niebur, >Politischer Realismus/Brown. Vielmehr werden die Privilegierten, ob Staaten oder Einzelpersonen, versuchen, den Status quo zu verteidigen, indem sie diese Verteidigung in legalistische und Gaus I 291 moralistische Begriffe kleiden (...). Internationale Politik/Carr: In der internationalen Politik geht es um diesen Konflikt, und der Fehler von 1919 war der Versuch, dem Ausgang des Ersten Weltkriegs einen moralischen Status zuzuweisen, den er nicht verdient hatte. In der ersten Ausgabe seines Buches macht Carr deutlich, dass der richtige Weg, mit der Herausforderung durch Persönlichkeiten wie Hitler und Mussolini in den 1930er Jahren umzugehen, darin bestand, sie im Interesse der Allgemeinheit aufzukaufen, notfalls mit fremdem Eigentum; diese Position tauchte in der zweiten, 1945 erschienenen Ausgabe irgendwie nicht auf (Fox, 1985(2); Cox, Einführung zu Carr, 2001(1)). CarrVsLiberalismus/Brown: Carrs Politik war quasimarxistisch und seine Gegner waren liberale Internationalisten, und doch gibt es vieles an seiner Darstellung der Welt, das mit mindestens einer Spielart des Liberalismus übereinstimmt. Rationalismus/Realismus: Carr präsentiert eine im Wesentlichen Hobbes'sche Darstellung der conditio humana. Für Carr haben Staaten und Individuen Interessen, die sie rational und mit allen ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln verfolgen, und dies führt unweigerlich zu Konflikten, die das internationale System nicht lösen kann, weil es keinen internationalen Leviathan gibt. Stattdessen, und hier können sich der Realismus von Carr und der amerikanische Realismus einigen, ist die einzige Kontrolle der Machtausübung eines Staates (oder einer Koalition) die Macht eines anderen. >Politischer Realismus/Brown, >Balance of Power/Waltz, >Staat/Waltz. 1. Carr, E. H. (2001 [1939]) The Twenty Years Crisis, ed. and introduction Michael Cox. London: Palgrave. 2. Fox, W. R. T. (1985) 'E. H. Carr and political realism: vision and revision'. Review of International Studies, 11: 1-16. Brown, Chris 2004. „Political Theory and International Relations“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Internationale Beziehungen | Niebuhr | Gaus I 290 Internationale Beziehungen/Niebuhr/Brown: 1919 war der Versuch unternommen worden, die internationalen Beziehungen unter rechtsstaatliche Verhältnisse zu bringen, und der Völkerbund wurde weitgehend auf Betreiben von US-Präsident Woodrow Wilson gegründet, obwohl der US-Senat sich weigerte, den Vertrag von Versailles, der den Pakt des Völkerbundes enthielt, zu ratifizieren. Anfang der 1930er Jahre war klar, dass die auf dem Völkerbund ruhenden Hoffnungen enttäuscht werden sollten, und auf der Grundlage dieser Enttäuschung entwickelte sich realistisches Denken, das erklärte, was schief gelaufen war, und eine alternative Darstellung der internationalen Beziehungen vorschlug. Niebuhr war einer der ersten, der sich dieser Aufgabe stellte; seine Botschaft wird in Kurzform durch den Titel seines einflussreichsten Werkes, "Moral Man and Immoral Society" (1932)(1), vermittelt; sein Standpunkt war, dass die Liberalen, die den Bund schufen, die Fähigkeit der menschlichen Kollektive, sich wirklich moralisch zu verhalten, maßlos übertrieben. Ethik/Niebuhr-These: Niebuhr vertrat die Ansicht, dass "Männer" die Fähigkeit besäßen, gut zu sein, dass diese Fähigkeit aber immer im Widerspruch zu den sündigen Erwerbs- und Aggressionstrieben stehe, die auch in der menschlichen Natur vorhanden sind. Diese Triebe haben in der Gesellschaft volle Tragweite, und es ist unrealistisch zu glauben, dass sie dem Ziel des internationalen Friedens und der Unterordnung in Gremien wie dem Völkerbund dienen können. Staat/Augustin: Niebuhrs Ansatz ist im Wesentlichen augustinisch und stützt sich auf Augustinus' Darstellung der Koexistenz der beiden Städte: die Gemeinschaft der Gläubigen, die Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft und alles Gute in der Menschheit umfasst, und die Welt, wie sie ist, gefallen und unvollkommen. >Staat/Augustinus. NiebuhrVsLiberalismus: Die liberalen Internationalisten von 1919 begingen den Fehler, anzunehmen, dass eine Welt der Vernunft und der Gerechtigkeit errichtet werden könnte, während diese Städte nebeneinander existieren; stattdessen erfordert diese Koexistenz eine Politik, die auf einem klaren Machtverständnis beruht. >Internationale Beziehungen/Morgenthau. 1. Niebuhr, R. (1932) Moral Man and Immoral Society. New York: Scribner. Brown, Chris 2004. „Political Theory and International Relations“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Internationale Beziehungen | Pogge | Gaus I 295 Internationale Beziehungen/Gerechtigkeit/Pogge/Brown: Pogge(1) schlägt vor, dass es nur dann legitim ist, getrennte Gesellschaften zu haben, wenn sie als das Produkt einer Entscheidung angesehen werden können, die aus einer Art Meta-Ursprungsposition hervorgeht, in der alle Bewohner der Welt vertreten sind. Letztere mögen sich zwar für die Schaffung getrennter Gesellschaften entscheiden, aber es ist unwahrscheinlich, dass sie die westfälischen Souveränitätsnormen billigen werden. >Souveränität/Internationale Politische Theorie. Stattdessen erkennen die durch diesen Meta-Vertrag geschaffenen Einheiten ihre Verantwortung gegenüber einander an. Besteuerung: Pogge befürwortet wie Barry ein System der globalen Besteuerung (eine globale Ressourcendividende) und sieht es wie Beitz am besten auf der Grundlage der natürlichen Ressourcen; aber um Umweltziele zu erreichen, schlägt er vor, dass es auf dem Wert der tatsächlich genutzten natürlichen Ressourcen basieren sollte und nicht auf den im Boden verbliebenen. >Gerechtigkeit/Beitz, >Gerechtigkeit/Barry. Diese Position wirft praktischerweise die Frage der Grenzen und der internationalen politischen Theorie auf. Da die bestehenden Grenzen eindeutig weder das Ergebnis irgendeines Vertrages sind - noch sind sie "natürlich" - was, wenn überhaupt, Rechtfertigungen für die Norm gegeben werden können, die den staatlichen Behörden das Recht zuerkennt, solche Grenzen zu kontrollieren, und somit Kategorien wie "politischer Flüchtling" und "Wirtschaftsmigrant" schafft? Pogge schlägt keine vor, und die Mehrheit der kosmopolitischen Liberalen stimmt dem zu (Barry und Goodin, 1992(2); O'Neill, 1994(3)). 1. Pogge, T. (1989) Realizing Rawls. Ithaca, NY: Cornell University Press. 2.Barry and Goodin 1992 3. O'Neill, O. (1994) 'Justice and boundaries'. In C. Brown, Hrsg., Political Restructuring in Europe. London: Routledge, 69—88. Brown, Chris 2004. „Political Theory and International Relations“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Internationale Politische Theorie | Brown | Gaus I 291 Internationale Politische Theorie/Brown: [auf dem Gebiet der internationalen politischen Theorie] gibt es eine zentrale Frage, die immer wieder auftaucht, nämlich die nach dem richtigen Verhältnis zwischen dem Universellen und dem Partikularen in den internationalen Beziehungen. Konkreter kann man die gegenwärtigen internationalen Beziehungen als Ort eines Gaus I 292 Zusammenstoßes zwischen zwei widersprüchlichen Normensystemen sehen: a) die mit dem so genannten westfälischen System verbundenen "Souveränitäts"-Normen, die Begriffe wie nationale Selbstbestimmung und Nichteinmischung unterstützen und sich auf die Rechte von Staaten und/oder politischen Gemeinschaften konzentrieren, und b) die nach 1945 aufgestellten "Menschenrechts"-Normen, die universelle Verhaltensstandards festlegen, die von allen Souveränen zu respektieren sind. Dieser Konflikt nimmt verschiedene Formen an, die offensichtlich zum Tragen kommen, wenn es um Fragen wie humanitäre Intervention und universelle Strafgerichtsbarkeit geht, aber auch hinter dem aktuellen Diskurs über globale Ungleichheit und internationale soziale Gerechtigkeit stehen. >Souveränität/Internationale Politische Theorie, >Menschenrechte/Internationale Politische Theorie, >Völkerrecht/Internationale Politische Theorie, >Gerechtigkeit/Internationale Politische Theorie, >Ungleichheiten/Internationale Politische Theorie. Brown, Chris 2004. „Political Theory and International Relations“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
BrownMurray I Murray Brown On the theory and measurement of technological change Cambridge 1968 PolBrown I Wendy Brown American Nightmare:Neoliberalism, neoconservativism, and de-democratization 2006 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Internationaler Handel | Feenstra | Feenstra I 6-1 Internationaler Handel/Feenstra: (...) wir haben angedeutet, dass der Handel für ein Land Vorteile bringt, aber gleichzeitig gibt es sowohl Gewinner als auch Verlierer. Das Stolper-Samuelson-Theorem hat das besonders deutlich gemacht. >Stolper-Samuelson-Theorem. Heckscher-Ohlin-Modell: Im Heckscher-Ohlin-Modell profitiert der reichlich vorhandene Faktor vom Handel (durch den Anstieg des relativen Exportpreises, der die reale Rendite des exportintensiven Faktors erhöht), während der knappe Faktor durch den Handel verliert (durch den Rückgang des relativen Importpreises, der die reale Rendite des Faktors senkt). Können wir sicher sein, dass die Gewinne immer größer sind als die Verluste? >Heckscher-Ohlin-Modell, >Produktionsfaktoren. Feenstra I 6-43 Die Idee, dass Länder vom Handel profitieren, ist so alt wie die Idee des komparativen Vorteils selbst - Ricardo schrieb sein Modell des Handels zwischen England und Portugal, um beide Behauptungen zu beweisen. >Komparativer Vorteil. Aber Gewinne „für ein Land“ haben keine klar definierte Bedeutung, wenn wir nicht spezifizieren, was dies für die vielen verschiedenen Individuen bedeutet, die sich dort befinden. (...) wir haben die Heterogenität der Individuen ernst genommen und Bedingungen ermittelt, unter denen alle Akteure vom Handel profitieren können, d.h. Pareto-Gewinne erzielt werden. >Pareto-Optimum. Feenstra I 6-44 Pauschale Transfers: Die pauschalen Transfers (...) erfordern zu viele Informationen, um in der Praxis umgesetzt werden zu können, sind aber dennoch wertvoll, weil sie es uns ermöglichen zu zeigen, dass Pareto-Gewinne prinzipiell möglich sind. Besteuerung/Subventionen: Die von Dixit und Norman (1980)(1) eingeführten Gütersteuern/Subventionen sind ein alternatives Mittel, um Pareto-Gewinne zu erzielen. Bei Vorhandensein von Mobilitätskosten müssen diese jedoch möglicherweise durch eine Form der Unterstützung bei der Handelsanpassung ergänzt werden. Unsere Ergebnisse für Pareto-Gewinne innerhalb eines Landes lassen sich auf den Vergleich zweier beliebiger Handelssituationen und auch auf mehrere Länder ausdehnen, wie bei Zollunionen und Freihandelszonen. >Freihandel, >Zölle. Regionale Handelsabkommen: Nehmen wir an, dass der Handel mit differenzierten Produkten unter monopolistischem Wettbewerb stattfindet, wobei „Eisberg“-Transportkosten anfallen (...). Nehmen wir ferner an, dass die Länder, die ein regionales Abkommen schließen, nicht darauf abzielen, die Wohlfahrt in der übrigen Welt unverändert zu halten; im Gegenteil, diese Länder passen die für die übrige Welt geltenden Zölle ihrem eigenen optimalen Vorteil an. Nehmen wir schließlich an, dass sich die Welt in eine Reihe solcher regionaler Gebiete aufteilt, von denen jedes gleich groß ist. Wie wirkt sich dann die Bildung dieser Gebiete auf die weltweite Wohlfahrt aus? Diese Frage wurde von Krugman (1991a(2), 1991b(3)) behandelt, mit zwei recht unterschiedlichen Antworten. Erstens argumentiert Krugman (1991a(2)) unter Vernachlässigung der Transportkosten, dass bei einer Aufteilung der Welt in eine Reihe gleichgroßer regionaler Handelszonen die schlechteste Anzahl solcher Zonen drei ist. Die Logik dieser Behauptung ist, dass wir mit nur einer Zone, die alle Länder umfasst, das höchste Niveau der weltweiten Wohlfahrt haben (d.h. globaler Freihandel). Feenstra I 6-45 Umgekehrt hat bei vielen gleich großen Gebieten jede Ländergruppe wenig Einfluss auf die Änderung ihrer Handelsbedingungen, so dass die Zölle niedrig sind und wir uns wieder dem Freihandel nähern. Bei einer mittleren Anzahl von Gebieten werden die Zölle jedoch höher und die weltweite Wohlfahrt niedriger sein. Stilisierte Berechnungen legen nahe, dass die weltweite Wohlfahrt bei drei Gebieten minimiert wird, was angesichts der möglichen Bildung von drei Handelsregionen in der Realität - Amerika, Europa und Asien - ein deprimierendes Ergebnis ist. Dieses Weltbild ignoriert jedoch die Tatsache, dass tatsächliche Handelsregionen oft zwischen geografisch nahe beieinander liegenden Ländern bestehen (z.B. EWG und NAFTA), so dass die „natürlichen“ Handelsvorteile dieser Länder durch das regionale Abkommen nur noch verstärkt werden. Um zu sehen, wie sich dies auf die Argumentation auswirkt, nehmen wir an, dass es drei Kontinente (Amerika, Europa und Asien) mit jeweils mehreren Ländern gibt. Wie in Krugman (1991b)(3) nehmen wir einen Extremfall an, in dem die Transportkosten für den Handel zwischen den Kontinenten unendlich sind, aber innerhalb jedes Kontinents gleich Null. Wenn es keine regionalen Abkommen gibt, werden die Länder auf jedem Kontinent optimale Zölle gegeneinander erheben. Mit einem regionalen Freihandelsabkommen auf jedem Kontinent werden die Zölle jedoch abgeschafft, und die weltweite Wohlfahrt wird maximiert: Die Tatsache, dass Länder außerhalb der Region von jedem regionalen Abkommen ausgeschlossen sind, ist irrelevant, da die Transportkosten zwischen den Kontinenten so hoch sind. In diesem Fall maximieren also drei regionale Handelszonen die weltweite Wohlfahrt! Diese beiden völlig unterschiedlichen Ergebnisse deuten darauf hin, dass die Struktur und die Höhe der Transportkosten zwischen den Ländern für die Bestimmung der Wohlfahrtseffekte regionaler Abkommen entscheidend sind. Es liegt auf der Hand, dass wir über die beiden Extremfälle von Krugman (1991a,b)(2,3) hinausgehen müssen, und dies tut Frankel (1997)(4). Ausgehend von Krugmans Beispiel einer in Kontinente unterteilten Welt, von denen jeder in mehrere Länder unterteilt ist, untersucht Frankel die Auswirkungen regionaler Abkommen innerhalb oder zwischen den Kontinenten auf den Wohlstand. Ein Abkommen innerhalb eines Kontinents (wo die Transportkosten niedrig sind) wird als „natürlich“ bezeichnet, während ein kontinentübergreifendes Abkommen (wo die Transportkosten hoch sind) als „unnatürlich“ bezeichnet wird. Feenstra I 6-46 Frankel bestätigt, dass „natürliche“ Handelszonen mit größerer Wahrscheinlichkeit zu weltweiten Wohlfahrtsgewinnen führen als „unnatürliche“ Zonen.* Es stellt sich jedoch heraus, dass regionale Vereinbarungen innerhalb von Kontinenten nicht immer zu Wohlfahrtsgewinnen führen, und der Fall, in dem diese ‚natürlichen‘ Zonen nicht zu weltweiten Gewinnen führen, wird als „übernatürlich“ bezeichnet. * Krishna (2002)(5) liefert empirische Belege für diese These, die Zweifel an der Verbindung zwischen „natürlichen“ Handelszonen (zwischen benachbarten Ländern) und Wohlfahrtsgewinnen aufkommen lassen. 1. Dixit, Avinash and Victor Norman, 1980, Theory of International Trade. Cambridge University Press. 2. Krugman, Paul R., 1991a, “Is Bilateralism Bad?” in Elhanan Helpman and Assaf Razin, eds., International Trade and Trade Policy, Cambridge: MIT Press. 3. Krugman, Paul R., 1991b, “The Move Towards Free Trade Zones,” in Policy Implications of Trade and Currency Zones. Federal Reserve Bank of Kansas City, 7-43. 4. Frankel, Jeffrey A., 1997, Regional Trade Blocs in the World Economic System. Washington, D.C.: Institute for International Economics. 5. Krishna, Pravin, 2002, “Are Regional Trading Partners ‘Natural’,” Journal of Political Economy, forthcoming. |
Feenstra I Robert C. Feenstra Advanced International Trade University of California, Davis and National Bureau of Economic Research 2002 |
| Internationaler Handel | Rothbard | Rothbard III 824 Internationaler Handel/Zahlungsbilanzen/Rothbard: Irrtümer im Denken über den Außenhandel werden verschwinden, wenn wir verstehen, dass Zahlungsbilanzen lediglich auf konsolidierten Einzeltransaktionen aufgebaut sind und dass nationale Bilanzen lediglich ein willkürlicher Haltepunkt zwischen individuellen Bilanzen auf der einen Seite und den einfachen Nullen einer Weltzahlungsbilanz auf der anderen sind. >Zahlungsbilanz/Rothbard. Es gibt zum Beispiel die immerwährende Sorge, dass eine Handelsbilanz dauerhaft „ungünstig“ ist, so dass das Gold aus der betreffenden Region abfließt, bis nichts mehr da ist. RothbardVs: Der Abfluss von Gold ist jedoch keine mysteriöse Fügung Gottes. Sie werden von Menschen gewollt, die per Saldo aus dem einen oder anderen Grund ihre Goldbestände reduzieren wollen. Der Stand des Saldos ist lediglich der sichtbare Ausdruck einer freiwilligen Verringerung des Bargeldbestands in einer bestimmten Region oder bei einer bestimmten Gruppe. Rothbard III 825 Nationale Zahlungsbilanzen: Sorgen über nationale Zahlungsbilanzen sind das trügerische Überbleibsel des Zufalls, dass Statistiken über den Austausch über nationale Grenzen hinweg viel besser verfügbar sind als anderswo. Es sollte klar sein, dass die Prinzipien, die für die Zahlungsbilanz der Vereinigten Staaten gelten, für eine Region des Landes, für einen Staat, für eine Stadt, für einen Block, ein Haus oder eine Person dieselben sind. Offensichtlich kann keine Person oder Gruppe wegen einer „ungünstigen“ Bilanz leiden; sie oder die Gruppe kann nur wegen eines niedrigen Einkommens- oder Vermögensniveaus leiden. Die scheinbar plausiblen Rufe, dass das Geld in den Vereinigten Staaten bleiben soll, dass die Amerikaner nicht mit den „Produkten billiger ausländischer Arbeitskräfte“ überschwemmt werden sollen usw., erhalten eine neue Perspektive, wenn wir sie zum Beispiel auf eine Familie mit drei Brüdern Jones anwenden. Stellen Sie sich vor, jeder Bruder ermahnt die anderen, „Jones zu kaufen“, „das Geld innerhalb der Familie Jones zirkulieren zu lassen“, keine Produkte zu kaufen, die von anderen hergestellt wurden, die weniger verdienen als die Familie Jones! Doch das Prinzip des Arguments ist in beiden Fällen genau dasselbe. Rothbard III 826 Internationale Schulden/individuelle Schulden/VsInternationaler Handel: Ein weiteres beliebtes Argument ist, dass eine Schuldnergruppe oder -nation ihre Schulden unmöglich zurückzahlen kann, weil ihre „Handelsbilanz in einem grundlegenden Ungleichgewicht ist, da sie von Natur aus ungünstig ist.“ Dies wird in internationalen Angelegenheiten ernst genommen; doch was würden wir von einem einzelnen Schuldner halten, der diese Ausrede für die Nichterfüllung seiner Schulden anführt? Der Gläubiger hätte das Recht, dem Schuldner unverblümt zu sagen, dass er damit nur zum Ausdruck bringt, dass er sein Geldeinkommen und sein Vermögen lieber für angenehme Waren und Dienstleistungen ausgeben würde als für die Rückzahlung seiner Schulden. Internationaler Handel: Abgesehen von der üblichen ganzheitlichen Analyse würden wir sehen, dass dasselbe auch für eine internationale Schuld gilt. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Internationaler Handel | Venables | Krugman III 61 Wohlfahrtsgewinne/Zölle/Besteuerung/Internationaler Handel/Venables: Die in diesem Papier vorgestellten Simulationen untersuchen* die Auswirkungen zweier handelspolitischer Instrumente, eines Importzolls und einer Exportsteuer, auf die Wohlfahrt. Die Auswirkungen dieser Instrumente werden in einer Familie von Handelsmodellen unter unvollkommenem Wettbewerb untersucht, die auf neun Branchen in der Europäischen Gemeinschaft angewendet werden. >Unvollkommener Wettbewerb, >Handelspolitik, >Internationaler Handel, >Neue Handelstheorie. Anhand der Vielzahl der durchgeführten Simulationen lassen sich folgende Schlussfolgerungen ziehen 1) Die erste Botschaft, die sich aus den Simulationen ergibt, ist der geringe Umfang der Wohlfahrtsgewinne, die sich aus dem Einsatz dieser politischen Instrumente ergeben können. Im Oligopol gibt es nur eine einzige Branche, in der Zölle Wohlfahrtsgewinne von mehr als 2,5 Prozent des Basiswertes des Verbrauchs der Produktion der Branche bringen. >Oligopole, >Monopolistischer Wettbewerb. Betrachtet man die einfachen Durchschnittswerte für alle Branchen und Gleichgewichtstypen, so stellt man fest, dass die Gewinne aus Zöllen von 5, 10, 15 und 20 Prozent im Durchschnitt bei 0,48, 0,81, 0,99 bzw. 0,82 Prozent des Basisverbrauchs liegen. Bei freiem Zugang sind die durchschnittlichen Gewinne mit 0,66, 0,88, 1,05 und 1,00 Prozent des Basiskonsums für diese Zollsätze etwas größer. Exportsubventionen führen zu noch geringeren Wohlfahrtsgewinnen, die nur in einigen wenigen der untersuchten Fälle 1 Prozent des Grundverbrauchs erreichen. Im Oligopol ist der Nettowohlstand die Differenz zwischen den Gewinnsteigerungen der Unternehmen und den Verlusten für die Verbraucher oder den Staat. Das bedeutet, dass die Ergebnisse leicht verändert werden könnten, wenn diese Komponenten der Wohlfahrt unterschiedlich gewichtet würden. Würde man beispielsweise eine Prämie auf die Staatseinnahmen erheben, so würde dies die Argumente für Importzölle stärken und die Argumente für Exportsubventionen rasch zunichte machen. 2) Interventionen: Die zweite Botschaft der Simulationen ist, dass über alle Branchen hinweg betrachtet die Vorteile politischer Interventionen umso größer sind, je höher die Konzentration der Branche ist. Dies ist zu erwarten. Die Zollpolitik bietet Wohlfahrtsgewinne für alle untersuchten Wirtschaftszweige, wobei diese Gewinne sowohl aus den mit unvollkommenem Wettbewerb verbundenen Verzerrungen als auch aus den üblichen Terms of Trade-Effekten resultieren. Exportsubventionen: Die Auswirkungen von Exportsubventionen sind in den einzelnen Wirtschaftszweigen unterschiedlicher, wobei nur drei der neun untersuchten Wirtschaftszweige eindeutige Wohlfahrtsgewinne durch eine 4 %ige Exportsubvention aufweisen, wobei es sich bei diesen drei um Wirtschaftszweige mit einem relativ hohen Konzentrationsgrad handelt. Der Grund für die größere Uneindeutigkeit der Auswirkungen von Exportsubventionen liegt natürlich darin, dass die Auswirkungen der Politik auf Verzerrungen und ihre Auswirkungen auf die Terms of Trade in entgegengesetzte Richtungen wirken. Ein weiteres industrielles Merkmal, das bei der Bestimmung der Auswirkungen einer Exportsubvention wichtig ist, ist das Ausgangsvolumen der Exporte. Ein Wirtschaftszweig mit einem großen Exportvolumen wird hohe Kosten für die Subventionierung bestehender Exporte aufwenden müssen, um eine marginale Ausweitung der Exporte zu erreichen, und wird daher wahrscheinlich weniger Wohlfahrtsgewinne aus der Exportsubvention erzielen. 3) Mengeneffekte: Drittens sind die Wohlfahrtsgewinne aus diesen Maßnahmen zwar relativ gering, aber die Mengeneffekte sind recht groß. Krugman III 62 Zölle: Ein Teil der Zölle wird von der anbietenden Firma absorbiert, aber der größere Teil wird an die Verbraucher weitergegeben, und bei Nachfrageelastizitäten für einzelne Modelle in der angegebenen Höhe (...) ist die Größenordnung des Mengeneffekts deutlich. Mengeneffekte sind besonders groß im Fall von handelsfördernden Maßnahmen - Exportsubventionen -, da sie es den Exporteuren ermöglichen, Unternehmen auf ihren Heimatmärkten zu unterbieten, und in einigen Fällen zu einer gewissen internationalen Spezialisierung der Produktion führen. Handelspolitik: Dies legt nahe, dass Modelle des unvollkommenen Wettbewerbs in einen allgemeinen Gleichgewichtsrahmen gestellt werden müssen, um die Auswirkungen der Handelspolitik angemessen erfassen zu können. Faktorpreisänderungen würden dann den Umfang der Mengenänderungen verringern und die Wahrscheinlichkeit einer Spezialisierung reduzieren. >Faktorpreis, >Spezialisierung. 4) Gleichgewicht: Viertens wurde in den Simulationen dieser Arbeit eine Reihe verschiedener Gleichgewichtskonzepte untersucht: vom Fall des Preiswettbewerbs (B) bis zum weniger wettbewerbsorientierten Verhalten, das durch das Cournot-Gleichgewicht impliziert wird (C)**, von der reinen Marktsegmentierung bis zur reinen Integration (CI) sowie der Zwischenfall des Cournot-Wettbewerbs mit integriertem Markt, gefolgt von Preisspielen mit segmentiertem Markt (CB). Diese Fälle decken ein breites Spektrum möglicher Verhaltensweisen ab, auch wenn nicht behauptet werden kann, dass das tatsächliche Verhalten der Branche notwendigerweise innerhalb des von diesen Fällen abgedeckten Spektrums liegt - zum Beispiel kann die Branche mehr Absprachen treffen, als es das Cournot-Verhalten impliziert. Die vier verschiedenen untersuchten Gleichgewichte führen zu deutlich unterschiedlichen Interpretationen der Basisdatensätze, da die Kalibrierung in jedem Fall unterschiedliche Nachfrageelastizitäten und unterschiedliche Niveaus der impliziten Handelshemmnisse ergab. >Gleichgewicht, >Handel, >Oligopole, >Handelspolitik/Venables. * Siehe unten: „Anthony J. Venables. „Trade Policy….“ ** ((s)) In der Oligopolökonomie untersuchen die Cournot- und Bertrand-Modelle verschiedene Möglichkeiten des Wettbewerbs zwischen Unternehmen. Cournot-Modelle konzentrieren sich auf den Mengenwettbewerb, bei dem die Unternehmen das Produktionsniveau wählen, während sich Bertrand-Modelle auf den Preiswettbewerb konzentrieren, bei dem die Unternehmen die Preise festlegen. Im Bertrand-Wettbewerb erreichen Unternehmen, die identische Produkte herstellen, häufig ein Gleichgewicht, bei dem die Preise den Grenzkosten entsprechen, was zu einem wirtschaftlichen Gewinn von Null führt. Im Gegensatz dazu führt der Cournot-Wettbewerb in der Regel zu höheren Preisen und positiven Gewinnen für die Unternehmen, da sie ihre Produktion zur Gewinnmaximierung begrenzen). Anthony J. Venables. „Trade Policy under Imperfect Competition: A Numerical Assessment.“In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press. |
EconKrug I Paul Krugman Volkswirtschaftslehre Stuttgart 2017 EconKrug II Paul Krugman Robin Wells Microeconomics New York 2014 Krugman III Paul Krugman Alasdair Smith Empirical Studies of Strategic Trade Policy Chicago: The University of Chicago Press 1994 |
| Interner Realismus | Putnam | VI 389 Interner Realismus/iR/Putnam: Der interne Realismus ist eine empirische Theorie, ein kollektives Sprecher-Verhalten. Metaphysischer Realismus: Dagegen ist metaphysischer Realismus nicht empirisch, sondern ein Modell (wie z.B. Billardkugeln). VI 400 Interner Realismus/Putnam: Wie eine Theorie "verstanden wird" kann gar nicht innerhalb der Theorie selbst diskutiert werden. Ob die Theorie eine eindeutig intendierte Interpretation hat, hat keinen absoluten Sinn. Metaphysischer Realismus: Metaphysischer Realismus fragt nach einer Theorie-unabhängigen Tatsache, in Bezug darauf, worauf ein Term innerhalb einer Theorie referiert. Interner Realismus: Unser Gebrauch von "Kuh" setzt voraus, dass "Kuh" verstanden ist. Das geht alles aber nur mit einem verifikationistischen Ansatz von Verstehen - nicht mit einem wahrheits-konditionalen, daher ist der Gebrauch schon erklärt! >Wahrheitskonditional, >Verifikationismus, >Gebrauch. --- I (a) 18 Interner Realismus/Putnam: (Wahrheit relativ auf eine Theorie): Beim internen Realismus sind Gebrauch und Referenz verknüpft. I (f) 151 Interner Realismus/PutnamVsDummett: Interner Realismus ist mit seinem Anti-Realismus verwandt, aber Wahrheit wird nicht mit Rechtfertigung sondern mit einer Idealisierung der Rechtfertigung identifiziert. >Antirealismus, >Rechtfertigung, >Idealisierung. Quine: Die Rechtfertigungsbedingungen ändern sich mit unserem Wissenskorpus. I (f) 156ff Interner Realismus/Putnam: Die Ontologie ist theorieabhängig. Wahrheit: Wahrheit ist rationalisierte Akzeptierbarkeit. Gehirne im Tank sind keine mögliche Welt, weil sie nur aus der Gottesperspektive beurteilbar sind. >Gehirne im Tank. Beobachtung durch eine "andere Welt" ist per definitionem ausgeschlossen. Der interne Realismus erkennt ein "internes Begriffsschema" an, innerhalb dessen die Gegenstände existieren. Internalismus: "Kaninchen" referiert eben auf Kaninchen. >Begriffsschema, >Gavagai. I (f) 159 ExternalismusVs: Das sagt uns nicht, was Referenz ist. Internalismus: Tautologien sind hinreichend für Referenz (>Bedeutungspostulate). Kausalität ist für Referenz irrelevant. "Außerirdischer" referiert auf Außerirdische. ExternalismusVs: Die Bedeutung entsteht für uns durch Assoziation mit "nicht von dieser Erde" und das ist letztlich kausal vermittelt. Bsp Natürliche Art: ist ein Basisbegriff für zukünftige Pferde. I (f) 160 InternalismusVs: Der Ausdruck "von derselben Art" macht keinen Sinn außerhalb eines Kategoriensystems. Alles ist irgendwie von derselben Art. Es gibt keine Extra-Tatsachen, die wahr machen, dass Pferde Pferde sind, es gibt einfach Pferde. >Natürliche Art. VsInternalismus: Damit werden aber selbstidentifizierende Gegenstände angenommen (und die Welt ordne sich selbst). Putnam: Letztlich gibt es selbstidentifizierende Gegenstände, aber nicht im externalistischen Sinn. Lösung: Gegenstände sind ebenso gemacht wie entdeckt, dann haben sie intrinsische Etiketten (sie sind aber nicht geist-unabhängig). VI 402ff Wissen/Ich/Kant/Putnam: Kants Bild von Wissen fasste dieses als „Repräsentation“ auf, eine Art von Spiel. Der Autor dieses Spiels bin ich. Ich: Aber der Autor des Spiels kommt auch in dem Spiel selbst vor. „Empirisches Ich“/Kant/Putnam: Der Autor im Spiel ist nicht der „richtige Autor“, er ist das „empirische Ich“. Transzendentales Ich/Kant/Putnam: Das „transzendentales Ich“ ist der „reale“ Autor des Spiels (außerhalb des Spiels). Ich/interner Realismus/PutnamVsKant: Ich würde sein Bild in zwei Hinsichten modifizieren: 1. Die Autoren (im Plural, mein Bild ist sozial!) schreiben nicht eine, sondern mehrere Versionen. 2. Die Autoren in den Geschichten sind die realen! |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 |
| Internet | Bostrom | I 60 Internet/Superintelligenz/Vernor Vinge/Bostrom: Was ist mit (...) der phantastischen Idee, dass das Internet eines Tages "aufwachen" könnte? Könnte das Internet etwas mehr werden als nur das Rückgrat einer lose integrierten kollektiven Superintelligenz - etwas mehr wie ein virtueller Schädel, in dem ein entstehender einheitlicher Super-Intellekt untergebracht ist? (Dies war einer der Wege, auf denen Superintelligenz entstehen konnte, so Vernor Vinge in seinem einflussreichen Essay von 1993, der den Begriff "technologische Singularität"(1) prägte. BostromVsVinge: Dagegen könnte man einwenden, dass maschinelle Intelligenz durch mühsames Engineering schwer genug zu erreichen ist, und dass es unglaubhaft ist, anzunehmen, dass sie spontan entsteht. Internet/Bostrom: Eine plausiblere Version des Szenarios wäre, dass das Internet durch die Arbeit vieler Menschen über viele Jahre hinweg Verbesserungen akkumuliert - Arbeit an der Entwicklung besserer Such- und Informationsfilteralgorithmen, leistungsfähigerer Datenrepräsentationsformate, leistungsfähigerer autonomer Software-Agenten und effizienterer Protokolle, die die Interaktionen zwischen solchen Bots regeln - und dass unzählige inkrementelle Verbesserungen schließlich die Grundlage für eine einheitlichere Form der Web-Intelligenz schaffen. Diese Art von Szenario konvergiert jedoch mit einem anderen möglichen Weg zur Superintelligenz, dem der >Artificial General Intelligence (...). >Superintelligenz/Bostrom. 1. Vinge, Vernor. 1993. “The Coming Technological Singularity: How to Survive in the Post-Human Era.” In Vision-21: Interdisciplinary Science and Engineering in the Era of Cyberspace, 11–22. NASA Conference Publication 10129. NASA Lewis Research Center. |
Bostrom I Nick Bostrom Superintelligence. Paths, Dangers, Strategies Oxford: Oxford University Press 2017 |
| Internet | Morozov | I 14 Internet/Morozov: Die physische Infrastruktur, die wir als "das Internet" kennen, hat wenig Ähnlichkeit mit dem mythischen "Internet" - jenem, das angeblich die Regierungen Tunesiens und Ägyptens zu Fall gebracht hat und angeblich unser Gehirn zerstört -, das im Zentrum unserer öffentlichen Debatten steht. Die Infrastruktur und das Design dieses Netzwerks von Netzwerken spielen eine gewisse Rolle bei der Sanktionierung vieler dieser Mythen - zum Beispiel die Idee, dass das Internet" gegen Zensur resistent ist, kommt von den einzigartigen Qualitäten seines paketvermittelnden Kommunikationsmechanismus - aber „das Internet", das der Fluch der öffentlichen Debatten ist, enthält auch viele andere Geschichten und Erzählungen - über Innovation, Überwachung, Kapitalismus -, die wenig mit der Infrastruktur an sich zu tun haben. >Netzwerke, >Soziale Medien, >Soziale Netzwerke. I 15 Ich möchte verstehen, warum und wie iTunes oder Wikipedia - einige der mythischen Kernbestandteile des "Internets" - zu Vorbildern geworden sind, um über die Zukunft der Politik nachzudenken. Wie sind Zynga und Facebook zu Vorbildern geworden, um über bürgerschaftliches Engagement nachzudenken? >Wikipedia. I 38 Wissen/Internet/Morozov: Das Internet selbst verändert überhaupt nichts an dem, was als Wissen zählt. >Wissen/Weinberger, MorozovVsWeinberger. (1) I 208 Internet/Morozov: „Das Internet“ ist die Folge unserer Lebenswelt – nicht ihre Ursache. >Lebenswelt. 1. David Weinberger, Too Big to Know: Rethinking Knowledge Now that the Facts Aren’t the Facts, Experts Are Everywhere, and the Smartest Person in the Room Is the Room (New York: Basic Books, 2012) |
Morozov I Evgeny Morozov To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism New York 2014 |
| Internet | Shirky | Morozov I 39 Internet/collaboration/Shirky/Morozov: Shirky stützt sich für seine Thesen (1) vor allem auf zwei Quellen: 1. Susanne Lohmanns Erklärung der Ostdeutschen Proteste 1989(2) Morozov I 40 Und Ronald Coases Theorie der Entstehung von Firmen(3) von dem Shirky den Begriff der Transaktionskosten übernimmt. MorozovVsShirky: Beide Quellen sind aber nicht geeignet oder neutral genug um digitale Technologien zu erklären. >Erklärungen, >Theorien. Susanne Lohmann/Morozov: Ihr Ansatz ist kontextunabhängig und fasst Menschen als eindimensionale ahistorische Charaktere auf, um eine Theorie der Informationskaskaden aufzustellen, die in Kalkutta wie in Kairo funktioniert. These: Wenn Leute andere sehen, die schon auf der Straße protestieren, tendieren sie dazu, sich ihnen anzuschließen, aber erst, wenn die Proteste einen bestimmten Grad erreichen. I 40/41 MorozovVsShirky: Mit seiner Theorie, die von Lohmann und Coase inspiriert ist, kann er einfach alles erklären, aber durch ihre Allgemeinheit erklärt die Theorie am Ende gar nichts. I 43 Transaktionskosten/Coase/MorozovVsShirky: Der Begriff der Transaktionskosten ist zwar geeignet, Kalifornische Startup-Unternehmen zu erklären, aber kaum, um die Iranische Gesellschaft zu verstehen, wenn wir nichts über iranische Kultur, Geschichte und Politik wissen. Wer sind die relevanten Akteure? Was sind die relevanten Transaktionen? Kollaboration/MorozovVsShirky: Kollaboriert niemand außer den Dissidenten in diesen Ländern? Nur die Dissidenten? Sind diese ganzen Dissidenten vereinigt? Oder verfolgen sie ganz eigene Ziele? 1. Clay Shirky, Here Comes Everybody: The Power of Organizing without Organizations (New York: Penguin, 2009). 2. Susanne Lohmann, “The Dynamics of Informational Cascades: The Monday Demonstrations in Leipzig, East Germany, 1989– 91,” World Politics 47, no. 1 (October 1, 1994): 42– 101. 3. Ronald Coase, “The Nature of the Firm,” Economica, 4 (1937): 386– 405. |
Shirky I Clay Shirky Here Comes Everybody: The Power of Organizing Without Organizations New York 2009 Morozov I Evgeny Morozov To Save Everything, Click Here: The Folly of Technological Solutionism New York 2014 |
| Internet | Zittrain | I 3 Internet/Zittrain: Die Zukunft, die sich gerade jetzt entfaltet, ist schon vergangen. Die Zukunft gehört nicht den generativen PCs, die an ein generatives Netzwerk angeschlossen sind. Stattdessen ist es eines der sterilen Geräte, die an ein Kontrollnetzwerk angebunden sind. I 7 Der erste Teil des Buches beschreibt den Kampf zwischen den zentralisierten proprietären Netzwerken und dem Internet und einen entsprechenden Kampf zwischen spezialisierten Informationsgeräten wie intelligenten Schreibmaschinen und dem Allzweck-PC und zeigt die Qualitäten, die das Internet und den PC gewinnen ließen. I 26 Internet/Zittrain: Die Gründung des Internets ist an eine Botschaft vom 29. Oktober 1969 gebunden. Es wurde von der UCLA nach Stanford durch Computer übertragen, die an den Prototyp "Interface Message Processors" (IMPs) angeschlossen waren. (1) Es gab damals wie heute eine Vielzahl anderer, nicht kompatibler Computersysteme - und das IMP wurde als eine Art, sie zu verbinden, konzipiert. (2) Die UCLA-Programmierer tippten "log" ein, um sich am Stanford-Computer anzumelden. Der Stanford-Computer stürzte nach dem zweiten Buchstaben ab und machte "lo" zur ersten Internetnachricht. Das Internet war von Anfang an anders ausgerichtet als die proprietären Netzwerke und ihr Ethos der Bündelung und Kontrolle. Seine Ziele waren in gewisser Weise bescheidener. Beim Aufbau des Netzes ging es nicht darum, den Kunden eine bestimmte Menge an Informationen oder Dienstleistungen wie Nachrichten oder Wetter anzubieten, für die das Netz notwendig, aber zufällig war. Vielmehr ging es darum, jede Person im Netzwerk mit jeder anderen zu verbinden. Es lag an den Leuten, die miteinander verbunden waren, herauszufinden, warum sie überhaupt in Kontakt bleiben wollten; I 69 Ich habe diese Qualität des Internets und der traditionellen PC-Architektur als "Generativität" bezeichnet. Generativität ist die Fähigkeit eines Systems, unvorhergesehene Veränderungen durch ungefilterte Beiträge eines breiten und vielfältigen Publikums zu bewirken. Begriffe wie "Offenheit" und "frei" und "Gemeingut" evozieren Elemente davon, aber sie erfassen ihre Bedeutung nicht vollständig, und sie verdecken sie manchmal. I 101 In einer Entwicklung, die an die alten Zeiten von AOL und CompuServe erinnert, ist es zunehmend möglich, einen PC als bloßes unintelligentes Terminal zu nutzen, um interaktiv, aber mit wenig Platz zum Basteln auf Websites zuzugreifen. ("Web 2.0" ist ein neues Schlagwort, das diese Migration von Anwendungen ins Internet zelebriert, die traditionell auf dem PC zu finden sind. Verwirrenderweise bezieht sich der Begriff auch auf das separate Phänomen der Zunahme von benutzergenerierten Inhalten und Indizes im Web - wie z.B. die Verwendung von Tags, die von einem Benutzer bereitgestellt wurden zur Kennzeichnung von Fotos. Neue Informationsgeräte, die an ihre Hersteller angebunden sind, einschließlich PCs und Websites, die in dieser Form umgestaltet wurden, sind verlockende Lösungen für frustrierte Verbraucher und Unternehmen. Keine dieser Lösungen, die allein stehen, ist schlecht, aber der Gesamtverlust wird enorm sein, wenn ihre Entstehung eine umfassende Verlagerung unseres Informationsökosystems weg von der Generativität darstellt. ((s) Für die Generativität siehe Terminologie/Zittrain.) 1. See ARPANET—The First Internet, http://livinginternet.com/i/ii_arpanet.htm (last visited June 1, 2007); IMP—Interface Message Processor, http://livinginternet.com/i/ii_imp.htm (last visited June 1, 2007). 2. See IMP—Interface Message Processor, supra note 25. |
Zittrain I Jonathan Zittrain The Future of the Internet--And How to Stop It New Haven 2009 |
| Internet Protocol | Zittrain | I 68 Internet Protocol/Zittrain: kabellose Internet Zugriffspunkte könnten von Außenstehenden ohne Änderungen am Internet Protocol entwickelt werden: Das Protokoll verkörperte so wenige Annahmen über die Art des verwendeten Mediums, dass ein drahtloser Betrieb keinen von ihnen verletzte. Die große Vielfalt der Möglichkeiten der physischen Verbindung wird durch die breite Basis einer Sanduhr dargestellt. In ähnlicher Weise haben die Verfasser des Internet Protocols nur wenige Annahmen über die endgültige Nutzung des Netzes getroffen. Sie stellten lediglich ein Schema für das Verpacken und Verschieben von Daten zur Verfügung, unabhängig von ihrem Zweck. Dieses Schema ermöglichte eine Vielzahl von Anwendungen aus allen interessierten und talentierten Quellen - vom Web über E-Mail und Instant Messenger bis hin zur Dateiübertragung durch Videostreaming. So ist auch die Oberseite der Sanduhr breit. Es ist nur die Mitte, die schmal ist und das Internet Protocol enthält, weil es so funktionsfrei wie möglich sein soll. |
Zittrain I Jonathan Zittrain The Future of the Internet--And How to Stop It New Haven 2009 |
| Internetkultur | Benkler | Benkler I 233 Internetkritik/Internetkultur/Internetkritiker/Internet/Benkler: 1. Ein grundlegendes Problem, das entsteht, wenn jeder sich Gehör verschaffen kann, ist, dass es zu viele Aussagen oder zu viele Informationen geben wird. Zu I 234 viele Beobachtungen und zu viele Standpunkte machen es äußerst schwierig, sie zu durchsuchen, was zu einem unkontrollierbaren "Lärm" führt. Diese allgemeine Sorge, eine Variante des Babel-Einwandes, liegt drei konkreteren Argumenten zugrunde: dass Geld ohnehin dominieren wird, dass es zu einer Fragmentierung des Diskurses kommen wird und dass die Fragmentierung des Diskurses zu seiner Polarisierung führen wird. I 235 2. Eine Kritik der zweiten Generation an den demokratisierenden Auswirkungen des Internets ist, dass es sich in der Tat als nicht so egalitär oder verteilt erweist, wie es die Konzeption der 90er Jahre nahegelegt hatte. Erstens, gibt es eine Konzentration in den Kanälen und den grundlegenden Werkzeugen der Kommunikation. Zweitens, und unnachgiebiger für die Politik, selbst in einem offenen Netzwerk, konzentriert sich ein hohes Maß an Aufmerksamkeit auf einige wenige Top-Webseiten - eine winzige Anzahl von Webseiten wird von der überwiegenden Mehrheit der Leser gelesen, während viele Webseiten nie von jemandem besucht werden. In diesem Zusammenhang repliziert das Internet das Modell der Massenmedien, indem es vielleicht einige Kanäle hinzufügt, aber nicht wirklich etwas strukturelles verändert. I 236 3. [Ein weiteres Anliegen] im Kontext des Internets, (...) am deutlichsten von Neil Netanel artikuliert, ist, dass in den modernen komplexen Gesellschaften, in denen wir leben, kommerzielle Massenmedien entscheidend für die Erhaltung der Watchdog-Funktion der Medien sind. Große, anspruchsvolle, kapitalkräftige Regierungs- und Unternehmensmarktakteure verfügen über enorme Ressourcen, um nach Belieben zu handeln und um Überprüfung und demokratische Kontrolle zu vermeiden. 4. Eine Reihe von Behauptungen und deren Kritik haben mit den Auswirkungen des Internets auf autoritäre Länder zu tun. Die Kritik richtet sich gegen einen grundlegenden Glauben, der angeblich, und vielleicht sogar tatsächlich, von einigen Cyber-Liberalisten vertreten wird, dass bei ausreichendem Zugang zu Internet-Tools die Freiheit überall Einzug finden wird. Das entscheidende Argument hier ist, dass China mehr als jedes andere Land zeigt, dass es möglich ist, einer Bevölkerung den Zugang zum Internet zu ermöglichen - es ist jetzt die Heimat der zweitgrößten nationalen Bevölkerung von Internetnutzern - und diese zu kontrollieren. 5. Während das Internet den Kreis der Teilnehmer im öffentlichen Raum vergrößern kann, ist der Zugang zu seinen Tools zugunsten derjenigen ausgelegt, die in der Gesellschaft bereits gut situiert sind - in Bezug auf Reichtum, Rasse und Fähigkeiten. >Internet/Benkler, >Internet/Zittrain etc. I 241 Ad. 1. Anstatt dem Problem der Informationsüberflutung zu erliegen, lösen die Benutzer es, indem sie sich auf wenigen Webseiten "versammeln". Diese Schlussfolgerung basiert auf einer neuen, aber wachsenden Literatur über die Wahrscheinlichkeit, dass eine Webseite von anderen verlinkt wird. Die Verteilung dieser Wahrscheinlichkeit erweist sich als stark verzerrt. Das heißt, es gibt eine winzige Wahrscheinlichkeit, dass eine bestimmte Webseite von einer großen Anzahl von Personen verlinkt wird, und eine sehr große Wahrscheinlichkeit, dass für eine bestimmte Seite nur eine andere Seite oder sogar keine Webseite einen Link zu ihr aufweist. I 242 Ad. 2. Während das Internet, das Web und die Blogosphäre in der Tat eine viel größere Ordnung aufweisen als das "Free Wheeling" (nicht limitiert durch Regeln), würde das Bild "Jeder als Verfasser" (engl. everyone a pamphleteer) suggerieren,dass diese Struktur kein Massenmedienmodell repliziert. Wir sehen eine neu gestaltete Informationsumgebung, in der tatsächlich nur wenige Seiten von vielen gelesen werden, aber Cluster von mäßig gelesenen Webseiten bieten Plattformen für eine weitaus größere Anzahl von Sprechern als im massenmedialen Umfeld. Filterung, Akkreditierung, Synthese und Hervorhebung werden durch ein System des Peer Review durch informationsaffine Gruppen, thematisch oder interessenbezogen, geschaffen. Diese Gruppen filtern die Beobachtungen und Meinungen eines enormen Spektrums von Menschen und übermitteln diejenigen, die das lokale Peer-Review überstanden haben, an breitere Gruppen und letztlich an das Gemeinwesen, ohne auf marktbasierte Kontrollpunkte für den Informationsfluss zurückzugreifen. Das intensive Interesse und Engagement kleiner Gruppen, die gemeinsame Anliegen teilen, und nicht das Interesse des kleinsten gemeinsamen Nenners an großen Gruppen, die weitgehend voneinander entfremdet sind, ist es, was die Aufmerksamkeit auf Aussagen lenkt und sie sichtbarer macht. Dadurch wird die entstehende vernetzte Öffentlichkeit besser auf die stark geäußerten Bedenken eines viel breiteren Bevölkerungskreises reagieren, als die Massenmedien sehen konnten. So entsteht ein Kommunikationsprozess, der resistenter gegen Korruption durch Geld ist. I 264 Ad. 3. So wie das Internet eine Plattform für die Entstehung eines riesigen und effektiven Almanachs bieten kann, so wie freie Software exzellente Software produzieren kann und Peer-Produktion eine gute Enzyklopädie produzieren kann, so kann auch Peer-Produktion die öffentliche Watchdog-Funktion übernehmen. I 265 (...) netzwerkbasierte Peer Production vermeidet auch die inhärenten Konflikte zwischen investigativer Berichterstattung und dem Endergebnis - ihre Kosten, ihr Risiko der Rechtsstreitigkeiten, ihr Risiko, Werbung von entfremdeten Unternehmenssubjekten zurückzuziehen, und ihr Risiko, Leser zu entfremden. Aufbauend auf der großen Variation und Vielfalt von Wissen, Zeit, Verfügbarkeit, Einsicht und Erfahrung sowie den riesigen Kommunikations- und Informationsressourcen, die fast jedem in fortgeschrittenen Wirtschaften zur Verfügung stehen, stellen wir fest, dass auch die Watchdog-Funktion in der vernetzten Informationswirtschaft im Vergleich zu anderen "peer-produziert" wird. I 270 Ad. 4. (...) in autoritären Ländern erschwert und verteuert die Einführung der Internetkommunikation die Kontrolle der Öffentlichkeit durch die Regierungen. Wenn diese Regierungen bereit sind, auf die Vorteile der Internetanbindung zu verzichten, können sie dieses Problem vermeiden. Wenn sie es nicht sind, haben sie weniger Kontrolle über die Öffentlichkeit. Es gibt natürlich auch andere Mittel der direkteren Repression. Benkler I 359 Soziale Bindungen/Internetkultur/Studium/Benkler/Turkle/Kraut: Anstatt eine Lösung für die Probleme zu finden, die die Industriegesellschaft für Familie und Gesellschaft schafft, wurde das Internet als zunehmende Entfremdung angesehen, indem sich seine Nutzer darin verloren. Sie verbrachten keine Zeit mehr mit der Familie. Es tauchte sie in Ablenkungen von der realen Welt mit ihren realen Beziehungen. In einer Sozialversion des Babel-Einwandes (>Babel-Einwand/Benkler) wurde es als Verengung der gemeinsamen kulturellen Erfahrungen angesehen, so dass die Menschen mangels einer gemeinsamen Sitcom oder Nachrichtensendung zunehmend voneinander entfremdet wurden. Ein Strang dieser Kritik stellte den Wert von Online-Beziehungen selbst als plausibler Ersatz für eine reale menschliche Verbindung in Frage. Sherry Turkle, die bedeutendste frühe Forscherin virtueller Identität, charakterisierte dieses Anliegen wie folgt: "Ist es wirklich sinnvoll, vorzuschlagen, dass der Weg zur Revitalisierung der Gemeinschaft darin besteht, allein in unseren Zimmern zu sitzen, an unseren vernetzten Computern zu tippen und unser Leben mit virtuellen Freunden zu füllen?"(1) Benkler I 360 Ein weiterer Kritikpunkt konzentrierte sich weniger auf die Oberflächlichkeit, um nicht zu sagen die Leere der Online-Beziehungen, als vielmehr auf die schiere Zeit. Nach diesem Argument ging die im Netz verbrachte Zeit und Mühe auf Kosten der Zeit mit Familie und Freunden. Prominent und oft in dieser Hinsicht zitiert wurden zwei Frühstudien. Das erste mit dem Titel "Internet Paradox" wurde von Robert Kraut(2) geleitet. Es war die erste Längsschnittstudie mit einer erheblichen Anzahl von Nutzern - 169 Nutzer im ersten oder zweiten Jahr ihrer Internetnutzung. Kraut und seine Mitarbeiter fanden einen leichten, aber statistisch signifikanten Zusammenhang zwischen der Zunahme der Internetnutzung und (a) der Abnahme der familiären Kommunikation, (b) der Abnahme der Größe des sozialen Kreises in Nah und Fern und (c) der Zunahme von Depression und Einsamkeit. Die Forscher gingen davon aus, dass die Nutzung des Internets starke durch schwache Bindungen ersetzt. Zwei Jahre später folgte eine zweite, sensationellere Veröffentlichung einer Studie. Im Jahr 2000 betonte das Stanford Institute for the Quantitative Study of Society in einem "vorläufigen Bericht" über Internet und Gesellschaft - mehr eine Pressemitteilung als ein Bericht - die Feststellung, dass "je mehr Stunden die Menschen im Internet verbringen, desto weniger Zeit verbringen sie mit echten Menschen"(3). Die tatsächlichen Ergebnisse waren etwas weniger stark als die weit verbreitete Pressemitteilung. Wie bei allen Internetnutzern gaben nur etwas mehr als acht Prozent an, weniger Zeit mit der Familie zu verbringen; sechs Prozent gaben an, mehr Zeit mit der Familie zu verbringen, und 86 Prozent verbrachten etwa die gleiche Zeitspanne. I 361 Vs: Das stärkste Ergebnis, das die "Isolation"-These in dieser Studie unterstützt, war, dass 27 Prozent der Befragten, die ständige Internetnutzer waren, angaben, weniger Zeit am Telefon mit Freunden und Familie zu verbringen. Die Studie fragte nicht, ob sie E-Mail anstelle des Telefons benutzten, um mit diesen Familienmitgliedern und diesen Freunden in Kontakt zu bleiben, und ob sie dachten, sie hätten dadurch mehr oder weniger eine Verbindung zu diesen Freunden und der Familie. I 362 Wenn Internetverbindungen nicht tatsächlich den direkten, unmittelbaren menschlichen Kontakt verdrängen, gibt es keine Grundlage zu der Annahme, dass die Nutzung des Internets zu einem Rückgang der gehaltvollen Verbindungen führen wird, die wir psychologisch benötigen, oder der nützlichen Verbindungen, die wir sozial herstellen und die auf dem direkten menschlichen Kontakt mit Freunden, Familie und Nachbarn basieren. I 363 Die Beziehungen zu der lokalen geografischen Gemeinschaft und zu den engen Freunden und der Familie scheinen durch die Internetnutzung nicht wesentlich beeinträchtigt zu werden. Soweit diese Beziehungen betroffen sind, ist der Effekt positiv. So setzten Kraut und seine Mitarbeiter ihr Studium fort und vertieften dieses für weitere drei Jahre. Sie fanden heraus, dass sich die negativen Auswirkungen, die sie im ersten oder zweiten Jahr gemeldet hatten, über den gesamten Beobachtungszeitraum verteilt hatten(4). Ihre grundlegende Hypothese, dass das Internet wahrscheinlich schwache Bindungen verstärkt hat, steht jedoch im Einklang mit anderen Forschungs- und Theoriearbeiten. I 364 Menschen, unabhängig davon, ob sie mit dem Internet verbunden sind oder nicht, kommunizieren weiterhin bevorzugt mit Menschen, die sich geografisch in der Nähe befinden, als mit Menschen, die weit entfernt sind(5). Dennoch kommunizieren Menschen, die mit dem Internet verbunden sind, mehr mit Menschen, die geografisch entfernt sind, ohne die Anzahl der lokalen Verbindungen zu verringern. 1. Sherry Turkle, “Virtuality and Its Discontents, Searching for Community in Cyberspace,” The American Prospect 7, no. 24 (1996); Sherry Turkle, Life on the Screen: Identity in the Age of the Internet (New York: Simon & Schuster, 1995). 2. Robert Kraut et al., “Internet Paradox, A Social Technology that Reduces Social Involvement and Psychological Well Being,” American Psychologist 53 (1998): 1017–1031. 3. Norman H. Nie and Lutz Ebring, “Internet and Society, A Preliminary Report,” Stanford Institute for the Quantitative Study of Society, February 17, 2000, 15 (Press Release), http://www.pkp.ubc.ca/bctf/Stanford_Report.pdf. [Website not available as of 08/08/19] 4. Robert Kraut et al., “Internet Paradox Revisited,” Journal of Social Issues 58, no. 1 (2002): 49. 5. Barry Wellman, “Computer Networks as Social Networks,” Science 293, issue 5537 (September 2001): 2031. |
