Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
[englisch]

Screenshot Tabelle Begriffes

 

Finden Sie Gegenargumente, in dem Sie NameVs…. oder….VsName eingeben.

Erweiterte Suche:
Suchbegriff 1: Autor oder Begriff Suchbegriff 2:Autor oder Begriff


zusammen mit




Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 14 Einträgen:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor
Eintrag
Literatur
Außenpolitik Morgenthau Brocker I 290
Außenpolitik/Morgenthau: These: Solange Außenpolitik auf falschen Fundamenten ruht, kann sie nur durch Zufall klug und ausgewogen sein. Ein großes Übel sieht Morgenthau im Kreuzzugsgeist Amerikas – in der kulturell verfestigten Neigung
Brocker I 291
nüchternes Macht- und Interessenkalkül ob der Fixierung auf abstrakte Prinzipien (Freiheit, Demokratie, Menschenrechte) zu vernachlässigen. Gegen dieses Übel verordnet der Autor unbedingte Sachlichkeit; die Befreiung der Außenpolitik vom Moralisieren; ihre Ausrichtung an Interessen; die Bereitschaft zum Kompromiss selbst mit dem vermeintlich Bösen (auch die Sowjets haben Interessen); mit Blick auf Kompromisse schließlich den Willen zur Empathie im Sinne einer permanenten Anstrengung, die jeweils andere Seite nicht nur mit ihren vitalen Interessen, sondern auch mit ihren historischen Erfahrungen bestmöglich zu verstehen. (1) Siehe auch Diplomatie/Morgenthau.

1. Hans J. Morgenthau, Politics Among Nations. The Struggle for Power and Peace, New York 1948. Dt.: Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik, Gütersloh 1963.


Christoph Frei, „Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden (1948)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Pol Morg I
Hans Morgenthau
Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik Gütersloh 1963

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Bourgeois/Citoyen Marx Mause I 49
Bourgeois/citoyen/MarxVsHegel/Marx: Der „politische Staat“ (Marx 1956b, S.351), der der „bürgerlichen Gesellschaft“ (1) historisch zu ihrer Durchsetzung verhalf, ist der bloße Garant dieser atomistischen Gesellschaft des egoistisch seine Privatinteressen verfolgenden bourgeois, dessen Rechte er in Gestalt der liberalen Grund- und Menschenrechte schützt (2). Damit konserviert er jene bourgeoise Existenzweise des (…) von seinem „Gattungswesen“ (3) als Mensch entfremdeten, isolierten Individuums, das in Seinesgleichen nicht die kommunitäre Verwirklichungschance, sondern die Schranke seiner Freiheit sieht. Der citoyen ist nichts als die idealisierte Projektion dieser entfremdeten Gattungswesenheit, und der Staat, der sich dieser Idealisierung gemäß als republikanischer Verwirklichungsraum dieses citoyen präsentiert, erweist sich in Wahrheit als Instrument zur Stabilisierung der bürgerlichen Gesellschaft und der Konkurrenz ihrer Mitglieder. Unter den historischen Bedingungen der bürgerlichen Gesellschaft bleibt daher der citoyen immer dem bourgeois untergeordnet, und ebenso erscheint das Verhältnis von Politik und Wirtschaft in Gestalt einer Zweck-Mittel-Verkehrung.
Republikanismus/MarxVsRousseau, MarxVsHegel: Das von Rousseau wie von Hegel projektierte republikanische Ziel ist also für Marx innerhalb der Grenzen der bestehenden Wirtschaftsform nicht zu erreichen.


1. K. Marx, Zur Judenfrage. In Marx Engels Werke, Bd.  1 (MEW 1), Hrsg. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1956, S. 354-356,366-370.
2. Ebenda S. 361-367
3. Ebenda S 366,370.

