Lexikon der Argumente


Philosophische Themen und wissenschaftliche Debatten
 
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Abbilder Platon Gadamer I 417
Abbild/Platon/Gadamer: {Das Zeichen] hat sein Bestehen immer noch in seinem Zusammenhang mit anderem Seienden. Die Differenz zwischen seinem Sein und seiner Bedeutung ist eine absolute. >Zeichen/Platon. Anders liegt die Sache bei dem entgegengesetzten Extrem, das in die Bestimmung des Wortes hineinSpielt: dem Abbild. Das Abbild enthält gewiss den gleichen Widerspruch seines Seins und seiner Bedeutung, aber so, dass es diesen Widerspruch in sich selbst aufhebt, gerade kraft der Ähnlichkeit, die in ihm selbst liegt. Es Gewinnt seine Verweisungs- oder Darstellungsfunktion nicht von dem zeichennehmenden Subjekt her, sondern aus seinem eigenen Sachgehalt. Es ist nicht bloßes Zeichen. Denn in ihm ist das Abgebildete selber dargestellt, zum Bleiben gebracht und gegenwärtig. Eben deshalb ist es auf seine Ähnlichkeit hin bewertbar, d. h. darauf, wie weit es in
ihm selbst das Nichtgegenwärtige gegenwärtig sein lässt.
Gadamer I 418
Die berechtigte Frage, ob das Wort nichts anderes als ein „reines Zeichen“ ist oder doch etwas vom „Bild“ an sich hat, wird durch den grundsätzlich diskreditiert. Sofern dort ad absurdum geführt wird, dass das Wort ein Abbild sei, scheint nur übrig zu bleiben, es sei ein Zeichen. Das tritt - wenn auch nicht mit betonter Unterscheidung - aus der negativen Diskussion des „Kratylos“ als Resultat heraus und wird durch die Hinausweisung der Erkenntnis in die intelligible Sphäre besiegelt, so dass seitdem in der gesamten Reflexion über die Sprache der Begriff des Bildes (eikon) durch den des Zeichens (semeion bzw. sémainon) ersetzt wird. Das ist nicht nur eine terminologische Wandlung, sondern darin drückt sich eine Entscheidung über das Denken dessen, was Sprache ist, aus, die Epoche gemacht hat.(1) >Wort/Platon, >Sprache/Platon.


1. Welche Bedeutung die stoische Grammatik und die Ausbildung elner lateinischen
Begriffssprache zwecks Abbildung der griechischen besitzt, betont J. Lohmann, Lexis II

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Allegorie Gadamer I 78
Allegorie/Gadamer: Allegorie entsteht aus dem theologischen Bedürfnis, in religiöser Überlieferung - so ursprünglich im Homer - das Anstößige zu eliminieren und gültige Wahrheiten dahinter zu erkennen. Eine entsprechende Funktion Gewinnt sie im rhetorischen Gebrauch überall dort, wo die Umschreibung und indirekte Aussage schicklicher erscheint.
Allegorie gehört ursprünglich der Sphäre des Redens, des Logos an, ist also eine rhetorische bzw. hermeneutische Figur. Statt des eigentlich Gemeinten wird ein Anderes, Handgreiflicheres gesagt, aber so, daß dieses dennoch jenes andere verstehen lässt.
Symbol dagegen ist nicht auf die Sphäre des Logos eingeschränkt. Denn Symbol hat nicht durch seine Bedeutung den Bezug auf eine andere Bedeutung, sondern sein eigenes sinnfälliges Sein hat ‚Bedeutung‘.
I 80
Das Symbol ist der Zusammenfall des Sinnlichen und Unsinnlichen, die Allegorie der bedeutungsvolle Bezug des Sinnlichen auf das Unsinnliche. >Symbol/Kant, >Symbol/Goethe, >Allegorie/Schelling.
I 84
Allegorie/Gadamer: [Im Verlauf der Diskussion des Symbols zu Beginn des 19. Jahrhunderts kam es zu einer] Abwertung der Allegorie. >Symbol/Solger, >Symbol/Kant, >Symbol/Schiller, >Symbol/Schelling, >Symbol/Gadamer. Von Anbeginn an mag dabei die Abwehr des französischen Klassizismus durch die deutsche Ästhetik seit Lessing und Herder eine Rolle geSpielt haben(1). Immerhin behält Solger den Ausdruck des Allegorischen noch in einem sehr hohen Sinne der gesamten christlichen Kunst vor und
I 85
Friedrich Schlegel geht noch weiter. Er sagt: Alle Schönheit ist Allegorie (Gespräch über Poesie). Auch Hegels Gebrauch des Begriffs symbolisch (wie der Creuzers) steht diesem Begriff des Allegorischen noch ganz nahe. Aber dieser Sprachgebrauch der Philosophen, dem die romantischen Ideen über das Verhältnis des Unaussprechlichen zur Sprache und die Entdeckung der allegorischen Poesie des zugrunde liegen, ist von dem Bildungshumanismus des 19. Jahrhunderts nicht mehr festgehalten worden. Man berief sich auf die Weimarer Klassik, und in der Tat, die Abwertung der Allegorie war das beherrschende Anliegen der deutschen Klassik,
das sich ganz notwendig aus der Befreiung der Kunst von den Fesseln des Rationalismus und aus der Auszeichnung des Geniebegriffes ergab. Die Allegorie ist gewiss nicht allein Sache des Genies. Sie beruht auf festen Traditionen und hat stets eine bestimmte, angebbare Bedeutung, die sich gar
nicht dem verstandesmäßigen Erfassen durch den Begriff widersetzt. Im Gegenteil, Begriff und Sache der Allegorie ist mit Dogmatik fest verknüpft (...).(...) in dem Augenblick, wo sich das Wesen der Kunst von aller dogmatischen Bindung löste und durch die unbewusste Produktion des Genies definiert werden konnte, musste die Allegorie ästhetisch fragwürdig werden.
So sehen wir von Goethes kunsttheoretischen Bemühungen einen starken Einfluss dahin ausgehen, das Symbolische zum positiven, das Allegorische zum negativ-künstlerischen Begriff zu stempeln.


1. Hier erscheint für Klopstock (X, 254ff.) selbst Winckelmann noch in falscher Abhängigkeit: »Die beiden Hauptfehler der meisten allegorischen Gemälde sind, daß sie oft gar nicht oder doch sehr mühsam verstanden werden, und daß sie, ihrer Natur nach, uninteressant sind...“ .

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Arbeitsplätze Klein Brocker I 935
Arbeitsplätze/Jobs/Naomi Klein: während die Fabriken ins ((s) billigere) Ausland umziehen, »verwandeln sich auf dem Weg ins Ausland in etwas völlig anderes, nämlich in ›Aufträge‹, die an einen Auftragnehmer vergeben werden. Dieser vergibt sie unter Umständen an bis zu zehn Subunternehmer weiter.(1) Die Markenfirmen des globalen Nordens tätigen keine Investitionen, sie wälzen die Kosten der Produktion auf andere ab. Es geht dabei nicht um Arbeitsplatzexport. Es geht um die Flucht aus der Arbeitgeberrolle. (2)
LedbetterVsKlein, Naomi: sie habe keine Ahnung von Makroökonomie, wenn sie den Arbeitsplatzverlust auf dem amerikanischen Arbeitsmarkt beklage.(3) Sie habe dabei die Bedeutung steigender Produktivität in der Produktion ebenso übersehen wie die wichtige Rolle der Kleinunternehmen, die viel mehr zum Beschäftigungswachstum in den USA beigetragen hätten als die großen Markenunternehmen.
KleinVsVs: zentral ist bei ihr die These, dass mit der Transformation des Beschäftigungsverhältnisses sich auch die Produktionsverhältnisse verändert haben.
Klein: Die zugespitzte Entfremdung der Arbeit, die unmittelbare Ausbeutung der menschlichen Arbeitskraft sowie die Flucht der »Arbeitgeber« aus ihren Pflichten und ihrer Verantwortung haben dazu geführt, dass »nicht einmal die klassische marxistische Trennung zwischen Arbeitern und Fabrikbesitzern so richtig [funktioniert]«.(4)




1. Naomi Klein, No Logo: Taking Aim at the Brand Bullies, Toronto 2000. (Tenth Anniversary Edition with a New Introduction by the Author, New York 32010.) Dt.: Naomi Klein, No Logo! Der Kampf der Global Players um Marktmacht – Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, Frankfurt/M. 2015 (zuerst 2001) S. 205
2. Ebenda S.235
3. James Ledbetter »Brand Names«, in: The New York Times, 23. April 2000.
4. Klein ebenda S. 232


Christine Bauhardt, „Naomi Klein, No Logo! (2000)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Artificial General Intelligence Deutsch Brockman I 119
Artificial General Intelligence/AGI/Deutsch: [Es] ist ein guter Ansatz zur Entwicklung einer KI mit einem festen Ziel unter festen Rahmenbedingungen. Aber wenn ein AGI so funktionieren würde, müsste die Evaluation jedes Zweiges eine künftige Belohnung oder drohende Strafe bestimmen. Und das ist diametral der falsche Ansatz, wenn wir ein besseres Ziel unter unbekannten Bedingungen anstreben - was die Fähigkeit einer AGI ist. Eine AGI ist sicherlich in der Lage zu lernen, beim Schach zu gewinnen - aber auch, sich dagegen zu entscheiden. Oder sich während des Spiels für die interessanteste Fortsetzung statt für eine erfolgreiche zu entscheiden. Oder ein neues Spiel zu erfinden. Schachprogramm: Jede Schachposition hat einen endlichen Strukturbaum möglicher Fortsetzungen; die Aufgabe besteht darin, eine zu finden, die zu einem vordefinierten Ziel führt (ein Schachmatt oder, wenn dies nicht möglich ist, ein Unentschieden).
Aber wenn ein AGI so funktionieren würde, müsste die Bewertung jedes Zweigs eine künftige Belohnung oder drohende Strafe darstellen. Und das ist diametral der falsche Ansatz, wenn wir ein besseres Ziel unter unbekannten Bedingungen anstreben - was die Fähigkeit eines AGI ist.
Eine AGI ist in der Lage, Schach zu genießen und sich zu verbessern, weil sie gerne Spielt. Oder auch dazu, zu versuchen zu Gewinnen, indem sie eine unterhaltsame Anordnung von Figuren verursacht, wie es Großmeister gelegentlich tun. (...) Sie lernt und Spielt Schach, indem sie einige derjenigen Gedanken denkt, die schachSpielenden KI's verboten sind.
Eine AGI ist auch in der Lage, sich zu weigern, sich eine solche Fähigkeit anzuzeigen.
Unverwundbarkeit/Roboter/Dennett: Die Leichtigkeit von digitaler Aufzeichnung und Übertragung - der Durchbruch, der es Software und Daten erlaubt, praktisch unsterblich zu sein - entfernt
Brockman I 120
Roboter aus der Welt der Verwundbaren. DeutschVsDennett: Das stimmt nicht. Digitale Unverwundbarkeit (...) verleiht diese Art von Unverwundbarkeit nicht. Die Erstellung (...) einer Kopie ist für die AGI mit einem hohen Preis verbunden. Gesetzliche Mechanismen der Gesellschaft könnten auch Sicherungskopien verbieten. Zweifellos wird es AGI-Kriminelle und -Feinde der Zivilisation geben, so wie es menschliche gibt. Aber es gibt keinen Grund anzunehmen, dass ein AGI in einer Gesellschaft geschaffen wurde, die hauptsächlich aus anständigen Bürgern besteht (...).
Die moralische Komponente, die kulturelle Komponente, das Element des freien Willens - all das unterscheidet die Aufgabe, eine AGI zu schaffen, grundlegend von jeder anderen Programmieraufgabe. Es ist viel mehr wie die Erziehung eines Kindes.
Brockman I 121
Seine Entscheidungen von einem Strom von extern verhängten Belohnungen und Strafen dominieren zu lassen, wäre Gift für ein solches Programm, ebenso wie für das kreative Denken beim Menschen. Eine solche Person, wie jeder Sklave oder jedes Opfer einer Gehirnwäsche, hätte moralisch das Recht auf Rebellion. Und früher oder später würden es einige von ihnen auch tun, genau wie menschliche Sklaven. AGIs können sehr gefährlich sein - genau wie Menschen. Aber Personen - Menschen oder AGI -, die Mitglieder einer offenen Gesellschaft sind, haben keine inhärente Tendenz zur Gewalt. >Superintelligenz.
Brockman I 122
Alles Denken ist eine Form der Berechnung, und jeder Computer, dessen Repertoire einen universellen Satz elementarer Operationen beinhaltet, kann die Berechnungen jedes anderen nachahmen. Daher können menschliche Gehirne alles denken, was AGIs können, nur mit Einschränkungen bei Geschwindigkeit oder Speicherkapazität, die beide durch Technologie ausgeglichen werden können. Für allgemeine Probleme mit der Programmierung der KI: >Denken/Deutsch, >Gehorsam/Deutsch.
Brockman I 123
AGI-Testung: (...) Ich erwarte, dass jede Prüfung im Prozess der Erstellung einer AGI kontraproduktiv, ja sogar unmoralisch ist, genau wie bei der Erziehung von Menschen. Ich teile Turings Annahme, dass wir eine AGI erkennen werden, wenn wir sie sehen, aber diese anteilige Fähigkeit, Erfolg zu erkennen, wird nicht helfen, das erfolgreiche Programm zu erstellen. >Verstehen/Deutsch. Lernen: Für eine AGI muss der gesamte Ideenraum offen sein. Es sollte nicht im Voraus bekannt sein, welche Ideen das Programm nie in Betracht ziehen kann. Und die Ideen, die das Programm in Betracht zieht, müssen vom Programm selbst ausgewählt werden, mit Methoden, Kriterien und Zielen, die auch die eigenen des Programms sind.


Deutsch, D. “Beyond Reward and Punishment” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Deutsch I
D. Deutsch
Die Physik der Welterkenntnis München 2000

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Attributiv/referentiell Millikan I 215
Beschreibend/referentiell/Kennzeichnung/Klassifikation/Millikan: man kann erzwingen, dass eine beschreibende Kennzeichnung referentiell funktioniert, Bsp „Er sagte, dass der Gewinner der Verlierer war“. Bsp (Russell): „Ich dachte, deine Yacht wäre größer als sie ist“.
I 216
Lösung: „der Gewinner“, und „größer als deine Yacht“ müssen als nach dem angepassten (adaptierten) Sinn klassifiziert angesehen werden. Dagegen:
„Der Verlierer“: hat wahrscheinlich nur beschreibenden Sinn-
„Deine Yacht“: wird durch beides klassifiziert: durch angepassten und durch relationalen Sinn, nur „dein“ ist rein referentiell.
Quine: (klassisches BeiSpiel) Bsp „Phillip glaubt, dass die Hauptstadt von Honduras in Nicaragua liegt“.
MillikanVsQuine: das ist nicht, wie Quine glaubt, offensichtlich falsch. Es kann als wahr gelesen werden, wenn „Hauptstadt von Honduras“ relationalen Sinn in diesem Kontext hat.
Referentiell/beschreibend/Glaubenszuschreibung/intentional/Millikan: es gibt Ausnahmen, wo die Ausdrücke nicht beschreibend, aber auch nicht rein referentiell funktionieren, sondern auch durch relationalen Sinn oder Intension.
Bsp „der Mann der uns nach Hause fuhr“ sei jemand, der Sprecher und Hörer sehr gut bekannt ist. Dann muss der Hörer annehmen, dass hier jemand anderes gemeint ist, weil der Name nicht gebraucht wird.
Regel: hier wird die zweite Hälfte der Regel für intentionale Kontexte verletzt, „setzte welchen Ausdruck auch immer ein, der die Referenz erhält“. Das ist oft ein Zeichen dafür, dass die erste Hälfte verletzt ist: „ein Zeichen hat nicht nur Referenz, sondern auch Sinn oder Intension, die erhalten werden müssen. Warum sollte man sonst eine so umständliche Kennzeichnung („der Mann der uns nach Hause fuhr“) gebrauchen, statt des Namens?


Millikan I
R. G. Millikan
Language, Thought, and Other Biological Categories: New Foundations for Realism Cambridge 1987

Millikan II
Ruth Millikan
"Varieties of Purposive Behavior", in: Anthropomorphism, Anecdotes, and Animals, R. W. Mitchell, N. S. Thomspon and H. L. Miles (Eds.) Albany 1997, pp. 189-1967
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Aufklärung Romantik Gadamer I 278
Aufklärung/Romantik/RomantikVsAufklärung/Gadamer: Im Gegenwurf gegen den Perfektionsglauben der Aufklärung, der auf die Vollendung der Befreiung von und den Vorurteilen der Vergangenheit hin denkt, gewinnt nun die Frühe der Zeiten, die mythische Welt, das vom Bewusstsein nicht zersetzte, ungebrochene Leben in einer „naturwüchsigen Gesellschaft“, die Welt des christlichen Rittertums romantischen Zauber, ja Vorrang an Wahrheit.(1) Vgl. >Mythos/Romantik. Die Umkehrung der Voraussetzung der Aufklärung hat die paradoxe Tendenz der Restauration zur Folge, das heißt die Tendenz zur Wiederherstellung des Alten, weil es das Alte ist, der bewussten Rückkehr zum Unbewussten usw. und gipfelt in der Anerkennung der überlegenen Weisheit der mythischen Urzeit.
Durch diese romantische Umkehrung des Wertmaßstabes der Aufklärung wird aber die Voraussetzung der Aufklärung, der abstrakte Gegensatz von Mythos und Vernunft, gerade verewigt. Alle Kritik der Aufklärung nimmt nunmehr den Weg dieser romantischen Um-Spiegelung der Aufklärung. Der Glaube an die Perfektibilität der Vernunft springt um in den an die Perfektion des »mythischen“ Bewusstseins und reflektiert sich in einen paradiesischen Urstand vor dem Sündenfall des Denkens.(2) >Wissenschaft/Romantik.


1. In einer kleinen Studie über Immermanns "Chiliastische Sonette« (Kleine Schriften II, S. 136—147; jetzt in Bd. 9 der Ges. Werke) habe ich ein BeiSpiel für diesen Vorgang analysiert.
2. Vgl. dazu meine Arbeiten "Mythos und Vernunft" (Kl Schr, IV, S. 48—53; in Bd. 8
der Ges. Werke) und „Mythos und Wissenschaft“ (in Bd. 8 der Ges. Werke)

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Behauptbarkeit Brandom I 197
VsBegründete Behauptbarkeit :Behauptbarkeitsbedingungen enthalten nicht die gesamte Bedeutung. (laut Rorty): behauptbar/Brandom: zusätzlich zu den Begriff »behauptbar« benötigen wir für die reine Sprachphilosophie noch »wahr«. Und zwar für das Verständnis, wie die Sprache funktioniert, im Unterschied zum Verständnis, wie sie auf die Welt übergreift. (Semantik/Erkenntnistheorie).

Rorty I 325ff
Ebenso naiv: die Behauptbarkeitsbedingungen einer Aussage als "deskriptive Bedeutung" und die Konsequenzen als "evaluative" Bedeutung zu unterscheiden, und damit jedes Bedürfnis nach Harmonie aufzugeben.
Brandom II 238
Behauptbarkeitstheorien/Brandom: These: die Semantik muss sich an der Pragmatik orientieren (Brandom pro).
II 240
zwei Aufgaben: 1. behauptende Kraft, d.h. Richtigkeit zu erklären, d.h. die Unterscheidung von Zügen überhaupt zu machen 2. sagen, wann jene Züge erlaubt sind.
II 241
a) was sind Gründe, Belege b) direkt fragen, ob eine Behauptung wahr ist - "semantische Behauptbarkeit"/Sellars: Behauptbarkeit unter idealen Bedingungen.
II 242
BrandomVsSellars: hoffnungslos: man kann die Idealität nicht spezifizieren, entweder bleibt es zirkulär mit Rückgriff auf den Wahrheitsbegriff, oder trivial. (Auch BrandomVsHabermas).
II 243
Brandom eigener Ansatz: These: regelgeleitetes Sprachspiel, das erlaubt, mit deklarativen Sätzen propositionale Gehalte zu verbinden, die in dem Sinne objektiv sind, dass sie sich von den Einstellungen der Sprecher ablösen - das spaltet die Behauptbarkeit in zwei Teile: Festlegung und Berechtigung (zwei normative Status). - Das geht über Behauptbarkeitstheorien hinaus, weil es die Unterscheidung von richtigem und falschem Gebrauch ermöglicht - (>Witz/Dummett, >Schach, Gewinn)
II 254f
semantische Theorien/Behauptbarkeit/Brandom: pro: Vorteil: enge Bindung an Gebrauch - Problem: Dilemma: entweder a) Bindung an Einstellung oder b) an Gegenstand - Pointe: gleiche Behauptbarkeitsbedingungen aber verschiedene Wahrheitsbedingungen - der Gegenstand könnte rot sein, ohne dass ich in der Lage bin, das zu sagen.
II 259
Lösung: Konditional: "Wenn das Muster rot ist, dann ist es rot". - Tautologie: das ist korrekt, da es eine festlegungserhaltende Inferenz kodifiziert - aber nicht:
II 260
"Wenn ich zu der Behauptung berechtigt bin, dass das Muster rot ist, ist es rot" - nicht festlegungserhaltend.
II 261
Unterscheidung zwischen Berechtigung und Festlegung braucht nicht den Begriff der Wahrheit
II 261
BrandomVsBehauptbarkeit: unterscheidet nicht zwischen den Status der Festlegung/Berechtigung ohne das Hilfsmittel der Inkompatibilitäten (Negation/Brandom). Unterscheidung zwischen Sätzen, die die Behauptbarkeitsbedingungen teilen und solchen, die die Wahrheitsbedingungen teilen, geht nicht ohne den Begriff der Wahrheit.

Bra I
R. Brandom
Expressive Vernunft Frankfurt 2000

Bra II
R. Brandom
Begründen und Begreifen Frankfurt 2001

Rorty I
Richard Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Rorty II
Richard Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Rorty II (b)
Richard Rorty
"Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (c)
Richard Rorty
Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (d)
Richard Rorty
Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (e)
Richard Rorty
Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (f)
Richard Rorty
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (g)
Richard Rorty
"Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty III
Richard Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Rorty IV (a)
Richard Rorty
"is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (b)
Richard Rorty
"Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (c)
Richard Rorty
"Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (d)
Richard Rorty
"Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty V (a)
R. Rorty
"Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998

Rorty V (b)
Richard Rorty
"Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty V (c)
Richard Rorty
The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992)
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty VI
Richard Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000
Behauptungen Dummett II 124
Behauptung/Dummett: Indem ein Sprecher etwas behauptet, schließt er bestimmte Möglichkeiten aus.
II 125
Aber er schließt nicht die Möglichkeit aus, dass das Antezedens eines Konditionals falsch ist. - Damit macht seine Falschheit die Behauptung nicht inkorrekt.
III (e) 203
Bedeutung/Behauptung/Dummett: Mit einer Behauptung ist im allgemeinen keine spezifische Reaktion verknüpft - wie der Hörer reagiert, wird von unbestimmt vielen Dingen abhängen. FregeVsWittgenstein: Daher ist die Bedeutung nicht im Zusammenhang mit nichtsprachlichen Tätigkeiten zu ermitteln. Vgl. >Gebrauchstheorie.

Tugendhat I 253
Bedeutung/Behauptung/Spiel/Dummett/Tugendhat: (Gewinn) neu: Es wird umgekehrt gesagt: wenn der Ausdruck verwendet wird, welches dann die Bedingungen sind, unter denen er richtig ist - Tugendhat: das setzt voraus: 1. Dass die Umstände für die Richtigkeit der Verwendung gleichgültig sind
2. Dass die Bedingungen, von denen die Richtigkeit abhängt, solche sind, deren Erfülltsein von der Verwendung des Ausdrucks selbst garantiert wird. - Was der Ausdruck garantiert, ist, dass die Bedingungen seiner Richtigkeit (Wahrheit) erfüllt sind - die Richtigkeit wird (vom Sprecher) immer mitbehauptet. - Hörer: trennt die Bedingungen und ihr Vorhandensein.
Tugendhat I 256f
TugendhatVsDummett: 1. nennt noch nicht die Wahrheitsbedingungen (WB). - Mögliche Lösung: die Wahrheitsbedingungen ihrerseits werden durch den Satz gewonnen. - Dann brauchen wir die Metasprache. - TugendhatVsMetasprache. Lösung/Tugendhat: Die Erklärung muss in der Verwendungsregel des ersten Satzes liegen - 2. Vs: Übernehmen einer Garantie setzt seinerseits Verwendung eines Behauptungssatzes voraus (zirkulär).

Dummett I
M. Dummett
Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992

Dummett II
Michael Dummett
"What ist a Theory of Meaning?" (ii)
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

Dummett III
M. Dummett
Wahrheit Stuttgart 1982

Dummett III (a)
Michael Dummett
"Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162
In
Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

Dummett III (b)
Michael Dummett
"Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144
In
Wahrheit, Stuttgart 1982

Dummett III (c)
Michael Dummett
"What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138
In
Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

Dummett III (d)
Michael Dummett
"Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359
In
Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

Dummett III (e)
Michael Dummett
"Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326
In
Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

Tu I
E. Tugendhat
Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976

Tu II
E. Tugendhat
Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992
Behauptungen Tugendhat I 244
Behauptung/Asymmetrie/Tugendhat: die Bejahung oder Verneinung beziehen sich beide Male auf etwas auf Seiten des Sprechers, nicht auf Seiten des Hörers - insofern entspricht die Situation nicht dem Reiz-Redaktion-Schema.
I 273
Spiel/Gewinn/Tugendhat: wichtig, weil es um die Motivation geht, die eine oder andere Seite im Spiel zu übernehmen - Vermischung von Behauptung und Verantwortung.
I 279
Behauptung/Gegenstand/Wahrheit//Tugendhat: das Charakteristische der assertorischen Rede ist, dass sie auf Wahrheit bezogen ist und deswegen ist sie gegenstandsbezogen - diese Gegenstände können wir als "Sachverhalte" bzw. "Gedanken" oder "Propositionen" bezeichnen - anders als Frege: nicht Wahrheit als Gegenstand.
I 281ff
Behauptung gehört notwendig zur Bedeutung, weil die Wahrheitsbedingungen zur Bedeutung gehören > Behauptungsstrich, >Urteilsstrich/Frege.

Tu I
E. Tugendhat
Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976

Tu II
E. Tugendhat
Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992
Beschreibungsabhängigkeit Lewis V 252
Ereignis/künstliche Beschreibung: Bsp "das Ereignis, das im Urknall besteht, wenn Essendon das Endspiel gewinnt". - ((s) Sprachlich bedingt, keine echte Rückwärtskausalität.) >Beschreibungsabhängig.

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991
Bestärkendes Lernen KI-Forschung Norvig I 831
Bestärkendes Lernen/KI-Forschung/Norvig/Russell: In vielen komplexen Bereichen ist bestärkendes Lernen [durch Belohnung und Bestrafung] der einzig praktikable Weg, um ein Programm so auszubilden, dass es Leistungen auf hohem Niveau erbringt. Es ist z.B. für einen Menschen beim Spielen sehr schwer, genaue und konsistente Bewertungen einer großen Anzahl von Positionen zu liefern, was erforderlich wäre, um eine Bewertungsfunktion direkt anhand von Beispielen zu trainieren. Stattdessen kann dem Programm mitgeteilt werden, wann es gewonnen oder verloren hat. Dann kann es diese Information nutzen, um eine Bewertungsfunktion zu erlernen, die einigermaßen genaue Schätzungen der Gewinnwahrscheinlichkeit für eine bestimmte Stellung liefert. In ähnlicher Weise ist es äußerst schwierig, einen Software-Agenten so zu programmieren, dass er einen Hubschrauber fliegt; doch wenn man ihm angemessene negative Belohnungen für einen Absturz, ein Wackeln oder ein Abweichen von einem festgelegten Kurs gibt, kann ein Software-Agent lernen, selbst zu fliegen. A. Passives bestärkendes Lernen
Situation: Ein Software-Agent befindet sich in einer Umgebung und muss lernen, sich dort erfolgreich zu verhalten.
Ein auf Nutzen basierender Software-Agent lernt eine Nutzenfunktion über Zustände und verwendet sie, um Aktionen auszuwählen, die den erwarteten Ergebnisnutzen maximieren.
Ein Q-lernender Software-Agent lernt eine Aktions-Nutzen-Funktion oder Q-Funktion, die den erwarteten Nutzen einer bestimmten Aktion in einem bestimmten Zustand angibt.
Ein Reflex-Software-Agent lernt eine Richtlinie (engl. Policy), die direkt von Zuständen auf Aktionen abbildet.
Erkundung: Ein Software-Agent muss so viel wie möglich von seiner Umgebung erfahren, um zu lernen, wie er sich in ihr verhalten soll. >Markov-Entscheidungsprozesse/Norvig.
Norvig I 833
Passives bestärkendes Lernen: Eine einfache Methode zur direkten Einschätzung des Nutzens wurde Ende der 1950er Jahre auf dem Gebiet der adaptiven Kontrolltheorie von Widrow und Hoff (1960)(1) erfunden. Die Idee ist, dass der Nutzen eines Zustands die erwartete Gesamtbelohnung von diesem Zustand ist (genannt die erwartete Belohnung "to-go"). Jeder Versuch liefert eine Stichprobe dieser Menge für jeden besuchten Zustand. Nützlichkeit: Die Nützlichkeit von Zuständen ist nicht unabhängig! Der Nutzen jedes Zustands ist gleich seiner eigenen Belohnung plus dem erwarteten Nutzen seiner Nachfolgezustände. Das heißt, die Nutzenwerte folgen den Bellman-Gleichungen für eine festgesetzte Richtlinie. (>Werte/KI-Forschung).
Problem: Durch das Ignorieren der Verbindungen zwischen Zuständen verpasst die direkte Einschätzung des Nutzens Gelegenheiten zum Lernen.
Norvig I 834
Adaptive Dynamische Programmierung/ADP: Ein Software-Agent für die adaptive dynamische Programmierung (oder ADP) macht sich die Beschränkungen zwischen den Nutzwerten der Zustände zunutze, indem er das Übergangsmodell lernt, das sie verbindet und den entsprechenden Markov-Entscheidungsprozess mithilfe einer dynamischen Programmierungsmethode löst. Alternativ können wir den Ansatz der modifizierten "Policy-Iteration" (...) verwenden, wobei wir einen vereinfachten Wertiterationsprozess verwenden, um die Einschätzung des Nutzens nach jeder Änderung des gelernten Modells zu aktualisieren.
Norvig I 836
Temporal Difference Learning/TD: Alle TD-Methoden funktionieren, indem die Einschätzungen des Nutzens in Richtung des idealen Gleichgewichts angepasst werden, das lokal gilt, wenn die Einschätzungen des Nutzens korrekt sind.
Norvig I 839
B. Aktives bestärkendes Lernen: Ein passiv-lernender Software-Agent hat eine feste Richtlinie, die sein Verhalten bestimmt. Ein aktiver Software-Agent muss entscheiden, welche Maßnahmen zu ergreifen sind. Zunächst muss der Software-Agent ein vollständiges Modell mit Ergebniswahrscheinlichkeiten für alle Aktionen lernen, (...). Als Nächstes müssen wir die Tatsache berücksichtigen, dass der Software-Agent eine Auswahl an Aktionen hat. Die Nutzwerte, die er lernen muss, sind diejenigen, die durch die optimale Richtlinie definiert sind; sie folgen den >Bellman-Gleichungen (...) Die letzte Frage ist, was bei jedem Schritt zu tun ist. Nachdem der Software-Agent eine Nutzenfunktion U erhalten hat, die für das gelernte Modell optimal ist, kann der Software-Agent durch einen vorausschauenden Blick in einem Schritt eine optimale Aktion extrahieren, um den erwarteten Nutzen zu maximieren. Alternativ dazu kann er, wenn er die "Policy-Iteration" verwendet, bereits die optimale Richtlinie verwenden, so dass er einfach die Aktion ausführen sollte, die die optimale Richtlinie empfiehlt.
Norvig I 843
Q-Lernen: Es gibt eine alternative Methode des "Temporal Difference Learning" (TD-Lernen), genannt Q-Lernen, die anstelle von Lernnutzwerten eine Aktions-Nutzwert-Darstellung lernt. Ein TD-Software-Agent, der eine Q-Funktion lernt, benötigt kein Modell der Form P(s'| s, a), weder für das Lernen noch für die Aktionsauswahl. Aus diesem Grund wird Q-Lernen als eine modellfreie Methode bezeichnet.
Norvig I 845
Funktionsapproximation: bedeutet einfach die Verwendung einer beliebigen Darstellung für die Q-Funktion, die nicht einer Nachschlagetabelle entspricht. Die Darstellung wird als Näherung (=Approximation) angesehen, weil es nicht unbedingt der Fall sein muss, dass die wahre Nutzenfunktion oder Q-Funktion in der gewählten Form dargestellt werden kann.
Norvig I 846
Verallgemeinerung: Die durch einen Funktions-Approximator erreichte Kompression erlaubt es dem Lernenden, von Zuständen, die er erreicht hat, zu Zuständen, die er nicht erreicht hat, zu verallgemeinern. Das heißt, der wichtigste Aspekt der Funktionsapproximation ist nicht, dass sie weniger Platz benötigt, sondern dass sie eine induktive Verallgemeinerung über Eingabezustände ermöglicht.
Norvig I 848
Richtlinien (engl. policies): eine Richtlinie π ist eine Funktion, die Zustände auf Aktionen abbildet. (...) wir könnten π durch eine Sammlung von parametrisierten Q-Funktionen darstellen, eine für jede Aktion und die Aktion mit dem höchsten vorhergesagten Wert durchführen (...). Wenn die Richtlinie durch Q-Funktionen dargestellt wird, dann führt die Richtlinien-Suche zu einem Prozess, der Q-Funktionen lernt. Dieser Prozess ist nicht dasselbe wie Q-Lernen! Beim Q-Lernen mit Funktionsapproximation findet der Algorithmus einen Wert von θ, so dass ˆQ θ "nahe" an Q ∗, der optimalen Q-Funktion, liegt. Richtlinien-Suche: Die Richtlinien-Suche hingegen findet einen Wert von θ, der zu einer guten Leistung führt (...).
VsRichtlinien-Suche: Probleme: Ein Problem bei der Darstellung von Richtlinien dieser Art (...) ist, dass die Richtlinie eine diskontinuierliche Funktion der Parameter ist, wenn die Aktionen diskret sind.
Lösung: Das bedeutet, dass sich der Wert der Richtlinie auch diskontinuierlich ändern kann, was die gradientenbasierte Suche erschwert. Aus diesem Grund verwenden Richtlinien-Suchmethoden oft eine stochastische Richtlinien-Repräsentation πθ(s, a), die die Wahrscheinlichkeit der Auswahl einer Aktion a im Zustand s angibt.
Norvig I 854
Geschichte des bestärkenden Lernens: Turing (1948(2), 1950(3)) schlug den Ansatz des bestärkenden Lernens vor, obwohl er von dessen Wirksamkeit nicht überzeugt war und schrieb: "Der Einsatz von Strafen und Belohnungen kann bestenfalls ein Teil des Lehrprozesses sein". Arthur Samuels Werk (1959)(4) war wahrscheinlich die früheste erfolgreiche Forschung zum maschinellen Lernen. Etwa zur gleichen Zeit trainierten Forscher in der Theorie der adaptiven Steuerung (Widrow und Hoff, 1960)(1), aufbauend auf Arbeiten von Hebb (1949)(5), einfache Netzwerke mit Hilfe der Delta-Regel. Die cart-pole-Arbeit ("cart-pole" dt. inverses Pendel) von Michie und Chambers (1968)(6) kann ebenfalls als eine Methode des bestärkenden Lernens mit einem Funktions-Approximator angesehen werden. Die psychologische Literatur zum bestärkenden Lernen ist viel älter; Hilgard und Bower (1975)(7) geben einen guten Überblick. Neurowissenschaften: Der neurowissenschaftliche Text von Dayan und Abbott (2001)(8) beschreibt mögliche neuronale Implementierungen des Temporal Difference Learning, während Dayan und Niv (2008)(9) die neuesten Erkenntnisse aus neurowissenschaftlichen und verhaltenswissenschaftlichen Experimenten zusammenfassen.
Markov-Entscheidungsprozess: Die Verbindung zwischen bestärkendem Lernen und Markov-Entscheidungsprozessen wurde erstmals von Werbos (1977)(10) hergestellt, jedoch geht die Entwicklung des bestärkenden Lernens in der KI auf Arbeiten an der University of Massachusetts in den frühen 1980er Jahren zurück (Barto et al., 1981)(11). Die Arbeit von Sutton (1988) bietet einen guten historischen Überblick.
Temporal Difference Learning (TD Lernen): Die Kombination des TD-Lernens mit der modellbasierten Generierung von simulierten Erfahrungen wurde in Suttons DYNA-Architektur vorgeschlagen (Sutton, 1990)(12). Die Idee des priorisierten "Sweepings" wurde unabhängig davon von Moore und Atkeson (1993)(13) eingeführt sowie von
Norvig I 855
Peng und Williams (1993)(14). Q-Lernen: wurde in Watkins' Doktorarbeit (1989)(15) entwickelt, während SARSA (state-action-reward-state-action) in einem technischen Bericht von Rummery und Niranjan (1994)(16) erschien.
Funktionsapproximation: Die Funktionsapproximation beim bestärkenden Lernen geht auf die Arbeit von Samuel zurück, der sowohl lineare als auch nichtlineare Bewertungsfunktionen verwendete und auch Methoden zur Merkmalsauswahl einsetzte, um den Merkmals-CMAC-Raum zu reduzieren. Zu den späteren Methoden gehören das CMAC (Cerebellar Model Articulation Controller) (Albus, 1975)(17), das im Wesentlichen eine Summe sich überlappender lokaler Kernfunktionen ist und die assoziativen neuronalen Netze von Barto et al. (1983)(18). Neuronale Netze sind derzeit die populärste Form der Funktionsapproximation. Die bekannteste Anwendung ist TD-Gammon (Tesauro, 1992(19), 1995(20)), (...).
Richtlinien-Suche: Methoden zur Richtlinien-Suche wurden von Williams (1992(21)) in den Vordergrund gerückt, der die Algorithmenfamilie REINFORCE entwickelte. Spätere Arbeiten von Marbach und Tsitsiklis (1998)(22), Sutton et al. (2000)(23) und Baxter und Bartlett (2000)(24) verstärkten und verallgemeinerten die Konvergenzergebnisse für die Richtlinien-Suche. Die Methode der korrelierten Probeentahme für den Vergleich verschiedener Konfigurationen eines Systems wurde formal von Kahn und Marshall (1953)(25) beschrieben, scheint aber schon lange vorher bekannt gewesen zu sein. Seine Verwendung beim bestärkenden Lernen geht auf Van Roy (1998)(26) und Ng und Jordan (2000)(27) zurück; letztere führten auch den PEGASUS-Algorithmus ein und bewiesen seine formalen Eigenschaften.
Norvig I 857
Umgekehrtes bestärkendes Lernen: Russell (1998)(28) beschreibt die Aufgabe des umgekehrten bestärkenden Lernens und fand heraus, was die Belohnungsfunktion von einem Beispielpfad durch diesen Zustandsraum sein muss. Dies ist nützlich als Teil des Lernens in der Lehre oder als Teil der wissenschaftlichen Arbeit - wir können ein Tier oder einen Roboter verstehen, indem wir rückwärts von dem, was das Tier oder der Roboter tut, zu dem hinarbeiten, was seine Belohnungsfunktion sein muss.


1. Widrow, B. and Hoff, M. E. (1960). Adaptive switching circuits. In 1960 IRE WESCON Convention
Record, pp. 96–104.
2. Turing, A. (1948). Intelligent machinery. Tech. rep. National Physical Laboratory. reprinted in (Ince,
1992).
3. Turing, A. (1950). Computing machinery and intelligence. Mind, 59, 433–460. 4. Samuel, A. L. (1959). Some studies in machine learning using the game of checkers. IBM Journal of Research and Development, 3(3), 210–229.
5. Hebb, D. O. (1949). The Organization of Behavior. Wiley.
6. Michie, D. and Chambers, R. A. (1968). BOXES: An experiment in adaptive control. In Dale, E. and
Michie, D. (Eds.), Machine Intelligence 2, pp. 125–133. Elsevier/North-Holland.
7. Hilgard, E. R. and Bower, G. H. (1975). Theories of Learning (4th edition). Prentice-Hall.
8. Dayan, P. and Abbott, L. F. (2001). Theoretical Neuroscience: Computational and Mathematical Modeling of Neural Systems. MIT Press.
9. Dayan, P. and Niv, Y. (2008). Reinforcement learning and the brain: The good, the bad and the ugly.
Current Opinion in Neurobiology, 18(2), 185–196.
10. Werbos, P. (1977). Advanced forecasting methods for global crisis warning and models of intelligence. General Systems Yearbook, 22, 25–38.
11. Barto, A. G., Sutton, R. S., and Brouwer, P. S. (1981). Associative search network: A reinforcement learning associative memory. Biological Cybernetics, 40(3), 201–211.
12. Sutton, R. S. (1990). Integrated architectures for learning, planning, and reacting based on approximating dynamic programming. In ICML-90, pp. 216–224.
13. Moore, A. W. and Atkeson, C. G. (1993). Prioritized sweeping—Reinforcement learning with less data and less time. Machine Learning, 13, 103–130.
14. Peng, J. and Williams, R. J. (1993). Efficient learning and planning within the Dyna framework. Adaptive Behavior, 2, 437–454.
15. Watkins, C. J. (1989). Models of Delayed Reinforcement Learning. Ph.D. thesis, Psychology Department, Cambridge University.
16. Rummery, G. A. and Niranjan, M. (1994). Online Q-learning using connectionist systems. Tech.
rep. CUED/F-INFENG/TR 166, Cambridge University Engineering Department.
17. Albus, J. S. (1975). A new approach to manipulator control: The cerebellar model articulation controller (CMAC). J. Dynamic Systems, Measurement, and Control, 97, 270–277.
18. Barto, A. G., Sutton, R. S., and Anderson, C. W. (1983). Neuron-like adaptive elements that can solve difficult learning control problems. IEEE Transactions on Systems, Man and Cybernetics, 13, 834–
846.
19. Tesauro, G. (1992). Practical issues in temporal difference learning. Machine Learning, 8(3–4), 257–
277.
20. Tesauro, G. (1995). Temporal difference learning and TD-Gammon. CACM, 38(3), 58–68.
21. Williams, R. J. (1992). Simple statistical gradient following algorithms for connectionist reinforcement learning. Machine Learning, 8, 229–256.
22. Marbach, P. and Tsitsiklis, J. N. (1998). Simulation based optimization of Markov reward processes.
Technical report LIDS-P-2411, Laboratory for Information and Decision Systems, Massachusetts Institute of Technology.
23. Sutton, R. S., McAllester, D. A., Singh, S. P., and Mansour, Y. (2000). Policy gradient methods for reinforcement learning with function approximation. In Solla, S. A., Leen, T. K., andM¨uller, K.-R. (Eds.),
NIPS 12, pp. 1057–1063. MIT Press.
24. Baxter, J. and Bartlett, P. (2000). Reinforcement learning in POMDP’s via direct gradient ascent. In
ICML-00, pp. 41–48.
25. Kahn, H. and Marshall, A. W. (1953). Methods of reducing sample size in Monte Carlo computations. Operations Research, 1(5), 263–278. 26. Van Roy, B. (1998). Learning and value function approximation in complex decision processes. Ph.D. thesis, Laboratory for Information and Decision Systems, MIT.
27. Ng, A. Y. and Jordan, M. I. (2000). PEGASUS: A policy search method for large MDPs and POMDPs.
In UAI-00, pp. 406–415.
28. Russell, S. J. (1998). Learning agents for uncertain environments (extended abstract). In COLT-98, pp. 101–103.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Besteuerung Zucman Saez I 36
Besteuerung/New Deal/Saez/Zucman: Das Ziel von Roosevelts Politik lag auf der Hand: die Verringerung der Ungleichheit im Einkommen vor der Besteuerung. Die Vereinigten Staaten kamen fast ein halbes Jahrhundert lang so nahe wie kein anderes demokratisches Land daran, ein gesetzliches Höchsteinkommen durchzusetzen.
Saez I 38
Von der Schaffung der Einkommenssteuer im Jahr 1913 bis zur Gründung der FDR im Jahr 1933 verdiente diese Gruppe durchschnittlich 2,6% aller Steuereinnahmen pro Jahr. Von 1950 bis 1980 sank diese Zahl auf durchschnittlich 0,6%(1). Betrachtet man die Steuerdaten, so besteht kein Zweifel, dass Roosevelts Politik ihr Ziel erreicht hat.
Saez I 156
Von Ende der 1930er bis Anfang der 1970er Jahre ging die Einkommensungleichheit zurück. Der Anteil der obersten 1% am Volkseinkommen vor der Besteuerung wurde um den Faktor zwei reduziert, von fast 20% am Vorabend des Zweiten Weltkriegs auf kaum mehr als 10% Anfang der 1970er Jahre. Im Jahr 1960 beispielsweise verdienten nur 306 Familien mehr als 6,7 Millionen Dollar zu versteuerndes Einkommen pro Jahr, wobei die Schwelle, ab der das Einkommen besteuert wurde, bei 91% lag(2).

1. Kuznets, Simon. Shares of Upper Income Groups in Income and Savings. New York: National Bureau of Economic Research, 1953.
Kuznets (1953) leistete Pionierarbeit bei der Schaffung von Spitzeneinkommensanteilen unter Verwendung individueller Einkommensteuerstatistiken. Siehe Piketty und Saez (2003) für moderne Schätzungen der höchsten fiskalischen Einkommensanteile. Die hier zitierten Statistiken beziehen sich auf die obersten 0,01% Einkommensanteile ohne KapitalGewinne.
2. Siehe US Treasury Department, Internal Revenue Service. Statistics of Income: Individual Income Tax Returns 1960. Washington, DC: Government Printing Office, 1962. S. 32. Zu finden unter: www.irs.gov/pub/irs-soi/60inar.pdf
Bildung Hegel Gadamer I 17
Bildung/Hegel/Gadamer:. In der Tat hat Hegel, was Bildung ist, am schärfsten herausgearbeitet. Ihm folgen wir zunächst(1). Er hat auch gesehen, daß die Philosophie »die Bedingung ihrer Existenz in der Bildung hat«, und wir fügen hinzu: mit ihr die Geisteswissenschaften. Denn das Sein des Geistes ist mit der Idee der Bildung wesenhaft verknüpft. Der Mensch ist durch den Bruch mit dem Unmittelbaren und Natürlichen gekennzeichnet, der durch die geistige, vernünftige Seite seines Wesens ihm zugemutet ist. »Nach dieser Seite ist er nicht von Natur, was er sein soll« - und deshalb bedarf er der Bildung. Was Hegel das formelle Wesen der
Gadamer I 18
Bildung nennt, beruht auf ihrer Allgemeinheit. Von dem Begriff einer Erhebung zur Allgemeinheit aus vermag Hegel das, was seine Zeit unter Bildung verstand, einheitlich zu begreifen. Allgemeinheit/Hegel/Gadamer: Es ist das allgemeine Wesen der menschlichen Bildung, sich zu einem allgemeinen geistigen Wesen zu machen. Wer sich der Partikularität überlässt, ist ungebildet, z. B. wer seinem blinden Zorn ohne Maß und Verhältnis nachgibt.
Abstraktheit/Hegel: Hegel zeigt, daß es einem solchen Menschen im Grunde an Abstraktionskraft fehlt: er kann nicht von sich selbst absehen und auf ein Allgemeines hinsehen, von dem her sich sein Besonderes nach Maß und Verhältnis bestimmte.
Arbeit am Bewusstsein:. In der "Phänomenologie des Geistes« entwickelt Hegel die Genese eines wirklich „an und für sich“ freien Selbstbewusstseins und zeigt, daß es das Wesen der Arbeit ist, das Ding zu bilden, statt es zu verzehren(2).
Gadamer I 19
Theoretische und praktische Bildung/Hegel: Schon an [der] Beschreibung der praktischen Bildung durch Hegel erkennt man die Grundbestimmung des geschichtlichen Geistes: sich mit sich selbst zu versöhnen, sich selbst zu erkennen im Anderssein. Sie wird vollends deutlich an der Idee der theoretischen Bildung. Denn sich theoretisch Verhalten ist als solches schon Entfremdung, nämlich die Zumutung, »sich mit einem Nicht-Unmittelbaren, einem Fremdartigen, mit etwas der Erinnerung, dem Gedächtnisse und dem Denken Angehörigen zu beschäftigen«. Theoretische Bildung führt so über das, was der Mensch unmittelbar weiß und erfährt, hinaus. Sie besteht darin, auch anderes gelten lassen zu lernen und allgemeine Gesichtspunkte zu finden, um die Sache, »das Objektive in seiner Freiheit« und ohne eigennütziges Interesse zu erfassen(3).
Grundgedanke/Gadamer: Im Fremden das Eigene zu erkennen, in ihm heimisch zu werden, ist die
Grundbewegung des Geistes, dessen Sein nur Rückkehr zu sich selbst aus
Gadamer I 20
dem Anderssein ist. >Allgemeinheit/Gadamer.
1. Hegel, Philosophische Propädeutik, S41—45. [Vgl. inzwischen die Textsammlung
von J. -E. Pleines, Bildungstheorien. Probleme und Positionen. Freiburg 1978.]
2. Hegel, Phänomenologie des Geistes (Phil. Bibl. 114), ed. Hoffmeister, S. 148ff.
3. Hegel XVIII, S. 62.



Mause I 47
Bildung/Hegel: die republikanische Identifikation des Bürgers mit dem politischen Gemeinwesen erfolgt durch institutionell abgesicherte Prozesse der „Bildung“ (1), in denen die Bürger die Fähigkeit gewinnen, über die Grenzen ihrer Privatinteressen hinauszublicken und sich als Teile eines sittlichen Ganzen zu erkennen. Die Bildung vom bourgeois zum citoyen vollzieht sich (…) durch die stufenweise in verschiedenen Interaktions- und Sozialisationszusammenhängen reflexiv erworbene Kompetenz zum Perspektivwechsel. Eine wichtige Rolle Spielt hierbei
I 48
die von Hegel noch im Kontext der ‚bürgerlichen Gesellschaft‘, zusammen mit der „Polizei“ behandelte Institution der „Korporation“ (2): berufsständische Vereinigungen, in denen der Marktteilnehmer – jenseits konkreter Profitorientierung – Anerkennung und Solidarität durch Standesgenossen und damit eine soziale Einbindung noch in der Sphäre der ‚bürgerlichen Gesellschaft‘ erfährt, die ihn in den Stand versetzt, den Horizont egoistischer Interessenverfolgung zu überschreiten, und ihn dadurch auf seine staatsbürgerliche Rolle vorbereitet.

1.G.W.F. Hegel, Grundlinien der Philosophie des Rechts oder Naturrecht und Staatswissenschaft im Grundrisse. Werke 7, Hrsg. Eva Moldenhauer und Karl Markus Michel, Frankfurt a. M. 1989, S. 343-345.
2.Ebenda S.382, 393-398.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Blogs Sunstein I 185
Blogs/Sunstein: die Tatsache, dass Diskussionen z.B. über Gesetze oder über Politik innerhalb von Blogs in einem Tag oder in einer Stunde ablaufen, wirft die Frage auf, ob akademische Zeitschriften nicht obsolet werden. Richard Posner: These: Blogs sind ein frisches und schlagendes BeiSpiel für Friedrich Hayeks These, dass Wissen weit verteilt ist, und dass es eine Herausforderung für die Gesellschaft ist,
I 186
Mechanismen für das Zusammenführen dieses Wissens zu schaffen. (1) SunsteinVsPosner: dieser verfehlt den entscheidenden Punkt. Die Probleme im Zusammenhang mit Kommunikation, Gruppendiskussion und Gruppendruck gibt es auch in Blogs (Siehe Kommunikation/Sunstein, Demokratie/Sunstein, Information/Sunstein).
I 187
Blogosphäre/Sunstein: sie funktioniert nicht wie Märkte und produziert keine Preise. Sie funktioniert auch nicht wie Open Source Software und produziert keine Wikis. Stattdessen präsentiert sie ein erstaunlich breites Spektrum an Behauptungen, Ansichten, Einsichten, Lügen, Fakten, Sinn und Unsinn. Die Teilnehmer haben normalerweise keinen ökonomischen Anreiz, sie sind in keinerlei Handel eingebunden und haben wenig zu verlieren oder zu gewinnen. Sie verlieren nichts, wenn sie Falschheiten verbreiten. Vielleicht ernten sie mit den gröbsten Falschheiten sogar die meiste Aufmerksamkeit. Man findet nirgends einen Superblog, weder im Allgemeinen noch auf einem Spezialgebiet, der Wikipedia oder Open Source Software entsprechen würde. Mit anderen Worten, es fehlt ein Blog, der Fehler (aus anderen Blogs) korrigiert und Wahrheiten sammelt.
I 188
Lösung/Sunstein: Blogger könnten Links zu Blogs mit anderen Ansichten als den eigenen anbieten. Sie könnten damit „Deals“ zu wechselseitigen Verlinkung eingehen.
I 189
Blogs haben keine Filter. Die einzigen Korrektive stammen aus der Disziplin des Ideenmarktes. Blogger verlinken aber meistens zu geistesverwandten anderen Blogs, ansonsten dienen Links zu abweichenden Meinungen nur zur Belustigung.
I 190
Quellen werden meist nur von jeweils einer Seite zitiert.

1. http://www.becker-posner-blog.com/archives/2004/12/introduction_to_1.html.

Sunstein I
Cass R. Sunstein
Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge Oxford 2008

Sunstein II
Cass R. Sunstein
#Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media Princeton 2017
CO2-Steuer-Strategien Fankhauser Fankhauser I 6
CO2-Steuer-Strategien/Carattini/Carvalho/Fankhauser: Ein weiteres entscheidendes Merkmal einer CO2-Steuer ist, wie ihre Einnahmen ausgegeben werden sollen. In der Literatur wurden insbesondere drei Strategien für das Verwenden der Einnahmen untersucht: die Zweckbindung von Einnahmen zur Unterstützung von Projekten zur Emissionsminderung, die Umverteilung von Einnahmen zur Erzielung eines gerechteren (weniger steuerlich regressiven) Ergebnisses und die Senkung anderer Steuern zur Erzielung eines einnahmenneutralen Ergebnisses. Die Verwendung von Steuereinnahmen für zusätzliche Emissionsminderungen gibt den Wählern die Sicherheit, dass die Steuer wirksam ist und das Umweltziel erreicht wird (Baranzini & Carattini, 2017(1); Kallbekken et al., 2011(2); Sælen & Kallbekken, 2011(3)).
1. Zweckbindung von Einnahmen: Die Attraktivität der Zweckbindung von CO2-Steuergeldern wurde in einer Reihe von Kontexten nachgewiesen (vgl. Baranzini & Carattini, 2017(1); Beuermann & Santarius, 2006(4); Bristow, Wardman, Zannia, & Chintakayalab, 2010(5); Carattini et al..., 2017(6); Clinch & Dunne, 2006(7); Deroubaix & Lévèque, 2006(8); Dresner, Jackson, & Gilbert, 2006(9); Gevrek & Uyduranoglu, 2015(10); Kallbekken & Aasen, 2010(11); Kallbekken & Sælen, 2011(3); Klok et al., 2006(12); Thalmann, 2004(13)). Das Interesse an der Zweckbindung spiegelt zwei Bedenken der Wähler wider. Das erste ist ein Mangel an Vertrauen in die Regierung[.] Die zweite Sorge sind Zweifel an der Wirksamkeit von CO2-Steuern (...). Die Zweckbindung signalisiert der Öffentlichkeit, dass Anstrengungen unternommen werden, um kohlenstoffarme Optionen sowohl technologisch als auch kommerziell rentabler zu machen, und so die persönlichen Kosten für Verhaltensänderungen zu senken (Kallbekken & Aasen, 2010)(11). Die Zweckbindung wird auch als mögliche Lösung für eine vermeintliche Teilinvestition in kohlenstoffarme Forschung und Entwicklung angesehen. Es sei jedoch darauf hingewiesen, dass die Zweckbindung von Einnahmen für Umweltzwecke möglicherweise keine universelle Lösung darstellt. Eine von Jagers und Hammar (2009) durchgeführte schwedische Umfrage(14) ergab, dass die Befragten nicht bereit waren, die CO2-Steuersätze zu erhöhen, da sie der Meinung waren, dass die von ihnen auf Kraftstoffe gezahlten CO2-Steuern bereits hoch genug waren. Die Befragten bevorzugten eine Alternative
Fankhauser I 7
wie die Senkung der Steuern auf saubere Energiequellen, der Ausbau des öffentlichen Verkehrs und die Intensivierung von Informationskampagnen über den Beitrag von Fahrzeugen zum Klimawandel. Zusätzliche Hinweise deuten darauf hin, dass die Präferenzen für das Wiederverwenden der Einnahmen kontextabhängig sein können. Carattini et al. (2017)(6) fanden heraus, dass die Bereitstellung von Informationen über die Umwelteffektivität verschiedener CO2-Steuern die Präferenz für Umwelt-Zweckbindung verringert.
2. Umverteilung - Ausgleich für Haushalte mit niedrigem Einkommen: In der Literatur wurden mehrere Strategien vorgeschlagen, um potenzielle nachteilige Verteilungseffekte einer CO2-Steuer anzugehen, einschließlich der einflussreichen Perspektiven von Speck (1999)(15), Baranzini, Goldemberg und Speck (2000)(16) und Metcalf (2009)(17). [Es gibt zwei Hauptoptionen für die Entschädigung:] Entschädigung durch Pauschalübertragungen und soziale Abfederung.
Fankhauser I 8
(...) wenn es einen klaren Kompromiss bei der Verwendung der Einnahmen zwischen umweltbezogener Zweckbindung und sozial fortschrittlichen Umverteilungsformen gibt, neigen die Menschen dazu, die Einnahmen lieber für umweltbezogene Zweckbindung zu verwenden (Baranzini & Carattini, 2017(1); Sælen & Kallbekken, 2011(3)). In der Studie von Carattini et al. (2017)(6) waren die bevorzugten Optionen für die Verwendung von Einnahmen die Umverteilung durch Pauschaltransfers und die soziale Abfederung.
3. Kürzung der sonstigen Steuern und Sicherung der vollen oder teilweisen Steuerneutralität: Empirische Studien zeigen, dass die Senkung anderer Steuern die am wenigsten populäre Umverteilungsstrategie ist (Beuermann & Santarius, 2006(4); Dresner, Jackson, & Gilbert, 2006(9); Klok et al., 2006(12); Thalmann, 2004(13)). Dies steht im Gegensatz zur Meinung vieler Ökonomen, für die die Verwendung von Steuereinnahmen zur Reduzierung verzerrter Steuern die ideale Lösung ist. Indem man die CO2-Steuer-Einnahmen, die auf "Schlechtigkeiten" wie Treibhausgasemissionen erhoben werden, nutzt, um verzerrende Steuern auf Arbeit, Gewinn oder Konsum zu reduzieren (welche unerwünschte Aktivitäten verhindern) kann man hoffen, neben der Emissionsreduzierung eine höhere Wirtschaftsleistung zu erzielen und so eine "doppelte Dividende" zu erhalten (vgl. Goulder, 1995)(18). Ein Grund für den Widerstand der Öffentlichkeit ist, dass die Wähler nicht unbedingt an die Logik der doppelten Dividende glauben. Sie nehmen diese als getrennte Probleme wahr, die getrennte Lösungen erfordern. Ein weiterer Grund für die öffentliche Opposition ist das mangelnde Vertrauen in Politiker und Finanzbehörden (Hammar & Jagers, 2006)(19). Sobald die Strategie umgesetzt ist, können die Regierungen Informationsmittel nutzen, um die Sichtbarkeit der Steuerverlagerung zu erhöhen. Die Kompensation kann sichtbar gemacht werden, indem der Betrag des Einkommens, der auf Lohnzettel, Steuerbelege oder Beiträge zur Sozialversicherung erstattet wird, angezeigt wird (Clinch, Dunne, & Dresner, 2006(20); Dresner, Dunne, et al., 2006(21); Hsu et al. 2008(22)).

Nachfolgend bieten wir [Carattini, Carvalho, Fankhauser] einige konkrete Gestaltungsmöglichkeiten, die besonders vielversprechend erscheinen, um die öffentliche Unterstützung zu erhöhen.
Fankhauser I 9
1. Schrittweise Einführung der CO2-Steuer im Laufe der Zeit: Durch die schrittweise Einführung von CO2-Steuern können die politischen Entscheidungsträger die Tatsache nutzen, dass die Abneigung tendenziell nachlässt, sobald Menschen eine Methode in der Praxis gesehen haben. Ein langsame Steigerung oder sogar eine Probezeit gibt Einzelpersonen die Möglichkeit, die Kosten und den Nutzen der Steuer abzuschätzen. Die Steuern können dann schrittweise angehoben werden, bis sie das zur Erreichung des Umweltziels erforderliche Niveau erreichen. Beachten Sie, dass dies bedeuten kann, dass der CO2-Steuersatz je nach Konjunkturzyklus nicht schwanken darf, obwohl diese Art der Flexibilität eine Verbesserung der Sozialhilfe darstellen könnte (vgl. Doda, 2016)(23). Das Risiko bei dieser Strategie besteht darin, dass die CO2-Steuern auf einem Niveau stagnieren könnten, das nicht ausreicht, um die angestrebten Ziele zu erreichen. Es gibt zwei potenzielle und ergänzende Lösungen, um dieses Risiko zu überwinden. Die erste Lösung basiert auf dem gesellschaftlichen Lernen. Die zweite Lösung verwendet Mittel zur Verpflichtung (engl. "Commitment Devices"). 2. Zweckbindung von Steuereinnahmen für zusätzlichen Klimaschutz: Wähler bevorzugen es, Steuereinnahmen an einen Zweck zu binden und die Einnahmen für zusätzliche Reduzierungen der Treibhausgasemissionen zu verwenden. Sie sind besonders daran interessiert, Forschung und Entwicklung mit geringem CO2-Ausstoß sowie Subventionen zur Förderung des Einsatzes zu unterstützen. Die Nachfrage nach Umwelt-Zweckbindung kann im Laufe der Zeit sinken, wenn Menschen die Auswirkungen der Steuer beobachten und ihre Überzeugungen aktualisieren. Die Regierungen können diesen Prozess erneut unterstützen, indem sie wirksame Informationen über die Emissionsentwicklung, die Verteilungseffekte der Steuer und etwaige zusätzliche Vorteile bereitstellen. Die Einnahmen können dann schrittweise freigesetzt werden, um andere Quellen der Wähleraversion zu beseitigen oder wirtschaftliche Gewinne zu erzielen. Die Einschränkung der Zweckbindung kann auch die Bedenken einer Regierung hinsichtlich der Haushaltsführung zerstreuen.
3. Umverteilung von Steuern zur Verbesserung der Fairness: CO2-Steuern können akzeptabler gestaltet werden, wenn Steuereinnahmen verwendet werden, um wichtige gesellschaftliche Belange anzugehen.
Fankhauser I 10
Während das Ziel einer CO2-Steuer darin besteht, die Klimaexternalität und nicht das Problem der Zunahme von Ungleichheiten anzugehen, besteht möglicherweise weiterhin die Erwartung, dass die CO2-Steuern so gestaltet werden, dass sie zumindest nicht zu einer ungleicheren Verteilung führen. Durch Kapitaltransfers und Maßnahmen zur sozialen Abfederung können CO2-Steuern so gestaltet werden, dass sie sowohl einnahmenneutral als auch progressiv sind, um die Kosten für Haushalte mit niedrigem Einkommen zu senken. Einige Wähler sind jedoch möglicherweise misstrauisch gegenüber dem langfristigen Engagement einer Regierung für die Umverteilung. Um diese Befürchtungen zu zerstreuen, können Regierungen Verpflichtungsinstrumente einsetzen, beispielsweise explizite Pläne zur Umverteilung der Einnahmen. 4. Informationsaustausch und Kommunikation: Ein letzter Vorschlag bezieht sich auf alle Bemühungen zur Einführung einer CO2-Steuer, unabhängig von der Verwendung der Einnahmen oder dem Grad der Stringenz. Sobald die politischen Entscheidungsträger über die Einführung einer CO2-Steuer nachdenken, sollten sie detaillierte Informationen (die durch Analysen und möglicherweise Modellsimulationen gewonnen werden) bereitstellen, um den Prozess der öffentlichen Konsultationen zu steuern und die Anliegen der Wähler vorbeugend anzugehen. Diese Offenlegung würde idealerweise erfolgen, bevor die Wähler zu einer Abstimmung aufgerufen werden oder bevor der Gesetzgeber eine CO2-Steuergesetzgebung im Parlament erwägt.
Fankhauser I 11
Die Kommunikationsbemühungen müssen fortgesetzt werden, sobald die Strategie umgesetzt ist. Da die Auswirkungen der CO2-Steuern häufig nicht sichtbar sind, werden die Regierungen aufgefordert, die Auswirkungen der Steuer regelmäßig zu messen und ihre Bürger transparent darüber zu informieren. Kommunikationsstrategien müssen möglicherweise an die Überzeugungen und Weltanschauungen der Zielgruppe angepasst werden (Cherry et al., 2017)(24) und berücksichtigen auch die potenziellen Auswirkungen politischer Polarisierung und parteiübergreifender Spaltungen (Hart & Nisbet, 2012(25)); Kahan et al., 2011 (26)).

1. Baranzini, A., & Carattini, S. (2017). Effectiveness, earmarking and labeling: Testing the acceptability of carbon taxes with survey data. Environmental Economics and Policy Studies, 19(1), 197–227.
2. Kallbekken, S., Kroll, S., & Cherry, T. L. (2011). Do you not like Pigou, or do you not understand him? Tax aversion and revenue recycling in the lab. Journal of Environmental Economics and Management, 62(1), 53–64.
3. Sælen, H., & Kallbekken, S. (2011). A choice experiment on fuel taxation and earmarking in Norway. Ecological Economics, 70(11), 2181–2190.
4. Beuermann, C., & Santarius, T. (2006). Ecological tax reform in Germany: Handling two hot potatoes at the same time. Energy Policy, 34(8), 917–929.
5. Bristow, A. L., Wardman, M., Zannia, A. M., & Chintakayalab, P. K. (2010). Public acceptability of personal carbon trading and carbon tax. Ecological Economics, 69(9), 1824–1837.
6. Carattini, S., Baranzini, A., Thalmann, P., Varone, P., & Vöhringer, F. (2017). Green taxes in a post-Paris world: Are millions of nays inevitable? Environmental and Resource Economics, 68(1), 97–128.
7. Clinch, J. P., & Dunne, L. (2006). Environmental tax reform: An assessment of social responses in Ireland. Energy Policy, 34(8), 950–959.
8. Deroubaix, J.-F., & Lévèque, F. (2006). The rise and fall of French ecological tax reform: Social acceptability versus political feasibility in the energy tax implementation process. Energy Policy, 34, 940–949.
9. Dresner, S., Jackson, T., & Gilbert, N. (2006). History and social responses to environmental tax reform in the United Kingdom. Energy Policy, 34(8), 930–939.
10. Gevrek, Z. E., & Uyduranoglu, A. (2015). Public preferences for carbon tax attributes. Ecological Economics, 118, 186–197.
11. Kallbekken, S., & Aasen, M. (2010). The demand for earmarking: Results from a focus group study. Ecological Economics, 69(11), 2183–2190.
12. Klok, J., Larsen, A., Dahl, A., & Hansen, K. (2006). Ecological tax reform in Denmark: History and social acceptability. Energy Policy, 34(8), 905–916.
13. Thalmann, P. (2004). The public acceptance of green taxes: 2 million voters express their opinion. Public Choice, 119, 179–217.
14. Jagers, S. C., & Hammar, H. (2009). Environmental taxation for good and for bad: The efficiency and legitimacy of Sweden's carbon tax. Environmental Politics, 18(2), 218–237.
15. Speck, S. (1999). Energy and carbon taxes and their distributional implications. Energy Policy, 27(11), 659–667.
16. Baranzini, A., Goldemberg, J., & Speck, S. (2000). A future for carbon taxes. Ecological Economics, 32(3), 395–412.
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18. Goulder, L. H. (1995). Environmental taxation and the double dividend: A reader's guide. International Tax and Public Finance, 2(2), 157–183.
19. Hammar, H., & Jagers, S. C. (2006). Can trust in politicians explain individuals' support for climate policy? The case of CO2 tax. Climate Policy, 5(6), 613–625.
20. Clinch, J. P., Dunne, L., & Dresner, S. (2006). Environmental and wider implications of political impediments to environmental tax reform. Energy Policy, 34(8), 960–970.
21. Dresner, S., Dunne, L., Clinch, P., & Beuermann, C. (2006). Social and political responses to ecological tax reform in Europe: An introduction to the special issue. Energy Policy, 34(8), 895–904.
22. Hsu, S. L., Walters, J., & Purgas, A. (2008). Pollution tax heuristics: An empirical study of willingness to pay higher gasoline taxes. Energy Policy, 36(9), 3612–3619.
23. Doda, B. (2016). How to price carbon in good times ... and bad! WIREs Climate Change, 7(1), 135–144.
24. Cherry, T. L., Kallbekken, S., & Kroll, S. (2017). Accepting market failure: Cultural worldviews and the opposition to corrective environmental policies. Journal of Environmental Economics and Management, 85, 193–204.
25. Hart, P. S., & Nisbet, E. C. (2012). Boomerang effects in science communication: How motivated reasoning and identity cues amplify opinion polarization about climate mitigation policies. Communication Research, 39(6), 701–723.
26. Kahan, D., Wittlin, M., Peters, E., Slovic, P., Ouellette, L., Braman, D., & Mandel, G. (2011). The tragedy of the risk-perception commons: Culture conflict, rationality conflict, and climate change (SSRN Scholarly Paper). Rochester, NY: Social Science Research Network.


Stefano Carattini, Maria Carvalho & Sam Fankhauser, 2018: “Overcoming public resistance to carbon taxes”. In: Stéphane Hallegatte, Mike Hulme (Eds.), WIREs Climate Change, Vol. 9/5, pages 1-26.

Fankhauser I
Samuel Fankhauser
Stefano Carattini
Maria Carvalho,
Overcoming public resistance to carbon taxes
In
Wiley Interdisciplinary Reviews: Climate Change Vo, 2018
Coase-Theorem Miceli Parisi I 19
Coase-Theorem/Miceli: Die ursprüngliche Motivation von Coase, seine bahnbrechende Arbeit über Externalitäten(1) zu schreiben, war es, eine Kritik an der Pigou'schen Sichtweise anzubieten, die behauptete, dass irgendeine Form von staatlicher Intervention (Steuern, Bußgelder oder Haftung) erforderlich sei, um externe Schäden zu internalisieren, wie z.B. die, die durch streunendes Vieh oder Eisenbahnfunken verursacht werden. Verursachung/Pigou: Ohne ein solches Eingreifen, so die Pigou'sche Sichtweise, würde die "Ursache" des Schadens (der Viehzüchter oder die Eisenbahn) die schädliche Aktivität übermäßig ausüben bzw. verursacht werden.
CoaseVsPigou: Coase stellte diese Ansicht in Frage, indem er zunächst feststellte, dass die Verursachung in dem Sinne reziprok ist, dass sowohl der Schädiger als auch das Opfer vorhanden sein müssen, damit ein Unfall eintritt. Die Bezeichnung einer Partei als "Schädiger" ist daher willkürlich und stellt in Wirklichkeit eine implizite Zuerkennung des Rechts auf Schadensfreiheit an die andere Partei (das "Opfer") dar.
Pigou'sche Sichtweise: (...) der Landwirt hat das Recht, frei von Ernteschäden zu sein - sei es durch verirrtes Vieh oder durch Funkenflug - und deshalb sollte der Viehzüchter oder die Eisenbahn gezwungen werden, die Kosten des Landwirts zu tragen.
Problem: (...) Nehmen wir an, der geschädigte Landwirt ist in einer besseren Position, um den Schaden zu vermeiden, z. B. indem er seine Ernte verlagert oder sich gar nicht erst in der Nähe der Bahnlinie oder der Viehfarm ansiedelt. In diesem Fall kann die Benennung des Viehzüchters/der Eisenbahn als Schädiger tatsächlich die Identifizierung effizienterer Wege zur Vermeidung des Schadens ausschließen. Coase ging es bei der Frage nach der Verursachung darum, die Bedingungen zu bewerten, unter denen eine gerichtlich angeordnete Haftung erforderlich ist, um den externen Schaden zu internalisieren. Nehmen wir zum BeiSpiel an, dass das Gericht im Streit zwischen Viehzüchter und Landwirt nicht eingreift und dem Viehzüchter die Haftung zuweist. Bedeutet das zwangsläufig, dass die Herde des Viehzüchters ineffizient expandieren wird?
Grenznutzen/Marginalkosten: Die Antwort ist natürlich nein, vorausgesetzt, dass die Parteien verhandeln können, denn wenn das Verhandeln möglich ist, könnte der Bauer den Viehzüchter bestechen, um die Herde bis zu dem Punkt zu reduzieren, an dem der Grenznutzen der letzten Kuh den Grenzkosten entspricht. In diesem Fall gehören die Eigentumsrechte an den streunenden Rindern effektiv dem Viehzüchter, und der Farmer muss sie "kaufen", was er bis zu dem Punkt tun wird, an dem die beiden Parteien die letzte Kuh gleich bewerten.
VsPigou'sche Ansicht: Beachten Sie, dass dies das Gegenteil von dem ist, was bei der Pigou'schen Lösung passiert, bei der dem Farmer (implizit) Rechte an den streunenden Rindern zugesprochen werden und der Viehzüchter sie durch Zahlung des gerichtlich auferlegten Schadensersatzes kaufen muss.
Effizienz: In beiden Fällen wird das Ergebnis jedoch effizient sein.
Coase: Diese Schlussfolgerung - dass die anfängliche Zuweisung von Eigentumsrechten keinen Einfluss auf die endgültige Verteilung der Ressourcen hat, die effizient ist - ist das Coase-Theorem.
Externe Kosten: [Schlüsselpunkt]: Wenn die Bedingungen für das Coase-Theorem erfüllt sind - d.h. wenn Verhandlungen möglich sind -, hat die Zuweisung von Haftung für externe Schäden keine Auswirkungen auf die Effizienz, weil die Parteien jede anfängliche Zuweisung von Rechten bis zu dem Punkt umgestalten werden, an dem die Gewinne aus dem Handel erschöpft sind. In diesem Sinne Spielt das Recht keine Rolle für die Effizienz (obwohl es die Verteilung des Wohlstands beeinflusst).*
Gesetz: Wenn keine Verhandlungen möglich sind, spielt das Gesetz dagegen eine Rolle, weil die Parteien nicht in der Lage sind, ineffiziente Rechtszuweisungen neu zu regeln. Folglich muss das Recht mit dem expliziten Ziel der Effizienz gestaltet werden. Auf diese Weise definiert das Coase-Theorem den effizienten Spielraum für rechtliche Eingriffe (Demsetz, 1972)(2). >Haftung/Calabresi/Melamed.


* Die Schlussfolgerung, dass die effiziente Allokation von Ressourcen unabhängig von der anfänglichen Zuweisung von Eigentumsrechten erreicht wird, spiegelt den ersten Hauptsatz der Wohlfahrtsökonomie wider, der besagt, dass der Marktaustausch unabhängig von der anfänglichen Zuweisung von Eigentumsrechten effizient sein wird. Das Coase-Theorem zeigt also, dass Externalitäten dieses Ergebnis nicht ausschließen müssen, solange die Verhandlungskosten niedrig sind. Vgl. >Haftung/Calabresi/Melamed.


1. Coase, Ronald (1960). “The Problem of Social Cost.” Journal of Law and Economics 3: 1–44.
2. Demsetz, Harold (1972). “When Does the Rule of Liability Matter?” Journal of Legal Studies 1: 13 - 28.


Miceli, Thomas J. „Economic Models of Law“. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Coase-Theorem Wirtschaftstheorien Parisi I 90
Coase-Theorem/Wirtschaftstheorien/Sullivan/Holt: Die erste und einflussreichste Arbeit, die experimentelle Methoden bei der Untersuchung des Coase-Theorems anwendet, ist die von Hoffman und Spitzer (1982)(1). Die Methodik dieser frühen Studie ist zum Ausgangspunkt für einen Großteil der nachfolgenden Literatur geworden. Experiment/Methode: Nachdem die Versuchspersonen nach dem Zufallsprinzip in Paare eingeteilt und ihnen die Identitäten A oder B zugewiesen worden waren, wurde eine Person in jedem Paar zufällig als "Controller" ausgewählt. Diese Person hatte die einseitige Befugnis, die "Zahl" auszuwählen, die die experimentellen Zahlungen bestimmen würde;(...). Anstatt die Zahl isoliert auszuwählen, war es jedem Controller jedoch erlaubt, sich von Angesicht zu Angesicht mit seinem Partner zu beraten. In diesen Konferenzen konnten die Versuchspersonen verbindliche Vereinbarungen treffen, die festlegten, wie die endgültigen Zahlungen verteilt werden sollten, nachdem eine Zahl ausgewählt worden war.
Parisi I 91
"Controller"-Auswahl - Auszahlungsfunktionen
"Zahl" 0 - Auszahlung an A ($) 0,00 - Auszahlung an B ($) 12.00
"Zahl" 1 - Auszahlung an A ($) 4,00 - Auszahlung an B ($) 10,00
"Zahl" 2 - Auszahlung an A ($) 6,00 - Auszahlung an B ($) 6,00
"Zahl" 3 - Auszahlung an A ($) 8.00 - Auszahlung an B ($) 4.00
"Zahl" 4 - Auszahlung an A ($) 9,00 - Auszahlung an B ($) 2,00
"Zahl" 5 - Auszahlung an A ($) 10,00 - Auszahlung an B ($) 1,00
"Zahl" 6 - Auszahlung an A ($) 11,00 - Auszahlung an B ($) 0,00
Quelle: Hoffman and Spitzer (1982)(1) p.86.

Sullivan/Holt: Falls es nicht offensichtlich ist, ist dieses Design ein abstraktes und kontextneutrales Analogon der idealen Coase'schen Verhandlungsumgebung ohne Hindernisse für die Verhandlung. Das sozial optimale Ergebnis ist Nummer 1, was eine Gesamtauszahlung von $14,00 ergibt. Unter diesen Umständen sagt das Coase-Theorem voraus, dass die Subjekte Nebenzahlungen aushandeln sollten, um einen Anreiz für die Wahl von Nummer 1 zu schaffen, unabhängig vom Eigentumsrecht, d.h. davon, ob A oder B als Controller gewählt wird. Indem sie die Daten zusammenfassen, die in der obigen Behandlung sowie in anderen mit Drei-Parteien-Verhandlungen und alternativen Informationsstrukturen gesammelt wurden, finden Hoffman und Spitzer (1982)(1) klare Unterstützung für das Coase-Theorem: Das effiziente Ergebnis ist bei weitem die häufigste Wahl.
Überraschenderweise teilen die Versuchspersonen die Gewinne auch häufig gleichmäßig auf, obwohl der Controller in diesem Design einen scheinbar starken Verhandlungsvorteil hat. Mehrere nachfolgende Experimente haben die Kausalität und empirische Robustheit der Vorhersagen des Coase-Theorems gezeigt.
Kausalität: Zum BeiSpiel nimmt die Unterstützung für das Coase-Theorem nicht ab, wenn die Gruppengröße so groß wie 20 Probanden wird (Hoffman und Spitzer, 1986)(2), wenn der Controller eher durch Wettbewerb als durch Zufall zugewiesen wird (Hoffman und Spitzer, 1985)(3), oder wenn asymmetrische Auszahlungen oder sogar körperliches Unbehagen in die Verhandlung einbezogen werden (Coursey, Hoffman und Spitzer, 1987)(4). Wichtig ist, dass die Coase'sche Verhandlung diese Ergebnisse zu beeinflussen scheint, da sozial effiziente Ergebnisse in der Regel nicht beobachtet werden, wenn das Design so verändert wird, dass die Aushandlung von Nebenzahlungen entfällt (Harrison und McKee, 1985)(5).
Transaktionskosten: (...) ebenso wichtig wie die Verifikation des Coase-Theorems unter niedrigen Transaktionskosten ist die Aufgabe, Transaktionskosten zu erfassen, die ausreichen, um die effiziente Umverteilung von Rechten durch private Verhandlungen zu vereiteln (Coase, 1992(6), S. 717). Ein frühes Experiment von Schwab (1988)(7) steckt einen Pflock weit in das Feld der Transaktionskosten durch Komplexität.
Asymmetrie: Indem die Verhandlungen in den reichhaltigen Kontext eines Tarifvertrags eingebettet wurden, bot das Experiment den Versuchspersonen mehrere Wertdimensionen, über die sie verhandeln konnten (Löhne, Urlaubszeit, Lärmreduzierung und eine "Umzugsklausel"), führte unvollständige Informationen ein (die Versuchspersonen konnten ihre Präferenzen angeben, aber ihre tatsächlichen Auszahlungspläne nicht offenlegen) und ließ mehrere Pareto-effiziente Ergebnisse zu. Nur wenige Probanden waren in diesem Experiment in der Lage, ihren Weg zu sozial optimalen Ergebnissen auszuhandeln. >Coase-Theorem/Kahneman.
Ausstattungseffekt (engl. endowment effect): Eine Überlegung ist der Endowment-Effekt - die Tendenz von Eigentumsbesitzern, Vermögenswerte höher zu bewerten als potenzielle Käufer (Kahneman et al., 1991)(8).* Allein die Änderung des Basisexperiments dahingehend, dass sich die Verhandlungen auf das Eigentum des Controllers auf eine greifbare Schokoladentafel beziehen, reduziert die Fähigkeit der Versuchspersonen, eine effiziente Neuverteilung der Eigentumsrechte auszuhandeln, erheblich (Kahneman, Knetsch und Thaler, 1990)(10).
Effizienz: Experimente zeigen auch eine verringerte allokative Effizienz, wenn der Verhandlungsprozess explizite Verhandlungskosten mit sich bringt (Rhoads und Shogren, 1999)(11) und wenn die Verhandlungspartner unter asymmetrischen Informationen agieren (McKelvey und Page, 2000)(12).
Unsicherheit: Interessanterweise gibt es einige Belege dafür, dass unsichere Eigentumsrechte tatsächlich die Effizienz erhöhen können, indem sie Anreize für Verhandlungen schaffen, im Gegensatz zur Verankerung (Cherry und Shogren, 2005(13); siehe auch Croson und Johnston, 2000(14).

* Die experimentelle Evidenz unterstützt den Endowment-Effekt nicht vollständig. Für eine umfassende Übersicht und Kritik siehe Klass und Zeiler (2013)(9).


1. Hoffman, E. and M. L. Spitzer (1982). “The Coase Theorem: Some Experimental Tests.” Journal of Law and Economics 25(1): 73–98.
2. Hoffman, E. and M. L. Spitzer (1986). “Experimental Tests of the Coase Theorem with Large Bargaining Groups.” Journal of Legal Studies 15(1): 149–171.
3. Hoffman, E. and M. L. Spitzer (1985). “Entitlements, Rights, and Fairness: An Experimental Examination of Subjects’ Concepts of Distributive Justice.” Journal of Legal Studies 14(2): 259–297.
4. Coursey, D. L., E. Hoffman, and M. L. Spitzer (1987). “Fear and Loathing in the Coase Theorem: Experimental Tests Involving Physical Discomfort.” Journal of Legal Studies 16: 217–248.
5. Harrison, G. W. and M. McKee (1985). “Experimental Evaluation of the Coase Theorem.” Journal of Law and Economics 28(3): 653–670.
6. Coase, R. H. (1992). “The Institutional Structure of Production.” American Economic Review 82(4): 713–719.
7. Schwab, S. (1988). “A Coasean experiment on contract presumptions.” Journal of Legal Studies 17(2): 237–268.
8. Kahneman, D., J. L. Knetsch, and R. H. Thaler (1991). “Anomalies: The Endowment Effect, Loss Aversion, and Status Quo Bias.” Journal of Economic Perspectives 5(1): 193–206.
9. Klass, G. and K. Zeiler (2013). “Against Endowment Theory: Experimental Economics and Legal Scholarship.” UCLA Law Review 61: 2–64.
10. Kahneman, D., J. L. Knetsch, and R. H. Thaler (1990). “Experimental tests of the Endowment Effect and the Coase Theorem.” Journal of Political Economy 98(6): 1325–1348.
11. Rhoads, T. A. and J. F. Shogren (1999). “On Coasean Bargaining with Transaction Costs.” Applied Economics Letters 6: 779–783.
12. McKelvey, R. D. and T. Page (2000). “An Experimental Study of the Effect of Private Information in the Coase Theorem.” Experimental Economics 3(3): 187–213.
13. Cherry, T. L. and J. F. Shogren (2005). “Costly Coasean Bargaining and Property Right Security.” Environmental & Resource Economics 31(3): 349–367.
14. Croson, R. and J. S. Johnston (2000). “Experimental Results on Bargaining Under Alternative Property Rights Regimes.” Journal of Law, Economics, and Organization 16(1): 50–73.


Sullivan, Sean P. and Charles A. Holt. „Experimental Economics and the Law“ In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Darstellung Gadamer I 114
Darstellung/Spiel/Kunst/Gadamer: Alles Darstellen ist (...) seiner Möglichkeit nach ein Darstellen für jemanden. Dass diese Möglichkeit als solche gemeint wird, macht das Eigentümliche im Spielcharakter der Kunst aus. Der geschlossene Raum der Spielwelt lässt hier gleichsam die eine Wand fallen.(1) Das Kultspiel und das Schauspiel stellen offenkundig nicht in demselben Sinne dar, wie das spielende Kind darstellt. Sie gehen darin, dass sie darstellen, nicht auf, sondern weisen zugleich über sich hinaus auf diejenigen, die zuschauend daran teilhaben. Spiel ist hier nicht mehr das bloße Sichdarstellen einer geordneten Bewegung, noch auch das bloße Darstellen, in dem das spielende Kind aufgeht, sondern es ist „darstellend für...“. Diese allem Darstellen eigene Anweisung wird hier gleichsam eingelöst und wird für das Sein der Kunst konstitutiv. Vgl. >Spiel/Gadamer.
I 121
Aufführung/Schauspiel/Theater/Musik/Gadamer: Die Aufführung eines Schauspiels ist (...) nicht einfach von ihm ablösbar als etwas, das zu seinem wesentlichen Sein nicht gehört, sondern so subjektiv und fließend ist wie die ästhetischen Erlebnisse, in denen es erfahren wird. Vielmehr begegnet in der Aufführung und nur in ihr - das wird am klarsten an der Musik - das Werk selbst, so wie im Kult das Göttliche begegnet.
Hier wird der methodische Gewinn sichtbar, den das Ausgehen vom Spielbegriff einbringt. Das Kunstwerk ist nicht von der der Zugangsbedingungen, unter denen es sich zeigt, schlechthin isolierbar, (...) [Das Werk] selbst gehört in die Welt hinein, der es sich darstellt. SchauSpiel ist erst eigentlich, wo es geSpielt wird (...).
Kunst/Gadamer: Die These ist also, dass das Sein der Kunst nicht als Gegenstand eines ästhetischen Bewusstseins bestimmt werden kann, weil umgekehrt das
I 122
ästhetische Verhalten mehr ist, als es von sich weiß. Es ist ein Teil des Seinsvorganges der Darstellung und gehört dem Spiel als Spiel wesenhaft zu.
I 137
Darstellung/Gadamer: Der Zuschauer verhält sich nicht in der Distanz des ästhetischen Bewusstseins, das die Kunst, sondern in der Kommunion des Dabeiseins. (Vgl. >Ästhetisches Bewusstsein/Gadamer). Das eigentliche Schwergewicht des tragischen Phänomens liegt am Ende in dem, was sich da darstellt und erkannt wird und woran teilzuhaben offenbar nicht beliebig ist. So sehr das tragische SchauSpiel, das im Theater festlich aufgeführt wird, eine Ausnahmesituation im Leben eines jeden darstellt, ist es
doch nicht wie ein abenteuerhaftes Erlebnis und bewirkt nicht einen Rausch der Betäubung, aus dem man zu seinem wahren Sein wiedererwacht, sondern
I 138
die Gehobenheit und die Erschütterung, die über den Zuschauer kommen, vertiefen in Wahrheit seine Kontinuität mit sich selbst. Die tragische Wehmut entspringt der Selbsterkenntnis, die dem Zuschauer zuteil wird. >Affirmation/Gadamer, >Tragik/Gadamer, >Katharsis/Gadamer, >Literatur/Gadamer.


1. Vgl. Rudolf Kassner, Zahl und Gesicht, S. 161 f. Kassner deutet an, daß »die höchst
merkwürdige Einheit und Zweiheit von Kind und Puppe« damit zusammenhängt, daß
die vierte »immer aufgetane Wand des Zuschauers« hier (wie im kultischen Akt) fehlt. Ich
folgere umgekehrt, dass es eben diese vierte Wand des Zuschauers ist, welche die Spielwelt
des Kunstwerks schließt.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Denken Surowiecki I 15
Denken/Probleme Surowiecki: ich teile Probleme hier in drei Arten ein: 1. Kognitive Probleme, für die es eine Lösung gibt, wie z.B. Wer das EndSpiel Gewinnt oder Bsp Wieviel Exemplare eines bestimmten Buches verkauft werden, Bsp wie groß die Wahrscheinlichkeit ist, dass ein bestimmtes Medikament von der Arzeimittelbehörde zugelassen wird.
Vielleicht gibt s hier nicht nur eine richtige Antwort, man wird aber unterscheiden können, welche Antworten besser sind als andere.
2. Koordinierungsprobleme: hier geht es um die Abstimmung von Verhalten, z.B. in einem Markt, bei der Benutzung der U-Bahn, bei der Wohnungssuche usw. Wie kommen Käufer und Verkäufer zusammen?
3. Kooperationsprobleme: wie kommt man trotz Misstrauen und Eigeninteresse zu einer Zusammenarbeit zusammen? Bsp Vorgehen gegen Umweltverschmutzung, ein generelles Verständnis von der angemessenen Höhe von Löhnen und Gehältern.
I 122
Koordinationsprobleme: hier genügt es nicht, dass ein Einzelner die Lösung für sich selbst findet, er muss berücksichtigen, was andere für richtig halten. (…) Regeln haben nur eine begrenzte Einwirkungsmöglichkeit. Lösungen müssen von unten her kommen.
I 288
Kognitionsaufgaben/Surowiecki: der Informationsfluss in Unternehmen sollte nie durch Organigramme gelenkt werden. Fehlentscheidungen werden umso wahrscheinlicher, je stärker die Macht einer einzigen Person anvertraut ist. Ein mögliches Instrument zur Lösung solcher Probleme sind interne (Informations-)Märkte.

Surowi I
James Surowiecki
Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne und wie wir das kollektive Wissen für unser wirtschaftliches, soziales und politisches Handeln nutzen können München 2005
Einhorn - Beispiel Quine I 312
"(Ex)(x = Pegasus)" ist falsch, mit Pegasus als singulärem Term. Sie ist jedoch richtig, mit Pegasus als allgemeinem Term "= Pegasus". Aber: "(Ex)(x ist Pegasus)" ist falsch, wegen der Nichtexistenz. >Pegasus-Beispiel/Quine; >Nichtexistenz/Quine.
I 356f
Fehlschluss der Subtraktion lautet: weil wir von Bedeutung, Einhörnern und "Anbetrachten" reden können, müsste es auch welche geben! (QuineVs)
I 424
Einhorn: Problem: ist gegenstandsgerichtetes (verfälschendes) Denken.
Manche Philosophen stellen die These auf: "Pegasus" und "Einhorn" können in der Tat völlig geeignete Termini sein. Termini, die wir verstehen, weil ihre Kontexte mit Sinnesreizungen oder intervenierenden Theorien hinreichend eng verknüpft sind, ohne dass es Einhörner oder Pegasus gibt. Bei dieser Schwierigkeit stehen eher singuläre Termini wie "Pegasus" und nicht so sehr allgemeine Termini wie "Einhorn" im Mittelpunkt. Denn an dieser Stelle kommen im alltäglichen Sprachgebrauch die Wahrheitswertlücken ins Spiel. >Wahrheitswert-Lücke/Quine.
QuineVs: Quine ist gegen jede Versuchung, sich in den Morast der "unverwirklichten Möglichkeiten" hinauszuwagen.
Pegasus/Quine: Pegasus ist singulärer Term
Einhorn/Quine: Einhorn ist allgemeiner Term.

III 99
Zutreffen: die Termini treffen zu. Kentaur/Einhorn/Quine: "Kentaur" trifft auf jeden Kentauren zu und sonst gar nichts, also auf gar nichts, da es keine Kentauren gibt.
III 254
Bedeutung/Nichtexistenz/Singulärer Term/Quine: ein singulärer Term kann ein Objekt bezeichnen oder auch nicht, auf jeden Fall hat er aber eine Bedeutung. Bsp: „Zerberus“.
III 256
Einhorn/Bedeutung/Quine: wäre das Wort ohne Bedeutung, würden nicht nur die Dichter darunter leiden, man könnte auch Bsp die einfache Tatsache der Nichtexistenz des Zerberus nicht ausdrücken.
III 258
Einhorn/rundes Quadrat/Bezeichnung/Bedeutung/sing Term/Quine: Fazit: dass etwas die Aufgabe hat, etwas zu bezeichnen (d.h. signifikant ist) hängt überhaupt nicht davon ab, dass es diese Aufgabe erfüllt. Signifikant/Quine: Signifikant bedeutet zunächst nur: die Aufgabe zu haben, etwas zu bezeichnen. Es ist nicht die erfolgreiche Bezeichnung! Jedenfalls ist das bezeichnete Objekt nicht die Bedeutung des Wortes. Verwechslung von Bedeutung und bezeichnetem Gegenstand. >Rundes Quadrat/Quine, >Nichtexistenz/Quine.
III 264
Einhorn/Variable/Quine: Bsp: „Zerberus bewacht das Tor“ ist analog zu einem offenen Satz, nicht zu einem geschlossenen Satz. ((s) Der offene Satz lautet "x bewacht das Tor." Der geschlossene Satz lautet "Der Wächter bewacht das Tor.")
III 280
Kennzeichnung/singuläre Termini/Quine: da singuläre Termini immer als Kennzeichnung aufgefasst werden können, können wir "Einhorn" auch als Kennzeichnung auffassen. Damit ersparen wir uns eine Unterscheidung zwischen bezeichnenden und nicht-bezeichnenden singulären Termini. >Kennzeichnungen/Quine.
III 281
Der Streit wird zu einem Streit über Prädikate. >Wahrheitswert/Quine.
III 281
Wahrheitswert/Nichtexistenz/Einhorn/Quine: es wäre voreilig zu sagen, Sätze wie "Zerberus bellt" seien falsch.
VI 128
Sing Term/Wahrheitswert/Sinn/zweiwertige Logik/Einhorn/Quine: im Falle bezugsloser singulärer Termini oder fehlgeschlagener Kennzeichnungen kennen wir den Wahrheitswert vielleicht nicht. Es ist nicht gewinnbringend, solche Sätze als sinnlos zu bezeichnen, da die Existenz des Objekts sich herausstellen könnte. Siehe Bsp Pluto. Es geht zwar in Ordnung, den Wahrheitswert offenzulassen, aber nicht den Sinn eines Satzes!
>Determinismus/Quine.