Benkler I Yochai Benkler The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007 |
| Interpretation | Ayers | Rorty VI 360 Interpretation/Bennett: These: Wir können Kant heute nur verstehen, indem wir klar mit Hilfe heutiger Begriffe angeben können, welches seine Probleme waren, welche davon heute noch Probleme sind, und was Kant zu ihrer Lösung beisteuerte. >Bedeutungwandel, >Theoriewechsel, >Übersetzung, >Hermeneutik. VI 361 M. AyersVsBennett: Das hieße, dass es unmöglich ist, einen Philosophen der Vergangenheit heute nach seiner eigenen Begrifflichkeit zu verstehen. Ayers: These: Wir sollten versuchen, die gleiche Beziehung zwischen Denken und Empfinden herzustellen, wie er selbst. RortyVsAyers: Damit kommt man nicht weit, wenn man an Begriffe wie "geistiges Vermögen" usw. nicht mehr glaubt. Ayers übertreibt den Gegensatz zwischen "unseren" und "seinen" Begriffen. >R. Rorty. |
Ayers I M. Ayers "Locke" in: Arguments of the Philosophers London 1993 Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 |
| Interpretation | Chladenius | Gadamer I 186 Interpretation/Chladenius/Gadamer: Verstehen und Auslegen sind (...) für Chladenius nicht dasselbe (§ 648)(1). Es ist ganz deutlich, dass für ihn die Auslegungsbedürftigkeit einer Stelle grundsätzlich ein Sonderfall ist, und dass man im allgemeinen eine Stelle unmittelbar versteht, sofern man die Sache kennt, die in der Stelle abgehandelt wird, sei es, dass man von der Stelle an die Sache erinnert wird, sei es, daß man erst durch die Stelle Zur Erkenntnis der Sache gelangt (§ 682). Unzweifelhaft ist somit für das Verstehen hier noch das Sachverständnis, die sachliche Einsicht, Gadamer I 187 das Entscheidende - es ist kein historisches noch gar ein psychologisch- genetisches Verfahren. Auslegung/Interpretation/Chladenius: Gleichwohl ist sich der Autor völlig darüber im klaren, dass die Auslegungskunst eine neue und besondere Dringlichkeit erhalten hat, sofern die Auslegungskunst zugleich die Rechtfertigung der Auslegung leistet. Einer solchen bedarf es offenbar so lange nicht, als »der Schüler einerlei Erkenntnis mit dem Ausleger habe« (so dass ihm der „Verstand“ ohne „Erweis“ einleuchtete) oder »wegen des guten Vertrauens gegen den Ausleger«. Beide Bedingungen erscheinen ihm in seiner Zeit nicht mehr erfüllt, die zweite insofern, als (im Zeichen der Aufklärung) »die Schüler mit eigenen Augen sehen wollen«, die erste, sofern bei wachsender Erkenntnis der Sachen - gemeint ist: mit dem Fortschreiten der Wissenschaft - die Dunkelheit der zu verstehenden Stellen immer größer werde (§ 668 f.). Gadamer: Das Bedürfnis einer Hermeneutik ist also gerade mit dem Schwinden des Vonselbst-Verstehens gegeben. >Hermeneutik/Chladenius, >Perspektive/Chladenius. 1. J.M.Chladenius, Einleitung zur richtigen Auslegung vernünftiger Reden und Schriften, 1742. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Interpretation | Evans | II 210 Interpretative Semantik/Interpretationale Semantik/Evans: Eine Interpretative Semantik müsste für jede Art semantischen Ausdrucks eine Entität annehmen. Eine Menge, einen Wahrheitswert, eine Funktion von Mengen auf Wahrheitswerte usw. bereitstellen, der den Vorkommnissen dieser Art zugeschrieben werden könnte und zwar unter einer beliebigen Interpretation. Dann könnten wir die Spezifikation der Art der Zuschreibung als eine Spezifikation des zugrunde liegenden Wesens auffassen, das ein Wort mit anderen gemein hat. II 213 Anstelle eines einzelnen unsortierten Bereichs wird es angebracht sein, den Bereich in fundamentale Arten von Objekten einzuteilen: Orte, Zeiten, materielle Objekte, lebendige Objekte, Ereignisse... dann können wir Bsp "Eine Menge von Paaren von lebendigen Objekten und Zeiten" als Verb verstehen. >Verben, >Bedeutungskategorien, >Semantischer Wert. Frank I 553 Evans: Wir dürfen uns nicht auf eine rein sprachliche oder kommunikationsbezogene Interpretationsebene zerren lassen. Gareth Evans(1982): Self-Identification, in: G.Evans The Varieties of Reference, ed. by John McDowell, Oxford/NewYork 1982, 204-266 |
EMD II G. Evans/J. McDowell Truth and Meaning Oxford 1977 Evans I Gareth Evans "The Causal Theory of Names", in: Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol. 47 (1973) 187-208 In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 Evans II Gareth Evans "Semantic Structure and Logical Form" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Evans III G. Evans The Varieties of Reference (Clarendon Paperbacks) Oxford 1989 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Interpretation | Gadamer | I 196 Interpretation/Gadamer: Schleiermacher sieht den Akt des Verstehens als den rekonstruktiven Vollzug einer Produktion. Ein solcher muss manches bewusst machen, was dem Urheber unbewusst bleiben kann. Es ist offenbar die Genieästhetik, die Schleiermacher mit dieser Formel auf seine allgemeine Hermeneutik überträgt. Die Schaffensweise des genialen Künstlers ist der Modellfall, auf den die Lehre von der unbewussten Produktion und der notwendigen Bewusstheit in der Reproduktion sich beruft(1). Daraus folgt auch - was die Hermeneutik nie vergessen sollte -, dass der Künstler, der ein Gebilde schafft, nicht der berufene Interpret desselben ist. Als Interpret hat er vor dem bloß Aufnehmenden keinen prinzipiellen Vorrang an Autorität. Er ist, sofern er selbst reflektiert, sein eigener Leser. Die Meinung, die er als Reflektierender hat, ist nicht maßgebend. Maßstab der Auslegung ist allein, was der Sinngehalt seiner Schöpfung ist, was diese “meint“(2). >Meinen, >Deutung, >Hermeneutik, >Verstehen. So vollbringt die Lehre von der genialen Produktion hier eine wichtige theoretische Leistung, indem sie den Unterschied zwischen dem I 197 Interpreten und dem Urheber tilgt. Sie legitimiert die Gleichsetzung beider, sofern zwar nicht die reflektierende Selbstauslegung, aber doch die unbewusste Meinung des Urhebers das ist, was verstanden werden soll. Nichts anderes will Schleiermacher mit seiner paradoxen Formel sagen (Es gelte, einen Schriftsteller besser zu verstehen, als er sich selber verstanden habe). >Hermeneutik/Schleiermacher, >Verstehen/Schleiermacher. I 401 Interpretation/Gadamer: Eine richtige Auslegung „an sich“ wäre ein gedankenloses Ideal, das das Wesen der Überlieferung verkennte. Jede Auslegung hat sich in die hermeneutische Situation zu fügen, der sie zugehört. Situationsgebundenheit bedeutet keineswegs dass sich der Anspruch auf Richtigkeit, den jede Interpretation erheben muss, ins Subjektive oder Okkasionelle auflöste. Auslegen ist auch für uns nicht ein pädagogisches Verhalten, sondern der Vollzug des Verstehens selbst, das sich nicht nur für die anderen, für die man etwas auslegt, sondern ebenso für den Interpreten selbst in der Ausdrücklichkeit sprachlicher Auslegung erst vollendet. 1. H. Patsch hat inzwischen die Frühgeschichte der romantischen Hermeneutik genauer aufgeklärt: Friedrich Schlegels “Philosophie der Philologie« und Schleiermachers frühe Entwürfe zur Hermeneutik (Ztschr. f. Theologie und Kirche 1966, S. 434—472). 2. Die moderne Mode, die Selbstinterpretation eines Schriftstellers als Kanon der Interpretation zu verwenden, ist die Folge eines falschen Psychologismus. Auf der andern Seite kann aber die „Theorie“ z. B. der Musik oder der Poetik und Redekunst, sehr wohl ein legitimer Kanon der Auslegung sein. Vgl. zuletzt meine Arbeit „Zwischen Phänomeektik — Versuch einer Selbstkritik“ in Bd. 2 der Ges. Werke, S. 3ff. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Interpretation | Kuhn | I 134 Interpretation/Theorie/Wissenschaft/Kuhn: der Wandel vom Phlogiston zum Sauerstoff ähnelt nicht einer Interpretation. - Wie könnte er auch, da es für den Wissenschaftler gar keine feststehenden Daten zu interpretieren gab. - Der Wissenschaftler ist weniger Interpret, als jemand, der Umkehrlinsen trägt. I 209 Interpretation/Kuhn: im metaphorischen wie im buchstäblichen Sinne von »Sehen« fängt die Interpretation dort an, wo die Wahrnehmung endet. >Beboachtungssprache, >Beobachtung, >Messung, >Wahrnehmung. |
Kuhn I Th. Kuhn Die Struktur wissenschaftlicher Revolutionen Frankfurt 1973 |
| Interpretation | Luther | Gadamer I 178 Bibel/Interpretation/Heilige Schrift/Luther/Gadamer: Der Standpunkt Luthers(1) ist etwa folgender: Die Heilige Schrift ist sui ipsius interpres. Man bedarf nicht der Tradition, um das rechte Verständnis derselben zu erwerben, auch nicht einer Auslegungskunst im Stile der antiken Lehre vom vierfachen Schriftsinn, sondern der Wortlaut der Schrift hat einen eindeutigen, aus ihr selbst zu ermittelnden Sinn, den sensus litteralis. Die allegorische Methode im Besonderen, die für die dogmatische Einheitlichkeit der biblischen Lehre vordem unentbehrlich schien, ist nur dort legitim, wo die allegorische Absicht in der Schrift selbst gegeben Ist. So ist sie bei den Gleichnisreden am Platz. Das Alte Testament dagegen darf seine spezifisch christliche Relevanz nicht durch eine allegorische Interpretation gewinnen. >Allegorie. Man muss es wörtlich verstehen, und gerade indem man es wörtlich versteht Gadamer I 179 und in ihm den Standpunkt des Gesetzes erkennt, den die Gnadentat Christi aufhebt, hat es eine christliche Bedeutung. Der wörtliche Sinn der Schrift freilich ist nicht an jeder Stelle und in jedem Augenblick eindeutig verstehbar. Denn es ist das Ganze der Heiligen Schrift, das das Verständnis des Einzelnen leitet so wie umgekehrt dieses Ganze nur aus dem durchgeführten Verständnis des Einzelnen erworben wird. Gadamer: Ein solches zirkelhaftes Verhältnis von Ganzem und Teilen ist an sich nichts Neues. Das wusste schon die antike Rhetorik, die die vollkommene Rede mit dem organischen Körper, dem Verhältnis von Haupt und Gliedern vergleicht. Luther und seine Nachfolger übertrugen dieses aus der klassischen Rhetorik bekannte Bild auf das Verfahren des Verstehens und entwickelten als allgemeinen Grundsatz einer Textinterpretation, dass alle Einzelheiten eines Textes aus dem contextus, dem Zusammenhang, und aus dem einheitlichen Sinn, auf den das Ganze zielt, dem scopus, zu verstehen sind. >Zirkularität, >Hermeneutischer Zirkel, >Hermeneutik, >Kontext, >Verstehen. Problem/GadamerVsLuther: 1. Indem sich die reformatorische Theologie für die Auslegung der Heiligen Schrift auf diesen Grundsatz beruft, bleibt sie freilich ihrerseits in einer dogmatisch begründeten Voraussetzung befangen. Sie macht die Voraussetzung, dass die Bibel selbst eine Einheit ist. Gadamer I 180 GadamerVsLuther: 2. (…) die reformatorische Theologie erscheint nicht einmal als konsequent. Indem sie schließlich die protestantischen Glaubensformeln als Leitfaden für das Verständnis der Einheit der Bibel in Anspruch nimmt, hebt auch sie das Schriftprinzip auf zugunsten einer allerdings kurzfristigen reformatorischen Tradition. So hat darüber nicht nur die gegenreformatorische Theologie, sondern auch Dilthey geurteilt(2). >Reformation, >W. Dilthey. 1. Die hermeneutischen Prinzipien der lutherischen Bibelerklärung sind nach K. Roll vor allem durch G. Ebeling eingehend erforscht worden. (G. Ebeling, Ev. Evangelienauslegung. Eine Untersuchung zu Luthers Hermeneutik [1942] und Die Anfänge von Luthers Hermeneutik [ZThK 48, 1951 , 172 -230] und neuerdings Wort Gottes und Hermeneutik [ZThK 56, 1959]) . 2. Vgl. Dilthey II, 126 Anm. 3 die von Richard Simon an Flacius geübte Kritik. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Interpretation | Macpherson | Gaus I 20 Interpretation/Macpherson/Marxismus/Ball: Eine besonders wichtige Marx'sche Interpretation von Schlüsselwerken der politischen Theorie ist C. B. Macphersons "The Political Theory of Possessive Individualism" (1962)(1). Mit "possessivem Individualismus" meint Macpherson die politische Theorie, die dazu dient, die Grundpfeiler des modernen Kapitalismus - wirtschaftliches Eigeninteresse und die Institution des Privateigentums - zu stützen und zu legitimieren. Er hält vor allem Hobbes und Locke für Ideologen und Apologeten des Kapitalismus avant la lettre. So hört beispielsweise Locke auf, der gute, graue, tolerante, proto-demokratische Denker zu sein, den wir zu kennen glaubten, und wird stattdessen zu einem außergewöhnlich klugen Propagandisten für die damals entstehende kapitalistische Ordnung. MacphersonVsLocke: Macpherson macht zum Beispiel viel aus Lockes Diskussion des Privateigentums im Zweiten Traktat der Regierung (1690)(2). Lockes Problem bestand darin, die Institution des Privateigentums zu rechtfertigen, zumal die Heilige Schrift sagt, dass Gott die Erde der ganzen Menschheit gegeben habe. Wie konnte dann ein Einzelner irgendeinen Teil dieses Gemeineigentums zu seinem eigenen machen? Locke antwortet auf die berühmte Frage, dass man den eigenen Teil vom Gemeingut trennt, indem man seine Arbeit mit ihm vermischt (...). >Eigentum/Locke, >J. Locke. Macpherson nimmt viel aus diesen Passagen, die er für einen Schlüsselpunkt in Lockes Rechtfertigung der kapitalistischen Akkumulation und der immer größeren Ungleichheiten des Reichtums hält (1962). VsMacpherson: Macphersons Kritiker behaupten, dass es alles andere als das ist: dass Locke ein frommer Christ war, der tiefe Zweifel am Geld hatte (von dessen Liebe in der Heiligen Schrift gesagt wird, dass sie "die Wurzel allen Übels" sei); dass das Wort, das Locke in Paragraph 48 verwendet, nicht "Eigentum" ist - das, was rechtmäßig und von Rechts wegen Ihr Eigentum ist - sondern "Besitz" (was eine bloße Tatsache ohne moralische oder rechtliche Bedeutung ist: ein Dieb mag Ihre Brieftasche besitzen, aber es ist nicht rechtmäßig seine, d.h. sein Eigentum). Daher können wir höchstens zu dem Schluss kommen, dass Geld, und damit vermutlich auch das Kapital selbst, "eine menschliche Institution ist, über deren moralischen Status Locke zutiefst ambivalent war" (Dunn, 1984(4)). 1. Macpherson, C.B. The Political Theory of Possessive Individualism (1962). 2. Locke, J. Second Treatise of Government (1690). 3.Macpherson ebd. S. 03–11, 233–5 4. Dunn, John (1984) Locke. Oxford: Oxford University Press. S. 40 Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Interpretation | Marx | Gaus I 19 Interpretation/Marx/Ball: Marx bemerkte berühmterweise, dass "die Ideen der herrschenden Klasse in jeder Epoche die herrschenden Ideen sind" (Marx und Engels, 1947: 39)(1). Das heißt, die dominanten oder Mainstream-Ideen jeder Epoche sind diejenigen, die den Interessen der herrschenden Klasse dienen. Sie dienen weitgehend durch die Legitimierung ihrer herausragenden Stellung in der Gesellschaft. Daher überrascht es nicht, sagen Marxisten, dass Sklaverei in sklavenbesitzenden Gesellschaften dargestellt und weithin als normal und natürlich angesehen wird (...). >Sklaverei, >Marxismus, >Interesse. Gaus I 20 Ideologie/Marx: ineffiziente Ideen - auch solche, die sich in Werken der politischen Theorie finden - verbinden sich zu einer mehr oder weniger konsistenten Menge oder einem System von Ideen, das Marx als "Ideologie" bezeichnet. Sinn und Zweck jeder Ideologie ist es, der Herrschaft der herrschenden Klasse Legitimität zu verleihen. So dienen Ideologien als Rauchvorhang, der die geschmacklose Realität vor einer leichtgläubigen Öffentlichkeit verbirgt und ein rosiges - wenn auch falsches - Bild einer Gesellschaft zeichnet, die alle ihre Mitglieder fair behandelt, die die Verdienten belohnt und die Unverdienten bestraft und die geschätzten Güter gerecht verteilt. >Ideologie. Interpretation/Marxismus: Für einen Marxisten besteht also die Aufgabe der Textinterpretation darin, hinter den Schein zu treten, die Wirklichkeit, die sie verdecken, aufzudecken und das, was Marx "die Illusion jener Epoche" (1947(1): 30)(2) nennt, freizulegen. Heute: Dieser allgemeine Ansatz, der heute manchmal als "Hermeneutik des Verdachts" bezeichnet wird, nimmt keine Aussage für bare Münze, sondern betrachtet sie als Strategem oder Spielzug in einem Spiel, bei dem es darum geht, die Realität zu verschleiern und bestehende Machtverhältnisse zu legitimieren. Vgl. >Hermeneutik. Angemessenheit: Eine angemessene oder gute Interpretation ist eine, die die Funktion der "Ideologiekritik" erfüllt - d.h. den Schleier der Illusion durchdringt und uns der Enthüllung und Aufdeckung einer bisher verborgenen sozioökonomischen Realität näher bringt. >Interpretation/Macpherson. 1. Marx, Karl and Friedrich Engels (1947) The German Ideology. New York: International. S. 39. 2. Ebd. S. 30. Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Marx I Karl Marx Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Interpretation | McDowell | I 180 Radikale Interpretation/Davidson/McDowell: Letztlich eignet sich der Feldlinguist Normen aus der Innenperspektive (Sprache, Kohärenz, nicht aus dem Verhältnis Reiz/Welt) an. >Radikale Interpretation, >Verstehen/McDowell, >Idiolekt, >Sprachverhalten. I 181 McDowellVsRorty: Wenn Rorty für den Feldlinguisten eine normative Sicht verbietet (und also quasi eine Außenperspektive rein kausaler Natur vorschlägt), dann bringt er uns um die Bedeutsamkeit des Übergangs von der misslichen Ausgangslage hin zur erreichten Interpretation. I 182 McDowellVsRorty: Rorty vertritt letztlich einen Dualismus von Natur und Vernunft. Daher kann er als Pragmatist allenfalls zum Teil erfolgreich sein. Er selbst sieht das natürlich nicht als Dualismus. Er (Rorty) spricht davon: "geduldig zu erklären, dass Normen etwas anderes sind als Beschreibungen." >Neubeschreibung/Rorty, >Norm/McDowell, >Dualismus. |
McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell |
| Interpretation | Millikan | I 99 Interpretation/Hörer/Millikan: anders als die Bienen beim Bienentanz: Hörer haben unterschiedliche interne Strukturierung, die die Interpretation nicht von vornherein einheitlich macht. >Verstehen, >Kommunikation, >Sprache, >Sprecher-Bedeutung, >Sprecher-Intention, |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Interpretation | Nietzsche | Danto III 133 Interpretation/Nietzsche/Danto: Eine Erscheinungsform des Willens zur Macht besteht nach Nietzsche darin, der Wirklichkeit gedankliche Formen aufzuprägen – und die Sprache ist eine gedankliche Form. Die Sprache ist aber ein verfälschendes Gebilde, fremd für dasjenige, dem sie auferlegt wird, obwohl sie doch dazu dient es für die Zwecke des Sprechers zu organisieren. Die Sprache interpretiert die Wirklichkeit im Sinne von „sich zurechtlegen“. Und die Interpretation ist ein Beispiel für den Willen zur Macht. >Sprache/Nietzsche, >Wille/Nietzsche, >Welt/Denken/Nietzsche. Wir sind vollkommen von der Sichtweise eingenommen, dass irgendetwas für Dasjenige verantwortlich zeichnen muss, was vor sich geht; und dabei gehen wir in die Irre. Nietzsche: Man darf nicht fragen: „wer interpretiert denn?“ sondern das Interpretieren selbst, als eine Form des Willens zur Macht hat Dasein (aber nicht als ein ‚Sein‘ (…).“(1) Danto: Wir müssen uns stets vor Augen halten, dass es Nietzsche um aktive Prozesse oder Kräfte geht, denen ein gewisses Maß an Wirklichkeit zukommt und aus denen (wie er meint) nicht zwangsläufig folgt, dass es handelnde oder Kraft ausübende Entitäten gibt. Danto III 273 Interpretation/Kunst/Wissenschaft/Religion/Philosophie/Macht/Nietzsche/Danto: Nach Nietzsche sollten wir bei allem erkennen, dass wir uns nicht strikt von den unterscheiden, was wir tun. Wir sind Wille zur Macht, dieser setzt unsere Kräfte nach außen hin durch, und Interpretieren ist ein Modus des Auferlegens. Interpretieren ist dann nicht etwas, was wir tun, sondern, was wir sind: wir leben unsere Philosophien, wir haben sie nicht bloß.(2) Danto: Interpretation muss in einem weiteren Sinne als üblich verstanden werden: Interpretation/Nietzsche: In Wahrheit ist Interpretation ein Mittel selbst, um Herr über etwas zu Werden. (Der organische Prozess setzt fortwährend Interpretieren voraus.(3)) Denken/Kategorien/Nietzsche: Alle unsere Denkkategorien – Gegenstand, Attribut, Ursache, Wirkung, Wirklichkeit, Erscheinung etc. – stellen Interpretationen dar, die „im Sinne eines Willens zur Macht“ (4) zu verstehen sind. >Grammatik/Nietzsche. 1. F. Nietzsche Nachlass, Berlin, 1999, S. 487. 2. Ebenda 3. Ebenda, S. 489 4. Ebenda. ((s) Vgl. Einflüsse Nietzsches auf G. Abels Interpretationsphilosophie: G. Abel, Interpretationswelten. Gegenwartsphilosophie jenseits von Essentialismus und Relativismus Frankfurt, 1993. - H. Lenk Philosophie und Interpretation, Frankfurt 1993. H. Lenk Interpretation und Realität, Frankfurt 1995.)) ((s) Vgl. Das Gegenargument gegen die Interpretationsphilosophie von Günter Abel und Hans Klenk: Wenn alles Interpretation ist, dann auch die These, dass alles Interpretation ist. Dann aber ist die These nicht sicherer als jede andere Interpretation. VsInterpretationsphilosophie, >VsAbel, Günter, VsKlenk, Hans.) |
Nie I Friedrich Nietzsche Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009 Nie V F. Nietzsche Beyond Good and Evil 2014 Danto I A. C. Danto Wege zur Welt München 1999 Danto III Arthur C. Danto Nietzsche als Philosoph München 1998 Danto VII A. C. Danto The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005 |
| Interpretation | Pocock | Gaus I 410 Interpretation/Pocock/Weinstein: In den 1970er Jahren begann die Cambridge School of Political Thought unter der Leitung von Quentin Skinner, J. G. A. Pocock, John Dunn und Richard Tuck, solche Interpretationsstrategien in Frage zu stellen und konterkarierte, dass die Bedeutungen vergangener politisch-philosophischer Texte nur schwer durch eine historische Kontextualisierung wiedergewonnen werden können (...). Skinner: Laut Skinner sollten wir zunächst die Bandbreite der möglichen Bedeutungen ermitteln, die einem Autor Gaus I 411 beim Schreiben eines Textes zur Verfügung stehen und dann setzen wir "diesen breiteren sprachlichen Kontext als Mittel zur Entschlüsselung der eigentlichen Absicht des jeweiligen Schriftstellers" (1969(1): 49) ein. Pocock: Pocock (1985)(2) besteht seinerseits darauf, dass die richtige Interpretation mehr von der Entdeckung der Diskursparadigmen abhängt, die politische philosophische Texte prägen, als von dem Versuch, die Absichten ihrer Autoren zu entdecken. Seiner Ansicht nach funktionieren Diskursparadigmen hegemonial, indem sie Texte strukturell mit oft umstrittenen, aber verwandten Kernbedeutungen durchdringen. Daher müssen wir uns zunächst für die Debatten und die Sekundärliteratur sensibilisieren, die jeden Text kontextualisieren, und dann diese Kernbedeutungen wieder in sie hineinkartieren. Darüber hinaus sind die Diskursparadigmen dynamisch und entwickeln sich mit jedem neuen "Spin", den kanonische Werke ihrem Erbe verleihen. Außerdem geben ihnen nachfolgende Lesungen dieser Texte erneut eine neue Interpretation, wodurch jeder Leser zum Teil zu einem neuen Autor wird. Die Interpretation ist von Natur aus offen und instabil. >Bedeutungswandel, >Theoriewechsel. Sprache: Sprachparadigmen "erlegen den Akteuren in späteren Kontexten die Zwänge auf, auf die Innovation und Modifikation die notwendigen, aber nicht vorhersehbaren Antworten sind" (1985(2): 7). 1. Skinner, Quentin (1969) 'Meaning and understanding in the history of ideas'. History and Theory, V Il: 3-53. 2. Pocock, J. G. A. (1985) Virtue, Commerce, and History. Cambridge: Cambridge University Press. Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Interpretation | Postmoderne | Gaus I 25 Interpretation/Postmoderne/Ball: Die postmoderne Sensibilität ist keine einzelne, stabile Sache. Es gibt, um es etwas zu vereinfachen, zwei Hauptversionen der postmodernen Interpretation. Die eine leitet sich weitgehend von Nietzsche und Foucault ab, die andere von Derrida. >Dekonstruktion/Derrida, >F. Nietzsche. Ein foucauldischer Interpretationsansatz versucht, die unzähligen Arten und Weisen, in denen Menschen "normalisiert" oder zu "Subjekten" gemacht werden, d.h. zu willigen Teilnehmern an ihrer eigenen Unterwerfung, zu entlarven und zu kritisieren (Foucault, 1980)(1). >M. Foucault. So konzentriert sich eine postmoderne Perspektive auf die Interpretation von Texten typischerweise auf die Art und Weise, in der frühere Denker (...) Ideen zu der mentalité beigetragen haben, die den Weg für die Schaffung und Legitimation der modernen Überwachungsgesellschaft ebnete. Und umgekehrt suchen postmoderne Interpreten nach früheren Denkern, die diese Ideen in Frage stellten oder untergruben. Dieser foucauldische Ansatz wird durch William Connollys "Political Theory and Modernity" (1988)(2) gut repräsentiert. Auslegung: Eine postmoderne Neuinterpretation verlagert und richtet frühere Denker entlang ganz anderer Achsen neu aus. Eine postmoderne Lektüre der Geschichte des politischen Denkens entlarvt nicht nur bisher unvermutete Schurken, sondern zeigt auch Helden, die es gewagt haben, dem Druck und den Prozessen der "Normalisierung" zu widerstehen. Zu den ersteren gehören Hobbes und Rousseau. >Th. Hobbes, >J.-J. Rousseau. Dass der historische Rousseau dem historischen Hobbes überaus kritisch gegenüberstand, spielt für eine postmoderne Lesart keine Rolle. Denn wir können sie heute als vom gleichen Stamm kommend sehen, von denen jeder "den Blick" immer tiefer in die inneren Abgründe der menschlichen Psyche ausgestreckt und damit der Unterwerfung moderner Männer und Frauen Vorschub geleistet hat. BallVs: Ob dieser Entwurf von dem aristokratischen französischen Pornographen bewusst formuliert und ins Spiel gebracht wurde, ist bestenfalls zweifelhaft; aber wie andere postmoderne Interpreten vermeidet Connolly jede Beschäftigung mit solch historischen Feinheiten wie der Autorenabsicht. >W. Connolly. Gaus I 26 Wahrheit/VsPostmoderne/Ball: Gegen eine postmoderne Deutungsperspektive können verschiedene Kritikpunkte vorgebracht werden. Einer ist, dass wir manchmal, und das zu Recht, wissen wollen, ob etwas, was Marx oder Mill gesagt haben, wahr ist. Es hilft uns nicht weiter, wenn man uns sagt, dass wahr/falsch eine fadenscheinige "Binärformel" sei. >Wahrheitswerte, >Bivalenz, >Logik, >J. St. Mill, >K. Marx. Noch schlimmer ist, dass die Postmoderne mit ihrer Betonung unterschiedlicher, divergierender und widersprüchlicher "Lesarten" oder Interpretationen - es gibt angeblich keine Fakten, sondern nur Interpretationen "ganz unten" - tatsächlich nicht in der Lage ist, Wahrheit von Falschheit und Propaganda von Fakten zu unterscheiden. Vgl. >Falschinformation, >Tatsachen, >Wahrheit, >Richtigkeit, >Korrektheit. 1. Foucault, Michel 1980. Power/Knowledge, ed. Colin Gordon. New York: Pantheon. 2. Conolly, W.E. 1988. Political Theory and Modernity. Oxford: Oxford University Press. Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Interpretation | Ricoeur | I 24 Interpretation/Zeichen/Ricoeur: (...) ich werde nicht behaupten, dass ich das sinnliche Zeichen interpretiere, wenn ich verstehe, was es sagt. Die Interpretation bezieht sich auf eine intentionale Struktur zweiten Grades, die voraussetzt, dass ein erster Sinn bereits konstituiert ist, wo etwas in erster Linie gemeint ist, dieses Etwas jedoch auf Anderes verweist, das nur durch es gemeint ist. >Zeichen/Ricoeur. Ricoeur I 33 Interpretation/Tradition/Ricoeur: die Tradition [empfiehlt uns] zwei verschiedene Anwendungen [des Interpretationsbegriffs]; die eine schlägt uns einen zu »kurzen«, die andere einen zu »langen« Interpretationsbegriff vor; diese beiden Variationen in der Ausdehnung des Interpretationsbegriffs spiegeln in etwa jene wieder, die wir bei der Definition des Symbols ins Auge gefasst haben. >Symbol/Ricoeur. A. Peri hermenias/Interpretation/Aristoteles: liefert einen „zu langen“ Interpretationsbegriff: I 34 Interpretation ist jeder durch die Stimme hervorgebrachte und Bedeutung tragende Laut - jede phoné semantiké, jede phoné semantiké. In diesem Sinn ist das Nomen schon an sich Interpretation, desgleichen das Verbum, weil wir damit etwas sagen; doch das einfache Sagen (phásis) ist dem totalen Sinn des Logos entnommen; der volle Sinn der hermeneia erscheint also erst mit dem komplexen Sagen, dem Satz, den Aristoteles logos nennt und der sowohl den Befehl, den Wunsch, die Bitte als auch die aussagende Rede umfasst. Die hermeneia, im vollen Sinn, ist die Bedeutung des Satzes. I 35 Der Bruch zwischen der Bezeichnung und dem Ding hat bereits mit dem Nomen vollzogen, und dieser Abstand markiert den Ort der Deutung. Nicht jede Rede bewegt sich notwendig im Wahren; sie haftet dem Sein nicht an; (...). (...) der Weg für eine Hermeneutik der doppelsinnigen Bedeutungen [scheint] versperrt zu sein; der Begriff der Bedeutung erheischt die Eindeutigkeit des Sinns: die Definition des Identitätsprinzips im logischen und ontologischen Sinn verlangt diese Eindeutigkeit des Sinns; (...). I 37 Def Interpretation/Aristoteles: „etwas von etwas aussagen“. Ricoeur: seine Erörterung der vielfachen Bedeutungen des Seienden schlägt eine Bresche in die rein logische und ontologische Theorie der Eindeutigkeit. B. Biblische Exegese/Interpretation/Tradition/Ricoeur: „kurzer“ Interpretationsbegriff: Hermeneutik/Tradition/Ricoeur: die Hermeneutik ist in diesem Sinne die Wissenschaft der Regeln der Exegese, wobei diese verstanden wird als die besondere Auslegung eines Textes. (...) was man herkömmlicherweise die »Vier Bedeutungen der Schrift« genannt hat, bildet den Kern dieser Hermeneutik; (...) Insbesondere wurden hier die Begriffe Analogie, Allegorie, symbolischer Sinn erarbeitet; (...). Diese zweite Tradition verbindet also die Hermeneutik mit der Definition des Symbols durch die Analogie, ohne sie jedoch ausschließlich darauf zu reduzieren. Was dieser Definition der Hermeneutik durch die Exegese Grenzen setzt, ist zunächst, dass sie sich auf eine sei es monarchische, kollegiale oder klerikale Autorität beruft, z. B. bei der biblischen Hermeneutik, wie sie innerhalb der christlichen Gemeinschaften betrieben wird; (...). I 38 Mittelalter: Die Tradition der Exegese bietet indes eine gute Ausgangsbasis für unser Unternehmen: der Textbegriff selbst lässt sich in der Tat in analogischem Sinn fassen; das Mittelalter konnte von einer interpretatio naturae sprechen, dank der Metapher vom Buch der Natur; (...). Dieser Begriff des „Textes“ befreit von dem der Schrift. >Traumdeutung/Freud/Ricoeur. Nietzsche: mit ihm wird die gesamte Philosophie Interpretation. Ricoeur: Dieser Weg ist mit der neuen Problematik der Vorstellung verbunden. NietzscheVsKant/Ricoeur: Es geht nicht mehr um die Kantische Frage, ob eine subjektive Vorstellung objektive Gültigkeit besitzen kann. I 39 Freud: (mittlere Definition) für ihn bietet sich nicht allein eine »Schrift« der Deutung dar, sondern jede Gesamtheit von Zeichen, die Sich als ein zu entziffernder Text betrachten lässt, also ebensowohl ein Traum oder ein neurotisches Symptom wie ein Ritus, ein Mythos, ein Kunstwerk, ein Glaubensinhalt. Muss man somit nicht zu unserem Begriff des Symbols als Doppelsinn zurückkehren, ohne dass man schon wüsste, ob der Doppelsinn Verschleierung oder Offenbarung, Lebenslüge oder Zugang zum Heiligen ist? >Sinn/Ricoeur, >Hermeneutik/Ricoeur. I 46 Interpretation als Übung des Zweifels: [die Schule des Zweifels wird beherrscht von Marx, Nietzsche und Freud]. Es lässt sich relativ leicht feststellen, dass diese drei Unternehmen miteinander gemeinsam haben, das Primat des »Objekts« in unserer Vorstellung des Heiligen sowie die »Erfüllung« des Ziels des Heiligen durch eine Art analogia entis in Frage zu stellen, die uns kraft einer assimilatorischen Intention mit dem Sein verknüpfen soll. Blickt man auf ihre gemeinsame Intention zurück, so findet man darin den Entschluss, das Bewusstsein im ganzen als »falsches« Bewusstsein zu betrachten. Von hier aus nehmen sie, jeder in einem anderen Bereich, das Problem des Cartesischen Zweifels wieder auf, um ihn ins Zentrum der Cartesischen Festung selbst zu tragen. Nach dem Zweifel an der Sache sind wir nun in den Zweifel am Bewusstsein eingetreten. >Hermeneutik/Ricoeur. |
Ricoeur I Paul Ricoeur Die Interpretation. Ein Versuch über Freud Frankfurt/M. 1999 Ricoeur II Paul Ricoeur Interpretation theory: discourse and the surplus of meaning Fort Worth 1976 |
| Interpretation | Schiffer | I 115 Interpretative Bedeutungstheorie/BT/interpretierbar/Davidson: 1. Man muss wissen, was durch eine extensionale endlich Tarskische Wahrheitstheorie relativiert auf Äußerungen festgestellt wird 2. Gewissen empirische Bedingungen erfüllt sind (meist Prinzip der Nachsicht) 3. Man wüsste, dass 1. und 2. bestehen. ((s) Das ist Davidsons Lösung für das Problem, dass die Äquivalenz -"Schnee ist weiß" ist wahr gdw. Gras grün ist- wahr ist. >Homophonie, >Wahrheitsdefinition, >Prinzip der Nachsicht. Nur kontrafaktisches Konditional: "was der Fall wäre..." - sonst für keinen aktualen Sprecher realistisch. >Kontrafaktisches Konditional. Problem: es gibt keine Tarski-Theorie für natürliche Sprachen. Wahrheitsdefinition/Tarski. Merkwürdiges Merkmal/Schiffer: dass es dann eine inhaltsbestimmende Eigenschaften geben muss, die aber kein Sprecher kennt. Lösung: sie steckt im nicht-propositionalen oder subdoxastischen Wissen. - sie ist jedenfalls "intern repräsentiert". Subdoxastisch: >Glauben/Schiffer. Schiffer: Das ist kein Irrtum von Davidson. |
Schi I St. Schiffer Remnants of Meaning Cambridge 1987 |
| Interpretation | Skinner | Gaus I 410 Interpretation/Quentin Skinner/Weinstein: In den 1970er Jahren begann die Cambridge School of Political Thought unter der Leitung von Quentin Skinner, J. G. A. Pocock, John Dunn und Richard Tuck solche Interpretationsstrategien in Frage zu stellen und konterkarierte, dass sich die Bedeutungen vergangener politisch-philosophischer Texte nur schwer durch eine historische Kontextualisierung wiederherstellen ließen (...). >J.G.A. Pocock. Skinner: Laut Skinner sollten wir zunächst die Bandbreite der möglichen Bedeutungen ermitteln, die einem Autor Gaus I 411 beim Verfassen eines Textes zur Verfügung stehen und dann setzen wir "diesen breiteren sprachlichen Kontext als Mittel zur Entschlüsselung der eigentlichen Absicht des jeweiligen Autors" ein (1969(1): 49). >Absicht/Quentin Skinner, >Theoriewechsel, >Bedeutungwandel, >Meinen. Pocock: Pocock (1985)(2) besteht seinerseits darauf, dass die richtige Interpretation mehr von der Entdeckung der Diskursparadigmen abhängt, die politisch-philosophische Texte prägen, als von dem Versuch, die Absichten ihrer Autoren zu entdecken. >Interpretation/Pocock. 1. Skinner, Quentin (1969) 'Meaning and understanding in the history of ideas'. History and Theory, V Il: 3-53. 2. Pocock, J. G. A. (1985) Virtue, Commerce, and History. Cambridge: Cambridge University Press. Weinstein, David 2004. „English Political Theory in the Nineteenth and Twentieth Century“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications |
SkinnerBF I B. F. Skinner Science And Human Behavior 1965 SkinnerQ I Qu. Skinner The Return of Grand Theory in the Human Sciences Cambridge 2008 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Interpretation | Strauss | Gaus I 24 Interpretation/Leo Strauss/Ball: Die Anhänger des verstorbenen Leo Strauss (1899-1973) - behaupten, dass ein Kanon von Werken Platons und einer Handvoll anderer Autoren die ganze Wahrheit über die Politik enthält, eine Wahrheit, die ewig, unveränderlich und nur wenigen Glücklichen zugänglich ist (...). Der Zugang zu dieser Wahrheit erfordert eine besondere Art zu lesen und zu interpretieren, was man liest. >Wahrheit, >Platon. StraussVsLiberalismus: (...) Strauss sah die Geschichte des modernen westlichen liberalen politischen Denkens als eine Geschichte der Degeneration und Entkräftung. Er und seine Anhänger stellten die Vitalität des klassischen griechischen und römischen politischen Denkens dem resignierten Ennui der schlaffen modernen liberalen Denker gegenüber. >Liberalismus, >VsLiberalismus. Der moderne Liberalismus ist eine Philosophie ohne Fundament. Der moderne Liberalismus, von Hobbes bis zur Gegenwart, hat sich jeglicher Grundlage in der Natur oder im Naturrecht entzogen und ist auf einen rückgratlosen Relativismus reduziert und verfügt daher nicht über die normativen Grundlagen und philosophischen Ressourcen, um den Winden des Fanatismus des zwanzigsten Jahrhunderts zu widerstehen, die sowohl von rechts als auch von links wehen. >Liberalismus/Hobbes, >Th. Hobbes. StraussVsHistorizismus: Da die Gegenwart bankrott ist, müssen sich Studenten der politischen Philosophie von der Vergangenheit leiten lassen; sie müssen Historiker sein, aber keine "Historizisten". Wissen und Leitung der Art, wie wir sie benötigen, sind jedoch nicht leicht zu bekommen. Sie erfordern, dass wir diese "alten Bücher" richtig lesen - dass wir Gaus I 25 die wahre Bedeutung der Botschaften entziffern, die von Autoren verschlüsselt wurden, die sich vor Verfolgung fürchten und im Laufe der Zeit mit den Kognoszenen kommunizieren wollten (Strauss, 1952)(1). >Theoriewechsel, >Bedeutungswandel. StraussVsLocke/StraussVsHobbes: Sich mit den großen Denkern der Antike zu verständigen, bedeutet zu würdigen, wie tief wir gefallen sind. Die Fäulnis kam im 17. Jahrhundert, mit dem Aufkommen des modernen Liberalismus, insbesondere des Liberalismus von Hobbes und Locke (Strauss, 1953)(2). >Liberalismus/Locke, >J. Locke. Sie leugneten die alte Weisheit und die ältere Idee des Naturrechts und zogen stattdessen eine auf Sicherheit und Eigeninteresse beruhende Sichtweise der Politik vor. Das alte "philosophische" Streben nach dem guten Leben wurde in die moderne "wissenschaftliche" Suche nach Sicherheit, Geborgenheit und der Anpassung an konkurrierende Interessen umgewandelt. 1) VsStrauss: Straussische Interpretationen sind aus verschiedenen Gründen kritisiert worden. Einer ist, dass sie sich auf die Art von vermeintlichem "Insiderwissen" stützen, das nur denjenigen zur Verfügung steht, die in die Geheimnisse der Straußischen Interpretation eingeweiht wurden (und die ihrerseits Kritik von nicht-russischen Außenstehenden bequemerweise als hoffnungslos ignorant und uninformiert abtun). 2) VsStrauss: Eine andere ist, dass sie ohne Argumente oder Beweise davon ausgehen, dass der "echte" Text nicht Punkt für Punkt mit dem geschriebenen und öffentlich zugänglichen "exoterischen" Text übereinstimmt; der echte oder "esoterische" Text bleibt der Öffentlichkeit verborgen, seine Bedeutung ist für Uneingeweihte unzugänglich und unwürdig. >Theoriewechsel, >Bedeutungswandel, >Texte, >Literatur. 1. Strauss, Leo, 1952. Persecution and the Art of Writing. Glencoe, IL: Free. 2. Strauss, Leo, 1953. Natural Right and History. Chicago: University of Chicago Press. Ball, Terence. 2004. „History and the Interpretation of Texts“. In: Gaus, Gerald F. 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
StraussDFr I David Friedrich Strauss Der alte und der neue Glaube Hamburg 2012 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Interpretation | Taylor | Gaus I 65 Interpretation/Charles Taylor/Forbes: Charles Taylor (1971)(1), der das klassische Plädoyer für das Interpretieren in den Sozialwissenschaften darstellt, argumentierte, dass politische Phänomene analog zu obskuren Texten betrachtet werden sollten, die einer Übersetzung oder einer interpretativen Erklärung bedürfen. >Übersetzung, >Wahrheitserhalt. Wie bei Texten, so auch bei politischen Phänomenen: Wir verstehen sie erst, wenn wir ihre Bedeutungen verstehen. >Verstehen, >Bedeutung. Forbes: Meinungsumfragen und andere Erhebungen (z.B. Mandel und Verba, 1963) mögen eine gewisse Hilfe sein, aber da die relevanten Bedeutungen nicht nur "subjektiv" (und mehr oder weniger weit verbreitet), sondern auch "intersubjektiv" sind (und daher normalerweise nicht Gegenstand von Diskussionen oder gar Reflexionen sind), werden direkte Antworten auf direkte Fragen oft nicht aufschlussreich sein. Die tieferen Bedeutungen, nach denen wir suchen, können nur durch die Art von "dichter Beschreibung" ans Licht gebracht werden, wie sie in Clifford Geertz' berühmter (1973) Analyse des balinesischen Hahnenkampfes exemplifiziert wird. Das vielleicht beste Etikett für das, was Taylor und Geertz heute repräsentieren, ist der Titel dieses Abschnitts, "intentionale Analyse". Er vermeidet die wenig hilfreiche Breite der "Interpretation", die Neuartigkeit und Unklarheit der "dichten Beschreibung", die ablenkenden Assoziationen der "Hermeneutik" und die irreführende Andeutung, die der alte Gegensatz zwischen Erklärung und Verständnis (von Wright, 1971)(4) impliziert, dass die Klärung von Absichten nicht erklärend sei. Sie stellt den zielgerichteten Charakter individueller Handlungen und sozialer Institutionen in den Vordergrund und legt deutlich die Notwendigkeit einer sorgfältigen Analyse nahe, da die relevanten Absichten nicht offensichtlich oder leicht zu formulieren sein mögen. >Bedeutungswandel, >Theoriewandel. 1. Taylor, Charles (1985 [1971]) ‘Interpretation and the sciences of man’. In his Philosophy and the Human Sciences, Philosophical Papers, vol. 2. Cambridge: Cambridge University Press, 15–57. 2. Almond, Gabriel and Sidney Verba (1963) The Civic Culture: Political Attitudes and Democracy in Five Nations. Princeton, NJ: Princeton University Press. 3. Geertz, Clifford (1973) The Interpretation of Cultures: Selected Essays. New York: Basic. 4. Von Wright, Georg Henrik (1971) Explanation and Understanding. London: Routledge and Kegan Paul. Forbes, H. Donald 2004. „Positive Political Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. |
EconTayl I John Brian Taylor Discretion Versus Policy Rules in Practice In Carnegie-Rochester Conference Series on Public Pol, 1993 Taylor III Lance Taylor Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession 9/3/2019 TaylorB II Barry Taylor "States of Affairs" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 TaylorCh I Charles Taylor The Language Animal: The Full Shape of the Human Linguistic Capacity Cambridge 2016 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 |
| Interpretation | Wittgenstein | Hintikka I 249 Interpretation/Symbol/WittgensteinVsInterpretation: "Interpretation von Symbolen" ist irreführend, statt dessen "Gebrauch von Symbolen". >Gebrauch, >Gebrauchstheorie, >Erklärung, >Bedeutung, >Symbole. II 46 Plan/Wittgenstein: Wir können die Interpretation nicht in den Plan hinein verlegen; die Regeln der Interpretation eines Plans gehören nicht zum Plan selbst. >Planung. In der Wissenschaft kann man sein Tun etwa mit dem Bau eines Hauses vergleichen. In der Philosophie errichten wir kein Fundament, sondern räumen ein Zimmer auf. >Philosophie. II 47 Wäre es möglich, sich mit "Gedankenlesen" direkter zu verständigen? Was würden wir darunter verstehen? Die Sprache ist kein indirektes Verständigungsmittel, das dem "direkten" Gedankenlesen gegenüber zu stellen ist. >Sprache. Gedankenlesen könnte nur durch die Interpretation von Symbolen stattfinden und somit auf derselben Ebene wie die Sprache. VI 160 Interpretation: Freilich lässt sich jede Regel in beliebiger Weise interpretieren. >Regeln, >Regelfolgen. VI 161 Deutung/Wittgenstein/Schulte: Eine Regel zu deuten heißt lediglich, eine Regel durch eine andere zu ersetzen. >Deutung. VI 162 Wittgenstein: Eine Regel muss in der Praxis verankert sein, nicht privat, sonst wäre jede Interpretation möglich. >Privatsprache. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 Hintikka I Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996 Hintikka II Jaakko Hintikka Merrill B. Hintikka The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989 |
| Intersubjektivität | Sandel | Brocker I 672 Intersubjektivität/SandelVsRawls/Sandel: Rawls setzt in seinem angenommenen Urzustand für eine zu errichtende Gesellschaft eine bestimmte Anthropologie voraus, die annimmt, dass Intersubjektivität bzw. soziale Beziehungen für die Identität von Subjekten nicht konstitutiv ist. Rawls nimmt dann an, dass Menschen ihre Identität und Individualität bereits unabhängig von und vorgängig zu den sozialen Beziehungen und geschichtlichen Verortungen besitzen, in denen sie stehen. (1) >J. Rawls, >Intersubjektivität, >Soziale Beziehungen. Brocker I 673 Außerdem: Auch Ziele und Zwecke der Menschen können für Rawls nie konstitutiv für die Identität eines Subjekts sein. >Ziele, >Menschen, >Subjektivität. Brocker I 676 Bezieht man die Dimension der Intersubjektivität mit ein, kann Politik nicht darin bestehen, einmal eine Reihe von Gerechtigkeitsprinzipien festzulegen, die dann für alle Zeiten gleichsam nur noch von Politik und Rechtsprechung verwaltet würden. Politik muss vielmehr in der ständigen, demokratischen Auseinandersetzung um das Gute des Gemeinwesens bestehen. >Gerechtigkeit, >Prinzipien. 1. Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice, Cambridge/New York 1998 (zuerst 1982), S. 48. Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Sand I Michael Sandel The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Intersubjektivität | Smith | Otteson I 17 Intersubjektivität/Adam Smith/Otteson: Gedankenbeispiel/Adam Smith: Smith bittet uns, uns eine Person vorzustellen, die völlig außerhalb der menschlichen Gesellschaft aufgewachsen wäre, ohne Kontakt zu anderen Menschen - ein einsamer Inselbewohner vielleicht (TMS(1): 110 - 11 ). Würde eine solche Person, wenn sie allein überleben könnte, irgendwelche Gefühle haben, die wir als „moralisch“ bezeichnen könnten? Intersubjektivität/Objektivität: Smiths Antwort lautet nein: Er könnte Vorlieben oder Abneigungen entwickeln (dies schmeckt gut, jenes nicht; dies tut weh, jenes nicht; und so weiter), aber eine solche Person, so Smith, würde keine Vorstellungen von Angemessenheit oder Unangemessenheit entwickeln - kein „Ich hätte das nicht tun dürfen“ oder „Ich habe ungerecht gehandelt“. Der Grund dafür ist nach Smiths Ansicht, dass er keine Erfahrungen mit dem „Spiegel“ seines eigenen Verhaltens gemacht hat, den die Gesellschaft mit anderen bietet. Er hat also nie die Rückmeldung, sowohl negativ als auch positiv, aus dem Urteil anderer erhalten, (...). >Sympathie/Adam Smith, >Urteil/Adam Smith, >Idealer Beobachter/Adam Smith, >Entwicklungsstadien/Adam Smith, >Verallgemeinerung/Adam Smith, >Verstehen/Adam Smith, >Geschmack, >Taktgefühl, >Gesellschaft, >Verhalten, >Objektivität, >Unparteilichkeit. Intersubjektivität: Wenn wir von anderen beurteilt werden und die angenehme oder unangenehme (je nachdem) Erfahrung machen, dass wir Sympathie oder Antipathie für andere empfinden, beginnen wir, unser eigenes Verhalten bewusst so auszurichten, dass wir mehr von Ersterem und weniger von Letzterem haben. Erst dann beginnen wir, die Tugend zu entwickeln und zu üben, die Smith als „nicht nur selbst eine große Tugend, sondern von der alle anderen Tugenden ihren Hauptglanz abzuleiten scheinen“ (TMS(1): 241 ) - nämlich „Selbstbeherrschung“, d. h. unser Verhalten so zu kontrollieren, dass es mit den Erwartungen und Urteilen anderer übereinstimmt. Erst dann beginnt der lange Prozess, in dem wir zu vollwertigen moralischen Akteure zu werden. Die Gesellschaft anderer ist also nicht nur deshalb notwendig, weil wir dadurch reich werden können (…) sondern in erster Linie, weil wir dadurch moralisch werden können. 1. Smith, Adam (1982) [1759]. The Theory of Moral Sentiments. D. D. Raphael and A. L. Macfie, eds. Liberty Fund. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Interventionen | Hayek | Boudreaux II 55 Interventionen/Hayek/Boudreaux: Wenn der Staat sicherstellen will, dass einige Erzeuger - z. B. Weizenbauern - keine Einbußen in ihrem wirtschaftlichen Wohlstand erleiden, muss er die Freiheiten der Verbraucher, anderer Erzeuger oder der Steuerzahler einschränken. Besondere Privilegien, die den Weizenbauern gewährt werden, müssen mit besonderen Belastungen für andere einhergehen. >Produktion, >Konsum/Hayek, >Interventionen. Boudreaux II 56 Die Folgen: Auch andere Menschen - sei es als Konsumenten, als Produzenten oder als Steuerzahler - werden durch die Bemühungen des Staates, die Weizenbauern vor den Schattenseiten des wirtschaftlichen Wandels zu schützen, ein Stück weit unfreier gemacht. Den Weizenbauern wird es in der Tat spürbar besser gehen, während fast alle anderen - als individuelle Verbraucher oder Steuerzahler - so wenig darunter leiden werden, dass der Schmerz unbemerkt bleiben könnte. >Steuern. Politik: Die Politiker werden von den Weizenbauern Beifall, Stimmen und viel andere politische Unterstützung erhalten, ohne einen entsprechenden Verlust an Popularität, Stimmen und politischer Unterstützung von Nicht-Weizenbauern hinnehmen zu müssen. Die Politiker werden es dann als einfach und attraktiv empfinden, noch mehr politische Unterstützung zu gewinnen, indem sie anderen Erzeugergruppen einen ähnlichen Schutz gewähren - z. B. den Stahlarbeitern oder den Piloten von Fluggesellschaften. Regulierung: In dem Maße, in dem der Staat immer mehr Produzenten von den Regeln des Marktes ausnimmt - d.h. in dem Maße, in dem der Staat immer mehr Produzenten von der Notwendigkeit befreit, ohne besondere Privilegien um die Gunst der Verbraucher zu konkurrieren, die Vorteile ihrer Erfolge zu genießen und die Folgen ihrer Misserfolge zu ertragen -, steigen die Gesamtkosten eines solchen Schutzes und werden somit immer spürbarer. Boudreaux II 57 Wirtschaftswachstum: Die Verlangsamung des Wirtschaftswachstums für normale Menschen wird auffällig. Die Menschen machen sich zunehmend Sorgen um ihre wirtschaftliche Zukunft. Die Regierung breitet ihr Schutznetz über eine immer größere Zahl von Produzenten aus, beginnen die Produzenten, die noch keinen solchen Schutz erhalten haben, natürlich nach diesem Schutz zu verlangen. 1) Erstens haben diese Erzeuger verständlicherweise das Gefühl, dass der Staat sie ungerecht behandelt indem er ihnen nicht gewährt, was er so vielen anderen Erzeugern gewährt. 2) Zweitens: Je größer die Zahl der Erzeuger ist, die vor den Nachteilen des wirtschaftlichen Wettbewerbs geschützt sind, desto größer sind die negativen Auswirkungen dieses Schutzes auf die Verbraucher und die relativ wenigen Erzeuger, die noch nicht geschützt sind. Wenn sich die gesamte Last der Anpassung an den wirtschaftlichen Wandel auf eine immer kleinere Zahl von Menschen konzentriert, ist das Ausmaß, in dem sich jeder dieser Menschen anpassen muss, größer, als wenn die Last der Anpassung an den wirtschaftlichen Wandel breiter verteilt ist. Regierungspolitik/Freiheit: Wenn sich der Staat weiterhin dafür einsetzt, alle, die nach einem solchen Schutz verlangen, vor den Nachteilen des wirtschaftlichen Wandels zu schützen, müssen die Befugnisse des Staates zwangsläufig ausgeweitet werden, bis dem Einzelnen nur noch wenig Handlungsfreiheit bleibt. Es ist diese hartnäckige Verpflichtung, eine immer größere Zahl von Menschen vor den negativen Folgen des wirtschaftlichen Wandels zu schützen, die nach Hayek den Weg zur Knechtschaft ebnet.(1) Schutz: Es liegt auf der Hand, dass der Staat über einen außerordentlichen Ermessensspielraum in weiten Bereichen menschlichen Handelns verfügen muss, wenn er versuchen will, eine große Zahl von Menschen vor den Nachteilen des wirtschaftlichen Wandels zu schützen. Jedes Mal, wenn Unternehmer neue Produkte erfinden, die den Marktanteil bestehender Produkte bedrohen, werden die Eigentümer der Firmen, die diese bestehenden Produkte herstellen, unter einer geringeren Nachfrage nach ihren Dienstleistungen leiden. Das Gleiche gilt für die Arbeitnehmer in den Fabriken, die diese bestehenden Produkte herstellen. Die Einkommen dieser Unternehmenseigentümer und Arbeitnehmer werden sinken, und einige werden infolge der Einführung neuer, wettbewerbsfähiger Produkte ihren Arbeitsplatz verlieren. Wirtschaftlicher Wandel/technischer Fortschritt: Derselbe Prozess gilt für jeden wirtschaftlichen Wandel. Neue Importe aus dem Ausland bedrohen die inländischen Hersteller von Produkten, die mit diesen Importen konkurrieren. Arbeitssparende Technologien bedrohen den Lebensunterhalt einiger Arbeitnehmer, deren menschliche Fähigkeiten mit den Aufgaben konkurrieren, die nun durch diese neuen Techniken kostengünstiger erledigt werden können. Demographie: Veränderungen in der Bevölkerungsdemografie - z. B. eine alternde Bevölkerung - führen dazu, dass die Nachfrage nach einigen Waren und Dienstleistungen (z. B. Kinderwagen und Kinderkrankenschwestern) sinkt, während sie die Nachfrage nach anderen Waren und Dienstleistungen (z. B. große Limousinen und Herzchirurgen) steigen lässt. Selbst einfache, alltägliche Verschiebungen im Verbrauchergeschmack weg von bestimmten Produkten und hin zu anderen Produkten lösen wirtschaftliche Veränderungen aus, die unweigerlich das Einkommen und die wirtschaftliche Stellung einiger Menschen bedrohen. Boudreaux II 58 Totalitarismus: Unabhängig von den jeweiligen Methoden, die sie anwendet, benötigt eine Regierung, die entschlossen ist, die Menschen vor den Schattenseiten des wirtschaftlichen Wandels zu schützen, nahezu unbegrenzte Befugnisse zur Regulierung und Besteuerung. Wirtschaftswachstum: Da Wirtschaftswachstum ein wirtschaftlicher Wandel ist, der eine vorübergehende, schmerzhafte Verlagerung von Ressourcen und Arbeitskräften von älteren, nicht mehr rentablen Industrien auf neuere Industrien erfordert, kann die Verhinderung aller Einkommensrückgänge leider nicht anders als auch das Wirtschaftswachstum zu verhindern. Die Wirtschaft wird verknöchert, statisch und erstarrt. 1. Friedrich Hayek (1944). The Road to Serfdom. In Bruce Caldwell (ed.), The Road to Serfdom, Il (Liberty Fund Library, 2007) |