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Flüchtlinge Agamben Brocker I 828
Flüchtlinge/Migration/Politik/Agamben: Agamben diagnostiziert zunächst eine Trennung zwischen Humanitärem und Politischem als »extreme Phase der Entfernung zwischen den Menschenrechten und den Bürgerrechten«. (1)
Brocker I 829
Problem: verhindern, dass »nacktes« Leben ausschließlich Gegenstand humanitärer – und nicht politischer – Strategien wird, Lösung/Agamben: »der Flüchtling« als ein »Grenzbegriff« verstanden werden, »der die fundamentalen Kategorien des Nationalstaates, vom Nexus Nativität-Nationalität zu demjenigen von Mensch-Bürger, in eine radikale Krise stürzt: So wird es möglich, das Feld für eine nunmehr unaufschiebbare kategoriale Erneuerung zu räumen, im Hinblick auf eine Politik, die das nackte Leben nicht mehr in der staatlichen Ordnung absondert und ausstößt, auch nicht mittels der Figur der Menschenrechte« (2); vgl. Agamben 2001 (3)). Siehe auch Lager/Agamben, Biopolitik/Agamben, Totalitarismus/Agamben, Terminologie/Agamben.


1.Giorgio Agamben, Homo sacer. Il potere sovrano e la nuda vita, Torino 1995. Dt.: Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt/M. 2002, S. 142.
2. Ebenda S. 143
3. Agamben 2001, S. 23-32

Maria Muhle, „Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Agamben I
Giorgio Agamben
Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben Frankfurt 2002

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Klimaziele Caney Norgaard I 327
Klimaziele/Rechte/Gardiner/Caney: Stephen Gardiner (2006)(1) argumentiert, dass die durch den potenziell katastrophalen Klimawandel gefährdeten Interessen bei weitem die Überlegungen überwiegen, das Wirtschaftswachstum zu reduzieren. Andere, insbesondere Simon Caney (2005a(2), 2009(3)), haben argumentiert, dass das Recht auf ein stabiles Klima als ein grundlegendes Menschenrecht angesehen werden sollte, da die grundlegenden Interessen von Leben, Gesundheit, Lebensunterhalt und Ortssicherheit, die alle durch den Klimawandel gefährdet sind, die Grundlage sowohl für moralische als auch für rechtliche Menschenrechte bilden. Weder Gardiner noch Caney unterstützen bestimmte Ziele, aber ihre Argumente scheinen die zwingendsten Ziele zu unterstützen, die derzeit in den politischen Debatten erreicht werden (z.B. Reduzierung der CO2-Konzentrationen auf 350 ppm, deutlich unter den heutigen Werten). Rechte/Utilitarismus/VsGardiner/VsCaney: Ein Gegenargument ist, dass Verlust von Menschenleben alltäglich ist und einfach als weitere wirtschaftliche Kosten behandelt werden sollte; andernfalls werden Ressourcen für den Klimaschutz verschwendet, die mit anderen Mitteln, wie der Reduzierung von Malaria, mehr Leben retten könnten (Schelling 1997(4); Lomborg 2006(5)). Aber es scheint auch falsch zu sagen, dass wir Millionen von Menschen durch
Norgaard I 328
Umweltverschmutzung sterben lassen werden, weil wir einen Teil der Ersparnisse ausgeben können, um Schäden für andere billiger zu verhindern. Es scheint eine grundlegende Spannung zu geben zwischen der utilitaristischen Intuition, dass die Summe aller Leiden zählt, und der Intuition über Rechte, dass es darauf ankommt, wer genau dem Schaden oder Risiko ausgesetzt ist und warum (Baer and Sagar 2009(6)). >Utilitarismus. Klimaziele: Allmählich hat sich ein Konsens darüber herausgebildet, dass wir einen Temperaturanstieg von weniger als 2°C gegenüber der vorindustriellen Zeit anstreben sollten; dennoch argumentieren viele der am wenigsten entwickelten Länder und kleine Inselstaaten jetzt, dass das Ziel 1,5 °C sein sollte. Die von verschiedenen Nationen bis Juni 2010 gemachten Zusagen zur Emissionsreduzierung scheinen jedoch weit davon entfernt zu sein, selbst ein 2°C-Ziel zu erreichen, was darauf hindeutet, dass unabhängig von der Rhetorik nationale wirtschaftliche Interessen immer noch Vorrang vor globalen Gerechtigkeitsfragen haben.



