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Sophisten: Die Sophisten waren eine Gruppe der griechischen Antike zwischen etwa 450 und 380 v. Chr., die keine geschlossene Lehre ausbildete. Ihre Vertreter zogen unter anderem die überlieferte Götterlehre in Frage, ohne allerdings die Existenz der Götter zu leugnen. Siehe auch Protagoras, Kritias, Gorgias, Thrasymachos, Hippias, Antiphon, Kallikles.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Platon über Sophisten - Lexikon der Argumente

Gadamer I 351
Sophisten/PlatonVsSophisten/Platon/Gadamer: Das Urbild aller leeren Argumentation ist die sophistische Frage, wie man überhaupt nach etwas fragen könne, was man nicht wisse. Dieser sophistische Einwand, den Plato im „Menon“(1) formuliert, wird dort bezeichnenderweise nicht durch eine überlegene argumentative Auflösung überwunden, sondern durch die Berufung auf den Mythos der Präexistenz der Seele.
Das ist freilich eine sehr ironische Berufung, sofern der Mythos der Präexistenz und der Wiedererinnerung, der das Rätsel des Fragens und Suchens auflösen soll, in Wahrheit nicht eine religiöse Gewissheit ausspielt, sondern auf der Gewissheit der Erkenntnis suchenden Seele beruht, die sich gegen die Leerheit formaler Argumentationen durchsetzt. Gleichwohl ist es kennzeichnend für die Schwäche, die Plato im Logos erkennt, dass er die Kritik an der sophistischen Argumentation nicht logisch, sondern mythisch begründet. Wie die wahre Meinung eine göttliche Gunst und Gabe ist, so ist auch das Suchen und die Erkenntnis des wahren Logos kein freier Selbstbesitz des
Geistes.
Rechtfertigung durch den Mythos: (...) die mythische Legitimierung, die Plato der sokratischen Dialektik hier gibt, [ist] von grundsätzlicher Bedeutung(...). Bliebe das Sophisma unwiderlegt - und argumentativ lässt es sich nicht widerlegen -, würde dieses Argument zur Resignation führen. Es
ist das Argument der „faulen Vernunft“ und besitzt insofern wahrhaft symbolische Tragweite, als alle leere Reflexion ihrem siegreichen Scheine zum Trotz zur Diskreditierung der Reflexion überhaupt führt. Vgl. >Reflexion/Gadamer; HegelVsPlaton: >Reflexion/Hegel.
Gadamer I 415
Sophisten/Sprache/Richtigkeit/Wahrheit/Platon/Gadamer: Kratylos: Wie immer bei Plato hat es (...) einen sachlichen Grund, dass Sokrates so blind ist gegen das, was er widerlegt. >Wort/Platon, >Sprache/Platon, >Richtigkeit/Platon.
Kratylos ist sich selbst nicht darüber klar, dass die Bedeutung der Worte nicht einfach mit den genannten Sachen identisch ist, und noch viel weniger ist er sich darüber klar, und das begründet des platonischen Sokrates verschwiegene Überlegenheit, dass der Logos, das Reden und Sprechen und die in ihm vollzogene Offenlegung der Dinge, etwas anderes ist als das Meinen der in den Worten liegenden Bedeutungen - und dass hier erst die eigentliche Möglichkeit der Sprache, Richtiges, Wahres mitzuteilen, ihren Ort hat.
PlatonVsSophisten: Im Verkennen dieser eigentlichen Wahrheitsmöglichkeit der Rede (der wesensmäßig Falschheit, pseudos, als Gegenmöglichkeit zugehört) entspringt eben ihr sophistischer Missbrauch. Wenn der Logos als Darstellung einer Sache (deloma) verstanden
wird, als ihre Offenlegung, ohne dass diese Wahrheitsfunktion der Rede von dem Bedeutungscharakter der Wörter grundsätzlich unterschieden wird, wird eine der Sprache eigene Verwirrungsmöglichkeit eröffnet. Man kann dann meinen, im Wort die Sache zu haben. >Wahrheit/Platon.


1. Menon 80 d ff.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

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