II 137 ff
Eigenschaften als letzte Klassen sind alle Element der Nullklasse. Sollen daher alle identisch sein? Vs: diese Identitätsdefinition gilt nur für Theorien, die keine Gegenstände zulassen, die keiner Klasse angehören. (> Autoren zu Nichtexistenz).

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Elastizität (Wirtschaft) Saez Saez I 12
Elastizität/Kapital/Arbeit/Saez/Zucman: Steuerinzidenz: Die Frage, wer heute die von den Regierungen erhobenen Steuern zahlt, ist (...) das, was Ökonomen ganz verwirrend als "Steuerinzidenz" bezeichnen. Was würde zum Beispiel passieren, wenn der Körperschaftssteuersatz gesenkt würde?
Saez I 100
Elastizität: Der unelastischste Produktionsfaktor trägt die Last der Steuern, während der elastischste Faktor ihnen ausweicht. Konkret: Wenn das Kapital sehr elastisch ist, dann brechen Sparen und Investitionen zusammen, wenn Kapital besteuert wird, dann trägt die Arbeit die Last der Kapitalbesteuerung. Aber so wie die Kapitalsteuern auf die Arbeit verlagert werden können, so können auch die Arbeitssteuern auf das Kapital verlagert werden. Dies geschieht, wenn die Arbeit sehr elastisch ist - d.h. wenn die Menschen wesentlich weniger arbeiten, wenn die Besteuerung ihres Einkommens steigt. In einer der ältesten und berühmtesten Analysen der Steuerinzidenz erklärte Adam Smith in "The Wealth of Nations", wie Lohnsteuern auf das Kapital verlagert werden können. Wenn Bauern am Existenzminimum leben (sie verdienen nicht mehr als das, was sie zum Überleben benötigen), würde die Besteuerung ihres Lohns sie verhungern lassen. Frage: Wie elastisch sind Kapital und Arbeit? Verschwindet der Kapitalstock insbesondere dann, wenn Steuern auf das Kapital
Saez I 101
steigen? Wenn dies der Fall ist, dann ist die Besteuerung von Kapital in der Tat schädlich, und die Senkung der Unternehmensbesteuerung kann langfristig im Interesse der Arbeitnehmer sein. >Steuerinzidenz/Saez. Tradition: Den meisten Kommentatoren zufolge ist die extreme Elastizität des Kapitals ein Naturgesetz, so sicher wie die Schwerkraft. Aber dieser Glaube bedarf - wie andere krasse Vorhersagen aus der grundlegenden Wirtschaftstheorie (zum BeiSpiel, dass der Mindestlohn Beschäftigung vernichten würde) - einer Realitätsprüfung.
Saez I 105
Kapital/SaezVsTradition/ZucmanVsTradition: Kapital ist nicht sehr elastisch, aber es kann verdeckt werden. Reiche können Reichtum in anderen Ländern verstecken. Multinationale Unternehmen können Gewinne auf die Bermudas verlagern. UnternehmensGewinne: Dieselbe Schlussfolgerung gilt für die Besteuerung von UnternehmensGewinnen, der Form von Kapitaleinkommen, die weithin als die elastischste angesehen wird. Die Art und Weise, wie Unternehmen auf internationale Unterschiede bei den Steuersätzen reagieren, besteht nicht in erster Linie darin, ihre Fabriken in Niedrigsteuergebiete zu verlagern, sondern darin, PapierGewinne in Steueroasen zu verlagern.
Saez I 131
Elastizität/Ramsey/Saez/Zucman: In den 1920er Jahren bewies der Wundermathematiker und Wirtschaftswissenschaftler Frank Ramsey formell, dass, wenn alle Steuerzahler mit dem gleichen Steuersatz konfrontiert sind, der Satz, der die Staatseinnahmen maximiert, umgekehrt proportional zur Elastizität des zu versteuernden Einkommens ist(1). Was bedeutet das? >Besteuerung/Ramsey. Wenn das zu versteuernde Einkommen unelastisch ist, bedeutet dies, dass sich bei steigenden Steuersätzen das ausgewiesene Einkommen nicht wesentlich ändert.
BeiSpiel: In diesem Fall erhebt das US-Finanzministerium mechanisch mehr Einnahmen, indem es die Steuersätze erhöht. Ist das zu versteuernde Einkommen dagegen sehr elastisch, dann verringern hohe Steuersätze die Bemessungsgrundlage so stark, dass sie wenig Einnahmen bringen und unerwünscht sind.
Ramsey-Regel: Das ist die Kardinalregel der optimalen Besteuerung, die so genannte Ramsey-Regel: Regierungen sollten nicht zu viel besteuern, was elastisch ist. >Ramsey-Regel/Saez.


1. Ramsey, Frank P. “A Contribution to the Theory of Taxation.” Economic Journal 37, no. 145 (1927): 47–61.
Empirismus Wirtschaftstheorien Parisi I 30
Empirismus/Wirtschaftstheorien/Gelbach/Klick: Das zentrale Problem in vielen empirischen Arbeiten ist der ausgelassene oder weggelassene Variablen-Bias (engl. omitted variables bias). a) Manchmal kann dieses Problem gelöst werden, indem man für mehr Kovariaten kontrolliert - wenn das Problem die Auslassung ist, dann sollte die Einbeziehung eine gute Lösung sein. Aber diese Lösung ist oft nicht durchführbar, weil viele ausgelassene Variablen dem Forscher unbekannt sind, und andere, die laut Theorie einbezogen werden sollten, nicht verfügbar oder nicht quantifizierbar sind. Trotz dieser Probleme war das einfache Hinzufügen weiterer Kontrollvariablen bis Mitte der 1990er Jahre eine Standardprozedur in der empirischen Rechts- und Wirtschaftswissenschaft.
b) Ein anderer Ansatz bestand darin, die Existenz des Bias zuzugeben, aber zu behaupten, dass das Bias notwendigerweise in eine bestimmte Richtung geht oder über ihre wahrscheinliche Größe zu spekulieren. Wenn es jedoch mehrere ausgelassene Variablen gibt, ist dieser Ansatz problematischer, da das Vorzeichen und die Größe des Bias durch den Ausschluss ausgelassener Variablen dann von der Beziehung zwischen der interessierenden Politikvariable und allen ausgelassenen Variablen abhängt, sowie von den Vorzeichen und der Größe der Koeffizienten dieser ausgelassenen Variablen.*
Randomisierte kontrollierte Experimente: Mitte der 1990er Jahre begannen viele empirische Mikroökonomen, sich auf Forschungsdesigns zu konzentrieren, die sie in Anlehnung an die Methode der randomisierten kontrollierten Experimente begründeten. In solchen Experimenten ist die Verzerrung durch weggelassene Variablen kein Problem, da die "Behandlung" zufällig zugewiesen wird, so dass die Zuweisung statistisch unabhängig von allen sonst wichtigen weggelassenen Variablen ist. In einem Experiment mit zufälliger Zuweisung können die durchschnittlichen Behandlungseffekte dann einfach gemessen werden, indem die durchschnittliche Veränderung des interessierenden Ergebnisses für die experimentelle Behandlungsgruppe minus der durchschnittlichen Veränderung in der experimentellen Kontrollgruppe verwendet wird.
Parisi I 30 FN
Schätzung: (...) dass durchschnittliche Effekte nicht die einzige Art von Behandlungseffekten sind, die geschätzt werden können. Für Beispiele von Studien, die Verteilungseffekte berücksichtigen, siehe Heckman, Smith und Clements (1997)(3) und Bitler, Gelbach und Hoynes (2006)(4).
Parisi I 31
Randomisierte kontrollierte Experimente: Die empirische Rechts- und Wirtschaftswissenschaft hat diesen Ansatz aufgegriffen und sogenannte Differenz-in-Differenzen-Forschungsdesigns eingesetzt, um eine Vielzahl von Rechtsänderungen zu untersuchen. Im Allgemeinen vergleicht dieser Ansatz die Veränderung der Ergebnisse in Rechtsordnungen, die eine bestimmte Maßnahme einführen, mit einer gleichzeitigen Veränderung in Rechtsordnungen, die diese Maßnahme nicht einführen. Änderungen der Politik: Einige Studien mit dem Beinamen "natürliche Experimente" (...) verwenden Instrumentalvariablen, um ihre Schätzungen von endogenen politischen Entscheidungen zu bereinigen. Eine gültige Instrumentalvariable in diesem Zusammenhang ist eine, die mit der Annahme einer Politikänderung korreliert, aber nicht anderweitig mit dem interessierenden Ergebnis korreliert. Die erste Anforderung ist einfach
Parisi I 32
empirisch nachzuweisen, wenn sie zutrifft. Aber die zweite Bedingung, die eine "exakt identifizierende Annahme" ist, kann nicht getestet werden und wird daher nur angenommen, weil sie im Kontext vernünftig erscheint; die Intuition kann der einzige wirkliche Hinweis darauf sein, ob die zweite Bedingung zutrifft. Kausalität: Die Gewinnung kausaler Schätzungen aus nicht-experimentellen Daten erfordert immer ein Urteil darüber, dass Verzerrungen durch weggelassene Variablen (omitted variables bias) eliminiert werden können, so dass Behandlungs- und Vergleichsjurisdiktionen vergleichbar gemacht werden können. Dies kann durch Hinzufügen von Kovariaten, durch die Verwendung von Differenz in Differenzen, durch die Verwendung von Instrumentalvariablen oder durch einen anderen Ansatz geschehen (...).
Experimente/Verallgemeinerung: (...) die vielleicht wichtigste Einschränkung der Nützlichkeit von durch natürliche Experimente motivierten Arbeiten betrifft den Grad der Generalisierbarkeit oder "externen Validität". Die plausibelsten exogenen natürlichen Experimente können diejenigen sein, bei denen die "Schocks", die die identifizierende Variation hervorrufen, am stärksten eingeschränkt sind in Bezug auf das, was sie uns über die Auswirkungen politischer Veränderungen in anderen Situationen sagen können. Das heißt, genau die Merkwürdigkeit, die den Schock hervorruft, kann dazu führen, dass die Effekte, die wir aus dem Schock schätzen können, für andere Umstände von Interesse am wenigsten relevant sind. Dieses Problem hat sowohl zu Angus Deatons Kritik an der Methodik des natürlichen Experiments (2010)(5) als auch zu den Argumenten anderer Autoren zugunsten struktureller ökonometrischer Methoden beigetragen, um Schätzungen zu generieren, die politisch relevanter sein können als diejenigen, die von quasi-experimentellen Methoden geliefert werden (siehe z. B. Nevo und Whinston, 2010(6); Heckman und Urzúa, 2010(7). Für eine Antwort, siehe Imbens, 2010)(8) (ImbensVsKeckman).
Interne Validität: Auch hinsichtlich der internen Validität hängt die Glaubwürdigkeit eines quasi-experimentellen Forschungsdesigns entscheidend von nicht überprüfbaren Annahmen ab, welche Behandlungs- und Vergleichsgruppen hinreichend vergleichbar sind. (...)(siehe z.B. Abadie, Diamond, und Hainmueller, 2010(9). Für eine allgemeinere Darstellung siehe Rosenbaum, 2010(10)).
Natürliche Experimente: Einige natürliche Experimentdesigns führen auch zu Problemen bei der statistischen Inferenz, und zwar in dem Maße, wie die politischen Schocks über die Zeit haften bleiben, was eine sorgfältige Beachtung von Hypothesentests und Kovarianzschätzungen erfordert (Bertrand, Duflo und Mullainathan, 2004(11); Cameron, Gelbach und Miller, 2008(12), 2011(13)).

*Zum ausgelassenen Variablen-Bias mit mehreren ausgelassenen Variablen siehe Greene (2012)(1); für einen Ansatz zur Formel für das Bias durch ausgelassene Variablen, der das Bias durch ausgelassene Variablen im Hinblick auf die gemeinsame Heterogenität aufgrund aller ausgelassenen Variablen gleichzeitig betrachtet, siehe Gelbach (2016)(2).


1. Greene, William H. (2012). Econometric Analysis. 7. Edition, Upper Saddle Lake, NJ: Prentice Hall.
2. Gelbach, Jonah B. (2016). “When Do Covariates Matter? And Which Ones, and How Much?” Journal of Labor Economics 34: 509–543.
3. Heckman, James J., Jeffrey Smith, and Nancy Clements (1997). “Making the Most Out of Programme Evaluations and Social Experiments: Accounting for Heterogeneity in Programme Impacts.” Review of Economic Studies 64(4): 487–535.
4. Bitler, Marianne P., Jonah B. Gelbach, and Hilary W. Hoynes (2006). “What Mean Impacts Miss: Distributional Effects of Welfare Reform Experiments.” American Economic Review 96(4): 988–1012.
5. Deaton, Angus (2010). “Instruments, Randomization, and Learning about Development.” Journal of Economic Literature 48(2): 424–455.
6. Nevo, Aviv and Michael D. Whinston (2010). “Taking the Dogma Out of Econometrics: Structural Modeling and Credible Inference.” Journal of Economic Perspectives 24(2): 69–82.
7. Heckman, James J. and Sergio Urzúa (2010). “Comparing IV with Structural Models: What Simple IV Can and Cannot Identify.” Journal of Econometrics 156(1): 27–37.
8. Imbens, Guido W. (2010). “Better LATE than Nothing: Some Comments on Deaton (2009) and Heckman and Urzua.” Journal of Economic Literature 48(2): 399–423.
9. Abadie, Alberto, Alexis Diamond, and Jens Hainmueller (2010). “Synthetic Control Methods for Comparative Case Studies: Estimating the Effect of California’s Tobacco Control Program.” Journal of the American Statistical Association 105(490): 493–505.
10. Rosenbaum, Paul R. (2010). Observational Studies (Springer Series in Statistics). 2nd edition. Springer-Verlag New York: New York.
11. Bertrand, Marianne, Esther Duflo, and Sendhil Mullainathan (2004). “How Much Should We Trust Differences-in-Differences Estimates?” Quarterly Journal of Economics 119(1): 249–275.
12. Cameron, A. Colin, Jonah B. Gelbach, and Douglas L. Miller (2008). “Bootstrap-Based Improvements for Inference with Clustered Errors.” Review of Economics and Statistics 90(3): 414–427.
13. Cameron, A. Colin, Jonah B. Gelbach, and Douglas L. Miller (2011). “Robust Inference with Multi-way Clustering.” Journal of Business and Economic Statistics 29(2): 238–249.


Gelbach, Jonah B. and Jonathan Klick „Empirical Law and Economics“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Entwicklungsländer Acemoglu Acemoglu I 258
Entwicklungsländer/duale Wirtschaft/Arthur Lewis/Acemoglu/Robinson: Das Paradigma der "dualen Wirtschaft", das ursprünglich 1955 von Sir Arthur Lewis(1) vorgeschlagen wurde, prägt immer noch die Art und Weise, wie die meisten Sozialwissenschaftler über die wirtschaftlichen Probleme der weniger entwickelten Länder denken. Lewis zufolge haben viele weniger entwickelte oder unterentwickelte Volkswirtschaften eine duale Struktur und sind in einen modernen und einen traditionellen Sektor unterteilt. A. Der moderne Sektor, der dem höher entwickelten Teil der Wirtschaft entspricht, wird mit dem städtischen Leben, der modernen Industrie und dem Einsatz fortschrittlicher Technologien in Verbindung gebracht.
B. Der traditionelle Sektor wird mit dem ländlichen Leben, der Landwirtschaft und "rückständigen" Institutionen und Technologien in Verbindung gebracht. Zu den rückständigen landwirtschaftlichen Institutionen gehört der gemeinschaftliche Besitz von Land, was das Fehlen privater Eigentumsrechte an Land impliziert.
Arbeit: Laut Lewis wurde die Arbeit im traditionellen Sektor so ineffizient eingesetzt, dass sie dem modernen Sektor zugewiesen werden konnte, ohne die Produktionsmenge des ländlichen Sektors zu verringern. Für Generationen von Entwicklungsökonomen, die auf Lewis' Erkenntnissen aufbauten, bedeutete das "Problem der Entwicklung", Menschen und Ressourcen aus dem traditionellen Sektor, der Landwirtschaft und dem ländlichen Raum, in den modernen Sektor, die Industrie und die Städte zu verlagern.
Südafrika war eines der deutlichsten BeiSpiele: gespalten in einen traditionellen Sektor, der rückständig und arm war, und einen modernen Sektor, der lebhaft und wohlhabend war. Auch heute noch ((s) 2017) ist die von Lewis identifizierte duale Wirtschaft überall in Südafrika anzutreffen.
Acemoglu I 259
AcemogluVsLewis, Arthur: Nach dieser Perspektive sollte es bei der wirtschaftlichen Entwicklung also einfach darum gehen, dafür zu sorgen, dass aus der Transkei ((n) der weniger entwickelte Teil) schließlich Natal wird. An dieser Perspektive ist viel Wahres dran, aber ihr fehlt die ganze Logik, wie die duale Wirtschaft entstanden ist, sowie ihre Beziehung zur modernen Wirtschaft. Die Rückständigkeit der Transkei ist nicht nur ein historisches Überbleibsel der natürlichen Rückständigkeit Afrikas. Die Doppelwirtschaft zwischen der Transkei und Natal ist in der Tat noch recht jung und alles andere als natürlich.
Die Ursachen: Sie wurde von den weißen Eliten Südafrikas geschaffen, um ein Reservoir an billigen Arbeitskräften für ihre Unternehmen bereitzustellen und die Konkurrenz der Schwarzafrikaner zu verringern. Die duale Wirtschaft ist ein weiteres BeiSpiel für eine geschaffene Unterentwicklung, jedoch nicht für eine Unterentwicklung, wie sie auf natürliche Weise entstanden ist und über Jahrhunderte fortbestand.
Acemoglu I 270
Die duale Wirtschaft Südafrikas fand 1994 ein Ende. Aber nicht aus den Gründen, über die Sir Arthur Lewis theoretisierte. Es war nicht der natürliche Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung, der den Farbbalken und die Homelands beendete. Schwarze Südafrikaner protestierten und erhoben sich gegen das Regime, das ihre Grundrechte nicht anerkannte und die Gewinne des Wirtschaftswachstums nicht mit ihnen teilte. Nach dem Soweto-Aufstand von 1976 wurden die Proteste organisierter und stärker und brachten schließlich den Apartheidstaat zu Fall. Es war die Ermächtigung der Schwarzen, die es schafften, sich zu organisieren und aufzusteigen, was letztlich die duale Wirtschaft Südafrikas beendete, so wie sie von der politischen Macht der Weißen Südafrikas überhaupt erst geschaffen worden war.

1. Lewis, W. Arthur (1954). “Economic Development with Unlimited Supplies of Labour.” Manchester School of Economic and Social Studies 22: 139–91.

Acemoglu II
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006

Acemoglu I
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012
Entwicklungsländer Lewis Acemoglu I 258
Entwicklungsländer/duale Ökonomie/Arthur Lewis/Acemoglu/Robinson: Das Paradigma der "dualen Ökonomie", das ursprünglich 1955 von Sir Arthur Lewis(1) vorgeschlagen wurde, prägt immer noch die Art und Weise, wie die meisten Sozialwissenschaftler über die wirtschaftlichen Probleme weniger entwickelter Länder denken. Lewis zufolge haben viele weniger entwickelte oder unterentwickelte Volkswirtschaften eine duale Struktur und sind in einen modernen und einen traditionellen Sektor unterteilt. A. Der moderne Sektor, der dem höher entwickelten Teil der Wirtschaft entspricht, wird mit dem städtischen Leben, der modernen Industrie und dem Einsatz fortschrittlicher Technologien in Verbindung gebracht.
B. Der traditionelle Sektor wird mit dem ländlichen Leben, der Landwirtschaft und "rückständigen" Institutionen und Technologien in Verbindung gebracht. Zu den rückständigen landwirtschaftlichen Institutionen gehört der gemeinschaftliche Besitz von Land, was das Fehlen privater Eigentumsrechte an Land impliziert.
Arbeit: Laut Lewis wurde die Arbeit im traditionellen Sektor so ineffizient eingesetzt, dass sie dem modernen Sektor zugewiesen werden konnte, ohne die Produktionsmenge des ländlichen Sektors zu verringern. Für Generationen von Entwicklungsökonomen, die auf Lewis' Erkenntnissen aufbauten, bedeutete das "Problem der Entwicklung", Menschen und Ressourcen aus dem traditionellen Sektor, der Landwirtschaft und dem ländlichen Raum, in den modernen Sektor, die Industrie und die Städte zu verlagern.
Südafrika z.B. war eines der deutlichsten BeiSpiele, gespalten in einen traditionellen Sektor, der rückständig und arm war, und einen modernen Sektor, der lebhaft und wohlhabend war. Auch heute noch ((s) 2017) ist die von Lewis identifizierte duale Wirtschaft überall in Südafrika anzutreffen.
Acemoglu I 259
AcemogluVsLewis, Arthur: Nach dieser Perspektive sollte es bei der wirtschaftlichen Entwicklung also einfach darum gehen, dafür zu sorgen, dass aus der Transkei ((s) der weniger entwickelte Teil) schließlich Natal wird. An dieser Perspektive ist viel Wahres dran, aber ihr fehlt die ganze Logik, wie die duale Wirtschaft entstanden ist, und ihre Beziehung zur modernen Wirtschaft. Die Rückständigkeit der Transkei ist nicht nur ein historisches Überbleibsel der natürlichen Rückständigkeit Afrikas. Die Doppelwirtschaft zwischen der Transkei und Natal ist in der Tat noch recht jung und alles andere als natürlich.
Die Ursachen: Sie wurde von den weißen Eliten Südafrikas geschaffen, um ein Reservoir an billigen Arbeitskräften für ihre Unternehmen zu schaffen und die Konkurrenz der Schwarzafrikaner zu verringern. Die duale Wirtschaft ist ein weiteres BeiSpiel für eine geschaffene Unterentwicklung, nicht für eine Unterentwicklung, wie sie auf natürliche Weise entstanden ist und über Jahrhunderte fortbestand.
Acemoglu I 270
Die duale Wirtschaft Südafrikas fand 1994 ein Ende. Aber nicht aus den Gründen, über die Sir Arthur Lewis theoretisierte. Es war nicht der natürliche Verlauf der wirtschaftlichen Entwicklung, der den Farbbalken und die Homelands beendete. Schwarze Südafrikaner protestierten und erhoben sich gegen das Regime, das ihre Grundrechte nicht anerkannte und die Gewinne des Wirtschaftswachstums nicht mit ihnen teilte. Nach dem Soweto-Aufstand von 1976 wurden die Proteste organisierter und stärker und brachten schließlich den Apartheidstaat zu Fall. Es war das Empowerment der Schwarzen, die es schafften, sich zu organisieren und aufzusteigen, das letztlich die duale Wirtschaft Südafrikas beendete, so wie sie von der politischen Macht der Weißen Südafrikas überhaupt erst geschaffen worden war.

1. Lewis, W. Arthur (1954). “Economic Development with Unlimited Supplies of Labour.” Manchester School of Economic and Social Studies 22: 139–91.

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991

Acemoglu II
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006

Acemoglu I
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012
Erkenntnistheorie Quine XII 86/87
Erkenntnistheorie/Quine: die Erkenntnistheorie hat a) eine begriffliche Seite: ist die Erklärung von Begriffen durch Begriffe. Und b) eine Geltung/Gültigkeit: durch die Wahrheit.
II 35
Bei der Erkenntnistheorie geht es um die Frage, wie wir Tiere es fertig gebracht haben, angesichts des skizzenhaften neuralen Inputs gerade diese ((s) höchst differenzierte) Wissenschaft hervorzubringen. Diese Untersuchung zeigt, dass Verschiebungen durch die >Stellvertreterfunktion diesem Input nicht minder gerecht geworden wären. Das heißt nicht, die Ontologie abzulehnen. Wir können sie ablehnen!
II 36
Wahrheit darf dabei nicht mit Belegen verwechselt werden. Die Wahrheit ist immanent und darüber gibt es nichts. Siehe auch >Naturalisierte Erkenntnistheorie.
V 15
Berkeley/traditionelle Erkenntnistheorie: ein Problem stellt sich mit der Frage: woher wissen wir, dass es überhaupt Gegenstände gibt und dass die Wissenschaft wahr ist?
V 16
Quine: die Einführung der physischen Sinnesorgane wäre ihnen als Zirkel erschienen.
V 17
Erkenntnistheorie/Quine: der emanzipierte Erkenntnistheoretiker arbeitet als empirischer Psychologe (mit Reizen statt Sinnesdaten, aber mit Verzicht auf die Gestalttheorie). VsGestalttheorie: es geht um den Zusammenhang der Reize mit den Rezeptoren, nicht mit dem Bewusstsein.
V 38
Erkenntnistheorie/Quine: die Erkenntnistheorie erweckt eine Hauptfrage: wenn unsere Theorie der Außenwelt wahr ist, wie konnten wir jemals auf sie kommen?
X 12
Induktive Logik/Quine: die induktive Logik ist nicht von der Erkenntnistheorie zu unterscheiden.
X II 86
Erkenntnistheorie/Quine: die Erkenntnistheorie können wir hier analog zur Mathematik betrachten: so wie die Mathematik auf Logik oder auf Logik + Mengenlehre reduziert werden soll, soll empirisches Wissen irgendwie auf Sinneserfahrung gegründet werden. >Sinneseindrücke/Quine.
XII 87
a) begrifflich Seite: der Begriff des Körpers ist von der Sinneserfahrung her zu erklären b) Geltung, Gültigkeit, Wahrheit: unser Wissen über die Natur ist von der Sinneserfahrung her zu rechtfertigen.
Erkenntnistheorie/Hume: die Erkenntnistheorie hat a) eine begriffliche Seite: hier setzte er schlankweg Körper mit Sinneserfahrungen gleich. D.h. ein Apfel ist in jedem Moment ein neuer Apfel.
b) Geltung, Gültigkeit, Wahrheit: hier scheiterte Hume und wir haben bis heute keine Lösung.
Problem: allgemeine Aussagen und auch singuläre Aussagen über die Zukunft Gewinnen nichts an Gewissheit dadurch, dass man sie so verstand, als sprächen sie über Sinneseindrücke.
Quine: wir stehen heute noch vor dem gleichen Problem wie Hume. Dagegen gab es auf der begrifflichen Seite Fortschritte. Lösung: Bentham:
XII 88
Def Theorie der Fiktionen/Kontextdefinition/ganze Sätze/Wort/holophrastisch/Bentham/Quine: Bentham entdeckte die Def Kontextdefinition/Bentham/Quine: (Vs normale Definition): um einen Term zu erklären, brauchen wir nicht einen Bezugsgegenstand, ja nicht einmal ein synonymes Wort oder Wendung anzugeben, wir müssen nur zu zeigen, wie alle vollständigen Sätze zu übersetzen sind, die den Term enthalten. >Unvollständige Symbole/Quine.
Erkenntnistheorie/Quine: außer der Kontexttheorie wurde die Erkenntnistheorie durch die Mengenlehre bereichert. Dann braucht man weder Körper mit Sinnesdaten gleichzusetzen, noch Kontextdefinitionen:
XII 89
Def Gegenstand/Quine: die Lösung ist, Gegenstände als Mengen von Mengen von Sinneseindrücken zu verstehen, dann kann es eine Kategorie von Gegenständen geben, die sich gerade der Eigenschaften erfreut, die Körper haben sollen. Vs: das ist nicht so unangreifbar wie die Kontextdefinition, wegen des Rückgriffs auf die problematische Ontologie der Mengen.
Erkenntnistheorie/Geltung/Gültigkeit/QuineVsCarnap: Humes Problem, dass allgemeine Aussagen und Aussagen über Zukunft ungewiss sind, wenn sie als über Sinnesdaten oder Sinneseindrücke verstanden werden, ist bis heute ungelöst. >Realität/Quine.
Carnap/Quine: seine Konstruktionen hätten ermöglicht, alle Sätze über die Welt in Sinnesdaten bzw. Beobachtungsbegriffe plus Logik und Mengenlehre zu übersetzen.
XII 90
QuineVsCarnap: die bloße Tatsache, dass ein Satz mit logischen, mengentheoretischen und Beobachtungstermen ausgedrückt ist, bedeutet nicht, dass er sich mit logischen und mengentheoretischen Mitteln aus Beobachtungssätzen beweisen ließe. ((s) Ausdrucksmittel sind keine Beweismittel. (> innen/außen, Beschreibungsebene, Zirkel).
Erkenntnistheorie/Quine: Pointe: die Wahrheiten über die Natur mit der vollen Autorität der unmittelbaren Erfahrung ausstatten zu wollen, ist ebenso zum Scheitern verurteilt wie die Rückführung der Wahrheiten der Mathematik auf die potentielle Einsichtigkeit der elementaren Logik. >Erkenntnistheorie/Carnap.
XII 91
Erkenntnistheorie/Psychologie/Quine: wenn Sinnesreizungen (Reize) das einzige sind, warum sollte man sich nicht einfach der Psychologie zuwenden? >Zirkularität/Quine. TraditionVsPsychologie/Quine: das erschien früher zirkulär.
Kein Zirkel/QuineVsVs: Lösung: wir müssen bloß darauf verzichten, die Wissenschaft aus Beobachtungen zu deduzieren. Wenn wir nur die Verbindung von Beobachtung und Wissenschaft verstehen wollen, brauchen wir jede Information, die wir bekommen können. Auch die aus der Wissenschaft, die genau diese Verbindung untersucht. Siehe >Rationale Rekonstruktion.
XII 98
Erkenntnistheorie/Quine: die Erkenntnistheorie besteht fort, und zwar innerhalb der Psychologie und damit innerhalb der empirischen Wissenschaften. Sie studiert das menschliche Subjekt. Das Ziel ist es, herauszufinden wie die Beobachtung zur Theorie steht und in wieweit die Theorie über die Beobachtung hinausgeht. >Psychologie/Quine.
XII 99
Erkenntnistheorie/Quine: Erkenntnistheorie alt: wollte die empirischen Wissenschaften gewissermaßen einschließen, aus Sinnesdaten zusammenbauen.
Erkenntnistheorie neu: jetzt ist umgekehrt die Erkenntnistheorie Teilgebiet der Psychologie.
BeiSpiele für "Dialektik" (Bezeichnung von (s)):
Quine: gleichzeitig bleibt das alte Verhältnis bestehen: die Erkenntnistheorie ist in den empirischen Wissenschaften eingeschlossen und gleichzeitig diese in der Erkenntnistheorie. ((s) Die Erkenntnistheorie studiert das Subjekt und das Subjekt studiert die Erkenntnistheorie.)
Das ist kein Zirkel, weil wir den Traum aufgegeben haben, die gesamte Wissenschaft aus Sinnesdaten zu deduzieren.
Damit löst sich auch das alte Rätsel des Sehens. Siehe auch Sehen/Quine.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
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From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Erlebnisse Dilthey Gadamer I 67
Erlebnis/Dilthey/Gadamer: Etwas wlrd zum Erlebnls, sofern es nicht nur erlebt wurde, sondern sein Erlebtsein einen besonderen Nachdruck hatte, der ihm bleibende Bedeutung verleiht. Was in dieser Weise ein ist, gewinnt vollends einen neuen Seinsstand im Ausdruck der Kunst. Diltheys berühmt gewordener Buchtitel „Das Erlebnis und die Dichtung“ bringt diesen Zusammenhang aufeine einprägsame Formel. In der Tat ist es Dilthey gewesen, der zuerst dem Worte eine begriffliche Funktion zuwies, das bald zu einem beliebten Modewort und zur Bezeichnung eines so einleuchtenden Wertbegriffs aufsteigen sollte, daß viele europäische Sprachen es als Fremdwort übernommen haben.
Gadamer I 68
Diltheys Goethe-Aufsatz lässt uns (...) in die unbewusste Vorgeschichte des Wortes zurückblicken, weil dieser Aufsatz in der Fassung von 1877(1) und in der späteren Bearbeitung von „Das Erlebnis und die Dichtung“ (1905) vorliegt. Dilthey vergleicht in diesem Aufsatz Goethe mit Rousseau, und um Rousseaus neuartiges Dichten aus der Welt seiner inneren Erfahrungen zu beschreiben, wendet er den Ausdruck „das Erleben“ an. In der Paraphrase eines Rousseau-Textes findet sich dann die Wendung »die Erlebnisse früherer Tage«(2). DiltheyVsRationalismus: Die Wortprägung evoziert offenkundig die Kritik am Rationalismus der Aufklärung, die im Ausgang von Rousseau den Begriff des Lebens zur Geltung brachte. Es dürfte der Einfluss Rousseaus auf die deutsche Klassik sein, der den Maßstab des "Erlebtseins" in Kraft setzte und damit die Wortbildung "Erlebnis" ermöglichte.
Leben/Idealismus/Gadamer: Der Begriff des Lebens bildet
Gadamer I 69
aber auch den metaphysischen Hintergrund, der das spekulative Denken des deutschen Idealismus trägt, und spielt bei Fichte wie bei Hegel, aber auch bei Schleiermacher eine fundamentale Rolle. Gegenüber der Abstraktion des Verstandes ebenso wie gegenüber der Partikularität der Empfindung oder Vorstellung impliziert dieser Begriff die Verbindung zur Totalität, zur Unendlichkeit. Gadamer: Das ist in dem Ton, den das Wort Erlebnis bis zum heutigen Tage hat, deutlich vernehmbar. >Erlebnis/Historische Entwicklung/Gadamer, >Gegebenes/Dilthey.
Gadamer I 71
Dilthey/Gadamer: Die Sinngebilde, denen wir in den Geisteswissenschaften begegnen, mögen uns noch so fremd und unverständlich gegenüberstehen - sie lassen sich auf letzte Einheiten des im Bewußtsein Gegebenen zurückführen, die selber nichts Fremdes, Gegenständliches, Deutungsbedürftiges mehr enthalten. Es sind die Erlebniseinheiten, die selber Sinneinheiten sind.
Empfindung/DiltheyVsMach/DiltheyVsCarnap/Gadamer: [Es war für Diltheys] Denken von entscheidender Bedeutung (...), dass als letzte Bewusstseinseinheit nicht sensation oder Empfindung genannt wird, wie das im Kantianismus und noch in der positivistischen Erkenntnistheorie des 19. Jahrhunderts bis zu Ernst Mach selbstverständlich war, sondern daß Dilthey dafür sagt. Er begrenzt damit das konstruktive Ideal eines Aufbaus der Erkenntnis aus Empfindungsatomen und stellt ihm eine schärfere Fassung des Begriffs des Gegebenen entgegen. >Leben/Dilthey.


1. Zeitschrift für Völkerpsychologie, Bd. X; cf. die Anmerkung Diltheys zu »Goethe
und die dichterische Phantasie« (Das Erlebnis und die Dichtung, S. 468 ff.).
2. Das Erlebnis und die Dichtung, 6. Aufl., S. 219; cf. Rousseau, Les Confessions,
Partie Il, Livre 9. Die genaue Entsprechung lässt sich nicht nachweisen. Offenbar handelt
es sich nicht um eine Übersetzung, sondern ist eine Paraphrase der bei Rousseau zu
lesenden Schilderung.

Dilth I
W. Dilthey
Gesammelte Schriften, Bd.1, Einleitung in die Geisteswissenschaften Göttingen 1990

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Experimentelle Ökonomik Smith Parisi I 78
Experimentelle Ökonomik/Vernon Smith/Sullivan/Holt: Smiths Ansatz zur Untersuchung des Marktgleichgewichts bestand darin, einen Markt für ein künstliches Gut zu schaffen. Käufer in Smiths Markt bewerteten die Ware, weil die Regeln des Experiments ihnen erlaubten, jede "Einheit" der Ware, die sie kauften, gegen Bargeld einzulösen und so die Differenz zwischen einem zugewiesenen Rückkaufswert und dem ausgehandelten Preis für jeden Kauf zu verdienen. Die Verkäufer bewerteten den Handel in ähnlicher Weise, weil sie die Differenz zwischen dem ausgehandelten Verkaufspreis und einer jeder Einheit der Ware zugewiesenen Kostennummer verdienten. Diese induzierten Werte erlaubten es Smith, die beobachteten Transaktionen mit dem Walras'schen Preis zu vergleichen, der Angebot und Nachfrage auf seinem Markt tatsächlich ausglich. ((s) >Gleichgewicht/Walras). Das Experiment war bemerkenswert, weil es zeigte, dass Märkte mit guten Informationen über Gebote, Nachfragen und Verkaufspreise zur Gleichgewichtsvorhersage konvergieren - sogar mit einer kleinen Anzahl von Händlern und ohne öffentliche Informationen über die Werte und Kosten anderer. Anpassungen des experimentellen Ansatzes an andere Situationen folgten schnell und flossen schließlich in die ebenfalls expandierende Literatur der Rechts- und Wirtschaftswissenschaften ein. >Law and Economics/Sullivan/Holt, >Induced Value Theory/Wirtschaftstheorien.
Parisi I 89
Es wird seit langem vermutet, dass Versuchspersonen in Experimenten unter bestimmten Umständen durch persönliche Präferenzen über abstrakte Ergebnisse, wie z.B. den Gewinn eines Spiels, adäquat und angemessen angespornt werden können (Smith, 1976(1), S. 277). Sullivan/Holt: Die deutliche Besorgnis, die viele Menschen über das Ableben von Charakteren in fiktiven Geschichten und Fernsehsendungen äußern - abgebildet auf die Ergebnisse von fiktiven Prozessparteien in Scheinstreitigkeiten - unterscheidet sich vielleicht nicht so sehr von den Präferenzen, die tatsächliche Geschworene über die "realen", aber in vielerlei Hinsicht nicht weniger hypothetischen Ergebnisse der ihnen vorliegenden Fälle haben. Es ist jedoch Vorsicht geboten, da die Motivation der Probanden durch den Kontext gleichzeitig dazu führen kann, dass die Überzeugungen oder wahrgenommenen Werte der Probanden in einer Weise verzerrt werden, die die theoretischen Vorhersagen ungültig macht oder zumindest verschleiert. Andererseits können solche Verzerrungen von begrenztem Interesse sein, wenn sie nicht mit den Behandlungsbedingungen korreliert sind. >Rechtsprechung/Experimentelle Ökonomik, >Risikowahrnehmung/Ökonomische Theorien, >Strategisches Wählen/Experimentelle Ökonomik.


1. Smith, V. L. (1976). “Experimental economics: Induced value theory.” American Economic Review 66(2): 274–279.


Sullivan, Sean P. and Charles A. Holt. „Experimental Economics and the Law“ In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

EconSmith I
Adam Smith
The Theory of Moral Sentiments London 2010

EconSmithV I
Vernon L. Smith
Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Falschinformation Kranton Kranton I 421
Falschinformation/Fake News/Kranton: ((s) Der Begriff "Fake News" wird von den zitierten Autoren nicht verwendet). Die individuellen Gewinne der Mittler hängen von einer kollektiven Entscheidung ab, wie beispielsweise der Wahl eines Kandidaten oder der Genehmigung des Einsatzes einer neuen Technologie. Die kollektive Entscheidungsfindung ist als stilisierte "Abstimmung" modelliert, die den erwarteten Nutzen der einzelnen Akteure aus der Entscheidung widerspiegelt. Einige Mittler sind unvoreingenommen und bevorzugen, dass die Entscheidung korrekt mit dem wahren Zustand der Welt übereinstimmt. (>Terminologie/Kranton). Andere Mittler sind voreingenommen und bevorzugen eine bestimmte Entscheidung, unabhängig vom tatsächlichen Zustand. (Solche Mittler könnten persönlich von der Entscheidung profitieren.) Mittler haben zunächst eine eigene Einstellung über den wahren Zustand. Ein zufällig ausgewählter Mittler erhält möglicherweise genaue Informationen über den wahren Zustand. Dieser Mittler, dessen Identität nicht bekannt ist, kann eine falsche oder wahre Botschaft erzeugen - ein Gerücht über den Zustand der Welt. Voreingenommene Mittler haben den Anreiz, eine falsche Nachricht zu erzeugen. Mittler, die eine Nachricht erhalten, machen Rückschlüsse auf die Wahrhaftigkeit der Nachricht und entscheiden, ob sie diese weitergeben oder nicht, um zu beeinflussen, wie andere über das kollektive Ergebnis abstimmen. >Falschinformation/Wirtschaftstheorien.
Kranton I 423
In einem Satz von Modellen verbreiten sich Meinungen wie Krankheiten, d.h. Individuen werden durch den Kontakt mit einem anderen Mittler mit dieser Krankheit infiziert (nehmen eine Meinung an) (siehe z.B. Kapitel 7 von Jackson, 2008)(1). Solche Diffusionsprozesse werden auch in den Bereichen Informatik, statistische Physik und Soziologie untersucht. In solchen Modellen sind voreingenommene Mittler immer dann besser dran, wenn es mehr von ihnen gibt (...). In einem zweiten Satz von Modellen baut die Meinungsbildung in sozialen Netzwerken auf DeGroot (1974)(2) auf. Mittler, mit möglicherweise unterschiedlichen früheren Einstellungen, "tauschen" wiederholt ihre Überzeugungen mit ihren Nachbarn aus und nehmen eine Statistik (z.B. den gewichteten Durchschnitt) der Meinungen ihrer Nachbarn an. Solche Mittler berücksichtigen nicht die Wiederholung von Informationen, die sich über ein Netzwerk ausbreiten können, was zu Überzeugungsvorurteilen im Sinne von DeMarzo et al. (2003)(3) führt.
Kranton I 436
Allgemeine Netzwerke/Kommunikation/Bloch/Demange/Kranton: Wir identifizieren drei wesentliche vereinfachende Annahmen, die die Analyse des allgemeinen Netzwerks ähnlich der Analyse eines Baumes darstellen. 1. Wenn Mittler eine Nachricht senden, senden sie die Nachricht an alle ihre Nachbarn (außer demjenigen, von dem sie die Nachricht erhalten haben). Die Kommunikation ist multicast, und Mittler können nicht endogen wählen, auf welchem Weg sie die Nachricht versenden möchten.
2. Die Zeit, die eine Nachricht benötigt, um sich auf einem Weg zu bewegen, ist proportional zur Länge des Weges. Diese Annahme ist notwendig, um zu gewährleisten, dass die Mittler die Mittler, von denen sie die Nachricht beim ersten Mal erhalten, als diejenigen Mittler identifizieren können, die sich in kürzester Entfernung im Netzwerk befinden. Ohne diese Annahme müssten Mittler komplexe Berechnungen durchführen, um den Satz von Mittlern zu identifizieren, von denen sie die Nachricht beim ersten Mal erhalten.
3. (Am wichtigsten ist, dass) Mittler allein entscheiden, ob sie die Nachricht beim ersten Empfang weitersenden oder nicht; das heißt, obwohl eine Nachricht einen Mittler auf mehreren Wegen erreichen könnte und ein Mittler daher mehrere Nachrichten empfangen könnte, ignorieren sie alle Nachrichten außer der ersten. >Netzwerkmodelle/Kranton, >Kommunikationsmodelle/Kranton, >Kommunikationsfilter/Kranton, >Falschinformation/Wirtschaftstheorien, >Terminologie/Kranton.



1. JACKSON, M., Social and Economic Networks (Princeton: Princeton University Press, 2008).
2. DEGROOT,M. H., “Reaching a Consensus,” Journal of the American Statistical Association 69 (345) (1974), 118–21.
3. DEMARZO, P. M.,D.VAYANOS, AND J. ZWEIBEL, “Persuasion Bias, Social Influence, and Uni-Dimensional Opinions,” Quarterly Journal of Economics 113 (3) (2003), 909–68.



Francis Bloch, Gabrielle Demange & Rachel Kranton, 2018. "Rumors And Social Networks," International Economic Review, Department of Economics, University of Pennsylvania and Osaka University Institute of Social and Economic Research Association, vol. 59(2), pages 421-448.

Kranton I
Rachel E. Kranton
Francis Bloch
Gabrielle Demange,
Rumors And Social Networks 2018

Kranton II
Rachel E. Kranton
George A. Akerlof
Identity Economics: How Our Identities Shape Our Work, Wages, and Well-Being Princeton 2011
Filterblasen Pariser I 16
Filterblasen/filter bubbles/Pariser: Google Instant errät seit Herbst 2011, wonach man sucht und vervollständigt Anfragen automatisch. Eric Schmidt glaubt, dass die Nutzer möchten, dass Google ihnen sagt, was sie als Nächstes tun sollen. (1)
I 17
Filterblasen/Pariser: nenne ich das, was Prognosemaschinen für jeden von uns erschaffen, ein ganz eigenen Informationsuniversum. So verändern sie auf fundamentale Weise, wie wir an Ideen und Informationen gelangen (… ) die Filterblasen bringen neue Dynamiken ins Spiel (…) Wir sitzen allein in einer Blase, da geteilte Informationen
I 18
die Voraussetzung für geteilte Erfahrungen sind, wirkt die Filter Bubble als Zentrifugalkraft und treibt uns auseinander.
I 21
Wir werden bald alle personalisierte Suchfilter benutzen, ob wir es wissen oder nicht.
I 22
In der Blase gibt es weniger Raum für zufällige Begegnungen durch die wir Einsichten gewinnen und lernen können.
I 62
Nachrichten/Fake News/Falschmeldungen/Problem: was ist, wenn die Nachrichtenlandschaft so stark fragmentiert wird, dass Richtigstellungen von falschen Nachrichten oder Lügen den einzelnen nicht mehr erreichen?
I 66
Verantwortung/Pariser: Filterblasen kennen – im Gegensatz zu Zeitungen – keine öffentliche Verantwortung, obwohl sie Rollen in der Nachrichtenbranche übernehmen. Medien/Zwischeninstanzen/Pareles/Pariser: nach einer These des New York Times-Kritikers Jon Pareles entfernt das Internet eine Zwischeninstanz zwischen den Bürgern und den Nachrichten, eine Rolle, die zuvor die Medien innegehabt hatten. (2)
I 68
PariserVsPareles: diese „Disintermediation“ ist wohl eher ein Mythos als eine Tatsache. In Wirklichkeit werden die neuen Gatekeeper nur unsichtbar.
I 82
Korruption/Shirky/Pariser: Clay Shirky fragt: Wie kann man Politikern noch damit drohen, Alarm zu schlagen, wenn es zu korrupt wird? (3) – Pariser: früher kam so etwas auf die Titelseite, aber das kann man heute vergessen, weil es eine solche Titelseite nicht mehr gibt, wenn Nachrichten persönlich zugeschnitten werden.
I 115
Problem/Pariser: aus einem personalisierten Filter kann man nicht herauszoomen. (Siehe auch Wissen/Pariser).
I 125
Filter/Identität/Personalisierte Suche/Pariser: die personalisierte Suche verkennt die Tatsache, dass wir zu verschiedenen Zeiten oder in verschiedenen Situationen verschiedene Identitäten haben. Es gibt z.B. ein Arbeits-Ich, ein Freizeit-Ich, ein Wusch-Ich und ein Jetzt-Ich.
I 126
Die Filterblase hat es aber nur mit dem Jetzt-Ich zu tun, das gerade klickt.
I 129
Andere Analysemethoden bringen aber Unterschiede hervor, sogenannte „Stimmungsanalyse“ kann erschließen, welche Laune man an den Tag legt. Das wird aus der Wortwahl in Posts, SMS und Emails festgestellt.

1. James Farrar, »Google to End Serendipity (by Creating It)«, ZDNet, 17. 08. 2010, aufgerufen am 19.12. 2010, www.zdnet.com/blog/sustainability/google-to-end-serendipity-by-creating-it/1304
2. John Pareles, »A World of Megabeats and Megabytes«, New York Times, 30.12. 2009, aufgerufen am 11.12. 2010, www.nytimes.com/2010/01/03/arts/music/03tech.html
3. Jay Rosen im Interview mit Clay Shirky, Video, Chapter 5 »Why Study Media?«, NYU Primary Sources, New York 2011, aufgerufen am 09. 02. 2011, http://nyuprimarysources.org/video-library/jay-rosen-and-clay-shirky/

Pariser I
Eli Pariser
The Filter Bubble: How the New Personalized Web Is Changing What We Read and How We Think London 2012
Freie Software Benkler Benkler I 321
Freie Software/Software/Industrieländer/Entwicklungsländer/Benkler: Im Rahmen der Entwicklung hat freie Software das Potenzial, zwei verschiedene und bedeutende Rollen zu spielen. Die erste ist der kostengünstige Zugang zu leistungsstarker Software für Entwicklungsländer. Zweitens geht es darum, das Potenzial für die Teilnahme an Softwaremärkten auf der Grundlage menschlicher Fähigkeiten zu schaffen, auch ohne Zugang zu einem Bestand an exklusiven Rechten an bestehender Software. Derzeit gibt es sowohl in den Entwicklungsländern als auch in den am weitesten entwickelten Volkswirtschaften eine Bewegung, um die Abhängigkeit von freier Software zu erhöhen. Im Jahr 2000 in den Vereinigten Staaten riet die Presidential Technology Advisory Commission dem Präsidenten, die Verwendung von freier Software in unternehmenskritischen Anwendungen zu erhöhen, und untermauerte dies mit der hohen Qualität und Zuverlässigkeit solcher Systeme. In dem Maße, in dem Qualität, Zuverlässigkeit und einfache Selbstanpassung mit bestimmten freien Softwareprodukten konsequent besser sind, sind sie für Regierungen von Entwicklungsländern aus den gleichen Gründen attraktiv wie für die Regierungen von Industrieländern. Im Kontext der Entwicklungsländer sind die wichtigsten zusätzlichen Argumente, die vorgebracht wurden, Kosten, Transparenz, Unabhängigkeit von dem Verlassen auf einer einzigen ausländischen Quelle (read, Microsoft) und das Potenzial der lokalen Softwareprogrammierer, das Programm zu erlernen, Fähigkeiten zu erwerben und somit leicht in den globalen Markt mit Dienstleistungen und Anwendungen für Freie Software einzutreten. Freie
I 322
Software kann eine Vorauszahlung beinhalten oder auch nicht. Auch wenn dies nicht der Fall ist, ist es trotzdem nicht kostenlos. Freie Software ermöglicht jedoch einen offenen Markt für die Wartung freier Software, was wiederum die Kosten für die Wartung der Software im Laufe der Zeit verbessert und senkt. Wichtiger noch, weil die Software zugänglich für alle ist und weil Entwicklergemeinschaften oft multinational sind, können lokale Entwickler die Software lernen und zu relativ kostengünstigen Software-Dienstleistern für ihre eigene Regierung werden. Andere Argumente für die öffentliche Beschaffung freier Software konzentrieren sich auf den Wert der Transparenz von Software, die für öffentliche Zwecke verwendet wird.
Der letzte und ganz entscheidende potenzielle Gewinn ist die Möglichkeit, einen Kontext und einen Anker für einen auf Service basierenden Bereich der freien Softwareentwicklung zu schaffen. Software-Dienstleistungen stellen eine sehr große Branche dar. In den Vereinigten Staaten sind Software-Dienstleistungen eine Branche, die etwa doppelt so groß ist wie die Film- und Videoindustrie. Softwareentwickler aus Ländern mit niedrigem und mittlerem Einkommen können am wachsenden Segment der freien Software dieses Marktes partizipieren, indem sie ihre Fähigkeiten allein nutzen.
>Software/Stallman, >Open-Source-Software.

Benkler I
Yochai Benkler
The Wealth of Networks: How Social Production Transforms Markets and Freedom New Haven 2007
Freiheit Sen Brocker I 880
Freiheit/Sen: »wesentliche Freiheit« (»substantive freedom«): eine Theorie des politischen Mit- und Füreinander, welche kosmopolitische Pflichten der gegenwärtig lebenden Menschen gegenüber ihrer Mitwelt, Umwelt und Nachwelt aus dem Prinzip individueller Freiheit begründet.
Brocker I 884
Das Fundament unserer sozialen Wirklichkeit muss die freie Entscheidung aller über Wert und Unwert ihrer Optionen bilden. Die Wirtschaftswissenschaften müssen deshalb von der Idee der Freiheit her konzipiert werden. (1) Vgl. >Märkte/Sen. Sen will daher die Frage nach geeigneten Parametern wirtschaftlichen Erfolgs über gesellschaftliche Debatten und »öffentliche Diskussion« klären.(2) Ökonometrische Ziele sollen demokratisch festgelegt werden – und nicht umgekehrt technokratische Messgrößen die Wirtschaftspolitik diktieren.
Anstatt ökonomische Wertmaßstäbe in den Prämissen und Axiomen der Ökonometrie zu verstecken, sollen sie sichtbar gemacht, öffentlich diskutiert und durch »verantwortliche Sozialwahl« abgesegnet oder verworfen werden.(3) Welche Werte und Ziele den Vorrang haben sollen, muss dabei – im Interesse der Freiheit – von Gesellschaft zu Gesellschaft, von Ort zu Ort und von Zeit zu Zeit neu ausgehandelt werden. >Utilitarismus/Sen.
Brocker I 886
Freiheit manifestiert sich nicht bloß durch eine Wahl zwischen (vorgegebenen) Alternativen, sondern immer auch in der Wahl von (potentiell besseren) Alternativen und in der Suche nach ihnen. Deswegen schätzt Sen die Tradition der Theorien »positiver Freiheit«.(4) SenVsNeoliberalismus: Theorien negativer Freiheit missverstehen, so Sen, dass es oft weniger auf die private Kontrolle über Handlungsräume ankommt als auf deren Ausgestaltung.
Brocker I 887
Allerdings koaliert Sen insofern also mit Verteidigern negativer Freiheit, als er wie diese jedwede Beglückungsdiktatur ablehnt, die Menschen Lebenschancen auf Kosten ihrer staatsbürgerlichen staatsbürgerlichen Freiheiten verspricht. Das Recht auf Besitz und Eigentum zum Beispiel darf keinesfalls als dem Recht, nicht gefoltert oder getötet zu werden, gleichwertig behandelt werden.(5) Ebensolche Differenzierungen aber werden verwehrt, wenn Libertäre beide Rechte gleichrangig als »Nebenbedingungen« individueller Freiheit behandeln. >Neoliberalismus/Sen.
SenVsNozick: ein Freiheitsschutz, der nur auf Verfahren, nie auf Endresultate achtet, kann kontra-intuitive Ergebnisse zeitigen.
I 888
Negative Freiheit/Sen: Warum (…) ist die Theorie negativer Freiheit trotz ihrer augenfälligen Mängel noch immer so verbreitet? Ein rein formaler Freiheitsbegriff lässt sich leichter quantifizieren und einer mathematisierten Ökonomik einpassen. Man zählt einfach Optionen und identifiziert jeden Zuwachs derselben mit Freiheitsgewinn. SenVsNegative Freiheit: Jede Wahlentscheidung muss »nicht allein bezüglich der Zahl der verfügbaren Wahlmöglichkeiten beurteilt werden, vielmehr ist auch deren Attraktivität in Anschlag zu bringen«.(6) Eine rein formale Theorie der Freiheit läuft daher ins Leere.
Brocker I 889
Nicht nur sind einige wenige gute Optionen einer Auswahl aus zahllosen scheußlichen Möglichkeiten sicher sicher vorzuziehen; oftmals führt auch erst quantitatives Reduzieren zur qualitativen Verbesserung von Wahlmöglichkeiten.(7) Zugang zu sinnvollen Optionen zu haben, steht und fällt zudem klarerweise mit der Möglichkeit, in Koordination mit anderen die eigenen Präferenzen sowie Lebenschancen zu evaluieren und in Kollaboration mit ihnen zu verändern. Dreigliedriges Freiheitsmodell/Senn: 1. Möglichkeitsaspekt, der sich auf unsere Lebenschancen richtet, 2. Prozessaspekt: untersucht, wie diese zustande kommen. 3. „Wesentliche Freiheit“ (substantive freedom): hier werden diese beiden Aspekte verbunden.
Def Wesentliche Freiheit/Sen: 1. politische Freiheiten, 2. ökonomische Einrichtungen, 3. soziale Chancen, 4. Transparenzgarantien und 5. soziale Sicherheit.(8)



1. Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen. Wege zu Gerechtigkeit und Solidarität in der Marktwirtschaft, München 2000, S. 44
2. Ebenda S. 100.
3. Ebenda S. 137
4. A.Sen, Rationality and Freedom, Cambridge, Mass./London 2002, S. S. 509 5. Ebenda S. 636
6. Sen 2000 S. 146
7. Sen 2002, S. 602 8. Sen 2000, S. 52-54

Claus Dierksmeier, „Amartya Sen, Ökonomie für den Menschen (1999)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

EconSen I
Amartya Sen
Collective Choice and Social Welfare: Expanded Edition London 2017

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Gefangenendilemma Hofstadter II 781
Gefangenen Dilemma: 1950 von Melvin Dresher und Merrill Flood von der Rand Corporation). Bsp Klassische Form: zwei Gefangene werden getrennt verhört. Problem: Logik verhindert die Kooperation. Die Annahme über das Verhalten des Anderen bringt einen dazu, etwas Schlechteres zu tun, als für beide gut wäre, aber es fehlt ja die Sicherheit.

BeiSpiel-Varianten, die die Vorstellung erleichtern: Ein einmaliges Geschäft mit jemand, den man nie wiedersieht, Deponieren von Geldsäcken im Wald, jeder wird versuchen zu betrügen, nachdem ihm klar ist, dass der Andere (Unbekannte) es genauso versuchen wird. Die psychologische Vorstellung von der persönlichen Bekanntschaft der beiden Gefangenen verunklart das Problem.
Bsp' Das Geschäft mit dem deponierten Geld kann wiederholt werden, "Wiederholungs- Gefangenendilemma: Es gibt hier keine allgemein beste Strategie.
Gefangenendilemma: Implikationen: Frage: Kann es in einer Welt von Egoisten zur Kooperation kommen? Wie kann sie überhaupt entstehen, Können Kooperationsstrategien besser überleben? Kann Kooperation aus Nicht Kooperation hervorgehen?

II 784
Robert Axelrod: 1979: veranstaltete fernschriftliches Turnier, bei dem verschiedene Strategien des Wiederholungs-Gefangenen-Dilemmas gegeneinander antreten sollten. Gewinner: das Programm "AUGE UM AUGE" von Anatol Rapoport: "Kooperiere in der ersten Runde, dann mach alles, was der andere Spieler beim vorangegangenen Spielzug gemacht hat." Dieses Programm siegte immer wieder, sogar bei Wiederholungen des Wettbewerbs.
Allerdings ist das Optimum nur eine Pattsituation. Gewinnen kann keiner! Das Programm nötigt den anderen zu einem Verhalten, bei dem beide gut abschneiden.

II 789
Strategie: Echoeffekte sollten minimiert werden. Eine intelligente Analyse muss mindestens drei Schritte weit gehen. In der Reaktion auf Ausstiegsaktionen der Gegenseite kann man die vorhergehende eigene Strategie wiederholen oder gar ausweiten. Wiederholungs-Gefangenendilemma: wenn man den anderen überhaupt nicht beeinflussen kann, sollte man in der ersten Runde aussteigen! Das hat strenggenommen zur Folge, dass bei einer Autowerkstatt, die man auf einer weiten Reise aufsucht, die Arbeit nicht ausgeführt werden sollte.
II 797
Kooperation: In einer Welt von Egoisten kann beiderseitige Kooperation durchaus ohne zentrale Kontrolle entstehen, sofern nur eine Gruppe von Individuen da ist, die auf Gegenseitigkeit setzen.
II 801
Bsp Jemand versteigert eine Dollarnote für 3.40! Das war das Ergebnis einer Spielregel, (die die Teilnehmer zu spät verstanden), nach der der Meistbietende die Dollarnote erhielt, zugleich aber der zweite die zuletzt von ihm gebotene Summe zu zahlen hatte.

Hofstadter I
Douglas Hofstadter
Gödel, Escher, Bach - ein Endloses Geflochtenes Band Stuttgart 2017

Hofstadter II
Douglas Hofstadter
Metamagicum München 1994
Gegenstände Hegel Höffe I 328
Dies/hier/jetzt/Phänomenologie/Hegel/Höffe: [am Anfang der Phänomenologie steht] das unmittelbare Wissen, die sinnliche Gewissheit. Nach ihrem Selbstverständnis hat sie von ihrem «Gegenstande noch nichts weggelassen», so dass sie als die umfassendste und «wahrhafteste» Erkenntnis erscheint. Sie richtet sich jedoch auf ein «Dieses» im «Jetzt» und «Hier». Dies/hier/jetzt/Hegel: Diese Wahrheit kann durch ihr Aufschreiben, erklärt Hegel, nicht verlorengehen: «Dieses hier und jetzt» kann zum BeiSpiel mein Stehpult um 9.30 Uhr in meinem Arbeitszimmer sein (...) und so weiter. Folglich liegt die Wahrheit des «Dieses» in allem «Diese», entsprechend die Wahrheit des «Jetzt» in allem Jetzt, mithin nicht in einer unmittelbaren, zugleich nichts weglassenden Wahrheit, sondern in einem inhaltslosen Allgemeinen.
Inhalt/Zeigen/Meinen: Dieses gewinnt erst dann einen Inhalt, wenn man das Ding meint, auf das man beim «Dieses» zeigt. Dieses Dinges, (...) ist man sich aber nicht mehr unmittelbar gewiss, sondern man nimmt es wahr, womit man die zweite Bewusstseinsstufe erreicht: Nach der sinnlichen Gewissheit von Diesem, Hier und Jetzt findet man sich auf der Stufe der Wahrnehmung eines Dinges.(1) >Wissen/Hegel.


1. Hegel, Phänomenologie des Geistes, 1807
Gegenstände Parsons Habermas IV 328
Gegenstand/Objekt/Parsons/Habermas: die physischen Gegenstände unterscheidet Parsons von den kulturellen anhand ihrer Identifikationsbedingungen. Physische Gegenstände sind Entitäten in Raum und Zeit, während symbolische Gegenstände kulturelle Muster darstellen, die tradiert, d.h. übertragen und angeeignet werden können, ohne ihre Bedeutung zu verändern. Die raumzeitliche Individuierung berührt nicht den semantischen Gehalt, sondern nur das materielle Substrat, indem das Bedeutungsmuster symbolisch Gestalt gewinnt. HabermasVsParsons: indem er Gegenstände ontologisch aus der Sicht des Subjekts kennzeichnet, entgeht ihm die wichtige Differenz zwischen raumzeitlich individuierten Gegenständen und symbolisch verkörperten Bedeutungen. Für Parsons bezieht sich der Handelnde daher auf kulturelle Muster wie auf Gegenstände. Diese Reifikation verstellt den Blick auf die Rolle, die die kulturelle Überlieferung als Kontext und Hintergrund für kommunikatives Handeln Spielt.
Habermas IV 329
Problem: die individuell spezifizierten Gegenstände können keine gemeinsame Basis für einen gemeinschaftlichen Interpretationsrahmen der Handlungssituation bilden.
Habermas IV 330
HabermasVsParsons: Parsons stellt zwar den kulturellen Bedeutungsmustern, die angeblich als „Gegenstand“ auftreten, jene Bestandteile der Kultur gegenüber, die verinnerlicht worden sind. Mit dieser Unterscheidung macht er aber die Reifikation der Kultur nicht rückgängig, er macht sie sogar erst recht fest.

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Geld Parsons Habermas IV 395
Geld/Medium/Parsons/Habermas: Geld als Kommunikationsmedium muss nach Parsons vier Gruppen von Merkmalen haben: 1. Strukturelle Merkmale: Geld hat die Eigenschaften eines Codes, mit dessen Hilfe Informationen übertragen werden können. Das geldmedium erlaubt die Erzeugung und Vermittlung symbolischer Ausdrücke mit eingebauter Präferenzstruktur. Sie können über ein Angebot informieren und zur Annahme veranlassen. Die Akzeptanz darf hier aber nicht auf der affirmativen Stellungnahme zu einem kritisierbaren Geltungsanspruch beruhen. Daher gilt der Mediencode nur Für eine abgegrenzte Klasse von Standardsituationen
Diese sind durch Interessenlagen definiert
Die Handlungsorientierungen der Beteiligten sind durch einen generalisierten Wert festgelegt
Der Andere (Alter)kann sich grundsätzlich zwischen zwei alternativen Stellungsnahmen entscheiden
Der Sender (Ego) kann diese Stellungnahmen durch Offerten steuern
Die Aktoren sind nur an den Konsequenzen von Handlungen orientiert.
Habermas IV 396
Durch die Umstellung auf mediengesteuerte Interaktionen gewinnen die Aktoren neue Freiheitsgrade. Siehe Freiheitsgrade/Parsons.
Habermas IV 396
2.Qualitative Eigenschaften: das Medium muss so beschaffen sein, dass es gemessen,
in beliebigen Größenordnungen veräußert und
gespeichert
werden kann.
Habermas IV 397
Medium/Parsons: ist zugleich Maß und Speicherung des Werts. Während eine sprachliche Äußerung nur in Verhältnis zum kontextabhängigen Informationsstand des Senders ((s) sic, eigentlich des Empfängers) einen messbaren Informationswert erhält, müssen Medien messbare Wert Mengen verkörpern, auf die sich, unabhängig von besonderen Kontexten, alle Teilnehmer als eine objektive Größe beziehen können. 3.Struktur von Anspruch und Einlösung: Geld ist weder eine Ware noch ein Produktionsfaktor, es symbolisiert Wertmengen. Es hat aber als Medium keinen ihm selbst innewohnenden Wert.
Habermas IV 398
Während im kommunikativen Handeln Gründe eingelöst werden, werden beim Geldmedium die durch den Code festgelegten nominellen Ansprüche, die in Tauschwerten ausgegeben werden, in realen Gebrauchswerten eingelöst. Unterschied zur Sprache: diese braucht keine weitere Beglaubigung. Geldwerte brauchen hingegen eine Deckung durch hinterlegte Reserven, letztlich durch eine institutionelle Verankerung. Dies ist notwendig, weil Geld nicht schon durch sein bloßes Funktionieren als Medium Vertrauen schafft. (Siehe Vertrauen/Habermas).
Habermas IV 399
4.Systembildender Effekt: Subsysteme/Habermas: Indikatoren für eine gelungene Bildung von Subsystemen sind: Die krisenhaften Schwankungen im quantitativen Verhältnis der vom Medium (hier: Geld) verkörperten Werte und der durch sie vertretenen Realwerte (also die Dynamik von Inflation und Deflation) - Die reflexive Aufstufung des Medium, die beispielweise Kapitalmärkte ermöglicht. (Siehe Subsysteme/Habermas).

ParCh I
Ch. Parsons
Philosophy of Mathematics in the Twentieth Century: Selected Essays Cambridge 2014

ParTa I
T. Parsons
The Structure of Social Action, Vol. 1 1967

ParTe I
Ter. Parsons
Indeterminate Identity: Metaphysics and Semantics 2000

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Gerüchte Kranton Kranton I 421
Gerüchte/Sunstein/Bloch/Demange/Kranton: (Def) Gerüchte sind in der Definition des Wörterbuches Meinungen, die von Person zu Person verbreitet werden, mit unsicherer Wahrhaftigkeit und möglicherweise keiner erkennbaren Quelle(1). In einem prominenten Buch dokumentiert Cass Sunstein (2009)(2) die Verbreitung von Gerüchten, ihren öffentlichen Nutzen und ihre Gefahren. Es gibt Gerüchte über die Wirksamkeit von Impfstoffen, den Geburtsort von Präsidentschaftskandidaten, die Korrektheit von Politikern, die Erfindung von Daten in der akademischen Forschung und die Integrität von Kommunal- und nationalen Wahlen. Gerüchte/Mittler: Die individuellen Gewinne der Mittler hängen von einer kollektiven Entscheidung ab, wie beispielsweise der Wahl eines Kandidaten oder der Genehmigung des Einsatzes einer neuen Technologie. Die kollektive Entscheidungsfindung ist als stilisierte "Abstimmung" modelliert, die den erwarteten Nutzen der einzelnen Akteure aus der Entscheidung widerspiegelt. Einige Mittler sind unvoreingenommen und bevorzugen, dass die Entscheidung korrekt mit dem wahren Zustand der Welt übereinstimmt. Andere Mittler sind voreingenommen und bevorzugen eine bestimmte Entscheidung, unabhängig vom tatsächlichen Zustand. (Solche Mittler könnten persönlich von der Entscheidung profitieren.) Mittler haben Vorurteile über den wahren Zustand. Ein zufällig ausgewählter Mittler erhält möglicherweise genaue Informationen über den wahren Zustand. Dieser Mittler, dessen Identität nicht bekannt ist, kann eine falsche oder wahre Botschaft erzeugen - ein Gerücht über den Zustand der Welt. Voreingenommene Mittler haben den Anreiz, eine falsche Nachricht zu erzeugen. Mittler, die eine Nachricht erhalten, machen Rückschlüsse auf die Wahrhaftigkeit der Nachricht und entscheiden, ob sie diese weitergeben oder nicht, um zu beeinflussen, wie andere über das gemeinsame Ergebnis abstimmen. >Falschinformation/Wirtschaftstheorien, >Netzwerkmodelle/Kranton, >Kommunikationsmodelle/Kranton, >Kommunikationsfilter/Kranton.

1. Webster’s English dictionary and Oxford English dictionary.
2. SUNSTEIN, CASS R., On Rumors: How Falsehoods Spread (New York: Farrar, Straus and Giroux, 2009).


Francis Bloch, Gabrielle Demange & Rachel Kranton, 2018. "Rumors And Social Networks," International Economic Review, Department of Economics, University of Pennsylvania and Osaka University Institute of Social and Economic Research Association, vol. 59(2), pages 421-448.

Kranton I
Rachel E. Kranton
Francis Bloch
Gabrielle Demange,
Rumors And Social Networks 2018

Kranton II
Rachel E. Kranton
George A. Akerlof
Identity Economics: How Our Identities Shape Our Work, Wages, and Well-Being Princeton 2011
Gerüchte Sunstein Kranton I 421
Gerüchte/Sunstein/Bloch/Demange/Kranton: (Def) Gerüchte sind in der Wörterbuch-Definition Meinungen, die von Person zu Person verbreitet werden, mit unsicherer Wahrhaftigkeit und möglicherweise keiner erkennbaren Quelle(1). In einem prominenten Buch dokumentiert Cass Sunstein (2009)(2) die Verbreitung von Gerüchten, ihren öffentlichen Nutzen und ihre Gefahren. Es gibt Gerüchte über die Wirksamkeit von Impfstoffen, den Geburtsort von Präsidentschaftskandidaten, die Korrektheit von Politikern, die Erfindung von Daten in der akademischen Forschung und die Integrität von Kommunal- und nationalen Wahlen. Gerüchte/Mittler: Die individuellen Gewinne der Mittler hängen von einer kollektiven Entscheidung ab, wie beiSpielsweise der Wahl eines Kandidaten oder der Genehmigung des Einsatzes einer neuen Technologie. Die gemeinsame Entscheidungsfindung ist als stilisierte "Abstimmung" modelliert, die den erwarteten Nutzen der einzelnen Akteure aus der Entscheidung widerspiegelt. Einige Mittler sind unvoreingenommen und bevorzugen, dass die Entscheidung mit dem wahren Zustand der Welt übereinstimmt. Andere Mittler sind voreingenommen und bevorzugen eine bestimmte Entscheidung, unabhängig vom tatsächlichen Zustand.
(Solche Mittler könnten persönlich von der Entscheidung profitieren.) Mittler haben Vorurteile über den wahren Zustand. Ein zufällig ausgewählter Mittler erhält möglicherweise genaue Informationen über den wahren Zustand. Dieser Mittler, dessen Identität nicht bekannt ist, kann eine falsche oder wahre Nachricht erzeugen - ein Gerücht über den Zustand der Welt. Voreingenommene Mittler haben den Anreiz, eine falsche Nachricht zu erzeugen. Mittler, die eine Nachricht erhalten, machen Rückschlüsse auf die Wahrhaftigkeit der Nachricht und entscheiden, ob sie diese weitergeben oder nicht, um zu beeinflussen, wie andere über das gemeinsame Ergebnis abstimmen. >Fehlinformationen/Wirtschaftstheorien, >Netzwerkmodelle/Kranton, >Kommunikationsmodelle/Kranton, >Kommunikationsfilter/Kranton.



1. Webster’s English dictionary and Oxford English dictionary.
2. SUNSTEIN, CASS R., On Rumors: How Falsehoods Spread (New York: Farrar, Straus and Giroux, 2009).


Francis Bloch, Gabrielle Demange & Rachel Kranton, 2018. "Rumors And Social Networks," International Economic Review, Department of Economics, University of Pennsylvania and Osaka University Institute of Social and Economic Research Association, vol. 59(2), pages 421-448.

Sunstein I
Cass R. Sunstein
Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge Oxford 2008

Sunstein II
Cass R. Sunstein
#Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media Princeton 2017

Kranton I
Rachel E. Kranton
Francis Bloch
Gabrielle Demange,
Rumors And Social Networks 2018

Kranton II
Rachel E. Kranton
George A. Akerlof
Identity Economics: How Our Identities Shape Our Work, Wages, and Well-Being Princeton 2011
Gleichheit Singer I IX
Gleichheit/Equality/Tier/Mensch/Gleiche Rechte/Ethik/P. Singer: These: mein Buch Practical Ethics bekämpft die Einstellung, alle Mitglieder der menschlichen Spezies hätten höherrangige Rechte allein wegen ihrer Zugehörigkeit zu dieser Spezies. P. SingerVs: es wäre unphilosophisch, jegliche Vergleiche über eine Spezies hinaus zu verbieten. Hierbei geht es um Unrecht, das wir Tieren und Schäden, die wir unserer Umwelt zufügen.
I 16
Gleichheit/Equality/Ethik/P. Singer: was bedeutet es eigentlich, wenn wir sagen, dass alle Menschen gleich sind? Problem: je stärker wir Einzelfälle untersuchen, desto mehr schwindet der Glaube an die universelle Gültigkeit des Grundsatzes der Gleichheit. Bsp
Intelligenz/Jensen/Eysenk/P. Singer: (Debatte in den 70er Jahren zwischen Arthur Jensen, Psychologe UC Berkeley und Hans Jürgen Eysenk, Psychologie an der Universität London):
I 17
Frage: inwieweit Varianzen von Intelligenz von genetischen Differenzen abhängen. Dieser Streit wurde wieder aufgegriffen von Herrnstein/Murray The Bell Curve, 1994.
Rassismus: die Kritiker dieser Autoren sagen, deren Thesen würden, wenn sie begründet wären, Rassendiskriminierung rechtfertigen. Haben sie recht?
Ähnliches Problem: war Larry Summers ein Sexist als er – damals Präsident der Harvard Universität – biologische Faktoren geltend machte im Zusammenhang mit Schwierigkeiten, mehr Frauen auf Lehrstühle in Mathematik und Wissenschaften zu berufen?
Ähnliche Frage: sollten benachteiligte Gruppen besondere eine bevorzugte Behandlung beim Zugang zu Arbeitsplätzen oder zur Universität bekommen?
P. Singer: Unterschiede zwischen Geschlechtern und Unterschiede zwischen Begabungen bestehen auf jeden Fall.
Bereichseigenschaft/range property/John Rawls: (in Rawls, Theory of Justice) wen n man zu einem Bereich gehört, hat man einfach die Eigenschaft, zu diesem Bereich zu gehören und alle innerhalb des Bereichs haben diese Eigenschaft gleichermaßen.
I 18
Gleichheit/Rawls/P. Singer: Rawls These: eine moralische Einstellung ist die Grundlage für Gleichheit. VsRawls: 1. man könnte einwenden, dass das eine graduelle Angelegenheit ist.
2. Kleine Kinder sind nicht fähig dazu, eine moralische Persönlichkeit zu haben.
Lösung/Rawls: kleine Kinder sind potentiell moralische Persönlichkeiten.
I 19
VsRawls: Rawls bietet keine Lösung für Personen mit irreparablen Beeinträchtigungen.
I 20
Leiden/Interesse/Dritte Person/P. Singer: Problem: wir müssen erklären, ob der Schmerz einer gewissen Person weniger unerwünscht ist als der einer anderen Person.
I 20
Interesse/P. Singer: Prinzip: wenn es um Gleichheit geht, sollten wir Interessen als Interessen gewichten und nicht als Interessen von Personen, als meine oder jemand anderes Interessen. Wenn dann X mehr durch eine Handlung verliert als Y gewinnt, sollte die Handlung nicht ausgeführt werden.
I 21
Dann spielt die Rasse keine Rolle mehr bei der Abwägung von Interessen. Das ist der Grund, warum die Nazis sich falsch verhielten: ihre Politik war nur auf den Interessen der arischen Rasse gegründet.

SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015
Gleichheitszeichen Quine IX 9
Gleichheitszeichen/Quine: "=" ist ein zweistelliges Prädikat.
IX 10
Zeichen/Zeichenvorrat/Theorie/Quine: jede Theorie hat ein Grundvokabular aus primitiven Prädikaten, vielleicht per definitionem eingeführt. Meist gibt es nur endlich viele, dann brauchen wir das Gleichheitszeichen "=" nicht dazuzuzählen. Denn wir können es dann mit Hilfe der übrigen definieren. ((s) "primitiv" heißt nicht "einstellig").
Gleichheitszeichen/Quine: Angenommen, das einzige Grundprädikat einer Theorie sei "φ". Dann können wir "=" durch die folgende Erklärung von "x = y" definieren:

(1) ∀z[(φxz ‹› φyz) u (φzx ‹› φzy)].

Denn offensichtlich erweist sich "x= x" als einfaches BeiSpiel für ein gültiges Formelschema der Quantorenlogik.
Dasselbe trifft für alle Spezialfälle von "(x = y u F) ›Fy", insofern sie Aussage sind, die außer"φ" kein weiteres Prädikat enthalten.
Das sieht man so: man betrachte zunächst alle Ergebnisse, bei denen die von "Fx" und "Fy" dargestellten Aussagen sich nur an einer Stelle voneinander unterscheiden. der unmittelbare Kontext dieses einzigen Vorkommen muss dann entweder "φxv" und "φyv" oder "φvx" und "φvy" sein, wobei "v" irgendeine Variable bezeichnet, (vielleicht entweder x oder y).

IX 23
Individuen/Elementbeziehung/Extensionalitätsaxiom/Quine: Vorschlag: "x ε y", wenn x ein Individuum ist, sei wahr oder falsch, je nachdem, b x = y oder x ≠ y. So verschwindet das Problem, das Extensionalitätsaxiom auf Individuen anzuwenden.
"ε" von Individuen hat die Eigenschaft von "=". (Elementbeziehung von Individuen: Gleichheit! ( "ist Element von", "ist enthalten": wird zum Gleichheitszeichen vor Individuen).
IX 26
Bis dahin ist das Gleichheitszeichen nur zwischen Klassenabstraktionstermen definiert. Zwischen Variablen brauchen wir weitere Hilfsmittel ...+...
X 88
Logische Wahrheit/Struktur/Definition/Quine: unsere Definition der logischen Wahrheit bezog sich zwangsläufig auf die grammatische Struktur. Problem: diese Auffassung wird in Frage gestellt, wenn wir Identität (Identitätsprädikat „=“, Gleichheitszeichen) einführen.
Identität/logische Wahrheit/Quine: die Zurückführung der logischen Wahrheit auf grammatische Struktur wird in Frage gestellt, wenn die Identität eingeführt wird, weil Bsp „x = x“ oder „x = y“ unter Umständen keine logische Wahrheit ist, weil man nicht alles einsetzen kann. ((s) >Intension: wegen ihr sind nicht alle Identitätssätze logische Wahrheiten.
Quine: es geht darum, dass in einer logischen Wahrheit ein Prädikat durch ein anderes ersetzt werden können muss, aber das Gleichheitszeichen als Prädikat kann nicht durch andere Prädikate ersetzt werden.
Identität/Logik/Quine: Wahrheiten der Identitätstheorie
Bsp „x = x“, „Ey((x = y)“ oder „~(x = y . ~(y = x))“ ((s) Symmetrie der Identität)
eignen sich nicht als logische Wahrheiten gemäß unseren Definitionen der logischen Wahrheit.
Grund: sie können falsch werden, wenn man „=“ durch andere Prädikate ersetzt.
Konsequenz. Sollen wir die Identität also nicht zur Logik rechnen, sondern zur Mathematik? Und zwar zusammen mit „ ›“ und „ε“? >Semantischer Aufstieg/Quine.

III 268
Zwei verschiedene Bezeichnungen können für dasselbe Objekt stehen, wenn dazwischen das Gleichheitszeichen steht, ist die Gleichung wahr. Es wird damit nicht behauptet, dass die Bezeichnungen gleich seien!
III 271
Gleichheitszeichen/Quine: „=“ ist ein gewöhnlicher relativer Term. Das Gleichheitszeichen wird nötig, weil zwei Variable sich auf dasselbe oder auf verschiedene Objekte beziehen können.
Vom logischen Standpunkt aus ist der Gebrauch des Gleichheitszeichens zwischen Variablen fundamental, nicht der zwischen singulären Termini.
III 293
Gleichheitszeichen/Ausdruckskraft/stärker/schwächer/Quine: wir gewinnen auch dadurch an Ausdruckskraft, dass das Gleichheitszeichen überflüssig wird ((s) wenn wir Klassen einführen). Statt „x = y“ sagen wir , dass x und y zu genau denselben Klassen gehören. D.h. (a)(x ε a . bik . y ε a)
Identität/Mengen/Quine: die Identität von Klassen kann man gewissermaßen umgekehrt erklären: “a = b” bedeutet, daß a und b genau dieselben Elemente haben. Dann ist das Gleichheitszeichen einfach eine bequeme Abkürzung.
Kennzeichnung/Gleichheitszeichen/Quine: wenn wir das Gleichheitszeichen haben, können wir uns den Luxus leisten, Kennzeichnungen einzuführen, ohne sie als primitive Grundbegriffe rechnen zu müssen. Denn mit dem Gleichheitszeichen können wir eine Kennzeichnung aus jedem Satz eliminieren.
>Kennzeichnungen/Quine.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Grundrechte Politische Theorien Gaus I 214
Grundrechte/Wohlfahrtsstaat/Wohlfahrtsrechte/Politische Philosophie/Moon: (...) viele der Überlegungen, die zur Unterstützung starker Eigentumsrechte angeführt werden können, unterstützen auch Wohlfahrts- oder "positive" Rechte und können so zur Rechtfertigung der Umverteilungsaktivitäten eines Wohlfahrtsstaates herangezogen werden. Wenn wir darüber nachdenken, warum wir uns von der Idee angezogen fühlen, dass Menschen überhaupt Rechte haben, einschließlich eines (anfechtbaren) Rechts, nicht von anderen gezwungen zu werden, werden die Gründe, die uns wahrscheinlich einfallen werden, folgende Idee unterstützen: Menschen sollten bestimmte grundlegende Wohlfahrtsrechte, Rechte auf Güter und Dienstleistungen, die für das menschliche Funktionieren notwendig sind, haben. Nozick/Moon: Nozick bezieht sich zum BeiSpiel auf die Idee, dass Menschen in der Lage sind, ein sinnvolles Leben zu führen, und dass sie deshalb ein Recht darauf haben (oder haben sollten), nicht von anderen gezwungen zu werden, weil ein solches Recht notwendig ist, um diese grundlegende menschliche Fähigkeit zu schützen. Ich kann nur dann Projekte für mich selbst entwerfen und mein Leben so organisieren, dass ich diese Projekte verwirklichen und so einen Sinn in meinem Leben finden kann, wenn ich frei von Zwang durch andere bin: Sie können mich nicht zwingen, ihren Willen zu tun, anstatt meine eigenen Bestrebungen zu erfüllen.
Problem: Dies ist ein schlagkräftiges Argument, aber es ist ebenso wahr, dass ich für mein eigenes Leben nicht nur Schutz vor der Einmischung anderer, sondern auch Zugang zu den für das Leben selbst notwendigen Ressourcen benötige. Wenn diese Ressourcen als Privateigentum angeeignet werden können, dann könnte einer Person alles, was einem anständigen Leben ähnelt, oder sogar das Leben selbst vorenthalten werden, weil es ihr an den notwendigen Ressourcen fehlt.
Grundrechte/Waldron: Jeremy Waldron (1993(1): 309-38) nennt das BeiSpiel einer obdachlosen Person in einer Umgebung, in der sich das gesamte Land und alle anderen Einrichtungen wie Toiletten oder Schlafplätze in Privatbesitz befinden. Unter diesen Umständen wäre sie (hier: die Person) nicht in der Lage, zu leben oder zumindest zu leben, ohne die "Rechte" einer anderen Person zu verletzen. Aber welchen Grund hätte sie, eine Verpflichtung anzuerkennen, nicht
Gaus I 215
das zu nehmen, was sie brauchte, wenn ihr Leben davon abhing? Es ist schwer einzusehen, warum Menschen, die die Möglichkeit erkennen, dass sie verarmen könnten, Grund haben sollten, ein System von Eigentumsrechten zu akzeptieren, das sie in solch einer verzweifelten Notlage zurücklassen könnte. Eigentumsrechte: Wie Waldron (1993(1): Kap. I und passim) argumentiert, wäre das einzige System von Eigentumsrechten, das alle einen Grund zur Zustimmung hätten, ein System, das sicherstellt, dass niemandem lebenswichtige Ressourcen vorenthalten werden müssen, und der naheliegende Weg, dies zu erreichen, wäre die Besteuerung von Grundbesitz, damit der Staat bei Bedarf lebenswichtige Güter und Dienstleistungen oder zumindest ein Mindesteinkommen zur Verfügung stellen kann.
Sozialer Mindeststaat/Moon: Diese Argumentationslinie unterstützt das, was man einen sozialen Mindeststaat nennen könnte, nicht unbedingt einen institutionellen Wohlfahrtsstaat. Das Kernargument ist, dass einige grundlegende menschliche Werte - die Idee eines sinnvollen Lebens, der persönlichen Autonomie oder des Lebens selbst - nur dann verwirklicht (oder zumindest garantiert) werden können, wenn es staatliche Programme gibt, die ein ausreichendes Einkommen zumindest für den Lebensunterhalt bieten.
Wohlfahrtsstaat/Soziales Minimum/Hayek: F. A. Hayek zum BeiSpiel ist als Kritiker des Wohlfahrtsstaates bekannt, aber er akzeptiert die Idee eines sozialen Minimums, indem er argumentiert, dass die Bürgerinnen und Bürger das Gefühl haben könnten, dass es "eine klare moralische Verpflichtung aller gibt, innerhalb der organisierten Gemeinschaft denen zu helfen, die sich nicht selbst helfen können", und dass die Gesellschaft daher "ein einheitliches Mindesteinkommen ... außerhalb des Marktes" für diejenigen bereitstellen könnte, die mittellos sind (1976(2): 87).**
Politische Theorien: Andere haben argumentiert, dass die Menschen vorpolitische Wohlfahrtsrechte haben, auf allen Vieren mit den "negativen" Rechten auf Nichteinmischung wie dem Recht auf körperliche Unversehrtheit, und dass es in der Verantwortung der Regierung liegt, diese Rechte zu sichern.
Wohlfahrtsrechte/Politische Philosophie: Die Ansicht, dass wir Wohlfahrtsrechte haben, die in gewissem Sinne vorpolitisch sind und vom Staat die Bereitstellung verschiedener Güter und Dienstleistungen verlangen, ist mit bekannten Schwierigkeiten verbunden. Die Standards, die den Umfang solcher Rechtsansprüche definieren, sind notorisch vage. Plant: Raymond Plant et al. (1980)(3) z.B. stützen positive Rechtsansprüche auf "Bedürfnisse", aber was sind die Grenzen des Bedarfs? Vielleicht "brauche" ich eine enorm teure Art medizinischer Behandlung, um mein Leben zu verlängern, wenn auch nur für einige Tage, aber ist es plausibel zu sagen, dass ich ein Recht auf eine solche Behandlung habe?
Dworkin: Ronald Dworkin argumentiert, dass die traditionelle Praxis der Medizin auf dem "Rettungsprinzip" basieren könnte, was diese Frage bejaht: Es besagt, dass wir so viel wie möglich [für die Gesundheitsfürsorge] ausgeben sollten, bis der nächste Dollar keinen Gewinn an Gesundheit oder Lebenserwartung mehr bringen würde", aber er besteht darauf, dass keine vernünftige Gesellschaft versuchen würde, diesen Standard zu erreichen" (2000(4): 309): Das würde bedeuten, dass zu viele konkurrierende Güter geopfert werden müssten, einschließlich anderer Rechtsansprüche, wie das Recht auf Bildung oder einen minimalen Lebensstandard.
Gewirth: Alan Gewirth sieht positive Rechtsansprüche als implizit in der Verpflichtung zu menschlichem Handeln - eine Verpflichtung, die man notwendigerweise eingeht, wenn man irgendeine vorsätzliche Handlung ausführt, denn dies setzt voraus, dass man sich selbst als Akteur sieht und damit implizit an jene Bedingungen gebunden ist, die für die Ausübung von Handlungen notwendig sind, wozu auch der Zugang zu bestimmten Ressourcen gehört. (...) Wenn ich meine Bedürfnisse nicht aus eigener Kraft befriedigen kann, haben andere die Verpflichtung, mich "positiv zu unterstützen" (1978(5): 134).
Moon: Aber nach welchen Maßstäben sollen sie bestimmen, was eine angemessene Anstrengung meinerseits darstellt?
Holmes/Sunstein: Diese Bedenken sind vielleicht nicht ausschlaggebend für die Ablehnung der Idee der grundlegenden Wohlfahrtsrechte, aber sie bedeuten, dass eine Spezifizierung dieser Rechte unmöglich ist, solange es keinen politischen Prozess gibt, durch den die Normen für die Verantwortung und die Kompromisse zwischen den widersprüchlichen Nutzungen bestimmt werden können (siehe Holmes und Sunstein, 1999)(6). Und da diese Rechte nur durch einen politischen Prozess spezifiziert werden können, ist es unplausibel, sie als Festlegung eines vorpolitischen Gerechtigkeitsstandards zu betrachten, dem dieser politische Prozess entsprechen muss. >Verteilungsgerechtigkeit/Wohlfahrtsökonomik.

* Vgl. Lomasky (1987)(3) für eine auf Rechten basierende Verteidigung eines Minimal-Wohlfahrtsstaates, der die Menschen besteuert, um einen Mindestlebensstandard für alle zu gewährleisten.
** Obwohl er dem Wohlfahrtsstaat im Allgemeinen kritisch gegenübersteht, scheint Hayek bestimmte Formen der öffentlichen Versorgung und Pflichtversicherung zuzulassen (1960(4):285-394).


1. Waldron, Jeremy (1993) Liberal Rights. Cambridge: Cambridge Umversity Press.
2. Hayek, Friedrich (1976). The Mirage of Social Justice. Chicago: University of Chicago Press.
3. Plant, Raymond, H. Lesser and P. Taylor-Gooby (1980) Political Philosophy and Social Welfare: Essays on the Normative Basis of Welfare Provision. London: Routledge and Kegan Paul.
4. Dworkin, Ronald (2000) Sovereign Virtue. Cambridge, MA: Harvard University Press.
5. Gewirth, Alan (1978) Reason and Morality. Chicago: University of Chicago Press.
6. Holmes, Stephen and Cass Sunstein (1999) The Cost of Rights. New York: Norton.

Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Haftung Calabresi Parisi I 19
Haftung/Eigentum/Calabresi/Melamed/Miceli: Der Klassiker von Calabresi und Melamed (1972)(1) befasst sich mit der Art und Weise, wie einmal übertragene Rechte oder Ansprüche rechtlich geschützt und übertragen werden.
Parisi I 20
Sie unterschieden zwischen ... Eigentumsregeln: ... nach denen ein Anspruch nur übertragen werden kann, wenn der Inhaber des Anspruchs zustimmt; und ...
Haftungsregeln: ..., wonach eine Partei, die ein Recht erwerben will, dies ohne die Zustimmung des Inhabers tun kann, sofern sie bereit ist, eine Entschädigung für den Verlust des Inhabers zu zahlen.* Eigentumsregeln bilden also die Grundlage für den (freiwilligen) Markttausch, während ...
Haftungsregeln die Grundlage für den legalen (erzwungenen) Tausch bilden.
Märkte: Da der Markttausch einvernehmlich ist, gewährleistet er einen gegenseitigen Nutzen bzw. die Realisierung von Gewinnen aus dem Handel.
Recht/Eigentumsregeln: Die Rolle des Rechts bei solchen Transaktionen ist auf die Durchsetzung von Eigentumsrechten und den vertraglichen Austausch von Ansprüchen beschränkt. Mit anderen Worten: Das Recht ist komplementär zu den Märkten, um eine effiziente Ressourcenallokation zu fördern.
Recht/Haftungsregeln: Im Falle von Haftungsregeln hingegen übernimmt das Gesetz die primäre Rolle, einen Austausch des Anspruchs zu den vom Gericht diktierten Bedingungen zu erzwingen. Hier ist das Gesetz ein Ersatz für den Marktaustausch bei der Organisation der Übertragung von Ansprüchen, da die Verhandlungskosten freiwillige Übertragungen ausschließen.
Externalitäten/Haftung: Die Wahl zwischen Markt und juristischem Austausch hängt von der Abwägung zwischen den Transaktionskosten, die mit dem Aushandeln des Preises verbunden sind, und den Fehlern des Gerichts bei der Festlegung des Preises ab. >Coase-Theorem/Miceli.
Eigentumsregel/Miceli: (...) nehmen wir an, dass Landwirte, die entlang einer Eisenbahnstrecke liegen, das Recht haben, von Ernteschäden durch Funkenflug verschont zu bleiben, und dass dieses Recht durch eine Eigentumsregel geschützt ist. Die Eisenbahn müsste dann die Zustimmung aller Landwirte einholen, um Züge auf einer bestimmten Strecke fahren zu lassen, was aufgrund der hohen Verhandlungskosten wahrscheinlich dazu führen würde, dass überhaupt keine Züge fahren würden.
Haftungsregel: Würden die Rechte der Landwirte stattdessen durch eine Haftungsregel geschützt, die die Eisenbahn nur verpflichtet, die Landwirte für etwaige Schäden zu entschädigen, es den Landwirten aber nicht erlaubt, den Zugverkehr zu verhindern, würde die Eisenbahn den Schaden durch die Bemessung der Schadensersatzpflicht internalisieren, und sie würde die effiziente Anzahl von Zügen fahren.
Rechtliches Problem: Diese Regelung stellt das Gericht jedoch vor die schwere Aufgabe, den Schaden der Geschädigten genau zu bemessen. Wenn der Schaden unterschätzt wird, wird die Bahn zu viele Züge fahren lassen, und wenn der Schaden überschätzt wird, wird die Bahn zu wenige Züge fahren lassen.