1. Gardiner, S. M. 2006. A core precautionary principle. Journal of Political Philosophy 14: 33–60.
2. Caney, S. 2005a. Cosmopolitan justice, responsibility and climate change. Leiden Journal of International Law 18: 747–75.
3. Caney, S. 2009. Human rights, responsibilities and climate change. In C. R. Beitz and R. E. Goodin (eds.), Global Basic Rights. Oxford: Oxford University Press.
4. Schelling, T. C. 1997. The cost of combating global warming: Facing the tradeoffs. Foreign Affairs 76: 8–14.
5. Lomborg, B. (ed.) 2006. How to Spend $50 Billion to Make the World a Better Place. Cambridge: Cambridge University Press.
6. Baer; P. and A. Sagar 2009. Ethics, rights and responsibilities. Pp. 262–9 in S. H. Schneider, A. Rosencranz, and M. D. Mastrandrea (eds.), Climate Change Science and Policy. Washington, DC: Island Press.


Baer, Paul: “International Justice”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press.

Norgaard I
Richard Norgaard
John S. Dryzek
The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011
Klimaziele Gardiner Norgaard I 327
Klimaziele/Rechte/Gardiner/Caney: Stephen Gardiner (2006)(1) argumentiert, dass die durch den potenziell katastrophalen Klimawandel gefährdeten Interessen bei weitem die Überlegungen überwiegen, das Wirtschaftswachstum zu reduzieren. Andere, insbesondere Simon Caney (2005a(2), 2009(3)), haben argumentiert, dass das Recht auf ein stabiles Klima als ein grundlegendes Menschenrecht angesehen werden sollte, da die grundlegenden Interessen von Leben, Gesundheit, Lebensunterhalt und Ortssicherheit, die alle durch den Klimawandel gefährdet sind, die Grundlage sowohl für moralische als auch für rechtliche Menschenrechte bilden. Weder Gardiner noch Caney unterstützen bestimmte Ziele, aber ihre Argumente scheinen die zwingendsten Ziele zu unterstützen, die derzeit in den politischen Debatten erreicht werden (z.B. Reduzierung der CO2-Konzentrationen auf 350 ppm, deutlich unter den heutigen Werten). Rechte/Utilitarismus/VsGardiner/VsCaney: Ein Gegenargument ist, dass Verlust von Menschenleben alltäglich ist und einfach als weitere wirtschaftliche Kosten behandelt werden sollte; andernfalls werden Ressourcen für den Klimaschutz verschwendet, die mit anderen Mitteln, wie der Reduzierung von Malaria, mehr Leben retten könnten (Schelling 1997(4); Lomborg 2006(5)). Aber es scheint auch falsch zu sagen, dass wir Millionen von Menschen durch
Norgaard I 328
Umweltverschmutzung sterben lassen werden, weil wir einen Teil der Ersparnisse ausgeben können, um Schäden für andere billiger zu verhindern. Es scheint eine grundlegende Spannung zu geben zwischen der utilitaristischen Intuition, dass die Summe aller Leiden zählt, und der Intuition über Rechte, dass es darauf ankommt, wer genau dem Schaden oder Risiko ausgesetzt ist und warum (Baer and Sagar 2009(6)). >Utilitarismus. Klimaziele: Allmählich hat sich ein Konsens darüber herausgebildet, dass wir einen Temperaturanstieg von weniger als 2°C gegenüber der vorindustriellen Zeit anstreben sollten; dennoch argumentieren viele der am wenigsten entwickelten Länder und kleine Inselstaaten jetzt, dass das Ziel 1,5 °C sein sollte. Die von verschiedenen Nationen bis Juni 2010 gemachten Zusagen zur Emissionsreduzierung scheinen jedoch weit davon entfernt zu sein, selbst ein 2°C-Ziel zu erreichen, was darauf hindeutet, dass unabhängig von der Rhetorik nationale wirtschaftliche Interessen immer noch Vorrang vor globalen Gerechtigkeitsfragen haben.