Hayek I Friedrich A. Hayek The Road to Serfdom: Text and Documents--The Definitive Edition (The Collected Works of F. A. Hayek, Volume 2) Chicago 2007 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Interventionen | Mises | Coyne I 29 Interventionismus/Mises/Coyne/Boettke: (...) Interventionismus (...) erfordert den Einsatz der Ermessensbefugnis des Verwaltungsstaates, um die Präferenzen der privaten Wirtschaftsakteure durch die der politischen Entscheidungsträger zu ersetzen. (...) Staatliche Eingriffe in einen Markt haben eine Reihe von miteinander verbundenen Auswirkungen auf die Wirtschaftstätigkeit. Darüber hinaus führen spätere Versuche der politischen Entscheidungsträger, dem Auftreten unbeabsichtigter Folgen entgegenzuwirken und die anfänglichen Eingriffe zu den gewünschten Ergebnissen zu führen, zu einer immer umfassenderen Kontrolle der Wirtschaftstätigkeit, die die Dynamik des Marktprozesses bedroht. Vgl. >Spontane Ordnung, >Märkte. Der Interventionismus ist eine Form der nicht-umfassenden Planung. Er schafft das Eigentum an den Produktionsmitteln nicht ab und versucht auch nicht, die gesamte Wirtschaftstätigkeit zu planen, wie es im Sozialismus der Fall ist. Es handelt sich jedoch um eine stückweise Wirtschaftsplanung. Bei der stückweisen Planung ersetzen die politischen Entscheidungsträger das, was durch den Marktprozess entstanden ist, durch ihre eigene Einschätzung dessen, was ihrer Meinung nach existieren sollte. >Planung, >Planwirtschaft. Die dem Interventionismus zugrunde liegende implizite Annahme ist daher, dass die politischen Entscheidungsträger Zugang zu den wirtschaftlichen Kenntnissen haben, die notwendig sind, um eine stückweise Planung durchzuführen, um ihre Ziele zu erreichen. Genauer gesagt wird davon ausgegangen, dass die politischen Entscheidungsträger über drei Arten von Wirtschaftswissen verfügen. 1) Erstens: Da staatliche Eingriffe in den Markt als Mittel zur Verbesserung des sozialen Wohlergehens gerechtfertigt sind, wird angenommen, dass die politischen Entscheidungsträger wissen, wie knappe Ressourcen verteilt werden können, die der Marktalternative überlegen sind. 2) Zweitens wird davon ausgegangen, dass die Intervenierenden wissen, wie sie ihre Maßnahmen angesichts des ständigen Wandels anpassen können. In dem Maße, in dem sich die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen ändern, ändert sich auch die Wirksamkeit selbst gut gemeinter Interventionen. Angesichts des Ziels, das soziale Wohlergehen zu verbessern, müssen frühere Interventionen angesichts der sich ändernden Umstände ständig überarbeitet und möglicherweise zurückgenommen oder ersetzt werden. Dies setzt voraus, dass die politischen Entscheidungsträger die neuen Bedingungen kennen und wissen, wie sie bestehende Regelungen überarbeiten oder neue Regelungen einführen können, die die soziale Wohlfahrt unter anderen Umständen als in der Vergangenheit verbessern. 3) Drittens wird davon ausgegangen, dass die politischen Entscheidungsträger wissen, wie sich die Situation ohne die Intervention entwickelt hätte. Die Behauptung, dass eine Intervention notwendig ist, um ein Ergebnis zu erzielen, impliziert, dass dasselbe Ergebnis oder ein noch besseres Ergebnis in zukünftigen Perioden ohne die Intervention nicht eingetreten wäre. Wissen/Mises/Hayek: Das Haupthindernis für die politischen Entscheidungsträger bei der Erlangung jeder dieser Kategorien wirtschaftlichen Wissens ist das Wissensproblem, das Mises und Hayek während der Debatte über das sozialistische Kalkül herausstellten. Ohne die Möglichkeit, sich auf marktbestimmte Preise und Gewinn und Verlust zu verlassen, gibt es für die politischen Entscheidungsträger keine Möglichkeit, die wertvollsten Verwendungen knapper Ressourcen zu erkennen. >Ignoranz/Kirzner. VsInterventionismus/Probleme: Diese Unwissenheit wirft Probleme für die anfängliche Gestaltung von Interventionen auf, da es für die politischen Entscheidungsträger keine Möglichkeit gibt, sich das stillschweigende und kontextspezifische Wissen der in der Gesellschaft verstreuten Akteure anzueignen. Folglich können sie im Vergleich zu den Marktteilnehmern kein besseres Wissen über die Verteilung der Ressourcen haben. Das gleiche Problem tritt auch bei den Versuchen der politischen Entscheidungsträger auf, ihre Maßnahmen zu überarbeiten, wenn sich die Bedingungen ändern. Da sie nicht in der Lage sind, sich das ökonomische Wissen über Zeit und Ort anzueignen, das notwendig ist, um die beste Allokation knapper Ressourcen zu bestimmen, gibt es keine Möglichkeit, sicherzustellen, dass Interventionen überarbeitet und angepasst werden, um das soziale Wohlergehen zu verbessern. Da der Markt ein offener Prozess des Wettbewerbs, der Entdeckung und des Wandels ist, gibt es für die politischen Entscheidungsträger keine Möglichkeit zu wissen, was sich ohne die Intervention durch freiwillige Interaktion und Austausch ergeben hätte. Dies macht es den politischen Entscheidungsträgern unmöglich, festzustellen, ob eine Intervention zu einem Ergebnis geführt hat, das besser ist als die kontrafaktische Situation, d. h. die spontane Ordnung, die sich ergeben hätte, wenn die Wirtschaftsakteure sich ohne Intervention auf Entdeckung und Austausch eingelassen hätten. >Interventionen/Österreichische Schule. |
EconMises I Ludwig von Mises Die Gemeinwirtschaft Jena 1922 Coyne I Christopher J. Coyne Peter J. Boettke The Essential Austrian Economics Vancouver 2020 |
| Interventionen | Österreichische Schule | Coyne I 30 Interventionen/Österreichische Schule/Coyne/Boettke: Da die politischen Entscheidungsträger auf ihre begrenzte Vernunft und ihr begrenztes Wissen angewiesen sind, um in den Marktprozess einzugreifen, der ein komplexes System ist, das vom menschlichen Verstand nicht vollständig erfasst werden kann, kommt es zu unbeabsichtigten Folgen. >Interventionen/Mises. Diese unbeabsichtigten Folgen können in drei allgemeine Kategorien eingeteilt werden. 1) Die erste ist die Verschleierung aktueller und zukünftiger Gewinnmöglichkeiten, die ohne die Intervention bestehen würden. Ohne eine staatlich erteilte Lizenz, die den Markteintritt einschränkt, gäbe es beispielsweise Gewinnmöglichkeiten, die von Unternehmern verfolgt werden. Da diese Unternehmer jedoch nicht über eine staatliche Lizenz verfügen, können sie diese Chancen nicht wahrnehmen. Dies mindert den Wohlstand sowohl der Unternehmer als auch der Kunden, die durch ihre Produkte besser gestellt wären. >Unternehmertum, >Märkte, >Konsum. 2) Zweitens schaffen Eingriffe oft neue Möglichkeiten für unternehmerische Aktivitäten, die den Wohlstand nicht erhöhen. So können Unternehmer beispielsweise versuchen, Vorschriften zu umgehen, indem sie Schmiergelder zahlen oder Ressourcen in die Beeinflussung von Regulierungsbehörden investieren. Diese Verhaltensweisen nützen den einzelnen Unternehmern, sind aber schädlich für die Gesellschaft, weil sie Ressourcen und unternehmerisches Talent darstellen, die von der Befriedigung der Verbraucher abgezogen werden, um stattdessen die Folgen staatlicher Eingriffe zu vermeiden. 3) Drittens kann Interventionismus zu „Regime-Unsicherheit“ führen, d.h. zu der Unfähigkeit der Wirtschaftsakteure, das künftige Handeln der Regierung in Bezug auf Interventionen genau einzuschätzen. Eine gut funktionierende Marktwirtschaft erfordert stabile und vorhersehbare Regeln. Die daraus resultierende relative Sicherheit ermöglicht es den Menschen, bessere Pläne für die Zukunft zu machen. Die Zukunft ist immer mit einer gewissen Ungewissheit behaftet, aber diese Ungewissheit lässt sich verringern, wenn davon ausgegangen wird, dass die Regeln im Laufe der Zeit konstant bleiben. Zeit/Zeitpräferenz/Entscheidungen: Um zu verstehen, warum dies von Bedeutung ist, betrachten Sie den Denkprozess eines Unternehmers, der entscheidet, ob er ein Projekt verfolgt, das möglicherweise erst in zehn Jahren Gewinne abwirft oder nicht. Wenn die Unternehmerin glaubt, dass die Wahrscheinlichkeit groß ist, dass die Regierung die Regeln ändern und ihr Vermögen im nächsten Jahrzehnt konfiszieren wird, hat sie einen geringeren Anreiz zu investieren. Wenn die Unternehmerin dagegen darauf vertraut, dass die bestehenden Regeln, die es den Unternehmern erlauben, die Gewinne aus ihren Investitionen zu behalten, in den nächsten zehn Jahren konstant bleiben, wird sie eher in das langfristige Projekt investieren. Im Großen und Ganzen geht es darum, dass Interventionismus in dem Maße, wie er zu unvorhersehbaren oder übermäßig belastenden Eingriffen in die Wirtschaftstätigkeit führt, eine Gefahr für die unternehmerische Dynamik des Marktprozesses darstellt. Das Wissen um die Probleme des Interventionismus - das Wissensproblem und die unbeabsichtigten Folgen - ist der Kern der österreichischen Kritik an der klassischen Wohlfahrtsökonomie. >Wohlfahrtsökonomie/Österreichische Schule. |
Coyne I Christopher J. Coyne Peter J. Boettke The Essential Austrian Economics Vancouver 2020 |
| Interventionen | Pigou | Mause I 415f Interventionen/Umweltpolitik/Pigou: Auch wenn nicht originär anhand von Umweltproblemen entwickelt, hat Pigou (1920) schon früh die Auffassung vertreten, dass der Markt im Fall externer Effekte sich nicht selbst überlassen bleiben kann. Vielmehr bedarf es – so die Argumentation – hoheitlicher Eingriffe, die zu einer verursachergerechten Internalisierung der Externalitäten beitragen, da nur mittels solcher staatlichen Interventionen private und soziale Kosten bzw. Nutzen unter dem Ziel einer Erhöhung der gesamtgesellschaftlichen Wohlfahrt zur Deckung gebracht werden können. Um die Fehlallokation knapper (Umwelt-) Ressourcen und damit ein suboptimales Marktangebot an privaten Gütern zu verhindern, müssen externe Kosten oder externe Erträge auf dem Weg der Besteuerung (sogenannte Pigou-Steuern) oder staatlichen Subventionierung internalisiert werden (Hansjürgens 1992, S. 28ff (1); Endres 2000, S. 94ff (2)). Intervention/Externalitäten/CoaseVsPigou: Coase 1960 (3): im Fall von (umweltbezogenen) externen Effekten gibt es keine „Verursacher“ oder „Geschädigte“ per se. Vielmehr ist von einem reziproken Charakter externer Effekte auszugehen, d. h. lässt man Umweltbeeinträchtigungen zu, gibt es Benachteiligte, verhindert man diese, gibt es ebenfalls Benachteiligte. Der Grund hierfür ist, dass Umweltprobleme rivalisierende Nutzungsansprüche an Umweltgüter enthalten, die grundsätzlich in zwei mögliche Richtungen korrigiert werden können (Hartwig 1992, S. 140 ff.(4); Feess und Seeliger 2013, S. 141 ff.(5)). Bsp Eine Besserstellung von Geschädigten führt zu Kosten aufseiten der Verursacher. Lösung/Coase: Coase-Theorem: wenn keine Transaktionskosten bestehen, bedarf es keiner staatlichen Interventionen zur Internalisierung externer Effekte, da in diesem Fall der Markt in Gestalt privater Verhandlungen zwischen den Betroffenen zu einer optimalen Lösungen des Umweltproblems führt. (Siehe Transaktionskosten/Coase) 1. Bernd Hansjürgens, Umweltabgaben im Steuersystem. Zu den Möglichkeiten einer Einfügung von Umweltabgaben in das Steuer- und Abgabensystem der Bundesrepublik Deutschland. Baden-Baden 1992.. 2. Alfred Endress, Umweltökonomie, Stuttgart 2000. 3. Ronald Coase. 1960. The problem of social cost. Journal of Law and Economics 3: 1– 44. 4. Karl-Hans Hartwig, Umweltökonomie. In Vahlens Kompendium der Wirtschaftstheorie und Wirtschaftspolitik, Hrsg. Dieter Bender, Hartmut Berg, Dieter Cassel, Günter Gabisch, Karl-Hans Hartwig, Lothar Hübl, Dietmar Kath, Rolf Peffekoven, Jürgen Siebke, H. Jörg Thieme und Manfred Willms, Bd. 2, 5. Aufl., 122– 162. München 1992. 5. Ebernhard Feess, & Andreas Seeliger. 2013. Umweltökonomie und Umweltpolitik, 4. Aufl. München 2013. |
EconPigou I Arthur C. Pigou The Economics of welfare London 1920 Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Interventionen | Smith | Otteson I 49 Interventionen/Adam Smith/Otteson: (...) Smith gibt uns (...) die drei Hauptaufgaben, die der Staat seiner Meinung nach erfüllen sollte. Die ersten beiden sind: (1) „Schutz der Gesellschaft vor der Gewalt und Invasion anderer unabhängiger Gesellschaften“; und (2) „Schutz, soweit möglich, jedes Mitglieds der Gesellschaft vor der Ungerechtigkeit oder Unterdrückung jedes anderen Mitglieds der Gesellschaft.“ Institutionen: (3) (...) [die] dritte Aufgabe der Regierung: „die Errichtung und Erhaltung bestimmter öffentlicher Werke und bestimmter öffentlicher Einrichtungen“. Dies scheint eine Tür für positive Eingriffe in die Wirtschaft zu öffnen. >Herrschaft/Adam Smith, >Gemeinschaft/Adam Smith. Otteson: Aber war nicht das gesamte Argument von Smith gegen solche Eingriffe? Hier sehen wir eine Konsequenz von Smiths Entscheidung, sich nicht auf eine Konzeption von, sagen wir, Naturrecht und natürlichen Rechten zu stützen, die vielleicht ein prinzipielles Argument gegen staatliche Intervention liefern könnte. Otteson I 51 Um Smiths vollständige Position richtig zu verstehen, muss man zunächst beachten, dass er strenge Einschränkungen macht, wann ein solches staatliches Eingreifen erlaubt sein könnte: nur wenn „es niemals im Interesse eines Einzelnen oder einer kleinen Anzahl von Einzelnen sein kann, es zu errichten und zu unterhalten; denn der Gewinn könnte niemals die Kosten für einen Einzelnen oder eine kleine Anzahl von Einzelnen zurückzahlen, obwohl er oft viel mehr tun kann, als sie einer großen Gesellschaft zurückzahlen.“ (WN(1): 687-8) Um ein solches Eingreifen zu rechtfertigen, muss der Befürworter staatlicher Maßnahmen zwei Voraussetzungen erfüllen: (1) das öffentliche Werk oder die öffentliche Einrichtung muss nicht von privaten Unternehmen bereitgestellt werden können; und (2) es muss im Wesentlichen der gesamten „großen Gesellschaft“ zugute kommen, nicht nur einer Gruppe auf Kosten einer anderen. Problem: Smith hat ein solches Eingreifen zwar nicht ausgeschlossen, aber er hat die Beweislast auf denjenigen verlagert, der es vorschlägt. Und die Hürde für eine überzeugende Argumentation ist überraschend hoch: Wenn Sie glauben, dass die Regierung positive Maßnahmen ergreifen sollte, um ein öffentliches Werk oder eine öffentliche Einrichtung bereitzustellen, müssten Sie sowohl nachweisen, dass die Privatwirtschaft es nicht bereitstellen könnte (wohlgemerkt: nicht nur, dass sie es derzeit nicht bereitstellt, sondern dass sie es nicht bereitstellen könnte), als auch, dass im Wesentlichen jeder davon profitieren würde. Welche möglichen staatlichen Programme würden diese beiden Kriterien erfüllen? >Regierungspolitik/Adam Smith, >Bildung/Adam Smith. Otteson I 52 Regierung/Adam Smith: Die Smithsche Regierung ist für heutige Verhältnisse recht klein. 1. Smith, Adam. (1776) The Wealth of Nations. London: W. Strahan and T. Cadell. |
EconSmith I Adam Smith The Theory of Moral Sentiments London 2010 EconSmithV I Vernon L. Smith Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009 Otteson I James R. Otteson The Essential Adam Smith Vancouver: Fraser Institute. 2018 |
| Interventionismus | Schumpeter | Sobel I 36 Interventionismus/Schumpeter/Sobel/Clemens: ture“ (ESC(1): 108), und ‚der Staat . greift . tief in das Fleisch der Privatwirtschaft ein‘ (ESC(1): 110-111). Schumpeter hatte ernsthafte Bedenken, dass die mit der Ausweitung des Staatsvolumens verbundene hohe Besteuerung bereits die Anreize für Innovation und Produktion untergrub: „Fast alle Länder sind in diesem oder jenem Fall der indirekten Besteuerung weit über das Ziel hinausgeschossen und haben einige Artikel so stark belastet, dass das fiskalische Interesse des Staates selbst geschädigt wurde“ (ESC(1): 113). Dieser allmähliche Übergang zu immer mehr staatlicher Kontrolle und wirtschaftlicher Intervention wird nach Schumpeters Ansicht durch die Demokratie und den Vormarsch des „demokratischen Sozialismus“ begünstigt. Schumpeter zufolge sind „demokratische Methoden zu einem Bestandteil des moralischen Credos des durchschnittlichen Amerikaners geworden ... Ich erwarte einen langsamen Fortschritt in der Regulierung, der erst dann aufhören wird, wenn es nichts Unreguliertes mehr gibt“ (ESC(1): 313). Sie wird darin bestehen, „die demokratische Methode, d.h. die Sphäre der ‚Politik‘, auf alle wirtschaftlichen Angelegenheiten auszudehnen“ (CSD(2): 299). „Auf jeden Fall wird diese Demokratie nicht mehr persönliche Freiheit bedeuten“ (CSD(2): 302). Sobel/Clemens: Es ist klar, dass Schumpeter die Ansicht vertrat, dass eine Abkehr vom Kapitalismus und eine Hinwendung zum Sozialismus langfristig zu weniger persönlicher Freiheit und zu geringerem wirtschaftlichen Wohlstand führen würde. Dies ist nicht überraschend, da Schumpeter weithin für seine Schriften bekannt ist, in denen er die Vorteile und die wesentliche Rolle des privaten Unternehmertums im kapitalistischen System der freien Marktwirtschaft aufzeigt. Schumpeter stellte fest, dass dieser Übergang „nicht aus wirtschaftlicher Notwendigkeit“ geschehe und zu einem „Opfer der wirtschaftlichen Wohlfahrt führen würde, zu einer Ordnung der Dinge, bei der es lediglich eine Frage des Geschmacks und der Terminologie sein wird, ob man sie Sozialismus nennt oder nicht“ (EOE(3): 72). Während Schumpeter also wie Marx der Meinung war, dass das Wirtschaftssystem des Kapitalismus eingebaute Merkmale aufwies, die zu seinem Untergang und seiner Ersetzung durch den Sozialismus führen würden, hatten die beiden Autoren nicht nur unterschiedliche Begründungen, sondern auch unterschiedliche Prognosen über die Auswirkungen, die dies auf das Wohlergehen der Individuen in der Gesellschaft haben würde. >Kapitalismus/Schumpeter, >Sozialismus. 1. Schumpeter, Joseph A. (1991). The Economics of Sociology and Capitalism [ESC]. Edited by Richard Swedberg. Princeton University Press. 2. Schumpeter, Joseph A. (1942). Capitalism, Socialism, and Democracy [CSD]. Harper & Brothers. 3. Schumpeter, Joseph A. (2008). Essays on Entrepreneurs, Innovations, Business Cycles, and the Evolution of Capitalism. Edited by Richard V. Clemence. |
EconSchum I Joseph A. Schumpeter Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912 Sobel I Russell S. Sobel Jason Clemens The Essential Joseph Schumpeter Vancouver 2020 |
| Intrinsisches | Intrinsisches: Intrinsisch sind Eigenschaften, die nicht durch Beziehungen zu anderen Gegenständen zustande kommen, z.B. ein bestimmtes Alter zu haben. Intrinsische Eigenschaften sind nicht mit wesentlichen Eigenschaften zu verwechseln, z.B. ist ein bestimmtes Alter meist nicht wesentlich für einen Gegenstand. Extrinsisch sind Eigenschaften, wie z.B. berühmt zu sein, also Eigenschaften, die dadurch entstehen, dass es andere Gegenstände gibt, und diese anderen Gegenstände eine Relation zu dem fraglichen Gegenstand haben. |
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| Introspektion | Lewis | Frank I 61ff Introspektion/Lewis: Introspektion ist notwendig unfehlbar! Shoemaker: Bewusstsein von Wünschen und Überzeugungen ist nicht körperlich. --- V 312 Rationalität/Lewis: „Rational Handeln" ist gar nicht so rational, alles in allem, dazu gehört noch mehr: z.B. Selbstwissen, und der Wille, aus Erfahrung zu lernen. Wenn die Introspektion den Handelnden davon überzeugt, dass die Daten seine eigenen sind, dann wird ihn nichts dazu überreden, ihnen zu misstrauen. Teilweise Rationalität: Wenn wir das Selbstwissen herausnehmen, dann kann ein moderates >Newcombsches Paradox entstehen. E.M.Forster: "Wie kann ich sagen, was ich denke, bevor ich sehe was ich sage?" Gedankenexperiment/Selbstidentifikation/Lewis: Kein Aufwand an Gedankenexperimenten kann so viel Selbstwissen liefern wie der reale Gegenstand. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Introspektion | Nagel | I 31 NagelVsIntrospektion: gerade gegen den Primat des Selbstverstehens müssen wir uns zur Wehr setzen. Das Subjektive ist nicht ohne das Objektive zu haben. (In diesem Fall). >Subjektivität/Nagel, >Objektivität/Nagel, >Intersubjektivität, >Privilegierter Zugang, >Perspektive/Nagel. |
NagE I E. Nagel The Structure of Science: Problems in the Logic of Scientific Explanation Cambridge, MA 1979 Nagel I Th. Nagel Das letzte Wort Stuttgart 1999 Nagel II Thomas Nagel Was bedeutet das alles? Stuttgart 1990 Nagel III Thomas Nagel Die Grenzen der Objektivität Stuttgart 1991 NagelEr I Ernest Nagel Teleology Revisited and Other Essays in the Philosophy and History of Science New York 1982 |
| Intuitionismus | Intuitionismus: A. Der Intuitionismus in der Mathematik geht davon aus, dass die zu untersuchenden Gegenstände wie z.B. Zahlen erst im Prozess der Untersuchung konstruiert werden und daher keine fertigen Gegenstände sind, die entdeckt werden. Das hat unter anderem Auswirkungen auf die doppelte Negation und den Satz vom ausgeschlossenen Dritten. B. Der Intuitionismus der Ethik nimmt an, dass moralische Prinzipien feststehen und unmittelbar (oder intuitiv) wissbar sind. |
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| Investitionen | Dobb | Harcourt I 110 Investitionen/Dobb/Harcourt: Dobb [1960](1) argumentierte, dass eine Lücke zwischen der (privaten) Rentabilität von Investitionen und ihrer (sozialen) Grenzproduktivität bestehe, da erstere die Zahlungen an andere Faktoren als Kapital ausschließe, während letztere den gesamten resultierenden Zusatz zur nationalen Produktion ohne Abzüge der Werte anderer Faktoren widerspiegeln sollte. Er diskutierte jedoch den Fall der überschüssigen Arbeit (deren Kosten für die Gesellschaft, wenn sie für Investitionen eingesetzt wird - aber nicht für die Unternehmer, die sie bezahlen -, gleich Null sind, siehe Robinson [1964b](2), S. 410, auch [1965b](3), S. 36) und das sich ändernde Beschäftigungsniveau. Er räumt ausdrücklich den Punkt ein, den Solow rigoros zu beweisen versucht, dass es keine Lücke gibt, wenn alle anderen Faktorangebote konstant sind und sich der Reallohnsatz nicht ändert. >Investitionen/Robinson, >Kapitalrendite/Solow, >Ein-Güter-Modell. 1. Dobb, M. H. 1960] An Essay on Economic Growth and Planning (London: Routledge and Kegan Paul). 2. Robinson, Joan [1964b] 'Solow on the Rate of Return', Economic Journal, LXXIV, S. 410-17. 3. Robinson, Joan [1965b] Collected Economic Papers, Vol. Ill (Oxford: Basil Blackwell). |
Dobb I Maurice Dobb Theories of Value and Distribution since Adam Smith: Ideology and Economic Theory Cmbridge 1973 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Investitionen | Robinson | Harcourt I 109/110 Investitionen/Joan Robinson/VsSolow/Harcourt: Joan Robinson schließt ihre Kommentare zu Solows erstem Vortrag(1) mit dem Argument, dass in einer wettbewerbsfähigen kapitalistischen Wirtschaft die erwarteten Gewinnraten die Investitionsentscheidungen der einzelnen Unternehmer leiten und dass es eine Marshallsche Tendenz gibt, dass sie sich der Gleichheit annähern. (Vermutlich haben sie die Investitionsausgaben der Verwertungsfunktionen der obigen kapitalistischen Volkswirtschaften geleitet.) >A. Marshall. Die erwartete Gewinnrate ist jedoch für den Planer nicht von Interesse, wohl aber die Investitionsrendite, während letztere für den Kapitalisten nicht von Interesse ist! Diesem Köder (der auch von Dobb ausgelegt wurde) konnte Solow nicht widerstehen, trotz seiner eigenen, äußerst vernünftigen Bemerkungen dazu in Vorlesung 3 in Solow [1963a](1), S. 70-2, und er ist Gegenstand seines Aufsatzes Solow [1967](2) in der Dobb-Festschrift(2). >Kapitalrendite/Solow. 1. Solow, Robert M. [1963a] (Professor Dr. F. De Vries Lectures, 1963) Capital Theory and the Rate of Return (Amsterdam: North-Holland). 2. Solow, R. M. [1967] 'The Interest Rate and Transition between Techniques', Socialism, Capitalism and Economic Growth, Essays presented to Maurice Dobb, ed. by C. H. Feinstein (Cambridge: Cambridge University Press), S. 30-9. |
EconRobin I James A. Robinson James A. Acemoglu Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012 Robinson I Jan Robinson An Essay on Marxian Economics London 1947 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Investitionen | Rothbard | Rothbard III 62 Investitionen/Rothbard: Die Investitionsentscheidung wird also davon bestimmt, was größer ist: der Gegenwartswert des zukünftigen Gutes oder der Gegenwartswert der gegenwärtigen Güter, auf die verzichtet wird. Der Gegenwartswert des zukünftigen Gutes wiederum wird durch den Wert bestimmt, den das zukünftige Gut hätte, wenn es sofort vorhanden wäre (sagen wir, der „erwartete zukünftige Wert des zukünftigen Gutes“); und durch die Rate der Zeitpräferenz. >Produktion/Rothbard, >Investitionsgüter/Rothbard, >Produktionsfaktoren/Rothbard. Rothbard III 63 Je größer Ersteres ist, desto größer ist der Gegenwartswert des zukünftigen Gutes; je größer Letzteres (die Abzinsungsrate zukünftiger im Vergleich zu gegenwärtigen Gütern), desto geringer ist der Gegenwartswert. Zu jedem Zeitpunkt stehen einem Akteur eine Reihe von Investitionsentscheidungen mit unterschiedlichem Nutzenpotenzial für die bereitgestellten Produkte zur Verfügung. Wenn er eine Investitionsentscheidung nach der anderen trifft, wird er sich dafür entscheiden, seine Ressourcen zunächst für Investitionen mit dem höchsten Gegenwartswert einzusetzen, dann für solche mit dem nächsthöheren usw. In dem Maße, in dem er (zu jedem beliebigen Zeitpunkt) weiter investiert, sinkt der Gegenwartswert der zukünftigen Nutzen. Da er andererseits auf ein immer größeres Angebot an Konsumgütern in der Gegenwart verzichtet, steigt der Nutzen der Konsumgüter, auf die er verzichtet (Freizeit und andere) - auf der Grundlage des Grenznutzengesetzes. >Konsumgüter/Rothbard, >Grenznutzen. Rothbard III 316 Investitionen/Rothbard: Nicht nur die Vermietung und der Verkauf von Konsumgütern beruhen auf Schätzungen und auf der Hoffnung auf monetäre Gewinne, sondern auch die Tätigkeit aller investierenden Produzenten, der Grundpfeiler des gesamten produktiven Systems. (...) dass der Begriff „Kapitalwert“ nicht nur für langlebige Konsumgüter, sondern auch für alle nicht-menschlichen Produktionsfaktoren gilt, d.h. für Boden und Kapitalgüter, einzeln und in verschiedenen Aggregaten. Die Verwendung und der Kauf dieser Faktoren beruhen auf der Einschätzung ihrer möglichen Erträge in Form von Geldeinkommen auf dem Markt durch die Unternehmer, und es wird sich zeigen, dass ihr Kapitalwert auf dem Markt auch tendenziell gleich der abgezinsten Summe ihrer künftigen Erträge in Form von Geldeinkommen ist.(1) >Kapitalwert/Rothbard. Rothbard III 537 Investitionen/Produktionsstruktur/Rothbard: (...) es gibt nur einen Weg, auf dem der Mensch vom ultraprimitiven Niveau [der Produktion] aufsteigen kann: durch Investitionen in Kapital. Aber dies kann nicht durch kurze Prozesse erreicht werden, da die kurzen Prozesse zur Herstellung der wertvollsten Güter die ersten sein werden, die angenommen werden. >Produktionsstruktur/Rothbard. Jede Zunahme der Kapitalgüter kann nur dazu dienen, die Struktur zu verlängern, d.h. die Einführung immer längerer Produktionsprozesse zu ermöglichen. Die Menschen werden in längere Prozesse investieren, die produktiver sind als die bisher angewandten. Sie werden auf zwei Arten produktiver: (1) indem sie mehr von einem zuvor produzierten Gut herstellen und/oder (2) indem sie ein neues Gut produzieren, das mit den kürzeren Verfahren überhaupt nicht hätte hergestellt werden können. In diesem Rahmen sind diese längeren Prozesse die direktesten, die eingesetzt werden müssen, um das Ziel zu erreichen (...). >Produktion/Rothbard. Rothbard III 538 Zeitpräferenz/Produktion: (...) wenn es keine Zeitpräferenz gäbe, würde zuerst in die produktivsten Methoden investiert werden, unabhängig von der Zeit, und ein Anstieg des Kapitals würde nicht dazu führen, dass produktivere Methoden verwendet werden. Die Existenz der Zeitpräferenz wirkt wie eine Bremse für den Einsatz der produktiveren, aber längeren Verfahren. Jeder Gleichgewichtszustand basiert auf dem Zeitpräferenz- oder reinen Zinssatz, und dieser Satz bestimmt die Höhe der Ersparnisse und des investierten Kapitals. Er bestimmt das Kapital, indem er eine Grenze für die Länge der Produktionsprozesse und damit für die maximal produzierte Menge setzt. Eine Verringerung der Zeitpräferenz und eine damit einhergehende Senkung des reinen Zinssatzes bedeuten also, dass die Menschen nun eher bereit sind, auf eine bestimmte Menge an künftigem Output zu warten, d. h. mehr und länger zu investieren als bisher. Ein Anstieg der Zeitpräferenz und des reinen Zinssatzes bedeutet, dass die Menschen weniger bereit sind zu warten und anteilig mehr für Konsumgüter und weniger für die längeren Produktionsprozesse ausgeben werden, so dass die Investitionen in die längsten Prozesse aufgegeben werden müssen.(2) Rothbard III 540 (...) die Grenzen für Investitionen und Produktivität sind zu jeder Zeit die Knappheit des gesparten Kapitals, nicht der Stand des technologischen Wissens. Mit anderen Worten, es gibt immer ein ungenutztes Regal mit technologischen Projekten, die verfügbar und ungenutzt sind. Dies zeigt sich daran, dass eine neue Erfindung nicht sofort und ohne Verzögerung von allen Unternehmen der Gesellschaft übernommen wird. >Technologie/Rothbard. Rothbard III 547 Arbeit/Investitionen/Rothbard: Die Vorteile für die Bodenfaktoren, (...) kommen nur bestimmten Böden zugute. Andere Ländereien können an Wert verlieren, obwohl es einen Gesamtgewinn gibt. Dies ist so, weil Ländereien normalerweise relativ spezifische Faktoren sind. >Produktionsfaktoren/Rothbard. Für den unspezifischen Faktor schlechthin, nämlich die Arbeit, gibt es im Gegenteil einen sehr allgemeinen Anstieg der Reallöhne. Diese Arbeitskräfte sind „externe Nutznießer“ der gestiegenen Investitionen, d.h. sie sind Nutznießer der Handlungen anderer, ohne für diese Leistungen zu bezahlen. Rothbard III 547 Investitionen/Unternehmer/Rothbard: Welchen Nutzen haben die Investoren selbst? Langfristig gesehen, sind sie nicht groß. In der Tat wird ihr Zinssatz reduziert. Dies ist jedoch kein Verlust, da es das Ergebnis ihrer veränderten Zeitpräferenzen ist. Ihre reale Zinsrendite kann sich sogar erhöhen, da der Rückgang des Zinssatzes durch den Anstieg der Kaufkraft der Geldeinheit in einer expandierenden Wirtschaft ausgeglichen werden kann. >Wirtschaft/Rothbard, >Zinsen/Rothbard, >Kaufkraft/Rothbard. Der Hauptnutzen für die Investoren sind also kurzfristige unternehmerische Gewinne. Diese werden von Investoren erwirtschaftet, die durch Investitionen in einem bestimmten Bereich einen Gewinn zu erzielen glauben. Der kurzfristige Nutzen, den die Arbeiter und Grundbesitzer erzielen, ist jedoch sicherer. >Profit/Rothbard, >Profitrate/Rothbard. 1. Über Schätzung und Bewertung siehe Mises, Human Action,New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949. Nachdruck Ludwig von Mises Institut, 1998. S. 328–30. 2. Es sollte klar sein, dass, wie Mises es klar formulierte, „der originäre [reine] Zins kein Preis ist, der auf dem Markt durch das Zusammenspiel von Nachfrage und Angebot von Kapital oder Kapitalgütern bestimmt wird. Seine Höhe hängt nicht vom Ausmaß dieser Nachfrage und dieses Angebots ab. Vielmehr bestimmt der originäre Zinssatz sowohl die Nachfrage nach als auch das Angebot an Kapital und Kapitalgütern. Er bestimmt, wie viel des verfügbaren Warenangebots für den Konsum in der unmittelbaren Zukunft und wie viel für die Vorsorge für entferntere Perioden der Zukunft verwendet werden soll.“ (Mises, Human Action, S. 523 - 24) (Rückübersetzt aus der englischen Quelle). |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Investitionsgüter | Menger | Coyne I 15 Investitionsgüter/Menger/Coyne/Boettke: Seit den Arbeiten von Carl Menger im Jahr 1871 haben österreichische Ökonomen die einzigartigen Eigenschaften des Kapitals hervorgehoben, das sich auf Güter bezieht, die aufgrund ihres Beitrags zur Herstellung nachfolgender Konsumgüter bewertet werden. In seinen Grundsätzen der Volkswirtschaftslehre stellte Menger die Produktion als einen sequentiellen Prozess dar, an dem Kapitalgüter (die er als „Güter höherer Ordnung“ bezeichnete) beteiligt sind, die zur Herstellung von Konsumgütern (die er als „Güter erster Ordnung“ bezeichnete) kombiniert werden. Die verschiedenen Investitionsgüter fügen sich in die Struktur der Produktion ein, je nachdem, wo sie in dem sequentiellen Prozess der Herstellung von Endprodukten stehen. Die Investitionsgüter der ersten Ordnung (die unmittelbar vor der Produktion des Endverbrauchsgutes liegen) wären Güter zweiter Ordnung. Die unmittelbar davor liegenden Güter wären Güter dritter Ordnung, und so weiter über alle Produktionsstufen hinweg. >Produktion, >Produktionsstruktur. Zeit/Produktion: Mengers Taxonomie der Investitionsgüter hat die wesentliche Rolle der Zeit in der Produktion erfasst. Der Prozess der Produktion von Konsumgütern erfolgt über die Zeit, da verschiedene Kapitalgüter koordiniert werden, um ein Endprodukt zu erzielen. Dieser zeitaufwändige Produktionsprozess ist für den wirtschaftlichen Fortschritt notwendig. Mit Hilfe ihrer Kreativität erkennen die Menschen, dass sie heute auf den direkten Konsum von Gütern höherer Ordnung verzichten und diese stattdessen als Input für ein Gut verwenden können, das erst zu einem späteren Zeitpunkt produziert wird. Wert/Subjektivität/Menger: Neben der zentralen Rolle der Zeit zeigt sich Mengers tiefe Wertschätzung des subjektiven Wertes auch in seiner Behandlung des Kapitals. Seiner Ansicht nach leitet sich der Wert von Investitionsgütern aus dem erwarteten Wert der Güter niedrigerer Ordnung ab, zu deren Herstellung sie beitragen. Das heißt, der Wert von Investitionsgütern ist nicht den Gütern selbst inhärent, sondern ergibt sich aus den Gütern der niedrigeren Ordnung in der Struktur der Produktion. Rohstoffe haben keinen inhärenten objektiven Wert, sondern leiten ihren Wert von dem ab, was sie zur Produktion anderer, wertschöpfender Investitionsgüter in der Produktionsstruktur beitragen. Diese Güter nachgeordneter Ordnung leiten ihren Wert ebenfalls von ihrem Beitrag zur Produktion des Endverbrauchsgutes ab. Was diesen Prozess letztlich antreibt, ist der von den Verbrauchern ermittelte Erwartungswert der Endverbrauchsgüter (der Güter erster Ordnung). Markt: Auf dem Markt werden diese subjektiven Bewertungen in den Marktpreisen von Investitionsgütern erfasst, wie im vorangegangenen Kapitel über die ökonomische Berechnung erläutert. Lachmann: Auf der Grundlage von Mengers Rahmenkonzept entwickelte Ludwig Lachmann das österreichische Verständnis von Kapital weiter. Er betonte, dass das Kapital durch Heterogenität, Mehrfachspezifität und Komplementarität gekennzeichnet ist. >Kapitalstruktur/Lachmann. |
Meng I K. Menger Selected Papers in Logic and Foundations, Didactics, Economics (Vienna Circle Collection) 1979 Coyne I Christopher J. Coyne Peter J. Boettke The Essential Austrian Economics Vancouver 2020 |
| Irreduzibilität | Wolfram | Brockman I 282 Irreduzibilität/Wolfram: Eines der Dinge, die in unserer Welt wahr sein könnten, ist, dass wir vielleicht all diese Geschichte und Biologie und Zivilisation durchlaufen, und letztlich ist die Antwort "42" oder ähnliches. Nichts dergleichen wird passieren, wegen der computergestützten Irreduzibilität. Es gibt Rechenprozesse, die Sie durchlaufen können, in denen es keine Möglichkeit gibt, diesen Prozess zu verkürzen. Ein Großteil der Wissenschaft hat sich mit der Abkürzung von Berechnungen beschäftigt, die von der Natur durchgeführt wurden. Brockman I 283 Aber selbst mit einer ausreichend intelligenten Maschine und Mathematik können wir nicht zum Endpunkt kommen, ohne die Schritte zu durchlaufen. Einige Details sind nicht reduzierbar. Wir müssen diesen Schritten unwiderruflich folgen. Deshalb bedeutet Geschichte etwas. Wenn wir zum Endpunkt kommen könnten, ohne die Schritte zu durchlaufen, wäre die Geschichte in gewisser Weise sinnlos. ((s) Die Ergebnisse ohne die Berechnungen wären für uns bedeutungslose Zeichen.) Wolfram: Es ist also nicht der Fall, dass wir intelligent sind und alles andere auf der Welt nicht. Es gibt keinen enormen abstrakten Unterschied zwischen uns und den Wolken oder uns und den zellulären Automaten. Wir können nicht sagen, dass sich dieses hirnähnliche neuronale Netzwerk qualitativ von diesem zellulären Automatensystem unterscheidet. Der Unterschied ist ein detaillierter Unterschied. Dieses hirnähnliche neuronale Netzwerk wurde durch die lange Geschichte der Zivilisation erzeugt, während der zelluläre Automat von meinem Computer in der letzten Mikrosekunde erzeugt wurde. >Zwecke/Wolfram, >Künstliche Intelligenz/Wolfram, >Verständnis/Wolfram. Wolfram, Stephen (2015) „Artificial Intelligence and the Future of Civilization” (edited live interview), in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press. |
Brockman I John Brockman Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019 |
| Irrtümer | Dummett | I 39 ff Ich kann mich vor etwas bloß Eingebildetem fürchten. Aber diese Beispiele weisen dennoch das Merkmal der Intentionalität auf, denn eine Täuschung ist kein Fall, in dem man schlechthin etwas hört oder sieht, ohne etwas zu hören oder zu sehen. Wir können aber nicht sagen, in diesem Fall gehöre das Objekt eben doch zum Subjekt. I 137 ff insbes. I 148 Irrtum: Es könnte tatsächlich ein dauerhaftes, unaufgeklärtes Missverständnis bestehen bleiben, es könnte aber ans Licht kommen, wenn wir das Diskussionsthema lange genug weiterverfolgen. So wird diese Darstellung vor dem psychologistischen Irrtum bewahrt, jeder Sprecher können sowieso nur für sich selbst wissen, was er meint. (> Meinen). III (c) 123 Um Irrtum zuzulassen, müssen wir behaupten, dass eine Wahrheitstheorie dafür sorgen wird, daß die Wahrheitsbedingungen und die Bedingungen, unter denen er für wahr gehalten wird, so gut wie möglich zusammenpassen, aber nicht, dass sie perfekt zusammenpassen. Daraus folgt, dass das Verstehen sich nur als Beherrschung der gesamten Sprache erklären lässt. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Irrtümer | Putnam | V 103f Ähnlichkeit/Täuschung/Irrtum/Internalismus/Putnam: Ein Außenstehender wird einen anderen Ähnlichkeitsbegriff haben als wir. Dann können wir uns nicht "in Wirklichkeit" immer irren! Der Grund dafür ist, dass es einfach keine externen Maßstäbe gibt. >Bezugssystem, >Ähnlichkeit. |
Putnam I Hilary Putnam Von einem Realistischen Standpunkt In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Frankfurt 1993 Putnam I (a) Hilary Putnam Explanation and Reference, In: Glenn Pearce & Patrick Maynard (eds.), Conceptual Change. D. Reidel. pp. 196--214 (1973) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (b) Hilary Putnam Language and Reality, in: Mind, Language and Reality: Philosophical Papers, Volume 2. Cambridge University Press. pp. 272-90 (1995 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (c) Hilary Putnam What is Realism? in: Proceedings of the Aristotelian Society 76 (1975):pp. 177 - 194. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (d) Hilary Putnam Models and Reality, Journal of Symbolic Logic 45 (3), 1980:pp. 464-482. In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (e) Hilary Putnam Reference and Truth In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (f) Hilary Putnam How to Be an Internal Realist and a Transcendental Idealist (at the Same Time) in: R. Haller/W. Grassl (eds): Sprache, Logik und Philosophie, Akten des 4. Internationalen Wittgenstein-Symposiums, 1979 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (g) Hilary Putnam Why there isn’t a ready-made world, Synthese 51 (2):205--228 (1982) In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (h) Hilary Putnam Pourqui les Philosophes? in: A: Jacob (ed.) L’Encyclopédie PHilosophieque Universelle, Paris 1986 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (i) Hilary Putnam Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam I (k) Hilary Putnam "Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133 In Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993 Putnam II Hilary Putnam Repräsentation und Realität Frankfurt 1999 Putnam III Hilary Putnam Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997 Putnam IV Hilary Putnam "Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164 In Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994 Putnam V Hilary Putnam Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990 Putnam VI Hilary Putnam "Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 Putnam VII Hilary Putnam "A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43 In Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994 SocPut I Robert D. Putnam Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000 |
| Isolation | Sen | Rawls I 267 Isolation/Ökonomie/Öffentlicher Sektor/Öffentliche Güter/A. K. Sen/Rawls: Zweites Merkmal öffentlicher Güter: Externalität. Die Produktion dieser Güter geht auch auf Kosten derer, die niemals von ihnen profitieren. Es werden auch nicht alle Wünsche berücksichtigt. Bsp Jemand, der sich impfen lässt, hilft anderen ebenso wie sich selbst, auch wenn er niemals dieser Infektion ausgesetzt sein wird. Bsp Auch Umweltschäden werden normalerweise nicht vom Markt reguliert. So werden unter Umständen Rohstoffe zu weit geringeren Kosten produziert, als ihre sozialen Grenzkosten ausmachen. Hier gibt es eine Differenz zwischen privater und sozialer Bilanzierung, die der Markt nicht registriert. >Öffentliche Güter, >Externalitäten, >Märkte, >Umweltschäden. Die Unteilbarkeit öffentlicher Güter (z.B. Infrastruktur, Freiheiten usw.) erfordert es in diesem Fall, dass der Staat die Regelung übernimmt. >Infrastruktur, >Freiheit. Problem: Sogar in einer Gesellschaft gerechter Personen führt die Isoliertheit individueller Entscheidungen nicht zu der Erfüllung des Allgemeininteresses. >Interessen. I 269 Rawls: Die Unterscheidung zwischen den Problemen der Isolation und denen von Versicherungen stammt von Amartya K. Sen. (Siehe A. K. Sen, „Isolation, Assurance and the Social Rate of Discount“, Quarterly Journal of Economics, vol. 81, 1967.) Isolation: Probleme entstehen hier wenn das Ergebnis vieler individueller isolierter Entscheidungen für jedermann schlechter ist, selbst wenn jede Einzelentscheidung völlig rational war. Bsp Das Gefangenendilemma: das klassische Beispiel hierfür wiederum ist Hobbes‘ Naturzustand. (Siehe R.D. Luce and Howard Raiffa, Games and Decisions, New York, 1957, ch. V, esp pp. 94-102; D. P. Gauthier, „Morality and Advantage“, Philosophical Review, vol 76, 1967). >Gefangenendilemma. I 270 Versicherungsproblem/A. K. Sen/Rawls: hier ist das Ziel, das zu erreichen, worüber Einhelligkeit erzielt wurde. Jeder Beitrag eines Individuums hängt von den Beiträgen der anderen ab. Dazu muss ein übergeordnetes Schema für die Anwendung von Strafen und Restriktionen eingeführt werden, das eine Situation schafft, die für alle besser ist, als wenn dieses Schema fehlt. Vgl. >J. Rawls. |
EconSen I Amartya Sen Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017 Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Ist | Millikan | I 194 Ist/Prädikation/Identität/Millikan: a) Identität: Bsp „Cicero ist Tullius“ b) Prädikation: Bsp “Cicero ist Römer”. Stabilisierungsfunktion; der Unterschied besteht in den verschiedenen Stabilisierungs-Funktionen desselben niedrigsten Typs von „ist“ nicht in einem verschiedenen Lexikonsinn. >Prädikation, >Identität/Millikan. I 200 „Ist“/Identität/Funktion/Millikan: die Funktion des „ist“ in Identitätsaussagen ist parasitär auf der repräsentational referierenden Stabilisierungsfunktionen der flankierenden Terme. Angenommen, auf beiden Seiten stehen bestimmte Kennzeichnungen: dann ist deren referentielle Funktion nur eine von zwei alternierenden Stabilisierungsfunktionen: Referentiell/beschreibend: obwohl bestimmte Kennzeichnungen immer eine referentielle Funktion haben, können sich gleichzeitig auch beschreibend sein. Pointe: dann ist das „ist“ der Identität niemals nur ein reines „ist“ der Identität. Es ist immer auch ein „ist“ der Prädikation. I 201 „Ist“/Identität/Prädikation/Millikan. sind keine getrennten Familien oder getrennte niedrigste Typen. >Kopula, >Beschreibungsebene. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Jeder/Alle | Frege | II 73 "Alle" gehört logisch zum Prädikat (es steht also nicht vor dem Prädikat). "Jeder", "alle", "kein", "einige" stehen vor Begriffswörtern (prädikativ). >Prädikation. Salmon: Fehlschluss: Von "jeder" darf nicht auf "alle" geschlossen werden. >Allquantifikation, >Existenzquantifikation, >Bereich, >Reichweite, >Individuation, >Identifikation, >Referenz. |
F I G. Frege Die Grundlagen der Arithmetik Stuttgart 1987 F II G. Frege Funktion, Begriff, Bedeutung Göttingen 1994 F IV G. Frege Logische Untersuchungen Göttingen 1993 |
| Jetzt | Perry | Frank I 22 Jetzt/PerryVsFrege: "heute" ist kein komplettierender oder "sättigender" Sinn, überhaupt kein Sinn, sondern ein Bezugsgegenstand. - Die Bedeutung bleibt, die Referenz variiert. >Indexwörter, >Indexikalität, >Bedeutung, >Referenz, >Sinn, >Kontextabhängigkeit. Frank I 394f Heute/Bedeutung: ist konstant, - dagegen der Wahrheitswert mit Indexwort "heute ist es schön": ist nicht konstant, also ist der Sinn wechselnd, wenn Verstehen das Kennen des Wahrheitswerts ist. >Wahrheitswert, >Kontext, >Verstehen, >Wahrheitsbedingungen, vgl. >Verstehen/Dummett. Perry: Die Rolle (das Bestimmungsverfahren) wechselt, die Bedeutung bleibt konstant. Dann kann die Bedeutung kein Bestandteil des Gedankens sein! >Bedeutung, >Gedanken. Was der Sprecher glaubt, ist für die Bedeutung des Index-Worts irrelevant. >Glauben, >Selbstidentifikation, >Selbstwissen. Hector-Neri Castaneda (1987b): Self-Consciousness, Demonstrative Reference, and the Self-Ascription View of Believing, in: James E. Tomberlin (ed) (1987a): Critical Review of Myles Brand's "Intending and Acting", in: Nous 21 (1987), 45-55 James E. Tomberlin (ed.) (1986): Hector-Neri.Castaneda, (Profiles: An International Series on Contemporary Philosophers and Logicians, Vol. 6), Dordrecht 1986 |
Perr I J. R. Perry Identity, Personal Identity, and the Self 2002 Fra I M. Frank (Hrsg.) Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994 |