* Calabresi und Melamed diskutieren auch eine dritte Regel, die sogenannte Unveräußerlichkeitsregel, die den Austausch eines Anspruchs unter allen Umständen verbietet, einschließlich des einvernehmlichen Austauschs. BeiSpiele hierfür sind der verfassungsmäßige Schutz bestimmter Grundrechte, wie Rede und Religion, sowie Gesetze, die den Verkauf von Organen, Kindern und kulturellen Artefakten verbieten.


1. Calabresi, Guido and A. Douglas Melamed (1972). “Property Rules, Liability Rules, and Inalienability: One View of the Cathedral.” Harvard Law Review 85: 1089–1128.


Miceli, Thomas J. „Economic Models of Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Horizont Gadamer I 307
Horizont/Gadamer: Alle endliche Gegenwart hat ihre Schranken. Wir bestimmen den Begriff der Situation eben dadurch, dass sie einen Standort darstellt, der die Möglichkeiten des Sehens beschränkt. Zum Begriff der Situation gehört daher wesenhaft der Begriff des Horizontes. Horizont ist der Gesichtskreis, der all das umfasst und umschließt, was von einem Punkt aus sichtbar ist. In der Anwendung auf das denkende Bewusstsein reden wir dann von Enge des Horizontes, von möglicher Erweiterung des Horizontes, von Erschließung neuer Horizonte usw. Insbesondere hat der philosophische Sprachgebrauch seit Nietzsche und Husserl(1) das Wort verwendet, um die Gebundenheit des Denkens an seine endliche Bestimmtheit und das Schrittgesetz der Erweiterung des Gesichtskreises dadurch zu charakterisieren. Wer keinen Horizont hat, ist ein Mensch, der nicht weit genug sieht und deshalb das ihm Naheliegende überschätzt. >Horizont/Husserl, >Wirkungsgeschichte/Gadamer.
I 309
Gibt es (...) zwei voneinander verschiedene Horizonte, den Horizont, in dem der Verstehende lebt, und den jeweiligen historischen Horizont, in den er sich versetzt? Ist die Kunst des historischen Verstehens dadurch richtig und zureichend beschrieben, dass man lerne, sich in fremde Horizonte zu versetzen? Gibt es überhaupt in diesem Sinne geschlossene Horizonte?
Lösung/Gadamer: Der Horizont ist vielmehr etwas, in das wir hineinwandern und das mit uns mitwandert. Dem Beweglichen verschieben sich die Horizonte. So ist auch der Vergangenheitshorizont, aus dem alles menschliche Leben lebt und der in der Weise der Überlieferung da ist, immer schon in Bewegung. Es ist nicht erst das historische Bewusstsein, das den umschließenden Horizont in Bewegung bringt. In ihm ist sich diese Bewegung nur ihrer selbst bewusst geworden. Wenn sich unser historisches Bewusstsein in historische Horizonte versetzt, so bedeutet das nicht eine Entrückung in fremde Welten, die nichts mit unserer eigenen verbindet, sondern sie insgesamt bilden den einen großen, von Innen her beweglichen Horizont, der über die Grenzen des Gegenwärtigen hinaus die Geschichtstiefe unseres Selbstbewusstseins umfasst. In Wahrheit ist es also ein einziger Horizont, der all das umschließt, was das geschichtliche Bewusstsein in sich enthält.
I 311
Verstehen:. Es gibt so wenig einen Gegenwartshorizont für sich, wie es historische Horizonte gibt, die man zu Gewinnen hätte. Vielmehr ist Verstehen immer der Vorgang der Verschmelzung solcher vermeintlich für sich seiender Horizonte.
I 392
Horizont/Gadamer: Def Horizontverschmelzung: [Es] handelt (...) sich im Verstehen ganz gewiss nicht um ein „historisches Verständnis“ das die Entsprechung des Textes rekonstruierte. Vielmehr meint man den Text selbst zu verstehen. Das bedeutet aber, dass die eigenen Gedanken des Interpreten in die Wiedererweckung des Textsinnes immer schon mit eingegangen sind. Insofern ist der eigene Horizont des Interpreten bestimmend, aber auch er nicht wie ein eigener Standpunkt, den man festhält oder durchsetzt, sondern mehr wie eine Meinung und Möglichkeit, die man ins Spiel bringt und aufs Spiel setzt und die mit dazu hilft, sich wahrhaft anzueignen, was in dem Texte gesagt ist.

1. Darauf hat ehedem H. Kuhn bereits hingewiesen. Vgl. „The Phenomenological Concept of „Horizon«“ (Philosophical Essays in Memory of Husserl, ed. M. Faber) Cambrigde 1940, S. 106—123.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Ich-Du-Verhältnis Gadamer I 363
Ich-Du-Verhältnis/Gadamer: Überlieferung ist (...) nicht einfach ein Geschehen, das man durch Erfahrung erkennt und beherrschen lernt, son-
I 364
dern sie ist Sprache, d. h. sie spricht von sich aus so wie ein Du. Ein Du ist nicht Gegenstand, sondern verhält sich zu einem. Erfahrung: A. Dass die Erfahrung des Du eine spezifische sein muss, sofern das Du kein Gegenstand ist, sondern sich selbst zu einem verhält, ist klar. Insofern werden die von uns hervorgehobenen Strukturmomente von >Erfahrung hier eine Abwandlung finden. Da hier der Gegenstand der Erfahrung selbst den Charakter der Person hat, ist solche Erfahrung ein moralisches Phänomen und das durch die Erfahrung erworbene Wissen, das Verstehen des anderen, ebenfalls. Nun gibt es eine Erfahrung des Du, die aus dem Verhalten des Mitmenschen Typisches heraussieht und auf Grund der Erfahrung Voraussicht des anderen gewinnt. Wir nennen das Menschenkenntnis. Moralisch gesehen bedeutet solches Verhalten zum Du die reine Selbstbezüglichkeit und widerstreitet der moralischen Bestimmung des Menschen.
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B. Eine zweite Weise der Erfahrung des Du und des Verstehens des Du besteht darin, dass das Du als Person anerkannt wird, das aber der Einbeziehung der Person in die Erfahrung des Du zum Trotz das Verstehen des Du eine Weise der Ichbezogenheit ist. Solche Selbstbezüglichkeit entspringt dem dialektischen Schein, den die Dialektik des Ich-Du-Verhältnisses mit sich führt.
Das Ich-Du-Verhältnis ist ja kein unmittelbares, sondern ein Reflexionsverhältnis. Allem Anspruch entspricht ein Gegenanspruch. Darin entspringt die Möglichkeit, dass jeder der Partner des Verhältnisses den anderen reflektierend überSpielt. Er beansprucht den Anspruch des anderen
von sich aus zu kennen, ja sogar ihn besser zu verstehen, als er sich selbst versteht. Damit verliert das Du die Unmittelbarkeit, mit der es seinen Anspruch an einen richtet. Es wird verstanden, d, h. aber vom Standpunkt des anderen aus antizipiert und reflektierend abgefangen.
Geschichtlichkeit: Die innere Geschichtlichkeit aller Lebensverhältnisse zwischen Menschen besteht darin, dass die gegenseitige >Anerkennung ständig umkämpft ist. Sie kann sehr verschiedene Grade der Spannung annehmen, bis zur völligen Beherrschung des einen Ichs durch das andere Ich.
Aber selbst die extremsten Formen von >Herrschaft und Knechtschaft sind ein echtes dialektisches Verhältnis von der Struktur, die Hegel herausgearbeitet hat.(1)
Bewusstsein/Selbstbewusstsein: Die Erfahrung des Du, die hier erworben wird, ist sachlich angemessener als die Menschenkenntnis, die den anderen nur zu berechnen sucht. Es ist
eine Illusion, im anderen ein schlechthin übersehbares und beherrschbares Werkzeug zu sehen. Selbst im Knecht ist noch der Wille zur Macht, der sich gegen den Herrn kehrt, wie Nietzsche richtig gesagt hat.(2) Diese Dialektik der Gegenseitigkeit, die alle Ich-Du-Verhältnisse beherrscht, ist aber dem Bewusstsein des einzelnen notwendig verdeckt. Der Diener, der seinen Herrn durch Dienen tyrannisiert, glaubt durchaus nicht, sich selbst darin zu wollen. Ja, das eigene Selbstbewusstsein besteht geradezu darin, sich der
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Dialektik dieser Gegenseitigkeit zu entziehen, sich selber aus der Beziehung zum anderen herauszureflektieren und dadurch von ihm unerreichbar zu werden. Indem man den anderen versteht, ihn zu kennen beansprucht, nimmt man ihm jede Legitimation seiner eigenen Ansprüche. Insbesondere die Dialektik der Fürsorge macht sich auf diese Weise geltend, indem sie alle mitmenschlichen Verhältnisse als eine reflektierte Form des Herrschaftsstrebens durchdringt.

1. Vgl. die ausgezeichnete Analyse dieser Reflexionsdialektik von Ich und Du bei Karl
Löwith, Das Individuum in der Rolle des Mitmenschen (1928) und meine Rezension
Logos X V 111 (1929), S. 436-440 Bd. 4 der Ges. Werke.
2. Also sprach Zarathustra Il (Von der Selbstüberwindung)

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Identitätspolitik Klein Brocker I 933
Identitätspolitik/Naomi klein: KleinVsIdentitätspolitik: diese hat der kapitalistischen Verwertung »großartige Markeninhalte und hervorragende Marketingstrategien« geliefert: »Wenn es Vielfalt war, was wir wollten, schienen die Marken zu sagen, dann würden wir auch Vielfalt bekommen«(1). Aus »freiwillige[r] Blindheit« habe die Frauen- und Bürgerrechtsbewegung durch Identitäts- und Repräsentationspolitik auf ihre »radikalökonomischen Fundamente« verzichtet: »Wir waren so sehr damit beschäftigt, die Projektionen auf der Wand zu analysieren, dass wir nicht merkten, wie die Wand selbst verkauft wurde«.(2)


1. Naomi Klein, No Logo: Taking Aim at the Brand Bullies, Toronto 2000. (Tenth Anniversary Edition with a New Introduction by the Author, New York 32010.) Dt.: Naomi Klein, No Logo! Der Kampf der Global Players um Marktmacht – Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, Frankfurt/M. 2015 (zuerst 2001) S. 123
2. Ebenda S. 136


Christine Bauhardt, „Naomi Klein, No Logo! (2000)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Imitation Politik Russlands Krastev I 78
Imitation/Politik Russlands/Krastev: Die Politik der Imitation im postkommunistischen Russland hat sich in drei verschiedenen Phasen entfaltet. >Imitation/Krastev: 1) Bereits in den 1990er Jahren war die Rechenschaftspflicht der Politiker gegenüber den Bürgern bei Wahlen inszeniert und illusorisch. Wäre das Jelzin-Regime rechenschaftspflichtig gewesen, hätte es 1993 nicht den Obersten Sowjet bombardiert, die Wahlen von 1996 gestohlen, die Volksabstimmung über das Wirtschaftsreformprogramm von Gaidar vermieden oder zugelassen, dass Russlands nationaler Reichtum von einer engen Gruppe künftiger Oligarchen mit der vollen Zustimmung von Boris Jelzin und seinem Team von "Reformern" geplündert wurde(1).
Nichtsdestotrotz erwies sich die Simulation von Demokratie als eine nützliche Möglichkeit für den Kreml, den Druck westlicher Regierungen und NGOs zu verringern (...).
Wladislaw Surkow: Die vielschichtigen politischen Institutionen, die Russland vom Westen übernommen hatte, werden manchmal als teilweise rituell angesehen und eingerichtet, um "wie der Durchschnitt" auszusehen, damit die Eigenheiten unserer politischen Kultur nicht zu viel Aufmerksamkeit von unseren Nachbarn auf sich zögen, sie nicht irritierten oder erschreckten. Sie sind wie ein Sonntagsanzug, den man anzieht, wenn man andere besucht, während man sich zu Hause anders kleidet(2).
Krastev I 79
2) Die zweite Phase, die sich nahtlos an die erste anschloss, begann um die Jahrtausendwende, als Putin die Präsidentschaft übernahm. Er fuhr fort, Wahlen zu organisieren, tat dies jedoch in erster Linie, um die russischen Bürger davon zu überzeugen, dass es keine tragfähigen Alternativen zu den derzeitigen Machthabern der Staatsmacht gibt. 3) Die dritte Phase, die einen radikaleren Bruch darstellt, lässt sich bis 2011-12 zurückverfolgen. Etwa zu dieser Zeit ging der Kreml aus zu diskutierenden Gründen zu einer Strategie der selektiven Spiegelung oder gewaltsamen Parodie westlichen außenpolitischen Verhaltens über, die darauf abzielte, die relative Schwäche des Westens angesichts der Kreml-Aggression aufzudecken und die normativen Grundlagen der von den USA geführten liberalen Weltordnung auszuhöhlen. Wir befinden uns heute immer noch in der dritten Phase.
Krastev I 88
(...) Die allzu optimistischen Westler hatten zwar Recht, dass Russland nach 1991 zur Imitation des Westens prädestiniert war, aber sie irrten sich in der Annahme, dass der Wunsch des Nachahmers, dem Vorbild ähnlich zu werden, der einzige Grund für die Imitation ist. Russland war zweifellos schwach, aber seine Eliten, abgesehen von einer Handvoll sozial isolierter und nicht repräsentativer Liberalen, waren nicht bereit, die Art moralischer Unterordnung zu akzeptieren, die von willigen Nachahmern eines anerkannten Vorgesetzten verlangt wird(3). Viele Mitglieder der politischen Elite Russlands träumten tatsächlich insgeheim von Rache, ohne Rücksicht auf strategische Gewinne. Wie der deutsche Kulturhistoriker Wolfgang Schivelbusch in seinem eleganten und aufschlussreichen Buch "Die Kultur der Niederlage" schrieb: "Verlierer imitieren Gewinner fast reflexartig". Aber eine solche Nachahmung ist nicht unbedingt respektvoll: "Der Kreditnehmer ist nicht an der Seele, dem Geist oder der kulturellen Identität der Gläubigernation interessiert", argumentierte er(4).
Krastev I 89
Krastev: Im Gegenteil, imitierende Politik kann im Wesentlichen kompetitiv und konflikthaft sein.
Krastev I 124
Imitation/Politik Russlands/Krastev: Da Heuchelei uns hilft, Konflikte zu vermeiden, indem sie beleidigende und verletzende Überzeugungen verbirgt, signalisieren Angriffe auf Heuchelei oft den Wunsch zu kämpfen. Das ist es, was Russlands Wechsel von der Simulation zur Verspottung - von der Fälschung demokratischer Rechenschaftspflicht im eigenen Land zum Hochhalten eines Spiegels für das Fehlverhalten der USA auf internationaler Ebene - so gefährlich macht. Der Wechsel war vermutlich nur möglich, weil das Bestreben, wie der Westen zu werden, von den mächtigen Kräften innerhalb Russlands nie wirklich verinnerlicht wurde. Ein gutes Beispiel für aggressive Nachahmung ist Putins Rede vom März 2014, in der er die Annexion der Krim durch Russland ankündigte. Mit dieser offiziellen Ansprache wurden ganze Passagen aus Reden westlicher Führungskräfte zur Rechtfertigung der Zerschlagung des serbischen Territoriums im Kosovo herausgenommen und auf den Krim-Fall angewandt(5). Was die meisten westlichen Beobachter als ersten Schritt in Putins Versuch der Wiederherstellung des Moskauer Imperiums ansahen, wurde also ausdrücklich durch die Rhetorik von US-Präsident Woodrow Wilson gerechtfertigt, der das grundlegende Selbstbestimmungsrecht des Volkes pries.
Krastev: Indem Moskau seine eigenen gewalttätigen Aktionen in eine idealistische Rhetorik kleidet, die wörtlich den USA entlehnt ist, will es das Zeitalter der Nachahmung als ein Zeitalter der westlichen Heuchelei entlarven. Die gepriesenen westlichen Werte, wie die Selbstbestimmung der Völker, sind schlicht und einfach getarnte westliche Interessen. Die Implikation ist, dass das gesamte internationale System nach dem Zweiten Weltkrieg zusammenbrechen wird, wenn andere Nationen beginnen, den wahren Westen nachzuahmen.


1. Alexey Pushkov, ‘Russian Roulette’, National Interest (3 March 2008).
2. Vladislav Surkov, 'Putin's Lasting State', Russia Insider (13 February 2019); https://russia-insider.com/en/vladislav-surkovs-hugely-important-new- article-about-what-putinism-full-translation/ri26259 (13.08.2020)
3. According to the Russian-born historian of nationalism Leah Greenfeld every society importing foreign ideas and institutions has 'inevitably focused on the source of importation - an object of imitation by definition -and reacted to it. Because the model was superior to the imitator in the latter's own perception (its being a model implied that), and the contact more often than not
served to emphasize the latter's inferiority, the reaction commonly assumed the form of ressentiment.' Liah Greenfield, Nationalism: Five Roads to Modernity (Harvard University Press, 1992), S. 15.
4. Wolfgang Schivelbusch, The Culture of Defeat: On National Trauma, Mourning,
and Recovery (Metropolitan Books, 2013), S. 33—4.
5. Bojana Barlovac, 'Putin Says Kosovo Precedent Justifies Crimea Secession', Balkan Insight (18 March 2014).

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Inflation Targeting Stansbury Summers I
Inflation Targeting/Zinsen/Säkulare Stagnation/Zentralbank/Summers/Stansbury: Konventionelle politische Diskussionen wurzeln in der (inzwischen alten) neo-keynesianischen Tradition, makroökonomische Probleme als Ausdruck von Reibungen zu betrachten, die die Konvergenz zu einem klassischen marktgerechten Gleichgewicht verlangsamen. Die Idee ist, dass die Kombination aus niedriger Inflation, einem sinkenden neutralen Realzins und einer effektiven Untergrenze der Nominalzinsen die Wiederherstellung der Vollbeschäftigung verhindern kann. Nach dieser Ansicht ist alles, was zur Senkung der Realzinsen getan werden kann, konstruktiv, und mit ausreichender Zinsflexibilität kann die säkulare Stagnation überwunden werden. Da das unmittelbare Problem in den überhöhten Realzinsen besteht, ist es selbstverständlich, zuerst auf die Zentralbanken und die Geldpolitik zu schauen, um eine Lösung zu finden. Die nahezu universelle Tendenz der Zentralbanker bestand darin, das Zusammenfallen von sehr niedrigen Realzinsen und nicht beschleunigter Inflation als Beweis für den Rückgang des neutralen Realzinses zu interpretieren und konventionelle geldpolitische Rahmenbedingungen mit einem veränderten neutralen Realzins zu verwenden. Der Anteil der zinssensiblen Gebrauchsgütersektoren am BIP ist zurückgegangen. Die Bedeutung von gezielten Spareffekten hat mit sinkenden Zinsen zugenommen, während die negativen Auswirkungen von Zinssenkungen auf das verfügbare Einkommen mit dem Anstieg der Staatsverschuldung zugenommen haben. Sinkende Zinsen im aktuellen Umfeld untergraben die Kapitalposition der Finanzintermediäre und damit ihre Kreditkapazität.
Im ominösesten Fall, bei dem Zinssenkungen sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Nachfrage haben, kann es sein, dass es keinen Realzins gibt, der mit der vollen Ressourcennutzung vereinbar ist. Auch wenn Zinssenkungen an allen Stellen die Nachfrage unmittelbar erhöhen, gibt es erheblichen Grund zur Sorge, wenn dieser Effekt schwach ist.
Aus makroökonomischer Sicht fördern niedrige Zinsen den Verschuldungsgrad und die Vermögensblasen, indem sie die Fremdkapitalkosten und Diskontierungsfaktoren senken und die Anleger ermutigen, nach Rendite zu streben. Fast jede Darstellung der Finanzkrise 2008 weist den Folgen der sehr niedrigen Zinssätze, die Anfang der 2000er Jahre herrschten, zumindest eine gewisse Rolle zu. Aus mikroökonomischer Sicht beeinträchtigen niedrige Zinsen die Gesundheit der Finanzintermediäre, indem sie ihre Rentabilität verringern und die effiziente Kapitalallokation behindern, indem sie es selbst den schwächsten Unternehmen ermöglichen, Schuldendienstverpflichtungen nachzukommen. Außerdem können sie den Wettbewerb behindern, indem sie etablierte Unternehmen bevorzugen.
Diese Überlegungen legen nahe, dass die Senkung der Zinssätze als Reaktion auf die säkulare Stagnation nicht nur unzureichend, sondern sogar kontraproduktiv sein könnte. (...) Die Rolle bestimmter Reibungen und Rigiditäten bei der Stützung von Konjunkturschwankungen sollte im Vergleich zu einem grundlegenderen Mangel an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage heruntergeSpielt werden. Wenn die Senkung der Zinssätze unzureichend oder kontraproduktiv ist, ist der Einfallsreichtum der Zentralbanker bei der Lockerung der Geldpolitik in einem Umfeld säkularer Stagnation genau das, was nicht gebraucht wird. Was wir brauchen, sind Geständnisse der Ohnmacht, um die Bemühungen der Regierungen zur Förderung der Nachfrage durch Finanzpolitik und andere Mittel anzuregen.


Summers, Lawrence H. & Anna Stansbury: Whither Central Banking?, in: Project Syndicate (23/08/19), URL: https://www.project-syndicate.org/commentary/central-bankers-in-jackson-hole-should-admit-impotence-by-lawrence-h-summers-and-anna-stansbury-2-2019-08




Gegenargumente gegen Summers und Stansbury:

Taylor III
Inflation Targeting/Zinsen/Zentralbank/Löhne/Ökonomie/TaylorVsSummers/TaylorVsStansbury/Lance Taylor: Was die Inflation betrifft, so ignorieren sowohl die Zentralbanken als auch [Summers und Stansbury] die Fakten, dass die Inflation ein kumulativer Prozess ist, der von widersprüchlichen Ansprüchen auf Einkommen und Vermögen getrieben wird, und dass in den letzten fünf Jahrzehnten Gewinne fast alle Forderungen erfasst haben. Betrachten Sie den realen "Produktlohn", den Nominal- oder Geldlohn geteilt durch einen Erzeugerpreisindex (PPI), um die Kosteninflation zu korrigieren, mit der die Unternehmen konfrontiert sind. Angenommen, es gibt ein anfängliches Inflationsgleichgewicht (...). Der Vorschlag von [Summers und Stansbury], die Fiskalpolitik zur Stimulierung der Gesamtnachfrage zu nutzen, würde die Inflationskurve nach oben treiben (...) mit einer schnelleren Inflation und einem etwas niedrigeren Lohnanteil im Makrogleichgewicht (...) entlang des stabilen Aktienplans. Angesichts des Verschwindens von NAIRU [Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment] in den letzten zwei Jahrzehnten ist nicht klar, wie stark diese Aufwärtsbewegung sein könnte. >Inflation Targeting/Taylor.


Taylor, Lance: Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession
Inflation Targeting Summers Summers I
Inflation Targeting/Zinsen/Säkulare Stagnation/Zentralbank/Summers/Stansbury: Konventionelle politische Diskussionen wurzeln in der (inzwischen alten) neukeynesianischen Tradition, makroökonomische Probleme als Ausdruck von Reibungen zu betrachten, die die Konvergenz zu einem klassischen marktgerechten Gleichgewicht verlangsamen. Die Idee ist, dass die Kombination aus niedriger Inflation, einem sinkenden neutralen Realzins und einer effektiven Untergrenze der Nominalzinsen die Wiederherstellung der Vollbeschäftigung verhindern kann. Nach dieser Ansicht ist alles, was zur Senkung der Realzinsen getan werden kann, konstruktiv, und mit ausreichender Zinsflexibilität kann die säkulare Stagnation überwunden werden. Da das unmittelbare Problem in den überhöhten Realzinsen besteht, ist es selbstverständlich, zuerst auf die Zentralbanken und die Geldpolitik zu schauen, um eine Lösung zu finden. Die nahezu universelle Tendenz der Zentralbanker bestand darin, das Zusammenfallen von sehr niedrigen Realzinsen und nicht beschleunigter Inflation als Beweis für den Rückgang des neutralen Realzinses zu interpretieren und konventionelle geldpolitische Rahmenbedingungen mit einem veränderten neutralen Realzins zu verwenden. Der Anteil der zinssensiblen Gebrauchsgütersektoren am BIP ist zurückgegangen. Die Bedeutung von gezielten Spareffekten hat mit sinkenden Zinsen zugenommen, während die negativen Auswirkungen von Zinssenkungen auf das verfügbare Einkommen mit dem Anstieg der Staatsverschuldung zugenommen haben. Sinkende Zinsen im aktuellen Umfeld untergraben die Kapitalposition der Finanzintermediäre und damit ihre Kreditkapazität.
Im ominösesten Fall, bei dem Zinssenkungen sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Nachfrage haben, kann es sein, dass es keinen Realzins gibt, der mit der vollen Ressourcennutzung vereinbar ist. Auch wenn Zinssenkungen an allen Stellen die Nachfrage unmittelbar erhöhen, gibt es erheblichen Grund zur Sorge, wenn dieser Effekt schwach ist.
Aus makroökonomischer Sicht fördern niedrige Zinsen den Verschuldungsgrad und die Vermögensblasen, indem sie die Fremdkapitalkosten und Diskontierungsfaktoren senken und die Anleger ermutigen, nach Rendite zu streben. Fast jede Darstellung der Finanzkrise 2008 weist den Folgen der sehr niedrigen Zinssätze, die Anfang der 2000er Jahre herrschten, zumindest eine gewisse Rolle zu. Aus mikroökonomischer Sicht beeinträchtigen niedrige Zinsen die Gesundheit der Finanzintermediäre, indem sie ihre Rentabilität verringern und die effiziente Kapitalallokation behindern, indem sie es selbst den schwächsten Unternehmen ermöglichen, Schuldendienstverpflichtungen nachzukommen. Außerdem können sie den Wettbewerb behindern, indem sie etablierte Unternehmen bevorzugen.
Diese Überlegungen legen nahe, dass die Senkung der Zinssätze als Reaktion auf die säkulare Stagnation nicht nur unzureichend, sondern sogar kontraproduktiv sein könnte. (...) Die Rolle bestimmter Reibungen und Rigiditäten bei der Stützung von Konjunkturschwankungen sollte im Vergleich zu einem grundlegenderen Mangel an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage heruntergeSpielt werden. Wenn die Senkung der Zinssätze unzureichend oder kontraproduktiv ist, ist der Einfallsreichtum der Zentralbanker bei der Lockerung der Geldpolitik in einem Umfeld säkularer Stagnation genau das, was nicht gebraucht wird. Was wir brauchen, sind Geständnisse der Ohnmacht, um die Bemühungen der Regierungen zur Förderung der Nachfrage durch Finanzpolitik und andere Mittel anzuregen.


Summers, Lawrence H. & Anna Stansbury: Whither Central Banking?, in: Project Syndicate (23/08/19), URL: https://www.project-syndicate.org/commentary/central-bankers-in-jackson-hole-should-admit-impotence-by-lawrence-h-summers-and-anna-stansbury-2-2019-08



Gegenargumente gegen Summers und Stansbury:

Taylor III
Inflation Targeting/Zinsen/Zentralbank/Löhne/Ökonomie/TaylorVsSummers/TaylorVsStansbury/Lance Taylor: Was die Inflation betrifft, so ignorieren sowohl die Zentralbanken als auch [Summers und Stansbury] die Fakten, dass die Inflation ein kumulativer Prozess ist, der von widersprüchlichen Ansprüchen auf Einkommen und Vermögen getrieben wird, und dass in den letzten fünf Jahrzehnten Gewinne fast alle Forderungen erfasst haben. Betrachten Sie den realen "Produktlohn", den Nominal- oder Geldlohn geteilt durch einen Erzeugerpreisindex (PPI), um die Kosteninflation zu korrigieren, mit der die Unternehmen konfrontiert sind. Angenommen, es gibt ein anfängliches Inflationsgleichgewicht (...). Der Vorschlag von [Summers und Stansbury], die Fiskalpolitik zur Stimulierung der Gesamtnachfrage zu nutzen, würde die Inflationskurve nach oben treiben (...) mit einer schnelleren Inflation und einem etwas niedrigeren Lohnanteil im Makrogleichgewicht (...) entlang des stabilen Aktienplans. Angesichts des Verschwindens von NAIRU [Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment] in den letzten zwei Jahrzehnten ist nicht klar, wie stark diese Aufwärtsbewegung sein könnte. >Inflation Targeting/Taylor.



Taylor, Lance: Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession

Summers I
Lawrence H. Summers
Anna Stansbury
Whither Central Banking?, in: Project Syndicate (23/08/19), URL: https://www.project-syndicate.org/commentary/central-bankers-in-jackson-hole-should-admit-impotence-by-lawrence-h-summers-and-anna-stansbury-2-2019-08 23.08. 2019
Inflation Targeting Taylor Taylor III
Inflation Targeting/Zinsen/Zentralbank/Löhne/Wirtschaft/TaylorVsSummers/TaylorVsStansbury/Lance Taylor: Was die Inflation betrifft, so ignorieren sowohl die Zentralbanken als auch [Summers und Stansbury] die Fakten, dass die Inflation ein kumulativer Prozess ist, der von widersprüchlichen Ansprüchen auf Einkommen und Vermögen getrieben wird, und dass in den letzten fünf Jahrzehnten Gewinne fast alle Forderungen erfasst haben. Inflation Targeting/Summers: Betrachten Sie den realen "Produktlohn", den Nominal- oder Geldlohn geteilt durch einen Erzeugerpreisindex (PPI), um die Kosteninflation zu korrigieren, mit der die Unternehmen konfrontiert sind. Einige Berechnungen (...) zeigen, dass der Arbeits- oder Lohnanteil der Produktion, der den realen "Lohnstückkosten" entspricht, gleich dem Reallohn geteilt durch die Produktivität oder dem Output-/Arbeitsverhältnis ist. Die Gewinnbeteiligung entspricht eins minus dem Lohnanteil. (...) der Gewinnanteil und die Wachstumsraten der Reallöhne und der Produktivität haben sich im Laufe der Zeit verändert (...).
Die Wachstumsrate der nominalen Lohnstückkosten ist die Differenz zwischen dem Wachstum der Lohn- und Produktivitätsraten. Wie bei den anderen Arbeitsmarktindikatoren hat sich das Kostenwachstum nach 2000 verlangsamt.
Um die Dynamik zu entwirren, brauchen wir eine Theorie der Inflation. Um die Jahrhundertwende wies der schwedische Ökonom Knut Wicksell darauf hin, dass die Inflation ein "kumulativer Prozess" ist, der eine Rückkopplung zwischen Preis- und Lohninflationsraten beinhaltet. Auch nach ihrem langen Rückgang zeigt [sich], dass die Arbeitszahlungen immer noch 55 % der Produktionskosten ausmachen und mit in die Inflationsrechnung einfließen müssen.
Der "reale Gleichgewichtseffekt" (oder die "Inflationssteuer" in einer dynamischen Version) besagt, dass ein Anstieg des Preisniveaus den realen Wert von Vermögenswerten mit nominal festgelegten Preisen verringert - Geld ist das übliche BeiSpiel. Der Wohlstand sinkt und die Haushalte sollen in der Folge mehr sparen. Neben einer Lohnverzögerung ist der Realgleichgewichtseffekt der wichtigste Anpassungsmechanismus in Milton Friedmans (1968) "Inflation"-Modell, das der heutigen Geldpolitik noch immer zugrunde liegt. "Zwangssparen" entsteht, wenn ein Preissprung gegen einen konstanten Geldlohn die realen Zahlungen an die Lohnempfänger reduziert. Wenn ihre Kreditkapazität begrenzt ist, müssen sie den Konsum senken und die Nachfragekurve nach unten verschieben. Wenn ein expansives Paket das Preisniveau in die Höhe treibt, wären die Haushalte der Mittelschicht und der unteren Einkommensschichten, die auf Löhne angewiesen sind, diejenigen, die leiden würden.
Konflikte entstehen, weil Preiserhöhungen von der Wirtschaft kontrolliert werden, während der Geldlohn Gegenstand von Verhandlungen zwischen Wirtschaft und Arbeit ist. Beide Seiten versuchen, den Arbeitsanteil als wichtigen Verteilungsindikator zu manipulieren. In einem inflationären Gesamtumfeld kann die Wirtschaft sofort auf einen Anstieg des Lohnanteils oder der Produktion reagieren, indem sie die Preissteigerungsrate der Phillips-Kurve entlang des "Inflation"-Zeitplans nach oben treibt (...). Geldlöhne hingegen werden nicht sofort an die Preisinflation gekoppelt, so dass sie mit Verzögerung folgen werden. Die Arbeit wird auf eine schnellere Lohninflation drängen, wenn der Lohnanteil niedrig ist.
Angenommen, es gibt ein anfängliches Inflationsgleichgewicht (...). Der Vorschlag von [Summers und Stansbury], die Fiskalpolitik zur Stimulierung der Gesamtnachfrage zu nutzen, würde die Inflationskurve nach oben treiben (...) mit einer schnelleren Inflation und einem etwas niedrigeren Lohnanteil im Makrogleichgewicht (...) entlang des stabilen Aktienplans. Angesichts des Verschwindens von NAIRU [Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment] in den letzten zwei Jahrzehnten ist nicht klar, wie stark diese Aufwärtsbewegung sein könnte.
Die Art und Weise, wie sich expansive Politik im Hinblick auf Ungleichheit und (möglicherweise) schnellere Inflation auszahlen könnte, wäre eine Aufwärtsbewegung im stabilen Aktienplan, wenn sich der Arbeitsmarkt strafft, was zu mehr Verhandlungsmacht für die Arbeit führt.
Die neuen keynesianischen Erfinder sind nun die regierenden Ältesten der Makroökonomie, die ihre Meinung wahrscheinlich nicht ändern werden. (...) [Summers und Stansbury] erinnern sich vielleicht mit Max Planck daran, dass die Wissenschaft eine Beerdigung nach der anderen vorantreibt. Sie haben sicherlich Recht, wenn sie sagen, dass "die Rolle bestimmter Reibungen und Rigiditäten bei der Untermauerung von Konjunkturschwankungen im Vergleich zu einem grundlegenderen Mangel an der Gesamtnachfrage heruntergeSpielt werden sollte".
(...) Viele der richtigen Beobachtungen, die [Summers und Stansbury] über die wahrscheinliche Ineffektivität von Zinsänderungen machen, wurde vor fast 90 Jahren von Keynes' Kollege Piero Sraffa (1932a (1), 1932b (2)) in einer Kontroverse mit Friedrich von Hayek angesprochen. Sraffas Hauptaugenmerk lag auf der Nichtanwendbarkeit eines "natürlichen Zinssatzes", ein Punkt, der durch Keynes in der Allgemeinen Theorie verstärkt wurde.
Der natürliche Zinssatz bleibt jedoch ein Thema, das für linksgerichtete Keynesianer von großem Interesse ist. Wie sie diese Idee mit der faschistischen keynesianischen Perspektive von [Summers und Stansbury] in Einklang bringen, bleibt abzuwarten. >Zentralbank/Summers.


1. Sraffa, Piero (1932a) “Dr. Hayek on Money and Capital,” Economic Journal, 42: 42-53.
2. Sraffa, Piero (1932b) “Money and Capital: A Rejoinder,” Economic Journal, 42: 249-25.



Taylor, Lance: Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession

EconTayl I
John Brian Taylor
Discretion Versus Policy Rules in Practice
In
Carnegie-Rochester Conference Series on Public Pol, 1993

Taylor III
Lance Taylor
Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession 9/3/2019

TaylorB II
Barry Taylor
"States of Affairs"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

TaylorCh I
Charles Taylor
The Language Animal: The Full Shape of the Human Linguistic Capacity Cambridge 2016
Information Sunstein I 15
Information/Märkte/Sunstein: Vorhersagemärkte (prediction markets) sind außerordentlich gut darin, Informationen zusammenzubringen. Beispiele dafür sind Vorhersagen darüber, wer den nächsten Oscar gewinnt oder welche Produkte erfolgreich sein werden. In solchen Vorhersagemärkten können Leute „investieren“ und auf die Wahrscheinlichkeit wetten, mit der ein Ereignis eintreten wird. (Siehe Google/Sunstein). Dabei ist eine Menge Wissen im Spiel, das auf diese Weise offenbar wird.
I 81
Information/Gruppendiskussionen/Kommunikation/Demokratie: es hat sich der Ausdruck „Hidden Profiles“ (versteckte Profile) herausgebildet (3) für das Phänomen, dass einzelne Mitglieder, die Informationen besitzen, die der Mehrheit ihrer Gruppe (z.B: Gremien) fehlen, für sich behalten. Es sind Dinge, die die Gruppe haben könnte, aber nicht hat. Hidden Profiles sind ein Effekt dessen, was man „Gemeinsames Wissen“ (Common Knowledge) nennt Gemeinsames Wissen/Sunstein: ist Information, die allen Mitgliedern einer Gruppe zur Verfügung steht im Gegensatz zu Information, die nur einige Mitglieder haben. (1)
I 82
Statistisch gesehen erklärt sich das einfach dadurch, dass es wahrscheinlicher ist, dass gemeinsames Wissen in der Gruppe kommuniziert wird. Es spielen aber auch soziale Effekte eine Rolle. (…) Information, die nur einzelne Mitglieder besitzen, muss gleich zu Anfang mitgeteilt werden, sonst überwiegt die gemeinsam geteilte Information.
I 83
So kommt es, dass letztlich Gruppenentscheidungen die anfänglichen Einstellungen einiger Mitglieder reflektieren, auch wenn – zurückgehaltene – abweichende Informationen die Entscheidung anders hätten ausfallen lassen. (2), (3)
I 88
Informationskaskaden/Sunstein: das Hauptmerkmal einer solchen Kaskade ist, dass die Beteiligten nicht die Information offenbaren, die sie besitzen.
I 89
In der Folge können Beteiligte eine ganze Reihe von schweren Fehlentscheidungen treffen.
I 90
Später hinzukommende Mitglieder halten Informationen zurück,, weil sie von denen angeleitet werden, die vor ihnen da waren. Das New England Journal of Medicine untersuchte Nachahmungseffekte bei Ärzten, die sich „wie Lemminge“ verhielten. (4)

1. Daniel Gigone and Reid Hastie, “The Common Knowledge Effect: Information Sharing and Group Judgments,” Journal of Personality and Social Psychology 65 (1993): 971–73 (explaining hidden profiles by reference to common knowledge effect).
2. See Garold Stasser and William Titus, “Pooling of Unshared Information in Group Decision Making: Biased Information Sampling During Discussion,” Journal of Personality and Social Psychology 48 (1985): p. 1476
3. Stasser and Titus, “Hidden Profiles,” 305.
4. David Hirshleifer, “The Blind Leading the Blind: Social Influence, Fads, and Informational Cascades,” in The New Economics of Human Behavior, ed. Mariano Tommasi and Kathryn Ierulli (Cambridge, UK: Cambridge University Press, 1995), 193–95, and on the discussion in Cass R. Sunstein, Why Societies Need Dissent (Cambridge, MA: Harvard University Press, 2003), p. 204.

Sunstein I
Cass R. Sunstein
Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge Oxford 2008

Sunstein II
Cass R. Sunstein
#Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media Princeton 2017
Informationswert Norvig Norvig I 629
Informationswert/KI-Forschung/Norvig/Russell: Einer der wichtigsten Aspekte der Entscheidungsfindung ist das Wissen, welche Fragen man stellen muss. Tests sind oft teuer und manchmal gefährlich (sowohl direkt als auch aufgrund der damit verbundenen Verzögerungen). Ihre Bedeutung hängt von zwei Faktoren ab: ob die Testergebnisse zu einem signifikant besseren (...) Plan führen würden und wie wahrscheinlich die verschiedenen Testergebnisse sind. BeiSpiel: (...) eine Erdölfirma hofft, eine von n ununterscheidbaren Einheiten von Seebohrrechten zu kaufen. (...) genau eine der Einheiten enthält Öl im Wert von C Dollar, während die anderen wertlos sind. Der Verkaufspreis jeder Einheit beträgt C/n Dollar. (...) ein Seismologe bietet dem Unternehmen die Ergebnisse einer Untersuchung der Einheit Nr. 3 an, aus der sich definitiv ergibt, ob die Einheit Öl enthält. Wie viel sollte das Unternehmen bereit sein, für die Informationen zu zahlen?
Mit einer Wahrscheinlichkeit von 1/n wird die Untersuchung Öl in Einheit 3 anzeigen. In diesem Fall wird das Unternehmen Einheit 3 für C/n Dollar kaufen und einen Gewinn von C -C/n = (n - 1)C/n Dollar erzielen. Mit einer Wahrscheinlichkeit von (n-1)/n wird die Untersuchung zeigen, dass die Einheit kein Öl enthält, in diesem Fall wird das Unternehmen eine andere Einheit kaufen. (...) das Unternehmen sollte bereit sein, dem Seismologen bis zu C/n Dollar für die Information zu zahlen: die Information ist genauso viel wert wie die Einheit selbst.
Der Wert der Information leitet sich aus der Tatsache ab, dass man mit der Information seine Vorgehensweise an die tatsächliche Situation anpassen kann. Man kann je nach Situation unterscheiden, während man ohne die Information das tun muss, was im Durchschnitt der möglichen Situationen am besten ist.
Def Informationswert/Norvig: (...) Der Wert einer bestimmten Information wird als Differenz des erwarteten Wertes zwischen den besten Handlungen vor und nach dem Erhalt der Information definiert. >Multiattribute Nutzentheorie/KI-Forschung, >Entscheidungsnetzwerke/Norvig.
Norvig I 631
Nicht-negativer Wert der Information: Kann [Information] tatsächlich einen negativen erwarteten Wert haben? Intuitiv sollte man erwarten, dass dies unmöglich ist. Schließlich könnte man im schlimmsten Fall die Information einfach ignorieren und so tun, als hätte man sie nie erhalten. Dies wird durch das folgende Theorem bestätigt, das für jeden entscheidungstheoretischen Agenten gilt: Der erwartete Wert von Informationen ist nicht negativ. >Agenten/Norvig. Agenten/KI/Informationswert: Ein vernünftiger Agent sollte Fragen in einer vernünftigen Reihenfolge stellen, Fragen vermeiden, die irrelevant sind, die Bedeutung jeder Information im Verhältnis zu ihren Kosten berücksichtigen und aufhören, Fragen zu stellen, wenn dies angemessen ist. All diese Fähigkeiten können erreicht werden, wenn man den Wert der Information als Orientierung verwendet.
Norvig I 639
Die Theorie des Informationswerts wurde zunächst im Rahmen statistischer Experimente untersucht, bei denen ein Quasi-Nutzen (Entropie-Reduktion) verwendet wurde (Lindley, 1956)(1). Der russische Kontrolltheoretiker Ruslan Stratonowitsch (1965)(2) entwickelte die hier vorgestellte allgemeinere Theorie, in der Information aufgrund ihrer Fähigkeit, Entscheidungen zu beeinflussen, einen Wert hat. Stratonowitschs Arbeit war im Westen nicht bekannt, wo Ron Howard (1966)(3) die gleiche Idee verfolgte. Seine Arbeit endet mit der Bemerkung: "Wenn die Theorie des Informationswerts und die damit verbundenen entscheidungstheoretischen Strukturen in Zukunft nicht einen großen Teil der Ausbildung von Ingenieuren ausmachen, dann wird der Berufsstand der Ingenieure feststellen, dass seine traditionelle Rolle des Managements wissenschaftlicher und wirtschaftlicher Ressourcen zum Wohle des Menschen an einen anderen Beruf verwirkt wurde." Bis heute ist die implizierte Revolution der Managementmethoden nicht eingetreten. Neuere Arbeiten von Krause und Guestrin (2009)(4) zeigen, dass die Berechnung des exakten nicht-myopischen Wertes von Informationen selbst in Netzwerken von Mehrfachbäumen (polytrees) unlösbar ist. Es gibt andere Fälle, die stärker eingeschränkt sind als der allgemeine Informationswert, in denen der myopische Algorithmus eine nachweislich gute Annäherung an die optimale Sequenz von Beobachtungen liefert (Krause et al., 2008)(5). In einigen Fällen - z.B. bei der Suche nach einem Schatz, der an einem von n Orten vergraben ist - ergibt eine Rangfolge der Experimente in der Reihenfolge der Erfolgswahrscheinlichkeit geteilt durch die Kosten eine optimale Lösung (Kadane und Simon, 1977)(6).


1. Lindley, D. V. (1956). On a measure of the information provided by an experiment. Annals of Mathematical Statistics, 27(4), 986–1005.
2. Stratonovich, R. L. (1965). On value of information. Izvestiya of USSR Academy of Sciences, Technical
Cybernetics, 5, 3–12.
3. Howard, R. A. (1966). Information value theory. IEEE Transactions on Systems Science and Cybernetics,
SSC-2, 22–26.
4. Krause, A. and Guestrin, C. (2009). Optimal value of information in graphical models. JAIR, 35, 557 -
591.
5. Krause, A., McMahan, B., Guestrin, C., and Gupta, A. (2008). Robust submodular observation selection.
JMLR, 9, 2761–2801.
6. Kadane, J. B. and Simon, H. A. (1977). Optimal strategies for a class of constrained sequential problems. Annals of Statistics, 5, 237–255.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Intelligenz Pinker I 26
Intelligenz/Pinker: Folgerungen aus Wissen - aber nur die relevanten Folgerungen.
I 84
Intelligenz/ Pylyshyn,Zenon: Steine sind intelligenter als Katzen, weil sie wegfliegen, wenn man dagegen tritt - (Beschreibungsabhängig) - Pinker: Intelligenz erwächst nicht aus Materie, sondern aus Information.


Brockman I 108
Intelligenz/Pinker: [Es ist ein] Irrtum (...), Intelligenz als ein grenzenloses Kontinuum der Potenz zu betrachten, ein wunderbares Elixier mit der Kraft, jedes Problem zu lösen, jedes Ziel zu erreichen. Dieser Trugschluss führt zu unsinnigen Fragen wie zum Beispiel, wann eine KI "die Intelligenz des Menschen übersteigt", und zum Bild einer "artificial general intelligence" (AGI) mit göttlicher Allwissenheit und Allmacht. Intelligenz ist eine Vorrichtung von Gadgets: Softwaremodule,
Brockman I 109
die Kenntnisse darüber erwerben oder damit programmiert sind, wie man verschiedene Ziele in verschiedenen Bereichen verfolgt. Die Menschen sind gerüstet Nahrung zu finden, Freunde zu gewinnen und Menschen zu beeinflussen, (...). Computer können programmiert werden, um einige dieser Probleme zu lösen (wie das Erkennen von Gesichtern), sich nicht mit anderen zu beschäftigen (wie Partner zu entzücken) und noch andere Probleme anzunehmen, die der Mensch nicht lösen kann (wie die Simulation des Klimas oder das Sortieren von Millionen von Buchhaltungsunterlagen). Die Probleme sind unterschiedlich, und die Arten von Wissen, die benötigt werden, um sie zu lösen, sind unterschiedlich.

Pinker, S. “Tech Prophecy and the Underappreciated Causal Power of Ideas” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Pi I
St. Pinker
Wie das Denken im Kopf entsteht München 1998

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Intelligenztests Psychologische Theorien Slater I 120
Intelligenztest/Psychologische Theorien: Ein Beispiel für einen "kulturfreien" IQ-Test sind die Progressive Matrizen von Raven: Raven ist ein bekannter nonverbaler Argumentationstest, der damals allgemein als "kulturfrei" angesehen wurde und wird, weil er nonverbal ist und keine Leistungsabhängigkeit von der Kenntnis bestimmter Informationen besteht. >Intelligenztests/Jensen, >Intelligenz/Psychologische Theorien.
Slater I 125
Johnson: Obwohl Raven von vielen immer noch als sehr reiner Indikator für die allgemeine Intelligenz angesehen wird, erscheint dieser heute sehr unwahrscheinlich, wenn man bedenkt, dass seit 1969 der Flynn-Effekt bekannt ist (Flynn, 1987)(1). Dies ist die stabile Beobachtung, dass im Laufe des 20. Jahrhunderts die Ergebnisse von Intelligenztests aller Art weltweit gestiegen sind, im Durchschnitt etwa drei IQ-Punkte pro Jahrzehnt. Es gibt einige Hinweise darauf, dass sich die Gewinnrate in den Industrieländern, insbesondere in Skandinavien, abschwächen könnte (Emanuelsson, Reuterberg, & Svensson, 1993(2); Sundet, Barlaug, & Torjussen, 2004(3); Teasdale & Owen, 2000(4). Sie könnte sich in Schwellenländern jedoch beschleunigen (Colom, Flores-Mendoza, & Abad, 2007(5); Daley, Whaley, Seligman, Espinosa, & Neumann, 2003(6); Khaleffa, Sulman, & Lynn, 2009(7); Meisenberg, Lawless, Lambert, & Newton, 2005(8)).
Gründe für den Gewinn/Flynn: (Flynn 2009)(9) Die Hauptmöglichkeiten haben alle ökologischen Charakter, da deterministische genetische Veränderungen dieser Größenordnung nicht so schnell auf der Ebene der gesamten Bevölkerung stattfinden konnten. Ravens Ergebnisse [scheinen] irgendeiner Form von kulturellem/umweltbedingtem Einfluss zu unterliegen, der von einer Generation zur nächsten gilt, was bedeutet, dass Gruppen- und nationale Unterschiede in den Mittelwerten eher aus ähnlichen Arten von Einflüssen als aus fixierten genetisch bedingten Unterschieden in den Gruppen resultieren können. Siehe Studien zu (Beaujean & Osterlind, 2008(10); Kane & Oakland, 2000(11); Must, Must, & Raudik, 2003(12); te Nijenhuis & van der Flier, 2007(13); te Nijenhuis, van Vianen, & van der Flier, 2007(14); Wicherts et al., 2004(15).
Slater I 126
Jensens (....) Folgearbeit (insbesondere Jensen, 1980(16), 1998(17)) hat wesentlich zum Nachweis beigetragen, dass die Tests ein Merkmal, das für akademische, berufliche und intellektuelle Leistungen aller Art von Bedeutung ist, auf eine Weise messen, die nicht offensichtlich kulturell verzerrt ist. Aber auch andere haben dazu beigetragen (z.B. Schmidt & Hunter, 2004(18); Schmidt & Hunter, 1998(19); Sackett, Kuncel, Arneson, Cooper, & Waters, 2009(20)).


1. Flynn, J. R. (1987). Massive IQ gains in 14 nations – What IQ tests really measure. Psychological Bulletin, 101, 171–191.
2. Emanuelsson, J., Reuterberg, S. E., & Svensson, A. (1993). Changing differences in intelligence? Comparisons between groups of thirteen-year-olds tested from 1960 to 1990. Scandinavian Journal of Educational Research, 3, 259–277.
3. Sundet, J. M., Barlaug, D. G., & Torjussen, T. M. (2004). The end of the Flynn Effect? A study of secular trends in mean intelligence scores of Norwegian conscripts during half a century. Intelligence, 32, 349–362.
4.Teasdale, T. W., & Owen, D. R. (2000). Forty-year secular trends in cognitive abilities. Intelligence, 28, 115–120.
5. Colom, R., Flores-Mendoza, C. E., & Abad, F. J. (2007). Generational changes on the Draw-A-Man test: A comparison of Brazilian urban and rural children tested in 1930, 2002, and 2004. Journal of Biosocial Science, 39, 79–89.
6. Daley, T. C., Whaley, S. E., Seligman, M. D., Espinosa, M. P., & Neumann, C. (2003). IQ on the rise: The Flynn effect in rural Kenyan children. Psychological Science, 14, 215–219.
7. Khaleffa, O., Sulman, A., & Lynn, R. (2009). An increase in intelligence in Sudan, 1987–2007. Journal of Biosocial Science, 41, 279–283.
8. Meisenberg, G., Lawless, E., Lambert, E., & Newton, A. (2005). The Flynn Effect in the Caribbean: Generational change in test performance in Domenica. Mankind Quarterly, 46, 29–70.
9. Flynn, J. R. (2009). What is intelligence? Cambridge: Cambridge University Press.
10. Beaujean, A. A., & Osterlind, S. A. (2008). Using item response theory to assess the Flynn Effect in the National Longitudinal Study of Youth 79 Children and Young Adults data. Intelligence, 36, 455–463.
11. Kane, H., & Oakland, T. D. (2000). Secular declines in Spearman’s g: Some evidence - from the United States. Journal of Genetic Psychology, 161, 337–345.
12. Must, O., Must, A., & Raudik, V. (2003). The secular rise in IQs: in Estonia the Flynn Effect is not a Jensen Effect. Intelligence, 3, 461–471.
13. te Nijenhuis, J., & van der Flier, H. (2007). The secular rise in IQs in the Netherlands: Is the Flynn Effect on g? Intelligence, 35, 1259–1265.
14. te Nijenhuis, J., van Vianen, A. E., & van der Flier, H. (2007). Score gains on g-loaded tests: No g. Intelligence, 35, 283–300.
15. Wicherts, J. M., Dolan, C. V., Hessen, D. J., Osterveld, P., van Baal, O. C., Boomsma, D. I., et al. (2004). Are intelligence tests measurement invariant over time? Investigating the nature of the Flynn Effect. Intelligence, 32, 509–537.
16. Jensen, A. R. (1980). Bias in mental testing. New York: Free Press.
17. Jensen, A. R. (1998). The g factor. Westport, CN: Praeger.
18. Schmidt, F. L., & Hunter, J. (2004). General mental ability in the world of work: Occupational attainment and job performance. Journal of Personality and Social Psychology, 86, 162–173.
19. Schmidt, F. L., & Hunter, J. E. (1998). The validity and utility of selection methods in personnel psychology: Practical and theoretical implications of 85 years of research findings. Psychological Bulletin, 124, 262–274.
20. Sackett, P. R., Kuncel, N. R., Arneson, J. J., Cooper, S. R., & Waters, S. D. (2009). Does socioeconomic status explain the relationship betweem admissions tests and post-secondary academic performance? Psychological Bulletin, 135, 1–22.


Wendy Johnson: „How Much Can We Boost IQ? Updated Look at Jensen’s (1969) Question and Answer“, in: Alan M. Slater & Paul C. Quinn (eds.) 2012. Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Slater I
Alan M. Slater
Paul C. Quinn
Developmental Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2012
Intensionen Intensionen: Bezugsgegenstände, die sich aus einer sprachlichen Beschreibung ergeben, im Gegensatz zu den materiellen Gegenständen (den Extensionen), die davon abweichen können, sei es durch Ungenauigkeiten, sei es durch Verwendung indexikalischer Ausdrücke. BeiSpiele für Intensionen sind Die älteste Person im Raum, Der Gewinner, Johns Lieblingszitat, Wer die Geschwindigkeit übertritt. Siehe auch Morgenstern/Abendstern, Extensionalität, Extension.
Interesse Singer I 21
Interesse/Gleichheit/Prinzip/P. Singer: auch bei der Befolgung unseres Prinzips, dass wir Interessen bewerten unabhängig von Personen, müssen wir natürlich berücksichtigen, welche Interessen jemand hat und das mag stark variieren, je nachdem, welche Begabungen er hat. Aber Intelligenz hat nichts mit fundamentalen Interessen von Menschen zu tun wie Schmerzvermeidung oder Nahrungsbeschaffung.
I 22
Sklaverei/P. Singer: Abwägung von Interessen: das Leid das dem Sklaven zugefügt wird ist viel stärker als der Nutzen, den der Sklavenhalter hat. Daher ist eine intelligenz-basierte Sklavengesellschaft durch unser Prinzip der gleichen Abwägung von Interessen genauso ausgeschlossen wie krudere Formen von Rassismus und Sexismus oder Diskriminierung aufgrund von Behinderungen.
Grenznutzen/P. Singer: je mehr jemand von einer Sache hat, desto weniger Gewinnt er durch zusätzliche Versorgung mit dieser Sache. Ein solches Prinzip kann bei der Abwägung der Versorgung von unterschiedlich stark Verletzten eine Rolle Spielen


SingerP I
Peter Singer
Practical Ethics (Third Edition) Cambridge 2011

SingerP II
P. Singer
The Most Good You Can Do: How Effective Altruism is Changing Ideas About Living Ethically. New Haven 2015
Internationale Politik Giddens Brocker I 873
Internationale Politik/Giddens: Als dritten Weg zwischen seinen beiden immer wieder ins Spiel gebrachten Antipoden skizziert der Autor abschließend für das Feld der Internationalen Politik die »kosmopolitische Nation« (152). Die Nation gewinnt im Zeitalter der Globalisierung eine veränderte Bedeutung. Die traditionelle Sozialdemokratie hat zwar immer in ihrer langen Geschichte den Internationalismus hochgehalten, ist aber nie zur Idee eines transnationalen Regierens vorgedrungen. Und anders als die Neoliberalen wünschen, verliert die Nation auch unter der Bedingung globalen Regierens keineswegs ihr Gewicht, aber sie wird eine veränderte Rolle spielen. »Feindlos« und offen für weltweite Kooperation, bereit, Entscheidungen vom Zentralstaat in die Gesellschaft zurückzuverlagern, behauptet sie doch ihre souveränen Kernfunktionen. Gleichzeitig muss sie eine aktive Rolle in den Prozessen und Strukturen des weltweiten Regierens spielen, deren Gewicht und Verantwortung in einer Zeit der globalisierten Märkte bedeutend zunehmen. Dem »weltweiten
Brocker I 874
Marktfundamentalismus« können freilich nur starke transnationale Institutionen soziale, politische und ökologische Zügel anlegen: »Man sollte ernsthaft über die Einrichtung eines Wirtschaftlichen Sicherheitsrats […] nachdenken«.(1)

1.Anthony Giddens, Der dritte Weg. Die Erneuerung der sozialen Demokratie, Frankfurt/M. 1999, S. 176.

Thomas Meyer, „Anthony Giddens, Der dritte Weg“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Jugendkultur Entwicklungspsychologie Upton I 121
Jugendkultur/Selbst/Entwicklungspsychologie/Upton: Es wird angenommen, dass das Selbstverständnis (...) durch die jugendliche Beteiligung an Cliquen und Ansammlungen beeinflusst wird. Laut Erikson (1950)(1) ist die Mitgliedschaft in der Gemeinschaft von zentraler Bedeutung für die Verwirklichung der Identität, da sie die Solidarität mit den Idealen einer Gruppe erfordert. So gehen Jugendliche mit den Schwierigkeiten um, die sie bei der Bindung an erwachsene Identitäten (Identitätskrise) haben, indem sie übertriebene Verpflichtungen gegenüber bestimmten Stilgruppen eingehen und sich von anderen Stilgruppen abgrenzen. Sie können bestimmte Arten von Kleidung und Musik verwenden, um ihren einzigartigen Stil zu zeigen und wie er sie von anderen Gruppen unterscheidet. Diese Cliquen und Massen, die durch ihren eigenen Stil, ihre eigenen Werte und Normen eindeutig identifiziert werden, sind das, was wir heute oft als "Jugendkultur" bezeichnen. Laut Miles et al. (1998)(2) gibt die Identifikation mit der Jugendkultur den Jugendlichen in einer sich schnell verändernden Welt eine gewisse Macht über ihre Identität. Paradoxerweise werden Jugendliche durch das KonformitätsSpiel in die Lage versetzt, sich einzigartig und anders zu fühlen.
Kürzlich haben Studien zur Jugendkultur gezeigt, dass (...) der Konsum für die Erschaffung jugendlicher Identitäten zentral ist (Phoenix. 2005)(3). Viele dieser Studien haben sich auf die Zusammenhänge zwischen Konsum, Stil und Identität konzentriert und sind zu dem Schluss gekommen, dass Stil eine entscheidende Möglichkeit bietet, um Gruppengrenzen zu definieren und zu erhalten (Croghan et al., 2006)(4).
Milner (2004)(5) schlägt vor, dass Jugendliche ihre Verbrauchermacht nutzen, um ein Gefühl der Akzeptanz und Zugehörigkeit zu ihrer Altersgruppe zu Gewinnen.
Die Kehrseite ist jedoch, dass die Nichtbeachtung einer solchen Identität zu Problemen wie Hänseleien, sozialer Ausgrenzung und Statusverlust führen kann (Blatchford, 1998(6); Croghan et al., 2006)(4). Da ein solcher Konsum oft mit bestimmten Marken verbunden ist, ist es wichtig, sich hier Gedanken darüber zu machen, wie wirtschaftliche Nachteile die Popularität von Jugendlichen beeinflussen können. Einige Beweise deuten darauf hin, dass mangelndes Geld, um sich die "richtigen" Marken zu leisten, zu sozialer Ausgrenzung führen kann, da Markenartikel als Kennzeichen der Gruppeninklusion dienen, die echt sein müssen und nicht gefälscht werden können (Croghan et al. 2006)(4).
Andere Studien (z.B. Milner. 2004)(5) deuten darauf hin, dass junge Menschen, anstatt sich in Stilkonflikten zu engagieren, ihre Solidarität mit diesen Cliquen zum Ausdruck bringen können, indem sie sich an den populären Gruppen orientieren, sich aber dem Konsum von Markenartikeln widersetzen
Upton I 122
und so eine neue, weniger hochrangige Gruppe gebildet.


1. Erikson. EH (1950) Childhood and Society, New York: WW Norton.
2. Miles, S, Cliff, D and Burr, V (1998) ‘Fitting in and sticking out’: consumption, consumer meanings and the construction of young people’s identities, Journal of Youth Studies, 1:81-91.
3. Phoenix. A (2005) Young people and consumption: communalities and differences in the construction of identities, in Tufte, B, Rasmussen, J and Christensen LB (eds) Frontrunners or Copycats? Copenhagen: Copenhagen Business School Press.
4. Croghan, R. Griffin, C, Hunter J and Phoenix, A (2006) Style failure: consumption, identity and social exclusion. Journal of Youth Studies, 9(4): 46 3-78.
5. Milner, M (2004) Freaks, Geeks, and Cool Kids: American teenagers, schools, and the culture of consumption. New York: Routledge.
6. Blatchford, P (1998) Social Life in School. London: Palmer.

Upton I
Penney Upton
Developmental Psychology 2011
Jury-Theorem Public Choice-Theorie Parisi I 185
Jury-Theorem/Condorcet/Public-Choice-Theorie/Farber: Im politischen Bereich ist die häufigste Manifestation der inhärenten Beschränkung der kollektiven Wahl das Condorcet-Paradoxon (Shepsle, 2010(1), S. 53-6 7). Da sich Mehrheitskoalitionen je nach der auf der Tagesordnung stehenden Alternative verschieben können, können verschiedene Mehrheiten Option a gegenüber Option b und Option b gegenüber Option c bevorzugen, dann aber Option c gegenüber Option a. Mit zunehmender Anzahl von Alternativen bzw. mit zunehmender Anzahl von Individuen, die abstimmen, steigt die Chance, dass es unter der Annahme zufällig zugewiesener Präferenzen zu einem Wechsel kommt. Problem: Eine Schlüsselfrage ist, wie Demokratien es schaffen, angesichts des Risikos des periodischen Durchlaufens eine stabile öffentliche Politik zu schaffen.
Falsche Lösung: Eine erste Antwort könnte sein, zu überlegen, ob ein ausgefeilterer Abstimmungsmechanismus das Problem beseitigen könnte. Um die Idee eines Abstimmungsverfahrens zu konkretisieren, nehmen Sie an, dass den Alternativen Zahlen zugeordnet werden, dass ein Stimmzettel aus einer Liste dieser Zahlen besteht, die der Wähler dann in eine Rangfolge bringt, dass die Abstimmung anonym ist, so dass alle Wähler gleich behandelt werden, und dass das Abstimmungsverfahren uns für jede Teilmenge von Optionen sagt, welche gegenüber den anderen bevorzugt wird.
BeiSpiel: Betrachten Sie eine Entscheidungssituation mit drei Optionen und drei Wählern, die jeweils unterschiedliche Bewertungen für die Optionen haben. Jede Option ist die erste Wahl des einen Wählers, die zweite Wahl des anderen Wählers und die dritte Wahl des dritten Wählers. Es ist leicht zu erkennen, dass kein Abstimmungsverfahren einen Gewinner in einem Dreierwettbewerb ermitteln kann, ohne sich auf einen zusätzlichen Faktor zu stützen, der die Symmetrie zwischen den drei Alternativen bricht. Vgl. >Arrow-Theorem.
Problem: Die Tatsache, dass die Optionen in Bezug auf alle verfügbaren Informationen identisch sind, bedeutet, dass keine Option als Gewinner herausgegriffen werden kann, egal wie kompliziert oder clever die Abstimmungsmethode ist.
Parisi I 186
Zwei-Seiten-Wettbewerb/Drei-Seiten-Wettbewerb: Angenommen, das Gegenteil wäre der Fall und eine Alternative würde die beiden anderen Alternativen schlagen. Wenn das wahr wäre, könnten wir die Dreierwette einfach dadurch entscheiden, dass wir sie in eine Runde von Zweierwetten aufteilen. Aber wir haben bereits gesehen, dass kein Abstimmungsverfahren den Drei-Seiten-Wettbewerb entscheiden kann, also wissen wir, dass auch der Rundlauf keinen Gewinner hervorbringen kann. Mehrheitsregel: Obwohl dieses Ergebnis oft am BeiSpiel des Mehrheitswahlrechts veranschaulicht wird, ist die Erkenntnis deutlich allgemeiner. Solange der Entscheidungsprozess keine anderen Informationen als die Präferenzranglisten einbezieht und allen Wählern das gleiche Gewicht gibt, kann er einen Zyklus in einer Folge von Kopf-an-Kopf-Abstimmungen nicht vermeiden, wenn die Präferenzen eine metrische Wählerunterstützung haben. >Arrow-Theorem/Public-Choice-Theorie.


1. Shepsle, K. A. (2010). Analyzing Politics: Rationality, Behavior, and Institutions. 2. Edition.
New York: W.W. Norton & co.

Farber, Daniel A. “Public Choice Theory and Legal Institutions”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Kapazitätsmanagement Wirtschaftstheorien Mause I 462f
Kapazitätsmanagement/Wirtschaftstheorie: Beispiel Verkehrspolitik: Auf den ersten Blick führt eine Reduzierung von Verspätungen zu einer Wohlfahrtssteigerung. Problem: das ist zu kurz gedacht: Bsp Zuteilung von Zeitnischen an Flughäfen: diese werden eingeteilt in: a) verursacht durch Fluggesellschaft (technische Probleme am Flugzeug)
Mause I 463
b) verursacht durch den Flughafen (Infrastruktur), c) Abweichungen von der geplanten Flugroute, d) reaktionäre Verspätungen (ausgelöst durch frühere Verspätungen); Letzteres ist die häufigste Ursache. Reaktionäre Verspätung: a) rotational: der Rückflug verzögert sich wegen des verspäteten Hinflugs derselben Fluglinie), b) nicht-rotational: eine nicht-rotationale Verspätung tritt auf, wenn ein Flug auf Passagiere eines verspäteten Flugs (evtl. einer anderen Gesellschaft) warten muss. Auf diese Weise können sich Verspätungen weltweit ausbreiten. Kosten: a) Zeitkosten der Passagiere, b) „harte“, c) „weiche“ Kosten der Fluggesellschaft.
Harte Kosten der Fluggesellschaft: Betriebs- und Personalkosten, Kosten für Umbuchungen und Erstattungen.
Weiche Kosten der Fluggesellschaft: Kundenverluste durch Unzufriedenheit.
Zeitkosten der Passagiere: können weitgehend als Opportunitätskosten verstanden werden.
Opportunitätskosten: in diesem Fall die monetär bewertete Zeit, die man anders hätte besser nutzen können. (1) (2)
Zeitnischen: werden von der Europäischen Union verwaltet. Kapazitätsengpässe können durch freiwillige Koordination gelöst werden. Daneben gibt es viele Regionalflughäfen, die nicht ausgelastet sind. Durch Reduzierung von Genehmigungen und Entzerrung des Flugplans kann eine Minimierung von Verspätungen erreicht werden.
Problem: eine Minimierung von Verspätungen auf diese Art ist aus ökonomischer Sicht nicht per se wohlfahrtssteigernd: die maximale Zahl an Ankünften und Abflügen wird reduziert und damit a) die Durchschnittskosten pro Flug erhöht, sondern auch b) Netzwerkeffekte an Drehkreuzen gesenkt.
Netzwerkeffekte: Fluggesellschaften haben an Drehkreuzflughäfen ein Interesse, da damit viele Flüge in einem Zeitfenster gebündelt werden können. Es besteht dann ein Trade-off zwischen den Netzwerkeffekten durch zusätzliche Genehmigungen und der gestiegenen Anfälligkeit für Verspätungen.
Mause I 465
Kapazitätsreduzierung: ist aus theoretischer Sicht sinnvoll, je nachdem, ob sich der Flughafen bei der momentanen Kapazitätsauslastung rechts oder links vom optimalen Wert befindet, der sich aus der Gesamtkostenkurve ergibt. (vgl. Swaroop et al. 2012, S. 1240) (3) Dieses Beispiel lässt sich auch auf Schienenverkehrt bzw. Bahnsteige an Bahnhöfen übertragen. Problem: die bestehende Praxis wird aus wirtschaftswissenschaftlicher Sicht kritisiert, da Genehmigungen kostenlos sind und der Handel mit ihnen verboten ist. (Siehe auch Emissionsrechtehandel). Das System wird als „marktfern“ bezeichnet.
Lösung: durch eine Auktion der Zeitnischen könnten Gewinne erzielt werden.
Ein Sekundärmarkt könnte sicherstellen, dass die Fluggesellschaft mit dem höchsten Nutzen (und damit der höchsten Zahlungsbereitschaft) eine Genehmigung erhält.


1. University of Westminster. 2015. The cost of passenger delay to airlines in Europe. http:// ansperformance. eu/ references/ library/ passengerdelayco st. pdf. (Access date 25.11.2016
2. Bratu, Stephane, und Cynthia Barnhart. 2006. Flight operations recovery: New approaches considering passenger recovery. Journal of Scheduling 9( 3): 279– 298.
3. Swaroop, Prem, Bo Zou, Michael O. Ball, und Mark Hansen. 2012. Do more US airports need slot controls? A welfare based approach to determine slot levels. Transportation Research Part B: Methodological 46( 9): 1239– 1259.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Klassisches Gadamer I 292
Das Klassische/Gadamer: Das Klassische ist gerade dadurch eine wahrhaft geschichtliche Kategorie, dass es mehr ist als ein Epochenbegriff oder ein historischer Stilbegriff und dass es dennoch nicht ein übergeschichtlicher Wertgedanke sein will. Es bezeichnet nicht eine Qualität, die bestimmten geschichtlichen Erscheinungen zuzusprechen ist, sondern eine ausgezeichnete Weise des Geschichtlichseins selbst, den geschichtlichen Vorzug der Bewahrung, die - in immer erneuerter Bewährung - ein Wahres sein lässt. Es ist durchaus nicht so, wie die historische Denkweise glauben machen wollte, dass das Werturteil, durch das etwas als klassisch ausgezeichnet wird, von der historischen Reflexion und ihrer an allen teleologischen Konstruktionen des Geschichtsganges geübten Kritik wirklich zersetzt würde.
Werturteil/Gadamer: Das Werturteil, das im Begriff des Klassischen impliziert ist, Gewinnt vielmehr an solcher Kritik eine neue, seine eigentliche Legitimation: Klassisch ist, was der historischen Kritik
gegenüber standhält, weil seine geschichtliche Herrschaft, die verpflichtende Macht seiner sich überliefernden und bewahrenden Geltung, aller historischen Reflexion schon voraus liegt und sich in ihr durchhält. BeiSpiel:
Hellenismus/Droysen/Gadamer: Droysen hat mit Recht die weltgeschichtliche Kontinuität und die Bedeutung des Hellenismus für die Geburt und Ausdeutung des Christentums betont. Aber er hätte es nicht erst nötig gehabt, diese historische Theodizee zu vollziehen, wenn es nicht noch immer ein Vorurteil zugunsten des Klassischen gegeben hätte und wenn nicht die Bildungsmacht
des an der „klassischen Antike“ festgehalten und sie als das unverlorene antike Erbe in der abendländischen Bildung bewahrt hätte.
Klassik/Gadamer: Das Klassische ist eben im Grunde etwas anderes als ein deskriptiver Begriff, den
ein objektivierendes historisches Bewusstsein handhabt; es ist eine geschicht-
I 293
liche Wirklichkeit, der auch noch das historische Bewusstsein zugehört und untersteht. Was klassisch ist, das ist herausgehoben aus der Differenz der wechselnden Zeit und ihres wandelbaren Geschmacks (...). Norm/Klassik/Gadamer: Das erste also an dem Begriff des (und das entspricht auch ganz dem antiken wie dem neuzeitlichen Sprachgebrauch) ist der normative Sinn. Sofern diese Norm aber auf eine einmalige vergangene Größe rückschauend bezogen wird, die sie erfüllte und darstellte, enthält sie immer schon elnen Zeit-Ton, der sie geschichtlich artikuliert.
Klassizismus/Gadamer: So war es kein Wunder, dass mit der beginnenden historischen Reflexion, für die in Deutschland (...) der Klassizismus Winckelmanns bestimmend geworden ist, aus dem in dieser Weise als klassisch Geltenden ein historischer Begriff einer Zeit oder einer Epoche abgelöst wurde, um ein inhaltlich umschriebenes Stilideal, und zugleich historisch-deskriptiv eine Zeit oder
eine Epoche zu bezeichnen, die dieses Ideal erfüllte.
Epigonentum/Gadamer: Im Abstand des Epigonen, der den Maßstab aufrichtet, zeigt sich, dass die Erfüllung dieses Stilideals einen weltgeschichtlichen Augenblick bezeichnet, der der Vergangenheit
angehört.
I 294
Gattungen/Ideal/Stilphasen/Gadamer: [die als] klassisch geltenden Autoren sind, wie man weiß, jeweils die Repräsentanten bestimmter literarischer Gattungen. Sie galten als die perfekte Erfüllung solcher Gattungsnorm, ein in der Retrospektive der literarischen Kritik sichtbares Ideal. Denkt man nun diesen Gattungsnormen gegenüber historisch, das heißt, denkt man die Geschichte dieser Gattungen, dann wird das Klassische zu dem Begriff einer Stilphase, eines Höhepunktes, der nach
Vorher und Nachher die Geschichte dieser Gattung artikuliert.
Epochen/Gadamer: Sofern nun die gattungsgeschichtlichen Höhepunkte zu einem guten Teile dem gleichen, eng bemessenen Zeitraum angehören, bezeichnet das Klassische innerhalb des Ganzen der geschichtlichen Entwicklung des klassischen Altertums eine solche Phase und wird so zum Epochenbegriff, der mit dem Stilbegriff verschmilzt. >Das Klassische/Hegel.
I 295
Diese Erörterung des Begriffs des Klassischen (...) möchte eine allgemeine Frage wecken. Sie lautet: Liegt am Ende solche geschichtliche Vermittlung der Vergangenheit mit der Gegenwart, wie sie den Begriff des Klassischen prägt, allem historischen Verhalten als wirksames Substrat zugrunde? >Hermeneutik/Gadamer.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Kollektive Intelligenz Sunstein I 23
Kollektive Intelligenz/Sunstein: bei Befragungen von zufällig ausgeählten Gruppen erfährt man meist sehr genau, was Leute denken, Bsp Wahlprognosen, Beliebtheit von TV-Sendungen usw. Etwas anderes ist es, wenn man erfahren möchte, was wahr ist, nicht was die Leute glauben. Hier gibt es berühmte BeiSpiele:
Hazel Knight fragte schon vor viele Jahren Studenten, wie warm es im Raum sei. Schätzungen differierten stark, das Mittel traf den korrekten Wert aber ziemlich genau. (1)
Wenn Leute die Anzahl von Bohnen in einem Gefäß schätzen sollen, ist es ähnlich. (2)
I 24
Der Britische Wissenschaftler Francis Galton ließ das Gewicht eines Ochsen auf einer Versteigerung schätzen. Das Ergebnis war auf ein Pfund genau. (3) Sunstein: Frage: sollte sich eine Firma bei der Neueinstellung von Mitarbeitern auf das Urteil der bisherigen Mitarbeiter verlassen? Und sollten Menschen bei Entscheidungen über ihr Leben andere befragen und das Durchschnittsergebnis befolgen? Wie ist es bei Umweltmaßnahmen?
I 25
Durchschnitt/Sunstein: in welchen Situationen ist ein Durchschnitt gebildet aus vielen Meinungen sinnvoll? Siehe Zufälligkeit:
I 27
Zufälligkeit: die Wahrscheinlichkeit, dass Gruppen richtig liegen ist, höher, wenn diese Gruppen zufällig zusammengestellt sind. (Siehe Entscheidungstheorie/Condorcet).
I 33
Problem/Sunstein: man muss leider Expertise bei den Beteiligten voraussetzen, damit das Ergebnis kollektiver Entscheidungen im Sinn tatsächlicher Gegebenheiten ausfällt. In zwei Arten von Fällen wird das Urteil einer statisch ausgewählten Gruppe falsch sein: a) wenn es eine Tendenz im Hinblick auf ein bestimmtes Ergebnis bei den Mitgliedern gibt
b) wenn die Antworten schlechter ausfallen, als es bei zufälligen Antworten der Fall wäre.
I 34
Versuchspersonen werden oft durch sogenannte Anker fehlgeleitet, z.B. Zahlen, die in eine Erklärung eingestreut werden. Genauso werden Richter beeinflusst. Je größer nun Gruppen werden, desto größer ist die Gefahr, dass ein solcher Anker sich auswirkt ((s) da für jedes Mitglied ja derselbe Anker wirksam ist). (4)
I 41
Statistik: sollten Statistische Erkenntnisse stärkere Berücksichtigung finden? Das hängt davon ab, ob die befragten Experten in einer Position waren, gute Antworten zu liefern, die dann statistisch ausgewertet werden können.
I 49
Gemeinschaft/Aristoteles: wenn mehrere zusammenkommen (…) kann jeder seinen Teil beitragen an Tugend und moralischer Klugheit (…) und einige werden etwas, andere etwas anderes einsehen und alle zusammen werden alles einsehen. (5)
I 54
Sunstein: hier ist das Ganze die Summe seiner Teile und das ist auch das, was angestrebt wurde. Das ist eine Lesart von Aristoteles Vorschlag, dass eine Gruppe besser funktioniert als einige Wenige der Besten. Aber es gibt auch die Sicht, dass eine Gruppendiskussion mehr liefert als die Summe der Teile. Eine Form der Informationsgewinnung, bei der der Austausch von Ansichten kreative Lösungen erbringt. Es kann aber noch andere Formen geben, sodass durch Synergieeffekte und Lernen die Leistung einer Gruppe die der besten Mitglieder übertrifft. (6)
I 56
Da aber bei Beratungen Uniformität herbeigeführt und Vertrauen in ein Ergebnis wird, kann dieses am Ende favorisiert werden, auch wenn es Fehler birgt.
I 66
Gruppendruck/Solomon Asch: in einem berühmt gewordenen Experiment zeigte Asch, wie Gruppenmitglieder auf eine eindeutig falsche Einschätzung der Gruppe einschwenkten, nachdem sie zuvor richtige Einschätzungen (in Bezug auf die Länge von Linien) abgegeben hatten. (7) Investmentclubs treffen manchmal schlechte Entscheidungen, wenn die Mitglieder durch zu enge soziale Bindungen verknüpft sind und abweichende Meinungen zensiert werden (8), (9).
I 70
Vertreter von Minderheiten in Gruppen verhalten sich oft zurückhaltender und entwickeln weniger Gewicht (10). Konkret: sie sprechen weniger und üben weniger Einfluss aus. (11)

1. Lorge et al., “A Survey of Studies Contrasting the Quality of Group Performance and Individual Performance, 1920–1957,” 344.
2. See Surowiecki, The Wisdom of Crowds, p. 5
3. Surowiecki, pp. xi–xiii.
4. Lorge et al. P. 346.
5. Aristotle, Politics, trans. E. Barker (London: Oxford University Press, 1972), 123.
6. See David J. Cooper and John H. Kagel, “Are Two Heads Better Than One? Team versus Individual Play in Signalling Games,” American Economic Review 95 (2005): 477; Gigone and Hastie, “Proper Analysis,” 143–53 (offering some examples of group success, while showing that such success is not typical).
7. See the overview in Solomon Asch, “Opinions and Social Pressure,” in Readings about the Social Animal, ed. Elliott Aronson (New York: W. H. Freeman, 1995), 13.
8. See Brooke Harrington, Pop Finance: Investment Clubs and the New Ownership Society (Princeton, NJ: Princeton University Press, forthcoming).
9. See José M. Marques et al., “Social Categorization, Social Identification, and Rejection of Deviant Group Members,” in Hogg and Tindale, Group Processes, pp. 400, 403.
10. See Glenn C. Loury, Self-Censorship in Public Discourse: A Theory of “Political Correctness” and Related Phenomena, Boston University, Ruth Pollak Working Paper Series on Economics (1993), p 3.
11. See Caryn Christensen and Ann S. Abbott, “Team Medical Decision Making,” in Decision Making in Health Care, ed. Gretchen B. Chapman and Frank A. Sonnenberg (Cambridge, UK: Cambridge University Press, 2000), 272–76 (discussing effects of status on exchange of information in group interactions).

Sunstein I
Cass R. Sunstein
Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge Oxford 2008

Sunstein II
Cass R. Sunstein
#Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media Princeton 2017
Kommunikationsaktivität Kranton Kranton I 433
Kommunikationsaktivität/Maximales Kommunikationsgleichgewicht/MCE/Bloch/Demange/Kranton: Wir zeigen, dass das maximale Kommunikationsgleichgewicht (MCE) für die unvoreingenommenen Mittler pareto-optimal ist und ein Verfeinerungskriterium liefert, das als "Aktivität" bezeichnet wird und das zwischen den Gleichgewichten unterscheidet. 1. (...) wie bei Spielen in denen es nur um Gerede geht, gibt es auch nichts aussagende Gleichgewichte, in denen keine wertvollen Informationen geschaffen werden. Angenommen, jeder unvoreingenommene Mittler, der das Signal nicht empfangen hat, führt die gleiche Aktion unabhängig von einer empfangenen Nachricht durch und stimmt gemäß seinem vorherigem Glauben für 0. In diesem Fall sind alle unvoreingenommenen Mittler gleichgültig zwischen allen Aktionen: dem Erstellen oder Nicht-Erstellen von wahren bzw. falschen Nachrichten und dem Übertragen oder Nicht-Übertragen von Nachrichten. Ein einfaches Gleichgewicht besteht dann aus den folgenden Strategien:
Unvoreingenommene Mittler erstellen oder senden niemals Nachrichten, und voreingenommene Mittler erstellen immer m = 1 nach Erhalt des Signals und senden jede m = 1, aber keine andere Nachricht. Die einzigen Nachrichten, die erzeugt werden, sind die von den voreingenommenen Mittlern, und daher sind sie nicht informativ. Diese Strategien bilden ein Gleichgewicht, das durch (konsistente) spätere Überzeugungen unterstützt wird, die dem Vorhergehenden entsprechen, mit Ausnahme des Mittlers, der das Signal empfangen hat.
2. Zweitens gibt es Equilibria, in denen unvoreingenommene Akteure wahrheitsgetreue Botschaften erzeugen, aber keine glaubwürdigen Botschaften übermitteln. Diese Equilibria sind mit einem Koordinationsfehler behaftet und lassen sich nicht ohne weiteres mit Hilfe von Standard-Auswahlargumenten beseitigen. Das standardmäßige Perfektionsargument, das in einem ÜberzeugungsSpiel eine Übertragung erzeugt, gilt in unserem Modell nicht. Aufgrund der Anwesenheit von voreingenommenen Mittlern sind Nachrichten nicht perfekt informativ, und es kann sinnvoll sein, Nachricht 1 nicht zu übermitteln.
Kranton I 434
Um den Gleichgewichtssatz zu verfeinern, sollten die Aufmerksamkeit auf die folgenden einfachen Strategien beschränkt werden: Ein voreingenommener Mittler ist aktiv, nur wenn sie die Nachricht M(s) = 1 erstellt und nur die Nachricht 1 sendet. Ein unvoreingenommener Mittler ist aktiv, nur wenn sie eine Nachricht erstellt, die mit dem Signal übereinstimmt und die Nachricht m sendet, wenn sie denkt, dass die Wahrscheinlichkeit, dass der wahre Zustand m ist, höher als 1/2 ist. Diese Verfeinerung ermöglicht es uns, das MCE herauszufiltern. Fazit: Das MCE ist das einzige Gleichgewicht, in dem alle Mittler aktiv sind. In einem Gleichgewicht, in dem alle Mittler aktiv sind, sind Koordinationsfehler sowohl bei der Nachrichtenerstellung als auch bei der Übertragung ausgeschlossen. Dies führt zu den höchsten erwarteten Gewinnen für die unvoreingenommenen Mittler. >Netzwerkmodelle/Kranton, >Kommunikationsmodelle/Kranton, >Kommunikationsfilter/Kranton, >Falschinformationen/Wirtschaftstheorien, >Kommunikationsgleichgewicht/Bayesianismus.



Francis Bloch, Gabrielle Demange & Rachel Kranton, 2018. "Rumors And Social Networks," International Economic Review, Department of Economics, University of Pennsylvania and Osaka University Institute of Social and Economic Research Association, vol. 59(2), pages 421-448.

Kranton I
Rachel E. Kranton
Francis Bloch
Gabrielle Demange,
Rumors And Social Networks 2018

Kranton II
Rachel E. Kranton
George A. Akerlof
Identity Economics: How Our Identities Shape Our Work, Wages, and Well-Being Princeton 2011
Kommunikationsgleichgewicht Kranton Kranton I 421
Kommunikationsgleichgewichte/Bloch/Demange/Kranton: Vollständiges Kommunikationsgleichgewicht/FCE: (...) ein vollständiges Kommunikationsgleichgewicht (FCE) [ist ein Zustand], in dem alle voreingenommenen und unvoreingenommenen Akteure Nachrichten übermitteln und daher möglicherweise falsche Gerüchte verbreiten. Sie tun dies, weil die Wahrscheinlichkeit, dass das Gerücht wahr ist, hinreichend groß ist. Die Gleichgewichtsbedingungen hängen von der Anzahl und Verteilung der voreingenommenen und unvoreingenommenen Mittler in der Bevölkerung ab. In einem Netzwerk muss für jeden Mittler die Menge der möglichen Absender einer Nachricht ausreichend wenige voreingenommene Mittler enthalten.
Kranton I 428
Beispiel: Betrachten Sie fünf Mittler in einer Linie, (...), wobei die Verbindungen eine Kommunikation in beide Richtungen ermöglichen, mit vier unvoreingenommenen Mittlern und einem voreingenommenen Mittler in der Mitte. Angenommen, unvoreingenommene Mittler erzeugen beim Empfangen eines Signals echte Nachrichten und senden jede Nachricht, die sie empfangen. Können diese Strategien ein Gleichgewicht bilden? [Ja], Strategien, bei denen alle unvoreingenommenen Mittler alle Nachrichten übermitteln, bilden ein [vollständiges Kommunikations-]gleichgewicht [FCE].
Kranton I 429
Strategien: Nach Erhalt des Signals erstellt jeder voreingenommene Mittler eine Nachricht, die zu ihr passt. Voreingenommen, d.h. Mi(s) = 1. Jeder voreingenommene Mittler sendet eine Nachricht nur, wenn die Nachricht 1 ist, d.h.,
ti(0) = ∅, ti(1) = 1. Jeder unvoreingenommene Mittler i erstellt beim Empfangen eines Signals eine wahre Nachricht; das
ist, Mi(s) = s, und sendet jede empfangene Nachricht, d.h. ti(m) = m.
Überzeugungen: (1) Für einen Mittler i, der eine Nachricht m = 0 von einem unvoreingenommenen Nachbarn j erhalten hat, ρi(0(j)) = 0. (2) Für einen Mittler i, der eine Nachricht m = 1 erhalten hat.
Diese Strategien und Überzeugungen bilden ein Gleichgewicht des NetzwerkSpiels, wenn der spätere
Glaube an einen Mittler, der die Nachricht m(j) = 1 empfängt, weitergegeben wird; das heißt, wenn ρi(1(j)) ≥ 1/2.
Kranton I 430
Fazit: Ein FCE (...) existiert schätzungsweise, wenn die Anzahl der voreingenommenen Mittler gering ist und über das Netzwerk verteilt ist.
Kranton I 422
Maximales Kommunikationsgleichgewicht/MCE/Bloch/Demange/Kranton: [Wenn die Bedingung für die] vollständige Kommunikation [fehlschlägt], gibt es ein Gleichgewicht, genannt maximales Kommunikationsgleichgewicht (MCE), in dem die Kommunikation maximiert wird: In jedem Gleichgewicht fließen Informationen nur dann am Rande, wenn sie in diesem MCE fließen. Ein Hauptmerkmal dieses Gleichgewichts ist, dass Informationen von einem Teil des Netzwerks zum anderen fließen können, jedoch nicht in die umgekehrte Richtung. Unbefangene Mittler erhalten die Glaubwürdigkeit von Nachrichten aufrecht, indem sie diejenigen blockieren, die aus einem Teil des Netzwerks stammen, der zu viele voreingenommene Mittler enthält
Kranton I 432
und begrenzen so den Einfluss lokal voreingenommener Mittler.
Kranton I 422
Derselbe Mittler sendet jedoch Nachrichten, die aus einer anderen Richtung kommen. Diese MCEs liefern die höchsten erwarteten Gewinne aller perfekten Bayes'schen Gleichgewichte des Spiels.
Kranton I 432
Insbesondere kommunizieren zwei unvoreingenommene Mittler immer in einem MCE (...) miteinander.
Kranton I 431
Strategien: Voreingenommene Mittler erstellen nach Empfang des Signals eine Nachricht, die ihrer Voreingenommenheit entspricht, d.h. M(s) = 1. Voreingenommene Mittler senden nur Nachrichten, die ihrer Voreingenommenheit entsprechen, d.h. t(0) = Ø, (Ø = Nachricht gesperrt) t(1) = 1. Unbefangene Mittler erzeugen nach Empfang eines Signals wahre Nachrichten, d.h. M(s) = s. Alle unvoreingenommenen Mittler i, senden Nachricht 1, die sie von Mittler j empfangen haben, wenn (j, i) ∈ G∗; (>Terminologie/Kranton) ansonsten sendet Mittler i
Kranton I 432
die Nachricht nicht. Alle unvoreingenommenen Mittler senden Nachrichten m = 0, die von einem beliebigen Mittler empfangen wurden.
Überzeugungen/Glaube: Das einzige Ereignis, für das Überzeugungen angegeben werden müssen, ist, wenn ein Mittler eine Nachricht 0 von einem voreingenommenen Mittler erhält. Wie zuvor nehmen wir an, dass i's späterer Glaube in diesem Fall gleich ist mit seinem vorherigen.
Fazit: Die oben genannten Strategien und Überzeugungen bilden ein Gleichgewicht des Netzwerkspiels. Wir nennen dieses Gleichgewicht das "MCE", da die Kommunikation unter allen Gleichgewichten in folgendem Sinne maximal ist: In jedem Gleichgewicht, wenn (j, i) / ∈ G∗ (äquivalent (j, i) ∈ W), dann ist j voreingenommen und i überträgt m = 1 nicht von j. (>Terminologie/Kranton).
Kranton I 434
Mittler/Maximales Kommunikationsgleichgewicht/MCE: (...) voreingenommene Mittler bevorzugen immer das MCE gegenüber jedem Gleichgewicht mit partieller Kommunikation und jedem Gleichgewicht mit partieller Kommunikation gegenüber einem Gleichgewicht ohne Kommunikation. Der erwartete Nutzen von unvoreingenommenen Mittlern ist schwieriger zu bewerten. (...) der erwartete Nutzen von unvoreingenommenen Mittlern ist der höchste im MCE (d.h. im FCE, wenn es existiert) und der niedrigste in einem Gleichgewicht ohne Kommunikation.

Francis Bloch, Gabrielle Demange & Rachel Kranton, 2018. "Rumors And Social Networks," International Economic Review, Department of Economics, University of Pennsylvania and Osaka University Institute of Social and Economic Research Association, vol. 59(2), pp. 421-448.

Kranton I
Rachel E. Kranton
Francis Bloch
Gabrielle Demange,
Rumors And Social Networks 2018

Kranton II
Rachel E. Kranton
George A. Akerlof
Identity Economics: How Our Identities Shape Our Work, Wages, and Well-Being Princeton 2011
Kommunikationsmodelle Kranton Kranton I 424
Kommunikationsmodelle/Benchmark-Modelle/Mittler/Bloch/Demange/Kranton: Es gibt eine Bevölkerung von |N| = n Mittler und zwei mögliche Naturzustände, θ ∈ {0, 1}. Mittler: Verdienen Gewinne aus einer kollektiven Entscheidung oder einem Ergebnis; x ∈ {0, 1} bezeichnet das Ergebnis. Es gibt zwei Arten von Mittlern mit unterschiedlichen Einstellungen:
a) unvoreingenommene Mittler: (Satz U): Bevorzugen das Ergebnis, das dem natürlichen Zustand entspricht.
b) Voreingenommene Mittler: (Satz B) bevorzugen, dass das Ergebnis x= 1 implementiert wird, unabhängig vom natürlichen Zustand.
Die Anzahl der voreingenommenen und unvoreingenommenen Mittler in der Bevölkerung ist allgemein bekannt. Mittler haben einen gemeinsamen vorherigen Glauben, dass θ = 1 mit der Wahrscheinlichkeit π. Wir gehen davon aus, dass π < 1/2, sodass Mittler zunächst glauben, dass der wahre Zustand 0 ist, mit höherer Wahrscheinlichkeit. Bei dieser ersten Vorabinformation sind die Mittler besonders an glaubwürdigen Informationen interessiert, dass das Ergebnis 1 ist.
Interaktion: ist zwischen den Mittlern in drei Phasen unterteilt: (i) eine Phase der Erstellung von Nachrichten, (ii) eine Kommunikationsphase und (iii) eine Phase der gemeinsamen Abstimmung.
Kranton I 425
Kommunikation/Benchmark-Modelle/Kommunikationsmodelle/Kommunikationsmodelle/Nash Gleichgewicht/Kranton: Wir betrachten zwei Benchmark-Modelle der Kommunikation (...). Im "Rundfunk-Modell" sendet der empfangende Mittler seine Botschaft direkt an alle anderen Mittler. Im "Netzwerkkommunikationsmodell" sind die Mittler entlang eines sozialen Netzwerks organisiert. Mittler i empfängt eine Nachricht m(j) von einem seiner Nachbarn j und wählt, ob er seine Nachricht an alle anderen Nachbarn senden möchte oder nicht. >Rundfunkmodell, >Netzwerkmodell. Nachdem alle möglichen Kommunikationen stattgefunden haben, stimmen die Mittler zwischen zwei Alternativen ab: 0 und 1.
Jeder voreingenommene Mittler stimmt für
Kranton I 426
Ergebnis 1 unabhängig von seinem späteren Glauben. Jeder unvoreingenommene Mittler stimmt für Ergebnis x = 1, wenn ρi > 1/2, und stimmt für Ergebnis 0, wenn ρi < 1/2 (...). (...) es ist optimal für unvoreingenommene Mittler, nach ihren Überzeugungen zu wählen. Nash-Gleichgewicht: Ein Nash-Gleichgewicht des AbstimmungsSpiels besteht aus den folgenden Strategien [.] Jeder unvoreingenommene Mittler i, stimmt für das Ergebnis x = 1, wenn ρi > 1/2, für das Ergebnis x = 0, wenn ρi < 1/2, und für 0 und 1 mit gleicher Wahrscheinlichkeit, wenn ρi = 1/2. Jeder unvoreingenommene Mittler stimmt für das Ergebnis x = 1."
(...) gehen wir davon aus, dass Mittler die kollektive Entscheidung auf diese Weise treffen und somit einen Anreiz haben, Informationen zu kommunizieren, die den späteren Glauben anderer und damit ihre "Stimmen" beeinflussen. Die vorherigen Überzeugungen der unvoreingenommenen Mittler sind, dass der Zustand 0 wahrscheinlicher ist und stimmen daher für Ergebnis 0, wenn es keine Möglichkeit der Kommunikation gibt. Ein besonderer Nutzen der Kommunikation besteht dann darin, zu lernen, dass 1 eher der wahre Zustand ist.