1. Gardiner, S. M. 2006. A core precautionary principle. Journal of Political Philosophy 14: 33–60.
2. Caney, S. 2005a. Cosmopolitan justice, responsibility and climate change. Leiden Journal of International Law 18: 747–75.
3. Caney, S. 2009. Human rights, responsibilities and climate change. In C. R. Beitz and R. E. Goodin (eds.), Global Basic Rights. Oxford: Oxford University Press.
4. Schelling, T. C. 1997. The cost of combating global warming: Facing the tradeoffs. Foreign Affairs 76: 8–14.
5. Lomborg, B. (ed.) 2006. How to Spend $50 Billion to Make the World a Better Place. Cambridge: Cambridge University Press.
6. Baer; P. and A. Sagar 2009. Ethics, rights and responsibilities. Pp. 262–9 in S. H. Schneider, A. Rosencranz, and M. D. Mastrandrea (eds.), Climate Change Science and Policy. Washington, DC: Island Press.


Baer, Paul: “International Justice”, In: John S. Dryzek, Richard B. Norgaard, David Schlosberg (eds.) (2011): The Oxford Handbook of Climate Change and Society. Oxford: Oxford University Press.

Norgaard I
Richard Norgaard
John S. Dryzek
The Oxford Handbook of Climate Change and Society Oxford 2011
Leben Agamben Brocker I 821
Leben/Agamben: Agambens Begriff des „nackten Lebens“ setzt ein an der altgriechischen Unterscheidung zwischen „zoe“ und „bios“: zoe/Aristoteles: ein zur Politik qualifiziertes Leben
bios/Aristoteles: ein natürlich-unqualifiziertes Leben, das damit von der Politik ausgeschossen ist.
Nacktes Leben/Agamben: dieser Begriff ist eingespannt zwischen Foucaults Begriff der „Biopolitik“ (Foucault, Der Wille zum Wissen,1977) und Hannah Arendts Begriff des homo laborans (H. Arendt, Vita Aktiva oder vom tätigen Leben, 1960). Damit rückt das Biologische Leben zunehmend ins Zentrum der politischen Bühne. (1) Siehe Staat/Agamben.
Die Form, die das „nackte Leben“ im Politischen annimmt, ist die des „homo sacer“ ((s) des „Heiligen Menschen“).
Brocker I 827
Leben/AgambenVsAristoteles: entgegen der klassischen aristotelischen Trennung von »zōḗ« und »bíos«, die neo-aristotelisch auch bei Arendt in der Unterscheidung von sozialer und politischer Sphäre wiederkehrt, wird für Agamben das nackte Leben immer schon und ausschließlich als politisches Leben verständlich. Siehe Biopolitik/Agamben. Agamben: These: Jedes Leben, sei es auch völlig unqualifiziert, nackt und ent-blößt, gerade in dieser Ent-Blößtheit den ursprünglichen Ansatzpunkt jeder Politik bildet, auch und gerade der demokratischen Politik im Zeichen der Menschenrechte.



1.Giorgio Agamben, Homo sacer. Il potere sovrano e la nuda vita, Torino 1995. Dt.: Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt/M. 2002, S. 13.


Maria Muhle, „Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Agamben I
Giorgio Agamben
Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben Frankfurt 2002