| Jigsaw-Methode | Pädagogische Psychologie | Haslam I 227 Jigsaw-Methode/Erziehungspsychologie: Grenzen der Jigsaw-Methode (Aronson et al. 1978(1)): Im Hinblick auf das Verständnis der Mechanismen, mit denen Jigsaw-Strategien positive Auswirkungen auf Bildungsergebnisse und Intergruppenbeziehungen haben können, warnen neuere Forschungsarbeiten auch vor den Grenzen der Auswirkungen der Intervention. Da die verbindliche Beziehung zwischen den Mitglieder von Jigsaw-Gruppen (typischerweise fünf oder sechs Personen) spezifisch und aufgabenorientiert ist, kann der Einfluss dieser Erfahrungen pädagogisch und sozial begrenzt sein. So stellten Hänze und Berger (2007)(2) fest, dass die Auswirkungen der Jigsaw-Erfahrung bei Messungen, die in direktem Zusammenhang mit den Gruppenaktivitäten stehen, stärker waren als bei akademischen Leistungen im Allgemeinen. (…) Solange sich Menschen nur auf ihre gemeinsame Identität um eine bestimmte Aufgabe herum konzentrieren und dies auf eine Art und Weise, die die Anerkennung und Hervorhebung ihrer verschiedenen rassischen oder ethnischen Gruppenmitgliedschaften verringert, bewerkstelligen, trennen sie die assoziativen Verbindungen zwischen dem positiven Jigsaw-Gruppenkontakt und den rassischen oder ethnischen Gruppen als Ganzes. Infolgedessen können ihre positiven Interaktionen innerhalb ihrer Gruppe in ihrer Fähigkeit zur Verallgemeinerung in einer Weise, die positivere Einstellungen und Orientierungen gegenüber anderen Mitgliedern der Rasse oder ethnischen Gruppe hervorruft, eingeschränkt sein (siehe Brown und Hewstone, 2005)(3). >Interaktion, >Soziales Verhalten, >Verallgemeinerung. 1. Aronson, E., Stephan, C., Sikes, J., Blaney, N. and Snapp, M. (1978) The Jigsaw Classroom. Beverly Hills, CA: Sage. 2. Hänze, M. and Berger, R. (2007) ‘Cooperative learning, motivational effects, and student characteristics: An experimental study comparing cooperative learning and direct instruction in 12th grade physics classes“, Learning and instruction, 17: 29-41. 3. Brown, R. and Hewstone, M. (2005) ‘An integrative theory of intergroup contact’, Advances in Experimental Social Psychology, 37: 255–343. John F. Dovidio, „ Promoting Positive Intergroup Relations. Revisiting Aronson et al.’s jigsaw classroom“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Juristische Hermeneutik | Gadamer | I 314 Juristische Hermeneutik/Gadamer: Die enge Zusammengehörigkeit, die ursprünglich die philologische Hermeneutik mit der juristischen und theologischen verband, beruhte auf der Anerkennung der Applikation als eines integrierenden Momentes alles Verstehens. Sowohl für die juristische Hermeneutik wie für die theologische Hermeneutik ist ja die Spannung konstitutiv, die zwischen dem gesetzten Text - des Gesetzes oder der Verkündigung - auf der einen Seite und auf der anderen Seite dem Sinn besteht, den seine Anwendung im konkreten Augenblick der Auslegung erlangt, sei es im Urteil, sei es in der Predigt. Ein Gesetz will nicht historisch verstanden werden, sondern soll sich in seiner Rechtsgeltung durch die Auslegung konkretisieren. Ebenso will ein religiöser Verkündigungstext nicht als ein bloßes historisches Dokument aufgefasst werden, sondern er soll so verstanden werden, dass er seine Heilswirkung ausübt. Das schließt in beiden Fällen ein, dass der Text, ob Gesetz oder Heilsbotschaft, wenn er angemessen verstanden werden soll, d. h. dem Anspruch, den der Text erhebt, entsprechend, in jedem Augenblick, d. h. in jeder konkreten Situation, neu und anders verstanden werden muss. >Situation Verstehen ist hier immer schon Anwenden. >Verstehen/Gadamer, >Hermeneutik/Gadamer. I 315 Kognitiv/normativ: Wenn man (...) kognitive, normative und reproduktive Auslegung unterscheidet, wie das E Betti in seiner auf bewundernswerter Kenntnis und Überschau aufgebauten „Allgemeinen Theorie der Interpretation“(1) getan hat, so gerät man bei der Zuordnung der Phänomene zu dieser Einteilung in Schwierigkeiten. Das gilt zunächst für die in den Wissenschaften geübte Auslegung. Schleiermacher: Wenn man die theologische Auslegung mit der juristischen zusammenstellt und entsprechend der normativen Funktion zuordnet, so ist demgegenüber an Schleiermacher zu erinnern, der umgekehrt die theologische Auslegung aufs engste an die allgemeine, d. h, für ihn die philologisch-historische Auslegung, anschließt. In der Tat geht der Riss zwischen kognitiver und normativer Funktion mitten durch die theologische Hermeneutik und lässt sich schwerlich dadurch schließen, dass man die wissenschaftliche Erkenntnis von nachfolgender erbaulicher Anwendung unterscheidet. Der gleiche Riss geht offenkundig auch mitten durch die rechtliche Auslegung, sofern Erkenntnis des Sinnes eines Rechtstextes und Anwendung desselben auf den konkreten Rechtsfall nicht zwei getrennte Akte sind, sondern ein einheitlicher Vorgang. I 332 Juristische Hermeneutik/Gadamer: Gewiss meint der Jurist stets das Gesetz selbst. Aber sein normativer Gehalt ist auf den gegebenen Fall hin zu bestimmen, auf den es angewandt werden soll. Um diesen genau zu ermitteln, bedarf es historischer Erkenntnis des ursprünglichen Sinnes, und nur um dessentwillen bezieht der juristische Ausleger den historischen Stellenwert mit ein, der dem Gesetz durch den Akt der Gesetzgebung zukommt. Rechtsgeschichte: Ganz anders der Rechtshistoriker. Er meint anscheinend nichts weiter als den ursprünglichen Sinn des Gesetzes, wie es gemeint war und galt, als es erlassen wurde. Aber wie kann er denselben erkennen? Gadamer I 333 Der Historiker muss die gleiche Reflexion leisten, die auch den Juristen leitet. [Jedoch]: der Historiker, der seinerseits keine juristische Aufgabe vor sich hat, sondern die geschichtliche Bedeutung dieses Gesetzes - wie Gadamer I 334 jeden anderen Inhalt geschichtlicher Überlieferung - ermitteln will, nicht davon absehen, dass es sich hier um eine Rechtsschöpfung handelt, die juristisch verstanden werden will. Er muss nicht nur historisch, sondern auch juristisch denken können. Juristische Hermeneutik/Gadamer: Der Historiker, der das Gesetz aus seiner historischen Ursprungssituation heraus verstehen will, kann von seiner rechtlichen Fortwirkung gar nicht absehen. Sie gibt ihm die Fragen, die er an die historische Überlieferung stellt, an die Hand. Gilt das nicht in Wahrheit von jedem Text, dass er in dem, was er sagt, verstanden werden muss? Heißt das nicht, dass es stets einer Umsetzung bedarf? Sofern der eigentliche Gegenstand des historischen Verstehens nicht Ereignisse sind, sondern ihre „Bedeutung“ ist solches Verstehen offenbar nicht richtig beschrieben, wenn man von einem an sich seienden Gegenstand und dem Zugehen des Subjekts auf diesen spricht. In Wahrheit liegt im historischen Verstehen immer schon darin, dass die auf uns kommende Überlieferung in die Gegenwart hinein spricht und in dieser Vermittlung - mehr noch: als diese Vermittlung - verstanden werden muss. Der Fall der juristischen Hermeneutik ist also in Wahrheit kein Sonderfall, sondern er ist geeignet, der historischen Hermeneutik ihre volle Problemweite wiederzugeben und damit die alte Einheit des hermeneutischen Problems wiederherzustellen, in der sich der Jurist und der Theologe mit dem Philologen begegnet. Vgl. >Recht, >Rechtsgeschichte, >Rechtsphilosophie, >Gesetze, >Verstehen, >Hermeneutik. 1. Vgl. E. Betti »Zur Grundlegung einer allgemeinen Auslegungslehre«, und sein monumentales Hauptwerk: Allgemeine Auslegungslehre 1967. (Dazu vor allem „Hermeneutik und Historismus“ (Bd. 2 der Ges. Werke, S. 387—424) und meine Arbeit „Emilio Betti und das idealistische Erbe“ in: Quaderni Fiorentini 7 (1978), S. 5—11 , Ges. Werke Bd. 4.) |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Jury-Theorem | Public Choice-Theorie | Parisi I 185 Jury-Theorem/Condorcet/Public-Choice-Theorie/Farber: Im politischen Bereich ist die häufigste Manifestation der inhärenten Beschränkung der kollektiven Wahl das Condorcet-Paradoxon (Shepsle, 2010(1), S. 53-6 7). Da sich Mehrheitskoalitionen je nach der auf der Tagesordnung stehenden Alternative verschieben können, können verschiedene Mehrheiten Option a gegenüber Option b und Option b gegenüber Option c bevorzugen, dann aber Option c gegenüber Option a. Mit zunehmender Anzahl von Alternativen bzw. mit zunehmender Anzahl von Individuen, die abstimmen, steigt die Chance, dass es unter der Annahme zufällig zugewiesener Präferenzen zu einem Wechsel kommt. Problem: Eine Schlüsselfrage ist, wie Demokratien es schaffen, angesichts des Risikos des periodischen Durchlaufens eine stabile öffentliche Politik zu schaffen. Falsche Lösung: Eine erste Antwort könnte sein, zu überlegen, ob ein ausgefeilterer Abstimmungsmechanismus das Problem beseitigen könnte. Um die Idee eines Abstimmungsverfahrens zu konkretisieren, nehmen Sie an, dass den Alternativen Zahlen zugeordnet werden, dass ein Stimmzettel aus einer Liste dieser Zahlen besteht, die der Wähler dann in eine Rangfolge bringt, dass die Abstimmung anonym ist, so dass alle Wähler gleich behandelt werden, und dass das Abstimmungsverfahren uns für jede Teilmenge von Optionen sagt, welche gegenüber den anderen bevorzugt wird. Beispiel: Betrachten Sie eine Entscheidungssituation mit drei Optionen und drei Wählern, die jeweils unterschiedliche Bewertungen für die Optionen haben. Jede Option ist die erste Wahl des einen Wählers, die zweite Wahl des anderen Wählers und die dritte Wahl des dritten Wählers. Es ist leicht zu erkennen, dass kein Abstimmungsverfahren einen Gewinner in einem Dreierwettbewerb ermitteln kann, ohne sich auf einen zusätzlichen Faktor zu stützen, der die Symmetrie zwischen den drei Alternativen bricht. Vgl. >Arrow-Theorem. Problem: Die Tatsache, dass die Optionen in Bezug auf alle verfügbaren Informationen identisch sind, bedeutet, dass keine Option als Gewinner herausgegriffen werden kann, egal wie kompliziert oder clever die Abstimmungsmethode ist. Parisi I 186 Zwei-Seiten-Wettbewerb/Drei-Seiten-Wettbewerb: Angenommen, das Gegenteil wäre der Fall und eine Alternative würde die beiden anderen Alternativen schlagen. Wenn das wahr wäre, könnten wir die Dreierwette einfach dadurch entscheiden, dass wir sie in eine Runde von Zweierwetten aufteilen. Aber wir haben bereits gesehen, dass kein Abstimmungsverfahren den Drei-Seiten-Wettbewerb entscheiden kann, also wissen wir, dass auch der Rundlauf keinen Gewinner hervorbringen kann. Mehrheitsregel: Obwohl dieses Ergebnis oft am Beispiel des Mehrheitswahlrechts veranschaulicht wird, ist die Erkenntnis deutlich allgemeiner. Solange der Entscheidungsprozess keine anderen Informationen als die Präferenzranglisten einbezieht und allen Wählern das gleiche Gewicht gibt, kann er einen Zyklus in einer Folge von Kopf-an-Kopf-Abstimmungen nicht vermeiden, wenn die Präferenzen eine metrische Wählerunterstützung haben. >Arrow-Theorem/Public-Choice-Theorie. 1. Shepsle, K. A. (2010). Analyzing Politics: Rationality, Behavior, and Institutions. 2. Edition. New York: W.W. Norton & co. Farber, Daniel A. “Public Choice Theory and Legal Institutions”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press |
Parisi I Francesco Parisi (Ed) The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017 |
| Kalibrierung | Klepper | Krugman III 102 Kalibrierung/Klepper: Üblicherweise werden die Kostenunterschiede zwischen den Herstellern nach Marktanteilen kalibriert: Ein Hersteller mit einem großen Marktanteil hat vermutlich niedrigere Kosten. Die Ursache für solche Kostenunterschiede bleibt ungeklärt. In diesem Papier(1) wird angenommen, dass technisches Know-how allen Produzenten gleichermaßen zur Verfügung steht und dass die Faktorpreise zwischen Europa und Nordamerika nicht stark voneinander abweichen. Krugman III 103 Die Frage ist also, ob sich die bestehenden und die für die nächsten Jahre erwarteten Marktanteile der Segmente ohne Faktorpreis- oder Technologieunterschiede sinnvoll erklären lassen. Wir zeigen, dass dies möglich ist, indem wir unterschiedliche Zeitpunkte des Markteintritts in die drei Marktsegmente durch zwei Hersteller berücksichtigen: einen neuen und einen etablierten Hersteller. Wenn das Modell jedoch auf eine solche Situation kalibriert wird, kann die Behauptung der Airbus-Verantwortlichen, dass Airbus profitabel wird, sobald es eine komplette Flugzeugfamilie liefern kann, durch die Simulationen nicht bestätigt werden. >Modelle, >Modelltheorie, >Ökonomische Modelle, >Simulation, >Internationaler Handel, >Neue Handelstheorie, >Wettbewerb, >Handelspolitik, >Industriepolitik. 1. Gernot Klepper. „Industrial Policy in the Transport Aircraft Industry.“ In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press Gernot Klepper. „Industrial Policy in the Transport Aircraft Industry.“ In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press |
EconKrug I Paul Krugman Volkswirtschaftslehre Stuttgart 2017 EconKrug II Paul Krugman Robin Wells Microeconomics New York 2014 Krugman III Paul Krugman Alasdair Smith Empirical Studies of Strategic Trade Policy Chicago: The University of Chicago Press 1994 |
| Kalibrierung | Winters | Krugman III 212 Kalibrierung/Winters: Kalibrierungsstudien sind nützlich, um die Mechanismen der von ihnen behandelten Modelle zu veranschaulichen und die relative Größe der von ihnen postulierten Effekte zu bewerten, und mit einer ausreichenden Sensitivitätsanalyse können sie robuste Ergebnisse liefern, die für politische Entscheidungsträger von unmittelbarer Bedeutung sind. Sie sind jedoch nur der erste Schritt zur vollständigen empirischen Untersuchung der strategischen Handelspolitik. Baldwin (1989)(1) schlägt einen zweiten Schritt vor, nämlich einen gründlicheren Versuch, die relevanten Parameter anhand vieler (oder zumindest mehrerer) Datenpunkte zu schätzen. In dieser Arbeit(2) untersuche ich eine dritte Stufe der Empirie - einen Versuch, direkt auf das Vorhandensein strategischer Effekte zu testen. >Strategische Handelspolitik, >Handelspolitik. Auf einer Ebene könnte die empirische Prüfung darin bestehen, die Parameter eines vollständig spezifizierten ökonometrischen Modells zu schätzen und dann zu fragen, ob sie bei einem geeigneten Signifikanzniveau in die Bereiche fallen, die notwendig sind, um strategisches Verhalten zu erzeugen. >Ökonometrie. Ein solcher indirekter Ansatz hat mindestens zwei Nachteile. Erstens erfordert er die genaue Spezifizierung eines Modells in Form von Parametern und Beobachtungswerten, eine Aufgabe von immenser Komplexität und - angesichts unserer derzeitigen Unkenntnis - Willkür. Zweitens lassen sich die für strategisches Verhalten erforderlichen Umstände in der Regel nicht auf einen einzigen Parameter reduzieren, sondern bedingen die Interaktion vieler Parameter und Daten. Die sich daraus ergebenden multivariaten statistischen Tests sind nicht nur schwierig zu formulieren und zu interpretieren, sondern neigen auch dazu, sehr schwach zu sein, wenn sie mit schlechten Daten konfrontiert sind, wie sie Handelsökonomen zur Verfügung stehen.* >Modelle, >Modelltheorie, >Ökonomische Modelle. In diesem Aufsatz(2) wähle ich daher einen anderen, nichtparametrischen Ansatz. Auf der Grundlage verbaler Überlegungen ermittle ich die qualitativen Veränderungen im Handelsverhalten, die mit strategischen Reaktionen auf die Importüberwachung vereinbar wären. >Einfuhrkontrollen. 1. Baldwin, R. E. 1989. Taking the calibration out of calibration studies. Columbia University Business School. Mimeograph. 2. L. Alan Winters. „Import Surveillance as a Strategic Trade Policy.“ In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press. L. Alan Winters. „Import Surveillance as a Strategic Trade Policy.“ In: Paul Krugman and Alasdair Smith (Eds.) 1994. Empirical Studies of Strategic Trade Policy. Chicago: The University of Chicago Press. |
EconKrug I Paul Krugman Volkswirtschaftslehre Stuttgart 2017 EconKrug II Paul Krugman Robin Wells Microeconomics New York 2014 Krugman III Paul Krugman Alasdair Smith Empirical Studies of Strategic Trade Policy Chicago: The University of Chicago Press 1994 |
| Kalkulation | Mises | Rothbard III 613 Sozialismus/Kalkulation/Mises/Rothbard: Ökonomische Kalkulation wird immer wichtiger, je weiter sich die Marktwirtschaft entwickelt und fortschreitet, je mehr Stufen und Komplexität in Art und Vielfalt der Kapitalgüter zunehmen. Immer wichtiger für die Aufrechterhaltung einer fortgeschrittenen Wirtschaft ist daher die Erhaltung von Märkten für alle Kapital- und anderen Produktionsgüter. Sozialismus: Unsere Analyse dient dazu, die berühmte Diskussion über die Möglichkeit wirtschaftlicher Kalkulation im Sozialismus zu erweitern, die von Professor Ludwig von Mises (...) angestoßen wurde.(1) Mises, (...) hat unwiderlegbar nachgewiesen, dass ein sozialistisches Wirtschaftssystem nicht kalkulieren kann, da ihm ein Markt und damit Preise für Produzenten- und insbesondere für Kapitalgüter fehlen. Nun sehen wir, dass der Grund, warum eine sozialistische Wirtschaft nicht kalkulieren kann, paradoxerweise gerade nicht darin liegt, dass sie sozialistisch ist! Der Sozialismus ist das System, in dem der Staat gewaltsam die Kontrolle über alle Produktionsmittel der Wirtschaft an sich reißt. Der Grund für die Unmöglichkeit des Kalkulierens im Sozialismus liegt darin, dass ein Akteur alle Ressourcen der Wirtschaft besitzt oder deren Verwendung bestimmt. Es sollte klar sein, dass es keinen Unterschied macht, ob dieser eine Akteur der Staat oder eine Privatperson oder ein privates Kartell ist. In jedem Fall gibt es in der Produktionsstruktur keine Möglichkeit der Kalkulation, da die Produktionsprozesse nur intern und ohne Märkte ablaufen würden. >Kalkulation/Rothbard, >Freier Markt/Rothbard. VsMises: Eine kuriose Legende ist unter den Autoren auf der sozialistischen Seite der Debatte über das ökonomische Kalkül recht populär geworden. Sie lautet wie folgt: Mises behauptete in seinem ursprünglichen Artikel „theoretisch“, dass es im Sozialismus kein wirtschaftliches Rechnen geben könne; Barone bewies mathematisch, dass dies falsch ist und dass Rechnen möglich ist; Hayek und Robbins räumten die Gültigkeit dieses Beweises ein, behaupteten dann aber, dass Rechnen nicht „praktisch“ sei. Die Schlussfolgerung ist, dass das Argument von Mises entsorgt wurde und dass alles, was der Sozialismus braucht, ein paar praktische Geräte (vielleicht Rechenmaschinen) oder Wirtschaftsberater sind, um die Berechnung und das „Zählen der Gleichungen“ zu ermöglichen. Rothbard: Diese Legende ist von Anfang bis Ende fast völlig falsch. Erstens ist die Dichotomie zwischen „theoretisch“ und „praktisch“ eine falsche. In den Wirtschaftswissenschaften sind alle Argumente theoretisch. Und da sich die Wirtschaftswissenschaften mit der realen Welt befassen, sind diese theoretischen Argumente naturgemäß auch „praktische“ Argumente. 1. Siehe die klassische Darstellung der Position in Ludwig von Mises, „Economic Calculation in the Socialist Commonwealth“, abgedruckt in F.A. Hayek, Hrsg., Collectivist Economic Planning (London: George Routledge & Sons, 193 5), S. 8 7-130. Siehe in dem Hayek-Band auch die anderen Aufsätze von Hayek, Pierson und Halm. Mises führte seine Argumentation in Socialism (2. Aufl.; New Haven: Yale University Press, 1951), S. 135-63, fort und widerlegt neuere Kritiken in Human Action, S. 694-711. Abgesehen von diesen Werken ist das beste Buch zum Thema wirtschaftliches Kalkül im Sozialismus Trygve J.B. Hoff, Economic Calculation in the socialist Society (London: William Hodge, 1949). Siehe auch F.A. Hayek, „Socialist Calculation III, the Competitive ‚Solution‘“ in Individualism and the Economic Order, S. 181-208, und Henry Hazlitts bemerkenswerter Essay in fiktionaler Form, The Great Idea (New York: Appleton-Century-Crofts, 1951). Coyne I 11 Kalkulation/Mises/Coyne/Boettke: „Der grundlegende Einwand gegen die Durchführbarkeit des Sozialismus bezieht sich auf die Unmöglichkeit der ökonomischen Kalkulation. Es ist unwiderlegbar bewiesen, dass ein sozialistisches Gemeinwesen nicht in der Lage wäre, ökonomisches Kalkül anzuwenden ... Eine sozialistische Produktionsleitung würde einfach nicht wissen, ob das, was sie plant und ausführt, das geeignetste Mittel zur Erreichung der angestrebten Ziele ist oder nicht. Sie wird sozusagen im Dunkeln tappen. Sie wird die knappen materiellen und menschlichen Produktionsfaktoren (Arbeit) verschwenden. Chaos und Armut für alle werden unweigerlich die Folge sein.“ Ludwig von Mises (1922/ 1981(1)), 535. Coyne I 12 Coyne/Boettke: Ökonomisches Kalkül ist die Fähigkeit von Wirtschaftsakteuren, den erwarteten Mehrwert einer möglichen Nutzung einer knappen Ressource zu bestimmen. Durch den Vergleich des erwarteten Wertes verschiedener potenzieller Alternativen können die Entscheidungsträger abschätzen, welche Aktivitäten aus Sicht der Verbraucher den höchsten Wert haben. Die Beurteilung des erwarteten Wertes über Alternativen hinweg erfordert marktbestimmte Preise, die die relative Knappheit von Ressourcen erfassen und gleichzeitig eine gemeinsame Vergleichseinheit ermöglichen. Mises: Mises argumentierte, dass es ohne Eigentumsrechte an den Produktionsmitteln, die die Sozialisten abschaffen wollten, keine wirtschaftliche Berechnung geben könne, da es keine Geldpreise gäbe. Seine Argumentation verlief in drei Schritten. Erstens: Ohne Privateigentum an den Produktionsmitteln gäbe es keinen Markt für Produktionsmittel. Es gibt keinen freiwilligen Handel ohne das Eigentum an Ressourcen, das den Austausch dieser Ressourcen durch die Eigentümer ermöglicht. Zweitens: Ohne diesen Markt gäbe es keine Geldpreise für die Produktionsmittel. Geldpreise, die durch Markthandel entstehen, sind Tauschverhältnisse, die die Opportunitätskosten einer Ressource erfassen. Wenn eine Tasse Kaffee 1 Dollar und eine Flasche Limonade 2 Dollar kostet, bedeutet dies, dass der Preis für eine Limonade zwei Tassen Kaffee entspricht. Durch die Bereitstellung einer gemeinsamen Einheit für den Vergleich von Waren und Dienstleistungen ermöglichen es Geldpreise den Menschen in der gesamten Wirtschaft, die Opportunitätskosten oder den Kompromiss zu beurteilen, den sie eingehen, wenn sie eine bestimmte Handlung gegenüber einer anderen vornehmen. >Opportunitätskosten. Und schließlich ist ohne Geldpreise für die Produktionsmittel eine rationale wirtschaftliche Berechnung nicht möglich, da die Entscheidungsträger keine Möglichkeit haben, den erwarteten Mehrwert von Handlungsalternativen zu beurteilen. Preis/Mises: Geldpreise entstehen nach Mises als unbeabsichtigtes Ergebnis der freiwilligen Interaktion einer Vielzahl von Individuen, die ihre separaten und oft widersprüchlichen Pläne in einem Marktumfeld verfolgen, das durch Privateigentum gekennzeichnet ist und einen Austausch ermöglicht. >Preis. Coyne I 12 Die Preise, die sich auf dem Markt bilden, vermitteln allgemeines Wissen über die relative Knappheit bestimmter Güter und dienen somit als „Hilfsmittel für den menschlichen Verstand“, um zu berechnen, wie die Ressourcen eingesetzt werden sollten. MisesVsSozialismus: Wenn es keinen Markt für die Produktionsmittel gäbe, fragte Mises, woher würde die zentrale Planungsbehörde wissen, welche Projekte wirtschaftlich machbar wären und welche nicht? Beispiel: (...) Woher sollen die Planer wissen, ob sie Platin für den Bau von Eisenbahnschienen verwenden sollen oder nicht? Platin ist schließlich ein technologisch machbarer Rohstoff für den Bau von Eisenbahnen. In einem marktwirtschaftlichen System würden die für den Bau der Eisenbahn verantwortlichen Entscheidungsträger den Platinpreis betrachten, der seine relative Knappheit widerspiegelt, und versuchen abzuschätzen, ob sie angesichts der Kosten der Inputs (Platin ist einer davon) einen Gewinn zu erzielen erwarten. MisesVsSozialismus: Die Abschaffung der Preise - durch die gemeinsame Abschaffung von Eigentumsrechten und Geld - würde bedeuten, dass die Planer nicht in der Lage wären, zu entscheiden, ob Platin oder ein anderes Gut für den Bau von Eisenbahnschienen verwendet werden sollte. Das Ergebnis wäre ein wirtschaftliches Chaos im Gegensatz zu der von den Befürwortern des sozialistischen Systems versprochenen rationalen Ordnung. SozialsmVsVs: Die Sozialisten nahmen die Kritik von Mises ernst und überarbeiteten ihre Vision. Das Ergebnis war ein von Oskar Lange und Abba Lerner vorgeschlagenes Modell des „Marktsozialismus“, das die wünschenswerten Merkmale des sozialistischen Systems beibehalten und gleichzeitig die von Mises vorgebrachten Kritikpunkte berücksichtigen sollte. Lösung: Das marktsozialistische Modell sah die Verwendung von Geld vor und ließ einen freien Markt für Endverbrauchsgüter und den Arbeitsmarkt zu. Die Produktionsmittel würden nach wie vor verstaatlicht werden. Eine zentrale Planungskommission wäre dafür zuständig, den Unternehmen vorläufige („Schatten“-) Preise für die Produktionsmittel vorzugeben. Auf der Grundlage dieser vorläufigen Preise würden die Unternehmen angewiesen, die Kombination von Inputs zu wählen, die die Kosten für die Produktion des Outputs minimiert und die Gewinne maximiert. Problem: Aber woher sollten die Unternehmen dieses Produktionsniveau kennen? Die Lösung: Die zentrale Planungsbehörde würde die Unternehmen anweisen, dem Diktat des Modells des vollkommenen Wettbewerbs zu folgen, indem sie ihre Preise in Höhe der Grenzkosten der Produktion festsetzen und diejenigen Produktionsmengen produzieren, die die Durchschnittskosten minimieren. >Planwirtschaft, >Planwirtschaft/Sowjetunion, >Sozialismus/Mises, >Sozialismus/Hayek. 1. Ludwig von Mises, Socialism: An Economic and Sociological Analysis (Indianapolis: Liberty Press/Liberty Classics, 1981). German editions, 1922, 1932. English translation by J. Kahane, 1936; enlarged with an Epilogue, Planned Chaos, 1951; Jonathan Cape, 1969. |
EconMises I Ludwig von Mises Die Gemeinwirtschaft Jena 1922 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 Coyne I Christopher J. Coyne Peter J. Boettke The Essential Austrian Economics Vancouver 2020 |
| Kant | Heidegger | Gadamer I 274 Kant/Heidegger/Gadamer: (...) Heidegger [entdeckt] in Kants Kritik an der„dogmatischen“ Metaphysik die Idee einer Metaphysik der Endlichkeit, an der sich sein eigener ontologischer Entwurf zu bewähren hat. Dagegen: (...) [weist Heidegger nach], dass im Begriff des Geistes bei Hegel und des Bewusstseins bei Descartes die griechische Substanzontologie fortherrscht, die das Sein auf das Gegenwärtig- und Anwesendsein hin auslegt. >Verstehen/Heidegger, >Metaphysik, >I. Kant, >G.W.F. Hegel, >R. Descartes, >Ontologie, >Substanz, >Bewusstsein. |
Hei III Martin Heidegger Sein und Zeit Tübingen 1993 Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Kant | Rawls | I 251 Kant/Gerechtigkeit/Prinzipien/Kategorischer Imperativ/Rawls: Meine Interpretation von Kant konzentriert sich auf den Begriff der Autonomie. >Kategorischer Imperativ, >I. Kant als Autor, >Über Kant. RawlsVsHare: Wir sollten Kant nicht in erster Linie in Bezug auf Universalität und Allgemeinheit verstehen. Das wäre eine zu schmale Basis, um eine Moraltheorie zu konstruieren(1). Für ein vollständiges Verständnis muss man Kants spätere Schriften berücksichtigen. Moral/Kant/Rawls: Kant beginnt damit, dass moralische Prinzipien rational gewählt werden und rational beurteilt werden. I 252 Als Gesetzgebung für ein Reich der Zwecke müssen moralische Prinzipien nicht nur für alle zustimmungsfähig sein, sondern auch öffentlich bekannt. Sie müssen von freien und gleichermaßen rationalen Individuen akzeptiert werden können. Autonomie/Kant/Rawls. Kategorischer Imperativ/Kant/Rawls: Der Schleier des Nichtwissens (in meiner Theorie) beraubt die Personen in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft sowieso aller Informationen über ihre zukünftige Position, was zugleich garantiert, dass sie als freie und gleichermaßen rationale Personen entscheiden. >Schleier des Nichtwissens. Rawls: Damit wird Kants Begriff mehreres hinzugefügt: z.B. dass die gewählten Prinzipien nicht nur auf Individuen, sondern auf die Gesellschaft angewendet werden. Dennoch glaube ich, dass wir nahe bei Kant bleiben. I 255 RawlsVsKant: Kant hat nicht gezeigt, dass unser Handeln aus dem moralischen Gesetz heraus unsere Natur auf eine erkennbare Weise zeigt, wie es ein Handeln nach gegenteiligen Prinzipien es nicht tun würde. Lösung/Rawls: unsere Annahme der Anfangssituation mit dem Schleier des Nichtwissens behebt diesen Mangel: wir müssen nur zeigen, dass unsere zu wählenden Prinzipien anwendbar sind. Wir nehmen die Anfangssituation als eine an, die vom noumenalen Selbst in Kants Sinn betrachtet wird. Qua noumenale haben sie die freie Wahl zwischen Prinzipien. Gleichzeitig wollen sie aber ihre Rationalität in der Lebenswelt zum Ausdruck bringen, d.h. ihre Unabhängigkeit von kontingenten Besonderheiten der Natur und der Gesellschaft. Wenn das Argument aus der Vertragstheorie richtig ist, definieren gerade jene Prinzipien das moralische Gesetz. >Vertragstheorie/Rawls, >Rationalität. I 256 Unser Verlangen, uns gerecht zu verhalten, entspringt dann zum Teil dem Wunsch, uns als freie und gleichermaßen rationale Wesen auszudrücken. Ich glaube, deswegen spricht Kant davon, dass es ein Grund für Scham ist, wenn wir uns fehlverhalten und nicht ein Grund für Schuldgefühle. >Gefühle/Rawls. I 257 Gesellschaft/Wahl/Selbst/Kant/RawlsVsKant/Rawls: In zwei Punkten weiche ich besonders von Kants Konzeption ((s) wie sie im kategorischen Imperativ angelegt ist) ab: 1. Die Wahl (der Prinzipien) als noumenales Selbst nehme ich als die Wahl eines kollektiven (Selbst) an. Diese Wahl muss von anderen Selbsten akzeptiert werden können. 2. Ich nehme an, dass die Parteien wissen, dass sie den Bedingungen des menschlichen Lebens unterliegen. Im Licht dieser natürlichen Beschränkungen werden die Prinzipien gewählt. Bei Kant sieht es so aus, als schlösse er auch die Freiheit Gottes oder die Freiheit reiner Intelligenzen mit ein, diese unterliegen aber nicht den Beschränkungen, die verlangen, Andere als gleichermaßen rationale und freie Wesen anzuerkennen. >Intersubjektivität, >Freiheit, >Gemeinschaft, >Gesellschaft. 1. Vgl. R. M. Hare, Freedom and Reason, Oxford, 1963, S. 123f. |
Rawl I J. Rawls A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005 |
| Kant | Sandel | Gaus I 111 Kant/Sandel/Gaus: Benn und Gewirth suchen beide einen direkten Weg von der Handlungsfähigkeit zu liberalen Rechten: Wenn wir verstehen, was für Handelnde wir sind, sehen wir, dass wir bestimmte liberale Rechte einfordern und anderen gewähren müssen. >Person/Benn, >Rechte/Gewirth. KantVsGewirth/KantVs/Benn: Im Gegensatz dazu versucht das, was oft als "kantischer Liberalismus" bezeichnet wird, liberale Rechte durch einen hypothetischen Vertrag zu etablieren, der dann Grundrechte erzeugt. SandelVsKant: Nach den Worten Sandels, seines berühmtesten Kritikers, ist nach dem "deontologischen" oder "kantischen Liberalismus" "eine Gesellschaft, die sich aus einer Vielzahl von Personen zusammensetzt, von denen jede ihre eigenen Ziele, Interessen und Vorstellungen vom Guten hat, am besten geordnet, wenn sie von Prinzipien geleitet wird, die selbst keine bestimmte Vorstellung vom Guten voraussetzen" (1982(1): 1-7). Respekt/Anerkennung: Da nach dieser Sichtweise jede Person ihre eigenen Ziele im Leben wählt, verlangt der Respekt vor der Person des anderen, dass wir es unterlassen, ihr unsere Sicht des guten Lebens aufzuzwingen. Nur Prinzipien, die für alle gerechtfertigt werden können, respektieren die Persönlichkeit eines jeden. Respekt erfordert also eine bestimmte Art der Rechtfertigung, nach der moralische Prinzipien für alle freien moralischen Personen in einer Situation der fairen Wahl akzeptabel sind. Über diesen Rechtfertigungsmodus werden dann liberale Prinzipien erzeugt. Vgl. >Vernunft/Scanlon. 1. Sandel, Michael (1982) Liberalism and the Limits of Justice. Cambridge: Cambridge University Press. Gaus, Gerald F. 2004. „The Diversity of Comprehensive Liberalisms.“ In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications. Brocker I 670 Kant/SandelVsRawls/SandelVsKant/SandelVsLiberalismus/Sandel: Kant hat Ethik und Recht vielleicht am konsequentesten vom Fluchtpunkt des guten Lebens abgekoppelt und sich stattdessen vollständig auf eine Theorie des Rechten, verstanden im Sinn der vernünftigen Verallgemeinerbarkeit von Handlungsmaximen, gestützt. Darauf baut Rawls mit seiner Theorie der Gerechtigkeit (1975) auf. Siehe Prinzipien/Rawls. SandelVsRawls, SandelVsKant: propagiert die Priorität einer Vorstellung des guten und gelingenden Lebens (Aristoteles‘ eudaimonia) als Ausgangspunkt. Siehe Liberalismus/Sandel, Recht/Kant, SandelVsRawls. Markus Rothhaar, “Michael Sandel, Liberalism and the Limits of Justice” in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
Sand I Michael Sandel The Procedural Republic and the Unencumbered Self 1984 Gaus I Gerald F. Gaus Chandran Kukathas Handbook of Political Theory London 2004 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Kapazitätsmanagement | Wirtschaftstheorien | Mause I 462f Kapazitätsmanagement/Wirtschaftstheorie: Beispiel Verkehrspolitik: Auf den ersten Blick führt eine Reduzierung von Verspätungen zu einer Wohlfahrtssteigerung. Problem: das ist zu kurz gedacht: Bsp Zuteilung von Zeitnischen an Flughäfen: diese werden eingeteilt in: a) verursacht durch Fluggesellschaft (technische Probleme am Flugzeug) Mause I 463 b) verursacht durch den Flughafen (Infrastruktur), c) Abweichungen von der geplanten Flugroute, d) reaktionäre Verspätungen (ausgelöst durch frühere Verspätungen); Letzteres ist die häufigste Ursache. Reaktionäre Verspätung: a) rotational: der Rückflug verzögert sich wegen des verspäteten Hinflugs derselben Fluglinie), b) nicht-rotational: eine nicht-rotationale Verspätung tritt auf, wenn ein Flug auf Passagiere eines verspäteten Flugs (evtl. einer anderen Gesellschaft) warten muss. Auf diese Weise können sich Verspätungen weltweit ausbreiten. Kosten: a) Zeitkosten der Passagiere, b) „harte“, c) „weiche“ Kosten der Fluggesellschaft. Harte Kosten der Fluggesellschaft: Betriebs- und Personalkosten, Kosten für Umbuchungen und Erstattungen. Weiche Kosten der Fluggesellschaft: Kundenverluste durch Unzufriedenheit. Zeitkosten der Passagiere: können weitgehend als Opportunitätskosten verstanden werden. Opportunitätskosten: in diesem Fall die monetär bewertete Zeit, die man anders hätte besser nutzen können. (1) (2) Zeitnischen: werden von der Europäischen Union verwaltet. Kapazitätsengpässe können durch freiwillige Koordination gelöst werden. Daneben gibt es viele Regionalflughäfen, die nicht ausgelastet sind. Durch Reduzierung von Genehmigungen und Entzerrung des Flugplans kann eine Minimierung von Verspätungen erreicht werden. Problem: eine Minimierung von Verspätungen auf diese Art ist aus ökonomischer Sicht nicht per se wohlfahrtssteigernd: die maximale Zahl an Ankünften und Abflügen wird reduziert und damit a) die Durchschnittskosten pro Flug erhöht, sondern auch b) Netzwerkeffekte an Drehkreuzen gesenkt. Netzwerkeffekte: Fluggesellschaften haben an Drehkreuzflughäfen ein Interesse, da damit viele Flüge in einem Zeitfenster gebündelt werden können. Es besteht dann ein Trade-off zwischen den Netzwerkeffekten durch zusätzliche Genehmigungen und der gestiegenen Anfälligkeit für Verspätungen. Mause I 465 Kapazitätsreduzierung: ist aus theoretischer Sicht sinnvoll, je nachdem, ob sich der Flughafen bei der momentanen Kapazitätsauslastung rechts oder links vom optimalen Wert befindet, der sich aus der Gesamtkostenkurve ergibt. (vgl. Swaroop et al. 2012, S. 1240) (3) Dieses Beispiel lässt sich auch auf Schienenverkehrt bzw. Bahnsteige an Bahnhöfen übertragen. Problem: die bestehende Praxis wird aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht kritisiert, da Genehmigungen kostenlos sind und der Handel mit ihnen verboten ist. (Siehe auch Emissionsrechtehandel). Das System wird als „marktfern“ bezeichnet. Lösung: durch eine Auktion der Zeitnischen könnten Gewinne erzielt werden. Ein Sekundärmarkt könnte sicherstellen, dass die Fluggesellschaft mit dem höchsten Nutzen (und damit der höchsten Zahlungsbereitschaft) eine Genehmigung erhält. 1. University of Westminster. 2015. The cost of passenger delay to airlines in Europe. http:// ansperformance. eu/ references/ library/ passengerdelayco st. pdf. (Access date 25.11.2016 2. Bratu, Stephane, und Cynthia Barnhart. 2006. Flight operations recovery: New approaches considering passenger recovery. Journal of Scheduling 9( 3): 279– 298. 3. Swaroop, Prem, Bo Zou, Michael O. Ball, und Mark Hansen. 2012. Do more US airports need slot controls? A welfare based approach to determine slot levels. Transportation Research Part B: Methodological 46( 9): 1239– 1259. |
Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Kapital | Böhm-Bawerk | Rothbard IV 12 Kapital/Böhm-Bawerk/Rothbard: (...) Kapitalgüter sind nicht einfach „gefrorene Arbeit“; sie sind auch gefrorene Zeit (und Land); und es ist das entscheidende Element der Zeit und der Zeitpräferenz, in dem die Erklärung für Profit und Zins zu finden ist. >Zeitpräferenz/Böhm-Bawerk, >Zins/Böhm-Bawerk. Capial/Böhm-Bawerk: Er hat auch die ökonomische Analyse des Kapitals enorm vorangebracht; denn im Gegensatz nicht nur zu Ricardians, sondern auch zu den meisten Ökonomen der Gegenwart, sah er, dass „Kapital“ nicht einfach ein homogener Klumpen(1) oder eine bestimmte Menge ist. Kapital ist ein kompliziertes Gitterwerk, das eine zeitliche Dimension hat; und Wirtschaftswachstum und Produktivitätssteigerung entstehen nicht einfach durch die Vergrößerung der Kapitalmenge, sondern durch die Vergrößerung der Zeitstruktur, durch den Aufbau „immer längerer Produktionsprozesse“. Je geringer die Zeitpräferenz der Menschen ist, desto eher sind sie bereit, jetzt auf Konsum zu verzichten, um zu sparen und in diese längeren Prozesse zu investieren, die irgendwann in der Zukunft einen wesentlich höheren Ertrag an Konsumgütern bringen werden. 1. Siehe Böhm-Bawerk, Capital and Interest, vol. II, Positive Theory of Capital, pp. 1 - 118. |
Böhm-Bawerk I Eugen von Böhm-Bawerk Kapital und Kapitalzins. Vol. 2, Positive Theorie des Kapitales. 2nd ed. Innsbruck: Wagner’sche Universitätsbuchhandlung.1909 Innsbruck 1909 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Kapital | Senior | Rothbard II 138 Kapital/Senior/Rothbard: Noch interessanter und wertvoller als Seniors Abstinenztheorie war seine entwickelte Theorie des Kapitals, die die österreichische Lehre stark vorwegnahm. >Österreichische Schule. Denn Senior sah, dass die Produktionsfaktoren in zwei Klassen eingeteilt werden können: die ursprünglichen, primären: Boden (oder natürliche Ressourcen) und Arbeit; und alle sekundären, intermediären Güter, die durch die gemeinsamen Anstrengungen der primären Faktoren (sowie der bereits vorhandenen intermediären Faktoren) produziert werden. Letztendlich werden die Zwischenfaktoren in Konsumgüter umgewandelt Rothbard II 139 die in der Lage sind, die Bedürfnisse der Verbraucher zu befriedigen. Man könnte meinen, dass die Zwischenfaktoren oder Kapitalgüter letztlich auf Natur und Arbeit reduziert werden könnten, aber das ist nicht möglich, weil ein weiteres Element erforderlich ist, um die Primärfaktoren zu immer mehr Kapital zu kombinieren: Abstinenz. Wiederum im Vorgriff auf die Österreicher erkannte Senior, dass ein entscheidender Aspekt dieses Produktionsprozesses darin besteht, dass er Zeit in Anspruch nehmen muss, und daher ein Akt der Enthaltsamkeit, „ein Begriff“, fügte Senior hinzu, „mit dem wir das Verhalten einer Person ausdrücken, die sich entweder enthält ... oder absichtlich die Produktion von entfernten gegenüber der von unmittelbaren Ergebnissen vorzieht“. Kapital oder Kapitalgüter sind also das Ergebnis der Kombination von Land, Arbeit und Enthaltsamkeit und bestehen aus der Anwendung der gegenwärtigen Ressourcen auf die zukünftige Produktion. Kapitalgüter sind produzierte und nicht primäre Produktionsfaktoren. Und die Art und Weise, wie die Produktion und der Lebensstandard unbegrenzt gesteigert werden können, besteht darin, die Produkte der Arbeit und der Natur „als Mittel zur weiteren Produktion“ zu verwenden. Das Kapital, fasst Senior zusammen, ist kein einfaches Produktionsmittel: Es ist in den meisten Fällen das Ergebnis aller drei Produktionsmittel zusammen. Irgendein natürliches Agens muss das Material zur Verfügung gestellt haben, irgendeine Verzögerung des Genusses muss es im Allgemeinen vor unproduktivem Gebrauch bewahrt haben, und irgendeine Arbeit muss im Allgemeinen eingesetzt worden sein, um es vorzubereiten und zu erhalten. >Österreichische Schule, >Produktionstheorie/Senior. |
Senior I Nassau William Senior Outline of the Science of Political Economy 1836 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Kapitalflucht | Wirtschaftstheorien | IMF III 31 Kapitalflucht/Wirtschaftstheorien/Luckner/Koepke/Sgherri: Eine wichtige Schlussfolgerung aus unseren Ergebnissen ist, dass Krypto-Volumina allein in der Regel wenig über das Ausmaß der Kapitalflucht aussagen, insbesondere in Ländern mit strengen externen Beschränkungen. Umgekehrt enthält der relative Preis von Krypto-Vermögenswerten aufschlussreiche Informationen über (a) die Stärke der Nachfrage nach Devisen, die als Indikator für zugrunde liegende makroökonomische Ungleichgewichte angesehen werden kann, und (b) die Grenzkosten der Kapitalflucht, die wiederum ein Indikator dafür sind, wie streng die bestehenden Kontrollen sind. Daten zu kryptobasierten Schattenwechselkursen liefern wertvolle Informationen, die über das hinausgehen, was in bestehenden Datenbanken zu Kapitalkontrollen (wie der Taxonomie der Kapitalflussmanagementmaßnahmen des IWF oder dem AREAER (Jahresbericht über Wechselkursvereinbarungen und Wechselkursbeschränkungen) des IWF) und Messgrößen für die Offenheit der Finanzkonten verfügbar ist. IMF III 32 Dies gilt insbesondere deshalb, weil kryptobasierte Devisenprämien täglich beobachtet werden können und in Echtzeit verfügbar sind. Im Gegensatz dazu erfordern bestehende Datenbanken oft eine zeitaufwändige Analyse neuer Gesetze und Vorschriften und haben Schwierigkeiten, Fälle zu erfassen, in denen es eine Diskrepanz zwischen dem gibt, was de jure vorgeschlagen wird, und dem, was de facto durchgesetzt wird (Ilzetzki et al., 2019)(1). Alternative marktbasierte Messgrößen, wie parallele (oder Schwarzmarkt-)Bargeldwechselkurse, sind oft ebenfalls in Echtzeit verfügbar. Diese Daten sind jedoch in der Regel leicht zu manipulieren und schlecht dokumentiert, da die zugrunde liegenden Transaktionen illegal sind. Aus diesen Gründen können kryptobasierte Devisenprämien zumindest für einige Länder eine wichtige Lücke schließen und Echtzeitdaten liefern, die schwer zu manipulieren sind, über das Vorhandensein und die Intensität von Kapitalkontrollen sowie über die Nachfrage nach Kapitalflucht. >Kryptowährungen. Darüber hinaus hilft unsere Analyse* dabei zu klären, wann und wie Krypto-Transaktionen die Nettoauslandsvermögensposition eines Landes beeinflussen. Konkret zeigt sie, dass immer dann, wenn Einwohner Krypto-Vermögenswerte umtauschen, um ihr Geld ins Ausland zu transferieren, der grenzüberschreitende Kapitalfluss in der Regel bereits über traditionelle Kanäle stattgefunden hat, bevor die Krypto-Transaktion durchgeführt wird. Somit hat die zugrunde liegende Krypto-Transaktion an sich keinen Einfluss auf die Nettoauslandsvermögensposition des Landes. Aus der engen Perspektive der Verbuchung von Krypto-Transaktionen in Außenkonten beruhigt unsere Arbeit daher die Befürchtungen, dass die zunehmende Verwendung von Krypto-Vermögenswerten die Genauigkeit der Standard-Zahlungsbilanzstatistiken beeinträchtigt (Akbalik et al., 2021(2); Hu et al., 2021(3); IWF, 2023c,a(4,5); He et al.,2022(6); Graf von Luckner et al., 2023)(7). Wenn jedoch die Verwendung von Krypto-Vermögenswerten zu einem allgemeinen Anstieg der Kapitalflucht (über die traditionellen Kanäle) führt, kann dies dennoch die Ungenauigkeiten in den Außenhandelsstatistiken erhöhen, was sich in einem Anstieg der Nettofehler und -auslassungen widerspiegeln könnte.*** *Es ist wichtig zu erkennen, dass nicht jeder Fall einer Prämie bei den relativen Preisen von Kryptowährungen auf das Vorhandensein von ansonsten nicht offengelegten Kapitalkontrollen hindeutet, da auch andere Faktoren zu den Preisunterschieden beitragen können. Tatsächlich können neben Kapitalkontrollen auch illiquide/flache Kryptomärkte ein Faktor sein, der die Prämien bei den relativen Kryptopreisen beeinflusst. Darüber hinaus können börsenspezifische Ereignisse vorübergehend zu idiosynkratischen Preisänderungen führen. Daher sollten Schattenwechselkursprämien für Kryptowährungen nur dann als Hinweis auf Kapitalkontrollen und Druck auf Kapitalströme angesehen werden, wenn sie sich in liquiden Märkten mit mehreren Börsen widerspiegeln. ** Clemens Graf von Luckner, Robin Koepke und Silvia Sgherri (2024). Crypto as a Marketplace for Capital Flight. IMF Working Paper 24/133. *** Wie in Cuddington (1986)(8) diskutiert, ist nicht zu erwarten, dass die Art der Kapitalflucht, auf die wir uns in diesem Papier konzentrieren, zu einer Erhöhung der Nettofehler und -auslassungen führt, da „weder der Abfluss von Gütern noch die Zunahme der inländischen Bestände an Vermögenswerten im Ausland in der Zahlungsbilanz erfasst werden”. 1. Ilzetzki, E., Reinhart, C. M., and Rogoff, K. S. (2019). Exchange arrangements entering the twenty-first century: Which anchor will hold? The Quarterly Journal of Economics, 134(2):599–646. 2. Akbalik, M., Apergis, N., Zeren, M., and Sarigu¨l, O¨ . (2021). International capital flows and the cryptocurrency effect. Finansal Ara¸stırmalar ve C¸alı¸smalar Dergisi, 13(24):16–35. 3. He, M. D., Kokenyne, A., Lavayssière, X., Lukonga, M. I., Schwarz, N., Sugimoto, N., and Verrier, J. (2022). Capital Flow Management Measures in the Digital Age: Challenges of Crypto Assets, volume 2022. International Monetary Fund. 4. IMF (2023c). G20 Note on the Macrofinancial Implications of Crypto Assets. International Monetary Fund. 5. IMF (2023a). Elements of Effective Policies for Crypto Assets. International Monetary Fund Policy Paper. 6. He, M. D., Kokenyne, A., Lavayssière, X., Lukonga, M. I., Schwarz, N., Sugimoto, N., and Verrier, J. (2022). Capital Flow Management Measures in the Digital Age: Challenges of Crypto Assets, volume 2022. International Monetary Fund. 7. Graf von Luckner, C., Reinhart, C. M., and Rogoff, K. (2023). Decrypting new age international capital flows. Journal of Monetary Economics, 138:104–122. 8. Cuddington, J. T. (1986). Capital flight: Estimates, issues, and explanations, volume 58.International Finance Section, Department of Economics, Princeton University. |
IMF II IMF Working Paper André Reslow Gabriel Söderberg, Cross-Border Payments with Retail Central Bank Digital Currencies: Design and Policy Considerations IMF Fintech Note 2024/002 Washington, DC. 2024 IMF III IMF Working Papers Clemens Graf von Luckner Robin Koepke, Crypto as a Marketplace for Capital Flight. IMF Working Paper 24/133 Washington, DC. 2024 IMF IV IMF Working Papers Marco Pani Rodolfo Maino, “Could Digital Currencies Lead to the Disappearance of Cash from the Market? Insights from a ’Merchant-Customer’ Model.” IMF Working Paper WP/25/56 Washington, DC. 2025 |
| Kapitalismus | Marx | Rothbard II 422 Kapitalismus/Marx/Rothbard: Die lebenswichtige Konsequenz für das Marxsche System aus den immer dünner werdenden Reihen der zentralisierten Kapitalisten sind die immer größer werdenden Reihen des Proletariats und seine zunehmende Verarmung und Verelendung. >Geschichte/Marx. Rothbard II 423 RothbardVsMarx: Hier ist nun ein kritischer und entscheidender Punkt in der Marxschen Argumentation. Die zunehmende Verarmung der Arbeiterklasse ist ein Schlüssel zum Marxschen System, denn darauf beruht der angeblich unvermeidliche Untergang des Kapitalismus und seine Ersetzung durch das Proletariat. Wenn es keine zunehmende Verarmung gibt, gibt es für die Arbeiterklasse keinen Grund, gegen ihre zunehmende Ausbeutung zu reagieren und ihre „kapitalistische Hülle“, die Fesseln der technischen Produktionsweise, aufzubrechen. Wie also zeigt Marx die zunehmende Armut des Proletariats? An diesem Punkt scheint Marx zu verzweifeln und bringt eine Reihe unterschiedlicher und gegensätzlicher Argumente vor, von denen sich einige gegenseitig widersprechen. Denn wenn die Löhne der Arbeiter schon immer auf dem Niveau des Existenzminimums liegen und durch das eiserne Gesetz dort gehalten werden, wie kann es ihnen dann noch schlechter gehen! >Löhne/Marx, >Profitrate/Marx. RothbardVsMarx: Wenn wir für den Moment diesen gravierenden inneren Widerspruch mit dem eisernen Gesetz der Löhne beiseite lassen, wie will Marx dann sein angebliches Gesetz der steigenden Rothbard II 424 Verarmung des Proletariats zu begründen? Eine Antwort lautet, dass die ewig sinkende Profitrate die Kapitalisten unter starken Druck setzt, mehr Profit zu machen, indem sie das Proletariat noch intensiver ausbeuten und es härter und länger arbeiten lassen. Aber abgesehen von dem Problem des eisernen Gesetzes steht Marx vor dem Problem: Warum haben die Kapitalisten ihre Ausbeutungsrate so lange schleifen lassen, bis sie schließlich durch eine sinkende Profitrate angespornt wurden? Versuchen Kapitalisten nicht immer und zu jeder Zeit, ihre Profitrate zu maximieren? Lösung/Marx/Rothbard: Hier greift Marx auf einen vorgeschlagenen Mechanismus für die zunehmende Ausbeutung der Arbeit und die sinkende Lohnrate zurück: das beschleunigte Anwachsen einer permanenten „industriellen Reservearmee“, einer wachsenden Schar von Arbeitslosen. Es ist die zunehmende Konkurrenz durch die Arbeitslosen, die die Lohnsätze nach unten drückt, und zwar zunehmend, je weiter der Kapitalismus fortschreitet. RothbardVsMarx: Aber wie kann es eine ständige Armee von Arbeitslosen geben, wenn die Löhne für Arbeitslose gleich Null sind? Reservearmee: Und woher kommt die industrielle Reservearmee? Marktwirtschaftler wissen, dass sich die Arbeitslosigkeit durch eine Senkung der Lohnsätze schnell beseitigt. Nur wenn die Lohnsätze über das Marktgleichgewichtsniveau angehoben werden, wird die Arbeitslosigkeit dauerhaft; und wenn, wie Marx behauptet, die Arbeitslosenarmee durch ihre Konkurrenz die Lohnsätze senkt, dann sollte sie schnell verschwinden und keine weiteren Probleme aufwerfen. >Arbeitslosigkeit/Marx. Rothbard II 426 Verarmung des Proletariats/Marx/Rothbard: Es bleibt die Lehre von der zunehmenden Verarmung des Proletariats, eine Lehre, die bei Marx so entscheidend ist, dass sie kaum als eine „Vorhersage“ trivialisiert werden kann, die irgendwie in die Irre ging. Diese „Vorhersage“ ist absolut entscheidend für die angeblich unvermeidliche Tendenz der Arbeiter, sich zu erheben und den Kapitalismus zu stürzen, eine Tendenz, die sich mit dem Fortschreiten des Kapitalismus vertiefen und beschleunigen soll. Und doch ist es für jedermann offenkundig, dass eine der wichtigsten Tatsachen in den anderthalb Jahrhunderten seit der Geburt des Marxismus der kontinuierliche, spektakuläre Anstieg der Reallöhne und des Lebensstandards der Arbeiterklasse und der Masse der Bevölkerung war. Was wir in dieser Zeit erlebt haben, ist in der Tat das spektakulärste Wachstum der Industrialisierung und des Lebensstandards in der Geschichte der Welt. MarxismusVsVs: (...) im Allgemeinen haben die Marxisten versucht, das Phänomen zu retten, die Theorie zu retten, indem sie verschiedene Ausweichpositionen oder Formen des Ausweichens einnahmen. Eine beliebte Taktik ist die Behauptung, dass die zugrundeliegende Tendenz zur Verarmung immer noch besteht, aber „vorübergehend“ (ein oder zwei Jahrhunderte?) durch gegenläufige Faktoren ausgeglichen wurde. Eine beliebte, aber bizarre leninistische Variante ist, dass die Arbeiter im Westen von der imperialistischen westlichen Ausbeutung der Dritten Welt bzw. von den Investitionen in diese Welt profitiert haben, so dass die westlichen Arbeiter in gewissem Sinne zu „Kapitalisten“ auf internationaler Ebene geworden sind. Erstens: Was ist bei dieser Verwandlung des unterdrückten Proletariats des Westens in ausbeutende „Kapitalisten“ der Dritten Welt eigentlich mit dem unvermeidlichen Schwund der Kapitalistenklasse passiert? Zweitens lässt sich die Groteske dieser Doktrin an der Tatsache ablesen, dass der Großteil der Dritten Welt, so arm sie auch sein mag, in den letzten Jahrzehnten eine rasante Entwicklung durchgemacht hat und der Lebensstandard der Menschen in der Dritten Welt gestiegen ist, wie P.T. Bauer in zahlreichen Werken nachgewiesen hat. Jahrzehnten rasant entwickelt hat und der Lebensstandard der arbeitenden Massen stetig gestiegen ist. Und nicht nur das; diese Entwicklung und der Anstieg des Lebensstandards haben gerade in den Gebieten und Regionen der Dritten Welt (z.B. Hafenstädte) stattgefunden, die in engem Handels- und Investitionskontakt mit den entwickelten westlichen Ländern stehen. |
