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Michael E. Dummett über Noema – Lexikon der Argumente

I 36
Noema/Husserl/Dummett: Husserl verallgemeinert den Sinn und Bedeutungsbegriff bis er zu seiner Konzeption des Noemas gelangt, wodurch die Wendung zur Sprache unmöglich wird.
(Eine Verallgemeinerung des Fregeschen Sinnbegriffs ist dagegen ausgeschlossen.)
Gegenstandssinn/Sinn: Tradition: Früher hat man argumentiert: sofern der Sinn die Gegebenheitsweise des Bezugsgegenstands ist, kann es, falls kein Gegenstand vorhanden ist, keine entsprechende Gegebenheitsweise und folglich auch keinen Sinn geben. >Gegebenheitsweise.
Frege/Dummett: Die Schwierigkeit wird dadurch ausgelöst, dass Frege den >semantischen Wert eines singulären Terms und den Gegenstand, auf den er sich beziehen soll, strikt gleichsetzt.
I 52
Die Parole "Ohne semantischen Wert kein Sinn" ist bestechend, aber akzeptieren darf man sie nur um den Preis, dass man einräumt, ein singulärer Term ohne Bezug habe dennoch einen semantischen Wert, der dann vermutlich in der bloßen Tatsache des Fehlens eines Bezugs besteht.
Husserl hat in dieser Hinsicht keine Bedenken. Er verallgemeinert den Begriff des Sinns und überträgt ihn von ausdrückenden Akten auf alle Bewusstseins Akte. Für diesen verallgemeinerten Begriff verwendet Husserl den Ausdruck "Noema".
Def Noema 1: der Gegenstand des Bewusstseins Aktes ist durch sein Noema gegeben, Es liegt im Wesen des Noema, dass es auf einen Gegenstand gerichtet ist und das erklärt die Intentionalität der Bewusstseins-Akte. Jeder Bewusstseins Akt muss ein Noema haben.
Er nimmt mittels des Noemas wahr, nimmt es aber selbst nicht wahr noch erfasst er es sonst auf irgendeine Weise . Bloßes Mittel: keine direkte Wahrnehmung unabhängiger Gegenstände.
I 53
Täuschung: Eine durch Sinnestäuschung verursachte Wahrnehmung wirft deshalb kein Problem mehr auf, weil es auch kein Problem ist, wenn ein Noema keinen ihm entsprechenden Gegenstand hat. Das Merkmal der Intentionalität kommt ihm genauso zu.
Frege kommt nur selten zu sprechen auf das, was uns beim Sprechen bewusst ist, denn nach seinem Urteil spielt das keine Rolle im Hinblick auf die objektiven Eigenschaften.
Im gleichen Geist macht Husserl geltend, dass wir die Gegenstände unserer Wahrnehmungsakte wirklich wahrnehmen, dies sei keine bloße Redeweise. Das Noema spielt normalerweise gar nicht die Rolle eines Gegenstands des Bewusstseins des Betrachters. und erst recht nicht seine Wahrnehmungen.
Noema/Husserl: Er nimmt mittels des Noemas wahr, nimmt es aber selbst nicht wahr noch erfasst er es sonst auf irgendeine Weise. Vgl. >Idealismus/Dummett, >Noema/Husserl.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Dummett I
M. Dummett
Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992

Dummett II
Michael Dummett
"What ist a Theory of Meaning?" (ii)
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

Dummett III
M. Dummett
Wahrheit Stuttgart 1982

Dummett III (a)
Michael Dummett
"Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162
In
Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

Dummett III (b)
Michael Dummett
"Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144
In
Wahrheit, Stuttgart 1982

Dummett III (c)
Michael Dummett
"What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138
In
Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

Dummett III (d)
Michael Dummett
"Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359
In
Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

Dummett III (e)
Michael Dummett
"Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326
In
Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

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