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Menschenrechte
Menschenrechte Agamben Brocker I 828
Menschenrechte/Agamben: Die Demokratie (siehe Totalitarismus/Agamben) schafft das heilige Leben derart nicht ab (wie man es vermuten sollte), sondern »zersplittert es, verstreut es in jedem einzelnen Körper, um es zum Einsatz in den politischen Konflikten zu machen«. (1) (Siehe auch Leben/Agamben, Biopolitik/Agamben). Diese Logik hatte bereits Arendt in ihrem Totalitarismus-Buch an der Déclaration des Droits de l’homme et du citoyen von 1789 untersucht und freigelegt. (2) Ausgehend von dem Paradox, dass gerade jener Mensch – der staatenlose Flüchtling, der »nur noch Mensch war« –, der die Menschenrechte tatsächlich in Anspruch nehmen musste, kein Recht auf diese Rechte hatte, wird das Versagen dieser Rechte deutlich, die de facto ausschließlich als Rechte des Staatsbürgers Anwendung finden. So trägt bereits der Titel der Erklärung jener Unmöglichkeit Rechnung, dem Menschen als solchem, dem nackten Leben, dem »homo sacer«, Rechte zu gewähren, die nicht nationalstaatlich abgesichert sind. >Menschenrechte.


1.Giorgio Agamben, Homo sacer. Il potere sovrano e la nuda vita, Torino 1995. Dt.: Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben, Frankfurt/M. 2002, S. 132.
2.Hannah Arendt, Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft. Antisemitismus, Imperialismus, totale Herrschaft, München/Zürich 1998.


Maria Muhle, „Giorgio Agamben, Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Agamben I
Giorgio Agamben
Homo sacer – Die souveräne Macht und das nackte Leben Frankfurt 2002

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Menschenrechte Kelsen Brocker I 139
Menschenrechte/Kelsen: unter Kelsens Ablehnung absolutistischer Weltanschauungen fällt auch die Ablehnung der Annahme, man könne Menschenrechte als vorpolitische Normen ansehen, die von der Politik anerkannt werden müssten, nicht aber von ihr hervorgebracht würden. >Naturrecht/Kelsen, >Demokratietheorie/Kelsen, >Demokratie/Kelsen. VsKelsen: Interpreten, die Kelsen als Liberalen sehen, folgen ihm gerne in der Ablehnung der Diktatur, haben aber Mühe mit seiner Kritik an Grund- und Menschenrechten.


Marcus Llanque, „Hans Kelsen, Vom Wesen und Wert der Demokratie“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Menschenrechte Morgenthau Brocker I 287
Menschenrechte/Morgenthau: Frage: Leisten Moral und Sitte, was das Völkerrecht im Zeitalter souveräner Staatlichkeit nicht zu leisten vermag? Gibt es ein über Grenzen hinweg verpflichtendes Ethos, oder gibt es wenigstens eine öffentliche Meinung im Weltmaßstab? Morgenthau findet Spuren im Bereich der Menschenrechte. Für ihn sind es allerdings nicht hoffnungsvolle Ansätze, sondern nur mehr schwache Überreste einer christlich und aristokratisch geprägten, europäisch dominierten Welt von gestern. Deren übergreifende moralische Einheit ist verloren. (1) >Menschenrechte.

1. Hans J. Morgenthau, Politics Among Nations. The Struggle for Power and Peace, New York 1948. Dt.: Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik, Gütersloh 1963.


Christoph Frei, „Hans J. Morgenthau, Macht und Frieden (1948)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Pol Morg I
Hans Morgenthau
Macht und Frieden. Grundlegung einer Theorie der internationalen Politik Gütersloh 1963

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Moral Kohlberg Habermas IV 260
Moral/Entwicklung/Psychologie/Kohlberg/Habermas: L. Kohlberg unterscheidet drei Ebenen des moralischen Bewusstseins (1), a) die präkonventionelle Ebene, auf der nur Handlungsfolgen beurteilt werden, b) die konventionelle, auf der bereits die Orientierung an und der Verstoß gegen Normen beurteilt wird, c) die postkonventionelle Ebene, auf der auch die Normen selbst im Lichte von Prinzipien beurteilt werden.
1.L. Kohlberg, Zur kognitiven Entwicklung des Kindes, Frankfurt 1974.