Marx I Karl Marx Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Kapitalismus | Schumpeter | Brocker I 250 Kapitalismus/Schumpeter: These: a) Der Kapitalismus lässt sich am besten nicht als System von Marktgleichgewichten, sondern stattdessen als ein wettbewerbsgetriebener, von innovativen Unternehmen ausgehender dynamischer Prozess zur Störung von Gleichgewichten verstehen; dieser Prozess erfasst und verwandelt nicht nur die Strukturen der Wirtschaft, sondern alle Strukturen der modernen Gesellschaft. b) Um des wissenschaftlichen Fortschritts willen muss man strikt zwischen positiver und normativer Analyse trennen: Brocker I 251 SchumpeterVsKlassische Ökonomie/SchumpeterVsRicardo/SchumpeterVsKeynes: diese Autoren haben die Trernnung zwischen positiver und normativer Analyse nicht vorgenommen. ((s) Unterscheidung deskriptiv/normativ.). Brocker I 254 Schumpeter These: Der Kapitalismus wird nicht an seinen Misserfolgen, sondern an seinen Erfolgen zugrunde gehen. Dies wird aber - anders als bei Marx – nicht als unbedingte, sondern als bedingte Prognose aufgestellt. Die Bedingung ist, dass in der zukünftigen Entwicklung keine störenden Einflüsse auftreten. (1) Schumpeter pro Kapitalismus: siehe Zivilisation/Schumpeter. Brocker I 255 Innovation/Schumpeter: die Entwicklung des Kapitalismus kann nur unter Berücksichtigung des für den Prozess schöpferischer Zerstörung wesentlichen Innovationswettbewerbs um immer neue Produkte, Verfahren und Organisationsformen beschrieben werden. (2) Brocker I 262 Schumpeters Hauptbotschaft lautet, dass die (vermeintlichen) Stärken des Sozialismus als Totalitarismus zu fürchten und dass die (vermeintlichen) Schwächen des Kapitalismus als Zivilisiertheit der modernen Gesellschaft und mithin als bewahrenswert zu würdigen sind. >Sozialismus/Schumpeter. 1. Joseph A. Schumpeter, Capitalism, Socialism and Democracy, New York 1942. Dt.: Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie, Tübingen/Basel 2005 (zuerst: Bern 1946). S. 105, 263. 2. Ebenda S. 142. Ingo Pies, „Joseph A. Schumpeter, Kapitalismus, Sozialismus und Demokratie (1942)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018. |
EconSchum I Joseph A. Schumpeter Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung Leipzig 1912 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Kapitalismus | Surowiecki | I 164 Kapitalismus/Surowiecki: Surowiecki zeigt eine Erklärung für das Entstehen eines frühen weit ausgedehnten Handelssystems durch die Quäker, die durch ein Netz gegenseitigen Vertrauens miteinander verbunden waren. (1) I 165 Die Quäker hatten ihrerseits keinen Zugang zu den freien Berufen, weil sie die anglikanische Kirche ablehnten. Als Geschäftsleute wurden die Quäker berühmt für ihre Sorgfalt und die Genauigkeit ihrer Buchführung. Sie leiteten Innovationen wie z.B. Festpreise für Waren ein, um Handelsaktivitäten transparent zu gestalten. So wurden die Quäker für Andersgläubige zu gesuchten Handelspartnern. Der Schlüsselbegriff für diese Entwicklung ist Vertrauen. I 168 Der Historiker Richard Tilly zeigt, dass sich nach 1800 bei Kaufleuten in England und Deutschland die Einsicht in den Wert von Redlichkeit als Quelle von Gewinn durchsetzte.(2) I 169 Kapitalismus/Surowiecki: Kernelement war die Orientierung hin zu einer langfristigen Kapitalbildung anstelle des bisherigen Interesses an kurzfristigen Profiten. Laut Tilly begann die Wirtschaft, einzelne Transaktionen als Glieder einer umfassenden Kette von gewinnbringenden Unternehmungen zu verstehen, statt als „singuläre Chancen, die bis zum Letzten ausgebeutet werden müssten.“(2) Surowiecki: Vertrauen wurde dabei sozusagen unpersönlich. Kaufen und Verkaufen war nicht länger eine Sache der persönlichen Verbindung. I 171 Das Vertrauen könnte sich über die Entfernung hin aber nicht erhalten ohne einen institutionellen und rechtlichen Rahmen. Der hohe Wirkungsgrad von Gesetzen und Verträgen ist dabei daran zu ermessen, dass man sich selten auf sie berufen muss. >Gesetze, >Verträge, >Vertragstheorie. 1. Zum Thema Quäker siehe Jacob M. Price, »The Great Quaker Business Families of 18th Century London«, Overseas Trade and Traders – Essays on Some Commercial, Financial, and Political Challenges Facing British Atlantic Merchants, 1600-1775 (Ashgate, Brookfield, VT, 1996); James Walvin, The Quakers – Money and Morals (Trafalgar Square, London 1998); und Peter Mathias, »Risk, Credit, and Kinship in Early Modern Enterprise«, in: John J. McCusker und Kenneth Morgan (Hrsg.), The Early Modern Atlantic Economy (Cambridge University Press, Cambridge 2000), S. 15-35. 2. Richard Tilly, »Moral Standards and Business Behavior in Nineteenth-Century Germany and Britain«, in: Jürgen Kocka und Allan Mitchell (Hrsg.), Bourgeois Society in Nineteenth-Century Europe (Berg, Oxford 1998), S. 182 ff. |
Surowi I James Surowiecki Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne und wie wir das kollektive Wissen für unser wirtschaftliches, soziales und politisches Handeln nutzen können München 2005 |
| Kapitalkontroverse | Harcourt | Harcourt I 119 Kapitalkontroverse/Cambridge Capital Controversy/Harcourt: (...) [die] Diskussionen, (...), beziehen sich technisch auf einfache (!) Fragen wie: 'Können sich Faktorpreisgrenzen mehr als einmal kreuzen?' und 'Wie ist die Form der Faktorpreisgrenze?' (...) >Faktorpreisgrenze, >Neoklassiker, >Neo-Keynesianismus, >Produktionsfunktion, >Aggregate production function, >R.M. Solow, >Joan Robinson. Harcourt: Die Kontroversen entstehen aufgrund politischer und ideologischer Differenzen zwischen den beiden Seiten, Differenzen, die scharf hervortreten, wenn die Implikationen der Ergebnisse bestimmter logischer Übungen deutlich werden. Neoklassiker/Keynesianer: Beide Seiten der Debatte haben sich mit heterogenen Kapital-Güter Modelle untersucht, in denen eine bestimmte Produktionstechnik keine Substitution zwischen den Faktoren zulässt, d. h. es herrschen feste Input-Output-Koeffizienten vor, und die Anteile der Faktoren können sich nur durch den Übergang zu einer anderen Technik infolge veränderter Faktorpreise ändern.* Die Gegenstände der Untersuchungen unterschieden sich zwischen den beiden Gruppen. Harcourt I 120 Neo-Keynesianismus: Für die Neokeynesianer stellen sie einen Angriff auf die marginalistische Methode dar, einen Angriff, der, jedenfalls im Geiste, von Sraffa geführt wurde, der (...) sein Buch(1) mit dem Untertitel „Prelude to a Critique of Economic Theory“ versah, womit er die marginalistische Theorie meinte. >Marginalismus, >Piero Sraffa. Neo-Neoklassiker: Auf der anderen Seite ging es darum, die neoklassischen marginalistischen Verfahren zu rechtfertigen, ein Ziel, das nicht identisch ist mit einer rigorosen Verteidigung der Konzepte einer aggregierten Produktionsfunktion und des damit verbundenen „Kapitaleinsatzes“. Idealisierung/Vereinfachung/ökonomische Modelle: Es stellt sich jedoch die Frage, ob die Geschichten, die mit glatten Ein-Waren- und formbaren Kapitalmodellen verbunden sind, als Analogien für Vergleiche mit diesen „realistischeren“ Modellen „einspringen“ können. Die aggregierte Produktionsfunktion muss sich nun auf die Beziehung zwischen dem Wertkapital und anderen Variablen innerhalb des gesamten Satzes von Techniken beziehen (obwohl Bruno, Burmeister und Sheshinski [1968](2) kürzlich argumentiert haben, dass der Begriff „Produktionsfunktion“ auf die technischen Aspekte der einzelnen Techniken beschränkt werden sollte, was mir im Nachhinein als Fauxpas erscheint). Wenn die neoklassischen Geschichten, wie sie z. B. von Swan [1956](5) und Solow [1957(4)] erzählt werden, tatsächlich für heterogene Kapitalgütermodelle gelten, wäre dies eine enorme Vereinfachung sowohl für die Wirtschaftstheorie als auch für die ökonometrische Spezifikation (siehe Brown [1968(6), 1969(7)]). An diese Frage richtet sich insbesondere die Double-Switching-Debatte. >Reswitching, >Ökonomische Modelle, >Idealisierung. 1. Sraffa, Piero[1960] Production of Commodities by Means of Commodities. Prelude to a Critique of Economic Theory (Cambridge: Cambridge University Press). 2. Bruno, M., Burmeister, E. and Sheshinski, E. [1966] 'Nature and Implications of the Reswitching of Techniques', Quarterly Journal of Economics, LXXX, S. 526-53. 3. Swan, T. W. [1956] 'Economic Growth and Capital Accumulation', Economic Record, xxxn, S. 334-61. 4. Solow, R. M. [1957] 'Technical Change and the Aggregate Production Function', Review of economics and Statistics, xxxix, S. 312-20. 5. Swan, T. W. [1956] 'Economic Growth and Capital Accumulation', Economic Record, xxxn, pp. 334-61. 6. Brown, Murray [1968] 'A Respecification of the Neoclassical Production Model in the Heterogeneous Capital Case', Discussion Paper No. 29, State University of New York at Buffalo. 7. Brown, Murray [1969] 'Substitution-Composition Effects, Capital Intensity Uniqueness and Growth', Economic Journal, LXXIX, S. 334-47. |
Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Kapitalrendite | Solow | Harcourt I 7 Kapital/Messungen/Kapitalrendite/Fisher/SolowVsFisher/Solow/Harcourt: Solow [1963a(1), 1966(2), 1967(3), 1970(4)]: Solows Ziel war es unter anderem, die Hindernisse der Kapitalmessung und die damit verbundenen Probleme zu überwinden, indem er stattdessen das Konzept der Investitionsrendite entwickelte. >Kapitalrendite. Seine eigenen Beiträge bestanden darin, den technischen Fortschritt auf Fishers Analyse zu übertragen und die daraus resultierenden Konzepte empirisch anzuwenden, um Schätzungen der Größenordnungen der Investitionsrenditen in den Nachkriegs-USA und Westdeutschland zu erhalten. >Irving Fisher. Joan RobinsonVsSolow: Es wird argumentiert, dass Solow weder in der Theorie noch in der empirischen Arbeit in der Lage war, sich vollständig von der Notwendigkeit zu befreien, das Gesamtkapital zu definieren und zu messen und innerhalb der Grenzen eines Ein-Waren-Modell zu arbeiten. >Aggregiertes Kapital. Harcourt I 94 Kapitalrendite/Solow/Harcourt: Wie hoch ist dann die Investitionsrendite? Betrachten wir eine Planwirtschaft, die über einen Bestand an heterogenen Investitionsgütern verfügt, ein bestimmtes Volumen eines Konsumgutes produziert und bei Vollbeschäftigung eine effiziente Allokation der Inputs aufweist. (Effizient bedeutet nur, dass es unmöglich ist, mehr von etwas zu haben, ohne weniger von etwas anderem zu haben.) Vergleichen Sie diese Situation mit möglichen effizienten Regelungen in der Nachbarschaft, bei denen etwas weniger konsumiert wird und daher mehr Investitionsgüter vorhanden sind (physisch, nicht unbedingt wertmäßig). Wechseln Sie nun zu einem alternativen Arrangement, indem Sie sparen, d. h. den Konsum reduzieren. Dies ermöglicht eine Steigerung des Verbrauchs um eine Periode (die nächste) im Vergleich zu dem, was er sonst gewesen wäre. Achten Sie darauf, dass der größte Gewinn für eine gegebene Verringerung des Verbrauchs jetzt gewählt wird. Nehmen wir schließlich an, dass die Wirtschaft in der übernächsten Periode die Position erreicht, die sie in dieser Periode ohnehin anstrebt. Das heißt, die Wirtschaft hat sich in den drei Perioden - wir sind jetzt alle Technokraten - für einen Konsumfluss entschieden von C0 -h, C1+j, C2, .. . anstelle eines aus C0, C1, C2, . . Eine natürliche Definition der einperiodigen Investitionsrendite (R1) lautet dann R1 = j-h/ h = j/h -1 . ... eine ganz natürliche Verwendung. Für den Ausdruck „Technokraten“ siehe >Kapitaltheorie/Solow. Harcourt I 95 Sparen/Preise/implizite Annahmen/Harcourt: In all diesen Definitionen ist die implizite Annahme von entscheidender Bedeutung, dass entweder Sparen in Investitionen umgewandelt werden kann, ohne die relativen Preise zu beeinflussen, oder dass es sich um ein Ein-Waren-Modell handelt. >Ökonomische Modelle. Ohne diese Annahmen führt Sparen im Sinne von Konsumverzicht nicht notwendigerweise zu zusätzlichem Konsum, da es je nach Preisveränderung mit unterschiedlichen Beträgen und Arten von Investitionen verbunden sein wird. Daher konzentriert sich Solow auf kleine Veränderungen - die fiktiven Veränderungen des neoklassischen Verfahrens - und die Preise, die einer Switch-Point-Rate der Gewinne entsprechen: siehe Solow [1967(5), 1970(6)]. Messungen: Solow behauptet, die Berechnung der Rendite erfordere keine Messung des Kapitalstocks, ja nicht einmal unbedingt eine Erwähnung desselben, obwohl er sich in einigen seiner theoretischen Beispiele und in seiner empirischen Arbeit selbst untreu wird. Er behauptet auch, dass die neoklassische Theorie, soweit sie sich auf die Rendite konzentriert, der Annahme der Formbarkeit entgehen kann und „sowohl die Fixierung der Form als auch der Proportionen berücksichtigen kann“ (S. 27). Verformbarkeit: Als Nebenbemerkung, aber sehr verwandt mit der Annahme der Formbarkeit, bemerkt er, dass J. B. Clarks Gelee-Annahme (siehe Stigler [1941](7), Kapitel xi, und Samuelson [1962](8)) die Analyse erleichtert (...). Substitution: Darüber hinaus enthält sie den wichtigen Kern der Wahrheit, dass die Substitutionsmöglichkeiten über längere Zeiträume hinweg einfacher sind, auch wenn zu jedem Zeitpunkt Kapitalgüter sehr spezifisch sein können und die Substitutionsmöglichkeiten ex post (wenn nicht sogar ex ante) begrenzt sind: siehe Hicks [1932](9), S. 19-21. Harcourt I 96 SalterVsSolow: Dies scheint buchstäblich nur dann wahr zu sein, wenn wir die Ausarbeitung der Möglichkeiten, die zu Beginn eines langen Marshallianischen Zeitraums bestehen, in der tatsächlichen Zeit betrachten, während wir nicht zulassen, dass sich etwas anderes ändert, als das, was zu Beginn des Zeitraums erwartet wurde. Die Anwendung der Ergebnisse dieser Analyse auf das reale Geschehen ist daher fragwürdig, wie z.B. Salter [1960(10), 1965(11)] so deutlich gezeigt hat. >Return on investment/Neo-Keynesianismus. Harcourt I 96 SolowVsNeo-Keynesianismus: Die Investitionsrenditen werden von Solow für zwei „gegensätzliche“ Modelle von Planwirtschaften berechnet. Das erste ist ein universelles Ein-Waren-Modell mit einer glatten, wohlbehaltenen Produktionsfunktion mit konstanten Erträgen auf einer Skala; das zweite ist Worswicks Stockade-Dictator-Version von Joan Robinsons Akkumulationsmodell (siehe Worswick [1959](12)). Es werden einperiodige und ewige Renditen ermittelt, die im neoklassischen Fall dem Nettogrenzprodukt des Kapitals entsprechen. Harcourt: Die beiden Extremfälle wurden gewählt, um zu zeigen, „... . dass die Ertragsrate . . für ihre Existenz und Bedeutung nicht von der Möglichkeit abhängt, „Grenzproduktivitäten“ zu definieren oder reibungslos variable Verhältnisse zwischen den Produktionsfaktoren zu haben“ (Solow [1963a],(13) S. 30). Harcourt I 97 Sparen/Investitionen: Diese Ergebnisse werden als Antwort (oder besser gesagt, als eine Antwort) auf die wichtige Frage angeboten: Welchen Nutzen hat die Gesellschaft von einem zusätzlichen Stück Ersparnis, das in Kapitalbildung umgewandelt wird? Harcourt I 110 Kapitalrendite/Return on Investment/Solow/Harcourt: Solow verwendet ein Ricardo-Sraffa-System mit zirkulierendem Kapital; (...) er zeigt, dass der Zinssatz ein genaues Maß für die soziale Investitionsrendite ist, vorausgesetzt, dass die Wirtschaft Vollbeschäftigung hat und wettbewerbsfähige Preise anwendet, und dass wir einen stationären Zustand mit einem anderen vergleichen, der dieselben Arbeitskräfte hat, aber bei der gegebenen Profitrate eine andere gleichwertige Technik verwendet, nämlich eine, die mehr zirkulierendes Kapital erfordert, Ware für Ware. Beide stationären Zustände befinden sich im langfristigen Wettbewerbsgleichgewicht; ihre Wertschöpfung besteht ausschließlich aus Konsumgütern. Damit eine Volkswirtschaft (technokratisch) von ihrer Technologie zu der der anderen übergehen kann, muss der Verbrauch in einer Periode (oder in komplizierteren Fällen für eine Reihe von Perioden) gesenkt werden. Solow zeigt, dass der zusätzliche Konsum pro Periode, der durch diesen Schritt in der Ewigkeit erzielt wird, wenn er in Form der gemeinsamen Preise zu den gegebenen Zinssätzen (und Löhnen) und als Anteil des entgangenen Konsums ausgedrückt wird, gleich dem Zinssatz ist. Harcourt I 111 Dieses Verhältnis (...) ist das Solow'sche Maß für die ewige Rendite, R∞ = p/h. 1. Solow, R. M [1963] 'Heterogeneous Capital and Smooth Production Functions: An Experimental Study', Econometrica, xxxi, pp. 623-45. 2. Solow, R. M., Tobin, J., von Weizsacker, C. C. and Yaari, M. [1966] 'Neoclassical Growth with Fixed Factor Proportions', Review of Economic Studies, xxxm, pp. 79-115. 3. Solow, R. M. [1967] 'The Interest Rate and Transition between Techniques', Socialism, Capitalism and Economic Growth, Essays presented to Maurice Dobb, ed. by C. H. Feinstein (Cambridge: Cambridge University Press), pp. 30-9. 4. Solow, R. M [1970] 'On the Rate of Return: Reply to Pasinetti. Economic Journal, LXXX, pp.423-8. 5.Solow, R. M. [1967] 'The Interest Rate and Transition between Techniques', Socialism, Capitalism and Economic Growth, Essays presented to Maurice Dobb, ed. by C. H. Feinstein (Cambridge: Cambridge University Press), S. 30-9. 6. Solow, R. M [1970] 'On the Rate of Return: Reply to Pasinetti. Economic Journal, LXXX, S.423-8. 7. Stigler, George J. [1941] Production and Distribution Theories: The Formative Period (New York: Macmillan). 8. Samuelson, P. A. [1962] 'Parable and Realism in Capital Theory: The Surrogate Production Function', Review of Economic Studies, xxix, S. 193-206. 9. Hicks, J. R. [1932] The Theory of Wages (London: Macmillan). 10. Salter, W. E. G. [1960] Productivity and Technical Change (Cambridge: Cambridge University Press). 11. Salter, W. E. G. [1965] 'Productivity Growth and Accumulation as Historical Processes', Problems in Economic Development, ed. by E. A. G. Robinson (London: Macmillan), S. 266-91. 12. Worswick, G. D. N. [1959] 'Mrs. Robinson on Simple Accumulation. A Comment with Algebra', Oxford Economic Papers, xi, S. 125-41. 13. Solow, Robert M. [1963a] (Professor Dr. F. De Vries Lectures, 1963) Capital Theory and the Rate of Return (Amsterdam: North-Holland). |
Solow I Robert M. Solow A Contribution to the Theory of Economic Growth Cambridge 1956 Harcourt I Geoffrey C. Harcourt Some Cambridge controversies in the theory of capital Cambridge 1972 |
| Kapitalverbrauch | Rothbard | Rothbard III 534 Kapitalverbrauch/Rothbard: Die Weigerung, den Wert des Kapitals zu erhalten, d. h. der Prozess der Nettoersparnis, wird als Kapitalkonsum bezeichnet. Auch wenn es unmöglich ist, den Wert des Kapitals in der Gesellschaft genau zu messen, so ist dies doch ein sehr wichtiger Begriff. „Kapital verbrauchen“ bedeutet (...) die bestehenden Bruttoinvestitionen und die bestehende Kapitalgüterstruktur nicht aufrechtzuerhalten und einen Teil dieser Mittel stattdessen für Konsumausgaben zu verwenden.(1) Rothbard III 535 Kapital/Dienstleistung/Knight, Frank H.: „Die Produktion jeder Dienstleistung schließt die Instandhaltung von Dingen ein, die in diesem Prozess verwendet werden, und dies schließt die Reproduktion von Dingen ein, die verbraucht sind ... wirklich ein Detail der Instandhaltung.“(2) Dienstleistung/RothbardVsKnight: Dies ist offensichtlich falsch. Dienstleistungen werden durch Dinge hervorgebracht, zumindest in den für unsere Diskussion relevanten Fällen, und sie werden durch den Verbrauch von Dingen, von Kapitalgütern, produziert. Und diese Produktion „schließt“ nicht notwendigerweise die Instandhaltung und Reproduktion ein. Dieses angebliche „Detail“ ist ein völlig anderer Bereich der Wahl und beinhaltet den Aufbau von mehr Kapital zu einem späteren Zeitpunkt, um das verbrauchte Kapital zu ersetzen. 1. Häufig wird angenommen, dass nur die Abschreibungsmittel für langlebige Investitionsgüter für den Kapitalverbrauch zur Verfügung stehen. Dabei wird jedoch ein sehr großer Teil des Kapitals übersehen - das so genannte „Umlaufkapital“, die weniger langlebigen Kapitalgüter, die schnell von einer Stufe zur anderen übergehen. Da jede Stufe Geldmittel aus dem Verkauf dieser oder anderer Güter erhält, ist es für den Produzenten nicht notwendig, weiterhin Umlaufkapital zu kaufen. Auch diese Mittel können sofort für den Konsum ausgegeben werden. Siehe Hayek, Reine Theorie des Kapitals, S. 47 ff. für eine Gegenüberstellung der richtigen und der modischen Betrachtungsweise des Kapitals. 2. Frank H. Knight, „Professor Hayek and the Theory of Investment“, Economic Journal, März 1935, S. 85 n. Siehe auch Knight, Risk, Uncertainty, and Profit, S. xxxvii-xxxix. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Kapitalverkehrskontrollen | Fischer | Feldstein I 455 Kapitalverkehrskontrollen/Stanley Fischer: Es gibt Unterschiede zwischen den Arten von Kapitalkontrollen. In erster Linie bedarf es aufsichtsrechtlicher Kontrollen des Fremdwährungsrisikos von Banken und möglicherweise anderen Institutionen. Wir brauchen mehr Arbeit, um die Wirksamkeit der verschiedenen Arten von aufsichtsrechtlichen Kontrollen zu untersuchen und auch um zu prüfen, ob irgendetwas getan werden kann oder muss, um die Engagements von Nicht-Finanzunternehmen zu begrenzen. Das Problem der Kapitalzuflüsse in einem Land, das versucht, sich zu stabilisieren, und dazu hohe inländische Zinssätze benötigt, ist ein bekanntes und schwieriges Problem. Nicht viele Länder haben es erfolgreich bewältigt. Chile schon. Vielleicht haben die Kontrollen gar nichts mit dem Erfolg Chiles zu tun, wie manche behaupten, aber das ist schwer zu beweisen. Die chilenischen Kontrollen sind marktbasiert und erfordern eine Reserveeinlage bei der Zentralbank. Solche marktbasierten Maßnahmen sind administrativen Kontrollen mit einem großen Ermessensspielraum vorzuziehen. >Wechselkursvolatilität/Rogoff. Feldstein I 456 IWF/Fischer: Lassen Sie mich auch auf den Vorschlag eingehen, das IWF-Übereinkommen dahingehend zu ändern, dass die Liberalisierung der Kapitalströme zu einem Ziel des IWF wird. Gegenwärtig ist eines unserer Ziele die Förderung der Konvertibilität der Leistungsbilanz, nicht aber die Konvertibilität der Kapitalbilanz - obwohl wir unter bestimmten Umständen von den Ländern Kapitalkontrollen verlangen dürfen. Der Vorschlag, die Artikel in dieser Richtung zu ändern, hat in vielen Entwicklungsländern große Besorgnis ausgelöst, wenn auch, wie ich glaube, keine berechtigte Besorgnis. Die Liberalisierung der Kapitalverkehrsbilanz ist etwas, das auf lange Sicht fast jedes Land treffen wird, so wie die Liberalisierung der Leistungsbilanz fast jedes Land getroffen hat. Und auf lange Sicht, wenn sich die Finanzstrukturen festigen, wird dies eine gute Sache sein. Kontingente/Kapitalbilanz/Fischer: Wir wissen, dass Kontingente im Großen und Ganzen schlechter sind als Zölle, auch wenn das Gegenteil unter ganz bestimmten Umständen gelegentlich der Fall ist. Wir wissen etwas über die Liberalisierung durch eine proportionale Senkung der Zölle und so weiter. Wir haben keine ähnlichen Antworten für die Kapitalbilanz - und wir sollten versuchen, sie zu entwickeln. ((s) Geschrieben im Jahr 1999). Feldstein I 457 Gleichgewicht/Fischer: (...) Ich habe große Schwierigkeiten zu verstehen, woher wir wissen, ob der Markt das Richtige tut, ob es nicht ein anderes Gleichgewicht gibt, und was genau diese Situationen antreibt. Aber wenn man davon ausgeht, dann muss man sich fragen, ob die Länder in einer Krise oder in anderen Situationen nicht zumindest versuchsweise einen Standpunkt dazu einnehmen sollten, wo der Wechselkurs sein sollte. Natürlich können sie unter diesen Umständen nicht in großem Umfang auf Reserven zurückgreifen, um einen bestimmten Kurs zu verteidigen, aber sie können versuchen, den Zinssatz zu nutzen, um zu verhindern, dass er sich zu weit bewegt. Stanley Fisher. „Crises that don’t happen.“ In: Martin Feldstein (ed). International Capital Flows. Chicago: University of Chicago Press. 1999. |
Fischer St I Stanley Fischer Imf Essays From a Time of Crisis Boston: MIT 2005 Feldstein I Martin Feldstein (ed.) International Capital Flows. Chicago: University of Chicago Press. 1999. Chicago 1999 |
| Kapitalwert | Rothbard | Rothbard III 291 Kapitalwert/Rothbard: Im Fall des dauerhaften Gutes und seiner Dienstleistungen gibt es ein Gleichgewichtspreisverhältnis, das der Markt tendenziell herstellt. Der Marktpreis des gesamten Gutes ist gleich dem Gegenwartswert der Summe seiner erwarteten (zukünftigen) Mieteinnahmen oder Mietpreise. An dieser Stelle definieren wir den „Preis des Gutes als Ganzes“ (...). Def Kapitalwert/Rothbard: Der Kapitalwert eines jeden Gutes (sei es ein Konsum- oder Kapitalgut oder ein naturgegebener Faktor) ist der Geldpreis, zu dem es als langlebiges Gut gegenwärtig auf dem Markt verkauft wird. Der Begriff gilt für langlebige Güter, die künftige Leistungen verkörpern. Der Kapitalwert eines Konsumgutes entspricht in der Regel dem Gegenwartswert der Summe der erwarteten Einheitsmieten. >Relativer Preis/Rothbard, >Leihvertrag/Rothbard, >Dauerhafte Güter/Rothbard, >Preis/Rothbard, >Indirekter Tausch/Rothbard, >Geld/Rothbard, >Wert/Rothbard, >Dienstleistung/Rothbard, >Güter/Rothbard. Rothbard III 292 Der Kapitalwert zu einem bestimmten Zeitpunkt basiert auf den Erwartungen bezüglich der zukünftigen Mietpreise. Spekulation: Was passiert, wenn sich diese Erwartungen als falsch erweisen? Nehmen wir zum Beispiel an, dass der Markt erwartet, dass die Mietpreise für dieses Haus in den nächsten Jahren steigen werden, und deshalb den Kapitalwert höher als 200 Unzen ansetzt. Nehmen wir weiter an, dass die Mietpreise stattdessen tatsächlich sinken. Dies bedeutet, dass der ursprüngliche Kapitalwert auf dem Markt die Mieteinnahmen aus dem Haus überschätzt hatte. Diejenigen, die das Haus zu einem Preis von z. B. 250 Unzen verkauft haben, haben einen Gewinn erzielt, während diejenigen, die das Haus gekauft haben, um es zu vermieten, bei der Transaktion einen Verlust erlitten haben. Diejenigen, die bessere Prognosen als ihre Mitmenschen abgegeben haben, gewinnen also, während die schlechteren Prognostiker durch ihre Spekulationsgeschäfte verlieren. Es liegt auf der Hand, dass derartige monetäre Gewinne nicht einfach aus einer korrekten Vorhersage resultieren, sondern daraus, dass die Vorhersage korrekter ist als die anderer Personen. Hätten alle Individuen richtig prognostiziert, dann wäre der ursprüngliche Kapitalwert unter 200, z. B. 150, gelegen, um den schließlich niedrigeren Mietpreisen Rechnung zu tragen. In diesem Fall wäre kein solcher monetärer Gewinn entstanden. (...) die Gewinne oder Verluste sind die Folgen des freien Handelns der Gewinner und Verlierer selbst. >Spekulation/Rothbard. Rothbard III 293 Equilibirum: Das Gleichgewichtsverhältnis zwischen dem Kapitalwert auf dem Markt und der Summe der erwarteten zukünftigen Renten ist ein tägliches Gleichgewicht, das tendenziell immer vom Markt bestimmt wird. Es ist vergleichbar mit dem alltäglichen Marktgleichgewichtspreis für ein Gut, der durch Angebot und Nachfrage bestimmt wird. Das Gleichgewichtsverhältnis zwischen dem gegenwärtigen Kapitalwert und den tatsächlichen künftigen Mieten ist dagegen nur eine langfristige Tendenz, die durch die Förderung erfolgreicher Prognostiker durch den Markt gefördert wird. Dieses Verhältnis ist ein endgültiges Gleichgewicht, ähnlich wie die endgültigen Gleichgewichtspreise, die das Ziel vorgeben, zu dem die täglichen Preise tendieren. Nachfrage/Vermietung: Die Nachfrage nach dem dauerhaften Gut (...) wird nun nicht nur für den direkten Gebrauch, sondern auch, seitens anderer, für die Investition in zukünftige Vermietung nachgefragt. In ähnlicher Weise wird die reservierte Nachfrage nach dem Gut insgesamt nicht nur für den direkten Gebrauch oder für spekulative Preiserhöhungen sein, sondern auch für die zukünftige Vermietung des Gutes. Rothbard III 294 Lagerhaltung: Der Kapitalwert der Ware wird so hoch sein, dass der Gesamtbestand geräumt wird, und die Summe all dieser Nachfragen nach der Ware wird im Gleichgewicht sein. Die zurückhaltende Nachfrage der Käufer wird wie bisher auf ihre zurückhaltende Nachfrage nach Geld zurückzuführen sein, während die Verkäufer sowohl des Gutes als Ganzes als auch seiner einzelnen Leistungen Geld im Austausch verlangen werden. Markt: (...) bei jedem Konsumgut haben die Besitzer die Wahl, es entweder direkt zu konsumieren oder es gegen Geld zu verkaufen. Bei langlebigen Konsumgütern können die Besitzer eine der folgenden Möglichkeiten nutzen: Sie können das Gut direkt verbrauchen, es als Ganzes verkaufen oder es vermieten, d. h. seine einzelnen Leistungen über einen bestimmten Zeitraum hinweg verkaufen. Angebot/Gleichgewicht: Die Form der Angebotskurven sowohl auf dem Kapital- als auch auf dem Mietmarkt ist entweder rechts- und aufwärtsgerichtet oder vertikal, denn je größer das erwartete Einkommen ist, desto geringer ist der Betrag, der für die direkte Verwendung reserviert wird. Es ist klar, dass die Angebotskurven auf den beiden Märkten miteinander verbunden sind. Sie werden sich tendenziell ausgleichen, wenn die Gleichgewichtspreisbeziehung zwischen ihnen hergestellt ist. >Gleichgewichtspreis/Rothbard, >Unternehmertum/Rothbard, >Allokation/Rothbard. Rothbard III 316 Vermietung/Spekulation/Investitionen: Nicht nur die Vermietung und der Verkauf von Konsumgütern beruhen auf Schätzungen und auf der Hoffnung auf monetäre Gewinne, sondern auch die Tätigkeit aller investierenden Produzenten, der Grundpfeiler des gesamten produktiven Systems. (...) dass der Begriff „Kapitalwert“ nicht nur für langlebige Konsumgüter, sondern auch für alle nicht-menschlichen Produktionsfaktoren gilt, d.h. für Boden und Kapitalgüter, einzeln und in verschiedenen Aggregaten. Die Verwendung und der Kauf dieser Faktoren beruhen auf der Einschätzung ihrer möglichen Erträge in Form von Geldeinkommen auf dem Markt durch die Unternehmer, und es wird sich zeigen, dass ihr Kapitalwert auf dem Markt auch tendenziell gleich der abgezinsten Summe ihrer künftigen Erträge in Form von Geldeinkommen ist.(1) Rothbard III 526 Kapitalwert/Produktion/Rothbard: Das Nettosparen erhöht (…) die Bruttoinvestitionen in der Wirtschaft. Dieser Anstieg der Bruttoinvestitionen fließt zunächst in Form von Gewinnen den Unternehmen zu, die das erhöhte Geschäft betreiben. Diese Gewinne fallen insbesondere in den höheren Stufen an, in die altes Kapital verlagert und in die neues Kapital investiert wird. Wenn einem Unternehmen Gewinne zufließen, erhöht sich der Kapitalwert seines Vermögens um diesen Betrag, während die Verluste den Kapitalwert verringern. Die erste Auswirkung der neuen Investitionen besteht also darin, dass in der Wirtschaft Gesamtgewinne entstehen, die sich in den neuen Produktionsprozessen auf den höheren Stufen konzentrieren. >Produktionsstruktur/Rothbard, >Kapitalstruktur/Rothbard. Boden: (...) eine fortschreitende Wirtschaft führt zu einem Anstieg der realen Bodenrenten und zu einem Rückgang des Zinssatzes. >Miete/Rothbard, >Zinsen/Rothbard, >Investitionen/Rothbard. Rothbard III 527 Diese beiden Faktoren zusammen bewirken einen Anstieg des realen Kapitalwerts von Grund und Boden. Zukünftige Erhöhungen der realen Werte der Pachten können entweder vorweggenommen oder nicht vorweggenommen werden. In dem Maße, in dem sie vorweggenommen werden, ist der Anstieg der künftigen Pachtpreise bereits im Kapitalwert des gesamten Grundstücks berücksichtigt und abgezinst. Ein weit in der Zukunft liegender Anstieg kann zwar vorweggenommen werden, hat aber keine nennenswerten Auswirkungen auf den gegenwärtigen Bodenpreis, einfach weil die Zeitpräferenz ein sehr weit entferntes Datum außerhalb des effektiven „Zeithorizonts“ der Gegenwart ansiedelt. In dem Maße, in dem Erhöhungen des Realzinses nicht vorhergesehen werden, sind natürlich unternehmerische Fehler gemacht worden, und der Markt hat den gegenwärtigen Preis unterkapitalisiert.(2) >Land/Rothbard. Rothbard III 528 Der einzige einzigartige Aspekt von Grund und Boden (...) ist, dass er zu einem bestimmten Zeitpunkt gefunden und zum ersten Mal auf den Markt gebracht wird, so dass der erste Nutzer als Ergebnis seiner anfänglichen Entdeckung und Nutzung des Bodens eine reine Miete verdient. Alle späteren Erhöhungen des Kapitalwerts des Bodens werden in den Wert eingerechnet, entweder als unternehmerische Gewinne aufgrund besserer Prognosen oder als Zinserträge. >Kapitalisierung/Rothbard, >Kapitalstruktur/Rothbard. 1. Zu Beurteilung und Bewertung vgl. Mises, Human Action, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949. Nachdruck Ludwig von Mises Institut, 1998. S. 328-30. 2. Eine ähnliche Auffassung von kapitalisierten Gewinnen wie die hier dargestellte findet sich in Roy F. Harrod, Economic Essays (New York: Harcourt, Brace & Co., 1952), S. 198-205. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Kartelle | Mises | Rothbard III Produktion/Knappheit/Kartelle/Mises/Rothbard: „Dass die Produktion einer Ware p nicht größer ist, als sie in Wirklichkeit ist, liegt daran, dass die komplementären Produktionsfaktoren, die für eine Expansion erforderlich sind, für die Produktion anderer Waren eingesetzt wurden. . . . Auch die Produzenten von p haben die Produktion von p nicht absichtlich eingeschränkt. Das Kapital eines jeden Unternehmers ist begrenzt; er setzt es für diejenigen Projekte ein, von denen er sich durch die Befriedigung der dringendsten Nachfrage der Öffentlichkeit den höchsten Gewinn verspricht. Ein Unternehmer, dem 100 Kapitaleinheiten zur Verfügung stehen, setzt z.B. 50 Einheiten für die Produktion von p und 50 Einheiten für die Produktion von q ein. Wenn beide Linien rentabel sind, ist es seltsam, ihm vorzuwerfen, dass er nicht mehr, z.B. 75 Einheiten, für die Produktion von p eingesetzt hat. Er könnte die Produktion von p nur erhöhen, indem er die Produktion von q entsprechend einschränkt. Wenn man dem Unternehmer vorwirft, nicht mehr p produziert zu haben, muss man ihm auch vorwerfen, nicht mehr q produziert zu haben. Das heißt: Man macht den Unternehmer dafür verantwortlich, dass die Produktionsfaktoren knapp sind und die Erde kein Schlaraffenland ist.“ * Rothbard III 638 VsKartelle/Rothbard: Wenn es Antikartellisten gibt, die mit diesem Urteil nicht einverstanden sind und glauben, dass die frühere Produktionsstruktur den Verbrauchern besser gedient hat, so steht es ihnen jederzeit frei, die Faktoren Land, Arbeit und Kapital von den Dschungelführer-Agenturen und den Kautschukproduzenten wegzubieten und selbst in die Produktion der angeblich „mangelhaften“ 40 Millionen Pfund Kaffee einzusteigen. Da sie dies nicht tun, sind sie kaum in der Lage, die bestehenden Kaffeeproduzenten dafür anzugreifen, dass sie dies nicht tun. Wie Mises kurz und bündig feststellte: „Sicherlich sind diejenigen, die sich mit der Produktion von Stahl beschäftigen, nicht dafür verantwortlich, dass andere Menschen nicht ebenfalls in diesen Bereich der Produktion eingestiegen sind.... Wenn jemand dafür verantwortlich ist, dass die Zahl der Menschen, die der freiwilligen Zivilschutzorganisation beigetreten sind, nicht größer ist, dann sind es nicht diejenigen, die bereits beigetreten sind, sondern diejenigen, die es nicht getan haben."(1) *Rückübersetzt aus der englischen Quelle. 1. Mises, Planning for Freedom, S. 115–16. |
EconMises I Ludwig von Mises Die Gemeinwirtschaft Jena 1922 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Kartelle | Rothbard | Rothbard III 636 Kartelle/Rothbard: (...) ist monopolisierendes Handeln nicht eine Beschränkung der Produktion, und ist diese Beschränkung nicht eine nachweislich unsoziale Handlung? Betrachten wir zunächst den scheinbar schlimmsten Fall einer solchen Handlung: die tatsächliche Zerstörung eines Teils eines Produkts durch ein Kartell. Dies geschieht, um eine unelastische Nachfragekurve auszunutzen und den Preis zu erhöhen, um ein höheres Einkommen für die gesamte Gruppe zu erzielen. >Elastizität, >Nachfrage/Rothbard. Wir können uns zum Beispiel den Fall eines Kaffeekartells vorstellen, das große Mengen an Kaffee verbrennt. Zunächst einmal werden solche Aktionen sicherlich nur sehr selten vorkommen. Die tatsächliche Vernichtung seines Produkts ist eindeutig ein höchst verschwenderischer Akt, selbst für das Kartell; es ist offensichtlich, dass die Produktionsfaktoren, die die Erzeuger für die Produktion des Kaffees aufgewendet hatten, umsonst ausgegeben wurden. Die Produktion der gesamten Kaffeemenge hat sich als Fehler erwiesen, und die Verbrennung des Kaffees ist nur die Folge und das Spiegelbild dieses Fehlers. Wegen der Ungewissheit der Zukunft werden jedoch oft Fehler gemacht. Der Mensch könnte jahrelang in die Produktion eines Gutes investieren, das die Verbraucher vielleicht gar nicht wollen. Hätte sich beispielsweise der Geschmack der Verbraucher geändert, so dass Kaffee von niemandem mehr nachgefragt würde, unabhängig vom Preis, müsste er wieder vernichtet werden, mit oder ohne Kartell. Ein Irrtum ist sicherlich bedauerlich, aber er kann nicht als unmoralisch oder unsozial angesehen werden; niemand zielt absichtlich auf einen Irrtum ab. Wäre Kaffee ein langlebiges Gut, würde das Kartell ihn natürlich nicht vernichten, sondern für den schrittweisen Verkauf an die Verbraucher einlagern und so an dem „überschüssigen“ Kaffee verdienen. >Dauerhafte Güter/Rothbard, >Konsumgüter/Rothbard. Rothbard III 637 Freier Markt: Das ganze Konzept der „Produktionsbeschränkung“ ist also ein Trugschluss, wenn es auf den freien Markt angewendet wird. In der realen Welt der knappen Ressourcen im Verhältnis zu den möglichen Zielen beinhaltet jede Produktion eine Auswahl und die Zuteilung von Faktoren, um die am höchsten geschätzten Ziele zu erreichen. Kurz gesagt, die Produktion eines jeden Produkts ist notwendigerweise immer „eingeschränkt“. Eine solche „Beschränkung“ ergibt sich einfach aus der allgemeinen Knappheit der Faktoren und dem abnehmenden Grenznutzen jedes einzelnen Produkts. Aber dann ist es absurd, überhaupt von „Beschränkung“ zu sprechen.(1) >Produktionsfaktoren/Rothbard. Rothbard: Wir können also nicht sagen, dass das Kartell die Produktion „eingeschränkt“ hat. Rothbard III 638 Wenn es Antikartellisten gibt, die mit diesem Urteil nicht einverstanden sind und glauben, dass die frühere Produktionsstruktur den Verbrauchern besser gedient hat, steht es ihnen jederzeit frei, die Faktoren Land, Arbeit und Kapital von den Dschungelführer-Agenturen und den Kautschukproduzenten wegzubieten und selbst in die Produktion der angeblich „fehlenden“ 40 Millionen Pfund Kaffee einzusteigen. Da sie dies nicht tun, sind sie kaum in der Lage, die bestehenden Kaffeeproduzenten dafür anzugreifen, dass sie dies nicht tun. Wie Mises kurz und bündig feststellte: „Sicherlich sind diejenigen, die sich mit der Produktion von Stahl beschäftigen, nicht dafür verantwortlich, dass andere Menschen nicht ebenfalls in dieses Produktionsfeld eingestiegen sind.... Wenn jemand die Schuld daran trägt dass die Zahl der Menschen, die der freiwilligen Zivilschutzorganisation beigetreten sind, nicht größer ist, dann sind es nicht diejenigen, die bereits beigetreten sind, sondern diejenigen, die es nicht getan haben.“(2) ((s) Rückübersetzt aus der englischen Quelle). Rothbard III 640 Freier Markt/Rothbard: Die Kritik an Stahleigentümern, weil sie nicht „genug“ Stahl produzieren, oder an Kaffeebauern, weil sie nicht „genug“ Kaffee produzieren, impliziert auch die Existenz eines Kastensystems, in dem eine bestimmte Kaste dauerhaft dazu bestimmt ist, Stahl zu produzieren, eine andere Kaste, Kaffee anzubauen, usw. Nur in einer solchen Kastengesellschaft würde eine solche Kritik Sinn machen. Der freie Markt ist jedoch das Gegenteil des Kastensystems; die Wahl zwischen Alternativen impliziert in der Tat Mobilität zwischen Alternativen, und diese Mobilität gilt offensichtlich für Unternehmer oder Kreditgeber, die Geld in die Produktion investieren können. Rothbard III 642 VsKartelle: Ein gängiges Argument besagt, dass Kartellbildung Absprachen beinhaltet. Denn ein Unternehmen kann aufgrund seiner natürlichen Fähigkeiten oder der Begeisterung der Verbraucher für sein spezielles Produkt einen „Monopolpreis“ erzielen, während ein Kartell aus vielen Unternehmen angeblich „geheime Absprachen“ und „Verschwörungen“ beinhaltet. >Monopole. RothbardVs: Diese Ausdrücke sind jedoch einfach emotionale Begriffe, die eine ungünstige Reaktion hervorrufen sollen. In Wirklichkeit geht es um die Zusammenarbeit zur Erhöhung der Einkommen der Produzenten. Denn was ist das Wesentliche an einer Kartellmaßnahme? Die einzelnen Erzeuger vereinbaren, ihr Vermögen in einer gemeinsamen Anlage zusammenzulegen, wobei diese einzige zentrale Organisation die Entscheidungen über die Produktions- und Preispolitik für alle Eigentümer trifft und dann Entscheidungen über die Produktions- und Preispolitik für alle Eigentümer zu treffen und dann den finanziellen Gewinn unter ihnen aufzuteilen. Aber ist dieser Prozess nicht dasselbe wie jede Art von gemeinsamer Partnerschaft oder die Gründung einer einzigen Gesellschaft? Was geschieht bei der Gründung einer Personen- oder Kapitalgesellschaft? >Körperschaften/Rothbard. Rothbard III 644 Fusion/Kartell/Rothbard: Eine branchenweite Fusion ist in der Tat ein dauerhaftes Kartell, eine dauerhafte Kombination und Fusion. Auf der anderen Seite ist ein Kartell, das durch eine freiwillige Vereinbarung die getrennte Identität jedes Unternehmens aufrechterhält, von Natur aus eine höchst vorübergehende und flüchtige Vereinbarung und neigt, (…) im Allgemeinen dazu, auf dem Markt zu zerfallen. In vielen Fällen ist ein Kartell lediglich ein erster Schritt auf dem Weg zu einem dauerhaften Zusammenschluss. Und wie wir gesehen haben, unterscheiden sich eine Fusion und die ursprüngliche Gründung eines Unternehmens nicht wesentlich. Bei der ersten handelt es sich um eine Anpassung der Größe und Anzahl der Unternehmen einer Branche an neue Bedingungen oder um die Korrektur eines früheren Prognosefehlers. Letzteres ist ein neuer Versuch, sich an die gegenwärtigen und zukünftigen Marktbedingungen anzupassen. >Fusionen/Rothbard. Rothbard III 651 Instabilität: Die Analyse zeigt, dass ein Kartell von Natur aus eine instabile Betriebsform ist. Erweist sich die gemeinsame Bündelung von Vermögenswerten für einen gemeinsamen Zweck langfristig als gewinnbringend für die einzelnen Kartellmitglieder, so werden sie sich förmlich zu einem großen Unternehmen zusammenschließen. Das Kartell verschwindet dann mit dem Zusammenschluss. Erweist sich hingegen das gemeinsame Vorgehen für ein oder mehrere Mitglieder als unrentabel, so werden sich das oder die unzufriedenen Unternehmen vom Kartell lösen, und wie wir noch sehen werden, führt ein solches unabhängiges Vorgehen fast immer zur Zerstörung des Kartells. Die Form des Kartells ist daher zwangsläufig sehr flüchtig und instabil. Rothbard III 652 Wenn das Kartell nicht von innen heraus zerbricht, ist es sogar noch wahrscheinlicher, dass es von außen zerbricht. In dem Maße, in dem es ungewöhnliche Monopolgewinne erwirtschaftet hat, werden fremde Firmen und fremde Produzenten in das gleiche Produktionsfeld eintreten. Kurz gesagt, Außenstehende drängen in das Kartell, um von den höheren Gewinnen zu profitieren. Rothbard III 657 Das Problem des „einen großen Kartells“: (...) der freie Markt setzte der Größe des Unternehmens, d.h. den Grenzen der Kalkulierbarkeit auf dem Markt, bestimmte Grenzen. >Coase-Theorem/Rothbard. Um die Gewinne und Verluste eines jeden Zweiges berechnen zu können, muss ein Unternehmen in der Lage sein, seine internen Operationen auf die externen Märkte für die verschiedenen Faktoren und Zwischenprodukte zu beziehen. Wenn einer dieser externen Märkte wegfällt, weil alle in den Zuständigkeitsbereich eines einzigen Unternehmens fallen, verschwindet die Kalkulierbarkeit, und es gibt für das Unternehmen keine Möglichkeit mehr, die Faktoren auf rationale Weise diesem spezifischen Bereich zuzuordnen. Je mehr diese Grenzen überschritten werden, desto größer wird der Bereich der Irrationalität, und desto schwieriger wird es, Verluste zu vermeiden. Ein großes Kartell wäre gar nicht in der Lage, die Güter der Produzenten rational aufzuteilen, und könnte daher schwere Verluste nicht vermeiden. Folglich könnte es sich nie wirklich etablieren und würde, wenn es versucht würde, schnell zerbrechen. Rothbard III 660 Produktionsfaktoren: Was ist mit den Faktoren? Könnten ihre Eigentümer nicht durch das Kartell ausgebeutet werden? Erstens müsste das universelle Kartell, um wirksam zu sein, die Eigentümer von Grund und Boden einbeziehen; andernfalls könnten die Gewinne, die sie erzielen, dem Boden zugeschrieben werden. Könnte also ein universelles Kartell aller Boden- und Kapitalgüter die Arbeiter „ausbeuten“, indem es ihnen systematisch weniger als ihre abgezinsten Grenzwertprodukte zahlt? Könnten sich die Mitglieder des Kartells nicht darauf einigen, diesen Arbeitern eine sehr geringe Summe zu zahlen? Wenn dies der Fall wäre, würden sich für die Unternehmer große Möglichkeiten ergeben, entweder außerhalb des Kartells tätig zu werden oder aus dem Kartell auszubrechen und durch die Einstellung von Arbeitnehmern zu einem höheren Lohn zu profitieren. Dieser Wettbewerb hätte den doppelten Effekt, dass (a) das universelle Kartell aufbrechen und (b) die Tendenz, den Arbeitern wieder ihr Grenzprodukt zukommen zu lassen. Solange der Wettbewerb frei ist und nicht durch staatliche Beschränkungen behindert wird, kann kein universelles Kartell die Arbeitskraft ausbeuten oder für längere Zeit universell bleiben.(3) >Monopole/Rothbard. 1. Mit den Worten von Professor Mises: „Dass die Produktion einer Ware p nicht größer ist, als sie in Wirklichkeit ist, liegt daran, dass die komplementären Produktionsfaktoren, die für eine Expansion erforderlich sind, für die Produktion anderer Waren eingesetzt wurden. . . . Auch die Produzenten von p haben die Produktion von p nicht absichtlich eingeschränkt. Das Kapital eines jeden Unternehmers ist begrenzt; er setzt es für diejenigen Projekte ein, von denen er sich durch die Befriedigung der dringendsten Nachfrage der Öffentlichkeit den höchsten Gewinn verspricht. Ein Unternehmer, dem 100 Kapitaleinheiten zur Verfügung stehen, setzt z.B. 50 Einheiten für die Produktion von p und 50 Einheiten für die Produktion von q ein. Wenn beide Linien rentabel sind, ist es seltsam, ihm vorzuwerfen, dass er nicht mehr, z.B. 75 Einheiten, für die Produktion von p eingesetzt hat. Er könnte die Produktion von p nur erhöhen, indem er die Produktion von q entsprechend einschränkt. Wenn man dem Unternehmer vorwirft, nicht mehr p produziert zu haben, muss man ihm auch vorwerfen, nicht mehr q produziert zu haben. Das heißt: Man macht den Unternehmer dafür verantwortlich, dass die Produktionsfaktoren knapp sind und die Erde kein Schlaraffenland ist.“ (Mises, Planung für die Freiheit, S. 115-16) 2. Ebd. S. 115. 3. Vgl. Mises, Human Action, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1949. Nachdruck Ludwig von Mises Institut, 1998. S. 592. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Kartelle | Wirtschaftstheorien | Mause I 381f Kartelle/Wirtschaftstheorie: von Kartellen spricht man, wenn mindestens ein Wettbewerbsparameter zwischen mindestens zwei Unternehmen vertraglich festgelegt und damit der Konkurrenz entzogen wird.(1)(2) Besteht die Vereinbarung formlos, spricht man von einer Kollusion. Horizontales Preiskartell: hier wird der Preis zwischen Unternehmen abgesprochen, die direkt im Wettbewerb zueinander stehen. Dies ist aus unternehmerischer Sicht nur dann profitabel (und damit rational), wenn entweder alle Unternehmen des Marktes oder zumindest der allergrößte Teil beteiligt sind, denn andernfalls werden die Nachfrager größtenteils zu jenen Wettbewerbern abwandern, welche mit dem Kartell über den Preis konkurrieren, mithin ein günstigeres Preis-Leistungs-Verhältnis anbieten. >Preis, >Wettbewerb, >Märkte. Ist das Preiskartell marktumfassend, kann es sich wie ein Monopol verhalten. Dies ist generell wohlfahrtsschädlich, weil der Wettbewerb zum Erliegen kommt. Weitere Kartellformen sind Innovationskartell, Konditionenkartell, Standardisierungskartell, Beschaffungs- und Vertriebskartell usw. Über die Wettbewerbsschädigung kann hier keine generelle Aussage gemacht werden. Bsp Innovationskartell: hier können die Ressourcen mehrerer Unternehmen zur Forschung und Weiterentwicklung von Produkten gebündelt werden. Bsp Standardisierungskartelle: können einheitliche Normen für Stecker, Verbindungen, Adapter usw. entwickeln. 1. Choi, Jay Pill, und Heiko Gerlach, Cartels and collusion: Economic theory and experimental economics. In The Oxford handbook of international antitrust economics, Hrsg. Roger D. Blair und D. Daniel Sokol, Bd. 2, 415– 441. Oxford 2015 2. Levenstein, Margaret C., und Valerie Y. Suslow, Cartels and collusion: Empirical evidence. In The Oxford handbook of international antitrust economics, Hrsg. Roger D. Blair und D. Daniel Sokol, Bd. 2, 442– 463. Oxford 2015. |
Mause I Karsten Mause Christian Müller Klaus Schubert, Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018 |
