Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
I 81f
Code/Lessig: Hier geht es darum, wie die Architektur des Netzes oder seines "Codes" selbst zum Regulator wird. In diesem Zusammenhang findet die auf den Einzelnen angewendete Regel nicht ihre Wirkung durch die Androhung von Konsequenzen, die durch die Geldbußen, das Gefängnis oder gar die Schande erzwungen werden.
I 82
Eine verschlossene Tür ist eine physische Einschränkung für die Freiheit eines Menschen, einen Raum zu betreten.
I 93
[Diese Art von Code] ist nicht nur geschriebene Regeln; es ist nicht nur Brauch; es ist nicht nur das Angebot und die Forderung einer wissenden, konsumierenden Öffentlichkeit. Was [z.B.] AOL zum großen Teil ausmacht, ist die Struktur des Raumes; man betritt AOL und findet es als ein bestimmtes Universum vor. Dieser Raum wird durch seinen Code gebildet. Man kann diesem Code widerstehen - man kann widerstehen, wie man ihn findet, genauso wie man der Kälte widerstehen kann, indem man einen Pullover anzieht. Aber man wird nicht ändern können, wie er ist.
I 139
Unter "offenem Code" verstehe ich einen Code (sowohl Software als auch Hardware), dessen Funktionalität zumindest für einen Technologiekenner transparent ist. Mit "geschlossenem Code" meine ich einen Code (sowohl Software als auch Hardware), dessen Funktionalität undurchsichtig ist. Man kann erraten, was ein geschlossener Code tut; und wenn man genügend Gelegenheit zum Testen hat, kann man ihn auch zurückentwickeln. Aber aus der
Technologie selbst heraus, gibt es keinen vernünftigen Weg, um zu erkennen, was die Funktionalität dessen ist.
Ich persönlich habe sehr starke Ansichten darüber, wie ein Code erstellt werden sollte. Aber egal auf welcher Seite man sich in der Debatte "freie vs. proprietäre Software" im Allgemeinen befindet, zumindest in den Kontexten, die ich hier darlege, sollten Sie mir erstens zustimmen können, dass ein offener Code eine Einschränkung der Staatsgewalt ist, und zweitens, dass zumindest in einigen Fällen der Code im entsprechenden Sinne "offen" sein muss.
I 149
Der Code ist nur regulierbar, weil die Code-Schreiber kontrolliert werden können. Ein unbewegliches und regungsloses Ziel der Regulierung ist also ein guter Anfang in Richtung Regulierbarkeit. Und diese Aussage hat eine interessante Folge: ein regelbarer Code ist ein geschlossener Code.
I 150
In dem Maße, wie der Code ein offener Code ist, ist die Macht der Regierung eingeschränkt.
Die Regierung kann fordern, sie kann drohen, aber wenn das Ziel ihrer Regulierung Plastik ist, kann sie sich nicht darauf verlassen, dass ihr Ziel so bleibt, wie es will. […] Bücher sind offener Code: Sie verbergen nichts; sie enthüllen ihre Quelle - sie sind ihre Quelle! Ein Benutzer oder Anwender eines Buches hat immer die Wahl, nur die
I 151
Kapitel zu lesen, die er oder sie lesen will.
Geschlossener Code funktioniert anders. Mit einem geschlossenem Code kann der Benutzer die Kontrolle, in dem der Code verpackt ist, nicht einfach modifizieren. Hacker und sehr anspruchsvolle Programmierer sind dazu eventuell in der Lage, aber die meisten Benutzer würden nicht wissen, welche Teile benötigt werden und welche nicht. Oder genauer gesagt, die Benutzer würden nicht in der Lage sein, die benötigten Teile von den nicht benötigten Teilen zu unterscheiden, weil der Quellcode nicht mit einem geschlossenem Code gebündelt ist.
I 152