Slater I 165
Moral/Kohlberg: Wie Piaget (>Moral/Piaget) bat Kohlberg (1963/2008)(1) Kinder, über eine Situation nachzudenken. Z.B. das Heinz Dilemma. Def Heinz Dilemma: Herr Heinz, der Ehemann einer krebskranken Frau, brach in eine Apotheke ein, um ein Medikament zu stehlen, nachdem sich der Apotheker geweigert hatte, ihm das Medikament zu einem reduzierten Preis oder auf Kredit zu geben.
Die Kinder (Jungen im Alter von 10 bis 13 Jahren) diskutierten dann ausführlich über dieses Problem.
Phasen/Kohlberg: 6 Phasen der Moral, gruppiert in drei Stufen:

Erste Stufe: die prämoralische Stufe, Urteile sind durch Eigeninteresse gekennzeichnet.

Die Orientierung in Phase 1 konzentriert sich darauf, Strafen zu vermeiden und Gehorsam um seiner selbst willen zu zeigen.
Die Ausrichtung der zweiten Phase konzentriert sich auf das, was Kohlberg "naiver instrumentaler Hedonismus" nannte, der oft als "Du kratzt meinen Rücken und ich kratze deinen" bezeichnet wird.

Zweite Stufe: die Moral der konventionellen Rollenkonformität, in der Urteile durch die Betonung sozialer Beziehungen und die Wertschätzung von Normen und Konventionen gekennzeichnet sind.

Die Ausrichtung der dritten Phase konzentriert sich auf die Aufrechterhaltung positiver Beziehungen zu anderen, indem sie den erwarteten gesellschaftlichen Standards für gute Leistungen folgt.
Die Ausrichtung der vierten Phase konzentriert sich auf die Einhaltung der Gesetze zur Aufrechterhaltung der sozialen Ordnung.

Dritte Stufe: Moral der selbst akzeptierten moralischen Prinzipien, mit Urteilen, die sich durch einen Fokus auf die intern gehaltenen moralischen Prinzipien auszeichnen.

Die Ausrichtung der fünften Phase konzentriert sich auf die Koordination der Interessen der Gruppe mit wichtigen universellen Werten wie der Notwendigkeit, das Leben zu erhalten.
Phase 6 konzentriert sich auf das Handeln nach dem Gewissen in Bezug auf die Grundprinzipien der Fairness wie Gleichheit und Menschenrechte.

Kohlbergs These: Es ist notwendig, dass Individuen die Phasen in der Reihenfolge durchlaufen. Das Muster der Zusammenhänge (...) unterstützte die Vorstellung, dass die höheren Ebenen der moralischen Argumentation die niedrigeren Ebenen ersetzen, während sich Kinder entwickeln.


Vor Kohlberg und Piaget waren die dominanten Ansichten der moralischen Entwicklung der behavioristische Ansatz, der sich darauf konzentriert, wie Verhaltensweisen durch Konditionierung erworben werden, der Sozialisationsansatz, der die Internalisierung sozialer Normen betont, und der psychodynamische Ansatz, der die Rolle unbewusster Motive im menschlichen Verhalten betont. Jeder dieser Ansätze stellt Kinder als passive Empfänger von Werten und Normen dar, die ihnen entweder extern oder intern über unbewusste Prozesse auferlegt werden. Kohlberg hingegen charakterisierte die moralische Argumentation von Kindern als sich entwickelnd, wenn sie in komplexen sozialen Umgebungen interagieren und Erfahrungen mit sozialen Rollen sammeln (Turiel, 2008)(2). Kohlberg argumentierte, dass selbst kleine Kinder die mentale und emotionale Fähigkeit haben, ihr soziales Umfeld zu verstehen und über die moralischen Auswirkungen ihres Verhaltens nachzudenken.



1. Kohlberg, L. (1963/2008). The development of children’s orientations toward a moral order. I: Sequence in the development of moral thought. Human Development, 51, 8—20.
2. Turiel, E. (2008). The development of children’s orientations toward moral, social, and personal orders: More than a sequence in development. Human Development, 51, 21—39.