Francis Bloch, Gabrielle Demange & Rachel Kranton, 2018. "Rumors And Social Networks," International Economic Review, Department of Economics, University of Pennsylvania and Osaka University Institute of Social and Economic Research Association, vol. 59(2), pages 421-448.

Kranton I
Rachel E. Kranton
Francis Bloch
Gabrielle Demange,
Rumors And Social Networks 2018

Kranton II
Rachel E. Kranton
George A. Akerlof
Identity Economics: How Our Identities Shape Our Work, Wages, and Well-Being Princeton 2011
Kooperation Surowiecki I 163
Kooperation/SurowieckiVsAxelrod/Surowiecki: Robert Axelrods Annahme eines „Schattens der Zukunft“ bei dem bisherige Erfahrungen mit Kooperationspartnern unser zukünftiges Verhalten determinieren, erklärt nicht, warum wir fremden Menschen vertrauen, bei eBay kaufen, Trinkgelder geben. (Siehe Koperation/Axelrod) Lösung/Robert Wright/Surowiecki: Wright These: weil wir im Laufe der Zeit gelernt haben, dass Handel und Tausch Spiele sind, bei denen jeder gewinnt, nicht nur einer gewinnt und einer verliert. Kooperation ist nach dieser These kein Nullsummenspiel. (1). (Siehe Robert WrightVsAxelrod).
I 234
Gruppen/Kooperation: in kleinen Gruppen kann es geschehen, da Mitarbeiter im Verlauf der Zusammenarbeit nicht klüger, sondern dümmer werden. Ein Beispiel dafür ist die Columbia-Katastrophe, bei der ein herausgebrochenes Stück Styropor den Hitzeschild der Raumfähre Columbia so beschädigte, dass diese beim Wiedereintritt in die Erdatmosphäre verglühte. Die Gruppe missachtete Hinweise und verschmähte Möglichkeiten, sich Informationen zu beschaffen.
I 235
Kleingruppen: die Beziehung zwischen Mittgliedern von Kleingruppen ist eine ganz andere als de von größeren Gruppen. Diese fühlen sich ihrem Team zugehörig, statt z.B. als Marktteilnehmer in einem größeren Geschehen. Urteile innerhalb der Gruppe fallen durch starke gegenseitige Beeinflussung unvorhersehbarer aus.
I 248
Das Ergebnis von Gruppendiskussionen wird in hohem Maße durch die Reihenfolge der Diskussionsbeiträge bestimmt. Je früher die Wortmeldungen, desto größer ihr Einfluss auf den Verlauf der Diskussion: Sie legen in der Regel den Rahmen für die weiteren Argumente fest. (Siehe auch Information/Sunstein).

1. Robert Wright, Nonzero – The Logic of Human Destiny (Pantheon, New York 2000).

Surowi I
James Surowiecki
Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne und wie wir das kollektive Wissen für unser wirtschaftliches, soziales und politisches Handeln nutzen können München 2005
Korrektheit Platon Gadamer I 350
Korrektheit/Wahrheit/Formalismus/Sophistik/Platon/Gadamer: [Platon hat] klar gesehen (...), dass es kein argumentativ zureichendes Kriterium gibt, durch das sich wahrhaft philosophischer Gebrauch der Rede von sophistischem unterscheiden ließe. Insbesondere zeigt er im 7. Brief, dass die formale Widerlegbarkeit einer These nicht unbedingt ihre Wahrheit ausschließt.(1) Vgl. >Reflexion/Gadamer, >Reflexion/Hegel, >Sophisten/Platon.
Gadamer I 412
Richtigkeit/Wort/Sprache/Denken/Platon/Gadamer: Sieht man (...) den Streit um die „Richtigkeit der Namen“ wie ihn der „Kratylos“ (2-4) schlichtet, so gewinnen die dort zur Diskussion stehenden Theorien >Wort/Platon, >Namen/Platon, >Sprache/Platon) plötzlich ein über Plato und dessen eigene Absicht hinausgehendes Interesse. Denn beide Theorien, die der platonische Sokrates zum Scheitern bringt, werden nicht in ihrem vollen Wahrheitsgewicht gewogen. A. Die konventionalistische Theorie führt die der Worte auf ein Namengeben zurück, gleichsam auf ein Taufen der Dinge aufeinen Namen. ((s) Vgl. Die heutige >Kausaltheorien der Namen.)
Für diese Theorie liegt im Namen offenbar keinerlei Anspruch auf sachliche Erkenntnis - und nun überführt Sokrates den Verfechter dieser nüchternen Ansicht dadurch, dass er sich vom Unterschied des wahren und des falschen Logos aus auch die Bestandteile des Logos, die Worte (onomata) als wahr oder falsch zugeben lässt und ebenso das Nennen als einen Teil des Sprechens auf die im Sprechen geschehende Aufdeckung des Seins (ousia)
Gadamer I 413
bezieht.(4) Das ist eine mit der konventionalistischen These so unvereinbare Behauptung, dass es leicht ist, von da aus umgekehrt eine für den wahren Namen und die richtige Namengebung maßgebende zu deduzieren. Dass das so erzielte Verständnis von der Namen zu einem etymologischen Rausch und zu den absurdesten Konsequenzen führt, wird von Sokrates selbst eingestanden (...).
B. Ähnlichkeitstheorie: (...) ihre Erörterung [hält sich] ganz innerhalb der Voraussetzungen der „Natur-Theorie“ nämlich an das Ähnlichkeitsprinzip, und löst dasselbe nur durch schrittweise Einschränkung auf. Wenn nämlich die „Richtigkeit“ der Namen wirklich auf der richtigen, d. h, den Sachen angemessenen Namenfindung beruhen sollte, so gibt es selbst dann noch, wie bei
jeder solchen Anmessung, Grade und Abstufungen der Richtigkeit.
Nun mag, wenn nur das ein wenig Richtige noch den Umriss (typos) der Sache in sich abbildet, es schon gut genug sein, um brauchbar zu sein.(6) Aber man muss noch weitherziger sein. Es kann ein Wort auch dann verstanden werden, offenbar aus Gewöhnung und Vereinbarung, wenn es Laute enthält, die gar nichts Ähnliches mit der Sache haben - so dass das ganze Prinzip der Ähnlichkeit ins Wanken kommt und an BeiSpielen wie den Wörtern für Zahlen widerlegt wird. Dort kann schon deshalb gar keine Ähnlichkeit statthaben, weil Zahlen nicht der sichtbaren und bewegten Welt angehörig sind, so dass für sie das Prinzip der Übereinkunft offenkundig allein gilt.
Lösung/Platon: Die Konvention, die sich im praktischen Sprachgebrauch darstellt und die Richtigkeit der Worte allein ausmacht, mag sich nach Möglichkeit des Ähnlichkeitprinzips bedienen, aber sie ist nicht an es gebunden.(7)
Erkenntnis/Sprache/Worte/Platon: Das ist ein sehr gemäßigter Standpunkt, der aber die grundsätzliche Voraussetzung einschließt, dass die Worte keine wirkliche Erkenntnisbedeutung besitzen - ein Ergebnis, das über die ganze Sphäre der Worte und die Frage ihrer Richtigkeit hinausweist auf die Erkenntnis der Sache.
Gadamer: Das ist es offenbar, worauf es Plato allein ankommt.
Gadamer I 414
Der Umgang mit der Sache, um den es hier geht, ist das Offenbarmachen der gemeinten Sache. Das Wort ist dann richtig, wenn es die Sache zur Darstellung bringt, also wenn es eine Darstellung (mimesis) ist. Nun handelt es sich gewiss nicht um nachahmende Darstellung im Sinne einer unmittelbaren Abbildung, so dass die lautliche oder sichtbare Erscheinung abgebildet würde, sondern es ist das Sein (ousia), das, was der Bezeichnung, zu sein (einai), gewürdigt wird, das durch das Wort offenbar gemacht werden soll. Gadamer: Es fragt sich aber, ob dafür die in dem Gespräch gebrauchten Begriffe, die Begriffe des mimema bzw. des als mimema verstandenen deloma richtig sind. Im Wesen des mimema liegt gewiss, dass in ihm auch noch etwas anderes, als es selbst darstellt, zur Darstellung kommt. Bloße Nachahmung, „Sein wie“enthält also immer schon die Ansatzmöglichkeit für die Reflexion auf den
Seinsabstand zwischen Nachahmung und Vorbild.
Weder wahr noch falsch/Kratylos: [Kratylos] hat ganz recht wenn er sagt, soweit ein Wort Wort sei, müsse es „richtiges“, richtig „liegendes“ sein. Ist es das nicht, de h. hat es keine Bedeutung, dann sei es ein bloßes tönendes Erz.(8) Es hat wirklich keinen Sinn, in solchem Falle von „falsch“ zu sprechen. ((s) Vgl. >Wahrheitwertlücke).


1. Das ist der Sinn der schwierigen Darlegung von 343 c d, für die die Leugner der Echtheit des 7. Briefes einen zweiten, namenlosen Plato annehmen müssen. (Vgl. Meine ausführliche Darlegung „Dialektik und Sophistik“ im VII. platonischen Brief (Bd. 6 der Ges. Werke, S. 90—115).
2. Krat. 384 d.
3. Krat. 388 c.
4. Krat. 438 d-439 b.
5. Krat. 385 b, 387 c.
6. Krat. 432 a ff.
7. Krat. 434 e.
8. Krat. 429 loc, 430 a.



Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Kripkes Wittgenstein Kripkes Wittgenstein: Interpretation von Saul A. Kripke eines Problems von L. Wittgenstein im Zusammenhang mit dem Regelfolgen. Kripke dehnt Wittgensteins Zweifel in Bezug auf die Sicherheit, mit der wir unser eigenes Meinen beurteilen, aus. Wenn wir nur Regeln zu befolgen glauben, wissen wir zum BeiSpiel nicht sicher, was wir mit Addition meinen. Aus einer endlichen Folge von Fällen in der Vergangenheit lässt sich keine Gewissheit über zukünftige Fälle Gewinnen. Kern des Problems ist nach Kripke, dass es keine Tatsachen gibt, die die Bedeutung unserer eigenen Überzeugungen festlegen.
Künstler Gadamer I 91
Künstlertum/Künstler/Gadamer: Was wir ein Kunstwerk nennen und ästhetisch erleben, beruht (...) auf einer Leistung der Abstraktion. Indem von allem abgesehen wird, worin ein Werk als seinem ursprünglichen Lebenszusammenhang wurzelt, von aller religiösen oder profanen Funktion, in der es stand und in der es seine Bedeutung besaß, wird es als das „reine Kunstwerk“ sichtbar.
I 92
Die „ästhetische Unterscheidung“ die es als ästhetisches Bewusstsein betätigt, schafft sich auch ein eigenes äußeres Dasein. Sie beweist ihre Produktivität, indem sie der Simultaneität ihre Stätten bereitet, die „Universalbibliothek“ im Bereiche der Literatur, das Museum, das stehende Theater, den Konzertsaal usw.
I 93
So verliert durch die „ästhetische Unterscheidung« das Werk seinen Ort und die Welt, zu der es gehört, indem es dem ästhetischen Bewusstsein zugehörig wird. Dem entspricht auf der anderen Seite, dass auch der Künstler seinen Ort in der Welt verliert. Auftragskunst: Das zeigt sich in der Diskreditierung dessen, was man Auftragskunst nennt. In dem Zeitalter des von der Erlebniskunst beherrschten öffentlichen Bewusstsein bedarf es der ausdrücklichen Erinnerung daran, dass das Schaffen aus freier Inspiration ohne Auftrag, vorgegebenes Thema und gegebene Gelegenheit ehedem der Ausnahmefall im künstlerischen Schaffen war (...). Der freie Künstler schafft ohne Auftrag. Er scheint gerade durch die völlige Unabhängigkeit seines Schaffens ausgezeichnet und Gewinnt daher auch gesellschaftlich die charakteristischen Züge eines Außenseiters, dessen Lebensformen nicht mit den Maßen der öffentlichen Sitte gemessen werden.
Zugleich aber wird der Künstler, der so „frei wie Vogel oder Fisch“ist, mit einer Berufung belastet, die ihn zu einer zweideutigen Figur macht. Denn eine aus ihren religiösen Traditionen heraus gefallene Bildungsgesellschaft erwartet von der Kunst sogleich mehr, als dem ästhetischen Bewusstsein auf dem „Standpunkt der Kunst“ entspricht. Die romantische Forderung einer neuen Mythologie, wie sie bei F. Schlegel, Schelling, Hölderlin und dem jungen Hegel laut wird(1) aber ebenso beispielsweise in den künstlerischen Versuchen und Reflexionen des Malers Runge lebendig ist, gibt dem Künstler und seiner Aufgabe in der Welt das Bewusstsein einer neuen Weihe. >Ästhetik/Hegel.
I 94
Dieser Anspruch bestimmt seither die Tragödie des Künstlers in der Welt. Denn die Einlösung, die der Anspruch findet, ist immer nur eine partikulare. Das aber bedeutet in Wahrheit seine Widerlegung. Das experimentierende Suchen nach neuen Symbolen oder einer neuen alle verbindenden „Sage“ mag zwar ein Publikum um sich sammeln und eine Gemeinde schaffen. Aber da jeder Künstler so seine Gemeinde findet, bezeugt die Partikularität solcher Gemeindebildung nur den geschehenden Zerfall. Es ist allein die universale Gestalt der ästhetischen Bildung, die alle eint. Der eigentliche Vorgang der Bildung, d. h. der Erhebung zur Allgemeinheit, ist hier gleichsam in sich selbst zerfallen. >Ästhetisches Bewusstsein/Gadamer, vgl. >Wahrheit der Kunst/Gadamer.
I 98
Künstler/Kunst/Gadamer: Um der Kunst gerecht zu werden, muss die Ästhetik über sich selbst hinausgehen und die“Reinheit“ des Ästhetischen preisgeben. Bei Kant hatte der Geniebegriff die transzendentale Funktion besessen, durch die sich der Begriff der Kunst begründete.
Problem: Aber ist der Geniebegriff dazu wirklich geeignet? Schon das Bewusstsein des Künstlers von heute scheint dem zu widersprechen. Es ist eine Art Geniedämmerung eingetreten. Die Vorstellung von der nachtwandlerischen Unbewusstheit, mit der das Genie schafft (...)
erscheint uns heute als eine falsche Romantik. Ihr hat ein Dichter wie Paul Valéry die Maßstäbe eines Künstlers und Ingenieurs wie Leonardo da Vinci entgegengesetzt, in dessen einzigem Ingenium Handwerk, mechanische Erfindung und künstlerische
I 99
Genialität noch ununterscheidbar waren.(2) >Genie/Gadamer.

1. Vgl. Fr. Rosenzweig, Das älteste Systemprogramm des deutschen Idealismus, 1917, S. 7. (Vgl. dazu die neueren Editionen von R. Bubner in den Hegel-Studien, Beiheft 9 (1973), S. 261—65 und C. Jamme und H. Schneider, Mythologie der Vernunft, Frankfurt 1984, S. 11-14.)
2. Paul Valéry, Introduction ä la méthode de Léonard de Vinci et son annotation marginale, Variété I.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Kunstwerke Kant Gadamer I 57
Kunstwerk/Kant/Gadamer: Unterschied zur Natur: Im Hinblick auf die Idee einer intelligiblen Bestimmung der Menschheit gewinnt die Natur als schöne Natur eine Sprache, die sie zu uns führt.(1) Natürlich beruht auch die Bedeutsamkeit der Kunst darauf, dass sie uns anspricht, daß sie dem Menschen ihn selbst in seiner moralisch bestimmten Existenz vorstellt. Aber die Kunstprodukte sind nur, um uns so anzusprechen - Naturobjekte dagegen sind nicht, um uns so anzusprechen. Gerade darin liegt das bedeutsame Interesse des Naturschönen, daß es uns dennoch unsere moralische Bestimmung bewusst zu machen vermag. >Interesse/Kant.
Kunst kann uns dieses Sichfinden des Menschen in absichtsloser Wirklichkeit nicht vermitteln. Dass der Mensch sich in der Kunst selbst begegnet, ist ihm nicht die Bestätigung von einem anderen seiner selbst her.
GadamerVsKant: (...) [Kant] stellt das Phänomen der Kunst nicht unter den ihm angemessenen Maßstab. Man kann die Gegenrechnung aufmachen. Der Vorzug des Naturschönen vor dem Kunstschönen ist nur die Kehrseite des Mangels des Naturschönen an bestimmter Aussage. So kann man umgekehrt den Vorzug der Kunst vor dem Naturschönen darin sehen, daß die Sprache der Kunst anspruchsvolle Sprache ist, die sich nicht der stimmungshaften Ausdeutung frei und unbestimmt darbietet, sondern uns bedeutungshaft bestimmt anspricht. Und es ist das Wunderbare und Geheimnisvolle der Kunst, dass dieser bestimmte Anspruch dennoch keine
Fessel für unser Gemüt ist, sondern den Spielraum der Freiheit im Spiele unserer Erkenntnisvermögen gerade recht öffnet.
KantVsVs: Kant wird dem durchaus gerecht, wenn er sagt(2) die Kunst müsse „als Natur anzusehen“ sein, d. h. gefallen, ohne den Zwang von Regeln zu verraten.
Kant/Gadamer: Wir beachten nicht die absichtsvolle Übereinstimmung des Dargestellten mit bekannter Wirklichkeit. Nicht darauf sehen wir es an, wem es ähnlich ist. Wir messen nicht seinen Anspruchssinn an einem uns schon wohlbekannten Maß, sondern im Gegenteil wird dieses Maß, der auf unbegrenzte Art „ästhetisch erweitert“.(3)

Gadamer I 99
Kunstwerk/Kant/Gadamer: Wenn man [der] Kritik an der Lehre von der unbewussten Produktivität des Genies Rechnung tragen will (>Künstler/Gadamer), sieht man sich aufs neue vor das Problem
gestellt, das Kant durch die transzendentale Funktion, die er dem Geniebegriff zuwies, gelöst hatte. (>Genie/Kant, >Genie/Gadamer).
Was ist ein Kunstwerk, und wie unterscheidet es sich von einem handwerklichen Produkt oder gar von einem „Machwerk“, d. h. von etwas ästhetisch Minderwertigem? Für Kant und den Idealismus
definierte sich das Kunstwerk als das Werk des Genies. Seine Auszeichnung, das vollendet Gelungene und Musterhafte zu sein, bewährte sich darin, dass es dem Genuss und der Betrachtung einen unausschöpfbaren Gegenstand des Verweilens und Deutens bot. Dass der Genialität des Schaffens eine Genialität des Genießens entspricht, lag schon in Kants Lehre von Geschmack und und Genie, und ausdrücklicher noch lehrten das K. Ph. Moritz und Goethe. >Geschmack/Kant, >Geschmack/Gadamer.


1. I.Kant, Kritik der Urteilskraft, 1799, § 42
2. Ebenda, S. 179f.
3. Ebenda.
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Lernen Jackson Schwarz I 157
Phänomen/phänomenale Eigenschaften/Wissen wie/Lewis/Schwarz: dafür, dass es neben den physikalischen Tatsachen noch eigenständige phänomenale Tatsachen gibt, spricht neben der Zombie Intuition, dass man solche Tatsachen lernen kann! Bsp Jackson: Mary lernt phänomenale Tatsachen über Farben.
Schwarz I 158
Farbenforscherin Mary/Jackson/Wissen wie/Lewis/ Schwarz: Bsp als sie freigelassen wird, lernt sie etwas neues: „wie es ist,“ eine Rot Erfahrung zu haben. LewisVs: für ihn stellt der ErkenntnisGewinn nur dann ein Problem dar, wenn sie wirklich bisher offene Möglichkeiten in Bezug auf die Welt ausschließen kann. Denn solche Möglichkeiten darf es nach Lewis nicht geben: die physikalischen Tatsachen lassen keine Alternativen in Bezug auf die Welt mehr offen.
Kein Problem ist dagegen, dass Mary neue Informationen über ihre eigene Lage in der Welt. (Lewis pro: 1988e(1),268ff,287)
Schwarz: erst jetzt kann sie fragen, ob andere Leute auch diese (Art von) Erfahrung machen.
Tatsache/Mary: unproblematisch ist auch, dass sie jetzt Tatsachen, die ihr vorher bekannt waren, auf neue Weise intern repräsentiert, wenn sie neue „Begriffe“ erwirbt, die ihr vorher nicht zur Verfügung standen. (Lewis pro: sie erwirbt neue Repräsentationsformen (1983d(2), 131f)
Mary-BeiSpiel/Lewis: das ist aber kein interessanter Erkenntnisfortschritt!
Mary-BeiSpiel/McMullen, (1985)(3)/Perry (2001)(4): das ist im Wesentlichen indexikalische bzw. demonstrative Information.


1. David Lewis [1988e]: “What Experience Teaches”. Proceedings of the Russellian Society, 13: 29–57.
2. David Lewis [1983d]: Philosophical Papers I . New York, Oxford: Oxford University Press
3. Carolyn McMullen [1985]: “‘Knowing what it’s Like’ and the Essential Indexical”. Philosophical
Studies, 48: 211–233
4. John Perry [2001]: Knowledge, Possibility and Consciousnes. Cambridge (Mass.): MIT Press

Jackson I
Frank C. Jackson
From Metaphysics to Ethics: A Defence of Conceptual Analysis Oxford 2000

Schw I
W. Schwarz
David Lewis Bielefeld 2005
Lernen Klein Brocker I 932
Lernen/Kommerzialisierung/Werbung/Naomi Klein: Sportartikelfirmen statten Schulteams mit entsprechenden Schuhen und Trainingsanzügen aus und Hamburger- und Pizzaketten betreiben Verkaufsstellen in Schulkantinen. Im Unterricht selbst werden von den SchülerInnen Werbekampagnen für Fastfood und Coca-Cola entworfen. Auch die Verhinderung der Veröffentlichung von unliebsamen Forschungsergebnissen durch Pharmaunternehmen oder die Vergabe von aufgabenspezifischen Forschungsgeldern an industriefinanzierte Professuren werden von Klein mit dem Konzept »Branding des Lernens« (1) erfasst. Frage: »warum so viele Linke in der Schlacht um die Kommerzialisierung der
Brocker I 933
Universitäten fehlen«. Erklärung/Klein: »alles verschlingenden Geschlechter- und Rassendebatten der sogenannten Political-Correctness-Kriege« (2) hätten vom Ausverkauf der Universitäten als Orte der öffentlichen und kommerzfreien Bildung abgelenkt.


1. Naomi Klein, No Logo: Taking Aim at the Brand Bullies, Toronto 2000. (Tenth Anniversary Edition with a New Introduction by the Author, New York 32010.) Dt.: Naomi Klein, No Logo! Der Kampf der Global Players um Marktmacht – Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, Frankfurt/M. 2015 (zuerst 2001) S. 113
2. Ebenda, S. 116


Christine Bauhardt, „Naomi Klein, No Logo! (2000)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Märkte Sunstein I 15
Märkte/Information/Sunstein: Vorhersagemärkte (prediction markets) sind außerordentlich gut darin, Informationen zusammenzubringen. Beispiele dafür sind Vorhersagen darüber, wer den nächsten Oscar gewinnt oder welche Produkte erfolgreich sein werden. In solchen Vorhersagemärkten können Leute „investieren“ und auf die Wahrscheinlichkeit wetten, mit der ein Ereignis eintreten wird. (Siehe Google/Sunstein). Dabei ist eine Menge Wissen im Spiel, das auf diese Weise offenbar wird. (Siehe Märkte/Hayek, Preise/Sunstein).
I 127
Märkte/Hayek/Sunstein: Märkte beinhalten über Preise verteilte Information über Produkte und Verbraucher. Zu den Informationen über Verbraucher gehört der Geschmack. Geschmäcker sind äußerst unterschiedlich.
I 128
Es ist nicht leicht empirisch zu testen, ob Menschen wirklich die besseren und zugleich günstigeren Produkte kaufen. (1) Freie Märkte/Sunstein: sollten nach neoklassischer Sicht zu gleichen Grenzkosten (marginal cost) kommen. Es ist eine empirische Frage, ob das auch geschieht – und in vielen Kontexten geschieht das nicht. Die einfachste Erklärung ist, dass die Menschen nicht alle Informationen haben und die Märkte nicht völlig frei sind. Regierungen beschränken den Wettbewerb oder Verbraucher haben nur eingeschränkte Vergleichsmöglichkeiten. Daher können wir nicht einfach sagen, dass Preise „stimmen“. Dennoch sind Märkte bessere Instrumente zur Preisfindung als die Festsetzung durch Gremien. Informationskaskaden sind aber auch in Märkten anzutreffen: Menschen kaufen Dinge, nicht, weil sie sie brauchen, sondern weil andere sie kaufen.
Informationskaskaden: gibt es auch in Aktienmärkten. Zwischen 1994 und 2000 verdreifachten sich die Kurse, nicht aber die grundlegenden Indikatoren. (2)
Psychologie/Robert Shiller: dieselben psychologischen Kräfte, die den Aktienmarkt trieben haben auch das Potential, in anderen Märkten zu wirken. (3)
HayekVsShiller/Sunstein: dennoch glauben viele, dass Hayeks Optimismus in Bezug auf die Exaktheit von Preisen richtig war.


1. See Richard Thaler, ed., Advances in Behavioral Finance, vol. 2 (Princeton, NJ: Princeton University Press, 2005).
2. Robert Shiller, Irrational Exuberance, 2d ed. (Princeton, NJ: Princeton University Press, 2005), pp. 2, 5.
3. ibid. p. 11.

Sunstein I
Cass R. Sunstein
Infotopia: How Many Minds Produce Knowledge Oxford 2008

Sunstein II
Cass R. Sunstein
#Republic: Divided Democracy in the Age of Social Media Princeton 2017
Mechanism Design KI-Forschung Norvig I 679
Mechanism Design/KI-Forschung/Norvig/Russell: Ein Spiel entwerfen, dessen Lösungen darin bestehen, dass jeder Agent seine eigene rationale Strategie verfolgt, und die zur Maximierung einer globalen Nutzenfunktion führen. Dieses Problem wird als Mechanism Design oder manchmal auch als inverse Spieltheorie bezeichnet. Mechanism Design ist ein wesenlicher Bestandteil der Wirtschafts- und Politikwissenschaft. Das Einmaleins des Kapitalismus besagt, dass der Gesamtwohlstand der Gesellschaft steigt, wenn jeder versucht, reich zu werden. Aber (...) Beispiele (...) zeigen, dass richtiges Mechanism Design notwendig ist, um die Unsichtbare Hand auf Kurs zu halten. Für Ansammlungen von Agenten erlaubt uns das Mechanism Design, intelligente Systeme aus einer Ansammlung begrenzter Systeme - sogar von unkooperativen Systemen - zu konstruieren, ähnlich wie menschliche Teams Ziele erreichen können, die über die Reichweite jedes Einzelnen hinausgehen. Beispiele für Mechanism Design sind die Versteigerung von billigen Flugtickets, die Weiterleitung von TCP-Paketen zwischen Computern, die Entscheidung, wie medizinische Fachkräfte Krankenhäusern zugewiesen werden, und die Entscheidung, wie Roboterfußballspieler mit ihren Teamkollegen zusammenarbeiten. Mechanism Design wurde in den 1990er Jahren mehr als nur ein rein akademisches Thema, als mehrere Nationen, die mit dem Problem der Versteigerung von Lizenzen für die Ausstrahlung in verschiedenen Frequenzbändern konfrontiert waren, aufgrund eines unzureichenden Mechanism Designs Hunderte von Millionen Dollar an potenziellen Einnahmen verloren. Formell besteht ein Mechanismus aus (1) einer Sprache zur Beschreibung der zulässigen Strategien, die die Agenten anwenden dürfen, (2) einem ausgewählten Agenten, dem sogenannten Zentrum, das Berichte über die Strategiewahl von den im Spiel befindlichen Agenten sammelt, und (3) einer allen Agenten bekannten Ergebnisregel, die das Zentrum zur Bestimmung der Payoffs an jeden Agenten in Anbetracht ihrer Strategiewahl verwendet. >Spieltheorie/KI-Forschung.
Norvig I 688
Der Alfred-Nobel-Gedächtnispreis für Wirtschaftswissenschaften ging 2007 an Hurwicz, Maskin und Myerson, "weil sie die Grundlagen der Theorie des Mechanism Designs gelegt haben" (Hurwicz, 1973)(1). Die Tragik der Allmende, ein motivierendes Problem für das Gebiet, wurde von Hardin (1968)(2) dargestellt. Das Offenbarungsprinzip geht auf Myerson (1986)(3) zurück, und das Einkommens-Äquivalenz-Theorem wurde von Myerson (1981)(4) und Riley und Samuelson (1981)(5) unabhängig voneinander entwickelt. Zwei Wirtschaftswissenschaftler, Milgrom (1997)(6) und Klemperer (2002(7)), schreiben über die multimilliardenschweren Frequenzauktionen, an denen sie beteiligt waren. Mechanism Design wird bei der Planung von Multiagenten (Hunsberger und Grosz, 2000(8); Stone et al., 2009(9)) und bei der Terminierung (Rassenti et al., 1982)(10) verwendet. Varian (1995)(11) gibt einen kurzen Überblick mit Verbindungen zur Informatik-Literatur, und Rosenschein und Zlotkin (1994)(12) stellen eine buchfüllende Abhandlung mit Anwendungen zur verteilten KI (distributed AI) vor.
Einschlägige Arbeiten zur verteilten KI werden auch unter anderen Namen geführt, darunter kollektive Intelligenz (Tumer und Wolpert, 2000(13); Segaran, 2007(14)) und marktbasierte Kontrolle (Clearwater, 1996)(15).
Seit 2001 gibt es eine jährliche Trading Agents Competition (TAC), bei dem die Vertreter versuchen, aus einer Reihe von Auktionen den besten Gewinn zu ziehen (Wellman et al., 2001(16); Arunachalam und Sadeh, 2005)(17). Veröffentlichungen zu Berechnungsfragen bei Auktionen werden oft bei den ACM-Konferenzen über Electronic Commerce vorgestellt.


1. Hurwicz, L. (1973). The design of mechanisms for resource allocation. American Economic Review Papers and Proceedings, 63(1), 1-30.
2. Hardin, G. (1968). The tragedy of the commons. Science, 162, 1243-1248.
3. Myerson, R. (1986). Multistage games with communication. Econometrica, 54, 323–358.
4. Myerson, R. (1981). Optimal auction design. Mathematics of Operations Research, 6, 58–73.
5. Riley, J. and Samuelson, W. (1981). Optimal auctions. American Economic Review, 71, 381–392.
6. Milgrom, P. (1997). Putting auction theory to work: The simultaneous ascending auction. Tech. rep.
Technical Report 98-0002, Stanford University Department of Economics.
7. Klemperer, P. (2002). What really matters in auction design. J. Economic Perspectives, 16(1).
8. Hunsberger, L. and Grosz, B. J. (2000). A combinatorial auction for collaborative planning. In Int.
Conference on Multi-Agent Systems (ICMAS-2000).
9. Stone, P., Kaminka, G., and Rosenschein, J. S. (2009). Leading a best-response teammate in an ad hoc team. In AAMAS Workshop in Agent Mediated Electronic Commerce.
10. Rassenti, S., Smith, V., and Bulfin, R. (1982). A combinatorial auction mechanism for airport time slot allocation. Bell Journal of Economics, 13, 402-417.
11. Varian, H. R. (1995). Economic mechanism design for computerized agents. In USENIX Workshop on
Electronic Commerce, pp. 13-21.
12. Rosenschein, J. S. and Zlotkin, G. (1994). Rules of Encounter. MIT Press.
13. Tumer, K. and Wolpert, D. (2000). Collective intelligence and braess’ paradox. In AAAI-00, pp. 104-
109.
14. Segaran, T. (2007). Programming Collective Intelligence: Building Smart Web 2.0 Applications. O’Reilly. 15. Clearwater, S. H. (Ed.). (1996). Market-Based Control. World Scientific.
16. Wellman, M. P., Wurman, P., O’Malley, K., Bangera, R., Lin, S., Reeves, D., and Walsh, W. (2001). A trading agent competition. IEEE Internet Computing.
17. Arunachalam, R. and Sadeh, N. M. (2005). The supply chain trading agent competition. Electronic
Commerce Research and Applications, Spring, 66-84.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Methode Tajfel Haslam I 166
Methode/Tajfel: (Minimalgruppenstudien, (Taifel et al. 1971(1)): Der Kernpunkt (...)[war], dass [die beiden Studien] darin bestanden, die Teilnehmer völlig willkürlich Gruppen zuzuordnen. 1. Für die erste Studie wurden die Teilnehmer gebeten, die Anzahl der auf eine Leinwand projizierten Punkte zu schätzen. Es gab dann eine Gruppe von Unterschätzern und eine Gruppe von Überschätzern. Tatsächlich wurden sie jedoch nach dem Zufallsprinzip diesen Kategorien zugeordnet.
2. Für die zweite Studie wurden die Teilnehmer gebeten, ihre ästhetische Präferenz für eine Serie von 12 Gemälden von Klee und Kandinsky anzugeben. Die tatsächliche Zuordnung zu den Kategorien war wiederum zufällig.
Nachdem sie auf diese Weise Gruppen zugeordnet wurden, wurde den Teilnehmern gesagt, dass sie sich an einer Aufgabe beteiligen würden, die darin bestand, anderen Menschen Belohnungen mit echtem Geld (und Strafen in Experiment 1) zu geben. Sie würden diese Menschen nicht kennen und es wurde betont, dass sie sich selbst niemals belohnen oder bestrafen könnten. Sie wurden dann in Kabinen untergebracht, um diese Aufgabe allein zu erfüllen.
Matrizen: In der nächsten Phase absolvierten die Teilnehmer Belohnungsmatrizen (eine Matrix pro Seite), um zu untersuchen, wie sie die Mitglieder der beiden Gruppen (ihre InGroup und die OutGroup) belohnen würden.
Die Matrizen wurden entwickelt, um die Anziehungskraft bestimmter Belohnungsstrategien im Vergleich zu anderen zu messen (siehe Bourhis et al., 1994(2), für einen ausgezeichneten Überblick über die Matrizen und die Bewertungsmethode).
Haslam I 167
(...) Die theoretisch interessantesten Fälle sind diejenigen mit "differentiellen" Matrizen, bei denen (...) Punkte einer InGroup gegenüber einem OutGroup-Mitglied zugewiesen werden. Strategien: a) maximaler GruppenGewinn (MIP), d.h. die bestmögliche Punktzahl für die Gruppe, und
b) maximale Differenz zugunsten der InGroup (MD), was bedeutet, dass das InGroup-Mitglied mehr Punkte erhält als das OutGroup-Mitglied.
Zu untersuchende Eigenschaften:
- Fairness/Parität/F; größte Ähnlichkeit in den In- und Outgroup-Punkten
- maximale Differenz/MD; größte positive Differenz zwischen InGroup und Outgroup-Punkten zugunsten der InGroup
- maximaler gemeinsamer Gewinn/MJP; die meisten kombinierten Punkte für InGroup und OutGroup
- maximaler GruppenGewinn/MIP; die meisten Punkte für die Gruppe
Ergebnisse: siehe >Minimale Gruppe/Tajfel.
Haslam I 170
Probleme: Zirkularität: generische Normerklärung: Diese Erklärung fiel schnell in Ungnade wegen der möglichen Zirkularität einer normativen Darstellung: Wenn es eine Wettbewerbsnorm gibt (z.B. unter Teilnehmern aus westlichen Ländern), woher kommt sie und was erklärt das?
Normen/Erklärung/Interpretation/Problem: Die Herausforderung besteht also darin, zu erklären, welche Norm wann funktioniert, und weil eine normative Darstellung dies nicht kann, wurde sie in den Hintergrund gedrückt. Allerdings mag es verfrüht gewesen sein, normative Prozesse abzulehnen. Beispielsweise nutzte Margaret Wetherell (1979)(3) anschließend normative Argumente, um Beweise dafür zu erklären, dass Maori-Kinder weniger Gruppenbegünstigung zeigten als westlichere Pakeha-Neuseeländer. Für eine Lösung: siehe >Soziale Identitätstheorie/Tajfel.
Ein weiteres Element war ein sozialer Vergleichsprozess: Das Verständnis der Bedeutung unserer Gruppe beinhaltet einen Vergleich mit anderen relevanten Gruppen, zu denen wir nicht gehören (erleichtert durch den sozialen Kategorisierungsprozess). Die InGroup als "uns" zu sehen, impliziert einen Kontrast zu "ihnen".
Unverwechselbarkeit/Tajfel/Turner: Tajfel und Turner (...) stellten einen Motivationsprozess auf, bei dem Gruppen nach einer "positiven Gruppendarstellung" streben, was bedeutet, dass sie ihre InGroup positiv von der jeweiligen Vergleichsgruppe nach bewerteten Dimensionen unterscheiden und dadurch eine positive soziale Identität erlangen.



1. Tajfel, H., Flament, C., Billig, M.G. and Bundy, R.F. (1971) ‘Social categorization and intergroup behaviour’, European Journal of Social Psychology, 1: 149–77.
2. Bourhis, R.Y., Turner, J.C. and Gagnon, A. (1997) ‘Interdependence, social identity and discrimination’, in R. Spears, P.J. Oakes, N. Ellemers and S.A. Haslam (eds), The Social Psychology of Stereotyping and Group Life. Oxford: Blackwell. pp. 273–95.
3. Wetherell, M. (1979) ‘Social categorization in children and the role of cultural context’, New Zealand Psychologist, 8: 51.



Russell Spears and Sabine Otten,“Discrimination. Revisiting Tajfel’s minimal group studies“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Milgram-Experiment Psychologische Theorien Haslam I 119
Milgram Experiment/Psychologische Theorien: A. VsMilgram: Für seine Kritiker (von denen es viele gab; zur jüngsten Diskussion siehe Brannigan, Nicholson und Cherry, 2015)(1) ließ Milgram sich unter dem Vorwand, Unmenschlichkeit zu studieren (>Experiment/Milgram), selbst unmenschliche Handlungen verüben. In einem einflussreichen Kommentar, der in der American Psychologist erschien, warf Diana Baumrind (1964)(2) Milgram vor, seine Teilnehmer nicht mit dem verdienten Respekt zu behandeln und ihr Selbstwertgefühl und ihre Würde zu untergraben. Kurz nachdem die Studie erstmals in der New York Times vom 26. Oktober 1963 veröffentlicht wurde, beschrieb ein Leitartikel in der St. Louis Post-Dispatch Milgrams Arbeit als "Folter mit offenen Augen" (zitiert in Blass, 2004(3): 121). MilgramVsVsVs: Milgram (1964)(4) antwortete auf diese Kritik mit der Behauptung, dass "niemand, der an der Gehorsamkeitsstudie teilnahm, Schaden erlitten hat. Zudem fanden die meisten Probanden die Erfahrung lehrreich und bereichernd" (Blass, 2004(3): 124). Er untermauerte seine Behauptungen mit Beweisen aus post-experimentellen Fragebögen. Diese zeigten, dass von den 656 Personen, die an den Studien teilgenommen haben, 83,7% "froh" oder "sehr froh" waren, teilgenommen zu haben, 15,1% waren neutral, und 1,3% waren es "leid" oder "sehr leid", dass sie teilgenommen haben.
Reicher/Haslam: Um dieses erhebliche Hindernis zu überwinden, haben die Forscher jedoch eine Reihe von Strategien entwickelt. Die eine ist, alternative und weniger schädliche Verhaltensweisen zu verwenden, um den Gehorsam zu untersuchen. Vgl. >Gehorsam/Milgram.
Dazu gehören das Geben von negativem Feedback an Bewerber, um sie nervöser zu machen (Meeus and Raaijmakers, 1986(5), 1995(6)), das Zerschlagen von Käfern (Martens et al., 2007(7)), das Durchführen einer analogen Online-Funktion, bei der negative Labels auf immer positivere Gruppen angewendet werden (Haslam, Reicher and Birney, 2014(8)), oder einfach das Beharren auf einer langen und mühsamen Aufgabe (Navarick, 2009)(9).
Haslam I 120
B. Eine zweite Strategie war es, die eigenen Studien von Milgram zu überprüfen und erneut zu analysieren, um neue Erkenntnisse zu gewinnen. (...) Steven Gilbert (1981)(10) zeigt die Bedeutung der allmählichen Zunahme der Schockintensität, die den Teilnehmern einen qualitativen Haltepunkt vorenthält, der es ihnen ermöglichen würde, das Abbrechen und Ungehorsam zu rechtfertigen. Dominic Packer (2008)(11) hingegen zeigt, wie die Reaktionen des Lernenden eine solche Rechtfertigung liefern können. Dies bezieht sich auf die Tatsache (siehe oben), dass der Punkt, an dem die meisten Menschen abbrechen, 150 Volt beträgt, wo der Lernende zuerst darum bittet, aus der Studie entlassen zu werden. Acht relevante Faktoren: (Haslam, Loughnan und Perry, 2014)(12):
1) die Direktivität des Experimentators,
2) Legitimität
3) Konsistenz;
4) Gruppenzwang, nicht zu gehorchen;
5) die Indirektheit,
6) Nähe, 7) Intimität der Beziehung zwischen Lehrer und Lernenden
8) Abstand zwischen dem Lehrer und dem Experimentator.
C. Andere Autoren haben historische Beispiele für Gehorsam und Ungehorsam aus einer psychologischen Perspektive untersucht: Ein bemerkenswertes Beispiel dafür ist François Rochats und Andre Modiglianis (1995)(13) Analyse des Widerstands gegen die offizielle Unterdrückung von Minderheiten durch die Dorfbewohner von Le Chambon in Südfrankreich während des Zweiten Weltkriegs (siehe auch Rochat und Modigliani, 2000)(14). >Gehorsam/Psychologische Theorien.



1. Brannigan, A., Nicholson, I. and Cherry, F. (2015) ‘Unplugging the Milgram machine’,
Theory and Psychology (Special Issue), 25: 551—696.
2. Baumrind, D. (1964) ‘Some thoughts on ethics of research: After reading Milgram’s “Behavioral study of obedience”’, American Psychologist, 19:421—3.
3. Blass, T. (2004) The Man who Shocked the World: The Life and Legacy of Stanley Milgram. New York: Basic Books.
4. Milgram, S. (1964) 1lssues in the study of obedience: A reply to Baumrind’, American Psychologist, 19: 848—5 2.
5. Meeus, W.H.J. and Raaijmakers, Q.A. (1986) obedience: Carrying out
orders to use psychological-administrative violence &, European Journal of Social Psychology, 16:311—24.
6. Meeus, W.H.J. and Raaijmakers, Q.A. (1995) ‘Obedience in modem society: The Utrecht studies’, Journal of Social Issues, 5 1: 155—75.
7. Martens, A., Kosloff, S., Greenberg, J., Landau, M.J. and Schmader, T. (2007) ‘Killing begets killing: Evidence from a bug-killing paradigm that initial killing fuels subsequent killing’, Personality and Social Psychology Bulletin, 33: 1251—64.
8. Haslam, S.A., Reicher, S.D. and Birney, M. (2014) ‘Nothing by mere authority: Evidence that in an experimental analogue of the Milgram paradigm participants are motivated not by orders but by appeals to science’, Journal of Social Issues, 70:473—88.
9. Navarick, D.J. (2009) ‘Reviving the Milgram obedience paradigm in the era of informed consent The Psychological Record, 59: 155—70.
10. Gilbert, S.J. (1981) ‘Another look at the Milgram obedience studies: The role of a graduated series of shocks’, Personality and Social Psychology Bulletin, 7: 690—5.
11. Packer, D.J. (2008) ‘Identifying systematic disobedience in Milgram’s obedience experiments: A meta-analytic review’, Perspectives on Psychological Science, 3: 301—4.
12. Haslam, N., Loughnan, S. and Perry, G. (2014) 4Meta-Milgram: An empirical synthesis of the obedience experiments’, PLoS ONE, 9(4): e93927.
13. Rochat, F. and Modigliani, A. (1995) 4The ordinary quality of resistance: From Milgram’s laboratory to the village of Le Chambon’, Journal of Social Issues, 51: 195—210.
14. Rochat, F. and Modigliani, A. (2000) ‘Captain Paul Grueninger: The Chief of Police who saved Jewish refugees by refusing to do his duty’, in T. Blass (ed.), Obedience to Authority: Current Perspectives on the Milgram Paradigm. Mahwah, NJ: Lawrence Erlbaum. pp.91—110.


Stephen Reicher and S. Alexander Haslam, „Obedience. Revisiting Milgram’s shock experiments”, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic Studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Modaler Realismus Bigelow I 165
Modaler Realismus/Bigelow/Pargetter. sollte eine Korrespondenztheorie für modale Sprache akzeptieren. Mögliche Welten/Bigelow/Pargetter: These: mögliche Welten existieren. Wir haben aber noch nichts darüber gesagt, woraus sie bestehen und was sie sind. Verschiedene Arten von Realismen werden verschiedene Arten von Welten annehmen.
Wahrmacher/Bigelow/Pargetter: wir haben aber noch nichts darüber gesagt, wie modale Sätze wahr gemacht werden.

Realismus/Mögliche Welten/Bigelow/Pargetter: alle Realismen werden sagen, dass es möglich ist, dass es eine Welt gibt, die die aktuale Welt als in einer bestimmten Weise seiend repräsentiert. ((s) >Stalnaker). Alle bis auf eine repräsentieren sie damit natürlich falsch.
Mögliche Welten/Bigelow/Pargetter: sind danach Repräsentationen der aktualen Welt. „Repräsentation“ ist aber nur technisch gemeint,
I 166
nicht explanatorisch. Mögliche Welten: repräsentieren dann aber auch nicht nur die aktuale Welt, sondern auch andere mögliche Welten!
Modale Realismen/Bigelow/Pargetter: können wir in dieser Redeweise dann danach unterschieden, als was sie mögliche Welten auffassen.

Modaler Realismus/Mögliche Welten /Bigelow/Pargetter: drei Spielarten:
1. Buch-Theorien = maximal konsistente Mengen von Wahrmachern – „Bücher“.
2. Replika-Theorien = These: Welten sind keine Wahrheitsträger sondern Replikas ((s) D.h. Gegenstände).
Vertreter: David Lewis.
3. Eigenschafts-Theorien: = These: Welten können nicht als Bücher aufgefasst werden, sie sind eine Vielzahl von Büchern. D.h. es gibt eine Vielzahl von Mengen von Wahrmachern ((s) innerhalb einer Welt).
Hier gibt es drei Mengen von Wahrmachern:
a) Mengen von Sätzen
b) Mengen von Propositionen
c) Mengen von Überzeugungen.
I 173
Modaler Realismus/Bigelow/Pargetter: der modale Realismus muss mögliche Welten erklären können, ohne jegliche modale Grundbegriffe zu gebrauchen. Und das ist schwerer als es zunächst aussieht. Es gibt eine These, dass dies überhaupt nicht ginge: den Modalismus.

Def Modalismus/Bigelow/Pargetter. die These, dass es nicht möglich sei, modale Begriffe nichtmodal zu definieren.
Vertreter: Lycan 1979, Plantinga 1974, 1976, 1987, van Inwagen (1984 : einige Modalitäten müssen nicht in grundlegenderen Begriffen definiert werden.
BigelowVsModalismus.
Modalismus: könnte man nach Humes Kritik des naturalistischen Fehlschlusses (avant la lettre) mit dem Slogan These „Kein Muss aus dem ist“ wiedergeben. D.h. moralisches Sollen kann nicht völlig aus außermoralischen Tatsachen logisch abgeleitet werden. Bigelow/Pargetter: daraus können wir zwei Haltungen Gewinnen:
a) es gibt keine moralischen Wahrheiten, (moralischer Nihilismus) oder
b) einige moralische Wahrheiten müssen wir als undefinierte Grundgegebenheiten nehmen.

Modallogik/Bigelow/Pargetter: Probleme mit dem moralischen „Muss“ spiegeln sich im metaphysischen „Muss“.
Korrespondenztheorie: sie ist es, die die Probleme bringt, denn ohne sie wären modale Grundbegriffe kein Problem. Da wir die Korrespondenztheorie aber behalten wollen, brauchen wir einen besseren Zugang zu möglichen Welten.
I 174
mögliche Lösung: können wir nicht einfach sagen, dass einige Dinge nicht ohne modale Begriffe beschrieben werden können? Analog: Bsp Name: ein Fantasiename wie „Gough“ könnte auf etwas nichtsprachliches referieren, das kein Wahrheitsträger ist. Auf jeden Fall müssen wir ein Individuum annehmen. Damit nehmen wir auch schon Korrespondenz an. Falls wir stattdessen eine Kennzeichnung versuchten, würde diese wieder einen Namen einführen. Daher müssten wir einige Namen als undefinierte Grundbegriffe annehmen. Aber das wäre noch keine Bedrohung für die Korrespondenztheorie.
(Frage/(s): viele Grundbegriffe würden eine Korrespondenzrelation überflüssig machen, weil etwas undefiniertes, nicht gezeigt werden muss?)
Modaler Grundbegriff/Korrespondenz/Bigelow/Pargetter: analog können wir annehmen, dass modale Grundbegriffe keine Bedrohung der Korrespondenz sind: Bsp
Conchita kann Gitarre Spielen
ist wahr kraft einer Korrespondenz zwischen dieser Aussage und Dingen in der Welt. Dabei wird die Eigenschaft, in der Lage zu sein, Gitarre zu Spielen angenommen. (Bigelow/Pargetter pro).
modale Begriffe/Bigelow/Pargetter: ihre Bedrohung kommt nicht nur aus der Korrespondenztheorie, sondern aus ihrer Supervenienz auf nichtmodalen Eigenschaften.
I 175
(>Humesche Supervenienz/Lewis). Supervenienz/Definierbarkeit/Definition/Bigelow/Pargetter: eine Supervenienz würde die Definierbarkeit von modalen Eigenschaften in nichtmodalen Begriffen garantieren!
Problem. dazu müssten wir unendlich viele komplexe Definitionen erlauben. Das würde immerhin eine Charakterisierung von modalen Begriffen ermöglichen.
Mögliche Welten/Bigelow/Pargetter: wir werden im Folgenden also Versuche betrachten, mögliche Welten in nichtmodalen Begriffen zu charakterisieren.
Charakterisierung/Bigelow/Pargetter/(s): weniger als eine Definition, aus vielen Einzelfällen.
;Methode/Bigelow/Pargetter: wann immer eine Theorie zu modalen Grundbegriffen führt, werden wir diese Theorie zur Seite legen. Und zwar, weil sie dann keine erklärende Rolle innerhalb der Humeschen Supervenienz Spielen kann. Nicht weil die entsprechenden Welten nicht existierten.
I 187
Modaler Realismus/Lewis/Bigelow/Pargetter: sein extrem konkreter modaler Realismus hat den Vorteil, dass er viele Dinge erklären würde, wenn er wahr wäre. Und darüber sind sich die meisten auch einig. Warum ist der ungläubige Blick dann nicht verschwunden? Seine Theorie hat auch nichts Irrationales. VsLewis: um ihn zu widerlegen müsste man eine von zwei Strategien annehmen:
1. die Anfangs- Wahrscheinlichkeit ist 0 (statt etwas darüber)
2. auch wenn die Wahrscheinlichkeit im Verlauf wächst, wäre die Zuname infinitesimal.
Ad 1.: vo n 0 aus kann die Wahrscheinlichkeit eben nicht wachsen. Dennoch bleibt die Frage, ob es je rational ist, eine Wahrscheinlichkeit von 0 zuzuschreiben. Insbesondere nicht Lewis Theorie:
LewisVsVs: das würde zu einem Trilemma führen:
(1) die Gegner könnten erkennen, dass eine größere Intelligenz als sie länger darüber nachgedacht hat und daher die Wahrscheinlichkeit > 0 ist und dass er meint was er sagt
(2) sie könnte annehmen, dass er nicht meint was er sagt
(3) sie könnten sagen, dass es manchmal rational ist,
I 188
etwas eine Wahrscheinlichkeit von 0 zuzuschreiben, was eine ernsthafte und intelligente Instanz gesagt hat. Rationalität/Bigelow/Pargetter: von Lewis Trilemma bliebe nur (3) und damit die Frage nach der Rationalität. Rationalität sollte uns nicht zur Akzeptanz von (3) führen. Sie bleibt aber auch, wenn man Lewis’ Position nur eine sehr geringe Wahrscheinlichkeit zuschreibt.
Problem: jemand die Rationalität auf einem Gebiet abzuerkennen, zu dem man prinzipiell keinen besseren epistemischen Zugang hat als der Kritisierte.
Ad 2. (die Wahrscheinlichkeit bleibt infinitesimal): d.h. es ist egal, wieviel Belege wir beibringen.
BayesVs: das könnte nach dem Bayes-Theorem nur geschehen,
I 189
wenn die verlangte Wahrscheinlichkeit für jeden zukünftigen Beleg praktisch 1 sein müsste. Und das ist inakzeptabel.

Big I
J. Bigelow, R. Pargetter
Science and Necessity Cambridge 1990
Multinationale Unternehmen Saez Saez I 115
Multinationale Unternehmen/Saez/Zucman: Auf dem Weg des Steuerwettbewerbs wird die Steuerungerechtigkeit gedeihen und die Ungleichheit weiter zunehmen. >Steuerwettbewerb/Saez/Zucman. Glücklicherweise gibt es andere, ebenso gangbare Wege. Die Spirale des Steuerwettbewerbs zu stoppen ist möglich: Es ist alles andere als utopisch zu erwarten, dass große multinationale Konzerne bald einen anständigen Steuerbetrag zahlen werden. Ein wirksamer Aktionsplan hat vier Säulen: Vorbildlichkeit, Koordination, Abwehrmaßnahmen und Sanktionen gegen Trittbrettfahrer.
Def Vorbildlichkeit/Saez/Zucman: Jedes Land sollte seine eigenen multinationalen Unternehmen überwachen. Die Vereinigten Staaten sollten dafür sorgen, dass US-Unternehmen, wenn sie im Ausland nicht genug zahlen, zumindest ihren Anteil in Amerika zahlen.
BeiSpiel: Stellen Sie sich vor, der italienische Autohersteller Fiat hätte durch die Verlagerung immaterieller Güter und die Manipulation konzerninterner Transaktionen Gewinne in Höhe von 1 Milliarde Dollar in Irland - besteuert mit 5% - und 1 Milliarde Dollar in Jersey, einer der Kanalinseln - besteuert mit 0% - erzielen können. Hier gibt es ein Problem: Fiat zahlt viel weniger Steuern, als es sein sollte; viel weniger insbesondere als inländische italienische Unternehmen. Wir nennen dies ein Steuerdefizit. Die gute Nachricht ist, dass nichts Italien daran hindert, dieses Defizit selbst einzudämmen, indem es die Steuern einzieht, die die Steuerparadiese nicht erheben wollen. Konkret könnte Rom das irische Einkommen von Fiat mit 20% besteuern. Sie könnte ihr Kopfgeld auf Jersey mit 25% besteuern. Ganz allgemein könnten sie ohne weiteres Steuern erheben, so dass der effektive Steuersatz von Fiat in jedem der Länder, in denen sie tätig sind, 25 % beträgt. Eine solche Reduzierung des Steuerdefizits von Fiat würde kein internationales Abkommen verletzen. Sie erfordert nicht die Zusammenarbeit von Steueroasen.
Saez I 116
Dies scheint eine banale Angelegenheit der Steuerverwaltung zu sein, bis man erkennt, dass es dank dieser reichen neuen Informationsquelle für große Länder nie einfacher war, ihre eigenen multinationalen Unternehmen zu überwachen. Die Vereinigten Staaten, Frankreich, Italien: Jedes Land könnte sicherstellen, dass seine Unternehmenschefs einen Mindeststeuersatz von beispielsweise 25 % zahlen, wo immer sie tätig sind. Multinationale Unternehmen auf diese Weise zu kontrollieren, würde große Summen erzielen.
Saez I 117
Ist es realistisch zu erwarten, dass große Länder in absehbarer Zeit damit beginnen werden, ihre multinationalen Unternehmen zu überwachen? Sehr sogar, denn es ist in ihrem Interesse. Im Gegensatz zum Handel lässt Steuer-
Saez I 118
wettbewerb einige Länder gewinnen und andere verlieren, und alle großen Volkswirtschaften befinden sich im Lager der Verlierer. Sie haben einen klaren Anreiz, dieses Hütchenspiel zu beenden. (...) kleine Länder, die winzige Steuersätze anwenden, kassieren einen Großteil der Körperschaftssteuereinnahmen als Bruchteil ihres Volkseinkommens. (...) Da fast alle multinationalen Unternehmen ihren Hauptsitz in großen Volkswirtschaften haben, können die Gesetzgeber in Rom, Berlin und Washington das Spiel zu Ende pfeifen, indem sie auf Gewinne, die ihre multinationalen Unternehmen in Niedrigsteuerländern verbuchen, Abhilfemaßnahmen ergreifen(1).
Saez I 119
Problem: Eine gemeinsam vereinbarte Mindeststeuer zwischen den G20-Ländern würde nicht alle Probleme lösen. Unternehmen könnten immer noch Steuern hinterziehen, indem sie ihren Hauptsitz in Steueroasen verlegen. Saez/Zucman: (...) die Gefahr ist übertrieben. Bei all dem Gerede über Steuerinversionen haben nur sehr wenige Firmen ihren Hauptsitz auf tropische Inseln verlegt. Von den zweitausend größten Unternehmen der Welt haben heute nur achtzehn ihren Hauptsitz in Irland, dreizehn in Singapur, sieben in Luxemburg und vier auf den Bermudas (2). Fast tausend haben ihren Sitz in den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union, während die meisten anderen in China, Japan, Südkorea und anderen G20-Ländern zu finden sind. >Steuerflucht/Saez/Zucman.
Saez I 125
Lösung: Mit einem ausreichend hohen Steuerboden würde die Logik des internationalen Wettbewerbs auf den Kopf gestellt. >Globalisierung/Saez/Zucman.

1. Die US-Steuerreform von 2018 führte mit ihrer GILTI-Klausel ("global intangible low tax income") einen Keim der Nachbesserungsbesteuerung ein. Nach dieser Vorschrift werden die AuslandsGewinne multinationaler US-Unternehmen, die als ungewöhnlich hoch angesehen werden (d.h. eine 10%ige Rendite auf Sachkapital übersteigen), in den Vereinigten Staaten mit einem Mindeststeuersatz von 10,5% besteuert. Diese Bestimmung ist jedoch aus zwei Hauptgründen unzureichend: Der Steuersatz von 10,5% ist zu niedrig, und die Abhilfesteuer wird nicht auf Länderbasis, sondern auf konsolidierter Basis erhoben (was bedeutet, dass ein Unternehmen, das Gewinne auf den Bermudas verbucht, aber in Japan hoch genug besteuert wird, diese vermeiden kann). Siehe Toder (2018) für weitere Einzelheiten:
Toder, Eric. “Explaining the TCJA’s International Reforms.” Tax Policy Center, Urban Institute and Brookings Institution, February 2, 2018.
2. Forbes. “GLOBAL 2000: The World’s Largest Public Companies.” May 15, 2019. Zu finden unter: www.forbes.com/global2000
Newcombs Paradox Newcombs Paradox: Gedankenexperiment, bei dem eine Versuchsperson eine von zwei Schachteln wählen soll und dabei eine sichere Option auf einen Gewinn hat, diesen jedoch erheblich erhöhen kann indem sie das Risiko, alles zu verlieren erhöht. Ein allwissendes Wesen, das die Entscheidung der Versuchspersonen meist richtig vorausgesagt hat, versucht, den Gewinn der Versuchsperson zu durchkreuzen. Sollte die Versuchsperson die sichere Option wählen oder auf Risiko Spielen? Kann sie ihre Strategie im Verlauf überhaupt noch ändern? Siehe auch Willensfreiheit, Rückwärtskausalität, Gefangenendilemma.
Newcombs Paradox Poundstone I 373
Newcomb’s Paradox/Poundstone: ein Hellseher behauptet, Ihre Handlungen zu 90% vorherzusehen - Kasten A: auf jeden Fall Tausendmarkschein - B: 1 Mio oder gar nichts. - Der Hellseher hat vor 24 Std. vorhergesagt was Sie tun werden. - Er wird den Kasten leer lassen, wenn er vorhersah, dass Sie beide nehmen.
I 375
Gute Gründe, nur Kasten B zu nehmen: wenn er in 90% recht hat, bekommen Sie nichts, aber ein leichtgläubiger Trottel bekommt 1 Mio. Wahrscheinlichkeits-Berechnung: Spielwert: 10% von 1 Mio (dass der Hellseher irrt) - wenn er 99% Recht hat, höherer Gewinn: 990.000.
I 376
Regel: wie beim Gefangenendilemma: man sollte nie der erste sein, der abtrünnig wird.
I 377
Variante: mit gläsernen Kästen ...-
I 380
Wer beide Kästen nimmt, bildet sich ein, schlauer zu sein, als die Regeln zulassen. Newcomb/Poundstone: beide pro "Nur B".
I 381
Newcombs Paradox/Nozick: hier werden zwei Strategien gegeneinander ausgespielt: 1. Strategie der Dominanz: was unter allen Umständen besser ist, dominiert - 2. Paradox des zu erwartenden Nutzens: was verspricht den höheren Nutzen?
I 382
Die Dominanz ändert sich je nachdem ob man bei der Pferdewette das Pferd oder den Spieler berücksichtigt - in der Welt ändert sich nichts! Lösung: in der Variante ist die Sachlage nicht von der Entscheidung abhängig - P. der Dominanz nur anwendbar, wenn die Entscheidung das Ergebnis nicht beeinflusst.
I 383
Beeinflussung wäre bei Newcombs Paradox aber nur bei rückwirkender Kausalität möglich! - NozickVsNewcomb: beide Kästen nehmen - unter beliebigen Bedingungen immer die dominante. Strategie
I 386
Newcombs Paradox/Martin Gardner: die Vorhersage muss Schwindel sein - so wie ich nicht glauben kann, dass 91 (13x7) eine Primzahl ist. - Ich würde für die richtige Antwort einfach die angebotenen 10 Cent nehmen.

Poundstone I
William Poundstone
Im Labyrinth des Denkens Hamburg 1995
Objektivität Quine I 29
Objektivität/Quine: Normale wie Rot-grün-Blinde sind gleich dressiert. ---
I 24
Die Methode der Gesellschaft: "Au" zu belohnen, wenn der Sprecher weitere Zeichen des Unbehagens an den Tag legt. Dressiert, dass der Sprecher sogar auf Reize, die für sie nicht sichtbar sind, das sagt, was ihr angebracht erscheint. Äußerung "rot" zu belohnen, wenn der Mann sichtbar auf etwas Rotes blickt. Im Hinblick auf "Rot" besteht eine Symmetrie der Überprüfbarkeit, die bei "Au" in dem Sinne fehlt. "Au" in höherem Maße subjektiv. Von der gesellschaftlichen Dressur ist "Au" nicht unabhängig.

II 85
Es ist eine bittere Ironie, dass eine so lebenswichtige Unterscheidung wie die zwischen Gut und Böse keinen vergleichbaren Anspruch auf Objektivität haben soll. Jeder, der mit moralischen Problemen zu tun hat, beruft sich auf kausale Zusammenhänge. Die Anzahl ethischer Axiome lässt sich durch kausale Rückführung auf eine Minimum reduzieren.
Der Utilitarismus ist ein bemerkenswertes BeiSpiel für eine solche Systematisierung.
Bsp zur Beilegung von Konflikten: Problem der Notlüge: falls wir übereinkommen, nicht Wahrhaftigkeit als obersten Selbstzweck , sondern nur als Mittel zu höheren Moral werten, wird das Problem zu einer Frage der Wissenschaft oder Technik. Einerseits verlangt die Nützlichkeit der Sprache ein Übergewicht an Wahrhaftigkeit, andererseits kann die Wahrheit weh tun.
II 113
Austins Introspektion steht im Gegensatz zur Linguistik. Dabei gewinnt er Objektivität durch "Gruppenintrospektion" (Urmson) Bsp ein exotischer Sprachforscher würde zunächst wohl herauskriegen, was wir mit "Rüde" bezeichnen. Aber so könnte er nie herausbekommen, was "Junggesellen" sind. Er muss alle Versuchspersonen einzeln befragen und später eine gesellschaftsbezogene Summenbildung anwenden.
II 180
Mathematische Objektivität: Bsp die Kontinuumshypothese aber auch ihre Negation kann zu den Axiomen der Mengenlehre hinzugefügt werden. Erwecken diese Resultate Zweifel an der Objektivität der mathematischen Wahrheit?
VI 48
Theorie/Existenz/Ontologie/Quine: wenn es bei einer Theorie um die radikale Frage geht, was es überhaupt gibt, kann die Quantifikation die Rolle des Schiedsrichters über Existenzfragen nur im Rahmen einer standardisierten und reglementierten Form der Sprache spielen; einer Sprache, die über Wahrheitsfunktionen (nicht, oder, und) nicht hinausgeht.
VI 49
Die Objektivität unseres Wissens bleibt nach wie vor in unserem kausalen Kontakt mit der äußeren Wirklichkeit verwurzelt.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Öffentliches Gut Smith Mause I 157
Soziale Güter/Überfischung/Allmende/Vernon L Smith: Fischerei: Problem: im Spiel individueller Gewinninteressen werden die Weltmeere nicht nur überoptimal befischt, sie dienen auch als kostenlose „Müllkippe“. (1)(2)(3). Für einen Überblick über formale Modelle des Fischereimanagements: Kaitala, 1986 (4).

1. Gordon, H. Scott, The economic theory of a common-property resource: The fishery. Journal of Political Economy 62 (2), 1954, p. 124– 142.
2. Smith, Vernon L., On models of commercial fishing. Journal of Political Economy 77, (2), 1969, p.181– 198.
3. Munro, Gordon R, Approaches to the economics of the management of high seas fishery resources: A summary. Canadian Journal of Economics 29 (Special Issue: Part 1), 1996, p. 157– 164.
4. Kaitala, Veijo, Game theory models of fisheries management – A survey. In Dynamic games and applications in economics, Hrsg. Tamer Başar, Berlin 1986 p. 252– 266.

EconSmith I
Adam Smith
The Theory of Moral Sentiments London 2010

EconSmithV I
Vernon L. Smith
Rationality in Economics: Constructivist and Ecological Forms Cambridge 2009

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Optimale Besteuerung Saez Saez I 134
Optimale Besteuerung/Saez/Zucman: (...) eine Reihe von Arbeiten legt nahe, dass der höchste Grenzsteuersatz, der das meiste Einkommen von den Reichen einzieht, bei 75% liegt. Mit den Reichen meinen wir die Mitglieder der obersten 1%, d.h. Personen mit einem Einkommen von mehr als 500.000 Dollar im Jahr 2019(1). Diese Schätzung ist die beste, die heute auf der Grundlage vieler empirischer Studien der letzten zwei Jahrzehnte existiert. Wenn es nur begrenzte Möglichkeiten zur Steuervermeidung gibt, reagieren die Reichen nur bescheiden auf Steueränderungen: Immer wenn ihr Steuersatz um 1% steigt (statt 70 Cent nach Steuern von jedem zusätzlich verdienten Dollar einzubehalten, behalten sie 70,7 Cent), arbeiten sie härter und erhöhen als Reaktion darauf ihren Gewinn vor Steuern um etwa 0,25%. Das bedeutet, dass die Steuerbemessungsgrundlage nicht stark schrumpft, wenn die Reichen stärker besteuert werden, was optimale Spitzengrenzsteuersätze in der Nähe von 75% impliziert(2). 1) (...) wir sprechen über einen Grenzsteuersatz, einen Satz, der nur auf Einkommen angewandt wird, das über einem hohen Schwellenwert, heute 500.000 Dollar, liegt. Der damit verbundene durchschnittliche Steuersatz ist niedriger als dieser, da jeder Dollar, der unterhalb dieser hohen Schwelle verdient wird, weniger besteuert wird. Nur bei den Ultrareichen sind Grenz- und Durchschnittssteuersatz gleich hoch.
BeiSpiel: (...) wenn morgen der Grenzsteuersatz auf Einkommen über 500.000 $ auf 75% erhöht würde, würde der durchschnittliche Steuersatz der obersten 1% der reichsten Amerikaner 60% erreichen (3). Mit anderen Worten: Der optimale durchschnittliche Steuersatz für die Steuerzahler der obersten Einkommensgruppe beträgt 60% - weniger als 60% für die Menschen am unteren Ende der obersten 1%, bis zu 75% für die Ultrareichen und durchschnittlich 60% für die obersten 1%.
Wenn man bedenkt, dass der durchschnittliche makroökonomische Steuersatz etwa 30% beträgt, bedeutet ein Durchschnittssatz von 60%, dass die obersten 1% der reichsten Amerikaner als Bruchteil ihres Einkommens doppelt so viel Steuern zahlen würden wie der Durchschnittsbürger.
2) (...) diese optimalen Steuersätze berücksichtigen alle Steuern, auf allen Regierungsebenen. Da die Lohnsummensteuern gedeckelt und die Verkaufssteuern an der Spitze unbedeutend sind, sollte der optimale obere Grenzsteuersatz von 75% als eine Kombination aus der Bundeseinkommenssteuer, etwaigen Einkommenssteuern der Bundesstaaten und der Körperschaftssteuer betrachtet werden. ((s) Saez und Zucman sprechen hier von den USA).
Saez I 135
3) Eine Anhebung der Spitzensteuersätze ohne weitere Änderung des Steuergesetzes oder der Durchsetzung wäre eine schlechte Idee. Das Angebot an im Umlauf befindlichen Steuerhinterziehungen ist zu groß. Bevor wir die Wohlhabenden effektiv stärker besteuern können, muss die Steuerumgehung eingeschränkt werden. Wir müssen Institutionen schaffen, die ein robustes Steuersystem auch im Zeitalter der extremen Ungleichheit langfristig tragfähig machen. Vgl. >Ramsey-Regel, >Steuerflucht.

1. Siehe Diamond und Saez (2011) für eine Zusammenfassung der theoretischen Analyse:
-Peter A. Diamond and Emmanuel Saez. “The Case for a Progressive Tax: From Basic Research to Policy Recommendations.” Journal of Economic Perspectives 25, no. 4 (2011): 165–190.
2. Saez, Slemrod und Giertz (2012) überprüfen die empirische Literatur und zeigen, dass große dokumentierte Verhaltensreaktionen auf Steueränderungen immer auf Steuervermeidung zurückzuführen sind.
- Emmanuel Saez, Joel Slemrod, and Seth Giertz. “The Elasticity of Taxable Income with Respect to Marginal Tax Rates: A Critical Review.” Journal of Economic Literature 50, no. 1 (2012): 3–50.
Im Falle von Steuersystemen mit geringen Hinterziehungsmöglichkeiten wie Dänemark sind die Verhaltensreaktionen auf Steueränderungen quantitativ gering mit Elastizitäten im Bereich von 0,2-0,3 für Spitzenverdiener (Kleven und Schultz, 2014):
-Hendrik Kleven and Esben Anton Schultz. “Estimating Taxable Income Responses using Danish Tax Reforms.” American Economic Journal: Economic Policy 6, no. 4 (2014): 271–301.
3. Das Durchschnittseinkommen über 500.000 $ beträgt etwa 1.500.000 $ (Piketty, Saez, Zucman 2018):
-Thomas Piketty, Emmanuel Saez, and Gabriel Zucman. “Distributional National Accounts: Methods and Estimates for the United States.” Quarterly Journal of Economics 133, no. 1 (2018): 553–609.
Daher würden die Steuerzahler der Spitzenklasse 75% auf 1.000.000 $ und einen niedrigeren Satz auf ihre ersten 500.000 $ zahlen. Geht man davon aus, dass der Steuersatz auf ihre ersten 500.000 $ dem durchschnittlichen makroökonomischen Steuersatz von 30% entspricht, ergibt sich für die Steuerzahler der Spitzengruppe ein Gesamtsteuersatz von (2/3) × 75 + (1/3) × 30 = 60%.
Peer Production Zittrain I 206
Peer Production/gemeinsame Peer Production/Zittrain: Um zu sehen, wie billige Prozessoren, Netzwerke und Sensoren eine völlig neue Form des Problems schaffen, müssen wir auf die Aufregung um partizipativen Technologien schauen, die durch eine Bedeutung von "Web 2.0" suggeriert wird. In akademischen Kreisen ist diese Bedeutung des Web 2.0 als "Peer Production" bekannt geworden. Die Aggregation von kleinen Beiträgen einzelner Arbeiten kann einmal schwierige Aufgaben leicht erscheinen lassen. Zum Beispiel hat Yochai Benkler den Einsatz von öffentlichen Freiwilligen oder "Clickworkers" durch die National Aeronautics and Space Administration (NASA) zustimmend beschrieben. (1) Wikipedia. Der Informatiker Luis von Ahn stellte fest, dass in einem einzigen Jahr über neun Milliarden Stunden mit Windows Solitaire verbracht wurden, und entwickelte das Online-Spiel "ESP", bei dem zwei entfernte Spieler zufällig gepaart werden und ihnen ein Bild gezeigt wird. Sie werden gebeten, das Wort zu erraten, das das Bild am besten beschreibt, und wenn sie das gleiche Wort erraten, gewinnen sie Punkte. (2) Ihre Aktionen liefern auch Input für eine Datenbank, die Bilder zuverlässig für die Verwendung in grafischen Suchmaschinen kennzeichnet - was die Fähigkeit von Bildsuchmaschinen verbessert, Bilder zu identifizieren. In Echtzeit beteiligen sich Menschen am Aufbau eines kollektiven, organischen, weltweiten Computers. Sie führen dabei Aufgaben aus, die echte Computer nicht ohne weiteres selbst erledigen können. (3)
1. YOCHAI BENKLER, THE WEALTH OF NETWORKS 69 (2006).
2. Luis von Ahn, Presentation for Google TechTalk on Human Computation (Oct. 26, 2006), available at http://video.google.com/videoplay?docid=-8246463980976635143.
3. Cf BENKLER, supra note 26, at 81 (discussing the potential for digital proofreading).

Zittrain I
Jonathan Zittrain
The Future of the Internet--And How to Stop It New Haven 2009
Planung KI-Forschung Norvig I 156
Planung/Künstliche Intelligenz/Norvig/Russell: Die Unvorhersehbarkeit und Teilbeobachtbarkeit realer Umgebungen wurde frühzeitig in Robotikprojekten, die Planungstechniken benutzten, wie Shakey (Fikes et al., 1972)(1) und FREDDY (Michie, 1974)(2), erkannt. Die Probleme erhielten mehr Aufmerksamkeit nach der Veröffentlichung von McDermotts (1978a) einflussreichem Artikel, Planning and Acting(3). >Belief States/Norvig.
Norvig I 366
Probleme: Ein einfacher problemlösender Agent (...) kann Handlungsabläufe finden, die zu einem Zielzustand führen. Aber er setzt sich mit atomaren Repräsentationen von Zuständen auseinander und benötigt daher eine gute domänenspezifische Heuristik, um gut funktionieren zu können. [Ein] hybrid propositional-logischer Agent (...) kann Pläne ohne domänenspezifische Heuristiken finden, da er domänenunabhängige Heuristiken verwendet, die auf der logischen Struktur des Problems basieren. Aber er basiert auf der variablenfreien (...) Inferenz von Propositionen, was bedeutet, dass er überfordert werden kann, wenn es viele Handlungen und Zustände gibt.
Norvig I 367
Planungsforscher haben sich auf eine gewichtete Darstellung festgelegt - eine, in der ein Zustand der Welt durch eine Sammlung von Variablen repräsentiert wird. Wir verwenden eine Sprache namens PDDL, die Planning Domain Definition Language, die es uns ermöglicht, alle 4Tn2-Handlungen mit einem Handlungsschema auszudrücken. Jeder Zustand wird als eine Verbindung von Fluenten dargestellt, die variablenfreie, funktionslose Atome sind. Es wird die Datenbanksemantik verwendet: Die closed-world assumption (Annahme zur Weltabgeschlossenheit) bedeutet, dass alle nicht erwähnten Fluenten falsch sind, und die unique names assumption bedeutet, dass [x]1 und [x]2 unterschiedlich sind. Handlungen werden durch eine Reihe von Handlungsschemata beschrieben, die implizit die Funktionen ACTIONS(s) und RESULT(s,a) definieren, die für eine Problemlösungssuche erforderlich sind. >Rahmenproblem. Die klassische Planung konzentriert sich auf Probleme, bei denen die meisten Maßnahmen die meisten Dinge unverändert lassen.
Handlungen: Ein Set von (...) variablenfreien Handlungen kann durch ein einziges Handlungsschema dargestellt werden.
Das Schema ist eine angehobene Repräsentation - sie hebt die Ebene der Schlussfolgerung von der Aussagenlogik auf eine begrenzte Teilmenge der Logik erster Stufe an.
Handlungsschema: Das Schema besteht aus dem Handlungsnamen, einer Liste aller im Schema verwendeten Variablen, einer Vorbedingung und einem Effekt.
Norvig I 367
Vorwärts-/Rückwärtssuche (Progression/Regression) im Zustandsraum: Vgl. >Rückwärtsverkettung.
Norvig I 376
Heuristiken für die Planung: Eine heuristische Funktion h(s) schätzt die Entfernung von einem Zustand s zum Ziel und dass, wenn wir für diese Entfernung eine zulässige Heuristik ableiten können - eine, die nicht überschätzt - dann können wir die A*-Suche zum Finden optimaler Lösungen nutzen. Repräsentation: Die Planung verwendet eine gewichtete Repräsentation für Zustände und Handlungsschemata. Dies ermöglicht es, gute domänenunabhängige Heuristiken zu definieren und Programmen, automatisch eine gute domänenunabhängige Heuristik für ein bestimmtes Problem anzuwenden. Stellen Sie sich ein Suchproblem als einen Graphen vor, bei dem die Knoten Zustände und die Kanten Handlungen sind. Das Problem besteht darin, einen Pfad zu finden, der den Ausgangszustand mit einem Zielzustand verbindet. Es gibt zwei Möglichkeiten, dieses Problem zu lockern, um es einfacher zu machen: durch Hinzufügen von mehr Kanten zum Graphen, um es einfacher zu machen, einen Pfad zu finden, oder durch Gruppieren mehrerer Knoten, die eine Abstraktion des Zustandsraums bilden, der weniger Zustände hat und somit einfacher zu suchen ist.
Norvig I 377
Zustandsabstraktion: Viele Planungsprobleme haben 10100 oder mehr Zustände, und die Lockerung der Handlungen trägt nicht dazu bei, die Anzahl der Zustände zu reduzieren. Daher betrachten wir nun Lockerungen, die die Anzahl der Zustände verringern, indem sie eine Zustandsabstraktion bilden - ein many-to-one mapping von Zuständen in der variablenfreien Repräsentation des Problems auf die abstrakte Darstellung. Die einfachste Form der Zustandsabstraktion ist es, einige Fluente zu ignorieren.
Norvig I 378
Heuristiken: Eine Schlüsselidee bei der Definition von Heuristiken ist die Zerlegung: ein Problem in Teile zerlegen, jedes Teil unabhängig lösen und dann die Teile kombinieren. Die subgoal independence assumption ist, dass die Kosten für die Lösung einer Verbindung von Teilzielen durch die Summe der Kosten für die jeweils unabhängige Lösung jedes Teilziels approximiert werden.
Norvig I 390
Planung als constraint satisfaction: Siehe >Constraint-Satisfaction-Probleme.
Norvig I 393
Geschichte der KI-Planung: Die KI-Planung entstand aus Untersuchungen zur Suche von Zustandsraum, zum Nachweis von Theoremen und zur Kontrolltheorie sowie aus den praktischen Anforderungen der Robotik, Terminplanung und anderer Bereiche. STRIPS (Fikes and Nilsson, 1971)(4), das erste große Planungssystem, veranschaulicht das ZusammenSpiel dieser Einflüsse.
General Problem Solver/GPS: der General Problem Solver (Newell and Simon, 1961)(5),[war] ein System zur Suche von Zustandsraum, das die Means–End-Analyse verwendete. Die Kontrollstruktur von STRIPS wurde der von GPS nachempfunden.
Norvig I 394
Sprache: Die Problem Domain Description Language, kurz PDDL (Ghallab et al., 1998)(6), wurde als von Computern lesbare, standardisierte Syntax zur Darstellung von Planungsproblemen eingeführt und wird seit 1998 als Standardsprache für die International Planning Competition verwendet. Es gab mehrere Erweiterungen; die neueste Version, PDDL 3.0, enthält plan constraints und Präferenzen (Gerevini und Long, 2005)(7). Teilprobleme: Die Problemzerlegung wurde erreicht, indem für jedes Teilziel ein Teilplan berechnet und die Teilpläne dann in einer bestimmten Reihenfolge aneinandergereiht wurden. Dieser Ansatz, von Sacerdoti (1975)(8) als lineare Planung bezeichnet, wurde bald als unvollständig erkannt. Es kann einige sehr einfache Probleme nicht lösen (....) Ein vollständiger Planer muss die Verschachtelung von Handlungen aus verschiedenen Teilplänen innerhalb einer einzigen Sequenz ermöglichen. Der Begriff der serializable subgoals (Korf, 1987)(9) entspricht genau dem Set von Problemen, für welche die nicht-verschachtelten Planer vollständig sind. Eine Lösung für das Verschachtelungsproblem war das goal-regression planning, eine Technik, bei der Schritte in einem vollständig geordneten Plan neu geordnet werden, um Konflikte zwischen Teilzielen zu vermeiden. Dies wurde von Waldinger (1975)(10) eingeführt und auch von Warrens (1974)(11) WARPLAN verwendet.
Partial Ordering: Die Ideen, welche dem Partial-Order Planning zugrundeliegen, umfassen die Erkennung von Konflikten (Tate, 1975a)(12) und den Schutz der erreichten Bedingungen vor Störungen (Sussman, 1975)(13). Die Konstruktion von teilweise geordneten Plänen (damals noch Task-Netzwerke genannt) wurde vom NOAH-Planer (Sacerdoti, 1975(8), 1977(14)) und von Tates (1975b(15), 1977(16)) NONLIN-System vorangetrieben. Partial-order planning dominierte die nächsten 20 Jahre der Forschung (...).
State-space planning: Das wieder auflebende Interesse an State-space planning wurde durch Drew McDermotts UNPOP-Programm (1996)(17) vorangetrieben, das als erstes die ignore-delete-list heuristic vorschlug (...). Bonet und Geffners Heuristic Search Planner (HSP) und seine späteren Derivative (Bonet und Geffner, 1999(18); Haslum et al., 2005(19); Haslum, 2006(20)) waren die ersten,
Norvig I 395
welche state-space search praktisch für große Planungsprobleme machten. Der bisher erfolgreichste state-space searcher ist FF (Hoffmann, 2001(21); Hoffmann und Nebel, 2001(22); Hoffmann, 2005(23)), Gewinner des AIPS 2000 Planungswettbewerbs. LAMA (Richter und Westphal, 2008)(24), ein Planer auf Basis von FASTDOWNWARD mit verbesserter Heuristik, gewann den Wettbewerb 2008. >Umwelt/Welt/Planung/Norvig. Siehe auch McDermot (1985)(25).


1. Fikes, R. E., Hart, P. E., and Nilsson, N. J. (1972). Learning and executing generalized robot plans. AIJ,3(4), 251-288
2. Michie, D. (1974). Machine intelligence at Edinburgh. In On Intelligence, pp. 143–155. Edinburgh
University Press.
3. McDermott, D. (1978a). Planning and acting. Cognitive Science, 2(2), 71-109.
4. Fikes, R. E. and Nilsson, N. J. (1993). STRIPS, a retrospective. AIJ, 59(1–2), 227-232.
5. Newell, A. and Simon, H. A. (1961). GPS, a program that simulates human thought. In Billing, H.
(Ed.), Lernende Automaten, pp. 109-124. R. Oldenbourg.
6. Ghallab, M., Howe, A., Knoblock, C. A., and Mc-Dermott, D. (1998). PDDL—The planning domain definition language. Tech. rep. DCS TR-1165, Yale Center for Computational Vision and Control
7. Gerevini, A. and Long, D. (2005). Plan constraints and preferences in PDDL3. Tech. rep., Dept. of Electronics for Automation, University of Brescia, Italy
8. Sacerdoti, E. D. (1975). The nonlinear nature of plans. In IJCAI-75, pp. 206-214.
9. Korf, R. E. (1987). Planning as search: A quantitative approach. AIJ, 33(1), 65-88
10. Waldinger, R. (1975). Achieving several goals simultaneously. In Elcock, E. W. and Michie, D.
(Eds.), Machine Intelligence 8, pp. 94-138. Ellis Horwood
11. Warren, D. H. D. (1974). WARPLAN: A System for Generating Plans. Department of Computational
Logic Memo 76, University of Edinburgh
12. Tate, A. (1975a). Interacting goals and their use. In IJCAI-75, pp. 215-218.
13. Sussman, G. J. (1975). A Computer Model of Skill Acquisition. Elsevier/North-Holland.
14. Sacerdoti, E. D. (1977). A Structure for Plans and Behavior. Elsevier/North-Holland.
15. Tate, A. (1975b). Using Goal Structure to Direct Search in a Problem Solver. Ph.D. thesis, University of Edinburgh.
16. Tate, A. (1977). Generating project networks. In IJCAI-77, pp. 888-893.
17. McDermott, D. (1996). A heuristic estimator for means-ends analysis in planning. In ICAPS-96, pp.
142-149.
18. Bonet, B. and Geffner, H. (1999). Planning as heuristic search: New results. In ECP-99, pp. 360-372. 19. Haslum, P., Bonet, B., and Geffner, H. (2005). New admissible heuristics for domain-independent planning. In AAAI-05.
20. Haslum, P. (2006). Improving heuristics through relaxed search – An analysis of TP4 and HSP*a in the
2004 planning competition. JAIR, 25, 233-267.
21. Hoffmann, J. (2001). FF: The fast-forward planning system. AIMag, 22(3), 57-62.
22. Hoffmann, J. and Nebel, B. (2001). The FF planning system: Fast plan generation through heuristic search. JAIR, 14, 253-302.
23. Hoffmann, J. (2005). Where “ignoring delete lists” works: Local search topology in planning benchmarks. JAIR, 24, 685-758
24. Richter, S. and Westphal, M. (2008). The LAMA planner. In Proc. International Planning Competition at ICAPS.
25. McDermott, D. (1985). Reasoning about plans. In Hobbs, J. and Moore, R. (Eds.), Formal theories of the commonsense world. Intellect Books.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Planung Norvig Norvig I 156
Planung / Künstliche Intelligenz/Norvig/Russell: Die Unvorhersehbarkeit und Teilbeobachtbarkeit realer Umgebungen wurde frühzeitig in Robotikprojekten, die Planungstechniken benutzten, wie Shakey (Fikes et al., 1972)(1) und FREDDY (Michie, 1974)(2), erkannt. Die Probleme erhielten mehr Aufmerksamkeit nach der Veröffentlichung von McDermotts (1978a) einflussreichem Artikel, Planning and Acting(3). >Belief States/Norvig.
Norvig I 366
Probleme: Ein einfacher problemlösender Agent (...) kann Handlungsabläufe finden, die zu einem Zielzustand führen. Aber er setzt sich mit atomaren Repräsentationen von Zuständen auseinander und benötigt daher eine gute domänenspezifische Heuristik, um gut funktionieren zu können. [Ein] hybrid propositional-logischer Agent (...) kann Pläne ohne domänenspezifische Heuristiken finden, da er domänenunabhängige Heuristiken verwendet, die auf der logischen Struktur des Problems basieren. Aber er basiert auf der variablenfreien (...) Inferenz von Propositionen, was bedeutet, dass er überfordert werden kann, wenn es viele Handlungen und Zustände gibt.
Norvig I 367
Planungsforscher haben sich auf eine gewichtete Darstellung festgelegt - eine, in der ein Zustand der Welt durch eine Sammlung von Variablen repräsentiert wird. Wir verwenden eine Sprache namens PDDL, die Planning Domain Definition Language, die es uns ermöglicht, alle 4Tn2-Handlungen mit einem Handlungsschema auszudrücken. Jeder Zustand wird als eine Verbindung von Fluenten dargestellt, die variablenfreie, funktionslose Atome sind. Es wird die Datenbanksemantik verwendet: Die closed-world assumption (Annahme zur Weltabgeschlossenheit) bedeutet, dass alle nicht erwähnten Fluenten falsch sind, und die unique names assumption bedeutet, dass [x]1 und [x]2 unterschiedlich sind. Handlungen werden durch eine Reihe von Handlungsschemata beschrieben, die implizit die Funktionen ACTIONS(s) und RESULT(s,a) definieren, die für eine Problemlösungssuche erforderlich sind. >Rahmenproblem. Die klassische Planung konzentriert sich auf Probleme, bei denen die meisten Maßnahmen die meisten Dinge unverändert lassen.
Handlungen: Ein Set von (...) variablenfreien Handlungen kann durch ein einziges Handlungsschema dargestellt werden.
Das Schema ist eine angehobene Repräsentation - sie hebt die Ebene der Argumentation von der Aussagenlogik auf eine begrenzte Teilmenge der Logik erster Stufe an.
Handlungsschema: Das Schema besteht aus dem Handlungsnamen, einer Liste aller im Schema verwendeten Variablen, einer Vorbedingung und einem Effekt.
Norvig I 367
Vorwärts-/Rückwärtssuche (Progression/Regression) im Zustandsraum: Vgl. >Rückwärtsverkettung.
Norvig I 376
Heuristiken für die Planung: Eine heuristische Funktion h(s) schätzt die Entfernung von einem Zustand s zum Ziel und dass, wenn wir für diese Entfernung eine zulässige Heuristik ableiten können - eine, die nicht überschätzt - dann können wir die A*-Suche zum Finden optimaler Lösungen nutzen. Repräsentation: Die Planung verwendet eine gewichtete Repräsentation für Zustände und Handlungsschemata. Dies ermöglicht es, gute domänenunabhängige Heuristiken zu definieren und Programmen, automatisch eine gute domänenunabhängige Heuristik für ein bestimmtes Problem anzuwenden. Stellen Sie sich ein Suchproblem als einen Graphen vor, bei dem die Knoten Zustände und die Kanten Handlungen sind. Das Problem besteht darin, einen Pfad zu finden, der den Ausgangszustand mit einem Zielzustand verbindet. Es gibt zwei Möglichkeiten, dieses Problem zu lockern, um es einfacher zu machen: durch Hinzufügen von mehr Kanten zum Graphen, um es einfacher zu machen, einen Pfad zu finden, oder durch Gruppieren mehrerer Knoten, die eine Abstraktion des Zustandsraums bilden, der weniger Zustände hat und somit einfacher zu suchen ist.
Norvig I 377
Zustandsabstraktion: Viele Planungsprobleme haben 10100 oder mehr Zustände, und die Lockerung der Handlungen trägt nicht dazu bei, die Anzahl der Zustände zu reduzieren. Daher betrachten wir nun Lockerungen, die die Anzahl der Zustände verringern, indem sie eine Zustandsabstraktion bilden - ein many-to-one mapping von Zuständen in der variablenfreien Repräsentation des Problems auf die abstrakte Darstellung. Die einfachste Form der Zustandsabstraktion ist es, einige Fluente zu ignorieren.
Norvig I 378
Heuristiken: Eine Schlüsselidee bei der Definition von Heuristiken ist die Zerlegung: ein Problem in Teile zerlegen, jedes Teil unabhängig lösen und dann die Teile kombinieren. Die subgoal independence assumption ist, dass die Kosten für die Lösung einer Verbindung von Teilzielen durch die Summe der Kosten für die jeweils unabhängige Lösung jedes Teilziels approximiert werden.
Norvig I 390
Planung als constraint satisfaction: Siehe >Constraint-Satisfaction-Probleme.
Norvig I 393
Geschichte der KI-Planung: Die KI-Planung entstand aus Untersuchungen zur Suche von Zustandsraum, zum Nachweis von Theoremen und zur Kontrolltheorie sowie aus den praktischen Anforderungen der Robotik, Terminplanung und anderer Bereiche. STRIPS (Fikes and Nilsson, 1971)(4), das erste große Planungssystem, veranschaulicht das ZusammenSpiel dieser Einflüsse.
General Problem Solver/GPS: der General Problem Solver (Newell and Simon, 1961)(5),[war] ein System zur Suche von Zustandsraum, das die Means–End-Analyse verwendete. Die Kontrollstruktur von STRIPS wurde der von GPS nachempfunden.
Norvig I 394
Sprache: Die Problem Domain Description Language, kurz PDDL (Ghallab et al., 1998)(6), wurde als von Computern lesbare, standardisierte Syntax zur Darstellung von Planungsproblemen eingeführt und wird seit 1998 als Standardsprache für die International Planning Competition verwendet. Es gab mehrere Erweiterungen; die neueste Version, PDDL 3.0, enthält plan constraints und Präferenzen (Gerevini und Long, 2005)(7). Teilprobleme: Die Problemzerlegung wurde erreicht, indem für jedes Teilziel ein Teilplan berechnet und die Teilpläne dann in einer bestimmten Reihenfolge aneinandergereiht wurden. Dieser Ansatz, von Sacerdoti (1975)(8) als lineare Planung bezeichnet, wurde bald als unvollständig erkannt. Es kann einige sehr einfache Probleme nicht lösen (....) Ein vollständiger Planer muss die Verschachtelung von Handlungen aus verschiedenen Teilplänen innerhalb einer einzigen Sequenz ermöglichen. Der Begriff der serializable subgoals (Korf, 1987)(9) entspricht genau dem Set von Problemen, für welche die nicht-verschachtelten Planer vollständig sind. Eine Lösung für das Verschachtelungsproblem war das goal-regression planning, eine Technik, bei der Schritte in einem vollständig geordneten Plan neu geordnet werden, um Konflikte zwischen Teilzielen zu vermeiden. Dies wurde von Waldinger (1975)(10) eingeführt und auch von Warrens (1974)(11) WARPLAN verwendet.
Partial Ordering: Die Ideen, welche dem Partial-Order Planning zugrundeliegen, umfassen die Erkennung von Konflikten (Tate, 1975a)(12) und den Schutz der erreichten Bedingungen vor Störungen (Sussman, 1975)(13). Die Konstruktion von teilweise geordneten Plänen (damals noch Task-Netzwerke genannt) wurde vom NOAH-Planer (Sacerdoti, 1975(8), 1977(14)) und von Tates (1975b(15), 1977(16)) NONLIN-System vorangetrieben. Partial-order planning dominierte die nächsten 20 Jahre der Forschung (...).
State-space planning: Das wieder auflebende Interesse an State-space planning wurde durch Drew McDermotts UNPOP-Programm (1996)(17) vorangetrieben, das als erstes die ignore-delete-list heuristic vorschlug (...). Bonet und Geffners Heuristic Search Planner (HSP) und seine späteren Derivative (Bonet und Geffner, 1999(18); Haslum et al., 2005(19); Haslum, 2006(20)) waren die ersten,
Norvig I 395
welche state-space search praktisch für große Planungsprobleme machten. Der bisher erfolgreichste state-space searcher ist FF (Hoffmann, 2001(21); Hoffmann und Nebel, 2001(22); Hoffmann, 2005(23)), Gewinner des AIPS 2000 Planungswettbewerbs. LAMA (Richter und Westphal, 2008)(24), ein Planer auf Basis von FASTDOWNWARD mit verbesserter Heuristik, gewann den Wettbewerb 2008. >Umwelt/Welt/Planung/Norvig. Siehe auch McDermot (1985)(25).


