Philosophie Lexikon der Argumente

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Wahrheit, Philosophie: Verschiedenste Ansätze nehmen für sich in Anspruch, Wahrheit entweder zu definieren, zu erklären oder ihre prinzipielle Undefinierbarkeit zu behaupten. A. Sprachlich orientierte Theorien setzen entweder eine Übereinstimmung von Aussagen mit Ausschnitten der Welt oder eine Stimmigkeit mit anderen Aussagen voraus. Siehe auch Wahrheitstheorie, Wahrheitsdefinition, Bedeutungstheorie, Korrespondenztheorie, Kohärenztheorie, Tatsachen, Sachverhalte, Paradoxien, Semantik, Deflationismus, Disquotationalismus, Kriterien, Beweise. B. Handlungsorientierte Wahrheitstheorien nehmen eine zukünftige Verwirklichung von Zuständen zum Maßstab, die mit einem angestrebten Ideal in Einklang gebracht werden sollen. Siehe auch Wirklichkeit, Richtigkeit, Pragmatismus, Idealisierung, Ideen. C. Wahrheitsorientierte Theorien der Kunst sprechen Kunstwerken unter Umständen Qualitäten zu, die die zukünftige Verwirklichung von als ideal angenommenen gesellschaftlichen Zuständen zum Vorschein bringen. Siehe auch emphatische Wahrheit, Fiktionen, Kunst, Kunstwerke.

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Anmerkung: Die obigen Begriffscharakterisierungen verstehen sich weder als Definitionen noch als erschöpfende Problemdarstellungen. Sie sollen lediglich den Zugang zu den unten angefügten Quellen erleichtern. - Lexikon der Argumente.

 
Autor/Titel Begriff Zusammenfassung Metadaten

Friedrich Nietzsche über Wahrheit – Lexikon der Argumente

Ries II 23
Wahrheit/Nietzsche: nichts ist mehr wahr und darum alles erlaubt. Spiegelkabinett des Perspektivismus.
Ries II 33
Wahrheit/Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne/Nietzsche: »Die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind«
Ries II 34
Wahrheit/Lüge/Nietzsche: der Gegensatz ist eine durch ein soziales Bedürfnis erzwungene Konstruktion. Wahrheitsinteresse: »Gleichsetzung des Nichtgleichen.
Ries II 74/75
Wahrheit/Jenseits von Gut und Böse/NietzscheVsPhilosophie: illegitimer Anspruch, im Besitz der Wahrheit zu sein. Moralische Wertungen werden als notwendige Attribute der Wirklichkeit ausgegeben.
Ries II 86
Wahrheit/Götzen-Dämmerung/Nietzsche: es geht zu Ende mit der alten Wahrheit.
Ries II 110
Wahrheit/Nietzsche: es gibt keine Wahrheit.
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Danto III 52
Wahrheit/Nietzsche/Danto: (F. Nietzsche, Über Wahrheit und Lüge im außermoralischen Sinne, KGW1/III, 2, S. 374f): Was ist also Wahrheit? Ein bewegliches Heer von Metaphern, Metonymien, Anthropomorphismen, kurz eine Summe von menschlichen Relationen, die, poetisch und rhetorisch gesteigert, übertragen, geschmückt wurden, und die nach langem Gebrauche einem Volke fest, kanonisch und verbindlich dünken: die Wahrheiten sind Illusionen, von denen man vergessen hat, dass sie welche sind, Metaphern, die abgenutzt und sinnlich kraftlos geworden sind, Münzen, die ihr Bild verloren haben und nun als Metall, nicht mehr als Münzen in Betracht kommen.
Danto III 53
Metapher/Nietzsche/Danto: Man beachte, dass hier mit Metaphern sprachliche Ausdrucksmittel für Erfahrungen und nicht für Dinge gemeint sind. Dies macht es fast unabwendbar, dass der Ausdruck einer unkonventionellen Erfahrung so gut wie unverständlich sein wird. (Siehe Erfahrung/Nietzsche).
Danto III 232
Wahrheit/Nietzsche/Danto: …insofern er [der Wissenschaftler] diese ‚andere Welt‘ [die der Wissenschaftler entdecken will] bejaht, muss er nicht eben damit ihr Gegenstück, diese Welt, unsere Welt – verneinen…? …Dann ist es immer noch ein metaphysischer Glaube, auf dem unser Glaube an die Wissenschaft beruht (…).der Glaube Plato’s, (…) dass Gott die Wahrheit ist, dass die Wahrheit göttlich ist…(F. Nietzsche Die Fröhliche Wissenschaft, KGW V. 2, S. 259).
Danto III 233
Gott/Wahrheit/Nietzsche/Danto: Zarathustra sagt, dass Gott tot ist. Wenn er Recht hat und Gott mit der Wahrheit gleichgesetzt wird, muss die Wahrheit tot sein.
Nihilismus/Nietzsche: aber wie, wenn dies gerade immer mehr unglaubwürdig wird, wenn Nichts sich mehr als göttlich erweist, es sei denn der Irrtum, die Blindheit, die Lüge, - wenn Gott selbst sich als unsere längste Lüge erweist) ((ebenda S. 259).
Danto III 234
Danto: daraus ergibt sich ein neues Problem: die Frage nach dem Wert der Wahrheit. Und da der Wissenschaftler der Wahrheit verpflichtet ist, kann die Frage nicht auf wissenschaftlichem Wege geklärt werden.
Nietzsche: Alle Wissenschaft, (…) die natürliche sowohl wie die unnatürliche (…) ist heute darauf aus, dem Menschen seine bisherige Achtung vor sich auszureden. (F. Nietzsche Zur Genealogie der Moral, KGW VI. 2, S. 422.)


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Zeichenerklärung: Römische Ziffern geben die Quelle an, arabische Ziffern die Seitenzahl. Die entsprechenden Titel sind rechts unter Metadaten angegeben. ((s)…): Kommentar des Einsenders. Übersetzungen: Lexikon der Argumente
Der Hinweis [Autor1]Vs[Autor2] bzw. [Autor]Vs[Begriff] ist eine Hinzufügung des Lexikons der Argumente.

Nie I
Friedrich Nietzsche
Sämtliche Werke: Kritische Studienausgabe Berlin 2009

Nie V
F. Nietzsche
Beyond Good and Evil 2014

Ries II
Wiebrecht Ries
Nietzsche zur Einführung Hamburg 1990

Danto I
A. C. Danto
Wege zur Welt München 1999

Danto III
Arthur C. Danto
Nietzsche als Philosoph München 1998

Danto VII
A. C. Danto
The Philosophical Disenfranchisement of Art (Columbia Classics in Philosophy) New York 2005

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