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Postmoderne über Menschen - Lexikon der Argumente

Gaus I 49
Mensch/Postmoderne/Bennett: Die postmoderne Theoriebildung positioniert das Menschliche in Bezug auf die nichtmenschlichen Entitäten und Kräfte, mit denen es die Welt teilt. Ihre Metaphysik der Immanenz verdrängt den Menschen aus dem Zentrum des Universums. Stattdessen werden wir als eine besonders komplexe und reflexive Formation betrachtet, die sich von anderen Formen in erheblichem Maße, aber nicht in der Art unterscheidet.
Der Mensch wird als eine Mischung von Kategorien von Dingen dargestellt, gegen die er traditionell definiert wurde. Wir sind Hybride aus Tier und Maschine, Kultur und Biologie, Sprache und Affekt.
Haraway: Wir sind Cyborgs, sagt Donna Haraway (1989)(1), die die Vor- und Nachteile für die demokratische Politik, den Feminismus und das multikulturelle Zusammenleben untersucht. Bruno Latour: Latour sagt, dass der Mensch nicht ein Pol ist, dem ein anderer - gennant das Nichtmenschliche - entgegengesetzt wird, sondern eher ein "Weber von Morphismen": "Der Ausdruck "anthropomorph" unterschätzt unsere Menschlichkeit erheblich. Wir sollten über ... Technomorphismen, Zoomorphismen, Physiomorphismen, Ideomorphismen, Theomorphismen, Soziomorphismen, Psychomorphismen sprechen ... Ihre Bündnisse und ihr Austausch sind es, die zusammengenommen den Anthropos definieren" (1993(2): 137). Deleuze: Die Diskussion von Deleuze und Guattari (1987)(3) über das kindliche Spiel des "Tier-Werdens" erforscht das positive Potential dieser mobilen Hybridität. Das Spiel, so heißt es, enthüllt das Gefühl des Kindes selbst, dass aus einem überreichen Feld von proteischen Kräften und Materialien geboren wurde, von denen nur einige von seiner gegenwärtigen, menschlichen Gestalt angezapft werden. Beim Spielen ihrer bellenden, muhenden, zwitschernden, knurrenden Spiele bezeugen die Kinder eine "unmenschliche Erfindung mit dem Tier" in ihnen (...)(3).
Gaus I 50
Ball: Die postmoderne Betonung der gemeinsamen materiellen Basis aller Dinge - von Menschen, Tieren, Artefakten und natürlichen Objekten - fördert auch ein ökologisches Gefühl der Verbundenheit.
Werden: Postmoderne Theoretiker stellen sich vor, dass der Mensch, wie alles, was ist, in ständige Übergänge zwischen Sein und Werden eingebunden ist. Für Derrida ist das Werden das, was jeden Fortschritt oder jede Verbesserung in Richtung eines Ideals im politischen Leben möglich macht (...).(4)


1. Haraway, Donna (1989) Primate Visions. New York: Routledge.
2. Latour, Bruno (1993) We Have Never Been Modern. Cambridge, MA: Harvard University Press.
3. Deleuze, Gilles and Guattari, Felix (1987) A Thousand Plateaus, trans. Brian Massumi. Minneapolis: University of Minnesota Press.
4. Derrida, Jacques (2001) ‘An interview with Jacques Derrida’. Theory & Event, 5 (1).


Jane Bennett, 2004. „Postmodern Approaches to Political Theory“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications.


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.
Postmoderne

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

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