| Kategorialgrammatik | Bar-Hillel | Lyons I 230 Kürzung/Kategoriale Grammatik/Bar-Hillel/Schreibweise/Lyons: kategoriale Klassifikation/Schreibweise/Bar-Hillel: kann als Bruch dargestellt werden: Nenner: gibt an, mit welcher anderen Kategorie z.B. ran kombiniert werden kann. I 231 Zähler: bezeichnet die resultierende Konstruktion. Bsp run: ∑ n. n: bezeichnet ein Nomen. Daraus erfahren wir, dass Bsp John ran ein grammatisch richtiger Satz ist. Kürzungsregel: Bsp So wie y mal x/y = x ist, so ist auch n x ∑/n = ∑. Problem: das System muss Folgen wie Bsp ran John ausschließen können. Lösung: wir müssen auch die Richtung spezifizieren: Bsp ∑ ‹ n. D.h. dies Ganze ist ein Element, das sich mit einem anderen linksstehenden zu einem Satz verbindet, Umgekehrt (Pfeil nach rechts) gilt dann für Adjektive wie Bsp poor, old usw.) >Kategorien/Bar-Hillel, >Grammatik, >Kategorialgrammatik, vgl. >Transformationsgrammatik, >Universalgrammatik, >Phrasenstrukturgrammatik. |
Bar-Hillel I Yehoshua Bar-Hillel Aspects of Language: Essays and Lectures on Philosophy of Language, Linguistic Philosophy and Methodology of Linguistics Jerusaelm 1970 Ly II John Lyons Semantics Cambridge, MA 1977 Lyons I John Lyons Einführung in die moderne Linguistik München 1995 |
| Kategorischer Imperativ | Mead | Habermas IV 142 Kategorischer Imperativ/Kant/Mead/Habermas: Mead nimmt Kants Gedanken von der Allgemeinheit unserer Urteile auf. Er fügt aber hinzu: Wir sind, was wir sind, durch unser Verhältnis zu anderen. Unser Ziel muss daher unvermeidlich ein gesellschaftliches Ziel sein. (1) Habermas: das gibt dem Kantischen Argument eine charakteristische Wendung: die Frage, warum moralische Normen aufgrund ihrer Allgemeinheit soziale Geltung beanspruchen dürfen, wird damit gesellschaftstheoretisch beantwortet: Habermas IV 143 Mit der Wahrung des Allgemeininteresses steht die Einheit des Kollektivs auf dem Spiel. MeadVsKant: „Kant war der Auffassung, dass wir nur die Form verallgemeinern könnten. Wir verallgemeinern jedoch aus das Ziel.“ (2) Habermas IV 144 Problem: wie erkennen wir die anderen und umfassenderen Interessen an und bringe sie in eine rationale Beziehung? (3) Die unparteiische Berücksichtigung aller Interessen setzt bereits eine moralische Haltung voraus. Lösung/Mead: wir müssen den kategorischen Imperativ durch ein Verfahren diskursiver Willensbildung ersetzen. Habermas IV 145 Das Subjekt kann nicht je für sich allein, sondern nur in Gemeinschaft mit allen übrigen Betroffenen prüfen, ob eine bestehende oder empfohlene Norm in allgemeinen Interesse ist. Habermas: Der Prozess der Verinnerlichung stößt hier an eine Grenze. >Verinnerlichung/Mead, Verinnerlichung/Habermas. Der Handelnde kann eine Reaktion antizipieren, sie aber nicht voraussehen. 1. G. H. Mead, Mind, Self and Society (Ed) Ch. W. Morris (German) Frankfurt 1969, S.429f 2. Ebenda S. 430 3. Ebenda S. 439 |
Mead I George Herbert Mead Geist, Identität und Gesellschaft aus der Sicht des Sozialbehaviorismus Frankfurt 1973 Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |
| Kaufkraft | Rothbard | Rothbard III 237 Kaufkraft/Rothbard: Für jedes Gut außer Geld ist also die Kaufkraft seiner Einheit identisch mit dem Geldpreis, den es auf dem Markt erzielen kann. Was ist die Kaufkraft der Geldeinheit? Offensichtlich kann die Kaufkraft z. B. einer Unze Gold nur im Verhältnis zu allen Gütern betrachtet werden, die mit dieser Unze gekauft werden können oder zu deren Kauf sie beitragen kann. Die Kaufkraft der Geldeinheit besteht aus der Gesamtheit der Güterpreise in der Gesellschaft in Bezug auf diese Einheit.(1) >Geld/Rothbard, >Preis/Rothbard. Rothbard III 300 Kaufkraft/Rothbard: (...) sie gibt nicht, wie man vielleicht denken könnte, einen genauen Hinweis auf die Menge an Dienstleistungen, die jedes Individuum rein aus austauschbaren Konsumgütern erhält. Ein Einkommen von 50 Unzen Gold in einem Jahr bedeutet für ihn nicht dasselbe an Dienstleistungen aus austauschbaren Gütern wie ein Einkommen von 50 Unzen in einem anderen Jahr. Die Kaufkraft des Geldes in Bezug auf alle anderen Waren ändert sich ständig, und es gibt keine Möglichkeit, solche Änderungen zu messen. >Einkommen/Rothbard, >Allokation/Rothbard. Problem: (...) als Historiker und nicht als Ökonomen können wir ungenaue Urteile abgeben, indem wir das „reale“ Einkommen und nicht das Geldeinkommen zwischen den Perioden vergleichen. >Einkommen/Rothbard. Wenn Jones also in einem Jahr 1.000 Unzen Einkommen erhielt und im nächsten Jahr 1.200, und die Preise im Laufe des Jahres allgemein gestiegen sind, ist sein „reales Einkommen“ in Form von Waren, die mit dem Geld gekauft werden können, deutlich weniger gestiegen als der nominale Geldzuwachs oder vielleicht sogar gesunken. Allerdings (...) gibt es keine genaue Methode, um die Kaufkraft des Geldes und ihre Veränderungen zu messen oder gar zu identifizieren. >Grenznutzen des Geldes/Rothbard. Rothbard III 314 Die Macht der Geldeinheit, Mengen verschiedener Güter zu kaufen, wird die Kaufkraft der Geldeinheit genannt. Diese Kaufkraft des Geldes besteht aus der Gesamtheit der gegebenen Geldpreise auf dem Markt zu einem bestimmten Zeitpunkt, ausgedrückt in den Preisen der Güter pro Geldeinheit. Regressionstheorem: (...) die heutige Kaufkraft der Geldeinheit wird durch die heutigen Grenznutzen des Geldes und der Güter, ausgedrückt in Nachfrageplänen, bestimmt, während der heutige Grenznutzen des Geldes direkt von der gestrigen Kaufkraft des Geldes abhängig ist. >Regressionstheorem. Rothbard III 762 Kaufkraft/Rothbard: Die Kaufkraft des Geldes wird durch zwei Faktoren bestimmt: einmal die Gesamtnachfrage nach Geld zum Halten und die Geldmenge, die vorhanden ist. >Geldnachfrage/Rothbard. Am bisherigen Gleichgewichtspunkt übersteigt die PPM (purchasing power of money) (...) nun die Nachfrage nach Geld (...). Die Gebote treiben die PPM nach oben, bis sie den Gleichgewichtspunkt (...) erreicht. Bei einer Verschiebung der Gesamtnachfragekurve nach links - einem Rückgang des Gesamtnachfrageplans - ist es umgekehrt. Dann sinkt die PPM entsprechend. Rothbard III 763 Gleichgewicht: Geld wird zu einer niedrigeren PPM verkauft, um die Leute zu veranlassen, es zu halten, und die PPM wird fallen, bis es einen neuen Gleichgewichtspunkt erreicht (...). Auf dem neuen Bestandsniveau gibt es einen Überschuss an Beständen, (...) über die Gesamtnachfrage nach Geld. Das Geld wird zu einer niedrigeren PPM verkauft, um die Menschen zu veranlassen, es zu halten, und die PPM wird fallen, bis er einen neuen Gleichgewichtspunkt erreicht (...). Umgekehrt wird es bei einer Verringerung der Geldmenge einen Nachfrageüberhang nach Geld zur bestehenden PPM geben, und die PPM wird steigen, bis der neue Gleichgewichtspunkt erreicht ist. Die Auswirkung der Geldmenge auf den Tauschwert ist somit in unserer Analyse einfach dargelegt (...) Die Absurdität der Einteilung der monetären Theorien in sich gegenseitig ausschließende Abteilungen (wie „Angebots- und Nachfragetheorie“, „Quantitätstheorie“, „Geldbilanztheorie“, „Warentheorie“, „Einkommens- und Ausgabentheorie“) sollte nun offensichtlich sein.(2) Denn all diese Elemente finden sich in dieser Analyse wieder. Geld ist eine Ware; sein Angebot oder seine Menge ist wichtig für die Bestimmung seines Tauschwerts; die Nachfrage nach Geld für den Kassenbestand ist ebenfalls wichtig für diesen Zweck; und die Analyse kann auf Einkommens- und Ausgabensituationen angewendet werden. >Quantitätstheorie. Rothbard III 813 Kaufkraft/Rothbard: (...) ein Anstieg der Geldmenge führt zu einem Rückgang der PPM (purchasing power per monetary unit) und ein Rückgang der Geldmenge führt zu einem Anstieg der PPM. Es gibt jedoch keinen einfachen und ereignislosen Anstieg und Fall der PPM. Denn eine Veränderung der Geldmenge erfolgt nicht automatisch gleichzeitig. Neues Geld gelangt an einem bestimmten Punkt in das System und verteilt sich dann auf diese Weise in der gesamten Wirtschaft. Die Individuen, die das neue Geld zuerst erhalten, sind die größten Gewinner der Geldvermehrung; diejenigen, die es zuletzt erhalten, sind die größten Verlierer, da alle ihre Kaufpreise vor ihren Verkaufspreisen gestiegen sind. >Kaufpreis/Rothbard, >Verkaufspreis/Rothbard, >Preis/Rothbard. Gewinne und Verluste: Monetär gesehen ist es klar, dass die Gewinne der ungefähren ersten Hälfte der Empfänger von neuem Geld durch die Verluste der zweiten Hälfte genau ausgeglichen werden. Umgekehrt, wenn das Geld irgendwie aus dem System verschwindet, z.B. durch Abnutzung oder durch Verlegen, schränkt der erste Verlierer seine Ausgaben ein und leidet am meisten, während die letzten, die die Auswirkungen einer verringerten Geldmenge spüren, am meisten gewinnen. Denn eine Verringerung der Geldmenge führt zu Verlusten für die ersten Besitzer, die einen Rückgang der Verkaufspreise erleiden, bevor ihre Kaufpreise gesenkt werden, und zu Gewinnen für die letzten, die ihre Kaufpreise fallen sehen, bevor ihr Einkommen verringert wird.(3) >Gleichgewicht/Rothbard. 1. Viele Autoren interpretieren die „Kaufkraft der Geldeinheit“ als eine Art „Preisniveau“, eine messbare Größe, die aus einer Art Durchschnitt „aller Güter zusammen“ besteht. Die großen klassischen Ökonomen haben diesen falschen Standpunkt nicht vertreten: Wenn sie ohne ausdrückliche Einschränkung vom Wert des Geldes oder vom Preisniveau sprechen, meinen sie das Preisgefüge, sowohl von Waren als auch von Dienstleistungen, in seiner ganzen Besonderheit und ohne bewusste Andeutung irgendeines statistischen Durchschnitts. (Jacob Viner, Studies in the Theory of International Trade [New York: Harper & Bros., 1937], S. 314) Vgl. auch Joseph A. Schumpeter, History of Economic Analysis (New York: Oxford University Press, 1954), S. 1094. 2. Eine typische solche Klassifizierung findet sich in Lester V. Chandler, An Introduction to Monetary Theory (New York: Harper & Bros., 1940). 3. Siehe Mises, Theory of Money and Credit, New Haven, Conn.: Yale University Press, 1953 and 1957. Nachdruck durch Liberty Fund, 1995. S. 131 - 45. |
Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Kausalerklärung | Fraassen | Schurz I 228 Kausalität/van Fraassen: These: Der Begriff des Kausalprozesses ist theorieabhängig. Schurz: dito. Schurz: (1990a(1), 277) Vorschlag: die Kausalitätsbeziehung durch Bezug auf das maximal vollständige kausale Modell ; M(A, E I W) zu explizieren. (W: Wissen über Umstände Anfangsbedingungen usw.). >Theorieabhängigkeit. Ereignis/Erklärung/Schurz: in einer deduktiv-nomologischen Ereigniserklärung müssen (i) die allgemeine Prämissen gesetzesartig sein (ii) die Konjunktion A von Antezedensprämissen muss eine im epistemischen Hintergrundsystem W akzeptable Ursache für E sein. >Deduktiv-nomologische Erklärung. 1. Schurz, G. (1990a). "Was ist wissenschaftliches Verstehen?". In: Schurz (1990, ed.) 235-267. |
Fr I B. van Fraassen The Scientific Image Oxford 1980 Schu I G. Schurz Einführung in die Wissenschaftstheorie Darmstadt 2006 |
| Kausalität | Bigelow | I 264 Erklärung/Kausalität/Bigelow/Pargetter: Problem: Wegen drohender Zirkularität können wir Kausalität (...) nicht durch Gesetze oder kontrafaktische Konditionale oder Wahrscheinlichkeit erklären. >Zirkularität, >Kontrafaktisches Konditional, >Wahrscheinlichkeit, >Gesetze, >Erklärungen, >Kausalerklärung. Kontrafaktisches Konditional/Erklärung/Bigelow/Pargetter: umgekehrt werden kontrafaktische Konditionale analysiert in Begriffen von Kausalität. Ebenso Notwendigkeit. >Notwendigkeit. Verursachung/Bigelow/Pargetter: Verursachung muss unanalysierter Grundbegriff sein. Sie ist ein strukturelles Universale. Fundamentale Kräfte spielen eine Hauptrolle. >Grundbegriffe, >Verursachung, >Universalien, >Kräfte. Kräfte/Bigelow/Pargetter: sind Vektoren. >Vektoren. I 265 Kausalität/Verursachung/Erklärung/Bigelow/Pargetter: Zunächst widerlegen wir einige gängige Theorien. Verursachung/Tradition/Bigelow/Pargetter: Verursachung wird oft als eine Art „notwendige Verbindung“ angesehen. Normalerweise wird das so ausgedrückt, dass entweder die Ursache notwendig für die Wirkung ist oder die Wirkung eine notwendige Folge der Ursache. Dann ist die Ursache entweder eine notwendige oder eine hinreichende Bedingung oder beides. >Ursache, >Wirkung. Schwächer: einige Autoren: Es sei nur unwahrscheinlich, eine Ursache ohne Wirkung (oder umgekehrt) zu finden. (probabilistische Theorien der Verursachung, Lewis 1979(1), Tooley 1987(2)). >Stärker/schwächer, >Stärke von Theorien. „Notwendigkeits-Theorien“/Bigelow/Pargetter: sollten erklären, auf was für einer Art von Notwendigkeit sie beruhen. Ursache/Wirkung/BigelowVsTradition/BigelowVsLewis/Bigelow/Pargetter: These: Eine Ursache muss weder eine hinreichende noch eine notwendige Ursache für eine Wirkung sein, die Wirkung hätte ohne eintreten können oder durch eine andere Ursache, oder ohne Ursache überhaupt! Man kann auch nicht immer eine hohe Wahrscheinlichkeit annehmen! Eine Ursache muss nicht immer die Wahrscheinlichkeit eines Ereignisses erhöhen! I 266 Hume/Bigelow/Pargetter: Das haben wir von Hume gelernt. (HumeVsLewis). Kausalität/Hume/Bigelow/Pargetter: Humes Auffassung von der Kausalität hat einen theologischen Hintergrund, (von Descartes und Malebranche her): These: Es konnte nicht sein, dass Gott durch irgendwelche Beschränkungen gefesselt wäre. >Kausalität/Hume. Daher konnte es nicht sein, dass Gott gezwungen sein würde, der Wirkung zu erlauben, zu folgen. Immer müsste es aus Gottes freier Wahl entstehen und damit jedes Mal ein Wunder sein. Hume/Bigelow/Pargetter: Humes Theorie eliminiert daraus einfach Gott. Hume bittet uns einfach uns vorzustellen, dass die Wirkung es unterlassen könnte, aus der Ursache zu folgen. Vgl. >Ursache/Nietzsche. Bigelow/Pargetter: Damit hat er Recht! Es ist nicht nur logisch möglich, sondern auch empirisch möglich! >Möglichkeit, >Logische Möglichkeit, >Metaphysische Möglichkeit. Vorstellung/Hume/Bigelow/Pargetter: Vorstellung ist für Hume der Führer zur Möglichkeit. Damit schwenkt er von einem theologischen zu einem psychologischen Argument. Ursache/Bigelow/Pargetter: Ursachen sind keine hinreichenden Bedingungen. Sie sind auch nicht immer notwendig! >Hinreichendes. I 267 Lösung/Hume/Bigelow/Pargetter: Innere Erwartungen von Regularitäten. >Regularität. Ursache/Hume/Bigelow/Pargetter: Nach Hume darf „hinreichend“ nicht modal aufgefasst werden. D.h. dass „hinreichend“ nicht realistisch aufgefasst werden darf. >Modalitäten, >Modallogik, >Realismus. BigelowVsHume: Hume ging zu weit in seiner Zurückweisung von Notwendigkeit in Gesetzen. Aber nicht weit genug in seiner Zurückweisung des Notwendigkeits-Ansatzes der Kausalität. 1. Lewis, D. K. (1979) Counterfactual dependence and time's arrow, Nous 13 pp.455-76 2. Tooley, M. (1987). Causation. A realist's approach. Oxford: Clarendon Press. |
Big I J. Bigelow, R. Pargetter Science and Necessity Cambridge 1990 |
| Kausalität | Davidson | Glüer II 104 ff Kausalität/Davidson: die Kausalrelation selbst ist beschreibungsunabhängig! Sie besteht zwischen Ereignistokens, ganz gleich, wie sie beschrieben sind. Kausalgesetze indessen operieren auf der Beschreibungsebene, beziehen sich also auf Ereignistypen. Kausalgestze sind strikte Gesetze, d.h. sie gelten ausnahmslos. Solche Gesetze kann es nur in einem abgeschlossenen Rahmen also einem System nomologischer Sätze geben. McDowell I 100 Kausalität/Begriffe/Davidson/McDowell: die Objekte, die die sui generis Begriffe erfüllen, stehen zu ihresgleichen und zu anderen Dingen in kausalen Beziehungen. Das gefährdet aber nicht die These, wonach kausale Beziehungen nur zwischen Bewohnern des Bereichs der Naturgesetze bestehen. McDowell: Ein Grund kann demnach eine Ursache sein, obwohl er nicht kraft seiner rationalen Beziehungen in kausalen Beziehungen steht. Rorty VI 179 ff Kausalität/Rorty: Kausalität spielt bei der Bestimmung dessen, was wir sagen und glauben, eine unentbehrliche Rolle. Es ist im Allgemeinen unmöglich, zuerst Überzeugungen und ihren Sinn zu ermitteln, und dann zu fragen, welches ihre Ursachen sind. Davidson I 59 Kausalität/Davidson: die kausalen Beziehungen zwischen Welt und Überzeugung sind nicht deshalb maßgeblich, weil sie Belege liefern, sondern weil sie auch für andere erkennbar sind. - (>Kommunikation/Davidson). Horwich I 452 Kausalität/Überzeugung/Davidson/Rorty: Erklärung braucht keine Kausalität, wie z.B. Kommunikation durch gleichzeitige Anwesenheit am selben Ort zu erklären. - Wir wissen nicht wie es für die Leute wäre, wenn sie nicht da wären. - Genauso: Bsp Wahrheit hat keinen erklärenden Gebrauch. - Wir wissen nicht. wie es wäre, wenn die meisten Überzeugungen falsch wären. Richard Rorty (1986), "Pragmatism, Davidson and Truth" in E. Lepore (Ed.) Truth and Interpretation. Perspectives on the philosophy of Donald Davidson, Oxford, pp. 333-55. Reprinted in: Paul Horwich (Ed.) Theories of truth, Dartmouth, England USA 1994 |
Davidson I D. Davidson Der Mythos des Subjektiven Stuttgart 1993 Davidson I (a) Donald Davidson "Tho Conditions of Thoughts", in: Le Cahier du Collège de Philosophie, Paris 1989, pp. 163-171 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (b) Donald Davidson "What is Present to the Mind?" in: J. Brandl/W. Gombocz (eds) The MInd of Donald Davidson, Amsterdam 1989, pp. 3-18 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (c) Donald Davidson "Meaning, Truth and Evidence", in: R. Barrett/R. Gibson (eds.) Perspectives on Quine, Cambridge/MA 1990, pp. 68-79 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (d) Donald Davidson "Epistemology Externalized", Ms 1989 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (e) Donald Davidson "The Myth of the Subjective", in: M. Benedikt/R. Burger (eds.) Bewußtsein, Sprache und die Kunst, Wien 1988, pp. 45-54 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson II Donald Davidson "Reply to Foster" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Davidson III D. Davidson Handlung und Ereignis Frankfurt 1990 Davidson IV D. Davidson Wahrheit und Interpretation Frankfurt 1990 Davidson V Donald Davidson "Rational Animals", in: D. Davidson, Subjective, Intersubjective, Objective, Oxford 2001, pp. 95-105 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Rorty I Richard Rorty Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997 Rorty II Richard Rorty Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000 Rorty II (b) Richard Rorty "Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (c) Richard Rorty Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (d) Richard Rorty Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (e) Richard Rorty Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (f) Richard Rorty "Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty II (g) Richard Rorty "Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993 In Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000 Rorty III Richard Rorty Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992 Rorty IV (a) Richard Rorty "is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (b) Richard Rorty "Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (c) Richard Rorty "Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty IV (d) Richard Rorty "Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106 In Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993 Rorty V (a) R. Rorty "Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998 Rorty V (b) Richard Rorty "Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984 In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty V (c) Richard Rorty The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992) In Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988 Rorty VI Richard Rorty Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000 Horwich I P. Horwich (Ed.) Theories of Truth Aldershot 1994 |
| Kausalität | Gould | II 59 Kausalität/Gould: Def Haplodiploid: Die Männchen entwickeln sich aus unbefruchteten Eiern und haben keinen Vater. Befruchtete Eier dagegen erzeugen diploide Weibchen. Damit kann die Anzahl der Weibchen gesteuert werden. II 57 Dieses faszinierende System kann dazu beitragen, den Ursprung der sozialen Systeme bei Ameisen zu erklären. Oder auch, Bsp dass eine männliche Milbe vor ihrer eigenen Geburt stirbt, nachdem sie im Mutterleib ihre Schwestern befruchtet hat. Die Biologen waren durch diese Beobachtungen so fasziniert, dass sich in viele Beschreibungen eine subtile Umkehrung der Kausalität eingeschlichen hat: Allein das Bestehen des Haplodiploidismus wird elegant mit der Entscheidung "für" ein besseres Sozialsystem Bsp der Ameisen in Verbindung gebracht. II 61 GouldVs: Haplodiploide Vorfahren waren sicherlich noch nicht gänzlich sozial, das hat sich erst als "phylogenetischer Zusatzgedanke" in einigen unabhängigen Stämmen entwickelt. Umwelt solcher Stämme: ist jedes einzelne Weibchen! Selbst ein unausgewachsenes wird zu einer möglichen Begründerin neuer Kolonien, da es ganz allein in der Lage ist, eine Generation von Männchen zu erzeugen, mit denen es sich paaren kann, um eine neue Generation von Weibchen ins Leben zu rufen. Häufiger Fehler: Dass die augenblickliche Nützlichkeit einer Eigenschaft die Rückfolgerung auf die Gründe ihres Ursprungs zuließe. Ursprung und gegenwärtige Nützlichkeit sind jedoch zwei ganz unterschiedliche Themen. Komplexe Eigenschaften bersten vor Möglichkeiten: Ihre denkbaren Verwendungen sind nicht auf ihre ursprünglichen Funktionen beschränkt. Bsp Die Gleichgewichtsflossen der Fische wurden zu antreibenden Gliedern. >Eigenschaften, >Nutzen, >Evolution, >Erklärung. |
Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Kausalität | KI-Forschung | Norvig I 827 Kausalität/Kausalitätsnetzwerke/AI-Forschung/Norvig/Russell: Die Fähigkeit, die Struktur von Bayesschen Netzwerken zu erlernen, ist eng mit der Frage der Wiederherstellung kausaler Informationen aus Daten verbunden. Das heißt, ist es möglich, Bayessche Netze so zu lernen, dass die wiederhergestellte Netzstruktur echte kausale Einflüsse anzeigt? Viele Jahre lang sind Statistiker dieser Frage ausgewichen, da sie der Meinung waren, dass Beobachtungsdaten (im Gegensatz zu Daten, die aus experimentellen Versuchen gewonnen wurden) nur korrelierende Informationen liefern könnten - schließlich könnten zwei Variablen, die miteinander in Beziehung zu stehen scheinen, in Wirklichkeit von einem dritten, unbekannten kausalen Faktor beeinflusst werden, anstatt sich direkt zu beeinflussen. Pearl (2000)(1) hat überzeugende gegenteilige Argumente vorgebracht, die zeigen, dass es in der Tat viele Fälle gibt, in denen Kausalität festgestellt werden kann. Außerdem entwickelte er den Kausalitätsnetzwerkformalismus, um Ursachen und Wirkungen von Interventionen sowie gewöhnliche bedingte Wahrscheinlichkeiten auszudrücken. >Philosophische Theorien zur Kausalität. 1. Pearl, J. (2000). Causality: Models, Reasoning, and Inference. Cambridge University Press. |
Norvig I Peter Norvig Stuart J. Russell Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010 |
| Kausalität | Locke | Euchner I 36ff Kausalität/Locke: Kausalität ist durchaus beobachtbar, Kräfte, Einwirkungen, Umformungen, können sogar aus nichts entstehen. I 48 Kausalität/Locke: Sinne nehmen Wirkkräfte wahr. - Doch die Ideen, die dabei entstehen, zeigen nur die Oberfläche der Phänomene, die den Wirkkräften in den Körpern nicht gleicht. Über sie brauchen wir zusätzliche Überlegungen. >Sinneseindruck, >Wahrnehmung/Locke, >Idee/Locke. |
Loc III J. Locke An Essay Concerning Human Understanding Loc I W. Euchner Locke zur Einführung Hamburg 1996 |
| Kausalrelation | Armstrong | Martin II 134 Notwendige Kausalrelation/Martin: Bsp Eckige Stifte passen nicht in runde Löcher in der Weise, wie runde Stifte passen. Kontingente Kausalrelation: Bsp Gefrierendes Wasser dehnt sich aus. Gefroren: wird nicht durch Volumen definiert, sondern durch Mikrostruktur. Place IV 154 Humesche Sicht/Place: eine logische Relation wie Notwendigkeit oder Kontingenz besteht nur zwischen Propositionen. Kausalrelationen sind nur zwischen aktualen und einzelnen Situationen möglich. Situation: a) Zustände: Eigenschaften ändern sich nicht - b) Ereignis: Eigenschaften ändern sich. Kausale Notwendigkeit: ist eine Sache von kontrafaktischen Konditionalen. - In der Natur gibt es keine logische Notwendigkeit (de re, HumeVsKripke). >Notwendig a posteriori/Kripke. Kausale Notwendigkeit ist ein Spezialfall von logischer Notwendigkeit. - Aussagen über kausale Notwendigkeit sind immer kontingent, wenn die Leugnung sie nicht widersprüchlich macht. - Die entsprechenden Situationen sind getrennt. Place IV 155 Dispositionale Eigenschaften/Place: werden gebraucht, weil wir bei Kausalrelation über Sätze reden, nicht über ihre Wahrmacher. - Die Dispositionsaussage liefert die Prämisse. - Die Wahrheit einer Proposition hängt von Situationen als Wahrmachern ab, aber ein Wahrmacher kann nicht einfach in der Gegenüberstellung von Wirkung und Ursache bestehen. >Wahrmacher/Armstrong. Sonst wäre die notwendige Verbindung gerade ausgelassen, die das kontrafaktische Konditional liefert. - Die Kontingenz bezieht sich auf Kausalaussagen, nicht auf die Relation zwischen Situationen. |
Armstrong I David M. Armstrong Meaning and Communication, The Philosophical Review 80, 1971, pp. 427-447 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Armstrong II (a) David M. Armstrong Dispositions as Categorical States In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (b) David M. Armstrong Place’ s and Armstrong’ s Views Compared and Contrasted In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (c) David M. Armstrong Reply to Martin In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Armstrong II (d) David M. Armstrong Second Reply to Martin London New York 1996 Armstrong III D. Armstrong What is a Law of Nature? Cambridge 1983 Martin I C. B. Martin Properties and Dispositions In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Martin II C. B. Martin Replies to Armstrong and Place In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Martin III C. B. Martin Final Replies to Place and Armstrong In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Martin IV C. B. Martin The Mind in Nature Oxford 2010 Place I U. T. Place Dispositions as Intentional States In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Place II U. T. Place A Conceptualist Ontology In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Place III U. T. Place Structural Properties: Categorical, Dispositional, or both? In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Place IV U. T. Place Conceptualism and the Ontological Independence of Cause and Effect In Dispositions, Tim Crane London New York 1996 Place V U. T. Place Identifying the Mind: Selected Papers of U. T. Place Oxford 2004 |
| Kausalrelation | Lewis | V 187 Kausalkette/Störung/Wissen/Ethik/Lewis: Eine Kausalkette sollte unempfindlich sein gegen Störung. Wissen/Bennett: Jemand, der die Kausalkette (die durch eine "Zufallsmaschine" gestört wird) besser überblickt, tötet. Jemand, der sie nicht überblickt, tötet nicht (Lewis dito). --- Schwarz I 151 Kausalbeziehungen/Schwarz: Kausalbeziehungen bestehen nicht zwischen Eigenschaften oder Zustandstypen. >Eigenschaft/Lewis. |
Lewis I David K. Lewis Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989 Lewis I (a) David K. Lewis An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (b) David K. Lewis Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972) In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis I (c) David K. Lewis Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980 In Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989 Lewis II David K. Lewis "Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979 Lewis IV David K. Lewis Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983 Lewis V David K. Lewis Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986 Lewis VI David K. Lewis Konventionen Berlin 1975 LewisCl Clarence Irving Lewis Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970 LewisCl I Clarence Irving Lewis Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991 Schw I W. Schwarz David Lewis Bielefeld 2005 |
| Kennzeichnungen | Quine | I 320 Elimination von singulären Kennzeichnungen: keine Wahrheitswertlücken mehr, sondern jetzt sind alle Aussagen, die sie enthalten, falsch: "..y.. und ausschließlich y" statt "y=(ix)(..x..)" wenn auf nichts zutreffend. >Wahrheitswertlücken. I 328f Kennzeichnungen wiederbelebt: sie sind jetzt in allen Positionen möglich. - Sokrates ist dann wieder als singulärer Term definierbar. Zitate: Namen von sprachlichen Gebilden - sie bringen die nichtbezeichnenden Vorkommnisse der entsprechenden Termini zum Verschwinden. II 75 ff Russell/Theorie der Kennzeichnungen: Termini werden nicht durch Äquivalenz, sondern durch Paraphrase definiert - Bezugnahme ist nur simuliert, nicht festgelegt. >Referenz, >Äquivalenz, >Definition. VII (i) 167 Kennzeichnungen/Quine: sind singuläre Termini. III 279 Kennzeichnung/Synonymie/Quine : ob eine Kennzeichnungsprämisse überhaupt zur Verfügung steht, hängt von einer angemessenen Übersetzung ab, und diese wiederum von dem vagen Begriff der Synonymie. Was für uns synonym ist, hängt davon ab, was man in seiner individuellen Lerngeschichte zuerst kennengelernt hat. Lösung/Quine: wir trennen die Logik von der Empirie ab, indem wir die Priorität der Prädikate betonen: wir bestehen darauf, dass das, was wir durch Anschauung lernen, niemals Bezeichnungen, sondern nur Prädikate sind. ((s) Diese gebrauchen wir dann in den Kennzeichnungen als Bausteine.) III 280 Prädikat/Quine: (statt Kennzeichnung) soll dann nur auf dieses (gezeigte) Objekt zutreffen. Dann erklären wir „(ix)Fx“ als die eigentliche Bezeichnung, wobei „F“ für dieses Grundprädikat steht. Das betrifft gar nicht die Erkenntnistheorie. Kennzeichnung/sing Term/Quine: dann hindert uns nichts mehr, alle singulären Termini als Kennzeichnungen anzusehen! Dann brauchen wir, wenn Bsp „Der Autor von Waverley“ gegeben ist, uns nicht damit aufzuhalten, das richtige „F“ für die Übersetzung in die Kennzeichnung „(ix)Fx“ zu suchen. Wir lassen folgendes zu: „(ix)(x ist Zerberus)“ (>Einhorn als >Kennzeichnung). Jede weniger stümperhafte Übersetzung würde sich davon höchstens in der Deutlichkeit, nicht aber in der Bedeutung unterscheiden. Singuläre Termini/Quine: alle als Kennzeichnungen zu behandeln, bringt den Vorteil, III 281 einen Unterschied zu nicht kennzeichnenden singulären Termini zu ersparen. Der Streit über Kennzeichnungen wird zu einem über Prädikate. III 293 Kennzeichnung/Gleichheitszeichen/Quine: wenn wir das Gleichheitszeichen haben, können wir uns den Luxus leisten, Kennzeichnungen einzuführen, ohne sie als primitive Grundbegriffe rechnen zu müssen. Denn mit dem Gleichheitszeichen können wir eine Kennzeichnung aus jedem Satz eliminieren. >Gleichheitszeichen/Quine. |
Quine I W.V.O. Quine Wort und Gegenstand Stuttgart 1980 Quine II W.V.O. Quine Theorien und Dinge Frankfurt 1985 Quine III W.V.O. Quine Grundzüge der Logik Frankfurt 1978 Quine V W.V.O. Quine Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989 Quine VI W.V.O. Quine Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995 Quine VII W.V.O. Quine From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953 Quine VII (a) W. V. A. Quine On what there is In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (b) W. V. A. Quine Two dogmas of empiricism In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (c) W. V. A. Quine The problem of meaning in linguistics In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (d) W. V. A. Quine Identity, ostension and hypostasis In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (e) W. V. A. Quine New foundations for mathematical logic In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (f) W. V. A. Quine Logic and the reification of universals In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (g) W. V. A. Quine Notes on the theory of reference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (h) W. V. A. Quine Reference and modality In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VII (i) W. V. A. Quine Meaning and existential inference In From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953 Quine VIII W.V.O. Quine Bezeichnung und Referenz In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Quine IX W.V.O. Quine Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967 Quine X W.V.O. Quine Philosophie der Logik Bamberg 2005 Quine XII W.V.O. Quine Ontologische Relativität Frankfurt 2003 Quine XIII Willard Van Orman Quine Quiddities Cambridge/London 1987 |
| Kennzeichnungstheorie | Dummett | III (b) 68 Def „Kennzeichnungstheorie"/Kripke: Laut Kripke die falsche Theorie, dass jeder Name denselben Sinn habe wie eine bestimmte Kennzeichnung. Dummett: in der Tat ist es für Freges Auffassung wesentlich, dass ein Name denselben Sinn wie eine bestimmte Kennzeichnung haben kann. >Wiedererkennen. III (c) 135 Zuschreibung/Frege: Zuschreibung von reinem Gegenstandswissen ohne weitere Kennzeichnung des Sinns ist unverständlich. Ein Gegenstand muss irgendwie gegeben sein. Es kann kein "bloßes Wissen des Bezugs" geben. Kennzeichnungstheorie/Kripke/RussellVsFrege/Dummett: wird Frege tendenziöserweise zugeschrieben. ((s) Letztlich die Auffassung, Namen seien "verdeckte Kennzeichnungen", das wird von Frege damit aber nicht behauptet.) Frege geht es darum, dass Bezug ohne Sinn (Bedeutung) nicht möglich ist. III (c) 151 Kennzeichnungstheorie/Namen/Dummett: Die Theorie leitet ihre beträchtliche Plausibilität aus dem Umstand her, dass jemand, der einen Eigennamen nicht kennt, durch eine verbale Erklärung mit ihm vertraut gemacht werden kann. Modifizierte Fassung der KT: zwei Merkmale: 1. Es gibt gewöhnlich mehr als eine legitime Einführung eines Eigennamens. Die Weisen zusammen bieten mehr, als zur Einführung nötig ist. 2. Für jeden Konflikt stehen im Voraus mehrere Lösungen zur Verfügung. Das kann man so ausdrücken, dass eine gewichtete Mehrzahl von Sätzen die den Namen enthalten, sich als wahr erweisen muss. >Weise des Gegebenseins. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Kirche | Marsilius von Padua | Höffe I 178 Kirche/Marsilius/Höffe: Im Sinne der Bergpredigt fordert Marsilius für die Kirche, was ihr Gründer, Christus, vorgelebt habe: das Ideal der Armut, gemäß der Bergpredigt sogar die höchste Form der Armut(1). Nahrung und Kleidung sollte der Geistlichkeit genügen. Schon Thomas und Dante sehen die Leitaufgabe eines Gemeinwesens im Frieden. Erst Marsilius macht sie zu einer ausschließlich innerweltlich zu lösenden, ebenso bloß innerweltlich, rein rational und theologiefrei zu begründenden Aufgabe. Höffe I 181 Marsilius' Denken ist (...) zukunftsweisend, weil es sogar die Kirche den Gedanken der Volkssouveränität und des Republikanismus unterwirft. Analog zur politischen Gemeinschaft, der Gesamtheit aller Bürger (universitas civium), sei die Kirche als Gesamtheit der Gläubigen (universitas fidelium), zu verstehen, die an den Namen Christi glauben und ihn anrufen. Aus diesem Grund erhalte die Geistlichkeit ihre Legitimation aus der Gesamtheit von Gläubigen. >Demokratie/Marsilius. Konzil/Marsilius: An der Versammlung der Gläubigen, dem Konzil, sollen zwar nicht nur Priester, theologische Fachleute und geeignete Persönlichkeiten, jedenfalls nicht bloß Kleriker, sondern auch Laien teilnehmen. Noch deutlicher als beim menschlichen Gesetz, also den weltlichen Fragen, wird aber die «unerfahrene Masse» ausgeschlossen. Weltliche Herrschaft: Weil die Kirche mit ihrer äußeren Gestalt in der Welt existiert, ist sie der für die Welt zuständigen Gewalt, dem politischen Gemeinwesen, zu- und untergeordnet. Die Geistlichen, von den Diakonen über die Priester und Ordensmitglieder bis zu den Bischöfen und Äbten, bekleiden nämlich laut Marsilius ein öffentliches, für die Seelsorge und den Kultus zuständiges Amt. 1. Marsilius. Defensor pacis II, 11 |
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| Klassen | Marx | Rothbard II 381 Klassen/Gesellschaft/Marx/Rothbard: Es gibt einen gravierenden inneren Widerspruch im Herzen des Marxschen Systems, in Marx' entscheidendem Begriff der Klasse. In der Marxschen Dialektik stehen sich zwei mächtige gesellschaftliche Klassen in einem inhärenten Konflikt gegenüber, die Herrschenden und die Beherrschten. In den ersten beiden großen Konflikten der Geschichte, dem „orientalischen Despotismus“ und dem „Feudalismus“, werden die sozialen Klassen von Marx (...) als vom Staat privilegierte oder belastete Klassen definiert. So leiten im „orientalischen Despotismus“ oder der „asiatischen Produktionsweise“ der Kaiser und seine technokratische Bürokratie den Staat und bilden dessen „herrschende Klasse“. Problem/RothbardVsMarx: Aber dann, als Marx zum Kapitalismus kommt, ändern sich plötzlich die Klassenkategorien, ohne dass dies anerkannt wird. Jetzt ist die herrschende Klasse Rothbard II 382 nicht einfach als die Klasse definiert, die den Staatsapparat führt. Plötzlich ist der ursprüngliche Akt der Herrschaft oder „Ausbeutung“ der freiwillige Lohnvertrag auf dem Markt, der eigentliche Akt, bei dem ein Kapitalist einen Arbeiter einstellt und der Arbeiter zustimmt, eingestellt zu werden. Für Marx begründet dies an sich schon ein gemeinsames „Klasseninteresse“ der Kapitalisten, die eine „gemeinsame Klasse“ von Arbeitern ausbeuten. Marx war zwar auch der Meinung, dass diese „Kapitalistenklasse“ den Staat leitet, aber nur als „Exekutivkomitee der herrschenden Klasse“, d.h. einer herrschenden Klasse, die zuvor auf dem freien Markt, aufgrund des Lohnsystems, existierte. Das, was Marx als Analytiker der orientalischen Despotie oder des Feudalismus als Ausbeutung der herrschenden Klasse bezeichnen würde, existiert also auch im Kapitalismus, aber nur als Zusatz zur bereits bestehenden kapitalistischen Ausbeutung der Arbeiter durch das Lohnsystem. Die Ausbeutung durch die herrschende Klasse im Kapitalismus ist einzigartig, da sie eine doppelte Ausbeutung ausübt: erstens auf dem Markt als Teil des Lohnvertrags und zweitens die angebliche Ausbeutung durch den Staat als Exekutivkomitee der herrschenden Klasse. RothbardVsMarx: Es sollte offensichtlich sein, dass Marx' Analyse der Klasse an diesem Punkt ein Mischmasch ist, in völliger Unordnung; zwei widersprüchliche Definitionen von Klasse sind ineinander verkeilt, unverbunden und uneingestanden. Warum sollte ausgerechnet der Kapitalismus eine „doppelte“ Ausbeutung erheben können, die keine andere herrschende Klasse im Marx'schen Geschichtsschema je genießen kann? Probleme: Wie können „Kapitalisten“, selbst in derselben Branche, geschweige denn im gesamten Gesellschaftssystem, irgendetwas Entscheidendes gemeinsam haben? Genauso wenig kann es eine „Arbeiterklasse“ mit gemeinsamen Klasseninteressen auf dem freien Markt geben. Arbeiter konkurrieren miteinander, genauso wie Kapitalisten oder Unternehmer miteinander konkurrieren. Noch einmal: Wenn Gruppen von Arbeitnehmern Rothbard II 383 den Staat nutzen können, um andere Gruppen auszuschließen, können sie eine herrschende Klasse gegenüber den ausgeschlossenen Gruppen werden. Wenn also staatliche Einwanderungsbeschränkungen neue Arbeitskräfte fernhalten, können die einheimischen Arbeiter (zumindest kurzfristig) auf Kosten der Einkommen der Einwanderer profitieren; oder wenn weiße Arbeiter schwarze Arbeiter durch staatlichen Zwang von qualifizierten Arbeitsplätzen fernhalten können (wie es in Südafrika geschah), wird die erstere zu einer privilegierten oder herrschenden Klasse auf Kosten der letzteren. Rothbard: (...) jede Gruppe, die es schafft, den Staat zu kontrollieren oder von ihm Privilegien zu erlangen, kann ihren Platz unter den Ausbeutern einnehmen: das können bestimmte Gruppen von Arbeitern sein, oder Geschäftsleute, oder Mitglieder der Kommunistischen Partei, oder was auch immer. Es gibt keinen Grund für die Annahme, dass nur „Kapitalisten“ solche Privilegien erwerben können. >Klassenkampf/Marx. Rothbard II 384 Definition von Klassen/Klassendefinition/Marx/Rothbard: (...) in Marx' theoretischem Hauptwerk, dem Kapital, gibt es keinen Versuch einer Definition von Klasse. Zu Marx' Lebzeiten (1867) wurde nur ein unvollständiger Band I veröffentlicht, zu dem Zeitpunkt hatte er die Arbeit an dem Buch im Wesentlichen abgeschlossen. Nach Marx' Tod im Jahr 1883 überarbeitete Engels das verbleibende Manuskript, redigierte es und veröffentlichte es in zwei weiteren Bänden (1885, 1894).(1) Erst im berühmten allerletzten Kapitel des dritten Bandes unternimmt Marx schließlich den Versuch, das zu definieren, worüber er und Engels vier Jahrzehnte lang gesprochen und geschrieben hatten. Es ist ein unvollendetes Kapitel von verblüffender Kürze - fünf kurze Absätze. In diesem Kapitel, „Klassen“, beginnt Marx mit der klassischen Ricard'schen Trias: dass die Quellen des Einkommens in der Marktwirtschaft Löhne, Gewinne und Mieten sind und dass die Empfänger dieses Einkommens die „drei großen Klassen der modernen Gesellschaft“ bilden - Arbeiter, Kapitalisten und Grundbesitzer. Rothbard II 385 Marx: (...) [es gibt] eine unendliche Zersplitterung des Interesses und des Ranges, in die die gesellschaftliche Arbeitsteilung sowohl die Arbeiter als auch die Kapitalisten und Grundbesitzer spaltet - letztere z.B. in Besitzer von Weinbergen, Ackerbauern, Waldbesitzer, Bergwerksbesitzer und Fischereibesitzer.(1) Rothbard: Eben. Marx hat es sehr gut gesagt; sein geliebter Zwei-Klassen-Monolith (...) liegt völlig in Trümmern. >Klassen/Mises. Rothbard II 392 Ricardo/Marx: Als Karl Marx sich in die Ökonomie des Kapitalismus stürzte (...), fand er eine wunderbare Waffe griffbereit: die Ricardianische Ökonomie. Im Gegensatz zu J.B. Say und der französischen Tradition konzentrierte sich Ricardo nicht auf den Markttausch und seine unvermeidliche Konzentration auf einzelne Akteure und Wechsler, die vom Tausch profitieren, sondern auf die „Produktion“, gefolgt von der „Verteilung“ des Einkommens als einem eigenen und separaten Prozess. Ricardos Hauptaugenmerk lag auf der Frage, wie dieses gesellschaftliche Einkommen aus der Produktion „verteilt“ wird. Während Say oder Turgot die einzelnen Produktionsfaktoren und die Art und Weise betrachteten, wie ihr Einkommen aus der Produktion und dem Austausch entsteht, konzentrierte sich Ricardo nur auf ganze, vermeintlich homogene „Klassen“ von Produzenten: Arbeiter, die Löhne verdienen, Kapitalisten, die „Gewinne“ erzielen und Vermieter, die Mieteinnahmen erzielen. Für Gegenargumente gegen Marx siehe >Klassen/Mises. 1. Während der 1870er Jahre ließ Marx Engels glauben, dass er hart und kontinuierlich an den Bänden II und III des Kapitals arbeitete. Nach Marx' Tod stellte Engels mit Erstaunen fest, dass Marx seit 1867 praktisch nicht mehr an dem Manuskript gearbeitet hatte, kurzum, dass Marx seinen Freund und Gönner schamlos belogen hatte. Siehe W.O. Henderson, The Life of Friedrich Engels (London: Frank Cass, 1976), 1 1, p. 563. |
Marx I Karl Marx Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Klassen | Mises | Rothbard II 404 Klassen/Mises/Rothbard: Mises: „Die Theorie des unversöhnlichen Klassenkonflikts ist unlogisch, wenn sie bei der Aufteilung der Gesellschaft in drei oder vier große Klassen stehen bleibt. Wenn man die Theorie zu Ende denkt, müsste sie die Gesellschaft immer weiter in Interessengruppen auflösen, bis sie zu Gruppen gelangt, deren Mitglieder genau dieselbe Funktion erfüllen. Es reicht nicht aus, die Eigentümer in Grundbesitzer und Kapitalisten zu unterteilen. Die Differenzierung muss so weit gehen, bis sie zu Gruppen wie den Baumwollspinnern, die die gleiche Garnstärke herstellen, oder den Herstellern von schwarzem Ziegenleder oder den Brauern von Leichtbier gelangt.... Es gibt kein besonderes gemeinsames Interesse, das die Eigentümer von Ackerland, Wäldern, Weinbergen, Bergwerken oder städtischem Grundbesitz vereint... Auch unter den Arbeitern gibt es keine gemeinsamen Interessen. Die homogene Arbeit gibt es ebenso wenig wie den universellen Arbeiter. Die Arbeit des Spinners unterscheidet sich von der Arbeit des Bergmanns und der Arbeit des Arztes... Auch die ungelernte Arbeit ist nicht homogen. Ein Holzfäller ist etwas anderes als ein Pförtner."(1) Rothbard II 392 Mises: „Auf dem Markt gibt es immer nur einzelne Individuen... Sogar Marx musste erklären, dass, da Käufe und Verkäufe nur zwischen einzelnen Individuen stattfinden, es unzulässig ist es nicht zulässig ist, an ihnen die Beziehungen zwischen den sozialen Klassen abzulesen“.(2) >Klassen/Marx. 1. Ludwig von Mises, Socialism: An Economic and Sociological Analysis (4th ed., Indianapolis: Liberty Classics, 1981), pp. 300—301. 2. Von Mises, op. cit., note 16, p. 292; stellt fest, dass diese Passage in Band 1 des Kapitals nicht in der ersten Ausgabe von 1867 enthalten war, sondern von Marx in der französischen Ausgabe (1873) hinzugefügt wurde. Die Einfügung stand im Zusammenhang mit den verzweifelten Änderungen, die Marx in seiner Theorie in Band III des Kapitals vornahm, der erst nach seinem Tod veröffentlicht wurde. |
EconMises I Ludwig von Mises Die Gemeinwirtschaft Jena 1922 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Klassen | Wittgenstein | II 343 Zahl/Klasse/Frege/Russell/Wittgenstein: Freges Definition: Klasse von Klassen. Eine Zahl ist die Klasse aller einander gleicher Klassen. >Zahlen, >Mengen, >Mengenlehre. Intension/Klassen/Mengen/Frege/Russell/WittgensteinVsRussell/WittgensteinVsFrege: die beiden glaubten, sie könnten die Klassen intensional abhandeln, weil sie dachten, sie könnten eine Liste in eine Eigenschaft, eine Funktion verwandeln. (WittgensteinVs). Weshalb lag den beiden so sehr daran, die Zahl zu definieren? II 354 Messen: Bsp Numerische Gleichheit von Klassen oder Rechnen: Bsp Gleiche Anzahl von Wurzeln einer Gleichung 4. Grades: das eine ist eine Messung, das andere eine Berechnung. >Messen. Gibt es ein Experiment, um festzustellen ob zwei Klassen dieselbe Anzahl zukommt? Bei Klassen, die sich nicht überblicken lassen könnte es der Fall sein oder auch nicht. II 355 Es ist ein schädliches Vorurteil zu glauben, dass es sich um ein Experiment handelt, wenn man Striche benützt. >Experimente. II 355 Klassen/Zuordnung/Wittgenstein: Unterschied: Zuordnung im Russellschen und im gewöhnlichen Sinne: 1. durch Identität 2. Wie man Tassen und Untertassen durch Aufeinanderstellen zuordnet. Im zweiten Fall bedeutet es nicht, dass sie sich nicht auch in anderer Weise zuordnen lassen. Könnte man dasselbe auch über die Russellsche Zuordnung sagen? Nein, hier könnte keine andere Zuordnung bestehen, sofern jene nicht gegeben ist. Das, worauf ich aufmerksam machen will, ist keine Naturerscheinung, sondern eine Sache der Grammatik. >Identität, >Grammatik, >Ordnung. II 358 Zuordnung/Gleichzahligkeit/Wittgenstein: Die Forderung, dass eine tatsächliche Zuordnung vorgenommen werden muss, um zwei Klassen für gleichzahlig zu erklären, ist beunruhigend. >Gleichheit. II 367 Klassen/Wittgenstein: Man darf nicht vergessen, dass wir keineswegs immer über dasselbe Phänomen sprechen, wenn wir davon reden, dass zwei Klassen dieselbe Anzahl von Elementen enthalten. Woher weiß man denn, ob nicht einige Stücke verschwinden werden, während sie gezählt werden, oder ob andere nicht zerbrechen werden? >Vollständigkeit, >Wissen. II 419 Klassen/Gleichmächtigkeit/Gleichzahligkeit/Klassengleichheit/Wittgenstein: Frage: Ob die Klassen tatsächlich dem Paradigma zugeordnet sein müssen, um die gleiche Anzahl zu haben, oder ob dies nur möglich zu sein braucht. Was ist das Kriterium der Existenz der Möglichkeit ihrer Zuordnung? >Kriterien. II 431 Klassen/Zahlen/Wittgenstein: Wenn es heißt, mit den Klassen kann man genauso gut rechnen wir mit den rationalen Zahlen, hat eigentlich gar keine Ersetzung stattgefunden. Die Rechnung wird einfach mit den rationalen Zahlen vorgenommen. >Zahlen. II 436 Klasse/Verfahren/Wittgenstein: Wir müssen unterscheiden zwischen einer Klasse von Münzwürfen und einem Verfahren (Regel). >Regeln, >Methode. - Bsp Irrationale Zahl: wird durch ein Verfahren definiert - sie ist ein Prozess. - √2 ist keine Extension, sondern eine Regel zur Erzeugung eines Bruchs. >Extensionen. IV 93 Klassen/Mengen/Tractatus: 6.031 Die Theorie der Klassen ist in der Mathematik ganz überflüssig. Das hängt damit zusammen, dass die Allgemeinheit, die wir in der Mathematik brauchen, nicht die zufällige ist. |
W II L. Wittgenstein Vorlesungen 1930-35 Frankfurt 1989 W III L. Wittgenstein Das Blaue Buch - Eine Philosophische Betrachtung Frankfurt 1984 W IV L. Wittgenstein Tractatus logico-philosophicus Frankfurt/M 1960 |
| Klassenkampf | Marx | Rothbard II 376 Klassenkampf/Marx/Rothbard: Selbst wenn man annimmt, dass die unerklärte Unvereinbarkeit zwischen den Produktivkräften und den Produktionsverhältnissen besteht, warum sollte diese Unvereinbarkeit nicht für immer bestehen bleiben? Warum verfällt die Wirtschaft nicht einfach in eine permanente Stagnation der technischen Kräfte? Dieser „Widerspruch“ reichte kaum aus, um das Marx'sche Ziel der unvermeidlichen proletarisch-kommunistischen Revolution zu erreichen. Materielle Dialektik: (...) die materielle Dialektik nimmt ein sozioökonomisches System, sagen wir den Feudalismus, und behauptet, dass es sein Gegenteil oder seine „Negation“ und seine unvermeidliche Ablösung durch den „Kapitalismus“ „hervorbringt“, der somit den Feudalismus „negiert“ und transzendiert. Und genauso wird die Elektrizität (oder was auch immer) unweigerlich eine proletarische Revolution hervorbringen, die es der Elektrizität ermöglichen wird, über die Fesseln zu triumphieren, die die Kapitalisten ihr anlegen. RothbardVsMarx: Es ist schwierig, diese Position zu vertreten, ohne sie sofort als Unsinn zurückzuweisen. Zusätzlich zu all den Fehlern im historischen Materialismus, die wir oben gesehen haben, gibt es keine Kausalkette, die eine Technologie mit einer Klasse verbindet, oder die es ökonomischen Klassen erlaubt, entweder die Technologie oder ihre Fesseln der „Produktionsverhältnisse“ zu verkörpern. Es gibt keinen Grund, warum diese Klassen als Marionetten für oder gegen neue Technologien agieren müssen oder auch nur plausibel wären. Warum müssen Feudalherren versuchen, die Dampfmühle zu unterdrücken? Warum können Feudalherren nicht in Dampfmühlen investieren? Ende der Dialektik/Ende der Geschichte: Wenn der Klassenkampf und die materielle Dialektik schließlich zu einer unvermeidlichen proletarischen Revolution führen, warum endet dann die Dialektik, wie Marx (…) behauptet, an diesem Punkt? Entscheidend für den Marxismus wie auch für andere jahrtausendealte und apokalyptische Glaubensbekenntnisse ist, dass die Dialektik keineswegs ewig weitergehen kann. Im Gegenteil, der Chiliast, ob vor oder nach der Jahrtausendwende, sieht das Ende der Dialektik oder das Ende der Geschichte stets als unmittelbar bevorstehend an. Auch die atheistische Dialektik von Marx sah die bevorstehende proletarische Revolution vor, die nach dem Stadium des „rohen Kommunismus“ ein Stadium des „Hochkommunismus“ oder vielleicht ein Stadium „jenseits des Kommunismus“ Rothbard II 378 herbeiführen würde, das eine klassenlose Gesellschaft, eine Gesellschaft der völligen Gleichheit, ohne Arbeitsteilung, eine Gesellschaft ohne Herrscher sein würde. Da aber die Geschichte für Marx eine „Geschichte der Klassenkämpfe“ ist, wäre die letzte kommunistische Etappe die endgültige, so dass die Geschichte dann faktisch zu einem Ende käme. BakuninVsMarx: Die Kritiker von Marx, von Bakunin über Machajski bis Milovan Djilas, haben natürlich sowohl prophetisch als auch rückblickend darauf hingewiesen, dass die proletarische Revolution, in welchem Stadium auch immer, die Klassen nicht beseitigen, sondern im Gegenteil eine neue herrschende Klasse und eine neue Herrschaft errichten würde. Es gäbe keine Gleichheit, sondern eine weitere Ungleichheit der Macht und zwangsläufig des Reichtums: die oligarchische Elite, die Avantgarde, als Herrscher und der Rest der Gesellschaft als Beherrschte. >Marx/Rothbard, >Ideologie/Marx. Höffe I 366 Klassenkampf/Marx/Höffe: (...) [Marx] behauptet einen ununterbrochenen Kampf, «der jedesmal mit einer revolutionären Umgestaltung der ganzen Gesellschaft endete». Für die eigene Zeit ist es der Kampf zweier Klassen, der «Bourgeois» genannten tragenden Wirtschaftsbürger, der Kapitalisten und der als Proletarier bezeichneten Lohnarbeiter. Dieser zeitgenössische Kampf soll der weltgeschichtlich letzte sein, da der bestehende Gegensatz nicht von einem neuen Gegensatz abgelöst werde. Mit dem Sieg der Lohnarbeiter über die Kapitalisten sollen nämlich alle (...) Klassenschranken überwunden werden, womit Einheit, Harmonie und Frieden in die Welt einkehre. >Geschichte/Marx. 1. K. Marx und F. Engels, Manifest der Kommunistischen Partei, 1848 |
