Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
I 251
Kant/Gerechtigkeit/Prinzipien/Kategorischer Imperativ/Rawls: Meine Interpretation von Kant konzentriert sich auf den Begriff der Autonomie.
RawlsVsHare: Wir sollten Kant nicht in erster Linie in Bezug auf Universalität und Allgemeinheit verstehen. Das wäre eine zu schmale Basis, um eine Moraltheorie zu konstruieren. (Vgl. R. M. Hare, Freedom and Reason, Oxford, 1963, pp. 123f.)
Rawls: für ein vollständiges Verständnis muss man Kants spätere Schriften berücksichtigen.
Moral/Kant/Rawls: Kant beginnt damit, dass moralische Prinzipien rational gewählt werden und rational beurteilt werden.
I 252
Als Gesetzgebung für ein Reich der Zwecke müssen moralische Prinzipien nicht nur für alle zustimmungsfähig sein, sondern auch öffentlich bekannt. Sie müssen von freien und gleichermaßen rationalen Individuen akzeptiert werden können. (Siehe Autonomie/Kant/Rawls).
Kategorischer Imperativ/Kant/Rawls: der Schleier des Nichtwissens (in meiner Theorie) beraubt die Personen in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft sowieso aller Informationen über ihre zukünftige Position, was zugleich garantiert, dass sie als freie und gleichermaßen rationale Personen entscheiden.
Rawls: damit wird Kants Konzeption mehreres hinzugefügt: z.B. dass die gewählten Prinzipien nicht nur auf Individuen, sondern auf die Gesellschaft angewendet werden. Dennoch glaube ich, dass wir nahe bei Kant bleiben.
I 255
RawlsVsKant: Kant hat nicht gezeigt, dass unser Handeln aus dem moralischen Gesetz heraus unsere Natur auf eine erkennbare Weise zeigt, wie es ein Handeln nach gegenteiligen Prinzipien es nicht tun würde.
Lösung/Rawls: unsere Annahme der Anfangssituation mit dem Schleier des Nichtwissens behebt diesen Mangel: wir müssen nur zeigen, dass unsere zu wählenden Prinzipien anwendbar sind. Wir nehmen die Anfangssituation als eine an, die vom noumenalen Selbst in Kants Sinn betrachtet wird. Qua noumenale haben sie die freie Wahl zwischen Prinzipien. Gleichzeitig wollen sie aber ihre Rationalität in der Lebenswelt zum Ausdruck bringen, d.h. ihre Unabhängigkeit von kontingenten Besonderheiten der Natur und der Gesellschaft. Wenn das Argument aus der Vertragstheorie richtig ist (Siehe Vertragstheorie/Rawls), definieren gerade jene Prinzipien das moralische Gesetz.
I 256
Unser Verlangen, uns gerecht zu verhalten, entspringt dann zum Teil dem Wunsch, uns als freie und gleichermaßen rationale Wesen auszudrücken. Ich glaube, deswegen spricht Kant davon, dass es ein Grund für Scham ist, wenn wir uns fehlverhalten und nicht ein Grund für Schuldgefühle.
I 257
Gesellschaft/Wahl/Selbst/Kant/RawlsVsKant/Rawls: in zwei Punkten weiche ich besonders von Kants Konzeption ((s) wie sie im kategorischen Imperativ angelegt ist) ab:
1. Die Wahl (der Prinzipien) als noumenales Selbst nehme ich als die Wahl eines kollektiven (Selbst) an. Diese Wahl muss von anderen Selbsten akzeptiert werden können.
2. Ich nehme an, dass die Parteien wissen, dass sie den Bedingungen des menschlichen Lebens unterliegen. Im Licht dieser natürlichen Beschränkungen werden die Prinzipien gewählt. Bei Kant sieht es so aus, als schlösse er auch die Freiheit Gottes oder die Freiheit reiner Intelligenzen mit ein, diese unterliegen aber nicht den Beschränkungen, die verlangen, Andere als gleichermaßen rationale und freie Wesen anzuerkennen.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005

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