Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
I 344
Versprechen/Fairness/Rawls: das Prinzip der Gebundenheit an Versprechen (principle of fidelity, Treuepflicht) ist ein Spezialfall des Prinzips der Fairness.
Ein Versprechen ist eine Handlung, die von einem öffentlichen Regelsystem definiert wird. (Siehe R. Searle, Speech Acts, (Cambridge, 1969) pp. 33-42. Insbesondere zu Versprechen: ch. III, pp. 57-62.)
I 345
Regel des Versprechens/Rawls: soll sein, dass wir unser Versprechen einhalten, es sei denn es treten Umstände ein, die eine Entschuldigung rechtfertigen. Damit ist sie auf einer Stufe mit Spielregeln sowie Rechtsvorschriften (legal rules) und Statuten. Wie diese existieren sie in einer Gesellschaft, wenn man sich mehr oder weniger regelmäßig daran hält.
Gerechtigkeit: ob die Regel des Versprechens gerecht ist, hängt davon ab, wie die entschuldigenden Umstände definiert werden. Dazu gehören volles Bewusstsein und Freiwilligkeit. Die Prinzipien der Gerechtigkeit werden auf die Praxis des Versprechens genauso angewendet wie auf andere Bereiche.
I 346
Def bona fide-Versprechen/Rawls: liegt vor, wenn die Regel des Versprechens und die von ihr repräsentierte Praxis gerecht ist. Das Prinzip der Gebundenheit (fidelity principle) bedeutet, dass bona fide-Versprechen einzuhalten sind.
Regel: ist nur eine Konvention – dagegen ist das Prinzip der Gebundenheit ein moralisches Prinzip, das aus dem Prinzip der Fairness folgt. Die Rolle von Versprechen entspricht dem, was Hobbes dem Souverän (Herrscher) zuschrieb:
Herrscher/Versprechen/Hobbes/Rawls: so, wie der Souverän das System des sozialen Zusammenhalst stabilisiert und aufrechterhält, so stabilisieren die Privatleute ihre Unternehmungen durch ihr wechselseitiges Wort.
I 347
Problem: Vorleistungen, Verträge: hier ist es das Versprechen, dass die Lücke zwischen einer Vereinbarung und der Erfüllung schließen soll. Dabei werden Umstände vorausgesetzt, die dem Unternehmen förderlich sind. Damit wird Kooperation stabilisiert. (Siehe H. A. Prichard, „The Obligation to Keep a Promise“, in Moral Obligation (Oxford, 1949), pp. 169-179.).
I 348
Die Diskussion von Versprechen zeigt, dass keine moralischen Erfordernisse aus Institutionen allein folgen. Auch die Regel des Versprechens führt nicht für sich allein zu moralischen Verpflichtungen. Dazu brauchen wir noch das Prinzip der Fairness als Prämisse.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005

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> Gegenargumente gegen Rawls

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