Marx I Karl Marx Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957 Rothbard II Murray N. Rothbard Classical Economics. An Austrian Perspective on the History of Economic Thought. Cheltenham, UK: Edward Elgar Publishing. Cheltenham 1995 Rothbard III Murray N. Rothbard Man, Economy and State with Power and Market. Study Edition Auburn, Alabama 1962, 1970, 2009 Rothbard IV Murray N. Rothbard The Essential von Mises Auburn, Alabama 1988 Rothbard V Murray N. Rothbard Power and Market: Government and the Economy Kansas City 1977 |
| Klassifikation | Duhem | I 27 Klassifikation/Duhem: Was ist naturgemäße Klassifikation? Zusammenhang geistiger Operationen. Sie behandelt nicht konkrete Individuen, sondern Abstraktionen: die Arten z.B. Wirbeltiere. >Abstraktion, >Kontext, >Beobachtung. I 28 Sie erklärt Bsp dass die Schwimmblase der Fische mit der Lunge der Wirbeltiere gleichbedeutend sei. Das ist eine rein ideelle Zusammenstellung, die nicht auf wirklichen Organen, sondern auf vereinfachten Vorstellungen basiert. Mehr oder weniger auffallende Ähnlichkeiten gilt dem Zoologen als Beweis für eine Verwandtschaft. I 29 Sollte ihm die Paläontologie ihm eines Tages erklären, dass die Verwandtschaft so nicht bestehe, würde der Zoologe dennoch fortfahren zu glauben, dass das System wirkliche Beziehungen darstellt. Er würde zugeben, sich über die Natur dieser Beziehungen getäuscht zu haben, aber nicht über deren Existenz! |
Duh I P. Duhem Ziel und Struktur der physikalischen Theorien Hamburg 1998 |
| Klassifikation | Foucault | I 279 Naturgeschichte: Veränderung zwischen1775 und1795: das Prinzip der Klassifikationen wird nicht in Frage gestellt. »Wesentliches Merkmal« Unterschied: Alte Sicht: für die Systematiker waren die repräsentativen Elemente von Anfang an festgelegt. Neu: Methodiker: für sie lösen sich die Repräsentation erst allmächtig. Bei der fortschreitenden Konfrontation heraus. >Repräsentation. 1. Hierarchie der Merkmale: einige sind absolut konstant und fehlen in keiner Gattung oder Art. Andere sind weniger konstant. Mit ihnen ist eine Definition der Familien oder der Ordnungen unmöglich. Sie sind nicht wesentlich. 2. Funktion der Merkmale: mit den Merkmalen sind also Funktionen verbunden. Alte Sicht: das Wesen wird am sichtbaren Punkt festgemacht. Neu: das Merkmal wird nicht durch eine Beziehung des Sichtbaren zu sich selbst erstellt. 3. Begriff des Lebens: eine Beziehung in der Tiefe des Körpers, die die Organe an der Oberfläche verbindet. Klassifikation: neu: heißt jetzt nicht mehr, das Sichtbare auf sich selbst zu beziehen, sondern auf eine tiefere Ursache. 4. Parallelismus zwischen Klassifikation und Nomenklatur wird durch diese Tatsache aufgelöst. Denkbild/Foucault: Beziehung zwischen Raum der Organisation und dem der Nomenklatur: statt sich zu decken, stehen sie künftig senkrecht zueinander. Ähnlichkeit: setzt die Prüfung der gesamten Organisation der Arten voraus. Name und Gattung, Bezeichnung und Klassifikation, Sprache und Natur hören auf, sich zu schneiden. Die Ordnung der Wörter und die Ordnung der Wesen decken sich nur noch in einer künstlich definierten Linie. Sprache: man beginnt über Dinge zu sprechen, die in einem anderen Raum als die Wörter statthaben. Ordnung/Klassik: bestimmte Weise der Zusammensetzung aus elementaren Stoffen. (>Klassifikation/Linné, Arten/Linné). Gould II 70 Klassifikation/Gould: Geschichtliche Veränderungen der Klassifikationen sind die versteinerten Anzeichen gedanklicher Umstürze. Gould II 71 Klassifikation/Foucault/Gould: Warum sollte man die Armen, die Arbeitslosen und die Geisteskranken in einer Gruppe zusammenfassen? Foucault argumentiert, dass die Geburt der modernen Handelsgesellschaften zu einer neuen Definition der Kardinalssünde geführt habe, die unsichtbar gemacht werden müsse, indem man sie wegsperrt. Diese Sünde war die Untätigkeit.(1) Gould II 72 Foucault: These: Die Dinge, die aus den Taxonomien ausgespart werden, sind genauso wichtig, wie die einbezogenen. 1. M. Foucault, |
Foucault I M. Foucault Die Ordnung der Dinge. Eine Archäologie der Humanwissenschaften Frankfurt/M. 1994 Foucault II Michel Foucault Archäologie des Wissens Frankfurt/M. 1981 Gould I Stephen Jay Gould Der Daumen des Panda Frankfurt 2009 Gould II Stephen Jay Gould Wie das Zebra zu seinen Streifen kommt Frankfurt 1991 Gould III Stephen Jay Gould Illusion Fortschritt Frankfurt 2004 Gould IV Stephen Jay Gould Das Lächeln des Flamingos Basel 1989 |
| Klassifikation | Mayr | I 133 Klassifikation: Klassifikation erfolgt meist durch logische Zweiteilung nach unten: wie viele Arten werden klassifiziert und welches Gewicht haben die verschiedenen Merkmale: fortschreitende" oder "Abwärtsklassifikation". (Eigentlich Identifizierung). >Identifikation, >Individuation, >Spezifizierung. Daher später: "Aufwärtsklassifikation: hierarchische Anordnung immer größer werdender Gruppen verwandter Arten in Klassen. >Arten. Darwins Methode bestätigte die Aufwärtsklassifikation und löste so eine wissenschaftliche Revolution aus. >Darwinismus, >Evolution. I 134 Klassifikation/20. Jahrhundert: zwei neue Schulen: a) numerische Phänetik b) Kladistik. Kladismus: Das kladistische System will ausschließlich die Stammesgeschichte offenlegen während das evolutionäre System danach strebt, aus den ähnlichsten und am nächsten verwandten Arten Taxa zu bilden.(Nützlich für Ökologie und Biologie). >Ökologie. Beide Arten können auch weiterhin nebeneinander bestehen, denn sie haben ganz unterschiedliche Zielsetzungen. I 173 Systematik: Systematik soll nicht nur beschreiben, sondern zum Verständnis beitragen. I 175 Def Klasse/Biologie/Mayr: Gruppierung von Entitäten, die einander ähnlich und miteinander verwandt sind. >Ähnlichkeit. Klassifikation: Klassifikation hat zwei wichtige Funktionen: a) Wiedergewinnung von Information b) Vergleichende Forschung und Informationsspeicherung. Methode: 1. Möglichst homogene Klassen 2. Zurechnung nach den meisten gemeinsamen Eigenschaften 3. Bei zu großen Unterschieden neue Klasse gründen 4. Das Maß der Verschiedenheit der Klassen untereinander wird in einer Rangfolge geordnet. I 176 Taxonomie: zwei Schritte: 1. Unterscheidung der Arten (Mikrotaxonomie). 2. Einordnung der Arten in verwandte Gruppen (Makrotaxonomie). I 177 Mikrotaxonomie: Das Abgrenzen der Arten. I 177 "Artproblem": Art meint meistens "Organismentypus". Problem: Männchen und Weibchen sind auch verschiedene Typen von Organismen, genau wie junge und Erwachsene. Def "Varietät": (Linné, sogar Darwin): Abweichungen, die etwas geringfügiger sind als die einer neuen Art. ("Typologisches" oder "essentielles Artkonzept", "Gemeinsame Essenz", "Wesen"). "Typologisches Artkonzept: vier Artmerkmale: 1. Gemeinsames "Wesen". 2. Zwischen den Arten eine scharfe Diskontinuität 3. Jede Art ist räumlich und zeitlich konstant. 4. Mögliche Variation innerhalb der Art ist streng begrenzt ("natural kind"). >Arten, >Natürliche Arten, >Wesen, >Essentialismus. I 178 MayrVsTypologisches Artkonzept: Darwin widerlegt die Vorstellung von der "Konstanz der Arten". Populationen variieren geographisch, Individuen variieren innerhalb einer Population. In der belebten Natur gibt es keine Typen oder Essenzen! Def Zwillingsart: Zwillingsarten wurden erst spät entdeckt: sie sind räumlich getrennt, aber gleich entwickelt. Inzwischen sind Zwillingsarten bei fast allen Tierarten entdeckt. Das zwingt zu einem neuem Kriterium der Abgrenzung von Arten: reproduktive Isolation von Populationen. I 178 Biologisches Artkonzept (Vs Typologisches Artkonzept): leitet sich von diesem Kriterium der fehlenden Fortpflanzung untereinander ab. I 183 Def Arttaxa: Arttaxa sind besondere Populationen oder Populationsgruppen, die der Artdefinition entsprechen. Sie sind Entitäten ("Individuen") und lassen sich als solche nicht definieren. Individuen können nicht definiert werden, sondern lediglich beschrieben und abgegrenzt. >Definitionen, >Definierbarkeit. I 185 Makrotaxonomie: Die Klassifikation von Arten (in übergeordnete Gruppen). Gruppen: Meist leicht erkennbar: Vögel, Schmetterlinge, Käfer. Abwärtsklassifikation: Abwärtsklassifikation ist eigentlich Identifizierung. Zweiteilung (aristotelisch): Blütezeit der medizinischen Botanik. Bsp Warmblütig oder nicht - Warmblüter haben Federn oder nicht. I 187 Aufwärtsklassifikation/Mayr: (Auch Linné selbst von 1770 an): Aufwärtsklassifikation ist besser geeignet. Dabei werden Klassen unterschieden und dann in übergeordnete Gruppen zusammengefasst. Leider gab es hier keine strenge Methodik. Es fehlte eine theoretische Grundlage für die Rangordnung. Zweckgebundene Klassifikation: Unterform der Aufwärtsklassifikation. Nur ausgewählte Merkmale werden berücksichtigt. I 188 Zwei Kriterien: Genealogie (gemeinsame Abstammung) und Grad der Ähnlichkeit(Ausmaß des evolutionären Wandels). Kausale Klassifikation: Bsp Krankheiten nach Ursachen: Erreger, Alterungsprozess, toxische Substanzen, Gene, bösartige Veränderungen, schädliche Strahlung usw. >Kausalerklärung. Jede Klassifikation, die Ursachen berücksichtigt, ist starken Beschränkungen unterworfen und kann nie zu einem rein künstlichen System werden. >Systeme, >Theorien, >Erklärung, >Ursachen, >Wirkungen, >Einzelfallverursachung. I 189 Def "Taxon": Ein Taxon ist eine separate Gruppe von Nachkommen. Jedes Taxon besteht aus den Nachkommen des nächsten gemeinsamen Vorfahren; "monophyletisch". Genealogie: Genealogie macht allein noch keine Klassifikation aus! Ähnlichkeit kann nicht vernachlässigt werden, weil die divergierenden Zweige verschieden großen Abänderungen unterlagen. Folge: Einteilung in Familien, Gattungen, Abteilungen, Ordnungen. I 189 Homologie/Mayr: Verwandtschaft zwischen Arten und höheren Taxa zeigt sich am Vorkommen homologer Merkmale. D.H. ein Merkmal, das sich von demselben Merkmal ihres nächsten gemeinsamen Vorfahren ableitet. >Homologie. I 373 Auf Homologie muss man immer schließen! Für Homologie gibt es vielerlei Belege, z.B. Position einer Struktur in Beziehung zu anderen Strukturen, auch Übergangsformen bei fossilen Vorfahren. >Belege. |
Mayr I Ernst Mayr Das ist Biologie Heidelberg 1998 |
| Klassifikation | Millikan | I 254 Klassifikation/Kategorie/Verstehen/Millikan: zu wissen, in welche Kategorie eine Variante der Welt fällt, heißt die Grammatik des korrespondierenden inneren Terms zu erfassen. Und das ist wesentlich dafür, seinen value zu verstehen. >Terminologie/Millikan, >Bedeutung/Millikan, >Verstehen, >Grammatik, >Identifikation/Millikan. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Klassische Ökonomie | Wirtschaftstheorien | Kurz I 15 Physiokratie/Klassische Ökonomie/Ökonomische Theorien/Kurz: Die Input-Output-Analyse hat ihre Wurzeln in den klassischen Ökonomen von William Petty über Richard Cantillon und die Physiokraten bis hin zu Robert Torrens und David Ricardo und zu Autoren, die in der klassischen Tradition stehen, wie Karl Marx, Vladimir K. Dmitriev, Ladislaus von Bortkiewicz und Georg von Charasoff. >Physiokraten, >D. Ricardo, >K. Marx. Die wohl wichtigsten und eng miteinander verknüpften Merkmale des Ausgangspunktes der klassischen Produktions-, Verteilungs- und Werttheorie sind die folgenden. (1) Die Produktion besteht im Wesentlichen in einer Umwandlung von Materie und Energie in andere Formen von Materie und Energie; dieser Prozess unterliegt den Gesetzen der Wissenschaft (insbesondere der Physik, Chemie und Biologie). (2) Die Produktion ist mit Zerstörung verbunden, und die realen Kosten einer Ware bestehen in erster Linie aus den Gütern, die bei ihrer Produktion notwendigerweise zerstört werden. Daraus ergibt sich der Begriff der physischen Realkosten. (3) Aus dem soeben genannten Grund gibt es keine Produktion, die ohne Hilfe der Arbeit erfolgt: Es ist unmöglich, etwas aus dem Nichts zu produzieren. (4) Die Produktion ist im Wesentlichen ein Kreislauf: Waren werden durch (Mittel von) Waren produziert. (5) Die Produktion erzeugt typischerweise einen gesellschaftlichen Überschuss. Der Überschuss bezieht sich auf die Mengen der verschiedenen Waren, die übrig bleiben, nachdem die notwendigen Produktionsmittel verbraucht und die Mittel für den Lebensunterhalt der Arbeiter von den im Laufe eines Jahres produzierten Bruttoleistungen abgezogen wurden. >Produktionstheorie, >Kosten. Kurz I 16 Kurz/Salvadori: Man kann in der Tat ohne Übertreibung sagen, dass die klassischen Ökonomen in ihren Analysen versucht haben, das zu respektieren, was man heute als die Gesetze der Thermodynamik bezeichnet. >Entropie. Merkmal (5) wirft eine Reihe wichtiger Fragen auf und ist die Quelle großer konzeptioneller und analytischer Probleme, die den Ökonomen gewaltige Stolpersteine in den Weg legten (und immer noch legen). Erstens stellt sich in Systemen, die durch die Erhaltung von Materie (und Energie) gekennzeichnet sind, die Frage, in welchem Sinne es einen Überschuss geben kann. Zweitens, sobald diese Frage zufriedenstellend beantwortet ist, Kurz I 17 wie dieser Überschuss auf die verschiedenen Anspruchsberechtigten verteilt wird und welche Auswirkungen die verschiedenen Verteilungen haben in Bezug auf (a) auf die Eigenschaften des gegebenen Produktionssystems im Gebrauch und (b) die Kräfte, die das System im Laufe der Zeit verändern? Das erste Problem führt direkt zur klassischen Analyse des Verhältnisses zwischen Einkommensverteilung und relativen Preisen, das zweite zur Analyse des Verhältnisses zwischen Einkommensverteilung einerseits und Kapitalakkumulation sowie Wirtschaftswachstum und Entwicklung andererseits. >Wert, >Wirtschaftswachstum, >Preis, >Einkommen, >Verteilung. Heinz D. Kurz and Neri Salvadori 2015. „Input–output analysis from a wider perspective. A comparison of the early works of Leontief and Sraffa“. In: Kurz, Heinz; Salvadori, Neri 2015. Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). London, UK: Routledge. |
Kurz I Heinz D. Kurz Neri Salvadori Revisiting Classical Economics: Studies in Long-Period Analysis (Routledge Studies in the History of Economics). Routledge. London 2015 |
| Klimagerechtigkeit | Kosmopolitismus | Norgaard I 325 Klimagerechtigkeit/Kosmopolitismus: Der kosmopolitische Ansatz argumentiert, dass die Verpflichtungen der Gerechtigkeit sowohl grenzüberschreitend als auch innerhalb von Grenzen gelten und sich diese Verpflichtungen in einigen Fällen aus tatsächlichen kausalen Zusammenhängen ergeben (z.B. Pogge 2002)(1), manchmal aus der universellen Erweiterung derselben egalitären Prämissen, die national in die Gerechtigkeitstheorien eingegangen sind (Singer 1972(2); Caney 2005b(3)), oder aus beiden (Beitz 1979(4); Moellendorf 2002(5)). Die Ablehnung einer solchen Verpflichtung beruht typischerweise auf dem Argument, dass entweder eine gemeinsame Kultur (z.B. Rawls 1999)(6), eine gemeinsame Nationalität (Miller 1995)(7) oder eine gemeinsame Souveränität (Nagel 2005)(8) für das Bestehen von Gerechtigkeitsverpflichtungen erforderlich ist, obwohl die Befürworter solcher Ansichten - "Kommunitarier" lose genommen - in der Regel für eine Wohltätigkeit gegenüber Personen außerhalb der Gemeinschaft eintreten. Norgaard I 326 Klimagerechtigkeit/Klimakosten/VsRawls/Kosmopolitismus: Während nicht alle Philosophen, die über den Klimawandel geschrieben haben, in Debatten über Kosmopolitismus verwickelt sind (...), kommen die meisten zu dem Schluss, dass Gerechtigkeitsansprüche für die internationale Verteilung der Kosten und Nutzen der Klimapolitik gelten. Viele Autoren haben es jedoch immer noch für notwendig gehalten, John Rawls' berühmte Ablehnung kosmopolitischer Gerechtigkeitsansprüche in Angriff zu nehmen (Rawls 1999)(6); die meisten kommen zu dem Schluss, dass die unausweichlichen kausalen Zusammenhänge des Klimawandels Rawls' Position nicht mehr tragbar machen, wenn sie es jemals war (siehe z.B. Vanderheiden 2008)(9). >Klimakosten/Kosmopolitismus, >Klimakosten/Shue/Singer. Kosmopolitismus/Klimakosten/VsRawls/Nagel/Miller/Rawls: Rawls argumentierte, dass die sozialen Bindungen, die erforderlich sind, um eine vertragliche Theorie der Gerechtigkeit zu ermöglichen, wie die der "ursprünglichen Position" bei Verhandlungen, nicht über nationale Grenzen hinweg bestehen, und dass nur "geordnete Gesellschaften" - in der Praxis Nationen - plausibel an einen solchen Rechtsstandard gebunden sein könnten. Die Theorien von Nagel und Miller stellen aus leicht unterschiedlichen Gründen ähnliche Ansprüche. VsRawls: (...) ein solches Argument scheitert, wenn der Status quo die Auferlegung erheblicher grenzüberschreitender Schäden durch Treibhausgasverschmutzung beinhaltet; jede Ablehnung von Ansprüchen der internationalen Justiz wird daher de facto zu einer Bestätigung des Rechts, Nichtbürgern Schaden zuzufügen, was Rawls faktisch nicht befürwortet hat. Und natürlich impliziert die Tatsache, dass die Atmosphäre, als Ressource betrachtet, nicht territorial gebunden ist (d.h. eine globale "Open-Access"-Ressource), die Notwendigkeit einer globalen Zusammenarbeit, die eine weitere Rechtfertigung für kosmopolitische Verpflichtungen darstellt (Vanderheiden 2008(9); Moellendorf 2009(10)). >Emissionsrechte, >Emissionsminderung, >Emissionsziele, >Emissionen, >Emissionsrechtehandel, >Klimawandel, >Klimaschäden, >Energiepolitik, >Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit, >Klimaperioden, >Klimaschutz, >Klimaziele, >Klimafolgenforschung, >CO2-Preis, >CO2-Preis-Koordinierung, >CO2-Preis-Strategien, >CO2-Steuer, >CO2-Steuer-Strategien. 1. Pogge, T. 2002. World Poverty and Human Rights. Cambridge: Polity Press. 2. Singer, P. 1972. Famine, affluence, and morality. Philosophy & Public Affairs 1: 229–43. 3. Caney, S. 2005b. Justice beyond Borders: A Global Political Theory. Oxford: Oxford University Press. 4. Beitz, C. R. 1979. Political Theory and International Relations. Princeton: Princeton University Press. 5. Moellendorf, D. 2002. Cosmopolitan Justice. Boulder, CO: Westview Press. 6. Rawls, J. 1999. The Law of Peoples. Cambridge, MA: Harvard University Press. 7. Miller, D. 1995. On Nationality. Oxford: Oxford University Press. 8. Nagel, T. 2005. The problem of global justice. Philosophy & Public Affairs 33: 113–47. 9. Vanderheiden, S. 2008. Atmospheric Justice: A Political Theory of Climate Change. Oxford: Oxford University Press. 10. Moellendorf, D. 2009. Global Inequality Matters. New York: Palgrave MacMillan. Baer, Paul: “International Justice”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press. |
Norgaard I Richard Norgaard John S. Dryzek The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011 |
| Klimakosten | Kosmopolitismus | Norgaard I 325 Klimakosten/Kosmopolitismus: Das Problem des Klimawandels ist nach mehreren Jahrzehnten zunehmender Debatte unter Philosophen über das Thema Kosmopolitismus entstanden - das heißt, ob die Rechte und Pflichten, die zwischen Menschen innerhalb derselben Nation oder anderer Gemeinschaften bestehen, auch zwischen Menschen in verschiedenen Ländern und Gemeinschaften gelten. Diese Debatten konzentrierten sich in erster Linie auf Fragen der Verteilungsgerechtigkeit und insbesondere darauf, ob die reichen Länder und ihre Bürger Verpflichtungen zur wirtschaftlichen Gerechtigkeit gegenüber den armen Ländern und ihren Bürgern haben. >Klimakosten/Shue. >Emissionsrechte, >Emissionsminderung, >Emissionsziele, >Emissionen, >Emissionsrechtehandel, >Klimawandel, >Klimaschäden, >Energiepolitik, >Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit, >Klimaperioden, >Klimaschutz, >Klimaziele, >Klimafolgenforschung, >CO2-Preis, >CO2-Preis-Koordinierung, >CO2-Preis-Strategien, >CO2-Steuer, >CO2-Steuer-Strategien. Baer, Paul: “International Justice”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press. |
Norgaard I Richard Norgaard John S. Dryzek The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011 |
| Klimakosten | Shue | Norgaard I 326 Klimakosten/Shue/Singer: (...) Es besteht ein weitgehender Konsens unter den Philosophen, die zu dem Thema geschrieben haben, dass Gerechtigkeitsüberlegungen tatsächlich die Verpflichtung der reichen und hoch emittierenden Länder rechtfertigen, ihre Emissionen zu reduzieren, für Emissionssenkungen in armen Ländern zu zahlen und den armen Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Sowohl Henry Shue (1993(1), 1995(2)) als auch Peter Singer (2002)(3) (...) argumentieren, dass man auf allen plausiblen moralischen Darstellungen zu dieser allgemeinen Interpretation der Verpflichtungen der Reichen und der Rechte der Armen gelangt. Die wenigen wissenschaftlichen Bemühungen, diese Argumente zu widerlegen - nicht von Philosophen -, basieren auf einer Vielzahl von Gegenstrategien und argumentieren beispielsweise, dass die Verhinderung des Klimawandels ein sehr ineffizienter Weg ist, die Rechte zu erfüllen, sollten die Reichen Verpflichtungen gegenüber den Armen haben (z.B. Beckerman und Pasek 2005(4); Lomborg 2006(5)). (…). Norgaard I 331 Eine länderbezogene Bewertung kann kaum zu einer anderen Schlussfolgerung führen, als dass die reichen Länder noch "zuerst handeln müssen", wie sie es in der UNFCCC versprochen haben (Brown et al. 2006)(6). Norgaard I 326 Klimakosten/Nationen/Individuen/Shue: (...) Nation-zu-Nation-Verpflichtungen erlauben zu Unrecht den Armen im Norden, Verpflichtungen gegenüber den Nichtarmen im Süden einzugehen (Posner und Sunstein 2008)(7). Norgaard I 327 Einige (Shue 1993(1); Neumayer 2000(8)) haben eine breite "historische Rechenschaftspflicht" verteidigt, mit der die Staaten als Ganzes Verpflichtungen haben, die proportional zu ihren historischen Treibhausgasemissionen stehen. Andere (Caney 2009(9); Baer et al. 2010(10); Harris 2010(11)) haben argumentiert, dass solche kollektiven, historischen Konten problematisch sind (insbesondere für Emissionen vor der Erkennung der Risiken der globalen Erwärmung) und dass die Verpflichtungen auch oder stattdessen auf der internationalen Gerechtigkeit basierend die Fähigkeit zu zahlen sein sollte. Diese Argumente der "Zahlungsfähigkeit" konzentrieren sich auch auf Einzelpersonen und nicht auf Länder, was mit den Grundprinzipien eines kosmopolitischen Ansatzes vereinbar ist. >Emissionsrechte, >Emissionsminderung, >Emissionsziele, >Emissionen, >Emissionsrechtehandel, >Klimawandel, >Klimaschäden, >Energiepolitik, >Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit, >Klimaperioden, >Klimaschutz, >Klimaziele, >Klimafolgenforschung, >CO2-Preis, >CO2-Preis-Koordinierung, >CO2-Preis-Strategien, >CO2-Steuer, >CO2-Steuer-Strategien. 1. Shue, H. 1993. Subsistence emissions and luxury emissions. Law and Policy 15: 39–59. 2. Shue; H. 1995. Ethics, the environment and the changing international order. International Affairs 71: 453–61. 3. Singer, P. 2002. One World: The Ethics of Globalization. New Haven: Yale University Press. 4. Beckermann, W., and J. Pasek. 2005. Justice, posterity, and the environment. Oxford: Oxford University Press. 5. Lomborg, B. (ed.) 2006. How to Spend $50 Billion to Make the World a Better Place. Cambridge: Cambridge University Press. 6. Brown, D. et al. 2006. White Paper on the Ethical Dimensions of Climate Change. Available at (http://www.psu.edu/dept/rockethics/climate/whitepaper/edcc‐whitepaper.pdf) (Link not available as of 15/04/19) 7. Posner, E. A., and Sunstein, C. R. 2008. Climate change justice. Georgetown Law Journal 96: 1565–612. 8. Neumayer, E. 2000. In defence of historical accountability for greenhouse gas emissions. Ecological Economics 33: 185–92. 9. Caney, S. 2009. Human rights, responsibilities and climate change. In C. R. Beitz and R. E. Goodin (eds.), Global Basic Rights. Oxford: Oxford University Press. 10. Bear, P. et al. 2010. Greenhouse development rights: A framework for climate protection that is ‘more fair’ than equal per capita emissions rights. Pp. 215–30 in S. M. Gardiner, S. Caney, D. Jamieson, and H. Shue (eds.), Climate Ethics: Essential Readings. Oxford: Oxford University Press. 11. Harris, P. G. 2010. World Ethics and Climate Change: From International to Global Justice. Edinburgh: Edinburgh University Press. Baer, Paul: “International Justice”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press. |
Norgaard I Richard Norgaard John S. Dryzek The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011 |
| Klimakosten | Singer | Norgaard I 326 Klimakosten/Shue/Singer: (...) Es besteht ein weitgehender Konsens unter den Philosophen, die zu dem Thema geschrieben haben, dass Gerechtigkeitsüberlegungen tatsächlich die Verpflichtung der reichen und hoch emittierenden Länder rechtfertigen, ihre Emissionen zu reduzieren, für Emissionssenkungen in armen Ländern zu zahlen und den armen Ländern bei der Anpassung an den Klimawandel zu helfen. Sowohl Henry Shue (1993(1), 1995(2)) als auch Peter Singer (2002)(3) (...) argumentieren, dass man auf allen plausiblen moralischen Darstellungen zu dieser allgemeinen Interpretation der Verpflichtungen der Reichen und der Rechte der Armen gelangt. Die wenigen wissenschaftlichen Bemühungen, diese Argumente zu widerlegen - nicht von Philosophen -, basieren auf einer Vielzahl von Gegenstrategien und argumentieren beispielsweise, dass die Verhinderung des Klimawandels ein sehr ineffizienter Weg ist, die Rechte zu erfüllen, sollten die Reichen Verpflichtungen gegenüber den Armen haben (z.B. Beckerman und Pasek 2005(4); Lomborg 2006(5)). (…). Norgaard I 331 Eine länderbezogene Bewertung kann kaum zu einer anderen Schlussfolgerung führen, als dass die reichen Länder noch "zuerst handeln müssen", wie sie es in der UNFCCC versprochen haben (Brown et al. 2006)(6). Norgaard I 326 Klimakosten/Nationen/Individuen/Shue: (...) Nation-zu-Nation-Verpflichtungen erlauben zu Unrecht den Armen im Norden, Verpflichtungen gegenüber den Nichtarmen im Süden einzugehen (Posner und Sunstein 2008)(7). Norgaard I 327 Einige (Shue 1993(1); Neumayer 2000(8)) haben eine breite "historische Rechenschaftspflicht" verteidigt, mit der die Staaten als Ganzes Verpflichtungen haben, die proportional zu ihren historischen Treibhausgasemissionen stehen. Andere (Caney 2009(9); Baer et al. 2010(10); Harris 2010(11)) haben argumentiert, dass solche kollektiven, historischen Konten problematisch sind (insbesondere für Emissionen vor der Erkennung der Risiken der globalen Erwärmung) und dass die Verpflichtungen auch oder stattdessen auf der internationalen Gerechtigkeit basierend die Fähigkeit zu zahlen sein sollte. Diese Argumente der "Zahlungsfähigkeit" konzentrieren sich auch auf Einzelpersonen und nicht auf Länder, was mit den Grundprinzipien eines kosmopolitischen Ansatzes vereinbar ist. >Emissionsrechte, >Emissionsminderung, >Emissionsziele, >Emissionen, >Emissionsrechtehandel, >Klimawandel, >Klimaschäden, >Energiepolitik, >Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit, >Klimaperioden, >Klimaschutz, >Klimaziele, >Klimafolgenforschung, >CO2-Preis, >CO2-Preis-Koordinierung, >CO2-Preis-Strategien, >CO2-Steuer, >CO2-Steuer-Strategien. 1. Shue, H. 1993. Subsistence emissions and luxury emissions. Law and Policy 15: 39–59. 2. Shue; H. 1995. Ethics, the environment and the changing international order. International Affairs 71: 453–61. 3. Singer, P. 2002. One World: The Ethics of Globalization. New Haven: Yale University Press. 4. Beckermann, W., and J. Pasek. 2005. Justice, posterity, and the environment. Oxford: Oxford University Press. 5. Lomborg, B. (ed.) 2006. How to Spend $50 Billion to Make the World a Better Place. Cambridge: Cambridge University Press. 6. Brown, D. et al. 2006. White Paper on the Ethical Dimensions of Climate Change. Available at (http://www.psu.edu/dept/rockethics/climate/whitepaper/edcc‐whitepaper.pdf) (Link not available as of 15/04/19) 7. Posner, E. A., and Sunstein, C. R. 2008. Climate change justice. Georgetown Law Journal 96: 1565–612. 8. Neumayer, E. 2000. In defence of historical accountability for greenhouse gas emissions. Ecological Economics 33: 185–92. 9. Caney, S. 2009. Human rights, responsibilities and climate change. In C. R. Beitz and R. E. Goodin (eds.), Global Basic Rights. Oxford: Oxford University Press. 10. Bear, P. et al. 2010. Greenhouse development rights: A framework for climate protection that is ‘more fair’ than equal per capita emissions rights. Pp. 215–30 in S. M. Gardiner, S. Caney, D. Jamieson, and H. Shue (eds.), Climate Ethics: Essential Readings. Oxford: Oxford University Press. 11. Harris, P. G. 2010. World Ethics and Climate Change: From International to Global Justice. Edinburgh: Edinburgh University Press. Baer, Paul: “International Justice”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press. |
SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 Norgaard I Richard Norgaard John S. Dryzek The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011 |
| Klimakosten | Vereinigte Staaten | Norgaard I 178 Klimakosten/Verluste/Vereinigte Staaten: Die ursprünglichen Studien der United States Environmental Protection Administration (USEPA) über die Schäden durch den Klimawandel befassten sich ausschließlich mit der Messung der Auswirkungen in den Vereinigten Staaten (Smith und Tirpak 1989)(1). Die Analysen untersuchten die Folgen des Gleichgewichtsklimas, das durch die Verdoppelung der Kohlendioxid-(CO2)-Konzentration in der Erde (550 ppm) entstehen würde. Die USEPA-Studien befassten sich nicht mit der Dynamik der Auswirkungen im Laufe der Zeit. Beispielsweise beziehen sich die Küsten-, Forst- und Ökosystemstudien auf Sektoren, deren Adaption Jahrzehnte, wenn nicht gar Jahrhunderte dauert. Die Studien haben nicht erfasst, wie sich diese Kosten im Laufe der Zeit entwickelten. Die USEPA-Studien ergaben, dass eine begrenzte Anzahl von Wirtschaftszweigen durch den Klimawandel gefährdet ist: Landwirtschaft, der Küsten- und Energiesektor, Forstwirtschaft, Infrastruktur und Wasserwirtschaft. Darüber hinaus waren auch mehrere Nicht-Marktbereiche anfällig, darunter Erholung, Ökosysteme, gefährdete Arten und Gesundheit. Nachfolgende Wirtschaftsstudien versuchten, die mit diesen Auswirkungen verbundenen wirtschaftlichen Schäden in den USA in Dollar zu bewerten (Nordhaus 1991(2); Cline 1992(3); Titus 1992(4); Fankhauser 1995(5); Tol 1995(6)). Diese wirtschaftlichen Ergebnisse wurden im zweiten Bewertungsbericht des Intergovernmental Panel on Climate Change [IPCC] (Pearce et al. 1996)(7) zusammengefasst. Die Gesamtschadensschätzungen für die USA zur Verdoppelung der Treibhausgase (550 ppm) liegen zwischen 1,0 und 2,5 Prozent des BIP. Die Schadensschätzungen variierten stark zwischen den verschiedenen untersuchten Autoren, obwohl sich jeder Autor auf die gleichen ursprünglichen USEPA-Sektorstudien stützte. Die meisten anderen Autoren [mit Ausnahme von Cline und Frankhauser] gingen davon aus, dass Ökosystemänderungen nicht unbedingt so schädlich sein würden. Norgaard I 179 Klimakosten/Verluste: Zwei Studien gingen über die USA hinaus und prognostizierten weltweite Auswirkungen (Fankhauser 1995(5); Tol 1995(6)). Leider gab es damals wenig Beweise, um diese Extrapolation auf andere Faktoren als Bevölkerung und Einkommen zu stützen. Sie prognostizierten, dass die globalen Auswirkungen der Verdoppelung des CO zwischen 1,4 und 1,9 Prozent des Brutto-Weltprodukts (GWP) liegen würden. Sie prognostizierten, dass der Großteil dieser Schäden auf die OECD (60 bis 67 Prozent) fallen würde, weil sie davon ausgingen, dass die Schäden proportional zum Einkommen seien. Es wurde vermutet, dass nur 20 bis 37 Prozent der Schäden auf Länder mit niedrigem Breitengrad fallen würden, obwohl dies einen höheren Anteil am BIP (über 6 Prozent) ausmachen würde. Afrika, Südasien und Südostasien (ohne China) wurden als die empfindlichsten gegenüber der Erwärmung mit Verlusten von über 8 Prozent des BIP eingestuft (Tol 1995)(6). Wenn die Temperaturen in zukünftigen Jahrhunderten um 10°C anstiegen, könnten die Schäden auf 6 % des GWP ansteigen (Cline 1992)(3). Vs: (...) dies basiert weitgehend auf der bloßen Extrapolation der Ergebnisse des Verdopplungsexperiments und nicht auf zusätzlichen Forschungen zu höheren Temperaturen. (...) der aktuelle Barwert einer Tonne Kohlenstoff würde zu Schäden in der Größenordnung von $5 bis $12 pro Tonne führen (Pearce et al. 1996)(9). Das entspricht 1,4 bis 3,3 US-Dollar pro Tonne Kohlendioxid. Diese sozialen Kosten des Kohlenstoffs sollten im Laufe der Zeit um etwa 2 Prozent steigen, um die steigenden Grenzschäden zu berücksichtigen, die mit der Ansammlung von Treibhausgasen in der Atmosphäre verbunden sind. Solche niedrigen Preise werden die Anhäufung von Treibhausgasen in diesem Jahrhundert nicht verhindern, sie werden sie einfach verlangsamen (Nordhaus 1991)(2). Klimakosten/Katastrophen: Der IPCC-Bericht betrachtete auch Katastrophen. Wenn die Temperaturen bis 2090 um 6 °C wärmer wären, prognostizierten die "Experten" eine Wahrscheinlichkeit von 18 Prozent, dass der Schaden mehr als 25 Prozent des GWP betragen würde (Nordhaus 1994)(8). Zu den Experten gehörten in diesem Fall Ökonomen, aber auch Naturwissenschaftler, die mit der Schadensabschätzung nicht vertraut sind. Zu den drei im IPCC-Bericht identifizierten Katastrophen gehören ein durchgehender Treibhauseffekt, der Zerfall des Eisschildes der Westantarktis und erhebliche Veränderungen der Meeresströmungen (Pearce et al. 1996)(7). >Emissionsrechte, >Emissionsminderung, >Emissionsziele, >Emissionen, >Emissionsrechtehandel, >Klimawandel, >Klimaschäden, >Energiepolitik, >Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit, >Klimaperioden, >Klimaschutz, >Klimaziele, >Klimafolgenforschung, >CO2-Preis, >CO2-Preis-Koordinierung, >CO2-Preis-Strategien, >CO2-Steuer, >CO2-Steuer-Strategien. 1. Smith, J., and Tirpak, D. 1989. Potential Effects of Global Climate Change on the United States. Washington, DC: US Environmental Protection Agency. 2. Nordhaus, W. 1991. To slow or not to slow: The economics of the greenhouse effect. Economic Journal 101: 920–37. 3. Cline, W. 1992. The Economics of Global Warming. Washington, DC: Institute of International Economics. 4. Titus, J. G. 1992. The cost of climate change to the United States. In S. Majumdar, L. Kalkstein, B. Yarnal, E. Miller, and L. Rosenfeld (eds.), Global Climate Change: Implications, Challenges, and Mitigation Measures. Easton, PA: Pennsylvania Academy of Sciences. 5. Fankhauser, S. 1995. Valuing Climate Change: The Economics of the Greenhouse. London: Earthscan. 6. Tol, R. 1995. The damage costs of climate change: Towards more comprehensive estimates. Environmental and Resource Economics 5: 353–74. 7. Pearce, D. et al. 1996. The social cost of climate change: Greenhouse damage and the benefits of control. Pp. 179–224 in Intergovernmental Panel on Climate Change, Climate Change 1995: Economic and Social Dimensions of Climate Change. Cambridge: Cambridge University Press. 8. Nordhaus, W. 1994. Managing the Global Commons. The Economics of Climate Change. MIT Press, Cambridge, MA. Mendelsohn, Robert: “Economic Estimates of the Damages Caused by Climate Change”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press. |
Norgaard I Richard Norgaard John S. Dryzek The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011 |
| Klimawandel | Singer | I 217 Klimawandel/Ethik/P. Singer: was wir heute weit entfernten Fremden in anderen Gemeinschaften antun ist wesentlich ernster als das, was wir ihnen hätten antun können, wenn wir die Gewohnheit gehabt hätten, ihnen eine Gruppe Kämpfer ins Dorf zu schicken. I 218 Wir können den Klimawandel nur mit weltweiten Maßnahmen bekämpfen. Wie müsste die Ethik aussehen, auf deren Grundlage wir die Maßnahmen koordinieren? Natürliche Ressourcen/Locke/P. Singer: Aus Lockes Sicht können sie ausgebeutet werden, solange genug und in gleicher Qualität für alle da ist. P. Singer: wir haben nun aber entdeckt, dass die Aufnahmefähigkeit der Atmosphäre für Klimagase begrenzt ist. I 220 Gleichverteilung: Wie kann sie aussehen? Prinzipien/Nozick/P. Singer: Nozick macht eine sinnvolle Unterscheidung zwischen „historischen“ und „Zeitscheiben“-Prinzipien.(1): Def historisches Prinzip/Nozick: Um zu verstehen, ob eine gegebene Verteilung von Gütern gerecht oder ungerecht ist, müssen wir fragen, wie die Verteilung zustande kam. Wir müssen ihre Geschichte kennen. Sind die Parteien aufgrund ursprünglich gerechtfertigten Erwerbs zum Besitz berechtigt? Def Zweischeiben-Prinzipien/Nozick: betrachten nur die gegenwärtigen Gegebenheiten und fragen nicht nach dem Zustandekommen. >Verantwortung/Singer. I 224 Gleiche Lastenteilung/Umweltverschmutzung/Singer, P: Auf einer Konferenz der UN in 2009 plädierte der Präsident von Ruanda, Paul Kagame, für eine gleiche Pro-Kopf-Lastenverteilung bei der Beseitigung von Umweltschäden, da alle Menschen im gleichen Maße von der Atmosphäre Gebrauch machen. Alles andere sei kontraproduktiv. Sri Lanka machte einen ähnlichen Vorschlag. Singer: Das ist die Anwendung eines Zeitscheiben-Prinzips: Rwanda und Sri Lanka – wie auch andere entwickelnde Länder - fahren gut damit, denn sie verbrauchen weniger. Für sie ist es besser, auf das Recht auf Entschädigung gegenüber den Industrieländern zu verzichten. I 231 Klimawandel/Verantwortung/Individuum/Singer, P.: Was kann ich als Individuum tun? Wenn ich selbst mein Verhalten ändere, kann ich den Ausstoß an Klimagasen erstaunlich weit reduzieren. Das macht aber keinen messbaren Unterschied im globalen Maßstab aus. Wenn es aber alle machen würden, wäre der Effekt durchaus messbar. Dann liegt es nahe, dass es falsch ist, wenn ich persönlich mich nicht daran halte. I 232 Frage: Wie wäre es, wenn ich mein Verhalten an dem anderer Individuen orientiere und mich schlecht verhalte, solange nicht zu viele andere sich ebenfalls schlecht verhalten? Konsequentialismus: In dieser Frage unterscheiden sich Konsequentialisten und Nicht-Konsequentialisten. >Konsequentialismus. Regel-Utilitarismus: würde sagen: die beste Regel für das Individuum ist es, keinen Verstoß zu begehen bzw. keine Schädigung der Allgemeinheit in Kauf zunehmen, auch wenn sie sich nicht sofort messbar auswirkt. Utilitarismus/David Lyons(2): These: Regel-Utilitarismus fällt in solchen Fällen mit dem Handlungs-Utilitarismus zusammen. Beide begrüßen und verwerfen die gleichen Lösungen. >Utilitarismus. R. M. Hare: Hare behauptet das gleiche in Bezug auf Kants Appell an die Idee eines universellen Rechts und argumentiert, dass dieses Prinzip um Utilitarismus führt.(3) (>Kategorischer Imperativ. I 233 Brad Hooker(4): Hooker argumentiert für eine Version des Regel-Utilitarismus, die verhindert, dass Regeln zu kompliziert werden. Er meint, dass wir falsch handeln, wenn wir gegen eine Regel verstoßen, die Teil einer Menge von Regeln ist, die, wenn sie von einer überwältigenden Mehrheit der Bevölkerung internalisiert wurde, die besten Konsequenzen zeitigen würde. Wenn die Regeln nun zu komplex würden, würden Menschen es schwer finden, sie zu internalisieren. Die Kosten für die Erziehung der Menschen würden zu hoch. Verantwortung/Parfit, Ethik/Glover, >Emissionsrechte, >Emissionsminderung, >Emissionsziele, >Emissionen, >Emissionsrechtehandel, >Klimawandel, >Klimaschäden, >Energiepolitik, >Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit, >Klimaperioden, >Klimaschutz, >Klimaziele, >Klimafolgenforschung, >CO2-Preis, >CO2-Preis-Koordinierung, >CO2-Preis-Strategien, >CO2-Steuer, >CO2-Steuer-Strategien. 1. R. Nozick, Anarchy, State and Utopia, New York, 1974 2. D. Lyons, Forms and Limits of Utilitarianism, Oxford, 1965. 3. R. M. Hare,"Could Kant have been a Utilitarian?" Utilitas 5 (1993), pp. 1-16. 4. B. Hooker, Ideal Code, Real World. Oxford, 2000. |
SingerP I Peter Singer Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011 SingerP II P. Singer The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015 |
| Klimawandel | Utilitarismus | Norgaard I 342 Klimawandel/Utilitarismus/VsPräsentismus: Eine prominente Alternative zum Präsentismus ist der klassische Utilitarismus, ein ethischer Rahmen, der auf das bahnbrechende Werk von Jeremy Bentham (1823)(1) zurückgeht. Nach Ansicht der Utilitarier sollten soziale Institutionen und öffentliche Gesetze so gestaltet sein, dass sie den Gesamtnutzen oder das Wohlergehen in der Gesellschaft maximieren, wobei das gleiche Gewicht auf das Wohlergehen jedes einzelnen Menschen gelegt wird. Mill (1863)(2) nannte dieses Kriterium das "größte Glücksprinzip" ("greatest happiness principle"). Singer (2002(3): 42) diskutiert die Auswirkungen des Utilitarismus auf die Klimastabilisierungspolitik. Auf der einen Seite favorisieren Utilitaristen einen Ansatz, der die Kosten und den Nutzen der Treibhausgasemissionen ausgleicht. Andererseits legen sie auch besonderen Wert auf die Interessen von Menschen mit materieller Not. >Utilitarismus/Bentham, >Utilitarismus/Singer, >Präsentismus. Klimakosten/Utilitarismus/Singer, P.: Laut Singer (...) sollten die Kosten des Klimaschutzes unverhältnismäßig von den wohlhabendsten Mitgliedern der internationalen Gemeinschaft getragen werden, da ein Dollar Nettoleistungen für eine reiche Person weniger Nutzen bringt als für eine arme Person. Aus dem gleichen Grund sind die Utilitarier besonders besorgt über die potenzielle Bedrohung, die der Klimawandel für Einkommen und Lebensgrundlagen in einkommensschwachen Entwicklungsländern darstellt, die ressourcenabhängig und daher besonders anfällig für Veränderungen der Umweltbedingungen sind (Anthoff et al. 2009a)(4). Utilitarismus: (...) Der Utilitarismus bietet keine Grundlage, um dem Wohlergehen heutiger und zukünftiger Generationen unterschiedliche Gewichtungen zu verleihen. Im Gegenteil, der Nutzen wird als gleichwertig Norgaard I 343 wertvoll angesehen, unabhängig davon, wer ihn in Raum und Zeit erlebt (Broome 2008)(5). (...) Ein Großteil der Moralphilosophie beschäftigt sich mit dem Verständnis und der Bewältigung der Konflikte, die zwischen dem Streben nach Eigennutz und der Erfüllung der eigenen moralischen Pflichten bestehen. Der Utilitarismus nähert sich diesem Problem, indem er behauptet, dass die Entscheidungen der Menschen darauf abzielen sollten, den Gesamtnutzen in der Gesellschaft zu maximieren, ohne den persönlichen Bedürfnissen und Anliegen besonderes Gewicht zu verleihen. Norgaard I 344 In diesem Sinne steht der Utilitarismus im Spannungsfeld zu den moralischen Prinzipien, die liberal-demokratische politische, wirtschaftliche und rechtliche Institutionen unterstützen, die der Ausweitung und Erhaltung der individuellen Rechte und Freiheiten höchste Bedeutung beimessen. >Emissionsrechte, >Emissionsminderung, >Emissionsziele, >Emissionen, >Emissionsrechtehandel, >Klimawandel, >Klimaschäden, >Energiepolitik, >Klimadaten, >Klimageschichte, >Klimagerechtigkeit, >Klimaperioden, >Klimaschutz, >Klimaziele, >Klimafolgenforschung, >CO2-Preis, >CO2-Preis-Koordinierung, >CO2-Preis-Strategien, >CO2-Steuer, >CO2-Steuer-Strategien. 1. Bentham, J. 1823. An Introduction to the Principles of Morals and Legislation. London: W. Pickering. 2. Mill, J. S. 1863. Utilitarianism. London: Parker, Son & Bourn. 3. Singer, P. 2002. One World: The Ethics of Globalization. New Haven: Yale University Press. 4. Anthoff, D., Hepburn, C., and Tol, R. S. J. 2009a. Equity weighting and the marginal damage costs of climate change. Ecological Economics 68: 836–49. 5. Broome, J. 2008. The ethics of climate change. Scientific American 298: 97–102. Howarth, Richard: “Intergenerational Justice”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press. |
Norgaard I Richard Norgaard John S. Dryzek The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011 |
| Koextension | Carnap | VI 43/4 Def koextensiv/Carnap: umfangsgleichen Eigenschaften kommt dieselbe Klasse zu - Vorbereich: Klasse der möglichen Vorderglieder. Def homogen: ist eine Relation, wenn Vor- und Nachbereich sphärenverwandt sind. Def konstituieren: einen Begriff auf einen anderen zurückführen (Reduktion) - Problem: Umformungsregel. >Elementrelation, >Komprehension, >Mengenlehre, >Mengen, >Teilmengen. VI 48 Def logischer Komplex/Carnap: ist ein Gegenstand auf andere zurückführbar, nennen wir ihn einen Komplex der anderen Gegenstände. Klassen und Relationen sind Komplexe. Sie bestehen nicht aus ihren Elementen. >Komplex/Carnap. |
Ca I R. Carnap Die alte und die neue Logik In Wahrheitstheorien, G. Skirbekk (Hg) Frankfurt 1996 Ca II R. Carnap Philosophie als logische Syntax In Philosophie im 20.Jahrhundert, Bd II, A. Hügli/P.Lübcke (Hg) Reinbek 1993 Ca IV R. Carnap Mein Weg in die Philosophie Stuttgart 1992 Ca IX Rudolf Carnap Wahrheit und Bewährung. Actes du Congrès International de Philosophie Scientifique fasc. 4, Induction et Probabilité, Paris, 1936 In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Ca VI R. Carnap Der Logische Aufbau der Welt Hamburg 1998 CA VII = PiS R. Carnap Sinn und Synonymität in natürlichen Sprachen In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 Ca VIII (= PiS) R. Carnap Über einige Begriffe der Pragmatik In Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982 |
| Kognition | Chalmers | I 111 Kognition/Erklärung/Bewusstsein/Kognitive Modelle/Chalmers: Kognitive Modelle sind sehr gut, wenn es um die Erklärung von Dingen wie Lernen und Verhalten geht, nicht aber bei der Erklärung von bewusstem Erleben. >Bewusstsein/Chalmers, >Lernen, >Erleben. Bei allem, was kognitiv erklärt wird bleibt die Frage, warum es von so etwas wie Bewusstsein begleitet wird. I 112 Kognitive Modelle können sicher die psychologische Seite des Bewusstseins (Verhaltenserklärung, Lernen, Informationsverarbeitung) abdecken, nicht aber die phänomenale Seite des bewussten Erlebens. I 113 Bewusstsein/Kognition/Dennett/Chalmers: Dennett (1978c)(1) bringt ein kognitives Modell des Bewusstseins, bestehend aus Wahrnehmungsmodul, Kurzzeitgedächtnis, Speicher, I 114 Kontrollinstanz und Modul für „public relations“: für die Umsetzung in Alltagssprache. ChalmersVsDennett: Das zeigt uns etwas über Informationsbverarbeitung und die Möglichkeit, darüber zu berichten, aber nicht, warum es für ein solches Modell eine Weise geben sollte „wie es ist“, dieses Modell zu sein. >Wissen wie. Später bringt Dennett ein stärker ausgearbeitetes Modell (Dennett, Consciousness Explained, 1991) ohne zentrales „Hauptquartier“. ChalmersVsDennett: Das bringt nun auch eine mögliche Erklärung von Aufmerksamkeit, nicht aber eine bessere Erklärung von bewusstem Erleben. >Aufmerksamkeit/awareness/Chalmers. Bewusstsein/DennettVsNagel/DennettVsChalmers: These: Was Dennett aufzeigt, sei dennoch alles, was es braucht, um Bewusstsein zu erklären. Sobald man die verschiedenen Funktionen erklärt hat, hat man alles erklärt (Dennett, 1993a (2), p. 210) und Chalmers I 370. Kognitive Modelle/Chalmers: Kognitive Modelle gibt es auch von Churchland, (1995)(3), Johnson-Laird (1988)(4), Shallice (1972, 1988a, 1988b)(5). ChalmersVs: Auf alle trifft meine Kritik VsDennett von oben zu. I 172 Kognition/Chalmers: Es ist falsch anzunehmen, dass Kognition vom Bewusstsein getrennt ist, auch wenn sie zu einer anderen Sphäre (dem Physischen) gehört. Bsp Man hat eine (physische) Wahrnehmung von etwas Grünem, die aber psychologisch individuiert wird. Andererseits haben wir auch Wahrnehmungen über unser Bewusstsein. I 218 Kognition/Bewusstsein/Kognition/Psychologie/Chalmers: Die Kohärenz zwischen bewusster Erfahrung und kognitiven Strukturen ist bemerkenswert. Wir können Prinzipien erkennen: Prinzipien: 1. Verlässlichkeitsprinzip: Unsere Urteile 2. Stufe über Bewusstsein sind im Großen und Ganzen korrekt. I 219 Wenn ich urteile, dass ich etwas höre, dann höre ich normalerweise etwas. 2. Deduzierbarkeitsprinzip (umgekehrtes Verlässlichkeitsprinzip): auch wenn uns viele Erlebnisse entgehen, haben wir normalerweise die Fähigkeit, sie zu bemerken. I 222/223 3. Prinzip der strukturellen Kohärenz: bewusste phänomenale Erlebnisse sind immer begleitet von (geeignet charakterisierter) psychologischer Bewusstheit. I 223 Bsp Strukturelle Gegebenheiten des Gesichtsfelds finden sich in unseren Erlebnissen von größeren und kleineren, helleren und dunkleren usw. Gegenständen wieder und ebenso in unseren Reaktionen darauf. Das trifft auch auf implizite Strukturen wie Relationen zwischen Farben zu. Vgl. >Kognitionspsychologie. 1. D. Dennett, Toward a cognitive theory of consciousness. In: D. Dennett, Brainsorms, Cabridge 1978. 2. D. Dennett, Back from the drawing board. In: B. Dahlbom (Ed) Dennett and His Critics, Oxford 1993. 3. P. M. Churchland, The Engine of Reason, the Seat of the Soul: A Philosophical Journey into the Brain. Cambridge 1995. 4. P. Johnson-Laird, A computational analysis of consciousness. Cognition and Brain Theory 6, 1983: pp. 499-508 5. T. Shallice, Dual funtions of consciousness. Psychological Review 79, 1972: pp. 383-93; Information-precessing models of consciousness: Possibilities and problems. In: A. Marcel and E. Bisach (Eds) Consciousness in Contemporary Science, Oxford 1988. |
Cha I D. Chalmers The Conscious Mind Oxford New York 1996 Cha II D. Chalmers Constructing the World Oxford 2014 |
