Philosophie Lexikon der Argumente

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Sklaverei/Durchschnittsnutzen/Rawls: gegen das Prinzip des Durchschnittsnutzens könnte man argumentieren, dass es von allen die gleiche Risikoakzeptanz verlangt. Da anfänglich niemals eine Situation bestand, in der alle Beteiligten dem zustimmen konnten, sei das Prinzip abzulehnen. Extremes Beispiel:
Ein Sklavenhalter könnte anführen, dass in den Umständen seiner Gesellschaft die Institution der Sklaverei notwendig ist, um das größte durchschnittliche Glück zu produzieren. Weiterhin würde er argumentieren, dass er selbst in der Anfangssituation einer zu errichtenden Gesellschaft (in der alle Beteiligten hinter einem Schleier des Nichtwissens in Bezug auf ihre spätere Position in der Gesellschaft stehen) für Sklaverei votiert hätte mit dem Risiko, selbst als Sklave zu enden.
Rawls: das könnte man auf den ersten Blick als absurd ablehnen, man könnte denken, es macht keinen Unterschied, was er wählt; solange die Individuen einem Gerechtigkeitsbegriff zugestimmt haben, die mit realen Risiken behaftet ist, ist niemand an solche Erfordernisse gebunden.
Vertragstheorie/Rawls: wenn man die Sichtweise von Verträgen zugrunde legt, ist das Argument des Sklavenhalters jedoch korrekt: es wäre ein Fehler, wollten die Sklaven entgegnen, die Auseinandersetzung sei überflüssig, da es keine aktuale Wahlmöglichkeit gibt und keine gleiche Chancenverteilung. Die Vertragsdoktrin ist rein hypothetisch: wenn eine Version von Gerechtigkeit in der Anfangssituation gewählt würde, wären ihre Prinzipien die, die angewendet würden. Es ist kein Argument, dass ein solches Verständnis nicht intendiert war oder jemals intendiert werden würde. Wir können nicht beides haben: eine hypothetische Interpretation ohne konkrete Information über das Ergebnis
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und später durch eine Neueinschätzung des Risikos Prinzipien verwerfen, die wir nicht mehr haben wollen.
G. HarmanVsRawls/Rawls: Gilbert Harman wies mich darauf hin, dass ich selbst diesen Fehler gemacht hatte. Siehe G. Harman „Constitutional Liberty and the Concept of Justice“, Nomos VI: Justice, ed. C. J. Friedrich and J. W. Chapman, New York, 1963).
Lösung/Rawls: Die Theorie der Gerechtigkeit als Fairness wiederlegt das Sklavenhalter-Argument schon in der Anfangssituation. (Siehe auch Prinzipien/Rawls).
Hier haben wir nach der Theorie der Gerechtigkeit als Fairness die Möglichkeit, die zwei Prinzipien der Gerechtigkeit zu akzeptieren, dann können die Unwägbarkeiten umgangen werden: Vgl.

I 61
Prinzipien/Gerechtigkeit/Rawls: vorläufige Formulierung:
1. Jede Person muss das gleiche Recht auf weitest gehende grundlegende Freiheit haben, soweit sie mit gleicher Freiheit für andere kompatibel ist.
2. Soziale und ökonomische Ungleichheiten sind so zu arrangieren, dass sie
a) vernünftig erwartbar zu jedermanns Vorteil sind und
b) mit Positionen und Verwaltungsvorgängen verknüpft sind, die von jedermann inne gehabt werden können.

Damit können grundlegende Freiheiten garantiert werden.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Rawl I
J. Rawls
A Theory of Justice: Original Edition Oxford 2005

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> Gegenargumente gegen Rawls

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