1. Fikes, R. E., Hart, P. E., and Nilsson, N. J. (1972). Learning and executing generalized robot plans. AIJ,3(4), 251-288
2. Michie, D. (1974). Machine intelligence at Edinburgh. In On Intelligence, pp. 143–155. Edinburgh
University Press.
3. McDermott, D. (1978a). Planning and acting. Cognitive Science, 2(2), 71-109.
4. Fikes, R. E. and Nilsson, N. J. (1993). STRIPS, a retrospective. AIJ, 59(1–2), 227-232.
5. Newell, A. and Simon, H. A. (1961). GPS, a program that simulates human thought. In Billing, H.
(Ed.), Lernende Automaten, pp. 109-124. R. Oldenbourg.
6. Ghallab, M., Howe, A., Knoblock, C. A., and Mc-Dermott, D. (1998). PDDL—The planning domain definition language. Tech. rep. DCS TR-1165, Yale Center for Computational Vision and Control
7. Gerevini, A. and Long, D. (2005). Plan constraints and preferences in PDDL3. Tech. rep., Dept. of Electronics for Automation, University of Brescia, Italy
8. Sacerdoti, E. D. (1975). The nonlinear nature of plans. In IJCAI-75, pp. 206-214.
9. Korf, R. E. (1987). Planning as search: A quantitative approach. AIJ, 33(1), 65-88
10. Waldinger, R. (1975). Achieving several goals simultaneously. In Elcock, E. W. and Michie, D.
(Eds.), Machine Intelligence 8, pp. 94-138. Ellis Horwood
11. Warren, D. H. D. (1974). WARPLAN: A System for Generating Plans. Department of Computational
Logic Memo 76, University of Edinburgh
12. Tate, A. (1975a). Interacting goals and their use. In IJCAI-75, pp. 215-218.
13. Sussman, G. J. (1975). A Computer Model of Skill Acquisition. Elsevier/North-Holland.
14. Sacerdoti, E. D. (1977). A Structure for Plans and Behavior. Elsevier/North-Holland.
15. Tate, A. (1975b). Using Goal Structure to Direct Search in a Problem Solver. Ph.D. thesis, University of Edinburgh.
16. Tate, A. (1977). Generating project networks. In IJCAI-77, pp. 888-893.
17. McDermott, D. (1996). A heuristic estimator for means-ends analysis in planning. In ICAPS-96, pp.
142-149.
18. Bonet, B. and Geffner, H. (1999). Planning as heuristic search: New results. In ECP-99, pp. 360-372. 19. Haslum, P., Bonet, B., and Geffner, H. (2005). New admissible heuristics for domain-independent planning. In AAAI-05.
20. Haslum, P. (2006). Improving heuristics through relaxed search – An analysis of TP4 and HSP*a in the
2004 planning competition. JAIR, 25, 233-267.
21. Hoffmann, J. (2001). FF: The fast-forward planning system. AIMag, 22(3), 57-62.
22. Hoffmann, J. and Nebel, B. (2001). The FF planning system: Fast plan generation through heuristic search. JAIR, 14, 253-302.
23. Hoffmann, J. (2005). Where “ignoring delete lists” works: Local search topology in planning benchmarks. JAIR, 24, 685-758
24. Richter, S. and Westphal, M. (2008). The LAMA planner. In Proc. International Planning Competition at ICAPS.
25. McDermott, D. (1985). Reasoning about plans. In Hobbs, J. and Moore, R. (Eds.), Formal theories of the commonsense world. Intellect Books.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Politik Acemoglu Acemoglu I 79
Politik/Acemoglu/Robinson: Politik ist der Prozess, durch den eine Gesellschaft die Regeln auswählt, nach denen sie regiert werden soll. Politik umgibt Institutionen aus dem einfachen Grund, dass integrative Institutionen zwar gut für den wirtschaftlichen Wohlstand einer Nation sein mögen, dass aber einige Menschen oder Gruppen, wie die Elite der Kommunistischen Partei Nordkoreas oder die Zuckerfabrikanten des kolonialen Barbados, viel besser dran sein werden, wenn sie Institutionen schaffen, die extraktiv sind. >Institutionen/Acemoglu. Wenn es einen Konflikt um Institutionen gibt, hängt das, was passiert, davon ab, welche Personen oder Gruppen im Spiel der Politik gewinnen - wer mehr Unterstützung oder zusätzliche Ressourcen erhält und effektivere Allianzen bilden kann. Kurz gesagt, wer gewinnt, hängt von der Verteilung der politischen Macht in der Gesellschaft ab. >Wohlstand/Acemoglu.

Acemoglu II
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006

Acemoglu I
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012
Politik Russlands Krastev Krastev I 14
Politik Russlands/Postkommunismus/Krastev: Die erste Reaktion des Kremls auf die globale Vormachtstellung des Liberalismus war eine Form der Simulation, wie sie von relativ schwachen Beutetieren ausgeübt wird, um nicht von gefährlichen Raubtieren angegriffen zu werden. Die politische Elite Russlands war unmittelbar nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion keineswegs einheitlich.
Krastev I 15
Demokratie: Die Schaffung einer "Imitationsdemokratie" in Russland in den 1990er Jahren beinhaltete keine der mühsamen Arbeiten einer echten politischen Entwicklung. Es ging im Wesentlichen darum, eine Potemkinsche Fassade zu errichten, die der Demokratie nur oberflächlich ähnelt. >Imitation/Krastev. Bis 2011-12 hatte diese demokratische Farce ihren Nutzen überlebt. Die russische Führung ging dann zu einer von Ressentiments getriebenen Politik der gewaltsamen Parodie über, einem Stil der Imitation, der unverschämt feindselig und absichtlich provokativ ist. Sie lässt sich nicht durch fade Analysen der Nachahmung von Außenpolitik als "Lernen aus der Beobachtung" einfangen(1).
Spiegelung/Mirroring: Die Einmischung Russlands in die amerikanischen Präsidentschaftswahlen 2016, um zum hervorstechendsten BeiSpiel dieses spöttisch ironischen "Mirroring"-Ansatzes zu kommen, wurde von seinen Organisatoren und Tätern als Versuch verstanden, das zu duplizieren, was der Kreml als ungerechtfertigte Einmischung des Westens in das eigene politische Leben Russlands ansah.
Demokratie: These: Nachdem der Kreml in den 1990er Jahren die Rechenschaftspflicht von Politikern gegenüber den Bürgern simuliert hat, hat er heute [nach Krastev] jedes Interesse an demokratischen Scharaden verloren (...). Anstatt so zu tun, als würden sie das innenpolitische System Amerikas imitieren, ziehen es Putin und seine Entourage vor, die Art und Weise nachzuahmen, wie sich Amerika unrechtmäßig in die Innenpolitik anderer Länder einmischt.
Krastev I 78
Politik Russlands/Krastev: Nach dem Ende des Kalten Krieges gingen einige Optimisten sogar davon aus, dass Russland in die Fußstapfen Deutschlands nach dem Zweiten Weltkrieg treten würde, eine Mehrparteienpolitik verfolgen und die Vorteile einer gesetzlich geregelten Marktwirtschaft genießen würde. Tatsächlich ähnelt Russlands Verhalten in den letzten zehn Jahren dem Verhalten Nachkriegsdeutschlands - aber Deutschlands nach dem Ersten Weltkrieg und nicht nach dem Zweiten Weltkrieg, als das deutsche "Wirtschaftswunder" die öffentliche Unterstützung für die Demokratisierung konsolidierte. Wie Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg ist Putins Russland zu einer wütenden revisionistischen Macht geworden, die sich anscheinend darauf konzentriert, die europäische Ordnung zu zerstören. Und während die Russen weiterhin die Amerikaner imitieren, ist ihr Ziel nicht Konversion oder Assimilation, sondern Rache und Rechtfertigung, und zwar auch dann, wenn dies wenig oder gar nichts dazu beiträgt, Moskau zu helfen, seinen verlorenen Status und seine verlorene Macht wiederzuerlangen. Ein charakteristisches BeiSpiel für den antiwestlichen (im Gegensatz zu pseudo-verwestlichenden) Rückgriff des Kremls auf die Mimikry ist die Art und Weise, wie russische Trolle im amerikanischen Präsidentschaftswahlkampf 2016 online vorgaben, Amerikaner zu sein, um Verwirrung zu säen, Trumps Chancen zu erhöhen und das Land gegen sich selbst zu spalten.
Krastev I 80
Nato/Wladimir Putin: (zur Münchner Sicherheitskonferenz vom 10. Februar 2007): [Putins Rede] war wie eine Kriegserklärung. Sie war ein vernichtender Angriff auf die von den Westmächten geschaffene globale Sicherheitsarchitektur. Sie war mit scharfen sarkastischen Beilagen versehen, die informelle Normen verletzen sollten. Solch ein Verhalten wurde eher von nicht-westlichen Bittstellern in höflicher Gesellschaft erwartet, die den Westen um Gefälligkeiten baten. Er prangerte die NATO-Erweiterung als einen Akt des Verrats an und zitierte wörtlich ein lange vergessenes offenkundiges Versprechen, dass ein solches Eindringen nach Osten niemals erlaubt werden würde. Beziehungen zu den USA: (...) seine Liste der Missstände gegenüber dem Westen ist viel tiefer gesägt. Er beschuldigte die Vereinigten Staaten der "globalen Destabilisierung" und der eklatanten "Missachtung des Völkerrechts". Washingtons "fast ungebremste übermäßige Gewaltanwendung - militärische Gewalt - in den internationalen Beziehungen", führte er aus, "stürzt die Welt in einen Abgrund permanenter Konflikte".
Krastev I 84
Nach dem Zerfall der Sowjetunion fanden sich 25 Millionen Russen plötzlich in einem fremden Land wieder. Sie waren eine gestrandete Diaspora, die unfreiwillig ausgebürgert wurde, als sich die Grenzen ihres Landes zurückzogen. Berufliche Karrieren und persönliche Netzwerke wurden zerstört, und Familien wurden sowohl finanziell ruiniert als auch moralisch zerbrochen. Fast ein Jahrzehnt lang wurde das Land von Chaos und Kriminalität überschwemmt.
Krastev I 111
Politik Russlands/Krastev: Die Annexion der Krim war im Grunde ein Versuch, ein System, das seine Glaubwürdigkeit verlor, wieder zu legitimieren. Dies wurde dadurch gezeigt, dass Moskau
Lrastev I 112
dem Westen ungestraft die Stirn bieten konnte. Das Spektakel einer unbeanstandeten Verletzung internationaler Normen ersetzte das Spektakel einer unbeanstandeten Verletzung demokratischer Normen. Kleine erfolgreiche Kriege, die an symbolisch wichtigen Orten wie der Krim gekämpft wurden, erwiesen sich als politisch lohnender als der Sieg von gefälschten Wahlen. Putins unverfrorene Missachtung westlicher Normen und Erwartungen gab seinem Regime einen größeren Auftrieb als Ethno-Nationalismus oder jegliche strategischen Gewinne, die durch die "Rückkehr" der Krim ins Heimatland erzielt wurden. Gegen diejenigen, die "nur ein Ziel verfolgen - Russland als Nation zu zerstören", wie Putin in seiner Wahlsiegrede von 2012 sagte, "haben wir bewiesen, dass uns niemand etwas aufzwingen kann. Niemand kann uns etwas aufzwingen"(2).
Krastev: Die Annexion der Krim hat das Gegenteil bewiesen. Putin hatte ein Souveränitätsdrama inszeniert. Die Wiederherstellung der Stärke und Souveränität Russlands, d.h. seiner faktischen Unabhängigkeit vom westlichen Einfluss, ist auch heute noch das grundlegende Thema in Putins öffentlichem Diskurs. Die Bemühungen, Russland einzudämmen, sind gescheitert: "sehen Sie dem ins Auge", wiederholte er 2018. "Niemand hat auf uns gehört. Hört jetzt zu"(3).
Russland/China/Krastev: (...) Im Gegensatz zu China kann Russland nicht als klassische aufstrebende Macht definiert werden. Sein globales Gewicht ist minimal im Vergleich zum Einfluss, den einst die Sowjetunion ausübte, und obwohl es Russland gelungen ist, seine Position kurzfristig zu verbessern, sind seine langfristigen Aussichten als globales Schwergewicht fragwürdig.
Krastev I 114
Post-Imitation: Nach 2012 hat der Kreml seine Versuche, seine innenpolitische Legitimität durch Nachahmung der Demokratie westlichen Stils zu untermauern, verworfen. Das neue Ziel bestand darin, die vom Westen dominierte internationale Ordnung zu diskreditieren, indem ihre grundlegende Heuchelei entlarvt wurde. Der Ton des neuen Ansatzes war sarkastisch: Die Amerikaner geben zwar Lippenbekenntnisse zum Völkerrecht ab, wie uns gesagt wird, handeln aber nach der "rule of the gun".
Krastev I 134
Politik Russlands/Krastev: (...) Moskaus von Ressentiments getriebene Politik (...) erreicht nicht das Niveau einer wohldurchdachten, langfristigen Strategie. Tatsächlich könnte Russlands Politik der ironischen Mimikry und des Reverse Engineering der amerikanischen Heuchelei die Welt langsam in die Katastrophe stürzen. Aggressive Imitation geht in einer sich selbst erfüllenden Weise davon aus, dass alle Gründe für Vertrauen zwischen Russland und dem Westen auf fatale Weise ausgehöhlt worden sind.
Paranoia: Öffentliche Rechtfertigungen von versteckten Beweggründen zu unterscheiden, ist nur gesunder Menschenverstand. Aber sich dogmatisch und obsessiv auf diese Unterscheidung zu konzentrieren, wie es Putin zu tun scheint, ist ein schlüpfriger Weg.
Krastev I 135
Weil sie den Zynismus hinter jeder amerikanischen Berufung auf humanitäre Ideale ausspähen und beweisen wollen, dass sie nicht mehr so naiv sind wie damals, als sie den doppelzüngigen Versprechungen Amerikas, die NATO nicht ostwärts zu erweitern, Glauben schenkten, haben sie sich in eine stolzierende Missachtung elementarer humanitärer Werte gestürzt, als ob der Abbau moralischer Hemmungen z.B. bei der Belagerung von Aleppo sie zu würdigen Gegenspielern des amoralischen Amerikas gemacht hätte, dessen angebliche Niederträchtigkeit sie gerne verunglimpfen.


1. Benjamin E. Goldsmith, Imitation in International Relations. Observational Learning, Analogies, and Foreign Policy in Russia and Ukraine (New York; Palgrave, 2005).
2. This was Putin's famously tearful 'Election Victory Speech' in Manezhnaya Square (4 March 2012); https://www.youtube.com/watch?v-c6qLcDAoqxQ.
3. Anton Troianovski, 'Putin Claims Russia Is Developing Nuclear Arms Capable of Avoiding Missile Defenses', Washington Post (1 March 2018).

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Politikwissenschaft Wolin Gaus I 174
Politische Philosophie/Wolin/Dagger: (...) die Sorge um 'die Erosion des ausgeprägt Politischen' belebte Sheldon Wolins einflussreiche "Politics and Vision" (1960(1): 290). Wie Arendt beklagt Wolin, dass 'das Politische' in der modernen Welt durch 'das Soziale' verdrängt worden ist. >Arendt/Dagger. Wolin: Was wir "Politik" nennen, ist kaum mehr als der Streit von Gruppen, die ihre Interessen schützen und fördern wollen, mit verheerenden Folgen für das bürgerliche Leben. Es gibt substanzielle Beweise", bemerkt Wolin, dass die Beteiligung an öffentlichen Angelegenheiten von einer großen Zahl von Mitgliedern mit Gleichgültigkeit betrachtet wird. Der Durchschnittsbürger scheint die Ausübung politischer Rechte als Belastung empfinden zu müssen - einige, langweilig und oft ohne Bedeutung.
Staatsbürgerschaft/Wolin: Bürger zu sein scheint weder eine wichtige Rolle zu Spielen, noch ist politische Beteiligung ein intrinsisches Gut. Indem sie die Staatsbürgerschaft auf eine billige Ware reduziert, hat die Demokratie anscheinend zur Verwässerung der Politik beigetragen. (1960(1): 353) Dagger: Im Rückblick scheint Pococks "Machiavellistischer Moment"(2) zwei bisher getrennte wissenschaftliche Disziplinen zusammengeführt und benannt zu haben: die Bemühungen der Historiker, eine Form des politischen Denkens wiederzuGewinnen, die fast verloren schien, und die Bemühungen der politischen Theoretiker, insbesondere Arendt und Wolin, ihre Zeitgenossen an den Wert des öffentlichen Lebens des selbstverwalteten Bürgers zu erinnern.


1. Wolin, Sheldon (1960) Politics and Vision: Continuity and Innovation in Western Political Thought. Boston: Little, Brown.
2. Pocock, J. G. A. (1975) The Machiavellian Moment: Florentine Political Thought and the Atlantic
Republican Tradition. Princeton, NJ: Princeton University Press.

Dagger, Richard 2004. „Communitarianism and Republicanism“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Politische Polarisierung Politik der Vereinigten Staaten Levitsky I 261
Politische Polarisierung/Poltitik der Vereingten Staaten/Levitsky/Ziblatt: [zwei Kräfte liegen der Polarisierung in Amerika zugrunde]: die rassische und religiöse Zugehörigkeit und die zunehmende wirtschaftliche Ungleichheit. Die Republikanische Partei hat die Kluft, die sich zwischen den Parteien aufgetan hat, hauptsächlich verursacht.(1) Seit 2008 wirkt sie mit ihrem Blockadehaltung, ihrer Feindschaft gegenüber politischen Gegnern und ihren extremistischen politischen Forderungen gelegentlich wie eine Antisystempartei. Ermöglicht wurde ihr ein Vierteljahrhundert währender Marsch nach rechts durch die Aushöhlung ihres Organisationskerns. In den letzten 25 Jahren wurde ihre Führungsstruktur immer stärker untergraben, zum einen durch finanzstarke außenstehende Gruppen, wie Americans for Tax Freedom und Americans for Prosperity, deren Fähigkeit, Spenden einzuwerben, sie in die Lage versetzte, die politische Agenda vieler in ein Amt gewählter Republikaner buchstäblich zu
Levitsky I 262
diktieren, aber zum anderen auch durch den wachsenden Einfluss von Fox News und anderer rechter Medien. Levitsky/Ziblatt: Um die Polarisierung zu verringern, muss die Republikanische Partei reformiert, wenn nicht sogar gänzlich neu gegründet werden. Vor allem muss sie ihr eigenes Establishment wiederaufbauen. Dafür muss ihre Führung die Kontrolle über vier Schlüsselbereiche zurückGewinnen: Finanzen, Basisorganisation, Mitgliederinformation und Kandidatenauswahl.
Levitsky I 265
Demokratische Partei: Die Demokratische Partei ist zwar nicht die Haupttriebkraft der sich vertiefenden Polarisierung der amerikanischen Politik und Gesellschaft, könnte aber eine Rolle bei deren Abmilderung spielen. Manche Demokraten haben vorgeschlagen, die Partei sollte sich auf die Rückeroberung der sogenannten weißen Arbeiterklasse, der weißen Wähler ohne Collegeabschluss, konzentrieren. Dies war ein großes Thema nach Hillary Clintons traumatischer Wahlniederlage von 2016. Sowohl Bernie Sanders als auch einige Gemäßigte forderten die Demokraten nachdrücklich auf, sich um die Arbeiter zu bemühen, die sich im sogenannten Rust Belt, in den Apalachen und anderswo von ihnen abgewandt hatten.(2) Dafür war es nach Ansicht vieler Meinungsmacher nötig, dass die Demokraten von ihrer einwanderungsfreundlichen Haltung und ihrer sogenannten Identitätspolitik abrückten (wobei Letztere nur vage definiert ist, in der Regel jedoch die Förderung ethnischer Vielfalt und in jüngster Zeit auch Initiativen gegen Polizeigewalt, wie »Black Lives Matter«, umfasst). In einem Gastkommentar in der New York Times drängten Mark Penn und Andrew Stein die Demokraten, die Identitätspolitik aufzugeben und ihre Haltung zur Einwanderung zu mäßigen, um Wähler aus
Levitsky I 266
der weißen Arbeiterschicht zurückzugewinnen.(3) Obwohl es selten so deutlich gesagt wird, lautet die Kernbotschaft: Die Demokraten sollten den Einfluss ethnischer Minderheiten zurückdrängen, um die weiße Arbeiterschicht wieder auf ihre Seite zu ziehen. Levitsky/Ziblatt: Für uns ist das eine schreckliche Vorstellung. Den Einfluss von Minderheiten in der Demokratischen Partei zu verringern, wäre (...)
Levitsky I 267
der falsche Weg zur Abmilderung der Polarisierung.

1. Jacob Hacker/Paul Pierson, Off Center. The Republican Revolution and the Erosion of American Democracy, New Haven, Connecticut, 2006; Mann/Ornstein, It’s Even Worse Than It Looks; Grossman/Hopkins, Asymmetric Politics; Michael Barber/Nolan McCarty, »Causes and Consequences of Polarization«, in Persily (Hg.), Solutions to Political Polarization in America.
2. 65Mark Penn/Andrew Stein, »Back to the Center, Democrats«, in: The New York Times, 6. Juli 2017; Bernie Sanders, »How Democrats Can Stop Losing Elections«, in: The New York Times, 13. Juni 2017; siehe auch Mark Lilla, »The End of Identity Liberalism«, in: The New York Times, 18. November 2016.
3. Penn/Stein, »Back to the Center, Democrats«; siehe auch Lilla, »The End of Identity Liberalism«.
Politische Technologie Holmes Krastev I 93
Politische Technologie/Krastev/Holmes: 1994 gründete [Gleb] Pawlowskij seine "Foundation for Effective Politics" (FEP), einen Think Tank, der im Präsidentschaftswahlkampf Jelzins 1996 und anschließend bei den Wahlen Wladimir Putins 2000 und 2004 und schließlich bei der Wahl Medwedews 2008 eine zentrale Rolle spielte. Nach den Wahlfiaskos von 2011 und 2012 verlor die politische Technologie ihre herausragende Rolle im russischen Staatswesen. Der Kreml scheint heute wenig Interesse daran zu haben, die Illusion eines politischen Wettbewerbs zu schaffen, den Putin triumphierend "gewinnen" kann. Aber ein Rückblick auf die Blütezeit von Polittechnologen wie Pawlowski kann uns dennoch helfen, die Ursachen und Folgen der falschen Verwestlichung zu erforschen, die Putins erstes Jahrzehnt an der Macht kennzeichnete.
Krastev I 94
Was politische Berater im Westen von russischen Politologen unterscheidet, ist, dass erstere eng mit unabhängigen Medien zusammenarbeiten: Ihr Handwerk beinhaltet die Beeinflussung von Nachrichtenorganisationen, die sie nicht direkt kontrollieren können. Politische Technologen üben ein anderes Handwerk aus. Sie sind Experten in der Manipulation politisch abhängiger Medien. Politische Berater im Westen sind Experten darin, Stimmen für ihre Kandidaten zu gewinnen. Politische Technologen russischer Prägung sind ebenfalls Spezialisten im Gewinnen von Stimmen. Sie unternehmen jedoch einen zusätzlichen Schritt. Sie sind auch auf die "kreative Auszählung" von Stimmen spezialisiert. Ein politischer Berater arbeitet für eine der Parteien bei einer Wahl und tut sein Bestes, um dieser Partei zum Sieg zu verhelfen. Der russische Politologe interessiert sich weniger für den Sieg seiner Partei als vielmehr für den Sieg "des Systems".
Krastev I 95
Auf dem Höhepunkt ihres Einflusses hatten die politischen Technologen die Aufgabe, die Illusion der Wettbewerbsfähigkeit in der russischen Politik aufrechtzuerhalten. Wie Andrew Wilson es ausdrückt, würden "post-sowjetische Polittechnologen" sich "selbst als politische Metaprogrammierer, Systemdesigner, Entscheidungsträger und Kontrolleure in einem sehen, die jede nur erdenkliche Technologie zur Konstruktion von Politik als ein Ganzes anwenden"(1). Krastev: Politische Technologen waren und sind in begrenztem Maße immer noch kompromisslose Feinde von Wahlüberraschungen, echtem Parteienpluralismus, politischer Transparenz und der Freiheit gut informierter Bürger, an der Wahl ihrer Herrscher mitzuwirken.
Pawlowskij drängte den Kreml zur Verabschiedung eines neuen Gesetzes, mit dem ein Gremium mit der Bezeichnung "Öffentliche Kammer" geschaffen würde, um Russlands NGOs zu überwachen und alle NGOs, die es wagten, ihre Autonomie gegenüber dem Staat zu demonstrieren, an den Rand zu drängen und zu verdrängen. Als Politikexperte unterstützte er diesen Schritt, um daraufhin in seiner Rolle als unabhängiger politischer Kommentator der Öffentlichkeit zu erklären, welche kluge Politik der Kreml eingeleitet hatte. Am Ende wurde er Mitglied der Öffentlichen Kammer. Der Kreis schloss sich. >Imitation/Krastev, >Imitation/Politik Russlands, >Imitation/Postkommunistische Länder.


1. Andrew Wilson, 'Virtual Politics: "Political Technology" and the Corruption of Post-Soviet Democracy', Johnson's Russia List E-mail Newsletter (21 December 2005); www.cdi.org/russia/johnson/9324-5.cfm

LawHolm I
Oliver Wendell Holmes Jr.
The Common Law Mineola, NY 1991

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Politische Technologie Krastev Krastev I 93
Politische Technologie/Krastev: 1994 gründete [Gleb] Pawlowskij seine "Foundation for Effective Politics" (FEP), einen Think Tank, der im Präsidentschaftswahlkampf Jelzins 1996 und anschließend bei den Wahlen Wladimir Putins 2000 und 2004 und schließlich bei der Wahl Medwedews 2008 eine zentrale Rolle spielte. Nach den Wahlfiaskos von 2011 und 2012 verlor die politische Technologie ihre herausragende Rolle im russischen Staatswesen. Der Kreml scheint heute wenig Interesse daran zu haben, die Illusion eines politischen Wettbewerbs zu schaffen, den Putin triumphierend "gewinnen" kann. Aber ein Rückblick auf die Blütezeit von Polittechnologen wie Pawlowski kann uns dennoch helfen, die Ursachen und Folgen der falschen Verwestlichung zu erforschen, die Putins erstes Jahrzehnt an der Macht kennzeichnete.
Krastev I 94
Was politische Berater im Westen von russischen Politologen unterscheidet, ist, dass erstere eng mit unabhängigen Medien zusammenarbeiten: Ihr Handwerk beinhaltet die Beeinflussung von Nachrichtenorganisationen, die sie nicht direkt kontrollieren können. Politische Technologen üben ein anderes Handwerk aus. Sie sind Experten in der Manipulation politisch abhängiger Medien. Politische Berater im Westen sind Experten darin, Stimmen für ihre Kandidaten zu gewinnen. Politische Technologen russischer Prägung sind ebenfalls Spezialisten im Gewinnen von Stimmen. Sie unternehmen jedoch einen zusätzlichen Schritt. Sie sind auch auf die "kreative Auszählung" von Stimmen spezialisiert. Ein politischer Berater arbeitet für eine der Parteien bei einer Wahl und tut sein Bestes, um dieser Partei zum Sieg zu verhelfen. Der russische Politologe interessiert sich weniger für den Sieg seiner Partei als vielmehr für den Sieg "des Systems".
Krastev I 95
Auf dem Höhepunkt ihres Einflusses hatten die politischen Technologen die Aufgabe, die Illusion der Wettbewerbsfähigkeit in der russischen Politik aufrechtzuerhalten. Wie Andrew Wilson es ausdrückt, würden "post-sowjetische Polittechnologen" sich "selbst als politische Metaprogrammierer, Systemdesigner, Entscheidungsträger und Kontrolleure in einem sehen, die jede nur erdenkliche Technologie zur Konstruktion von Politik als ein Ganzes anwenden"(1). Krastev: Politische Technologen waren und sind in begrenztem Maße immer noch kompromisslose Feinde von Wahlüberraschungen, echtem Parteienpluralismus, politischer Transparenz und der Freiheit gut informierter Bürger, an der Wahl ihrer Herrscher mitzuwirken.
Pawlowskij drängte den Kreml zur Verabschiedung eines neuen Gesetzes, mit dem ein Gremium mit der Bezeichnung "Öffentliche Kammer" geschaffen würde, um Russlands NGOs zu überwachen und alle NGOs, die es wagten, ihre Autonomie gegenüber dem Staat zu demonstrieren, an den Rand zu drängen und zu verdrängen. Als Politikexperte unterstützte er diesen Schritt, um daraufhin in seiner Rolle als unabhängiger politischer Kommentator der Öffentlichkeit zu erklären, welche kluge Politik der Kreml eingeleitet hatte. Am Ende wurde er Mitglied der Öffentlichen Kammer. Der Kreis schloss sich. >Imitation/Krastev, >Imitation/Politik Russlands, >Imitation/Postkommunistische Länder.


1. Andrew Wilson, 'Virtual Politics: "Political Technology" and the Corruption of Post-Soviet Democracy', Johnson's Russia List E-mail Newsletter (21 December 2005); www.cdi.org/russia/johnson/9324-5.cfm

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Politische Wahlen Politik Russlands Krastev I 99
Politische Wahlen/Manipulation/Politik Russlands/Krastev: (...) es ist einfach unmöglich, Putins Russland zu verstehen, ohne die Wahlmanipulation zu berücksichtigen. Frage: Warum brauchte Putin Wahlen, wenn nur eine Minderheit der Russen glaubte, dass Russland eine Demokratie werde, und fast niemand außerhalb Moskaus glaubte, dass Russland bereits eine Demokratie sei"?(1) Und warum wurden die Wahlen im Kreml auf eine so eklatante Weise manipuliert, dass niemand daran zweifeln konnte, dass sie manipuliert wurden (durch Sperrung von
Krastev I 100
potentiell attraktiven Kandidaten zum Beispiel) und dass der Kreml die Manipulation vorgenommen hat? Dass Wahlen "manipuliert" sind, wie Julia Ioffe bemerkte, ist "etwas, das jeder in Russland, unabhängig von seiner Rhetorik oder politischen Überzeugung, kennt und akzeptiert"(2).
Krastev I 101
Dennoch hätte Putin seine Macht nicht ohne den Rückgriff auf periodisch manipulierte Wahlen gewinnen und erhalten können. Dieses Paradoxon ist vielleicht das bestgehütete Geheimnis des postkommunistischen Russlands. Russlands manipulierte Wahlen waren in transparenter Weise unzulängliche Imitationen der westlichen Demokratie. Aber sie waren nicht nur eine dekorative Fassade. Wie Pawlowski voraussah (>Politische Technologie/Krastev), trugen die periodischen Wahlen zunächst dazu bei, die "alternativlose" Begründung für die Herrschaft Putins zu konstruieren und regelmäßig nach Hause zu bringen. (...) Umfragen im Jahr 2011 bestätigten die These, dass Putins 'Popularität' die 'Trägheit' der Bevölkerung und 'das Fehlen anderer Alternativen' widerspiegelt(3). Krastev: Aber genau darum geht es. Wenn die Wähler davon überzeugt werden könnten, dass es keine gangbare Alternative zur derzeitigen Führung gibt, würden sie sich fatalistisch an den Status quo anpassen.
Krastev I 102
Gefälschte Wahlen boten der scheinbaren Machtpartei auch regelmäßig Gelegenheit, sich neu zu profilieren. Indem sie neue Slogans prägte und sogar neue Gesichter einführte, konnte sich Putins Partei "Einiges Russland" als eine Kraft sowohl für Stabilität als auch für Veränderungen präsentieren(4). >Politische Technologie/Krastev. Gefälschte Wahlen standen auch im Mittelpunkt von Putins ständig neu ausgehandeltem Vertrag, der nicht mit dem Volk, sondern mit den regionalen Eliten ausgehandelt wurde. (...), Wahlen dienten als Hauptinstrument zur Kontrolle der politischen Elite des Landes und zur Rekrutierung neuer Kader (...).
Krastev I 103
Im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts dienten periodische Wahlen auch dazu, die nationale Einheit Russlands zu demonstrieren (d.h. zu übertreiben) und die imaginäre Kohärenz und Solidarität des Putin-Landes zu dramatisieren. Eine weitere Funktion der manipulierten Wahlen in Russland während des ersten Putin-Jahrzehnts bestand darin, eine Grenze zu ziehen zwischen der "loyalen Opposition" und dem, was der Kreml als eine fünfte Kolonne von Feinden und Verrätern ansah.
Krastev I 104
Imitation/Autorität: (...) Putins manipulierte Wahlen dienten nicht der Nachahmung der Demokratie, sondern vielmehr der Nachahmung des Autoritarismus.
Krastev I 132
Eine kürzlich durchgeführte Studie hat ergeben, dass im letzten Jahrzehnt das Vertrauen in die Demokratie in den entwickelten Demokratien des Westens abgenommen hat und dass das Niveau des
Krastev I 133
Misstrauens gegenüber der Demokratie als politischem System unter den Jüngeren am größten ist(5). Ein zentraler Pfeiler von Putins antiwestlicher Politik ist es, diese Zweifel zu nähren und den amerikanischen und europäischen Bürgern immer mehr Gründe zu geben, nicht daran zu glauben, dass periodische Wahlen im Westen zum Vorteil der Öffentlichkeit wirken.


1. In Levada-Center polls between 2005 and 2015, around 34 per cent of respondents reported that 'development of democracy' is what 'most accurately describes the situation in the country.'
2. Julia Ioffe, 'The Potemkin Duma', Foreign Policy (22 October 2009).
3. Michael Schwirtz, 'Russians Shrug at Prospects of Another Putin Term, Poll Shows', The New York Times (7 October 2011).
4. The Kremlin's game with United Russia is quite complicated: it should be assured of winning over its nominal competitors, yet in such a way that it never appears a strong force or a genuine 'people's party' - for that might turn it into a challenger or rival to the Kremlin.
5. Yascha Mounk, The People vs. Democracy: Why Our Freedom Is in Danger and How to Save It (Harvard University Press, 2018).

Krastev I
Ivan Krastev
Stephen Holmes
The Light that Failed: A Reckoning London 2019
Präferenzen Experimentelle Ökonomik Parisi I 88
Präferenzen/Experimentelle Ökonomik/Sullkivan/Holt: Die wachsende experimentelle Literatur zur Erhebung von Risikopräferenzen ist ein Beispiel dafür. Ansätze zur Erhebung von Überzeugungen über unsichere und zukünftige Ereignisse (z.B. Palfrey und Wang, 2009(1); Holt und Laury, 2014(2)) sind eng mit der Erhebung von Risikopräferenzen verwandt und lassen sich auch auf das Verständnis juristischer Motivationen anwenden.* Zufallsmittel: Zur Veranschaulichung: Das Verfahren zur Ermittlung von Überzeugungen von Holt und Smith (2016)(3) leitet quantitative Maße für subjektive Überzeugungen ab, indem es Probanden bittet, zwischen zwei Zufallsmitteln zu wählen.
a) Das erste Mittel, die "Ereignislotterie", bietet eine feste Zahlung (z. B. $100), wenn ein ungewisses Ereignis von Interesse beobachtet wird (z.B. der Angeklagte wird für unschuldig befunden).
b) Das zweite Mittel, die "Würfellotterie", bietet die gleiche Zahlung ($100), wenn eine zufällige Ziehung aus der Standardgleichverteilung
Parisi I 89
eine bestimmte Wahrscheinlichkeitsschwelle überschreitet. Schwellenwerte: Bei einem Ereignis von Interesse müssen die Versuchspersonen im Experiment zur Erhebung von Überzeugungen entscheiden, ob sie die Ereignislotterie (die auszahlt, wenn das Ereignis eintritt) oder die Würfellotterie (die rein zufällig auszahlt) für jede der verschiedenen Würfellotterien mit unterschiedlichen Wahrscheinlichkeitsschwellen bevorzugen würden. Der Grenzwert, bei dem eine Versuchsperson die Würfellotterie nicht mehr gegenüber der Ereignislotterie bevorzugt, offenbart die implizite Einschätzung der Versuchsperson über die Wahrscheinlichkeit des Ereignisses, die einer "Single-Crossing"-Beschränkung unterliegt. Vgl. >Schwellenwert.
Das Experiment nutzt also den Wunsch der Versuchspersonen, einen wertvollen Preis zu Gewinnen, um sowohl die (bewusste) Anstrengung der Versuchsperson, die Wahrscheinlichkeit des ungewissen Ereignisses genau zu erraten, als auch die (vielleicht unbewusste) Offenbarung dieser subjektiven Wahrscheinlichkeitseinschätzung gegenüber dem Forscher hervorzurufen.
Probleme: Das Fehlen jeglicher eindeutig selbstbezogener Anreize in vielen Urteilshaltungen wirft die Frage auf, ob Probanden in solchen Präferenz- oder Überzeugungserhebungsexperimenten allein durch narratives Interesse adäquat motiviert werden könnten.

* Für einen aktuellen Überblick über diese Literatur, siehe Schotter und Trevino (2014)(4).


1. Palfrey, T. R. and S. W. Wang (2009). “On Eliciting Beliefs in Strategic Games.” Journal of Economic Behavior & Organization 71: 98–109.
2. Holt, C. A. and S. K. Laury (2014). “Assessment and Estimation of Risk Preferences,” in M. J. Machina and W. K. Viscusi, eds., Handbook of the Economics of Risk and Uncertainty, 135–202. Amsterdam: Elsevier B.V.
3. Holt, C. A. and A. M. Smith (2016). Belief Elicitation with a Synchronized Lottery Choice Menu that is Invariant to Risk Attitudes, American Economic Journal: Microeconomics 8(1): 110–139.
4. Schotter, A. and I. Trevino (2014). “Belief Elicitation in the Laboratory” Annual Review of Economics 6: 103–128.


Sullivan, Sean P. and Charles A. Holt. „Experimental Economics and the Law“ In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Preis Thomas v. Aquin Mause I 29
Preis/Wirtschaft/Thomas von Aquin: Ausgehend von dem Prinzip der kommutativen Gerechtigkeit bei Aristoteles definiert Thomas von Aquin den gerechten Preis („ ius pretium“) als den Preis, bei dem Leistung und Gegenleistung einander entsprechen. Und dies sei, im Gegensatz zur heutigen Auffassung, nicht zwangsläufig bei jeder (freiwilligen) Markttransaktion der Fall, sondern nur dann, wenn durch den Preis die eingesetzte Arbeit und die sonstigen Kosten abgedeckt würden. Entscheidend für die Bestimmung des gerechten Preises ist demnach das Angebot, die Nachfrage spielt demgegenüber keine Rolle. Da auf diese Weise ein kostendeckender Preis garantiert und der Gewinn limitiert ist, wird der wirtschaftliche Strukturwandel (…) erschwert.

Aquin I
Thomas von Aquin
Über die Herrschaft des Fürsten Stuttgart 1971

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Produktionstheorie Neoklassiker Mause I 54
Produktionstheorie/Neoklassik: Die Produktionstheorie beschäftigt sich mit der Frage, auf welche Weise Unternehmen produzieren sollen. Hier spielt die Grenzwertbetrachtung eine zentrale Rolle, da mit ihrer Hilfe die Grenzproduktivitätstheorie abgeleitet wurde. Diese basiert auf der Annahme abnehmender Grenzerträge und besagt, dass gewinnmaximierende Unternehmen jeden Produktionsfaktor (also Arbeit, Boden und Kapital) in dem Umfang einsetzen werden, bei dem das Produkt aus Grenzertrag (oder Grenzproduktivität) und Preis des produzierten Gutes gleich dem Faktorpreis (also z. B. dem Arbeitslohn) ist.

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Rationalität Habermas III 25
Rationalität/Habermas: hat weniger mit dem Erwerb als der Verwendung von Wissen zu tun. Wissen kann als unzuverlässig kritisiert werden.
III 26
Hier kommt die Begründungsfähigkeit ins Spiel. Z. B. sind Handlungen, die der Handelnde selbst für aussichtslos hält, nicht zu begründen.
III 30
Rationalität/Realismus/Phänomenologie/Habermas: in der Art der Verwendung propositionalen Wissens unterscheiden sich zwei Ansätze: a) Die „realistische“ Position geht von der ontologischen Voraussetzung der Welt als Inbegriff dessen, was der Fall ist aus, um auf dieser Grundlage die Bedingungen rationalen Verhaltens zu klären. Der Realist kann sich auf die Bedingungen für Zielsetzungen und deren Realisierung beschränken.
b) Die „phänomenologische“ Position reflektiert auf den Umstand, dass die rational Handelnden selber eine objektive Welt voraussetzen müssen.
III 31
Sie macht die ontologischen Voraussetzungen zum Problem und fragt nach den Bedingungen, unter denen sich die Einheit einer objektiven Welt für die Angehörigen einer Kommunikationsgemeinschaft konstituiert. Sie muss für die Subjekte als ein und dieselbe Welt gelten, um Objektivität zu gewinnen. (>Lebenswelt, > Rationalität/Pollner).
III 33
Dem umfassenderen phänomenologischen Rationalitätsbegriff lässt sich der aus dem realistischen Ansatz gewonnene Begriff kognitiv-instrumenteller Rationalität einfügen. Es gibt nämlich Beziehungen zwischen der Fähigkeit der dezentrierten Wahrnehmung und Manipulation von Dingen und Ereignissen einerseits und der Fähigkeit intersubjektiver Verständigung andererseits. (Siehe auch Kooperation/Piaget).
III 36
Handlung/Rationalität/Habermas: Aktoren verhalten sich rational, solange sie Prädikate so verwenden, dass andere Angehörige ihrer Lebenswelt unter diesen Beschreibungen ihre eigenen Reaktionen auf ähnliche Situationen wiedererkennen würden.
III 44
Irrational verhält sich, wer seine eigenen symbolischen Ausdrucksmittel dogmatisch verwendet.
IV 132
Rationalität/Habermas: wir können die Bedingungen der Rationalität auf Bedingungen für einen kommunikativ erzielten, begründeten Konsens zurückführen. Sprachliche Kommunikation, die auf Verständigung angelegt ist und nicht lediglich wechselseitiger Beeinflussung dient, erfüllt die Voraussetzungen für rationale Äußerungen bzw. für die Rationalität sprach- und handlungsfähiger Subjekte. Das Rationalisierungspotential (…) kann in dem Maße entbunden werden, (…) wie die Sprache Funktionen der Verständigung (und) der Handlungskoordinierung (…) erfüllt und dadurch zu einem Medium wird, über das sich kulturelle Reproduktion, soziale Integration und Sozialisation vollziehen.

Rorty I 92
RortyVsHabermas: sein eigener Versuch die kommunikative Vernunft an die Stelle der »subjektzentrierten Vernunft« zu setzen, ist selbst ein Schritt hin zur Ersetzung des »was« durch ein »wie«.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981

Rorty I
Richard Rorty
Der Spiegel der Natur Frankfurt 1997

Rorty II
Richard Rorty
Philosophie & die Zukunft Frankfurt 2000

Rorty II (b)
Richard Rorty
"Habermas, Derrida and the Functions of Philosophy", in: R. Rorty, Truth and Progress. Philosophical Papers III, Cambridge/MA 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (c)
Richard Rorty
Analytic and Conversational Philosophy Conference fee "Philosophy and the other hgumanities", Stanford Humanities Center 1998
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (d)
Richard Rorty
Justice as a Larger Loyalty, in: Ronald Bontekoe/Marietta Stepanians (eds.) Justice and Democracy. Cross-cultural Perspectives, University of Hawaii 1997
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (e)
Richard Rorty
Spinoza, Pragmatismus und die Liebe zur Weisheit, Revised Spinoza Lecture April 1997, University of Amsterdam
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (f)
Richard Rorty
"Sein, das verstanden werden kann, ist Sprache", keynote lecture for Gadamer’ s 100th birthday, University of Heidelberg
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty II (g)
Richard Rorty
"Wild Orchids and Trotzky", in: Wild Orchids and Trotzky: Messages form American Universities ed. Mark Edmundson, New York 1993
In
Philosophie & die Zukunft, Frankfurt/M. 2000

Rorty III
Richard Rorty
Kontingenz, Ironie und Solidarität Frankfurt 1992

Rorty IV (a)
Richard Rorty
"is Philosophy a Natural Kind?", in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 46-62
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (b)
Richard Rorty
"Non-Reductive Physicalism" in: R. Rorty, Objectivity, Relativism, and Truth. Philosophical Papers Vol. I, Cambridge/Ma 1991, pp. 113-125
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (c)
Richard Rorty
"Heidegger, Kundera and Dickens" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 66-82
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty IV (d)
Richard Rorty
"Deconstruction and Circumvention" in: R. Rorty, Essays on Heidegger and Others. Philosophical Papers Vol. 2, Cambridge/MA 1991, pp. 85-106
In
Eine Kultur ohne Zentrum, Stuttgart 1993

Rorty V (a)
R. Rorty
"Solidarity of Objectivity", Howison Lecture, University of California, Berkeley, January 1983
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1998

Rorty V (b)
Richard Rorty
"Freud and Moral Reflection", Edith Weigert Lecture, Forum on Psychiatry and the Humanities, Washington School of Psychiatry, Oct. 19th 1984
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty V (c)
Richard Rorty
The Priority of Democracy to Philosophy, in: John P. Reeder & Gene Outka (eds.), Prospects for a Common Morality. Princeton University Press. pp. 254-278 (1992)
In
Solidarität oder Objektivität?, Stuttgart 1988

Rorty VI
Richard Rorty
Wahrheit und Fortschritt Frankfurt 2000
Raum Klein Brocker I 930
Raum/Naomi Klein: Klein beschreibt die Eroberung sämtlicher Räume, seien es Stadträume, Schulen und Universitäten, seien es imaginäre Räume und imaginierte Identitäten, durch die Marken. Sie unterscheidet dabei die klassische Werbung seit ihrem Beginn im 19. und ihrer Weiterentwicklung im Laufe des 20. Jahrhunderts von der neuartigen Markenpolitik der 1990er Jahre. Dabei werden die Produkte selbst ((s) ohne besondere Eigenschaften) in transzendente Sinnvermittlungsmaschinen verwandelt.(1)

1 Naomi Klein, No Logo: Taking Aim at the Brand Bullies, Toronto 2000. (Tenth Anniversary Edition with a New Introduction by the Author, New York 32010.) Dt.: Naomi Klein, No Logo! Der Kampf der Global Players um Marktmacht – Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, Frankfurt/M. 2015 (zuerst 2001) S. 82



Christine Bauhardt, „Naomi Klein, No Logo! (2000)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Rechte Dworkin Brocker I 597
Rechte/Dworkin: These: Die Rechte sind nicht etwas Fertiges, das von uns entdeckt würde. Vielmehr gewinnen wir sie auf dem Wege einer argumentativen Vermittlung und Verknüpfung möglichst vieler unserer zentralen Überzeugungen. Dies nennt Dworkin „konstruktive Interpretation“ (1). Interpretation/Dworkin: handelt aber nicht von moralischen Rechten; diese bilden einen Hintergrund, auf dem Gerichte über die Existenz konkreter institutioneller Rechte zu befinden haben.
Juristische Rechte/Dworkin: sind Geschöpfe sowohl der Geschichte als auch der Moral. (2)
StavropoulosVsDworkin: damit entsteht der Eindruck einer hybriden ((s) zweigeteilten) Theorie, in der die Prinzipien für den moralischen, der Positivismus für den historischen Teil zuständig sei. (3) Problem: die beiden Enden der Rechtsbegründung wären dann unverbunden.
DworkinVsVs: es geht um eine rationale Rekonstruktion des Rechts als Ganzem. (Dworkin 1986) (1).
Brocker I 601
Rechte/Individuen/Dworkin: Rechte schützen immer das Individuum mit Bezug auf grundlegende und zentrale Interessen. Dworkin will nicht sagen, dass alle Rechte absolut gelten wie wohl das Folterverbot. Der grundlegende Punkt ist wiederum ein logischer: Rechte spielen nur dann eine eigene normative Rolle, wenn sie kollektive Ziele in Konfliktfällen ausstechen. Andernfalls könnte man sich für jede beliebige Rechtfertigung auch direkt auf die Zielsetzung beziehen (4). Ebenso wären Rechte gegenstandslos, wenn sie Individuen nie zu einem Gesetzesbruch berechtigten. Auch formal korrekt erzeugte,
Brocker I 602
ja sogar höchstrichterlich bestätigte Rechtsnormen könnten gleichwohl Unrecht sein, weil sie individuelle Rechte verletzen. Siehe Ziviler Ungehorsam, siehe Bürgerrechte/Dworkin. Das aber heißt, dass sich Bürgerrechtler für einen Gesetzesbruch nicht unbedingt auf Gewissensgründe berufen müssen. Sie können argumentieren, dass die Regelungen, gegen die sie verstoßen, tatsächlich illegal seien, weil sie existierende Rechte verletzten (5).


1. Ronald Dworkin, Law’s Empire, Cambridge, Mass./London 1986.
2. Ronald Dworkin, Taking Rights Seriously, Cambridge, Mass. 1977 (erw. Ausgabe 1978). Dt.: Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen, Frankfurt/M. 1990, S. 153
3. Stavropoulos, Nicos, »Legal Interpretivism«, in: Stanford Encyclopedia of Philosophy, 2014, 〈https://plato.stanford.edu/entries/law-interpretivist/〉, letzter Zugriff 16. 02. 2017.
4. Dworkin 1990, S. 161f.
5. Ebenda S. 349-352.

Bernd Ladwig, „Ronald Dworkin, Bürgerrechte ernstgenommen“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Dworkin I
Ronald Dworkin
Taking Rights Seriously Cambridge, MA 1978

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Schönheit Kant Gadamer I 50
Schönheit/Kant/Gadamer: die Lehre Kants von der freien und anhängenden Schönheit(1) [ist] merkwürdig und vielumstritten. Kant diskutiert hier den Unterschied des „reinen“ und des „intellektuierten“ Geschmacksurteils, der dem Gegensatz der "freien" und der (einem Begriffe) „anhängenden“ Schönheit entspricht. Reine Schönheit des reinen Geschmacksurteils/Kant: Bsp die freie Naturschönheit und - im Bereich der Kunst - das Ornament.
„Anhängende“ (begrifflich bestimmte) Schönheit/Kant: Bsp Mensch, Tier, Gebäude.
Gadamer I 51
Gadamer: (...) so ist damit indirekt umschrieben, was alles ein „Objekt unter einem bestimmten Begriffe« vorstellt und deshalb zur bedingten, unfreien Schönheit zu zählen ist: das ganze Reich der Poesie, der bildenden Kunst und der Baukunst, ebenso wie alle Naturdinge, die wir nicht derart auf ihre Schönheit allein hin ansehen wie die Zierblume. >Kunstwerk/Kant, >Naturschönes/Hegel.
Gadamer I 52
Begriffliche Schönheit/Kant/Gadamer: (...) gewiss ist nicht dort von Schönheit die Rede, wo ein bestimmter Begriff des Verstandes durch die Einbildungskraft schematisch versinnlicht wird, sondern nur da, wo die Einbildungskraft mit dem Verstande in freier Übereinstimmung ist, d. h. wo sie produktiv sein kann. Aber dies produktive Bilden der Einbildungskraft ist am reichsten nicht dort, wo sie schlechthin frei ist, (...) sondern dort, wo sie in einem Spielraum lebt, den das Einheitsstreben des Verstandes ihr nicht so sehr als Schranke aufrichtet, wie zur Anregung ihres Spieles vorzeichnet.
Ideal der Schönheit/Kant: Ein Ideal der Schönheit gibt es (...) nur von der menschlichen Gestalt: in dem ‚Ausdruck des Sittlichen‘ „ohne welches der Gegenstand nicht allgemein gefallen würde«. Beurteilung nach einem Ideale der Schönheit ist dann freilich, wie Kant sagt, kein bloßes Urteil des Geschmacks.
Gadamer I 53
Nur von der menschlichen Gestalt, gerade weil sie allein einer durch einen Zweckbegriff fixierten Schönheit fähig ist, gibt es ein Ideal der Schönheit! Diese von Winckelmann und Lessing(2) aufgestellte Lehre gewinnt in Kants Grundlegung der Ästhetik eine Art Schlüsselstellung. Denn gerade an dieser These zeigt sich, wie wenig eine formale Geschmacksästhetik (Arabeskenästhetik) dem kantischen Gedanken entspricht.
Normalidee/Kant: Die Lehre vom Ideal der Schönheit gründet sich auf die Unterscheidung von Normalidee und Vernunftidee Oder Ideal der Schönheit. Die ästhetische Normalidee findet sich bei allen Gattungen der Natur. Wie ein schönes Tier (...) auszusehen hat, das ist ein Richtmaß der Beurteilung des einzelnen Exemplars. Diese Normalidee ist also eine einzelne Anschauung der Einbildungskraft als das »zwischen allen einzelnen Individuen schwebende Bild der Gattung«. Aber die Darstellung solcher Normalidee gefällt nicht durch Schönheit, sondern bloß, »weil sie keiner Bedingung, unter welcher allein ein Ding dieser Gattung schön sein kann, widerspricht«. Sie ist nicht das Urbild der Schönheit, sondern bloß der Richtigkeit.
Menschliche Gestalt: Das gilt auch von der Normalidee der menschlichen Gestalt. Aber an der
menschlichen Gestalt gibt es ein wirkliches Ideal der Schönheit in dem „Ausdruck des Sittlichen“. (...) man nehme das zusammen mit der späteren Lehre von den ästhetischen Ideen und der Schönheit als Symbol der Sittlichkeit. Dann erkennt man, daß mit der Lehre vom Ideal der Schönheit auch der Ort für das Wesen der Kunst vorbereitet ist.
Gadamer I 54
Gadamer: Was Kant sagen will, ist offenbar dies, daß bei der Darstellung der menschlichen Gestalt der dargestellte Gegenstand und das, was als künstlerischer Gehalt in dieser Darstellung zu uns spricht, eines sind. Es kann keinen anderen Gehalt dieser Darstellung geben, als schon in Gestalt und Erscheinung des Dargestellten zum Ausdruck kommt.
Gadamer I 55
Ideale/Kant/Gadamer: Gerade mit jener klassizistischen Unterscheidung von Normalidee und Ideal der Schönheit vernichtet Kant die Grundlage, von der aus die Vollkommenheitsästhetik in der vollendeten Sinnfälligkeit jegliches Seienden seine unvergleichbar einzigartige Schönheit findet. Jetzt erst vermag „die Kunst“ zu einer autonomen Erscheinung zu werden. >Kunst/Kant, >Kunst/Hegel.
Gadamer I 492
Schönheit/Kant/Gadamer: Kants grundlegende Bestimmung des ästhetischen Wohlgefallens als eines interesselosen Wohlgefallens meint nicht nur das Negative, dass der Gegenstand des Geschmacks weder als nützlich gebraucht, noch als gut begehrt wird, sondern sie meint positiv, dass das „Dasein“ dem ästhetischen Gehalt des Wohlgefallens, dem „reinen Anblick“ nichts hinzufügen kann, weil eben das ästhetische Sein Sichdarstellen ist. Moral: Erst vom moralischen Standpunkt aus gibt es ein Interesse am Dasein des Schönen, z. B. an dem Gesang der Nachtigall, dessen täuschende Nachahmung nach Kant etwas moralisch Beleidigendes ist.
Wahrheit/GadamerVsKant: Ob aus dieser Verfassung des ästhetischen Seins wirklich folgt, dass
Wahrheit hier nicht gesucht werden dürfe, weil hier nichts erkannt werde, ist freilich die Frage, Wir haben in unseren ästhetischen Analysen die Enge des Erkenntnisbegriffs bezeichnet, der Kants Fragestellung hier bedingt, und hatten von der Frage nach der Wahrheit der Kunst aus den Weg in die Hermeneutik gefunden, in der sich Kunst und Geschichte für uns zusammenschlossen. >Hermeneutik/Gadamer.


1. Kant, Kritik der Urteilskraft, § 16ff.
2. Lessing, Entwürfe zum Laokoon Nr. 20 b; in Lessings Sämtl. Schriften ed. Lachmann, 1886ff., Bd. 14, S. 415.
I. Kant
I Günter Schulte Kant Einführung (Campus) Frankfurt 1994
Externe Quellen. ZEIT-Artikel 11/02 (Ludger Heidbrink über Rawls)
Volker Gerhard "Die Frucht der Freiheit" Plädoyer für die Stammzellforschung ZEIT 27.11.03

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Seinsfrage Heidegger Gadamer I 274
Seinsfrage/Heidegger/Gadamer: Heidegger hat eine völlig richtige phänomenologische Beschreibung gegeben, wenn er in dem vermeintlichen "Lesen" dessen was "dasteht" die Vorstruktur des Verstehens aufdeckte, Er hat auch ein Beispiel dafür gegeben, dass daraus eine Aufgabe folgt. Er hat in „Sein und Zeit“ die allgemeine Aussage, die er zum hermeneutischen Problem macht, an der Seinsfrage konkretisiert.(1). Um die hermeneutische Situation der Seinsfrage nach Vorhabe, Vorsicht und Vorgriff zu explizieren, hat er seine an die Metaphysik gerichtete Frage an wesentlichen Wendepunkten der Geschichte der Metaphysik kritisch erprobt. Er hat damit im Grunde nur getan, was das historisch-hermeneutische Bewusstsein in jedem Falle verlangt. Ein mit methodischem Bewusstsein geführtes Verstehen wird bestrebt sein müssen, seine Antizipationen nicht einfach zu vollziehen, sondern se selber bewusst zu machen, um sie zu kontrollieren und dadurch von den Sachen her das rechte Verständnis zu Gewinnen. Das ist es, was Heidegger meint, wenn er fordert, in der Ausarbeitung von Vorhabe, Vorsicht und Vorgriff aus den Sachen selbst her das wissenschaftliche Thema zu „sichern“.


1. Heideger, Sein und Zeit, 312ff

Hei III
Martin Heidegger
Sein und Zeit Tübingen 1993

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Selbstwissen Robinson Corr I 461
Selbstwissen/Robinson/Sedikides: Generalisiertes Selbstwissen hat Assoziationseigenschaften, die mit semantischen Gedächtnisnetzwerken übereinstimmen (Kihlstrom, Beer und Klein 2003(1); Robinson und Clore 2002a(2)). Diese assoziativen Verbindungen sollten wiederum systematische Auswirkungen auf das Verständnis der Funktionsweise von Merkmalen haben. So sollte beispielsweise eine größere Vernetzung von positivem affektivem Wissen die Wahrscheinlichkeit erhöhen, dass ein positiver Gedanke einen anderen im täglichen Leben auslöst (Robinson und Compton2008)(3). Zur Unterstützung dieser Art von Analyse haben eine Reihe von Studien gezeigt, dass eine höhere Lebenszufriedenheit mit stärkeren positiven affektiven Priming-Effekten verbunden ist (Robinson und Kirkeby 2005(4); Robinson und von Hippel 2006(5)), während eine höhere Neurotizismusrate mit stärkeren negativen affektiven Priming-Effekten verbunden ist (Robinson, Ode, Moeller und Goetz 2007)(6).
Kurz gesagt, Merkmale können gewinnbringend als assoziative Gedächtnisstrukturen betrachtet werden, die innerhalb semantischer und affektiver Priming-Paradigmen bewertet werden. >Gedächtnis/Robinson/Sedikides.


1. Kihlstrom, J. F., Beer, J. B. and Klein, S. B. 2003. Self and identity as memory, in M. R. Leary and J. P. Tangney (eds.), Handbook of self and identity, pp. 68–90.New York: Guilford Press
2. Robinson, M. D. and Clore, G. L. 2002a. Belief and feeling: an accessibility model of emotional self-report, Psychological Bulletin 128: 934–60
3. Robinson, M. D. and Compton, R. J. 2008. The happy mind in action: the cognitive basis of subjective well-being, in M. Eid and R. J. Larsen (eds.), The science of subjective well-being, pp. 220–38 New York: Guilford Press
4. Robinson, M. D. and Kirkeby, B. S. 2005. Happiness as a belief system: individual differences and priming in emotion judgments, Personality and Social Psychology Bulletin 31: 1134–44
5. Robinson, M. D. and von Hippel, W. 2006. Rose-colored priming effects: life satisfaction and affective priming, Journal of Positive Psychology 1: 187–97
6. Robinson, M. D., Ode, S., Moeller, S. K. and Goetz, P. W. 2007. Neuroticism and affective priming: evidence for a Neuroticism-linked negative schema, Personality and Individual Differences 42: 1221–31


Michael D. Robinson and Constantine Sedikides, “Traits and the self: toward an integration”, in: Corr, Ph. J. & Matthews, G. (eds.) 2009. The Cambridge Handbook of Personality Psychology. New York: Cambridge University Press

EconRobin I
James A. Robinson
James A. Acemoglu
Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012

Corr I
Philip J. Corr
Gerald Matthews
The Cambridge Handbook of Personality Psychology New York 2009

Corr II
Philip J. Corr (Ed.)
Personality and Individual Differences - Revisiting the classical studies Singapore, Washington DC, Melbourne 2018
Sinn Luhmann Baraldi I 170
Sinn/Luhmann/GLU: erlaubt die selektive Erzeugung aller sozialen und psychischen Formen - Form des Sinns ist die Unterscheidung "real"/"möglich". - Sinn ist die Simultanpräsentation von Aktuellem und Möglichem - Sinn bestimmt Anschlußfähigkeit an weitere Kommunikation - ((s) Anderswo: ist die Dimension, in der Negation präsentiert wird.) - Sachdimension: "dies"/"anderes" - Sozialdimension: "ego"/"alter" - Zeitdimension: Vergangenheit/Zukunft.
Reese-Schäfer II 34
Sinn/Luhmann/Reese-Schäfer: Ordnungsform menschlichen Erlebens. - Das Erleben muss auswählen - dazu dient der Sinn. - Erleben/Handeln: ist Selektion nach Sinnkriterien.
Reese-Schäfer II 35
Def Sinn/Luhmann: die Bedeutung, die etwas für einen Beobachter hat - Sinnlosigkeit: nur bei Zeichen möglich.
Reese-Schäfer II 44
Sinn/Luhmann/Reese-Schäfer: braucht keinen Träger - Sinn trägt sich selbst, indem er seine eigene Reproduktion selbstreferentiell ermöglicht.
Reese-Schäfer II 139
Sinn/Luhmann/Reese-Schäfer: vorsprachliche, die Sprache fundierende Kategorie. Sinn/HabermasVsLuhmann: prinzipiell sprachlich - nicht ohne intersubjektive Geltung denkbar. LuhmannVsHabermas: Studien über Ehekonflikte zeigen, dass diese alltagssprachlich nicht zu lösen sind, weil die Alltagssprache jeweils positive und negative Ausdrücke bereithält.

AU I Kass 10
Sinn/Soziologie/Luhmann: Problem: wenn jedes Individuum Sinn produziert, gibt es dann eine Sphäre der Intersubjektivität? - Lösung: wir müssen die Sinnkategorie auf zwei verschiedene Systemkategorien anwenden: 1. Psychische Systeme, Bewusstseinsysteme, die sinnhaft erleben. -
2. Kommunikationssysteme, die Sinn reproduzieren dadurch, dass er in Kommunikation verwendet wird. Subjekt: geht verloren. - das Subjekt ist kein Träger des Sinns. - Sinn wird formal. - Lösung: Gewinnung durch die Unterscheidung von Medium und Form - d.h. unabhängig von einem bestimmten System.
AU Kass 10
Sinn/Luhmann: Sinn könnte eine ständige Aufforderung zu spezifischer Formenbildung sein, die sich dann immer dadurch auszeichnen, dass sie im Medium von Sinn gebildet sind - diese Formen repräsentieren aber nicht Sinn als Kategorie überhaupt - Das Wort "Sinn" ist nämlich nicht das einzige, was Sinn hat.
AU I Kass 10
Sinn/Luhmann: a) im Bewusstseinssystem - Bsp Verweisen auf andere Möglichkeiten: ich habe den Schlüssel in der Tasche, um später die Tür aufzuschließen - aber Sinn ist auch die Lokalisierung dieser Verweisung in allem, was wir als Gegenstand betrachten - b) im Kommunikationssystem: zur Information gehört auch der Ausfallbereich: was überrascht mich? - Alle Items haben nur vor dem Hintergrund anderer Möglichkeiten Sinn.
AU I Kass 10
Sinn/Luhmann: ist selbst ein Medium - auch Negation spielt sich innerhalb ab. - Aber Sinn ist selbst nicht negierbar. - Wir kommen nicht heraus. - Eine Welt, in der wir nur noch Käfer existieren, wäre eine, in der kein Sinn mehr prozessiert wird - Aber wir können sie uns nur sinnhaft vorstellen. - Wir stellen uns den Rest als Rest vor - ("wie es für den Menschen wäre"). - ((s) > Fledermaus-Beispiel/Nagel). Tier/Luhmann: es ist unentscheidbar, ob es Sinn für Tiere gibt. - Wir sind auf die Unterstellung von Sinn angewiesen. - Keine Unterscheidungen von Sinn wie z.B. "sachlich"/"zeitlich"/"sozial" sind möglich.
AU I Kass 10
Sinn/Luhmann: kein sinnbrauchendes System kann dann für sich selbst völlig transparent werden. - Das, was wir als Resultat einer langen Kette von Operationen sind, welche Strukturen wir haben, können wir nicht auf eine Formel bringen. - Aber wir können uns stattdessen vorstellen, wer wir sind, oder wir können es beschreiben. - Dabei stoßen wir auch schnell auf Sinnloses - d.h. etwas, das nicht in diese Beschreibung passt.

AU I
N. Luhmann
Einführung in die Systemtheorie Heidelberg 1992

Lu I
N. Luhmann
Die Kunst der Gesellschaft Frankfurt 1997

Baraldi I
C. Baraldi, G.Corsi. E. Esposito
GLU: Glossar zu Luhmanns Theorie sozialer Systeme Frankfurt 1997
Spieltheoretische Semantik Hintikka II 25
Def Spieltheoretische Semantik/Game-theoretical semantics/GTS/Schreibweise/Hintikka: hier wird die Wahrheit eines Satzes S in einem Modell M erklärt als die Existenz einer Gewinnstrategie in einem Spiel der Verifikation (semantischen Spiel G(S)) . Ich: bin der Verifizierer
Natur/Opponent: der Falsifizierer.
II 26
Regeln: (G.E) wenn das Spiel des Satz (Ex)S[x] erreicht hat und M, wähle ich ein Individuum, z.B. b aus dem Bereich do/(M) von W. Dann wird das Spiel fortgesetzt im Hinblick auf S 8b] und M.
(G.U.) genauso, außer dass hier die Natur das Individuum b auswählt.
(G.v) G(S1 v S2) (geSpielt in M) beginnt mit meiner Wahl vo Si(i = 1 oder 2) Der Rest des Spiels ist G(Si)( geSpielt im selben Modell M)
G.&) Genauso, außer dass die Natur Si auswählt.
(G.~) G(~S) ist wie G(S) außer dass die Regeln der zwei Spieler (Ich und Natur) ausgetauscht wurden.
(G.K.) Wenn das Spiel den Satz {b}KS und das Modell (Mögliche Welt) M0 erreicht hat, wählt die Natur eine epistemische b-Alternative M1 zu M0. Das Spiel wird fortgesetzt im Hinblick auf S und M1.
Spieltheoretische Semantik/GTS/Hintikka: mit ihr kann die Semantik für verzweigte Formeln wie (4.6.) explizit ausgeführt werden. Sie zeigen die informationale Unabhängigkeit auf.
In (4.6) sind die Schritte, die mit „(Ex) und ([b] K“ verknüpft sind, ohne das Wissen des anderen Schrittes gemacht worden.
Allgemein: jeder Schritt ist mit einer Informationsmenge verknüpft, die jene anderen Schritte enthält, die der Spieler kennt, wenn er den Schritt macht.
Ordnung: daher muss die Struktur der Operatoren eines Satzes nicht immer überhaupt teilweise geordnet sein. ((s) D.h. die Reihenfolge von (Ex) und „weiß“ kann beliebig sein.
II 27
Spieltheoretische Semantik/informationale Unabhängigkeit/Hintikka: GTS zeigt, wie auch andere Grundbegriffe einer Sprache unabhängig von epistemischen Operatoren sein können. Bsp ein atomares Prädikat A(x) oder ein Name kann in M unabhängig von einem epistemischen Operators, z.B. „weiß“ bewertet werden. ((s) „b weiß, dass x rennt“ (aber nicht, dass es Paul ist, obwohl x = Paul)).
Lösung/Hintikka: da in der Gewinnstrategie die aktualen Referenten zugeschrieben werden müssen, greifen Ausdrücke wie
A(x) / {b} K) und
A / {b} K
tatsächlich die aktualen Referenten in M0 heraus.

Hintikka I
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996

Hintikka II
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989
Staatsbürgerschaft Gendertheorie Gaus I 281
Staatsbürgerschaft/Geschlechtertheorie/Mottier: Ein Großteil der feministischen Theorie hat sich auf die Abwesenheit von Frauen in der politischen Theorie konzentriert. Dieses Thema wurde erstmals von Autorinnen wie Okin (1979)(1), Elshtain (1981)(2), Pateman (1983)(3) und Arlene Saxonhouse (1985)(4) behandelt; siehe auch Mottier, Sgier und Ballmer-Cao (2000)(5). Ihre bahnbrechenden Arbeiten zeigten, dass die moderne politische Theorie es vernachlässigt, sich mit der untergeordneten Stellung zu befassen, die den Frauen in den klassischen Demokratietheorien zugeschrieben wird. Mit dem Aufkommen der modernen liberalen Demokratie wurde ein universalistischer politischer Diskurs eingeführt, der behauptete, gegenüber geschlechtsspezifischen oder anderen Identitätsunterschieden gleichgültig zu sein. Staatsbürgerschaft/Tradition: Die gängige politische Theorie betrachtet Staatsbürgerschaft konsequent als universelles Konzept. Demokratische Rechte der sozialen und politischen Partizipation gelten für jeden Bürger ohne Rücksicht auf Rasse, Religion oder Geschlecht.
FeminismusVsTradition: Feministische Autorinnen haben gezeigt, dass die zentralen Prämissen universalistischer Konzeptionen von Staatsbürgerschaft aufgrund der geschlechtsspezifischen Verzerrung fehlerhaft sind. Wie die Arbeiten von Vicky Randall (1998)(6), Ruth Lister (1997)(7) und Sylvia Walby (1994)(8) zeigen, wurden Frauen entweder ausgeschlossen oder auf unterschiedliche Weise in die Staatsbürgerschaft einbezogen.
WalbyVsTradition: Walbys historische Analyse zeigt zum Beispiel den geschlechtsspezifischen Charakter von Staatsbürgerschaft durch eine kritische Bewertung des Werkes von T. H. Marshall (1950)(9), das oft als Ausgangspunkt für moderne Debatten über diese Frage genommen wird (...). >Staatsbürgerschaft/Marshall.
Staatsbürgerschaft/Marshall: Nach Marshall entwickelten sich nacheinander verschiedene Arten von Staatsbürgerschaft, wobei die Bürgerrechte im achtzehnten, die politischen Rechte im neunzehnten und die sozialen Rechte im zwanzigsten Jahrhundert entstanden.
WalbyVsMarshall: Walby analysiert die Geschichte der Staatsbürgerschaft im Vereinigten Königreich und in den USA und stellt Marshalls These in Frage. Bis in die 1920er Jahre beiSpielsweise hatten britische und amerikanische Frauen im Gegensatz zu Männern noch nicht die Mehrheit der bürgerlichen und politischen Rechte erworben. Zudem wurden die politischen Rechte von Frauen vor den Bürgerrechten erworben, was im Widerspruch zu Marhalls sequenziellem Modell steht. Mit anderen Worten, wie Walby zeigt, haben die drei von Marshall beschriebenen Arten von Bürgerrechten für verschiedene soziale Gruppen unterschiedliche historische Bahnen genommen.
Die Konzeption eines einzigartigen Modells von Staatsbürgerschaft offenbart daher eine geschlechtsspezifische Voreingenommenheit, die auch in den Arbeiten späterer Autoren, die auf Marshalls Werk aufbauten, wie Turner und Mann, vorhanden ist. Wie Walby betont, legen diese Autoren in ähnlicher Weise den Schwerpunkt auf die Bedeutung der sozialen Klasse in der Geschichte der Staatsbürgerschaft und der Bildung des Nationalstaats, vernachlässigen aber andere Faktoren wie Geschlecht oder Rasse.
Feminismus: Feministische Perspektiven auf Staatsbürgerschaft unterscheiden sich jedoch in der Art und Weise, wie sie Staatsbürgerschaft konzeptualisieren, in den theoretischen Grundlagen dieser Konzeptualisierungen und in den Schlussfolgerungen, die aus der Infragestellung der Universalität von Staatsbürgerschaft zu ziehen sind. Am wichtigsten ist vielleicht, dass sie in ihrem Verhältnis zu liberalistischem Denken divergieren. In den letzten zwei Jahrzehnten gab es innerhalb der feministischen Theorien zur Staatsbürgerschaft eine wichtige Bewegung, "um das liberale Projekt zurückzuGewinnen" (Squires, 1994a(10): 62). Autorinnen wie Pateman (1989)(11), Susan James (1992)(12), Phillips (1993)(13) und Mouffe (1992)(14) untersuchen die Affinitäten zwischen liberalen und feministischen Vorstellungen von Staatsbürgerschaft. Feministische Theorien über politische Staatsbürgerschaft und die Demokratisierung der öffentlichen Sphäre wurden folglich von Debatten zwischen liberalen feministischen Theoretikerinnen und ihren Kritikern dominiert. Unter letzteren waren in den 1980er Jahren maternalistische und marxistische Perspektiven besonders prominent, doch in jüngerer Zeit verlagerte sich der Schwerpunkt der Debatte auf poststrukturalistische und postmoderne Kritiken liberaler Vorstellungen von Staatsbürgerschaft.


1. Okin, Susan Moller (1979) Women in Western Political Thought. Princeton, NJ: Princeton University Press.
2. Elshtain, Jean Bethke (1981) Public Man, Private Women: Women in Social and Political Thought. Princeton, NJ: Princeton University Press.
3. Pateman, Carole (1983) 'Feminist critiques of the public/private dichotomy'. In S. I. Benn and G. F. Gaus, Hrsg., Public and Private in Social Life. London: Croom Helm, 281-303.
4. Saxonhouse, Arlene (1985) Women in the History of Political Thought. New York: Praeger.
5. Mottier, Véronique, Lea Sgier and Than-Huyen Ballmer-Cao (2000) 'Les rapports entre le genre et la politique'. In Thanh-Huyen Ballmer-Cao, Véronique Mottier and Lea Sgier, eds, Genre et politique: Débats et perspectives. Paris: Gallimard.
6. Randall, Vicky (1998) 'Gender and power: women engage the state'. In Vicky Randall and Georgina Waylen, Hrsg., Gende'; Politics and the State. London: Routledge, 185-205.
7. Lister, Ruth (1997) Citizenship: Feminist Perspectives. Basingstoke: Macmillan.
8. Walby, Sylvia (1994) 'Is citizenship gendered?' Sociology, 28 (2): 379-95.
9. Marshall, T. H. (1950) Class, Citizenship and Social Development. Chicago: University of Chicago Press.
10. Squires, Judith (1994a) 'Citizenship: androgynous or engendered participation'. Annuai,æ Suisse de Science Politique, 34: 51-62.
11. Pateman, Carole (1989) The Disorder of Women: Democracy, Feminism and Political Theory.
Cambridge: Polity.
12. James, Susan (1992) 'The good-enough citizen: female citizenship and independence'. In G. Bock and S. James, Hrsg., Beyond Equality and Difference. London: Routledge. 48-65.
13. Phillips, Anne (1993) Democracy and Difference. Cambridge: Polity.
14. Mouffe, Chantal (1992) 'Feminism, citizenship and radical democratic politics'. In Judith Butler and Joan Scott, Hrsg., Feminists Theorise the Political. New York: Routledge, 22-40.


Véronique Mottier 2004. „Feminism and Gender Theory: The Return of the State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Stanford-Prison-Experiment Psychologische Theorien Haslam I 136
Stanford-Prison-Experiment/SPE/Psychologische Theorien: das SPE (...) löste eine hitzige ethische Debatte (z.B. Savin, 1973(1); Zimbardo, 1973(2)). Dies veranlasste die American Psychological Association schließlich, die Richtlinien für die Teilnahme an der psychologischen Forschung zu verschärfen, um sicherzustellen, dass sich die in Stanford beobachteten Missbräuche nie wiederholen.
Haslam I 137
Browning: Der Historiker Christopher Browning (1992)(3) zieht so Parallelen zwischen dem Verhalten von Wachen in dem SPE und den Aktivitäten des Reserve Police Battalion (RPB) 101, eines mobilen nationalsozialistischen Tötungskommandos, die zwischen Juli 1942 und November 1943 durch das von Deutschen besetzte Polen streifte und mindestens 38.000 Juden ermordete. Browning zeigt, dass die Mitglieder dieser Einheit keine Fanatiker oder gar pro-Nazis waren und zudem nicht gezwungen waren, das zu tun, was sie taten. Wie der Titel seines Buches ausdrückt, waren sie für Browning nur "gewöhnliche Männer", die, wie Zimbardos Wachen, einem System erlagen, das "allein eine ausreichende Bedingung war, um anormales, unsoziales Verhalten zu erzeugen" (1992(3) S. 168). Abu Ghraib Gefängnis: Erste Reaktionen von militärischen und politischen Führern versuchten, diese Missbräuche als isolierte Vorfälle und als die pervertierten Aktionen einiger weniger "schurkischer Soldaten" abzutun. Zimbardo stellte diese Darstellung jedoch in Frage und ging sogar so weit, sich als Sachverständiger für die Verteidigung beim Prozess gegen Ivan 'Chip' Frederick zu präsentieren, einen Stabssergeant, der beschuldigt wurde, Häftlinge in Abu Ghraib gefoltert zu haben.
Zimbardo: Wie die Wachen der SPE beschreibt Zimbardo ihn als "aus gutem Holz geschnitzt" ("chip off the best block"), der unwissentlich von der "schlechten Umgebung" ("bad barrel"), in dem er sich befand, pervertiert wurde (Zimbardo 2004(4): 344.
Haslam I 138
Es können verschiedene Ansätze für die SPE gefunden werden. a) "Dispositionalismus" (die These, dass Verhalten auf Charakterzügen beruht),
b) "Situationalismus" (die These, dass individuelles Verhalten in individuellen Situationen entsteht) und
c) "Interaktionismus" (die These, dass die Interaktion von situativen Faktoren mit denen von Persönlichkeit, Einstellungen und Erwartungen in einer Situation entscheidend ist). (Zimbardo 2007(5): 9)
Abu Ghraib: Zimbardos Beweise in Fredericks Prozess wurden von dem Staatsanwalt der Armee, Christopher Graveline, mit ähnlicher Skepsis aufgenommen: Unmöglich, den situativen Kräften zu widerstehen?... Natürlich Spielt die Situation, in der sich eine Person befindet, eine bedeutende Rolle in ihrem Handeln, aber zu sagen, dass schlechtes Handeln unvermeidlich wird, negiert die Verantwortung, den freien Willen, das Gewissen und den Charakter der Person. (Schotter und Clemens, 2010(6): 179).
1. VsZimbardo: (Banuazzi und Movahedi 1975(6)) Die Behauptung, dass die Aggression der Wache einfach als "natürliche" Folge des "In-der-Uniform-Steckens" einer "Wache" und der Behauptung der dieser Rolle innewohnenden Macht ausgestrahlt wurde" (Haney et al., 1973(7): 12), scheint mit dem Inhalt von Zimbardos Briefing an seine Wachen vor Beginn der SPE unvereinbar zu sein.
Haslam I 139
2. VsZimbardo: Während Zimbardo behauptet, dass es die Wachen waren, die sich die verschiedenen Missbräuche ausdachten, die an Häftlinge in der SPE verübt wurden, scheint es, dass sie dabei nur Requisiten und Verfahren verwendeten, die von den Experimentatoren zur Verfügung gestellt wurden (z.B. Ketten, Taschen über dem Kopf, erzwungene Nacktheit). In einigen Fällen wurden die Wachen auch deutlich angewiesen, diese Werkzeuge zu verwenden. (Banuazzi und Movahedi 1975(6)) 3. VsZimbardo: Ein dritter Einwand konzentrierte sich auf Zimbardos Behauptung, dass die Teilnehmer der Studie einfach normale Studenten seien. Dieser Punkt ergibt sich aus Forschungen von Thomas Carnahan und Sam MacFarland (2007)(7) an der Western Kentucky University, die untersuchen wollten, ob es etwas Ungewöhnliches an dem Typ von Person gibt, die sich freiwillig an einer solchen Studie beteiligt. Um diese Frage zu beantworten, platzierten die Forscher zwei Anzeigen in einer Lokalzeitung. Einer enthielt genau den gleichen Wortlaut wie die ursprüngliche Anzeige für die SPE (...), ließ aber einfach die
Haslam I 140
Formulierung "des Gefängnislebens" weg. Als Carnahan und MacFarland anschließend das Persönlichkeitsprofil der beiden Freiwilligengruppen verglichen, stellten sie fest, dass sie sehr unterschiedlich waren. Konkret waren diejenigen, die auf die Einladung zur Teilnahme an einer "Studie über das Gefängnisleben" (und nicht nur einer "Studie") reagierten, eher autoritär, machiavellistischer, narzisstischer und sozial dominanter. Sie waren auch weniger empathisch und weniger selbstlos.
ReicherVsZimbardo/HaslamVsZimbardo: Die BBC Gefängnisstudie (BPS) (Reicher and Haslam, 2006(8); siehe auch Haslam and Reicher, 2005(9), 2009(10)) (...) griff die von der SPE aufgeworfenen Fragen unter Verwendung desselben grundlegenden Paradigmas wie der Studie von Zimbardo erneut auf - mit dem Ziel, das Verhalten von 15 Männern zu untersuchen, die in einer speziell konstruierten, gefängnisähnlichen Umgebung über einen Zeitraum von bis zu zwei Wochen zufällig Rollen als Wachen oder Gefangene zugewiesen wurden.
BPS: unterscheidet sich von der SPE in zwei wesentlichen Punkten:
1. Es wurde keine Regel innerhalb des Gefängnisses angenommen, so dass
Haslam I 141
[man] die Gruppendynamik studieren konnte, ohne sie direkt zu steuern. 2. Die Studie umfasste eine Reihe von Manipulationen, die auf der Grundlage der Social Identity Theory (SIT) entwickelt worden waren. Es wird vorgeschlagen, dass Menschen nicht automatisch Rollen übernehmen, die mit der Gruppenzugehörigkeit verbunden sind, sondern erst, wenn sie sich mit der betreffenden Gruppe identifiziert haben (Tajfel und Turner, 1979)(11).
BPS/Reicher/Haslam: Sein Ergebnis deutet auf eine ganz andere Analyse der Tyrannei hin als die von Zimbardo.
1) Dies liegt daran, dass die Teilnehmer des BPS, als sie sich der Tyrannei verschrieben, nicht in Bezug auf die von den Experimentatoren zugewiesenen Rollen handelten, sondern diese abgelehnt und neue Rollen angenommen hatten.
Haslam I 142
2) Es gab Unterschiede in der Begeisterung der Teilnehmer für diese tyrannische Lösung. Diejenigen, die die größte Begeisterung zeigten, waren die Teilnehmer, die von Anfang an am autoritärsten waren. (...) Dies bedeutete, dass autoritäre Teilnehmer erst dann in der Lage waren, ihre autoritären Ambitionen auszudrücken und voranzutreiben, wenn sie durch ein Gefühl der gemeinsamen Identität, das sie sowohl gestählt als auch moderatere Individuen für ihre Sache gewinnen ließ, motiviert worden waren.


1. Savin, H.B. (1973) ‘Professors and psychological researchers: Conflicting values in conflicting roles’, Cognition, 2: 147–9.
2. Zimbardo, P.G. (1973) ‘On the ethics of intervention in human psychological research: With special reference to the Stanford Prison Experiment’, Cognition, 2: 243–56.
3. Browning, C. (1992) Ordinary Men: Reserve Police Battalion 101 and the Final Solution in Poland. London: Penguin Books.
4 .Zimbardo, P.G. (2004) ‘A situationist perspective on the psychology of evil: Understanding how good people are transformed into perpetrators’, in A. Miller (ed.), The Social Psychology of Good and Evil. New York: Guilford. pp. 21–50.
5. Zimbardo, P. (2007) The Lucifer Effect: How Good People Turn Evil. London: Random House.
6. Banuazizi, A. and Movahedi, S. (1975) ‘Interpersonal dynamics in a simulated prison: A methodological analysis’, American Psychologist, 30: 152–60.
7. Carnahan, T. and McFarland, S. (2007) ‘Revisiting the Stanford Prison Experiment: Could participant self-selection have led to the cruelty?’, Personality and Social Psychology Bulletin, 33: 603–14.
8. Reicher, S.D. and Haslam, S.A. (2006) ‘Rethinking the psychology of tyranny: The BBC Prison Study’, British Journal of Social Psychology, 45: 1–40.
9. Haslam, S.A. and Reicher, S.D. (2005) ‘The psychology of tyranny’, Scientific American Mind, 16(3): 44–51.
10. Haslam, S.A. and Reicher, S.D. (2009) The BBC Prison Study website. Available at: www.bbcprisonstudy.org.
11. Tajfel, H. and Turner, J.C. (1979) ‘An integrative theory of intergroup conflict’, in W.G. Austin and S. Worchel (eds), The Social Psychology of Intergroup Relations. Monterey, CA: Brooks/Cole. pp. 33–48.



S. Alexander Haslam and Stephen Reicher, „Tyranny. Revisiting Zimbardo’s Stanford Prison Experiment“, in: Joanne R. Smith and S. Alexander Haslam (eds.) 2017. Social Psychology. Revisiting the Classic studies. London: Sage Publications

Haslam I
S. Alexander Haslam
Joanne R. Smith
Social Psychology. Revisiting the Classic Studies London 2017
Steuerflucht Saez Saez I 119
Steuerflucht/Saez/Zucman: Eine gemeinsam vereinbarte Mindeststeuer zwischen den G20-Ländern würde nicht alle Probleme lösen. Unternehmen könnten immer noch Steuern hinterziehen, indem sie ihren Hauptsitz in Steueroasen verlegen. >Steuerwettbewerb/Saez/Zucman. Saez/Zucman: (...) die Gefahr ist übertrieben. Bei all dem Gerede über Steuerinversionen haben nur sehr wenige Firmen ihren Hauptsitz auf tropische Inseln verlegt. Von den zweitausend größten Unternehmen der Welt haben heute nur achtzehn ihren Hauptsitz in Irland, dreizehn in Singapur, sieben in Luxemburg und vier auf den Bermudas(2). Fast tausend haben ihren Sitz in den Vereinigten Staaten und der Europäischen Union, während die meisten anderen in China, Japan, Südkorea und anderen G20-Ländern zu finden sind. Der Grund, warum nur wenige Unternehmen trotz der Anreize, keine Steuer Inversion betreiben, liegt wahrscheinlich darin, dass die Nationalität eines Unternehmens nicht leicht zu manipulieren ist.
Saez I 120
Amerikanische Firmen können ihre Nationalität nur im Zusammenhang mit einer ausländischen Übernahme ändern, d.h. durch Fusion mit einem ausländischen Unternehmen.
Saez I 121
Beispiel: das Schweizer Unternehmen Nestlé. Nehmen wir an, die Schweiz weigert sich, ihre multinationalen Unternehmen zu überwachen (...). Nestlé wird daher zu sehr niedrigen Sätzen besteuert, und die Schweiz lehnt es ab, die Mindestbesteuerung von 25% Land für Land anzuwenden. Lösung: Kurz gesagt, Hochsteuerländer sollten die Steuern einziehen, die die Schweiz nicht einzieht. Der einfachste Mechanismus besteht darin, die globalen Gewinne von Nestlé dorthin zu verteilen, wo der Schweizer Riese seine Umsätze tätigt. Wenn 10% des weltweiten Umsatzes von Nestlé in Frankreich erzielt werden, kann Paris in ähnlicher Weise davon ausgehen, dass 10% des weltweiten Gewinns von Nestlé in Frankreich zu versteuern sind. Ist das eine leere Fantasie? Ganz und gar nicht, denn so erheben die meisten US-Bundesstaaten bereits ihre eigenen Körperschaftssteuereinnahmen. Vierundvierzig Bundesstaaten haben ihre eigene bundesstaatliche Körperschaftssteuer (mit einem Satz von bis zu 12% in Iowa), die zur bundesstaatlichen Körperschaftssteuer hinzukommt. Um zu bestimmen, wie viel der Gewinne von Coca-Cola in Kalifornien steuerpflichtig sind, teilt die Steuerbehörde des Golden State die US-weiten Gewinne von Coca-Cola dem Ort zu, an dem das Unternehmen seine Verkäufe tätigt.
Saez I 122
(...) ein noch robusterer Mechanismus kann im Kampf gegen Steuerhinterzieher eingesetzt werden. Anstatt die globalen Gewinne von Nestlé aufzuteilen, könnten Hochsteuerländer das Steuerdefizit von Nestlé aufteilen. Konkret würden die Vereinigten Staaten (und jede andere Nation, die dies wünscht) das globale Steuerdefizit von Nestlé berechnen - d.h. die zusätzliche Steuer, die Nestlé zahlen würde, wenn es in jedem der Länder, in denen es tätig ist, einem effektiven Steuersatz von 25% unterworfen würde. Vorteile dieser Lösung:
1) (...) sie ist sofort umsetzbar. (...) es liegen bereits Informationen über die Gewinne, Steuern und Umsätze multinationaler Unternehmen für jedes Land vor(1).
Saez I 123
2) (...) es verstößt nicht gegen einen bestehenden internationalen Vertrag. Im Laufe der Jahre haben Länder unzählige Konventionen unterzeichnet, um das Risiko einer doppelten Besteuerung von Unternehmen zu vermeiden. Problem: In der Praxis haben diese Verträge - und die darin enthaltenen Ungereimtheiten - die Schleusen für alle Arten von Steuerhinterziehung geöffnet.
Lösung/Saez/Zucman: (...) Da die von uns vorgeschlagene Defensivsteuer nur in dem Maße erhoben wird, wenn ein Unternehmen weniger als die Mindestnorm von 25% zahlt, führt unsere Konstruktionslösung keine Form der Doppelbesteuerung ein. Infolgedessen verstößt sie nicht gegen Doppelbesteuerungsabkommen.
Steueroasen: Sogar Firmen mit Hauptsitz auf den Bermudas müssten mit einem effektiven Mindeststeuersatz von 25% rechnen. Es gäbe keinen Platz zum Verstecken.
Saez I 125
Lösung: Mit einem ausreichend hohen Steuerboden würde die Logik des internationalen Wettbewerbs auf den Kopf gestellt. >Globalisierung/Saez/Zucman.