| Kognition | Dennett | Chalmers I 113 Bewusstsein/Kognition/Dennett/Chalmers: Dennett (1978c)(1) bringt ein kognitives Modell des Bewusstseins, bestehend aus Wahrnehmungsmodul, Kurzzeitgedächtnis, Speicher, I 114 Kontrollinstanz und Modul für „public relations“: für die Umsetzung in Alltagssprache. ChalmersVsDennett: das zeigt uns etwas über Informationsbverarbeitung und die Möglichkeit, darüber zu berichten, aber nicht, warum es für ein solches Modell eine Weise geben sollte „wie es ist“, dieses Modell zu sein. Später bringt Dennett ein stärker ausgearbeitetes Modell (Dennett, Consciousness Explained, 1991)(2) ohne zentrales „Hauptquartier“. ChalmersVsDennett: das bringt nun auch eine mögliche Erklärung von Aufmerksamkeit, nicht aber eine bessere Erklärung von bewusstem Erleben. Bewusstsein/DennettVsNagel/DennettVsChalmers: These: was er aufzeigt, sei dennoch alles, was es braucht, um Bewusstsein zu erklären. Sobald man die verschiedenen Funktionen erklärt hat, hat man alles erklärt (Dennett, 1993a(3), p. 210) und (FN 9/Kap 3) Kognitive Modelle/Chalmers: gibt es auch von Churchland, (1995)(4), Johnson-Laird (1988)(5), Shallice (1972(6), 1988a(7), 1988b(8)). ChalmersVs: auf alle trifft meine Kritik VsDennett von oben zu. 1. Dennett, D. Toward a cognitive theory of consciousness. In: D. Dennett, Brainsorms, Cabridge 1978. 2. Dennett, D. Consciousness explained. Little, Brown and Co., Boston 1991 3. Dennett, D. Back from the drawing board. In: B. Dahlbom (Ed) Dennett and His Critics, Oxford 1993. 4. Churchland, P. M. The Engine of Reason, the Seat of the Soul: A Philosophical Journey into the Brain. Cambridge 1995. 5. Johnson-Laird, P. A computational analysis of consciousness. Cognition and Brain Theory 6, 1983: pp. 499-508 6. Shallice, T., Dual funtions of consciousness. Psychological Review 79, 1972: pp. 383-93; Information-precessing models of consciousness: Possibilities and problems. In: A. Marcel and E. Bisach (Eds) Consciousness in Contemporary Science, Oxford 1988. 7. Shallice, T. Information-precessing models of consciousness: Possibilities and problems. In: A. Marcel and E. Bisach (Eds) Consciousness in Contemporary Science, Oxford 1988. 8. Shallice, T. From Neuropsychology toMental structure. Cambridge: Cambridge University Press. |
Dennett I D. Dennett Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997 Dennett II D. Dennett Spielarten des Geistes Gütersloh 1999 Dennett III Daniel Dennett "COG: Steps towards consciousness in robots" In Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996 Dennett IV Daniel Dennett "Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 Cha I D. Chalmers The Conscious Mind Oxford New York 1996 Cha II D. Chalmers Constructing the World Oxford 2014 |
| Kognition | Searle | I 225f SearleVsKognition: Gleicht ein Gehirn einem Computer? Das ist gar nicht die Frage. Die Frage ist, ob der Geist gleich einem Programm ist. Antwort: Nein! Ist Simulation möglich? Ja! Der Geist hat intrinsisch geistigen Inhalt, daher ist er kein Programm. Ein Programm ist syntaktisch oder formal definiert. Der Geist hat intrinsisch geistigen Inhalt. Daraus folgt unmittelbar, dass das Programm selbst den Geist nicht ausmachen kann. Die formalen Syntax des Programms garantiert aus eigener Kraft nicht das Vorhandensein geistiger Inhalte. >Chinese room, >Geist/Searle. I 226 Church These: Alles kann auf einem digitalen Computer simuliert werden, was man hinreichend präzise als eine Abfolge von Schritten charakterisieren kann. >Church-These, >Computer-Modell. Searle: Die Gehirntätigkeiten lassen sich im selben Sinn auf einem digitalen Computer simulieren, indem dies auch mit Wetterlagen, der Aktienbörse oder dem Flugverkehr funktioniert. Die Frage ist also nicht: Ist der Geist ein Programm, sondern ist das Hirn ein digitaler Computer? Es könnte doch sein, dass Geisteszustände zumindest einmal computationale Zustände sind. Das scheint die Ansicht von ziemlich viele Leuten zu sein. I 227 Def Starke Künstliche Intelligenz: Einen Geist haben heißt ein Programm haben, und mehr ist am Geist nicht dran. >Starke Künstliche Intelligenz. Def schwache Künstliche Intelligenz: Gehirnvorgänge können mittels eines Computers simuliert werden. >Künstliche Intelligenz. Def Kognitivismus: ist die Auffassung, das Gehirn sei ein digitaler Computer. >Computation, >Informationsverarbeitung/Psychologie. I 228 Wie steht es mit der Semantik? Schließlich sind Programme doch rein syntaktisch. Antwort der Künstlichen Intelligenz: Die Entwicklung der Beweistheorie hat gezeigt, dass sich die semantischen Beziehungen vollständig widerspiegeln lassen durch die syntaktischen Relationen, die zwischen den Sätzen bestehen. Und genau das tut ein Computer: Er implementiert Beweistheorie! Der Inhalt der syntaktischen Gegenstände, falls sie überhaupt einen haben, ist irrelevant dafür, wie sie verarbeitet werden. >Semantik, >Syntax, >Inhalt, >Beweistheorie. I 229 Man beachte insbesondere Turings Gegenüberstellung von bewusster Programmimplementierung durch den menschlichen Rechner und unbewusster Programmimplementierung durch das Gehirn bzw. durch einen mechanischen Rechner. Weiterhin beachte man die Idee, wir könnten Programme entdecken, die wir in unsere mechanischen Computer hineingesteckt haben!. 1. Es wird häufig unterstellt, irgendein Dualismus sei die einzige Alternative zur Auffassung, dass das Gehirn ein digitaler Computer ist. 2. Es wird auch unterstellt, die Frage, ob Gehirnvorgänge computational sind, sei einfach eine empirische Frage. Sie sei genau so durch Untersuchungen zu entscheiden wie die Frage, ob das Herz eine Pumpe ist oder nicht. I 230 Die Frage ob das Gehirn tatsächlich ein Computer ist, ist ihres Erachtens genauso wenig eine philosophische Frage wie die nach dem chemischen Vorgängen. Searle: Mir hingegen ist dies ein Rätsel: Was für eine Tatsache, die das Gehirn betrifft, könnte ausmachen, dass es ein Computer ist? Es wird unterstellt, dass irgendwie irgendwer die grundlegende philosophische Arbeit getan haben muss, die Mathematik mit der Elektrotechnik zu verknüpfen. Doch soweit ich sehen kann, ist dies nicht der Fall. Es gibt wenig theoretische Übereinstimmung bei absolut grundlegenden Fragen: Was genau ist ein digitaler Computer? >Computermodell, >Computation. |
Searle I John R. Searle Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996 Searle II John R. Searle Intentionalität Frankfurt 1991 Searle III John R. Searle Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997 Searle IV John R. Searle Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982 Searle V John R. Searle Sprechakte Frankfurt 1983 Searle VII John R. Searle Behauptungen und Abweichungen In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle VIII John R. Searle Chomskys Revolution in der Linguistik In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Searle IX John R. Searle "Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Kognitive Dissonanz | Festinger | Haslam I 43 Kognitive Dissonanz/Festinger: Festinger (1954)(1) hatte seine Theorie der sozialen Vergleichsprozesse vorgestellt. Die Theorie des sozialen Vergleichs identifizierte die starke Notwendigkeit, dass Menschen ihre eigenen Meinungen und Fähigkeiten bewerten müssen, indem sie sie mit den Meinungen und Fähigkeiten anderer vergleichen. Festinger (1957)(2) führte eine neue Theorie ein, die über den sozialen Vergleich hinausgeht: Sie fokussierte die Sichtweise der sozialen Welt ungeniert aus der Perspektive des Einzelnen. Individuen/Festinger: Individuen repräsentieren die soziale Welt als eine Reihe von mentalen Kognitionen. Jedes Verhalten, jede Einstellung oder Emotion wurde als Kognition betrachtet - das heißt, eine mentale Darstellung im Kopf einer Person. So auch die Wahrnehmungen der Welt um uns herum. Unsere Wahrnehmungen anderer Menschen, sozialer Gruppen und der physischen Welt wurden alle als kognitive Repräsentationen betrachtet. Problem: Diese Darstellungen existierten in Beziehung zueinander - mal konsequent zusammenpassend, mal uneinheitlich in den Köpfen der Menschen. Menschen verabscheuen Inkonsistenzen zwischen ihren Wahrnehmungen, und so erzeugen mentale Repräsentationen, die miteinander unvereinbar sind, psychologische Unannehmlichkeiten, die einem unangenehmen Antrieb ähneln. Wie andere Antriebszustände, beispielsweise Hunger, müssen sie reduziert werden. Haslam I 44 Kognitive Dissonanz/Festinger: z.B. nach einer unerfüllten Weltuntergangsprophezeiung müssen diejenigen, die daran glaubten, die Dissonanz zwischen Glaube und Realität reduzieren, weil sie diese Diskrepanz als unangenehmen Spannungszustand erleben werden. Lösung: Normalerweise können Menschen eine Kognition ändern, um die Diskrepanz zu reduzieren. Problem: Wenn wir uns zu unserem Glauben bekennen - zum Beispiel, wenn wir eine öffentliche Haltung eingenommen hätten, die sich für den Glauben einsetzt - dann versuchen wir, ihn zu bewahren, auch angesichts einer widersprüchlichen Erkenntnis, die die genaue Distanz angibt. Haslam I 45 Lösung: (Festinger, Riecken und Schachter 1956)(3) machten eine mutige und umstrittene Vorhersage: Die Suchenden [diejenigen, die an die Prophezeiung des Jüngsten Gerichts glaubten] würden nicht nur in ihrem Glauben bestehen bleiben, sondern tatsächlich glühender werden als zuvor. Sie würden hartnäckig an ihrer Überzeugung festhalten, dass ihre Prophezeiung von Anfang an richtig war. Natürlich könnten sie nicht behaupten, dass die Welt untergegangen sei, aber sie könnten ihr allgemeines Glaubensmuster bekräftigen. Vielleicht war das Datum falsch oder es gab einen anderen Grund für die mangelnde Zerstörung. Aber sie würden an ihrem Glaubenssystem mit größerer Hartnäckigkeit als je zuvor festhalten. "Wenn immer mehr Menschen davon überzeugt werden können, dass das Glaubenssystem richtig ist, dann muss es doch richtig sein" (Festinger et al., 1956(3): S. 28). Das Ende der Welt-Studie: Festinger et al. (1956) testeten diese Annahme in einem realen Fall der Weltuntergangsprophezeiung von 1955. Haslam I 46 Wie von den Ermittlern vorhergesagt, wurde die Bekehrung zum Hauptweg, um die durch das Scheitern der Prophezeiung verursachte Dissonanz zu reduzieren. Die diskreten Erkenntnisse, die durch die Dissonanz der Prophezeiung von der Realität verursacht wurden, wurden in eine übergreifendere Botschaft umgewandelt, wie die kleine Gruppe wahrer Gläubiger die Welt vor der Zerstörung bewahrt hatte. (...) wenn alle glaubten, dass es so war, dann muss es so gewesen sein. >Methode/Festinger. Haslam I 48 Festinger und Carlsmith (1959)(4): Der Kern von Festingers zweitem bahnbrechenden Experiment war es, eine Person eine Aussage machen zu lassen, die im Widerspruch zu seiner Haltung stand, und dann die Auswirkungen auf die Haltung der Person zu messen. Die Inkonsistenz sollte zu einer Verhaltensänderung führen, die mit der Aussage der Person übereinstimmt. Obwohl es keine Studie in der psychologischen Literatur gab, die diese Vorhersage getestet hatte, war sie im Einklang mit dem, was von mehreren anderen Gleichgewichtstheorien vorhergesagt worden wäre, die der Dissonanztheorie vorausgingen. Aber was die Dissonanz unter den Gleichgewichtstheorien einzigartig machte, war der Begriff der Dissonanz als Energiemodell. Und als eine Form der Energie hatte sie eine Größe. Energie/Messungen/Festinger: Einstellung? Angenommen, ein Mann wird dafür bezahlt, eine Aussage zu machen, die seiner Einstellung widerspricht. Würde das die Dissonanz verringern? Haslam I 49 FestingerVsLerntheorie: Diese Vorhersage war eine direkte Herausforderung an den bestehenden Zeitgeist in der Psychologie. Belohnungen/Lerntheorie: Der dominante Ansatz der Psychologie, einschließlich der Sozialpsychologie, in den späten 1950er Jahren basierte auf der Lerntheorie. Dies deutete darauf hin, dass die Menschen als direkte Funktion der Belohnung lernten. Menschen haben ihr Verhalten geändert, weil sie bestärkt (reinforce) oder belohnt werden. >Lerntheorie. FestingerVs: These (Festinger und Carlsmith (1959)(4): Je kleiner der Anreiz, desto mehr Menschen würden von ihren eigenen diskrepanten Aussagen beeinflusst werden und dass große Anreize die Auswirkungen des Verhaltens auf die Einstellungen beseitigen würden. Dies war eine einfache Ableitung aus der Dissonanztheorie, aber eine Herausforderung an die Reinforcement Theory als Leitprinzip der Sozialpsychologie. >Experiment/Festinger, >Methode/Festinger. 1. Festinger, L. (1954) ‘A theory of social comparison processes’, Human Relations, 1: 117–40. 2. Festinger, L. (1957) A Theory of Cognitive Dissonance. Stanford: Stanford University Press. 3. Festinger, L., Riecken, H.W. and Schachter, S. (1956) When Prophecy Fails. Minneapolis: University of Minnesota Press. 4. Festinger, L. and Carlsmith, J.M. (1959) ‘Cognitive consequences of forced compliance’, Journal of Abnormal and Social Psychology, 58: 203–10. Joel Cooper, “Cognitive Dissonance. Revisiting Festinger’s End of the World study”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications |
Haslam I S. Alexander Haslam Joanne R. Smith Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017 |
| Kognitive Verzerrungen | Matthews | Corr I 410 Kognitive Verzerrungen/selektive Aufmerksamkeit/kognitive Psychologie/Matthews: Unbewusste Verzerrung: Ist die Verzerrung unbewusst oder spiegelt sie eine freiwillige Strategie der aktiven Suche nach potenziellen Bedrohungen wider? (Siehe Matthews and Wells 2000(1)). Es ist plausibel, dass beide Arten von Prozessen beteiligt sein können. Mathews und Mackintosh (1998)(2) schlugen einen dualen Prozessansatz vor, bei dem die Verzerrung zunächst durch ein automatisches Bedrohungsbewertungssystem erzeugt wird, aber durch freiwillige Anstrengungen kompensiert werden kann. Angst: Belege für einen automatischen Prozess stammen aus Studien, die zeigen, dass angstbedingte Verzerrungen der Aufmerksamkeit auch dann nachgewiesen werden können, wenn Reize subtil präsentiert werden, so dass sie nicht bewusst wahrgenommen werden können (Fox 1996)(3). Andererseits scheint die Verzerrung empfindlich auf bewusste Erwartungen zu reagieren und wirkt über einen längeren Zeitraum, als eine einfache automatische Verzerrung vorhersagen würde (Matthews and Wells 2000(1); Phaf and Kan 2007)(4). Andere Studien haben bestätigt, dass ängstliche Personen dazu neigen, sich an potenzielle Gefahrenquellen zu "binden" und verlieren die Aufmerksamkeit nur langsam (Derryberry und Reed 1997(5), 2002(6)). Angstwirkungen beschränken sich nicht nur auf ein langsameres Loslösen, sondern es werden auch verschiedene andere spezifische Aufmerksamkeitsmechanismen einbezogen (Calvo und Avero 2005(7); Matthews, Derryberry und Siegle 2000(8)). So kann die Aufmerksamkeitsverzerrung ein Produkt mehrerer interagierender Prozesse sein, und eine sorgfältige Computermodellierung kann erforderlich sein, um diesen Angst-Effekt zu verstehen (Hudlicka 2004)(9). >Angst, >Aufmerksamkeit, >Selektive Aufmerksamkeit, >Gedächtnis, >Leistungsfähigkeit, >Informationsverarbeitung, >Persönlichkeit, >Charakterzüge. 1. Matthews, G. and Wells, A. 2000. Attention, automaticity and affective disorder, Behaviour Modification 24: 69–93 2. Mathews, A. and Mackintosh, B. 1998. A cognitive model of selective processing in anxiety, Cognitive Therapy and Research 22: 539–60 3. Fox, E. 1996. Selective processing of threatening words in anxiety: the role of awareness, Cognition and Emotion 10: 449–80 4. Phaf, R. H. and Kan, K. 2007. The automaticity of emotional Stroop: a meta-analysis, Journal of Behaviour Therapy and Experimental Psychiatry 38: 184–99 5. Derryberry, D. and Reed, M. A. 1997. Motivational and attentional components of personality, in G. Matthews (ed.), Cognitive science perspectives on personality and emotion, pp. 443–73. Amsterdam: Elsevier 6. Derryberry, D., & Reed, A. 2002. Anxiety-related attentional biases and their regulation by attentional control, Journal of Abnormal Psychology 111: 225–36 7. Calvo, M. G. and Avero, P. 2005. Time course of attentional attentional bias to emotional scenes in anxiety: gaze direction and duration, Cognition and Emotion 19: 433–51 8. Matthews, G., Derryberry, D. and Siegle, G. J. 2000. Personality and emotion: cognitive science perspectives, in S. E. Hampson (ed.), Advances in personality psychology, vol. I, pp. 199–237. London: Routledge 9. Hudlicka, E. 2004. Beyond cognition: modeling emotion in cognitive architectures, in M. Lovett, C. Schunn, C. Lebiere and P. Munro (eds.), Proceedings of the sixth international conference on cognitive modeling, ICCCM 2004, Integrating models, pp. 118–23. Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum Gerald Matthews, „ Personality and performance: cognitive processes and models“, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press |
Corr I Philip J. Corr Gerald Matthews The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009 Corr II Philip J. Corr (Ed.) Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018 |
| Kohärenz | Millikan | I 8 Kohärenz/Millikan: man wird erklären müssen wozu sie gut ist, wie sie uns hilft, nicht nur, was sie ist. Letztendlich geht das nur in einer Gesamttheorie über die Welt. „Neuer Empirismus“/Millikan: hat bisher nur die Hälfte seiner Aufgabe geschafft, er hat nicht geschafft, den Mythos des Gegebenen, der in der Bedeutungstheorie eingebettet ist, zu überwinden. >Empirismus. Realismus/Millikan: die Argumente VsRealismus sind sehr einfach: VsRealismus: „um die Bedeutung eines Worts zu finden, muss man sehen, was seine Anwendung rechtfertigen würde, oder was eine Anwendung verursachen würde. Aber die Anwendung wird durch frühere Anwendungen gerechtfertigt! Und sie wurde verursacht durch frühere Überzeugungen! ((s) auch VsKausaltheorie, VsKorrespondenztheorie). >Kausaltheorie des Wissens, >Realismus, >Korrespondenz-Theorie. Korrespondenz: spielt also keine Rolle bei der Rechtfertigung oder der Kausalerklärung einer Äußerung. Also hat Korrespondenz nichts mit der Bedeutung von „wahr“ zu tun. MillikanVsVs: Das kann man genauso gut auch umdrehen: Korrespondenztheorie: pro: Korrespondenz ist in der Natur von Wahrheit involviert, weil für einen Satz wahr zu sein bedeutet, in bestimmter Weise einem Teil der Welt zu korrespondieren. Dass Korrespondenz keine Rolle in der Rechtfertigung einer Äußerung spielt, kann man genauso gut so wenden: dass die Bedeutung nichts mit Rechtfertigung zu tun hat. (Millikan pro!). Satzbedeutung/Bedeutung/Millikan: sind die speziellen Abbildungsfunktionen des Satzes Aber da wir Korrespondenz als Test für Wahrheit ablehnen, kann die Abbildungsfunktion nicht in Regeln im Kopf bestehen. I 10 Es kann nicht der „Benutzer“ sein, der „annimmt“, dass seine Sätze die Welt so und so abbilden. Außerdem muss das „angenommen“ („sollte“) das die Bedeutung festlegt ein anderes „angenommen“ („sollte“) sein als das, wie man von einer Person „annimmt“ dass sie in Übereinstimmung mit der Erwartung anderer nach Regeln verhält. („verhalten sollte“). Abbildungsfunktion/Abbildung/Bedeutung/Millikan: die Fragen werden dann immer schwieriger: Welche Art Dinge sind das, die Sätze abbilden? Welche Art von Abbildungsfunktionen sind involviert? Was ist das für ein „sollte“? Wissen/Selbst/Bedeutung/Millikan: wenn etwas anderes als die Weise, wie ich selbst meine Äußerungen rechtfertige, meine Bedeutungen festlegt, wie kann ich dann erfassen, was ich selber denke? >Selbst-Wissen. These: Wir werden aufgeben müssen, dass wir das a priori wissen! Wir wissen auch nicht a priori, was wir meinen. Subjekt/Prädikat/Kohärenz/Sprache/Welt/Millikan: Subjekt-Prädikat-Struktur: ich versuche zu zeigen, wie das Gesetz des Nichtwiderspruchs (das Wesen der Kohärenz) in die Natur passt. Dazu brauche ich Fregeschen Sinn als Hauptbegriff. Wie man sich beim Wissen irren kann, so auch in der Bedeutung. I 324 Kohärenz/Millikan: ist im Grund Nichtwiderspruch (Nichtwidersprüchlichkeit, Konsistenz). Das Fehlen von Widersprüchen kann ein Test für die Adäquatheit von Begriffen sein. Und zwar, bevor die Theorien überhaupt entwickelt wurden. Wahrnehmungsurteil/Wiederholung/Millikan: wenn ein Urteil wiederholt werden kann, ist das ein Test, bei dem überhaupt keine Schlussfolgerung (Inferenz) eine Rolle spielt. Dann geht es nur um Kohärenz (von Urteilen, nicht von Theorien). >Wahrnehmung/Millikan, >Urteil. Kohärenz/Millikan: kann daher auch als Test von Wahrheit angesehen werden, und zwar, ohne einen Holismus notwendig zu machen. |
Millikan I R. G. Millikan Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987 Millikan II Ruth Millikan "Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 |
| Kohärenz | Strawson | IV 116 Kohärenz/Strawson: Überzeugungen stehen immer im Zusammenhang mit anderen Überzeugungen. - Man kann eine Übersetzung nicht korrigieren, ohne eine neue Übersetzung zu bilden. >Überzeugungen, >Übersetzung, >Bedeutung, >Kohärenz, >Holismus. |
Strawson I Peter F. Strawson Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972 Strawson II Peter F. Strawson "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit", In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Strawson III Peter F. Strawson "On Understanding the Structure of One’s Language" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Strawson IV Peter F. Strawson Analyse und Metaphysik München 1994 Strawson V P.F. Strawson Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981 Strawson VI Peter F Strawson Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Strawson VII Peter F Strawson "On Referring", in: Mind 59 (1950) In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 |
| Kohärenztheorie | Dummett | I 29 Korrespondenz-Theorie/Kohärenz-Theorie/Tradition: Für beide Theorien gilt traditionell: Bedeutung kommt vor Wahrheit - DavidsonVsTradition: Wahrheit kommt vor Bedeutung (die Wahrheitsbedingungen werden später durch Theorie festgelegt). DummettVsDavidson: beide werden zusammen festgelegt! >Wahrheitsbedingungen/Dummett, >Wahrheitstheorie/Dummett, >Verstehen/Dummett. |
Dummett I M. Dummett Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992 Dummett II Michael Dummett "What ist a Theory of Meaning?" (ii) In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Dummett III M. Dummett Wahrheit Stuttgart 1982 Dummett III (a) Michael Dummett "Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (b) Michael Dummett "Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144 In Wahrheit, Stuttgart 1982 Dummett III (c) Michael Dummett "What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (d) Michael Dummett "Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 Dummett III (e) Michael Dummett "Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326 In Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982 |
| Kohärenztheorie | Strawson | IV 116 Kohärenztheorie/Strawson: > href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/gesamtliste.php?thema=Holismus">Holismus: Überzeugungen stehen immer in Zusammenhang mit anderen Überzeugungen - man kann eine Überzeugung nicht korrigieren, ohne eine neue Überzeugung zu bilden. >Kohärenz, vgl. >Korrespondenztheorie. |
Strawson I Peter F. Strawson Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972 Strawson II Peter F. Strawson "Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit", In Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977 Strawson III Peter F. Strawson "On Understanding the Structure of One’s Language" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Strawson IV Peter F. Strawson Analyse und Metaphysik München 1994 Strawson V P.F. Strawson Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981 Strawson VI Peter F Strawson Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20 In Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995 Strawson VII Peter F Strawson "On Referring", in: Mind 59 (1950) In Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993 |
| Kollektive | Olson | Brocker I 475 Kollektive/Olson: Olsons Ausgangsfrage ist, warum es manchen Gruppen gelingt, Kollektivgüter bereitzustellen, während andere daran scheitern. Def Gruppe/Olson: eine Menge von Akteuren, die ein gemeinsames Interesse teilen. (2) Die Mitglieder können daneben eigene partikulare Interessen haben. Das Interesse einer Gruppe richtet sich auf die Herstellung eines Kollektivgutes. (1) Siehe Kollektives Handeln/Olson. Brocker I 476 1. These: Das gemeinsame Interesse an einem Gut führt nicht zwangsläufig zu gemeinsamem Handeln zur Produktion dieses Gutes Brocker I 479 2. These: Kleinen und/oder privilegierten Gruppen gelingt es einfacher als großen und/oder latenten Gruppen, Kollektivgüter bereitzustellen. Problem: es kann zur Ausbeutung von interessierteren Mitgliedern durch weniger interessierte Mitglieder kommen. Brocker I 480 Gruppen/Olson: kleine Gruppen haben den Vorteil, dass die individuellen Beiträge stärker wahrgenommen werden. Trittbrettfahren kann geahndet werden. Brocker I 485 These: In großen Gruppen braucht es selektive Anreize, damit die Produktion kollektiver Güter möglich wird. Kollektivgüter entstehen als nichtintendiertes Nebenprodukt rationalen Handelns. Bsp Lobbyarbeit kann als ein Nebenprodukt von Organisationen verstanden werden, die in der Lage sind, eine latent Gruppe durch ‘selektive Anreize’ zu mobilisieren. (2) Umgekehrt könnte eine Organisation potentiellen Mitgliedern keinen Anreiz zur Mitgliedschaft anbieten, wenn sie keinem weiteren Zweck dient als dem, das Kollektivgut bereitzustellen: »Nur eine Organisation, die auch private oder nichtkollektive Güter verkauft, oder einzelne Mitglieder mit vorteilhaften gesellschaftlichen oder freizeitgestaltenden Einrichtungen versorgt, würde über derartige positive Anreize verfügen« (3). Lösung/Olson: Wenn Organisationen über selektive Anreize verfügen, entwickeln sie eine Robustheit und Stabilität, die sie in die Lage versetzt zu überleben. 1. Mancur Olson, The Logic of Collective Action: Public Goods and the Theory of Groups, Cambridge, Mass. 1965. Dt.: Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns: Kollektivgüter und die Theorie der Gruppen, Tübingen 1998 (zuerst 1968)., S. 7 2. Ebenda S. 130f. 3. Ebenda S. 131 Johannes Marx, „Mancur Olson, Die Logik des kollektiven Handelns“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018 |
EconOlson I Mancur Olson The logic of collective action: Public goods and the theory of groups Cambridge 1965 Brocker I Manfred Brocker Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018 |
| Kollektive Entscheidungen | Buchanan | Boudreaux I 34 Kollektive Entscheidungen/Buchanan/Boudreaux/Holcombe: Da nur Individuen Entscheidungen treffen, entstehen auch nur Individuen Kosten, und zwar nur denjenigen, die die Entscheidungen treffen, die die Kosten verursachen. Aber wie bereits erwähnt, kann selbst das Individuum, das Kosten verursacht, indem es sich für Option A und nicht für Option B entscheidet, nie mit Sicherheit wissen, ob es sich gelohnt hat, die Kosten zu tragen. Da Option B jedoch für immer verloren ist, kann diese Person nicht objektiv wissen, welchen Nutzen sie gehabt hätte, wenn sie stattdessen Option B gewählt hätte. Gruppenverhalten: Von Gruppen kann man sagen, dass sie kollektive Entscheidungen treffen - zum Beispiel durch Abstimmungen. Aber die Gruppe als solche, die Gruppe als Einheit, trifft keine Entscheidungen, denn die Gruppe als solche - wir sagen es noch einmal - hat kein Gehirn. Die kollektive Entscheidung kommt dadurch zustande, dass jeder Einzelne in der Gruppe abstimmt und diese Stimmen dann durch eine Abstimmungsregel zu einem Ergebnis verarbeitet werden. Die kollektive Entscheidung wird durch die Aggregation der individuellen Entscheidungen bestimmt. Gruppen werden nicht aktiv. Nur Individuen tun dies - eine Tatsache, die sich nicht ändert, wenn sich Individuen zu einer Gruppe zusammenschließen. >Entscheidungsprozesse/Buchanan, >Kosten/Buchanan. |
EconBuchan I James M. Buchanan Politics as Public Choice Carmel, IN 2000 Boudreaux I Donald J. Boudreaux Randall G. Holcombe The Essential James Buchanan Vancouver: The Fraser Institute 2021 Boudreaux II Donald J. Boudreaux The Essential Hayek Vancouver: Fraser Institute 2014 |
| Kollektive Intelligenz | Lanier | I 79 Kollektive Intelligenz/Schwarmintelligenz/Lanier: James Surowiecki(1): Bsp Wenn es darum geht, das Gewicht eines Ochsen zu schätzen, ist der Durchschnitt der Schätzungen vieler Leute zuverlässiger als die Schätzung irgendeines einzelnen. Nach einer verbreiteten Vorstellung funktioniert das, a) weil die Fehler der einzelnen Schätzer sich gegenseitig aufheben b) weil vielen Schätzungen zumindest ein gewisses Maß an korrekter Logik und zutreffenden inhaltlichen Annahmen zugrunde liegt, sodass auf die richtige Antwort konvergieren. Nach der letztgenannten Formulierung bildet die individuelle Intelligenz weiterhin den Kern des Kollektivphänomens. >J. Surowiecki. I 80 Lanier: Der Grund, weshalb das Kollektiv wertvoll sein kann, ist der, dass die Gipfelpunkte de Intelligenz und der Dummheit beim Kollektiv nicht dieselben sind wie beim Individuum. Kollektiv: Das Kollektiv kann nützlich sein, bei der Feststellung eines Preises. Das entspricht eben dem Markt. Andererseits ist das Kollektiv unterlegen, wenn es darum geht, ein Produkt zu konstruieren. I 81 Schwarmintelligenz/LanierVsSurowiecki: Schwarmintelligenz kann einen Ausgleich verschiedener Inkompetenzen bewirken, wenn eine Signalbearbeitung in die Schleife eingebaut wurde. I 82 So kann eine Verlangsamung in einem Prozess von Rückmeldungen Chaos verhindern. Eine solche Verlangsamung kann mit Filtern in der Musikbearbeitung verglichen werden. Häufige Korrekturen an einzelnen Wikipedia-Einträgen wurden durch eine Einstellung vermindert, die einem Tiefpass-Filter entspricht. Inzwischen wurde die Häufigkeit begrenzt, mit der eine einzelne Person Textfragmente eines anderen Beiträgers entfernen kann. >Wikipedia, >Soziale Netzwerke, >Soziale Medien. I 83 Schwarmintelligenz/Lanier: Wir sollten die „Weisheit der Vielen“ als Werkzeug verstehen, d.h. wir sollten sie auf einen konkreten Zweck beziehen. I 84 Surowiecki: Surowiecki schlägt vier Prinzipien vor, unter anderem sollte man die Fähigkeit der Mitglieder beschränken, Kenntnis von der Entscheidung der übrigen Mitglieder zu erlangen, um die Unabhängigkeit der Entscheidungen zu gewährleisten. Lanier: Zusätzlich sollte man verhindern, dass solche Kollektive die betreffenden Fragen selbst formulieren. Bei den Antworten sollte es sich stets um ein einfaches Ja oder Nein oder um eine Multiple-Choice-Liste handeln. Nassim Nicholas Taleb: Taleb hat kürzlich angeregt, Anwendungen wie die auf der Weisheit der Vielen basierenden in vier Quadranten einzuteilen. Der gefährliche „Vierte Quadrant“ umfasst nach seiner Einteilung Fragen mit komplexen Antworten, bei denen die Verteilung der Antworten zudem noch unbekannt ist. Dieser Quadrant sollte seiner Meinung nach für die Schwarmintelligenz tabu sein. Vgl. >Intelligenz, >Entscheidungen, >Entscheidungstheorie. 1. J. Surowiecki, The Wisdom of Crowds, NY 2005. |
Lanier I Jaron Lanier Gadget: Warum die Zukunft uns noch braucht Frankfurt/M. 2012 |
| Kommunikation | Black | I 59 Kommunikation/Black: Gesten sind nicht immer schon Kommunikation. >Gesten. I 70 Kommunikation/Sprecherbedeutung/BlackVsGrice: Für diese Begriffe sind beim Hörer herbeigeführte propositionale Einstellungen irrelevant. - Black: wenn ich verstanden habe, ist meine Rolle als Hörer und Interpret zu Ende. Black These: Hörer-Verstehen und Sprecherbedeutung sind zwei Seiten eines einzigen Vorgangs. >Sprecherbedeutung. I 71 Verstehen als Erfassen der Sprecherabsicht ist genauso erklärungsbedürftig wie diese. Reaktionen/Black: Es gibt keine Standardreaktion. >Verstehen. I 72 BlackVsGrice: Seine Theorie ist ungeeignet für idiosynkratische Fälle. |
Black I Max Black "Meaning and Intention: An Examination of Grice’s Views", New Literary History 4, (1972-1973), pp. 257-279 In Handlung, Kommunikation, Bedeutung, G. Meggle (Hg) Frankfurt/M 1979 Black II M. Black Sprache. Eine Einführung in die Linguistik München 1973 Black III M. Black The Prevalence of Humbug Ithaca/London 1983 Black IV Max Black "The Semantic Definition of Truth", Analysis 8 (1948) pp. 49-63 In Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994 |
| Kommunikation | Brandom | I 691 Kommunikation/Brandom: Monologe sind nur durch die vorgängige Fähigkeit zum Dialog zu verstehen - die monologischen begrifflichen Gehalte sind nur durch die begrifflichen Gehalte, die das Dialogisieren schafft, intelligibel. Vgl. >Dialog, >Gehalt. |
Bra I R. Brandom Expressive Vernunft Frankfurt 2000 Bra II R. Brandom Begründen und Begreifen Frankfurt 2001 |
| Kommunikation | Davidson | McDowell I 211 Kommunikation/Sprache/Davidson/McDowell: Hier gibt es kein "Medium". Außer in dem Sinn von "Rauchzeichen" Lauten, usw. Sprache ist bestenfalls Übereinstimmung von Ideolekten. Alles Verstehen ist ein Spezialfall der radikalen Interpretation. >Radikale Interpretation. "Gemeinsame Sprache" ist nichts weiter als das Hilfsmittel der kognitiven Tätigkeit, die auch ohne sie auskäme. Glüer II 58 Sprache/Kommunikation/Bedeutung/Davidson/Glüer: Es gibt zwei mögliche Auslegungen der These von der "Kommunikation ohne Regelhaftigkeit": eine starke, und eine schwache. 1. Starke Forderung: Verwende das Wort Bsp "Kapazität" stets in der Weise, in der du verstanden werden willst. Verständlichkeit wäre an das Befolgen lexikalischer Normen gebunden. Davidson: hat recht: selbst wenn Frau X das Wort nur ein einziges Mal in der falschen Weise verwendet, verstehen wir sie vollkommen. Verständlichkeit mag praktisch erschwert sein, theoretisch gefährdet ist sie nicht. Wir können keine einzige lexikalische Norm formulieren, an die sich der Sprecher notwendigerweise halten müsste. 2. Schwach: solange die radikale Interpretation die Zugänglichkeit des fremden Idiolekts sichern soll, muss dieser eine gewisse schwache Regelmäßigkeit intern aufweisen. >Radikale Interpretation, >Idiolekt. DavidsonVs: die radikale Lesart von "A nice derangement" verneint jedoch diese schwache Regelhaftigkeit. II 59 Problem: die Interpretationstheorie verlöre ihren empirischen Charakter, auch der Begriff der Aussageintention bliebe rätselhaft. Denn es gilt doch wohl noch immer, dass der Interpret für die Ermittlung von Intentionen keine anderen Daten hat als für die Bedeutungen. Sie ergeben sich gleichursprünglich aus dem Interpretationsprozess. "Diese Charakterisierung linguistischer Kompetenz ist zirkulär genug, um nicht falsch sein zu können" (1986, p. 445)(1). 1. Davidson, D. "A Nice Derangement of Epitaphs" in: LePore, E. (ed.) Truth and Interpretation. Perspectives on the Philosophy of Donald Davidson, New York 1986. |
Davidson I D. Davidson Der Mythos des Subjektiven Stuttgart 1993 Davidson I (a) Donald Davidson "Tho Conditions of Thoughts", in: Le Cahier du Collège de Philosophie, Paris 1989, pp. 163-171 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (b) Donald Davidson "What is Present to the Mind?" in: J. Brandl/W. Gombocz (eds) The MInd of Donald Davidson, Amsterdam 1989, pp. 3-18 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (c) Donald Davidson "Meaning, Truth and Evidence", in: R. Barrett/R. Gibson (eds.) Perspectives on Quine, Cambridge/MA 1990, pp. 68-79 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (d) Donald Davidson "Epistemology Externalized", Ms 1989 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson I (e) Donald Davidson "The Myth of the Subjective", in: M. Benedikt/R. Burger (eds.) Bewußtsein, Sprache und die Kunst, Wien 1988, pp. 45-54 In Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993 Davidson II Donald Davidson "Reply to Foster" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976 Davidson III D. Davidson Handlung und Ereignis Frankfurt 1990 Davidson IV D. Davidson Wahrheit und Interpretation Frankfurt 1990 Davidson V Donald Davidson "Rational Animals", in: D. Davidson, Subjective, Intersubjective, Objective, Oxford 2001, pp. 95-105 In Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005 McDowell I John McDowell Geist und Welt Frankfurt 2001 McDowell II John McDowell "Truth Conditions, Bivalence and Verificationism" In Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell |
| Kommunikation | Gadamer | I 450 Kommunikation/Verständigung/Gadamer: Verständigung ist kein bloßes Tun, kein zweckvolles Handeln, etwa eine Herstellung von Zeichen, durch die ich anderen meinen Willen übermittele. Verständigung als solche bedarf vielmehr überhaupt keiner Werkzeuge im eigentlichen Sinne des Wortes. Sie ist ein Lebensvorgang, in dem sich eine Lebensgemeinschaft darlebt (sic). Insoweit ist die menschliche Verständigung im Gespräch von der Verständigung, die die Tiere miteinander pflegen, nicht unterschieden. Die menschliche Sprache muss aber insofern als ein besonderer und einzigartiger Lebensvorgang gedacht werden, als in der sprachlichen Verständigung „Welt“ offenbar gemacht wird. Sprachliche Verständigung stellt das, worüber sie stattfindet, vor die sich Verständigenden hin, wie einen Streitgegenstand, der zwischen den Parteien in der Mitte niedergelegt wird. Die Welt ist derart der gemeinsame, von keinem betretene und von allen anerkannte Boden, der alle verbindet, die miteinander sprechen. Alle Formen menschlicher Lebensgemeinschaft sind Formen von Sprachgemeinschaft, ja mehr noch: sie bilden Sprache. >Welt/Gadamer, >Sprache/Gadamer, >Verstehen/Gadamer, >Gemeinschaft/Gadamer. |
Gadamer I Hans-Georg Gadamer Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010 Gadamer II H. G. Gadamer Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977 |
| Kommunikation | Luhmann | Baraldi I 89 Kommunikation/Luhmann/GLU: Kommunikation ist die spezifische Operation sozialer Systeme: 1. Mitteilung, 2. Information 3. Verstehen der Differenz zwischen Mitteilung und Information. Kommunikation ist nicht gleich Information, sie realisiert sich nur, wenn Information verstanden wird. Information ist eine Selektion zwischen Gesagtem und Ungesagtem. Verstehen ist Selektion zwischen Mitteilung und Information. >Verstehen/Luhmann, >Information/Luhmann. Reese-Schäfer II 47 Gesellschaft/Kommunikation/Luhmann/Reese-Schäfer: Sonderfall: nur Gesellschaft operiert mit Kommunikation. - Außerhalb der Gesellschaft gibt es keine Kommunikation. Daher ist sie notwendig geschlossen. - Das ist das einzige System, für das das gilt - ((s) Also wird für das Tierreich Kommunikation ausgeschlossen?) - Dann kann kein Beobachter einen Außenstandpunkt einnehmen. >Gesellschaft/Luhmann, >Innen/außen/Luhmann, AU Kass 13 Kommunikation/Sprache/Karl Bühler/Luhmann: statt "Übertragungsmodell": Einheit der drei Komponenten 1. Information, das worum es geht 2. Mitteilung 3. Verstehen - Das gab es schon in der Antike. - LuhmannVsSprechakttheorie: das ist die Vorstellung, diese Dreiheit wäre in Akte zerlegbar. >Sprechakt-Theorie/Luhmann. Karl Bühler: das sind alles nur Funktionen - ((s) Funktion/(s): Ist kein Akt.) AU I Kass 13 Kommunikation/LuhmannVsHabermas: Kommunikation dient nicht der Herstellung von Konsens. - Wenn das nicht klappt, erklärt man es einfach zur Norm und sagt "eigentlich sollte es so sein." Wir sollten aber nicht aus einer Unmöglichkeit eine Norm machen. SchelskyVsHabermas: wenn dieses Ziel erreicht ist, hört dann die Kommunikation auf? Lösung/Luhmann: Kommunikation ist keine Handlung, die unter eine Norm gebracht werden müsste - nur das Mitteilen ist Handlung. - Kommunikation ist offen, wenn man sie ohne Zugaben wie Wahrheit betrachtet. - Wir können auch "nein" sagen - Dagegen haben wir nicht die Möglichkeit, immer wieder von vorne zu beginnen - völlig ohne Autorität geht es nicht. - "Nein" beendet nicht die Kommunikation - Kommunikation könnte nur durch Missverstehen beendet werden. - Kommunikation kommt zustande, wenn über "ja" und "nein" noch nicht entschieden ist. |
AU I N. Luhmann Einführung in die Systemtheorie Heidelberg 1992 Lu I N. Luhmann Die Kunst der Gesellschaft Frankfurt 1997 Baraldi I C. Baraldi, G.Corsi. E. Esposito GLU: Glossar zu Luhmanns Theorie sozialer Systeme Frankfurt 1997 |
| Kommunikation | Minsky | Minsky I 64 Kommunikation/Künstliche Intelligenz//Minsky: Wenn jeder Verstand etwas anderes in sich aufbaut, wie kann dann ein Verstand mit einem anderen Verstand kommunizieren? Letztlich ist Kommunikation sicherlich eine Frage des Grades, aber es ist nicht immer beklagenswert, wenn sich verschiedene Geister nicht perfekt verstehen. Denn dann, vorausgesetzt, es bleibt etwas Kommunikation übrig, können wir den Reichtum der Gedanken des anderen teilen. Verstehen/Minsky: Das Geheimnis, was etwas für uns bedeutet, hängt davon ab, wie wir es mit all den anderen Dingen, die wir kennen, verbunden haben. Deshalb ist es fast immer falsch, den wahren Sinn von etwas zu suchen. Eine Sache mit nur einer Bedeutung hat kaum eine Bedeutung. >Denken/Minsky, >Bedeutung/Minsky. Minsky I 67 Wenn [Software-]Agenten nicht kommunizieren können, wie können es dann Menschen tun - trotz so unterschiedlicher Hintergründe, Gedanken und Ziele? Die Antwort ist, dass wir überschätzen, wie viel wir tatsächlich kommunizieren. Stattdessen basiert trotz dieser scheinbar wichtigen Unterschiede vieles von dem, was wir tun, auf gemeinsamem Wissen und gemeinsamer Erfahrung. Auch wenn wir also kaum über das sprechen können, was in unseren mentalen Prozessen auf den unteren Ebenen geschieht, können wir ihr gemeinsames Erbe nutzen. Interne Kommunikation/Computer/Minsky: Die Worte und Symbole, mit denen wir unsere übergeordneten Ziele und Pläne zusammenfassen, sind nicht die gleichen wie die Signale, mit denen wir unsere untergeordneten Ziele und Pläne steuern. Wenn also unsere übergeordneten Stellen versuchen, die feinen Details der von ihnen ausgebeuteten untergeordneten Teilmaschinen zu untersuchen, können sie nicht verstehen, was geschieht. Das muss der Grund sein, warum unsere Sprachinstanzen (speaking agencies) nicht ausdrücken können, wie wir auf unseren Fahrrädern balancieren, Bilder von realen Dingen unterscheiden oder unsere Fakten aus dem Gedächtnis abrufen. Vgl. >Übersetzung/Minsky. |
Minsky I Marvin Minsky The Society of Mind New York 1985 Minsky II Marvin Minsky Semantic Information Processing Cambridge, MA 2003 |
| Kommunikation | Sunstein | I 17 Kommunikation/Argumentation/Habermas/SunsteinVsHabermas/Sunstein: Viele haben die Hoffnung bekundet, dass die „zwanglose Kraft des besseren Arguments“ (1) triumphieren wird. SunsteinVsHabermas: Diese Hoffnung wird leider oft enttäuscht. Informationsdruck und sozialer Gruppendruck verstärken Irrtümer, Kaskadeneffekte und Polarisierung. Größere Gruppen agieren insofern oft besser als kleinere.(2). >Demokratie/Sunstein. I 45 In einem Experiment in Colorado im Sommer 2005 wurden liberale und konservative Gruppen zusammengemixt, die einige Fragen diskutieren sollten wie die, ob die Vereinigten Staaten ein Klimaabkommen unterzeichnen sollten, oder ob Gleichberechtigung (affirmative action) benachteiligten Gruppen zustehen sollte.(3) Das Ergebnis war eindeutig: in fast jeder Gruppe waren die Positionen nach der Diskussionen extremer polarisiert, wobei die jeweiligen Ausgangspositionen der Gruppen in stärkerem Maße vertreten wurden. I 72 Ideale Sprechersituation/Habermas/Sunstein: In Habermas' idealer Sprechsituation versuchen alle Teilnehmer, die Wahrheit zu suchen. Sie verhalten sich nicht strategisch, sondern akzeptieren eine Norm der Gleichberechtigung.(4) >Ideale Kommunikationsgemeinschaft. Sunstein: Nach dieser Sichtweise involviert Kommunikation nicht einfach den Austausch von Worten und Ansichten, sondern erlegt ((s) den Teilnehmern) Erfordernisse und Vorbedingungen auf. Kommunikation (deliberation) hat (dann) ihre eigene interne Moralität, die einige schädliche Effekte von Beratungen in der realen Welt überwinden soll. Sunstein: Vielleicht gelingt das und produziert bessere Resultate. (…) Unglücklicherweise hilft das Befolgen solcher Vorbedingungen nicht bei den Problemen, die ich im Auge habe. I 75 Gruppendiskussionen/SunsteinVsHabermas: Gruppendiskussionen leiden an vier Problemen: 1. Sie verstärken Irrtümer ihrer Mitglieder 2. Sie bringen die Informationen, die Einzelne haben, nicht ans Licht 3. Sie sind Opfer von Kaskadeneffekten, bei denen Blinde von Blinden geführt werden 4. Sie entwickeln Tendenzen zur Polarisierung, durch die Gruppen sich auf Extreme zubewegen. >Kollektive Intelligenz/Sunstein. I 94 Gruppenpolarisierung/Polarisierung/Sunstein: Polarisierung entsteht aus mehreren Gründen.(5) 1. Informationelle Einflüsse: wenn in einer Gruppe eine anfängliche Neigung festzustellen ist, werden die meisten Mitglieder der Gruppe dahin bewegt werden. 2. Manche Menschen orientieren sich an dem was andere öffentlich geäußert haben und damit eine dominante Position einnehmen. 3. Es gibt starke Verbindungen zwischen Vertrauen, Extremismus und der Bekräftigung durch andere. (6) Wenn Menschen Vertrauen erwerben werden sie meist entschiedener in ihren Ansichten. Vertrauen wird wiederum durch Rückhalt von anderen, Gleichgesinnten, verstärkt. I 96 Führt Gruppenpolarisation zu richtigen oder falschen Ergebnissen? Hier gibt es keine allgemeine Antwort. Es hängt alles von der Tendenz der Gruppe ab, die vor der Aufnahme der Beratungen bestand. >Internet/Sunstein. 1. Siehe Habermas, “Between Facts and Norms: An Author’s Reflections,” 940. 2. Irving L. Janis, Groupthink, 2d ed., rev. (Boston: Houghton Mifflin, 1982), 7–9. 3. Siehe Reid Hastie, David Schkade, and Cass R. Sunstein, “What Really Happened on Deliberation Day?” (University of Chicago Law School, unpublished manuscript, 2006). 4. Jürgen Habermas, “What Is Universal Pragmatics?,” in Communication and the Evolution of Society, trans. Thomas McCarthy (Boston: Beacon Press, 1979), 2–4, 32 (discussing preconditions for communication). 5. 54. See Brown, Group Processes, 212–22, 226–45; Baron et al., “Social Corroboration and Opinion Extremity,” 540. 6. See Baron et al., “Social Corroboration and Opinion Extremity,” 557–59 (showing that corroboration increases confidence and hence extremism). |
Sunstein I Cass R. Sunstein Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge Oxford 2008 Sunstein II Cass R. Sunstein #Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media Princeton 2017 |
| Kommunikation | Tugendhat | I 276 Kommunikation/Tugendhat: Voraussetzung: Dass die Partner wechselseitig von sich wissen, dass sie dieselben Zeichen nach denselben Regeln verwenden. Aber: dieses "dass" gehört bei den sprachlichen Zeichen nicht zu den Verwendungsregeln (sonst Zirkel). >Regeln, >Zirkularität, >Ebenen, >Beschreibungsebenen, >Verstehen. |
Tu I E. Tugendhat Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976 Tu II E. Tugendhat Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992 |
| Kommunikatives Handeln | Habermas | III 128 Kommunikatives Handeln/Habermas: Der Begriff bezieht sich auf die Interaktion von mindestens zwei sprach- und handlungsfähigen Subjekten, die (mit sprachlichen oder nichtsprachlichen Mitteln) eine interpersonale Beziehung eingehen. Die Aktoren suchen eine Verständigung um ihre Pläne und damit ihre Handlungen zu koordinieren. Hier erhält die Sprache einen prominenten Stellenwert. >Verständigung, >Sprache/Habermas. III 143 Problem: Es besteht die Gefahr, dass soziales Handeln auf die Interpretationsleistungen der Kommunikationsteilnehmer reduziert, Handeln an Sprechen, Interaktion an Konversation angeglichen wird. Tatsächlich ist aber die sprachliche Verständigung nur der Mechanismus der Handlungskoordinierung, der die Handlungspläne und Zwecktätigkeiten der Beteiligten zusammenfügt. III 157 Bei kommunikativen Handeln wird der Ausgang der Interaktion selbst davon abhängig gemacht, ob sich die Beteiligten untereinander auf eine intersubjektiv gültige Beurteilung ihrer Weltbezüge einige können. >Welt/Denken, >Realität. III 158 Interpretation: Problem: Für das Verständnis kommunikativer Handlungen müssen wir zwischen Bedeutungs- und Geltungsfragen trennen. Die Interpretationsleistungen eines Beobachters unterscheiden sich von die Koordinationsbestrebungen der Teilnehmer. Der Beobachter bemüht sich nicht um eine konsensfähige Deutung. Aber vielleicht unterschieden sich hier nur die Funktionen, nicht die Strukturen der Interpretation. >Beobachtung, >Methode, >Interpretation, >Praxis. III 385 Kommunikatives Handeln/Habermas: Hier sind die Beteiligten nicht primär am eigenen Erfolg orientiert; sie verfolgen ihre individuellen Ziele unter der Bedingung, dass sie ihre Handlungspläne auf der Grundlage gemeinsamer Situationsdefinitionen aufeinander abstimmen können. Insofern ist das Aushandeln von Situationsdefinitionen ein wesentlicher Bestandteil. >Situationen. III 395 Kommunikatives Handeln/Sprechakte/Perlokution/Illokution/Habermas: Strawson hat gezeigt, dass ein Sprecher sein illokutionäres Ziel, dass der Hörer das Gesagte versteht, erreichen, ohne dass er sein perlokutionäres Ziel verrät. Das verleiht Perlokutionen den asymmetrischen Charakter von verdeckt strategischen Handlungen, in denen sich mindestens einer der Beteiligten strategisch verhält, während er andere Beteiligte darüber täuscht, dass er diejenigen Voraussetzungen nicht erfüllt, unter denen normalerweise illokutionäre Ziele nur erreicht werden können. >Sprechakte, >Illokutionäre Akte, >Perlokutionäre Akte. Daher eigenen sich Perlokutionen nicht zur Analyse von Handlungskoordinationen, die durch illokutionären Bindungseffekt erklärt werden sollen. Dieses Problem wird gelöst, wenn wir Kommunikatives Handeln als Interaktion verstehen, bei der alle Beteiligten ihre individuellen Handlungspläne aufeinander abstimmen und ihre illokutionären Ziele vorbehaltlos verfolgen. III 396 Nur solche Interaktionen sind kommunikatives Handeln, in denen alle Beteiligten illokutionäre Ziele verfolgen. Ansonsten fallen sie unter strategisches Handeln. III 397 HabermasVsAustin: Austin hat dazu geneigt, Sprechakte mit Akten der Verständigung, also den sprachlich vermittelten Interaktionen selber zu identifizieren. III 400 Def Verstehen/Kommunikation/Habermas: Im Rahmen unserer Theorie des Kommunikativen Handelns beschränken wir uns auf Sprechakte unter Standardbedingungen, d.h. wir gehen davon aus, dass ein Sprecher nichts anderes meint als die wörtliche Bedeutung dessen, was er sagt. >Meinen. Verstehen eines Satzes definieren wir dann als das Wissen, was diesen Satz akzeptabel macht. >Verstehen. III 457 Kommunikatives Handeln/Rationalisierung/HabermasVsWeber/Habermas: Erst wenn wir im “Gesellschaftshandeln” zwischen verständigungs- und erfolgsorientiertem Handeln differenzieren, lassen sich die kommunikative Rationalisierung des Alltagshandelns und die Subsystembildung für zweckrationales Wirtschafts- und Verwaltungshandeln als komplementäre Entwicklung begreifen. Zwar spiegeln beide die institutionelle Verkörperung von Rationalitätskomplexen, aber in anderer Hinsicht handelt es sich um gegenläufige Tendenzen. IV 223 Kommunikative Handlungen/HabermasVsSystemtheorie/Habermas: Kommunikative Handlungen gelingen nur im Lichte kultureller Überlieferungen – dies ist es, was die Integration der Gesellschaft sichert, und nicht etwa systemische Mechanismen, die dem intuitiven Wissen ihrer Angehörigen entzogen sind. >Kulturelle Überlieferung, >Kultur. |
Ha I J. Habermas Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988 Ha III Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981 Ha IV Jürgen Habermas Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981 |