Gail D. Heyman and Kang Lee, “Moral Development. Revisiting Kohlberg’s Stages“, in: Alan M. Slater and Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Kohlb I
Lawrence Kohlberg
The Philosophy of Moral Development: Moral Stages and the Idea of Justice New York 1981

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Naturrecht Kelsen Brocker I 138
Naturrecht/Demokratie/Politische Theorie/Kelsen: In aller naturrechtlichen Argumentation vermutet er die Suche nach »vordemokratischen Herrschaftsreservaten«.(1) Dazu zählen die (…) Idee der Repräsentation, alle Überlegungen hinsichtlich des Wesens oder der Substanz des Volkes, aber auch Überlegungen zu Grundrechten oder Menschenrechten, insofern sie verabsolutiert werden. >Menschenrechte/Kelsen.

1. R. Chr. van Ooyen, Hans Kelsen und die offene Gesellschaft, Wiesbaden 2010


Marcus Llanque, „Hans Kelsen, Vom Wesen und Wert der Demokratie“, in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Staat Marx Mause I 49/50
Staat/MarxVsHegel/Marx: der Hegel’sche Staat scheint unfähig, das von ihm beanspruchte Primat der Politik gegenüber der Wirtschaft zur Geltung zu bringen; er ist eine machtlose Idealisierung und Verdoppelung seines realen Pendants in der sozialen Wirklichkeit, das aufgrund seiner tatsächlichen Abhängigkeit von der bürgerlichen Gesellschaft keine über die Durchsetzung dieser Gesellschaftsformation hinausweisende emanzipatorische Perspektive im Sinne des republikanischen Projekts bietet. (1) Der „politische Staat“ (2), der der „bürgerlichen Gesellschaft“ (3) historisch zu ihrer Durchsetzung verhalf, ist der bloße Garant dieser atomistischen Gesellschaft des egoistisch seine Privatinteressen verfolgenden bourgeois, dessen Rechte er in Gestalt der liberalen Grund- und Menschenrechte schützt (4).


1. K.Marx, Kritik des Hegelschen Staatsrechts (§ §   261– 313). In Marx Engels Werke, Bd. 1 (MEW 1), Hrsg. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, Berlin 1956, S.   275– 287
2. K. Marx, Zur Judenfrage. In Marx Engels Werke, Bd.  1 (MEW 1), Hrsg. Institut für Marxismus-Leninismus beim ZK der SED, 1. Berlin 1956, S. 351
3. Ebenda S 354-356, 366-370.
4. Ebenda S.361-367

Marx I
Karl Marx
Das Kapital, Kritik der politische Ökonomie Berlin 1957

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Wertewandel Habermas IV 576
Wertewandel/culture shift/culture change/cultural change/change in values/value change/Inglehart/Habermas: In den entwickelten Gesellschaften des Westens haben sich in den letzten Jahrzehnten Konflikte entwickelt, die in mehreren Hinsichten vom sozialstaatlichen Muster des institutionalisierten Verteilungskonflikts abweichen. Es geht neuerdings eher um die Durchsetzung reformierter Lebensweisen, um Fragen der Grammatik von Lebensformen. Ein Beispiel dafür ist: der Begriff Stille Revolution/silent revolution/Ronald Inglehart: (1).
IV 577
Neu sind die Probleme der Lebensqualität, der Gleichberechtigung, der individuellen Selbstverwirklichung, der Partizipation und der Menschenrechte. (2) Diese neue Politik findet stärkeren Anhang im neuen Mittelstand, in der jüngeren Generation und in den Gruppen mit qualifizierter Schulbildung. Habermas: diese Phänomene passen zur These der inneren Kolonialisierung Siehe Terminologie/Habermas.


1.R. Inglehart, Wertwandel und politisches Verhalten, in: J. Matthes, (Hrsg.) Sozialer Wandel in Europa, Frankfurt, NY 1979.
2.K.Hildebrandt, R.J. Dalton, Die neue Politik, in: PVS, Jg. 19,1977, S. 230ff. S.H. Barnes, M. Kaase et al., Political Action, Beverly Hills/London 1979.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981