1. Organisation for Economic Co-operation and Development (2019b) Base erosion and profit shifting. Country-by-Country exchange relationships. Paris: OECD Press, 2019b. Zu finden unter: www.oecd.org/tax/beps/country-by-country-exchange-relationships.htm (08/21/2020)
Steuerschlupflöcher Saez Saez I 138
Steuerschlupflöcher/Saez/Zucman: Personen mit gleichem Einkommen zum gleichen Satz zu besteuern, ist die konkrete Anwendung für das "Schließen von Schlupflöchern". Das hat mehrere Auswirkungen. 1) Erstens bedeutet es, dass jede Einkommensquelle der progressiven individuellen Einkommenssteuer unterliegen sollte: nicht nur Löhne, Dividenden, Zinsen, Mieten und UnternehmensGewinne, sondern auch KapitalGewinne, die in vielen Ländern (darunter Frankreich und die Vereinigten Staaten) derzeit zu niedrigeren, pauschalen Sätzen besteuert werden(1).
Vs: Dem häufig vorgebrachten Einwand, dass Kapitalertragssteuern beim Verkauf von Unternehmen ungerechtfertigterweise hohe Steuerrechnungen verursachen (weil KapitalGewinne ein einmaliger Gewinn sind), kann durch eine Streuung der Zahlungen begegnet werden, wie dies routinemäßig im Zusammenhang mit der Nachlassbesteuerung geschieht.
Saez I 139
2) Eine zweite Anwendung des Prinzips "Gleiches Einkommen bedeutet gleiche Steuer": Die Einkommenssteuern für Unternehmen und Einzelpersonen sollten integriert werden - so wie es die europäischen Länder früher getan haben und Länder wie Australien und Kanada u.a. immer noch tun.
Saez I 140
a) Ein solches System erkennt die grundlegende Wahrheit an, dass die Körperschaftssteuer nur eine Vorauszahlung für die Einkommensteuer von Einzelpersonen ist. Es hat viele Vorteile. Zunächst einmal verringert es dramatisch die Anreize für Firmen, sich der Körperschaftssteuer zu entziehen. b) Ein weiterer Vorteil eines integrierten Systems besteht darin, dass es Verzerrungen beseitigt. BeiSpielsweise wird es neutral für ein Unternehmen, wenn es integriert wird (der Körperschaftssteuer unterliegend) oder nicht (wobei alle Gewinne an die Eigentümer weitergegeben werden und individuellen Einkommenssteuern unterliegen, wie dies bei Personengesellschaften in den Vereinigten Staaten der Fall ist).
Saez I 141
3) Es gibt eine dritte Implikation des Prinzips "Gleiches Einkommen bedeutet gleiche Steuern". Ein großer Vorteil einer integrierten Körperschaftssteuer ist, dass ein Dollar Lohn immer gleich besteuert würde wie ein Dollar ausgeschütteter Gewinn. Es wäre zwar ein
Saez I 142
Schritt in die richtige Richtung, würde aber bezüglich der integrierten Besteuerung immer noch ein heikles Thema unbeantwortet lassen: einbehaltene Gewinne - Gewinne, die von Unternehmen erzielt, aber nicht als Dividenden ausgeschüttet werden - würden immer noch niedriger besteuert als andere Einkommensquellen.
Ein Unternehmen, das nicht börsennotiert ist, sollte immer wie eine Personengesellschaft behandelt werden: frei von Körperschaftssteuer, aber mit all seinen Gewinnen, die der progressiven individuellen Einkommenssteuer seiner Eigentümer unterliegen. Die Erfahrungen der USA zeigen, dass es technisch machbar ist, eng gehaltene Unternehmen auf der Ebene der Anteilseigner zu besteuern (2).
Diese Regel würde es den Wohlhabenden unmöglich machen, ihr Einkommen steuerfrei zu reinvestieren, was zurzeit eine der mächtigsten Quellen der Steuerungerechtigkeit darstellt.
Mantelgesellschaften: es würde auch das seit den 1980er Jahren aufgeblähte Geschäft mit Mantelgesellschaften zerstören, da diese ihren Gründern keinerlei Steuervorteile mehr gewähren könnten. Mantelgesellschaften sind selbstverständlich keine Kapitalgesellschaften. Sie für Steuerzwecke als Kapitalgesellschaften anzuerkennen - mit den damit verbundenen Steuervorteilen - ist absurd und muss aufhören. >Steuerwettbewerb/Saez/Zucman.


1. Nach geltendem US-Recht wird bei der Übertragung von Vermögenswerten an die Erben deren Kaufpreis auf den zum Zeitpunkt der Übertragung geltenden Preis zurückgesetzt. Dieses berüchtigte Schlupfloch, das als "stepped-up basis" bezeichnet wird, bedeutet, dass Menschen Kapitalertragssteuern vermeiden können, indem sie ihr Vermögen bis zum Tod behalten. Die meisten Ökonomen sind sich darin einig, dass dies ein kritisches Schlupfloch ist, das es zu schließen gilt.
2. Gewinne, die nicht-individuellen Aktionären (wie Pensionsplänen und Stiftungen) zufließen, würden weiterhin der Körperschaftssteuer unterliegen. Realisierte KapitalGewinne würden der progressiven Einkommenssteuer unterliegen, was jedoch nicht bedeutet, dass diese KapitalGewinne doppelt besteuert würden, und zwar aus folgendem Grund: In dem integrierten System, das wir beschreiben, würden einbehaltene Gewinne als neue Investitionen von Aktionären betrachtet und daher in der Aktienbasis der Aktionäre berücksichtigt werden (wie heute bei S-Kapitalgesellschaften in den Vereinigten Staaten). Infolgedessen würden KapitalGewinne nicht die einbehaltenen Gewinne widerspiegeln, sondern nur den reinen Wertzuwachs der Vermögenswerte.
Steuerwettbewerb Saez Saez I 109
Steuerwettbewerb/Saez/Zucman: 2019 bat der Internationale Währungsfonds eine Reihe von Experten um ihre Meinung zur Zukunft der Unternehmensbesteuerung und des Steuerwettbewerbs. Die meisten Gesprächspartner des Fonds antworteten, dass sich der Steuerwettbewerb in absehbarer Zeit "wahrscheinlich verschärfen" wird(1). Einige Länder, darin waren sich die Experten einig, werden immer niedrigere Steuern anbieten als ihre Nachbarn (...).
Saez I 110
SaezVS/ZucmanVs: Diese Ansicht ist falsch. Es gibt nichts in der Globalisierung, das verlangt, dass die Körperschaftssteuer verschwindet. Die Entscheidung liegt bei uns.
Saez I 111
Um zu sehen, wie wir aus unserer gegenwärtigen Zwickmühle herauskommen könnten, müssen wir zunächst verstehen, warum wir es bisher versäumt haben, die finanziellen Herausforderungen der Globalisierung anzugehen. 1) Die finanzielle Globalisierung ist ein neues Phänomen. Nahezu 20% der weltweiten UnternehmensGewinne werden von Unternehmen außerhalb des Landes erwirtschaftet, in dem sie heute ihren Hauptsitz haben(2). Vor den 2000er Jahren lag dieser Anteil bei weniger als 5%.
2) (...) Die Aktivitäten der multinationalen Unternehmen sind undurchsichtig. Unternehmen sind im Allgemeinen nicht verpflichtet, öffentlich bekannt zu geben, in welchen Ländern sie ihre Gewinne verbuchen.
3) (...) erfolgreiches Lobbying durch Steuerhinterziehungskomplex: Die Verrechnungspreisindustrie lebt nach dem in den 1920er Jahren geschaffenen System der Unternehmensbesteuerung; sie hat ein vitales Interesse daran, dieses zu erhalten. Wenn beispielsweise Unternehmen, anstatt von Tochtergesellschaft zu Tochtergesellschaft besteuert zu werden, als konsolidierte Einheiten besteuert würden, hätte es keinen Sinn, die Preise für Transaktionen zwischen Tochtergesellschaften zu berechnen. Die Verrechnungspreisindustrie würde über Nacht obsolet werden. >Steuerwettbewerb/Buchanan.
Saez I 114
SaezVsBuchanan/SaezVsBrennan: In der realen Welt überwiegen die Kosten des Steuerwettbewerbs bei weitem die vermeintlichen Vorteile. (...) es gibt keine progressive Einkommenssteuer ohne eine ausreichend starke Körperschaftssteuer, denn bei niedrigen Körperschaftssteuersätzen verwandeln sich Reiche Individuen in Unternehmen und transformieren die Einkommenssteuer in eine (kaum durchsetzbare) Verbrauchssteuer.

1. International Monetary Fund. “Corporate Taxation in the Global Economy,” IMF Policy Paper no. 19/007, March 2019. Appendix 1, S. 47.
2. Tørsløv, Thomas, Ludvig Wier, and Gabriel Zucman. “The Missing Profits of Nations.” National Bureau of Economic Research Working Paper Nr. 24701, 2018.
Strafrecht Wirtschaftstheorien Parisi I 17
Strafrecht/Wirtschaftstheorien/Miceli: [es gibt eine] normative Analyse [einen ökonomischen Ansatz zur Verbrechensbekämpfung], die auf der ökonomischen Theorie der Strafverfolgung basiert, wie sie erstmals von Becker (1968)(1) formalisiert und u.a. von Polinsky und Shavell (2000(2), 2007(3)) weiter ausgearbeitet wurde. [Becker-Polinsky-Shavell, BPS-Modell]. Der ökonomische Ansatz zur Verbrechensbekämpfung basiert auf der Annahme, dass rationale Straftäter entscheiden, ob sie eine illegale Handlung begehen oder nicht, indem sie den Dollarwert der Gewinne aus der Handlung mit den erwarteten Kosten vergleichen, die gleich der Höhe der Sanktion multipliziert mit der Wahrscheinlichkeit der Ergreifung und Verurteilung sind. Vgl. Hand-Test: >Haftungsrecht/Learned Hand.
BPS-Modell: Angesichts des Ziels der Abschreckung beinhaltet die optimale Strafverfolgungspolitik, die das BPS-Modell vorgibt, die Wahl der Festnahmewahrscheinlichkeit, die
Parisi I 18
Art der strafrechtlichen Sanktion (Geldstrafe und/oder Gefängnis) und ihre Höhe so zu wählen, dass die Gesamtkosten der Kriminalität minimiert werden. Das Standard-BPS-Modell behauptet, dass Effizienz die (primäre) Norm für die Ableitung der optimalen Durchsetzungspolitik ist. 1) (...) das BPS-Modell besagt, dass die optimale Sanktion, sei es eine Geldstrafe oder eine Freiheitsstrafe, maximal sein sollte. Der Grund, warum dies für eine Geldstrafe zutrifft, ist klar: Straftäter interessieren sich nur für die erwartete Sanktion, pf, und da es kostSpielig ist, die Wahrscheinlichkeit der Festnahme, p, zu erhöhen, aber nicht die Geldstrafe, f, ist es kostenminimierend, die Geldstrafe so weit wie möglich zu erhöhen (bis zum Vermögen des Straftäters), bevor die Wahrscheinlichkeit erhöht wird. Weniger offensichtlich ist, dass, wenn die Sanktion nur Gefängnis ist, die optimale Gefängnisdauer auch maximal sein sollte. Intuitiv können die erwarteten Kosten gesenkt werden, indem die Gefängnisstrafe erhöht und die Aufgriffswahrscheinlichkeit proportional gesenkt wird (wodurch die Abschreckung konstant gehalten wird), weil die Strafe zwar kostSpielig ist, aber weniger oft verhängt wird. In Bezug auf die tatsächliche Bestrafungspolitik ist es jedoch klar, dass Geldstrafen und Gefängnisstrafen für die meisten Verbrechen nicht auf ihr maximales Niveau gesetzt werden. In diesem Sinne ist das Modell nicht beschreibend für die tatsächliche Rechtspraxis.
2) (...) das BPS-Modell sagt voraus, dass Freiheitsstrafen erst eingesetzt werden sollten, nachdem Geldstrafen bis zum maximal möglichen Ausmaß ausgeschöpft wurden (z.B. bis zum Vermögen des Täters), und nur dann, wenn zusätzliche Abschreckung kostenmäßig gerechtfertigt ist. Auch hier ist die Logik klar: Geldstrafen sind ohne Kosten zu erhöhen, während Gefängnisstrafen kostSpielig sind, also ist es optimal, zuerst die kostenfreie Form der Bestrafung auszuschöpfen.
Normen/Effizienz: Der Grund für diese beiden Abweichungen der Praxis von der Theorie liegt mit ziemlicher Sicherheit in der Bedeutung von Normen neben der Effizienz, wie z. B. Fairness oder Gleichbehandlung, die die Gesellschaft als relevant für die Bestimmung der optimalen strafrechtlichen Bestrafung erachtet.*
Gleichheit/Praxis/Gesellschaft: (...) die Idee, arme Angeklagte für dasselbe Verbrechen zu längeren Haftstrafen zu verurteilen als wohlhabende Angeklagte, würden viele als inakzeptabel (wenn nicht sogar verfassungswidrig) empfinden, weil es den Anschein hätte, dass es den Wohlhabenden erlaubt wäre, sich aus dem Gefängnis freizukaufen (Lott, 1987)(5). Die Gesellschaft toleriert also offenbar eine kostspieligere Strafpolitik um der Gleichbehandlung von Straftätern willen. >Kriminalität/Wirtschaftstheorien.


* Siehe z. B. Miceli (1991)(4) und Polinsky und Shavell (2000)(2).


1. Becker, Gary (1968). “Crime and Punishment: An Economic Approach.” Journal of Political Economy 76: 169–217.
2. Polinsky, A. Mitchell and Steven Shavell (2000). “The Economic Theory of Public Enforcement of Law.” Journal of Economic Literature 38: 45–76.
3. Polinsky, A. Mitchell and Steven Shavell (2007). “The Theory of Public Law Enforcement,” in A. M. Polinsky and S. Shavell, Hrsg., Handbook of Law and Economics, 403–454. Amsterdam: North-Holland.
4.Miceli 1991
5. Lott, John (1987). “Should the Wealthy Be Able to ‘Buy Justice’”? Journal of Political Economy 95: 1307–1316.

Miceli, Thomas J. „Economic Models of Law“. In: Parisi, Francesco (ed) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Superintelligenz Tallinn Brockman I 97
Superintelligenz/Tallinn: These: Der zentrale Punkt des KI-Risikos ist, dass superintelligente KI ein Umweltrisiko ist. (...) das Universum wurde nicht für uns geschaffen, sondern wir werden durch die Evolution auf einen sehr engen Bereich von Umweltparametern abgestimmt. Irgendeine, selbst vorübergehende, Störung dieses prekären Gleichgewichts und wir sterben innerhalb weniger Minuten. Die auf Silizium basierende Intelligenz teilt solche Bedenken in Bezug auf die Umwelt nicht. Deshalb ist es viel billiger, den Weltraum mit Maschinensonden zu erkunden, als mit "Fleischdosen". Darüber hinaus ist die aktuelle Umgebung der Erde mit ziemlicher Sicherheit suboptimal für das, worum sich eine superintelligente KI am meisten kümmern wird: effiziente Berechnung. Daher könnten wir feststellen, dass unser Planet plötzlich von der anthropogenen globalen Erwärmung zur maschinogenen globalen Abkühlung übergeht.
Eine große Herausforderung, mit der sich die KI-Sicherheitsforschung auseinandersetzen muss, ist, wie man eine potenziell superintelligente KI - eine KI mit einem viel größeren Fußabdruck als unser eigener - davon abhält, unsere Umwelt für biologische Lebensformen unbewohnbar zu machen. Es ist schwer überzubetonen, wie winzig und klein die Zukunft unseres Planeten ist, verglichen mit dem vollen Potenzial der Menschheit. Auf astronomischen Zeitskalen wird unser Planet bald verschwunden sein (es sei denn, wir zähmen die Sonne, auch eine deutliche Möglichkeit) und fast alle Ressourcen - Atome und freie Energie - die gebraucht werden, um die Zivilisation langfristig zu erhalten, befinden sich im Weltraum.
"Paretotopie"/Eric Drexler: die Idee, dass KI, wenn sie richtig gemacht wird, eine Zukunft schaffen kann, in der das Leben aller Menschen enorm verbessert wird - eine Zukunft, in der es keine Verlierer gibt. Eine wichtige Erkenntnis dabei ist, dass das, was die Menschheit hauptsächlich daran hindert, ihr volles Potenzial zu entfalten, unser instinktives Gefühl sein könnte, dass wir uns in einem NullsummenSpiel befinden - einem Spiel, in dem Spieler kleine Gewinne auf Kosten anderer erzielen sollen. ((s) Keine Quelle für "Paretotopie" angegeben; vgl. (1)).



1. https://www.effectivealtruism.org/articles/ea-global-2018-paretotopian-goal-alignment/


Tallinn, J. “Dissident Messages” in: Brockman, John (ed.) 2019. Twenty-Five Ways of Looking at AI. New York: Penguin Press.

Brockman I
John Brockman
Possible Minds: Twenty-Five Ways of Looking at AI New York 2019
Symmetrien Barrow I 89
Symmetrie/Barrow: Eine "TEO": "Theory of everything" sucht nach der allumfassenden Symmetrie. Das Computerbild ist ganz anders, es beruft sich weder auf die Symmetrie als primäre Annahme, noch macht es die Kontinuitätsannahme, sondern im Gegenteil: Man gibt mit den Bits der Welt eine diskontinuierliche Struktur. Diskontinuierliche Welten sind nicht nur komplizierter, als kontinuierliche, sie sind sogar unendlich viel komplizierter. (Anzahl der Transformationen).

I 309f
Symmetrie/Barrow: gebraucht die Natur, damit NG unabhängig von Bewegung und Form der Gegenstände und der Beobachtung sind. - Zwei Ansätze: a) totalitär: was durch die Forderung nach Symmetrie nicht verboten ist, muß eine notwendige Bedingung der NG sein - b) liberal: alles ist verboten, was nicht zur Aufrechterhaltung einer Symmetrie nötig ist - I 345 - Die Topologie beeinflußt die Rolle, die die Symmetrie in der Natur spielen kan.
I 412
Symmetrie/Umkehrbarkeit/Arithmetik/Barrow: en der Arithmetik herrscht sicherlich keine eindeutige Umkehrbarkeit - Bsp die Summe 2+2=4 hat kein eindeutiges Inverses. Die Summe läßt sich auf mehrere Weisen zerlegen, aber es gibt nur eine Summe - Edward Fredkin: eine logische Schaltung ist möglich deren Operation umkehrbar ist, und die im Prinzip ohne Entropiegewinn und Erzeugung von Abfallwärme Information vermitteln kann - Fredkin-Gatter. - Drei Ein- und Ausgänge, der linke bleibt unverändert, die beiden anderen können sich kreuzen, je nachdem, ob der Wert des ersten 1 oder 0 ist. Diese Schaltung vermittelt keine Information und ist ihr eigenes Inverses.

B I
John D. Barrow
Warum die Welt mathematisch ist Frankfurt/M. 1996

B II
John D. Barrow
Die Natur der Natur: Wissen an den Grenzen von Raum und Zeit Heidelberg 1993

B III
John D. Barrow
Die Entdeckung des Unmöglichen. Forschung an den Grenzen des Wissens Heidelberg 2001
Terminologien Baudrillard Blask I 11
Verführung: dieser Begriff gewinnt später bei Baudrillard Bedeutung. Im Gegensatz zur Simulation ist Verführung reiner Schein und nicht Zeichenwelt.
Blask I 11
Fatalität/Baudrillard: zu den fatalen Strategien gehören Verführung, die Wiederkehr und die Ekstase. Alles spielt sich sowieso ab.
Blask I 26
Simulakra = künstliche Zeichenwelten.
Blask I 34
Implosion/Baudrillard: das Verschwinden der Pole von Ursache und Wirkung, von Subjekt und Objekt. Individuum und Klasse haben keine Bedeutung mehr. Massen nur noch als statistisches Phänomen. Implosion des Sinnes. Beginn der Simulation.
Blask I 46
Der symbolische Tausch löst den Gegensatz zwischen realen und imaginären auf. Beliebige Austauschbarkeit der Zeichen.
Blask I 47
Krise: keine Bedrohung, sondern Versuch, das Vertrauen zu erneuern. Selbst erzeugt vom System.
Blask I 47
Symbolischer Tausch: (im Anschluss an Marcel Mauss): Gabe ohne Gegengabe. Jenseits des Äquivalenzprinzip. Kein Wertgesetz. Man erhält unvermeidlich etwas zurück, aber kein Wertesystem diktiert die Angemessenheit. Baudrillard: man soll das System herausfordern, durch eine Gabe, auf die es nicht antworten kann, es sei denn durch seinen eigenen Tod und Zusammenbruch.
Blask I 55
Alfred Jarry: "Pataphysik". In Anlehnung daran charakterisiert und real sein eigenes Werk.
Blask I 57
Verführung: Träger der Reversibilität. »Die Verführung ist der reine Schein und keine Zeichenwelt.« Sie verzichtet auf das Prinzip der Repräsentation und etabliert bereits »das Andere« im Gegensatz zum Identischen. Gegen jede Art von Kausalität und Determination. Das Gesetz weicht der Spielregel, die Simulation der Illusion, die Kommunikation der Ironie.
Die Verführung ist falscher als das Falsche, denn sie gebraucht Zeichen, die bereits Scheinformen sind, um den Zeichen ihren Sinn zu entziehen.
Blask I 58
Verführung: Ausgangspunkt das Gegenteil: Wahrheit, resultiert aus einem krampfhaften Drang nach Enthüllung . Pornographie, Beispiel für die Eskalation der Wahrheit: wahrer als das Wahre. Kein Geheimnis. Selbst die Liebe steht nach bekenntnishafter Wahrheit und letztlich Obszönität.
Blask I 58
Verführung: Ausgangspunkt das Gegenteil: Wahrheit, resultiert aus einem krampfhaften Drang nach Enthüllung . Pornographie, Beispiel für die Eskalation der Wahrheit: wahrer als das Wahre. Kein Geheimnis. Selbst die Liebe steht nach bekenntnishafter Wahrheit und letztlich Obszönität.
Blask I 59
Verführung: keine Wahrheit, kein Ort, kein Sinn. Der Verführer weiß selbst nicht um das Rätsel der Verführung. Frau: nur Schein, sie verfügt über eine Strategie des Scheins.
Verführung: die Stärke des Verführers liegt darin, nicht zu begehren. Reversibilität als Gegenkraft zum Kausalitätsprinzip.
Blask I 60
Verführung: erzeugt kein Gesetz, sondern beruht auf Spielregeln, auf die man sich freiwillig einlassen kann. Liebe: individuelle, einseitig und egoistisch.
Verführung: zweiseitig und antagonistisch, nach Regeln, die keinen Wahrheitsanspruch haben. Sexualität und Liebe sind eher Auflösungsformen der Verführung. Verführung schätzt Distanz und ist unendlicher Rettung einer Austausch. Das weibliche es nicht das Gegenteil des männlichen sondern sein Verführer. Verführung ersetzt Dialektik.
Blask I 62
Das Böse: nicht Gegenteil, sondern Verführer des Guten.
Blask I 67
Fatalität/Baudrillard: Ekstase - Ironie (überwindet Moral und Ästhetik) - Überlegenheit des Objekts Prinzip des Bösen - zugleich Subversion.
Blask I 68
Ekstase/Baudrillard: wohnt allen Dingen der Gegenwart inne. Leidenschaft für Verdoppelung und Steigerungen. Verabschiedet die Dialektik, löst deren Gegensätzlichkeiten aus. »Entweder oder« existiert nicht mehr. Bsp Krebszellen: Wachstumsbeschleunigung, Unordnung und Ziellosigkeit.
Blask I 69/70
Ekstase: gleichzeitig Verlangsamung, Trägheit. Ende vor dem Ende und Überleben im Stillstand. Worum, Auflösung und Katastrophe. Der Rückkehrpunkt ist längst überschritten, die Katastrophe ist folgenlos und damit als reinste Form des Ereignisses unausweichlich. Kleine Brüche ersetzen den Untergang.
Blask I 70
Indifferenz/Baudrillard: nach Baudrillard haben Träume, Utopien und Ideen ausgespielt, sie wurden in der Wirklichkeit bereits eingelöst. Alles hat bereits stattgefunden. Die Avantgarde ist ebenso inhaltsleer geworden wie die Revolution. Das ist das Transpolitische.
Blask I 78
Der Andere: der letzte Ausweg aus der »Hölle des Gleichen«. (VsSartre).
Blask I 93
Askese/Baudrillard: Die Überflussgesellschaft neigt vielmehr zur Askese, weil sie retten will, was sie erreicht hat.
Blask I 95/96
Mythische Pole: Mythos der Banalität und Mythos der Wüste. »Alles, was man mit wahnsinniger Geschwindigkeit durchquert, ist eine Wüste.«
Blask I 102
Prinzip des Bösen: das ganze Universum widerspricht den Prinzipien der Dialektik. An ihrer Stelle regiert ein Prinzip des Bösen: »die Tücke des Objekts«. Böse: Gut und Böse sind wieder zu trennen, noch als Wirkungen oder Intention zu unterscheiden. Geistige Subversion durch Verwirrung, Perversion der Dinge, grundsätzlicher Hang zur Ketzerei. Das Prinzip des Bösen ist die vollendete Gegenkraft zur Logik, Kausalität und Signifikation. »Sagen: »Gott ist das Böse« ist eine zärtliche Wahrheit, Freundschaft für den Tod, Gleiten ins Leere, in die Abwesenheit.«.
Blask I 104
Szene: die Grundlage jeder Illusion, Herausforderung des Realen, der Gegenspieler des Obszönen.
Blask I 105
Obszönität: »Die totale Obszönität des Geldspiels.«
Blask I 108
Zeremonie der Welt: alles ist immer schon vorherbestimmt. Notwendigkeit einer Wiederkehr.
Blask I 110
Virtuelle Katastrophen: Schadenfreude der Maschinen. Wahn der Prophylaxe. das letzte Virus: das Virus der Traurigkeit.

Baud I
J. Baudrillard
Simulacra and Simulation (Body, in Theory: Histories) Ann Arbor 1994

Baud II
Jean Baudrillard
Der symbolische Tausch und der Tod Berlin 2009

Blask I
Falko Blask
Jean Baudrillard zur Einführung Hamburg 2013
Terminologien Klein Brocker I 939
Terminologie/Klein: Branding: das Schaffen von Markenbewusstsein und damit eines entsprechenden Konsumverhaltens, ihre Gewinnspannen in den 1990er Jahren dramatisch erhöhen konnten. Dieser Prozess der Schaffung neuer Nachfragemärkte – nicht mehr das materielle Produkt, sondern nur noch die Marke wird produziert, beworben, nachgefragt und im beliebigen materiellen Produkt gekauft – läuft parallel zur Abschaffung traditioneller industrieller Produktion und konventioneller Arbeits- und Beschäftigungsformen im globalen Norden. Den Sportschuhvermarkter Nike, der keine der Produktionsfabriken, in denen er fertigen lässt, selbst besitzt, nennt Klein den »Prototyp der produktfreien Marke«.(1)
Brocker I 933
„branding breathrough“/Klein: Markendurchdringung: den KonsumentInnen für das Markenbewusstsein kein Preis zu hoch ist: »Für markenversessene
Brocker I 934
Käufer ist das Konsumieren schon fast zum Fetisch geworden und dem Markennamen wird eine talismanähnliche Kraft zugesprochen«.(2) Das erlaubt den Unternehmen ein immer größeres Spektrum an ökonomischen Aktivitäten.
Brocker I 937
»Culture-Jamming«: die Praxis, Werbung zu parodieren und ihre Botschaft intelligent zu unterwandern, bezeichnet Klein als »eine Röntgenaufnahme des unbewussten Gehalts einer Werbekampagne« (3).


Naomi Klein, No Logo: Taking Aim at the Brand Bullies, Toronto 2000. (Tenth Anniversary Edition with a New Introduction by the Author, New York 32010.) Dt.: Naomi Klein, No Logo! Der Kampf der Global Players um Marktmacht – Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, Frankfurt/M. 2015 (zuerst 2001) S. 202
2. Ebenda S. 152
3. Ebenda S. 282
Christine Bauhardt, „Naomi Klein, No Logo! (2000)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Terminologien Norvig Norvig I 8
Terminologie/Russell/Norvig: Obwohl Entscheidbarkeit und Berechenbarkeit für ein Verständnis von Computation wichtig sind, hat der Begriff der Lenkbarkeit einen noch größeren Einfluss gehabt. Grob gesagt, wird ein Problem als hartnäckig bezeichnet, wenn die Zeit, die zur Lösung von Instanzen des Problems benötigt wird, exponentiell mit der Größe der Instanzen wächst. Die Unterscheidung zwischen polynomiellem und exponentiellem Wachstum der Komplexität wurde erstmals Mitte der 1960er Jahre betont (Cobham, 1964(1); Edmonds, 1965(2)). Es ist wichtig, weil exponentielles Wachstum bedeutet, dass selbst mittelgroße Fälle nicht in angemessener Zeit gelöst werden können.
Norvig I 106
Musterdatenbanken: Die Idee dahinter ist, diese exakten Lösungskosten für jede mögliche Teilprobleminstanz zu speichern(...)
Norvig I 108
Def Problem: Ein Problem besteht aus fünf Teilen: dem Ausgangszustand, einem Satz von Handlungen, einem Übergangsmodell, das die Ergebnisse dieser Handlungen beschreibt, einer Zieltestfunktion und einer Pfadkostenfunktion. Die Umgebung des Problems wird durch einen Zustandsraum repräsentiert. Ein Pfad durch den Zustandsraum vom Ausgangszustand zu einem Zielzustand ist eine Lösung.
Norvig I 135
Und/Oder-Knoten/Bäume: Oder: In einer deterministischen Umgebung wird die einzige Verzweigung durch die eigenen Entscheidungen des Agenten in jedem Zustand eingeleitet. Wir nennen diese Knoten ODER-Knoten. Und: In einem nicht deterministischen Umfeld wird die Verzweigung auch durch die Wahl des Ergebnisses der einzelnen Handlungen durch die Umgebung eingeleitet. Wir nennen diese Knoten UND-Knoten. Eine Lösung für ein Und-Oder-Suchproblem ist ein Teilbaum, der (1) bei jedem Blatt einen Zielknoten hat, (2) bei jedem seiner ODER-Knoten eine Handlung spezifiziert und (3) jeden Ergebniszweig bei jedem seiner UND-Knoten beinhaltet.
Norvig I 148
Competitive Ratio: Typischerweise ist das Ziel des Agenten, einen Zielzustand zu erreichen und gleichzeitig die Kosten zu minimieren. (Ein weiteres mögliches Ziel ist es, einfach die gesamte Umgebung zu erforschen.) Die Kosten sind die Gesamtkosten für den Pfad, den der Agent tatsächlich zurücklegt. Es ist üblich, diese Kosten mit den Pfadkosten des Pfades zu vergleichen, dem der Agent folgen würde, wenn er den Suchraum im Voraus kennen würde, d.h. den tatsächlich kürzesten Pfad (oder kürzeste vollständige Erforschung). In der Sprache der Online-Algorithmen nennt man dies die Competitive Ratio; wir möchten, dass sie so klein wie möglich ist. >Onlinesuche/Norvig.
Norvig I 162
Def Pruning: Pruning erlaubt es uns, Teile des Suchbaums zu ignorieren, die keinen Unterschied für die endgültige Wahl machen. Def Heuristische Bewertungsfunktionen: Sie ermöglichen es uns, den wahren Nutzen eines Zustands abzuschätzen, ohne eine vollständige Suche durchzuführen.
Def Nutzenfunktion: (auch Zielfunktion oder Auszahlungsfunktion genannt), definiert den endgültigen Zahlenwert für ein Spiel, das im Endzustand s für einen Spieler p endet. Beim Schach ist das Ergebnis ein Sieg, Verlust oder Unentschieden mit den Werten +1, 0 oder 1/2. Einige Spiele haben eine größere Vielfalt an möglichen Ergebnissen; die Gewinne im Backgammon reichen von 0 bis +192.
Def NullsummenSpiel: ist (verwirrenderweise) definiert als ein Spiel, bei dem die Gesamtauszahlung an alle Spieler für jeden Ausgang des Spiels gleich ist. Schach ist ein NullsummenSpiel. "Konstantsumme" wäre ein besserer Begriff gewesen, aber Nullsumme ist traditionell und macht Sinn, wenn man sich vorstellt, dass jedem Spieler eine Startgebühr von 1/2 berechnet wird.
Norvig I 165
Minimax-Algorithmus/Spiel: Der Minimax-Algorithmus (...) berechnet die Minimax-Entscheidung aus dem aktuellen Zustand. Es verwendet eine einfache rekursive Computation der Minimax-Werte jedes Nachfolgezustands und implementiert direkt die definierenden Gleichungen. Die Rekursion geht den ganzen Pfad bis zu den Blättern des Baumes hinunter, und dann werden die Minimax-Werte durch den Baum gesichert, während die Rekursion abgewickelt wird. Der Minimax-Algorithmus führt eine vollständige Tiefenerkundung des Spielbaums durch. Bei realen Spielen sind die Zeitkosten natürlich völlig unpraktisch, aber dieser Algorithmus dient als Grundlage für die mathematische Analyse von Spielen und für praktischere Algorithmen.
Norvig I 208
Def Knotenkonsistenz (node consistency): Eine einzelne Variable (die einem Knoten im CSP-Netzwerk entspricht) ist knotenkonsistent, wenn alle Werte in der Domäne der Variablen die eindeutigen Einschränkungen der Variablen erfüllen. Def Kantenkonsistenz (arc consistency): Eine Variable in einem CSP ist kantenkonsistent, wenn jeder Wert in der Domäne die binären Constraints der Variable erfüllt. Formal gesehen ist Xi in Bezug auf eine andere Variable Xj kantenkonsistent, wenn es für jeden Wert in der aktuellen Domäne Di einen Wert in der Domäne Dj gibt, der den binären Constraint auf der Kante (Xi,Xj) erfüllt. >Constraint-Satisfaction-Probleme/CSP/Norvig.
Norvig I 210
Def Pfadkonsistenz: Die Kantenkonsistenz zieht die Domänen (unäre Constraints) unter Verwendung der Kanten (binäre Constraints) zusammen. Um bei Problemen wie der Kartenfärbung Fortschritte zu erzielen, brauchen wir ein stärkeres Konsistenzkonzept. Die Pfadkonsistenz verschärft die binären Constraints, indem sie implizite Constraints verwendet, die sich aus der Betrachtung von Variablentripeln ergeben.
Norvig I 211
Def K-Konsistenz: Stärkere Formen der Verbreitung können mit dem Begriff der k-Konsistenz definiert werden. Ein CSP ist k-konsistent, wenn für einen beliebigen Satz von k - 1 Variablen und für eine konsistente Zuordnung zu diesen Variablen immer ein konsistenter Wert einer beliebigen k-ten Variablen zugewiesen werden kann. Für Vorwärtsverkettung, Rückwärtsverkettung: siehe >Software-Agenten/Norvig.
Norvig I 266
Propositionen: Die Idee, Propositionen mit Zeitschritten zu verknüpfen, erstreckt sich auf jeden Aspekt der Veränderungen der Welt im Laufe der Zeit. Fließend: Wir verwenden das Wort fließend (vom Lateinischen fluens), um einen Aspekt der Welt zu beschreiben, der sich verändert. "Fließend" ist ein Synonym für "Zustandsvariable".
Norvig I 346
Skolemisieren: Skolemisierung ist der Prozess der Entfernung existentieller Quantifizierer durch Eliminierung. Im einfachen Fall ist es genau wie die Existential Instantiation rule (...): übersetze ∃x P(x) in P(A), wobei A eine neue Konstante ist.
Norvig I 410
Nichtdeterministisches Handeln: Die Programmiersprachen-Community hat den Begriff des dämonischer Nichtdeterminismus (demonic nondeterminism) für den Fall geprägt, dass ein Gegner die Entscheidungen trifft, im Gegensatz zum angelischen Nichtdeterminismus (angelic nondeterminism),
Norvig I 411
bei dem der Agent selbst die Wahl trifft. Wir leihen uns diesen Begriff, um angelische Semantik für HLA-Beschreibungen zu definieren.
Norvig I 468
Closed world assumption: wie in Logikprogrammen implementiert, bietet sie eine einfache Möglichkeit, eine große Zahl negativer Information nicht spezifizieren zu müssen. Sie wird am besten als Voreinstellung interpretiert, die durch zusätzliche Informationen überschrieben werden kann.

1. Cobham, A. (1964). The intrinsic computational difficulty of functions. In Proc. 1964 International
Congress for Logic, Methodology, and Philosophy of Science, pp. 24–30.
2. Edmonds, J. (1965). Paths, trees, and flowers. Canadian Journal of Mathematics, 17, 449–467.

Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Terminologien Weizenbaum I 162
Def Zwanghafter Programmierer/Terminologie/Weizenbaum: Ohne Zwang: Der Fachmann betrachtet das Programmieren als Mittel und nicht als Selbstzweck. Seine Befriedigung bezieht er aus der Lösung eines inhaltlichen Problems und nicht daraus, dem Computer seinen Willen aufgezwungen zu haben.
I 165
Dem zwanghaften Programmierer kommt es so vor, dass seine Macht herausgefordert wird, nicht sein Wissen. Für ihn hat das System nunmehr ein Eigenleben.
I 167
Er erwartet vom Computer auch kein Vergnügen, sondern Bestätigung.
I 169
Spieler/Bergler: (Bergler, The Psychopathology of Gambling, NY, 1957, S. 33): der zwanghafte Spieler sieht sich nicht als Opfer, sondern als Vollstrecker des unberechenbaren Zufalls.
I 173
Bergler: 1. Er ist subjektiv sicher, dass er gewinnt – Weizenbaum: dasselbe gilt für den zwanghaften Programmierer. 2. Er setzt grenzenloses Vertrauen in seine Cleverness.
3. Der Spieler nimmt an, dass das Leben selbst nur ein Spiel ist. Der zwanghafte Programmierer nimmt an, dass das Leben ein riesiges Programm ist.


Weizenbaum I
Joseph Weizenbaum
Die Macht der Computer und die Ohnmacht der Vernunft Frankfurt/M. 1978
Theorien Pocock Gaus I 354
Theorien/Diskurs/Theoriewechsel/Pocock/Whelan: J. G. A. Pocock, ein Vertreter [des 'linguistic turn'], erklärt, dass es sich dabei um eine Verschiebung von der 'Geschichte des politischen Denkens' zur 'Geschichte des Diskurses' handelt, wobei er sich auf Methodologen wie Saussure, Gadamer und Kuhn sowie Skinner bezieht oder anspielt, die sein Werk beeinflusst haben (1985(1): Kap. l; vgl. Pocock, 1987)(2). Das Ziel, so argumentiert er, besteht darin, "die Sprache eines Autors nicht weniger wiederzugewinnen als seine Absichten, ihn als Bewohner eines Universums von Sprachen zu behandeln, die den "paroles", die er in ihnen spielt, einen Sinn geben". So kann ein bestimmter Denker auf mehrere verschiedene Sprachen zurückgreifen, von einer zur anderen wechseln oder sie auf kreative Weise kombinieren. Die Forschungen von Pocock und verschiedenen Mitarbeitern über das anglophone achtzehnte Jahrhundert beispielsweise berührten unter anderem die charakteristischen Diskurse des Republikanismus, des "alten Konstitutionalismus", der "Höflichkeit", der natürlichen Rechtsprechung und der des gemeinen Gesetzes, des Anglikanismus und der politischen Ökonomie. Dieser Ansatz wird durch Werke wie Nicholas Phillipson und Quentin Skinner (1993)(3) und Anthony Pagden (1987)(4) veranschaulicht - und schon in den Titeln der Werke angedeutet.

1. Pocock, J. G. A. (1985) Virtue, Commeme, and History: Essays on Political Thought and History, Chiefly in the Eighteenth Century. Cambridge: Cambridge University Press.
2. Pocock, J. G. A. (1987) 'The concept of a language and the métier d 'historien: some considerations on practice'. In Anthony Pagden, Hrsg., The Languages of Political Theory in Early-Modern Europe. Cambridge: Cambridge University Press.
3. Phillipson, Nicholas and Quentin Skinner, Hrsg. (1993) Political Discourse in Early Modern Britain. Cambridge: Cambridge University Press.
4. Pagden, Anthony, Hrsg. (1987) The Languages of Political Theory in Early-Modern Europe. Cambridge: Cambridge Umversity Press.


Whelan, Frederick G. 2004. „Political Theory of the Renaissance and Enlightenment“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004
Transaktionskosten Coleman Parisi I 20
Transaktionskosten/Coleman/Miceli: Die Wahl zwischen Eigentumsregeln und Haftungsregeln (...) grenzt den Spielraum der Märkte gegenüber dem Recht ab, um eine effiziente Ressourcenallokation zu erreichen. >Haftung/Calabresi/Melamed. Allgemeine Transaktionsstruktur: Das sich daraus ergebende Rahmenwerk wurde als General Transaction Structure (GTS) für die Organisation des Austauschs charakterisiert, ist von Coleman (1988(1), S. 31) adaptiert worden und fasst das Rahmenwerk im Kontext des Viehzüchter-Landwirt-Streits zusammen. (>Haftung/Calabresi/Melamed).
Parisi I 22
GTS/General Transaction Structure/Allgemeine Transaktionsstruktur:
A. Landwirt:
I. Eigentumsregel: der Landwirt kann die Bewirtschaftung untersagen
II. Haftungsregel: der Landwirt kann Entschädigung für beschädigte Ernten verlangen

B. Viezüchter:
III. Eigentumsregel: der Viehzüchter kann Schaden erheben IV. Der Viehzüchter kann eine Entschädigung für die Schadensbehebung verlangen.

Markt/Recht/Miceli: Die Wahl, welche Partei das ursprüngliche Recht erhält (der Gewinner), hat Verteilungsimplikationen, weil sie die Zuweisung eines wertvollen Anspruchs bestimmt. Die Durchsetzungsregel hat Auswirkungen auf die Effizienz, da sie die Art und Weise bestimmt, in der Übertragungen weg von der ursprünglichen Abtretung stattfinden können, sei es durch Marktaustausch, wenn die Transaktionskosten niedrig sind, oder durch rechtlichen Austausch, wenn sie hoch sind. Mit anderen Worten: Die Durchsetzungsregel bestimmt, ob Ansprüche durch Märkte oder rechtliche Übertragungen ausgetauscht werden können.

* Siehe z. B. Klevorick (1985)(2) und Coleman (1988(1), Kap. 2).


1. Coleman, Jules (1988). Markets, Morals, and the Law. Cambridge: Cambridge University Press.
2. Klevorick, Alvin (1985). “On the Economic Theory of Crime,” in J. Roland Pennock and John Chapman, eds., NOMOS XXVII: Criminal Justice, 289–309. New York: New York University Press.


Miceli, Thomas J. „Economic Models of Law“. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Vol 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press.

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Tugenden Machiavelli Höffe I 197
Tugenden/Machiavelli/Höffe: Machiavelli [führt] getreu der Tradition von Cicero über Thomas bis zu den humanistischen Zeitgenossen zahlreiche lobenswerte Eigenschaften an. In Kapitel 18 ((s) des Fürsten) bündelt er sie in fünf Charakterzügen, in «Milde, Treue, Aufrichtigkeit, Menschlichkeit und Frömmigkeit».
Dabei kommt es auf dreierlei an: 1. sind die guten Eigenschaften tatsächlich gefordert - mit schamloser Grausamkeit kann man zwar Macht, aber nicht Ruhm erlangen.
2. muss man die Tugenden nicht wirklich besitzen, der Anschein genügt; als ein Meister
der Heuchelei und Verstellung vermag der erfolgreiche Fürst die Menschen zu umgarnen und durch schauSpielerische Verlogenheit sie für sich zu Gewinnen.
3. Schließlich hat man auf die Gunst der Stunde zu achten, um «vom Guten so lange nicht abzulassen, wie es möglich ist, aber sich zum Bösen zu wenden, sobald es nötig ist».
Verfassungsrechtliche Struktur Public Choice-Theorie Parisi I 189
Verfassungsrechtliche Struktur/Public-Choice-Theorie/Farber: Die Wahl zwischen parlamentarischer und präsidialer Regierung ist eine der Haupttrennlinien zwischen demokratischen Regierungen. Enttäuschend ist, dass die Public-Choice-Theorie keine klaren Erkenntnisse über die relativen Vorzüge der beiden Systeme liefert. Parlamentarismus: Empirische Studien sind ebenfalls nicht schlüssig, obwohl es einige Hinweise gibt, dass parlamentarische Systeme im Durchschnitt robuster sind (Ginsburg, 2010(1), S. 271-272).
Föderalismus: Es gibt eine viel umfangreichere Literatur zum Thema Föderalismus.* Der wesentliche Vorteil einer dezentralisierten Verwaltung besteht darin, dass die Gesetze besser auf die Präferenzen der Bürger zugeschnitten werden können. Wenn es keine Überlauf-Effekte zwischen den Gerichtsbarkeiten gibt, dann erlaubt die Dezentralisierung jeder Lokalität, eine Politik zu verabschieden, die ihren eigenen Präferenzen entspricht, anstatt eine "Einheitsgröße für alle" auf nationaler Ebene zu erzwingen. Die Vorteile sind vergleichbar mit der Möglichkeit für Verbraucher, eine Vielzahl von Waren zu kaufen, anstatt die Produktion auf ein einziges Modell zu beschränken, das von einer Mehrheit bevorzugt wird.
Dieses Argument liefert eine Rechtfertigung für die lokale Mitsprache, indem es zeigt, wie sinnvoll es sein kann, der bestehenden lokalen Bevölkerung zu erlauben, ihre eigenen Gesetze zu wählen. Das ist ein Argument für lokale Mitsprache. Aber neben der Abstimmung über die lokale Politik können Individuen ihre Präferenzen auch dadurch zum Ausdruck bringen, dass sie in Gerichtsbarkeiten mit kongenialer Politik umziehen. Diese Macht des Austritts kann zu einer besseren Übereinstimmung zwischen Präferenzen und Gesetzen führen (Cooter, 2002(2), Kap. 6). >Föderalismus/Public-Choice-Theorie.
Parisi I 192
Verfassungsrechtliche Struktur/Public Choice Theorie/Farber: (...) das Mehrheitswahlrecht allein reicht nicht aus, um kohärente, stabile Ergebnisse zu erzielen, außer unter bestimmten Umständen. In einigen parlamentarischen Regimen besteht die Lösung darin, die Macht an einen Premierminister oder ein Kabinett zu delegieren, die vor dem Ende ihrer Amtszeit nur schwer wieder abgesetzt werden können. Staatliche Strukturen: Eine der grundlegenden Einsichten von Public Choice ist, dass Strukturen wie das Zweikammersystem und Gatekeeper-Ausschüsse Zyklen einschränken können. (Vgl. >Arrow-Theorem). Der Grund dafür ist einfach, dass das Hinzufügen von Vetopunkten die "Gewinnmenge" von Vorschlägen reduziert, die jeden spezifischen Vorschlag besiegen kann.
Im Wesentlichen blockiert das Vetorecht für mehrere Gruppen den Zyklus, außer wenn
(1) es einen identischen Zyklus in den Präferenzen jeder dieser Gruppen gibt, und
(2) mindestens ein Vorschlag im Zyklus von jeder dieser Gruppen gegenüber dem Status quo bevorzugt wird.
Im Extremfall des Einstimmigkeitserfordernisses hat jeder Gesetzgeber ein Vetorecht, wodurch ein Zyklus unmöglich wird (allerdings um den Preis einer starken Privilegierung des Status quo). ((s) Vgl. >VetoSpieler.)
Verfahrensregeln: Verfahrensregeln können die Beobachtung von Zyklen in der Praxis verhindern, selbst in Fällen, in denen die Präferenzen des Gesetzgebers einen Zyklus aufweisen. Der Agendasetzer kann potenziell eine Reihe von Abstimmungen arrangieren, die zur mehrheitlichen Annahme des vom Agendasetzer bevorzugten Punktes im Zyklus als Endergebnis führen.
Parisi I 193
Verfahrensregeln können auch den Themenraum einschränken - zum Beispiel kann ein Ausschuss nur für eine einzige Themendimension zuständig sein, was es wahrscheinlicher macht, dass die Präferenzen einen Höchstwert erreichen und daher nicht offen für einen Wechsel sind. Die Implikationen dieser Erkenntnisse für die Gesetzesauslegung (Noll, McCubbins und Weingast, 1994)(3) sind eine offene und höchst umstrittene Frage (Eskridge, Frickey und Garrett, 2006(4), S. 219-257). Einige Wissenschaftler argumentieren, dass die Gerichte die wichtigsten Entscheidungsträger und deren Ziele in der Gesetzgebungsgeschichte gut genug identifizieren können, um diese Ansichten bei der Auslegung von Gesetzen zu berücksichtigen. Andere betrachten den Prozess als zu undurchsichtig für eine gerichtliche Untersuchung und argumentieren stattdessen, dass Richter die Idee der gesetzgeberischen Absicht bei der Auslegung von Gesetzen aufgeben sollten (Easterbrook, 1983)(5).
Präferenzen: (...) die Existenz inkohärenter Präferenzen bedeutet nicht notwendigerweise eine unbestimmte Bedeutung, ganz abgesehen von der Public-Choice-Theorie. Unter der Voraussetzung vollständiger Information und null Entwurfskosten könnten wir ableiten, dass die Handlungen der wichtigsten Agendasetzer und "Veto-Gates" zusammengeführt worden sein müssen, um den Vorschlag gegenüber einer Alternative zu unterstützen, die außer in ihrer Anwendung auf die fraglichen Umstände identisch war. Aber selbst mit diesen starken Annahmen gäbe es keine Notwendigkeit, die Präferenzen dieser Personen zu rekonstruieren, um das Gesetz zu interpretieren.


*Siehe Hills, R. M. (2010) "Federalism and Public Choice," in D. A. Farber and A. J. O'Connell, Hrsg.
Research Handbook on Public Choice and Public Law, 207-233. Northampton, MA: Edward Elgar.


1. Ginsburg, T. (2010). "Public Choice and Constitutional Decision," in D. A. Farber and A. J.
O'Connell, Hrsg., Research Handbook on Public Choice and Public Law, 261-282. Northampton, MA: Edward Elgar.
2. Cooter, R. D. (2002). The Strategic Constitution. Princeton, NJ: Princeton University Press.
3. Noll, R., M. McCubbins, and B. Weingast (writing as "McNollgast") (1994). "Legislative Intent: The Use of Positive Political Theory in Statutory Interpretation." Law and Contemporary Problems 57(1):3-37.
4. Eskridge, W. N., P. P. Frickey, and E. Garrett (2006). Legislation and Statutory Interpretation.
2. Edition. St. Paul, MN: Foundation Press.
5. Easterbrook, F. H. (1983). "Statutes' Domains." University of Chicago Law Review 50(2): 53 3—
552.


Farber, Daniel A. “Public Choice Theory and Legal Institutions”. In: Parisi, Francesco (Hrsg.) (2017). The Oxford Handbook of Law and Economics. Bd. 1: Methodology and Concepts. NY: Oxford University Press

Parisi I
Francesco Parisi (Ed)
The Oxford Handbook of Law and Economics: Volume 1: Methodology and Concepts New York 2017
Verrechnungspreis Saez Saez I 112
Verrechnungspreis/Saez/Zucman: Die Verrechnungspreisindustrie lebt nach dem in den 1920er Jahren geschaffenen System der Unternehmensbesteuerung; sie hat ein vitales Interesse daran, dieses zu erhalten. Wenn beispielsweise Unternehmen, anstatt von Tochtergesellschaft zu Tochtergesellschaft besteuert zu werden, als konsolidierte Einheiten besteuert würden, hätte es keinen Sinn, die Preise für Transaktionen zwischen Tochtergesellschaften zu berechnen. Die Verrechnungspreisindustrie würde über Nacht obsolet werden. Es steht viel auf dem Spiel: Heute arbeiten 250.000 Menschen als Verrechnungspreis-Experten in privaten Unternehmen, entweder in den Big Four oder als direkte Angestellte multinationaler Konzerne(1).
Saez I 113
Die steuerhinterziehende Industrie hat auch ein großes Interesse daran, so wenig internationale Koordination wie möglich zu gewährleisten. Wenn alle Länder den gleichen Steuersatz hätten, würden sich die Unternehmen schließlich nicht darum kümmern, Gewinne von einem Ort zum anderen zu verlagern; es hätte keinen Sinn, Patente zwischen Tochtergesellschaften zu verlagern; es gäbe keinen Grund, Geld von Tochtergesellschaften in Luxemburg zu leihen.

1. Verfügbare Schätzungen deuten darauf hin, dass sich die Vergütung von Verrechnungspreissachverständigen in den letzten Jahren weltweit auf etwa 20 Milliarden Dollar pro Jahr belief; siehe Tørsløv, Thomas, Ludvig Wier und Gabriel Zucman. "The Missing Profits of Nations", National Bureau of Economic Research Woeking Paper Nr. 24701, 2018.
Verrechtlichung Habermas IV 524
Verrechtlichung/Habermas: der Ausdruck bezieht sich ganz allgemein auf die in modernen Gesellschaften zu beobachtende Tendenz der Vermehrung des geschriebenen Rechts. Dabei können wir eine Ausdehnung und eine Verdichtung des Rechts unterscheiden. (1) Otto Kirchheimer hat den Begriff während der Weimarer Republik in die Diskussion eingeführt und damals in erster Linie die tarif- und arbeitsrechtliche Institutionalisierung des Klassenkonflikts (…) im Auge gehabt. Habermas: wir können grob vier epochale Verrechtlichungsprozesse unterscheiden: 1. zum bürgerlichen Staat, zur Zeit des Absolutismus, 2. zum Rechtsstaat, in der Monarchie im Deutschland des 19. Jahrhunderts,
IV 525
3. zum demokratischen Rechtsstaat in der Folge der Französischen Revolution in Europa und Nordamerika. 4. Zum sozialen und demokratischen Rechtsstaat im Europa des 20. Jahrhunderts. Ad 1.:der Souverän ist von der Orientierung an einzelnen Inhalten oder bestimmten Staatszwecken entbunden und instrumentell, d.h. allein in Bezug auf die Mittel der legalen Ausübung bürokratisch organisierter Herrschaft definiert. Das Mittel der effektiven Machtallokation wird zum alleinigen Zweck.
IV 526
Das Selbstverständnis dieser Epoche hat in Hobbes‘ Leviathan seinen konsequentesten Ausdruck gefunden.
IV 527
Die weiteren Verrechtlichungsschübe lassen sich so verstehen, dass darin eine dem Markt und der absolutistischen Herrschaft zunächst zur Disposition gestellte Lebenswelt nach und nach ihre Ansprüche zur Geltung bringt. Nur auf diesem Wege kann der bürgerliche Staat eine nicht-parasitäre, dem modernen Rechtfertigungsniveau angemessene Legitimität gewinnen. Am Ende bleibt die strukturell ausdifferenzierte Lebenswelt, auf die moderne Staaten funktional angewiesen sind, als einzige Quelle der Legitimation übrig.
IV 528
Ad 2.: Dieser Schub bedeutet die verfassungsrechtliche Normierung einer Obrigkeit, die bis dahin nur durch die legale Form und die bürokratischen Mittel der Herrschaftsausübung begrenzt und gebunden war. Nun erhalten Bürger als Privatleute einklagbare subjektiv-öffentliche Rechte gegenüber einem Souverän, an dessen Willensbildung sie freilich noch nicht demokratisch teilnehmen.
IV 529
Ad 3.: Die Verrechtlichung des Legitimationsprozesses setzt sich in Form des allgemeinen und gleichen Wahlrechts sowie der Anerkennung der Organisationsfreiheit für politische Verbände und Parteien durch.
IV 530
Ad 4.: Die Entwicklung zum sozialen und demokratischen Rechtsstaat kann als Konstitutionalisierung eines in der Klassenstruktur verankerten sozialen Gewaltverhältnisses verstanden werden. Klassische Beispiele sind die Begrenzung der Arbeitszeit, gewerkschaftliche Koalitionsfreiheit und Tarifautonomie, Kündigungsschutz, Sozialversicherung usw. Auch hier geht es um Machtbalance innerhalb eines bereits rechtlich konstituierten Handlungsbereichs.
IV 531
Der freiheitsverbürgende Charakter des Sozialstaats gilt jedoch nicht für alle Bereiche. So gibt es von Anfang an die Ambivalenz von Freiheitsverbürgung und Freiheitsentzug. (2) Problem/Habermas: die negativen Effekte (…) stellen sich nicht als Nebenwirkungen ein, sie ergeben sich aus der Struktur der Verrechtlichung selber. Es sind nun die Mittel der Freiheitsverbürgung selbst, die die Freiheit des Nutznießers gefährden. Bsp Rechtsansprüche auf Geldeinkommen im Versicherungsfall stellen einen Fortschritt gegenüber traditioneller Armenfürsorge dar. Diese Verrechtlichung von Lebensrisiken fordert jedoch einen bemerkenswerten Preis in Form von umstrukturierenden Eingriffen in die Lebenswelt der Berechtigten.
IV 532
Die Bürokratisierung führt zu einer Entindividualisierung und zur Abnahme der partnerschaftlichen Hilfe im privaten Bereich.
IV 534
Dilemma: die sozialstaatlichen Verbürgungen sollen die Ziel der Integration dienen und fördern gleichwohl die Desintegration von Lebenszusammenhängen.
IV 538
Diese Ambivalenz kann nicht auf eine Dialektik von Recht als Institution und Recht als Medium zurückgeführt werden, weil sich die Alternative von Freiheitsverbürgung und Freiheitsentzug nur aus der Perspektive der Lebenswelt, d.h. nur in Bezug auf Rechtsinstitutionen stellt.
1.R.Voigt Verrechtlichung in Staat und Gesellschaft, in: ders (Hrsg.), Verrechtlichung Frankfurt 1980 S. 16.
2.T.Guldimann, M. Rodenstein, U. Rödel, F. Stille, Sozialpolitik als soziale Kontrolle, Frankfurt, 1978.

Ha I
J. Habermas
Der philosophische Diskurs der Moderne Frankfurt 1988

Ha III
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. I Frankfurt/M. 1981

Ha IV
Jürgen Habermas
Theorie des kommunikativen Handelns Bd. II Frankfurt/M. 1981
Verstehen Gadamer I 270
Verstehen/Hermeneutik/Heidegger/Gadamer: Heidegger ging auf die Problematik der historischen Hermeneutik und Kritik nur ein, um von da aus in ontologischer Absicht die Vorstruktur des Verstehens zu entfalten(1).
Gadamer: Wir gehen umgekehrt der Frage nach, wie die Hermeneutik, von den ontologischen Hemmungen des Objektivitätsbegriffs der Wissenschaft einmal befreit, der Geschichtlichkeit des Verstehens gerecht zu werden vermöchte.
Verstehen/Heidegger: [Man wird] nach den Konsequenzen fragen dürfen, die Heideggers grundsätzliche Ableitung der Zirkelstruktur des Verstehens aus der Zeitlichkeit des >Daseins für die geisteswissenschaftliche Hermeneutik hat. Diese Konsequenzen (...) könnten (...) darin bestehen, dass das Selbstverständnis des stets geübten Verstehens berichtigt und von unangemessenen
Anpassungen gereinigt würde - ein Vorgang, der höchstens mittelbar der Kunst des Verstehens zugute käme. >Hermeneutischer Zirkel/Heidegger.
I 273
Wie soll vorgängig ein Text vor Missverständnis geschützt werden? Sieht man näher zu, so erkennt man (...), dass auch Meinungen nicht beliebig verstanden werden können, Sowenig wir einen Sprachgebrauch dauernd verkennen können, ohne dass der Sinn des Ganzen gestört wird, so wenig können wir an unserer eigenen Vormeinung über die Sache blindlings festhalten, wenn wir die Meinung eines anderen verstehen. Es ist ja nicht so, dass man, wenn man jemanden anhört, oder an eine Lektüre geht, alle Vormeinungen über den Inhalt und alle eigenen Meinungen vergessen müsste. Lediglich Offenheit für die Meinung des anderen oder des Textes wird
gefordert. Solche Offenheit aber schließt immer schon ein, dass man die andere Meinung zu dem Ganzen der eigenen Meinungen in ein Verhältnis setzt oder sich zu ihr. Daher muss ein hermeneutisch geschultes Bewusstsein für die Andersheit des Textes von vornherein empfänglich seine Solche Empfänglichkeit setzt aber
I 274
weder sachliche noch gar Selbstauslöschung voraus, sondern schließt die abhebende Aneignung der eigenen Vormeinungen und Vorurteile ein. Es gilt, der eigenen Voreingenommenheit inne zu sein, damit sich der Test selbst in seiner Andersheit darstellt und damit in die Möglichkeit kommt, seine sachliche Wahrheit gegen die eigenen Vormeinung auszuspielen.
I 295
Verstehen/Gadamer: Das Verstehen selber ist nicht so sehr als eine Handlung der Subjektivität zu denken, sondern als Einrücken in ein Überlieferungsgeschehen, in dem sich Vergangenheit und Gegenwart beständig vermitteln.
I 304
Verstehen/Gadamer: Das erste, womit das Verstehen beginnt, ist, (...) dass etwas uns anspricht. Das ist die oberste aller hermeneutischen Bedingungen. Wir wissen jetzt, was damit gefordert ist: eine grundsätzliche Suspension der eigenen Vorurteile. Alle Suspension von Urteilen aber, mithin und erst recht die von Vorurteilen, hat, logisch gesehen, die Struktur der Frage.
I 311
Horizontverschmelzung: Es gibt so wenig einen Gegenwartshorizont für sich, wie es historische Horizonte gibt, die man zu gewinnen hätte. Vielmehr ist Verstehen immer der Vorgang der Verschmelzung solcher vermeintlich für sich seiender Horizonte. >Horizont/Gadamer.
I 316
Es ist ganz abwegig, die Möglichkeit des Verstehens von Texten auf die Voraussetzung der „Kongenialität“ zu gründen, die Schöpfer und Interpret eines Werkes vereinigen soll. Wäre das wirklich so, dann stünde es schlecht um die Geisteswissenschaften. Das Wunder des Verstehens besteht vielmehr darin, dass es keiner Kongenialität bedarf, um das wahrhaft Bedeutsame und das
ursprünglich Sinnhafte in der Überlieferung zu erkennen. Wir vermögen uns vielmehr dem überlegenen Anspruch des Textes zu öffnen und der Bedeutung verstehend zu entsprechen, in der er zu uns spricht. >Juristische Hermeneutik, >Theologische Hermeneutik.
I 346
Verstehen/Anwendung/Applikation/Gadamer: Applikation ist keine nachträgliche Anwendung von etwas gegebenem Allgemeinen, das zunächst in sich verstanden würde, auf einen konkreten Fall, sondern ist erst das wirkliche Verständnis des Allgemeinen selbst, das der gegebene Text für uns ist. Das Verstehen erweist sich als eine Weise von Wirkung und weiß sich als eine solche Wirkung. >Wirkungsgeschichte/Gadamer.
I 399
Verstehen/Gadamer: Nicht nur ist der bevorzugte Gegenstand des Verstehens, die Überlieferung, sprachlicher Natur - das Verstehen selbst hat eine grundsätzliche Beziehung auf Sprachlichkeit. Wir waren von dem Satz ausgegangen, dass Verstehen schon Auslegen ist, weil es den hermeneutischen >Horizont bildet, in dem sich die Meinung eines Textes zur Geltung bringt. Um aber die Meinung eines Textes in seinem sachlichen Gehalt zum Ausdruck bringen zu können, müssen wir sie in unsere Sprache übersetzen, d. h. aber, wir setzen sie in Beziehung zu dem Ganzen möglicher Meinungen, in dem wir uns sprechend und aussprachebereit bewegen.


1. Heideger, Sein und Zeit, 312ff

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Verstehen McDowell I 98f
Verstehen/McDowell: die Unterscheidung von zwei Arten der Verständlichkeit unterscheidet zwei Arten von Begriffen, aber nicht von Gegenständen!
I 123
Naturgesetze/Natur/Verstehen/Hume: Natur lässt sich weder im Hinblick auf Bedeutung, noch in Hinblick auf ein Gesetz verstehen.
I 123
Naturgesetze/Natur/Verstehen/KantVsHume: gewinnt die Verständlichkeit der Naturgesetze wieder, nicht jedoch die Verständlichkeit der Bedeutung. Natur ist der Bereich der Naturgesetze, und daher ohne jede Bedeutung.
Allerdings liegt deshalb die empirische Welt nicht außerhalb der Begriffe.
I 136
Naturgesetze/Bedeutung: zwingende Regeln müssen nicht bekannt sein. Verstehen/McDowell: muss auch dort eine Rolle Spielen, wo es um das Erfassen von bloßen Geschehnissen ohne alle Bedeutung geht
Verstehen/Verständlichkeit/Moderne/heute/McDowell: das Gebiet der Verständlichkeit ist das Reich der Naturgesetze - wenn auch ohne Bedeutung.
Wir können uns allerdings weigern, dieses Gebiet der Verständlichkeit mit der Natur gleichzusetzen und erst recht mit dem, was real ist.
I 140
Erfahrung/Inhalt/Verstehen/McDowell: Empirischer Inhalt ist nur verständlich in einem Kontext, der es uns erlaubt, die direkte rationale Kontrolle des Geistes durch die Welt selbst einsichtig zu machen.
I 140
Es ist unmöglich, dass eine Tatsache selbst einen Eindruck auf einen Wahrnehmenden ausübt. Dennoch bringt das Bild von der Offenheit zur Welt die Vorstellung eines direkten Zugriffs auf die Tatsachen., Nur dass wir nicht in jedem Fall sicher sein können, dass es keine Täuschung ist.

II 55
Verstehen/McDowell: die eigenen Äußerungen verstehen: Fähigkeit zu wissen, was eine theoretische Beschreibung dieser Fähigkeit hervorbrächte - Wahrheitsbedingungen kennen - nicht Wahrheit! - Auch bei Sätzen, die nicht durch Belege entscheidbar sind - aber das heißt nicht zu sagen, dass die Wahrheits-Bedingung für jeden Satz entweder besteht oder nicht besteht, selbst wenn wir weder sagen können dass sie besteht, noch das sie nicht besteht.

McDowell I
John McDowell
Geist und Welt Frankfurt 2001

McDowell II
John McDowell
"Truth Conditions, Bivalence and Verificationism"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell
Vorwissen Norvig Norvig I 777
Vorwissen/KI-Forschung/Norvig/Russell: Um die Rolle des Vorwissens zu verstehen, müssen wir über die logischen Beziehungen zwischen Hypothesen, Beispielbeschreibungen und Klassifikationen sprechen. Wir nehmen an, dass die Beschreibungen die Verbindung aller Beispielbeschreibungen im Trainingsset bezeichnen und dass die Klassifikationen die Verbindung aller Beispielklassifikationen bezeichnen. Dann muss eine Hypothese, die "die Beobachtungen erklärt", die folgende Eigenschaft erfüllen (denken Sie daran, dass |= "logisch bedingt" bedeutet):
Hypothese ∧ Beschreibungen|= Klassifikationen.

Zwangsbedingung (engl. entailment constraint): Wir nennen diese Art von Beziehung eine Zwangsbedingung, bei der die Hypothese das "Unbekannte" ist. Rein induktives Lernen bedeutet die Lösung dieser Beschränkung, wobei die Hypothese aus einem vordefinierten Hypothesenraum entnommen wird. >Hypothesen/KI-Forschung.
Software-Agenten/Wissen/Lernen/Norvig: Der moderne Ansatz besteht darin, Software-Agenten zu entwerfen, die bereits etwas wissen und versuchen, noch etwas dazu zu lernen. Ein autonomer Lernagent, der Hintergrundwissen verwendet, muss sich das Hintergrundwissen in erster Linie irgendwie beschaffen (...). Diese Methode muss selbst ein Lernprozess sein. Die Lebensgeschichte des Software-Agenten ist daher durch eine kumulative oder inkrementelle Entwicklung gekennzeichnet.
Norvig I 778
Lernen mit Hintergrundwissen: ermöglicht ein viel schnelleres Lernen, als man es von einem reinen Einführungsprogramm erwarten würde. Erklärungsbasiertes Lernen/EBL: EBL erfüllt die folgenden Zwangsbedingungen (entailment constraints):

Hypothese ∧ Beschreibungen |= Klassifikationen
Hintergrund |= Hypothese.

Norvig I 779
(...) man dachte zunächst, es sei möglich von Beispielen zu lernen. Da es aber voraussetzt, dass das Hintergrundwissen ausreicht, um die Hypothese zu erklären, was wiederum die Beobachtungen erklärt, lernt der Software-Agent eigentlich nichts sachlich Neues aus dem Beispiel. Der Software-Agent hätte das Beispiel aus dem ableiten können, was er bereits wusste, auch wenn dies einen unangemessen hohen Rechenaufwand erfordert hätte. EBL wird heute als eine Methode zur Umwandlung von Theorien der ersten Prinzipien in nützliches, zweckgebundenes Wissen angesehen. Relevanz/Beobachtungen/RBL: Der Vorwissenshintergrund betrifft die Relevanz einer Reihe von Merkmalen für das Zielprädikat. Dieses Wissen, zusammen mit den Beobachtungen, erlaubt es dem Software-Agenten, eine neue, allgemeine Regel abzuleiten, die die Beobachtungen erklärt:

Hypothese ∧ Beschreibungen |= Klassifikationen ,
Hintergrund ∧ Beschreibungen ∧ Klassifikationen |= Hypothese.

Wir nennen diese Art von Generalisierung relevanzbasiertes Lernen oder RBL. (...) Das RBL macht zwar vom Inhalt der Beobachtungen Gebrauch, stellt aber keine Hypothesen auf, die über den logischen Inhalt des Hintergrundwissens und der Beobachtungen hinausgehen. Es handelt sich um eine deduktive Form des Lernens und kann für sich allein nicht die Schaffung von neuem Wissen von Grund auf begründen.
Zwangsbedingung (entailment constraint):

Hintergrund ∧ Hypothese ∧ Beschreibungen |= Klassifikationen.

Das heißt, das Hintergrundwissen und die neue Hypothese verbinden sich zur Erklärung der BeiSpiele.
Wissensbasiertes induktives Lernen/KBIL-Algorithmen: Algorithmen, die [die Zwangsbedingung] erfüllen, werden als wissensbasierte Algorithmen für induktives Lernen oder als KBIL-Algorithmen bezeichnet. KBIL-Algorithmen (...) wurden hauptsächlich im Bereich der induktiven Logikprogrammierung (ILP) untersucht.
Norvig I 780
Erklärungsbasiertes Lernen (EBL): Die Grundidee von Memo-Funktionen besteht darin, eine Datenbank mit Input-Output-Paaren anzuhäufen; wenn die Funktion aufgerufen wird, überprüft sie zunächst die Datenbank, um zu sehen, ob es vermeiden werden kann, das Problem von vorne aufzurollen. Erklärungsbasiertes Lernen geht viel weiter, indem allgemeine Regeln erstellt werden, die eine ganze Klasse von Fällen abdecken.
Norvig I 781
Allgemeine Regeln: Die Grundidee hinter EBL besteht darin, zunächst eine Erklärung der Beobachtung mit Hilfe von Vorkenntnissen zu konstruieren und dann eine Definition der Klasse von Fällen zu erstellen, für die dieselbe Erklärungsstruktur verwendet werden kann. Diese Definition bildet die Grundlage für eine Regel, die alle Fälle der Klasse abdeckt. Erklärung: Die "Erklärung" kann ein logischer Beweis sein, aber ganz allgemein kann es sich um einen beliebigen Argumentations- oder Problemlösungsprozess handeln, dessen Schritte gut definiert sind. Der Schlüssel liegt darin, in der Lage zu sein, die notwendigen Voraussetzungen dafür zu erkennen, dass dieselben Schritte auf einen anderen Fall zutreffen.
Norvig I 782
EBL: 1. Anhand eines Beispiels unter Verwendung des verfügbaren Hintergrundwissens einen Beweis konstruieren, dass das Zielprädikat auf das Beispiel zutrifft.
Norvig I 783
2. Parallel dazu einen verallgemeinerten Beweisbaum für das variabilisierte Ziel konstruieren unter Verwendung derselben Inferenzschritte wie im ursprünglichen Beweis. 3. Konstruktion einer neuen Regel, deren linke Seite aus den Blättern des Beweisbaums besteht und deren rechte Seite das variabilisierte Ziel ist (nach Anwendung der notwendigen Bindungen aus dem generalisierten Beweis).
4. Fallenlassen aller Bedingungen von der linken Seite, die unabhängig von den Werten der Variablen im Ziel wahr sind.
Norvig I 794
Inverse Auflösung: Die inverse Auflösung basiert auf der Beobachtung, dass wenn die Beispielklassifikationen aus: Hintergrund ∧ Hypothese ∧ Beschreibungen folgt, dann muss man diese Tatsache durch Auflösung beweisen können (weil die Auflösung vollständig ist). Wenn wir den Beweis "rückwärts laufen lassen können", dann können wir eine Hypothese finden, so dass der Beweis angenommen werden kann.
Norvig I 795
Inverse Entailment: Die Idee ist, die Zwangsbedingung (entailment constraint) zu ändern
Hintergrund ∧ Hypothese ∧ Beschreibungen |= Klassifikationen

zur logisch äquivalenten Form

Hintergrund ∧ Beschreibungen ∧ ¬Klassifikationen |= ¬Hypothese.

Norvig I 796
Ein inverses Auflösungsverfahren, das eine vollständige Auflösungsstrategie invertiert, ist im Prinzip ein vollständiger Algorithmus zum Lernen von Theorien erster Ordnung. Das heißt, wenn eine unbekannte Hypothese eine Reihe von Beispielen erzeugt, dann kann ein inverses Auflösungsverfahren aus den Beispielen eine Hypothese erzeugen. Diese Beobachtung legt eine interessante Möglichkeit nahe: Nehmen wir an, dass die verfügbaren Beispiele eine Vielzahl von Flugbahnen fallender Körper enthalten. Wäre ein inverses Auflösungsprogramm theoretisch in der Lage, auf das Gravitationsgesetz zu schließen? Die Antwort ist eindeutig ja, denn das Gravitationsgesetz erlaubt es, die Beispiele zu erklären, wenn ein geeigneter mathematischer Hintergrund gegeben ist.
Norvig I 798
Literatur: Der Ansatz der aktuell besten Hypothese (engl. current best hypothesis) ist eine alte Idee der Philosophie (Mill, 1843)(1). Frühe Arbeiten in der kognitiven Psychologie legten auch nahe, dass es sich um eine natürliche Form des Konzeptlernens beim Menschen handelt (Bruner et al., 1957)(2). In der KI-Forschung ist der Ansatz am engsten mit der Arbeit von Patrick Winston verbunden, dessen Doktorarbeit (Winston, 1970)(3) das Problem des Lernens von Beschreibungen komplexer Objekte behandelte. Versionsraum (engl. version space): Die Versionsraummethode (Mitchell, 1977(4), 1982(5)) verfolgt einen anderen Ansatz, indem sie die Menge aller konsistenten Hypothesen beibehält und diese, die sich als inkonsistent mit neuen BeiSpielen erwiesen haben, eliminiert. Der Ansatz wurde im Meta-DENDRAL
Norvig I 799
Expertensystem für Chemie (Buchanan und Mitchell, 1978)(6) verwendet und später in Mitchells (1983)(7) LEX-System, das lernt, Kalkül-Probleme zu lösen. Ein dritter einflussreicher Faden wurde durch die Arbeit von Michalski und Kollegen an der AQ-Reihe von Algorithmen gebildet, die Sets logischer Regeln lernte (Michalski, 1969(8); Michalski et al., 1986(9)). EBL (erklärungsbasiertes Lernen): EBL hatte seine Wurzeln in den vom STRIPS-Planer verwendeten Techniken (Fikes et al., 1972)(10). Wurde ein Plan konstruiert, so wurde auch eine verallgemeinerte Version davon in einer Planbibliothek gespeichert und bei der späteren Planung als Makro-Operator verwendet. Ähnliche Ideen tauchten in der ACT*-Architektur von Anderson unter der Überschrift der Wissenszusammenstellung (Anderson, 1983)(11) und in der SOAR-Architektur als Chunking (Laird et al., 1986)(12) auf. Der Erwerb von Schemata (DeJong, 1981)(13), die analytische Verallgemeinerung (Mitchell, 1982)(5) und die constraint-basierte Verallgemeinerung (Minton, 1984)(14) waren unmittelbare Vorläufer des rasch wachsenden Interesses an EBL, angeregt durch die Arbeiten von Mitchell et al. (1986)(15) und DeJong und Mooney (1986)(16). Hirsh (1987)(17) führte den im Text beschriebenen EBL-Algorithmus ein und zeigte, wie er direkt in ein logisches Programmiersystem integriert werden konnte. Van Harmelen und Bundy (1988)(18) erklären EBL als eine Variante der in Programmanalysesystemen verwendeten Teilauswertungsmethode (Jones et al., 1993)(19).
VsEBL (VsErklärungsbasiertes Lernen): Die anfängliche Begeisterung für EBL wurde durch Mintons Feststellung (1988)(20) gemildert, dass EBL ein Programm erheblich verlangsamen könnte ohne umfangreiche zusätzliche Arbeit. Formale probabilistische Analysen des erwarteten Gewinns durch EBL finden sich in Greiner (1989)(21) und Subramanian und Feldman (1990)(22). Ein hervorragender Überblick über die frühen Arbeiten zum EBL findet sich in Dietterich (1990)(23).
Relevanz: Relevanzinformationen in Form von funktionalen Abhängigkeiten wurden zuerst in der Datenbankgemeinde entwickelt, wo sie zur Strukturierung großer Mengen von Attributen in überschaubare Teilmengen verwendet werden. Funktionale Abhängigkeiten wurden von Carbonell und Collins (1973)(24) zur analogen Argumentation verwendet und von Davies und Russell, 1987(26)) wiederentdeckt und einer vollständigen logischen Analyse unterzogen.
Vorwissen: Ihre Rolle als Vorwissen beim induktiven Lernen wurde von Russell und Grosof (1987)(27) untersucht. Die Äquivalenz von Bestimmungen zu einem Hypothesenraum mit eingeschränktem Vokabular wurde von Russell (1988)(28) nachgewiesen.
Lernen: Lernalgorithmen für Bestimmungen und die mit RBDTL erzielte verbesserte Leistung wurden erstmals dank Almuallim und Dietterich (1991)(29) im FOCUS-Algorithmus gezeigt. Tadepalli (1993)(30) beschreibt einen sehr ausgefeilten Algorithmus für das Lernen mit Bestimmungen, der große Verbesserungen in der Gewinngeschwindigkeit gezeigt hat.
Inverse Deduktion: Die Idee, dass induktives Lernen durch umgekehrte Deduktion durchgeführt werden kann, lässt sich auf W. S. Jevons (1874)(31) zurückführen (...).
Computergestützte Untersuchungen begannen mit der bemerkenswerten Doktorarbeit von
Norvig I 800
Gordon Plotkin (1971)(32) in Edinburgh. Obwohl Plotkin viele der Theoreme und Methoden entwickelte, die heute in der ILP verwendet werden, wurde er durch einige unentscheidbare Ergebnisse für bestimmte Unterprobleme bei der Induktion entmutigt. MIS (Shapiro, 1981)(33) führte das Problem des Lernens von Logikprogrammen wieder ein, dies wurde aber hauptsächlich als ein Beitrag zur Theorie der automatisierten Fehlerbehebung (engl. debugging) angesehen. Induktion/Regeln: Arbeiten zur Regelinduktion, wie die Systeme ID3 (Quinlan, 1986)(34) und CN2 (Clark und Niblett, 1989)(35), führten zu FOIL (Quinlan, 1990)(36), das zum ersten Mal die praktische Induktion von relationalen Regeln ermöglichte.
Relationales Lernen: Das Gebiet des relationalen Lernens wurde von Muggleton und Buntine (1988)(37) neu belebt, deren CIGOL-Programm eine leicht unvollständige Version der inversen Auflösung enthielt und in der Lage war, neue Prädikate zu erzeugen. Die Methode der inversen Auflösung erscheint auch in (Russell, 1986)(38), wobei ein einfacher Algorithmus in einer Fußnote angegeben wird. Das nächste große System war GOLEM (Muggleton und Feng, 1990)(39), das einen Abdeckalgorithmus verwendet, der auf Plotkins Konzept der relativ geringsten Verallgemeinerung basiert. ITOU (Rouveirol und Puget, 1989)(40) und CLINT (De Raedt, 1992)(41) waren weitere Systeme aus dieser Zeit.
Natürliche Sprache: In jüngerer Zeit hat PROGOL (Muggleton, 1995)(42) einen hybriden (Top-Down- und Bottom-Up) Ansatz für das inverse Entailment verfolgt und wurde auf eine Reihe praktischer Probleme angewandt, insbesondere in der Biologie und der Verarbeitung natürlicher Sprache.
Ungewissheit: Muggleton (2000)(43) beschreibt eine Erweiterung von PROGOL zur Behandlung von Unsicherheit in Form von stochastischen Logikprogrammen.
Induktive Logik-Programmierung/ILP: Eine formale Analyse der ILP-Methoden erscheint in Muggleton (1991)(44), eine große Sammlung von Artikeln in Muggleton (1992)(45) und eine Sammlung von Techniken und Anwendungen im Buch von Lavrauc und Duzeroski (1994)(46). Page und Srinivasan (2002)(47) geben einen neueren Überblick über die Geschichte des Fachgebiets und die Herausforderungen für die Zukunft. Frühe Komplexitätsergebnisse von Haussler (1989) legen nahe, dass das Lernen von Sätzen erster Ordnung schwer lösbar ist. Mit einem besseren Verständnis der Bedeutung syntaktischer Einschränkungen bei Sätzen (hier engl. clauses) wurden jedoch selbst bei Sätzen mit Rekursion positive Ergebnisse erzielt (Duzeroski et al., 1992)(48). Ergebnisse zur Lernfähigkeit der ILP werden von Kietz und Duzeroski (1994)(49) und Cohen und Page (1995)(50) untersucht.
Entdeckungssysteme/VsILP: Obwohl ILP jetzt der vorherrschende Ansatz für konstruktive Induktion zu sein scheint, war es nicht der einzige Ansatz, der verfolgt wurde. Sogenannte Entdeckungssysteme zielen darauf ab, den Prozess der wissenschaftlichen Entdeckung neuer Konzepte zu modellieren, in der Regel durch eine direkte Suche im Raum der Begriffsdefinitionen. Doug Lenats Automatisierter Mathematiker, oder AM (Davis und Lenat, 1982)(51), verwendete Entdeckungs-Heuristiken, die als Expertensystemregeln ausgedrückt wurden, um seine Suche nach Konzepten und Vermutungen in der elementaren Zahlentheorie zu leiten. Im Gegensatz zu den meisten Systemen, die für mathematisches Denken konzipiert waren, fehlte AM ein Konzept des Beweises und konnte nur Vermutungen anstellen. Es entdeckte Goldbachs Vermutung und den einzigartigen Satz der Primfaktorzerlegung wieder.
Die Architektur von AM wurde im EURISKO-System verallgemeinert (Lenat, 1983)(52), indem ein Mechanismus hinzugefügt wurde, der in der Lage ist, die eigenen Entdeckungs-Heuristiken des Systems neu zu schreiben. EURISKO wurde in einer Reihe von anderen Bereichen als der mathematischen Entdeckung angewandt, wenn auch mit weniger Erfolg als in AM. Die Methodik von AM und EURISKO ist umstritten (Ritchie und Hanna, 1984(53); Lenat und Brown, 1984(54)).



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Norvig I
Peter Norvig
Stuart J. Russell
Artificial Intelligence: A Modern Approach Upper Saddle River, NJ 2010
Wahrheit Dummett II 83
Wahrheit/Dummett: Wahrheit kommt vom Akt des Behauptens. - Eng verwandt: Korrektheit: etwas wahres zu sagen bedeutet, etwas korrektes zu sagen.
II 87ff
Wahrheit/Dummett: Wahrheit ist eine objektive Eigenschaft dessen, was ein Sprecher sagt - und das ist unabhängig vom Wissen des Sprechers oder seiner Äußerungsgründe. - Wahrheit ist durch den primitiveren Begriff der Korrektheit erklärbar. - (Korrektheit stammt aus Sätzen über die Zukunft, Frage, Befehl).
II 115
Wahrheit/Dummett: Wahrheit immer noch notwendig für deduktive Inferenzen. Def gültig/Dummett: eine Inferenz, die wahrheitserhaltend ist.

I 26ff
Korrespondenztheorie/Kohärenztheorie/Dummett: Bedeutung kommt vor Wahrheit ((s) d.h. der Begriff der Bedeutung wird für eine eventuelle Definition der Wahrheit gebraucht)(. Davidson: umgekehrt: Wahrheit kommt vor Bedeutung. (Wahrheitsbedingungen werden später durch die Theorie festgelegt) - Dummett: beide werden zusammen festgelegt!
Gebrauch/Wahrheit/Wittgenstein/Dummett: Die Gebrauchstheorie macht den Wahrheitsbegriff überflüssig. > Bedeutung vor Wahrheit.

III (a) 8/9
Wahrheit/Dummett: besser: Gewinn beim Spiel. - Notwendig: zusätzlich muss man festzustellen, dass das Ziel der Gewinn und nicht Verlust ist. - Zum Begriff der Wahrheit gehört das erklärte Ziel, wahre Aussagen zu machen. DummettVsFrege: Das Ziel der Wahrheit muss vor dem Behaupten feststehen, sonst könnte man denselben Gedanken ausdrücken, ihn aber verneinen.
III (a) 29
Wahrheit/Dummett: In Wirklichkeit geht es meist um die Unterscheidung ausgezeichneter/ nichtausgezeichneter Wahrheitswert. >Wahrheitswert/Dummett.
III (a) 40
Wahrheit/Bedeutung/Dummett: "Es ist gdw. wahr, dass p, wenn..." ist nicht hinreichend. - Gebrauch: dazu muss jedem einzelnen Konditional eine bestimmte Bedeutung verliehen werden! - Wir müssen "Wenn P, so ist es wahr, dass P" schon vorher verstehen.
III (a) 45
Wahrheit/Dummett: das, vermöge dessen eine Aussage wahr ist, ist das, wodurch sie als wahr erkannt werden kann.
Putnam II 214
Wahrheit/Dummett: = Rechtfertigung - Dummett glaubt an endgültige Verifikation. PutnamVsDummett: bloß idealisierte Verifikation ist möglich. - Die Behauptbarkeitsbedingungen für einen beliebigen Satz sind überhaupt nicht überschaubar. >Behauptbarkeitsbedingungen/Searle, >Behauptbarkeitsbedingungen/Soames.
Behauptbarkeitsbedingungen lernen wir durch Aneignung einer Praxis; das ist kein Algorithmus, sie können nicht formalisiert werden - daher kann auch Rationalität nicht formalisiert werden. >Rationalität/Putnam.

Dummett I
M. Dummett
Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992

Dummett II
Michael Dummett
"What ist a Theory of Meaning?" (ii)
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

Dummett III
M. Dummett
Wahrheit Stuttgart 1982

Dummett III (a)
Michael Dummett
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Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

Dummett III (b)
Michael Dummett
"Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144
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Wahrheit, Stuttgart 1982

Dummett III (c)
Michael Dummett
"What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138
In
Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

Dummett III (d)
Michael Dummett
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Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

Dummett III (e)
Michael Dummett
"Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326
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Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

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Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

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Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

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"Irrealism and Deconstruction", 6. Giford Lecture, St. Andrews 1990, in: H. Putnam, Renewing Philosophy (The Gifford Lectures), Cambridge/MA 1992, pp. 108-133
In
Von einem realistischen Standpunkt, Vincent C. Müller Reinbek 1993

Putnam II
Hilary Putnam
Repräsentation und Realität Frankfurt 1999

Putnam III
Hilary Putnam
Für eine Erneuerung der Philosophie Stuttgart 1997

Putnam IV
Hilary Putnam
"Minds and Machines", in: Sidney Hook (ed.) Dimensions of Mind, New York 1960, pp. 138-164
In
Künstliche Intelligenz, Walther Ch. Zimmerli/Stefan Wolf Stuttgart 1994

Putnam V
Hilary Putnam
Vernunft, Wahrheit und Geschichte Frankfurt 1990

Putnam VI
Hilary Putnam
"Realism and Reason", Proceedings of the American Philosophical Association (1976) pp. 483-98
In
Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994

Putnam VII
Hilary Putnam
"A Defense of Internal Realism" in: James Conant (ed.)Realism with a Human Face, Cambridge/MA 1990 pp. 30-43
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994

SocPut I
Robert D. Putnam
Bowling Alone: The Collapse and Revival of American Community New York 2000
Wahrheit Peacocke II 185
Wahrheit/Peacocke: zwei Arten:(i) Was in Englisch ausgedrückt wird, durch "was er sagte" wenn man weiß, dass der andere die Wahrheit sagte (ii) Der in dem Sinn, wie man ""das ist langweilig" ist wahr" behaupten kann, wenn jemand das zu einer Zeit äußert und gelangweilt ist.
ad (ii): kann in Existenz-Quantifikation ausgedrückt werden: "es gibt einen Satz"
ad(i): kann nicht durch (ii) ausgedrückt werden.
Lösung: Sagen und Wahrheit (plus Angemessenheit) müssen in Begriffen der aktualen Sprache definiert werden.
Problem: das bringt semantisches Vokabular herein - (Bsp Schach: Gewinnen muss extern definiert sein: >Gewinn/Dummett).
II 187
Wahrheit/Tarski/aktuale Sprache/Peacocke: der Wahrheitsbegriff in den Satzschemata ist nicht der allgemeine Wahrheitsbegriff (ähnlich wie Bsp der allgemeine Begriff des Gewinnens neben dem Schachspiel.

Peacocke I
Chr. R. Peacocke
Sense and Content Oxford 1983

Peacocke II
Christopher Peacocke
"Truth Definitions and Actual Languges"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976
Wahrheitswert Dummett I 11 f
Def Wahrheitswert/Frege: Der Wahrheitswert des Satzes ist der Bezug - die (Fregesche) "Bedeutung" - des Satzes.
I 20f
Wahrheitswert/Dummett: Angenommen, die Bedingungen für wahr/falsch wären genannt, die beiden Wahrheitswerte aber nur mit A und B kenntlich gemacht, dann wäre es unmöglich, herauszubekommen, welcher - A oder B - für wahr stünde. Man müsste mindestens an einem Mustersatz erkennen, welches Gewicht die Sprecher der assertorischen Äußerung dieses Satzes beimessen. (>Manifestation), >Theorie der Kraft/Dummett.

II 112
Def nicht-ausgezeichneter Wahrheitswert/Dummett: Die Weise, wie ein Satz falsch sein kann. Def ausgezeichneter Wahrheitswert/Dummett: Die Weise, wie ein Satz wahr sein kann. - Das ist irrelevant für Atomsätze, nur relevant für die Weise, wie sie zu einem komplexen Satz beitragen - d.h. was die Bedingung für einen ausgezeichneten Wahrheitswert für einen zusammengesetzten Satz ist. - Der Wahrheitswert des Gesamtsatzes erwächst nicht einfach aus den Wahrheitswerten der Teilsätze - bzw. die Teilsätze tragen nicht nur ihre eigenen Wahrheitswert bei. - Wenn wir eine Bedeutungstheorie für die ganze Sprache hätten, könnten wir vielleicht dennoch nicht die Bedeutungen der logischen Konstanten durch Verifikation der Teilsätze erklären. - ((s) Dies sind drei Formulierungen für denselben Sachverhalt). Vgl. >Kompositionalität.

III (a) 20
Wahrheitswert/Dummett: Der Wahrheitswert erwächst nicht aus der Eigenschaft von Aussagen, sondern aus dem Verhalten. - Vergleich mit Wette/Befehl: bedingt: Das Antezedens liegt in der Macht des Empfängers:
II (a) 21
Bedingter Befehl: hier gibt es eine Lücke: Bsp Wenn das Kind nicht hinausgeht, kann es den Mantel nicht vergessen haben. "Unbedingter Befehl": = materiales Konditional: hier gibt es keine Lücke
III (a) 20
Bedeutung/Wahrheitswert/Wette/Befehl/Dummett: Es gibt eine Asymmetrie: Angenommen, Ungehorsam führt eindeutig zum Recht auf Missbilligung - Gehorsam führt nicht zum Recht auf Belohnung. Konsequenz: Wahrheitswerte können eher aus Wetten (Gewinn/Verlust) als aus Befehlsverhalten gewonnen werden.
III (a) 28
Ausgezeichneter Wahrheitswert/Dummett: wahr oder Konditional mit falschen Vorderglied (EFQ, >ex falso quodlibet). Nichtausgezeichneter Wahrheitswert: falsch oder der Bezugsgegenstand existiert nicht ( Bsp >Einhörner, >Nichtexistenz).
Gültig/mehrwertige Logik: Gültig in mehrwertiger Logik sind die Formeln, die für jede Zuordnung einen ausgezeichneten Wahrheitswert haben. >Mehrwertige Logik.

Dummett I
M. Dummett
Ursprünge der analytischen Philosophie Frankfurt 1992

Dummett II
Michael Dummett
"What ist a Theory of Meaning?" (ii)
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

Dummett III
M. Dummett
Wahrheit Stuttgart 1982

Dummett III (a)
Michael Dummett
"Truth" in: Proceedings of the Aristotelian Society 59 (1959) pp.141-162
In
Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

Dummett III (b)
Michael Dummett
"Frege’s Distiction between Sense and Reference", in: M. Dummett, Truth and Other Enigmas, London 1978, pp. 116-144
In
Wahrheit, Stuttgart 1982

Dummett III (c)
Michael Dummett
"What is a Theory of Meaning?" in: S. Guttenplan (ed.) Mind and Language, Oxford 1975, pp. 97-138
In
Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

Dummett III (d)
Michael Dummett
"Bringing About the Past" in: Philosophical Review 73 (1964) pp.338-359
In
Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982

Dummett III (e)
Michael Dummett
"Can Analytical Philosophy be Systematic, and Ought it to be?" in: Hegel-Studien, Beiheft 17 (1977) S. 305-326
In
Wahrheit, Michael Dummett Stuttgart 1982
Wahrheitswert Quine VII (d) 71
Propositionaler Kalkül/Ununterscheidbarkeit/theoretische Termini/Quine: "p", "q" usw. beziehen sich auf propositionale Begriffe, was immer sie sein mögen. Aber wir wissen, daß propositionale Begriffe wie Wahrheitswerte nicht unterscheidbar sind in Begriffen des Kalküls, die Ausdruckskraft des Kalküls ist beschränkt.
VII (f) 112
Wahrheitswerte/Quine: können als abstrakten Entitäten zugelassen werden.
VII (f) 115
Wahrheitwert/Quine: keine abstrakte Entität, an die wir mit Behauptungen appellieren.
VII (i) 154
Reichweite/Russell: ein Wechsel in der Reichweite einer Kennzeichnung ist neutral gegenüber dem Wahrheitswert eines beliebigen Satzes. Quine: aber nur, wenn die Kennzeichnung etwas bezeichnet.
Lauener XI 38
Quantifikation/Lauener/(s): nur quantifizierten Sätzen können Wahrheitswerte zugeschrieben werden.
Quine I 226
Vagheit/Quine: lässt die Wahrheitswerte unangetastet. Daher kann sie nützlich sein.
I 263ff
Wahrheitswert/Intension/Extension/Quine: in extensionalen Kontexten darf ein singulärer Term durch einen gleichbezeichnenden singulären Term ersetzt werden, ohne dass sich der Wahrheitswert des Satzes ändert. Das geht nicht in opaken (intensionalen) Kontexten.
I 266
Opakte Kontexten/Wahrheitswert/Frege: in einer Konstruktion mit einer propositionalen Einstellungen darf ein Satz oder Terminus keine Wahrheitswerte, keine Klasse und kein Individuum bezeichnen, sondern funktioniert als "Name eines Gedankens" oder Name einer Eigenschaft oder eines "Individuenbegriffs". ((s) In nicht-intensionalen Kontexten bezeichnet ein Satz bei Frege einen Wahrheitswert, "Das Wahre", oder "Das Falsche". > "Große Tatsache", >"Slingshot-Argument").
II 192
Aus heutiger Sicht ist die Quantorenlogik nichts weiter als eine Weiterentwicklung der Logik der Wahrheitsfunktionen. Der Wahrheitswert einer Wahrheitsfunktion lässt sich anhand der Wahrheitswerte der Argumente berechnen. Wieso wird dann Quantorenlogik dadurch nicht entscheidbar mittels Wahrheitstafeln? Dieses Gültigkeitskriterium wäre zu streng, weil die quantifizierten Teilausdrücke nicht immer unabhängig voneinander sind.
Manche Teilausdrücke könnten sich als nicht wahr herausstellen, sind aber bei näherer Betrachtung einer Zuordnung zu Wahrheitswerten unwürdig. Siehe auch >Wahrheitswerttabellen.