Wenn die Welt zertifikat-reich wird, steigt die Regulierbarkeit weiter an. Die gleiche Schlussfolgerung trifft zu, wenn mehr Code in die Hardware gebrannt wird, als als Software übrig bleibt. Dann, selbst wenn der Code offen wäre, wäre er nicht änderbar. (1)
I 175
[...]Etwas Grundsätzliches hat sich geändert: die Rolle, die der Code beim Schutz des geistigen Eigentums spielt. Der Code kann und wird das Recht als primäre Verteidigung des geistigen Eigentums im Cyberspace zunehmend verdrängen. Private Zäune, nicht öffentliches Recht.
I 276
Meine Stimme scheint in jedem Zusammenhang unterschiedlich zu sein. In Bezug auf geistiges Eigentum plädiere ich gegen Code, der das Lesen verfolgt und für den Code, der einen großen Raum für ein geistiges Allgemeingut garantiert.
Im Zusammenhang mit der Privatsphäre plädiere ich für einen Code, der es dem Einzelnen ermöglicht, sowohl zu verschlüsseln als auch Präferenzen darüber auszudrücken, welche persönlichen Daten von anderen gesammelt werden. Der Code würde diese Wahl ermöglichen; das Gesetz könnte diesen Code inspirieren. Im Zusammenhang mit der freien Meinungsäußerung plädiere ich jedoch gegen einen Code, der die Sprache perfekt filtern würde - es ist zu gefährlich, dort eine perfekte Wahl zu ermöglichen. Bessere Auswahl ist natürlich besser, so dass Code, der bessere Reputationssysteme befähigt, gut ist, ebenso wie Code, der das legitime Spektrum des Rundfunks erweitern würde.
Das Ziel in allen drei Kontexten ist es, gegen zentralisierte Strukturen der Wahl zu arbeiten. Im Rahmen der Filterung geht es aber auch darum, gegen zu individualisierte Strukturen vorzugehen.
I 323
Jean CampVsLessig: Jean Camp, ein Harvard Informatiker, der an der Kennedy School of Government lehrte, sagte, dass ich den Punkt verfehlt habe. Das Problem sei nicht, dass "Code Gesetz ist" oder "Code regelt".
LessigVsVs: Natürlich ist für den Informatiker der Code das Gesetz. Und wenn der Code das Gesetz ist, dann ist die Frage, die wir offensichtlich stellen sollten: Wer sind die Gesetzgeber?
I 324
Für einen Anwalt jedoch, haben Camp und ich in diesem Buch einen ganz einfachen Fehler gemacht. Code ist nicht Gesetz, ebenso wenig wie das Design eines Flugzeugs Gesetz ist. (Siehe Internetrecht/Lessig).
I 328
Bedeutet das, dass wir auf offenen und nicht auf geschlossenen Code drängen sollten? Bedeutet das, dass wir geschlossenen Code verbieten sollten? Nein. (Siehe Code/Lessig).
Der beste Code (aus der Sicht der konstitutionellen Werte) ist sowohl modular als auch offen. Modularität stellt sicher, dass bessere Komponenten durch schlechtere ersetzt werden können. Und aus Wettbewerbssicht erlaubt die Modularität mehr Wettbewerb bei der Entwicklung von Verbesserungen in einem bestimmten Codierungsprojekt.
I 329
Das Gesetz bevorzugt undurchsichtigen und transparenten Code; es schafft Anreize, den Code zu verstecken, anstatt seine Funktionalität offensichtlich zu machen. […] Unser Gesetz schafft
einen Anreiz, so viel von einem intellektuellen Gemeingut wie möglich einzuschließen. Es wirkt gegen Öffentlichkeit und Transparenz und trägt dazu bei, eine massive geheime Regierung zu schaffen. […] Andererseits wirkt die Trägheit des bestehenden Rechts, das Softwareherstellern praktisch unbegrenzte Schutzfristen einräumt, gegen Veränderungen. Die Politik ist einfach nicht da.

1. Ich bin Hal Abelson für diesen Punkt dankbar.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.

Lessig I
Lawrence Lessig
Code: Version 2.0 New York 2006ff

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