Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Brocker I 822
Lager/Agamben: die Form (Agamben: „Topologie“), die das Politische durch die Einführung des Begriffs des „nackten Lebens“ annimmt, ist die des „Lagers“: das Lager „als biopolitische Paradigma der Moderne“ („nomos der Moderne“ (1)) Siehe Staat/Agamben, Leben/Agamben.
Brocker I 828
Das Lager erscheint als verborgenes Paradigma des politischen Raums der Moderne. Dies wird verständlich, wenn man Politik als Biopolitik, deutet, der es um das „nackte“ Leben geht - im Gegensatz zu einer Politik, die den Bürger als Subjekt ansieht. Das Lager bezieht sich auf politische Strukturen des Ausnahmezustands (Siehe Ausnahme/Terminologie/Agamben). Als Beispiele für „Lager“ nennt Agamben Auffanglager für Geflüchtete oder Bsp Guantanamo auf Kuba: letztlich rechtsleere Räume.
VsAgamben: Agamben wurde in diesem Zusammenhang historische Unzulänglichkeit vorgeworfen: seine These stelle eine Vergleichbarkeit zwischen Ereignissen her, die historisch und ethisch nicht vergleichbar seien.
AgambenVsVs/Muhle: seine These muss insofern als strukturelle These ernst genommen werden, als sie darauf verweist, dass auch innerhalb der Grenzen der rechtsstaatlich gefestigten westlichen Demokratien Ausnahmezustände und damit rechtsfreie Räume produziert werden können und damit auch hier das nackte Leben als ursprüngliches politisches Subjekt hervortritt.
Brocker I 829
Lager/Agamben: es geht darum, das Lager nicht als »Anomalie« der Vergangenheit zu begreifen, sondern vielmehr »als verborgene Matrix, als nómos des politischen Raumes, in dem wir auch heute noch leben« (2). Zu unterstreichen ist hier, dass die Lager nicht aus dem gewöhnlichen Recht hervorgehen, noch dass sie eine Form des Strafvollzugsrechts sind, sondern dass sie »aus dem Ausnahmezustand und dem Kriegsrecht« herrühren. das Lager bietet eine »dauerhafte räumliche Einrichtung« (3) für den anderweitig zeitlich begrenzten Ausnahmezustand.


1.Giorgio Agamben, Homo sacer. Il potere sovrano e la nuda vita, Torino 1995. Dt.: Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt/M. 2002, S. 175.
2. Ebenda
3. Ebenda S. 178


Maria Muhle, „Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Agamben I
Giorgio Agamben
Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben Frankfurt 2002

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018

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