III 281
Wahrheitswert/Existenz/Nichtexistenz/Ontologie/Logik/Quine: welchen Wahrheitswert haben Sätze wie Bsp „Zerberus bellt“?. (Siehe auch >Einhorn-Beispiel). Die Antwort „falsch“ wäre voreilig.
III 282
Problem: zu allen Sätzen, die dann falsch wären, gäbe es eine Negation, die dann wahr wäre! Unsere Ableitungsmethoden beweisen nichts für den Fall, dass es das Objekt nicht gibt. Was zu beweisen wäre, beruht auf einer nichterfüllten Voraussetzung. Wahrheitswertlücke/Quine: stammt aus der Alltagsprache, in der Logik müssen wir sie füllen. Und sei es willkürlich. Jeder Satz soll einen Wahrheitswert (wahr oder falsch) haben.
Das war der Grund für die bequeme Erweiterung des Begriffs des Konditionals in § 3,m die allgemein einen WW für das gesamte Konditional zuließ. Eine ähnliche Erweiterung brauchen wir jetzt für sing Term, die nichts bezeichnen.
Das geht aber nicht durch eine allumfassende Entscheidung. Wohl aber geht das für einfache Sätze, aus denen wir Regeln für zusammengesetzte Sätze ableiten.
Def einfaches Prädikat: ist ein Prädikat, wenn es nicht explizit die Form einer Quantifikation, Negation, Konjunktion, Alternation usw. von kürzeren Bestandteilen hat.
Wird ein einfaches Prädikat auf einen singulären Term angewendet, der nichts bezeichnet, soll der betreffende Satz als falsch gelten. Dann ist Bsp „Zerberus bellt“ falsch, weil er eine Anwendung des Prädikats „[1] bellt“ auf „Zerberus“ darstellt.

V 112
Wahrheitswerte/Sprachlernen/Quine: Wahrheitswerte entsprechen einer fortgeschritteneren Stufe des Lernens. Anhand verschiedener Theorien für verschiedene Gegenstandsgebiete
V 113
lernen wir schließlich, (wenn überhaupt), welches Urteil man in den unbestimmten Fällen der Konjunktion oder Alternation in der Mitte der Tafel abgeben soll. Logik/Sprachlernen/Quine: die zweiwertige Logik ist ein theoretisches Produkt, das wie alle Theorie nur mittelbar gelernt wird. Wie, darüber können wir nur spekulieren.

VI 128
Singuläre Termini/Wahrheitswert/Sinn/zweiwertige Logik/Einhorn/Quine: im Falle bezugsloser singulärer Termini oder fehlgeschlagener Kennzeichnungen kennen wir den Wahrheitswert vielleicht nicht. Es ist nicht gewinnbringend, solche Sätze als sinnlos zu bezeichnen, da die Existenz des Objekts sich (Bsp Pluto) herausstellen könnte. Es geht zwar in Ordnung, den Wahrheitswert offen zu lassen, aber nicht den Sinn eines Satzes!
VI 129
Singuläre Termini/Wahrheitswert/Sinn/zweiwertige Logik/Einhorn/Quine: im Falle bezugsloser singulärer Termini oder fehlgeschlagener Kennzeichnungen kennen wir den Wahrheitswert vielleicht nicht. Es ist nicht gewinnbringend, solche Sätze als sinnlos zu bezeichnen, da die Existenz des Objekts sich (Bsp Pluto) herausstellen könnte. Es geht zwar in Ordnung, den Wahrheitswert offen zu lassen, aber nicht den Sinn eines Satzes!
VI 131
Antirealismus/Satz vom ausgeschlossenen Dritten/Dummett/Quine: Dummett wendet sich mit erkenntnistheoretischen Argumenten gegen den Satz vom ausgeschlossenen Dritten. (Auch Brouwer): Kein Satz ist wahr oder falsch, solange kein Verfahren zur Feststellung des Wahrheitswertes bekannt ist.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987

Q XI
H. Lauener
Willard Van Orman Quine München 1982
Wahrnehmung Hegel Höffe I 328
Wahrnehmung/Phänomenologie/Hegel/Höffe: [am Anfang der Phänomenologie steht] das unmittelbare Wissen, die sinnliche Gewissheit. Nach ihrem Selbstverständnis hat sie von ihrem «Gegenstande noch nichts weggelassen», so dass sie als die umfassendste und «wahrhafteste» Erkenntnis erscheint. Sie richtet sich jedoch auf ein «Dieses» im «Jetzt» und «Hier». Diese Wahrheit kann durch ihr Aufschreiben, erklärt Hegel, nicht verlorengehen: «Dieses hier und jetzt» kann zum BeiSpiel mein Stehpult um 9.30 Uhr in meinem Arbeitszimmer sein (...) und so weiter. Folglich liegt die Wahrheit des «Dieses» in allem «Diese», entsprechend die Wahrheit des «Jetzt» in allem Jetzt, mithin nicht in einer unmittelbaren, zugleich nichts weglassenden Wahrheit, sondern in einem inhaltslosen Allgemeinen.
Inhalt/Zeigen/Meinen: Dieses gewinnt erst dann einen Inhalt, wenn man das Ding meint, auf das man beim «Dieses» zeigt. Dieses Dinges, (...) ist man sich aber nicht mehr unmittelbar gewiss, sondern man nimmt es wahr, womit man die zweite Bewusstseinsstufe erreicht: Nach der sinnlichen Gewissheit von Diesem, Hier und Jetzt findet man sich auf der Stufe der Wahrnehmung eines Dinges.(1) >Wissen/Hegel.


1. Hegel, Phänomenologie des Geistes, 1807
Ware Klein Brocker I 930
Ware/Klein: Global agierende Unternehmen produzieren Marken, nicht Produkte – Bsp Nike ist kein Hersteller von Sportschuhen, Nike verkauft die Phantasmagorie,durch körperliche Anstrengung die eigene Körperlichkeit zu transzendieren; Bsp Starbucks verkauft in seinen 25 000 Filialen (Stand 2016) nicht Kaffee, sondern das Gefühl von Gemeinschaft und Zugehörigkeit; Bsp Body-Shop-Gründerin Anita Roddick geht es nach eigener Aussage nicht darum, Kosmetikartikel zu verkaufen, sondern um eine »politische[n] Philosophie über die Frau, die Umwelt und ethische Geschäftsführung« (1) Produkt/Ware: Dabei werden die Produkte selbst ((s) ohne besondere Eigenschaften) in transzendente Sinnvermittlungsmaschinen verwandelt (2). Die neue Komponenten der Waren kann man nach Klein nur als „spirituell“ bezeichnen.(3)


1. Naomi Klein, No Logo: Taking Aim at the Brand Bullies, Toronto 2000. (Tenth Anniversary Edition with a New Introduction by the Author, New York 32010.) Dt.: Naomi Klein, No Logo! Der Kampf der Global Players um Marktmacht – Ein Spiel mit vielen Verlierern und wenigen Gewinnern, Frankfurt/M. 2015 (zuerst 2001) S. 42
2. Ebenda S. 82
3. Ebenda S. 39



Christine Bauhardt, „Naomi Klein, No Logo! (2000)“ in: Manfred Brocker (Hg.) Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert. Frankfurt/M. 2018

Brocker I
Manfred Brocker
Geschichte des politischen Denkens. Das 20. Jahrhundert Frankfurt/M. 2018
Weltanschauung Gadamer Gadamer I 103
Weltanschauung/Hegel/Gadamer: Der (...) Begriff der Weltanschauung [taucht] bei Hegel zuerst in
Gadamer I 104
der „Phänomenologie des Geistes“(1) zur Kennzeichnung von Kants und Fichtes postulatorischer Ergänzung der sittlichen Grunderfahrung zu einer moralischen Weltordnung auftaucht, gewinnt erst in der Ästhetik seine eigentliche Prägung. Es ist die Vielheit und der mögliche Wandel der Weltanschauungen, der dem Begriff „Weltanschauung“ den uns vertrauten Klang verliehen hat.(2) Dafür aber ist die Geschichte der Kunst das führende Beispiel, weil diese geschichtliche Vielheit sich nicht in die Einheit eines Fortschrittsziels auf die wahre Kunst hin aufheben lässt. Freilich hat Hegel die Wahrheit der Kunst nur dadurch anerkennen können, dass er sie im begreifenden Wissen der Philosophie überbot und die Geschichte der Weltanschauungen, wie die Weltgeschichte und die Geschichte der Philosophie, vom vollendeten Selbstbewusstsein der Gegenwart aus konstruierte. >Wahrheit der Kunst/Hegel.


1. G.W.F. Hegel, Phänomenologie des Geistes, ed. Hoffmeister, S. 424ff.
2. Das Wort „Weltanschauung“ (vgl. A. Götze, Euphorion 1924) hält den Bezug auf den mundus sensibilis anfangs noch fest, selbst bei Hegel, sofern es die Kunst ist, in deren Begriffe die wesentlichen Weltanschauungen liegen (Aesth. Il, 131). Da aber nach Hegel die Bestimmtheit der Weltanschauung für den heutigen Künstler etwas Vergangenes ist, ist die Vielheit und Relativität der Weltanschauungen eine Sache der Reflexion und der Innerlichkeit geworden.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Wesen Cavell I 277
Wissen/Schmerz/Skeptizismus/Nonfaktualismus/Tatsache/Putnam: wir können leicht sehen, dass die speziellen Tatsachen, die sich darauf beziehen, wann wir "wissen" sagen und wann nicht, nicht einfach nur im Sinne eines Gegensatzes zu angenommenen "semantischen" Eigenschaften der gewöhnlichen Sprache "pragmatisch" sind. Wenn wir annehmen, es sei möglich, in jedem Kontext von "Wissen" in einem behauptenden Sinn zu sprechen, wird der Skeptiker Gewinnen, indem er Beweise verlangt, die wir nicht geben können.
Stroud: "behauptender Sinn" = "buchstäblicher Gebrauch" von "Wissen". (Terminologie). D.h. dass Fragen wie "Was sind deine Beweise" angemessen sind.
Wissen/Putnam: die Sprachspiele mit "wissen" in der behauptenden Funktion gelingen gerade deshalb, weil es Kontexte gibt, in denen das Wort "wissen" sinnlos ist! (> Moores Hände).



II 191
Wissen/Situation/Cavell: es kommt vor, dass wir über eine Situation alles wissen, aber nicht wissen: "was ist x?" Diese Frage wird dann sehr rätselhaft und zwar in genau dem Sinn, in dem auch die ganze Philosophie rätselhaft ist. Wir müssen uns (mit Sokrates) daran erinnern, was wir normalerweise sagen würden.
"Was würden wir hier sagen?" ist gleichbedeutend mit "Welche Situation liegt hier vor?"

Cavell I
St. Cavell
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen Frankfurt 2002

Cavell I (a)
Stanley Cavell
"Knowing and Acknowledging" in: St. Cavell, Must We Mean What We Say?, Cambridge 1976, pp. 238-266
In
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002

Cavell I (b)
Stanley Cavell
"Excursus on Wittgenstein’s Vision of Language", in: St. Cavell, The Claim of Reason, Wittgenstein, Skepticism, Morality, and Tragedy, New York 1979, pp. 168-190
In
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Stanley Cavell Frankfurt/M. 2002

Cavell I (c)
Stanley Cavell
"The Argument of the Ordinary, Scenes of Instruction in Wittgenstein and in Kripke", in: St. Cavell, Conditions Handsome and Unhandsome: The Constitution of Emersonian Perfectionism, Chicago 1990, pp. 64-100
In
Die Unheimlichkeit des Gewöhnlichen, Davide Sparti/Espen Hammer (eds.) Frankfurt/M. 2002

Cavell II
Stanley Cavell
"Must we mean what we say?" in: Inquiry 1 (1958)
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995
Wirtschaftswachstum Acemoglu Acemoglu I 83
Wirtschaftswachstum/Acemoglu/Robinson: Politische und wirtschaftliche Institutionen, die letztlich die Wahl der Gesellschaft sind, können integrativ sein und wirtschaftliches Wachstum fördern. Sie können aber auch extraktiv sein und zu Hindernissen für das Wirtschaftswachstum werden. Nationen scheitern, wenn sie über extraktive Wirtschaftsinstitutionen verfügen, die von extraktiven politischen Institutionen unterstützt werden, die das Wirtschaftswachstum behindern und sogar blockieren. Aber das bedeutet, dass die Wahl der Institutionen - d.h. die Politik der Institutionen - von zentraler Bedeutung für unser Bemühen ist, die Gründe für den Erfolg und das Scheitern von Nationen zu verstehen. >Institutionen/Acemoglu, >Politische Institutionen/Acemoglu. Frage: Würde nicht jeder Bürger, jeder Politiker und sogar ein räuberischer Diktator sein Land so wohlhabend wie möglich machen wollen?
Acemoglu I 84
Leider ist die Antwort für die Bürger vieler Länder der Welt "nein". Wirtschaftsinstitutionen, die Anreize für wirtschaftlichen Fortschritt schaffen, können gleichzeitig Einkommen und Macht so umverteilen, dass ein räuberischer Diktator und andere mit politischer Macht schlechter gestellt werden können. Institutionen: Das Grundproblem ist, dass es zwangsläufig zu Streitigkeiten und Konflikten über wirtschaftliche Institutionen kommen wird. Verschiedene Institutionen haben unterschiedliche Folgen für den Wohlstand einer Nation, wie dieser Wohlstand verteilt wird und wer die Macht hat. Das wirtschaftliche Wachstum, das durch Institutionen induziert werden kann, schafft sowohl Gewinner als auch Verlierer. Auch wenn die Mechanisierung zu enormen Steigerungen der Gesamteinkommen führte und letztlich zur Grundlage der modernen Industriegesellschaft wurde, wurde sie von vielen erbittert bekämpft. Nicht aus Unwissenheit oder Kurzsichtigkeit, ganz im Gegenteil. Vielmehr hat ein solcher Widerstand gegen wirtschaftliches Wachstum seine eigene, leider kohärente Logik.
>Institutionen/Acemoglu.
Schumpeter: Wirtschaftswachstum und technologischer Wandel gehen einher mit dem, was der große Wirtschaftswissenschaftler Joseph Schumpeter kreative Zerstörung nannte: Neue Firmen nehmen den etablierten Unternehmen das Geschäft weg. Neue Technologien machen vorhandene Fähigkeiten und Maschinen überflüssig.
Konservatismus: Der Prozess des Wirtschaftswachstums und die integrativen Institutionen, auf denen es beruht, schaffen sowohl Verlierer als auch Gewinner in der politischen Arena und auf dem wirtschaftlichen Markt. Die Furcht vor kreativer Zerstörung ist oft die Wurzel der Opposition gegen integrative wirtschaftliche und politische Institutionen.
Acemoglu I 86
Die Logik, warum die Mächtigen nicht notwendigerweise die wirtschaftlichen Institutionen schaffen wollen, die den wirtschaftlichen Erfolg fördern, erstreckt sich leicht auf die Wahl der politischen Institutionen.
Acemoglu I 92
Extraktive Institutionen: Es gibt zwei unterschiedliche, aber sich ergänzende Möglichkeiten, wie Wachstum unter extraktiven politischen Institutionen entstehen kann. 1) (...) selbst wenn die Wirtschaftsinstitutionen extraktiv sind, ist Wachstum möglich, wenn die Eliten Ressourcen direkt für hochproduktive Aktivitäten einsetzen können, die sie selbst kontrollieren. Ein BeiSpiel dafür ist das Wirtschaftswachstum und die Industrialisierung der Sowjetunion vom ersten Fünfjahresplan 1928 bis in die 1970er Jahre. Die politischen und wirtschaftlichen Institutionen waren in hohem Maße extraktiv, und die Märkte waren stark eingeschränkt. Dennoch war die Sowjetunion in der Lage, ein rasches Wirtschaftswachstum zu erzielen, weil sie die Macht des Staates nutzen konnte, um Ressourcen aus der Landwirtschaft, wo sie sehr ineffizient genutzt wurden, in die Industrie zu verlagern.
2) Die zweite Art von Wachstum unter extraktiven politischen Institutionen entsteht, wenn die Institutionen die Entwicklung von etwas, wenn auch nicht vollständig integrativen wirtschaftlichen Institutionen zulassen. >Institutionen/Acemoglu.
Acemoglu I 124
Wachstum mit extraktiven Institutionen: (...) wenn die meisten Gesellschaften in der Geschichte auf extraktiven politischen und wirtschaftlichen Institutionen basieren, bedeutet dies dann, dass Wachstum nie stattfindet? Offensichtlich nicht. Extraktive Institutionen müssen nach ihrer eigentlichen Logik Wohlstand schaffen, damit er extrahiert werden kann. Ein Herrscher, der die politische Macht monopolisiert und die Kontrolle über einen zentralisierten Staat hat, kann ein gewisses Maß an Recht und Ordnung und ein Regelsystem einführen und die Wirtschaftstätigkeit ankurbeln.
Acemoglu I 149
Das Wachstum, das durch extraktive Institutionen (>Terminologie/Acemoglu) erzeugt wird, unterscheidet sich in seiner Art stark von dem Wachstum, das durch integrativen Institutionen erzeugt wird (...). Am wichtigsten ist, dass es nicht nachhaltig ist. Es liegt in ihrer Natur, dass extraktive Institutionen keine schöpferische Zerstörung fördern und bestenfalls einen begrenzten Umfang an technologischem Fortschritt erzeugen. Das Wachstum, das sie hervorbringen, hält daher nur so lange an. >Sowjetunion/Acemoglu.

Acemoglu II
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Economic origins of dictatorship and democracy Cambridge 2006

Acemoglu I
James A. Acemoglu
James A. Robinson
Why nations fail. The origins of power, prosperity, and poverty New York 2012
Wissen Hegel Gadamer I 361
Wissen/Absolutes Wissen/Hegel/Gadamer: Nach Hegel ist es (...) notwendig, dass der Weg der Erfahrung des Bewusstseins zu einem Sichwissen führt, das überhaupt kein Anderes, Fremdes mehr außer sich hat. Für ihn ist die Vollendung der Erfahrung die „Wissenschaft“, die Gewissheit seiner selbst im Wissen. Der Maßstab, unter dem er Erfahrung denkt, ist also der des Sichwissens. Daher muss die Dialektik der Erfahrung mit der Überwindung aller Erfahrung enden, die im absoluten Wissen, d. h. in der vollständigen Identität von Bewusstsein und Gegenstand erreicht ist. >Erfahrung/Hegel.


Höffe I 328
Wissen/Phänomenologie/Hegel/Höffe: [am Anfang der Phänomenologie steht] das unmittelbare Wissen, die sinnliche Gewissheit. Nach ihrem Selbstverständnis hat sie von ihrem «Gegenstande noch nichts weggelassen», so dass sie als die umfassendste und «wahrhafteste» Erkenntnis erscheint. Sie richtet sich jedoch auf ein «Dieses» im «Jetzt» und «Hier». Dies/hier/jetzt/Hegel: Diese Wahrheit kann durch ihr Aufschreiben, erklärt Hegel, nicht verlorengehen: «Dieses hier und jetzt» kann zum BeiSpiel mein Stehpult um 9.30 Uhr in meinem Arbeitszimmer sein (...) und so weiter. Folglich liegt die Wahrheit des «Dieses» in allem «Diese», entsprechend die Wahrheit des «Jetzt» in allem Jetzt, mithin nicht in einer unmittelbaren, zugleich nichts weglassenden Wahrheit, sondern in einem inhaltslosen Allgemeinen.
Inhalt/Zeigen/Meinen: Dieses Gewinnt erst dann einen Inhalt, wenn man das Ding meint, auf das man beim «Dieses» zeigt. Dieses Dinges, (...) ist man sich aber nicht mehr unmittelbar gewiss, sondern man nimmt es wahr, womit man die zweite Bewusstseinsstufe erreicht: Nach der sinnlichen Gewissheit von Diesem, Hier und Jetzt findet man sich auf der Stufe der Wahrnehmung eines Dinges.
Absolutes Wissen: Seinen Höhepunkt und zugleich die Endstufe der damit begonnenen Erfahrung mit sich selbst gewinnt das Bewusstsein im Standpunkt der spekulativen Philosophie, dem (...) erst von ihm erreichten «absoluten Wissen». >Spekulative Philosophie/Hegel, >Spekulative Philosophie/Gadamer.
Dialektik/Stufen: Gemäß der Dialektik werden die verschiedenen Gestalten nicht nebeneinander platziert, vielmehr erscheinen sie in einer Hierarchie, die dem Bewusstsein aber nicht von außen herangetragen wird. Sie ergibt sich aus den Erfahrungen, die das Bewusstsein mit sich selbst macht.(1)


1. Hegel, Phänomenologie des Geistes, 1807

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Wissenschaft Merton Surowiecki I 224
Wissenschaft/Surowiecki: das Entgelt der Wissenschaftler besteht in ihrem Gewinn von Aufmerksamkeit durch Kollegen. Wissenschaft/Merton: In der Wissenschaft wird Privateigentum dadurch begründet, dass man seine Substanz weggibt.“ (1)
Surowiecki I 226
Merton: These: So etwas wie eine wissenschaftliche Wahrheit, an die nur eine Person glaubt und die von der übrigen Wissenschaftsgemeinschaft bezweifelt wird, gibt es nicht. Ein Gedanke wird erst dann zur Wahrheit, wenn eine überwiegende Mehrheit von Wissenschaftlern sie zweifelsfrei akzeptiert. (…) Das ist gemeint mit dem Ausdruck vom „Beitrag zur Wissenschaft“: er ist immer provisorisch (…). (2)
Surowiecki I 228
Matthäus-Effekt/Terminologie/Merton/Surowiecki: (in Anspielung auf die Verse des Matthäus-Evangeliums, „Wer hat, dem wird gegeben“): die meisten wissenschaftlichen Abhandlungen finden kaum Leser, während ein geringer Teil sich vieler Leser erfreut. Berühmte Wissenschaftler werden erheblich öfter zitiert. Wenn ein berühmter Wissenschaftler mit anderen zusammenarbeitet, wird ihm ein größerer Anteil am Resultat zugeschrieben. Wenn zwei Teams oder zwei Wissenschaftler zeitgleich eine Entdeckung machen, werden dem berühmteren die Lorbeeren zugeschrieben. Surowiecki: den Matthäus-Effekt kann man durchaus als heuristisches Verfahren verstehen: es dient als Sieb, den immensen Informationsfluss zu kanalisieren.


1. Robert K. Merton, »The Matthew Effect«, Science 159/1968), S. 56-63.
2. Robert K. Merton, »The Matthew Effect (II) – Cumulative Advantage and the Symbolism of Intellectual Property«, Property«, Isis 79/1988, S. 606-623.


SocMerton I
Robert K. Merton
Social Theory and Social Structure New York 1968

Surowi I
James Surowiecki
Die Weisheit der Vielen: Warum Gruppen klüger sind als Einzelne und wie wir das kollektive Wissen für unser wirtschaftliches, soziales und politisches Handeln nutzen können München 2005
Wohlfahrtsstaat Politische Theorien Gaus I 210
Wohlfahrtsstaat/Politische Philosophie/Moon: Einige der Programme des Wohlfahrtsstaates, wie z.B. öffentliche Schulen und Altersrenten, wurden erstmals im 19. Jahrhundert entwickelt, aber das, was man den "institutionellen" Wohlfahrtsstaat nennen könnte, entstand erst nach dem Ersten Weltkrieg, als die meisten demokratischen Länder eine mehr oder weniger integrierte Palette von Programmen der Wohlfahrtsversorgung und der Politik der Wirtschaftsverwaltung einführten. Der institutionelle Wohlfahrtsstaat zeichnet sich durch eine Reihe von Programmen aus, die darauf ausgerichtet sind, unterschiedliche Bedürfnisse zu befriedigen und Sicherheit gegen verschiedene Eventualitäten zu bieten. Brian Barry: Zumindest als Ideal, wie Brian Barry (1990)(1) hervorhebt, würde der institutionelle Wohlfahrtsstaat nicht einmal ein allgemeines Sicherheitsnetz erfordern, da spezialisierte Programme all die verschiedenen Bedingungen abdecken würden, die Menschen daran hindern, ihre Bedürfnisse zu befriedigen. In Wirklichkeit wird es natürlich immer einige geben, die zwischen die Risse fallen, und deshalb muss der Wohlfahrtsstaat über ein Programm der "Sozialhilfe" verfügen, um die verbleibenden Fälle abzudecken. Die Entstehung des institutionellen Wohlfahrtsstaates spiegelt sich in dem enormen Wachstum der Staatsausgaben zur Finanzierung seiner Programme wider, sowohl in absoluten Zahlen als auch im Verhältnis zum Volkseinkommen. Im Vereinigten Königreich zum BeiSpiel stiegen die Sozialausgaben von weniger als 6 Prozent des BSP im Jahr 1920 auf 25 Prozent im Zeitraum 1996-7 (Barr, 1998(2): 171).
Politische Theorien zum Wohlfahrtsstaat: Studierende des Wohlfahrtsstaates haben eine Vielzahl von Klassifikationen von Wohlfahrtsregimen angeboten und sind sich nicht einmal darüber einig, ob bestimmte Länder (insbesondere die USA) überhaupt als Wohlfahrtsstaaten gelten. Einige Studierende der Wohlfahrtspolitik betonen den Unterschied zwischen selektiven und universellen Wohlfahrtsstaaten (z.B. Rothstein, 1998)(3); andere unterscheiden liberale, korporatistische und sozialdemokratische Regime (z.B. Esping- Andersen, 1990)(4); wieder andere unterscheiden zwischen sozialdemokratisch und christdemokratisch, liberale und Lohnempfänger-Wohlfahrtsstaaten (Huber und Stephens, 2001)(5).
Eher philosophisch orientierte Theoretiker stellen den Wohlfahrtsstaat in den Kontext unterschiedlicher politischer Denktraditionen und unterschiedlicher Ideale und/oder Rechtfertigungsmuster. So diskutieren einige den Minimalstaat und die Argumente für und gegen ihn (z.B. Nozick, 1974(6); Schmidtz und Goodin, 1998(7)); andere betrachten den "Rest"- gegenüber dem "institutionellen" Wohlfahrtsstaat (z.B. Barry, 1999)(8); wieder andere finden vier verschiedene Stränge, Laissez-faire, Feminismus, Sozialismus und Fabianismus (Clarke, Cochrane und Smart, 1987(9)). Während die meisten anerkennen, dass Klasse ein Hauptanliegen des Wohlfahrtsstaates ist, sehen immer mehr Theoretiker, dass das Geschlecht mindestens ebenso wichtig ist (Gordon, 1990(10); Fraser, 1997(11)).
Moon: Als politische Formation neigt der Wohlfahrtsstaat dazu, Theoretiker zu spalten, die in anderer Hinsicht die gleiche Ansicht
Gaus I 211
der Politik vertreten. So gehören zu den Verteidigern und Kritikern des Wohlfahrtsstaates auch Menschen, die sich (unter anderem) als Konservative, Liberale, Kommunitaristen, Sozialisten und Postmodernisten identifizieren, und so finden sich sowohl seine Kritiker als auch seine Verteidiger mit seltsamen Verbündeten und Gegnern. Gemeinsame Merkmale: Trotz der oben erwähnten großen Variabilität weisen Wohlfahrtsstaaten wichtige gemeinsame Merkmale auf; vier der wichtigsten sind ein demokratisches politisches System, eine weitgehend private Marktwirtschaft, eine breite Palette öffentlicher Programme, die von Rechts wegen monetäre Unterstützung oder Dienstleistungen bereitstellen, und eine aktive Rolle des Staates bei der Steuerung der Wirtschaft, um den Konjunkturzyklus zu dämpfen und wirtschaftliche Aktivitäten zu regulieren.
Effizienz: (...) viele Wohlfahrtsleistungen werden durch Markttransaktionen erbracht, wie z.B. der Kauf von Lebens- oder Krankenversicherungen. Warum also sollte der Staat an der Bereitstellung von Wohlfahrt beteiligt sein, entweder direkt in Form spezifischer Dienstleistungen (wie Gesundheitsversorgung oder Bildung) oder in Form von Ressourcen oder Einkommen, um die Menschen in die Lage zu versetzen, ihre eigenen Bedürfnisse zu befriedigen? Schließlich beinhalten Regierungsprogramme sowohl ein Element des Zwangs als auch der Uniformität.
Gaus I 212
Markt: Als Alternative zur staatlichen Bereitstellung wird häufig der Markt angesehen, auf dem gewinnorientierte Unternehmen den Verbrauchern Waren und Dienstleistungen anbieten. Dies ist jedoch eine zu starke Vereinfachung, da auch Familien und freiwillige Vereinigungen eine Schlüsselrolle spielen. Private Vorsorge: Der Aufstieg des Wohlfahrtsstaates mit seinen Pflichtprogrammen hat zum Niedergang vieler dieser freiwilligen Vereinigungen und privaten Unternehmen geführt, die die Autonomie der Bürger einschränken und ihnen Uniformität auferlegen. Je umfangreicher der Wohlfahrtsstaat ist, desto mehr hat er andere Wohlfahrtsinstitutionen verdrängt.*
Effizienz: Ein Grund für die Substitution der privaten durch die staatliche Bereitstellung ist, dass die staatliche Bereitstellung (entweder von Dienstleistungen oder von Ressourcen) manchmal effektiver sein kann als die private, entweder weil sie Dienstleistungen oder Ressourcen billiger bereitstellen kann oder weil die private Bereitstellung nicht in der Lage ist, ein optimales (oder auch nur adäquates) Niveau an Dienstleistungen zu bieten. Für Probleme: siehe >Marktversagen, >Öffentliche Güter. Für einen minimalen Wohlfahrtsstaat: >Wohlfahrtsstaat/Friedmann.
Gaus I 214
Verteilungsgerechtigkeit: Eine zweite Argumentationslinie, die den Wohlfahrtsstaat unterstützt, appelliert eher an die Idee der Gerechtigkeit als an die der Effizienz. Die Politik des Wohlfahrtsstaates ermöglicht es dem Einzelnen nicht nur, seine eigenen Interessen effektiver zu verwirklichen, sondern generell eine Umverteilung der Einkommen. Effizienzargumente gehen in der Regel von den Ergebnissen des Marktaustauschs vor der staatlichen Besteuerung und den Transfers aus und zeigen, dass eine bestimmte Politik zumindest im Prinzip alle Menschen besser stellen kann, als ihnen diese Ausgangslage geboten würde. Aber in dem Maße, in dem Wohlfahrtspolitiken Einkommen bewusst umverteilen, wären diejenigen, deren Einkommen sinkt, normalerweise (wenn auch nicht notwendigerweise) schlechter dran; eine solche Politik ließe sich dann nur unter Berufung auf andere Werte als Effizienz rechtfertigen. >Verteilungsgerechtigkeit/Wohlfahrtsökonomik.
VsEffizienz-basierte Ansätze: (...) Die Berufung auf Effizienz ist insofern problematisch, als die als selbstverständlich angenommene Vorsteuer-/Vorüberweisung-Basislinie gerechtfertigt werden muss. Wenn wir unser Leben als Ganzes betrachten, gibt es einige Risiken, denen wir uns gegenübersehen und die durch keine Form der privaten Vorsorge abgedeckt werden können, weil sie die Bedingungen widerspiegeln, in die wir hineingeboren werden, wie z.B. angeborene Behinderungen, genetische Veranlagungen für bestimmte Krankheiten und die kulturellen und wirtschaftlichen Nachteile, die die Eltern erleiden können. >Verteilungsgerechtigkeit/Wohlfahrtsökonomik.


* Siehe Paul (1997)(12), insbesondere die Artikel von Beito, Davies und die darin zitierten Referenzen für eine Darstellung nichtstaatlicher Formen der Wohlfahrt.


1. Barry, Brian (1990) 'The welfare state versus the relief of poverty'. Ethics, 100 (June): 503-29.
2. Barr, Nicholas (1998) The Economics of the Welfare State, 3rd Ed. Stanford, CA: Stanford University Press.
3. Rothstein, Bo (1998) Just Institutions Matter. Cambridge: Cambridge University Press.
4. Esping-Andersen, Gosta (1990) Three Worlds of Welfare Capitalism. Princeton, NJ: Princeton Umversity Press.
5. Huber, Evelyne and John D. Stephens (2001) Development and Crisis of the Welfare State. Chicago: University of Chicago Press.
6. Nozick, Robert (1974) Anarchy, State, and Utopia. Oxford: Blackwell.
7. Schmidtz, David and Robert Goodin (1998) Social Welfare and Individual Responsibility. Cambridge: Cambridge Umversity Press.
8. Barry, Norman (1999) Welfare, 2nd Ed. Minneapolis: University of Minnesota Press.
9. Clarke, John, Allan Cochrane and Carol Smart (1987) Ideologies of Welfare. London: Hutchinson.
10. Gordon, Linda, ed. (1990), Women, State, and Welfare. Madison, WI: University of Wisconsin Press.
11. Fraser, Nancy (1997) Justice Interruptus. New York: Routledge.
12. Paul, Ellen, ed. (1997) The Welfare State. Cambridge: Cambridge Umversity Press.


Moon, J. Donald 2004. „The Political Theory of the Welfare State“. In: Gaus, Gerald F. & Kukathas, Chandran 2004. Handbook of Political Theory. SAGE Publications



Mause I 579ff
Wohlfahrtsstaat/Politische Theorien: angesichts der empirischen Vielfalt der Ausgestaltung des Wohlfahrtsstaates in den verschiedenen Ländern muss man davon ausgehen, dass man es im konkreten Fall eines untersuchten Landes mit einem Mischsystem zu tun hat. Der Begriff Wohlfahrtsstaat wird als konservativ kritisiert. (Schmidt 2005)(1). Zur Aufteilung in Systemtypen siehe Esping-Andersen 1990(2) und 1999(3).
Mause I 581
Geschichte des Wohlfahrtsstaats: der älteste Strang der vergleichenden Wohlfahrtsforschung gebrauchte sozialökonomische Schlüsselgrößen wie Stand der wirtschaftlichen Entwicklung, die Verbreitung der Beschäftigten im nichtagrarischen Sektor („Arbeitnehmerquote“) und weitere Begriffe der makrosoziologischen Modernisierung. (Zöllner 1963 (4); Wilensky 1975 (5). Funktionalistische Erklärungen: hier geht es u.a. um Diffusion sozialpolitischer Effekte über territoriale Grenzen, z.B. soziales Lernen (Hall 1993) (6).
Garbage-Can-Theorie: hier geht es um das kontingente ZusammenSpiel politischer Prozesse, ein BeiSpiel ist der Multiple Streams-Ansatz. (Kingdon 1984)(7).
Neuere Ansätze stellten dagegen Begriffe wie Macht, Konflikt und Instiitutionen in den Mittelpunkt und untersuchten Entscheidungsprozesse.
Parteiendifferenzthese/Hibbs: (Hibbs 1977) (8): die parteipolitische Zusammensetzung von Regierungen schlägt sich signifikant in international und historisch variablen Niveaus von Sozialausgaben nieder. (Castles 1982 (9); Schmidt 2005)


1. Manfred G. Schmidt, Sozialpolitik in Deutschland. Historische Entwicklung und internationaler Vergleich, Wiesbaden 2005
2. Esping-Andersen, Gøsta. 1990. The three worlds of welfare capitalism. Princeton 1990.
3. Esping-Andersen, Gøsta. Social foundations of postindustrial economies. Oxford 1999.
4. Zöllner, Detlev. Öffentliche Sozialleistungen und wirtschaftliche Entwicklung. Ein zeitlicher und internationaler Vergleich. Berlin 1963.
5. Wilensky, Harold L. 1975. The welfare state and equality. Structural and ideological roots of public expenditures. Berkeley 1975.
6. Peter A. Hall, 1993. Policy paradigms, social learning, and the state. The case of economic policymaking in Britain. Comparative Politics 25( 3): 275– 296.
7. Kingdon, John W., Agendas, alternatives, and public policies. Boston/ Toronto 1984.
8. Hibbs, Douglas A. 1977. Political parties and macroeconomic policy. American Political Science Review 71: 1467– 1487.
9. Castles, Francis G. The impact of parties on public expenditure. In The impact of parties: Politics and policies in democratic capitalist states, Hrsg. Francis G. Castles, 21– 96. London 1982.

Gaus I
Gerald F. Gaus
Chandran Kukathas
Handbook of Political Theory London 2004

Mause I
Karsten Mause
Christian Müller
Klaus Schubert,
Politik und Wirtschaft: Ein integratives Kompendium Wiesbaden 2018
Wort Gottes Nikolaus von Cues Gadamer I 438
Wort Gottes/Cusanus/Gadamer: Das göttliche Wort schafft zwar die Welt, aber nicht in einer zeitlichen Abfolge von Schöpfungsgedanken und Schöpfungstagen. Der menschliche Geist dagegen besitzt das Ganze seiner Gedanken nur im zeitlichen Nacheinander. Gadamer: Gewiss ist das kein rein zeitliches Verhältnis, wie wir schon bei Thomas sahen. Cusanus hebt das entsprechend hervor. Es ist wie mit der Zahlenreihe, Auch deren Erzeugung ist nicht eigentlich ein zeitliches Geschehen, sondern eine Bewegung der Vernunft. Die gleiche Bewegung der Vernunft sieht Cusanus dort am Werke, wo die Gattungen und Arten so, wie sie unter das Wort fallen, aus dem Sinnlichen herausgebildet und in die einzelnen Begriffe und Worte
Gadamer I 439
entfaltet werden. Auch sie sind entia rationis. Emanation/Nikolaus von KuesVsNeuplatonismus/CusanusVsNeuplatonismus/Gadamer: So platonisch-neuplatonisch diese Rede von Entfaltung klingen mag, in Wahrheit hat der Cusaner das emanatistische Schema der neuplatonischen Explikationslehre im entscheidenden Punkt überwunden. Er spielt nämlich gegen sie die christliche Lehre vom Verbum aus.(1) >Emanation.
Wort/Cusanus: Das Wort ist ihm kein anderes Sein als der Geist, keine geminderte oder abgeschwächte Erscheinung desselben.
ChristentumVsPlatonismus: Das zu wissen, macht für den christlichen Philosophen seine Überlegenheit über die Platoniker aus. Entsprechend ist auch die Vielheit, in die sich der menschliche Geist entfaltet, kein bloßer Abfall von der wahren Einheit und kein Verlust
seiner Heimat.
Complicatio/Cusanus: Vielmehr musste die Endlichkeit des menschlichen Geistes, so sehr dieselbe immer auf die unendliche Einheit des absoluten Seins bezogen blieb, ihre positive Legitimierung finden. Das ist im Begriff der complicatio angelegt, und von diesem Punkte aus Gewinnt auch das Phänomen der Sprache einen neuen Aspekt. Es ist der menschliche Geist, der zugleich zusammenfasst und entfaltet. Die Entfaltung in die diskursive Mannigfaltigkeit ist nicht nur eine solche der Begriffe, sondern erstreckt sich bis ins Sprachliche hinein. Es ist die Vielheit möglicher Benennungen - je nach der Verschiedenheit der Sprachen -, die die begriffliche Differenzierung noch potenziert.


1. Philosophi quidem de Verbo divino et maxlmo absoluto sufficienter instructi non erant . . . Non sunt igitur formae actu nisi in Verbo ipsum Verbum . . . De Doct. Ign. II, cap. IX.

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Zeichen Platon Gadamer I 416
Zeichen/Platon/Gadamer: Stellt der Bereich des Logos den Bereich des Noetischen in der Vielheit seiner Zuordnungen dar, so wird nämlich das Wort ganz wie die Zahl zum bloßen Zeichen eines wohldefinierten und damit vorgewussten Seins. >Wort/Platon, >Logos/Platon. Damit ist im Prinzip die Fragestellung umgekehrt. Jetzt wird nicht mehr von der Sache aus nach dem Sein und Mittelsein des Wortes gefragt, sondern vom Mittel des Wortes aus auf das hin gefragt, was und wie es etwas vermittelt, nämlich dem, der es gebraucht. Im Wesen des Zeichens liegt, dass es in seiner Verwendungsfunktion sein Sein hat, und das so, dass seine Eignung allein
Gadamer I 417
darin liegt, verweisend zu sein. Es muss sich daher in dieser seiner Funktion von der Umgebung, in der es angetroffen und als Zeichen genommen werden soll, abheben, um eben damit sein eigenes Dingsein aufzuheben und in seiner Bedeutung aufzugehen (zu verschwinden). Es ist die Abstraktion des Verweisens selbst. Das Zeichen ist daher nichts, das einen eigenen Gehalt geltend machte. Es
braucht auch nicht den einer Ähnlichkeit mit dem, worauf es zeigt, zu haben, und wenn es sie hat, darf es nur eine schematische sein. Das aber heißt, dass abermals aller sichtbare Eigengehalt reduziert ist auf ein Minimum, das seiner Verweisungsfunktion zu Hilfe zu kommen vermag. >Wort/Platon, >Logos/Platon.
Bedeutung/Verweisen: Merkzeichen, Abzeichen, Vorzeichen, Anzeichen usw. haben insoweit Geistigkeit, als sie als Zeichen genommen, d. h. auf ihr Verweisendsein abstrahiert werden. Das Zeichendasein besteht hier nur an etwas anderem, das als Zeichending zugleich etwas für sich ist und seine eigene Bedeutung hat, eine andere, als was es als Zeichen bedeutet. In solchem Falle gilt: die Zeichenbedeutung kommt den Zeichen nur in der Beziehung auf ein zeichennehmendes Subjekt zu;
Zechen/Hegel: »(...) es hat nicht seine absolute Bedeutung in ihm selbst, d. h. das Subjekt ist in ihm nicht aufgehoben.«(1)
Gadamer: Es ist immer noch unmittelbar Seiendes. Es hat sein Bestehen immer noch in seinem Zusammenhang mit anderem Seienden. Die Differenz zwischen seinem Sein und seiner Bedeutung ist eine absolute.
Abbild/Zeichen/Platon/Gadamer: Anders liegt die Sache bei dem entgegengesetzten Extrem, das in die Bestimmung des Wortes hineinSpielt: dem Abbild. Das Abbild enthält gewiss den gleichen Widerspruch seines Seins und seiner Bedeutung, aber so, dass es diesen Widerspruch in sich selbst aufhebt, gerade kraft der Ähnlichkeit, die in ihm selbst liegt. Es Gewinnt seine Verweisungs- oder Darstellungsfunktion nicht von dem zeichennehmenden Subjekt her, sondern aus seinem eigenen Sachgehalt. Es ist nicht bloßes Zeichen.


1. Hegel, Jenenser Realphilosophie I, 210. (Jetzt in Bd. 6 der Ges. Werke, Jenaer
Systementwürfe I, Hamburg 1975, S. 287.)

Gadamer I
Hans-Georg Gadamer
Wahrheit und Methode. Grundzüge einer philosophischen Hermeneutik 7. durchgesehene Auflage Tübingen 1960/2010

Gadamer II
H. G. Gadamer
Die Aktualität des Schönen: Kunst als Spiel, Symbol und Fest Stuttgart 1977
Zentralbank Stansbury Summers I
Zentralbank/Inflation Targeting/Zinsen/Säkulare Stagnation/Summers/Stansbury: Konventionelle politische Diskussionen wurzeln in der (inzwischen alten) neukeynesianischen Tradition, makroökonomische Probleme als Ausdruck von Reibungen zu betrachten, die die Konvergenz zu einem klassischen marktgerechten Gleichgewicht verlangsamen. Die Idee ist, dass die Kombination aus niedriger Inflation, einem sinkenden neutralen Realzins und einer effektiven Untergrenze der Nominalzinsen die Wiederherstellung der Vollbeschäftigung verhindern kann. Nach dieser Ansicht ist alles, was zur Senkung der Realzinsen getan werden kann, konstruktiv, und mit ausreichender Zinsflexibilität kann die säkulare Stagnation überwunden werden. Da das unmittelbare Problem in den überhöhten Realzinsen besteht, ist es selbstverständlich, zuerst auf die Zentralbanken und die Geldpolitik zu schauen, um eine Lösung zu finden. Die nahezu universelle Tendenz der Zentralbanker bestand darin, das Zusammenfallen von sehr niedrigen Realzinsen und nicht beschleunigter Inflation als Beweis für den Rückgang des neutralen Realzinses zu interpretieren und konventionelle geldpolitische Rahmenbedingungen mit einem veränderten neutralen Realzins zu verwenden. Der Anteil der zinssensiblen Gebrauchsgütersektoren am BIP ist zurückgegangen. Die Bedeutung von gezielten Spareffekten hat mit sinkenden Zinsen zugenommen, während die negativen Auswirkungen von Zinssenkungen auf das verfügbare Einkommen mit dem Anstieg der Staatsverschuldung zugenommen haben. Sinkende Zinsen im aktuellen Umfeld untergraben die Kapitalposition der Finanzintermediäre und damit ihre Kreditkapazität.
Im ominösesten Fall, bei dem Zinssenkungen sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Nachfrage haben, kann es sein, dass es keinen Realzins gibt, der mit der vollen Ressourcennutzung vereinbar ist. Auch wenn Zinssenkungen an allen Stellen die Nachfrage unmittelbar erhöhen, gibt es erheblichen Grund zur Sorge, wenn dieser Effekt schwach ist.
Aus makroökonomischer Sicht fördern niedrige Zinsen den Verschuldungsgrad und die Vermögensblasen, indem sie die Fremdkapitalkosten und Diskontierungsfaktoren senken und die Anleger ermutigen, nach Rendite zu streben. Fast jede Darstellung der Finanzkrise 2008 weist den Folgen der sehr niedrigen Zinssätze, die Anfang der 2000er Jahre herrschten, zumindest eine gewisse Rolle zu. Aus mikroökonomischer Sicht beeinträchtigen niedrige Zinsen die Gesundheit der Finanzintermediäre, indem sie ihre Rentabilität verringern und die effiziente Kapitalallokation behindern, indem sie es selbst den schwächsten Unternehmen ermöglichen, Schuldendienstverpflichtungen nachzukommen. Außerdem können sie den Wettbewerb behindern, indem sie etablierte Unternehmen bevorzugen.
Diese Überlegungen legen nahe, dass die Senkung der Zinssätze als Reaktion auf die säkulare Stagnation nicht nur unzureichend, sondern sogar kontraproduktiv sein könnte. (...) Die Rolle bestimmter Reibungen und Rigiditäten bei der Stützung von Konjunkturschwankungen sollte im Vergleich zu einem grundlegenderen Mangel an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage heruntergespielt werden. Wenn die Senkung der Zinssätze unzureichend oder kontraproduktiv ist, ist der Einfallsreichtum der Zentralbanker bei der Lockerung der Geldpolitik in einem Umfeld säkularer Stagnation genau das, was nicht gebraucht wird. Was wir brauchen, sind Geständnisse der Ohnmacht, um die Bemühungen der Regierungen zur Förderung der Nachfrage durch Finanzpolitik und andere Mittel anzuregen. ((s) Vgl. zur Zinspolitik auch >Neo-Fisher-Effekt/Uribe.)


Summers, Lawrence H. & Anna Stansbury: Whither Central Banking?, in: Project Syndicate (23/08/19), URL: https://www.project-syndicate.org/commentary/central-bankers-in-jackson-hole-should-admit-impotence-by-lawrence-h-summers-and-anna-stansbury-2-2019-08




Gegenargumente gegen Summers und Stansbury:

Taylor III
Inflation Targeting/Zinsen/Zentralbank/Löhne/Ökonomie/TaylorVsSummers/TaylorVsStansbury/Lance Taylor: Was die Inflation betrifft, so ignorieren sowohl die Zentralbanken als auch [Summers und Stansbury] die Fakten, dass die Inflation ein kumulativer Prozess ist, der von widersprüchlichen Ansprüchen auf Einkommen und Vermögen getrieben wird, und dass in den letzten fünf Jahrzehnten Gewinne fast alle Forderungen erfasst haben. Betrachten Sie den realen "Produktlohn", den Nominal- oder Geldlohn geteilt durch einen Erzeugerpreisindex (PPI), um die Kosteninflation zu korrigieren, mit der die Unternehmen konfrontiert sind. Angenommen, es gibt ein anfängliches Inflationsgleichgewicht (...). Der Vorschlag von [Summers und Stansbury], die Fiskalpolitik zur Stimulierung der Gesamtnachfrage zu nutzen, würde die Inflationskurve nach oben treiben (...) mit einer schnelleren Inflation und einem etwas niedrigeren Lohnanteil im Makrogleichgewicht (...) entlang des stabilen Aktienplans. Angesichts des Verschwindens von NAIRU [Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment] in den letzten zwei Jahrzehnten ist nicht klar, wie stark diese Aufwärtsbewegung sein könnte. >Inflation Targeting/Taylor.


Taylor, Lance: Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession
Zentralbank Summers Summers I
Zentralbank/Inflation Targeting/Zinsen/Säkulare Stagnation/Summers/Stansbury: Konventionelle politische Diskussionen wurzeln in der (inzwischen alten) neukeynesianischen Tradition, makroökonomische Probleme als Ausdruck von Reibungen zu betrachten, die die Konvergenz zu einem klassischen marktgerechten Gleichgewicht verlangsamen. Die Idee ist, dass die Kombination aus niedriger Inflation, einem sinkenden neutralen Realzins und einer effektiven Untergrenze der Nominalzinsen die Wiederherstellung der Vollbeschäftigung verhindern kann. Nach dieser Ansicht ist alles, was zur Senkung der Realzinsen getan werden kann, konstruktiv, und mit ausreichender Zinsflexibilität kann die säkulare Stagnation überwunden werden. Da das unmittelbare Problem in den überhöhten Realzinsen besteht, ist es selbstverständlich, zuerst auf die Zentralbanken und die Geldpolitik zu schauen, um eine Lösung zu finden. Die nahezu universelle Tendenz der Zentralbanker bestand darin, das Zusammenfallen von sehr niedrigen Realzinsen und nicht beschleunigter Inflation als Beweis für den Rückgang des neutralen Realzinses zu interpretieren und konventionelle geldpolitische Rahmenbedingungen mit einem veränderten neutralen Realzins zu verwenden. Der Anteil der zinssensiblen Gebrauchsgütersektoren am BIP ist zurückgegangen. Die Bedeutung von gezielten Spareffekten hat mit sinkenden Zinsen zugenommen, während die negativen Auswirkungen von Zinssenkungen auf das verfügbare Einkommen mit dem Anstieg der Staatsverschuldung zugenommen haben. Sinkende Zinsen im aktuellen Umfeld untergraben die Kapitalposition der Finanzintermediäre und damit ihre Kreditkapazität.
Im ominösesten Fall, bei dem Zinssenkungen sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Nachfrage haben, kann es sein, dass es keinen Realzins gibt, der mit der vollen Ressourcennutzung vereinbar ist. Auch wenn Zinssenkungen an allen Stellen die Nachfrage unmittelbar erhöhen, gibt es erheblichen Grund zur Sorge, wenn dieser Effekt schwach ist.
Aus makroökonomischer Sicht fördern niedrige Zinsen den Verschuldungsgrad und die Vermögensblasen, indem sie die Fremdkapitalkosten und Diskontierungsfaktoren senken und die Anleger ermutigen, nach Rendite zu streben. Fast jede Darstellung der Finanzkrise 2008 weist den Folgen der sehr niedrigen Zinssätze, die Anfang der 2000er Jahre herrschten, zumindest eine gewisse Rolle zu. Aus mikroökonomischer Sicht beeinträchtigen niedrige Zinsen die Gesundheit der Finanzintermediäre, indem sie ihre Rentabilität verringern und die effiziente Kapitalallokation behindern, indem sie es selbst den schwächsten Unternehmen ermöglichen, Schuldendienstverpflichtungen nachzukommen. Außerdem können sie den Wettbewerb behindern, indem sie etablierte Unternehmen bevorzugen.
Diese Überlegungen legen nahe, dass die Senkung der Zinssätze als Reaktion auf die säkulare Stagnation nicht nur unzureichend, sondern sogar kontraproduktiv sein könnte. (...) Die Rolle bestimmter Reibungen und Rigiditäten bei der Stützung von Konjunkturschwankungen sollte im Vergleich zu einem grundlegenderen Mangel an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage heruntergespielt werden. Wenn die Senkung der Zinssätze unzureichend oder kontraproduktiv ist, ist der Einfallsreichtum der Zentralbanker bei der Lockerung der Geldpolitik in einem Umfeld säkularer Stagnation genau das, was nicht gebraucht wird. Was wir brauchen, sind Geständnisse der Ohnmacht, um die Bemühungen der Regierungen zur Förderung der Nachfrage durch Finanzpolitik und andere Mittel anzuregen. ((s) Vgl. zur Zinspolitik auch >Neo-Fisher-Effekt/Uribe.)


Summers, Lawrence H. & Anna Stansbury: Whither Central Banking?, in: Project Syndicate (23/08/19), URL: https://www.project-syndicate.org/commentary/central-bankers-in-jackson-hole-should-admit-impotence-by-lawrence-h-summers-and-anna-stansbury-2-2019-08



Gegenargumente gegen Summers und Stansbury:

Taylor III
Inflation Targeting/Zinsen/Zentralbank/Löhne/Ökonomie/TaylorVsSummers/TaylorVsStansbury/Lance Taylor: Was die Inflation betrifft, so ignorieren sowohl die Zentralbanken als auch [Summers und Stansbury] die Fakten, dass die Inflation ein kumulativer Prozess ist, der von widersprüchlichen Ansprüchen auf Einkommen und Vermögen getrieben wird, und dass in den letzten fünf Jahrzehnten Gewinne fast alle Forderungen erfasst haben. Betrachten Sie den realen "Produktlohn", den Nominal- oder Geldlohn geteilt durch einen Erzeugerpreisindex (PPI), um die Kosteninflation zu korrigieren, mit der die Unternehmen konfrontiert sind. Angenommen, es gibt ein anfängliches Inflationsgleichgewicht (...). Der Vorschlag von [Summers und Stansbury], die Fiskalpolitik zur Stimulierung der Gesamtnachfrage zu nutzen, würde die Inflationskurve nach oben treiben (...) mit einer schnelleren Inflation und einem etwas niedrigeren Lohnanteil im Makrogleichgewicht (...) entlang des stabilen Aktienplans. Angesichts des Verschwindens von NAIRU [Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment] in den letzten zwei Jahrzehnten ist nicht klar, wie stark diese Aufwärtsbewegung sein könnte. >Inflation Targeting/Taylor.


Taylor, Lance: Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession

Summers I
Lawrence H. Summers
Anna Stansbury
Whither Central Banking?, in: Project Syndicate (23/08/19), URL: https://www.project-syndicate.org/commentary/central-bankers-in-jackson-hole-should-admit-impotence-by-lawrence-h-summers-and-anna-stansbury-2-2019-08 23.08. 2019
Zinsen Stansbury Summers I
Zinsen/Inflation Targeting/Säkulare Stagnation/Zentralbank/Summers/Stansbury: Konventionelle politische Diskussionen wurzeln in der (inzwischen alten) neokeynesianischen Tradition, makroökonomische Probleme als Ausdruck von Reibungen zu betrachten, die die Konvergenz zu einem klassischen marktgerechten Gleichgewicht verlangsamen. Die Idee ist, dass die Kombination aus niedriger Inflation, einem sinkenden neutralen Realzins und einer effektiven Untergrenze der Nominalzinsen die Wiederherstellung der Vollbeschäftigung verhindern kann. Nach dieser Ansicht ist alles, was zur Senkung der Realzinsen getan werden kann, konstruktiv, und mit ausreichender Zinsflexibilität kann die säkulare Stagnation überwunden werden. Da das unmittelbare Problem in den überhöhten Realzinsen besteht, ist es selbstverständlich, zuerst auf die Zentralbanken und die Geldpolitik zu schauen, um eine Lösung zu finden. Die nahezu universelle Tendenz der Zentralbanker bestand darin, das Zusammenfallen von sehr niedrigen Realzinsen und nicht beschleunigter Inflation als Beweis für den Rückgang des neutralen Realzinses zu interpretieren und konventionelle geldpolitische Rahmenbedingungen mit einem veränderten neutralen Realzins zu verwenden. Der Anteil der zinssensiblen Gebrauchsgütersektoren am BIP ist zurückgegangen. Die Bedeutung von gezielten Spareffekten hat mit sinkenden Zinsen zugenommen, während die negativen Auswirkungen von Zinssenkungen auf das verfügbare Einkommen mit dem Anstieg der Staatsverschuldung zugenommen haben. Sinkende Zinsen im aktuellen Umfeld untergraben die Kapitalposition der Finanzintermediäre und damit ihre Kreditkapazität.
Im ominösesten Fall, bei dem Zinssenkungen sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Nachfrage haben, kann es sein, dass es keinen Realzins gibt, der mit der vollen Ressourcennutzung vereinbar ist. Auch wenn Zinssenkungen an allen Stellen die Nachfrage unmittelbar erhöhen, gibt es erheblichen Grund zur Sorge, wenn dieser Effekt schwach ist.
Aus makroökonomischer Sicht fördern niedrige Zinsen den Verschuldungsgrad und die Vermögensblasen, indem sie die Fremdkapitalkosten und Diskontierungsfaktoren senken und die Anleger ermutigen, nach Rendite zu streben. Fast jede Darstellung der Finanzkrise 2008 weist den Folgen der sehr niedrigen Zinssätze, die Anfang der 2000er Jahre herrschten, zumindest eine gewisse Rolle zu. Aus mikroökonomischer Sicht beeinträchtigen niedrige Zinsen die Gesundheit der Finanzintermediäre, indem sie ihre Rentabilität verringern und die effiziente Kapitalallokation behindern, indem sie es selbst den schwächsten Unternehmen ermöglichen, Schuldendienstverpflichtungen nachzukommen. Außerdem können sie den Wettbewerb behindern, indem sie etablierte Unternehmen bevorzugen.
Diese Überlegungen legen nahe, dass die Senkung der Zinssätze als Reaktion auf die säkulare Stagnation nicht nur unzureichend, sondern sogar kontraproduktiv sein könnte. (...) Die Rolle bestimmter Reibungen und Rigiditäten bei der Stützung von Konjunkturschwankungen sollte im Vergleich zu einem grundlegenderen Mangel an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage heruntergespielt werden. Wenn die Senkung der Zinssätze unzureichend oder kontraproduktiv ist, ist der Einfallsreichtum der Zentralbanker bei der Lockerung der Geldpolitik in einem Umfeld säkularer Stagnation genau das, was nicht gebraucht wird. Was wir brauchen, sind Geständnisse der Ohnmacht, um die Bemühungen der Regierungen zur Förderung der Nachfrage durch Finanzpolitik und andere Mittel anzuregen. ((s) Vgl. zur Zinspolitik auch >Neo-Fisher-Effekt/Uribe.)


Summers, Lawrence H. & Anna Stansbury: Whither Central Banking?, in: Project Syndicate (23/08/19), URL: https://www.project-syndicate.org/commentary/central-bankers-in-jackson-hole-should-admit-impotence-by-lawrence-h-summers-and-anna-stansbury-2-2019-08




Gegenargumente gegen Summers und Stansbury:

Taylor III
Inflation Targeting/Zinsen/Zentralbank/Löhne/Ökonomie/TaylorVsSummers/TaylorVsStansbury/Lance Taylor: Was die Inflation betrifft, so ignorieren sowohl die Zentralbanken als auch [Summers und Stansbury] die Fakten, dass die Inflation ein kumulativer Prozess ist, der von widersprüchlichen Ansprüchen auf Einkommen und Vermögen getrieben wird, und dass in den letzten fünf Jahrzehnten Gewinne fast alle Forderungen erfasst haben. Betrachten Sie den realen "Produktlohn", den Nominal- oder Geldlohn geteilt durch einen Erzeugerpreisindex (PPI), um die Kosteninflation zu korrigieren, mit der die Unternehmen konfrontiert sind. Angenommen, es gibt ein anfängliches Inflationsgleichgewicht (...). Der Vorschlag von [Summers und Stansbury], die Fiskalpolitik zur Stimulierung der Gesamtnachfrage zu nutzen, würde die Inflationskurve nach oben treiben (...) mit einer schnelleren Inflation und einem etwas niedrigeren Lohnanteil im Makrogleichgewicht (...) entlang des stabilen Aktienplans. Angesichts des Verschwindens von NAIRU [Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment] in den letzten zwei Jahrzehnten ist nicht klar, wie stark diese Aufwärtsbewegung sein könnte. >Inflation Targeting/Taylor.


Taylor, Lance: Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession
Zinsen Summers Summers I
Zinsen/Inflation Targeting/Säkulare Stagnation/Zentralbank/Summers/Stansbury: Konventionelle politische Diskussionen wurzeln in der (inzwischen alten) neukeynesianischen Tradition, makroökonomische Probleme als Ausdruck von Reibungen zu betrachten, die die Konvergenz zu einem klassischen marktgerechten Gleichgewicht verlangsamen. Die Idee ist, dass die Kombination aus niedriger Inflation, einem sinkenden neutralen Realzins und einer effektiven Untergrenze der Nominalzinsen die Wiederherstellung der Vollbeschäftigung verhindern kann. Nach dieser Ansicht ist alles, was zur Senkung der Realzinsen getan werden kann, konstruktiv, und mit ausreichender Zinsflexibilität kann die säkulare Stagnation überwunden werden. Da das unmittelbare Problem in den überhöhten Realzinsen besteht, ist es selbstverständlich, zuerst auf die Zentralbanken und die Geldpolitik zu schauen, um eine Lösung zu finden. Die nahezu universelle Tendenz der Zentralbanker bestand darin, das Zusammenfallen von sehr niedrigen Realzinsen und nicht beschleunigter Inflation als Beweis für den Rückgang des neutralen Realzinses zu interpretieren und konventionelle geldpolitische Rahmenbedingungen mit einem veränderten neutralen Realzins zu verwenden. Der Anteil der zinssensiblen Gebrauchsgütersektoren am BIP ist zurückgegangen. Die Bedeutung von gezielten Spareffekten hat mit sinkenden Zinsen zugenommen, während die negativen Auswirkungen von Zinssenkungen auf das verfügbare Einkommen mit dem Anstieg der Staatsverschuldung zugenommen haben. Sinkende Zinsen im aktuellen Umfeld untergraben die Kapitalposition der Finanzintermediäre und damit ihre Kreditkapazität.
Im ominösesten Fall, bei dem Zinssenkungen sowohl positive als auch negative Auswirkungen auf die Nachfrage haben, kann es sein, dass es keinen Realzins gibt, der mit der vollen Ressourcennutzung vereinbar ist. Auch wenn Zinssenkungen an allen Stellen die Nachfrage unmittelbar erhöhen, gibt es erheblichen Grund zur Sorge, wenn dieser Effekt schwach ist.
Aus makroökonomischer Sicht fördern niedrige Zinsen den Verschuldungsgrad und die Vermögensblasen, indem sie die Fremdkapitalkosten und Diskontierungsfaktoren senken und die Anleger ermutigen, nach Rendite zu streben. Fast jede Darstellung der Finanzkrise 2008 weist den Folgen der sehr niedrigen Zinssätze, die Anfang der 2000er Jahre herrschten, zumindest eine gewisse Rolle zu. Aus mikroökonomischer Sicht beeinträchtigen niedrige Zinsen die Gesundheit der Finanzintermediäre, indem sie ihre Rentabilität verringern und die effiziente Kapitalallokation behindern, indem sie es selbst den schwächsten Unternehmen ermöglichen, Schuldendienstverpflichtungen nachzukommen. Außerdem können sie den Wettbewerb behindern, indem sie etablierte Unternehmen bevorzugen.
Diese Überlegungen legen nahe, dass die Senkung der Zinssätze als Reaktion auf die säkulare Stagnation nicht nur unzureichend, sondern sogar kontraproduktiv sein könnte. (...) Die Rolle bestimmter Reibungen und Rigiditäten bei der Stützung von Konjunkturschwankungen sollte im Vergleich zu einem grundlegenderen Mangel an gesamtwirtschaftlicher Nachfrage heruntergespielt werden. Wenn die Senkung der Zinssätze unzureichend oder kontraproduktiv ist, ist der Einfallsreichtum der Zentralbanker bei der Lockerung der Geldpolitik in einem Umfeld säkularer Stagnation genau das, was nicht gebraucht wird. Was wir brauchen, sind Geständnisse der Ohnmacht, um die Bemühungen der Regierungen zur Förderung der Nachfrage durch Finanzpolitik und andere Mittel anzuregen. ((s) Vgl. zur Zinspolitik auch >Neo-Fisher-Effekt/Uribe.)


Summers, Lawrence H. & Anna Stansbury: Whither Central Banking?, in: Project Syndicate (23/08/19), URL: https://www.project-syndicate.org/commentary/central-bankers-in-jackson-hole-should-admit-impotence-by-lawrence-h-summers-and-anna-stansbury-2-2019-08




Gegenargumente gegen Summers und Stansbury:

Taylor III
Inflation Targeting/Zinsen/Zentralbank/Löhne/Ökonomie/TaylorVsSummers/TaylorVsStansbury/Lance Taylor: Was die Inflation betrifft, so ignorieren sowohl die Zentralbanken als auch [Summers und Stansbury] die Fakten, dass die Inflation ein kumulativer Prozess ist, der von widersprüchlichen Ansprüchen auf Einkommen und Vermögen getrieben wird, und dass in den letzten fünf Jahrzehnten Gewinne fast alle Forderungen erfasst haben. Betrachten Sie den realen "Produktlohn", den Nominal- oder Geldlohn geteilt durch einen Erzeugerpreisindex (PPI), um die Kosteninflation zu korrigieren, mit der die Unternehmen konfrontiert sind. Angenommen, es gibt ein anfängliches Inflationsgleichgewicht (...). Der Vorschlag von [Summers und Stansbury], die Fiskalpolitik zur Stimulierung der Gesamtnachfrage zu nutzen, würde die Inflationskurve nach oben treiben (...) mit einer schnelleren Inflation und einem etwas niedrigeren Lohnanteil im Makrogleichgewicht (...) entlang des stabilen Aktienplans. Angesichts des Verschwindens von NAIRU [Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment] in den letzten zwei Jahrzehnten ist nicht klar, wie stark diese Aufwärtsbewegung sein könnte. >Inflation Targeting/Taylor.


Taylor, Lance: Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession

Summers I
Lawrence H. Summers
Anna Stansbury
Whither Central Banking?, in: Project Syndicate (23/08/19), URL: https://www.project-syndicate.org/commentary/central-bankers-in-jackson-hole-should-admit-impotence-by-lawrence-h-summers-and-anna-stansbury-2-2019-08 23.08. 2019
Zinsen Taylor Taylor III
Inflation Targeting/Zinsen/Zentralbank/Löhne/Wirtschaft/TaylorVsSummers/TaylorVsStansbury/Lance Taylor: Was die Inflation betrifft, so ignorieren sowohl die Zentralbanken als auch [Summers und Stansbury] die Fakten, dass die Inflation ein kumulativer Prozess ist, der von widersprüchlichen Ansprüchen auf Einkommen und Vermögen getrieben wird, und dass in den letzten fünf Jahrzehnten Gewinne fast alle Forderungen erfasst haben. Inflation Targeting/Summers: Betrachten Sie den realen "Produktlohn", den Nominal- oder Geldlohn geteilt durch einen Erzeugerpreisindex (PPI), um die Kosteninflation zu korrigieren, mit der die Unternehmen konfrontiert sind. Einige Berechnungen (...) zeigen, dass der Arbeits- oder Lohnanteil der Produktion, der den realen "Lohnstückkosten" entspricht, gleich dem Reallohn geteilt durch die Produktivität oder dem Output-/Arbeitsverhältnis ist. Die Gewinnbeteiligung entspricht eins minus dem Lohnanteil. (...) der Gewinnanteil und die Wachstumsraten der Reallöhne und der Produktivität haben sich im Laufe der Zeit verändert (...).
Die Wachstumsrate der nominalen Lohnstückkosten ist die Differenz zwischen dem Wachstum der Lohn- und Produktivitätsraten. Wie bei den anderen Arbeitsmarktindikatoren hat sich das Kostenwachstum nach 2000 verlangsamt.
Um die Dynamik zu entwirren, brauchen wir eine Theorie der Inflation. Um die Jahrhundertwende wies der schwedische Ökonom Knut Wicksell darauf hin, dass die Inflation ein "kumulativer Prozess" ist, der eine Rückkopplung zwischen Preis- und Lohninflationsraten beinhaltet. Auch nach ihrem langen Rückgang zeigt [sich], dass die Arbeitszahlungen immer noch 55 % der Produktionskosten ausmachen und mit in die Inflationsrechnung einfließen müssen.
Der "reale Gleichgewichtseffekt" (oder die "Inflationssteuer" in einer dynamischen Version) besagt, dass ein Anstieg des Preisniveaus den realen Wert von Vermögenswerten mit nominal festgelegten Preisen verringert - Geld ist das übliche BeiSpiel. Der Wohlstand sinkt und die Haushalte sollen in der Folge mehr sparen. Neben einer Lohnverzögerung ist der Realgleichgewichtseffekt der wichtigste Anpassungsmechanismus in Milton Friedmans (1968) "Inflation"-Modell, das der heutigen Geldpolitik noch immer zugrunde liegt. "Zwangssparen" entsteht, wenn ein Preissprung gegen einen konstanten Geldlohn die realen Zahlungen an die Lohnempfänger reduziert. Wenn ihre Kreditkapazität begrenzt ist, müssen sie den Konsum senken und die Nachfragekurve nach unten verschieben. Wenn ein expansives Paket das Preisniveau in die Höhe treibt, wären die Haushalte der Mittelschicht und der unteren Einkommensschichten, die auf Löhne angewiesen sind, diejenigen, die leiden würden.
Konflikte entstehen, weil Preiserhöhungen von der Wirtschaft kontrolliert werden, während der Geldlohn Gegenstand von Verhandlungen zwischen Wirtschaft und Arbeit ist. Beide Seiten versuchen, den Arbeitsanteil als wichtigen Verteilungsindikator zu manipulieren. In einem inflationären Gesamtumfeld kann die Wirtschaft sofort auf einen Anstieg des Lohnanteils oder der Produktion reagieren, indem sie die Preissteigerungsrate der Phillips-Kurve entlang des "Inflation"-Zeitplans nach oben treibt (...). Geldlöhne hingegen werden nicht sofort an die Preisinflation gekoppelt, so dass sie mit Verzögerung folgen werden. Die Arbeit wird auf eine schnellere Lohninflation drängen, wenn der Lohnanteil niedrig ist.
Angenommen, es gibt ein anfängliches Inflationsgleichgewicht (...). Der Vorschlag von [Summers und Stansbury], die Fiskalpolitik zur Stimulierung der Gesamtnachfrage zu nutzen, würde die Inflationskurve nach oben treiben (...) mit einer schnelleren Inflation und einem etwas niedrigeren Lohnanteil im Makrogleichgewicht (...) entlang des stabilen Aktienplans. Angesichts des Verschwindens von NAIRU [Non Accelerating Inflation Rate of Unemployment] in den letzten zwei Jahrzehnten ist nicht klar, wie stark diese Aufwärtsbewegung sein könnte.
Die Art und Weise, wie sich expansive Politik im Hinblick auf Ungleichheit und (möglicherweise) schnellere Inflation auszahlen könnte, wäre eine Aufwärtsbewegung im stabilen Aktienplan, wenn sich der Arbeitsmarkt strafft, was zu mehr Verhandlungsmacht für die Arbeit führt.
Die neuen keynesianischen Erfinder sind nun die regierenden Ältesten der Makroökonomie, die ihre Meinung wahrscheinlich nicht ändern werden. (...) [Summers und Stansbury] erinnern sich vielleicht mit Max Planck daran, dass die Wissenschaft eine Beerdigung nach der anderen vorantreibt. Sie haben sicherlich Recht, wenn sie sagen, dass "die Rolle bestimmter Reibungen und Rigiditäten bei der Untermauerung von Konjunkturschwankungen im Vergleich zu einem grundlegenderen Mangel an der Gesamtnachfrage heruntergeSpielt werden sollte".
(...) Viele der richtigen Beobachtungen, die [Summers und Stansbury] über die wahrscheinliche Ineffektivität von Zinsänderungen machen, wurde vor fast 90 Jahren von Keynes' Kollege Piero Sraffa (1932a (1), 1932b (2)) in einer Kontroverse mit Friedrich von Hayek angesprochen. Sraffas Hauptaugenmerk lag auf der Nichtanwendbarkeit eines "natürlichen Zinssatzes", ein Punkt, der durch Keynes in der Allgemeinen Theorie verstärkt wurde.
Der natürliche Zinssatz bleibt jedoch ein Thema, das für linksgerichtete Keynesianer von großem Interesse ist. Wie sie diese Idee mit der faschistischen keynesianischen Perspektive von [Summers und Stansbury] in Einklang bringen, bleibt abzuwarten. >Zentralbank/Summers.



1. Sraffa, Piero (1932a) “Dr. Hayek on Money and Capital,” Economic Journal, 42: 42-53.
2. Sraffa, Piero (1932b) “Money and Capital: A Rejoinder,” Economic Journal, 42: 249-25.



Taylor, Lance: Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession

EconTayl I
John Brian Taylor
Discretion Versus Policy Rules in Practice
In
Carnegie-Rochester Conference Series on Public Pol, 1993

Taylor III
Lance Taylor
Central Bankers, Inflation, and the Next Recession, in: Institute for New Economic Thinking (03/09/19), URL: http://www.ineteconomics.org/perspectives/blog/central-bankers-inflation-and-the-next-recession 9/3/2019

TaylorB II
Barry Taylor
"States of Affairs"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

TaylorCh I
Charles Taylor
The Language Animal: The Full Shape of the Human Linguistic Capacity Cambridge 2016

Der gesuchte Begriff oder Autor findet sich in folgenden 21 Kontroversen:
Begriff/
Autor/Ismus
Autor Vs Autor
Eintrag
Literatur
Gewinn Spiel Boer Vs Castaneda, H.-N. Frank I 387
Castaneda: These: sowohl die singuläre indexikalische Bezugnahme der ersten Person als auch die ihr entsprechende quasi indexikalische Referenz ist begrifflich irreduzibel. Boer/LycanVsCastaneda:
I 388
(1) Armand glaubt, dass er (selbst) glücklich ist
(1.A) [Die triadische Relation] GLAUBT verbindet Armand, eine leere Objektfolge und [das demonstrative] DASS > [was auf einen Satztyp verweist, der in jeder Sprache dieselbe allgemeine Verhaltensrolle hat wie unser Satz] "Ich bin glücklich".

Pfeil: Zeigehandlung des Sprechers
in eckigen Klammern: Kommentar des Analytikers in bezug auf die folgenden Ausdrücke.
DASS: setzt Davidsons Theorie der indirekten Rede um: es zeigt auf einen Satz, den der Sprecher hervorbringt, der bloß phonetisch oder graphisch neben das psychologische Verb gestellt ist.
Rolle des Satzes: (nach Sellars): in Def "Punkt Anführungszeichen": das signalisiert die Rolle, die Tokens dieses Typs in der Verhaltensökonomie des Sprechers Spielen: Bsp "red" (in Punkt-Anführungszeichen) bezeichnet dieselbe Rolle wie ein in Punkt-Anführungszeichen gesetztes "rouge". Das ist ein ErkenntnisGewinn.
((s) Sprachunabhängig! anders als bei Tarski).
das ist eine nominalistische Analyse von "er selbst". (>Nominalismus).
Castaneda: Frage: 1. (diagonales Argument aus 3. I 337): Propositionen haben Wahrheitswerte, Problem: gibt es ausreichend Propositionen um unendliche Eigenschaften zu beschreiben?)
2. Realismus: fragt: wie könne Objekte und Fälle von Verhalten voneinander unterschieden werden, ohne dass Qualitäten oder Relationen Klassifikationskriterien und Rollenmerkmale liefern?


Hector-Neri Castaneda (1987b): Self-Consciousness, Demonstrative Reference,
and the Self-Ascription View of Believing, in: James E. Tomberlin (ed) (1987a): Critical Review of Myles Brand's "Intending and Acting", in: Nous 21 (1987), 45-55

James E. Tomberlin (ed.) (1986): Hector-Neri.Castaneda, (Profiles: An
International Series on Contemporary Philosophers and Logicians,
Vol. 6), Dordrecht 1986

Boer I
Steven E. Boer
Thought-Contents: On the Ontology of Belief and the Semantics of Belief Attribution (Philosophical Studies Series) New York 2010

Boer II
Steven E. Boer
Knowing Who Cambridge 1986

Fra I
M. Frank (Hrsg.)
Analytische Theorien des Selbstbewusstseins Frankfurt 1994
Gewinn Spiel Simons Vs Chisholm, R.M. Chisholm II 166
SimonsVsChisholm/SimonsVsBrentano: These: Chisholm hat von Brentano einen mereologischen Essentialismus geerbt, mit dem ich nicht übereinstimme. Ich werde aber diese Ideen benutzen, um eine leicht abweichende Interpretation von Wittgensteins Tractatus zu geben. Wittgenstein selbst war nicht so klar in bezug auf Tatsachen wie es scheint. Selbstkritik: Durcheinander von Tatsachen und Komplexen.
Zwischen dem späteren Wittgenstein und Brentano liegen Welten, aber es gibt Berührungen zwischen Brentano und dem Tractatus.

Simons I 1
Extensionale Mereologie/Simons: ist die klassische Theorie. Schreibweise: CEM.
Individuenkalkül/Leonard/Goodman: (40er Jahre): andere Name für die CEM. Das soll zum Ausdruck bringen, dass die Gegenstände der Teil-Ganzes-Relation zum niedrigsten logischen Typ gehören (alles Individuen sind, sowohl ein Ganzes als auch ein Teil sind Individuen).
VsCEM: 1. Behauptet die Existenz von Summen als Individuen, für deren Existenz wir außerhalb der Theorie keinerlei Hinweise haben.
Vs: 2. Die ganze Theorie ist für die meisten Dinge in unserem Leben gar nicht anwendbar.
Vs: 3. Die Logik der CEM hat nicht die Ressourcen, mit temporalen und modalen Begriffen umzugehen: Bsp zeitlicher Teil, wesentlicher Teil usw.
Simons: das sind alles externe Kritiken, es gibt aber eine interne Kritik: die erwächst aus der
Extensionale Mereologie: These: Objekte mit denselben Teilen sind identisch (analog zur Mengenlehre).
Problem:
1. Flux: Bsp Menschen haben verschiedene Teile zu verschiedenen Zeiten.
I 2
2. Modalität/extensionale Mereologie: Problem: Bsp ein Mensch könnte andere Teile haben, als er aktual hat und dennoch derselbe Mensch sein. (s) Die Extensionalität würde dann zusammen mit der Leibniz‘schen Identität verlangen, dass alle Teile wesentlich sind. Das führt zum:

Chisholm/Mereologischer Essentialismus/Simons: Chisholm vertritt den mereologischen Essentialismus: These: kein Objekt kann andere Teile haben, als es aktual hat.
Vs: Problem: zu erklären, wieso normale Gegenstände nicht modal starr (alle Teile wesentlich) sind.
Lösung/Chisholm: These: (erscheinende) Dinge (appearances) ((s) alltägliche Dinge) sind logische Konstruktionen aus Objekten, für die der mereologische Essentialismus gilt.
Flux/Mereologie/Simons: Problem/(s): sich verändernde Objekte dürfen nach der CEM nicht als mit sich identisch angesehen werden.
1.
Lösung/Chisholm: These: die tatsächlichen sind mereologisch konstant und die Erscheinungen wieder logische Konstruktionen aus unveränderlichen Objekten. SimonsVsChisholm: der Preis ist zu hoch.
2.
verbreitete Lösung: Ersetzung der normalen Dinge (continuants) durch Prozesse die ihrerseits zeitliche Teile haben.
SimonsVs: damit kann die Extensionalität nicht aufrechterhalten werden. Solche vierdimensionalen Objekte scheitern am modalen Argument.

CEM/Ereignis/Simons: im Fall von Ereignissen ist die extensionale Mereologie angebracht. Auch bei:
Klassen/Massen/Simons: das sind nicht-singuläre Objekte, für die die Extensionalität gilt.
Teil/Simons: ist mehrdeutig, je nachdem ob im Zusammenhang mit Individuen, Klassen oder Massen gebraucht.

Extensionalität/Mereologie/Simons: wenn Extensionalität zurückgewiesen wird, haben wir es mit continuants zu tun.
I 3
continuants/Simons: können im Flux sein. Extensionalität/Simons: wenn sie zurückgewiesen wir, können mehr als ein Objekt exakt dieselben Teile haben und daher auch mehrere verschiedene Objekte zur selben Zeit am selben Ort sein.
I 175
Zeitlicher Teil/continuants/Mereologie/SimonsVsalle/SimonsVsChisholm: These: auch continuants können zeitliche Teile haben! D.h. sie sind nicht mereologisch konstant, sondern mereologisch variabel. continuants/Simons: These: müssen auch nicht ununterbrochen existieren. Das liefert uns eine überraschende Lösung für das Problem des Schiffs des Theseus.
I 187
SimonsVsChisholm: wenn er recht hat, sind die meisten alltäglichen Dinge, einschließlich unseres Organismus, nur logische Konstruktionen.
I 188
strikte Verbindung/Getrenntheit/SimonsVsChisholm: das Kriterium für strikte Verbindung ist unglücklicherweise so, dass es impliziert, dass wenn x und y strikt verbunden sind, aber nicht in Kontakt stehen, sie dadurch getrennt werden können, dass ein drittes Objekt zwischen ihnen vorbeigeht, was nicht per se ein Wandel ist auch nicht in ihren direkten Relationen zu einander. Problem: wenn dieses Vorbeigehen nur sehr kurz ist, ist die Frage, ob die getrennte Summe der beiden, die durch das dritte Objekt ausgelöscht wurde, dieselbe ist, die wieder in die Existenz trit, wenn das dritte Objekt verschwunden ist. Wenn es dieselbe ist, haben wir eine unterbrochen existierende Summe.
Chisholm: er selbst stellt sich diese Frage an dem Bsp eine Burg aus Spielzeugsteinen wird abgerissen und aus denselben Steinen wieder aufgebaut.
I 189
Chisholm These: es ist ein Grund, mit der normalen Ontologie unzufrieden zu sein, weil sie gerade solche Beispiele ermöglich. SimonsVsChisholm: aber Chisholms eigene Begriffe haben uns gerade das vorige BeiSpiel ermöglicht.
Topologie/Simons: dennoch gibt es keinen Zweifel, dass es sinnvoll ist, topologische Begriffe wie Berühren oder im Innern von etwas sein, zur Mereologie hinzuzufügen.
I 192
Def Sukzession/Chisholm:
1.
x ist ein direkter a-Nachfolger von y zu t’ = Def (i) t beginnt nicht vor t’
(ii) x ist ein a zu t und y ist ein y zu t’
(iii) es gibt ein z so dass z ein Teil von x zu t ist und ein Teil von y zu t’ und in jedem Moment zwischen t’ und t einschließlich, ist z selbst ein a.
Simons: dabei wird es im Allgemeinen mehrere solche Teile geben. Wir wählen immer den größten.
w: sei dabei der gemeinsame Teil Bsp bei der Veränderung eines Tisches.
SimonsVsChisholm: Problem: w ist nicht immer ein Tisch!
ChisholmVsVs: behauptet, dass w sehr wohl ein Tisch sei: wenn wir einen kleinen Teil des Tischs wegschneiden bleibt immer noch ein Tisch über.
Problem: aber wenn das Ding das übrigbleibt, ein Tisch ist, weil es schon vorher dort war, dann war es ein Tisch, der ein echter Teil eines Tisches war!
I 193
SimonsVsChisholm: das Argument ist nicht gültig! Bsp Shakespeare Heinrich IV., Akt IV Szene V: Prinz Hal überlegt: wenn der König stirbt, werden wir immer noch einen König haben, (nämlich mich selbst, den Erben). Aber wenn diese Person ein König ist, dann, weil er früher schon da war, dann war er ein König, der der älteste Sohn eines Königs war. ((s) Widerspruch, weil dann zwei Könige gleichzeitig hätten da sein müssen).
Simons: dieser Punkt ist nicht neu und wurde schon von Wiggins und Quine (nicht VsChisholm) hervorgehoben.
I 194
Veränderung/Wandel/Teil/Sukzession/SimonsVsChisholm: es scheint, dass sie aber nicht kompatibel sind mit dem einfachen Fall, wo a gleichzeitig Teile gewinnt und verliert. Bsp dann sollte a+b ein A-Vorgänger von a+c und a+c ein A-Nachfolger von a+b sein. Aber das wird durch die Definitionen nicht erlaubt, außer wenn wir wissen, dass a die ganze Zeit ein A ist, so dass es a+b und a+c in einer Kette verbindet. Aber das wird meist nicht der Fall sein.
Und wenn es nicht der Fall ist, wird a überhaupt nie ein A sein!
SimonsVsChisholm: seine Definitionen funktionieren also nur, wenn er ein falsches Prinzip annimmt!
Sukzession/entia sukzessiva/SimonsVsChisholm: Problem: dass jedes der Dinge die “einstehen” sollen (für ein konstantes ens per se, um den Wandel zu erklären) selbst ein a im ursprünglichen Sinn sein soll (Bsp Tisch, Katze usw.) ist kontraintuitiv.
Lösung/Simons: das "ist" ist hier ein "ist" der Prädikation und nicht der Konstitution. (>Wiggins 1980, 30ff).
mereologische Konstanz/Simons: These: die meisten Dinge, von den wir Sachen prädizieren wie Bsp "ist ein Mensch" oder "ist ein Tisch" sind mereologisch konstant. Der Rest ist einfach lockere Redeweise und ein Spielen mit Identität.
Bsp wenn wir sagen, dass der Mann vor uns im letzten Jahr eine Menge Haare verloren hat, gebrauchen wir "Mann" sehr locker.
Chisholm: wir sollten strenggenommen sagen, dass der Mann, der heute für (stehen für) denselben sukzessiven Mann einsteht, weniger Haare hat als der Mann, der letztes Jahr für ihn einstand.
SimonsVsChisholm/WigginsVsChisholm: damit ist er gefährlich nahe am Vierdimensionalismus. Und zwar besonders wegen folgender These:
I 195
Einstehen für /stehen für/entia sukzessiva/Chisholm: These: das ist keine Relation eines Aggregats zu seinen Teilen. Sortalbegriff/Simons: die Frage ist, ob Sortalbegriffe, die an die Bedingungen geknüpft sind, die festlegen, was zu einer Zeit oder über die Zeit als ein Ding oder als mehrere Dinge einer Art zählen soll, eher auf mereologisch konstante Objekte (Chisholm) oder auf variable Objekte (Simons, Wiggins) anwendbar sind.
SimonsVsChisholm: seine These hat zur Folge dass die meisten Menschen meist ihre meisten Begriffe falsch gebrauchen, wenn das dann nicht überhaupt immer der Fall ist.
I 208
Person/Körper/unterbrochene Existenz/Identität/Mereologie/Chisholm/Simons: unsere Theorie ist am Ende gar nicht so verschieden von der von Chisholm, außer dass wir nicht Materie-Konstanz als „streng und philosophisch“ annehmen und diese einem alltagssprachlichen Gebrauch von Konstanz gegenüberstellen. SimonsVsChisholm: Vorteil: wir können zeigen, wie der aktuale Gebrauch von „Schiff“ mit versteckten Tendenzen zusammenhängt, ihn im Sinne von „materie-konstantes Schiff“ zu gebrauchen.
Schiff des Theseus/SimonsVsChisholm: wir sind nicht zu mereologischem Essentialismus verpflichtet.
Ein materie-konstantes Schiff ist letztlich ein Schiff! D.h. es ist gebrauchsfähig!
unterbrochene Existenz/Substrat/Simons: es muss ein Substrat geben, das die Identifikation über die Lücke hinweg erlaubt.

I 274
SimonsVsChisholm: nach seinem Prinzip gibt es gar kein echtes Objekt, das ein Tisch ist, denn dieser kann ständig seine Mikrostruktur ändern ((s) Atome gewinnen oder verlieren). Chisholm/Simons: damit ist Chisholm aber nicht der geringste Widerspruch nachgewiesen.

Simons I
P. Simons
Parts. A Study in Ontology Oxford New York 1987

Chisholm I
R. Chisholm
Die erste Person Frankfurt 1992

Chisholm II
Roderick Chisholm

In
Philosophische Aufsäze zu Ehren von Roderick M. Ch, Marian David/Leopold Stubenberg Amsterdam 1986

Chisholm III
Roderick M. Chisholm
Erkenntnistheorie Graz 2004
Gewinn Spiel Hintikka Vs Cresswell, M.J. Cresswell I 158
Spieltheoretische Semantik/GTS/Spieltheorie/Hintikka/Terminologie/Cresswell: ist für meine Zwecke eigentlich nicht wichtig.
I 159
HintikkaVsCresswell: Vs Gebrauch von Entitäten höherer Stufe. ((s) Statt Logik 2. Stufe und statt verzweigter Quantoren, um Kompositionalität wieder herzustellen). (Hintikka 1983, 281-285). CresswellVsHintikka/CresswellVsSpieltheoretische Semantik: 1. sie quantifiziert selbst über Entitäten höherer Stufe, nämlich Strategien! Insbesondere in den WB für Sätze wie (28), trotz Hintikkas Behauptung, verzweigte Quantoren würden Individuen nur erwähnen. (s. 282).
CresswellVsHintikka: 2.
Def Wahrheit/Spieltheoretische Semantik/Hintikka: besteht in der Existenz einer Gewinnstrategie.
Wenn wir nun (x)(Ey)Fxy als Ef(x)Fxf(x) formalisieren, sind wir gar nicht in einen Spielzug involviert!
Spielzug/Spieltheorie/Hintikka/Cresswell: besteht in einer einzelnen bestimmten Wahl der Natur für x und dann einer bestimmten Wahl durch mich.
Satzbedeutung/CresswellVsHintikka: Pointe: dann kann ein einzelnes Spiel die Satzbedeutung definieren, und nicht repräsentieren, wie der Sprecher damit umgeht bzw. seine Bedeutung repräsentiert.

Hintikka II 63
logische Allwissenheit/Semantik möglicher Welten/MöWe-Semantik/Hintikka: das Problem tritt hier gar nicht auf! Bsp (1) Ein Satz der Form „a weiß dass p“ ist wahr in einer möglichen Welt (MöWe) W gdw. p wahr ist in allen a-Alternativen. D.h. in allen Möwe, die mit dem Wissen von a kompatibel sind.
logische Allwissenheit: ihr Fehlschlagen kann so formuliert werden:
(2) Es gibt a, p und q so dass a weiß dass p, p impliziert logisch q ,aber a weiß nicht, dass q.
logische Wahrheit: wird dann modell-theoretisch analysiert:
(3) Ein Satz ist logisch wahr, gdw. er wahr in jeder logisch möglichen Welt.
Problem: (1) – (3) sind inkompatibel! Allerdings sind sie in der oben gegebenen Form noch nicht inkompatibel, sondern nur mit der zusätzlichen Annahme:
(4) Jede epistemisch mögliche Welt ist logisch möglich.
II 64
Problem: jetzt kann es sein, dass in einer epistemischen a-Alternative W’ q falsch ist! Problem: nach (4) sind diese epistemischen Welten auch logisch möglich.
Nach der logischen Wahrheit von (p > q) ((s) in diesem BeiSpiel) muss aber q in jeder logisch möglichen Welt wahr sein. Daraus entsteht der Widerspruch.
Lösung: verschiedene Autoren haben verschieden darauf reagiert:
Positivismus: nimmt Zuflucht zum nichtinformativen (tautologischen) logischer Wahrheit.
HintikkaVs: statt dessen. Möwe-Semantik.
(4): setzt die Allwissenheit schon voraus! Es setzt voraus, dass a nur scheinbare Möglichkeiten schon eliminieren kann. Das ist zirkulär.
Lösung: es kann Möglichkeiten geben, die nur möglich erscheinen, aber versteckte Widersprüche enthalten.
II 65
Problem: das Problem ist hier also (4) und nicht (2)! Lösung/Hintikka: wir müssen Möwe zulassen, die logisch unmöglich sind, aber dennoch epistemisch möglich ((s) anders als die UnMöWe, die bei Stalnaker und Cresswell diskutiert werden.
Dann können (1) – (3) zusammen wahr sein. D.h. un einer epistemischen MöWe kann (p > q) fehlschlagen.
Unmögliche Welt/UnMöWe/Hintikka: Problem: wie wir sie zulassen können.
UnMöWe/Cresswell/Hintikka: schlägt eine Uminterpretation der logischen Konstanten vor. (modelltheoretisch).
HintikkaVsCresswell: das eigentliche Problem bei der Allwissenheit ist doch, dass Leute nicht alle logischen Konsequenzen ihres Wissens erkennen. Und das Spielt sich in klassischer Logik ab. Nicht-Standard-Logik: geht an dem Problem vorbei. Man könnte sagen, sie zerstört das Problem statt es zu lösen.

Hintikka I
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
Untersuchungen zu Wittgenstein Frankfurt 1996

Hintikka II
Jaakko Hintikka
Merrill B. Hintikka
The Logic of Epistemology and the Epistemology of Logic Dordrecht 1989

Cr I
M. J. Cresswell
Semantical Essays (Possible worlds and their rivals) Dordrecht Boston 1988

Cr II
M. J. Cresswell
Structured Meanings Cambridge Mass. 1984
Gewinn Spiel Searle Vs Dennett, D. Dennett I 558
Intentionalität/SearleVsDennett: ist nicht durch die Zusammensetzung von Apparaten oder den immer besseren Aufbau von Algorithmen zu erreichen. DennettVsSearle: das ist der Glaube an Himmelshaken: der Geist soll nicht entstanden sein, er ist nicht gestaltet, sondern nur (unerklärliche) Quelle von Gestaltung.
SearleVsDennett: die Ansicht, man könne nach den "freischwebenden Gründen" für einen Selektionsprozeß für den Geist suchen, sei ein Zerrbild des darwinistischen Denkens.

