Philosophie Lexikon der Argumente

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Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten
Habermas III 293
Entzauberung/disenchantment/Weltbilder/Religion/Moderne/Weber/Habermas: die Entzauberung beobachtet Weber vor allem an der Interaktion zwischen Gläubigen und Gott. Je stärker diese als Kommunikation gestaltet ist,
Habermas III 294
umso strikter kann der Einzelne seine innerweltlichen Beziehungen unter den abstrakten Gesichtspunkten einer Moral systematisieren. Das bedeutet
a) das Herauspräparieren eines abstrahierten Weltbegriffs
b) die Ausdifferenzierung einer rein ethischen Einstellung, in der der Handelnde Normen befolgen und kritisieren kann
c) die Ausbildung eines zugleich universalistischen und individualistischen Personenbegriffs mit den Korrelaten des Gewissens, der moralischen Zurechnungsfähigkeit, der Autonomie, der Schuld usw.
Die pietätvolle Bindung an traditionell verbürgte konkrete Lebensordnungen kann damit zugunsten einer freien Orientierung an allgemeinen Prinzipien überwunden werden.
Habermas III 295
Kognitive Dimension: hier geht die Entzauberung von Dingen und Ereignissen mit einer Entmythologisierung der Erkenntnis des Seienden einher. Umso mehr kann der Einzelnen wiederum seine lebensweltlichen Beziehungen systematisieren, diesmal unter den abstrakten Gesichtspunkten einer kosmologisch-metaphysischen Ordnung, deren Gesetzen alle Phänomene ausnahmslos unterliegen. Das bedeutet
a) das Herauspräparieren eines formalen Weltbegriffs für das (1)
b) die Ausdifferenzierung einer (von der Praxis abgehobenen) rein theoretischen Einstellung,
c) die Ausbildung eines epistemischen Ich überhaupt, das sich, frei von Affekten, lebensweltlichen Interessen, Vorurteilen usw., der Anschauung des Seienden hinzugeben vermag. (2)
Habermas III 296
HabermasVsWeber: Weber hat die kognitiven Strukturen, die sich auf den eigensinnigen Rationalisierungspfaden der religiösen und metaphysischen Weltbilder herauskristallisieren, an keiner Stelle ausführlicher analysiert. Deshalb wird auch nicht hinreichend klar, dass zwischen den Resultaten der Weltbildrationalisierung und jenem Weltverständnis, das in einem spezifischen Sinne „modern“ ist, noch ein weiterer Schritt liegt.
Habermas III 297
Moderne/Habermas: die Moderne kennt weder in der Ethik noch in der Wissenschaft Reservate, die von der kritischen Kraft hypothetischen Denkens ausgenommen wären. Vorher bedarf es aber zunächst einer Generalisierung des Lernniveaus, das mit der Begrifflichkeit der religiös-metaphysischen Weltbilder erreicht worden ist.

1. A Koyré, Von der geschlossenen Welt zum unendlichen Universum, Frankfurt 1969.
2. H. Blumenberg, Säkularisierung und Selbstbehauptung, Frankfurt 1974.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders.
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Weber I
M. Weber
Die protestantische Ethik und der Geist des Kapitalismus München 2013

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

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