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Experiment: künstliches Herbeiführen eines Ereignisses oder künstliches Erzeugen eines Zustands zur Überprüfung einer Hypothese. Die Durchführung von Experimenten kann zur Neuformulierung der Ausgangshypothesen und zur Neuformulierung von Theorien führen. Siehe auch Theorien, Messungen, Wissenschaft, Hypothesen, Bayesianismus, Bestätigung, Ereignisse, Paradigmen, Paragimenwechsel, Rahmenbedingungen, Bezugssysteme.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
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Bobo-Puppenstudie/Experiment/Aggression/Bandura: (Bandura 1961)(1) 72 Kinder im Alter von 37 bis 69 Monaten wurden von ihrem Lehrer und einem Experimentator für aggressives Verhalten bewertet, nachdem sie einen Film gesehen hatten, in dem eine Person namens Rocky ein aggressives Verhalten gegenüber einer Plastikpuppe ("Bobo-Puppe") zeigte.
[Die] Kinder wurden aufgrund ihrer Aggressionswerte und ihres Geschlechts in Dreiergruppen eingeteilt. Ein Mitglied jeder Dreier-Gruppe wurde dann zufällig einer von drei Gruppen zugeordnet: einer Versuchsgruppe, die einem aggressiven Modell ausgesetzt war, einer Versuchsgruppe, die einem nicht aggressiven Modell ausgesetzt war, und einer Kontrollgruppe, die keinem Modell ausgesetzt war. In jeder der beiden Versuchsgruppen wurde die Hälfte der Kinder zufällig mit einem gleichgeschlechtlichen Modell und die andere Hälfte der Kinder mit einem gegensätzlichen Geschlechtsmodell gepaart. Jedes Kind in den Versuchsgruppen wurde in ein Spielzimmer eingeladen und setzte sich in eine Ecke des Raumes, die mit Materialien für die Gestaltung von Bildern mit Kartoffeldrucken und Aufklebern ausgestattet war. Der Experimentator brachte dann das Erwachsenenmodell in die gegenüberliegende Ecke, welche mit einer fünf Fuß großen, aufgeblasenen Bobopuppe, einem Hammer und Bastelspielzeug ausgestattet war.
Der Experimentator verließ dann den Raum. Im aggressiven Modellzustand bastelte das Modell mit dem Spielzeug für etwa eine Minute und verbrachte dann die restliche Zeit damit, aggressives Verhalten gegenüber der Bobo-Puppe auszuüben. Kinder könnten wahrscheinlich zu bestimmte Formen der Aggression wie das Schlagen der Bobo-Puppe neigen, auch ohne Zeuge eines aggressiven Verhaltens durch ein Modell zu sein.
Um Kindern die Möglichkeit zu geben, Verhaltensweisen zu erlernen, die sie wahrscheinlich nicht ohne Imitation anwenden würden, wurde das Modell, das sowohl physisch als auch verbal aggressiv mit der Bobo-Puppe umgeht (und das auf Pilotversuchen basiert), als Verhalten bestimmt, das Kinder nicht auf natürliche Weise mit der Bobo-Puppe in Verbindung bringen würden.
Nach zehn Minuten wurden die Kinder in einen anderen Raum mit Spielzeug und einem Puppenset gebracht. Das Kind durfte etwa zwei Minuten lang mit diesen Objekten spielen, wurde dann aber vom Experimentator informiert, dass dies ihr bestes Spielzeug sei und dass sie es für andere Kinder aufbewahren müsse. Das Kind wurde in einen angrenzenden Raum gebracht, der mit einer Reihe von Spielzeugen ausgestattet war, die dazu neigten, aggressives Spiel (z.B. Pfeilpistolen) oder nicht aggressives Spiel (z.B. Plastiktiere) hervorzurufen. Der Raum enthielt auch eine Bobo-Puppe und einen Hammer. Das Kind spielte 20 Minuten lang allein in diesem Raum, während es von ausgebildeten Assistenten, die das Verhalten des Kindes kodierten, durch einen Einwegspiegel beobachtet wurde.
Die Kodierungskategorien spiegeln mehrere Arten von Kindes-
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verhalten wider welches folgendes beeinhaltete:
- Imitative Aggressionen
- Nicht-imitative Aggression und
- Imitative Nichtangriffe
Fragen:
1) In welchem Umfang wurde das aggressive Verhalten des Modells ganz oder teilweise nachgeahmt?
2) Ob Kinder in der aggressiven Modellversuchsgruppe mehr nicht-imitative Aggressionen ausübten als die anderen Gruppen;
3) Ob das Geschlecht des Modells und das Geschlecht des Kindes die Einbindung des Kindes in imitativer Aggression beeinflusst haben.

Zu 1): Die Teilnehmer der aggressiven Modellversuchsgruppe neigten signifikant mehr zu imitativen Aggressionen.
Zu 2): Die Kinder, die dem aggressiven Modell ausgesetzt waren, waren mehr in nicht-imitativen Aggression eingebunden als die Kinder, die dem nicht aggressiven Modell ausgesetzt waren.
Zu 3): Jungen neigten eher dazu, die körperlich aggressiven Handlungen des Modells zu reproduzieren, aber Jungen und Mädchen waren gleichermaßen dazu geneigt, die verbale Aggression des Modells zu reproduzieren. Darüber hinaus war bei Jungen, die dem aggressiven männlichen Modell ausgesetzt waren, die Wahrscheinlichkeit höher, sowohl imitativ als auch nicht-imitativ aggressiv zu werden, als Mädchen, die dem aggressiven männlichen Modell ausgesetzt waren, während Mädchen, die dem aggressiven weiblichen Modell ausgesetzt waren, eher dazu neigten nachahmende verbale Aggressionen und nicht-imitative Aggressionen zu zeigen, als Jungen, die dem aggressiven weiblichen Modell ausgesetzt waren. >Lernen/Bandura, >Aggression/Psychologische Theorien.

1. Bandura, A., Ross, D., & Ross, S. A. (1961). Transmission of aggression through imitation of aggressive models. Journal of Abnormal and Social Psychology, 63, 575—582.


Jenifer E. Lansford, “Aggression. Beyond Bandura’s Bobo Doll Studies“, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Bandura, Albert

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012

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