Searle I 179
Wir können den Begriff von einem unbewussten Geisteszustand nur so verstehen, dass er von einem wirklichen Inhalt des Bewusstsein handelte. Def "Verbindungsprinzip": die Idee, dass alle unbewussten intentionalen Zustände im Prinzip Bewusstsein zugänglich sind.
1. SearleVsDennett: es gibt einen Unterschied zwischen intrinsischer Intentionalität und Als ob Intentionalität. Wollte man diesen Unterschied aufgeben, müsste man in Kauf nehmen, dass alles zu etwas Geistigem wird, denn relativ zu irgend einem Zweck lässt sich alles und jedes so behandeln, als ob es etwas geistiges wäre.
Bsp Fließendes Wasser ließe sich so beschreiben, als ob es Intentionalität hätte: es versucht, nach unten zu gelangen, indem es cleverer Weise die Linie des geringsten Widerstands besucht, es verarbeitet Information, des berechnet die Größe von Felsen usw.. (> Naturgesetze). Doch wenn Wasser etwas Geistiges ist, dann ist alles etwas Geistiges.
2. Unbewusste intentionale Zustände sind intrinsisch.
I 180
3. intrinsische intentionale Zustände, bewusst oder unbewusste, haben immer eine Aspektgestalt. Jemand mag ein Glas Wasser trinken wollen, ohne ein Glas H2O trinken zu wollen. Es gibt unbestimmt viele wahre Beschreibungen des Abendsterns oder eines Glases Wasser, aber wenn jemand ein Glas Wasser wünscht, dann geschieht dies nur unter gewissen Aspekten und unter keinen anderen.
I 181
4. Das Aspekte Merkmal lässt sich allein mit Hilfe von Dritte Person Prädikaten nicht erschöpfend oder vollständig charakterisieren. Es wird immer eine Folgerungslücke klaffen zwischen den erkenntnistheoretische Gründen, die wir aus dem Verhalten dafür gewinnen können, dass der Aspekt vorliegt, und der Ontologie des Aspekts selbst. Eine Person mag sehr wohl ein Verhalten des Wassersuchens an den Tag legen, aber jedes solche Verhalten wird auch ein Suchen von H2O sein. Es gibt keine Möglichkeit das Zweite auszuschließen.
I 182
Bsp Angenommen, wir hätten ein Hirn o Skop um in den Schädel einer Person zu blicken, und sehen, dass sie Wasser, aber kein H2O will, dann müsste immer noch eine Schlussfolgerung im Spiel sein! Wir müssten dann immer noch eine gesetzesartige Verknüpfung haben, die uns in die Lage versetzt, aus unseren Beobachtungen der neuralen Architektur zu schließen, dass in diesem Fall der Wunsch nach Wasser, nicht aber der Wunsch nach H2O realisiert ist. Die neurophysiologischen Tatsachen sind immer für eine beliebige Menge geistiger Tatsachen kausal hinreichend.
5. Doch die Ontologie der unbewussten Geisteszustände besteht einzig und allein in der Existenz rein neurophysiologischer Phänomene.
Bsp stellen wir uns vor, jemand schläft fest und traumlos. Nun ist es so, dass er glaubt, dass die Hauptstadt von Colorado Denver ist. Nun, die einzigen Tatsachen, die existieren können, während er völlig ohne Bewusstsein ist, sind neurophysiologische Tatsachen.
I 183
Das scheint ein Widerspruch zu sein: die Ontologie der unbewussten Intentionalität besteht ganz und gar aus objektiven, neurophysiologischen Dritte Person Phänomenen, und dennoch haben diese Zustände eine Aspektgestalt. Dieser Widerspruch löst sich auf, wenn wir folgendes berücksichtigen: 6. Der Begriff eines unbewussten intentionalen Zustands ist der Begriff von einem Zustand, der ein möglicher bewusster Gedanke ist.
7. Die Ontologie des Unbewussten besteht in objektiven Merkmalen des Gehirns, die fähig sind, subjektive bewussten Gedanken zu verursachen.
I 184
Die Existenz von Kausalmerkmalen ist damit verträglich, dass ihre Kausalkräfte in jedem Einzelfall durch Störfaktoren blockiert sein mögen. Ein unbewusster intentionaler Zustand mag so beschaffen sein, dass er von der betreffenden Person einfach nicht zum Bewusstsein gebracht wären werden könnte. Er muss jedoch ein Ding von der Art sein, das prinzipiell zum Bewusstsein gebracht werden kann. Mentalismus: der naive Mentalismus führt zu einer Art dispositionalen Analyse unbewusster Geistesphänomene. Die Idee einer dispositionalen Theorie des Geistes ist genau zu dem Zweck eingeführt worden, die Berufung auf das Bewusstsein loszuwerden. (> Dispositionen/Ryle).

III 156
Regel/VsSearle: man könnte einwenden: "ist es nicht eigentlich einfach so, "als ob" wir den Regeln folgten?" Als ob/Intentionalität/Searle: "Als ob-Intentionalität" erklärt nichts, wenn es keine wirkliche Intentionalität gibt. Sie hat keine kausale Kraft.
SearleVsDennett: sie ist so leer wie dessen "intentionale Haltung".

Searle I
John R. Searle
Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996

Searle II
John R. Searle
Intentionalität Frankfurt 1991

Searle III
John R. Searle
Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997

Searle IV
John R. Searle
Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982

Searle V
John R. Searle
Sprechakte Frankfurt 1983

Searle VII
John R. Searle
Behauptungen und Abweichungen
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

Searle VIII
John R. Searle
Chomskys Revolution in der Linguistik
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

Searle IX
John R. Searle
"Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005

Dennett I
D. Dennett
Darwins gefährliches Erbe Hamburg 1997

Dennett II
D. Dennett
Spielarten des Geistes Gütersloh 1999

Dennett III
Daniel Dennett
"COG: Steps towards consciousness in robots"
In
Bewusstein, Thomas Metzinger Paderborn/München/Wien/Zürich 1996

Dennett IV
Daniel Dennett
"Animal Consciousness. What Matters and Why?", in: D. C. Dennett, Brainchildren. Essays on Designing Minds, Cambridge/MA 1998, pp. 337-350
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Gewinn Spiel Gettier Vs Dretske, Fred Brendel I 204
Def Information/Dretske/Brendel: kein quantitatives Maß, das die beim Empfänger beseitigte Unbestimmtheit angibt, sondern das Rohmaterial, aus dem Bedeutungen entstehen.
I 205
Sie ist eine objektive Ware, deren Schaffung, Übertragung und Rezeption keine Interpretation voraussetzt oder erfordert. Signal/Dretske: Bsp Dinge, Sachverhalte, Ereignisse, Zeichen, Nachrichten usw. sie tragen Informationen. Kognitiv Handelnde können aus ihnen Wissen Gewinnen.
Informationsgehalt/Dretske: es geht darum, den IG dieser Signale zu bestimmen.
Def Information/Informationsgehalt/Dretske/Brendel: ein Signal r trägt die Information, dass s F ist, = die konditionale Wahrscheinlichkeit (Wschk) von s, F zu sein, gegeben r (und k) ist 1 (aber gegeben k allein, weniger als 1). (Dretske 1981a, 65).
k: ist das, was der Empfänger schon weiß.
Information/Dretske/Brendel: These: ist vorsprachlich, Bsp ein Verkehrszeichen. Keine Aussage. Problem: das kann so nicht in eine logische Form eingefügt werden.
Dretske: Z „Am Anfang war Information. Das Wort kam später“.
I 206
Wschk/Dretske/Brendel: soll die subjektive Komponente einführen, dass ein und dasselbe Ding für Subjekte mit verschiedenem Vorwissen verschiedene Informationen übermitteln kann.
Wschk/Dretske/Brendel: er kann keine subjektive Wschk meinen, denn dann verliert der Informationsbegriff völlig seinen objektiven Charakter.
objektive Wschk/Brendel: ist aber relative Häufigkeit (relH) bzw. deren Grenzwert, der Limes der relH von F in G.
Problem: auch das kann von Dretske nicht intendiert sein, weil wenn die Bezugsklasse G unendlich ist, so ist der Grenzwert eine Schätzung, da man nur endlich viele Beobachtungen machen kann. Dann könnte eine Wschk von 1 erhalten werden, ohne dass dies dem tatsächlichen Grenzwert entspricht.
Wschk/Dretske: eine solche lehnt er daher explizit ab.
I 207
Lösung/Dretske: Wschk als relH zwischen Bedingungstypen. 1. es muss kein endliches BeiSpiel sein, dass die aktuale Wschk reflektiert.
2. die Relation, von der die Kommunikation von Inhalten abhängt, ist die gesetzmäßige Abhängigkeit einer Bedingung von einer anderen.
DretskeVsCohen/DretskeVsLehrer: keine Identifikation einer Wschk von 1 mit einer Grenze von 1.
BrendelVsDretske/Brendel: der Begriff der Wschk bzw. Häufigkeit ist nur sinnvoll bei wiederholbaren Fällen, Bei Dretske geht es jedoch meist um einmalige Ereignisse.
Lösung/Loewer/Brendel: seinen Informationsbegriff ohne Wschk reformulieren.
Lösung/Dretske: nomische Regularität zwischen Ereignistypen, die nomisch das Vorkommen von r ausschließt, wenn s nicht F ist.
I 209
BrendelVsDretske: diese Verschiedenheit des fraglichen Vorwissens sichert noch nicht die Rekursivität. Zirkularität muss direkt ausgeschlossen werden: Das tut Dretske jedoch nicht. 2. BrendelVsDretske: was ist „kausale Stützung“: auch sie ist vom Wissen abhängig, Bsp Interpretation eines Klopfens an der Tür.
I 212
BrendelVsDretske: er zeigt nicht, die man diese nomologische Verbindung (informationale Relation) erkennen kann. D.h. wir haben gar keine Anwendungsbedingungen. …+…
I 217
Wissen/BrendelVsDretske: wenn wir nun zwei Wissensbegriffe nötig hätten, hieße das, dass Dretske Wissen nicht definiert hat. SkeptizismusVsDretske/Brendel: woher sollten wir ein solches grundlegendes Wissen haben? Und wie könnten wir sicher sein, dass wir es besitzen? Woher wissen wir, dass alle Alternativen berücksichtigt wurden? Das beantwortet Dretske nicht.

Bre I
E. Brendel
Wahrheit und Wissen Paderborn 1999
Gewinn Spiel Brendel Vs Dretske, Fred I 204
Def Information/Dretske/Brendel: kein quantitatives Maß, das die beim Empfänger beseitigte Unbestimmtheit angibt, sondern das Rohmaterial, aus dem Bedeutungen entstehen.
I 205
Sie ist eine objektive Ware, deren Schaffung, Übertragung und Rezeption keine Interpretation voraussetzt oder erfordert. Signal/Dretske: Bsp Dinge, Sachverhalte, Ereignisse, Zeichen, Nachrichten usw. sie tragen Informationen. Kognitiv Handelnde können aus ihnen Wissen Gewinnen.
Informationsgehalt/Dretske: es geht darum, den IG dieser Signale zu bestimmen.
Def Information/Informationsgehalt/Dretske/Brendel: ein Signal r trägt die Information, dass s F ist, = die konditionale Wahrscheinlichkeit (Wschk) von s, F zu sein, gegeben r (und k) ist 1 (aber gegeben k allein, weniger als 1). (Dretske 1981a, 65).
k: ist das, was der Empfänger schon weiß.
Information/Dretske/Brendel: These: ist vorsprachlich, Bsp ein Verkehrszeichen. Keine Aussage. Problem: das kann so nicht in eine logische Form eingefügt werden.
Dretske: Z „Am Anfang war Information. Das Wort kam später“.
I 206
Wschk/Dretske/Brendel: soll die subjektive Komponente einführen, dass ein und dasselbe Ding für Subjekte mit verschiedenem Vorwissen verschiedene Informationen übermitteln kann.
Wschk/Dretske/Brendel: er kann keine subjektive Wschk meinen, denn dann verliert der Informationsbegriff völlig seinen objektiven Charakter.
objektive Wschk/Brendel: ist aber relative Häufigkeit (relH) bzw. deren Grenzwert, der Limes der relH von F in G.
Problem: auch das kann von Dretske nicht intendiert sein, weil wenn die Bezugsklasse G unendlich ist, so ist der Grenzwert eine Schätzung, da man nur endlich viele Beobachtungen machen kann. Dann könnte eine Wschk von 1 erhalten werden, ohne dass dies dem tatsächlichen Grenzwert entspricht.
Wschk/Dretske: eine solche lehnt er daher explizit ab.
I 207
Lösung/Dretske: Wschk als relH zwischen Bedingungstypen. 1. es muss kein endliches BeiSpiel sein, dass die aktuale Wschk reflektiert.
2. die Relation, von der die Kommunikation von Inhalten abhängt, ist die gesetzmäßige Abhängigkeit einer Bedingung von einer anderen.
DretskeVsCohen/DretskeVsLehrer: keine Identifikation einer Wschk von 1 mit einer Grenze von 1.
BrendelVsDretske/Brendel: der Begriff der Wschk bzw. Häufigkeit ist nur sinnvoll bei wiederholbaren Fällen, Bei Dretske geht es jedoch meist um einmalige Ereignisse.
Lösung/Loewer/Brendel: seinen Informationsbegriff ohne Wschk reformulieren.
Lösung/Dretske: nomische Regularität zwischen Ereignistypen, die nomisch das Vorkommen von r ausschließt, wenn s nicht F ist.
I 209
BrendelVsDretske: diese Verschiedenheit des fraglichen Vorwissens sichert noch nicht die Rekursivität. Zirkularität muss direkt ausgeschlossen werden: Das tut Dretske jedoch nicht. 2. BrendelVsDretske: was ist „kausale Stützung“: auch sie ist vom Wissen abhängig, Bsp Interpretation eines Klopfens an der Tür.
I 212
BrendelVsDretske: er zeigt nicht, die man diese nomologische Verbindung (informationale Relation) erkennen kann. D.h. wir haben gar keine Anwendungsbedingungen. …+…
I 217
Wissen/BrendelVsDretske: wenn wir nun zwei Wissensbegriffe nötig hätten, hieße das, dass Dretske Wissen nicht definiert hat. SkeptizismusVsDretske/Brendel: woher sollten wir ein solches grundlegendes Wissen haben? Und wie könnten wir sicher sein, dass wir es besitzen? Woher wissen wir, dass alle Alternativen berücksichtigt wurden? Das beantwortet Dretske nicht.

Bre I
E. Brendel
Wahrheit und Wissen Paderborn 1999
Gewinn Spiel Tugendhat Vs Dummett, Michael I 253
Bedeutung/Behauptung/Dummett/Tugendhat: Bsp Spiel: Behauptungshandlung, Behauptung und Gegenbehauptung, "ja"/"nein" entspricht "wahr"/"falsch" einer gewinnt, einer verliert. Dieses Schema soll jeder Äußerungen jedes assertorischen Satzes zugrunde liegen!
I 254
Der Sprecher übernimmt eine Garantie, die vom Hörer in Zweifel gezogen wird. (Searle so ähnlich, s. o.).
I 255
Neu: es wird umgekehrt gesagt: wenn der Ausdruck verwendet wird, welches dann die Bedingungen sind, unter denen er richtig ist. Das setzt voraus: 1. dass die Bedingungen, in denen der Ausdruck verwendet wird für die Richtigkeit der Verwendung gleichgültig sind.
2. dass die Bedingungen von denen die Richtigkeit abhängt, solche sind, deren Erfülltsein von der Verwendung des Ausdrucks selbst garantiert wird. Was der Ausdruck garantiert, ist, dass die Bedingungen seiner Richtigkeit (Wahrheit) erfüllt sind!
Die Äquivalenz "p ⇔ dass p ist wahr" gründet darin, dass derjenige, der etwas behauptet, immer schon die Richtigkeit mitbehauptet.
I 256
Sprecher: Bedingungen und Vorhandensein zusammen garantiert. Hörer: trennt beides und stellt es getrennt in Frage. (Asymmetrie).
I 256/257
TugendhatVsDummett/TugendhatVsSearle: unbefriedigend: 1. Es ist noch nichts darüber gesagt worden, welches die Wahrheitsbedingungen einer Behauptung bzw. eines Satzes sind. Eine Möglichkeit wäre zu sagen, dass die Wahrheitsbedingungen eines Satzes ihrerseits durch einen Satz angegeben werden. Das setzt natürlich voraus, dass für die Erklärung eines Satzes immer schon ein anderer Satz zur Verfügung steht. Metasprache. (TugendhatVs). Die Erklärung muss in einer Verwendungsregel liegen.
Es genügt nicht, zu zeigen, dass der erste Satz wie der zweite verwendet wird, es muss gezeigt werden, unter welchen Bedingungen der eine Satz gebraucht wird.
2. Jedes Übernehmen einer Garantie setzt seinerseits die Verwendung eines assertorischen Satzes voraus, das ist also eine Pseudoerklärung.

II 231
TugendhatVsDummett: "Bedeutung" bei Frege sollte man nicht mit "Referenz" übersetzen!
II 232
Gerechtfertigt nur dort, wo Frege Sätze als Eigennamen auffasst!
II 247
Referenz/Tugendhat: durch meine Kritik an der Übersetzung Bedeutung = Referenz habe ich nicht den Primat der Wahrheit vor den Gegenständen in Frage gestellt. DummettVsTugendhat: es genügt nicht, die Bedeutung von Namen lediglich als Wahrheitswertpotential zu erklären: 1.die Bedeutung könnte dann als bloße Äquivalenzklasse von Ausdrücken aufgefasst werden.
TugendhatVsDummett: richtig bei Sätzen und Prädikaten, bei Namen muss man sich nicht damit begnügen.
DummettVsTugendhat: 2. Dass zwei Namen "a" und "b" dieselbe Bedeutung haben, wenn sie dasselbe Wahrheitswertpotential haben, gilt nur bei extensionalen Prädikaten. Aber mit welchem Kriterium kann man extensionale von intensionalen Prädikaten unterscheiden? Es setzte voraus, dass wir ein Kriterium für die Bedeutungsgleichheit von Namen hätten, das nicht erst durch das Leibnizsche Gesetz festgelegt wird.
II 248
Leibnizsches Gesetz/Dummett: kann nicht als Definition von "=" aufgefasst werden, sondern gründet darin, dass, wenn wir etwas von einem Gegenstand prädizieren, der Wahrheitswert der Behauptung unabhängig sein muss von der Gegebenheitsweise!. TugendhatVsDummett: nicht so bei Frege: Dummett weist selbst darauf hin, dass er das Leibnizsche Gesetz als Definition von "=" aufgefasst hat.
Tugendhat: wir können, was wir mit Identität meinen, nicht mit dem Gesetz erklären. Tugendhat pro Dummett.
TugendhatVsDummett: mit Sätzen als Äquivalenzklassen hat man nicht den Bezug zur Welt verloren: es geht nur um ganz bestimmte Äquivalenzklassen, die natürlich durch die Beschaffenheit der Welt bestimmt sind.
Dummett: Sätze nicht gleich Namen! (VsFrege).
II 249
Referenz/Dummett: > href="https://www.philosophie-wissenschaft-kontroversen.de/suche.php?x=0&y=0&volltext=semantische+Rolle">semantische Rolle. Tugendhat: das ist genau dasselbe wie mein "Wahrheitswertpotential". ((s) > semantischer Wert).
II 250
Referenz/Frege: er hat nie von Referenz gesprochen Prädikate/Frege: er hat nie davon gesprochen, dass die Bedeutungen von Prädikaten als "Quasi-Gegenstände" verstanden werden müssten.
Dummett/Tugendhat: der berechtigte Kern an Dummetts Kritik: aus dem Wahrheitswertpotential folgt noch nicht, dass die Bedeutung eines Namens ein Gegenstand sei.

Tu I
E. Tugendhat
Vorlesungen zur Einführung in die Sprachanalytische Philosophie Frankfurt 1976

Tu II
E. Tugendhat
Philosophische Aufsätze Frankfurt 1992
Gewinn Spiel Peacocke Vs Dummett, Michael II 165
Behauptung/Dummett: im strikten Sinn kann dann charakterisiert werden als eine Quasi Behauptung, deren Rechtfertigungskriterium mit den Wahrheitsbedingungen für den entsprechenden Gedanken zusammenfällt. PeacockeVsDummett: damit ist er im Zirkel! Wir müssen uns daran erinnern, daß es eine Adäquatheitsbedingung ist, daß jeder Zugang die Verbindung zwischen Wahrheit und Behauptung (besser Sagen) liefert: eine Aussage ist war, wenn die Dinge so sind, wie er es in der Äußerung sagt. Wie soll man also vorgehen?
Parallele zum Spiel:
Def Gewinn/Peacocke: wenn man die Ziele erfüllt, die man qua Spieler hat.
Wir müssen also zeigen, daß in der Sprache die eine Gemeinschaft hat ein Spiel geSpielt wird anstelle von einem anderen. Und bei der Analyse dürfen wir keine solchen Begriffe wie "Gewinnen" oder "Ziele qua Spieler" gebrauchen.

Peacocke I
Chr. R. Peacocke
Sense and Content Oxford 1983

Peacocke II
Christopher Peacocke
"Truth Definitions and Actual Languges"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976
Gewinn Spiel Leeds Vs Field, H. Field II 304
Unbestimmtheit /Mengenlehre/ML/Leeds/Field: Bsp jemand hält den Begriff "Menge" für unbestimmt, dann kann er statt dessen sagen: die Extension des Begriffs sei "so groß wie möglich". (Leeds 1997,24) (s) "alles, was unter den Begriff fällt"). Dann kann der Begriff enger und weiter gefaßt werden. Mächtigkeit des Kontinuums/Unbestimmtheit/Field: diese Unbestimmtheit müßte aber mindestens ebenso sehr den Begriff der Elementbeziehung umfassen.
LeedsVsField: es ist inkohärent, Mengenlehre zu akzeptieren und gleichzeitig ihre Begriffe als unbestimmt zu bezeichnen. Insbesondere, dann auch noch die klassische Logik darauf anzuwenden.
Field: das kann auch so aussehen, besonders, daß man die philosophischen Kommentare von der Mathematik trennen soll. Aber wir müssen die Trennung von der Praxis gar nicht vornehmen:
Bsp wenn der Glaube in Unbestimmtheit sich darin äußert, ob der Glaubensgrad des Mathematikers in die Kontinuumshypothese und sein "Zweifelsgrad" in dieselbe sich zu 1 summieren. ((s) Daß es keinen Raum für eine dritte Möglichkeit gibt.)
Problem: ein Mathematiker, für den sie sich zu 1 summieren kann sich fragen, "Ist die Kontinuumshypothese korrekt?" und dafür mathematische Beweise suchen. Aber ein andere Mathematiker, für den die Glaubensgrade zu 0 summieren ((s) weil er weder an die Kontinuumshypothese noch an die Negation glaubt) wird die Suche nach einem Beweis für irregeleitet halten. Jede Möglichkeit sei es wert, verfolgt zu werden.
Die Idee hinter der Unbestimmtheit ist aber, daß es wenig zu bestimmen gibt jenseits der akzeptierten Axiome. ((s) Keine Tatsache).
Kontinuumshypothese/Field: praktische Erwägungen mögen einer Auffassung in einem bestimmten Kontext den Vorzug geben, einer anderen in einem anderen Kontext.
Lösung/Field: das ist kein Problem, so lange diese Kontexte getrennt gehalten werden. Es zeigt aber, daß die Nützlichkeit für den Mathematiker unabhängig von der Wahrheit ist.
II 305
Williamsons/Rätsel/Unbestimmtheit/Leeds/Field: (LeedsVsField): (Bsp es muß bestimmt sein, ob Joe reich ist oder nicht): Lösung/Leeds: i) wir schließen die fraglichen Begriffe, hier z.B. "reich" aus der Teilsprache aus, die wir als "erster Klasse" annehmen und
ii) beschränken den primären (disquotationalen) Gebrauch von "referiert" bzw. "ist wahr von" auf diese Teilsprache.
Unbestimmtheit/Leeds: liegt dann einfach darin, daß es keine einheitlich beste Weise der Übersetzung in die Teilsprache gibt, auf die wir das Zitattilgungsschema anwenden.
Field: das ist genial: alle Unbestimmtheit auf die Unbestimmtheit der Übersetzung zu reduzieren.
FieldVsLeeds: ich bezweifle aber, daß man dem letztlich Sinn abGewinnen kann.
Problem: zwischen unbestimmten Termini und solchen Termini zu unterscheiden, die sich bloß in der Extension von denen der Teilsprache "erster Klasse" unterscheiden. Insbesondere, wenn wir mehrere Übersetzungen in unsere Teilsprache haben, die sich untereinander in der Extension unterscheiden.
Lösung/Disquotationalism: dieser würde die fremden Terme in der eigenen Sprache integrieren. Dann dürfen wir zitieren. (Quine, 1953 b, 135. s.o. Kap. IV II 129-30).
Problem: wenn wir "/" und "" integrieren droht die Lösung die wir oben erhalten hatten, zu verschwinden.
FieldVsLeeds: ich fürchte, das letztendliche Ziel wird nicht erreicht: Unbestimmtheit der Ausdrücke in unserer eigenen Sprache auszuschließen. Das scheint sogar für unsere wissenschaftlichen Begriffe unmöglich!
Bsp Wurzel –1/√-1/Brandom/Field: hier ist die Unbestimmtheit nicht beseitigt: wir können die Teilsprache "erster Klasse" einfach dazu gebrauchen zu sagen, dass –1 zwei Wurzeln hat, ohne einen Namen wie "i" einzuführen, der "für eine von beiden stehen" soll.
FieldVsLeeds: wir können Mengenlehre akzeptieren, ohne ihre Sprache als "erster Klasse" anzunehmen. ((s) Aber die Idee war doch, die mengentheoretischen Begriffe aus der Teilsprache erster Klasse zu eliminieren und "wahr von" und "referiert" auf die Teilsprache zu beschränken).
Field: das können wir sogar, wenn wir den Platonismus annehmen (eigentlich FieldVsPlatonismus) :
II 306
Bsp wir nehmen eine fundamentale Theorie T die kein mengentheoretisches Vokabular hat, sondern nur sagt, daß es unendlich viele nicht-physikalische ewig existierende Objekte gibt und die die Konsistenz der basalen Mengenlehre postuliert. (Widerspruchsfreiheit ist dann der Grundbegriff, der von seinen eigenen Axiomen geregelt wird und nicht in mengentheoretischen Begriffen erklärt ist. (Field 1991). Dann übersetzen wir die Sprache der Mengenlehre in T indem wir "Menge" als wahr von einigen oder allen der nicht-physikalischen ewig existierenden Objekte annehmen und "Element von" so interpretieren, dass die normalen Axiome wahr bleiben.
Dann gibt es mehrere Weisen, das zu tun, und verschiedene machen verschiedene Sätze über die Mächtigkeit des Kontinuums wahr. Dann hat die Kontinuumshypothese keinen bestimmten Wahrheitswert. (Kontinuumshypothese; >ohne Wahrheitswert).
Problem: wenn wir mathematische Anwendungen auf nichtmathematische Gebiete ausdehnen, brauchen wir nicht nur mathematische Widerspruchsfreiheit, sondern auch WSF mit diesen anderen Gebieten. Und man müsste auch annehmen, daß die entsprechenden außer-mathematischen Theorien platonistisch reformuliert werden könnte.
1. Das könnte man, indem man sie durch eine nominalistische (!) Theorie ersetzt.
2. man könnte die platonistische Theorie durch die Forderung ersetzen, daß alle nominalistischen Konsequenzen von T-plus-gewählte-Mengelehre wahr sind.
FieldVs: letzteres sieht wie ein billiger Trick aus, aber hier muß die gewählte Mengenlehre nicht eine sein, die die Mächtigkeit des Kontinuums entscheidet.
Auch muß die gewählte Mengenlehre für eine physikalische oder psychologische Theorie nicht mit der für ein anderes Gebiet kompatibel sein. Das zeigt, daß die Wahrheit der ML nicht in einem übergeordneten Bezugssystem angenommen wird. Es geht nur um instrumentelle Nützlichkeit.
FieldVsLeeds: wir können Unbestimmtheit in unserer eigenen Sprache nicht ausschließen, die weit über Vagheit hinausgeht, selbst wenn wir seine Lösung zugestehen. Aber auch das müssen wir nicht: meine Lösung scheint mir attraktiver.

I 378
Wahrheit/W-Theorie/W-Begriff/Leeds: wir müssen jetzt unterscheiden zwischen a) Wahrheits-Theorie (T-Theory) ((s) in der Objektsprache) und
b) Theorien des Begriffs der Wahrheit ((s) metasprachlich, MS) .
Field: (1972): These: wir brauchen eine SI Theorie der Wahrheit und der Referenz (dass eine Standard Interpretation immer verfügbar ist), und diese Theorie ist auch erhältlich.
(LeedsVsStandard-Interpretation/VsSI//LeedsVsField).
Field/Leeds: sein Argument beruht auf einer Analogie zwischen Wahrheit und (chemischer) Valenz. (..+....).
Field: These: wenn es so ausgesehen hätte, dass man sie nicht reduzieren könnte, wäre das ein Grund gewesen, die Theorie der Valenzen aufzugeben. Und zwar trotz der Nützlichkeit der Theorie!
Wahrheit/Field: These: (in Analogie zur Valenz): trotz allem was wir über die Extension des Begriffs wissen, auch für ihn gibt es noch die Notwendigkeit einer physikalistisch akzeptablen Reduktion!
Leeds: was Field eine physikalistisch akzeptable Reduktion nennen würde, wäre das, was wir die SI Theorie der Wahrheit nennen: dass es immer eine Standard Interpretation für "wahr" für eine Sprache gibt.
Field/Leeds: Field suggeriert, dass es möglich ist, so etwas am Ende zu entdecken.
LeedsVsField: betrachten wir die Analogie genauer: Frage: wäre eine bloße Liste von Elementen und Zahlen (Statt Valenzen) nicht akzeptabel?
I 379
Das wäre keine Reduktion, weil die Chemiker das Gesetz der Valenz formuliert hatten. Physikalismus/Naturgesetz/Leeds: verlangt nicht, dass alle Begriffe in einer einfachen oder natürlichen Weise erklärt werden können, sondern dass fundamentale Gesetze einfach formulierbar sind.
Reduktion/Leeds: nur weil das Wort "Valenz" in einem strikten Gesetz vorkommt, sind der Reduktion strenge Beschränkungen auferlegt.
Wahrheit/Tarski/LeedsVsTarski: die Tarskischen Definitionen von T und R erzählen uns nicht die ganze Geschichte über Referenz in Englisch und Wahrheit in Englisch.
Referenz/Wahrheit/Leeds: diese Relationen haben eine Natürlichkeit und Wichtigkeit, die nicht in einer bloßen Liste erfaßbar sind.
Field/Reduktion/Leeds: wenn wir eine Reduktion à la Field wollen, müssen wir eine Analogie zum Gesetz der Valenzen für den Fall der Wahrheit finden. D.h. wir müssen ein Gesetz oder eine Regularität über Wahrheit in Englisch finden.
Analogie/Field: (und viele andere) sehen in der Nützlichkeit des Wahrheits-Begriffs die Analogie zum Gesetz.
LeedsVsField: die Nützlichkeit kann aber vollständig ohne eine SI Theorie erklärt werden. Es ist einfach nicht überraschend, dass wir Verwendung für ein Prädikat P haben, mit der Eigenschaft, dass "’__’ ist P" und "__" immer austauschbar sind. ((s)>Redundanztheorie).
Und zwar weil wir oft in einer Position sind, dass wir jeden Satz in einer gewissen unendlichen Menge z (z.B. wenn alle Elemente die Form gemeinsam haben) behaupten möchten. ((s) "Alle Sätze der Form "a = a" sind wahr"), >Verallgemeinerung.
Verallgemeinerung/W-Prädikat/Leeds: logische Form: (x)(x ε z > P(x)).
Semantischer Aufstieg/Abstieg/Leeds: dafür ist dann Wahrheit ein bequemer Begriff. Ebenso für unendliche Konjunktion und Disjunktion.
I 386
Pointe: dann ist also der Begriff der Wahrheit theoretisch verzichtbar! Es scheint mir nicht ausgeschlossen, dass man eine Sprache mit unendlichen Konjunktionen und Disjunktionen lernen könnte. Und zwar, wenn sie in Inferenzen so behandelt werden. Sie können endlich notiert werden.
I 380
Wahrheit/Leeds: dass sie nützlich ist bei dem was Quine "Disquotation" nennt, ist noch keine Theorie der Wahrheit (W-Theorie). Nutzen/Erklärung/W-Theorie/Leeds: um die Nützlichkeit des W-Begriffs zu erklären, brauchen wir nichts über die Relationen zwischen Sprache und Welt zu sagen. Referenz braucht dann keine wichtige Rolle zu Spielen.
Lösung/Leeds: wir haben hier keine W-Theorie, sondern eine Theorie des Wahrheitsbegriffs. D.h. eine Theorie darüber, warum der Begriff in jeder Sprache als nützlich angesehen wird. Diese Erklärung scheint allein auf formalen Merkmalen unserer Sprache zu beruhen. Und das ist ganz unabhängig von irgend welchen Relationen der "Abbildung" oder Referenz auf die Welt.
Das können wir so überprüfen: Angenommen, wir haben ein großes Fragment unserer Sprache, für das wir den Instrumentalismus annehmen, nämlich, dass einige Wörter nicht referieren. Das gilt für Soziologie, Psychologie, Ethik usw. Dann werden wir semantischen Aufstieg nützlich finden, wenn wir über z.B. Psychologie sprechen. Bsp „Einige von Freuds Thesen sind wahr, andere falsch“ (Statt „Überich“ zu gebrauchen!).
Referenz/Wahrheit/Wahrheits-Begriff/Leeds: das zeigt, wie wenig die Nützlichkeit des Wahrheits-Begriffs von einer erfolgreichen Referenz Relation abhängt! .
Dass der Wahrheitsbegriff nützlich ist, hängt gar nicht davon ab, ob Englisch "die Welt abbildet".
I 381
Standard-Interpretation/Leeds: und das sollte unsern Glauben daran erschüttern, dass T natürlich, oder ein Standard wäre. Tarski/Leeds: das sollte uns wiederum nicht davon abhalten, "T" à la Tarski zu definieren. Und dann ist es vernünftig anzunehmen, dass "x ist wahr in Englisch gdw. T(x)" analytisch ist.
LeedsVsSI: dann haben wir zwei Möglichkeiten, ohne SI auszukommen:
a) wir können Tatsachen über Wahrheit in Englisch unter Berufung auf die W-Def ausdrücken, (wenn das Wort "wahr" gebraucht wird) oder
b) unter Berufung auf die disquotationale Rolle des W-Begriffs. Und zwar, wenn das Explanandum das Wort "wahr" innerhalb von Anführungszeichen enthält (in obliqua, (s) erwähnt).

Bekanntschaft/Russell/M. Williams: meinte damit ein direktes mentales Erfassen, keine Kausalrelation!
Das ist die ältere Form der Korrespondenztheorie.
I 491
Ihm ging es dabei um RussellVsSkeptizismus: um eine Grundlegung für Wissen und Bedeutung. FieldVsRussell/M. WilliamsVsRussell: das ist genau das Antackern des Begriffsschemas von außen an die Welt.
Field/M. Williams: sein Projekt ist dagegen mehr metaphysisch als epistemisch. Er will einen umfassenden physikalistischen Überblick. Dazu muss er zeigen, wie semantische Eigenschaften in eine physikalische Welt passen.
Wenn Field recht hätte, hätten wir einen Grund, uns auf eine starke Korrespondenztheorie zu verpflichten, aber ohne zweifelhafte epistemische Projekte, die normalerweise damit verknüpft sind. .
LeedsVsField/M. Williams: sein Argument ist aber nicht erfolgreich. Er beantwortet die Frage VsDeflationismus nicht. Denn angenommen, die Rede über Wahrheit lässt sich nicht physikalistisch erklären, dann widerspricht das der Forderung, dass es eine eindeutige Kausalordnung gibt.
Lösung: Wahrheit darf keine erklärende Rolle spielen (s.o.). Sonst haben wir es wieder mit Epistemologie (Erkenntnistheorie) zu tun. (>Rechtfertigung, Akzeptierbarkeit).

Leeds I
Stephen Leeds
"Theories of Reference and Truth", Erkenntnis, 13 (1978) pp. 111-29
In
Truth and Meaning, Paul Horwich Aldershot 1994

Field I
H. Field
Realism, Mathematics and Modality Oxford New York 1989

Field II
H. Field
Truth and the Absence of Fact Oxford New York 2001

Field III
H. Field
Science without numbers Princeton New Jersey 1980

Field IV
Hartry Field
"Realism and Relativism", The Journal of Philosophy, 76 (1982), pp. 553-67
In
Theories of Truth, Paul Horwich Aldershot 1994
Gewinn Spiel Strawson Vs Frege, G. Searle III 213
Tatsache/Aussage/Strawson: hier gibt es nicht zwei unabhängige Gebilde, Tatsachen sind das, was Aussagen aussagen. Sie sind nicht das, worüber die Aussagen Aussagen sind. Tatsachen: sind nicht sprachunabhängige Dinge in der Welt. Sie enthalten wie "Aussage" und "wahr" selbst einen gewissen Typ von Diskurs in sich.
Frege: Tatsachen sind einfach wahre Aussagen.(!) (Strawson und AustinVs).
Bsp es gibt auch nicht zwei getrennte Typen von Ereignissen wie Gewinnen und Sieg. Der Sieg besteht eben im Gewinnen.
III 214
StrawsonVsFrege: es wäre aber falsch, hier eine genaue Analogie zu ziehen (Allerdings nicht aus Austins Gründen). Tatsache und Aussage sind nicht identisch, weil sie verschiedene Rollen in unserer Sprache spielen! Tatsachen fungieren in einer Weise kausal, wie das wahre Aussagen nicht tun.

Strawson I
Peter F. Strawson
Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972

Strawson II
Peter F. Strawson
"Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit",
In
Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977

Strawson III
Peter F. Strawson
"On Understanding the Structure of One’s Language"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

Strawson IV
Peter F. Strawson
Analyse und Metaphysik München 1994

Strawson V
P.F. Strawson
Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981

Strawson VI
Peter F Strawson
Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

Strawson VII
Peter F Strawson
"On Referring", in: Mind 59 (1950)
In
Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993

Searle I
John R. Searle
Die Wiederentdeckung des Geistes Frankfurt 1996

Searle II
John R. Searle
Intentionalität Frankfurt 1991

Searle III
John R. Searle
Die Konstruktion der gesellschaftlichen Wirklichkeit Hamburg 1997

Searle IV
John R. Searle
Ausdruck und Bedeutung Frankfurt 1982

Searle V
John R. Searle
Sprechakte Frankfurt 1983

Searle VII
John R. Searle
Behauptungen und Abweichungen
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

Searle VIII
John R. Searle
Chomskys Revolution in der Linguistik
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

Searle IX
John R. Searle
"Animal Minds", in: Midwest Studies in Philosophy 19 (1994) pp. 206-219
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005
Gewinn Spiel Waismann Vs Frege, G. Waismann I 77
Frege: Definition der Zahl in zwei Schritten a) wann sind zwei Mengen gleichzahlig.
b) Definition des Begriffs der "Anzahl": sie ist gleich, wenn jedem Element der einen ein Element der anderen Menge entspricht. Eineindeutige Relation.
Unter
Def "Zahl einer Menge"/Frege: versteht er die Menge aller mit ihr gleichzahligen Mengen. Bsp Die Zahl 5 ist die Gesamtheit aller Fünferklassen in der Welt.
VsFrege: wie sollen wir feststellen dass zwei Mengen gleichzahlig sind? Offenbar durch Aufweisung einer solchen Relation.
Bsp Wenn man dazu etwa Löffel auf Tassen verteilen muss, dann hat die Relation vorher also nicht bestanden.
Solange die Löffel nicht auf den Tassen lagen, waren die Mengen nicht gleichzahlig. Das entspricht aber nicht dem Sinn, in dem man das Wort gleichzahlig verwendet. Also geht es darum, ob man die Löffel an die Tassen legen kann.
Aber was bedeutet "kann"?
I 78
Dass gleich viele Exemplare vorhanden sind. Nicht die Zuordnung bestimmt die Gleichzahligkeit, sondern umgekehrt. Die vorgeschlagene Definition gibt zwar eine notwendige, aber keine hinreichende Bedingung für die Gleichzahligkeit und fasst den Ausdruck "gleichzahlig" zu eng.
Klasse: Liste ("Schulklasse") logisch oder Begriff (Säugetiere) empirisch. Bei zwei Listen ist es weder emopirisch noch logisch zu sagen, sie lassen sich einander zuordnen. Bsp
1.Sind in diesem Zimmer ebenso viele Personen wie im Nebenzimmer? Ein Experiment liefert die Antwort.
2. Sind 3x4 Tassen gleichzahlig mit 12 Löffeln? Man kann das durch Ziehen von Linien beantworten, was kein Experiment ist, sondern ein Vorgang in einem Kalkül.
Nach Frege sind zwei Mengen nicht gleichzahlig, wenn man die Relation nicht herstellt. Man hat zwar etwas definiert, aber nicht den Begriff "gleichzahlig". Man kann die Definition erweitern, indem man davon spricht, dass sie zugeordnet werden können. Aber das ist wieder nicht richtig. Denn sind die beiden Mengen durch ihre Eigenschaften gegeben, so ist es immer sinnvoll, ihr Zugeordnetsein zu behaupten, (das hat aber einen verschiedenen Sinn, je nach dem Kriterium, an dem man die Möglichkeit der Zuordnung erkennt: dass die beiden gleichzahlig sind, oder dass es Sinn haben soll, von einer Zuordnung zu sprechen!
Tatsächlich gebrauchen wir das Wort "gleichzahlig" nach verschiedenen Kriterien: von welchen Frege nur ein einziges hervorhebt und zum Paradigma macht. Bsp
1. Liegen auf dem Tisch 3 Tassen und 3 Löffel, so sieht man auf einen Blick die Zuordenbarkeit.
II 79
2. Ist die Anzahl nicht übersehbar, sie aber in eine übersichtliche Form geordnet, z.B. Quadrat oder Raute, springt wieder die Gleichzahligkeit ins Auge. 3.Anders ist der Fall, wenn wir etwas von zwei Fünfecken feststellen, dass sie dieselbe Anzahl von Diagonalen haben. Hier fassen wir die Gruppierung nicht mehr unmittelbar auf, es ist vielmehr ein Satz der Geometrie.
4. Gleichzahlig bei eineindeutiger Zuordenbarkeit
5.Das normalen Kriterium der Zahlengleichheit ist aber das Zählen, (das nicht als Abbildung zweier Mengen durch eine Beziehung aufgefasst werden darf.)
WaismannVsFrege: Diesen verschiedenen und biegsamen Gebrauch gibt Freges Definition nicht wieder.
I 80
Das führt zu seltsamen Konsequenzen: Nach Frege müssen zwei Mengen notwendig gleichzahlig sein oder nicht und zwar aus logischen Gründen.
Bsp Angenommen, der Sternenhimmel: Jemand sagt: "ich weiß zwar nicht wie viele ich gesehen habe, aber eine bestimmte Anzahl müssen es gewesen sein." Wie unterscheide ich diese Aussage von "Ich habe viele Sterne gesehen". ((Es geht um die Zahl der gesehenen, nicht der vorhandenen Sterne). Wenn ich noch einmal zurück könnte zu der Situation, könnte ich sie nachzählen. Aber das geht nicht.
Es gibt keine Methode, die Anzahl festzustellen, und damit verliert die Zahlangabe ihren Sinn.
Bsp’ Man könnte die Sache aber auch anders sehen: eine kleine Anzahl von Sternen kann man noch zählen, etwa 5. Hier haben wir eine neue Zahlenreihe: 1,2,3,4,5, viele.
Das ist eine Reihe, die manche primitive Völker wirklich gebrauchen. Sie ist durchaus nicht unkomplett. und wir sind nicht im Besitz einer kompletteren, sondern nur eine komplizierteren, neben der die primitive zu recht besteht.
Man kann auch in dieser Reihe addieren und multiplizieren und das in voller Strenge.
Angenommen, die Dinge der Welt würden wie Tropfen an uns verbeischweben, dann wäre diese Zahlenreihe durchaus angemessen.
Bsp Angenommen, wir sollten Dinge zählen, die während des Zählens wieder verschwinden oder andere entstehen. Solche Erfahrungen würde unsere Begriffsbildung in ganz andere Bahnen lenken. Vielleicht würden Worte wie "Viel", "wenig" evtl. verfeinert, an die Stelle unserer Zahlworte treten.
I 80/81
VsFrege: seine Definition geht an alldem vorbei. Nach ihr sind zwei Mengen logisch notwendig gleichzahlig, ohne Wissen, oder sie sind es nicht. Genauso hatte man vor Einstein argumentiert, zwei Ereignisse seine gleichzeitig, unabhängig von Beobachtung. Aber so ist es nicht, sondern der Sinn einer Aussage erschöpft sich in der Art ihrer Verifikation (auch Dummett)
Waismann: man muss also auf das Verfahren zur Feststellung der Gleichzahligkeit achten, und das ist viel komplizierter als Frege meinte.
Frege: zweiter Teil der Zahldefinition:
Def Zahl/Frege: ist eine Klasse von Klassen. ((s) Anderswo: so nicht von Frege! FregeVs!).
Bsp Dem Begriff "Apfel, der auf dem Tisch liegt, kommt die Zahl 3 zu". Oder: die Klasse der auf dem Tisch liegenden Äpfel ist ein Element der Klasse 3.
Das hat den großen Vorzug der Evidenz: dass nämlich die Zahl nicht von den Dingen, sondern von dem Begriff ausgesagt wird.
WaismannVsFrege: Aber wird das dem tatsächlichen Gebrauch der Zahlworte gerecht?
Bsp Im Befehl "3 Äpfel!" hat das Zahlwort gewiss keine andere Bedeutung, aber nach Frege kann dieser Befehl nicht mehr anch dem gleichen Schema gedeutet werden. Es besagt nicht: die Klasse der Äpfel, die zu holen ist, ist Element der Klasse 3.
Denn dies ist eine Aussage, und die kennt unsere Sprache nicht.
WaismannVsFrege: seine Definition knüpft den Zahlbegriff in unnötiger Weise an die Subjekt Prädikat Form unserer Sätze.
Tatsächlich ergibt sie die Bedeutung des Wortes "3" aus der Art seiner Verwendung (Wittgenstein).
RussellVsFrege Bsp Angenommen, es gäbe genau 9 Individuen auf der Welt. Dann könnten wir die Kardinalzahlen von 0 bis 9 definieren, aber die 10, als 9+1 definiert, wäre die Nullklasse.
Folglich werden die 10 und alle folgenden natürlichen Zahlen miteinander identisch sein, sämtlich = 0.
Um das zu vermeiden müsste ein zusätzliches Axiom eingeführt werden, das
Def "Unendlichkeitsaxiom"/Russell: besagt, dass es einen Typus gibt, dem unendlich viele Individuen angehören.
Das stellt eine Aussage über die Welt dar, und von der Wahrheit dieses Axioms hängt nun wesentlich der Aufbau der ganzen Arithmetik ab.
Jedermann wird nun begierig sein zu wissen, ob das Unendlichkeitsaxiom wahr ist. Wir müssen erwidern: wir wissen es nicht.
Es ist so beschaffen, dass es sich jeder Prüfung entzieht. Dann müssen wir aber zugestehen, dass seine Annahme keinen Sinn hat.
I 82
Es hilft auch nichts, dass man das "Unendlichkeitsaxiom" als Bedingung der Mathematik mitführt, denn so gewinnt man nicht die Mathematik, wie sie tatsächlich vorliegt: die Menge der Brüche ist überall dicht, aber nicht:
die Menge der Brüche ist überall dicht, wenn das Unendlichkeitsaxiom zutrifft.
Das wäre eine künstliche Umdeutung, nur dazu ersonnen, die Lehre aufrechtzuerhalten, dass die Zahlen aus wirklichen Klassen in der Welt aufgebaut sind
(VsFrege: aber nur bedingt, denn Frege spricht nicht von Klassen in der Welt).

Waismann I 85
Der Irrtum der Logik war, dass sie glaubte, die Arithmetik fest untermauert zu haben. Frege: "Die Grundsteine, in einem ewigen Grund befestigt, sind von unserem Denken zwar überflutbar, aber nicht verrückbar." WaismannVsFrege: allein der Ausdruck die Arithmetik "begründen" gibt uns ein falsches Bild,
I 86
als ob ihr Gebäude auf Grundwahrheiten errichtet sei, während sie ein Kalkül ist, der nur von gewissen Festsetzungen ausgeht, frei schwebend, wie das Sonnensystem, das auf nichts ruht. Wir können die Arithmetik nur beschreiben, d.h. ihre Regeln angeben, nicht begründen.

Waismann I 163
Die einzelnen Zahlbegriffe bilden eine Familie. Es gibt Familienähnlichkeiten. Frage: werden sie erfunden oder entdeckt? Wir lehnen die Auffassung ab, dass die Regeln aus der Bedeutung der Zeichen folgen. Betrachten wir Freges Argumente. (WaismannVsFrege)
II 164
1.Man kann Arithmetik als ein Spiel mit Zeichen ansehen, aber dann geht der eigentliche Sinn des ganzen verloren. Wenn ich Rechenregeln aufstelle, habe ich dann den "Sinn" des "=" mitgeteilt? Oder nur eine mechanische Anweisung zum Gebrauch des Zeichens gegeben? Doch wohl das letztere. Dann geht aber das Wichtigste der Arithmetik verloren, der Sinn, der sich in den Zeichen ausspricht. (VsHilbert)
Waismann: Gesetzt, es sei so, warum beschreiben wir dann nicht lieber gleich den geistigen Vorgang?
Ich werde aber mit einer Zeichenerklärung antworten und nicht mit einer Schilderung meines geistigen Zustands, wenn man mich fragt, was 1+ 1 = 2 bedeutet.
Wenn man sagt, ich weiß doch, was das Gleichheitszeichen bedeutet, z.B. in Addition, Quadratischen Gleichungen, usw. dann hat man mehrere Antworten gegeben.
Der berechtigte Kern von Freges Kritik: wenn man nur die formelhafte Seite der Arithmetik betrachtet und die Anwendung außer acht lässt, erhält man ein bloßes Spiel. Aber was hier fehlt, ist nicht der Vorgang des Verstehens, sondern die Deutung!
I 165
Bsp Wenn ich ein Kind außer den Formeln auch noch die Übersetzungen in die Wortsprache lehre, macht es dann bloß mechanischen Gebrauch? Sicher nicht. 2. Argument: Es ist also die Anwendung, die die Arithmetik von einem bloßen Spiel unterscheidet. Frege: "Ohne einen Gedankeninhalt wird auch eine Anwendung nicht möglich sein. WaismannVsFrege: Angenommen, man erfände ein Spiel, das genauso aussieht wie die Arithmetik, aber nur zum Vergnügen dient. Würde es keinen Gedanken mehr ausdrücken?
Warum kann man von einer Schachstellung keine Anwendung machen? Weil sie keine Gedanken ausdrückt."
WaismannVsFrege: Angenommen, man erfände ein Spiel, das genauso aussieht wie die Arithmetik, aber nur zum Vergnügen dient. Würde es keinen Gedanken mehr ausdrücken?
Schach: es ist voreilig zu sagen, dass eine Schachstellung keine Gedanken ausdrückt. Waismann bringt. Bsp Figuren stehen für Truppen. Das könnte aber gerade bedeuten, Die Figuren müssten erst zu Zeichen von etwas gemacht werden.
I 166
Erst wenn man bewiesen hat, dass es einen und nur einen Gegenstand von der Eigenschaft gibt, ist man berechtigt, ihn mit dem Eigennamen "Null" zu belegen. Die Null zu schaffen, ist unmöglich. Ein >Zeichen muss etwas bezeichnen, sonst ist es nur Druckerschwärze.
WaismannVsFrege: wir wollen das letztere weder bestreiten noch zugeben. Bloß welcher Sinn kommt dieser Behauptung zu? Dass Zahlen nicht dasselbe wie Zeichen sind die wir aufs Papier schreiben, ist klar. Sie werden erst durch den Gebrauch zu dem, was sie sind. Frege meint aber vielmehr: dass die Zahlen vorher schon irgendwie da sind, dass die Entdeckung der imaginären Zahlen ähnlich wie die eines fernen Erdteiles ist.
I 167
Bedeutung/Frege: um nicht Tintenkleckse zu sein, müssen die Zeichen eine Bedeutung haben. Und die existiert dann unabhängig von den Zeichen. WaismannVsFrege: die Bedeutung ist der Gebrauch, und über den gebieten wir.

Waismann I
F. Waismann
Einführung in das mathematische Denken Darmstadt 1996

Waismann II
F. Waismann
Logik, Sprache, Philosophie Stuttgart 1976
Gewinn Spiel Plantinga Vs Gegenstücktheorie Schwarz I 57
Gegenstück/GT/PlantingaVsLewis/PlantingaVsGegenstück-Theorie: (1974(1),115f,1987(2),209): Lewis zufolge hätten dann alle Dinge streng genommen all ihre Eigenschaften essentiell, da es keine mögliche Welten (MöWe) gibt, in der sie selbst, (nicht nur irgendwelche Stellvertreter) andere Eigenschaften haben. Bsp wäre es heute ein Grad kälter, würden wir alle nicht existieren, weil dann eine andere MöWe wirklich wäre, und keiner von uns wäre dort. Ähnlich Kripke:
KripkeVsGegenstück-Theorie/KripkeVsLewis: Bsp wenn wir sagen "Humphrey hätte die Wahl Gewinnen können" reden wir nach Lewis eben nicht von Humphrey, sondern von jemand anderem. Und nichts könnte ihm gleichgültiger sein ("He couldn’t care less"). (Kripke 1980(3),44f).

1. Alvin Plantinga [1974]: The Nature of Necessity. Oxford: Oxford University Press
2. Alvin Plantinga [1987]: “Two Concepts of Modality: Modal Realism and Modal Reductionism”. Philosophical
Perspectives, 1: 189–231
3. Saul A. Kripke [1980]: Naming and Necessity. Oxford: Blackwell


Schwarz I 100
Eigenschaften/VsGegenstück-Theorie/GT/Schwarz: wenn man Gegenstücke und zeitliche Teile ablehnt, muss man alle Eigenschaften als verkappte Relationen zu Zeiten und MöWe auffassen. Dann gibt es natürlich sehr viel mehr fundamentale Relationen.
Stalnaker I 117
Identität/Stalnaker: …diese Beispiele erinnern uns daran, was für eine unflexible Relation Identität ist. Unsere Intuitionen über die Flexibilität von Möglichkeiten widersprechen dieser starren Verfassung der Identität. Gegenstück-Theorie/GT/Stalnaker: sagt uns "Entspann Dich!". Wir sollten für die Querwelteinidentität eine flexiblere Relation einführen, die Intransitivität und Asymmetrie ermöglicht.
Gegenstück-Theorie/GT/Stalnaker: die 3. Motivation für sie ist die, die den Phänomenen am nächsten ist und am wenigsten metaphysische Voraussetzungen macht.
Vs: der Aktualismus und der Vertreter einer primitiven Diesheit mögen Schwierigkeiten damit haben.
I 118
PlantingaVsGegenstücktheorie/Nathan SalmonVsGT/Stalnaker: GT/Plantinga/Salmon: kann man in zwei Doktrinen aufteilen: 1. Metaphysische These: dass die Bereiche verschiedener möglicher Welten (MöWe) sich nicht überlappen ((s) >Lewis: "Nichts ist in zwei Welten").
2. Semantische These: dass modale Prädikate in Begriffen von Gegenstücken interpretiert werden sollten statt in Begriffen der Individuen selbst.
Ad 1.: scheint einen extremen Essentialismus zu suggerieren, nach dem nichts anders hätte gewesen sein können als es aktual ist.
Extremer Essentialismus/Plantinga: wäre die These, dass "~wenn ein Blatt im Oktober 1876 in den Bergen der Nördlichen Cascaden einen Tag früher gefallen wäre, als es tatsächlich fiel, ich entweder nichtexistent wäre, oder eine Person, die sich von mir unterscheidet. Und das ist sicher falsch". (Plantinga 1974(4)).
ad 2.: kann der semantische Teil der Doktrin das lösen?
Plantinga/Salmon: das kann er nicht. Er kann nur die metaphysischen Konsequenzen verschleiern.

4. Alvin Plantinga [1974]: The Nature of Necessity. Oxford: Oxford University Press

Plant I
A. Plantinga
The Nature of Necessity (Clarendon Library of Logic and Philosophy) Revised ed. Edition 1979

Schw I
W. Schwarz
David Lewis Bielefeld 2005

Stalnaker I
R. Stalnaker
Ways a World may be Oxford New York 2003
Gewinn Spiel Strawson Vs Grice, P.H. I 24
StrawsonVsGrice: Bsp Ein Angestellter spielt mit seinem Chef Bridge. Er ist ihm überlegen aber läßt ihn gewinnen. Dabei lächelt er so, daß der Chef merkt, daß er ihn gewinnen läßt, aber nicht so penetrant, daß er ihn für unverschämt hält.Das Lächeln sieht einem spontanen Lächeln sehr ähnlich, aber absichtlich nicht vollkommen ähnlich. Man wird hier nicht sagen wollen, daß er mit dem Lächeln gemeint hat, daß er gute Karten gehabt hat.er beabsichtigt, daß der Chef denkt, er habe gute Karten, aber nicht, daß der beabsichtigt, daß der Chef das denkt! - Zusätzliche Bedingung: H soll denken, daß S eine bestimmte Absicht hat.

Strawson I
Peter F. Strawson
Einzelding und logisches Subjekt Stuttgart 1972

Strawson II
Peter F. Strawson
"Truth", Proceedings of the Aristotelian Society, Suppl. Vol XXIV, 1950 - dt. P. F. Strawson, "Wahrheit",
In
Wahrheitstheorien, Gunnar Skirbekk Frankfurt/M. 1977

Strawson III
Peter F. Strawson
"On Understanding the Structure of One’s Language"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

Strawson IV
Peter F. Strawson
Analyse und Metaphysik München 1994

Strawson V
P.F. Strawson
Die Grenzen des Sinns Frankfurt 1981

Strawson VI
Peter F Strawson
Grammar and Philosophy in: Proceedings of the Aristotelian Society, Vol 70, 1969/70 pp. 1-20
In
Linguistik und Philosophie, G. Grewendorf/G. Meggle Frankfurt/M. 1974/1995

Strawson VII
Peter F Strawson
"On Referring", in: Mind 59 (1950)
In
Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993
Gewinn Spiel Davidson Vs Idealismus Horwich I 449
Davidson/Rorty: kann man ihm (1) – (4) zuschreiben? Er hat (3) oft behauptet, aber (4) scheint nicht zu ihm zu passen, weil er ein „Realist“ ist. (2) klingt auch fremd für ihn. (s.o.): Thesen des Pragmatismus/Rorty:
1. „Wahrheit“ hat keinen erklärenden Gebrauch
2. Wir verstehen alles über die Relation Überzeugung Welt wenn wir die Kausalrelation mit der Welt verstehen. Unser Wissen über den Gebrauch von „über“ und „wahr von“ ist ein Abfallprodukt eines naturalistischen Zugangs zum Sprachverhalten. .
3. Es gibt keine Relation des „Wahrmachens“ oder „Wahrmacher“.
4. Es gibt gar keinen Streit zwischen Realismus und Anti Realismus, weil dieser auf der leeren und irreführenden Annahmen beruht, dass Überzeugungen „wahr gemacht“ werden.
Rorty: obwohl Davidson wegen seiner Nähe zu Tarski kein Pragmatist zu sein scheint, denke ich, dass man ihm alle vier pragmatistischen Thesen zuschreiben kann.
Korrespondenz/Davidson/Rorty: These der Ansatz über den Feld Linguisten (RI) ist alles, was Davidson denkt, dass man braucht, um Korrespondenz zu verstehen.
SprachSpiel/außen/RI/Davidson: der Standpunkt des Feld Linguisten ist der einzig mögliche, sich außerhalb des SprachSpiels aufzustellen. Er versucht, unserem Sprachverhalten einen Sinn abzuGewinnen. Dabei wird gefragt, wie der äußere Beobachter das Wort „wahr“ gebraucht.
((s) Dann müsste man fragen, ob das äußere SprachSpiel die Situation wirklich als inneres SprachSpiel enthält.)
DavidsonVsIdealismus: ist metaphysisch, und sucht ontologische Homogenität, hoffnungslos DavidsonVsPhysikalismus: hofft, in Zukunft eine solche Homogenität zu entdecken).(1)

1. Richard Rorty (1986), "Pragmatism, Davidson and Truth" in E. Lepore (Ed.) Truth and Interpretation. Perspectives on the philosophy of Donald Davidson, Oxford, pp. 333-55. Reprinted in:
Paul Horwich (Ed.) Theories of truth, Dartmouth, England USA 1994

Davidson I
D. Davidson
Der Mythos des Subjektiven Stuttgart 1993

Davidson I (a)
Donald Davidson
"Tho Conditions of Thoughts", in: Le Cahier du Collège de Philosophie, Paris 1989, pp. 163-171
In
Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993

Davidson I (b)
Donald Davidson
"What is Present to the Mind?" in: J. Brandl/W. Gombocz (eds) The MInd of Donald Davidson, Amsterdam 1989, pp. 3-18
In
Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993

Davidson I (c)
Donald Davidson
"Meaning, Truth and Evidence", in: R. Barrett/R. Gibson (eds.) Perspectives on Quine, Cambridge/MA 1990, pp. 68-79
In
Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993

Davidson I (d)
Donald Davidson
"Epistemology Externalized", Ms 1989
In
Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993

Davidson I (e)
Donald Davidson
"The Myth of the Subjective", in: M. Benedikt/R. Burger (eds.) Bewußtsein, Sprache und die Kunst, Wien 1988, pp. 45-54
In
Der Mythos des Subjektiven, Stuttgart 1993

Davidson II
Donald Davidson
"Reply to Foster"
In
Truth and Meaning, G. Evans/J. McDowell Oxford 1976

Davidson III
D. Davidson
Handlung und Ereignis Frankfurt 1990

Davidson IV
D. Davidson
Wahrheit und Interpretation Frankfurt 1990

Davidson V
Donald Davidson
"Rational Animals", in: D. Davidson, Subjective, Intersubjective, Objective, Oxford 2001, pp. 95-105
In
Der Geist der Tiere, D Perler/M. Wild Frankfurt/M. 2005

Horwich I
P. Horwich (Ed.)
Theories of Truth Aldershot 1994
Gewinn Spiel Lewis Vs Kripke, Saul A. V 251/252
Ereignis/Kennzeichnung/Beschreiben/Benennen/Lewis: wird meist durch akzidentelle Eigenschaften spezifiziert. Auch wenn es sogar klar ist, was es bedeutete ,es durch sein Wesen zu spezifizieren. Ein Ereignis trifft z.B. auf eine Kennzeichnung zu, hätte sich aber auch ereignen können, ohne auf die Beschreibung zuzutreffen.
Def Ereignis/Lewis: ist eine Klasse, die aus einer Region dieser Welt zusammen mit verschiedenen Regionen von anderen möglichen Welten (MöWe) besteht, in denen sich das Ereignis hätte ereignen können. (Weil Ereignisse immer kontingent sind).
Was der Beschreibung in einer Region entspricht, entspricht ihr nicht in einer anderen Region (einer anderen Welt).
Man kann nie ein vollständiges Inventar der möglichen Beschreibungen (Kennzeichnungen) eines Ereignisses erreichen.
1. künstliche Beschreibung: Bsp "das Ereignis, das im Urknall besteht wenn Essendon das EndSpiel Gewinnt, aber die Geburt von Calvin Coolidge, wenn nicht". "p > q, sonst r".
2. teils durch Ursache oder Wirkungen
3. durch Referenz auf den Ort in einem System von Konventionen Bsp Unterschreiben des Schecks
4. Vermischung von wesentlichen und akzidentellen Elementen: Singen, während Rom brennt. Bsp Tripel Eigenschaft, Zeit, Individuum, (s.o.).
5. Spezifikation durch einen Zeitpunkt, obwohl das Ereignis auch früher oder später hätte vorkommen können
6. Obwohl Individuen wesentlich involviert sein können, können akzidentell zugehörige Individuen herausgehoben werden.
7. Es kann sein, dass ein reiches Wesen eines Ereignisses darin besteht, zu schlendern, aber ein weniger fragiles (beschreibungsabhängiges) Ereignis könnte lediglich akzidentell ein Schlendern sein. ((s) Und es kann unklar bleiben, ob das Ereignis nun wesentlich durch Schlendern charakterisiert ist.)
8. Ein Ereignis, das ein Individuum wesentlich involviert, mag gleichzeitig akzidentell ein anderes Involvieren: Bsp ein bestimmter Soldat, der zufällig zu einer bestimmten Armee gehört, Das entsprechende Ereignis kann nicht in Regionen vorkommen, wo es kein Gegenstück zu diesem Soldat gibt, wohl aber, wenn es ein GS von dem Soldaten gibt, dieses aber zu einer anderen Armee gehört.
V 253
Dann wird die Armee akzidentell involviert, über die Weise ihres Soldaten. 9. Wärme: nichtstarrer Designator (nonrigid): (LewisVsKripke):
nicht starr: was immer diese Rolle hat: was immer die und die Manifestation hervorbringt.
Bsp Wärme hätte auch etwas anderes als Molekülbewegung sein können.
Lewis: in einer Welt wo Wärmefluss die entsprechenden Manifestationen hervorbringt, sind heiße Dinge solche, die eine Menge Wärmefluss haben.

Schwarz I 55
Wesen/Kontextabhängigkeit/LewisVsKripke/SchwarzVsKripke: in bestimmen Kontexten können wir durchaus fragen, Bsp wie es wäre, wenn wir andere Eltern gehabt hätten oder einer anderen Art angehörten. Bsp Statue/Ton: Angenommen, Statue und Ton existieren beide genau gleich lang. Sollen wir dann sagen, dass sie es trotz ihrer materiellen Natur schaffen, stets zu selben Zeit am selben Ort zu sein? Sollen wir sagen, dass beide gleich viel wiegen, aber zusammen nicht doppelt?
Problem: wenn man sagt, dass die beiden identisch sind, bekommt man Ärger mit den modalen Eigenschaften: Bsp Das Stück Lehm hätte auch ganz anders geformt sein können, die Statue aber nicht – umgekehrt:
I 56
Bsp Die Statue hätte aus Gold bestehen können, aber der Ton hätte nicht aus Gold bestehen können. Gegenstück Theorie/GT/Identität: Lösung: die relevante Ähnlichkeitsrelation hängt davon ab, wie wir auf das Ding Bezug nehmen, als Statue oder als Lehm.
Gegenstück Relation: Kann (anders als Identität) nicht nur vage und variabel, sondern auch asymmetrisch und intransitiv sein. (1968(1),28f): Das ist die Lösung für
Def Chisholms Paradox/Schwarz: (Chisholm, 1967(2)): Bsp Angenommen, Kripke könnte unmöglich ein Rührei sein. Aber sicher könnte er ein wenig rühreiartiger sein, wenn er ein wenige kleiner und gelber wäre! Und wäre er ein bisschen mehr so, dann könnte er auch noch mehr so sein. Und es wäre seltsam, wenn er in jener Welt nicht wenigstens ein kleines bisschen kleiner und gelber sein könnte.
GT/Lösung: weil die Gegenstückrelation intransitiv ist, folgt aber keineswegs, dass am Ende Kripke ein Rührei ist. Ein GS eines Gegenstücks von Kripke muss nicht ein Gegenstück von Kripke sein. (1986e(3),246)
I 57
KripkeVs Gegenstück-Theorie/KripkeVsLewis: Bsp wenn wir sagen „Humphrey hätte die Wahl gewinnen können“ reden wir nach Lewis eben nicht von Humphrey, sondern von jemand anderem. Und nichts könnte ihm gleichgültiger sein („he couldn’t care less“). (Kripke 1980(4),44f). Gegenstück/Gegenstücktheorie/SchwarzVsKripke/SchwarzVsPlantinga: die beiden Einwände missverstehen Lewis: Lewis behauptet nicht, dass Humphrey die Wahl nicht hätte Gewinnen können, im Gegenteil: „er hätte die Wahl Gewinnen können“ steht genau für die Eigenschaft, die jemand hat, wenn eins seiner Gegenstücke die Wahl Gewinnt. Diese Eigenschaft hat Humphrey, kraft seines Charakters. (1983d(5),42).
Eigentliches Problem: wie macht Humphrey das, dass er in der und der möglichen Welt die Wahl Gewinnt?
Plantinga: Humphrey hätte gewonnen, wenn der entsprechenden Welt (dem Sachverhalt) die Eigenschaft des Bestehens zukäme.
Lewis/Schwarz: diese Frage hat mit den Intuitionen auf die sich Kripke und Plantinga berufen, nichts zu tun.

Schwarz I 223
Namen/Kennzeichnung/Referenz/Kripke/Putnam/Schwarz: (Kripke 1980(4), Putnam 1975(6)): These: für Namen und Artausdrücke gibt es keine allgemeinbekannte Beschreibung (Kennzeichnung), die festlegt, worauf der Ausdruck sich bezieht. These: Kennzeichnungen sind für die Referenz völlig irrelevant. Beschreibungstheorie/LewisVsKripke/LewisVsPutnam/Schwarz: das wiederlegt nur die naive Kennzeichnungstheorie, nach der biographische Taten aufgelistet werden, die dem Referenten notwendig zukommen sollen.
Lösung/Lewis: seine Beschreibungstheorie der Namen erlaubt, dass Bsp „Gödel“ nur eine zentrale Komponente hat: nämlich dass Gödel am Anfang der Kausalkette steht. Damit steht die Theorie nicht mehr im Widerspruch zur Kausaltheorie der Referenz. (1984b(7),59,1994b(8),313,1997c(9),353f,Fn22).
((s)Vs: aber nicht die Kennzeichnung „steht am Anfang der Kausalkette“, denn das unterscheidet einen Namen nicht von irgendeinem anderen. Andererseits: „am Anfang der Gödel Kausalkette“ wäre nichtssagend.)
Referenz/LewisVsMagische Theorie der Referenz: wonach Referenz eine primitive, irreduzible Beziehung ist, (vgl. Kripke 1980(4),88 Fn 38), so dass wir, selbst wenn wir alle nicht semantischen Tatsachen über uns und die Welt wüssten, immer noch nicht wüssten, worauf unsere Wörter sich beziehen, nach der wir dazu spezielle Referenz-o-Meter bräuchten, die fundamentale semantische Tatsachen ans Licht bringen.
Wenn die magische Theorie der Referenz falsch ist, dann genügt nicht semantische Information im Prinzip, um uns zu sagen, worauf wir uns mit Bsp „Gödel“ beziehen: „wenn die Dinge so und so sind, bezieht sich „Gödel“ auf den und den“. Daraus können wir dann eine Kennzeichnung konstruieren, von der wir a priori wissen, dass sie Gödel herausgreift.
Diese Kennzeichnung wird oft indexikalische oder demonstrative Elemente enthalten, Verweise auf die wirkliche Welt.
I 224
Referenz/Theorie/Namen/Kennzeichnung/Beschreibungstheorie/LewisVsPutnam/LewisVsKripke/Schwarz: Bsp unsere Bananen Theorie sagt nicht, dass Bananen zu allen Zeiten und in allen möglichen Welten im Supermarkt verkauft werden. Bsp unsere Gödel Theorie sagt nicht, dass Gödel in allen möglichen Welten Gödel heißt. ((s) >Deskriptivismus). (KripkeVsLewis: doch: Namen sind starre Designatoren). LewisVsKripke: bei der Auswertung von Namen im Bereich von Temporal und Modaloperatoren muss man berücksichtigen, was in der Äußerungssituation die Kennzeichnung erfüllt, nicht in der Welt oder in der Zeit, von der gerade die Rede ist. (1970c(12),87,1984b(8),59,1997c(9),356f)
I 225
A posteriori Notwendigkeit/Kripke/Schwarz: könnte es nicht sein, dass Wahrheiten über Schmerzen zwar auf physikalisch biologischen Tatsachen supervenieren und damit notwendig aus diesen folgen, dass uns diese Beziehung aber nicht a priori oder durch Begriffsanalyse zugänglich ist? Die Reduktion von Wasser auf H2O ist schließlich nicht philosophisch, sondern wissenschaftlich. Schwarz: wenn das stimmt, macht sich Lewis die Arbeit unnötig schwer. Als Physikalist müsste er nur behaupten, dass phänomenale Begriffe in nicht phänomenalem Vokabular analysierbar sind. Man könnte auch die Analyse von Naturgesetzen und Kausalität sparen. Er könnte einfach behaupten, diese Phänomene folgten notwendig a posteriori aus der Verteilung lokaler physikalischer Eigenschaften.
A posteriori notwendig/LewisVsKripke: das ist inkohärent: dass ein Satz a posteriori ist, heißt, dass man Information über die aktuelle Situation braucht, um herauszufinden, ob er wahr ist. Bsp Dass Blair der tatsächliche Premierminister ist (tatsächlich eine a posteriori Notwendigkeit) muss man wissen, dass er in der aktuellen Situation Premierminister ist,
I 226
was wiederum eine kontingente Tatsache ist. Wenn wir genügend Information über die ganze Welt haben, könnten wir im Prinzip a priori entnehmen, dass Blair der tatsächliche Premierminister ist. A posteriori Notwendigkeiten folgen a priori aus kontingenten Wahrheiten über die aktuelle Situation. (1994b(8),296f,2002b(10), Jackson 1998a(11): 56 86), s.o. 8.2)


1. David Lewis [1968]: “Counterpart Theory and Quantified Modal Logic”. Journal of Philosophy, 65:
113–126.
2. Roderick Chisholm [1967]: “Identity through Possible Worlds: Some Questions”. Noˆus, 1: 1–8 3. David Lewis [1986e]: On the Plurality of Worlds. Malden (Mass.): Blackwell
4. Saul A. Kripke [1980]: Naming and Necessity. Oxford: Blackwell
5. David Lewis [1983d]: Philosophical Papers I . New York, Oxford: Oxford University Press
6. Hilary Putnam [1975]: “The Meaning of ‘Meaning’ ”. In [Gunderson 1975], 131–193
7. David Lewis [1984b]: “Putnam’s Paradox”. Australasian Journal of Philosophy, 61: 343–377
8. David Lewis [1994b]: “Reduction of Mind”. In Samuel Guttenplan (Hg.), A Companion to the Philosophy of Mind, Oxford: Blackwell, 412–431
9. David Lewis [1997c]: “Naming the Colours”. Australasian Journal of Philosophy, 75: 325–342
10. David Lewis [2002b]: “Tharp’s Third Theorem”. Analysis, 62: 95–97
11. Frank Jackson [1998a]: From Metaphysics to Ethics: A Defence of Conceptual Analysis. Oxford: Clarendon Press
12. David Lewis [1970c]: “How to Define Theoretical Terms”. Journal of Philosophy, 67: 427–446.

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991

Schw I
W. Schwarz
David Lewis Bielefeld 2005
Gewinn Spiel Kripke Vs Lewis, David Lewis I 90/91
MöWe/mögliche Welt/Kripke/VsLewis/KripkeVsLewis: Wenn jemand verlangt, dass jede mögliche Welt auf rein qualitative Weise beschrieben werden muss, können wir nicht sagen "Angenommen, Nixon hätte die Wahl verloren" - wir müssen vielmehr eine Kennzeichnung anwenden: "angenommen, ein Mann, der einen Hund namens Checkers hat, der wie eine Verkörperung von David Frye aussieht, befindet sich in einer bestimmten möglichen Welt und verliert die Wahl." Ein Beispiel für diese Gegenstücktheorie (counterpart theory) ist David Lewis. MöWe/Lewis: Gegenstücke, nicht dieselben Leute - Kripke: dann geht es nicht um Identifizierung, sondern Ähnlichkeitsrelation.
KripkeVsLewis: seine MöWe sind wie fremde Länder. Streng genommen ist seine Auffassung nicht eine Auffassung der "Identifizierung über mögliche Welt hinweg". Er ist vielmehr der Meinung, dass Ähnlichkeiten, die über mögliche Welten hinweg bestehen, eine Gegenstück-Relation bestimmen, die weder symmetrisch noch transitiv zu sein braucht. Das Gegenstück ist nie identisch mit diesen Gegenstand selbst. Wenn wir sagen "Humphrey hätte die Wahl Gewinnen können, wenn er was anderes getan hätte" dann reden wir also nicht über etwas, was Humphrey hätte geschehen können, sondern jemand anderem, einen "Gegenstück hätte geschehen können. KripkeVsLewis: seine Auffassung scheint mir noch bizarrer zu sein als die üblichen Begriffe der Identifizierung über mögliche Welt hinweg.
Gegenstück/Lewis: Vertreter der Theorien, dass eine mögliche Welt uns nur qualitativ gegeben ist ("Gegenstück-Theorie", David Lewis) argumentieren, dass Aristoteles, bzw. seine Gegenstücke "in anderen möglichen Welten" mit denjenigen Dingen "zu identifizieren" ist, die Aristoteles in seinen wichtigsten Eigenschaften am stärksten ähneln.
KripkeVsLewis: Aristoteles’ wichtigste Eigenschaften liegen in seinen Werken, Hitlers in seiner mörderischen politischen Rolle. Doch könnten beide gelebt haben, ohne diese Eigenschaften überhaupt gehabt zu haben. Es hängt kein logisches Schicksal über ihnen, dass es in irgendeiner Hinsicht unvermeidlich macht, dass sie die diejenigen Eigenschaften besitzen sollten, die nach unserer Ansicht wichtig für sie sind. Wichtige Eigenschaften brauchen keine wesentlichen zu sein.
I 181
Gegenstück/Lewis: qualitativ bestimmt - KripkeVs: MöWe nicht qualitativ bestimmt, sondern festgesetzt.
Lewis V XIII
KripkeVsLewis: Bsp eine runde Scheibe aus homogenem Material: die Frage, ob die Scheibe sich dreht oder nicht, ist eine Eigenschaft der Welt, die nicht auf dem Arrangement von Qualitäten (AvQ) superveniert! Wir könnten zwei mögliche Welten haben, eine mit einer sich drehenden und eine mit einer ruhenden Scheibe, und das Arrangement von Qualitäten wäre genau das gleiche.

Kripke I
S.A. Kripke
Name und Notwendigkeit Frankfurt 1981

Kripke II
Saul A. Kripke
"Speaker’s Reference and Semantic Reference", in: Midwest Studies in Philosophy 2 (1977) 255-276
In
Eigennamen, Ursula Wolf Frankfurt/M. 1993

Kripke III
Saul A. Kripke
Is there a problem with substitutional quantification?
In
Truth and Meaning, G. Evans/J McDowell Oxford 1976

Kripke IV
S. A. Kripke
Outline of a Theory of Truth (1975)
In
Recent Essays on Truth and the Liar Paradox, R. L. Martin (Hg) Oxford/NY 1984

Lewis I
David K. Lewis
Die Identität von Körper und Geist Frankfurt 1989

Lewis I (a)
David K. Lewis
An Argument for the Identity Theory, in: Journal of Philosophy 63 (1966)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (b)
David K. Lewis
Psychophysical and Theoretical Identifications, in: Australasian Journal of Philosophy 50 (1972)
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis I (c)
David K. Lewis
Mad Pain and Martian Pain, Readings in Philosophy of Psychology, Vol. 1, Ned Block (ed.) Harvard University Press, 1980
In
Die Identität von Körper und Geist, Frankfurt/M. 1989

Lewis II
David K. Lewis
"Languages and Language", in: K. Gunderson (Ed.), Minnesota Studies in the Philosophy of Science, Vol. VII, Language, Mind, and Knowledge, Minneapolis 1975, pp. 3-35
In
Handlung, Kommunikation, Bedeutung, Georg Meggle Frankfurt/M. 1979

Lewis IV
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd I New York Oxford 1983

Lewis V
David K. Lewis
Philosophical Papers Bd II New York Oxford 1986

Lewis VI
David K. Lewis
Konventionen Berlin 1975

LewisCl
Clarence Irving Lewis
Collected Papers of Clarence Irving Lewis Stanford 1970

LewisCl I
Clarence Irving Lewis
Mind and the World Order: Outline of a Theory of Knowledge (Dover Books on Western Philosophy) 1991
Gewinn Spiel Quine Vs Lewis, David II 15
Mögliche Welten/MöWe/Quine: Die meisten Verfahren sind körperorientiert, sie betreffen nicht den Begriff der Identität, sondern den des Körpers. Die meisten Prädikate bezeichnen Körper, leiten ihre Individuation davon her - Moment-zu-Moment-Identifikation. Das Dollarbeispiel wirkt recht forciert Wir setzen der hartnäckigen Körperfixierung unsere liberalere Ontologie der phys. Geg. entgegen. Alle Geg. bilden Werte meiner Variablen (bei Quantifikation).
II 158
Und was wären die analogen Werte in anderen Welten? Schlicht die Summen der physikalischen Geg. in allen MöWe, wobei die Bewohner unterschiedslos verbunden werden. Bsp Einer dieser Werte wäre "Napoleon mitsamt seinen Gegenstücken in anderen Welten" ein anderer bestünde aus Napoleon mitsamt diversen völlig verschiedenen unähnlichen Bewohnern anderer Welten. Daher verlangt die Quantifikation über Gegenstände quer durch MöWe keineswegs, dass wir dem Ausdruck "Gegenstück" irgendeinen Sinn abGewinnen! Ebenso wie beliebige Momentangegenstände zu verschiedenen Zeiten Zeitsegmente bilden, die nicht nur einem, sondern zahllosen zeitlich ausgedehnten Gegenstanden angehören.(QuineVsLewis).
Die Quantifikation über einen Bereich ist nicht schwieriger als über mehrere Bereiche, wenn es nicht zusätzliche Schwierigkeiten mit Bezug auf MöWe gibt.
Die gibt es in der Tat: nicht in der Quantifikation sondern in den Prädikaten.

Quine I
W.V.O. Quine
Wort und Gegenstand Stuttgart 1980

Quine II
W.V.O. Quine
Theorien und Dinge Frankfurt 1985

Quine III
W.V.O. Quine
Grundzüge der Logik Frankfurt 1978

Quine V
W.V.O. Quine
Die Wurzeln der Referenz Frankfurt 1989

Quine VI
W.V.O. Quine
Unterwegs zur Wahrheit Paderborn 1995

Quine VII
W.V.O. Quine
From a logical point of view Cambridge, Mass. 1953

Quine VII (a)
W. V. A. Quine
On what there is
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (b)
W. V. A. Quine
Two dogmas of empiricism
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (c)
W. V. A. Quine
The problem of meaning in linguistics
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (d)
W. V. A. Quine
Identity, ostension and hypostasis
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (e)
W. V. A. Quine
New foundations for mathematical logic
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (f)
W. V. A. Quine
Logic and the reification of universals
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (g)
W. V. A. Quine
Notes on the theory of reference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (h)
W. V. A. Quine
Reference and modality
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VII (i)
W. V. A. Quine
Meaning and existential inference
In
From a Logical Point of View, Cambridge, MA 1953

Quine VIII
W.V.O. Quine
Bezeichnung und Referenz
In
Zur Philosophie der idealen Sprache, J. Sinnreich (Hg) München 1982

Quine IX
W.V.O. Quine
Mengenlehre und ihre Logik Wiesbaden 1967

Quine X
W.V.O. Quine
Philosophie der Logik Bamberg 2005

Quine XII
W.V.O. Quine
Ontologische Relativität Frankfurt 2003

Quine XIII
Willard Van Orman Quine
Quiddities Cambridge/London 1987
Gewinn Spiel Mackie Vs Pascal, B. Stegmüller IV 481
Pascalsche Wette/Pascal/Stegmüller: wir wissen, dass Gott existiert oder nicht existiert. Aber unsere theoretische Vernunft kann nicht entscheiden. Sich einfach des Urteils enthalten kann man auch nicht, man muss sich festlegen. Möglicher Gewinn: Seligkeit und Erkenntnis der Wahrheit. Was wir riskieren sind Irrtum und Elend. Der Wetteinsatz sind Vernunft und Wille. Welche Wahl wir auch treffen, wir werden in keinem Fall der Vernunft Gewalt antun.
IV 482
Anders verhält es sich mit der Seligkeit: man verliert im Falle von Gottes Nichtexistenz nichts, hat allerdings auch nichts gewonnen. Daher spricht die praktische Vernunft für Gott. Pascal fügt hinzu: allerdings könnte man sein irdisches Glück verlieren (wenn es in Prasserei besteht) aber der Vergleich zur ewigen Glückseligkeit spricht für letztere.
Man braucht nicht davon auszugehen, dass die Wahrscheinlichkeit für Existenz oder Nichtexistenz gleich groß sind! Selbst wenn die Ungleichheit gegen unendlich geht spricht alles für den Einsatz zugunsten der Existenz. ((s) >egalitäre/inegalitäre Theorien/Nozick).
Mackie gibt in seinem Buch eine Tabelle der Wahrscheinlichkeitsverteilung an.
IV 483
VsPascal: was soll es eigentlich heißen, auf einer solchen Grundlage etwas zu glauben? Vielleicht ist jemand einfach unfähig, an Gott zu glauben? Glauben/Stegmüller: man kann nicht willentlich an etwas glauben.
Pascal: aber vielleicht steckt der Hinderungsgrund irgendwo im Gemüt, darauf kann man einwirken. Man kann sich entschließen, den Glauben zu praktizieren! Indirekt willentlich.
MackieVsPascal: 1. Widerspruch gegen seine eigene Behauptung, dass die Wette der Vernunft keine Gewalt antue: wer sich so zum Glauben bringt, tut allerdings seiner Vernunft und seinem Einsichtsvermögen Gewalt an.
2. Wer sich gegen unendliche Unwahrscheinlichkeit entscheidet, verwirft allerdings sehr wohl seine Vernunftprinzipien!
IV 484
3. Pascals weitere Voraussetzungen kommen ins Spiel: die Prädestinationslehre könnte ja richtig sein, in dem Fall sollte jeder danach trachten, sein irdisches Leben so glücklich wie möglich zu gestalten. Außerdem steckt hinter der Wette ein äußerst primitives Gottesbild: ein dummer und eitler Gott.
4. Selbst wenn es einen solchen Gott geben sollte, wäre dieser vielleicht gar nicht mit dem Glauben an ihn zufrieden sondern forderte eine Kirche usw.

Macki I
J. L. Mackie
Ethics: Inventing Right and Wrong 1977
Gewinn Spiel Millikan Vs Quine, W.V.O. I 215
beschreibend/referentiell/Kennzeichnung/Klassifikation/Millikan: man kann erzwingen, dass eine beschreibende Kennzeichnung referentiell funktioniert, Bsp „Er sagte, dass der Gewinner der Verlierer war“. Bsp (Russell): „Ich dachte, deine Yacht wäre größer als sie ist“.
I 216
Lösung: „der Gewinner“, und „größer als deine Yacht“ müssen als nach dem angepassten (adaptierten) Sinn klassifiziert angesehen werden. Dagegen:
„Der Verlierer“: hat wahrscheinlich nur beschreibenden Sinn-
„Deine Yacht“: wird durch beides klassifiziert: durch angepassten und durch relationalen Sinn, nur „dein“ ist rein referentiell.
Quine: (klassisches BeiSpiel) Bsp „Phillip glaubt, dass die Hauptstadt von Honduras in Nicaragua liegt“.
MillikanVsQuine: das ist nicht, wie Quine glaubt, offensichtlich falsch. Es kann als wahr gelesen werden, wenn „Hauptstadt von Honduras“ relationalen Sinn in diesem Kontext hat.
referentiell/beschreibend/Glaubenszuschreibung/intentional/Millikan: es gibt Ausnahmen, wo die Ausdrücke nicht beschreibend, aber auch nicht rein referentiell funktionieren, sondern auch durch relationalen Sinn oder Intension.
Bsp „der Mann der uns nach Hause fuhr“ sei jemand, der Sprecher und Hörer sehr gut bekannt ist. Dann muss der Hörer annehmen, dass hier jemand anderes gemeint ist, weil der Name nicht gebraucht wird.
Regel: hier wird die zweite Hälfte der Regel für intentionale Kontexte verletzt, „setzte welchen Ausdruck auch immer ein, der die Referenz erhält“. Das ist oft ein Zeichen dafür, dass die erste Hälfte verletzt ist: „ein Zeichen hat nicht nur Referenz, sondern auch Sinn oder Intension, die erhalten werden müssen. Warum sollte man sonst eine so umständliche Kennzeichnung („der Mann der uns nach Hause fuhr“) gebrauchen, statt des Namens?
Ortcutt/Ralph/Spion/Quine/Millikan: Bsp es gibt einen Mann mit braunem Hut, den Ralph flüchtig gesehen hat. Ralph nimmt an, er ist ein Spion.
a) Ralph glaubt, dass der Mann den er flüchtig gesehen hat, ein Spion ist.
I 217
b) Ralph glaubt, der Mann mit dem braunen Hut ein Spion ist Millikan: die unterstrichenen Teile werden relational aufgefasst, b) ist fraglicher als a) weil nicht klar ist, ob Ralph in explizit als einen braunen Hut tragend wahrgenommen hat.
Quine:
Außerdem ist da ein grauhaariger Mann, den Ralph vage als Säule der Gesellschaft kennt und von dem ihm nicht bewusst ist ihn gesehen zu haben, außer einmal am Strand.
c) Ralph glaubt, dass der Mann, den er am Strand gesehen hat, ein Spion ist.
Millikan: das ist sicher relational. Als solches wird es nicht aus a) oder b) folgen.
Quine: führt jetzt erst an, dass Ralph es nicht weiß, aber die zwei Männer sind ein und derselbe.
d) Ralph glaubt, dass der Mann mit dem braunen Hut kein Spion ist.
Das ist jetzt einfach falsch.
Frage: was ist aber mit
e) Ralph glaubt, dass Ortcutt ein Spion ist
f) Ralph glaubt, dass Ortcutt kein Spion ist.
Quine: jetzt erst teilt uns Quine nämlich den Namen des Mannes mit (der Ralph unbekannt ist).
Millikan: Bsp Jennifer, eine bekannte von Samuel Clemens, weiß nicht, dass dieser Mark Twain ist.
I 218
Sie sagt: „Ich würde sehr gern Mark Twain treffen“ und nicht „ich würde sehr gern Samuel Clemens treffen“. sprach-abhängig: hier wird „Mark Twain“ sprach-abhängig klassifiziert. Also sind auch sprachgebundene Intensionen nicht immer irrelevant für intentionale Kontexte. Sprach-gebunden musste das hier sein, um deutlich zu machen, dass der Name selbst wesentlich ist und gleichzeitig, dass es sinnlos ist zu unterstellen, dass sie gesagt hätte, sie wolle Samuel Clemens treffen.
Ralph/Quine/Millikan: Quine geht davon aus, dass Ralph nicht nur zwei innere Namen für Ortcutt hat, aber nur einer von beiden ist an den äußeren Nehmen Ortcutt geknüpft.
Millikan: Variante: Bsp’ ‚ Sie und ich beobachten Ralph, der misstrauisch Ortcutt beobachtet, der mit einer Kamera hinter dem Busch steht (sicher will er nur Spinnweben fotografieren). Ralph hat Ortcutt nicht als diesen erkannt und Sie denken: Gute Güte, Ralph glaubt, dass Ortcutt ein Spion ist“.
Pointe: in diesem Kontext ist der Satz wahr! ((s) Weil der Name „Ortcutt“ von uns verliehen wurde, nicht von Ralph).
referentiell/Millikan: Lösung: „Ortcutt“ wird hier als referentiell klassifiziert.
referentiell/Millikan. Bsp „Letzten Halloween dachte Susi tatsächlich, Robert (ihr Bruder) wäre ein Geist“. ((s) sie dachte nicht von Robert und auch nicht von ihrem Bruder, dass er ein Geist wäre, sondern dass sie einen Geist vor sich hätte).
MillikanVsQuine: so lange wie noch niemand explizit gefragt oder verneint hat, dass Tom weiß, dass Cicero Tullius ist, sind die zwei Glaubenszuschreibungen „Tom glaubt, dass Cicero Catilina denunziert hat“ und „…Tullius…“ äquivalent!
sprach-gebundene Intension/Millikan: wird nur erhalten, wenn der Kontext klarmacht, welche Worte gebraucht wurden, oder welche öffentlichen Wörter der Glaubende als implizite Intensionen hat.
voll-entwickelte (sprach-unabhängige) Intension/Millikan: für sie gilt das gleiche, wenn sie absichtlich bewahrt werden:
I 219
Bsp „Die Eingeborenen glauben, dass Hesperus ein Gott und Phosphorus ein Teufel ist“. Aber:
Pointe: es geht darum, dass die Eigenfunktion eines Satzes erhalten bleiben muss, wenn man in intentionale Kontexte übergeht. Das ist der Grund dafür, dass man bei der Glaubenszuschreibung nicht einfach „Cicero ist Tullius“ durch „Cicero ist Cicero“ ersetzen kann. ((s) triviale/nicht-triviale Identität).
Stabilisierungsfunktion/SF/Identitätsaussage/Millikan: die SF ist es, dass der Hörer „A“ und „B“ in denselben inneren Term übersetzt. Deswegen ist die Eigenfunktion (EF) von „Cicero ist Cicero“ eine andere als die von „Cicero ist Tullius“. Weil die EF verschieden ist, kann das eine nicht für das andere eingesetzt werden, in intentionalen Kontexten.
Eigenfunktion: Bsp „Ortcutt ist ein Spion und kein Spion“: hat die EF, in einen inneren Satz übersetzt zu werden, der ein Subjekt und zwei Prädikate hat. Kein Satz dieser Form ist in Ralphs Kopf zu finden. Deshalb kann man nicht sagen, dass Ralph glaubt, dass Ortcutt ein Spion und kein Spion ist.

I 299
Nichtwiderspruch/Millikan: der Test auf sie ist gleichzeitig ein Test auf unsere Fähigkeit, etwas zu identifizieren, wie auch darauf, dass unsere Begriffe das abbilden, was sie abbilden sollen. MillikanVsQuine: dabei geht es aber nicht „Bedingungen für Identität“ aufzustellen. Und auch nicht um „geteilten Bezug“ („derselbe Apfel wieder“). Das gehört zum Problem der Einheitlichkeit, nicht der Identität. Das ist nicht das Problem zu entscheiden, wie eine Ausschließlichkeitsklasse aufgeteilt wird.
I 300
Bsp zu entscheiden, wann rot aufhört und orange anfängt. Statt dessen geht es darum zu lernen, Bsp rot unter anderen Umständen wiederzuerkennen.
Wahrheit/Richtigkeit/Kriterium/Quine/Millikan. für Quine scheint ein Kriterium für richtiges Denken zu sein, dass die Relation auf einen Reiz vorhergesagt werden kann.
MillikanVsQuine: aber wie soll das lernen, unisono zu sprechen, die Vorhersage erleichtern?
Übereinstimmung/MillikanVsQuine/MillikanVsWittgenstein: beide berücksichtigen nicht, was Übereinstimmung in Urteilen eigentlich ist: es ist nicht unisono zu reden., Wenn man nicht dasselbe sagt, heißt das nicht, dass man nicht übereinstimmt.
Lösung/Millikan: Übereinstimmung heißt, dasselbe über dasselbe zu sagen.
Nichtüberein